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Bibliographische Information Der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbi


bliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über
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ISBN-10: 3-448-07952-9 Bestell-Nr. 01133-0008


ISBN-13: 978-3-448-07952-4

1. Auflage 1995 (ISBN 3-8092-1078-1)


2., aktualisierte Auflage 1997 (3-8092-1304-7)
3., durchgesehene und erweiterte Auflage 1998 (ISBN 3-8092-1365-9)
4., durchgesehene und erweiterte Auflage 2001 (ISBN 3-8092-1461-2)
5., überarbeitete und erweiterte Auflage 2002 (ISBN 3-448-05136-5)
6., überarbeitete und erweiterte Auflage 2004 (ISBN 3-448-06027-5)
7., durchgesehene Auflage 2005 (ISBN 3-448-0637-7)
8., überarbeitete Auflage 2007

© 2007, Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co. KG, Niederlassung Planegg/München

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Redaktion: Dipl.-Kffr. Kathrin Menzel-Salpietro

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oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

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Umschlaggestaltung: HERMANNKIENLE, 70199 Stuttgart
Druck: Bosch-Druck, 84030 Ergolding
Bilanzen
richtig lesen, besser verstehen, optimal gestalten

Prof. Dr. Hilmar J. Vollmuth

8. Auflage

Haufe Mediengruppe
Freiburg · München · Berlin · Würzburg
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zur achten Auflage 10
Vorwort zur ersten Auflage 10
A Bilanzanalyse und Bilanzkritik 13
1 Begriffe 13
1.1 Bilanzanalyse 13
1.2 Bilanzkritik 13
1.3 Bilanzpolitik 14
2 Zielsetzungen 16
2.1 Informationsverdichtung 17
2.2 Entscheidungsgrundlagen 18
3 Aufgaben 20
3.1 Sachbezogene Aufgaben 22
3.2 Zeitbezogene Aufgaben 23
4 Arten der Bilanzanalyse 25
4.1 Interne Bilanzanalyse 25
4.2 Externe Bilanzanalyse 25
5 Adressaten 26
5.1 Gesellschafter, potenzielle Anleger 26
5.2 Banken, Lieferanten, Kunden 27
5.3 Arbeitnehmer, Gewerkschaften 28
5.4 Öffentlichkeit 28
5.5 Finanzamt 28
5.6 Unternehmensleitung 29
6 Bilanzarten 30
6.1 Interne und externe Bilanzen 30
6.2 Ordentliche und außerordentliche Bilanzen 30
6.3 Handels und Steuerbilanzen 31
6.4 Einzel, Gemeinschafts und Konzernbilanzen 31

4
Inhaltsverzeichnis

7 Inhalt der Bilanzanalyse 32


7.1 Formale Bilanzanalyse 32
7.2 Materielle Bilanzanalyse 33
8 Kennzahlen 35
8.1 Arten der Kennzahlen 37
8.2 Kennzahlensystem 40
9 Vergleichsrechnungen 45
9.1 Zeitvergleiche 46
9.2 Betriebs und Branchenvergleiche 46
9.3 SollIstVergleiche 47
10 Grenzen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik 49
10.1 Wahrheitsgehalt der Zahlen 49
10.2 Verfügbarkeit der Daten 53
11 Bilanzsteuerrecht 55
11.1 Allgemeine Vorschriften 56
11.2 Gewinnermittlungsarten 63
11.3 Handels und Steuerbilanz 66
11.4 Finanzbuchhaltung, Inventur, Bilanzierung 69
11.5 Allgemeine Bewertungsgrundsätze 77
11.6 Bewertungsmaßstäbe 84
11.7 Abschreibungen 89
11.8 Bewertung der Bilanzpositionen 96
12 Jahresabschluss 102
12.1 Betrieblicher Wertekreislauf 102
12.2 Wichtige Teile der Bilanz 106
12.3 Bestandteile des Jahresabschlusses 109
13 Aufbereitung der Daten 121
13.1 Rahmenbedingungen 122
13.2 Vorbereitungsarbeiten 124
14 Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses 128
14.1 Aufbereitungen der Bilanz 128
14.2 Aufbereitungen der GuV 149

5
Inhaltsverzeichnis

15 Aufstellung der Strukturbilanz sowie der Struktur


GuV 167
15.1 Strukturbilanz 167
15.2 StrukturGuV 175
15.3 Formblätter 178
16 Teilanalysen 186
16.1 Strukturanalyse 187
16.2 Erfolgsanalyse 199
16.3 Finanzanalyse 211
16.4 CashflowAnalyse 219
16.5 WertschöpfungsAnalyse 223
16.6 Kapitalflussrechnung 227
16.7 AktienAnalyse 236
16.8 Ergebnis nach DVFA/SG 244
17 Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel 250
17.1 Erfolgsanalyse 253
17.2 Finanzanalyse 272

B Bilanzpolitik 279
1 Wesen 279
2 Ziele der Bilanzpolitik 279
2.1 Steuerung der Gewinnausschüttung 280
2.2 Gestaltung der Bilanzstruktur 280
2.3 Reduzierung der Steuerbelastung 281
2.4 Ausgewogenheit der Informationen 282
2.5 Erfüllung der Publizitätsverpflichtungen 282
2.6 Weitere Ziele 283
3 Formen der Bilanzpolitik 284
3.1 Formelle Bilanzpolitik 284
3.2 Materielle Bilanzpolitik 284
4 Bilanzpolitische Instrumente 285
4.1 Maßnahmen, die an gegebene Sachverhalte
anknüpfen 285

6
Inhaltsverzeichnis

4.2 Maßnahmen, die gegebene Sachverhalte


verändern 287
5 Bilanzpolitische Maßnahmen 287
5.1 Formelle Maßnahmen 288
5.2 Materielle Maßnahmen 295

C Exkurs: Internationale Rechnungslegung 305


1 Internationale Rechnungslegungsstandards 305
2 Gegenüberstellung von HGB, IFRS und USGAAP 306
2.1 Grundlagen der RechnungslegungsSysteme 306
2.2 Grundsätze der Rechnungslegung 307
2.3 Bilanzierung 308
2.4 Bewertung 309
2.5 Konzernabschluss 312
2.6 Ergänzungsrechnungen 313

D Auswirkungen der Steuergesetze auf die


Jahresabschlusserstellung 315
1 Überprüfung der Finanzbuchhaltung 316
3.1 Steuerliche Tätigkeiten 320
3.2 Ausgewählte steuerliche Einzelprobleme 324
3.3 Aspekte der Gesamtsteuerbelastung 339
3.4 Aktuelle Steuergesetzänderungen 342

E Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik 345


1 Einschränkungen 345
New Economy 347
2 Anhang und Lagebericht 349

7
Inhaltsverzeichnis

3 Strategische Unternehmensanalysen 350


3.1 Stärken und Schwächenanalysen 350
3.2 Wertorientiertes Führungssystem 354
3.3 Balanced Scorecard 358

F Rating 363
1 Basel I und Basel II 363
2 Wesen des Ratings 364
3 Arten des Ratings 365
4 Konsequenzen von Basel II für die Banken 366
4.1 Neue Bewertungssysteme 366
4.2 Erarbeitung zusätzlicher Informationen und
Daten 367
4.3 Weiterbildung der Mitarbeiter 368
5 Prozess des Ratings 368
5.1 FinanzRating 369
5.2 Qualitatives Rating 370
5.3 Warnsignale 371
5.4 Haftungsverbünde 371
6 Vorbereitungen auf das interne RatingVerfahren 371
7 Betrieblicher Nutzen durch das interne Rating 375

G Weiterentwicklung der internationalen


Rechnungslegung in Deutschland 379
1 BilanzrichtlinienGesetz 379
2 USGAAPAbschluss 379
3 IFRSAbschluss 380
4 Neuer Markt 380

8
Inhaltsverzeichnis

5 SMAX (Small Caps Exchange) 381


6 Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz 381
7 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im
Unternehmensbereich (KonTraG) 382
8 Transparenz und Publizitätsgesetz 383
9 Bilanzrechtsreformgesetz 384

Literaturverzeichnis 387
Stichwortverzeichnis 392
Anhang

9
Vorwort zur achten Auflage
Die internationale Rechnungslegung wurde in Deutschland in den
letzten Jahren weiterentwickelt. Deshalb haben wir ein neues Kapitel
hinzugefügt, das sich mit den einzelnen Stufen der Internationalisie-
rung der Rechnungslegung beschäftigt.
Neben den Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresab-
schlusserstellung wurden auch die aktuellen Steuergesetzänderun-
gen, die sich in der Zwischenzeit ergaben, in der 8. Auflage berück-
sichtigt. Diese überarbeitete und erweiterte Auflage ist unter Mitar-
beit von Herrn Dipl. Betriebswirt (FH) Marco Waider entstanden,
der als Steuerberater in einer mittelständischen Steuerberatungs-
und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig ist.
Fulda, Herbst 2006 Hilmar J. Vollmuth

Vorwort zur ersten Auflage


Die Zielsetzung dieses Buches besteht darin, den Leser in die Lage zu
versetzen, in Zukunft selbst eine detaillierte Bilanzanalyse durchzu-
führen, eine aussagefähige Bilanzkritik der erarbeiteten Ergebnisse
vorzunehmen und eine aktive Bilanzpolitik zu betreiben. Die um-
fangreiche Literatur über dieses Thema befasst sich meist mit den
großen Unternehmen. In diesem Buch wird besonderer Wert auf die
Bilanzanalyse, Bilanzkritik und die Bilanzpolitik für kleinere und
mittlere Unternehmen gelegt. Ein ausführliches Fallbeispiel zeigt,
wie eine Bilanzanalyse und eine Bilanzkritik schrittweise durchge-
führt werden sollte.
Die Aufgaben und die Inhalte der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik
werden aufgezeigt. Es erfolgt auch eine Erläuterung über die Bildung
von Kennzahlen sowie über die Grenzen der Bilanzanalyse und der
Bilanzkritik.
Der Analytiker sollte auch die wesentlichen Punkte des Bilanzsteuer-
rechts kennen. Neben den allgemeinen Vorschriften werden die
Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze behandelt, die bei der

10
Vorwort zur ersten Auflage

Erstellung des Jahresabschlusses zu beachten sind. Eine gründliche


Bilanzanalyse und Bilanzkritik kann nur dann systematisch durch-
geführt werden, wenn die wichtigsten Bestimmungen des Handels-
und Steuerrechts bekannt sind.
Die Aufbereitung des Zahlenmaterials und die Untersuchung der
Positionen des Jahresabschlusses werden dargestellt, um einen besse-
ren Einblick in die Struktur und den Inhalt der Bilanz sowie der
GuV zu erhalten. Die Auswahl und die Interpretation von wichtigen
Kennzahlen erlauben eine genauere Beurteilung der Lage der Unter-
nehmen.
Zu den Teilanalysen gehören die Struktur-, die Erfolgs- und die
Finanzanalysen. Die Sonderrechnungen wie die Cashflowanalyse, die
Wertschöpfungsanalyse und die Kapitalflussrechnung werden
ebenfalls ausführlich besprochen und an Beispielen dargestellt.
Die Durchführung der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik ermög-
licht der Unternehmensleitung und den Führungskräften, die Stär-
ken und die Schwächen eines Unternehmens zu erkennen. Auch
Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater können
aufgrund der Ergebnisse feststellen, welche wirtschaftlichen, finan-
ziellen und organisatorischen Maßnahmen eingeleitet werden soll-
ten, um die Ertrags- und Finanzkraft der Unternehmen zu erhöhen.
Die Ergebnisse der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik stellen also
eine gute Grundlage dar, die Planung zu verbessern, die Kontrolle zu
verstärken und die Steuerung konsequenter vorzunehmen.
Mithilfe der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik kann die gegenwärti-
ge Lage und die zukünftige Entwicklung der Unternehmen besser
beurteilt werden. Die Analyse von mindestens drei Jahresabschlüs-
sen und die betriebswirtschaftliche Auswertung der Ergebnisse sind
gute Unterlagen für operative und strategische Entscheidungen in
den Unternehmen.
Die Methoden, die Instrumente und die Techniken der Bilanzana-
lyse und der Bilanzkritik werden einfach und klar dargestellt. Auf
theoretische Erläuterungen wird dabei weitgehend verzichtet.
Zwischen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik sowie der Bilanz-
politik gibt es enge Wechselbeziehungen. Mithilfe der Bilanzanalyse

11
Vorwort zur ersten Auflage

und der Bilanzkritik können wir einen guten Einblick in die tatsäch-
lichen Verhältnisse der Unternehmen erhalten und die Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage des Unternehmens besser beurteilen. Dann
besteht die Möglichkeit, bilanzpolitische Gestaltungen vorzuneh-
men, um die Gewinne zu beeinflussen, die Bilanzstruktur zu ver-
bessern, die Steuern zu reduzieren, die Ausgewogenheit der Infor-
mationen zu erreichen und den Publizitätsverpflichtungen nachzu-
kommen.
Das vorliegende Buch richtet sich an die Unternehmensleitung und
die Führungskräfte insbesondere kleinerer und mittlerer Unterneh-
men. Auch für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensbe-
rater und Analytiker in den Banken kann dieses praxisorientierte
Buch von Interesse sein, da der Jahresabschluss häufig die einzige
Unterlage darstellt, die über die wirtschaftliche Lage des Unterneh-
mens Auskunft gibt.
Das Buch eignet sich auch für Studenten der Fachhochschulen,
Universitäten und Akademien, die sich einen guten Überblick über
die Analyse und die Beurteilung der Jahresabschlüsse verschaffen
wollen. Sie können sich mit den Methoden, den Instrumenten und
den Techniken der Bilanzanalyse sowie der Bilanzkritik vertraut
machen und die Besonderheiten der Bilanzpolitik kennen lernen.

Fulda, Frühjahr 1995 Hilmar J. Vollmuth

12
A Bilanzanalyse und Bilanzkritik

1 Begriffe
Grundlage für die Bilanzanalyse, Bilanzkritik und Bilanzpolitik ist
der Jahresabschluss eines Unternehmens. Um einen besseren Ein-
blick in die Entwicklung und Unternehmenspolitik eines Unter-
nehmens zu erhalten, sollten wir mindestens drei aufeinanderfol-
gende Jahresabschlüsse untersuchen.

1.1 Bilanzanalyse
Bei der Bilanzanalyse wird der Jahresabschluss eines Unternehmens
in einzelne Teile zerlegt, um bestimmte Erkenntnisse zu gewinnen.
Wir bereiten die Daten des Jahresabschlusses auf und führen Ver-
gleiche durch, damit wir genauere Aussagen über den Erfolg oder
Misserfolg eines Unternehmens machen können. Die Bilanzanalyse
umfasst also verschiedene Verfahren zur Informationsgewinnung.
Die Bilanz ermöglicht eine zeitpunktbezogene Analyse. Die zeit-
raumbezogene Analyse dagegen bezieht sich auf die GuV. Sie um-
fasst alle Erträge und Aufwendungen, die während des ganzen Jahres
angefallen sind. Neben der zeitpunktbezogenen (statischen) Be-
trachtung eines Unternehmens ist also auch eine zeitraumbezogene
(dynamische) Untersuchung vorzunehmen.

1.2 Bilanzkritik
Die Bilanzkritik beschäftigt sich mit der Auswertung der Ergebnisse
der Bilanzanalyse. Die erarbeiteten Kennzahlen werden kritisch
gewürdigt. Anhand von Vergleichen können wir zusätzliche Er-
kenntnisse gewinnen. Die Bilanzanalyse und Bilanzkritik sind also
eng miteinander verbunden.

13
A Begriffe

Die betriebswirtschaftliche Analyse und Auswertung der Jahresab-


schlüsse sollten sich auf mindestens drei Jahre beziehen, um genaue
und fundierte Aussagen über die Entwicklung eines Unternehmens
machen zu können. Dann sind wir auch in der Lage, bessere Ent-
scheidungen über die Zukunft eines Unternehmens zu treffen.
Die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse ist eine entschei-
dende Aufgabe der Bilanzkritik. Bei der Auswertung spielt besonders
der Sachverstand, die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl eine
große Rolle, um bestimmte Sachverhalte richtig zu beurteilen.

1.3 Bilanzpolitik
Unter der Bilanzpolitik verstehen wir die bewusste Beeinflussung
einzelner Positionen des Jahresabschlusses, um die Steuerung der
Gewinnausschüttung, die Gestaltung der Bilanzstruktur, die Redu-
zierung der Steuerbelastung zu erreichen sowie der Ausgewogenheit
der Informationen und der Erfüllung der Publizitätsverpflichtungen
nachzukommen. Bei der Bilanzpolitik geht es um gesetzlich zulässige
Maßnahmen zur Realisierung wichtiger Ziele der Unternehmen.

Steuerung der Gewinnausschüttung

Gestaltung der Bilanzstruktur

Ziele der Bilanzpolitik Reduzierung der Steuerbelastung

Ausgewogenheit der Informationen

Erfüllung der Publizitätsverpflichtungen


Abb. 1: Ziele der Bilanzpolitik
Die bilanzpolitischen Entscheidungen können von der Unterneh-
mensleitung und von den Führungskräften erst getroffen werden,
wenn sie sich einen guten Überblick über die wichtigen Positionen
in der Bilanz sowie in der GuV beschafft haben.
Die operativen und strategischen Ziele der Unternehmen müssen
dann mit den Zielen der Handels- und Steuerpolitik abgestimmt

14
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
werden. Die bilanzpolitischen Instrumente sind systematisch in den
Unternehmen einzusetzen, um die Substanz der Unternehmen zu
erhalten.
Auch die kleineren und mittleren Unternehmen sollten erkennen,
welche bilanzpolitischen Maßnahmen in Zukunft durchgeführt
werden müssen, um die Unternehmen besser zu führen. Die Unter-
nehmensleitung und die Führungskräfte haben auch die Aufgabe,
sich über die vorhandenen Ermessensspielräume, die das Handels-
und Steuerrecht bieten, zu informieren. Dann kann in Zukunft eine
bessere Bilanzpolitik betrieben werden, um mehr Steuern zu sparen.
Die im Handels- und Steuerrecht vorhandenen Wahlrechte und
Ermessensspielräume können dann in Zukunft besser genutzt wer-
den.

Zusammenfassung:
Bei der Bilanzanalyse wird der Jahresabschluss eines Unternehmens in
einzelne Teile zerlegt, um genauere Aussagen über die Ertrags und Fi
nanzlage eines Unternehmens machen zu können. Die Bilanz ermöglicht
eine zeitpunktbezogene (statische) Analyse, während die GuV eine
zeitraumbezogene (dynamische) Analyse erlaubt. Um einen besseren
Einblick in die Entwicklung und die Unternehmenspolitik eines Unter
nehmens zu erhalten, sollten mindestens drei aufeinanderfolgende
Jahresabschlüsse untersucht werden.
Die Bilanzkritik bezieht sich auf die Auswertung des Ergebnisses der
Bilanzanalyse. Die errechneten Kennzahlen werden kritisch gewürdigt,
um durch Vergleiche zusätzliche Erkenntnisse zu erhalten. Die be
triebswirtschaftliche Analyse und Auswertung der Jahresabschlüsse er
laubt genauere und fundiertere Aussagen über die Vermögens, Finanz
und Ertragslage des Unternehmens. Die Ergebnisse der Bilanzkritik er
möglichen also bessere Entscheidungen über die Zukunft der Unter
nehmen.
Die Bilanzpolitik beschäftigt sich mit der bewussten Beeinflussung ein
zelner Positionen des Jahresabschlusses, um insbesondere die Steue
rung der Gewinnausschüttung, die Gestaltung der Bilanzstruktur und
die Reduzierung der Steuerbelastung zu erreichen sowie der Ausgewo
genheit der Informationen und der Erfüllung der Publizitätsverpflich
tungen nachzukommen. Die Bilanzpolitik bezieht sich auf gesetzlich
zulässige Maßnahmen, um die einzelnen Ziele der Unternehmen zu rea
lisieren.

15
A Zielsetzungen

Auch kleinere und mittlere Unternehmen sollten erkennen, welche bi


lanzpolitischen Maßnahmen in Zukunft beschlossen werden müssen,
um die Unternehmen besser zu führen und die Substanz der Unterneh
men zu erhalten. Wenn die Unternehmensleitung und die Führungs
kräfte wissen, welche Wahlrechte und Ermessensspielräume das Han
dels und das Steuerrecht bieten, kann in Zukunft eine effizientere Bi
lanzpolitik betrieben werden. Die Initiative zur Ausnutzung der
Wahlrechte und Ermessensspielräume sollte von der Unternehmenslei
tung und von den Führungskräften in Zukunft ausgehen. Die Steuerbe
rater und Wirtschaftsprüfer sollten die Vorschläge der Unternehmen
dann auf die Zulässigkeit überprüfen.

2 Zielsetzungen
Die Zielsetzungen der Bilanzanalyse, der Bilanzkritik und der Bi-
lanzpolitik sind für die einzelnen Unternehmen verschieden. Sie
richten sich vor allem nach den unterschiedlichen Informationsbe-
dürfnissen der einzelnen Adressaten.
Alle Unternehmen und Interessengruppen interessieren sich aber für
folgende Problemstellungen:
1. Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Ertragslage des
Unternehmens
2. Einschätzung der finanziellen Stabilität des Unternehmens
3. Ermittlung der Erfolgspotenziale
4. Untersuchung der Wertschöpfung
5. Verminderung der Steuerbelastung
Mithilfe der Bilanzanalyse, der Bilanzkritik und der Bilanzpolitik soll
eine bessere Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Er-
tragslage des Unternehmens ermöglicht werden. Außerdem interes-
siert viele Adressaten des Jahresabschlusses die Einschätzung der
finanziellen Stabilität des Unternehmens. Die Banken und die Liefe-
ranten beispielsweise möchten wissen, ob das Unternehmen den
gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nach-
kommen kann oder nicht. Die Ermittlung der Erfolgspotenziale ist
ebenfalls wichtig für viele Geschäftspartner des Unternehmens.
Deshalb sind vor allem die Stärken und Schwächen des Unterneh-

16
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
mens, die Risikostreuung, die Investitionsaktivitäten, die Finanzie-
rungsmöglichkeiten und das Wachstum des Unternehmens von
großem Interesse. Auch über die Wertschöpfung des Unternehmens
möchten einige Interessenten mehr erfahren.
Der Jahresabschluss gibt nicht einfach einen guten Einblick, um die
einzelnen Fragestellungen gut beantworten zu können. Ein geübter
Analytiker kann auf die einzelnen Fragen aber aus dem nach han-
dels- und steuerrechtlichen Vorschriften erstellten und komplexen
Zahlenmaterial entsprechende Antworten geben. Deshalb ist es
notwendig, dass der Bilanzleser sich einen guten Überblick über die
Finanzbuchhaltung, die Abschlusstechniken, die Bewertungsregeln,
die Bilanzierungsvorschriften, die Grundsätze ordnungsmäßiger
Buchführung und die Ansatzvorschriften verschafft. Diese Gesichts-
punkte beeinflussen das Zahlenmaterial, das wir dem Jahresab-
schluss entnehmen können.

2.1 Informationsverdichtung
Das Zahlenmaterial des Jahresabschlusses muss aufbereitet und
gruppiert werden, um dem Leser des Jahresabschlusses einen besse-
ren Überblick zu gewähren. Das Informationsmaterial sollte also
verdichtet werden, damit wir die Zusammenhänge und Abhängig-
keiten leichter verstehen können.
Die Zielsetzung für den Jahresabschluss ist die Vermittlung eines
zuverlässigen Einblicks in die Unternehmensverhältnisse. Dieser
Einblick bezieht sich vor allem auf folgende Punkte:
1. Vermögenslage
Es geht um die Zusammensetzung der Vermögenswerte, der
Schulden und des Eigenkapitals sowie deren Veränderungen im
Zeitvergleich.
2. Finanzlage
Den Bilanzleser interessiert die Fähigkeit des Unternehmens, sei-
nen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.
3. Ertragslage
Von besonderer Bedeutung sind die Feststellung des Erfolgs und
die Aussichten für eine solide Gewinnerzielung in der Zukunft.

17
A Zielsetzungen

2.2 Entscheidungsgrundlagen
Der Jahresabschluss bildet eine gute Entscheidungsgrundlage für die
Unternehmensleitung und die Führungskräfte, wenn sie sich mit
den Techniken der Aufbereitung des Jahresabschlusses vertraut
machen. Außerdem erlauben die Ergebnisse der Bilanzanalyse und
der Bilanzkritik eine bessere Beurteilung der unternehmerischen
Entscheidungen.
Die Ziele eines Unternehmens können eine gute Rentabilität des
Kapitals, ein ergiebiger Cashflow, eine hohe Rentabilität des Umsat-
zes, eine gesicherte Zahlungsfähigkeit, eine zweckentsprechende
Vermögensstruktur, eine optimal gestaltete Kapitalstruktur, ein
geringer Verschuldungsgrad und eine solide Substanzerhaltung sein.

Ziele eines Unternehmens


1. Gute Rentabilität des Kapitals
2. Ergiebiger Cashflow
3. Hohe Rentabilität des Umsatzes
4. Gesicherte Zahlungsfähigkeit
5. Zweckentsprechende Vermögensstruktur
6. Optimal gestaltete Kapitalstruktur
7. Geringer Verschuldungsgrad
8. Solide Substanzerhaltung
Abb. 2: Ziele eines Unternehmens
Wir unterscheiden verschiedene Zielvorstellungen, die sich vonein-
ander unterscheiden können. Deshalb müssen wir auch unter-
schiedliche Teilanalysen durchführen. Die Zielvorstellungen eines
Unternehmens können wie folgt aussehen:
1. Erfolgsanalyse
1.1 Erwirtschaftung eines guten Gewinns
1.1.1 Erhaltung der realen Substanz des Unternehmens
1.1.2 Garantie des notwendigen Wachstums
1.2 Verbesserung der Ertragskraft des Unternehmens
1.2.1 Förderung der Produkte mit hohen Deckungsbeiträgen
1.2.2 Vorsorge für zukünftige Entwicklungen des Unternehmens
durch neue Produkte (Innovationen)
1.3 Sicherung der Wirtschaftlichkeit

18
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
1.3.1 Erzielung einer guten Rentabilität auf lange Sicht
1.3.2 Erhöhung des erforderlichen Eigenkapitals
2. Finanzanalyse
2.1 Zweckentsprechende Gestaltung der Vermögensstruktur
2.1.1 Forderung nach einer optimalen Ertragsfähigkeit der getä-
tigten Investitionen
2.1.2 Erhaltung der Anpassungsfähigkeit an Veränderungen der
Wirtschaftslage
2.2 Schaffung einer ausgewogenen Kapitalstruktur
2.2.1 Streben nach guter Rentabilität und hoher Liquidität
2.2.2 Beachtung der Risikogesichtspunkte (Risikostreuung)
Die einzelnen Zielsetzungen lassen sich nicht alle gleichzeitig ver-
wirklichen. Auch können die verschiedenen Ziele nicht mit der
gleichen Intensität verfolgt werden. In den Unternehmen muss
vielmehr ein ständiger Ausgleich der Zielsetzungen erfolgen. Die
Unternehmensleitung und die Führungskräfte müssen also flexibel
operieren und das Zielsystem variabel gestalten.
Wenn in einem Unternehmen beispielsweise Liquiditätsschwierig-
keiten aufgetreten sind, dann muss zuerst wieder die Zahlungsfähig-
keit des Unternehmens hergestellt werden. Die Rentabilitätsziele
sind dann kurzfristig zu vernachlässigen. Langfristig muss allerdings
jedes Unternehmen bestrebt sein, einen guten Return on Investment
(ROI) zu erwirtschaften.

Zusammenfassung:
Die Zielsetzungen der Bilanzanalyse, der Bilanzkritik und der Bilanzpo
litik sind für die einzelnen Unternehmen verschieden. Alle Unternehmen
interessieren sich aber für die Beurteilung der gegenwärtigen und zu
künftigen Ertragslage, für die Einschätzung der bilanziellen Stabilität,
für die Ermittlung der Erfolgspotenziale, für die Untersuchung der
Wertschöpfung und für die Reduzierung der Steuerbelastung.
Der Jahresabschluss gibt nicht einfach einen guten Einblick in diese
Fragestellungen. Ein geübter Analytiker kann aber aus dem nach han
dels und steuerrechtlichen Vorschriften erstellten und komplexen
Zahlenmaterial entsprechende Antworten geben, wenn die Jahresab
schlüsse richtig aufbereitet, gründlich analysiert und kompetent beur
teilt werden.

19
A Aufgaben

Die Informationen aus den Jahresabschlüssen müssen verdichtet und


als Entscheidungsgrundlagen systematisch eingesetzt werden. Dann
können in Zukunft bessere Entscheidungen getroffen werden. Die Un
ternehmen haben somit bessere Chancen, die wichtigen Ziele in Zu
kunft schneller und konsequenter zu erreichen.
Zu den wichtigen Zielen zählen insbesondere eine gute Rentabilität des
eingesetzten Kapitals, ein ergiebiger Cashflow, eine hohe Rentabilität
des Umsatzes, eine gesicherte Zahlungsfähigkeit, eine zweckentspre
chende Vermögensstruktur, eine optimal gestaltete Kapitalstruktur, ein
geringer Verschuldungsgrad und eine solide Substanzerhaltung.
Die einzelnen Zielsetzungen können nicht gleichzeitig realisiert werden.
Auch lassen sich die verschiedenen Ziele nicht mit der gleichen Inten
sität verfolgen. In den Unternehmen sollte vielmehr ein ständiger Aus
gleich der Zielsetzungen erfolgen. Die Unternehmensleitung und die
Führungskräfte müssen also flexibel vorgehen und das beschlossene
Zielsystem variabel einsetzen.

3 Aufgaben
Die Bilanzanalyse ist ein Instrument, das einen guten Einblick in die
Verhältnisse eines Unternehmens gewährt. Die Aufgaben der Ana-
lyse des Jahresabschlusses richten sich jeweils nach den Adressaten,
die unterschiedliche Informationen von einer Bilanzanalyse erwar-
ten.
Die Banken verwenden für die Bilanzanalyse einheitliche Formulare.
Die errechneten Kennzahlen des Unternehmens werden dann mit
Branchenkennzahlen verglichen, um die Kreditwürdigkeit des Un-
ternehmens zu ermitteln.
Die Durchführung der Bilanzanalyse ist vom Umfang der verfügba-
ren Unterlagen und Informationen abhängig. Entscheidend für die
Aussagekraft der Bilanzanalyse sind allerdings die Fähigkeiten, die
Kenntnisse und die Erfahrungen der Mitarbeiter, die die Bilanzana-
lysen vornehmen.
Der Jahresabschluss hat ein den tatsächlichen Verhältnissen entspre-
chendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des bilan-
zierten Unternehmens zu vermitteln (§ 264 Abs. 2 HGB). Die Be-

20
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
trachtung der absoluten Zahlen erlaubt aber keinen zuverlässigen
Einblick in die Verhältnisse eines Unternehmens.
Deshalb sollten Struktur-, Erfolgs- und Finanzanalysen durchge-
führt werden.

Arten der Analysen

Strukturanalyse Erfolgsanalyse Finanzanalyse

Abb. 3: Arten der Analysen


Weitere Spezialanalysen können erstellt werden, um bestimmte
Einzelfragen der Unternehmensleitung oder der Banken zu beant-
worten.
Die Jahresabschlüsse dienen der jährlichen Rechenschaftslegung,
Dokumentation und Information über die wirtschaftlichen Aktivi-
täten der Unternehmen. Diese Unterlagen geben einen Überblick
über die Ertrags- und Finanzkraft der Unternehmen und erlauben
eine Aussage über die Erfolge und/oder Misserfolge der Unterneh-
men in den einzelnen Geschäftsjahren.
Hauptaufgaben des Jahresabschlusses
1. Rechenschaftslegung
Der Jahresabschluss ist ein Rechenschaftsbericht über das abge-
laufene Geschäftsjahr.
2. Dokumentation
Der Jahresabschluss stellt die Zusammenfassung der Zahlen der
Finanzbuchhaltung zur Sicherung von Urkunden im Interesse
der Rechtssicherheit dar.
3. Information
Der Jahresabschluss bedeutet auch einen Zwang zur Selbstin-
formation der Unternehmen und der Kapitalgeber über die Lage
der Unternehmen (Gläubigerschutz).
Die Hauptaufgaben des Jahresabschlusses können in folgende Tei-
laufgaben unterteilt werden:

21
A Aufgaben

1. Konkretisierung des Erfolgs und Feststellung des ausschüttungs-


fähigen Gewinns
2. Entscheidungsgrundlage für die Unternehmensleitung
3. Besteuerungsgrundlage
Die Jahresabschlüsse liefern nur einen Teil der Informationen zur
Beurteilung der wirtschaftlichen Situation der Unternehmen. Weite-
re Daten und Informationen werden zur besseren Beurteilung der
Unternehmen benötigt, die vor allem von der Unternehmensleitung
und den Führungskräften zur Verfügung gestellt werden müssen.
Die Aufgaben der Bilanzanalyse und Bilanzkritik werden folgender-
maßen unterteilt:

3.1 Sachbezogene Aufgaben


Die sachbezogenen Aufgaben können wir nach folgenden Funktio-
nen untergliedern:

3.1.1 Informationsfunktion
Der Wert eines Unternehmens ist transparent zu machen. Außer-
dem ist ein Überblick über die Unternehmensverhältnisse zu geben.
Diese Informationsfunktion der Bilanzanalyse wird durch Maß-
nahmen der Aufbereitung und Strukturierung des Zahlenmaterials
sowie durch die Kennzahlenbildung wahrgenommen.

3.1.2 Hinweisfunktion
Auf wichtige Sachverhalte im Unternehmen muss aufmerksam ge-
macht werden. Entscheidende Zusammenhänge sind ebenfalls klar
darzustellen. Weitere Auswirkungen auf das Unternehmen sollten
verdeutlicht werden. Zur Erfüllung dieser Hinweisfunktion der
Bilanzanalyse und Bilanzkritik werden Zeit- und Branchenvergleiche
durchgeführt.

3.1.3 Initiativfunktion
Der Sinn der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik besteht auch darin,
aufgrund der Informationen und Hinweise neue Entscheidungen zu
treffen und die Situation im Unternehmen zu verbessern. Aus den

22
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Erkenntnissen der Analysen sollten Konsequenzen gezogen werden.
Die Unternehmensleitung und die Führungskräfte sind dazu anzu-
regen, neue Initiativen zu ergreifen, um Probleme zu beseitigen oder
um neue Chancen wahrzunehmen. Die Initiativfunktion der Bilanz-
analyse und der Bilanzkritik ist also besonders wichtig.

3.2 Zeitbezogene Aufgaben


Die zeitbezogenen Aufgaben sollten sich sowohl auf die Vergangen-
heit als auch auf die Zukunft beziehen. Deshalb ist folgende Auftei-
lung sinnvoll:

3.2.1 Vergangenheit
Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik beziehen sich meist auf eine
Zustandsbetrachtung der vergangenen Jahre. Diese retrospektive
Analyse beschränkt sich auf die Diagnose eines Unternehmens. Es
wird meist eine Analyse des Ist-Zustandes mithilfe von Kennzahlen
und betriebswirtschaftlichen Vergleichen vorgenommen.

3.2.2 Zukunft
Die vergangenheitsorientierte Betrachtungsweise ist allerdings zu
eng. Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik sollten sich auch mit der
Zukunft befassen. Von einer retrospektiven Analyse ist also auch auf
eine prospektive Betrachtung überzugehen. Die Prognosen sind
allerdings besonders schwierig, da zukünftige Entwicklungen des
Unternehmens berücksichtigt werden müssen.
Es wäre gefährlich, beispielsweise eine Trendanalyse durchzuführen,
die nur auf einer Extrapolation der einzelnen Daten des Unterneh-
mens beruht. Vielmehr sollten bei der Prognose möglichst viele
externe und interne Faktoren berücksichtigt werden, die auf die
zukünftige Entwicklung des Unternehmens Einfluss ausüben. Zu
diesen Faktoren gehören beispielsweise der Konjunkturverlauf, das
Wachstum, die Nachfrageverschiebungen, die neuen Gesetze und
der Umweltschutz. Außerdem sind die Führungsqualitäten der Un-
ternehmensleitung und der Führungskräfte zu beachten.
Für die prospektiven Analysen werden insbesondere die Daten der
operativen und strategischen Planung verwendet. Die wichtigsten

23
A Aufgaben

Daten der einzelnen Pläne sollten in Planbilanzen sowie in Plan-


Gewinn- und Verlustrechnungen übertragen werden.
Die Aufgaben der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik dürfen sich also
nicht nur auf die Zustandsbetrachtung und die Interpretation der
Kennzahlen beschränken. Da jede Unternehmensleitung zukunfts-
orientiert denken und handeln sollte, ist es unbedingt erforderlich,
auch die geplanten Jahresabschlüsse bereits zu analysieren und zu
kritisieren, um zukünftige Stärken und Schwächen zu erkennen.
Dann können wir feststellen, ob die für die Zukunft gesetzten Ziele
auch erreicht werden oder nicht.
Die ermittelten Kennzahlen ermöglichen der Unternehmensleitung
und den Führungskräften einen genaueren Einblick in die Vermö-
gens-, Ertrags- und die Finanzlage des Unternehmens. Die Ergeb-
nisse der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik versetzen die Unter-
nehmensleitung dann in die Lage, die Planung zu verbessern, die
Kontrolle zu verfeinern und die Steuerung des Unternehmens
schneller durchzuführen.
Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik umfassen also ein systemati-
sches Verfahren der Erfassung und Verarbeitung des Informations-
materials, das in der Bilanz, in der Gewinn- und Verlustrechnung,
im Anhang und im Lagebericht enthalten ist, um einen besseren
Einblick in die wirtschaftliche Lage und die zukünftigen Aussichten
eines Unternehmens zu erhalten. Die vergangenheitsorientierten
Informationen der Jahresabschlüsse dienen also auch dazu, Aussa-
gen über die zukünftige Entwicklung der Unternehmen zu machen.

Zusammenfassung:
Die Aufgaben der Bilanzanalyse, der Bilanzkritik und der Bilanzpolitik
sind sehr vielfältig. Die Bilanzanalyse ist ein effizientes Instrument, das
einen guten Einblick in die Verhältnisse eines Unternehmens gewährt.
Die Aufgaben richten sich insbesondere nach den Adressaten, die un
terschiedliche Informationen erwarten.
Die Betrachtung der absoluten Zahlen erlaubt keinen zuverlässigen Ein
blick in die Verhältnisse eines Unternehmens. Deshalb müssen zumin
dest Struktur, Erfolgs und Finanzanalysen durchgeführt werden.
Weitere Teilanalysen sind zu erstellen, um bestimmte Einzelfragen zu
beantworten.

24
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Hauptaufgaben des Jahresabschlusses umfassen die Rechen
schaftslegung, die Dokumentation und die Information. Zu den Teilauf
gaben gehören die Konkretisierung des Erfolges und die Feststellung des
ausschüttungsfähigen Gewinns, die Entscheidungsgrundlagen für die
Unternehmensleitung und die Besteuerungsgrundlagen.
Die Aufgaben der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik können in sachbe
zogene und in zeitbezogene Aufgaben unterteilt werden. Die sachbezo
genen Aufgaben haben Informations, Hinweis und Initiativsfunktio
nen zu erfüllen. Die zeitbezogenen Aufgaben können wir in eine ver
gangenheits und eine zukunftsorientierte Betrachtungsweise aufteilen

4 Arten der Bilanzanalyse


Bei der Bilanzanalyse unterscheiden wir eine interne und eine exter-
ne Bilanzanalyse.

4.1 Interne Bilanzanalyse


Eine interne Bilanzanalyse wird für die Unternehmensleitung und
für die Führungskräfte erstellt. Bei der Durchführung dieser Analyse
stehen die Unterlagen des Rechnungswesens und zusätzliche interne
Informationsquellen des Unternehmens zur Verfügung. Die interne
Bilanzanalyse dient im Wesentlichen der Entscheidungsvorbereitung
in den Bereichen Marketing und Vertrieb, Produktion, Material-
wirtschaft sowie Forschung und Entwicklung.

4.2 Externe Bilanzanalyse


Eine externe Bilanzanalyse wird von Außenstehenden anhand von
veröffentlichten Jahresabschlüssen durchführt. Weitere interne Un-
terlagen und Informationen sind normalerweise nicht vorhanden.
Die Ergebnisse der externen Analyse werden vor allem dazu verwen-
det, Entscheidungen über eine Kreditgewährung oder über eine
Beteiligung zu treffen. Der Aussagewert der publizierten Daten ist
im Vergleich zu internen Informationen begrenzt, da in der Regel
keine speziellen Angaben über eventuelle Über- oder Unterbewer-
tungen einzelner Bilanzpositionen vorliegen.

25
A Adressaten

Zusammenfassung:
Die interne Bilanzanalyse wird für die Unternehmensleitung und für die
Führungskräfte erstellt. Es können alle Unterlagen des internen Rech
nungswesens und zusätzliche Informationsquellen des Unternehmens
verwendet werden. Die Ergebnisse der internen Bilanzanalyse dienen als
Entscheidungsgrundlage insbesondere für die Bereiche Marketing und
Vertrieb, Produktion, Materialwirtschaft sowie Forschung und Entwick
lung.
Die externe Bilanzanalyse beruht auf den Daten der veröffentlichten
Jahresabschlüsse. Interne Unterlagen und Informationen stehen meist
nicht zur Verfügung. Der Aussagewert der publizierten Daten ist im
Vergleich zu den internen Informationen begrenzt. Spezielle Angaben
über eventuelle Über oder Unterbewertungen einzelner Bilanzpositio
nen sind in der Regel nicht vorhanden. Über stille Reserven können also
nur Vermutungen angestellt werden.

5 Adressaten
Der Jahresabschluss ist insbesondere ein Instrument der Rechen-
schaftslegung und der Informationsvermittlung. Folgende Adressa-
ten sind an der Rechenschaftslegung und an der Informationsver-
mittlung besonders interessiert:

5.1 Gesellschafter, potenzielle Anleger


Den Gesellschaftern (Kapitalgebern) ist Rechenschaft über die Akti-
vitäten und die wirtschaftliche Situation der Unternehmen abzule-
gen. Diese Gruppe stellt das Kapital zur Verfügung und ermöglicht
damit den Betrieb eines Unternehmens. Die Gesellschafter haften
mit ihrem Kapital gegenüber den Gläubigern und haben Anspruch
auf einen Gewinn bei erfolgreicher Tätigkeit des Unternehmens.
Die Aktionäre in einer AG sind an den Entscheidungen über die
laufenden Geschäfte nicht beteiligt, da der Vorstand ihr Eigentum
verwaltet. Die Trennung von Kapitalgebern und dem Vorstand
erfordert also eine genaue Berichterstattung und Information. Die
Gesellschafter einer GmbH oder von Personengesellschaften erken-
nen aufgrund der Rechenschaftslegung, was mit dem zur Verfügung
gestellten Kapital geschehen ist und mit welchen Gewinnausschüt-

26
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
tungen zu rechnen ist. Die Gesellschafter haben Eigentums- und
Mitgliedschaftsrechte. Deshalb sind sie daran interessiert, dass ein
Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss auf Ord-
nungsmäßigkeit nach Gesetz und Satzung überprüft. Die Gewin-
nermittlung sollte nicht zu stark durch bilanzpolitische Maßnahmen
verfälscht werden.
Auch die potenziellen Anleger benötigen Informationen über die
Situation der Unternehmen für ihre Anlageentscheidungen. Die
Anleger möchten sich ein Urteil über die Sicherheit und Rentabilität
ihrer Investitionen bilden können.

5.2 Banken, Lieferanten, Kunden


Für die Banken, Lieferanten und Kunden ermöglicht die Offenle-
gung des Jahresabschlusses, sich über die wirtschaftliche Lage der
Unternehmen zu informieren. Es geht insbesondere um die Sicher-
heiten für die den Unternehmen gewährten Kredite.
Die Banken prüfen die Kreditwürdigkeit der Unternehmen, bevor
Kredite gewährt werden. Deshalb sind die Banken daran interessiert,
ob die Zinszahlungen und Tilgungen geleistet werden können. Der
Jahresabschluss liefert Hinweise über die Bonität. Die Liquidität, der
Umsatz sowie die Vermögens- und Kapitalstruktur stellen für die
Banken wichtige Daten dar. Für langfristige Kredite sind die Zu-
kunftsaussichten und die langfristige Ertragskraft der Unternehmen
von besonderer Bedeutung.
Die Lieferanten möchten ebenfalls über die Kreditwürdigkeit der
Unternehmen Bescheid wissen. Wenn Lieferungen und Leistungen
auf Ziel erfolgen, dann geht es darum, ob die Unternehmen in der
Lage sind, kurz- und langfristig den Zahlungsverpflichtungen nach-
zukommen oder nicht.
Auch die guten Kunden sind daran interessiert, ob der Jahresab-
schluss positiv oder negativ beurteilt wird. Die Geschäftsbeziehun-
gen reichen meist in die Zukunft. Deshalb muss sichergestellt wer-
den, dass die Unternehmen z. B. Rohstoffe oder Teile langfristig in
gleichmäßiger Qualität liefern können oder nicht. Für mögliche

27
A Adressaten

Garantieansprüche, für die Wartung oder für Ersatzteillieferung ist


der Fortbestand der Unternehmen von großer Bedeutung.

5.3 Arbeitnehmer, Gewerkschaften


Die Arbeitnehmer haben auch ein Interesse am Jahresabschluss der
Unternehmen. Die Arbeitsplätze, das Einkommen und das berufli-
che Fortkommen hängen stark von der zukünftigen Entwicklung
eines Unternehmens ab.
Auch die Gewerkschaften benötigen Informationen über die einzel-
nen Unternehmen für ihre Tarifverhandlungen. Die Leistungsfähig-
keit der Unternehmen kann aufgrund der Jahresabschlüsse ermittelt
werden.
Die Mitbestimmungs- und Betriebsverfassungsgesetze räumen den
Arbeitnehmern bestimmte Rechte ein. Um diese Rechte richtig
wahrnehmen zu können, benötigen die Arbeitnehmer einen Ein-
blick in die Jahresabschlüsse der Unternehmen.

5.4 Öffentlichkeit
Zu der interessierten Öffentlichkeit gehören beispielsweise die Pres-
se, die Industrie- und Handelskammern, die Forschungsinstitute,
die Verbände, die staatlichen Institutionen, die Aufsichtsbehörden
und die Konkurrenz. Die einzelnen Interessengruppen nehmen
deshalb Einblick in die Jahresabschlüsse der Unternehmen.
Nach der Analyse der Jahresabschlüsse ist die Öffentlichkeit meist in
der Lage, sich eine Meinung über die zukünftige Entwicklung ein-
zelner Unternehmen, Branchen oder Regionen zu bilden.

5.5 Finanzamt
Das Finanzamt hat ein besonderes Interesse an den Jahresabschlüs-
sen der Unternehmen. Die ausgewiesenen Gewinne sind die Be-
messungsgrundlage für die Einkommen-, Körperschaft- und Ge-
werbeertragsteuern. Die steuerlichen Vorschriften sollen bezwecken,
dass die Unternehmen einen möglichst richtigen und gleichmäßigen
Periodengewinn ausweisen.

28
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
5.6 Unternehmensleitung
Für die Unternehmensleitung ist die Bilanzanalyse und die Bilanz-
kritik des eigenen Jahresabschlusses ebenfalls wichtig. Die Ergebnisse
der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik zeigen auf, wie erfolgreich das
eine oder andere Unternehmen gewirtschaftet hat.
In kleinen und mittleren Unternehmen stellt der gesetzlich vorge-
schriebene Jahresabschluss oft das einzige kontinuierliche und syste-
matisch erstellte Rechenwerk dar, das Einblick in die Entwicklung
eines Unternehmens gewährt. Eine aussagefähige Kosten- und Lei-
stungsrechnung ist in einigen Unternehmen noch nicht vorhanden. In
diesen Unternehmen wird das Zahlenmaterial des Jahresabschlusses
auch als Planungs-, Kontroll- und Steuerungsinstrument eingesetzt.
Größere Unternehmen verfügen über zusätzliche Steuerungsinstru-
mente wie beispielsweise die kurzfristige Erfolgsrechnung. Außer-
dem befassen sich größere Unternehmen intensiver mit der Bilanza-
nalyse und der Bilanzkritik, um die Stärken und Schwächen des
eigenen Unternehmens zu ermitteln. Allerdings sollte beachtet wer-
den, dass eine aussagefähigere Analyse nur mit den Zahlen der Ko-
sten- und Leistungsrechnung möglich ist, da dieses Zahlenmaterial
auf die Substanzerhaltung der Unternehmen besonderen Wert legt.

Zusammenfassung:
Der Jahresabschluss ist ein wichtiges Instrument der Rechenschaftsle
gung und der Informationsvermittlung für die einzelnen Adressaten.
Neben den Gesellschaftern und potenziellen Anlegern gehören die Ban
ken, die Lieferanten und die Kunden, die Arbeitnehmer und die Ge
werkschaften, die interessierte Öffentlichkeit, das Finanzamt und ins
besondere die Unternehmensleitung zu den wichtigen Adressaten des
Jahresabschlusses.
Die einzelnen Adressaten verfolgen unterschiedliche Interessen. Deshalb
ist auch das Informationsbedürfnis meist verschieden. Die Banken bei
spielsweise ermitteln mit den Daten der Jahresabschlüsse die Kredit
würdigkeit ihrer Kunden. Die Unternehmensleitung selbst möchte mehr
über die Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens im Ver
gleich zur Konkurrenz erfahren, um in Zukunft bessere Entscheidungen
zu treffen.

29
A

6 Bilanzarten
Wir unterscheiden verschiedene Bilanzarten, die eine unterschiedli-
che Bedeutung haben.

6.1 Interne und externe Bilanzen


Die internen Bilanzen werden für die Unternehmensleitung erstellt,
um ein genaueres Bild über die Lage des Unternehmens zu erhalten.
Die Zahlen der internen Bilanz dienen dazu, einzelne Dispositionen
zu treffen. Die Wertansätze sollten so realistisch wie möglich ange-
setzt werden und orientieren sich meist nicht an den Vorschriften
des Handels- und Steuerrechts.
Diese Bilanzen können als Monats-, Quartals-, Halbjahres- oder
Jahresabschlüsse aufgestellt werden. Der Inhalt der internen Bilan-
zen richtet sich insbesondere nach der Zwecksetzung der Unter-
nehmensleitung.
Die externen Bilanzen werden dagegen nach den handels- und steu-
errechtlichen Vorschriften erstellt. Sie wenden sich an verschiedene
Interessengruppen.
Die außenstehenden Adressanten erhalten die externen Bilanzen. Sie
dienen der Kreditwürdigkeitsprüfung und der Steuerfestsetzung.
Deshalb werden diese Bilanzen von einem Steuerberater oder Wirt-
schaftsprüfer erstellt und mit einem Testat versehen.

6.2 Ordentliche und außerordentliche


Bilanzen
Die ordentlichen Bilanzen werden am Schluss eines jeden Ge-
schäftsjahres erstellt. Diese Bilanzen dienen regelmäßig als Grundla-
ge für die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik.
Die außerordentlichen Bilanzen sind Sonderbilanzen, die nur zu
bestimmten Anlässen aufgestellt werden. Folgende Sonderbilanzen
können wir unterscheiden:
1. Gründungs-Bilanz
2. Umwandlungs-Bilanz

30
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
3. Auseinandersetzungs-Bilanz
4. Fusions-Bilanz
5. Sanierungs-Bilanz
6. Liquidations-Bilanz
7. Vergleichs-Bilanz
8. Konkurs-Bilanz

6.3 Handels und Steuerbilanzen


Den Handels- und Steuerbilanzen liegen unterschiedliche Rechts-
normen zu Grunde. Bei beiden Bilanzen handelt es sich um externe
und ordentliche Bilanzen.
Die kleinen und mittleren Unternehmen erstellen meist nur eine
Steuerbilanz. Die Kapitalgesellschaften und große Personengesell-
schaften dagegen müssen neben einer Handels- auch eine Steuerbi-
lanz aufstellen.
Die Handelsbilanz wird nach handelsrechtlichen Vorschriften er-
stellt. Die allgemeinen rechtlichen Grundlagen stehen im Handels-
gesetzbuch, das für alle Kaufleute gilt. Daneben gibt es noch Sonder-
regelungen im Aktiengesetz, GmbH-Gesetz, Genossenschafts-Gesetz
und Publizitäts-Gesetz. In den Geschäftsberichten der Unternehmen
werden nur die Handelsbilanzen aufgeführt und erläutert.
Die Steuerbilanzen richten sich nach den Vorschriften des Steuer-
rechts. Sie dienen nur dem Finanzamt als Grundlage für die Besteue-
rung. Die Ertragssteuerbilanzen werden jährlich für die Zwecke der
Veranlagung zur Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie zur
Gewerbesteuer erstellt. Die Vermögensteuerbilanzen dagegen dienen
nur zur Festlegung der Vermögensteuer.

6.4 Einzel, Gemeinschafts und


Konzernbilanzen
Die Einzelbilanz wird von jedem Einzelunternehmen aufgestellt, das
für sich allein bilanziert. Eine Gemeinschaftsbilanz kommt für eine
bilanzierende Gruppe infrage, die aus wirtschaftlich und rechtlich
selbstständigen Mitgliedern besteht.

31
A Inhalt der Bilanzanalyse

Von Konzernbilanzen sprechen wir, wenn die bilanzierenden Un-


ternehmen zwar rechtlich selbstständig sind, aber wirtschaftlich in
einem Über- oder Unterordnungsverhältnis zueinander stehen. In
der Konzernbilanz werden alle Unternehmen zusammengefasst, die
rechtlich selbstständig sind, wirtschaftlich jedoch eine Einheit bil-
den.

Zusammenfassung:
Die verschiedenen Bilanzarten haben eine unterschiedliche Bedeutung.
Neben den internen und externen Bilanzen unterscheiden wir die or
dentlichen und außerordentlichen Bilanzen, die Handels und Steuer
bilanzen sowie die Einzel, Gemeinschafts und Konzernbilanzen.

7 Inhalt der Bilanzanalyse


Wenn es um den Inhalt der Bilanzanalyse geht, unterscheiden wir
die formale und die materielle Bilanzanalyse.

7.1 Formale Bilanzanalyse


Bei der formalen Bilanzanalyse erfolgt eine Überprüfung, ob der
Jahresabschluss mit den gesetzlichen Vorschriften übereinstimmt. Es
wird festgestellt, dass die Bilanz, die GuV sowie der Anhang den
Ausweis-, Gliederungs-, Benennungs- und Übersichtlichkeitsge-
sichtspunkten entsprechen, die vom Handelsrecht einschließlich den
Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung vorgeschrieben wer-
den.
Die Buchführung und die Jahresabschlüsse der mittelgroßen und
großen Kapitalgesellschaften sowie der anderen publizitätspflichti-
gen Unternehmen werden durch Wirtschaftsprüfer überprüft
(§§ 316, 317 HGB). Die anderen Unternehmen prüfen die Steuerbe-
rater. Bei einer positiven Prüfung lautet der Vermerk des Abschluss-
prüfers: „Die Buchführung und der Jahresabschluss entsprechen
nach meiner pflichtgemäßen Prüfung den gesetzlichen Vorschriften
und der Satzung. Der Jahresabschluss vermittelt unter Beachtung
der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächli-

32
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
chen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz-
und Ertragslage der Gesellschaft“ (§ 322 Abs. 1 HGB).
Sollte das Ergebnis der Prüfung nicht positiv sein, hat der Prüfer den
Bestätigungsvermerk einzuschränken oder zu versagen (§ 322 Abs. 3
HGB). Wenn ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk (Testat)
vorliegt, können wir davon ausgehen, dass der vorliegende Jahres-
abschluss formal in Ordnung ist.
Die formale Bilanzanalyse stellt kein besonderes Problem dar. Der
Steuerberater oder der Wirtschaftsprüfer bescheinigen durch das
Testat, dass der Jahresabschluss den gesetzlichen Vorschriften und
der Satzung entspricht. Wir können also davon ausgehen, dass der
Jahresabschluss auf formale Richtigkeit überprüft wurde.
Das Testat des Abschlussprüfers bezieht sich aber nur auf die Ein-
haltung der Rechnungslegungsvorschriften nach Gesetz und Sat-
zung. Der Abschlussprüfer gibt allerdings kein Urteil über die wirt-
schaftliche Situation des Unternehmens ab. Der Bestätigungsver-
merk macht also keinesfalls die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik
des Jahresabschlusses in Hinblick auf die wirtschaftlichen Verhält-
nisse des Unternehmens überflüssig.
Die formale Bilanzanalyse bezieht sich also auf die Beurteilung der
äußeren Form und die Aufmachung der Bilanz. Es wird auch über-
prüft, ob die einschlägigen Vorschriften des Handels- und Steuer-
rechts beachtet wurden. Die Grundsätze der Bilanzierung müssen
ebenfalls berücksichtigt werden.
Die großen Kapitalgesellschaften legen oft besonderen Wert auf das
äußere Erscheinungsbild des Jahresabschlusses. Deshalb gestalten sie
den Geschäftsbericht möglichst eindrucksvoll und attraktiv. Sie
präsentieren den Geschäftsbericht in einer Form, die sowohl die
erforderlichen Zahlen als auch graphische Darstellungen zum besse-
ren Verständnis des Inhalts enthält.

7.2 Materielle Bilanzanalyse


Die materielle Bilanzanalyse befasst sich mit der Aufbereitung und
mit der sachlichen Auswertung des gesammelten Datenmaterials.
Mithilfe von Kennzahlen werden betriebswirtschaftliche Aussagen

33
A Inhalt der Bilanzanalyse

über den Zustand, die bisherige Entwicklung und die zukünftigen


Perspektiven des Unternehmens gemacht.
Im Anhang finden wir Informationen über die Bewertungs- und
Abschreibungsmethoden, über die Änderung dieser Methoden und
über außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtigungen.
Derartige Angaben deuten meist auf die Bildung stiller Reserven hin.
Wenn beispielsweise vermerkt ist, dass von den steuerlichen Sonder-
abschreibungsmöglichkeiten höchstmöglicher Gebrauch gemacht
wurde, dann ist dies ein deutlicher Hinweis auf die Bildung von
stillen Reserven. Die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten er-
lauben nämlich viel niedrigere Wertansätze für die Vermögensge-
genstände als dies nach handelsrechtlichen Vorschriften erlaubt ist.
Diese Gesichtspunkte sind also bei der materiellen Bilanzanalyse zu
berücksichtigen.

Zusammenfassung:
Vom Inhalt her unterscheiden wir die formale und die materielle Bi
lanzanalyse. Bei der formalen Bilanzanalyse erfolgt eine Überprüfung,
ob der Jahresabschluss mit den gesetzlichen Vorschriften überein
stimmt. Die formale Bilanzanalyse stellt für den Analytiker kein beson
deres Problem dar. Der Steuerberater oder der Wirtschaftsprüfer be
scheinigen durch das uneingeschränkte Testat, dass der Jahresabschluss
den gesetzlichen Vorschriften und der Satzung entspricht. Wir können
dann davon ausgehen, dass der Jahresabschluss auf seine formale Rich
tigkeit überprüft wurde.
Die materielle Bilanzanalyse befasst sich mit der Aufbereitung und mit
der betriebswirtschaftlichen Auswertung des Zahlenmaterials im Jah
resabschluss. Mithilfe von Kennzahlen werden betriebswirtschaftliche
Aussagen über den jetzigen Zustand, die bisherige Entwicklung und die
zukünftigen Perspektiven gemacht.
Im Anhang finden wir Angaben über die Bilanzierung und Bewertung
der einzelnen Positionen der Bilanz. Auch die Posten der GuV werden im
Anhang erläutert. Bei der materiellen Bilanzanalyse erfolgt auch eine
Untersuchung über das Vorhandensein möglicher stiller Reserven im
Unternehmen.

34
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A

8 Kennzahlen
Die Kennzahlen stellen verdichtete Informationen dar. In kompri-
mierter Form können betriebswirtschaftliche Zusammenhänge klar
aufgezeigt werden.
Die Bildung von Kennzahlen erleichtert die Auswertung der ge-
sammelten Informationen und der im Jahresabschluss zusammen-
gestellten Daten. Die Kennzahlen sind also betriebswirtschaftlich
relevante Zahlen, die messbare betriebliche Tatbestände zusam-
menfassen.
Die Kennzahlen dienen also als Instrument zur Auswertung des
Jahresabschlusses. Sie haben folgende Bedeutung:
1. Sie machen bestimmte Sachverhalte sichtbar, die anders nicht zu
erkennen sind, z. B. Gesamtkapital-Rentabilität.
2. Sie erhöhen die Transparenz in den Unternehmen.
3. Sie verdichten Sachverhalte auf eine aussagefähige Zahl.
4. Sie ermöglichen Vergleiche mit anderen Unternehmen der glei-
chen Branche.
5. Sie erleichtern die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der
Unternehmen.
6. Sie ermöglichen Einblicke in Teilbereiche der Unternehmen.
7. Sie decken Schwächen auf.
8. Sie lassen Stärken erkennen.
9. Sie vermitteln ein Bild der Situation eines Unternehmens.
10. Sie lassen Interdependenzen erkennen.
11. Sie sind eine Momentaufnahme, wenn sie aus den Bilanzposten
errechnet werden.
12. Sie betreffen den Zeitraum, wenn die Kennzahlen aus der GuV
stammen.
13. Sie erleichtern die Interpretation von Tatbeständen.
14. Sie verfeinern die Bildung von Urteilen.
15. Sie haben vielfach eine Signalwirkung.
16. Sie liefern Maßstäbe für die Beurteilung von betriebswirtschaftli-
chen Sachverhalten.

35
A Kennzahlen

Wichtig ist die richtige Interpretation der Kennzahlen. Die Beurtei-


lung der Kennzahlen ist in der Praxis oft schwierig und fehlerhaft.
Die einzelnen Kennzahlen dürfen nicht isoliert betrachtet werden.
Die Beurteilung der Kennzahlen sollte stets im Zusammenhang mit
anderen Erkenntnissen vorgenommen werden.
Zur Untersuchung von Unternehmen stellen die Kennzahlen ein
geeignetes Instrument dar. Die Kennzahlen erleichtern die Beurtei-
lung der Unternehmen. Dabei kommt es insbesondere auf die rich-
tige Auswahl, die genaue Errechnung und den sinnvollen Vergleich
von Kennzahlen an. Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik beruhen
im Wesentlichen auf der Ermittlung und der Interpretation von
Kennzahlen. Die mithilfe der Kennzahlen gewonnenen Erkenntnisse
können noch durch zusätzliche Informationen ergänzt werden.
Die Kunst der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik besteht also darin,
die jeweils zweckmäßigen Kennzahlen auszuwählen und korrekt zu
interpretieren. Es hat keinen Sinn, eine Menge von Kennzahlen zu
errechnen, die dann nicht richtig ausgewertet werden. Die sinnvolle
Auswahl der wichtigsten Kennzahlen für die Struktur-, Erfolgs- und
Finanzanalysen und die korrekte Interpretation dieser Kennzahlen
ist also von besonderer Bedeutung.
Die einzelnen Bilanzpositionen haben nur eine begrenzte Aussage-
kraft. Für den Leser einer Bilanz bedeutet zum Beispiel die Position
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 598
TDM recht wenig. Diese Position gewinnt an Bedeutung, wenn wir
diese Zahl in Verbindung mit dem Materialaufwand plus Mehr-
wertsteuer bringen. Dann erhalten wir den Kreditoren-Umschlag.
Der Kreditoren-Umschlag wird wie folgt errechnet:
Materialaufwand + Mehrwertsteuer
KreditorenUmschlag =
Durchschn. Verbindlichkeiten aus L + L

Wenn das Ergebnis dieser Analyse fünf beträgt, dann ist diese Kenn-
zahl für viele Führungskräfte nicht aussagefähig. Deshalb sollten 360
Tage durch den Kreditoren-Umschlag geteilt werden. Dann erhalten
wir das Lieferantenziel.
Das Lieferantenziel errechnen wir wie folgt:

36
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
360
Lieferantenziel =
KreditorenUmschlag

360
= = 72 Tage
5

Der Kreditoren-Umschlag von 5 bedeutet also, dass das Unterneh-


men die Lieferantenrechnungen im Durchschnitt erst nach 72 Tagen
bezahlt. Da die Zahlungsbedingungen meist 10 Tage 3 % und
30 Tage netto lauten, ist dieses Ergebnis als problematisch zu be-
trachten. Das Unternehmen nützt nicht die Skontierung aus und
zahlt erst nach 72 Tagen. Diese Tatsache lässt darauf schließen, dass
das Unternehmen Liquiditätsschwierigkeiten hat.
Für die einzelnen Bilanzpositionen sollten sinnvolle Beziehungen
gesucht werden. Im Vergleich zu dem Ausgangswert können dann
verbesserte Informationen erarbeitet werden.
Eine Kennzahl stellt grundsätzlich eine Kombination von Zahlen
dar, zwischen denen bestimmte Beziehungen bestehen. Es entsteht
eine neue Größe, die im Vergleich zu den Ausgangsgrößen zusätzli-
che Erkenntnisse vermittelt.

8.1 Arten der Kennzahlen


Wir können verschiedene Arten der Kennzahlen unterscheiden.
Neben den absoluten Kennzahlen kennen wir noch Verhältniszahlen
und Richtzahlen.

Kennzahlen

Absolute Kennzahlen Verhältniszahlen Richtzahlen

Abb. 4: Arten der Kennzahlen

8.1.1 Absolute Kennzahlen


Die absoluten Kennzahlen (Grundzahlen) können direkt aus der
Bilanz oder der GuV entnommen werden. Es handelt sich um Ein-
zelzahlen, Summen, Differenzen oder Mittelwerte.

37
A Kennzahlen

Beispiel:
Bilanzgewinn, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Anlage
vermögen

Die absoluten Zahlen stellen aber noch keine wesentliche Informati-


on dar. Die Bedeutung der einzelnen Größen wird erst sichtbar,
wenn wir sie mit anderen Zahlen vergleichen. Deshalb verwenden
wir in der Bilanzanalyse und in der Bilanzkritik vor allem Verhält-
niszahlen.

8.1.2 Verhältniszahlen
Die Verhältniszahlen (Relativzahlen) werden ermittelt, wenn wir die
absoluten Zahlen zueinander in Beziehung setzen. Eine Größe mes-
sen wir an einer anderen Zahl. Die Masse, an der gemessen wird,
bezeichnen wir als Bezugsgröße.

Verhältniszahlen

Gliederungszahlen Beziehungszahlen Indexzahlen

Abb. 5: Arten der Verhältniszahlen


Wir unterscheiden drei verschiedene Verhältniszahlen, die bei der
Bilanzanalyse eine unterschiedliche Bedeutung haben.

Gliederungszahlen
Bei Gliederungszahlen setzen wir eine Teilmasse zu der zugehörigen
Gesamtmasse in Beziehung. Es wird ermittelt, welche Relation zwi-
schen der Teilgröße und der entsprechenden Gesamtgröße besteht.
Die Gliederungszahlen haben gegenüber absoluten Zahlen den
Vorteil, dass Größenordnungen und strukturelle Beziehungen klar
dargestellt werden können.

Beispiel: Eigenkapitalquote
Eigenkapital
Eigenkapitalquote = x 100
Gesamtkapital

38
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Beziehungszahlen
Bei Beziehungszahlen werden wesensverschiedene absolute Zahlen
zueinander in Beziehung gesetzt, die aber in einem inneren Zusam-
menhang stehen. Beziehungszahlen erleichtern den Einblick in be-
stimmte Zusammenhänge. Die in einen Zusammenhang gebrachten
Tatbestände können sehr komplexer Natur sein.
Beispiel: Deckungsgrad I
Eigenkapital
Deckungsgrad I = x 100
Anlagevermögen

Indexzahlen
Bei Indexzahlen (Messzahlen) werden gleichartige, aber zeitlich oder
räumlich verschiedene Massen zu einer Basismasse in Beziehung
gesetzt. Eine Indexzahl gibt an, um wie viel Prozent sich ein be-
stimmter Vergleichswert im Berichtsjahr gegenüber dem Wert des
Ausgangsjahres verändert hat, der gleich 100 gesetzt ist. Es muss
darauf geachtet werden, dass der Ausgangswert des Basisjahres re-
präsentativ ist und nicht durch zufällige saisonale oder strukturelle
Störeinflüsse verzerrt ist.

Beispiel:
Verhältnis der Umsatzerlöse verschiedener Jahre zu dem Umsatzerlös
eines bestimmten Basisjahres

8.1.3 Richtzahlen
Von Richtzahlen sprechen wir, wenn die Zahlen des analysierten
Unternehmens zu branchenspezifischen Durchschnittszahlen in
Beziehung gesetzt werden, die einen repräsentativen Querschnitt
von Unternehmen eines Industriezweigs erfassen. Es kann auch eine
Durchschnittsgröße am Markt mit einer Kennzahl im Unternehmen
verglichen werden.

Beispiel:
Der durchschnittliche Zinssatz des Kapitalmarktes kann als Maßstab
für die Beurteilung der GesamtkapitalRentabilität des analysierten
Unternehmens herangezogen werden.

39
A Kennzahlen

8.2 Kennzahlensystem
Verschiedene Kennzahlen können zu einem Kennzahlensystem
zusammengestellt werden. Dadurch ist es möglich, übergeordnete
und untergeordnete Kennzahlen miteinander zu verknüpfen. Die
Abhängigkeiten, die Zusammenhänge und die Querverbindungen
werden dann deutlich gemacht. Wir sind in der Lage, eine Zielhier-
archie im Unternehmen anhand von Kennzahlen aufzubauen.
Als Kennzahlensystem eignet sich insbesondere ein System, das mit
dem ROI beginnt. Dieses Kennzahlensystem ist deshalb so bedeut-
sam, weil der ROI eine der wichtigsten Kennzahlen der Bilanzana-
lyse und der Bilanzkritik darstellt.
G + ZFK
GesamtkapitalRentabilität = x 100
GK

G + ZFK U
ROI = x 100 x
U GK

G = Gewinn GK = Gesamtkapital
ZFK = Fremdkapitalzinsen U = Umsatz

Der Return on Investment (ROI) ist identisch mit der Gesamtkapi-


tal-Rentabilität. In die Formel für die Gesamtkapital-Rentabilität
wird im Nenner und Zähler jeweils der Umsatz zusätzlich aufge-
nommen. Dadurch erhalten wir zwei neue Kennzahlen, nämlich die
Umsatz-Rentabilität und die Kapitalumschlagshäufigkeit. Beim ROI
handelt es sich also um eine erweiterte Form der Gesamtkapital-
Rentabilität. In dieser Formel werden die Beziehungen zwischen
Gewinn, Umsatz und eingesetztem Gesamtkapital dargestellt.
Der ROI wird wie folgt errechnet:
G + ZFK U
ROI = x 100 x
U GK

= UmsatzRentabilität x Kapitalumschlagshäufigkeit

Die wichtigste Rentabilitäts-Kennziffer ist also der ROI. Er eignet


sich besonders wegen der detaillierten Darstellungsmöglichkeiten
für die Steuerung der Unternehmen. Mithilfe des ROI erhalten wir

40
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
einen besseren Einblick in die Ertragskraft der Unternehmen. Da-
durch wird die Transparenz der Unternehmen erhöht.
Der ROI gibt Aufschluss darüber, ob die Veränderung der Gesamt-
kapital-Rentabilität auf einer Veränderung der Umsatz-Rentabilität
und/oder der Kapitalumschlagshäufigkeit zurückzuführen ist. Es
besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass sich in einem Ge-
schäftsjahr die Umsatz-Rentabilität verschlechtert und sich die Ka-
pitalumschlagshäufigkeit gleichzeitig verbessert hat. Gegenläufige
Entwicklungen werden also bei der Verwendung der ROI-Formel
aufgedeckt.
Der ROI erlaubt einen besseren Einblick in die Unternehmen. Es
können die Abhängigkeiten und Zusammenhänge in den Unter-
nehmen klarer dargestellt werden. Zur besseren Steuerung der Un-
ternehmen eignet sich der ROI dadurch, dass er die Transparenz der
einzelnen Vorgänge im Unternehmen wesentlich erhöht.
Wenn der ROI grafisch dargestellt wird, können die Wirkungen der
einzelnen Maßnahmen im Unternehmen einfach nachvollzogen
werden, die von der Unternehmensleitung oder den Führungskräf-
ten eingeleitet und durchgeführt werden. Fehlentscheidungen sind
dabei leicht und schnell aufzudecken.
Der ROI ist auch ein Orientierungsrahmen für den Finanzmanager.
Wie aus der Formel und aus dem Schema hervorgeht, ist der ROI
das Produkt aus der Umsatz-Rentabilität und der Kapitalum-
schlagshäufigkeit.

ROI

UmsatzRentabilität Kapitalumschlagshäufigkeit

Marktebene Finanzebene

Marktziele Finanzziele

Abb. 6: ROIAnalyse

41
Produktgruppen

42
A
Umsatz Verkaufsgebiete
Gewinn + Kundengruppen
Deckungs
Fremdkapital Gewinn –
beitrag
zinsen Fertigungsmaterial
Variable
Fertigungslöhne
Kosten
variable Gemeinkosten
Umsatz
: + x
Rentabilität
Marketing + Vertrieb
Spezielle
Produktion
Fixkosten
Kennzahlen

Materialwirtschaft
Fremdkapital
Umsatz Fixe Kosten
zinsen
Unternehmensleitung
Allgemeine
Finanz und Rechnungswesen
Fixkosten
Allg. Verwaltung

Immaterielle Konzessionen, Lizenzen


ROI Vermögens Software
gegenstände Geschäfts oder Firmenwert

Abb. 7: Zielhierarchie bei der ROIAnalyse


Grundstücke, Gebäude
Eigen Anlage Maschinelle Anlagen
Umsatz Sachanlagen
kapital vermögen Fuhrpark
Betriebs und Geschäftsausst.

Finanz Beteiligungen
Kapital anlagen Ausleihungen
: + +
umschlag
Roh, Hilfs u. Betriebsstoffe
Vorräte
Halb und Fertigfabrikate

Gesamt Fremd Umlauf Forderung. aus Lief. + Leist.


Forderungen
kapital kapital vermögen Sonstige Forderungen

Kasse
Forderungen Bank
Postgiro
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Umsatz-Rentabilität bezieht sich auf die Marktebene und kann
durch die Realisierung von guten Marktzielen verbessert werden.
Eine systematische Erhöhung der Deckungsbeiträge der einzelnen
Produkte führt zu einer höheren Umsatz-Rentabilität. Die Vermin-
derung der fixen Kosten bringt den gleichen Effekt.
Die Kapitalumschlagshäufigkeit dagegen wird auf der Finanzebene
durch die Verwirklichung von Finanzzielen beeinflusst. Die Verbes-
serung der Kapitalstrukturen und der Vermögensrelationen führt zu
einer Erhöhung der Umschlagshäufigkeit des Kapitals. Wenn wir die
Position Eigenkapital zu Anlagevermögen und Fremdkapital zu
Umlaufvermögen vergleichen, können wir überprüfen, ob die Fi-
nanzierungsregeln im Unternehmen eingehalten werden oder nicht.
Beim ROI lassen sich Zusammenhänge und Abhängigkeiten einzel-
ner Teilziele leicht erkennen. Für die Unternehmensleitung und die
Führungskräfte ist auch der Wirkungszusammenhang zwischen der
Markt- und Finanzebene von großer Bedeutung.
Die Planung, Kontrolle und Steuerung kann mithilfe des ROI positiv
beeinflusst werden, da die Auswirkungen der einzelnen Entschei-
dungen im Unternehmen schnell und einfach nachvollziehbar sind.
Mit dem ROI-Entscheidungsbaum ist eine Top-Down-Planung oder
eine Bottom-Up-Planung zu realisieren.
Wenn die Top-Down-Planung im Unternehmen praktiziert wird,
gibt die Unternehmensleitung das ROI-Ziel von beispielsweise 12 %
vor. Die einzelnen Verantwortungsbereiche haben dann die Aufga-
be, in ihren Bereichen entsprechende Teilziele zu verwirklichen, die
dann letztlich zur Erreichung des ROI-Zieles führen.
Bei der Bottom-Up-Planung dagegen werden zuerst die Teilziele in
den einzelnen Verantwortungsbereichen festgelegt. Dann kann an-
schließend errechnet werden, welcher ROI im geplanten Geschäfts-
jahr schließlich erzielt wird.
Am besten sollte das Gegenstrom-Verfahren in den Unternehmen
verwirklicht werden. Durch die ständigen Rückkopplungen können
dann die Abstimmungen in den einzelnen Verantwortungsbereichen
vorgenommen werden, um einen guten ROI zu erwirtschaften. In
der Praxis hat sich der gegenläufige Planungsprozess bewährt.

43
A Kennzahlen

In der bisherigen Formel wurden die Daten in erster Linie aus der
Gewinn- und Verlustrechnung sowie aus der Bilanz verwendet.
Wenn wir weitere Daten aus der Kosten- und Leistungsrechnung
nehmen, lautet die ROI-Formel wie folgt:
BE + Kal. Z U
ROI = x 100 x
U Betr. K

BE = Betriebsergebnis
Kal. Z = kalkulatorische Zinsen
U = Umsatz
Betr. K = Betriebsnotwendiges Kapital

Sobald eine aussagefähige Kosten- und Leistungsrechnung im Un-


ternehmen eingeführt ist, sollten alle Daten aus dieser internen
Rechnung eingesetzt werden, da diese Daten eine noch bessere be-
triebswirtschaftliche Analyse des Unternehmens mithilfe des ROI
ermöglichen.
Das Kennzahlensystem dokumentiert die logische und/oder rechne-
rische Verknüpfung von Kennzahlen, die zueinander in einem Ab-
hängigkeitsverhältnis stehen. Der ROI-Entscheidungsbaum zeigt
also die Abbildung der unternehmerischen Zielhierarchie auf. Aus
dem Kennzahlensystem können wir die Möglichkeiten der Beein-
flussung und die entsprechenden Wirkungen ersehen.

Zusammenfassung:
Die Kennzahlen stellen verdichtete Informationen dar und erlauben, in
konzentrierter Form betriebswirtschaftliche Zusammenhänge klar dar
zustellen. Die Bildung von Kennzahlen erleichtert die Auswertung der
im Jahresabschluss zusammengestellten Daten.
Die richtige Interpretation der Kennzahlen ist sehr wichtig. Die einzel
nen Kennzahlen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Die Beurtei
lung der Kennzahlen sollte stets im Zusammenhang mit den anderen
Erkenntnissen erfolgen.
Die Kennzahlen erleichtern die Beurteilung der Unternehmen. Dabei
kommt es auf die richtige Auswahl, die genaue Errechnung und den
sinnvollen Vergleich von Kennzahlen an. Die Kunst der Bilanzanalyse
und der Bilanzkritik besteht also darin, die jeweils zweckmäßigen Kenn
zahlen auszuwählen und korrekt zu interpretieren.

44
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Es hat keinen Sinn, eine Menge von Kennzahlen zu errechnen, die dann
nicht richtig ausgewertet werden. Die sinnvolle Auswahl der wichtig
sten Kennzahlen für die Struktur, Erfolgs und Finanzanalysen und die
richtige Interpretation dieser Kennzahlen ist also von besonderer Be
deutung.
Kennzahlen können absolute Kennzahlen, Verhältniszahlen oder Richt
zahlen sein. Die Verhältniszahlen sind für die Bilanzanalyse und die Bi
lanzkritik sehr wichtig, die in Gliederungs, Beziehungs und Indexzah
len unterteilt werden können.
Verschiedene Kennzahlen sollten zu einem Kennzahlensystem zusam
mengefasst werden. Dadurch können übergeordnete und untergeord
nete Kennzahlen miteinander verknüpft werden. Die Abhängigkeiten,
die Zusammenhänge und die Querverbindungen werden dadurch deut
lich.
Als Kennzahlensystem eignet sich besonders der ROI
Entscheidungsbaum, der auch graphisch dargestellt werden kann. Der
ROI ist das Produkt aus der UmsatzRentabilität und der Kapitalum
schlagshäufigkeit.
Einen besseren Einblick in die Unternehmen erhalten wir durch die ROI
Analyse. Es können die Abhängigkeiten und Zusammenhänge in den
Unternehmen klarer dargestellt werden. Zur besseren Steuerung der
Unternehmen eignet sich der ROI dadurch, dass er die Transparenz der
einzelnen Vorgänge im Unternehmen wesentlich erhöht.

9 Vergleichsrechnungen
Neben den Kennzahlen zählen die Vergleichsrechnungen zu den
wichtigsten Instrumenten der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik.
Die Ist-Daten des analysierten Unternehmens werden bestimmten
Vergleichsdaten gegenüber gestellt. Aus den Übereinstimmungen
oder Abweichungen lassen sich dann zusätzliche Erkenntnisse über
das untersuchte Unternehmen gewinnen.
Wenn Vergleichsrechnungen angestellt werden, ist sicherzustellen,
dass das vorliegende Zahlenmaterial auch eine objektive Vergleich-
barkeit möglich macht. Es ist darauf zu achten, dass gleiche Perioden
und vergleichbare betriebliche Sachverhalte gegeben sind, die mög-
lichst nach gleichen oder vergleichbaren Kriterien bewertet werden.

45
A Vergleichsrechnungen

Vergleichsrechnungen

Betriebs und
Zeitvergleiche SollIstVergleiche
Branchenvergleiche
Abb. 8: Arten der Vergleichsrechnungen
Wir unterscheiden folgende Möglichkeiten der Vergleichsrechnun-
gen: Zeitvergleiche, Betriebs- und Branchenvergleiche sowie Soll-Ist-
Vergleiche.

9.1 Zeitvergleiche
Die Rechnungslegung der Unternehmen hat pro Geschäftsjahr zu
erfolgen. Deshalb können die Jahresabschlüsse eines Unternehmens
pro Jahr analysiert werden. Ein Vergleich der einzelnen Jahre ist
ohne Probleme möglich. Um sich ein fundiertes Urteil über ein
Unternehmen machen zu können, sollten mindestens die Jahresab-
schlüsse von drei aufeinanderfolgenden Jahren einer Bilanzanalyse
und einer Bilanzkritik unterzogen werden.
Bei der Abfassung der neuen Rechnungslegungsvorschriften hat der
Gesetzgeber besonderen Wert auf die Vergleichbarkeit des Zahlen-
materials gelegt. Die Unternehmen haben insbesondere die Grund-
sätze der Bilanzklarheit und der Bilanzkontinuität (Vergleichbarkeit
und Stetigkeit der Daten) zu beachten.
Ein besonderes Problem stellen die Preissteigerungen während der
einzelnen Jahre dar. Diese Preissteigerungen können pro Jahr her-
ausgerechnet werden. Dann ist es möglich, die Bilanzanalyse und die
Bilanzkritik auf der Basis von preisbereinigten Zahlen durchzuführen.

9.2 Betriebs und Branchenvergleiche


Beim Betriebsvergleich stellen wir die Zahlen des Jahresabschlusses
eines vergleichbaren Unternehmens den Daten des analysierten
Unternehmens gegenüber. Sehr sinnvoll ist es, wenn die Zahlen des
Hauptkonkurrenten zum Betriebsvergleich herangezogen werden
können (Benchmarking).

46
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Da die Jahresabschlüsse der Konkurrenzunternehmen in vielen
Fällen nicht zur Verfügung stehen, sollten Branchenvergleiche
durchgeführt werden. Die entsprechenden Daten der einzelnen
Branchen können von verschiedenen Stellen besorgt werden.

Branchenkennzahlen
1. Großbanken
2. Sparkassen
3. Volksbanken
4. Deutsche Bundesbank
5. Statistisches Bundesamt
6. Wirtschaftsverbände
Abb. 9: Quellen für Branchenkennzahlen
Die Großbanken, die Sparkassen und die Volksbanken haben seit
einigen Jahren Branchenkennzahlen ermittelt. Die Deutsche Bun-
desbank, das Statistische Bundesamt und einige Wirtschaftsverbände
verfügen ebenfalls über Branchenkennzahlen.
Es ist sinnvoll, wenn sich die einzelnen Unternehmen zuerst einmal
die Branchenkennzahlen von ihrer Hausbank besorgen. Da die Ban-
ken in Verbindung mit der Kreditwürdigkeitsprüfung die Jahresab-
schlüsse ihrer Kunden regelmäßig analysieren und kritisch würdigen,
sollte sich die Unternehmensleitung eine Kopie der Analysen über ihr
eigenes Unternehmen von der Hausbank besorgen. Die meisten
Banken senden den Unternehmen gerne eine Fotokopie der Bilanza-
nalysen, in denen die Branchenkennzahlen bereits eingetragen sind.
Obwohl keine absoluten Vergleichsmöglichkeiten vorliegen, bieten
die Branchenkennzahlen wertvolle Hinweise, wie im Durchschnitt
die Konkurrenzunternehmen abschneiden. Die Unternehmenslei-
tung und die Führungskräfte erhalten dann wertvolle Richtwerte
und Hinweise, die bei den in Zukunft anfallenden Entscheidungen
berücksichtigt werden können.

9.3 SollIstVergleiche
Die Unternehmen sollten eine Unternehmensplanung aufbauen, um
die Existenz ihrer Unternehmen langfristig besser zu sichern. Die
ermittelten Zielvorgaben müssen in den Plänen für die kommenden

47
A Vergleichsrechnungen

2 bis 5 Jahre berücksichtigt werden. Die Ergebnisse der Unterneh-


mensplanung sollten in einer Plan-Bilanz sowie in einer Plan-GuV
zusammengefasst werden.
Wenn geplante Jahresabschlüsse bereits vorliegen, können die Soll-
größen, die den Zielvorstellungen der Unternehmensleitung ent-
sprechen, mit den effektiven Daten der Jahresabschlüsse verglichen
werden. Dann ergeben sich Abweichungen, die erkennen lassen,
inwieweit die Zielsetzungen in den einzelnen Jahren realisiert wer-
den konnten.
Mithilfe einer Abweichungsanalyse lassen sich die wesentlichen
Ursachen für die Abweichungen ermitteln. Dann kann eine syste-
matische Gegensteuerung erfolgen, damit in Zukunft die vereinbar-
ten Ziele besser, schneller und genauer erreicht werden können.

Zusammenfassung:
Die Vergleichsrechnungen sind wichtige Instrumente der Bilanzanalyse
und der Bilanzkritik. Es ist sicherzustellen, dass das vorliegende Zah
lenmaterial eine objektive Vergleichbarkeit möglich macht. Die betrieb
lichen Sachverhalte sollten nach gleichen oder vergleichbaren Kriterien
bewertet werden.
Die Zeitvergleiche sind mindestens über drei Jahre durchzuführen, um
sich ein fundiertes Urteil über ein Unternehmen machen zu können.
Preissteigerungen sollten möglichst eliminiert werden.
Für Betriebsvergleiche kommen vor allem die Hauptkonkurrenten infra
ge (Benchmarking). Nach der Analyse und der Kritik der eigenen Daten
mit den Zahlen der Konkurrenz können schnell die Stärken und Schwä
chen des eigenen Unternehmens erkannt werden. Dann besteht die
Möglichkeit, eine gezielte Steuerung des Unternehmens vorzunehmen,
um die Stärken noch zu verbessern und die Schwächen zu beseitigen.
Die Branchenvergleiche sollten angestellt werden, wenn das Zahlen
material vom Konkurrenzunternehmen nicht zur Verfügung steht. Die
Banken haben Branchenkennzahlen in den letzten Jahren auf der
Grundlage der Jahresabschlüsse der Kunden errechnet, die bei den Ban
ken Kredite beantragt haben. Die meisten Hausbanken geben ohne Pro
bleme den Unternehmen Branchenkennzahlen auf Anfrage. Am gün
stigsten ist es, wenn die Unternehmen Fotokopien von den Bilanzana
lysen und der Bilanzkritik des eigenen Unternehmens einschließlich der
Branchenkennzahlen von ihren Hausbanken anfordern.

48
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A

10 Grenzen der Bilanzanalyse und


der Bilanzkritik
Der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik sind Grenzen gesetzt, die bei
der Analyse und bei der kritischen Würdigung eines Unternehmens
berücksichtigt werden müssen. Der Wahrheitsgehalt des Jahresab-
schlusses und die Verfügbarkeit des Zahlenmaterials sind zwei
wichtige Gesichtspunkte, die genauer überprüft werden sollten.

Grenzen der Bilanzanalyse


und der Bilanzkritik

Wahrheitsgehalt der Zahlen Verfügbarkeit des Zahlenmaterials

Abb. 10: Grenzen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik


Beim Einsatz des bilanzanalytischen Instrumentariums müssen wir
berücksichtigen, dass bei der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik
Grenzen zu beachten sind, die die Ergebnisse der Auswertung be-
einflussen können. Diese Grenzen und Probleme sind bei der Ana-
lyse des eigenen Unternehmens und der Unternehmen der gleichen
Branche zu beachten.
Die Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften ermöglichen unter-
schiedliche Ansätze der Bilanzpositionen auf der Aktiv- und Passiv-
seite der Bilanz. Dadurch können stille Reserven gebildet werden.
Die Unternehmen haben also erhebliche Bewertungsspielräume.

10.1 Wahrheitsgehalt der Zahlen


Der Grundsatz der Bilanzwahrheit sollte bei der Erstellung des Jah-
resabschlusses berücksichtigt werden. In der Praxis zeigt sich aber,
dass die Bilanzwahrheit durch die Wahlrechte und durch den Er-
messungsspielraum bei der Bewertung einzelner Bilanzpositionen
eingeschränkt werden kann. Der Jahresabschluss der Unternehmen
stellt nur ein Abbild der Wirklichkeit dar, das unter Berücksichti-

49
A Grenzen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik

gung der Grenzen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik der Wahr-
heit entspricht.

Wahrheitsgehalt

Formale Einschränkungen Materielle Einschränkungen

Abb. 11: Wahrheitsgehalt der Zahlen


Die Generalnorm des „True And Fair View“ (§ 264 Abs. 2 HGB)
und der Grundsatz der Vollständigkeit (§ 246 Abs. 1 HGB) lassen
vermuten, dass der Jahresabschluss eine wirklichkeitsgetreue Abbil-
dung der Unternehmensverhältnisse liefert. Dies ist aber aus folgen-
den Gründen nicht der Fall.

10.1.1 Formale Einschränkungen


Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik beziehen sich jeweils nur auf
die Momentaufnahmen der Bilanz eines jeden Jahres. Das Vermö-
gen, das Eigenkapital und die Schulden unterliegen aber ständigen
Veränderungen während des Geschäftsjahres. Je stärker ein Unter-
nehmer auf die Bilanzoptik Wert legt, desto schneller können sich
die Bilanzpositionen bereits einen Tag nach dem Jahresabschluss
wieder ändern.

Formale Grenzen
• Der Jahresabschluss ist eine Momentaufnahme eines Unternehmens.
• Der Jahresabschluss ist vergangenheitsorientiert.
• Eine unterschiedliche Zusammensetzung von Bilanzpositionen ist möglich.
• Unvollständige Informationsquellen sind vorhanden. Für den externen Analytiker
stehen meist nur quantitative, aber keine qualitativen Informationen zur Verfü
gung.
Abb. 12: Formale Grenzen
Die Jahresabschlüsse beziehen sich jeweils auf die vergangenen Jah-
re. Besonders wichtig sind aber die Entwicklungen eines Unterneh-
mens für die Zukunft. Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik sind
also stets vergangenheits- und nicht zukunftsorientiert. Zur Beur-

50
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
teilung eines Unternehmens sind aber insbesondere zukünftige Ent-
wicklungen des Unternehmens wichtig.
Die Bilanzpositionen im Jahresabschluss entsprechen dem vorge-
schriebenen Gliederungsschema. In den einzelnen Unternehmen
können sich die Positionen aber unterschiedlich zusammensetzen.
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 800 T€ bei-
spielsweise umfassen in einem Unternehmen viele Einzelforderun-
gen und in einem anderen Unternehmen nur wenige Forderungen.
Der Jahresabschluss liefert nur quantitative Informationen. Viele
qualitative Aspekte sind bei externen Analysen und bei Analysen der
Konkurrenzunternehmen meistens nicht bekannt. Zu den qualitati-
ven Daten gehören vor allem die Qualifikation der Unternehmens-
leitung und der Mitarbeiter, die bestehenden Kreditlinien, das
Know-how, die neuen Produkte, die gute Organisation, eine starke
Vertriebsmannschaft sowie eine effiziente Forschung und Entwick-
lung.

10.1.2 Materielle Einschränkungen


Im Jahresabschluss werden nur die bilanzierungsfähigen Wirt-
schaftsgüter erfasst. Für einige Vermögenswerte besteht ein Bilanzie-
rungsverbot (§ 248 HGB). Die Bilanzangaben sind also unvollstän-
dig.
Der originäre Firmenwert beispielsweise darf nicht bilanziert wer-
den. Dieser Wert umfasst die eigenen Marken und Patente, be-
stimmte Schutzrechte und das Know-how, die Qualifikation der
Mitarbeiter und die vorhandene Organisation sowie die Kunden
und Lieferanten.
Es gibt Vermögensgegenstände, die dem Unternehmen wirtschaft-
lich zustehen, aber sich rechtlich in fremdem Eigentum befinden.
Dazu gehören die verpfändeten und sicherungsübereigneten Posi-
tionen im Anlagevermögen. Auch die unter Eigentumsvorbehalt
gelieferten Rohstoffe zählen dazu.

51
A Grenzen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik

Materielle Grenzen
Der Jahresabschluss enthält nicht alle Werte des Unternehmens.
1. Einige Vermögensgegenstände gehören wirtschaftlich, aber nicht rechtlich dem
Unternehmen.
2. Die Eventualverbindlichkeiten und die sonstigen finanziellen Verpflichtungen
stehen nicht in der Bilanz.
3. Das private Haftungskapital ist bei Einzel und Personengesellschaften nicht
ersichtlich.
4. Die Bewertung der Vermögensgegenstände erfolgt zu Anschaffungs oder
Herstellungskosten.
5. Eine Beeinflussung der Vermögensgegenstände durch außerplanmäßige
Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen ist möglich.
6. Die Ausnutzung von Wahlrechten und von Ermessensspielräumen bei der
Bilanzierung und Bewertung der Vermögensgegenstände ist erlaubt.
7. Die Beeinflussung der Vermögensgegenstände durch weitere bilanzpolitische
Maßnahmen kann vorgenommen werden.
Abb. 13: Materielle Grenzen
Die Eventualverbindlichkeiten und die sonstigen finanziellen Ver-
pflichtungen werden unter dem Strich der Bilanz oder im Anhang
aufgeführt (§§ 251, 268 Abs. 7, 285 Abs. 3 HGB). Dazu gehören
beispielsweise das Wechselobligo, Leasingverträge und begonnene
Investitionsvorhaben.
Das private Haftungskapital der Gesellschafter bei Einzel- und Per-
sonengesellschaften ist nicht ersichtlich. Diese Informationen kön-
nen die Kreditwürdigkeit der Unternehmen wesentlich beeinflussen.
Die Vermögensgegenstände werden höchstens mit den Anschaf-
fungs- oder Herstellungskosten bewertet (§ 253 Abs. 1 HGB). Auch
das Vorsichtsprinzip kann dazu führen, dass in den Unternehmen
stille Reserven entstehen (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB).
Durch die außerplanmäßigen Abschreibungen, Wertberichtigungen
und Rückstellungen besteht die Möglichkeit, die Werte der in der
Bilanz aufgeführten Positionen zu beeinflussen.
Das Handels- und das Steuerrecht lassen bestimmte Wahlrechte zu,
die Auswirkungen auf den Ausweis bestimmter Bilanzpositionen
und/oder auf deren Höhe haben. Die Maschinen beispielsweise
können linear oder degressiv abgeschrieben werden. Die Unterneh-
men können das Lifo-Verfahren anwenden. Steuerliche Sonderab-

52
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
schreibungen und die Sofortabschreibung geringwertiger Wirt-
schaftsgüter sind zulässig.
Durch bilanzpolitische Maßnahmen können einzelne Positionen der Bilanzen
positiv oder negativ beeinflusst werden. Bei der Bilanzanalyse und der Bilanz-
kritik können wir davon ausgehen, dass die gut geführten Unternehmen im
Rahmen ihres Ermessensspielraums alles tun werden, um den Jahresabschluss
in ihrem Sinne zu gestalten.
Die Banken sind mit diesen Problemen vertraut. Erfahrene Banker
stellen bei der Kreditwürdigkeitsprüfung der Unternehmen immer
wieder fest, dass die Jahresabschlüsse der gut geführten Unterneh-
men grundsätzlich noch besser sind, als die Daten der Jahresab-
schlüsse es zum Ausdruck bringen. Allerdings gilt diese Feststellung
auch umgekehrt. Die Situation in schlecht gemanagten Unterneh-
men ist in der Regel noch viel schlechter, als die Zahlen der Jahres-
abschlüsse dokumentieren.
Zwischen den Rechenschaftspflichtigen und den Adressaten der
Bilanz besteht ein eindeutiger Interessenskonflikt. Die Unternehmen
tun meist alles, um nicht mehr zu zeigen, als sie müssen. Die Adres-
saten der Bilanz hingegen setzen alles daran, um einen möglichst
guten Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Die zahlreichen bilanzpolitischen Möglichkeiten stellen Probleme
bei der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik dar. Da aber alle Unter-
nehmen grundsätzlich die gleichen Voraussetzungen haben, sind die
Jahresabschlüsse der Unternehmen wichtige Grundlagen bei der
Beurteilung der einzelnen Unternehmen.
Die Nutzung von Wahlrechten ist im Anhang erkennbar und meist
quantifizierbar. Bei der Aufbereitung des Zahlenmaterials können
diese Fakten berücksichtigt werden. Diese Informationen sollten in
das Urteil über das Unternehmen einfließen.

10.2 Verfügbarkeit der Daten


Jeder Kaufmann ist verpflichtet, innerhalb bestimmter Fristen den
Jahresabschluss zu erstellen. Die Fristen sind aber von der Rechts-
form und der Größe der Unternehmen abhängig.

53
A Grenzen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik

Die mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften müssen generell


3 Monate nach Abschluss des Geschäftsjahres die Jahresabschlüsse
erstellt haben (§ 243 Abs. 3 HGB). Kleine Kapitalgesellschaften ha-
ben eine Frist von 6 Monaten für die Aufstellung der Jahresab-
schlüsse zu beachten (§ 264 Abs. 1 HGB). Bei Einzel- und Personen-
gesellschaften sollten die Jahresabschlüsse bis zu einem Jahr nach
den Geschäftsabschluss erstellt sein.
Für die Durchführung einer Bilanzanalyse und einer Bilanzkritik
kommt es auf die Offenlegung der Jahresabschlüsse an. Die mittel-
großen und die großen Kapitalgesellschaften müssen die Jahresab-
schlüsse spätestens vor dem Ablauf von 9 Monaten und die kleinen
Kapitalgesellschaften innerhalb von 12 Monaten ab Bilanzstichtag
veröffentlichen (§§ 325, 326 HGB).
Die externe Bilanzanalyse und die Bilanzkritik kann für die einzel-
nen Unternehmen also erst relativ spät durchgeführt werden. Die
Daten der Jahresabschlüsse sind dann schon meist weitgehend über-
holt und haben dann nur noch eine beschränkte Aussagefähigkeit.
Den aus den Jahresabschlüssen gewonnenen Erkenntnissen sind also
Grenzen gesetzt, die die Aussagekraft der ermittelten Kennzahlen
einschränken können. Die Bilanzanalyse ist trotz der sich ergeben-
den Schwierigkeiten ein gutes Instrumentarium zur Beurteilung der
Unternehmen. Der Jahresabschluss hat unter Berücksichtigung der
aufgezeigten Grenzen einen großen Informationswert und erlaubt
einen guten Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der
Unternehmen.

Zusammenfassung:
Der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik sind Grenzen gesetzt, die bei der
Analyse und der kritischen Würdigung der Ergebnisse eines Unterneh
mens zu berücksichtigen sind. Der Wahrheitsgehalt der Jahresab
schlüsse und die Verfügbarkeit des Zahlenmaterials sind zwei wichtige
Gesichtspunkte, die die Aussagekraft der Bilanzanalyse und der Bilanz
kritik einschränken können.
Beim Wahrheitsgehalt der Zahlen können wir formale und materielle
Einschränkungen unterscheiden. Zu den formalen Grenzen gehört, dass
der Jahresabschluss nur eine Momentaufnahme und vergangenheitsori
entiert ist, dass die Zusammensetzung der Bilanzpositionen unter

54
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
schiedlich sein kann und dass meist nur quantitative aber keine quali
tativen Informationen zur Verfügung stehen.
Die materiellen Grenzen sind noch vielfältiger. Der Jahresabschluss ent
hält nicht alle Werte des Unternehmens. Einige Vermögensgegenstände
gehören nur wirtschaftlich, aber nicht rechtlich den Unternehmen. Die
Eventualverbindlichkeiten und die sonstigen finanziellen Verpflichtun
gen stehen nicht in der Bilanz. Das private Haftungskapital ist bei Ein
zel und Personengesellschaften nicht ersichtlich. Die Bewertung der
Vermögensgegenstände erfolgt zu Anschaffungs und Herstellungsko
sten. Die Vermögensgegenstände können durch außerplanmäßige Ab
schreibungen, durch Wertberichtigungen und durch Rückstellungen be
einflusst werden. Die Ausnutzung von Wahlrechten und von Ermes
sensspielräumen bei der Bilanzierung und Bewertung der Vermögensge
genstände ist erlaubt. Die Beeinflussung der Vermögensgegenstände
und der Schulden ist auch durch weitere bilanzpolitische Maßnahmen
möglich.
Die Verfügbarkeit des Datenmaterials ist von bestimmten Fristen ab
hängig, die sich nach der Rechtsform und Größe des Unternehmens
richten. Kapitalgesellschaften müssen drei Monate und die Einzel und
Personengesellschaften erst ein Jahr nach Abschluss des Geschäftsjah
res die Jahresabschlüsse erstellt haben. Die Offenlegung der Jahresab
schlüsse erfolgt noch später.
Die externe Bilanzanalyse und die Bilanzkritik können deshalb für die
einzelnen Unternehmen erst relativ spät durchgeführt werden. Die Da
ten sind dann meist weitgehend überholt und haben nur noch eine be
schränkte Aussagefähigkeit.

11 Bilanzsteuerrecht
Das Bilanzsteuerrecht ist das wichtigste Teilgebiet der betrieblichen
Steuerlehre für den Betriebswirt. Die gesetzlichen Grundlagen für
den steuerlichen Jahresabschluss bilden die §§ 238 ff. HGB, §§ 140
bis 148 AO und §§ 4 bis 7 EStG.
Der Jahresabschluss nach dem Handels- und dem Steuerrecht wird
aus der Finanzbuchhaltung entwickelt. Im betrieblichen Rech-
nungswesen erfassen wir alle Tatbestände, die als Grundlagen für die
Steuerberechnungen dienen.

55
A Bilanzsteuerrecht

Der Gewinn der Steuerbilanz ist die Basis für die Berechnung der
Einkommen- oder der Körperschaftsteuer und des Gewerbeertrags.
Die Vermögenspositionen der Steuerbilanz stellen die Grundlage für
die Ermittlung der Einheitswerte dar, aus denen das Gewerbekapital
und die Vermögensteuer berechnet werden. Das Bilanzsteuerrecht
gilt gleichermaßen für die Einzelkaufleute, für die Personengesell-
schaften und für die Kapitalgesellschaften.

Zusammenfassung:
Das Bilanzsteuerrecht ist für den Betriebswirt der wichtigste Teil des
Steuerrechts. Der Jahresabschluss nach dem Handels und Steuerrecht
wird aus der Finanzbuchhaltung entwickelt. Der Gewinn der Steuerbi
lanz ist die Basis für die Berechnung der Einkommen oder der Körper
schaftsteuer und der Gewerbeertragsteuer. Neben der Ertragsteuerbi
lanz wird noch eine Vermögensteuerbilanz erstellt.

11.1 Allgemeine Vorschriften


11.1.1 Rechenschaftslegung
Die Unternehmen haben über den Erfolg ihrer Geschäftstätigkeit
und über ihre wirtschaftliche Situation, d. h. über ihre Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage mindestens einmal am Ende eines jeden
Geschäftsjahres Rechenschaft abzulegen (§ 264 HGB). Die Instru-
mente der Rechenschaftslegung umfassen die Bilanz, die GuV und
den Anhang (§ 242 HGB). Die Kapitalgesellschaften müssen auch
noch einen Lagebericht erstellen (§ 289 HGB).
Der Jahresabschluss dient der Ermittlung des Periodengewinns. Aus
der Bilanz sind die Vermögensgegenstände, das Eigenkapital und die
Schulden zu erkennen. Der Jahresabschluss des Unternehmens stellt
auch eine wichtige Grundlage für die Planung, Kontrolle und Steue-
rung des Unternehmens dar.

11.1.2 Dokumentation
In der Finanzbuchhaltung und im Jahresabschluss werden die Ver-
mögensgegenstände und die Schulden dokumentiert. Diese Unterla-
gen können bei Rechtsstreitigkeiten als Belege der durchgeführten

56
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Geschäftsvorfälle und als Beweismittel für die einzelnen Transaktio-
nen verwendet werden.
Der Jahresabschluss von Kapitalgesellschaften dient insbesondere
dem Interesse des Gläubigerschutzes und zur Information der Öf-
fentlichkeit. Deshalb sind besondere Vorschriften für die Erstellung,
Prüfung, Feststellung und Veröffentlichung des Jahresabschlusses
erlassen worden (§§ 265 ff. HGB).
Die Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss beim Han-
delsgericht hinterlegen. Die großen Kapitalgesellschaften sind au-
ßerdem verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse zusätzlich im Bundesan-
zeiger abdrucken zu lassen.
Die mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften haben ihre Jah-
resabschlüsse noch durch Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buch-
prüfer prüfen zu lassen.

11.1.3 Größenmerkmale
Für die Abgrenzung der Größenklassen der Unternehmen gelten
folgende Kriterien, von denen jeweils zwei in zwei aufeinanderfol-
genden Geschäftsjahren erfüllt sein müssen (§ 267 HGB):

Größenklassen
Kriterien Kleine Mittelgroße Große
Kapitalge Kapitalgesellschaft Kapitalgesell
sellschaft schaft
Bilanzsumme (€) ≤ 3,438 Mio. > 3,438 ≤ 13,75 Mio. > 13,75 Mio.
Umsatzerlöse (€) ≤ 6,875 Mio. > 6,875 ≤ 27,5 Mio. > 27,5 Mio.
Beschäftigte ≤ 50 > 50 ≤ 250 > 250
Abb. 14: Größenklassen von Kapitalgesellschaften nach EURecht
Das europäische Gesellschaftsrecht sieht für alle Kapitalgesellschaf-
ten in der EU einheitliche Regeln für die Aufstellung, Prüfung und
Offenlegung von Jahresabschlüssen vor. Für kleine, mittelgroße und
große Kapitalgesellschaften wurden neue Grenzwerte festgelegt, die
bei der Bilanzsumme und den Jahresnettoumsätzen höher liegen als
die bisherigen Schwellenwerte.
Die neuen Schwellenwerte gelten auch für die Eröffnungsbilanzen
nach dem D-Markbilanzgesetz. Die aktualisierten Werte können

57
A Bilanzsteuerrecht

rückwirkend für die Geschäftsjahre ab dem 1. 1. 1991 angewandt


werden.
Unabhängig von der Rechtsform ist die Veröffentlichung der Jahres-
abschlüsse für große Unternehmen vorgeschrieben, die jeweils zwei
der drei folgenden Merkmale an zwei aufeinanderfolgenden Stichta-
gen erfüllen (§§ 1, 3, 9, 10 PublG):

Merkmale
Kriterien Größe
Bilanzsumme (€) > 65 Mio.
Umsatzerlöse (€) > 130 Mio.
Arbeitnehmer > 5.000
Abb. 15: Merkmale der großen Unternehmen

11.1.4 Fristen des Bilanzsteuerrechts


Jahresabschlüsse sind vergangenheitsorientiert. Zwischen dem Bi-
lanzstichtag und dem Zeitpunkt der Veröffentlichung besteht ein
längerer Zeitraum für die einzelnen Unternehmen. Je nach der Grö-
ße der Gesellschaften unterscheiden wir unterschiedliche Fristen.

Fristen des Bilanzsteuerrechts


Größe der Kleine Mittelgroße Große
Gesellschaft Kapitalgesell Kapitalgesell Kapitalgesell
schaft schaft schaft
Aufstellung des
6 Monate 3 Monate 3 Monate
Jahresabschlusses
Einberufung der Gesell
11 Monate 8 Monate 8 Monate
schafterversammlung
Einreichung des
Jahresabschlusses zum 12 Monate 9 Monate 9 Monate
Handelsregister
Abb. 16: Fristen des Bilanzsteuerrechts
Die Jahresabschlüsse müssen bei kleinen Kapitalgesellschaften nach
6 Monate aufgestellt sein. Die mittelgroßen und großen Kapitalge-
sellschaften haben die Aufstellung bereits nach 3 Monaten zu ma-
chen. Die Einberufung der Gesellschafterversammlung erfolgt bei
kleinen Kapitalgesellschaften innerhalb von 11 Monaten nach dem

58
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bilanzstichtag. Die mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften
müssen die Einberufung der Gesellschafterversammlung bereits
innerhalb von 8 Monaten vornehmen. Die Einreichung der Jahres-
abschlüsse zum Handelsregister hat nach 12 Monaten bei kleinen
Kapitalgesellschaften und nach 9 Monaten bei mittelgroßen und
großen Kapitalgesellschaften zu erfolgen.

11.1.5 Bilanzierungspflichtige
Der Bilanzierungspflichtige ist die natürliche oder juristische Person,
der ein Vermögensgegenstand zugerechnet wird. Der Vermögensge-
genstand ist der handelsrechtliche Begriff, der mit dem steuerrechtli-
chen Begriff Wirtschaftsgut identisch ist.

Wirtschaftsgüter
1. Körperliche Gegenstände
2. Rechte
3. Wirtschaftliche Werte
Abb. 17: Formen der Wirtschaftsgüter

Die Wirtschaftsgüter umfassen nicht nur körperliche Gegenstände,


sondern auch Rechte und wirtschaftliche Werte, die selbstständig
bewertet werden können.

11.1.6 Eigentümer
Die Unternehmen dürfen nur die Wirtschaftsgüter als Betriebsver-
mögen ausweisen, die ihnen entweder als bürgerlich-rechtliche Ei-
gentümer oder als wirtschaftliche Eigentümer zurechenbar sind.

Eigentümer

Bürgerlichrechtliche Eigentümer Wirtschaftliche Eigentümer

Abb. 18: Eigentümer der Wirtschaftsgüter


Die Vermögensgegenstände sind nach dem Handelsrecht dem
Kaufmann zuzurechnen, zu dessen Vermögen sie gehören (§ 240
HGB). Dieser Grundsatz gilt auch für das Steuerrecht (§ 39 AO). Die

59
A Bilanzsteuerrecht

Substanz eines Wirtschaftsgutes steht dem bürgerlich-rechtlichen


Eigentümer zu, der auch das Wirtschaftsgut zu bilanzieren hat.
Die Besteuerung richtet sich nicht nur nach der Rechtsform, son-
dern auch nach den wirtschaftlichen Verhältnissen. Der Eigentümer
kann für die Zeit der gewöhnlichen Nutzungsdauer von der Einwir-
kung auf das Wirtschaftsgut ausgeschlossen sein. Beim Kauf unter
Eigentumsvorbehalt oder bei der Sicherungsübereignung ist dies der
Fall. Dann muss der wirtschaftliche Eigentümer das Wirtschaftsgut
bilanzieren.

11.1.7 Betriebsvermögen
Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen
seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den
Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen
(§ 238 HGB).
Er hat auch beim Beginn seines Handelsgewerbes und jeweils für
den Schluss eines jeden Geschäftsjahres seine Vermögensgegenstän-
de und Schulden genau aufzuzeichnen (§ 240 HGB). Der Unter-
nehmer muss auch regelmäßig einen das Verhältnis des Vermögens
und der Schulden darstellenden Abschluss (Eröffnungs- und
Schlussbilanz) aufstellen, um den Gewinn zu ermitteln (§ 242 HGB).
Der Gewinn ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Betriebsver-
mögen am Schluss des Wirtschaftsjahres und dem Betriebsvermögen
des vorangegangenen Wirtschaftsjahres unter Berücksichtigung der
im Laufe eines Wirtschaftsjahres getätigten Entnahmen und Einla-
gen (§ 4 Abs. 1 EStG). Es muss also ein Betriebsvermögensvergleich
erstellt werden. Deshalb ist eine klare Abgrenzung des Betriebsver-
mögens vom Privatvermögen erforderlich.
In der Steuerbilanz werden nur Wirtschaftsgüter bei der Gewinner-
mittlung berücksichtigt, die zum Betriebsvermögen zählen. Die
Kapitalgesellschaften besitzen nur Betriebsvermögen. Die Einzel-
kaufleute und die Gesellschafter von Personengesellschaften haben
neben dem Betriebsvermögen auch noch privates Vermögen. Wirt-
schaftsgüter, die in keiner Beziehung zu einem Betrieb stehen oder
deren Beziehung zum Betrieb von untergeordneter Bedeutung ist,
zählen zum notwendigen Privatvermögen.

60
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Wirtschaftsgüter können wir in Betriebsvermögen und in Pri-
vatvermögen aufteilen.

Wirtschaftsgüter

Betriebsvermögen Privatvermögen

Abb. 19: Arten der Wirtschaftsgüter


Beim Betriebsvermögen unterscheiden wir das notwendige Betriebs-
vermögen und das gewillkürte Betriebsvermögen.

Betriebsvermögen

Notwendiges Betriebsvermögen Gewillkürtes Betriebsvermögen

Abb. 20: Arten des Betriebsvermögens

Notwendiges Betriebsvermögen
Alle Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb unmittelbar und ausschließ-
lich dienen, gehören zum notwendigen Betriebsvermögen. Maschi-
nen beispielsweise werden ihrer Natur und ihrer Art nach nur be-
trieblich genutzt.
Es gibt aber auch Wirtschaftsgüter, die ihrer Art nach sowohl be-
trieblichen als auch privaten Zwecken zu dienen bestimmt sein kön-
nen. Aus dem Umfang der betrieblichen Nutzung kann geschlossen
werden, ob sie zum notwendigen Betriebsvermögen gehören oder
nicht.
Der PKW eines Handelsvertreters gehört nach der Zweckbestim-
mung und nach der tatsächlichen Nutzung unmittelbar dem Be-
trieb. Es kommt jeweils auf die unmittelbare sachliche Beziehung
zum Betrieb an. Wenn ein Wirtschaftsgut überwiegend betrieblich
genutzt wird (mehr als 50 %), dann gehört es ebenfalls zum not-
wendigen Betriebsvermögen.

61
A Bilanzsteuerrecht

Gewillkürtes Betriebsvermögen
Beim gewillkürten Betriebsvermögen handelt es sich um Wirt-
schaftsgüter, die ihrer Natur nach weder notwendiges Betriebsver-
mögen noch notwendiges Privatvermögen darstellen. Der Unter-
nehmer besitzt ein Wahlrecht, das er aber nicht willkürlich wahr-
nehmen kann. Wenn der Steuerpflichtige die Wirtschaftsgüter dem
Betriebsvermögen zuordnen will, dann gehören sie zum gewillkür-
ten Betriebsvermögen.
Folgende Voraussetzungen müssen für ein gewillkürtes Betriebs-
vermögen vorliegen:
1. Die Wirtschaftsgüter müssen in einem gewissen objektiven Zu-
sammenhang zu dem Betrieb stehen. Die Gegenstände sind dazu
geeignet, den Betrieb zu fördern. Die Land- und Forstwirte, die
Gewerbetreibenden und die selbstständig Tätigen haben das
Recht, ein gewillkürtes Betriebsvermögen zu besitzen.
2. Das gewillkürte Betriebsvermögen muss in der Buchführung
eindeutig als Betriebsvermögen ausgewiesen werden. Dann ist
eine Kontrolle möglich.
3. Der Gewinn muss durch Vermögensvergleich ermittelt werden.
Bei der Einnahme-Überschussrechnung ist also ein gewillkürtes
Betriebsvermögen nicht erlaubt (Abschnitt 17 Abs. 5 EStR).

Zusammenfassung:
Die allgemeinen Vorschriften umfassen die Rechenschaftslegung, die
Dokumentation, die Größenmerkmale, die Fristen des Bilanzsteuer
rechts, die Bilanzierungspflichtigen, die Eigentümer der Wirtschaftsgü
ter und das Betriebsvermögen.
Der Analytiker des Jahresabschlusses sollte Grundkenntnisse über diese
einzelnen Punkte besitzen, um einen besseren Einblick in die Zusam
menhänge zu erhalten, die zu einem Jahresabschluss führen. Auch die
Unternehmensleitung und die Führungskräfte des Finanz und Rech
nungswesens sowie des Controlling sollten detaillierte Kenntnisse über
das Bilanzsteuerrecht haben.

62
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
11.2 Gewinnermittlungsarten
Die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb
und aus selbstständiger Arbeit bezeichnen wir als Gewinne (§ 2
Abs. 2 Nr. 1 EStG). Die Steuerpflichtigen müssen ihre Gewinne
selbst errechnen. Für die Ermittlung des Periodengewinns unter-
scheiden wir folgende Methoden:

Methoden zur Gewinnermittlung


Betriebsvermögensvergleich (§ 5 EStG)
Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG)
EinnahmeÜberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG)
Schätzung (§ 162 AO)
Abb. 21: Methoden zur Gewinnermittlung

11.2.1 Betriebsvermögensvergleich nach § 5 EStG


Am Schluss des Wirtschaftsjahres wird das Betriebsvermögen ange-
setzt, das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßi-
ger Buchführung ausgewiesen wird (§ 5 EStG). Die steuerrechtlichen
Vorschriften sind dabei zu beachten (§§ 4 bis 7 EStG). Die Maßgeb-
lichkeit des Handelsrechts wird durch die umgekehrte Maßgeblich-
keit des Steuerrechts für die steuerrechtliche Gewinnermittlung
ergänzt (§ 5 Abs. 1 Satz 2 EStG).
Auf der Grundlage der doppelten Buchführung werden die Bilanz
sowie die GuV aufgestellt. Bei dem Betriebsvermögensvergleich geht
es also um den üblichen Jahresabschluss eines Kaufmanns.
Die Gewinnermittlung durch die Bilanzierung ist für folgende Ge-
werbetreibende vorgeschrieben:
1. Gewerbetreibende, die zu einer ordnungsmäßigen Buchführung
verpflichtet sind (§ 238 HGB). Dazu gehören die Kapitalgesell-
schaften, die Genossenschaften, die Handelsgesellschaften und
die in das Handelsregister eingetragenen Einzelkaufleute.
2. Gewerbetreibende, die nach steuerrechtlichen Vorschriften zur
Führung von Büchern verpflichtet sind. Die Buchführungspflicht
besteht für Betriebe, die folgende Grenzen überschreiten (§ 141
AO):

63
A Bilanzsteuerrecht

a) Umsatz über350.000,00 €
b) Gewinn über 30.000,00 €
3. Gewerbetreibende, die freiwillig Bücher führen und nicht unter 1
und 2 fallen.

11.2.2 Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG


Die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG erfolgt mithilfe folgen-
der Vermögensvergleichsrechnungen: Der Gewinn ist der Unter-
schiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen am Schluss des
Wirtschaftsjahres und dem Betriebsvermögen am Schluss des voran-
gegangenen Wirtschaftsjahres. Dieser Betrag wird vermehrt um den
Wert der Entnahmen und vermindert um den Wert der Einlagen.
Diese Gewinnermittlung kommt für folgende Betriebe infrage:
1. Land- und Forstwirte, die Bücher führen müssen (§ 161 AO).
Dazu gehören Betriebe, die folgende Kriterien erfüllen:
a) Umsatz über350.000,00 €
b) Gewinn über 30.000,00 €
2. Land- und Forstwirte, die freiwillig Bücher führen und Ab-
schlüsse machen.
3. Freiberufler, die freiwillig Bücher führen und Abschlüsse machen
(§ 18 EStG).

11.2.3 EinnahmeÜberschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG


Die Einnahme-Überschussrechnung ist eine vereinfachte Methode
der Gewinnermittlung. Der Gewinn ergibt sich als Überschuss der
Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben.
Diese Gewinnermittlung ist geeignet für die Land- und Forstwirte,
für die Minderkaufleute und für die selbstständig Tätigen, wenn sie
keine Vermögensvergleichsrechnungen machen müssen. Für Freibe-
rufler ist diese Methode der Gewinnermittlung besonders interes-
sant. Die Höhe des Umsatzes, des Vermögens und des Gewinns
spielen für Freiberufler keine Rolle. Zu den Freiberuflern gehören
insbesondere Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Ärzte, Rechtsanwälte
und Unternehmensberater.

64
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Einnahmen und Ausgaben in bar sowie die Gutschriften und
Belastungen auf dem Girokonto werden als Geschäftsvorfälle erfasst.
Das Entstehen einer Forderung oder die Begründung einer Ver-
bindlichkeit sind nicht relevant.
Bei der Einnahme-Überschussrechnung werden also nur die Be-
triebseinnahmen und die Betriebsausgaben berücksichtigt. Eine
Inventur und eine Bilanz sind bei dieser Rechnung nicht erforder-
lich.
Die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben müssen einzeln
erfasst werden. (§ 146 AO). Ein Verzeichnis über die abnutzbaren
und die nicht abnutzbaren Anlagegüter ist zu führen.

11.2.4 Schätzung
Die Buchführung eines Unternehmens ist nicht ordnungsgemäß,
wenn sie erhebliche Mängel aufweist oder wenn der Gewinn offen-
bar manipuliert ist. Dann erfolgt eine Schätzung des Gewinns (§ 162
AO).
Die Vollschätzung des Gewinns wird anhand eines Vergleichs mit
den Ergebnissen gleichgelagerter Betriebe vorgenommen. Die Richt-
zahlen liegen den Oberfinanzdirektionen vor. Insbesondere in
Handwerks- und Einzelhandelsbetrieben werden die Richtsätze als
Kontrollinstrumente und als Schätzgrundlagen eingesetzt.

Zusammenfassung:
Die Gewinnermittlungsarten hängen von der Größe und Tätigkeit der
Unternehmen ab. Die Gewerbetreibenden erstellen grundsätzlich einen
Jahresabschluss und führen einen Betriebsvermögensvergleich nach § 5
EStG durch. Land und Forstwirte sowie Freiberufler, die Bücher führen,
machen einen Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG.
Die EinnahmeÜberschussrechnung ist eine vereinfachte Methode der
Gewinnermittlung, die insbesondere von Freiberuflern gewählt wird.
Diese Methode erleichtert erheblich die Aufgaben der Buchführung.
Die Schätzung des Gewinns erfolgt bei allen Unternehmen, die keine
ordnungsmäßige Buchführung machen oder die den Gewinn offensicht
lich manipuliert haben. Bei der Schätzung wird der Gewinn vom Fi
nanzamt meist bewusst etwas höher angesetzt.

65
A Bilanzsteuerrecht

11.3 Handels und Steuerbilanz


11.3.1 Zweck der Bewertung
Die Zwecke der Bewertung in der Handels- und Steuerbilanz sind
unterschiedlich. Für das klare Verständnis der Bewertungsvor-
schriften und für die richtige Auslegung ist es wichtig, dass wir die
Unterschiede kennen.

Handelsbilanz
Die Handelsbilanz wird nach handelsrechtlichen Bestimmungen
erstellt (§§ 242 bis 289 HGB). Der Hauptzweck der Handelsbilanz ist
die Ermittlung des Gewinns unter besonderer Berücksichtigung des
Gläubigerschutzes. Das Ziel der Handelsbilanz ist es, den Gewinn
vorsichtig zu ermitteln. Es gilt also der Grundsatz der Vorsicht.
Das Handelsrecht setzt deshalb die Bewertungsgrenzen nach oben
fest, um die Vermögenslage des Unternehmens nicht zu günstig
darzustellen. Dadurch soll auch eine Gewinnausschüttung aus der
Substanz vermieden werden. Die Bildung stiller Reserven wird be-
grenzt, um die Interessen der Gesellschafter zu berücksichtigen und
um Gewinnmanipulationen einzuschränken.

Steuerbilanz
Der Hauptzweck der Steuerbilanz ist die Ermittlung eines möglichst
gleichmäßigen Periodengewinns, um eine gerechte Besteuerungs-
grundlage zu erhalten. Das Ziel der Steuerbilanz besteht darin, den
Gewinn in vollem Umfang auszuweisen, damit die Steuerbelastung
gerecht verteilt wird. Die steuerrechtlichen Vorschriften sollen ver-
hindern, dass die Aktiva zu niedrig und die Passiva zu hoch ausge-
wiesen werden. Die Bilanzierungspflichtigen dagegen sind bestrebt,
ihre eigene wirtschaftliche Lage nicht zu günstig darzustellen.
Die Steuerbilanz dient dem Staat auch dazu, gezielte Wirtschafts-
und Sozialpolitik zu betreiben. Deshalb lässt das Steuerrecht auch
Bewertungsvergünstigungen zu. Durch die Bildung steuerlicher
Rücklagen kann dann der steuerliche Gewinn gemindert werden.
Auf den Ausweis des richtigen Periodengewinns wird dann bewusst

66
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
verzichtet. Das Steuerrecht gibt also Anreize beispielsweise für Inve-
stitionen und für Umweltschutzmaßnahmen.

Steuerbilanz

Ertragsteuerbilanz Vermögensteuerbilanz

Abb. 22: Arten der Steuerbilanzen


Die Steuerbilanz umfasst die Ertragsteuer- und die Vermögensteu-
erbilanz. Die Ertragsteuerbilanz ist wichtig für die Besteuerung des
Unternehmens.
Die Vermögensteuerbilanz wird nach den Vorschriften des Bewer-
tungssteuergesetzes erstellt und dient der Ermittlung der Vermö-
gensteuer. Diese Bilanz hat keine Bedeutung für den Jahresab-
schluss. Die Vermögensteuerbilanz müssen die Unternehmen alle
drei Jahre zur Ermittlung des Einheitswertes des gewerblichen Be-
triebes aufstellen. Die Vermögensteuer ist in der Zwischenzeit weg-
gefallen.
Die Steuerbilanz kann mit der Handelsbilanz identisch sein, wenn
die Wertansätze den steuerlichen Bestimmungen gemäß festgelegt
werden. Sie kann aber auch aus der Handelsbilanz abgeleitet wer-
den, indem die vom Steuerrecht geforderten Korrekturen vorge-
nommen werden.
Die Einzel- und Personengesellschaften stellen meist nur eine Steu-
erbilanz auf. Die prüfungspflichtigen mittelgroßen und großen Ka-
pitalgesellschaften dagegen trennen meist die Handelsbilanz von der
Steuerbilanz, indem sie aus der Handelsbilanz die Steuerbilanz ab-
leiten.

11.3.2 Maßgeblichkeitsgrundsatz
Grundsätzlich gilt die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die
Steuerbilanz. Die Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte werden
grundsätzlich identisch ausgeübt. Die umgekehrte Maßgeblichkeit
der Steuerbilanz für die Handelsbilanz betrifft insbesondere die

67
A Bilanzsteuerrecht

steuerlichen Sonderabschreibungen, die erhöhten Absetzungen und


die Bildung von steuerlichen Rücklagen.

Maßgeblichkeit der Handelsbilanz


Die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz bedeutet,
dass die handelsrechtlichen Wertansätze in die Steuerbilanz über-
nommen werden müssen, wenn sie im Rahmen der steuerlichen
Bewertungsvorschriften liegen.
Bei der steuerrechtlichen Gewinnermittlung ist das Vermögen an-
zusetzen, das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungs-
mäßiger Buchführung auszuweisen ist (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EStG).
Wenn zwingende Vorschriften des Steuerrechts dem entgegenste-
hen, müssen diese berücksichtigt werden. Die handelsrechtlichen
Aktivierungs- und Passivierungsgebote und Aktivierungs- und Pas-
sivierungsverbote sind also auch steuerrechtlich bindend.

Umgekehrte Maßgeblichkeit
Weichen die Wertansätze in der Handelsbilanz von den steuerrecht-
lichen Bewertungsvorschriften ab, müssen in der Steuerbilanz die
abweichenden Steuerwerte eingesetzt werden. Steuerrechtliche
Wahlrechte können aber nur in Übereinstimmung mit der Handels-
bilanz ausgeübt werden. Dadurch wird das steuerliche Wahlrecht für
die Bewertung in der Handelsbilanz zwingend. Deshalb sprechen wir
dann von der umgekehrten Maßgeblichkeit der Steuerbilanz für die
Handelsbilanz.
Die Anwendung steuerlicher Sondervorschriften ist handelsrechtlich
erlaubt. Das gilt beispielsweise für die steuerrechtlichen Sonderab-
schreibungen auf das Anlage- und Umlaufvermögen (§§ 254, 279
Abs. 2 HGB) und für die Bildung von steuerfreien Rücklagen
(§§ 247 Abs. 3, 273 HGB). Die steuerfreien Rücklagen werden in den
Sonderposten mit Rücklageanteil erfasst.

Zusammenfassung:
Die Zwecke der Bewertung in der Handels und Steuerbilanz sind un
terschiedlich. Der Hauptzweck der Handelsbilanz ist die Ermittlung des
Gewinns unter besonderer Berücksichtigung des Gläubigerschutzes. Es
gilt der Grundsatz der Vorsicht.

68
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
In der Steuerbilanz ist der Hauptzweck die Ermittlung eines möglichst
gleichmäßigen Periodengewinns. Die Gewinne sollen in vollem Umfang
ausgewiesen werden.
Das Steuerrecht lässt allerdings aus wirtschaftspolitischen Gründen
bestimmte Bewertungsvergünstigungen zu. Steuerfreie Rücklagen sind
möglich. Das Steuerrecht gibt auch Anreize zu Investitionen und Um
weltschutzmaßnahmen.
Generell gilt die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz.
Die Bilanzierungs und Bewertungsvorschriften werden grundsätzlich
identisch in der Handels und Steuerbilanz ausgeübt. Die umgekehrte
Maßgeblichkeit der Steuerbilanz für die Handelsbilanz betrifft insbe
sondere die steuerlichen Sonderabschreibungen, die erhöhten Abset
zungen und die Bildung von steuerfreien Rücklagen.

11.4 Finanzbuchhaltung, Inventur,


Bilanzierung
11.4.1 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
Die Handelsbilanz und die ihr zu Grunde liegende Buchführung
muss nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung erstellt
werden (§ 238 ff. HGB). Die Grundsätze gelten auch für die Steuer-
bilanz, da sie ihrer Natur nach eine aufgrund zwingender steuer-
rechtlicher Vorschriften korrigierte Handelsbilanz ist (§ 5 Abs. 1
EStG).
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beinhalten die Re-
geln, die ein Kaufmann bei der Erstellung seiner Buchführung und
seines Jahresabschlusses beachten muss. Diese Grundsätze können
von Rechtsnormen, dem Gewohnheitsrecht und dem Handels-
brauch abgeleitet werden.
Eine Buchführung ist ordnungsgemäß, wenn ein sachverständiger
Dritter sich innerhalb einer angemessenen Zeit einen Überblick über
die Geschäftsvorfälle und die Lage des Unternehmens verschaffen
kann (§ 238 Abs. 1 Satz 2 HGB, § 145 Abs. 1 AO). Eine ordnungs-
mäßige Buchführung liegt vor, wenn die für die kaufmännische
Buchführung erforderlichen Bücher geführt werden, die Bücher

69
A Bilanzsteuerrecht

förmlich in Ordnung sind und der Inhalt der Buchführung sachlich


richtig ist.
Folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:
1. Die Geschäftsvorfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Ab-
wicklung verfolgen lassen (§ 238 Abs. 1 Satz 3 HGB, § 140 Abs. 1
AO).
2. Die Führung der Handelsbücher und der sonst erforderlichen
Aufzeichnungen müssen in lebender Sprache erfolgen (§ 239
Abs. 1 Satz 1 HGB, § 146 Abs. 3 AO).
3. Die Eintragungen in den Büchern und die sonst erforderlichen
Aufzeichnungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht und ge-
ordnet sein (§ 239 Abs. 2 HGB, § 146 Abs. 1 AO).
4. Die Eintragungen und die Aufzeichnungen dürfen nicht so ver-
ändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr fest-
stellbar ist (§ 239 Abs. 3 Satz 1 HGB, § 164 Abs. 4 AO).
5. Die Handelsbücher und die sonst erforderlichen Aufzeichnun-
gen können auf Datenträgern geführt werden. Die Loseblatt-
buchführung und die Fernbuchführung sind zulässig (§ 239
Abs. 4 HGB, § 146 Abs. 5 AO).
6. Die Bücher und die sonst erforderlichen Aufzeichnungen sind
im Geltungsbereich der AO zu führen und aufzubewahren (§ 146
Abs. 2 Satz 1 AO).
7. Die Mindesterfordernisse für einen Kaufmann lauten:
a) Führung eines Kassenbuches (§ 146 Abs. 1 Satz 2 AO)
b) Führung von Kontokorrentkonten. Offene-Posten-Buch-
führung ist erlaubt (§ 146 Abs. 5 AO).
c) Führung von Wareneingangs- und Warenausgangsbüchern
(§§ 143, 144 AO). Die Durchführung einer Inventur pro Jahr
ist erforderlich (§§ 240, 241 HGB).
8. Der Jahresabschluss muss innerhalb einer entsprechenden Zeit
aufgestellt werden (§ 264 Abs. 2 Sätze 2 und 3 HGB).
Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften 3 Monate
Kleine Kapitalgesellschaften 6 Monate
Einzel- und Personengesellschaften 1 Jahr
9. Keine Buchung darf ohne Beleg vorgenommen werden.

70
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
10. Die Aufbewahrungsfristen sind einzuhalten (§ 257 HGB, § 147
AO). Die Unterlagen müssen entweder 6 oder 10 Jahre aufbe-
wahrt werden, wie folgende Aufstellung zeigt:
Aufbewahrungsfristen
6 Jahre 10 Jahre
• Empfangene Handels und Geschäfts • Bücher und Aufzeichnungen
briefe • Inventurunterlagen
• Kopien der abgesandten Handels und • Inventare
Geschäftsbriefe • Bilanzen
• Buchungsbelege • Arbeitsanweisungen zum Verständnis
• Sonstige für die Besteuerung erforder der Bilanzen
lichen Unterlagen
• Sonstige Organisationsunterlagen
Abb. 23: Aufbewahrungsfristen
Die Aufbewahrungsfristen beginnen mit dem Ablauf des Kalender-
jahres (§ 257 Abs. 5 HGB, § 147 Abs. 4 AO). Sie verlängern sich
unter bestimmten Voraussetzungen, z. B. bei begonnenen Außen-
prüfungen, bei vorläufigen Steuerfestsetzungen und bei eingeleiteten
steuerstrafrechtlichen Ermittlungen (§§ 147 Abs. 3, Satz 2, 165 AO).

11.4.2 Inventur

Begriff
Die Inventur ist zur Aufstellung des Inventars erforderlich. Beide
Aufstellungen gehören zu den Bestandteilen des Jahresabschlusses.
Unter der Inventur verstehen wir die mengen- und wertmäßige
Erfassung aller Vermögensgegenstände und Schulden eines Unter-
nehmens (§§ 240 Abs. 1 und 2, 241 HGB).
Bei größeren Unternehmen ist die körperliche Bestandsaufnahme des
Anlagevermögens schwierig. Deshalb kann der Bestand des Anlage-
vermögens aus der Anlagenkartei entnommen werden. Das Bestands-
verzeichnis muss allerdings folgende Informationen enthalten:
1. Bezeichnung des Gegenstandes
2. Datum des Zugangs
3. Anschaffungs- oder Herstellungskosten
4. Wert am Bilanzstichtag
5. Tag des Abgangs

71
A Bilanzsteuerrecht

Methoden der Inventur


Bei der Inventur können wir verschiedene Methoden unterscheiden.
Neben der Stichtagsinventur kennen wir die verlegte und die per-
manente Inventur sowie die Stichprobeninventur.

Methoden der Inventur

Stichtags Verlegte Permanente Stichproben


inventur Inventur Inventur inventur
Abb. 24: Methoden der Inventur

1. Stichtagsinventur
Bei der Stichtagsinventur erfolgt die mengen- und wertmäßige Er-
fassung der Vermögensgegenstände und Schulden zum Stichtag des
Jahresabschlusses. Die Bestandsaufnahme muss nicht genau zum
Jahresstichtag erfolgen. Es genügt eine zeitnahe Erfassung innerhalb
einer Frist von 10 Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag. Die
Bestandsveränderungen bis zum Bilanzstichtag oder zum Bilanz-
stichtag zurück sind durch Wertfortschreibungen oder Wertrück-
rechnungen zu berücksichtigen.
Die Stichtagsinventur ist problematisch und bringt folgende Nach-
teile mit sich:
1. Hoher Arbeitsaufwand
2. Störung des Betriebsablaufs
3. Schließung des Betriebs
4. Aufnahmefehler
5. Geringe Kontrolle
6. Zu späte Ermittlung der Differenzen

2. Verlegte Inventur
Die Inventur kann auch innerhalb der letzten 3 Monate vor und bis
zu 2 Monate nach dem Bilanzstichtag durchgeführt werden. Für die
verlegte Inventur ist eine Lagerbuchhaltung erforderlich. Es erfolgt
dann eine mengen- und wertmäßige Fortschreibung oder Rück-
rechnung auf den Bilanzstichtag.

72
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die verlegte Inventur stellt eine gewisse Erleichterung zur Stich-
tagsinventur dar. Allerdings ist auch diese Inventurmethode nicht zu
empfehlen.
3. Permanente Inventur
Bei der permanenten Inventur ist nur eine mengen- und wertmäßige
Bestandsaufnahme für jede Position innerhalb eines Wirtschaftsjah-
res erforderlich. Die permanente Inventur setzt eine ordnungsmäßi-
ge Lagerbuchhaltung voraus. Nach der Bestandsaufnahme erfolgt
eine Fortschreibung der Mengen und der Werte bis zum Bilanz-
stichtag. Die Zu- und Abgänge werden während des Jahres mithilfe
von Lieferscheinen und Materialentnahmescheinen laufend erfasst.
Die permanente Inventur sollte zur besseren Steuerung der Unter-
nehmen durchgeführt werden und bietet folgende Vorteile:
1. Laufende Erfassung der einzelnen Gegenstände während des
Geschäftsjahres
2. Spezialisten führen die Erfassung durch
3. Kein Einsatz von unqualifiziertem Personal
4. Überraschende Aufnahmen möglich
5. Häufigere Erfassung von Gegenständen mit höheren Differenzen
6. Bessere Ursachenforschung von Fehlmengen
7. Schnellere Ermittlung von Problemen im Lager
4. Stichprobeninventur
Bei der Stichprobeninventur werden unter der Anwendung der
Stichprobentheorie die Inventurwerte eines Lagers ermittelt. Durch
die Hochrechnung von den Werten der entnommenen Stichproben
werden die Werte von Teilen des gesamten Lagers ermittelt.
Durch die Stichtagsinventur wird der Arbeitsanfall insbesondere bei
der Erfassung der Hilfs- und Betriebsstoffe reduziert. Die Unter-
nehmen können mit dieser Methode erhebliche Rationalisierungs-
maßnahmen durchführen.
Die hochwertigen Teile (A-Teile) müssen vollständig erfasst und
bewertet werden. Für diese Teile gilt der Grundsatz der Einzelbe-
wertung.

73
A Bilanzsteuerrecht

11.4.3 Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung

Bilanzansätze
Unter Bilanzierung verstehen wir die Erstellung des Bilanzansatzes
in formeller und materieller Sicht. Wir unterscheiden Ansatzgebote,
Ansatzverbote und Ansatzwahlrechte.

Bilanzierung

Formeller Bilanzansatz Materieller Bilanzansatz

Abb. 25: Formeller und materieller Bilanzansatz

1. Formeller Bilanzansatz
Der formelle Bilanzansatz beinhaltet die Fragen der Aktivierung und
Passivierung von Bilanzpositionen. Es geht darum, welche Bilanz-
positionen in der Bilanz auszuweisen sind.

2. Materieller Bilanzansatz
Beim materiellen Bilanzansatz handelt es sich um die Fragen der
Bewertung. Es ist zu klären, mit welchem Betrag die einzelnen
Wirtschaftsgüter nach Handels- und Steuerrecht in der Bilanz an-
zusetzen sind.

Bilanzierungsgrundsätze
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung können wir unter-
teilen in Grundsätze der Bilanzwahrheit, der Bilanzklarheit und der
Bilanzkontinuität.
Grundsätze
ordnungsmäßiger Bilanzierung

Grundsatz der Bilanz Grundsatz der Bilanz Grundsatz der Bilanz


wahrheit klarheit kontinuität
Abb. 26: Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung

74
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
1. Grundsatz der Bilanzwahrheit
Der Grundsatz der Bilanzwahrheit beinhaltet, dass die Buchungen
vollständig zeitgerecht, geordnet und richtig aufgezeichnet werden
müssen (§ 339 Abs. 2 HGB, § 146 Abs. 1 AO). Der Jahresabschluss
hat sämtliche Vermögensgegenstände, Schulden, Rechnungsabgren-
zungsposten, Aufwendungen und Erträge zu enthalten (§ 246 Abs. 1
HGB). Die einzelnen Positionen müssen vollständig erfasst und
richtig bewertet werden.
Der Grundsatz der Vorsicht steht aber über dem Grundsatz der
Wahrheit.

2. Grundsatz der Bilanzklarheit


Der Grundsatz der Bilanzklarheit fordert, dass der Jahresabschluss
klar und übersichtlich aufgestellt werden muss (§ 243 Abs. 2 HGB).
Die Gliederungsvorschriften der Bilanz sowie der GuV geben Auf-
schluss darüber (§§ 266, 275 HGB).
Neben den Gliederungsvorschriften gehören zum Grundsatz der
Bilanzklarheit noch folgende Punkte:
1. Saldierungsverbot (§ 246 Abs. 2 HGB)
Aktiva und Passiva sowie Aufwendungen und Erträge dürfen
nicht untereinander verrechnet werden.
2. Vorjahresbeträge (§ 265 Abs. 2 HGB)
Der Jahresabschluss muss die Angaben und Erläuterungen auch
der Vorjahresbeträge enthalten.
3. Zusammenfassung der Posten
Unerhebliche Posten können zusammengefasst werden. Dadurch
wird die Klarheit des Jahresabschlusses erhöht.
Die Bilanz soll äußerlich ein einwandfreies Bild abgeben, das eine
auswertungsfähige Übersicht ermöglicht und auch eine Bilanzkritik
erlaubt.

3. Grundsatz der Bilanzkontinuität


Der Grundsatz der Bilanzkontinuität soll die Vergleichbarkeit der
Jahresabschlüsse ermöglichen. Ein genaues Bild über die Entwick-
lung eines Unternehmens ist nur möglich, wenn die einzelnen Jah-

75
A Bilanzsteuerrecht

resabschlüsse miteinander vergleichbar sind. Deshalb ist eine gleich


bleibende Anwendung bestimmter Regelungen hinsichtlich der
Form und des Inhalts der Bilanz erforderlich.

Grundsatz der Bilanzkontinuität

Formelle Bilanzkontinuität Materielle Bilanzkontinuität

Abb. 27: Formelle und materielle Bilanzkontinuität


Den Grundsatz der Bilanzklarheit können wir in eine formelle und
eine materielle Bilanzkontinuität aufteilen.
1. Formelle Bilanzkontinuität
Die formelle Bilanzkontinuität umfasst das äußere Bild des Jahres-
abschlusses. Die Wertansätze der Schlussbilanz eines Jahres und der
Anfangsbilanz des Folgejahres müssen identisch sein (§ 252 Abs. 1
Nr. 1 HGB, § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG). Deshalb sprechen wir auch von
der Bilanzidentität.
Die formelle Bilanzkontinuität schlägt sich insbesondere in folgen-
den Punkten nieder:
1. Gleich bleibender Bilanzstichtag
Der Jahresabschluss ist an einem gleich bleibenden Bilanzstichtag
zu erstellen. Eine willkürliche Änderung des Bilanzstichtages er-
schwert die Vergleichbarkeit des Jahresabschlusses insbesondere
bei Saisonbetrieben.
2. Gleiche Gliederung
Das Bilanzschema muss beibehalten werden. Die Reihenfolge der
Bilanzposten ist in der Bilanz konstant zu halten.
3. Inhaltliche Stetigkeit
Die Zusammenfassung verschiedener Vermögensgegenstände in
einem Posten sollte nicht geändert werden. Die inhaltliche Ste-
tigkeit ist also zu bewahren.
2. Materielle Bilanzkontinuität
Die materielle Bilanzkontinuität bezieht sich auf die Anwendung
gleicher Bewertungsgrundsätze in der Bilanzfolge. Die Wahrung des

76
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Wertzusammenhangs und des Bewertungsmethodenzusammen-
hangs in den Bilanzen ist also zu beachten.
1. Wertezusammenhang
Unter Wertezusammenhang verstehen wir, dass der Wert der
Bilanzposten in der Schlussbilanz des Vorjahres nicht über-
schritten werden darf.
2. Bewertungsmethodenzusammenhang
Der Bewertungsmethodenzusammenhang beinhaltet, dass stets
nur eine Bewertungsart zur Anwendung kommt. Ein willkürli-
cher Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibung ist
beispielsweise nicht erlaubt.
Die Bewertungsstetigkeit schreibt vor, dass die beim vorherge-
henden Jahresabschluss angewandten Bewertungsmethoden bei-
behalten werden sollten. Nur in begründeten Ausnahmefällen
kann eine Abweichung von der vorher gewählten Bewertungs-
methode erfolgen. Ein vorgenommener Wechsel in der Bewer-
tungsmethode ist im Anhang zu kommentieren.

Zusammenfassung:
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sind zu beachten. Die
Buchführung ist ordnungsgemäß, wenn ein sachverständiger Dritter
sich innerhalb einer angemessenen Zeit einen Überblick über die Ge
schäftsvorfälle und die Lage des Unternehmens verschaffen kann.
Unter der Inventur verstehen wir die mengen und wertmäßige Erfas
sung aller Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens.
Wir unterscheiden die Stichtagsinventur, die verlegte und permanente
Inventur sowie die Stichprobeninventur. Die Unternehmen sollten mög
lichst die permanente Inventur einführen, die viele Vorteile bietet.
Die Grundsätze der Bilanzwahrheit, der Bilanzklarheit und der Bilanz
kontinuität sind zu beachten. Dadurch wird insbesondere eine Ver
gleichbarkeit der Jahresabschlüsse ermöglicht.

11.5 Allgemeine Bewertungsgrundsätze


Bei der Bewertung der Positionen in der Bilanz müssen verschiedene
Bewertungsgrundsätze deutlich auseinandergehalten werden.

77
A Bilanzsteuerrecht

11.5.1 Nominalwertprinzip
Das Handels- und Steuerrecht gehen vom Nominalwertprinzip aus.
Es wird unterstellt, dass beispielsweise eine Maschine, die 1994 für
damals 100.000 DM angeschafft wurde, nach dem Ablauf der Nut-
zungsdauer von 8 Jahren für den gleichen Preis wieder beschafft
werden kann. Die Abschreibungen erfolgen ebenfalls von den An-
schaffungskosten. Diese Unterstellung des Handels- und Steuer-
rechts ist in Zeiten der Inflation unrealistisch und führt dazu, dass
die Vermögenslage der Unternehmen falsch dargestellt wird. Da-
durch erleiden die Unternehmen Substanzverluste.

11.5.2 Grundsatz der Unternehmensfortführung


Bei der Bewertung der einzelnen Vermögensgegenstände und Schul-
den wird unterstellt, dass das Unternehmen fortgeführt wird, soweit
dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenste-
hen (Going-Concern-Prinzip). Die Fortführung der Unternehmen-
stätigkeit heißt, dass ein Unternehmen bei vernünftiger kaufmänni-
scher Beurteilung die gewerbliche Tätigkeit für einen übersehbaren
Zeitraum fortsetzen kann (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB).

11.5.3 Grundsatz der Periodenabgrenzung


Alle Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres sind unabhän-
gig von den Zahlungen im Jahre der wirtschaftlichen Verursachung
zu erfassen (§ 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB). Die Abschreibungen und
Rückstellungen stellen typische Fälle der Periodenabgrenzung dar.

11.5.4 Grundsatz der Stichtagsbewertung


Für die Bilanzierung und Bewertung ist der maßgebende Zeitpunkt
der Schluss des Geschäftsjahres (§§ 240 Abs. 2, 242 Abs. 1 HGB, § 4
Abs. 1 EStGB). Die Bewertung richtet sich nach den Verhältnissen
am Bilanzstichtag. Wenn Tatsachen erst später bekannt werden, die
bereits am Bilanzstichtag gegeben waren, so sind sie ebenfalls zu
berücksichtigen. Wertaufhellende Tatsachen, die sich zwischen dem
Bilanzstichtag und dem Tag der Bilanzaufstellung ergeben, müssen
also verarbeitet werden, soweit sich diese besseren Erkenntnisse auf
die Verhältnisse am Bilanzstichtag beziehen.

78
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Allerdings bleiben Wertänderungen, die erst nach dem Bilanzstich-
tag eingetreten sind, grundsätzlich außer Betracht. Wertbeeinflus-
sende Tatsachen werden also erst nach dem Bilanzstichtag bekannt.
Auch neue Erkenntnisse bleiben unberücksichtigt, die erst nach der
Aufstellung der Bilanz bekannt werden. Eine Bilanzberichtigung ist
also nicht erforderlich.
Der Jahresabschluss muss innerhalb einer entsprechenden Zeit auf-
gestellt werden (§ 243 Abs. 3 HGB). Für prüfungspflichtige Kapital-
gesellschaften beträgt die Zeit der Bilanzerstellung 3 Monate nach
Ablauf des Geschäftsjahres (§ 264 HGB). Kleine Kapitalgesellschaf-
ten müssen die Bilanz innerhalb von 6 Monaten erstellen. Die Ein-
zel- und Personengesellschaften haben die Bilanz ein Jahr nach Bi-
lanzstichtag aufzustellen.

Bilanzaufstellung
Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften 3 Monate
Kleine Kapitalgesellschaften 6 Monate
Einzel und Personengesellschaften 1 Jahr

Abb. 28: Zeitpunkt der Bilanzaufstellung

11.5.5 Grundsatz der Vorsicht


Bei der Bewertung werden alle vorhersehbaren Risiken berücksich-
tigt, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind (§ 252 Abs. 1
Nr. 4 HGB). In der Handels- und Steuerbilanz herrscht der Grund-
satz der Vorsicht, nach dem nicht realisierte Gewinne nicht ausge-
wiesen werden dürfen (Realisationsprinzip). Nicht realisierte Verlu-
ste dagegen müssen ausgewiesen werden (Imparitätsprinzip). Au-
ßerdem sind das Niederstwert- und das Höchstwertprinzip zu be-
achten.

Realisationsprinzip
Das Realisationsprinzip besagt, dass nur Gewinne ausgewiesen wer-
den dürfen, die am Abschlussstichtag realisiert sind. Deshalb müssen
beispielsweise die Wirtschaftsgüter zu Anschaffungs- oder Herstel-
lungskosten bewertet werden. Ein höherer Teilwert darf nicht ange-
setzt werden.

79
A Bilanzsteuerrecht

Imparitätsprinzip
Nach dem Imparitätsprinzip müssen die nicht realisierten Verluste
ausgewiesen werden. Dies trifft beispielsweise bei Verlusten aus
schwebenden Geschäften zu. Auch die Wertberichtigung zu Forde-
rungen und die Bildung von Rückstellungen werden mit dem Impa-
ritätsprinzip begründet. Der niedrigere Teilwert muss also angesetzt
werden.

Niederstwertprinzip
Das Niederstwertprinzip ist auch aus dem Grundsatz der Vorsicht
abgeleitet (§ 253 Abs. 2 Satz 3 HGB). Für die Aktivseite der Bilanz
gilt generell das Niederstwertprinzip. Die obersten Grenzen stellen
die Anschaffungs- oder Herstellungskosten dar. Die Vermögensge-
genstände sind mit einem niedrigeren Wert anzusetzen, der ihnen
am Abschlussstichtag beizulegen ist. Der niedrigere Wert kann der
Börsen- oder Marktpreis sein. Als Hilfswerte können der Wieder-
beschaffungswert, der Ertragswert oder der Teilwert herangezogen
werden.

Niederstwertprinzip

Gemildertes Niederstwertprinzip Strenges Niederstwertprinzip

Abb. 29: Arten des Niederstwertprinzips


Wir unterscheiden das gemilderte und das strenge Niederstwert-
prinzip.

Gemildertes Niederstwertprinzip
Das gemilderte Niederstwertprinzip gilt für das Anlagevermögen.
Wenn die Wertminderung nicht von Dauer oder vorübergehender
Natur ist, besteht ein Wahlrecht bei der Abschreibung (§ 253 Abs. 2
Satz 3 1. Halbsatz HGB). Die Teilwertabschreibung entspricht der
vorübergehenden Abschreibung (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG).
Wenn die Wertminderung von Dauer ist, besteht auch beim Anlage-
vermögen eine Abschreibungspflicht, die auch steuerrechtlich zu
beachten ist (§ 253 Abs. 2 Satz 3 2. Halbsatz HGB).

80
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Wertminderung ist dann Anlass zu einer außerplanmäßigen
Abschreibung. Die Ursachen der Wertminderung können vielfältig
sein. Ein Feuerschaden oder eine technische Entwicklung sind An-
lässe für außerplanmäßige Abschreibungen. Im Steuerrecht spre-
chen wir von einer Absetzung für außergewöhnliche wirtschaftliche
oder technische Abnutzung (§ 7 Abs. 1 letzter Satz EStG) oder von
einer Teilwertabschreibung (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG).

Strenges Niederstwertprinzip
Beim strengen Niederstwertprinzip stellen die Anschaffungs- oder
Herstellungskosten die oberen Grenzen nach Handels- und Steuer-
recht dar. Ist der Börsen- oder Marktpreis am Abschlussstichtag
niedriger als die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, muss der
niedrigere Wert angesetzt werden (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB). Das
strenge Niederstwertprinzip gilt für das Umlaufvermögen.

Höchstwertprinzip
Auf der Passivseite kommt das Höchstwertprinzip zur Anwendung.
Bei den Verbindlichkeiten beispielsweise gilt das Höchstwertprinzip.
Die Verbindlichkeiten sind zu den Rückzahlungsbeträgen oder zu
den höheren Teilwerten in der Bilanz anzusetzen.

11.5.6 Grundsatz der Einzelbewertung


Die Vermögensgegenstände und Schulden sind einzeln zu erfassen
und zu bewerten (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB, § 6 EStG). Im Handels-
und Steuerrecht gilt also der Grundsatz der Einzelbewertung.
In der Praxis ergeben sich allerdings insbesondere bei Vorräten
erhebliche Schwierigkeiten, weil eine Einzelbewertung überhaupt
nicht möglich ist oder zu einer unzumutbaren Arbeitsbelastung
führen würde. Deshalb hat der Gesetzgeber Ausnahmen zugelassen.

Durchschnittsbewertung
Bei vertretbaren Wirtschaftsgütern kann der Wert der Wirtschafts-
güter geschätzt werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungs-
kosten wegen der Schwankungen der Einstandspreise im Laufe des
Wirtschaftsjahres im einzelnen nicht mehr einwandfrei feststellbar
sind (Abschnitt 36, Absatz 3 Einkommensteuerrichtlinien). In die-

81
A Bilanzsteuerrecht

sen Fällen erfolgt die Durchschnittsbewertung nach dem gewogenen


Mittel.

Gruppenbewertung
Gleichartige und annähernd gleichwertige Wirtschaftsgüter können
bei der Inventur zu einer Gruppe zusammengefasst und einheitlich
bewertet werden (§ 240 Abs. 4 HGB). Damit ist eine Rationalisie-
rung der Bewertung möglich.
Die Gruppenbewertung kann sowohl für Wirtschaftsgüter des Anla-
gevermögens als auch für solche des Umlaufvermögens durchge-
führt werden. Im Anlagevermögen kommt eine Gruppenbewertung
beispielsweise für kleinere Maschinen und Werkzeuge infrage.
Gleichartige Wirtschaftsgüter können im Vorratsvermögen zu
Gruppen zusammengefasst und bewertet werden. Der Ansatz erfolgt
mit dem gewogenen Durchschnittswert.

Festbewertung
Eine Festbewertung ist möglich, wenn der Bestand in seiner Höhe,
seinem Wert und seiner Zusammensetzung nur geringen Verände-
rungen unterliegt (§ 240 Abs. 3 HGB). Bestimmte Gegenstände des
Anlagevermögens sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe können mit
einer gleich bleibenden Menge und mit gleich bleibenden Werten
angesetzt werden.
Bei den Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens handelt es sich um
die Bestände an Werkzeugen, um Fässer und um Gerüstteile. Im
Vorratsvermögen kommen für die Festbewertung beispielsweise
Schrauben und Nägel infrage. Für fertige Erzeugnisse und für Waren
ist die Bildung eines Festwertes nicht möglich.
Alle drei Jahre ist jeweils eine körperliche Bestandsaufnahme erfor-
derlich. Wenn der ermittelte Wert den bisherigen Festwert um mehr
als 10 % übersteigt, muss der neue Festwert angesetzt werden.

Verbrauchsfolgeverfahren
Bei der Berechnung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten
kann auch eine bestimmte Verbrauchsfolge unterstellt werden
(§ 256 HGB). Die Unternehmen erhalten einen bestimmten Bewer-

82
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
tungsspielraum bei der Bewertung des Umlaufvermögens. Im Steu-
errecht ist das Lifo-Verfahren ab 1990 zulässig für Unternehmen, die
den Gewinn nach § 5 EStG ermitteln. Das Handelsrecht lässt auch
das Fifo-Verfahren zu.
Bei dem Lifo-Verfahren wird unterstellt, dass die zuletzt beschafften
Wirtschaftsgüter zuerst verbraucht werden (Last In – First Out). In
den Zeiten der Inflation führt das Lifo-Verfahren dazu, dass die am
teuersten eingekauften Wirtschaftsgüter zuerst wieder verbraucht
werden. Dadurch ist die Bildung von stillen Reserven möglich.

Retrograde Bewertung
Wenn sich in den Industriebetrieben oder im Einzelhandel die An-
schaffungs- oder Herstellungskosten nicht direkt ermitteln lassen
oder nur schwierig feststellbar sind, kann die Wertermittlung durch
eine retrograde Rechnung durchgeführt werden.
In Kaufhäusern mit umfangreichem Warenlager bereiten die Auf-
nahme und die Bewertung der Warenbestände größere Schwierig-
keiten. Deshalb werden zur Ermittlung der Anschaffungskosten die
Verkaufspreise genommen. Von den Verkaufspreisen ausgehend
berechnen wir durch Rohgewinnabschläge die Einstandspreise, wie
folgendes Beispiel zeigt:

Retrograde Wertermittlung
Bestand zu Verkaufspreisen 57.500,00 €
– Umsatzsteuer 19 % 9.177,00 €
Bestand zu Nettoverkaufspreisen 48.323,00 €
– Rohgewinnaufschlag 50 % 24.162,00 €
Zwischensumme 24.161,00 €
– Erhaltene Preisnachlässe 3 % 725,00 €
= Anschaffungskosten 23.436,00 €
Abb. 30: Retrograde Wertermittlung

Pauschalwertberichtigungen zu Forderungen
Neben der Einzelbewertung ist auch eine Pauschalwertberichtigung
zu Forderungen möglich. Das Steuerrecht erlaubt aus Vereinfa-
chungsgründen eine pauschale Wertberichtigung zu den normalen
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 1 %.

83
A Bilanzsteuerrecht

Pauschalrückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten


Für ungewisse Verbindlichkeiten ermöglicht das Steuerrecht Pau-
schalrückstellungen, um die Bewertung zu erleichtern und zu ver-
einfachen. Bei Garantieleistungen kann eine pauschale Rückstellung
vorgenommen werden, die auf den Erfahrungswerten der letzten
Geschäftsjahre basieren muss.

Zusammenfassung:
Die allgemeinen Bewertungsgrundsätze müssen bei der Bewertung der
einzelnen Positionen in der Bilanz berücksichtigt werden. Die Grundsät
ze lassen erkennen, welche Bewertungsspielräume vorhanden sind und
welche Grenzen beachtet werden müssen.
Neben dem Grundsatz der Einzelbewertung lässt das Steuerrecht auch
verschiedene Vereinfachungen zu, die die Bewertung bestimmter Wirt
schaftsgüter wesentlich erleichtern. Dadurch sind auch Möglichkeiten
gegeben, stille Reserven aufzubauen.

11.6 Bewertungsmaßstäbe
Im Bilanzsteuerrecht unterscheiden wir folgende Bewertungsmaß-
stäbe: Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Teilwert, gemeiner
Wert, Zeitwert und Marktpreis.

Bewertungsmaßstäbe
• Anschaffungskosten
• Herstellungskosten
• Teilwert
• Gemeiner Wert
• Zeitwert
• Marktpreis
Abb. 31: Bewertungsmaßstäbe im Bilanzsteuerrecht
Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind historische Werte,
die dem Rechnungswesen der Unternehmen zu entnehmen sind. Bei
dem Teilwert, dem gemeinen Wert, dem Zeitwert und dem Markt-
preis dagegen handelt es sich um aktuelle Stichtagswerte, die am
Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelt werden.

84
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Anschaffungskosten
Die Anschaffungskosten stellen die Aufwendungen dar, die geleistet
werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in
einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermö-
gensgegenstand zugerechnet werden können (§ 255 Abs. 1 HGB).
Zu den Anschaffungskosten gehören auch die Anschaffungsneben-
kosten. Von den Anschaffungskosten werden die Anschaffungs-
preisminderungen abgezogen (§ 255 Abs. 1 Satz 3 HGB).

Anschaffungskosten
Anschaffungspreis
+ Anschaffungsnebenkosten
– Anschaffungspreisminderungen
= Anschaffungskosten
Abb. 32: Zusammensetzung der Anschaffungskosten
Die Anschaffungskosten müssen aktiviert werden, wenn die ange-
schafften Wirtschaftsgüter länger als 1 Jahr nutzbar sind und dem
Unternehmen über den Schluss des Wirtschaftsjahres hinaus dienen.
Eine Ausnahme stellen die geringwertigen Wirtschaftsgüter dar
(410,00 € ohne MwSt.), die als Betriebsausgaben sofort abgesetzt
werden können.
Die Anschaffungskosten stellen die obere Grenze der Bewertung
(Höchstwert) dar (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2 EStG). Ein Wirtschaftsgut
kann nicht höher als mit den Anschaffungskosten angesetzt werden,
selbst wenn der Wert des Wirtschaftsgutes später steigen sollte. Die
Anschaffungskosten sind die Ausgangswerte für die Abschreibungen
und werden am Tag des Erwerbs ermittelt.
Die Zusammensetzung der Anschaffungskosten sieht wie folgt aus:

Zusammensetzung der Anschaffungskosten


• Anschaffungspreis Kaufpreis des Wirtschaftsgutes o. MwSt.
• Anschaffungsnebenkosten Grunderwerbsteuer, NotariatsKosten,
Montagekosten, Provisionen, Grundbuchkosten,
Gutachterkosten, Verpackungskosten,
Frachtkosten, Zölle, Maklergebühr.
• Anschaffungspreisminderungen Skonti, Rabatte, Boni
Abb. 33: Zusammensetzung der Anschaffungskosten

85
A Bilanzsteuerrecht

11.6.1 Herstellungskosten
Für die fertigen und unfertigen Produkte sowie für selbst hergestellte
Anlagegüter (Gebäude, Maschinen) müssen die Herstellungskosten
ermittelt werden. Wir verwenden das Schema der Zuschlagskalkula-
tion zur Ermittlung der Herstellungskosten (§ 255 Abs. 2 HGB).
Die Zuschlagskalkulation setzt sich aus folgenden Positionen zu-
sammen:

Zuschlagskalkulation
Materialkosten
+ Materialgemeinkosten
+ Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Herstellungskosten
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten
+ Gewinnzuschlag
= Barverkaufspreis
Abb. 34: Schema der Zuschlagskalkulation
Zu den Herstellungskosten gehören neben den Einzelkosten (Mate-
rial, Fertigungslöhne, Sondereinzelkosten der Fertigung) auch be-
stimmte Gemeinkosten (Materialgemeinkosten, Fertigungsgemein-
kosten). Ein Wahlrecht besteht bei den Verwaltungsgemeinkosten.
Die Vertriebsgemeinkosten dagegen gehören nicht zu den Herstel-
lungskosten. Auch die Fremdkapitalzinsen zählen grundsätzlich
nicht zu den Herstellungskosten. Das gleiche gilt für Forschungs-
und Entwicklungskosten.
Nach Handels- und Steuerrecht unterscheiden wir jeweils Wertober-
und Wertuntergrenzen.

86
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Herstellungskosten nach Handels und Steuerrecht
Wertobergrenze Wertuntergrenze
Handelsrecht Fertigungsmaterial Fertigungsmaterial
(§ 255 Abs. 2 Satz 3) + Materialgemeinkosten + Fertigungslöhne
+ Sondereinzelkosten der
Fertigungslöhne Fertigung
+ Fertigungsgemein kosten

+ Sondereinzelkosten der
Fertigung

+ Verwaltungsgemein
kosten (Wahlrecht)

Steuerrecht Fertigungsmaterial Fertigungsmaterial


(Abschnitt 33 EStR) + Materialgemeinkosten + Materialgemeinkosten

Fertigungslöhne Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemein kosten + Fertigungsgemein kosten
+ Sondereinzelkosten der
Fertigung
+ Verwaltungsgemein + Sondereinzelkosten der
kosten (Wahlrecht) Fertigung

Abb. 35: Wertober und Wertuntergrenzen der Herstellungskosten nach Handels und
Steuerrecht

11.6.2 Teilwert
Neben den Anschaffungs- oder Herstellungskosten ist der Teilwert
ein weiterer möglicher Bewertungsmaßstab für die Steuerbilanz. Er
muss bei der Bewertung des Anlage- und Umlaufvermögens nur
dann angesetzt werden, wenn er niedriger als die Anschaffungs- oder
Herstellungskosten ist.
Der Teilwert ist der Betrag, den der Erwerber des ganzen Betriebs im
Rahmen des Gesamtkaufpreises für das einzelne Wirtschaftsgut
ansetzen würde. Dabei ist davon auszugehen, dass der Erwerber den
Betrieb fortführt (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG).
Bei der Ermittlung des Teilwertes wird auch auf die Marktverhält-
nisse am Bilanzstichtag zurückgegriffen.

87
A Bilanzsteuerrecht

Der Teilwert lässt sich nur schätzen. Bei den Gütern des Anlagever-
mögens und des Umlaufvermögens kann der Teilwert zwischen dem
Wiederbeschaffungswert als obere Grenze und dem Schrottwert als
untere Grenze liegen.

11.6.3 Gemeiner Wert


Der gemeine Wert als Bewertungsmaßstab ist der Preis, der im ge-
wöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit der Wirt-
schaftsgüter bei der Veräußerung zu erzielen ist. Alle Umstände
werden dabei berücksichtigt, die den Preis am Verkäufermarkt be-
einflussen können (§ 9 Abs. 2 Bewertungsgesetz). Gewöhnlicher
Geschäftsverkehr bedeutet, dass sich die Preise nach Angebot und
Nachfrage bilden. Beeinflussende Umstände können der Erhaltungs-
zustand, die Lage oder das Alter sein.
Der Börsen- oder Marktpreis ist weitgehend mit dem gemeinen
Wert identisch. Er bezieht sich auf die Preisverhältnisse am Absatz-
markt zum Bilanzstichtag. Der gemeine Wert stellt also den Wert
dar, den ein Wirtschaftsgut aus objektiver Sicht für den Käufer hat.

11.6.4 Zeitwert
Der Zeitwert ist ein Wert, der den Vermögensgegenständen am
Abschlussstichtag beizulegen ist. Die Wiederbeschaffungskosten am
Beschaffungsmarkt und der Verkaufswert am Absatzmarkt abzüg-
lich der noch anfallenden absatzbedingten Aufwendungen entspre-
chen dem Zeitwert.
Wenn ein Börsen- oder Marktpreis nicht feststellbar ist, dann wird
der Zeitwert genommen, der den Wirtschaftsgütern am Abschluss-
stichtag beizulegen ist (§ 253 Abs. 2 Satz 3 HGB).

11.6.5 Marktpreis
Der Marktpreis ist ein Durchschnittspreis, der für Waren einer be-
stimmten Gattung von durchschnittlicher Art und Güte am Bilanz-
stichtag an einem Handelsplatz gezahlt wird. Wenn einzelne Wirt-
schaftsgüter vergleichbarer Art und Güte am Markt erworben wer-
den können, dann ist der Marktpreis gleich den Wiederbeschaf-
fungskosten.

88
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Zusammenfassung:
Das Bilanzsteuerrecht kennt verschiedene Bewertungsmaßstäbe. Die
Anschaffungs oder Herstellungskosten sind historische Werte, die dem
Rechnungswesen der Unternehmen entnommen werden können. Bei
dem Teilwert, dem gemeinen Wert, dem Zeitwert und dem Marktpreis
dagegen handelt es sich um aktuelle Stichtagswerte, die am Markt zu
dem Bewertungsstichtag ermittelt werden.
Die Bewertungsmaßstäbe lassen auch erkennen, welche Wertober und
Wertuntergrenzen zu beachten sind. Die Unternehmen haben also
Wahlrechte und Ermessensspielräume, die ausgenutzt werden können.

11.7 Abschreibungen
11.7.1 Planmäßige Abschreibungen
Die abnutzbaren Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens unterliegen
in den Unternehmen einem Wertverzehr. Mit der Abschreibung
wird die Wertminderung eines Vermögenswertes buchmäßig erfasst.
Dadurch verringert sich der Buchwert des Anlageguts. Der durch die
Wertminderung entstandene Betrag geht in die GuV als Aufwand
ein.
Das Anlagevermögen setzt sich wie folgt zusammen:
1. Immaterielle Vermögensgegenstände
2. Sachanlagen
3. Finanzanlagen
Den Begriff planmäßige Abschreibungen verwenden wir im Han-
delsrecht und in der Betriebswirtschaftslehre. Steuerrechtlich reden
wir von der Absetzung für Abnutzung (AfA). Die planmäßigen Ab-
schreibungen (§ 253 Abs. 2 Satz 1 HGB) entsprechen der AfA (§ 7
EStG).
Die Kapitalgesellschaften haben einen Anlagespiegel aufzustellen,
der in der Bilanz oder im Anhang die Entwicklung der einzelnen
Posten des Anlagevermögens zeigt. Neben den gesamten Anschaf-
fungs- und Herstellungskosten sind die Zugänge, Abgänge, Umbu-
chungen des Geschäftsjahres, Zuschreibungen sowie die Abschrei-
bungen in ihrer gesamten Höhe gesondert aufzuführen.

89
A Bilanzsteuerrecht

11.7.2 Nutzungsdauer
Die wahrscheinliche Lebensdauer eines Wirtschaftsgutes wird ge-
schätzt. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ist dann festzule-
gen.

Nutzungsdauer

Technische Nutzungsdauer Wirtschaftliche Nutzungsdauer

Abb. 36: Arten der Nutzungsdauer


Wir unterscheiden die technische und die wirtschaftliche Nutzungs-
dauer.

Technische Nutzungsdauer
Die technische Nutzungsdauer bezieht sich auf die technische Ge-
brauchsfähigkeit eines Wirtschaftsgutes.

Wirtschaftliche Nutzungsdauer
Die wirtschaftliche Nutzungsdauer stellt auf die wirtschaftlich sinn-
volle Nutzungsmöglichkeit eines Wirtschaftsgutes im Unternehmen
ab.
Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ist also zu schätzen. Wegen
der Ungewissheit bei der Schätzung gilt der Grundsatz der Vorsicht.
Ein Unternehmen wird im Zweifelsfalle dann stets eine kürzere
Nutzungsdauer wählen.
Der Bundesminister der Finanzen hat AfA-Tabellen für die meisten
Wirtschaftszweige herausgegeben. In den AfA-Tabellen sind die
Erfahrungswerte für die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ent-
halten. Die Unternehmensleitung kann in begründeten Fällen von
diesen Erfahrungswerten abweichen und beispielsweise eine kürzere
oder längere Nutzungsdauer wählen.

11.7.3 Anschaffungs oder Herstellungskosten


Die Abschreibungen werden von den Anschaffungs- oder Herstel-
lungskosten der abnutzbaren Wirtschaftsgüter vorgenommen, deren

90
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Nutzung sich auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstreckt.
Die gesamten Anschaffungs- oder Herstellungskosten verteilen sich
auf die Nutzungsdauer und werden bis auf Null abgeschrieben.

11.7.4 Beginn und Höhe der Abschreibungen


Die AfA beginnt mit der Anschaffung oder Herstellung der Wirt-
schaftsgüter.
Alle Wirtschaftsgüter, die im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres
angeschafft oder hergestellt werden, schreiben wir mit dem vollen
Abschreibungsbetrag ab. Bei der Anschaffung oder Herstellung im
zweiten Halbjahr wird nur der halbe Abschreibungsbetrag angesetzt.

11.7.5 AbschreibungsMethoden
Die Unternehmen können verschiedene Abschreibungsmethoden
wählen. Bei der Auswahl der Methoden ist darauf zu achten, dass
das Unternehmen möglichst viele Steuern spart.

Lineare Abschreibung
Bei der linearen Abschreibung werden die Anschaffungskosten in
gleichmäßigen Beträgen auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer
verteilt.
Eine Absetzung für eine außergewöhnliche technische oder wirt-
schaftliche Abnutzung ist nur in Verbindung mit der linearen Ab-
schreibung zulässig (§ 7 Abs. 1 EStG). Diese AfA kann in einem
Geschäftsjahr vorgenommen werden, wenn die technische oder
wirtschaftliche AfA höher ist als sie bei der Schätzung der Lebens-
dauer des Wirtschaftsgutes angenommen wurde.

Beispiel:
Anschaffungskosten (Netto) 100.000 €
Nutzungsdauer 5 Jahre
Jährliche Abschreibung 20.000 €

Degressive Abschreibung
Für bewegliche Wirtschaftsgüter kann die Abschreibung auch in
fallenden Jahresbeträgen vorgenommen werden. Der Satz für die

91
A Bilanzsteuerrecht

degressive Abschreibung ist auf 30 % begrenzt und darf nicht höher


als das dreifache der entsprechenden linearen Abschreibung sein.
Das gilt für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die
nach dem 31.12.2005 und vor dem 1.1.2008 angeschafft oder herge-
stellt worden sind.
Die Unternehmen sollten aus steuerlichen Gründen für bewegliche
Wirtschaftsgüter möglichst die degressive Abschreibung wählen, da
die Abschreibungsbeträge in den ersten Jahren höher als bei der
linearen Abschreibung sind. Planmäßig ist von der degressiven auf
die lineare Abschreibungsmethode überzuwechseln, wenn die
gleichmäßige Verteilung des Restbuchwertes auf die verbleibende
Nutzungsdauer zu höheren Abschreibungsbeträgen führt.
Steuerrechtlich ist nur die geometrisch-degressive Abschreibung
erlaubt. Der Abschreibungssatz ist stets gleich und wird jeweils auf
den Restwert bezogen (Buchwert-Abschreibung).

Beispiel:
Anschaffungskosten (Netto) 100.000 €
Nutzungsdauer 10 Jahre
AfASatz 30 %

Anschaffungskosten 100.000 €
– 30 % AfA 30.000 €
Ende 1. Jahr 70.000 €
– 30 % AfA 21.000 €
Ende 2. Jahr 49.000 €
– 30 % AfA 14.700 €
Ende 3. Jahr 34.300 €

LeistungsAbschreibung
Die Leistungs-Abschreibung kann bei beweglichen Wirtschaftsgü-
tern angesetzt werden, wenn sie wirtschaftlich zu begründen ist. Dies
ist bei einer sehr unterschiedlichen Beanspruchung der Wirtschafts-
güter in den einzelnen Jahren der Fall.

92
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Beispiel:
Gesamtfahrleistung eines LKW 200.000 km
Fahrleistung 1. Jahr 20.000 km
Fahrleistung 2. Jahr 40.000 km

Die Abschreibung beträgt dann im ersten Jahr 10 % und im zweiten


Jahr 20 % der Anschaffungskosten.

11.7.6 Außerplanmäßige Abschreibungen


Im Handelsrecht unterscheiden wir zwischen planmäßigen und
außerplanmäßigen Abschreibungen. Bei den planmäßigen Ab-
schreibungen wird der normale technische Verschleiß oder die
normale Substanzverringerung erfasst. Die außerplanmäßigen Ab-
schreibungen dagegen ermöglichen einen niedrigeren Wertansatz,
der durch unvorhergesehene Abnutzung, durch technische oder
wirtschaftliche Veränderungen und durch Fehlinvestitionen verur-
sacht wird.
Im Handelsrecht verwenden wir nur den Begriff Abschreibungen.
Aus wirtschaftspolitischen Gründen sind steuerrechtlich auch nied-
rigere Wertansätze erlaubt, die auch handelsrechtlich beachtet wer-
den müssen. Das Steuerrecht macht mehrere Unterscheidungen bei
den Abschreibungen. Folgende Begriffe sind auseinander zu halten:

Absetzungen für außergewöhnliche Abnutzung


(§ 7 Abs. 1 letzter Satz EStG)
Bei der Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung erfolgt die
Abnutzung plötzlich oder durch eine Herabsetzung der Nutzungs-
dauer. Die außergewöhnliche Abnutzung kann durch technische
oder wirtschaftliche Überalterung verursacht werden. Diese AfA gilt
nur im Rahmen der linearen Abschreibung (§ 7 EStG).

Erhöhte Absetzungen
Bei der erhöhten Absetzung erfolgt eine Absetzung mit höheren
Beträgen als nach § 7 Abs. 1 oder Abs. 4 EStG aus wirtschaftspoliti-
schen oder sozialpolitischen Gründen. Erhöhte Absetzungen können
bei Gebäuden, in Sanierungsgebieten (§ 7h EStG) oder bei Bau-
denkmälern (§ 7i EStG) durchgeführt werden.

93
A Bilanzsteuerrecht

Sonderabschreibungen
Das Ziel der Sonderabschreibung liegt darin, den Unternehmen
einen Anreiz zu geben, bestimmte wirtschafts- oder sozialpolitische
Maßnahmen durchzuführen. Die Sonderabschreibungen sind zu-
sätzlich zu den Abnutzungen des § 7 EStG gestattet. Diese Abschrei-
bung ist beispielsweise auf Kleinbetriebe (§ 7g EStG) abgestellt.
Wenn Sonderabschreibungen in Anspruch genommen werden,
kommen daneben nur lineare Abschreibungen infrage (§ 7a Abs. 4
EStG).

Teilwertabschreibungen
Eine Teilwertabschreibung wird vorgenommen, wenn am Ende des
Geschäftsjahres der Teilwert den Buchwert des Wirtschaftsgutes
unterschritten hat. Bei allen Wirtschaftsgütern ist eine Teilwertab-
schreibung möglich. Die Wertminderung beruht dann auf
Markteinflüssen und nicht auf der Abnutzung. Das Sinken der
Marktpreise oder das Sinken der Rentabilität sind beispielsweise
Gründe für die Teilwertabschreibung.

Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter


Im Jahre der Anschaffung oder Herstellung können die Anschaf-
fungs- oder Herstellungskosten von beweglichen Wirtschaftsgütern
des Anlagevermögens, die der Abnutzung unterliegen und einer
selbstständigen Nutzung fähig sind, in voller Höhe als Betriebsaus-
gaben abgesetzt werden (§ 6 Abs. 2 EStG). Die geringwertigen Wirt-
schaftsgüter dürfen 410,00 € ohne MwSt. nicht überschreiten.
Folgende Voraussetzungen müssen für die Abschreibung gering-
wertiger Wirtschaftsgüter vorliegen:
1. Anschaffungs- oder Herstellungsvorgang
Die Wirtschaftsgüter müssen angeschafft oder im Unternehmen
hergestellt worden sein.
2. Netto-Betrag
Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten müssen unter
410,00 € liegen.

94
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
3. Abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens
Die geringwertigen Wirtschaftsgüter betreffen nur abnutzbare
bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens.
4. Selbstständige Nutzungsfähigkeit
Die Steuervergünstigung ist nur gegeben, wenn eine selbststän-
dige Nutzungsfähigkeit der einzelnen Wirtschaftsgüter vorliegt.
5. Verzeichnis
Die geringwertigen Wirtschaftsgüter müssen in ein gesondertes
und laufend geführtes Verzeichnis aufgenommen werden. Soweit
die geforderten Angaben aus einem besonderen Konto der
Buchführung hervorgehen, ist ein besonderes Verzeichnis nicht
erforderlich.

Zusammenfassung:
Die Abschreibungen sind für die Unternehmen sehr wichtige Größen,
die in der Kalkulation als Kosten berücksichtigt werden und die bei der
Finanzierung eine Rolle spielen. Mit den Abschreibungen werden die
Wertminderungen der abnutzbaren Vermögensgegenstände buchmäßig
erfasst.
Die Nutzungsdauer der Wirtschaftsgüter unterliegt einer Schätzung. Die
betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer kann durch technische und/oder
wirtschaftliche Vorgänge beeinflusst werden.
In den AfATabellen sind die Erfahrungswerte für die betriebsgewöhnli
che Nutzungsdauer enthalten. Die Unternehmensleitung und die Füh
rungskräfte können in begründeten Fällen von diesen Erfahrungswerten
abweichen.
Durch die Auswahl der verschiedenen Abschreibungsmethoden wird die
Höhe der Abschreibungen bestimmt. Dadurch ergibt sich die Möglich
keit, stille Reserven aufzubauen und Steuern zu sparen.
Neben den planmäßigen Abschreibungen sind außerplanmäßige Ab
schreibungen möglich. Die Nutzung von außerplanmäßigen Abschrei
bungen erlaubt eine weitere Senkung der Gewinne. Im Steuerrecht sind
niedrigere Wertansätze erlaubt, die von den Unternehmen in Ansatz
gebracht werden sollten.

95
A Bilanzsteuerrecht

11.8 Bewertung der Bilanzpositionen


11.8.1 Bewertung des Anlagevermögens
Bei der Bewertung des Anlagevermögens gilt das gemilderte Nie-
derstwertprinzip nach Handels- und Steuerrecht. Für die Wirt-
schaftsgüter, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, gelten folgende
Grundsätze:
1. Im Zeitpunkt der Anschaffung oder Herstellung werden die
Wirtschaftsgüter mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten
angesetzt.
2. Zum Abschlussstichtag sind die Anschaffungs- oder Herstel-
lungskosten um die planmäßigen Abschreibungen zu mindern.
3. Die Abschreibungen sind im Rahmen vernünftiger kaufmänni-
scher Beurteilung zulässig.
4. Außerplanmäßige Abschreibungen können vorgenommen wer-
den, um die Wirtschaftsgüter mit dem niedrigeren Wert anzu-
setzen, der ihnen am Abschlussstichtag zukommt.
5. Außerplanmäßige Abschreibungen müssen durchgeführt wer-
den, wenn die Wertminderung am Stichtag voraussichtlich von
dauernder Wirkung ist.
6. Abschreibungen können vorgenommen werden, um die Wirt-
schaftsgüter mit dem niedrigeren Teilwert anzusetzen, der auf
einer nur steuerrechtlich zulässigen Abschreibung beruht.
7. Fallen Gründe für eine außerplanmäßige Abschreibung oder für
eine ausschließlich steuerrechtlich zulässige Abschreibung später
weg, kann der niedrigere Wertansatz beibehalten werden. Ab
1999 gilt ein Wertaufholungsgebot. Das Beibehaltungswahlrecht
ist also abgeschafft worden.
8. Soweit der niedrigere Wertansatz nicht beibehalten werden soll,
können Zuschreibungen vorgenommen werden. Der Höchstwert
dieser Zuschreibungen ergibt sich aus den ursprünglichen An-
schaffungs- oder Herstellungskosten minus den planmäßigen
Abschreibungen.

96
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
11.8.2 Bewertung des Umlaufvermögens
Bei der Bewertung des Umlaufvermögens müssen wir zwischen den
Vorräten, den Forderungen und den Wertpapieren unterscheiden.
Es gilt das strenge Niederstwertprinzip nach Handels- und Steuer-
recht. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bilden die abso-
lute Obergrenze der Bewertung.

Vorräte
Die Vorräte werden zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten nach
Handels- und Steuerrecht bewertet, soweit nicht ein niedrigerer
Wertansatz geboten ist (§ 253 Abs. 3 HGB, § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2
EStG). Die obere Grenze der Anschaffungs- oder Herstellungskosten
darf nicht überschritten werden. Liegt der Börsen- oder Marktpreis
am Abschlussstichtag unter den Anschaffungs- oder Herstellungs-
kosten, muss der niedrigere Wert angesetzt werden (§ 253 Abs. 3
Satz 1 HGB).
Bei den Vorräten sind folgende Vereinfachungsverfahren für die
Bewertung möglich:
1. Durchschnittsbewertung
2. Gruppenbewertung
3. Festbewertung
4. Verbrauchsfolgeverfahren (Lifo, Fifo)
5. Retrograde Bewertung

Forderungen
Die Forderungen sind zum Nennwert (Rechnungsbetrag) anzuset-
zen (§ 253 Abs. 1 HGB). Ist der Wert der Forderungen am Ab-
schlussstichtag niedriger als der Nennwert, dann ist die Forderung
auf diesen niedrigeren Wert abzuschreiben (§ 253 Abs. 3 Satz 2
HGB).
Bei den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen unterscheiden
wir normale Forderungen, zweifelhafte Forderungen und unein-
bringliche Forderungen.

97
A Bilanzsteuerrecht

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Normale Zweifelhafte Uneinbringliche


Forderungen Forderungen Forderungen
Abb. 37: Arten der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Die Abschreibungen von Forderungen auf den niedrigeren Teilwert
nennen wir Wertberichtigungen. Wir unterscheiden Einzel- und
Pauschalwertberichtigungen.

Wertberichtigung

Einzelwertberichtigung Pauschalwertberichtigung

Abb. 38: Arten von Wertberichtigungen


Die Einzelwertberichtigung gilt grundsätzlich für alle Forderungen.
Da aber die Einzelbewertung aller Forderungen einen großen Ar-
beitsaufwand mit sich bringt, ist auch eine Pauschalwertberichti-
gung zulässig. Die Höhe der Pauschalwertberichtigung richtet sich
nach den durchschnittlichen Forderungsausfällen der vergangenen
Jahre. Das Finanzamt akzeptiert generell eine Pauschalwertberichti-
gung in Höhe von 1% der am Abschlussstichtag ausstehenden For-
derungen. Für die normalen Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen sind also Einzel- oder Pauschalwertberichtigungen mög-
lich.
Die zweifelhaften Forderungen müssen einzeln bewertet werden. Sie
sind unter Berücksichtigung des Ausfallrisikos, der Mahnkosten, der
Unverzinslichkeit der Forderungen sowie der Skonto- und Ra-
battabzüge mit einem niedrigeren Teilwert anzusetzen.
Die uneinbringlichen Forderungen dürfen in der Bilanz nicht aus-
gewiesen werden, da ihr Teilwert gleich Null ist. Diese Forderungen
sind voll abzuschreiben. Die hierauf entrichtete Umsatzsteuer wird
vom Finanzamt zurückerstattet (§ 17 Abs. 2 USt).

98
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Wertpapiere
Die Wertpapiere werden mit den Anschaffungskosten angesetzt
(§ 253 Abs. 1 HGB). Neben der Einzelbewertung ist auch eine
Durchschnittsbewertung zulässig.
Sind die Anschaffungskosten der Wertpapiere höher als der Börsen-
kurs am Abschlussstichtag, dann muss der niedrigere Börsenkurs
angesetzt werden.

11.8.3 Bewertung der Passiva

Eigenkapital
Bei den Eigenkapitalpositionen ergeben sich keine Bewertungspro-
bleme.

Rückstellungen
Die Rückstellungen dürfen nur in Höhe des Betrages angesetzt wer-
den, der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig
ist. Deshalb sind die Rückstellungen nur so zu bemessen, dass das zu
erwartende Risiko abgedeckt werden kann.
Die Höhe der Rückstellungen wird grundsätzlich geschätzt. Bei den
Pensionsrückstellungen dagegen können exakte Berechnungsme-
thoden angewendet werden. Die Berechnung des Teilwertes der
Pensionsverpflichtungen beruht auf dem Rechnungszinsfuß von 6 %
im Steuerrecht.
Neben den Einzelrückstellungen sind auch Pauschalrückstellungen
möglich.

Rückstellungen

Einzelrückstellungen Pauschalrückstellungen

Abb. 39: Einzel und Pauschalrückstellungen


Einzelrückstellungen beziehen sich beispielsweise auf die Prozess-
rückstellungen. Für Garantieleistungen können wegen der Vereinfa-
chung auch Pauschalrückstellungen gebildet werden.

99
A Bilanzsteuerrecht

Nach Handels- und Steuerrecht müssen Rückstellungen zwingend


für folgende Fälle gebildet werden (§ 249 Abs. 1 und Abs. 2 HGB):
1. Für ungewisse Verbindlichkeiten.
2. Für Jubiläumsverpflichtungen.
3. Für im Geschäftsjahr unterlassene Aufwendungen für Instand-
haltungen, die im folgenden Geschäftsjahr innerhalb von 3 Mo-
naten nachgeholt werden.
4. Für Gewährleistungen, die ohne rechtliche Verpflichtung er-
bracht werden.
5. Für im Geschäftsjahr unterlassene Aufwendungen für Abraum-
beseitigungen, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt wer-
den.
6. Für die Gewerbesteuer.
7. Für Produkthaftung.
8. Für Garantien, die auf gesetzlichen oder vertraglichen Regelun-
gen beruhen.
9. Für Patentverletzungen.
10. Für Prozesskosten.
11. Für Pensionszusagen.
12. Für Wechselobligo.
13. Für Jahresabschluss- und Prüfungskosten.
14. Für den Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters.
15. Für noch nicht genommenen Urlaub.

Verbindlichkeiten
Die Verbindlichkeiten sind zu ihren Rückzahlungsbeträgen im Han-
dels- und Steuerrecht am Bilanzstichtag anzusetzen (§ 253 Abs. 1
Satz 2 HGB, Abschnitt 37 Abs. 1 EStR, § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Als
Anschaffungskosten der Verbindlichkeiten gilt der Nennwert der
Verbindlichkeit, der grundsätzlich dem Rückzahlungsbetrag ent-
spricht.
Der Rückzahlungsbetrag muss auch dann angesetzt werden, wenn
dem Unternehmen gar nicht der volle Rückzahlungsbetrag zuge-
flossen ist. Banken gewähren öfter Darlehen mit einem Disagio
(Damnum) von beispielsweise 10 %.

100
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Beispiel:
Darlehen 100.000 €
Disagio 10 % 10.000 €
Auszahlungsbetrag 90.000 €
Rückzahlungsbetrag 100.000 €
Differenz 10.000 €
Das Darlehen muss wegen des Höchstwertprinzips in der Bilanz
zum Rückzahlungsbetrag von 100.000 € bilanziert werden. Das Dis-
agio von 10.000 € ist in die Rechnungsabgrenzungsposten auf der
Aktivseite einzustellen. Die Abschreibung des Disagios erfolgt dann
über die Laufzeit des Kredits.

Zusammenfassung:
Für das Anlagevermögen gilt das gemilderte Niederstwertprinzip. Neben
planmäßigen Abschreibungen sind in begründeten Fällen außerplanmä
ßige Abschreibungen möglich. Steuerrechtlich werden die Wirtschafts
güter mit dem niedrigeren Teilwert angesetzt. Der niedrigere Wertan
satz kann beibehalten werden, wenn die Gründe für die außerplanmä
ßigen oder außergewöhnlichen Abschreibungen wegfallen. Zuschrei
bungen sind aber auch möglich.
Für das Umlaufvermögen kommt das strenge Niederstwertprinzip infra
ge. Die Anschaffungs oder Herstellungskosten bilden die oberen Gren
zen. Wenn die Börsen oder Marktpreise niedriger liegen, muss der
niedrigere Wert angesetzt werden.
Bei den Vorräten gibt es auch Vereinfachungsverfahren für die Bewer
tung. Neben der Einzelbewertung sind Gruppenbewertung, Durch
schnittsbewertung, Festbewertung und Verbrauchsfolgeverfahren mög
lich. Wegen der Bewertung müssen wir bei den Forderungen zwischen
normalen, zweifelhaften und uneinbringlichen Forderungen unterschei
den. Bei den Wertpapieren ist neben der Einzelbewertung auch eine
Durchschnittsbewertung erlaubt.
Die Eigenkapitalpositionen stellen keine Bewertungsprobleme dar. Die
Rückstellungen dürfen nur in der Höhe des Betrages angesetzt werden,
der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist. Die
Höhe der Rückstellungen wird grundsätzlich geschätzt.
Die kleineren und mittleren Unternehmen nutzen oft nicht die Möglich
keiten zur Bildung von Rückstellungen aus. Die Unternehmensleitung
und die Führungskräfte sollten die Vorschläge zur Bildung von Rück
stellungen selbst erarbeiten und nicht dem Steuerberater oder dem

101
A Jahresabschluss

Wirtschaftsprüfer überlassen, die die Risiken im Unternehmen meist


nicht kennen. Die Verbindlichkeiten werden zu ihren Rückzahlungsbe
trägen am Bilanzstichtag angesetzt. Auch bei Darlehen, die mit einem
Disagio ausgezahlt werden, ist der Rückzahlungsbetrag zu nehmen. Das
Disagio wird in die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten eingestellt
und über die Laufzeit des Kredits abgeschrieben.

12 Jahresabschluss
12.1 Betrieblicher Wertekreislauf
In den Unternehmen findet ein betrieblicher Wertekreislauf statt.
Mit dem zur Verfügung stehenden Kapital werden Gebäude, Ma-
schinen, Mitarbeiter, Rohstoffe, Fremdleistungen und sonstige
Dienste beschafft, um Produkte herzustellen. Diese Vorgänge be-
zeichnen wir auch als Investitionen. Die erstellten Produkte werden
dann am Markt verkauft. Wenn die Umsatzerlöse höher sind als die
Aufwendungen, entsteht ein Gewinn. Sollten die Aufwendungen die
Umsatzerlöse übersteigen, ergibt sich ein Verlust.
Durch den Verkauf der Produkte erhält das Unternehmen Zah-
lungsmittel, die wiederum eingesetzt werden müssen, um weitere
Rohstoffe zu kaufen. Bei diesem Wertekreislauf ist zu beachten, dass
die Unternehmen grundsätzlich vorleisten müssen. Es sind also
zuerst die Anschaffungen zu tätigen und die Leistungen zu erbrin-
gen, bevor eine Vergütung für die Ausgaben erfolgt. Die Unterneh-
men haben die Zeitspanne zwischen den vorausgehenden Ausgaben
und den nachfolgenden Einnahmen finanziell zu überbrücken.
Wir unterscheiden also leistungs- und finanzwirtschaftliche Kreis-
läufe. Der finanzwirtschaftliche Kreislauf beginnt allerdings erst,
wenn der leistungswirtschaftliche Kreislauf bereits abgeschlossen ist.
Zur Überbrückung der Zeitspanne (Time Lag) benötigen die Unter-
nehmen eine Finanzierung.
Um die komplexen Finanzierungsvorgänge im Unternehmen zu
verstehen, sollten wir die betrieblichen Kreisläufe genauer betrach-
ten. Dabei können wir feststellen, dass es in den Unternehmen ver-
schiedene Kreisläufe und Schnittstellen gibt.

102
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
In der Betriebswirtschaftslehre unterscheiden wir folgende Kreisläufe:
1. Leistungswirtschaftlicher Kreislauf
2. Finanzwirtschaftlicher Kreislauf
Betriebliche Kreisläufe

Leistungswirtschaftlicher Kreislauf Finanzwirtschaftlicher Kreislauf

Abb. 40: Betriebliche Kreisläufe

12.1.1 Leistungswirtschaftlicher Kreislauf


Der leistungswirtschaftliche Kreislauf umfasst im Wesentlichen
folgende Bereiche:
1. Materialwirtschaft
2. Produktionswirtschaft
3. Absatzwirtschaft
Im Rahmen der Materialwirtschaft werden Roh-, Hilfs-, und Be-
triebsstoffe sowie Investitionsgüter für das Unternehmen beschafft.
In der Produktion stellen die Mitarbeiter aus dem Fertigungsmateri-
al unter Einsatz von Maschinen neue Produkte her. Diese Produkte
kommen dann auf den Markt und werden über verschiedene Ver-
triebswege abgesetzt.
Produktionswirtschaft
Leistungswirtschaftlicher
Kreislauf

Materialwirtschaft Absatzwirtschaft

Finanzwirtschaftlicher
Kreislauf
Finanzwirtschaft
Abb. 41: Leistungs und finanzwirtschaftliche Kreisläufe

12.1.2 Finanzwirtschaftlicher Kreislauf


Der finanzwirtschaftliche Kreislauf beginnt hauptsächlich bei der
Absatzwirtschaft. Der Verkauf der hergestellten Produkte führt zu
Umsatzerlösen, die als Einnahmen einen wesentlichen Teil des Fi-

103
A Jahresabschluss

nanzflusses im Unternehmen ausmachen. Ein Teil der Umsatzerlöse


wird benötigt, um Löhne, Gehälter, Steuern und sonstige Ausgaben
zu bezahlen. Die übrigen Einnahmen dienen dazu, wieder Roh-,
Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Maschinen zu kaufen, um weitere
Produkte herzustellen.
Finanzwirtschaftliche Elemente

Prozesse Strukturen

Stromgrößen Bestandsgrößen

Einnahmen,
Eigenkapital
Ausgaben

Einzahlungen,
Fremdkapital
Auszahlungen
Abb. 42: Finanzwirtschaftliche Elemente

Die finanzwirtschaftlichen Elemente teilen wir in Prozesse und Struk-


turen auf. Bei den Prozessen werden Stromgrößen erfasst. Die Struktu-
ren dagegen können wir anhand der Bestandsgrößen erkennen.
Zu den Stromgrößen gehören die Einnahmen und Ausgaben sowie
die Einzahlungen und Auszahlungen. Wenn wir von den Einnah-
men die Ausgaben im Finanzplan abziehen, ergibt sich entweder
eine Über- oder Unterdeckung. Das Ergebnis der Einzahlungen
minus der Auszahlungen im Liquiditätsplan ist ein Überschuss oder
ein Fehlbetrag (Defizit).
Neben den Stromgrößen unterscheiden wir also noch die Bestands-
größen, die auf der Passivseite der Bilanz zu erkennen sind. Die
Passivseite können wir in Eigen- und Fremdkapital aufteilen. Diese
beiden Größen geben Aufschluss über die Struktur der Bilanz.
Das betriebliche Rechnungswesen kennt eine Reihe von Grundbegrif-
fen, deren Kenntnis das Verständnis und die Konsequenzen bei Ent-
scheidungen in den Unternehmen erleichtern. Wir unterscheiden:

104
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
1. Einzahlungen – Auszahlungen
Einzahlungen und Auszahlungen bedeuten die Erhöhung oder
Verminderung der liquiden Mittel des Unternehmens. Bei der
Liquiditätsplanung kommen diese beiden Begriffe zum Einsatz.
Einzahlungen Beispiel: Bareinlagen
Auszahlungen Beispiel: Barzahlung einer Rechnung
2. Einnahmen – Ausgaben
Bei den Einnahmen und Ausgaben erfolgt eine Erweiterung der
tatsächlichen Zu- und Abflüsse liquider Mittel um Forderungen
und Schulden. Diese beiden Begriffe werden bei der Finanzpla-
nung verwendet.
Einnahmen
können sein: Einzahlungen
Forderungszugänge
Schuldenabgänge
Beispiel: Verkauf von Produkten auf Ziel
Ausgaben
können sein: Auszahlungen
Forderungsabgänge
Schuldenzugänge
Beispiel: Kauf von Waren auf Ziel
3. Erträge – Aufwendungen
Die Erträge und Aufwendungen kommen in der Finanzbuch-
haltung vor. In der Gewinn- und Verlustrechnung werden nur
Erträge (Umsatzerlöse) und Aufwendungen erfasst.
Erträge Wertzuwachs einer Periode
Beispiel: Verkauf von Produkten
Aufwendungen Wertverzehr einer Periode
Beispiel: Materialverbrauch
4. Leistungen – Kosten
Die Leistungen und Kosten sind Begriffe, die wir in der Kosten-
und Leistungsrechnung verwenden. Diese Begriffe decken sich
nicht mit den Erträgen und Aufwendungen in der GuV. Die
Leistungen und Kosten beziehen sich nur auf den Produktions-
und Umsatzprozess.

105
A Jahresabschluss

Leistungen Leistungsbezogener Wertzuwachs


einer Periode
Beispiel: Herstellung von Produkten
Kosten Leistungsbezogener Wertverzehr
einer Periode
Beispiel: Löhne und Gehälter

Zusammenfassung:
In den Unternehmen findet ein betrieblicher Wertekreislauf statt. Wir
unterscheiden leistungs und finanzwirtschaftliche Kreisläufe. Der fi
nanzwirtschaftliche Kreislauf beginnt erst, wenn der leistungswirt
schaftliche Kreislauf bereits abgeschlossen ist. Zur Überbrückung der
Zeitspanne benötigen die Unternehmen eine Finanzierung.
Der leistungswirtschaftliche Kreislauf erstreckt sich von der Material
wirtschaft über die Produktion bis hin zur Absatzwirtschaft. Der finanz
wirtschaftliche Kreislauf hingegen beginnt mit der Absatzwirtschaft und
verläuft über die Finanzierung wieder zur Materialwirtschaft. In den
Unternehmen kommt es besonders auf die Schnittstellen an.

12.2 Wichtige Teile der Bilanz


Unter Finanzierung verstehen wir die Beschaffung von Kapital. Wir
unterscheiden Eigen- und Fremdkapital. Die Bereitstellung von
finanziellen Mitteln ist für die Unternehmen erforderlich, um den
Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Eigenkapital

Bargeld Sachgüter Immaterielle Güter

Abb. 43: Formen der Eigenkapitalüberlassung


Das Eigenkapital wird in Form von Bargeld, Sachgütern (Maschi-
nen, Pkw) oder immateriellen Gütern (Patente, Know-how) zur
Verfügung gestellt. Das Fremdkapital stammt von Banken (Darle-
hen) oder von anderen Kreditgebern (Kunden, Lieferanten).

106
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bilanz
Aktiva Passiva
Vermögen Kapital
Anlagevermögen Eigenkapital
Umlaufvermögen Fremdkapital
Mittelverwendung Mittelherkunft
Investitionen Finanzierung
Abb. 44: Wichtige Teile der Bilanz
Wenn wir in die Bilanz eines Unternehmens sehen, können wir uns
einen Überblick über die Aktiva und Passiva des Unternehmens ver-
schaffen. Auf der linken Seite der Bilanz steht das Vermögen und auf
der rechten Seite das Kapital. Die Aktivseite der Bilanz gibt genauere
Auskunft darüber, welches Anlage- und Umlaufvermögen im Unter-
nehmen vorhanden sind. Auf der Passivseite wird deutlich, wie viel
Eigen- und Fremdkapital dem Unternehmen zur Verfügung stehen.
Die Mittelherkunft ist auf der Passivseite zu ersehen. Allerdings wird
auch deutlich, dass auf der Passivseite nur abstrakte Größen vorhanden
sind. Die konkreten Vorgänge können wir der Aktivseite entnehmen.
Wir erkennen, dass sich das Anlagevermögen aus immateriellen Gegen-
ständen (Patente, Lizenzen), Sachanlagen (Grundstücke, Gebäude) und
Finanzanlagen (Beteiligungen, Ausleihungen) zusammensetzt. Das Um-
laufvermögen gliedert sich in Vorräte, Forderungen und flüssige Mittel.
Die Aktivseite gibt also einen Einblick, in welcher konkreten Form das
zur Verfügung gestellte Kapital im Unternehmen genutzt wird. Die Mit-
telverwendung geht somit aus der Aktivseite hervor.
Bilanz
Aktiva Passiva
Anlagevermögen Eigenkapital
Immaterielle Werte Gezeichnetes Kapital
Sachanlagen Kapitalrücklage
Finanzanlagen Gewinnrücklagen
Umlaufvermögen Bilanzgewinn/Bilanzverlust
Vorräte Fremdkapital
Forderungen Rückstellungen
Flüssige Mittel Verbindlichkeiten
Bilanzsumme Bilanzsumme
Abb. 45: Wichtige Positionen der Bilanz

107
A Jahresabschluss

Das Eigenkapital setzt sich aus dem gezeichneten Kapital, der Kapi-
talrücklage, den Gewinnrücklagen sowie dem Bilanzgewinn/Bilanz-
verlust zusammen. Das gezeichnete Kapital bezeichnen wir bei den
Kapitalgesellschaften als Grundkapital, das aus dem Nennwert der
einzelnen Aktien besteht. Bei der GmbH heißt das gezeichnete Ka-
pital dagegen Stammkapital.
Die Kapitalrücklagen werden dadurch gebildet, dass die Aktien mit
einem Agio, also über Pari ausgegeben werden. Die zusätzlichen
Beträge, die nicht zur Abdeckung der Kosten für die Kapitalerhö-
hung verwendet werden, kommen in die Kapitalrücklage. Die Ge-
winne, die eine Aktiengesellschaft pro Jahr nicht ausschüttet, werden
in die Gewinnrücklagen eingestellt. Der ausgewiesene Bilanzgewinn,
der bei Aktiengesellschaften mit der Dividendenzahlung überein-
stimmt, erscheint als separate Position in der Bilanz.
Das Fremdkapital besteht im Wesentlichen aus den Rückstellungen
und den Verbindlichkeiten. Bei den Rückstellungen unterscheiden
wir Pensionsrückstellungen, die Rückstellungen für Steuern und die
sonstigen Rückstellungen. Zu den Verbindlichkeiten zählen insbe-
sondere die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, die Ver-
bindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und die sonstigen
Verbindlichkeiten.
Wenn wir entscheidungsorientiert vorgehen, können wir feststellen,
dass die meisten Finanzierungsvorgänge auf der Passivseite und die
meisten Investitionsvorgänge auf der Aktivseite zu erkennen sind.
Eine Verbesserung der Finanzstruktur eines
Unternehmens ist nur dadurch zu erreichen, dass auf der Aktivseite
der Bilanz wesentliche Positionen verändert werden. Sollte dies nicht
möglich sein, dann muss beispielsweise zusätzliches Eigenkapital in
das Unternehmen eingebracht werden, damit die Ziele der Finanzie-
rungsregeln wieder erreicht werden.

Zusammenfassung:
Auf der Aktivseite der Bilanz steht das Vermögen, das sich aus dem
Anlage und Umlaufvermögen zusammensetzt. Wir erkennen, wie die
im Unternehmen vorhandenen Finanzmittel verwendet wurden.

108
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die meisten Investitionen, die ein Unternehmen tätigt, schlagen sich
auf der Aktivseite nieder.
Die Passivseite enthält das Kapital, das aus dem Eigen und dem
Fremdkapital besteht. Wir können sehen, wo die investierten Finanz
mittel herkommen. Die Passivseite gibt also Aufschluss über die Finan
zierung des Unternehmens und über die Herkunft des Kapitals.

12.3 Bestandteile des Jahresabschlusses


Der Jahresabschluss eines Unternehmens setzt sich aus der Bilanz
sowie der Gewinn- und Verlustrechnung zusammen. Die Kapital-
gesellschaften haben ihren Jahresabschluss noch durch einen An-
hang zu ergänzen (§ 264 Abs. 1 HGB). Die mittelgroßen und großen
Kapitalgesellschaften müssen auch noch einen Lagebericht erstellen
(§ 289 HGB).

Jahresabschluss

Gewinn und
Bilanz Anhang Lagebericht
Verlustrechnung
Abb. 46: Bestandteile des Jahresabschlusses

12.3.1 Bilanz
Die Bilanz ist eine Zeitpunktrechnung. In ihr kommen nur Be-
standsgrößen vor. Alle Aktiv- und Passivpositionen der Bilanz wer-
den stets am Ende des Geschäftsjahres ermittelt. Das Geschäftsjahr
eines Unternehmens muss nicht mit dem Kalenderjahr identisch
sein. Ein Unternehmen kann beispielsweise sein Geschäftsjahr auch
am 30. 9. eines jeden Jahres beenden.
Für die Analyse reicht die Zeitpunktrechnung nicht aus, da die Ver-
änderungen der einzelnen Positionen der Bilanz während des Jahres
nicht ersichtlich sind. Deshalb sollte auch jeweils eine Kapitalfluss-
rechnung erstellt werden, um einen besseren Einblick in das Finanz-
gebaren der Unternehmensleitung zu erhalten. Für die Kapitalfluss-
rechnung werden jeweils die letzten beiden Bilanzen benötigt.

109
A Jahresabschluss

Die Gliederungspunkte der Bilanz können dem § 266 HGB ent-


nommen werden. Das allgemeine Gliederungsschema für die Bilanz
geht aus der Abbildung auf der folgenden Seite hervor.
Der formale Aufbau des Bilanzschemas für Kapitalgesellschaften ist
im § 266 HGB festgelegt. Die Einzel- und Personengesellschaften
sollten sich an diesem Schema orientieren.
Die Grobgliederung der Bilanz enthält die folgenden wesentlichen
Positionen (§ 266 Abs. 2 und 3 HGB):

Bilanz
Aktiva Passiva
A. Anlagevermögen A. Eigenkapital
I. Immaterielle I. Gezeichnetes Kapital
Vermögensgegenstände II. Kapitalrücklage
II. Sachanlagen III.Gewinnrücklagen
III.Finanzanlagen IV.Gewinnvortrag/Verlustvortrag
V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
B. Umlaufvermögen
I. Vorräte B. Rückstellungen
II. Forderungen und sonstige
Vermögensgegenstände C. Verbindlichkeiten
III.Wertpapiere
IV.Schecks, Kassenbestand, D. Rechungsabgrenzungsposten
Bundesbank und
Postgiroguthaben,
Guthaben bei Kreditinstituten

C. Rechnungsabgrenzungsposten

Abb. 47: Grobgliederung der Bilanz nach § 266 Abs. 2 und 3 HGB
In den Geschäftsberichten der Kapitalgesellschaften finden wir im
Wesentlichen folgendes Gliederungsschema, das der Abbildung auf
der folgenden Seite entnommen werden kann.

110
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bilanz
Aktiva Passiva
A. Anlagevermögen A. Eigenkapital
I. Immaterielle I. Gezeichnetes Kapital
Vermögensgegenstände II. Kapitalrücklage
1. Konzessionen, III.Gewinnrücklagen
gewerbliche Schutzrechte IV.Bilanzgewinn/Bilanzverlust
2. Geschäfts oder Firmenwert
B. Sonderposten mit Rücklageanteil
II. Sachanlagen
1. Grundstücke + Gebäude C. Rückstellungen
2. Maschinen
3. Betriebs und D. Verbindlichkeiten
Geschäftsausstattung 1. Verbindlichkeiten mit einer
Laufzeit von mehr als 5 Jahren
III.Finanzanlagen 2. Verbindlichkeiten aus
1. Ausleihungen Lieferungen und Leistungen
2. Beteiligungen 3. Sonstige Verbindlichkeiten

B. Umlaufvermögen E. Rechungsabgrenzungsposten
I. Vorräte
1. Roh, Hilfs und Betriebsstoffe
2. Unfertige und
fertige Erzeugnisse, Waren

II. Forderungen und


sonstige Vermögensgegenstände
1. Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
2. Sonstige Vermögensgegen
stände

III.Wertpapiere

IV. Schecks, Kassenbestand,


Bundesbank und
Postgiroguthaben,
Guthaben bei Kreditinstituten

C. Rechnungsabgrenzungsposten

Abb. 48: Gliederungsschema der Bilanz

111
A Jahresabschluss

Unter der Bilanz oder im Anhang sind noch folgende Positionen


auszuweisen (§§ 251, 268 Abs. 7 HGB):
1. Eventualverbindlichkeiten
1.1 Wechselobligo
1.2 Bürgschaften
1.3 Gewährleistungsverträge
2. Sonstige finanzielle Verpflichtungen (§ 285 Abs. 3 HGB)
2.1 Miet- und Pachtverträge
2.2 Leasingverträge
2.3 Begonnene Investitionsvorhaben
2.4 Künftige Großreparaturen
2.5 Größere Abnahmeverpflichtungen
Der Jahresabschluss hat ein den tatsächlichen Verhältnissen entspre-
chendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der bilanzie-
renden Unternehmen zu vermitteln (§ 264 Abs. 2 HGB).

Jahresabschluss

Vermögenslage Finanzlage Ertragslage


Abb. 49: Bild des Jahresabschlusses

Zusammenfassung:
Der Jahresabschluss setzt sich aus der Bilanz, aus der GuV sowie aus
dem Anhang zusammen. Die Kapitalgesellschaften müssen noch einen
Lagebericht erstellen.
Die Bilanz ist eine Zeitpunktrechnung. Die Aktiva werden in Anlagever
mögen, in Umlaufvermögen und in Rechnungsabgrenzungsposten un
terteilt. Für das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen erfolgen
noch weitere Aufteilungen, um einen besseren Einblick in die Vermö
gensseite zu erhalten. Die Passiva gliedern sich in Eigenkapital, Sonder
posten mit Rücklageanteil, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und Rech
nungsabgrenzungsposten. Das Eigenkapital, die Rückstellungen und die
Verbindlichkeiten werden noch weiter aufgeteilt, um sich einen besseren
Überblick über die Zusammensetzung dieser Positionen zu verschaffen.
Unter der Bilanz oder im Anhang erscheinen die Eventualverbindlich
keiten und die sonstigen finanziellen Verpflichtungen, die in der Bilanz
nicht enthalten sind.

112
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
12.3.2 Gewinn und Verlustrechnung
Die Gewinn- und Verlustrechnung stellt im Gegensatz zur Bilanz
eine Zeitraumrechnung dar, in der es nur Erfolgsgrößen gibt. Alle
Erträge und Aufwendungen des Unternehmens werden von Januar
bis Dezember eines jeden Jahres zusammengefasst und in der Ge-
winn- und Verlustrechnung detailliert aufgeführt. Die wichtigsten
Positionen erscheinen in der Gewinn- und Verlustrechnung separat,
damit ein Außenstehender sich ein genaues Bild über die Ertrags-
kraft eines Unternehmens machen kann.
Am Ende eines jeden Geschäftsjahres schließen wir die Gewinn- und
Verlustrechnung ab. Ab dem 1. Januar des folgenden Geschäftsjah-
res werden wieder alle Erträge und Aufwendungen im Unternehmen
von neuem aufgezeichnet und kumuliert. Das Gliederungsschema
der Gewinn- und Verlustrechnung ist im § 275 HGB festgelegt.
Die Gewinn- und Verlustrechnung kann in Konten- oder in Staffel-
form dargestellt werden. Bei Kapitalgesellschaften ist die Staffelform
gesetzlich vorgeschrieben. Wegen der besseren Übersichtlichkeit
sollten auch kleinere und mittlere Unternehmen die Staffelform
wählen.

Gewinn und Verlustrechnung

Kontenform Staffelform

Abb. 50: Darstellungsformen der GuV


Die kleineren und mittleren Unternehmen verwenden immer noch
oft die Kontenform. Die Staffelform dagegen ist für viele Mitarbeiter
leichter zu verstehen, da auch separate Zwischensummen ausgewie-
sen werden können, wie Gesamtleistung, Betriebsergebnis, Finan-
zergebnis, Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, außeror-
dentliches Ergebnis, Jahresüberschuss und Bilanzgewinn.
Das neue Gliederungsschema der Gewinn- und Verlustrechnung
enthält nach dem Gesamtkostenverfahren folgende Erfolgsgrößen:
1. Gesamtleistung
2. Betriebsergebnis

113
A Jahresabschluss

3. Finanzergebnis
4. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
5. Außerordentliches Ergebnis
6. Jahresüberschuss
7. Bilanzgewinn
Der Erfolgsnachweis wird also aufgespalten. Das Betriebsergebnis
und das Finanzergebnis werden zum Ergebnis der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit zusammengefasst. Die Abgrenzung der Erfolgs-
größen entspricht jedoch nicht in allen Einzelheiten den Begriffsin-
halten der Betriebswirtschaftslehre.

Gewinn und Verlustrechnung

Gesamtleistung

Betriebsergebnis

Finanzergebnis

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit

Außerordentliches Ergebnis

Jahresüberschuss

Bilanzgewinn
Abb. 51: Zwischenergebnisse in der GuV
Bei der Gewinn- und Verlustrechnung können wir das Gesamt- und
das Umsatzkostenverfahren unterscheiden. Vor der Einführung des
neuen Bilanzrichtliniengesetzes im Jahre 1987 war für die Unter-
nehmen nur das Gesamtkostenverfahren gesetzlich erlaubt. Seit
dieser Zeit verwenden die gut geführten Unternehmen öfter das
Umsatzkostenverfahren, das für marktorientierte Unternehmen viel
informativer ist.
Gewinn und Verlustrechnung

Gesamtkostenverfahren Umsatzkostenverfahren
Abb. 52: Unterschiedliche Darstellung der GuV

114
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Das Gliederungsschema nach dem Gesamtkostenverfahren sieht für
Kapitalgesellschaften wie folgt aus (§ 275 Abs. 2 HGB):

Gesamtkostenverfahren
1. Umsatzerlöse
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen
3. Andere aktivierte Eigenleistungen
4. Sonstige betriebliche Erträge
5. Materialaufwand:
a) Aufwendungen für Roh, Hilfs und Betriebsstoffe und für bezogene Waren
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen
6. Personalaufwand:
a) Löhne und Gehälter
b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und
Unterstützung, davon für Altersversorgung
7. Abschreibungen:
a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und
Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung
und Erweiterung des Geschäftsbetriebes
b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der
Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen
9. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen
10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
11. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen
12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
15. Außerordentliche Erträge
16. Außerordentliche Aufwendungen
17. Außerordentliches Ergebnis
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
19. Sonstige Steuern
20. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Abb. 53: Gliederungsschema nach dem Gesamtkostenverfahren gemäß § 275 Abs. 2
HGB

115
A Jahresabschluss

In den Geschäftsberichten der Kapitalgesellschaften wird das Ge-


samtkostenverfahren meist folgendermaßen dargestellt, wie aus der
folgenden Abbildung hervorgeht.
Das neue Gliederungsschema des Gesamtkostenverfahrens sieht
folgendermaßen aus:

Gesamtkostenverfahren
1. Umsatzerlöse
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen
3. Aktivierte Eigenleistungen
4. Gesamtleistung
5. Sonstige betriebliche Erträge
6. Materialaufwand
7. Personalaufwand
8. Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen
9. Sonstige betriebliche Aufwendungen
10. Betriebsergebnis
11. Erträge aus Beteiligungen, Wertpapieren
12. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
13. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
14. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
15. Finanzergebnis
16. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
17. Außerordentliche Erträge
18. Außerordentliche Aufwendungen
19. Außerordentliches Ergebnis
20. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
21. Sonstige Steuern
22. Jahresüberschuss
23. Einstellungen in die Gewinnrücklagen
24. Bilanzgewinn
Abb. 54: Gewinn und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren

116
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Das Gliederungsschema nach dem Umsatzkostenverfahren sieht für
Kapitalgesellschaften wie folgt aus (§ 275 Abs. 3 HGB):

Umsatzkostenverfahren
1. Umsatzerlöse
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
3. Bruttoergebnis vom Umsatz
4. Vertriebskosten
5. Allgemeine Verwaltungskosten
6. Sonstige betriebliche Erträge
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen
9. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen
11. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen
13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
14. Außerordentliche Erträge
15. Außerordentliche Aufwendungen
16. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
17. Sonstige Steuern
18. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Abb. 55: Gliederungsschema nach dem Umsatzkostenverfahren gemäß § 275 Abs. 3
HGB

Da die Aussagefähigkeit des Umsatzkostenverfahrens für die


marktorientierte Unternehmensleitung größer als bei dem Gesamt-
kostenverfahren ist, sollten die Unternehmen in Zukunft dieses
Verfahren wählen. Das Umsatzkostenverfahren der Gewinn- und
Verlustrechnung weist in den Geschäftsberichten meist folgende
Positionen aus:

117
A Jahresabschluss

Umsatzkostenverfahren
1. Umsatzerlöse
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistung
3. Bruttoergebnis von Umsatz
4. Vertriebskosten
5. Allgemeine Verwaltungskosten
6. Sonstige betriebliche Erträge
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Betriebsergebnis
9. Erträge aus Beteiligungen, Wertpapieren
10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
11. Abschreibungen auf Finanzanlagen
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
13. Finanzergebnis
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
15. Außerordentliche Erträge
16. Außerordentliche Aufwendungen
17. Außerordentliches Ergebnis
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
19. Sonstige Steuern
20. Jahresüberschuss
21. Einstellung in die Gewinnrücklagen
22. Bilanzgewinn
Abb. 56: Gewinn und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren
Beim Umsatzkostenverfahren sind die Material- und Personalauf-
wendungen zusätzlich im Anhang anzugeben. Die Abschreibungen
auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und
auf Sachanlagen können dem Anlagespiegel entnommen werden.
Die Abschreibungen auf Gegenstände des Finanzanlagevermögens
und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens werden separat ausge-
wiesen.

118
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Zusammenfassung:
Die GuV stellt eine Zeitraumrechnung dar und wird jeweils am Ende des
Geschäftsjahres abgeschlossen. Die Darstellung kann in Staffelform
oder in Kontenform erfolgen. Für die Kapitalgesellschaften ist nur die
Staffelform erlaubt, die die anderen Unternehmen wegen der Über
sichtlichkeit auch verwenden sollten.
Wir unterscheiden das Gesamtkosten und das Umsatzkostenverfahren.
Bis 1986 war nur das Gesamtkostenverfahren erlaubt. Die marktorien
tierten Unternehmen sollten das Umsatzkostenverfahren wählen, das
von den Mitarbeitern leichter verstanden wird und das für Außenste
hende nicht einen so guten Einblick erlaubt. Außerdem kann beim Um
satzkostenverfahren eine Analyse nach Produktgruppen, Verkaufsge
bieten und Kundengruppen durchgeführt werden.

12.3.3 Anhang
Im Anhang werden die wichtigsten Positionen der Bilanz sowie der
Gewinn- und Verlustrechnung erläutert. Ein außenstehender Dritter
kann dann meist erkennen, wie sich die einzelnen Positionen zu-
sammensetzen und wie sie bewertet wurden.
Die Vorschriften über den Inhalt des Anhangs sind in den §§ 284,
285, 286 und 288 HGB geregelt. Für die kleinen und mittelgroßen
Kapitalgesellschaften gibt es größenabhängige Erleichterungen.
Bei der Anhang-Aufstellung von kleinen Kapitalgesellschaften erge-
ben sich Veränderungen. Die kleinen Kapitalgesellschaften müssen
weiterhin einen Anhang erstellen und veröffentlichen. Es besteht
aber die Möglichkeit, ab 1994 zahlreiche Erleichterungen in An-
spruch zu nehmen.
Folgende Punkte können bei der Aufstellung des Anhangs bei klei-
nen Kapitalgesellschaften in Zukunft entfallen:
1. Aufstellung eines Anlagengitters
2. Erläuterung bestimmter Forderungen
3. Erläuterung bestimmter Verbindlichkeiten
4. Erläuterung der Rechnungsabgrenzungsposten
5. Erläuterung von Aufwendungen für die Ingangsetzung und Er-
weiterung des Geschäftsbetriebes

119
A Jahresabschluss

6. Erläuterungen zu den Posten „Außerordentliche Erträge“ und


„Außerordentliche Aufwendungen“
7. Gesamtbetrag der sonstigen finanziellen Verpflichtungen, die
nicht in der Bilanz erscheinen
8. Aufgliederung der Umsatzerlöse nach Tätigkeitsbereichen
9. Auswirkungen von Abschreibungen aufgrund steuerrechtlicher
Vorschriften
10. Belastung des Betriebsergebnisses durch Steuern vom Einkom-
men und Ertrag
11. Durchschnittliche Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer
12. Erläuterung des Materialverbrauches bei der Anwendung des
Umsatzkostenverfahrens
13. Erläuterung der sonstigen Rückstellungen
Die Angaben über die Gesamtbezüge von Geschäftsführungsorganen
(Geschäftsführer, Aufsichtsräte und Beiräte) wie Gehälter, Gewinn-
beteiligungen und Aufwandsentschädigungen können entfallen,
wenn sich anhand der Angaben die Bezüge eines einzelnen Mitglieds
feststellen lassen.
Dasselbe gilt auch für die Angaben der Ergebnisverwendung. Die
Angaben über die Ergebnisverwendung brauchen von allen Gesell-
schaften mit beschränkter Haftung dann nicht gemacht werden,
wenn sich anhand der gesamten Angaben die Gewinnanteile von
Einzelpersonen feststellen lassen (§ 375 Abs. 1 Satz 1 HGB).
Im Anhang werden also die wichtigsten Positionen der Bilanz und
der GuV erläutert. Für die Bilanzanalyse sind die Angaben im An-
hang von großer Bedeutung. Wir finden im Anhang Erläuterungen,
zusätzliche Angaben, Darstellungen, Aufgliederungen und Begrün-
dungen zur Bilanz sowie zur GuV. Außerdem gibt es Informationen
zu einzelnen Posten, zum Inhalt, zu den angewandten Bewertungs-
und Abschreibungsmethoden sowie zur Unterbrechung der Aus-
weis- und Bewertungsstetigkeit.

12.3.4 Lagebericht
Die mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften sind verpflichtet,
auch einen Lagebericht zu erstellen, der im Geschäftsbericht aufzu-

120
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
führen ist. Über den Inhalt des Lageberichts gibt § 289 HGB Aus-
kunft.
Kleine Kapitalgesellschaften brauchen den Lagebericht nicht mehr
aufzustellen (§ 264 Abs. 1 Satz 3 HGB). Nach der alten Gesetzeslage
war es schon nicht mehr erforderlich, dass der Lagebericht veröf-
fentlicht oder beim Amtsgericht hinterlegt werden musste.
Im Lagebericht sind der Geschäftsverlauf und die Lage der Kapital-
gesellschaft so darzustellen, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen
entsprechendes Bild vermittelt wird. Der Lagebericht soll auch auf
folgende Punkte eingehen:
1. Vorgänge von besonderer Bedeutung, die nach dem Schluss des
Geschäftsjahres eingetreten sind.
2. Voraussichtliche Entwicklung der Kapitalgesellschaft.
3. Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

Zusammenfassung:
Der Anhang enthält die Erläuterungen für die wichtigen Positionen der
Bilanz sowie der GuV. Für die Bilanzanalyse sind die Angaben im An
hang von großer Bedeutung, da im Anhang noch zusätzliche Informa
tionen über die Bilanzierung, die Bewertung und die Zusammensetzung
der einzelnen Positionen enthalten sind.
Die mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften müssen auch einen
Lagebericht erstellen. Es wird der Geschäftsverlauf und die Lage der Ka
pitalgesellschaft dargestellt, um ein den tatsächlichen Verhältnissen
entsprechendes Bild des Unternehmens zu vermitteln. Auf die Vorgänge
von besonderer Bedeutung nach dem Schluss des Geschäftsjahres, auf
die voraussichtliche Entwicklung sowie auf die Forschungs und Ent
wicklungstätigkeiten sollte ebenfalls eingegangen werden.

13 Aufbereitung der Daten


Die Bilanz sowie die GuV entsprechen in der Form der Erstellung
und der Veröffentlichung nicht den Erfordernissen für eine Bilanza-
nalyse und Bilanzkritik. Die Daten des Jahresabschlusses müssen
daher zur Bildung von aussagefähigen Kennzahlen erst aufbereitet
werden. Durch die Errechnung von Kennzahlen können dann weite-

121
A Aufbereitung der Daten

re Erkenntnisse über die erfolgs- und finanzwirtschaftliche Lage der


Unternehmen gewonnen werden.
Die Aufbereitung erfolgt durch Bereinigungen, Umgruppierungen,
Saldierungen, Umbewertungen, Aufspaltungen und Verdichtungen
der Positionen der Bilanz sowie der GuV. Die Zuordnungen und
Zusammenfassungen der einzelnen Positionen müssen nach wirt-
schaftlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden.
Folgende Gesichtspunkte sollten dabei beachtet werden:
1. Bei den Einzel- und Personengesellschaften sowie bei den Kapi-
talgesellschaften sind die rechtsformspezifischen Unterschiede zu
berücksichtigen.
2. Die verschiedenen Aktiv- und Passivposten haben unter bilanza-
nalytischen Gesichtspunkten eine andere Bedeutung als unter ju-
ristischen Aspekten.
3. Das umfangreiche Zahlenmaterial ist zu verdichten, um die
Strukturen der Bilanz sowie der GuV besser erkennen zu kön-
nen.
4. Die stillen Reserven sollten aufgedeckt werden. Mögliche Unter-
bewertungen müssen erkannt und eventuelle Überbewertungen
sollten ermittelt werden.
5. Die Aktivposten müssen nach der Liquidierbarkeit geordnet
werden. Alle Passivposten sind nach der Fristigkeit aufzuführen.

13.1 Rahmenbedingungen
Bevor wir den Jahresabschluss analysieren, sollten wir uns einen
guten Überblick über das Unternehmen verschaffen, das untersucht
werden soll. Die Rahmenbedingungen sind wichtig für die Bilanza-
nalyse und für die Bilanzkritik, da von ihnen Einflüsse auf das Ge-
samtbild des Jahresabschlusses ausgehen.

122
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Rahmenbedingungen
1. Kapitalverhältnisse
2. Rechtsform des Unternehmens
3. Größe
4. Produktionsprogramm
5. Marktanteil
6. Wachstum
7. Konkurrenz
8. Branche
9. Geschäftsentwicklung
Abb. 57: Rahmenbedingungen eines Unternehmens
Zu den wichtigen Daten eines Unternehmens gehören vor allem die
Kapitalverhältnisse, die Rechtsform des Unternehmens, die Größe,
das Produktionsprogramm, der Marktanteil, das Wachstum und die
Konkurrenz.
Die Kapitalverhältnisse geben einen Überblick über die Zusam-
mensetzung der Gesellschafter, die die Bilanzpolitik des Unterneh-
mens wesentlich beeinflussen können. Die errechneten Kennzahlen
werden dann entsprechend interpretiert. Die Unternehmensleitung
lässt auch oft Rückschlüsse auf die Art zu, wie das Unternehmen
geführt und wie die Geschäftspolitik betrieben wird.
Die Größe des Unternehmens, das Produktionsprogramm, der
Marktanteil sind weitere Indikatoren, die auf die Bedeutung des
Unternehmens am Markt schließen lassen.
Auch die Konkurrenz des Unternehmens sollte sorgfältig untersucht
werden. Die Konkurrenzsituation hat unmittelbaren Einfluss auf die
Preisgestaltung und den Umsatz. Die Investitionstätigkeit, die Inno-
vationen und die Werbung können ebenfalls durch die Konkurrenz
stark beeinflusst werden.
Die Branche und die Geschäftsentwicklung sollten auch untersucht
werden. Es ist von großer Bedeutung, ob sich ein Unternehmen in
einer Branche mit hohem Wachstum befindet oder ob die Branche
mit einer Stagnation oder gar mit einer Rezession zu rechnen hat.
Diese Informationen sind bei der Analyse des Unternehmens wich-
tig und erlauben eine bessere Beurteilung des Unternehmens. Es

123
A Aufbereitung der Daten

kommt insbesondere darauf an, wie sich das Unternehmen in Zu-


kunft entwickeln wird und welche Potenziale im Unternehmen
vorhanden sind.

13.2 Vorbereitungsarbeiten
Die Aufbereitung des Zahlenmaterials gehört zu den Vorbereitungs-
arbeiten. Sie sind eine wesentliche Voraussetzung für die Durchfüh-
rung einer Bilanzanalyse und einer Bilanzkritik. Wir unterscheiden
die quantitative und wertmäßige Aufbereitung des Zahlenmaterials.

Aufbereitung

Quantitative Aufbereitung Wertmäßige Aufbereitung

Abb. 58: Quantitative und wertmäßige Aufbereitungsmöglichkeiten

13.2.1 Quantitative Aufbereitungen


Die quantitative Aufbereitung können wir in folgende Maßnahmen
aufteilen, ohne dass der Inhalt verändert wird:
1. Bereinigungen oder Verkürzungen des Zahlenmaterials
2. Umgruppierungen oder Aufspaltungen der Positionen
3. Untergliederungen oder Zusammenfassungen der Wertangaben

Bereinigungen oder Verkürzungen


Bereinigungen
Bilanzpositionen, die auf unterschiedlichen Bilanzseiten stehen und
zwischen denen eine direkte Beziehung besteht, sollten saldiert wer-
den. Aus bilanzanalytischen Gründen sind Bereinigungen vorzu-
nehmen.

Beispiel: Darlehen an Gesellschafter


Bei größeren Beträgen sind die Darlehen an Gesellschafter vom haf
tenden Kapital abzuziehen.

124
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Verkürzungen
Die Zahlen des Jahresabschlusses sollten auf volle Euro-Beträge oder
auf Tausend-Euro verkürzt werden. Dadurch wird die Übersicht-
lichkeit des Zahlenmaterials erhöht.

Beispiel:
Anlagevermögen = 2.386.258,30 €
Verkürzung = 2.386.000 €
= 2.386 T €

Umgruppierungen oder Aufspaltungen


Umgruppierungen
Eine Umgruppierung findet statt, wenn der ganze Wert aus dem
gegebenen Bilanzgefüge herausgenommen und an einer anderen
Stelle der Bilanz wieder eingefügt wird.

Beispiel: Bilanzgewinn bei der AG


Der Bilanzgewinn bei der AG entspricht den Dividendenzahlungen
und ist eine Position des Eigenkapitals. Da die Dividendenzahlungen
einen Tag nach der Hauptversammlung fällig sind, sollte diese Positi
on besonders unter den kurzfristigen Verbindlichkeiten ausgewiesen
werden.
Aufspaltungen
Bei der Aufspaltung erfolgt die Trennung einer Bilanzposition in
zwei Teile. Die einzelnen Teile werden dann unterschiedlichen Posi-
tionen zugeordnet.

Beispiel: Sonderposten mit Rücklageanteil


Die Sonderposten mit Rücklageanteil beinhalten Eigen und Fremd
kapital. Deshalb sollte eine Aufteilung im Verhältnis 50:50 vorge
nommen werden. 50 % werden dann dem Eigenkapital und 50 % den
Rückstellungen zugeordnet.

125
A Aufbereitung der Daten

Untergliederungen oder Zusammenfassungen


Untergliederungen
Einige Bilanzpositionen werden nach bestimmten Gesichtpunkten
weiter untergliedert, um einen besseren Einblick in die Entwicklung
der einzelnen Positionen zu erhalten.

Beispiel: Anlagevermögen
Um einen besseren Einblick in das Anlagevermögen zu erhalten, sollte
ein Anlagespiegel erstellt werden. Die einzelnen Positionen gehen aus
der folgenden Aufstellung hervor:

Bilanzposten

Gesamte Anschaffungs/ Herstellungskosten

Zugänge

Abgänge

Umbuchungen

Abschreibungen kumuliert

Zuschreibungen

Abschreibungen des Jahres

Buchwert 31.12

Abb. 59: Anlagespiegel

Zusammenfassungen
Bilanzpositionen der gleichen oder der vergleichbaren Art werden zu
Zwischensummen zusammengefasst. Dadurch ist die Struktur der
Bilanz leichter erkennbar.

126
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Beispiel: Immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen,
Finanzanlagen
Für diese Positionen können Zwischensummen gebildet werden. Die
Summe dieser Zwischensummen stellt das Anlagevermögen dar.
Immaterielle Vermögensgegenstände
+ Sachanlagen
+ Finanzanlagen
= Anlagevermögen
Abb. 60: Zusammenfassung des Anlagevermögens

13.2.2 Wertmäßige Aufbereitungen


Bei der wertmäßigen Aufbereitung geht es um die Neubewertung
oder Umbewertung von Positionen des Jahresabschlusses. Durch die
wertmäßige Umformung der Daten sollten zusätzliche Informatio-
nen gewonnen werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass be-
stimmte Informationen nicht inhaltlich verfälscht werden. Externe
Analytiker können meist keine Aussagen über die Bewertung einzel-
ner Bilanzpositionen machen.

Zusammenfassung:
Die Aufbereitung des Zahlenmaterials im Jahresabschluss ist sehr wich
tig, damit die Daten den Erfordernissen der Bilanzanalyse und der Bi
lanzkritik entsprechen. Es sollten Bereinigungen, Umgruppierungen,
Saldierungen, Aufspaltungen, Verdichtungen und Umbewertungen der
Positionen der Bilanz sowie der GuV vorgenommen werden.
Die Rahmenbedingungen eines Unternehmens sind zu klären, da von
ihnen Einflüsse auf das Gesamtbild des Unternehmens ausgehen. Diese
Informationen haben für die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik eine
große Bedeutung und erlauben eine bessere Beurteilung des Unterneh
mens.
Bei den Vorbereitungsarbeiten müssen wir zwischen den quantitativen
und den wertmäßigen Aufbereitungen des Zahlenmaterials unterschei
den. Die quantitativen Aufbereitungen sind relativ einfach durchzufüh
ren. Ein externer Analytiker hat oft erhebliche Schwierigkeiten bei den
wertmäßigen Aufbereitungen, weil er meist keine Informationen über
die Bewertung der einzelnen Positionen hat.

127
A

14 Untersuchung der Positionen des


Jahresabschlusses
Die einzelnen Positionen des Jahresabschlusses müssen genau un-
tersucht werden, um sich Klarheit über den Inhalt dieser Positionen
zu verschaffen.

14.1 Aufbereitungen der Bilanz


Die Gliederung der Bilanz ist für große Kapitalgesellschaften gesetz-
lich vorgeschrieben (§ 266 HGB). Kleine und mittelgroße Kapital-
gesellschaften können eine vereinfachte Darstellungsform der Bilanz
wählen (§§ 266 Abs. 1, 267 HGB). Die Einzel- und Personengesell-
schaften sollten sich am Gliederungsschema der Kapitalgesellschaf-
ten orientieren.
Die Gliederung der Bilanz sieht wie folgt aus (§ 266 HGB):

Gliederung der Bilanz


Aktiva
Ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital

A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände:
1. Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und
Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten;
2. Geschäfts oder Firmenwert;
3. geleistete Anzahlungen;

II. Sachanlagen:
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der
Bauten auf fremden Grundstücken;
2. technische Anlagen und Maschinen;
3. andere Anlagen, Betriebs und Geschäftsausstattung:
4. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau;

128
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
III. Finanzanlagen:
1. Anteile an verbundenen Unternehmen;
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen;
3. Beteiligungen;
4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht;
5. Wertpapiere des Anlagevermögens;
6. Sonstige Ausleihungen.

B. Umlaufvermögen:
I. Vorräte:
1. Roh, Hilfs und Betriebsstoffe;
2. unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen;
3. fertige Erzeugnisse und Waren;
4. geleistete Anzahlungen;
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände:
1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen;
2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen;
3. Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht;
4. sonstige Vermögensgegenstände;

III. Wertpapiere:
1. Anteile an verbundenen Unternehmen;
2. eigene Anteile;
3. sonstige Wertpapiere;

IV. Schecks, Kassenbestand, Bundesbank und Postgiroguthaben, Guthaben bei


Kreditinstituten.

C. Rechnungsabgrenzungsposten:
Bilanzsumme

Passiva
A. Eigenkapital:
I. Gezeichnetes Kapital;
II. Kapitalrücklage;
III. Gewinnrücklagen;
IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag;
V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag.

129
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

B. Rückstellungen:
1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen;
2. Steuerrückstellungen;
3. Sonstige Rückstellungen.

C. Verbindlichkeiten:
1. Anleihen;
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
3. Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung
eigener Wechsel;
6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsver
hältnis besteht;
8. Sonstige Verbindlichkeiten.

D. Rechnungsabgrenzungsposten:
Bilanzsumme
Abb. 61: Gliederung der Bilanz

14.1.1 Aktivseite
Auf der Aktivseite der Bilanz müssen wir folgende Positionen un-
terscheiden:

Ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital


Diese Position finden wir in Bilanzen, wenn die Gesellschafter zwar
Anteile gezeichnet, aber die entsprechenden Beträge noch nicht
eingezahlt haben. Diese Beträge dienen bereits als Haftungskapital,
stehen aber dem Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr noch
nicht zur Verfügung.
In der Strukturbilanz sind die ausstehenden Einlagen zu eliminieren.
Die ausstehenden Einlagen werden mit dem gezeichneten Kapital
saldiert und erscheinen nicht mehr auf der Aktivseite der Bilanz. Das
gezeichnete Kapital auf der Passivseite verringert sich um den sal-
dierten Betrag. Die bereits eingeforderten Einlagen sind in den For-
derungen gesondert auszuweisen (§ 272 Abs. 1 HGB).

130
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
A. Anlagevermögen
Das Anlagevermögen eines Unternehmens umfasst die Vermögens-
gegenstände, die dem Geschäftsbetrieb dauernd dienen (§ 247 Abs. 2
HGB). Diese Vermögensgegenstände sind nicht zur Verarbeitung
oder zum Verkauf, sondern zur dauerhaften Nutzung bestimmt.
Maßgebend ist die Zweckbestimmung des Vermögensgegenstandes.
Die in der Bilanz ausgewiesenen Positionen des Anlagevermögens
werden zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Vermö-
gensgegenstände bewertet (§ 255 Abs. 1 und 2 HGB). Diese Positio-
nen vermindern sich um die Abschreibungen und erhöhen sich
durch erfolgte Zuschreibungen.
Ob die Abschreibungen betriebsnotwendig sind oder nur bilanzpo-
litischen Charakter haben, ist nur den internen Betrachtern bekannt.
Der externe Analytiker kann die aus steuerlichen Gründen vorge-
nommenen Abschreibungen als nicht betriebsbedingt ansehen,
wenn sie nicht in einer Beziehung zum geschätzten Wertminde-
rungsverlauf stehen. Dadurch wird eine Verminderung der Besteue-
rungsgrundlage bewirkt. In den jeweiligen Vermögensgegenständen
stecken dann stille Reserven. Dies ist auch der Fall bei Sofortab-
schreibungen der geringwertigen Wirtschaftsgüter (§ 6 Abs. 2 EStG).
Derartige Abschreibungen sind im Anhang anzugeben (§ 281 Abs. 2
HGB). Die Differenz zwischen den handelsrechtlichen und steuer-
rechtlichen Abschreibungen sollte bei der Bilanzanalyse berücksich-
tigt werden. In der Strukturbilanz ist dann das Anlagevermögen und
das Eigenkapital entsprechend zu erhöhen.
Neben den überhöhten Abschreibungen können in den Unterneh-
men durch unterlassene Zuschreibungen stille Reserven gebildet
werden. Dann werden zuvor vorgenommene außerplanmäßige
Abschreibungen nicht nach oben korrigiert (Wertaufholung). Da
ein Zuschreibungswahlrecht besteht, müssen außerplanmäßige
Abschreibungen bei Fortfall des Grundes nicht rückgängig gemacht
werden (§§ 5 Abs. 1, 6 Abs. 1 EStG, § 280 HGB). Die aus steuerli-
chen Gründen unterlassenen Zuschreibungen in der Abrechnungs-
periode sind aus dem Anhang ersichtlich, da sie angabepflichtig sind
(§ 280 Abs. 3 HGB). Der zu niedrige Wertansatz kann bei der Bi-
lanzanalyse korrigiert werden.

131
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

I. Immaterielle Vermögensgegenstände
Die körperlich nicht fassbaren Vermögensgegenstände, die von den
Unternehmen käuflich erworben werden, erfassen wir in dieser
Position.

1. Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte


und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten
Zu den Konzessionen gehören Wegerechte und Wassernutzungs-
rechte. Gewerbliche Schutzrechte umfassen Patente, Urheberrechte
und Warenzeichen. Ähnliche Rechte betreffen Nutzungsrechte
(Nießbrauch). Zu den ähnlichen Werten zählen Erfindungen, Soft-
ware und Kundenkarteien.

2. Geschäfts- oder Firmenwert


Der Geschäfts- oder Firmenwert ist der Unterschiedsbetrag zwischen
dem bei dem Kauf eines Unternehmens bezahlten Kaufpreis und
dem Substanzwert des Unternehmens. Dieser Wert beinhaltet vor
allem den guten Namen des Unternehmens, den Kundenstamm und
die Absatzorganisation.
Der aktivierte Betrag kann planmäßig über die voraussichtliche
Nutzungsdauer von 15 Jahren abgeschrieben werden (§ 7 Abs. 1
Satz 3 EStG). Da der Firmenwert keinen realisierbaren Gegenwert
darstellt, sollte dieser Betrag bei der Aufbereitung eliminiert werden.
Das Eigenkapital ist dann entsprechend zu kürzen. In der Praxis
verfahren so insbesondere die Banken.

3. Geleistete Anzahlungen
Die geleisteten Anzahlungen beziehen sich auf aktivierungspflichtige
immaterielle Wirtschaftsgüter. Planmäßige Abschreibungen kom-
men auf Anzahlungen nicht in Betracht. Bei Leistungsstörungen
hingegen sind außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen.

II. Sachanlagen
Zu den Sachanlagen gehören die körperlichen Vermögensgegen-
stände, die dem Geschäftsbetrieb dauernd dienen. Die Anlageent-
wicklung während des Geschäftsjahres wird bei Kapitalgesellschaften

132
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
im Anlagespiegel dargestellt, der in der Bilanz oder im Anhang ent-
halten sein muss (§ 268 HGB). Die Abschreibungen sind zu jedem
Posten anzugeben. Außerplanmäßige Abschreibungen werden je-
weils gesondert ausgewiesen oder im Anhang angegeben (§ 277
Abs. 3 HGB).
Sachanlagen

Andere Anlagen,
Technische Geleistete
Grundstücke Betriebs und
Anlagen und Anzahlungen und
und Gebäude Geschäfts
Maschinen Anlagen im Bau
ausstattung
Abb. 62: Zusammensetzung der Sachanlagen

Die Sachanlagen beinhalten die Grundstücke und Gebäude, die


technischen Anlagen und Maschinen, die anderen Anlagen sowie die
Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie die geleisteten Anzahlun-
gen und Anlagen im Bau.

1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten, ein-


schließlich der Bauten auf fremden Grundstücken
Neben den Grundstücken zählen die grundstücksgleichen Rechte zu
dieser Position, die Abbaurechte oder Erbbaurechte umfassen. Zu
den grundstücksgleichen Bauten gehören Gebäude ohne die Bauten,
die Betriebsvorrichtungen sind. Die Bauten auf fremden Grundstük-
ken fallen auch unter diese Position.

2. Technische Anlagen und Maschinen


Diese Position umfasst die technischen Anlagen und Maschinen
sowie die Betriebsvorrichtungen und die Ersatz- und Reserveteile für
Maschinen.

3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung


Unter dieser Position werden die Vermögensgegenstände des Anla-
gevermögens ausgewiesen, die keiner anderen Position zugeordnet
werden können. Zu den anderen Anlagen zählen Transportanlagen
und Gleisanlagen. Die Betriebs- und Geschäftsausstattung umfassen

133
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

die Fahrzeuge, die Büroeinrichtungen und die geringwertigen Wirt-


schaftsgüter.

4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau


Diese Position bezieht sich auf geleistete Vorauszahlungen auf Ver-
mögensgegenstände des Anlagevermögens und auf noch nicht zum
Bilanzstichtag abgeschlossene Investitionen.

III. Finanzanlagen
Die Finanzanlagen umfassen die dauerhaften Anlagen und Geld-
vermögen der Unternehmen in Form von Beteiligungen und Auslei-
hungen.

Finanzanlagen

Anteile an verbundenen Unternehmen

Ausleihungen an verbundene Unternehmen

Beteiligungen

Ausleihungen an Unternehmen,
mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht

Wertpapiere des Anlagevermögens

Sonstige Ausleihungen

Abschreibungen des Jahres


Abb. 63: Zusammensetzung der Finanzanlagen
1. Anteile an verbundene Unternehmen
Bei diesen Anteilen handelt es sich grundsätzlich um Mitglied-
schaftsrechte, die Vermögensrechte (Anspruch auf Gewinn) und
Verwaltungsrechte (Mitspracherechte) einschließen. Verbundene
Unternehmen sind solche Unternehmen, zwischen denen ein Mut-
ter/Tochterverhältnis besteht sowie die Tochtergesellschaften unter-
einander (§ 271 Abs. 2 HGB).

134
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen
Die Ausleihungen beinhalten langfristige Finanz- und Kapitalforde-
rungen. Sie können in Wertpapieren verbrieft sein (Anleihen,
Schuldverschreibungen) sowie Schuldscheindarlehen oder Hypo-
thekenforderungen sein.
3. Beteiligungen
Beteiligungen sind Anteile an anderen Unternehmen, die dem eige-
nen Geschäftsbetrieb durch die Herstellung einer dauerhaften Ver-
bindung zu jenem Unternehmen dienen (§ 271 Abs. 1 Satz 1 HGB).
Mit der Beteiligung muss mehr verfolgt werden, als eine Kapitalan-
lage gegen eine angemessene Verzinsung. Es soll ein gewisser Ein-
fluss auf das Unternehmen ausgeübt werden.
4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsver-
hältnis besteht
Bei diesen Ausleihungen handelt es sich um Ausleihungen an das
Unternehmen, das die Beteiligung hält, und an das Unternehmen,
an dem die Beteiligung gehalten wird. Die Bilanzposition umfasst
beide Seiten eines Beteiligungsverhältnisses, um die unterschiedli-
chen Grade von Unternehmensverflechtungen deutlich zu machen.
5. Wertpapiere des Anlagevermögens
Diese Wertpapiere dienen langfristig dem Geschäftsbetrieb des Unter-
nehmens, ohne dass eine Beteiligungsabsicht an anderen Unterneh-
men besteht und ohne dass ein gesonderter Ausweis erforderlich ist.
Zu diesen Wertpapieren zählen festverzinsliche Wertpapiere (Bun-
desanleihen, Pfandbriefe, Obligationen) und Wertpapiere mit Ge-
winnbeteiligungsansprüchen (Aktien).

6. Sonstige Ausleihungen
Zu den sonstigen Ausleihungen gehören alle langfristigen Finanz-
und Kapitalforderungen, die nicht gegenüber Beteiligungsunter-
nehmen oder verbundenen Unternehmen bestehen. Die Rück-
deckungsansprüche aus Lebensversicherungen im Zusammenhang
mit Pensionsverpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern oder Aus-
leihungen an Gesellschafter zählen zu den sonstigen Ausleihungen.

135
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

B. Umlaufvermögen
Die Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens dienen der Ver-
arbeitung im Rahmen der Produktion oder dem Verkauf. Das
Hauptmerkmal dieser Vermögensgegenstände ist die kurzfristige
Betriebszugehörigkeit und die Veräußerungsabsicht. Die Bewertung
des Umlaufvermögens erfolgt nach dem strengen Niederstwertprin-
zip.

Vorräte

Unfertige
Roh, Fertige
Erzeugnisse, Geleistete
Hilfs und Erzeugnisse und
unfertige Anzahlungen
Betriebsstoffe Waren
Leistungen
Abb. 64: Zusammensetzung der Vorräte

I. Vorräte
Die Vorräte beinhalten den Bestand der zur Verarbeitung oder zum
Verkauf erworbenen Vermögensgegenstände. Wenn an den Vorrä-
ten Eigentumsvorbehalte (§ 455 BGB) bestehen oder die Lagerbe-
stände zur Sicherung einer Bank übereignet sind (§ 9 29 f. BGB),
bleiben die dinglichen Belastungen in der Bilanz ohne Beachtung.
Für die Bilanzierung gilt prinzipiell die wirtschaftliche und nicht die
juristische Betrachtungsweise.
Im Rahmen der Bewertung der Vorräte besteht wie beim Anlage-
vermögen die Möglichkeit, stille Reserven zu bilden. Die Ver-
brauchsfolgeverfahren (Lifo, Fifo) sind Vereinfachungen der Be-
wertung und erlauben die Bildung von stillen Reserven. Der
Wertansatz der Vorräte erfolgt dann nicht nach dem Prinzip der
Einzelbewertung (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB), es werden vielmehr
bestimmte Verbrauchsfolgen unterstellt. Beim Lifo-Verfahren gehen
wir davon aus, dass die zuletzt gekauften Rohstoffe als erste wieder
verbraucht werden. Die restlichen Rohstoffe werden dann stets zu
den niedrigeren Anschaffungskosten bei einer Inflation bewertet.
Dadurch ergeben sich erhebliche Unterschiede zwischen den bilan-
zierten Werten und den Börsen- oder Marktpreisen.

136
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bei Vermögensgegenständen des Umlaufvermögens können neben
den Bewertungsvereinfachungen auch durch außerplanmäßige Ab-
schreibungen stille Reserven gebildet werden, da die niedrigeren
Werte auch beim Wegfall der Gründe beibehalten werden dürfen.
Diese Abschreibungen können aufgrund des strengen Niederstwert-
prinzips vorgenommen werden. Die Unternehmen dürfen diese
Wertansätze zur Vorwegnahme künftiger Wertschwankungen aus
Gründen der kaufmännischen Vorsicht sogar noch unterschreiten.
Dadurch können weitere stille Reserven entstehen, die aber beim
Verbrauch der Rohstoffe wieder aufgelöst werden.
Neben der erlaubten Unterbewertung der Vorräte muss allerdings
auch eine mögliche Überbewertung der Vorräte berücksichtigt wer-
den. Nicht alle Unternehmen bemühen sich, stille Reserven zu bil-
den. Beim Verkauf von großen Unternehmen kam es immer wieder
vor, dass die ausgewiesenen Vorräte erheblich überbewertet waren.
Da die Abschlussprüfer die Vorräte öfter nicht sorgfältig prüfen,
wird die Überbewertung meist nicht erkannt.

1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe


Die Rohstoffe gehen unmittelbar in die unfertigen Produkte ein und
bilden deren Hauptbestandteile.
Die Hilfsstoffe werden ebenfalls für die Produktion unmittelbar
verbraucht. Sie erfüllen aber lediglich eine Hilfsfunktion im Ver-
gleich zu den Rohstoffen. Schrauben, Lacke und Leime gehören in
der Möbelindustrie zu den Hilfsstoffen.
Die Betriebsstoffe bilden keinen Bestandteil der fertigen Produkte,
sondern werden bei der Herstellung der Produkte verbraucht.
Schmiermittel, Kraftstoffe und Brennstoffe sind Betriebsstoffe.

2. Unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen


Die unfertigen Erzeugnisse sind jene Vorräte, die noch nicht ver-
kaufsfertige Produkte darstellen. Durch die Be- oder Verarbeitung
sind aber bereits Aufwendungen im eigenen Unternehmen angefal-
len. Die unfertigen Erzeugnisse sind bereits im Produktionsprozess
bearbeitet worden.

137
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

Die unfertigen Leistungen umfassen die Leistungen, die bis zum


Bilanzstichtag noch nicht abgeschlossen sind. Die unfertigen Bauten
eines Bauunternehmens gehören zu dieser Position.
Im Gegensatz zu den unfertigen Erzeugnissen sind unfertige Lei-
stungen noch nicht fertiggestellte oder noch nicht abgerechnete
Dienstleistungen.

3. Fertige Erzeugnisse und Waren


Die fertigen Erzeugnisse sind die versandfertigen Vorräte, die im
eigenen Unternehmen be- oder verarbeitet wurden. Die Waren
umfassen die Handelswaren, die von fremden Unternehmen herge-
stellt wurden und die ohne wesentliche Weiterverarbeitung verkauft
werden.
Die fertigen Erzeugnisse und die Waren unterliegen einer unter-
schiedlichen Bewertung. Die fertigen Erzeugnisse werden zu Her-
stellungskosten angesetzt. Für die Waren dagegen gilt der Ein-
standspreis als Wertansatz.

4. Geleistete Anzahlungen
Diese Position enthält nur Anzahlungen auf Vorräte. Die Zahlungen
für noch nicht gelieferte Vorräte werden bis zum Zeitpunkt des
Gefahrenübergangs als Anzahlungen und danach als Vorräte ausge-
wiesen.

II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände


Bei den Forderungen handelt es sich um Geldforderungen, die aus
den Umsatzerlösen stammen, die aber noch nicht zu Einzahlungen
geführt haben. Die Forderungen sind in der Bilanz bereits wertbe-
richtigt. Die Höhe der Wertberichtigungen ist aber für externe Ana-
lytiker nicht erkennbar.

1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen


Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stellen den Ge-
genwert für die erbrachten Lieferungen und Leistungen dar. Sie sind
Ausdruck einer erfolgswirksamen Vermögensumformung. An die
Stelle von Produkten oder Waren tritt der Anspruch auf Gelder.

138
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
2. Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen
In dieser Position sind alle dem Umlaufvermögen zurechenbaren
Forderungen gegen verbundene Unternehmen auszuweisen. Dazu
gehören sowohl die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
als auch die Forderungen aus kurzfristigen Darlehen.

3. Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen, mit denen


ein Beteiligungsverhältnis besteht
Alle zum Umlaufvermögen gehörenden Forderungen gegen Unter-
nehmen sind in dieser Position zu erfassen, mit denen ein Beteili-
gungsverhältnis besteht. Wenn der Schuldner zugleich ein verbun-
denes Unternehmen ist, dann hat der Ausweis dort zu erfolgen.
4. Sonstige Vermögensgegenstände
In dieser Bilanzposition werden alle Vermögensgegenstände des
Umlaufvermögens erfasst, die keinem der anderen Posten zuzuord-
nen sind. Zu den sonstigen Vermögensgegenständen zählen Darle-
hen an Arbeitnehmer, Vorschüsse und Steuererstattungsansprüche.

III. Wertpapiere
Unter den Wertpapieren des Umlaufvermögens werden die Wertpa-
piere erfasst, deren Anschaffung und Besitz aus vorübergehenden
Finanzierungs- oder Gewinnerzielungsabsichten erfolgt. Die Absicht
der Einflussnahme auf das beteiligte Unternehmen liegt nicht vor.

1. Anteil an verbundenen Unternehmen


Bei den Anteilen an verbundenen Unternehmen handelt es sich um
Wertpapiere, die nicht zum Anlagevermögen gehören.

2. Eigene Anteile
Der Erwerb eigener Anteile ist nur beschränkt zulässig (§ 71 AktG,
§ 33 GmbHG). Ein gesonderter Ausweis ist deshalb vorgeschrieben.
Eigene Anteile können zur Ausgabe an die Arbeitnehmer des Unter-
nehmens oder zur Abfindung von Aktionären gehalten werden.

139
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

3. Sonstige Wertpapiere
Zu den sonstigen Wertpapieren gehören alle Wertpapiere, die nicht
zum Anlagevermögen und nicht unter 1. und 2. fallen. Schatzwech-
sel des Bundes, kurzfristige Geldanlagen und Finanzwechsel werden
in dieser Bilanzposition erfasst.

IV. Flüssige Mittel


Unter dieser Position werden Schecks, Kassenbestand, Bundesbank-
und Postgiroguthaben sowie Guthaben bei Kreditinstituten erfasst.
Diese Position beinhaltet also alle sofort oder kurzfristig fälligen
Mittel. Die einzeln aufgeführten Posten sind auch in mittelgroßen
und großen Kapitalgesellschaften nicht aufzugliedern. Zum Kassen-
bestand zählen auch alle Bestände an in- und ausländischen Geld-
sorten und an Wertmarken (Briefmarken).

C. Rechnungsabgrenzungsposten
Bei den Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um Ausgaben
vor dem Bilanzstichtag, die Aufwendungen betreffen, die erst nach
dem Bilanzstichtag anfallen. Als Rechnungsabgrenzungsposten wer-
den für zukünftige Perioden vorausgezahlte Beträge ausgewiesen. Zu
den Rechnungsabgrenzungsposten gehören beispielsweise die vor-
ausbezahlten Mieten oder die vorausbezahlten Versicherungsprämi-
en.
Das Disagio (Damnum) zählt ebenfalls zu den Rechnungsabgren-
zungsposten. Bei der Aufnahme eines Darlehens kann beispielsweise
ein Disagio von 10 % mit der Bank vereinbart werden. Das Unter-
nehmen erhält bei einer Darlehenssumme von 100.000,00 € dann
nur 90.000,00 € ausbezahlt, muss aber 100.000,00 € an die Bank
zurückzahlen. Der Differenzbetrag von 10.000,00 € muss steuer-
rechtlich über die Laufzeit des Darlehens gleichmäßig abgeschrieben
werden. Der Betrag von 10.000,00 € wird unter den Rechnungsab-
grenzungsposten gesondert aufgeführt.

140
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
14.1.2 Passivseite
Die Positionen der Passivseite sind wie die Positionen der Aktivseite
aufzubereiten. Einzelne Positionen sollten in Gruppen zusammen-
gefasst oder gegebenenfalls korrigiert werden.

A. Eigenkapital
Das Eigenkapital steht den Unternehmen ohne zeitliche Begrenzung
zur Verfügung. Die Erhöhung des Eigenkapitals kann durch Zufüh-
rung von außen oder durch die Einbehaltung von Gewinnen erfolgen.

I. Gezeichnetes Kapital
Das gezeichnete Kapital ist das Haftungskapital. Die Haftung der
Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der Kapitalgesellschaften ist
also gegenüber den Gläubigern beschränkt. Das gezeichnete Kapital
wird zum Nennbetrag ausgewiesen.
Bei der AG heißt das gezeichnete Kapital Grundkapital. Vom Stamm-
kapital sprechen wir bei der GmbH. Der Mindestnennbetrag des
Grundkapitals beträgt 50.000,00 € (§ 7 AktG). Das Stammkapital
muss mindestens 25.000,00 € betragen, wobei 12.500,00 € in bar ein-
gezahlt werden müssen. Ab dem 1. 8. 1994 wurde der Nennbetrag pro
Aktie auf 1,00 € gesenkt. Bei Stammeinlagen ist ein Mindestbetrag von
100,00 € vorgeschrieben. Der Ausweis des gezeichneten Kapitals am
Bilanzstichtag richtet sich nach der Handelsregistereintragung.
Das Grund- oder Stammkapital sind feste Größen. Bei Aktienge-
sellschaften kann eine Kapitaländerung aufgrund von Beschlüssen
der Hauptversammlung oder der Gesellschafter über eine Kapitaler-
höhung oder Kapitalherabsetzung erfolgen.
Einzel- und Personengesellschaften haben dagegen variable Eigenka-
pitalkonten. Die einzelnen Eigenkapitalkonten können durch Ge-
winngutschriften oder Verlustbelastungen sowie durch Einlagen oder
durch Entnahmen im Laufe des Geschäftsjahres verändert werden.

II. Kapitalrücklage
Bei der Kapitalrücklage geht es um die Mehrbeträge, die bei der
Ausgabe von Aktien, von Wandelschuldverschreibungen und von
Optionsanleihen von außen der AG zugeführt werden. Die AG gibt

141
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

diese Wertpapiere meist über Pari aus. Der Betrag, der den Nenn-
betrag übersteigt, heißt Agio (Aufgeld).

III. Gewinnrücklagen
Als Gewinnrücklagen dürfen nur die Beträge ausgewiesen werden,
die im Geschäftsjahr oder in früheren Geschäftsjahren aus dem
Jahresüberschuss gebildet wurden (§ 272 Abs. 3 HGB). Im Gegen-
satz zu der Kapitalrücklage kommen die Gewinnrücklagen nicht aus
den von außen zufließenden Beträgen, sondern stammen vom Jah-
resüberschuss.

1. Gesetzliche Rücklagen
Die gesetzlichen Rücklagen gibt es nur bei der AG und der KGaA
(§ 150 Abs. 1 AktG). In diese Rücklagen sind jeweils 5 % des Jahres-
überschusses einzustellen, bis die gesetzlichen Rücklagen und die
Kapitalrücklage zusammen 10 % oder den in der Satzung bestimm-
ten höheren Teil des Grundkapitals erreichen (§ 272 Abs. 2 Nr. 1
bis3 HGB, § 150 Abs. 3 AktG).

2. Rücklage für eigene Anteile


Die Rücklage für eigene Anteile korrespondiert mit dem Posten
eigene Anteile auf der Aktivseite. Zweck dieser Rücklage ist die
Ausschüttungssperre. Diese Rücklage darf nur aufgelöst werden,
wenn die eigenen Anteile ausgegeben, verkauft oder eingezogen
werden. Die Höhe dieser Rücklage hängt von der Bewertung der
eigenen Aktien auf der Aktivseite ab.

3. Satzungsmäßige Rücklagen
Die satzungsmäßigen Rücklagen umfassen die Gewinnrücklagen, die
aufgrund der Satzung (Gesellschaftervertrag) gebildet werden müs-
sen. Diese Rücklagen können zweckgebunden oder zweckfrei gebil-
det werden.

4. Andere Gewinnrücklagen
Zu den anderen Gewinnrücklagen zählen alle Gewinnrücklagen, die
nicht gesondert in den bereits erwähnten Rücklagen zu erfassen sind.
Diese Rücklagen können nach freiem Ermessen gebildet werden.

142
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Positionen gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklage und Gewinn-
rücklagen stellen keine Probleme bei der Bewertung dar. Sie können
in die Strukturbilanz übernommen werden, ohne dass Aufberei-
tungsmaßnahmen notwendig sind. Hinzurechnungen und Kürzun-
gen können für den Gewinnvortrag/Verlustvortrag, für den Jahres-
überschuss/Jahresfehlbetrag und für den Bilanzgewinn/Bilanzverlust
vorgenommen werden.
Der Gewinnvortrag/Verlustvortrag und der Jahresüberschuss/
Jahresfehlbetrag werden angesetzt, wenn noch keine Ergebnis-
verwendung erfolgt ist.

IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag
Der Gewinnvortrag oder der Verlustvortrag stammen aus früheren
Berichtsjahren und sind noch keiner Ergebnisverwendung zugeführt
worden. Sie werden entweder in der laufenden oder in den folgen-
den Perioden verwendet. Diese Beträge sind mit dem Eigenkapital
zu saldieren.
Der Gewinnvortrag ergibt sich aus der Beschlussfassung der Haupt-
versammlung oder der Gesellschafterversammlung über die Ver-
wendung des Bilanzgewinns des Vorjahres. Der Verlustvortrag stellt
den Bilanzverlust der Vorjahres dar.

V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Wenn in der Bilanz ein Jahresüberschuss ausgewiesen wird, ist noch
keine Entscheidung über die Gewinnverwendung getroffen worden.
Sind keine Informationen über den zu erwartenden Beschluss über
die Gewinnverwendung vorhanden, wird der Jahresüberschuss zum
Eigenkapital hinzugerechnet. Ist bereits bekannt, wie der Jahres-
überschuss auf die Gewinnrücklagen und auf die Ausschüttungen
verteilt werden soll, dann zählt der in die Gewinnrücklagen einzu-
stellende Betrag zum Eigenkapital. Der zur Ausschüttung vorgese-
hene Teil wird zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten hinzugefügt,
da dieser Betrag nach dem Beschluss der Hauptversammlung an die
Gesellschafter ausgezahlt wird. Ein Jahresfehlbetrag dagegen redu-
ziert das Eigenkapital.

143
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

Bilanzgewinn/Bilanzverlust
Die Bilanz darf auch unter Berücksichtigung der vollständigen oder
teilweisen Verwendung des Jahresergebnisses aufgestellt werden
(§ 268 Abs. 1 HGB). Dann erscheint nur der Posten Bilanzge-
winn/Bilanzverlust in der Bilanz. Dieser Posten ergibt sich wie folgt:
Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
+– Gewinnvortrag/Verlustvortrag
–+ Ergebnisverwendung
= Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Der Bilanzgewinn wird als Teil des Eigenkapitals in der Bilanz aus-
gewiesen. Bei der AG ist der ausgewiesene Bilanzgewinn identisch
mit der Dividendenzahlung, die einen Tag nach der Hauptver-
sammlung fällig ist. Deshalb rechnen wir den zur Ausschüttung
vorgesehenen Bilanzgewinn zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Sonderposten mit Rücklageanteil
Die Sonderposten mit Rücklageanteil beinhalten Passivposten, die für
die Zwecke der Steuer vom Einkommen und vom Ertrag zulässig sind.
Ursachen für Sonderposten mit Rücklageanteil
1. Sonderabschreibungen
2. Erhöhte Absetzungen
3. Übertragung stiller Reserven
Die wesentlichen Ursachen zur Bildung von Sonderposten mit
Rücklageanteil umfassen Sonderabschreibungen, erhöhte Absetzun-
gen und die Übertragung von stillen Reserven (§ 6 b EStG, Abschnitt
35 EStR). Diese Sonderposten unterliegen keiner Besteuerung am
Bilanzstichtag. Die vorläufig unversteuerten Rücklagen können
später der Besteuerung unterliegen. Die künftige Steuerbelastung ist
nicht genau bekannt.
Bei der Bilanzanalyse sollten die Sonderposten mit Rücklageanteil je zur
Hälfte dem Eigenkapital und den Rückstellungen zugeordnet werden.
B. Rückstellungen
Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, die bereits verursacht sind,
deren Höhe und Fälligkeit aber noch ungewiss sind.

144
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
In den großen Kapitalgesellschaften müssen folgende Rückstellun-
gen separat ausgewiesen werden (§ 266 Abs. 3 HGB):
1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
2. Steuerrückstellungen
3. Sonstige Rückstellungen
Die kleinen Kapitalgesellschaften sowie die Einzel- und Personalge-
sellschaften brauchen die Rückstellungen nicht zu untergliedern
(§ 267 Abs. 1 HGB). In diesen Gesellschaften werden alle Rückstel-
lungen nur in einer Position ausgewiesen.

1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen


Die Pensionsrückstellungen haben vor allem in den größeren Un-
ternehmen eine besondere Bedeutung, da sie meist einen großen
Betrag ausmachen und zur Finanzierung verwendet werden können.
In der Steuerbilanz besteht eine Passivierungspflicht für Pensions-
zusagen, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:
1. Die Pensionszusage muss rechtsverbindlich vorliegen (§ 6 a
Abs. 1 Nr. 1 EStG).
2. Die Pensionszusage darf keine steuerschädlichen Vorbehalte
enthalten (§ 6 a Abs. 1 Nr. 2 EStG).
3. Die Pensionszusage muss schriftlich erfolgen (§ 6 a Abs. 1 Nr. 3
EStG).
Seit dem 1. 1. 1987 besteht für Pensionszusagen eine Passivierungs-
pflicht in der Steuerbilanz. Der steuerliche Rechnungszinssatz be-
trägt 6 %. Für die vor diesem Zeitpunkt erfolgten Pensionszusagen
dürfen nachträglich noch Rückstellungen gebildet werden. Unter-
lassene Pensionsrückstellungen, die im Anhang anzugeben sind,
sollten vom Eigenkapital abgezogen werden.
Im Rahmen der handelsbilanziellen Bewertung der Pensionsrück-
stellungen wählen viele Unternehmen einen Zinssatz, der unter 6 %
liegt. Generell werden in der Handelsbilanz Abzinsungssätze zwi-
schen 3 % und 6 % für zulässig erachtet. Für die Unternehmen er-
gibt sich mit der Wahl des Abzinsungssatzes ein wichtiges bilanzpo-
litisches Gestaltungspotenzial. In der Handelsbilanz können also

145
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

höhere Beträge für Pensionsrückstellungen als in der Steuerbilanz


ausgewiesen werden.
In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen in ihren Jah-
resabschlüssen einen Zinssatz von 3 % bis 5,5 % zur Bewertung der
Pensionsrückstellungen angesetzt. Die Abweichung vom steuerli-
chen Zinssatz in Höhe von 6 % kann also mehrere Prozentpunkte
betragen. Die Zinssenkung von 6 % auf 4 %, also um zwei Prozent-
punkte, führt beispielsweise zu einer Erhöhung des Barwertes um ca.
20 %. Dadurch wird deutlich, dass die Unternehmen in der Han-
delsbilanz einen beträchtlichen Bewertungsspielraum bei den Pensi-
onsrückstellungen haben.

2. Steuerrückstellungen
Alle ungewissen Verbindlichkeiten aus Steuern müssen von der
Gesellschaft als Steuerschuldnerin erfasst werden. Die Steuerschul-
den (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer) sind unter Abzug der Vor-
auszahlungen bis zum Erlass des Steuerbescheides als Rückstellun-
gen auszuweisen.
Die Steuerrückstellungen umfassen auch die Rückstellungen für
latente Steuern. Wenn der Gewinn der Steuerbilanz niedriger als das
handelsrechtliche Ergebnis ist, muss die Kapitalgesellschaft eine
Rückstellung bilden (§ 249 Abs. 1 Satz 1 HGB). Die effektive Steuer-
zahlung ist dann niedriger als die errechnete Steuer, die auf der Basis
des höheren handelsrechtlichen Gewinns errechnet wurde. Für den
Differenzbetrag muss dann eine Rückstellung gebildet werden.

3. Sonstige Rückstellungen
Die sonstigen Rückstellungen umfassen alle Rückstellungen, die
nicht unter 1 und 2 fallen. Folgende Rückstellungen gehören dazu:
1. Prozesskosten
2. Garantieverpflichtungen
3. Wechselobligo
4. Abschlusskosten
5. Bürgschaftsverpflichtungen
6. Ausgleichsanspruch der Handelsvertreter (§ 89 b HGB)
7. Rabatte

146
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
8. Boni
9. Rückständiger Urlaub
10. Unterlassene Instandhaltung (3 Monate)
11. Abraumbeseitigung
12. Wiederherstellung in den ursprünglichen Zustand
13. Produzentenhaftung
C. Verbindlichkeiten
Die Verbindlichkeiten werden in unterschiedlichen Postengruppen
zusammengefasst (§ 266 Abs. 3 HGB). Bei kleinen Kapitalgesell-
schaften können die Verbindlichkeiten ohne Untergliederung aus-
gewiesen werden (§§ 267 Abs. 1, 266 Abs. 1 Satz 3 HGB). Die Rest-
laufzeiten bis zu einem Jahr sowie von mehr als 5 Jahren müssen
separat vermerkt werden (§§ 268 Abs. 5 Satz 1, 285 Nr. 1 a HGB).
Die Vermerke sind bei jedem Posten in der Bilanz anzubringen oder
im Anhang zu vermerken.
Die Verbindlichkeiten sind hinsichtlich der Fristigkeit aufzubereiten.
Die entsprechenden Informationen finden wir in der Bilanz oder im
Anhang bei den Kapitalgesellschaften.
Wir unterscheiden für die Bilanzanalyse die langfristigen und kurz-
fristigen Verbindlichkeiten. Das Fremdkapital mit einer Laufzeit von
über einem Jahr gehört zu den langfristigen Verbindlichkeiten. Die
kurzfristigen Verbindlichkeiten beinhalten insbesondere die Ver-
bindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie die sonstigen
Verbindlichkeiten.
1. Anleihen
Anleihen sind alle Schuldverpflichtungen, die am öffentlichen Ka-
pitalmarkt aufgenommen werden. Dazu gehören die Schuldver-
schreibungen, die Wandelobligationen, die Optionsanleihen und die
Gewinnschuldverschreibungen.
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind separat aus-
zuweisen. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange die Gesamtlaufzeiten
oder die Restlaufzeiten sind.

147
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

3. Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen


Bei Anzahlungen auf Bestellungen handelt es sich um Anzahlungen
aufgrund abgeschlossener Lieferungs- und Leistungsverträge, für die
die Lieferungen oder Leistungen noch ausstehen. Anzahlungen auf
Bestellungen beziehen sich nur auf die Lieferungen oder Leistungen,
die zu Umsatzerlösen führen.
4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen umfassen
alle Verpflichtungen aus den normalen Geschäften mit den Liefe-
ranten. Unter dieser Position werden alle Verbindlichkeiten auf-
grund von Lieferungen und Leistungen erfasst.
5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der
Ausstellung eigener Wechsel
Die Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der
Ausstellung eigener Wechsel beinhalten alle als Schuldwechsel gezo-
gene Wechsel oder eigene Wechsel ohne Rücksicht darauf, ob es sich
um Handels- oder Finanzwechsel handelt.
6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen
Die Position gegenüber verbundenen Unternehmen ist ein Sonder-
posten. Dazu zählen alle Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen
Unternehmen.
7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Be-
teiligungsverhältnis besteht
Wenn die Gläubiger Unternehmen sind, mit denen ein Beteiligungs-
verhältnis besteht, müssen diese Verbindlichkeiten in dieser Position
erfasst werden. Sollten es Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen
Unternehmen sein, dann sind sie unter 6 auszuweisen.

8. Sonstige Verbindlichkeiten
Die sonstigen Verbindlichkeiten stellen einen Sammelposten dar. Sie
umfassen alle Schulden, die keinem anderen Posten der Verbind-
lichkeiten zugeordnet werden können. Dazu gehören insbesondere
die Verbindlichkeiten gegenüber den Mitarbeitern (Löhne und Ge-

148
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
hälter), Verbindlichkeiten aus Steuern (Einkommen, Ertrag, Um-
satz) und Verbindlichkeiten im Rahmen der sozialen Sicherheit
(Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen).

D. Rechnungsabgrenzungsposten
Einnahmen vor dem Abschlussstichtag, die einen Ertrag erst im
folgenden Geschäftsjahr darstellen, werden als Rechnungsabgren-
zungsposten auf der Passivseite ausgewiesen (§ 250 Abs. 2 HGB). Bei
den Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich also um Einnah-
men vor dem Stichtag, die erst Erträge nach dem Stichtag betreffen.
Aus Gründen der periodengerechten Erfolgsermittlung sind diese
Vorgänge entsprechend abzugrenzen.
Wenn die Aufbereitungsarbeiten für die Bilanz abgeschlossen sind,
können wir eine Strukturbilanz erstellen. Die in der Strukturbilanz
zusammengestellten Zahlen werden dann zur Bildung von Kenn-
zahlen verwendet.

14.2 Aufbereitungen der GuV


14.2.1 Gesamtkostenverfahren
Das Gliederungsschema nach dem Gesamtkostenverfahren sieht wie
folgt aus (§ 275 Abs. 2 HGB):

Gesamtkostenverfahren
1. Umsatzerlöse
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen
3. Andere aktivierte Eigenleistungen
4. sonstige betriebliche Erträge
6. Materialaufwand
a) Aufwendungen für Roh, Hilfs und Betriebsstoffe und für bezogene Waren
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen
7. Personalaufwand
a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und
Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung und
Erweiterung des Geschäftsbetriebs
b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der
Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten

149
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

8. Sonstige betriebliche Aufwendungen


9. Erträge aus Beteiligungen,
davon aus verbundenen Unternehmen
10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens,
davon aus verbundenen Unternehmen
11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge,
davon aus verbundenen Unternehmen
12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen,
davon an verbundene Unternehmen
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
15. außerordentliche Erträge
16. außerordentliche Aufwendungen
17. außerordentliches Ergebnis
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
19. sonstige Steuern
20. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag.
Abb. 65: Gesamtkostenverfahren
Erfolgsrechnung nach den Rechnungslegungsvorschriften

Betriebsergebnis Finanzergebnis

Ergebnis der
Außerordentliches Ergebnis
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Abb. 66: Erfolgsrechnung nach den Rechnungslegungsvorschriften


Wenn wir die Inhalte des Begriffs Betriebsergebnis in der Kosten-
und Leistungsrechnung und des Begriffs Ergebnis aus der gewöhnli-
chen Geschäftstätigkeit vergleichen, dann stellen wir fest, dass we-
sentliche Unterschiede bestehen. Die sonstigen betrieblichen Auf-
wendungen und Erträge in der GuV beziehen sich in ihrem Inhalt

150
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
auf die gewöhnliche Geschäftstätigkeit ohne Rücksicht darauf, ob
diese Positionen betriebsfremd oder periodenfremd sind. Alle typi-
schen Aufwendungen und Erträge eines Unternehmens berücksich-
tigen wir im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Die au-
ßerordentlichen Aufwendungen und Erträge in der GuV werden
nach der Einführung der neuen Bilanzrichtlinien viel enger gefasst
und beinhalten nur noch solche Vorgänge, die für die laufende Ge-
schäftstätigkeit untypisch sind, weil sie ungewöhnlich oder uner-
wartet auftreten (§ 277 Abs. 4 HGB).
Der Verkauf einer Maschine über Buchwert wurde früher als außer-
ordentlicher Ertrag erfasst. Heute gehört dieser Vorgang zu den son-
stigen betrieblichen Erträgen. Nur ein ungewöhnliches Ereignis wie
ein Feuerschaden zählt heute zu den außerordentlichen Aufwendun-
gen in der GuV. In vielen Unternehmen kommt deshalb diese Positi-
on außerordentliches Ergebnis überhaupt nicht mehr vor.
Auch die periodenfremden und betriebsfremden Aufwendungen
und Erträge, die neben den außerordentlichen Positionen in der
Kosten- und Leistungsrechnung zu dem neutralen Ergebnis gehö-
ren, werden in der GuV in den sonstigen betrieblichen Aufwendun-
gen und Erträgen erfasst. Die erhaltene Miete von einem Mietshaus,
das ein Teil des Betriebsvermögens ist, gehört jetzt zu den sonstigen
betrieblichen Erträgen.
Das Gliederungsschema der GuV kann also nicht für die Bilanzana-
lyse verwendet werden. Um das richtige ordentliche Betriebsergeb-
nis (Bilanzgewinn/Bilanzverlust) für ein Unternehmen zu ermitteln,
müssen verschiedene Korrekturen vorgenommen werden. Aller-
dings bestehen für einen externen Bilanzanalytiker besondere
Schwierigkeiten, weil für ihn keine Einblicke in die Zusammenset-
zung der einzelnen Positionen der GuV möglich sind.
Eine Trennung der Unternehmenstätigkeit in einen typischen und
untypischen Bereich kann von einem externen Analytiker nur mit
großen Schwierigkeiten durchgeführt werden. Eine Erfolgsaufspal-
tung ist daher nur auf der Basis einer Schätzung möglich.
Die Aufteilung der beiden Sammelpositionen sonstige betriebliche
Erträge und sonstige betriebliche Aufwendungen ist problematisch.
Auch die nicht planmäßigen Abschreibungen, die in der Position

151
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

Abschreibungen enthalten sind, können von einem externen Bilanz-


analytiker nicht herausgerechnet werden, wenn Einblicke in die
Zusammensetzung der Abschreibungen fehlen.
Der ausgewiesene Bilanzgewinn wird also durch zahlreiche be-
triebsfremde, periodenfremde und außerordentliche Vorgänge so-
wie bilanzpolitische Maßnahmen verändert. Deshalb müssen bei der
Aufbereitung der Erträge und Aufwendungen in der GuV diese
Einflüsse eliminiert werden, um das ordentliche Betriebsergebnis zu
ermitteln, das durch den Produktions- und Umsatzprozess in einem
Geschäftsjahr erzielt wurde. Dieses Ergebnis gibt dann Auskunft
über die Ertrags- und Finanzkraft eines Unternehmens. Durch die
Aufbereitungsmaßnahmen können die möglichen Manipulationen
aufgedeckt werden.
Das Handels- und das Steuerrecht erlauben vielfältige Maßnahmen,
um den Bilanzgewinn positiv oder negativ zu beeinflussen. Ein ech-
ter Bilanzverlust kann beispielsweise durch die bewusste Auflösung
von Rückstellungen in einen Bilanzgewinn umgewandelt werden.
Derartige Manipulationen sollten bei den Aufbereitungsarbeiten
korrigiert werden, um den erwirtschafteten Bilanzverlust zu ermit-
teln, der in einem Geschäftsjahr erzielt wurde.
Die GuV gibt Aufschluss über die Erfolgsentwicklung eines Unter-
nehmens. Die Erträge und Aufwendungen einer Periode werden
erfasst und führen zu einem Bilanzgewinn oder zu einem Bilanz-
verlust einer Periode. Diese Erfolgskennzahlen sind aber nicht iden-
tisch mit dem Gewinn oder Verlust einer Periode aus betriebswirt-
schaftlicher Sicht.
Der Bilanzgewinn kann an die Gesellschafter ausgeschüttet oder zur
Thesaurierung einbehalten werden. Außerdem muss berücksichtigt
werden, dass der Bilanzgewinn durch bilanzpolitische Maßnahmen
beeinflusst werden kann. Durch Wahlrechte und Ermessensspiel-
räume können stille Reserven geschaffen oder aufgelöst werden.
Das Ziel der Erfolgsanalyse muss dann darin bestehen, den Erfolg zu
ermitteln, der dem tatsächlichen Ergebnis der unternehmerischen
Tätigkeit weitgehend entspricht. Deshalb müssen wir zwischen dem
in der GuV ausgewiesenen und dem tatsächlichen Bilanzgewinn
unterscheiden.

152
Unternehmensergebnis

Abb. 67:
Ordentliches
+ Neutrales Ergebnis
Betriebsergebnis

Betriebliche Neutrale Neutrale Auf


NettoUmsatzerlöse – –
Aufwendungen Erträge wendungen

Brutto Sonstiger
Erlös Material Personal
Umsatz – + + betriebl.

Zusammensetzung des Unternehmensergebnis


schmälerung aufwand aufwand
erlöse Aufwand

Betriebs Perioden Außer


Betriebsfremde Periodenfremde Außerordentliche
fremde + fremde Er + ordentliche + +
Aufwendungen Aufwendungen Aufwendungen
Erträge träge Erträge
Bilanzanalyse und Bilanzkritik
A

153
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

Zur Ermittlung des tatsächlichen Bilanzgewinns oder des ordentli-


chen Betriebsergebnisses müssen die Zahlen der GuV aufbereitet
werden. Die einzelnen Positionen der GuV sollten möglicherweise
bereinigt, aufgespalten, umbewertet oder umgruppiert werden. Die
Höhe des Erfolges ist möglichst unabhängig von bilanzpolitischen
Maßnahmen sowie von handels- und steuerrechtlichen Einflüssen
zu ermitteln.
Die grundlegende Informationsquelle für die Erfolgsanalyse bildet
also die GuV. Sie kann nach dem Gesamtkostenverfahren (§ 275
Abs. 2 HGB) und nach dem Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3
HGB) aufgebaut werden. Die einzelnen Positionen der unterschied-
lichen Verfahren müssen genau untersucht werden.
Die Aufgabe der GuV besteht darin, die Erträge und Aufwendungen
einer Periode offen zu legen. Dadurch ist es möglich, die Ursachen
für den Erfolg oder Misserfolg einer Periode zu erkennen. Die GuV
ist eine Zeitraumrechnung und erfasst alle Erträge und Aufwendun-
gen während des Geschäftsjahres. Am Ende des Geschäftsjahres wird
die GuV jeweils abgeschlossen. Die Erfassung der Erträge und Auf-
wendungen des neuen Jahres beginnt wieder von neuem.
Die GuV ist in der für Kapitalgesellschaften vorgeschriebenen Staf-
felform nicht dazu geeignet, den tatsächlichen Erfolg einer Periode
zu ermitteln. Deshalb ist es erforderlich, die einzelnen Positionen
der GuV genauer zu untersuchen und gegebenenfalls aufzubereiten.
Der Erfolg eines Unternehmens kommt im Bilanzgewinn oder im
Bilanzverlust zum Ausdruck. Wir müssen allerdings zwischen dem
ordentlichen Betriebsergebnis und dem neutralen Ergebnis unter-
scheiden. Das ordentliche Betriebsergebnis ergibt sich aufgrund des
sich regelmäßig wiederholenden Produktions- und Umsatzprozesses
eines Unternehmens. Im neutralen Ergebnis werden alle betriebs-
fremden, periodenfremden und außerordentlichen Vorgänge erfasst.
In der gesetzlich vorgeschriebenen GuV wird diese Trennung nicht
konsequent durchgeführt. Außerdem müssen noch die bewertungs-
technischen Erfolgskomponenten berücksichtigt werden, die zu
stillen Reserven führen können. Der Erfolg sollte also auch um er-
kennbare bilanzpolitische Maßnahmen bereinigt werden. Deshalb
ist eine Aufbereitung des Zahlenmaterials der GuV erforderlich.

154
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
In der Betriebswirtschaftslehre unterteilen wir das Unternehmenser-
gebnis in das ordentliche Betriebsergebnis (Gewinn/Verlust) und
das neutrale Ergebnis auf. Das ordentliche Betriebsergebnis ist iden-
tisch mit dem betriebswirtschaftlichen Ergebnis, das durch den Pro-
duktions- und Umsatzprozess entsteht. Wenn wir von den Umsat-
zerlösen die Kosten abziehen, erhalten wir das ordentliche Be-
triebsergebnis.
Umsatzerlöse
– Kosten
= ordentliches Betriebsergebnis
Abb. 68: Entstehung des ordentlichen Betriebsergebnisses
Das neutrale Ergebnis hat mit dem Produktions- und Umsatzpro-
zess des Geschäftsjahres nichts zu tun. Deshalb müssen alle Vorgän-
ge, die nicht unmittelbar das ordentliche Betriebsergebnis beein-
flusst haben, separat erfasst werden. Das neutrale Ergebnis setzt sich
aus dem betriebsfremden Ergebnis, aus dem periodenfremden Er-
gebnis und aus dem außerordentlichen Ergebnis zusammen. Die
neutralen Vorgänge werden in neutrale Erträge und neutrale Auf-
wendungen unterteilt. Das neutrale Ergebnis erhalten wir, wenn wir
alle neutralen Aufwendungen von den neutralen Erträgen abziehen.
Neutrale Erträge
– Neutrale Aufwendungen
= Neutrales Ergebnis
Abb. 69: Entstehung des neutralen Ergebnisses

Betriebsfremde Erträge
+ Periodenfremde Erträge
+ Außerordentliche Erträge
= Neutrale Erträge
Abb. 70: Zusammensetzung der neutralen Erträge
Die betriebsfremden, periodenfremden und außerordentlichen
Erträge ergeben als Summe die neutralen Erträge. Von den neutra-
len Erträgen werden die neutralen Aufwendungen abgezogen, die
sich wiederum aus betriebsfremden, periodenfremden und außeror-
dentlichen Aufwendungen zusammensetzen.

155
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

Der Inhalt der Positionen des Gesamtkostenverfahrens sieht wie


folgt aus:

1. Umsatzerlöse
Die Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Produkten und Dienstlei-
stungen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gehören zu
dieser Position (§ 277 Abs. 1 HGB). Die Preisnachlässe werden di-
rekt von den Bruttoumsatzerlösen abgesetzt. Zu den Preisnachlässen
zählen insbesondere Rabatte, Skonti, Boni und Gutschriften wegen
Mängelrügen. Die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten und
gehört nicht zu den Umsatzerlösen.
Die Umsatzerlöse sind bei großen Kapitalgesellschaften nach Tätig-
keitsbereichen (Produktgruppen) und nach geographisch bestimm-
ten Märkten im Anhang aufzuteilen (§ 285 Nr. 4 HGB), wenn sich
erhebliche Unterschiede ergeben. Dadurch können besondere Risi-
ken erkannt und unterschiedliche Entwicklungen der Umsätze auf-
gezeigt werden.

2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und


unfertigen Erzeugnissen
Die betriebliche Leistung beinhaltet in Produktionsbetrieben auch
die Bestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen. Deshalb sind
die Erhöhung und die Verminderung dieser Bestände in der GuV
auch auszuweisen.
Die Bestandsmehrungen sind den Erlösen hinzuzurechnen, da es
sich um Betriebsleistungen handelt, für die Aufwendungen angefal-
len sind, die aber noch nicht zu Umsatzerlösen geführt haben. Bei
den Bestandsminderungen muss ein entsprechender Betrag von den
Umsatzerlösen abgezogen werden, weil dieser Betrag den Gegenwert
für die in vorherigen Perioden hergestellten Halb- und Fertigfabri-
kate darstellt. Deshalb darf dieser Betrag nicht den Aufwendungen
der jetzigen Abrechnungsperiode gegenübergestellt werden. Die
fertigen und unfertigen Erzeugnisse werden zu Herstellungskosten
bewertet.
Die Analyse der Bestandsveränderungen lässt erkennen, ob Absatz-
schwierigkeiten bestehen oder ob die Produkte gut verkauft wurden.

156
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Erhöhung der Bestände lässt auf nachlassende Nachfrage schlie-
ßen oder eine positive zukünftige Chance am Markt erkennen. Die
Bestandsminderungen geben an, dass das Lager geräumt wurde oder
dass eine erhöhte Nachfrage nach den Produkten bestand.

3. Andere aktivierte Eigenleistungen


Die anderen aktivierten Eigenleistungen umfassen insbesondere die
selbsterstellten Maschinen und Werkzeuge. Die bei der Erstellung
der Eigenleistung angefallenen Aufwendungen (Material, Löhne)
sind in den Aufwandspositionen der GuV enthalten. Deshalb müs-
sen die Eigenleistungen aktiviert werden, um die betriebliche Ge-
samtleistung nicht zu niedrig auszuweisen. Die anderen aktivierten
Eigenleistungen werden ebenfalls zu Herstellungskosten bewertet.

4. Sonstige betriebliche Erträge


Die sonstigen betrieblichen Erträge stellen eine Sammelposition dar
(§ 281 Abs. 2 Satz 2 HGB). Es handelt sich um Erträge, die Bestand-
teile des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sind.
Zu den sonstigen betrieblichen Erträgen gehören sehr unterschiedli-
che Erträge. Folgende Vorgänge zählen dazu:
1. Erträge aus der Auflösung der Sonderposten mit Rücklageanteil
2. Erträge aus dem Abgang von Vermögensgegenständen des Anla-
gevermögens
3. Zuschreibungen zu Vermögensgegenständen des Anlagevermö-
gens
4. Eingänge aus bereits abgeschriebenen Forderungen
5. Auflösung von Rückstellungen
Die neuen Bilanzrichtlinien unterscheiden also nicht zwischen son-
stigen Erträgen, die mit dem Produktions- und Umsatzprozess zu-
sammenhängen, und den neutralen Erträgen, die mit dem Produk-
tions- und Umsatzprozess dieses Jahres nichts zu tun haben. Des-
halb müssen von dieser Position der sonstigen betrieblichen Erträge
die betriebsfremden und die periodenfremden Erträge abgezogen
werden. Die außerordentlichen Erträge werden nach dem Ergebnis
der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit separat erfasst.

157
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

Neutrale Erträge

Periodenfremden Erträ Außerordentliche Er


Betriebsfremde Erträge
ge träge
Abb. 71: Neutrale Erträge
Die neutralen Erträge unterteilen wir in folgende Kategorien:
1. Betriebsfremde Erträge
z. B. Mieterträge aus Mietwohnungen
2. Periodenfremde Erträge
z. B. Auflösung von Rückstellungen
3. Außerordentliche Erträge
z. B. Verkauf eines Teilbetriebes
5. Materialaufwand
Die Erhöhung des Materialaufwandes im Vergleich zu den Umsat-
zerlösen lässt erkennen, ob in diesem Geschäftsjahr mehr mate-
rialintensive Produkte hergestellt wurden. Es kann aber auch eine
Verteuerung des Materials vorliegen, wobei die höheren Material-
kosten nicht über erhöhte Verkaufspreise kompensiert werden
konnten.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass mehr Teile oder Mo-
dule nicht mehr selbst hergestellt, sondern von Dritten bezogen
wurden. Dann müssen aber die Lohnkosten sinken, da in den
fremdbezogenen Teilen bereits der Lohnanteil enthalten ist.
a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für
bezogene Waren
In dieser Position werden alle Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffe sowie für bezogene Waren ausgewiesen. Dazu gehören
auch Inventurdifferenzen.
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen
Die Aufwendungen für die Lohnbearbeitungen durch Fremde, die
Aufwendungen für Leiharbeitskräfte und die Fremdreparaturen
gehören zu dieser Position. Es handelt sich grundsätzlich um pro-
duktionsbezogene Fremdleistungen.

158
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
6. Personalaufwand
Ein gestiegener Personalaufwand im Vergleich zu den Umsatzerlö-
sen lässt auf höhere Personalkosten schließen. Es kann aber auch
eine sinkende Produktivität im Unternehmen vorliegen.
Die Steigerung der Personalkosten wird auch durch nachgeholte
Pensionsrückstellungen verursacht. Dann liegt keine schlechtere
Produktivität, sondern eine Versorgungsmaßnahme für die Mitar-
beiter vor.
a) Löhne und Gehälter
Zu dieser Position zählen die Bruttobeträge für alle Löhne und Ge-
hälter der Arbeiter, der Angestellten und der Geschäftsleitung bezo-
gen auf das Geschäftsjahr. Die Bruttobeträge umfassen die laufenden
Vergütungen, die Nebenbezüge und die Sachwertbezüge (Deputate,
Firmenwagen).
b) Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung
und für Unterstützung, davon für Altersversorgung
Zu den sozialen Abgaben gehören die Arbeitgeberanteile zur Ren-
ten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, die Berufsgenossen-
schaftsbeiträge und die Beiträge zur Insolvenzversicherung für Ver-
sorgungszusagen.
Die Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung
umfassen die Pensionszahlungen, die Zuführung zu Pensionsrück-
stellungen, die Krankheits- und Unfallunterstützungen sowie die
übernommenen Kur- und Arztkosten.
Die Pensionszahlungen, die Zuführungen zu Pensionsrückstellun-
gen und die Zuweisungen zu anderen Versorgungseinrichtungen
(Pensionskasse) müssen gesondert ausgewiesen werden.
7. Abschreibungen
Die Abschreibungen sind eine wichtige Position für die Bilanzana-
lyse. Höhere Abschreibungen lassen darauf schließen, dass zusätzli-
che Investitionen vorgenommen wurden. Aber auch eine intensivere
Nutzung der Kapazität kann zu höheren Abschreibungen führen.
Durch bilanzpolitische Maßnahmen ist es möglich, die Abschrei-
bungen zu erhöhen. Niedrigere Abschreibungen deuten darauf hin,

159
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

dass weniger investiert wurde oder dass die Abschreibungsmethode


geändert wurde. Höhere Abschreibungen können zu stillen Reserven
führen. Dadurch kann das Betriebsergebnis verringert werden.
a) Auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermö-
gens und Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für
die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs
Die im Geschäftsjahr vorgenommenen Abschreibungen auf die
genannten Bilanzpositionen gehören zu diesem Posten. Zunächst
sind die planmäßigen Abschreibungen auf die immateriellen Ver-
mögensgegenstände des Anlagevermögens und die Sachanlagen
aufzuführen. Dann müssen die außerplanmäßigen Abschreibungen
berücksichtigt werden (§ 253 Abs. 2 Satz 3 HGB), die auch im An-
hang angegeben werden können (§ 277 Abs. 3 Satz 1 HGB). Die
Sofortabschreibungen für geringwertige Wirtschaftsgüter werden
hier ebenfalls erfasst.
b) Auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit
diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen
überschreiten
In dieser Position werden nur Abschreibungen erfasst, die über das
übliche Maß hinausgehen. Auch die steuerlichen Abschreibungen
gehören bei einer direkten Abschreibung dazu, soweit sie unge-
wöhnlich hoch sind.
Übliche Abschreibungen werden überschritten, wenn von den bis-
herigen Abschreibungsmethoden stark abgewichen wird oder wenn
sehr seltene Abschreibungen vorgenommen werden.
Bei üblichen Abschreibungen erfolgt die Erfassung wie folgt:
1. Unfertige und fertige Erzeugnisse unter Position 2
2. Vorräte und Handelswaren unter Position 5
3. Forderungen unter Position 8
4. Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens unter
Position 12
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen
Diese Position ist ein Sammelposten für alle betrieblichen Aufwen-
dungen, die anderen Aufwandsposten nicht zuzuordnen sind.

160
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfassen Reisekosten,
Telefonkosten, Porti, Rechts- und Beratungskosten, Mieten, Versi-
cherungsbeiträge, Bewirtungskosten, Gebühren und Ausgangs-
frachten. Zu dieser Position gehören aber auch die Einstellungen in
bestimmte Rückstellungen, die Verluste aus dem Abgang von Ge-
genständen des Anlagevermögens, die Einstellungen in die Sonder-
posten mit Rücklageanteil und die Verluste aus dem Abgang von
Gegenständen des Umlaufvermögens.
Diese Position muss sorgfältig aufbereitet werden. Die betrieblichen
Aufwendungen des Geschäftsjahres sind von den neutralen Aufwen-
dungen zu trennen und abzuziehen.
Zu den neutralen Aufwendungen gehören:
1. Betriebsfremde Aufwendungen
z. B. Reparaturen am Mietshaus
2. Periodenfremde Aufwendungen
z. B. Verluste aus einem Schadensfall aus dem Vorjahr
3. Außerordentliche Aufwendungen
z. B. Feuerschaden
Von den sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind die betriebs-
fremden und die periodenfremden Aufwendungen abzuziehen. Die
außerordentlichen Aufwendungen werden in einer separaten Position
nach dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ausgewiesen.
9. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unter-
nehmen
Zu dieser Position zählen die Dividenden, Gewinnanteile und in
sonstiger Weise ausgeschüttete Gewinne aus Beteiligungen. Die
Angabe dieser Beträge erfolgt brutto. Die einbehaltene Kapitaler-
tragsteuer wird unter Nr. 18 berücksichtigt. Die Erträge aus verbun-
denen Unternehmen sind gesondert auszuweisen.
10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Fi-
nanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
Die Bruttobeträge der Zinsen, der Dividenden und der anderen Erträge
aus Finanzanlagen werden unter dieser Position erfasst. Die Erträge aus
verbundenen Unternehmen sind besonders zu berücksichtigen.

161
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

11. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbunde-


nen Unternehmen
Die sonstigen Zinsen umfassen Zinsen für Einlagen bei Banken und
für Forderungen an Dritte. Auch die Zinsen und Dividenden auf
Wertpapiere des Umlaufvermögens gehören in diese Position.
Zu den ähnlichen Erträgen zählen Erträge aus einem Agio, Kredit-
provisionen und Erträge für Kreditgarantien.
12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des
Umlaufvermögens
Unter dieser Position werden alle Abschreibungen auf die Finanz-
anlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens erfasst. Außer-
planmäßige Abschreibungen sind gesondert auszuweisen oder im
Anhang anzugeben.
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene
Unternehmen
Alle Zinsaufwendungen und ähnliche Aufwendungen für kurz- und
langfristige Verbindlichkeiten werden in dieser Position erfasst. Eine
Saldierung mit den Zinserträgen ist nicht erlaubt. Zu den Zinsen
und ähnlichen Aufwendungen gehören die Zinsen für Kredite aller
Art, Diskontbeträge für Wechsel, Bereitstellungsgebühren, Überzie-
hungsprovisionen und Umsatzprovisionen.
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
Diese Position ist die Zwischensumme aus allen vorhergehenden
Erträgen und Aufwendungen. Dieses Ergebnis wird insbesondere
durch die periodenfremden und betriebsfremden Posten verfälscht.
15. Außerordentliche Erträge
Die außerordentlichen Erträge umfassen nur noch die Erträge, die
außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfallen (§ 277
Abs. 4 Satz 2 HGB). Dies sind Erträge, die ungewöhnlich in der Art
sind, selten vorkommen oder eine größere materielle Bedeutung
haben. Zu diesen Erträgen gehören Gewinne aus der Veräußerung
eines Betriebes, Erträge aus dem Forderungsverzicht bei Sanierun-
gen und einmalige Zuschüsse des Staates.

162
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
16. Außerordentliche Aufwendungen
Auch die außerordentlichen Aufwendungen fallen nur außerhalb
der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit an. Dazu zählen beispielsweise
Verluste aus dem Verkauf eines Betriebes und außerordentliche
Abschreibungen wegen der Stillegung von Betriebsteilen oder wegen
eines Feuerschadens.
17. Außerordentliches Ergebnis
Das außerordentliche Ergebnis stellt den Saldo aus den außeror-
dentlichen Erträgen und den außerordentlichen Aufwendungen dar.
Diese Positionen 15 und 16 beschränken sich nur noch auf Aus-
nahmefälle. Deshalb ist das außerordentliche Ergebnis aus betriebs-
wirtschaftlicher Sicht wenig aussagefähig und in vielen Unterneh-
men nicht mehr vorhanden.
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
Die Körperschaftsteuer, die Gewerbeertragsteuer und die Kapitaler-
tragsteuer gehören zu dieser Position. Steuererstattungen und Steu-
ernachzahlungen auf diese Steuern fallen ebenfalls unter diese Posi-
tion. Die Bildung und die Auflösung von Rückstellungen zu Steuern
vom Einkommen und vom Ertrag werden hier ebenfalls erfasst.
19. Sonstige Steuern
Alle übrigen erfolgswirksamen Steuern werden unter dieser Position
ausgewiesen. Dazu zählen die Gewerbekapitalsteuern, die Vermö-
gensteuer, die Grundsteuer, die Kfz-Steuer, die Gesellschaftssteuer
und die Versicherungssteuer.

20. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Der Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag ist die Schlussposition der GuV,
wenn die Ergebnisverwendung nicht in der GuV ausgewiesen wird.
Unter Berücksichtigung der Ergebnisverwendung kommen noch
folgende Positionen hinzu:

163
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

1. Gewinnvortrag/Verlustvortrag aus dem Vorjahr


2. Entnahmen aus der Kapitalrücklage
3. Entnahmen aus den Gewinnrücklagen
4. Einstellungen in die Gewinnrücklagen
5. Bilanzgewinn/Bilanzverlust
14.2.2 Umsatzkostenverfahren
Das Gliederungsschema nach dem Umsatzkostenverfahren sieht wie
folgt aus (§ 275 Abs. 3 HGB):
1. Umsatzkostenverfahren
1. Umsatzerlöse
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
3. Bruttoergebnis vom Umsatz
4. Vertriebskosten
5. Allgemeine Verwaltungskosten
6. Sonstige betriebliche Erträge
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Erträge aus Beteiligungen,
davon aus verbundenen Unternehmen
9. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen
11. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen
13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
14. Außerordentliche Erträge
15. Außerordentliche Aufwendungen
16. Außerordentliches Ergebnis
17. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
18. Sonstige Steuern
19. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Abb. 72: Umsatzkostenverfahren
Die Gliederung des Umsatzkostenverfahrens (§ 275 Abs. 3 HGB)
enthält nicht folgende Posten des Gesamtkostenverfahrens (§ 275
Abs. 2 HGB):

164
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Er
zeugnissen
3. Andere aktivierte Eigenleistungen
5. Materialaufwand
6. Personalaufwand
7. Abschreibungen

Beim Umsatzkostenverfahren sind als Ersatz folgende Posten ausge-


wiesen:
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
3. Bruttoergebnis vom Umsatz
4. Vertriebskosten
5. Allgemeine Verwaltungskosten

Die identischen Posten der beiden Verfahren der GuV haben den
gleichen Inhalt.
Der Inhalt der abweichenden Begriffe des Umsatzkostenverfahrens
sieht wie folgt aus:
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse er-
brachten Leistungen
Diese Position enthält die Herstellungskosten aller Produkte, die in
einem Geschäftsjahr produziert und verkauft werden.
Wenn Produkte abgesetzt werden, die bei Beginn des Geschäftsjahres
bereits auf Lager waren, dann sind sie mit den aktivierten Werten
zusätzlich der bis zum Verkauf noch angefallenen Kosten auszuwei-
sen. Die Kosten der Produkte, die zwar im Geschäftsjahr hergestellt,
aber noch nicht verkauft wurden, zählen nicht zu dieser Position 2.
Diese noch nicht verkauften Produkte werden in der Bilanz aktiviert.
Die Gliederung der GuV richtet sich nach den produzierenden Un-
ternehmen. Bei Handelsunternehmen werden die Anschaffungsko-
sten der Waren angesetzt, die für die Erzielung der Umsatzerlöse
verwendet werden. Für Dienstleistungsunternehmen gelten die für
Produktionsunternehmen maßgebenden Grundsätze zur Ermittlung
der Herstellungskosten.

165
A Untersuchung der Positionen des Jahresabschlusses

3. Bruttoergebnis vom Umsatz


Das Bruttoergebnis vom Umsatz ist die Differenz von den Umsat-
zerlösen minus den Herstellungskosten der zur Erzielung der Um-
satzerlöse erbrachten Leistungen.
Für die Bilanzanalyse ist das Bruttoergebnis eine wichtige Kennzahl.
Im Zeitvergleich kann die Entwicklung der Produktivität der Unter-
nehmen beobachtet werden.

4. Vertriebskosten
Diese Position enthält alle Vertriebskosten, die während des abge-
laufenen Geschäftsjahres angefallen sind. Die Vertriebskosten wer-
den an der Kostenstelle Vertrieb erfasst.
Die Vertriebskosten können wir in Vertriebseinzelkosten und Ver-
triebsgemeinkosten aufteilen. Zu den Vertriebseinzelkosten gehören
beispielsweise die Transportkosten, die Verpackungskosten und die
Provisionen für freie Handelsvertreter. Die Vertriebsgemeinkosten
umfassen die Personalkosten der Abteilungen Vertrieb und Marke-
ting, die Reisekosten, die Werbung, die Kosten der Auslieferungsla-
ger und die anteiligen Abschreibungen.

5. Allgemeine Verwaltungskosten
Zu den allgemeinen Verwaltungskosten gehören alle im Geschäfts-
jahr angefallenen Verwaltungskosten, die nicht zu den Herstellungs-
kosten und Vertriebskosten zählen.
Die allgemeinen Verwaltungskosten umfassen alle Kosten der Un-
ternehmensleitung, des Finanz- und Rechnungswesens, des Perso-
nalwesens und des Controlling.

166
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A

15 Aufstellung der Strukturbilanz


sowie der StrukturGuV
15.1 Strukturbilanz
Die Strukturbilanz wird unter Berücksichtigung der Aufbereitungs-
arbeiten erstellt. Die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik erfolgen
dann auf der Grundlage der Strukturbilanz.
Das Schema der Strukturbilanz hat bestimmte Anforderungen zu
erfüllen. Die Übersichtlichkeit und die Vergleichbarkeit sollten sich
über längere Zeiträume erstrecken. Die wesentlichen Grundzusam-
menhänge sind besonders herauszustellen, um die Beziehungen von
Ursachen und Wirkungen in vertikaler und horizontaler Weise
deutlich zu machen. Dadurch wird die Überprüfung der Finanzie-
rungsregeln vereinfacht. Die Strukturbilanz ist die Grundlage für die
Kennzahlenbildung.
In der Strukturbilanz sollten die Abschlusswerte und die Prozentsät-
ze aufgeführt werden. Die Basis für die Prozentsätze stellt die Bi-
lanzsumme (100 %) dar. Dadurch kann der Informationsgehalt der
Strukturbilanz wesentlich verbessert werden. Auch die Daten des
Vorjahres sollten in der Strukturbilanz enthalten sein.
Die Informationsmöglichkeiten können noch verfeinert werden,
wenn Zeitvergleiche und Branchenvergleiche hergestellt werden.
Sobald die Kennzahlen der einzelnen Jahre miteinander verglichen
werden, können Aussagen darüber gemacht werden, ob sich die
Verhältnisse der aufeinanderfolgenden Jahre insgesamt oder in ein-
zelnen Bereichen verbessert oder verschlechtert haben. Die Bran-
chenvergleiche erlauben Aussagen darüber, ob das analysierte Un-
ternehmen besser geführt wird und erfolgreicher tätig ist als der
Durchschnitt der Branchen.
Die Strukturbilanz sollte in komprimierter Form wie folgt aussehen:

167
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

Strukturbilanz
Aktiva Passiva

A. Anlagevermögen A. Eigenkapital
1. Immaterielle Vermögens 1. Gezeichnetes Kapital
gegenstände 2. Kapitalrücklage
2. Sachanlagen 3. Gewinnrücklagen
3. Finanzanlagen 4. Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Summe Anlagevermögen Summe Eigenkapital


B. Rückstellungen
B. Umlaufvermögen
1. Pensionsrückstellungen
1. Vorräte
2. Steuerrückstellungen
1.1 Roh, Hilfs 3. Sonstige Rückstellungen
und Betriebsstoffe
1.2 Fertige und unfertige C. Verbindlichkeiten
Erzeugnisse und Waren 1. Langfristige Verbindlichkeiten
2. Forderungen und sonstige 2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen
Vermögensgegenstände und Leistungen
2.1 Forderungen aus Lieferungen 3. Sonstige Verbindlichkeiten
und Leistungen
3. Flüssige Mittel D. Rechungsabgrenzungsposten

C. Rechnungsabgrenzungsposten

Summe Umlaufvermögen Summe Fremdkapital


Bilanzsumme Bilanzsumme
Abb. 73: Strukturbilanz
Für die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik sollte in den Unterneh-
men möglichst ein standardisiertes Formular der Strukturbilanz
eingesetzt werden. Die Spalte für das Geschäftsjahr ist in eine Spalte
für die Daten der eigenen Firma und in eine Spalte für die Bran-
chendaten zu unterteilen. Neben den Bilanzzahlen der eigenen Fir-
ma sind also auch möglichst die Branchendaten in TDM und in
Prozent in das standardisierte Formular einzutragen. Die einzelnen
Positionen werden mit der Bilanzsumme in Beziehung gesetzt, die
gleich 100 % ausmacht.

168
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Aktivseite
Die Aktivseite sollte in das Anlage- und Umlaufvermögen sowie in
die Rechnungsabgrenzungsposten aufgeteilt werden.

Anlagevermögen
Das gesamte Anlagevermögen kann in immaterielle Vermögensge-
genstände, in Sachanlagen und in Finanzanlagen unterteilt werden.
Eine weitere Aufgliederung sollte nur vorgenommen werden, wenn
sich besondere Probleme in den einzelnen Bereichen ergeben.

Umlaufvermögen
Das Umlaufvermögen ist in Vorräte, Forderungen und sonstige
Vermögensgegenstände sowie in flüssige Mittel aufzuteilen, um
einen besseren Einblick in die Struktur des Umlaufvermögens zu
erhalten.
Die Vorräte sollten in zwei Gruppen untergliedert werden, da sich
im Vorratsbereich in vielen Unternehmen Probleme ergeben. Des-
halb sind die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe separat zu analysieren.
Spezielle Schwachstellen können aber auch bei den fertigen und
unfertigen Erzeugnissen sowie Waren auftreten. Die Umschlagshäu-
figkeit und die Lagerdauer der Vorräte geben oft Aufschluss über
spezielle Probleme, die in den einzelnen Unternehmen vorhanden
sein können.
Bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen sind
die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von besonderer
Bedeutung. Deshalb muss diese Position separat aufgeführt werden.
Die Umschlagshäufigkeit der Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen sowie das Kundenziel geben Aufschluss darüber, ob ein
Unternehmen das wichtige Aufgabengebiet Marketing und Vertrieb
gut im Griff hat oder ob Maßnahmen zur Verbesserung in diesem
Bereich eingeleitet werden sollten.
Die anderen Forderungen können in der Position sonstige Forde-
rungen zusammengefasst werden. Wenn sich allerdings ergeben
sollte, dass bestimmte Forderungen oder sonstige Vermögensgegen-
stände im Vergleich zur Branche ungewöhnlich hoch sind, dann ist
eine extra Analyse dieser Problemkreise vorzunehmen.

169
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

Die flüssigen Mittel sind ebenfalls separat zu erfassen. Diese Position


umfasst die Kasse, die Guthaben bei den Banken und bei dem Post-
giroamt sowie die Schecks und die diskontfähigen Wechsel.

Rechnungsabgrenzungsposten
Die Rechnungsabgrenzungsposten sind meist von geringerer Be-
deutung. Sollte sich herausstellen, dass die Rechnungsabgrenzungs-
posten im Vergleich zur Branche zu hoch sind, dann ist zu prüfen,
ob in Zukunft beispielsweise die Zahlungstermine für die Versiche-
rungsbeiträge jeweils auf den Januar gelegt werden sollten.

Passivseite
Auf der Passivseite sind vier größere Bereiche zu unterscheiden.
Neben dem Eigenkapital sollten die Rückstellungen, die Verbind-
lichkeiten und die Rechnungsabgrenzungsposten separat aufgeführt
werden.

Eigenkapital
Im Bereich des Eigenkapitals sind Korrekturen vorzunehmen, wenn
noch ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital auf der Ak-
tivseite der Bilanz stehen. Die noch nicht eingezahlten Einlagen, die
noch nicht fällig sind, sollten vom gezeichneten Kapital abgezogen
werden.
Die Sonderposten mit Rücklageanteil werden nur aus steuerlichen
Gründen gebildet. Da diese Posten zum Teil Eigenkapital und zum
Teil Fremdkapital darstellen, sind 50 % der Sonderposten mit
Rücklageanteil zum Eigenkapital und 50 % der Sonderposten mit
Rücklageanteil zum Fremdkapital zu zählen.

Rückstellungen
Die Rückstellungen werden nur bei den großen Kapitalgesellschaf-
ten in Pensions- und Steuerrückstellungen sowie in sonstige Rück-
stellungen aufgeteilt. Die anderen Kapitalgesellschaften weisen die
Rückstellungen nur als eine Position aus.
Wenn eine Aufteilung in der Bilanz vorgenommen wird, dann zäh-
len die Pensionsrückstellungen zum langfristigen Fremdkapital. Die

170
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Steuerrückstellungen und die sonstigen Rückstellungen gehören
zum kurzfristigen Fremdkapital, da diese Rückstellungen im kom-
menden Geschäftsjahr meist wieder aufgelöst werden.
Sollten die Rückstellungen nur in einer Position ausgewiesen wer-
den, dann nehmen wir jeweils 50 % der Rückstellungen zum lang-
fristigen Fremdkapital und erfassen 50% der Rückstellungen als
kurzfristiges Fremdkapital. Der externe Analytiker hat meist keinen
Einblick in die Zusammensetzung der Rückstellungen. Deshalb
sollte er auf diese Weise vorgehen.
Die Rückstellungen bereiten auch in der GuV Probleme, da die
Rückstellungen meist nicht separat ausgewiesen werden. Die Erhö-
hung der Pensionsrückstellungen sind im Personalaufwand enthal-
ten. Die Anhebung der Steuerrückstellungen gehören in die Position
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag. Die sonstigen Rückstel-
lungen sind in der Position sonstige betriebliche Aufwendungen
enthalten. Die einzelnen Positionen müssen dann entsprechend
korrigiert werden.
Wenn nur eine Position der Rückstellungen in der Bilanz vor-
kommt, bilden wir die Differenz der Rückstellungen in diesem Jahr
im Vergleich zum Vorjahr. Die Erhöhung der Rückstellungen ziehen
wir dann von den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ab. Sollten
die Rückstellungen niedriger als im Vorjahr sein, muss die Position
sonstige betriebliche Erträge korrigiert werden. Die Rückstellungen
in der GuV benötigen wir insbesondere für die Cashflowanalyse.

Verbindlichkeiten
Bei den Verbindlichkeiten müssen wir eine Einteilung in langfristige
und in kurzfristige Verbindlichkeiten vornehmen. Alle Verbindlich-
keiten mit einer Laufzeit von über einem Jahr zählen wir zu den
langfristigen Verbindlichkeiten. Dazu gehören insbesondere die
Hypotheken- und die Grundschulddarlehen. Die kurzfristigen Ver-
bindlichkeiten umfassen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen und die sonstigen Verbindlichkeiten.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sollten sepa-
rat ausgewiesen werden, weil sie eine besondere Bedeutung haben.
Die Umschlagshäufigkeit der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und

171
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

Leistungen ist wichtig, da diese Kennzahl einen guten Einblick in die


Zahlungsweise eines Unternehmens gewährt. Auch über das Liefe-
rantenziel sollte die Unternehmensleitung Bescheid wissen.
In vielen GmbHs kommen auch Gesellschafterdarlehen vor, da we-
gen der Steuereinsparung der ganze Bilanzgewinn ausgeschüttet
wird und anschließend ganz oder zum Teil wieder als Gesellschaf-
terdarlehen in die GmbHs eingebracht wird. Diesen Vorgang nen-
nen wir das Schütt-Aus-Hol-Zurück-Prinzip. Diese Gesellschafter-
darlehen sind zwar langfristige Darlehen, werden aber im Konkurs-
fall wie Eigenkapital behandelt. Deshalb sind die Gesellschafterdar-
lehen dem Eigenkapital hinzuzufügen. Falls die Banken dies bisher
noch nicht gemacht haben, sollten die Unternehmer beim nächsten
Gespräch mit den Banken darauf hinweisen. Dadurch wird die Bo-
nität verbessert, weil dann ein höheres Eigenkapital in der Struktur-
bilanz ausgewiesen wird.

Rechnungsabgrenzungsposten
Die Rechnungsabgrenzungsposten spielen in vielen Unternehmen
keine große Rolle. Eine genauere Analyse dieser Position sollte nur
dann durchgeführt werden, wenn die Rechnungsabgrenzungsposten
im Vergleich zu den Branchenkennzahlen sehr hoch sind.
Das standardisierte Formular der Strukturbilanz sieht wie folgt aus:

172
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Standardisiertes Formular – Strukturbilanz
Geschäftsjahr:
Firma Branche
Aktiva T€ % T€ %

A. Anlagevermögen
1. Immaterielle Vermögens
gegenstände
2. Sachanlagen
3. Finanzanlagen
Summe Anlagevermögen

B. Umlaufvermögen
1. Vorräte
1.1 Roh, Hilfs
und Betriebsstoffe
1.2 Fertige und unfertige
Erzeugnisse und Waren
2. Forderungen und sonstige
Vermögensgegenstände
2.1 Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
3. Flüssige Mittel

C. Rechnungsabgrenzungsposten

Summe Umlaufvermögen
Bilanzsumme 100 100
Abb. 74: Standardisiertes Formular – Strukturbilanz  Aktiva

173
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

Standardisiertes Formular – Strukturbilanz


Geschäftsjahr:
Firma Branche
Passiva T€ % T€ %

A. Eigenkapital
1. Gezeichnetes Kapital
2. Kapitalrücklage
3. Gewinnrücklagen
4. Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Summe Eigenkapital
B. Rückstellungen
1. Pensionsrückstellungen
2. Steuerrückstellungen
3. Sonstige Rückstellungen

C. Verbindlichkeiten
1. Langfristige Verbindlichkeiten
2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen
und Leistungen
3. Sonstige Verbindlichkeiten

D. Rechungsabgrenzungsposten
Summe Fremdkapital
Bilanzsumme 100 100
Abb. 75: Standardisiertes Formular – Strukturbilanz  Passiva

174
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
15.2 StrukturGuV
Die Struktur-GuV muss ebenfalls klar gegliedert werden, um sofort
einen guten Überblick über die Erträge und Aufwendungen zu er-
halten. Die Ergebnisse der Aufbereitungsarbeiten sind dabei zu be-
rücksichtigen.
Die Bilanzanalyse kann einmal für das gesamte Unternehmen
durchgeführt werden, ohne dass darauf geachtet wird, ob die Erträge
und Aufwendungen durch den Produktions- und Umsatzprozess
verursacht wurden oder nicht. Dann besteht aber die Gefahr, dass
die Unternehmensleitung und die Führungskräfte nicht bemerken,
ob der ausgewiesene Bilanzgewinn/Bilanzverlust aus der betriebli-
chen Tätigkeit stammt oder aus dem neutralen Bereich.
Manche Unternehmer haben lange Zeit nicht festgestellt, dass sie
bereits über Jahre hin einen Betriebsverlust erwirtschaftet haben,
weil die Kompensation aus dem neutralen Bereich stammte. Durch
die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 150.000,00 € kann
beispielsweise aus einem ordentlichen Betriebsverlust von
50.000,00 € ein Bilanzgewinn von 100.000,00 € gemacht werden.
Um einen klaren Überblick über die realistische Situation eines
Unternehmens zu erhalten, sollten alle neutralen Erträge und Auf-
wendungen separat erfasst und analysiert werden. Erst dann wird
deutlich, ob ein Unternehmen durch den Produktions- und Um-
satzprozess ein ordentliches Betriebsergebnis (Bilanzgewinn) erzielt
hat oder nicht.
Die Erträge aus Beteiligungen oder Wertpapieren, die Abschreibun-
gen auf Finanzanlagen und Wertpapiere sowie die Zinserträge aus
Anleihen sollten im neutralen Bereich erfasst werden. Auch die
Auflösung von Rückstellungen gehört in diesen Bereich. Alle be-
triebsfremden, periodenfremden und außerordentlichen Erträge
und Aufwendungen sollten also extra ermittelt und im neutralen
Ergebnis berücksichtigt werden. Dann können wir deutlich machen,
welches Betriebsergebnis mit dem Produktions- und Umsatzprozess
erzielt wurde.
Das standardisierte Formular der Struktur-GuV hat folgendes Aus-
sehen:

175
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

Standardisiertes Formular – StrukturGuV


Geschäftsjahr:
Firma Branche
Bezeichnung T€ % T€ %
1. Umsatzerlöse
2. Bestandserhöhung oder
Bestandsverminderung an
fertigen und unfertigen
Erzeugnissen und Waren
3. Aktivierte Eigenleistungen
4. Sonstige betriebliche Erträge
(Ordentliche betriebliche Erträge)

5. Gesamtleistung
6. Materialaufwand
a) Aufwendungen für Roh, Hilfs
und Betriebsstoffe
b) Aufwendungen für bezogene
Leistungen
7. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter
b) Soziale Abgaben und
Aufwendungen
8. Abschreibungen
a) Auf immaterielle
Vermögensgegenstände des
Anlegervermögens und
Sachanlagen
b) Auf Vermögensgegenstände
des Umlaufvermögens
9. Rückstellungen
10. Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Ordentliche betriebliche
Aufwendungen)
11. Betriebsergebnis
[5–(6+7+8+9+10)]

176
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
12. Erträge aus Beteiligungen und
aus anderen Wertpapieren und
Ausleihungen des Finanzanlage
vermögens
13. Abschreibungen auf
Finanzanlagen und auf Wertpapiere
des Umlaufvermögens
14. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
15. Finanzergebnis
[12–(13+14)]
16. Ergebnis der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit (11+15)
17. Steuern vom Einkommen und
vom Ertrag
18. Sonstige Steuern
19. Gewinn/Verlust
(Ordentliches Betriebsergebnis)
[12–(13+14)]
20. Neutrale Erträge
(Betriebsfremde, periodenfremde,
außerordentliche Erträge)
21. Neutrale Aufwendungen
(Betriebsfremde, periodenfremde,
außerordentliche Aufwendungen)
22. Neutrales Ergebnis (20–21)
23. Unternehmensergebnis (19+22)
Abb. 76: Standardisiertes Formular – StrukturGuV

177
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

15.3 Formblätter
Zu der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik können Aufbereitungsbö-
gen, Rechenschemata und Formblätter verwendet werden. Die auf-
bereiteten Zahlen sollten möglichst in Formblätter eingetragen wer-
den, um die Struktur der Bilanz sowie der GuV zu erkennen und
vergleichbar zu machen.
Die standardisierten Formulare erleichtern die Bilanzanalyse und die
Bilanzkritik. Bei der Verwendung der gleichen Formulare können
die Analysen systematisch durchgeführt werden. Die einzelnen Bi-
lanzpositionen werden dann stets in die gleichen Felder eingetragen.
Die Strukturbilanzen und die Struktur-GuVs stellen die Basis für die
Bilanzanalyse und die Bilanzkritik dar. Die Kennzahlen können
dann einfach errechnet werden.
Die Banken verwenden auch standardisierte Formulare für die Bi-
lanzanalyse und die Bilanzkritik, um den Mitarbeitern in den Kre-
ditabteilungen die Bilanzanalyse und die Bilanzkritik zu erleichtern.
Der Einsatz von Softwareprogrammen kann die Bilanzanalyse und
die Bilanzkritik sowie die Kennzahlenbildung weiter vereinfachen
und beschleunigen. Die Unternehmensleitung und die Führungs-
kräfte sollten möglichst die einfacheren Formulare unter 15.1 und
15.2 verwenden.

15.3.1 Bilanz
Die folgende Abbildung zeigt ein Formblatt einer Bank für die Bi-
lanz. Die Aufteilung der einzelnen Positionen auf der Aktiv- und
Passivseite ist sehr detailliert. In diesem Formular sind auch Spalten
für Branchenkennzahlen vorhanden.
Im unteren Teil des Formblattes werden die Liquidität, die Netto-
verschuldung und die Bruttoinvestition angegeben. Weiterhin ent-
hält der untere Teil einige Eventualverbindlichkeiten, die in der
Bilanz nicht ausgewiesen werden. Außerdem wird vermerkt, welche
Verbindlichkeiten durch Pfandrechte und ähnliche Sicherheiten
abgedeckt sind.

178
Firma: StammNr.: DLZ:
Rechtsform: Währung/Kurs:
Kons. Umfang Faktor:
Erstellt/Testat: BuBPrüfung bis:
Organschaft:
Branche: Konzern:

Stichtag In % In %
Fa: Branche Fa: Branche
1 Bilanz: Bilanzart M O U M O U
1 Immat. Vermögen (ohne Firmenwert)
2 Grundstücke/Gebäude
3 Machinen/Inventar
4 Anlagen im Bau/Anzahlungen
5 Sachanlagen
6 Anteile verb. Untern./Beteilig.
7 Ausleihungen verb. Untern./Beteilig.
8 sonst. Finanzanlagen (Ausleihungen)
9 Finanzanlagen
10 Summe Anlagevermögen
11 m./lfr. Ford. gg. ver./bet. Untern.
12 sonst. m./lfr. Ford./Vermögen
13 Sonst. mittel./langfr. Aktiva
14 Roh, Hilfs, Betriebsstoffe
15 unfertige Erzeugnisse
16 fertige Erzeugnisse/Waren
17 Anzahlungen auf Lieferg. + Leistungen
18 Vorräte und Anzahlungen
19 kfr. Forderungen aus Lieferg. + Leistg.
20 kfr. Forderungen gg. verb./bet. Untern.
21 liquide Mittel
22 sonst. kfr. Forderungen/Vermögen
23 Sonst. kurzfristige Aktiva
24 Bilanzsumme bereinigt 100 100
25
Bilanzanalyse und Bilanzkritik

Bilanzsumme original
A

179
A

180
Stichtag In % In %
Fa: Branche Fa: Branche
1 Bilanz: Bilanzart M O U M O U
26 Kapital
27 Rücklagen
28 Bilanzgewinn/verlust incl. Vorträge
29 haftende Ges.Darlehen/Guthaben
30  Geschäfts/Firmenwert
31  Ausst. Einl./sonst. Kapitalberein.
32 Haftende Mittel
33 Ausgleichsp. f. Ant. i. Fremdbesitz
34 Eigenmittelanteil SOPOS
35 nicht haftende Ges.Darl./Guthaben
36 Eigene Mittel insgesamt
37 Pensionsrückstellungen
38 sonstige m./lfr. Rückstellungen
39 m./lfr. Bankverbindlichkeiten/Darl.
40 m./lfr. Verb. ggü. verb./bet. Untern.
41 sonst. m./lfr. Verbindlichkeiten
Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

42 Mittel./langfr. Fremdkapital
43 davon Fremdkapital über 5 Jahre
44 kurzfr. Verbindl. aus Lieferg. + Leist.
45 Akzepte
46 kurzfr. Bankverbindlichkeiten
47 erhalt. Anzahlungen (brutto)
48 kfr. Verbindl. ggü. verb./bet. Untern.
49 sonst. kurzfr. Verbindlichkeiten
50 kurzfristige Rückstellungen
Stichtag In % In %
Fa: Branche Fa: Branche
1 Bilanz: Bilanzart M O U M O U
51 Kurzfristiges Fremdkapital
52 Liquidität II
53 Nettoverschuldung
54 Bruttoinvestitionen
55 Unterdot. Altersversorgung
56 Avale
57 Giroverbindlichkeiten
58 Miet/Leasingverpflichtungen
59 nicht passivierte Steuerschulden
60 d. Pfandr. u. ä. gesicherte Verbindl.
Abb. 77: Formblatt Bilanz
Bilanzanalyse und Bilanzkritik
A

181
A Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

15.3.2 GuV
Auf dem Formular über die GuV-Rechnung werden neben den
wichtigen Positionen auch ausgewählte Kennzahlen aufgeführt.
Außerdem ist Raum für Informationen über den Auftragseingang,
den Auftragsbestand und die Mitarbeiterzahl vorhanden.

182
Zeitraum In % *) In % *)
GuVRechnung: Bilanzart Fa: Branche Fa: Branche
2 M O U M O U
61 Umsatzerlöse – netto –
62 (Rohergebnis)
63 +/– Bestandsveränderung
64 + aktivierte Eigenleistungen
65 Gesamtleistung 100 100
66 – Materialaufw./Fremdleistungen
67 Rohertrag
68 – Personalaufwand ink. Pens.Rückst.
69 – Normalabschreibungen SachAV
70 – Herstellungskosten UKV
71 – Vertriebskosten UKV
72 – Verwaltungskosten UKV
73 – andere sep. ausgew. Kosten UKV
74 + u. a. verr. ao. Abschr./Zinsen UKV
75 – sonst. ordentl. Aufwand/Steuern
76 + sonst. ordentl. Erträge
77 Bereinigtes Betriebsergebnis
78 + Erträge aus Beteiligungen
79 – Verluste aus Beteiligungen
80 + Erträge aus Zinsen u. ä.
81 – Zinsaufwendungen
82 Finanzergebnis
83 Ber. Geschäftsergebnis (77 + 82)
84 – Abschr. Finanzan./WP im UV
85 – steuerl./ao. Abschreibungen
Bilanzanalyse und Bilanzkritik
A

183
A

184
Zeitraum In % *) In % *)
GuVRechnung: Bilanzart Fa: Branche Fa: Branche
2 M O U M O U
86 – Einstellungen in SOPO
87 + Auflösung SOPO
88 – sonstige ao. Aufwendungen
89 + sonstige ao. Erträge
90 Außerordentliches Ergebnis
91 – Steuern vom Einkommen, Ertrag
92 +/– Verlustübernahme/Gewinnabf.
93 Jahresüberschuss/fehlbetrag

94 Rücklagenveränderung
95 Ausschüttung (aus Vj.)/Entnahmen

96 BruttoCashflow

97 Auftragseingang im Geschäftsjahr
98 Auftragsbestand (Bilanzstichtag)
Aufstellung der Strukturbilanz sowie der StrukturGuV

99 Mitarbeiterzahl (Durchschnitt)
*) bei GKV in % der Gesamtleistung / bei UKV in
Firma Branche Firma Branche
Kennzahlen:
M O U M O U
100 Umsatzveränderung
101 Anteil Auslandsum
102 Umsatzerlöse je Mit
103 Kapitalumschlag
104 Gesamtkapitalrendite
105 Eigenkapitalrendite
106 Verschuldungsgrad
107 (erh. Anz. i. v. H. ( ) ( ) ( ) ( ) ( ) ( ) ( ) ( )
108 Zinsdeckung
109 Liquidität II
110 Abschreibungsgrad
111 Anlagenfinanzierung
112 Umschlag Vorräte
113 Kundenziel
114 Lieferantenziel
115
Abb. 78: Formblatt
Bilanzanalyse und Bilanzkritik
A

185
A

16 Teilanalysen
Bei den Teilanalysen (Partialanalysen) wird der Jahresabschluss nach
verschiedenen Fragestellungen untersucht. So können beispielsweise
die Erfolgsanalyse und anschließend die Finanzanalyse durchgeführt
werden.
Diese Vorgehensweise erlaubt eine intensive Bearbeitung einzelner
Problemkreisfelder, ohne dass die Vielfalt der Zusammenhänge die
Analyse stört. Dadurch kann jedes Analyseziel separat verfolgt werden.
Die einzelnen Zahlen werden speziell zusammengestellt und aufbe-
reitet. Dann sind die wichtigen und sinnvollen Kennzahlen zu bil-
den. Dadurch ist es möglich, zu Teilurteilen über die Situation eines
Unternehmens zu gelangen.
Die Ergebnisse der Teilanalysen müssen anschließend zusammenge-
fasst werden, um das Gesamtbild eines Unternehmens zu beurteilen.
Die einzelnen Teilanalysen umfassen die Struktur-, die Erfolgs-, die
Finanz-, die Cashflow-, die Wertschöpfungs-Analyse, die Kapital-
flussrechnung und die Aktien-Analyse.

Strukturanalyse

Erfolgsanalyse

Finanzanalyse

Teilanalysen CashFlowAnalyse

WertschöpfungsAnalyse

Kapitalflussrechnung

AktienAnalyse

Abb. 79: Einzelne Teilanalysen

186
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
16.1 Strukturanalyse
Bei der Strukturanalyse wird untersucht, wie ein Unternehmen mit
Vermögen und Kapital ausgestattet ist, um seine Aufgaben zu erfül-
len. Die Strukturanalyse befasst sich mit der Teilaufgabe des Jahres-
abschlusses, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild
der Vermögenslage zu ermitteln (§ 264 Abs. 2 HGB).
Die Bilanz besteht aus der Aktiv- und Passivseite. Zwischen den
Bilanzpositionen gibt es funktionale Beziehungen. Dies gilt für be-
stimmte Positionen auf einer Bilanzseite und für Positionen auf
beiden Bilanzseiten.
Die Aufgabe der Strukturanalyse besteht darin, diese Beziehungen
größenmäßig zu bestimmen und zu bewerten. Wir unterscheiden
eine vertikale und eine horizontale Analyse, um die Finanzierungs-
regeln zu überprüfen.

Finanzierungsregeln
1. Vertikale Analyse
a) Vertikale Vermögensstruktur
b) Vertikale Kapitalstruktur
2. Horizontale Vermögens und Kapitalstruktur
a) Goldene Bankregel
b) Goldene Bilanzregel

Abb. 80: Überblick über die Finanzierungsregeln

Die vertikale Analyse befasst sich separat mit beiden Seiten der Bi-
lanz. Wir unterscheiden die vertikale Vermögens- und Kapital-
struktur. Die horizontale Analyse erstreckt sich auf die beiden Seiten
der Bilanz. Bei der Analyse der Finanzstruktur geht es um die Grö-
ßen Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital sowie um die Grö-
ßen Anlagevermögen und Vorräte.

187
A Teilanalysen

Aktiva Bilanz Passiva

Vertikale Vermögensstruktur Vertikale Kapitalstruktur

Horizontale Strukturanalyse

Bilanzsumme Bilanzsumme
Abb. 81: Vertikale und horizontale Strukturanalyse

16.1.1 Vermögensstruktur
Bei der vertikalen Vermögensanalyse wird die Aktivseite der Bilanz
untersucht, um genauere Aussagen über die Struktur machen zu
können. Die Aktivseite umfasst im Wesentlichen das Anlagevermö-
gen, die Vorräte, die Forderungen und die flüssigen Mittel.
Die Vermögensseite können wir in Positionen aufteilen, die vor dem
Produktions- und Umsatzprozess vorhanden sein müssen. Dazu
gehören das Anlagevermögen und die Vorräte. Nach dem Produkti-
ons- und Umsatzprozess ergeben sich die Positionen Forderungen
und die flüssigen Mittel.
Hinsichtlich der Bindungsdauer der einzelnen Bilanzpositionen
können wir feststellen, dass das Anlagevermögen langfristig gebun-
den ist. Die Vorräte und die Forderungen können kurzfristiger in
flüssige Mittel umgewandelt werden. Die flüssigen Mittel sind frei
verfügbar.

188
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bindungs Vor dem Nach dem Risiko
dauer Produktions und Umsatzprozess
Anlage Vorrats Finanzbereich
bereich bereich
Langfristig Anlage Hoch
vermögen
Vorräte
Kurzfristig Gering

Forderungen
Frei Flüssige Nicht
verfügbar Mittel vorhanden
Abb. 82: Struktur der Vermögensseite
Die Vermögensseite muss auch nach dem Risiko untersucht werden.
Das Risiko ist beim Anlagevermögen hoch. Bei den Vorräten und
Forderungen wird das Risiko immer geringer. Sobald die Forderun-
gen in flüssige Mittel umgewandelt sind, ist kein Risiko mehr vor-
handen.
Bei der Vermögensstruktur kommt es auf die Art der Vermögensge-
genstände an und auf deren Anteil am Gesamtvermögen. Die An-
passungsfähigkeit (Elastizität) des Unternehmens wird stark von der
Zusammensetzung des Vermögens beeinflusst. Daraus können sich
besondere Risiken für das Unternehmen ergeben.

Anlagevermögen
Das Anlagevermögen kann nicht einfach an die Beschäftigungs-
schwankungen angepasst werden. Es ist mit Risiken behaftet, da die
getätigten Investitionen in die Zukunft hinein reichen. Zum Investi-
tionszeitpunkt ist meist nicht zu erkennen, ob sich die im Anlage-
vermögen gebundenen flüssigen Mittel ohne Probleme wieder ver-
flüssigen lassen (Desinvestitionen).
Die wertmäßigen Änderungen des Anlagevermögens erfolgen durch
Abschreibungen. Dagegen werden die körperlichen Änderungen
durch Zugänge oder Abgänge bewirkt.
Das Anlagevermögen wird beispielsweise in Produktionsbetrieben
eingesetzt, um Produkte herzustellen. Deshalb kommt es auf die
Auslastung der bestehenden Kapazität oder auf den Beschäftigungs-
grad des Unternehmens an.

189
A Teilanalysen

Für die Beurteilung des Anlagevermögens liegen dem externen


Analytiker die Informationen über die Kapazitätsauslastungen meist
nicht vor. Daher müssen die Intensitäts- und Umschlagskennzahlen
errechnet werden. Die Umsatzentwicklung und die Beschäftigten-
zahlen geben weitere Hinweise.
Das Anlagevermögen verringert die Anpassungsfähigkeit der Unter-
nehmen bei Beschäftigungsschwankungen. Deshalb ist das Anlage-
vermögen im Hinblick auf die Beschäftigung zu beurteilen.

Umlaufvermögen
Das Umlaufvermögen setzt sich insbesondere aus den Vorräten, den
Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen sowie aus den
flüssigen Mitteln zusammen.
Die Vorräte gehen in die Produkte ein und müssen laufend wieder
ersetzt werden. Der Bestand an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
hängt vor allem von der Beschaffungszeit, von dem Absatzrhythmus
und von der Durchlaufzeit im Unternehmen ab. Das Investitionsri-
siko wird bei Vorräten wegen der kürzeren Bindungsdauer viel ge-
ringer als beim Anlagevermögen eingeschätzt.
Bei den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist der Um-
satzprozess bereits vollendet und der Erfolg realisiert. Auch bei den
sonstigen Vermögensgegenständen ist schon eine große Geldnähe
erreicht. Die flüssigen Mittel beinhalten kein Risiko mehr, weil die
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bereits bezahlt sind.
Der externe Analytiker hat meist keinen Einblick in die Finanzbuch-
haltung. Deshalb muss er die Wirtschaftlichkeit in der Bestandsfüh-
rung des Unternehmens mit den relevanten Kennzahlen der Um-
schlagshäufigkeit beurteilen. Die Umschlagskennzahlen ergeben sich
aus dem Verhältnis bestimmter Bewegungsgrößen sowie Bestands-
größen.
Die Umschlagshäufigkeit der Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen erhalten wir, wenn wir die Umsatzerlöse plus Mehr-
wertsteuer zum durchschnittlichen Bestand der Forderungen aus
Lieferungen und Leistungen in Beziehung setzen.

190
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Umsatzerlöse + Mehrwertsteuer
Umschlagshäufigkeit der Forderungen aus L + L =
Durchschnittliche Forderungen
aus Lieferungen und Leistungen

Je höher die Umschlagshäufigkeit ist, desto niedriger muss die Be-


standsgröße im Verhältnis zur Bewegungsgröße sein. Dadurch ergibt
sich eine geringere Kapitalbindung der Vermögenswerte.
Das Umlaufvermögen kann im Vergleich zum Anlagevermögen
daher viel schneller angepasst werden. Die Bindungsdauer der ein-
zelnen Positionen des Umlaufvermögens ist viel kürzer. Deshalb
wird das Risiko des Umlaufvermögens auch geringer eingeschätzt.
Um die Wirtschaftlichkeit der Positionen im Umlaufvermögen zu
beurteilen, muss also die Umschlagshäufigkeit insbesondere der
Vorräte und der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen un-
tersucht werden.
In diesem Zusammenhang ist die Umschlagshäufigkeit des Gesamt-
vermögens wichtig. Die Formel lautet wie folgt:
Umsatzerlöse + Mehrwertsteuer
Umschlagshäufigkeit des Gesamtvermögens =
Durchschnittliches Gesamtvermögen
Bei dieser Kennzahl wird eine Stromgröße (Umsatzerlöse) mit einer
mit ihr zusammenhängenden Bestandsgröße (Gesamtvermögen) in
Beziehung gesetzt. Diese Kennzahl zeigt, in welcher Zeit die Vermö-
gensgegenstände wieder in Geld umgewandelt werden.
Wenn wir die Umschlagshäufigkeit in Tagen ausdrücken, sprechen
wir von der Umschlagsdauer, die für viele Mitarbeiter im Unter-
nehmen verständlicher ist. Die Umschlagsdauer gibt an, wie lange
das Vermögen im Unternehmen fest gebunden ist. Die Umschlags-
dauer wird wie folgt errechnet:
360
Umschlagsdauer =
Umschlagshäufigkeit des Gesamtvermögens

Je höher die Umschlagshäufigkeit des Gesamtvermögens ist, desto


niedriger wird die Umschlagsdauer der Vermögenspositionen. Eine
geringere Umschlagsdauer bedeutet auch, dass ein niedrigerer Ka-
pitalbedarf erforderlich ist. Demzufolge ist auch das Liquiditätspo-
tenzial eines Unternehmens höher. Eine größere Umschlagshäufig-

191
A Teilanalysen

keit und eine niedrigere Umschlagsdauer weisen auf eine hohe Li-
quidierbarkeit im Unternehmen hin.

Zusammenfassung:
Bei der Analyse der Vermögensstruktur untersuchen wir die Art und die
Zusammensetzung des Vermögens sowie die Dauer der Vermögensbin
dung. Die Investition von Kapital in das Anlage oder in das Umlauf
vermögen erhöht oder verringert das Risiko. Es muss ermittelt werden,
mit welcher Geschwindigkeit die Vermögensgegenstände durch den
Umsatzprozess wieder in Geld (Liquidität) umgewandelt werden. Je
langsamer die Liquidierbarkeit erfolgt, desto höher ist der Kapitalbedarf
des Unternehmens.
Wenn der Anteil des Anlagevermögens kleiner als der Anteil des Um
laufvermögens ist, dann steigt die Liquidität des Unternehmens. Ein sich
schnell umschlagendes Umlaufvermögen setzt laufend Liquidität frei,
die kurzfristig im Unternehmen wieder eingesetzt werden kann. Bei ei
nem geringeren Anlagevermögen gibt es auch einen kleineren Anteil an
Fixkosten. Wenn im Unternehmen ein geringerer Anteil an Anlagever
mögen vorhanden ist, wird die bestehende Kapazität besser ausgenutzt.
Durch eine höhere Produktivität können mehr Produkte hergestellt wer
den, die dann auch wieder schneller zu verkaufen sind. Über den Um
satzprozess fließt auch wieder schneller die Liquidität in das Unterneh
men zurück. Deshalb müssen wir besonders auf die Umschlagshäufig
keitsKennzahlen achten.

16.1.2 Kapitalstruktur
Auf der Passivseite unterscheiden wir das Eigen- und das Fremdka-
pital. Die einzelnen Kapitalpositionen stehen den Unternehmen
kurz- oder langfristig zur Verfügung.
Mit dem Eigenkapital kann das Unternehmen langfristig arbeiten.
Allerdings gehört der Bilanzgewinn, der ausgeschüttet wird, zum
kurzfristigen Kapital.
Die Rückstellungen setzen sich aus kurz- und aus langfristigen
Rückstellungen zusammen. Steuerrückstellungen sind kurzfristiger
Natur. Dagegen zählen die Pensionsrückstellungen zu dem langfri-
stigen Kapital.

192
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Auch bei den Verbindlichkeiten müssen wir zwischen kurz- und
langfristigen Verbindlichkeiten unterscheiden. Die Hypotheken-
Darlehen sind langfristige Kredite. Die Verbindlichkeiten aus Liefe-
rungen und Leistungen allerdings gehören zu den kurzfristigen Ver-
bindlichkeiten des Unternehmens.
Bei der Analyse der Kapitalstruktur werden die einzelnen Anteile des
Kapitals untersucht. Die Kapitalseite gibt Aufschluss über die Finan-
zierung des Unternehmens und die Bindungsdauer der einzelnen
Finanzierungen.

Eigenkapital
Das Eigenkapital ist gewinnberechtigt. Allerdings muss das Eigenka-
pital auch für die entstandenen Verluste aufkommen.
Bei Kapitalgesellschaften besteht das Eigenkapital aus einer festen
Größe (Grundkapital, Stammkapital), einer veränderlichen Größe
(Kapitalrücklage, Gewinnrücklagen) und einer Erfolgsgröße (Bi-
lanzgewinn/Bilanzverlust). Das Eigenkapital ist bei Einzel- und
Personengesellschaften eine veränderliche Größe, da das Eigenkapi-
tal durch Einlagen der Gesellschafter erhöht oder durch Entnahmen
der Gesellschafter verringert wird. Der erwirtschaftete Gewinn wird
dem Eigenkapital hinzugefügt. Die entstandenen Verluste hingegen
reduzieren das Eigenkapital.
Das Eigenkapital haftet für das Unternehmen und dient als Sicher-
heit für das Fremdkapital. Wenn Verluste auftreten, wird das Eigen-
kapital in Anspruch genommen. Die Sicherung des Unternehmens
wird durch die Bildung der Rücklagen erhöht.

Fremdkapital
Das Fremdkapital steht dem Unternehmen nur befristet zur Verfü-
gung. Für die Überlassung des Fremdkapitals müssen Zinsen bezahlt
werden.
Durch die Aufnahme von Fremdkapital werden die Finanzierungs-
möglichkeiten des Unternehmens erweitert. Dadurch besteht die
Möglichkeit eines schnelleren Wachstums des Unternehmens.
Der Einsatz des Fremdkapitals erlaubt auch eine Verbesserung der
Eigenkapital-Rentabilität durch den Leverage-Effekt. Je höher die

193
A Teilanalysen

Gesamtkapital-Rentabilität des Unternehmens im Vergleich zu den


Fremdkapitalzinsen ist, desto höher steigt die Eigenkapital-
Rentabilität.

16.1.3 Kennzahlen
Für die Beurteilung der Vermögens- und Kapitalstruktur müssen
aus der Vielzahl der möglichen Kennzahlen die wichtigsten Kenn-
zahlen ausgewählt werden.

Vermögen
Folgende Kennzahlen sollten bei der Vermögensstruktur errechnet
werden:

1. Vermögensveränderungen
Anlagevermögen des Geschäftsjahres
Änderungen des Anlagevermögens = x 100
Anlagevermögen des Vorjahres

Umlaufvermögen des Geschäftsjahres


Änderungen des Umlaufvermögens = x 100
Umlaufvermögen des Vorjahres

Diese Kennzahlen geben Aufschluss über die Veränderungen des


Anlage- und Umlaufvermögens im Zeitvergleich. Wir können dann
erkennen, ob sich ein Unternehmen in der Wachstums- oder in der
Rezessionsphase befindet.

2. Anlagenintensität
Anlagevermögen
Anlagenintensität des Anlagevermögens = x 100
Gesamtvermögen

Anlagenintensität des Anlagevermögens Anlagevermögen + Vorräte


= x 100
und der Vorräte Gesamtvermögen

Die Anlagenintensität gibt Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit des


Einsatzes der Anlagegüter. Aus diesen Kennzahlen können wir die
wesentlichen Strukturelemente des Vermögens am Gesamtvermö-
gen (Bilanzsumme) erkennen. Wichtige Änderungen der Vermö-
gensstruktur werden im Zeitvergleich sichtbar.

194
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Intensitätskennzahlen geben Auskunft über die Anpassungsfä-
higkeit des Unternehmens in der Expansion und in der Rezession.
Das damit verbundene Vermögensrisiko kann damit besser beurteilt
werden. Mit zunehmender Anlagenintensität wächst das Unterneh-
mensrisiko, da die Flexibilität des Unternehmens abnimmt.

3. Arbeitsintensität

Umlaufvermögen x 100
Arbeitsintensität =
Gesamtvermögen

Die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens ist um so größer, je


geringer das Anlagevermögen ist, das fixe Kosten verursacht. Je klei-
ner der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen ist, desto
intensiver wird die vorhandene Kapazität genutzt. Die fixen Kosten
pro Stück sinken. Dadurch verbessert sich die Ertragslage des Un-
ternehmens. Die intensivere Nutzung der Kapazität führt auch zu
höheren Umsatzerlösen.

4. Vorratsquote
Vorratsquote für Roh, Roh, Hilfs und Betriebsstoffe
= x 100
Hilfs und Betriebsstoffe Gesamtvermögen

Vorratsquote der Halb Halb und Fertigfabrikate


= x 100
und Fertigfabrikate Gesamtvermögen

Diese Kennzahlen geben Aufschluss über die Kapitalbindung in den


Vorräten an Roh-, Hilfs- und Betriebstoffen sowie an Halb- und
Fertigfabrikaten. Im Zeitvergleich können wir die Veränderungen
erkennen. Die Erhöhung der Vorratsquote für Halb- und Fertigfa-
brikate deutet auf Absatzprobleme hin. Es kann aber auch eine be-
wusste Veränderung der Vorratspolitik vorliegen.

5. Umschlagshäufigkeit der Vorräte


Aufwendungen an Roh, Hilfs und
Umschlagshäufigkeit der Betriebsstoffen
= x 100
Roh, Hilfs und Betriebsstoffe Durchschnittlicher Lagerbestand an
Roh, Hilfs und Betriebsstoffen

195
A Teilanalysen

Diese Kennzahl zeigt die Beziehung zwischen den Aufwendungen an


Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen (Materialverbrauch) und dem
durchschnittlichen Lagerbestand an Roh-, Hilfs- und Betriebsstof-
fen. Diese Analyse im Bereich der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe ist
sinnvoll. Eine abnehmende Umschlagszahl muss als ungünstig be-
urteilt werden, da die Lagerhaltung und damit die Kapitalbindung
zugenommen haben.

Umschlagshäufigkeit der Herstellungskosten des Umsatzes


= x 100
Halb und Fertigfabrikate Durchschnittliches Lager an Halb
und Fertigfabrikaten

Für den externen Analytiker sind die Herstellungskosten des Umsat-


zes aus der GuV nur zu entnehmen, wenn das Umsatzkostenverfah-
ren angewendet wird.

6. Lagerdauer

360
Lagerdauer für Roh, Hilfs und Betriebsstoffe =
Umschlagshäufigkeit der Roh,
Hilfs und Betriebsstoffe

360
Lagerdauer der Halb und Fertigfabrikate =
Umschlagshäufigkeit der Halb
und Fertigfabrikate

Die Lagerdauer gibt an, wie lange die Vorräte und das zur Finanzie-
rung erforderliche Kapital im Durchschnitt gebunden sind. Eine
niedrige Lagerdauer deutet darauf hin, dass die Vorräte relativ
schnell wieder in liquide Form umgewandelt werden können.

7. Umschlagshäufigkeit der Forderungen aus Lieferungen und


Leistungen
Umschlagshäufigkeit der Forderungen Umsatzerlöse + Mehrwertsteuer
=
aus Lieferungen und Leistungen Durchschnittlicher Debitorenbestand

Wenn die Zahlen der Umschlagshäufigkeiten der Forderungen aus


Lieferungen und Leistungen (Debitoren-Umschlag) abnehmen,
nimmt die Kapitalbindung in den Forderungen zu. Diese Entwick-
lung ist als negativ zu beurteilen.

196
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
8. Kundenziel
360
Kundenziel =
Debitorenumschlag

Das Ergebnis zeigt die durchschnittliche Bindungsdauer der Forde-


rungen aus Lieferungen und Leistungen. Die Unternehmensleitung
und die Führungskräfte müssen besonders darauf achten, dass sich
das Kundenziel nicht in Zukunft verschlechtert. Um die eigene Si-
tuation besser beurteilen zu können, sollten Branchenkennzahlen
herangezogen werden.
Diese Kennzahl lässt Rückschlüsse auf das Zahlungsverhalten der
Kunden zu. Außerdem können wir erkennen, wie lange es dauert,
bis die Umsatzerlöse wieder in liquide Mittel umgewandelt werden.

Kapital
Folgende Kennzahlen sollten bei der Bilanzanalyse errechnet wer-
den.

1. Eigenkapital-Quote
Eigenkapital
Eigenkapitalquote = x 100
Gesamtkapital

Die Eigenkapitalquote ist eine wichtige Kennzahl, die Aufschluss


über die Kreditwürdigkeit der Unternehmen gibt.
Die Eigenkapitalquote geht in den deutschen Unternehmen laufend
zurück. Heute beträgt die Eigenkapitalquote in den einzelnen Bran-
chen zwischen 15 % und 30 %. Dieser Rückgang liegt insbesondere
an der hohen Steuerbelastung der Unternehmen und an den gerin-
geren Gewinnen, die die Unternehmen erwirtschaften. Viele Unter-
nehmen schütten auch zu viele Gewinne aus. Die Eigenkapitalquote
lässt die Unabhängigkeit und die Sicherheit der Unternehmen er-
kennen.

2. Verschuldungsgrad
Fremdkapital
Verschuldungsgrad = x 100
Eigenkapital

197
A Teilanalysen

Die ständige Kreditaufnahme vergrößert den Verschuldungsgrad.


Wenn der Verschuldungsgrad zunimmt, steigt auch das Risiko im
Unternehmen.
Der Verschuldungsgrad nimmt in den Unternehmen laufend zu.
Allerdings treten in den einzelnen Branchen erhebliche Unterschie-
de auf. Die chemische Industrie weist die besten Werte über die
letzten Jahre auf. Die Bauindustrie schneidet im gleichen Zeitraum
am schlechtesten ab.

3. Umschlagshäufigkeit des Kapitals


Umsatzerlöse
Umschlagshäufigkeit des Kapitals =
Durchschnittliches Gesamtkapital

Diese Kennzahl drückt aus, wie oft sich das Gesamtkapital im Jahr
umschlägt. Die Umschlagshäufigkeit des Kapitals besagt, wie pro-
duktiv das im Unternehmen befindliche Kapital eingesetzt wird. Je
höher die Umschlagshäufigkeit ist, desto weniger Kapital ist im Un-
ternehmen erforderlich. Für die Beurteilung des Risikos der Fremd-
finanzierung spielt die Umschlagshäufigkeit des Kapitals eine große
Rolle. Je höher der Kapitalumschlag ist, desto schneller fließen die
Finanzmittel wieder über den Umsatzprozess in das Unternehmen
zurück.

4. Umschlagshäufigkeit der Verbindlichkeiten aus Lieferungen


und Leistungen

Materialaufwand + Mehrwertsteuer
Kreditorenumschlag =
Durchschnittliche Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen

5. Lieferantenziel
360
Lieferantenziel =
Kreditorenumschlag

Diese Kennzahl gibt an, nach wie viel Tagen im Durchschnitt die
Lieferantenschulden vom Unternehmen bezahlt werden. Eine Erhö-
hung des Lieferantenziels deutet an, dass sich die finanzielle Situati-
on im Unternehmen verschlechtert hat.

198
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A

Zusammenfassung:
Die Strukturanalyse anhand von Kennzahlen erlaubt einen guten Ein
blick in die tatsächlichen Verhältnisse des Unternehmens. Die einzelnen
Vermögenswerte auf der Aktivseite und die verschiedenen Positionen
auf der Passivseite werden analysiert. Auch die Beziehungen zwischen
der Aktiv und Passivseite unterliegen einer genauen Untersuchung. Die
Branchenkennzahlen sind bei der Strukturanalyse von besonderer Be
deutung.
Für die Beurteilung der Aktivseite kommt es insbesondere auf den Aus
nutzungsgrad des Anlagevermögens und auf die Umschlagshäufigkeit
einzelner Positionen des Umlaufvermögens an. Auf der Passivseite
spielen die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad eine große
Rolle.

16.2 Erfolgsanalyse
Das wichtigste Ziel der Erfolgsanalyse besteht darin, die Ertragskraft
eines Unternehmens zu ermitteln und zu beurteilen. Die Ertrags-
kraft bedeutet, dass ein Unternehmen auch in der Zukunft Gewinne
erwirtschaftet und damit eine Gewinnausschüttung garantiert. Au-
ßerdem deutet die Ertragskraft darauf hin, dass ein Unternehmen
die Existenz langfristig sichern kann, indem die Leistungsfähigkeit
des Unternehmens durch die Bildung von Rücklagen erhalten und
ständig verbessert wird.
Für die Ertragskraft eines Unternehmens interessieren sich die Ge-
sellschafter, die Aktionäre, die Banken, die Lieferanten, die Konkur-
renten und die Gewerkschaften aus unterschiedlichen Gründen. Die
Anteilseigner schauen beispielsweise auf die Ertragskraft wegen der
möglichen Gewinnausschüttungen und wegen der möglichen Kurs-
entwicklungen der Aktien. Die Banken schließen aufgrund der Er-
tragskraft auf die Möglichkeit, die vereinbarten Zins- und Tilgungs-
zahlungen pünktlich zu erhalten.
Die Gewinnerzielung ist in den meisten Unternehmen Hauptmotiv
für die wirtschaftliche Tätigkeit. Deshalb ist auch der Gewinn die
wichtigste Größe bei der Erfolgsanalyse.

199
A Teilanalysen

Der Gewinn wird in der GuV ermittelt und ergibt sich aus der Diffe-
renz zwischen den Erträgen und den Aufwendungen. Um die Ursa-
chen für die Gewinnerzielung zu erkennen, müssen alle Positionen
der GuV sorgfältig analysiert werden. Dann erhalten wir einen guten
Einblick in die Ertragslage des bilanzierenden Unternehmens.
Der Gewinn kann aber bilanzpolitisch beeinflusst werden. Die Höhe
des Gewinns ist also manipulierbar. Dies ist vor allem durch die
Bewertung der Wirtschaftsgüter möglich. Durch den Ansatz von
höheren Abschreibungen und durch die Bildung von höheren
Rückstellungen beispielsweise kann der Gewinn vermindert und
stille Reserven geschaffen werden.
Der in der GuV ausgewiesene Gewinn muss deshalb korrigiert wer-
den, um das ordentliche Betriebsergebnis zu ermitteln. Diese Kor-
rektur des ausgewiesenen Gewinns/Verlustes erfolgt bei der Aufbe-
reitung des Zahlenmaterials.
Bei der Erfolgsanalyse sollte jeweils der Gewinn/Verlust nach Steu-
ern verwendet werden. Auch bei Branchenvergleichen sind jeweils
die Gewinne nach Steuern einander gegenüberzustellen.
Die Kapitalgesellschaften weisen den Bilanzgewinn/Bilanzverlust in
der GuV immer nach Steuern aus. Bevor der Gewinn bei Einzel- und
Personengesellschaften zur Ermittlung der Rentabilitäts-Kennzahlen
eingesetzt werden kann, müssen einige Korrekturen vorgenommen
werden. Der Gewinn wird nämlich bei den Einzel- und Personen-
gesellschaften ohne die Einkommensteuer in der GuV angegeben.
Deshalb muss der ausgewiesene Gewinn um 50 % gekürzt werden,
weil die Gesellschafter der Einzel- und Personenunternehmen den
Gewinn persönlich im Privatbereich versteuern müssen. Die Steuer-
belastung durch die Einkommensteuer beträgt etwa 50 %.
Außerdem ist bei den Analysen der Einzel- und Personengesell-
schaften zu berücksichtigen, dass für die mitarbeitenden Gesell-
schafter in der GuV kein Unternehmerlohn enthalten ist. Deshalb
muss auch ein kalkulatorischer Unternehmerlohn von dem ausge-
wiesenen Gewinn abgezogen werden.

200
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
16.2.1 Gewinnanalyse
Die Erwirtschaftung des Gewinns ist eines der wichtigsten Ziele
eines jeden Unternehmens. Daher müssen wir untersuchen, welche
Größen den Gewinn in der GuV positiv oder negativ beeinflussen
können. Mithilfe der Erfolgsanalyse sind die Unternehmensleitung
und die Führungskräfte dann in der Lage, einen zuverlässigen Ein-
blick in die Ertragskraft des Unternehmens zu erhalten.
Das Ziel der Erfolgsanalyse ist es, eine Beurteilung der Ertragskraft
des Unternehmens zu ermöglichen. Die Ertragslage der abgelaufe-
nen Geschäftsjahre muss auch ermittelt werden, um Prognosen über
die Geschäftsentwicklung der folgenden Jahre erstellen zu können.
Die Ertragskraft ist die Fähigkeit eines Unternehmens, auch in Zu-
kunft gute Gewinne zu erzielen. Je detaillierter die Erfolgsanalyse
durchgeführt wird, desto mehr Ansätze zur Verbesserung der Erfol-
ge können erkannt werden. Die Feststellung und die Beurteilung der
Erfolgsentwicklung eines Unternehmens werden dann erleichtert.
Für die Erfolgsanalyse benötigen wir die Informationen insbesonde-
re aus der GuV. Es sollten möglichst alle Positionen der GuV in die
Analyse einbezogen werden.
Mithilfe der Gewinnanalyse wird aufgezeigt, welche einzelnen Vor-
gänge im Unternehmen den Gewinn in der GuV beeinflussen kön-
nen. Außerdem müssen die Ursachen für die positive oder negative
Entwicklung der wichtigsten Einflussfaktoren exakt ermittelt wer-
den. Erst wenn die eigentlichen Ursachen erkannt sind, können die
negativen Einflussgrößen abgeschwächt oder beseitigt und die posi-
tiven Punkte noch deutlicher forciert werden.

Gewinnentwicklung
Um eine klare Aussage über die Gewinnentwicklung machen zu
können, müssen die Gewinne der letzten beiden Geschäftsjahre und
deren Veränderungen erfasst werden. Die Errechnung der Differenz
reicht allerdings noch nicht aus, um einen guten Überblick zu ge-
winnen. Neben der absoluten Differenz muss auch die prozentuale
Veränderung errechnet werden.

201
A Teilanalysen

Es könnten beispielsweise folgende Gewinne in der GuV ausgewie-


sen sein:
2005 130 T €
2006 90 T €

Die Analyse sollte dann folgendermaßen aussehen:


Gewinnentwicklung
2005 130 T €
2006 90 T €
Differenz – 40 T €
oder – 30,8 %

Der Gewinn ist von 2005 auf 2006 um 40 T € oder um 30,8 % zu-
rückgegangen. Um die Ursachen für den starken Rückgang des Ge-
winns zu ermitteln, müssen alle wichtigen Positionen der GuV un-
tersucht werden.

Umsatzerlöse
Zuerst sind die Umsatzerlöse zu analysieren, die folgendermaßen
aussehen:
2005 2.600 T €
2006 3.000 T €
Differenz + 400 T €
oder + 15,4 %

Die Umsatzerlöse haben sich im gleichen Zeitraum um 400 T € oder


15,4 % erhöht. Einem Anstieg der Umsatzerlöse von 15,4 % steht
ein Sinken der Gewinne um 30,8 % entgegen. Es müssen also massi-
ve Gründe für die wesentliche Verschlechterung der Ertragskraft des
Unternehmens vorliegen.

Materialkosten
Als nächste Position sollten die Materialkosten untersucht werden,
die sich wie folgt entwickelt haben:
2005 1.200 T €
2006 1.550 T €
Differenz + 350 T €
oder + 29,3 %

202
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Der starke Rückgang des Gewinns könnte alleine durch das Anstei-
gen der Materialkosten um 29,2 % verursacht worden sein. Die
Materialkosten sind fast doppelt so stark gestiegen (29,2 %) wie die
Umsatzerlöse (15,4 %).
Zunächst sollten die wesentlichen Ursachen für das starke Anwach-
sen der Materialkosten untersucht werden. Folgende Ursachen
könnten vorliegen:
1. Höherer Ausschuss
2. Produktion von mehr materialintensiven Erzeugnissen
3. Mehr Fremdleistungen (Subunternehmer)
4. Höhere Materialpreise können nicht an die Kunden weitergege-
ben werden
5. Mehrverbrauch an Hilfs- und Betriebsstoffen

Weitere Einflussfaktoren
Auch die weiteren Einflussfaktoren auf den Gewinn müssen in glei-
cher Weise analysiert werden. Es gilt, insbesondere noch folgende
Positionen genauer zu überprüfen:
1. Löhne und Gehälter
2. Abschreibungen
3. Rückstellungen
4. Zinsen
5. Steuern
6. Sonstige betriebliche Aufwendungen

16.2.2 RentabilitätsKennzahlen
Die Eigenkapitalgeber erwarten für das von ihnen zur Verfügung
gestellte Kapital einen guten Gewinn. Es wird das Verhältnis von
Gewinn zu Eigenkapital errechnet. Auch den Fremdkapitalgeber
interessiert die Rentabilität des Unternehmens. Sie erlaubt insbe-
sondere eine Aussage über das Risiko, das mit der Bereitstellung des
Fremdkapitals verbunden ist.
Die Rentabilität der Unternehmen kann im Finanzbereich durch
folgende Maßnahmen beeinflusst werden:

203
A Teilanalysen

1. Kostengünstigere Finanzierung (Niedrigere Zinsen)


2. Geringere Haltung von Liquiditätsreserven wegen der niedrigen
Verzinsung
3. Zinsbringende Anlagen von liquiden Überschüssen (Festgeld)
Ein hoher Bestand an liquiden Mitteln auf dem Kontokorrentkonto
hat eine negative Auswirkung auf die Rentabilität. Die Verbesserung
der Rentabilität ist durch eine niedrigere Vorhaltung von liquiden
Mitteln möglich. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass die Exi-
stenz der Unternehmen durch zu geringe Liquidität infrage gestellt
werden könnte. Zwischen der Liquidität und der Rentabilität besteht
also ein Zielkonflikt. Die Unternehmensleitung und die Führungs-
kräfte haben die Aufgabe, die Rentabilität bei ausreichender Liqui-
dität zu verbessern.
Die Rentabilitäts-Kennzahlen geben Aufschluss darüber, ob ein
Unternehmen erfolgreich geführt wird oder nicht. Um einen besse-
ren Einblick in die Unternehmen zu erhalten, errechnen wir vier
verschiedene Kennzahlen für die Rentabilität, die alle eine unter-
schiedliche Aussagekraft haben.
Es muss die Frage geklärt werden, ob der im Unternehmen ausge-
wiesene Gewinn ein objektives Bild über den Erfolg eines Unter-
nehmens abgibt. Der in der GuV ausgewiesene Gewinn kann durch
bilanzpolitische Maßnahmen in der Höhe stark beeinflusst werden.
Es besteht also die Möglichkeit, den Gewinn durch gezielte Ent-
scheidungen erheblich nach oben oder unten zu korrigieren.
Deshalb sollte neben dem Gewinn auch noch der Cashflow zur Er-
rechnung der Rentabilitäts-Kennzahlen herangezogen werden. Der
Cashflow erlaubt eine objektivere Beurteilung der Ertrags- und Fi-
nanzkraft der Unternehmen.

EigenkapitalRentabilität
Diese Kennzahl bringt die Verzinsung des eingesetzten Kapitals
durch seinen Einsatz im Unternehmen zum Ausdruck. Bei der Ei-
genkapital-Rentabilität muss auch auf die Größe des Eigenkapitals
wegen des Leverage-Effekts (Hebelwirkung) geachtet werden.

204
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Eigenkapital-Rentabilität können wir folgendermaßen errech-
nen:
G
REK = x 100
EK
REK = EigenkapitalRentabilität
G = Gewinn
EK = Eigenkapital
Zielvorgabe: 20 % bis 25 %

Die Zielvorgabe für die Eigenkapital-Rentabilität erscheint recht


hoch zu sein. Wir müssen allerdings berücksichtigen, dass die Ei-
genkapitalquote der deutschen Unternehmen nur noch bei 20 % bis
30 % liegt. Aufgrund des Leverage-Effekts kann deshalb eine Eigen-
kapital-Rentabilität von 20 % bis 30 % relativ schnell erzielt werden.
Die Eigenkapital-Rentabilität sollte also erheblich über dem marktübli-
chen Zins für langfristige Kapitalanlagen liegen, da der Gewinn zusätz-
lich eine Vergütung für das Risiko des Unternehmers enthält.
Der Gewinn sollte identisch mit dem Jahresüberschuss der Steuer-
bilanz sein. Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag sowie die
sonstigen Steuern sind dann bereits abgezogen.
Gezeichnetes Kapital
Kapitalrücklage
Gewinnrücklagen
Bilanzgewinn
= Eigenkapital

Das Eigenkapital setzt sich aus dem gezeichneten Kapital, aus den
Kapital- und Gewinnrücklagen sowie aus dem nicht ausgeschütteten
Gewinn zusammen.
Der Leverage-Effekt ist bei der Eigenkapital-Rentabilität von beson-
derer Bedeutung, wie folgendes Beispiel zeigt:

Beispiel:
Eigenkapital (€) = 600, 400, 200
Fremdkapital (€) = 200, 400, 600
Gesamtkapital (€) = 800, 800, 800
Fremdkapitalzins = 10 %

205
A Teilanalysen

Bezeichnung 1 2 3
Eigenkapital 600 400 200
Fremdkapital 200 400 600
Gesamtkapital 800 800 800
Gewinn des Gesamtkapitals (Kapitalgewinn) 100 100 100
– Zinsen für das Fremdkapital (10 %) 20 40 60
Gewinn nach Zinsen 80 60 40
Eigenkapital Rentabilität 13,3 % 15 % 20 %

In unserem Beispiel erhöht sich die Eigenkapital-Rentabilität von


13,3 % auf 15 % und letztlich auf 20 %. Die Eigenkapital-Renta-
bilität kann durch die Aufnahme von weiterem Fremdkapital also
verbessert werden, wenn mit diesem Kapital eine höhere Rentabilität
erwirtschaftet werden kann als die Fremdkapitalzinsen ausmachen.
Die Formel für die Eigenkapital-Rentabilität lautet wie folgt:
FK
REK = RGK + (RGK – ZFK) x
EK

Der Leverage-Effekt findet aber seine Grenzen in dem wachsenden


Verschuldungsgrad, da das Risiko der Banken zunimmt. Die Banken
sind dann nur noch bereit, zusätzliches Fremdkapital zu höheren
Zinsen oder durch die Überlassung von zusätzlichen Sicherheiten
zur Verfügung zu stellen.

GesamtkapitalRentabilität
Die Gesamtkapital-Rentabilität ist für die Beurteilung eines Unter-
nehmens aussagefähiger als die Eigenkapital-Rentabilität, da sie die
Verzinsung des gesamten im Unternehmen investierten Kapitals
angibt.
Die Gesamtkapital-Rentabilität wird folgendermaßen errechnet:
G + ZFK
RGK = x 100
GK
RGK = GesamtkapitalRentabilität
G = Gewinn
ZFK = Fremdkapitalzinsen
GK = Gesamtkapital
Zielvorgabe: 10 % bis 12 %

206
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Neben dem Gewinn müssen bei der Berechnung der Gesamtkapital-
Rentabilität auch die Fremdkapitalzinsen berücksichtigt werden.
Diese Zinsen werden für das im Unternehmen eingesetzte Fremdka-
pital bezahlt und reduzieren den Gewinn in der GuV. Deshalb
müssen zu dem Gewinn auch noch die Fremdkapitalzinsen hinzuge-
zählt werden, um die Gesamtkapital-Rentabilität zu ermitteln. Die
Summe aus dem Gewinn und den Fremdkapitalzinsen bezeichnen
wir auch als Kapitalgewinn.
Eigenkapital
+ Fremdkapital
= Gesamtkapital (Bilanzsumme)

Das Gesamtkapital (Bilanzsumme) setzt sich aus dem Eigen- und


dem Fremdkapital zusammen.
Für die Unternehmen sollte als Ziel eine Gesamtkapital-Rentabilität
in Höhe von 10 % bis 12 % vorgegeben und realisiert werden. Die
Aufgabe der Unternehmen besteht also darin, eine gute Gesamtka-
pital-Rentabilität zu erwirtschaften. Mithilfe dieser Kennzahl kann
eindeutig ermittelt werden, ob die Zielsetzung mit der Zielerrei-
chung übereinstimmt oder nicht.

UmsatzRentabilität
Die Umsatz-Rentabilität stellt die Verzinsung des Umsatzes im Un-
ternehmen dar. Diese Kennzahl lässt also erkennen, wie ein Unter-
nehmen in Bezug auf den Umsatz gearbeitet hat. Die Umsatz-
Rentabilität gibt Auskunft über den Erfolg der betrieblichen Tätig-
keit, der beim Verkauf der hergestellten Produkte und der betriebli-
chen Leistungen am Markt erzielt wird. Die Umsatz-Rentabilität
ergibt sich wie folgt:
G + ZFK
RU = x 100
U
RU = UmsatzRentabilität
G = Gewinn
ZFK = Fremdkapitalzinsen
U = Umsatz
Zielvorgabe: 5 % bis 6 %

207
A Teilanalysen

Die Umsatz-Rentabilität wird in der Literatur oft nur unter Berück-


sichtigung des Gewinns errechnet. Diese Art der Berechnung ist
allerdings irreführend, da der Umsatz unter Einsatz des Eigen- und
des Fremdkapitals erzielt wird. Deshalb sollten zu dem Gewinn auch
noch die Fremdkapitalzinsen hinzugezählt werden, die für den Ein-
satz des Fremdkapitals bezahlt werden müssen.
Bei der Umsatz-Rentabilität spielt die Größe des Unternehmens eine
Rolle. Je größer die Unternehmen sind, desto niedriger ist generell
diese Rendite. Kleine und mittlere Unternehmen können eine Um-
satz-Rentabilität in Höhe von 5 % bis 6 % erzielen.
Zur Errechnung der Umsatz-Rentabilität sollten nur die Umsatzer-
löse und nicht die Gesamtleistung herangezogen werden. Die Ge-
samtleistung umfasst neben den Umsatzerlösen auch noch die Be-
standsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie
die aktivierten Eigenleistungen.
Die Wertbasis für die Umsatzerlöse ist eine andere als für die Be-
standsveränderungen und für die aktivierten Eigenleistungen. Die
Umsatzerlöse werden zu Verkaufspreisen bewertet. Die Bestandsver-
änderungen und die aktivierten Eigenleistungen dagegen müssen in
der GuV zu Herstellungskosten angesetzt werden. Da zwischen den
Herstellungskosten und den Verkaufspreisen erhebliche Wertun-
terschiede bestehen, können in diesen Positionen viele stille Reser-
ven enthalten sein. Die Umsatzerlöse sollten auch deshalb genom-
men werden, weil nur die effektiv am Markt verkauften Produkte
und Leistungen den Maßstab für den Erfolg eines Unternehmens
darstellen.

Return On Investment (ROI)


Der ROI ist die bedeutendste Kennzahl für die Steuerung des Unter-
nehmens. Diese Kennzahl kann in weitere Kennzahlen aufgeteilt
werden. Es ist also möglich, eine Zielhierarchie im Unternehmen
aufzubauen.

208
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Der ROI wird folgendermaßen ermittelt:
G + ZFK U
ROI = x 100 x
U GK
= UmsatzRentabilität x Kapitalumschlagshäufigkeit
G = Gewinn
ZFK = Fremdkapitalzinsen
U = Umsatz
GK = Gesamtkapital
Zielvorgabe: 10 % bis 12 %

Der Kapitalumschlag zeigt an, wie intensiv das im Unternehmen


eingesetzte Kapital genutzt wird. Diese Kennzahl gibt also Auf-
schluss über die Produktivität des eingesetzten Kapitals.
Die Umschlagszahl gewährt einen Einblick in den Nutzungsgrad des
Kapitals. Die Umschlagshäufigkeit des Kapitals von 2 bedeutet, dass
mit einer DM Kapital im Jahr 2 DM Umsatz erzielt wird. Je höher
der Kapitalumschlag ist, desto geringer ist der Kapitalbedarf, da das
Kapital öfter freigesetzt werden kann.
Die Rendite des gesamten Kapitaleinsatzes wird durch die Umsatz-
Rentabilität und durch die Kapitalumschlagshäufigkeit bestimmt.
Eine niedrigere Umsatz-Rentabilität kann in Verbindung mit einer
höheren Kapitalumschlagshäufigkeit zum gleichen Ergebnis führen
wie eine hohe Umsatz-Rentabilität und eine niedrigere Kapitalum-
schlagshäufigkeit.
ROI = 6 x 2 = 12
= 12 x 1 = 12

Bei der Beurteilung des ROI spielt also die Umsatz-Rentabilität und
die Kapitalumschlagshäufigkeit eine große Rolle. Der ROI kann
verbessert werden, wenn die Umsatz-Rentabilität und/oder die Ka-
pitalumschlagshäufigkeit angehoben werden.
Das Kennzahlsystem des ROI wird in der Praxis unterschiedlich weit
aufgegliedert, um die Zusammenhänge und Abhängigkeiten besser
zu erkennen und um die Ursachen und Wirkungen deutlich sichtbar
zu machen. Die Umsatzerlöse sollten dann noch nach Produktgrup-
pen, Verkaufsgebieten und Kundengruppen aufgeteilt werden.

209
A Teilanalysen

Für die Untersuchungen der Rentabilität hat der ROI eine besondere
Bedeutung. Der ROI setzt sich aus zwei Erfolgsfaktoren zusammen.
Die zusammengesetzte Kennzahl des ROI erlaubt Rückschlüsse auf
die Ursachen für die Verschlechterung oder Verbesserung des ROI.
Die Unternehmensleitung und die Führungskräfte erkennen, wie
der ROI für das nächste Jahr positiv beeinflusst werden kann. Alle
anschließenden Entscheidungen im Unternehmen sind dann auf
ihre Wirksamkeit hin leicht zu überprüfen.
Der ROI sollte in kleinen und mittleren Unternehmen 10 % bis 12
% betragen. Dieses Ziel kann von gut gemanagten Unternehmen
erreicht werden.

BetriebsRentabilität
Die Betriebs-Rentabilität wird folgendermaßen errechnet:
BE
BetriebsRentabilität = x 100
durchschnittl. betr. K.
BE = Betriebsergebnis
Betr. K. = Betriebsnotwendiges Kapital

Das Betriebsergebnis kann der kurzfristigen Erfolgsrechnung ent-


nommen werden. Das betriebsnotwendige Kapital ermitteln wir,
indem wir von der Bilanzsumme die nicht betriebsnotwendigen
Vermögensgegenstände abziehen. Dazu gehören beispielsweise die
unbebauten Grundstücke und die Wertpapiere.
Diese Kennzahl zeigt die Rentabilität, die durch den Produktions-
und Umsatzprozess erwirtschaftet wurde.
In der bisherigen ROI-Formel wurden die Daten in erster Linie aus
der Gewinn- und Verlustrechnung sowie aus der Bilanz verwendet.
Wenn wir die Daten aus der Kosten- und Leistungsrechnung neh-
men, lautet die ROI-Formel wie folgt:
BE + Kal. Z U
ROI = x 100 x
U Ø Betr. K
BE = Betriebsergebnis
Kal. Z = kalkulatorische Zinsen
U = Umsatz
Betr. K = Betriebsnotwendiges Kapital

210
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Sobald eine aussagefähige Kosten- und Leistungsrechnung im Un-
ternehmen eingeführt ist, sollten alle Daten aus dieser internen
Rechnung eingesetzt werden, da diese Daten eine noch bessere be-
triebswirtschaftliche Analyse des Unternehmens mithilfe des ROI
ermöglichen.

16.3 Finanzanalyse
Mithilfe der Finanzanalyse sollte die finanzielle Lage der Unterneh-
men untersucht werden. Die Beurteilung der Finanzlage der Unter-
nehmen ist eine weitere Teilaufgabe des Jahresabschlusses (§ 264
Abs. 2 HGB). Die Bilanz gibt eine Finanzübersicht. Der geforderte
Einblick in die Finanzlage eines Unternehmens wird aber nicht un-
mittelbar gewährt. Deshalb ist erst eine Aufbereitung des Zahlen-
materials erforderlich.
Die Finanzanalyse kann folgendermaßen durchgeführt werden:
1. Statische Beurteilung
Die statische Beurteilung beruht auf der zeitpunktbezogenen
Betrachtung der Bilanz. Es wird untersucht, wie die Beziehungen
zwischen den Vermögenswerten und den Kapitalpositionen sind.
2. Dynamische Betrachtung
Bei der dynamischen Betrachtung gehen wir zeitraumbezogen
vor. Es werden die Bewegungen der Vermögens- und Kapitalpo-
sitionen während eines Jahres untersucht.
Zur dynamischen Beurteilung der Unternehmen muss eine Ka-
pitalflussrechnung (Bewegungsbilanz) erstellt werden, die aus
zwei aufeinanderfolgenden Bilanzen entwickelt wird (Vgl. Kapi-
tel 16.6). Zu der dynamischen Beurteilung gehört auch die
Cashflow-Analyse (Vgl. Kapitel 16.4).
Die statischen Regeln müssen durch die dynamische Betrachtung
ergänzt werden. Die statischen Grundsätze beziehen sich auf das
Strukturbild der Bilanz an dem Stichtag des Bilanzabschlusses. Die
dynamische Betrachtung umfasst das ganze Geschäftsjahr und be-
zieht sich auf die Kapitalflussrechnung und auf den Cashflow.
Die statischen und die dynamischen Finanzanalysen werden auf
freiwilliger Basis durchgeführt. In den Geschäftsberichten der gro-

211
A Teilanalysen

ßen Unternehmen erscheinen öfter als Ergänzung Kapitalflussrech-


nungen und Cashflow-Rechnungen. Für kleinere und mittlere Un-
ternehmen muss die Finanzanalyse separat erstellt werden, um einen
besseren Einblick in die Finanzlage der Unternehmen zu erhalten.
In der Bilanz sehen wir auf der Aktivseite das Vermögen, die Inve-
stitionen oder die Mittelverwendung. Der Passivseite sind das Kapi-
tal, die Finanzierung oder die Mittelherkunft zu entnehmen. Mit-
hilfe der Analyse der Finanzstruktur werden die beiden Seiten der
Bilanz analysiert.

Bilanz
Aktivseite Passivseite
Vermögen Kapital
Investitionen Finanzierung
Mittelverwendung Mittelherkunft
Abb. 83: Überblick über die Inhalte der Bilanzseiten
Zwischen den Bestandteilen der beiden Bilanzseiten werden bei der
Analyse der Finanzstruktur sinnvolle Beziehungen hergestellt und
bestimmte Kennzahlen errechnet. Es geht insbesondere um folgende
Beziehungen:
1. Arten und Verwendung der Finanzierungsmittel
Arten der Finanzierung auf der Passivseite im Vergleich zur
Verwendung in Vermögensgegenständen auf der Aktivseite
2. Überlassungsdauer und Bindungsdauer
Überlassungsdauer der Finanzierungsmittel im Verhältnis zur
Bindungsdauer der Investitionen
3. Risiko und Risikoübernahme
Risiko des Kapitaleinsatzes im Vergleich zur Bereitschaft der
Übernahme des Risikos durch die Kapitalgeber.
Bei der Finanzanalyse werden die Relationen zwischen der Vermö-
gens- und Kapitalstruktur untersucht, um die Arten der Finanzie-
rung, die zeitliche Übereinstimmung und die Risikoentsprechung
genauer zu beurteilen.
Die kurzfristigen Überlegungen werden mithilfe der Liquiditätsana-
lyse untersucht. Die langfristigen Beziehungen berücksichtigen wir
bei der Analyse der Deckungsrelationen.

212
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bei der Finanzierung der Unternehmen müssen die Finanzierungs-
regeln beachtet werden, um das finanzielle Gleichgewicht in den
Unternehmen zu gewährleisten. Die Finanzierungsregeln sehen wie
folgt aus:

Finanzierungsregeln
1. Vertikale Bilanzstruktur
1.1 Vertikale Vermögensstruktur

Anlagevermögen 1
=
Umlaufvermögen 1

1.2 Vertikale Kapitalstruktur

Eigenkapital 1
=
Fremdkapital 1

2. Horizontale Vermögens und Kapitalstruktur


2.1 Goldene Bankregel

Eigenkapital 1
=
Anlagevermögen 1

2.2 Goldene Bilanzregeln

Enge Fassung: Eigenkapital 1


=
Anlagevermögen

Weitere Fassung: Eigenkapital + langfr. Fremdkap. 1


=
Anlagevermögen 1

Erweiterte Fassung: Eigenkapital + langfr. Fremdkap. 1


=
Anlagevermögen + Vorräte 1

Abb. 84: Einzelne Finanzierungsregeln


Um eine Liquiditätsanalyse durchführen zu können, benötigen wir
die Zahlen des Jahresabschlusses eines Unternehmens. Damit die
Kennzahlen aussagefähiger sind, sollten mindestens zwei aufeinan-
derfolgende Jahresabschlüsse analysiert werden.

213
A Teilanalysen

Bei dieser Analyse unterscheiden wir die statische und die dynami-
sche Liquiditätsanalyse. Dafür werden die Daten von einem Zeit-
punkt oder von einem Zeitraum herangezogen.
Die statische Liquiditätsanalyse bezieht sich auf einen bestimmten
Zeitpunkt im Unternehmen. Wir verwenden die Daten aus den
Bilanzen der Unternehmen. Dabei werden bestimmte Positionen der
Vermögens- und der Kapitalseite genauer untersucht.
Das Ziel der Liquiditätsanalyse besteht darin, Schlussfolgerungen auf
die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen für die Zukunft zu ziehen.
Es werden verschiedene bilanzierte Vermögenswerte den bilanzier-
ten kurzfristigen Verbindlichkeiten (Schulden) gegenübergestellt.
Bei der statischen Liquiditätsanalyse unterscheiden wir eine kurz-
und eine langfristige Analyse. Dabei kommt es darauf an, ob wir die
Daten verwenden, die sich bereits einen Tag nach dem Jahresab-
schluss schnell verändern können oder nicht.

16.3.1 Kurzfristige Liquidität


Die kurzfristige Liquiditätsanalyse befasst sich mit den Verhältnissen
von flüssigen Mitteln, kurzfristigen Forderungen und Vorräten zu
den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die einzelnen Liquiditätsgrade
dienen dazu, die Liquidität des Unternehmens hinsichtlich der
kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen zu beurteilen.
Bei der kurzfristigen Liquiditätsanalyse können wir folgende Kenn-
zahlen unterscheiden:

Liquidität 1. Grades
Bei der Liquidität 1. Grades werden die flüssigen Mittel ins Verhält-
nis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Die Liquidität 1.
Grades errechnen wir also wie folgt:
Flüssige Mittel
Liquidität 1. Grades = x 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten
Zielvorgaben: 5 %–10 %

Die flüssigen Mittel umfassen:


• Kasse
• Bankguthaben

214
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
• Postgiroguthaben
• Schecks
• Diskontfähige Wechsel
Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gehören:
• Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
• Kontokorrent-Kredit
• Kurzfristige Rückstellungen
• Erhaltene Anzahlungen
• Schuldwechsel
• Sonstige Verbindlichkeiten
• Bilanzgewinn, der ausgeschüttet wird
Die Liquidität 1. Grades sollte nicht höher als 5 %–10 % der kurz-
fristigen Verbindlichkeiten sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
die eingehenden flüssigen Mittel möglichst schnell zur Bezahlung
der kurzfristigen Verbindlichkeiten verwendet werden sollten, um
eine Skontierung der Lieferantenrechnungen vorzunehmen.

Liquidität 2. Grades
Die Liquidität 2. Grades ergibt sich wie folgt:
Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen
Liquidität 2. Grades = x 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

Zielvorgabe: 100 %–120 %


Bei der Liquidität 2. Grades kommen zu den flüssigen Mitteln noch
die kurzfristigen Forderungen hinzu. Dies sind meist nur die Forde-
rungen aus Lieferungen und Leistungen.
Die Zielvorgabe für die Liquidität 2. Grades sollte 100 % - 120 %
betragen. Liegt die Kennzahl unter dieser Zielvorgabe, könnten im
Unternehmen Probleme bei der Wertschöpfung bestehen oder ver-
schiedene Produkte falsch kalkuliert sein. Es ist aber auch möglich,
dass zu viele Halb- und Fertigfabrikate auf Lager liegen, weil sie
noch nicht verkauft werden konnten.

Liquidität 3. Grades
Die Liquidität 3. Grades kann folgendermaßen errechnet werden:

215
A Teilanalysen

Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen+ Vorräte


Liquidität 3. Grades = x 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

Zielvorgabe: 120 %–150 %


Die Liquidität 3. Grades berücksichtigt neben den flüssigen Mitteln
und den kurzfristigen Forderungen auch noch die Vorräte im Zäh-
ler. Der Nenner bleibt bei allen Liquiditätsgraden (1–3) gleich.
Der Finanzmanager sollte versuchen, als Zielgröße 120 %–150 %
anzustreben. Liegt das Ergebnis darunter, könnte es Probleme mit
der Preisgestaltung im Unternehmen geben. Übersteigt die Liquidi-
tät 3. Grades 150 %, dann ist das Lager zu hoch und bindet zuviel
Kapital.

WorkingCapital
Das Working-Capital können wir wie folgt errechnen:
Umlaufvermögen
– kurzfristige Verbindlichkeiten
= WorkingCapital

Zielvorgabe: Positives Ergebnis


Der Zähler bei der Liquidität 3. Grades stellt das Umlaufvermögen
dar. Das Working-Capital ist also die Differenz aus dem Umlauf-
vermögen minus den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Das Working-
Capital sollte möglichst positiv sein.
Wenn das Working-Capital positiv ist, wird ein Teil des Umlauf-
vermögens mit langfristig zur Verfügung stehendem Kapital finan-
ziert. Das langfristige Kapital setzt sich aus dem Eigenkapital und
dem langfristigen Fremdkapital zusammen. Die Beurteilung der
Liquidität und der Bonität der Unternehmen ist also mithilfe des
Working-Capital möglich.
Die zukünftige Liquidität eines Unternehmens ist um so eher gesi-
chert, je höher das Working-Capital ist. Die Liquidität wird besser
beurteilt, wenn die Zahlungsverpflichtungen längerfristig sind.
Sollte das Working-Capital negativ sein, ist dieses Ergebnis ein An-
zeichen dafür, dass ein Teil des Anlagevermögens kurzfristig finan-
ziert wurde. Dadurch kann ein Unternehmen schnell in Liquidi-
tätsschwierigkeiten kommen.

216
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Das positive Working-Capital zeigt an, dass ein Teil des kurzfristigen
Vermögens nicht zur Deckung der kurzfristigen Verbindlichkeiten
erforderlich ist. Dieser Teil wird durch längerfristig gebundenes
Kapital abgedeckt. Die Höhe des Working-Capital ist deshalb ein
Ausdruck für die finanzielle Beweglichkeit der Unternehmen.
Bedeutung der Liquiditätsgrade
Die Aussagekraft der Liquiditätsgrade ist begrenzt, da die zu dieser
Analyse verwendeten Daten sich jeweils nur auf einen einzigen Zeit-
punkt am Jahresende beziehen. Vor und nach dem Jahresabschluss
können die Zahlen wieder anders aussehen. Das hängt insbesondere
davon ab, ob die Unternehmen bewusst die Bilanzoptik zum Jahres-
abschluss besser darstellen wollen oder nicht.
Die Liquiditätsgrade basieren auf den Daten aus der Bilanz. Die
Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens hängt aber noch von ande-
ren Faktoren ab, die aus den einzelnen Finanzpositionen nicht ein-
fach zu ersehen sind. Dazu gehören beispielsweise folgende Punkte:
1. Die aktiven und passiven Bilanzpositionen werden bewertet. Bei
der Bewertung besteht ein erheblicher Ermessensspielraum.
2. Die zur Sicherheit übereigneten, verpfändeten oder abgetretenen
Vermögenspositionen sind nicht immer ersichtlich.
3. Die Fälligkeiten der kurzfristigen Forderungen und Verbind-
lichkeiten sind bei der externen Analyse nicht bekannt.
4. Die in der Bilanz ausgewiesenen kurzfristigen Verbindlichkeiten
umfassen nicht alle zu leistenden Ausgaben, z. B. Leasing-Raten.
5. Die Möglichkeiten zur Beschaffung und Verlängerung kurzfristi-
ger Kredite sind nicht bekannt.
6. Die Liquiditätszahlen geben nur ein punktuelles Bild der Fi-
nanzlage des Unternehmens wieder, weil sie auf der Basis eines
Jahresabschlusses erstellt werden.
7. Die Liquiditätsanalyse erfolgt regelmäßig zu spät für eine kurz-
fristige Beurteilung der Liquiditätslage der Unternehmen.
Die statischen Liquiditätskennzahlen ermöglichen nur eine be-
grenzte Aussage darüber, ob die Existenz des Unternehmens gesi-
chert ist oder nicht. Die Liquidität muss aber ständig vorhanden

217
A Teilanalysen

sein. Eine kurzfristige Liquiditätskrise kann bereits den Bestand


eines Unternehmens gefährden.
Die bestandsorientierte Liquiditätsrechnung muss durch eine
stromgrößenorientierte Finanzplanung oder durch eine bewegungs-
orientierte Kapitalflussrechnung ergänzt werden, um einen besseren
Einblick in die Finanzlage des Unternehmens zu erhalten.

16.3.2 Langfristige Liquidität


Bei der langfristigen Liquiditätsanalyse geht es um drei Deckungsre-
lationen, die auch Deckungsgrade genannt werden. Dabei werden
bestimmte Positionen der Passivseite mit bestimmten Positionen der
Aktivseite der Bilanz verglichen.

Deckungsgrad 1
Der Deckungsgrad 1 drückt aus, inwieweit das Anlagevermögen
durch Eigenkapital gedeckt ist.
Die Formel lautet:
Eigenkapital
Deckungsgrad 1 = x 100
Anlagevermögen

Deckungsgrad 2
Beim Deckungsgrad 2 wird untersucht, ob das Anlagevermögen durch
das Eigenkapital und das langfristige Fremdkapital abgedeckt wird.
Die Formel lautet:
Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital
Deckungsgrad 2 = x 100
Anlagevermögen

Deckungsgrad 3
Der Deckungsgrad 3 gibt Auskunft darüber, ob das Anlagevermögen
und die Vorräte durch das Eigenkapital und das langfristige Fremd-
kapital finanziert werden oder nicht.
Die Formel lautet:
Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital
Deckungsgrad 3 = x 100
Anlagevermögen + Vorräte

218
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bedeutung der langfristigen Liquidität
Bei der langfristigen Liquidität geht es um die strukturellen Zusam-
menhänge zwischen Kapitalbeschaffung und Kapitalverwendung.
Die Deckungsgrade geben Auskunft darüber, ob die Finanzierungs-
regeln eingehalten werden oder nicht.
Die finanzielle Struktur des Unternehmens sollte so beschaffen sein,
dass die Banken oder andere Fremdkapitalgeber das Unternehmen
für kreditwürdig halten. Ist dies nicht mehr der Fall, könnte ein Teil
des Fremdkapitals abgezogen werden oder zusätzlich erforderliches
Fremdkapital nicht zur Verfügung gestellt werden. Die Folge wäre
dann, dass das Unternehmen in seiner Existenz gefährdet wäre.
Wenn die Finanzierungsregeln eingehalten werden, können wir
davon ausgehen, dass die langfristige Liquidität des Unternehmens
gesichert ist. Allerdings muss berücksichtigt werden, ob es sich um
anlage- oder umlaufvermögensintensive Unternehmen handelt.
Deshalb müssen zur Analyse der Unternehmen neben den eigenen
Kennzahlen auch Branchenkennzahlen herangezogen werden.

Zusammenfassung:
Die Finanzierung ist ein dynamischer Prozess, der durch laufende Ein
nahmen und Ausgaben beeinflusst wird. Die Aufgabe der Finanzierung
besteht darin, zwischen den gegenläufigen Zahlungsströmen ein
Gleichgewicht herzustellen und die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen
zu gewährleisten.
Die dynamischen Vorgänge werden allerdings durch statische Gesichts
punkte bewertet. Trotzdem sind die Grundsätze der Finanzierungsregeln
wichtige Maßstäbe für die Beurteilung der Finanzierung der Unterneh
men. Die Finanzierungsregeln haben sich in der Praxis bewährt, insbe
sondere wenn auch die Branchenkennzahlen herangezogen werden.

16.4 CashflowAnalyse
Der Cashflow lässt erkennen, ob das Unternehmen die erforderli-
chen Finanzmittel aus eigener Kraft für die nötigen Investitionen zur
Verfügung stellen kann. Die Innenfinanzierung ist identisch mit
dem Cashflow, der ein Indikator für die Ertrags- und Finanzkraft
eines Unternehmens ist.

219
A Teilanalysen

Die Finanzkraft gibt Auskunft über das finanzielle Potenzial eines


Unternehmens, das aus der erfolgreichen Tätigkeit in der Wirtschaft
erwächst. Der Cashflow zeigt auf, welche finanziellen Mittel aus
eigener Kraft erwirtschaftet werden (Innenfinanzierung). Da ein
hoher Cashflow die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens verbes-
sert, hat das Unternehmen auch die Möglichkeit, zusätzliche Kredite
am Geld- und Kapitalmarkt aufzunehmen, um weitere Investitionen
zu finanzieren (Außenfinanzierung).
Der Cashflow ist eine wichtige Kennzahl für die Unternehmenslei-
tung, da sie auch Auskunft über die Kreditfähigkeit und Kreditwür-
digkeit des Unternehmens gibt. Diese finanzwirtschaftliche Kenn-
zahl lässt die Finanzkraft eines Unternehmens erkennen. Die selbst
erwirtschafteten Mittel stehen den Unternehmen frei zur Verfügung.
Diese Mittel können beispielsweise für die Finanzierung von Inve-
stitionen, für die Schuldentilgung und für die Gewinnausschüttung
verwendet werden. Je höher der Cashflow ist, desto positiver ist also
die Liquiditätslage des Unternehmens zu beurteilen.
Der Cashflow ist auch ein Indikator für die Verschuldungsfähigkeit
eines Unternehmens. Die einzelnen Verbindlichkeiten des Unter-
nehmens können nur durch selbst erwirtschaftete Mittel getilgt
werden. Der dynamische Verschuldungsgrad ist ein Maßstab für die
Möglichkeiten zur Schuldentilgung. Die gesamte Verschuldung
eines Unternehmens sollte das 3,5fache des durchschnittlichen
Cashflow nicht überschreiten.
Der dynamische Verschuldungsgrad wird wie folgt errechnet:
Fremdkapital
Dynamischer Verschuldungsgrad = x 100
Cashflow

Der dynamische Verschuldungsgrad wird auch als Entschuldungs-


kraft eines Unternehmens bezeichnet. Diese Kennzahl ist ein Indi-
kator für die Entschuldungskraft des Unternehmens, da die Schul-
den letztendlich nur aus dem Cashflow getilgt werden können.
Die Methoden zur Berechnung des Cashflow sehen wie folgt aus:
1. Direkte Ermittlung
2. Indirekte Ermittlung

220
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
16.4.1 Direkte Ermittlung
Bei der direkten Ermittlung ist der Cashflow der Teil des Einnah-
mestroms einer Periode, der dem Unternehmen nach Abzug aller
Ausgaben dieser Periode zur Verfügung steht. Die zahlungsbegleite-
ten Erträge (Einnahmen) umfassen beispielsweise die Umsatzerlöse
und die Zinsen für Festgelder. Zu den zahlungsbegleiteten Aufwen-
dungen (Ausgaben) gehören zum Beispiel die Löhne und Gehälter,
die Fremdkapitalzinsen und der Materialverbrauch.
In der GuV werden von den Erträgen die Aufwendungen abgezogen,
um den Jahresüberschuss (Gewinn) zu erhalten. Einige Erträge sind
nicht zahlungsbegleitet (finanzwirksam) wie z. B. die Erhöhung der
Bestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen. Auch nicht alle
Aufwendungen sind zahlungsbegleitet. Dazu gehören die Abschrei-
bungen und die Rückstellungen. Der Cashflow ergibt sich also aus
der Differenz der zahlungsbegleiteten Erträge (Einnahmen) minus
der zahlungsbegleiteten Aufwendungen (Ausgaben).
Direkte Ermittlung
Zahlungsbegleitete Erträge (Einnahmen)
z. B.: Umsatzerlöse, Zinsen
– Zahlungsbegleitete Aufwendungen (Ausgaben),
z. B.: Löhne, Gehälter, Fremdkapitalzinsen, Materialverbrauch
= Cashflow
Abb. 85: Direkte Ermittlung des Cashflow

16.4.2 Indirekte Ermittlung


Der Cashflow kann auch indirekt ermittelt werden. Wir zählen dann
zum Gewinn die nicht zahlungsbegleiteten Aufwendungen dazu. Die
Abschreibungen und die Bildung von Rückstellungen sind bei-
spielsweise nicht zahlungsbegleitete Aufwendungen. Außerdem
müssen die nicht zahlungsbegleiteten Erträge abgezogen werden. Zu
diesen Erträgen gehören die Bestandserhöhungen an Halb- und
Fertigfabrikaten, die aktivierten Eigenleistungen sowie die Auflösung
von Rückstellungen.

221
A Teilanalysen

Indirekte Ermittlung
Gewinn (Jahresüberschuss), Verlust (Jahresfehlbetrag
+ Nicht zahlungsbegleitete Aufwendungen
z. B.: Abschreibungen, Bildung von Rückstellungen
– Nicht zahlungsbegleitete Erträge
z. B.: Bestandserhöhung an Halb und Fertigfabrikaten, aktivierte Eigenleistungen,
Auflösung von Rückstellungen
= Cashflow
Abb. 86: Indirekte Ermittlung des Cashflow
Die detaillierte und auf den Produktions- und Umsatzprozess bezo-
gene Errechnung des Cashflow bei einer AG erfolgt folgendermaßen:
1. Bilanzgewinn/Bilanzverluste
2. + Nichtzahlungsbegleitete Aufwendungen, Rücklagen, Gewinnvortrag
Einstellung in die Rücklagen, Erhöhung des Gewinnvortrags, Abschreibungen
auf das Anlagevermögen, Erhöhung von Wertberichtigungen, Erhöhung der
Sonderposten mit Rücklageanteil, Erhöhung der Rückstellungen, Bestandsmin
derung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen, periodenfremde Aufwendun
gen, betriebsfremde Aufwendungen, außerordentliche Aufwendungen.
3. – Nichtzahlungsbegleitete Erträge, Rücklagen, Gewinnvortrag
Entnahme aus Rücklagen, Minderung des Gewinnvortrages, Zuschreibungen,
Auflösungen von Wertberichtigungen, Minderungen der Sonderposten mit
Rücklagenanteil, Auflösung der Rückstellungen, Bestandserhöhungen an
fertigen und unfertigen Erzeugnissen, aktivierte Eigenleistungen, perioden
fremde Erträge, betriebsfremde Erträge, außerordentliche Erträge
4. = Cashflow

Zusammenfassung:
Da die Eigenkapitalquote in vielen Unternehmen rückläufig ist, spielt
der Cashflow für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit der Unternehmen
eine immer größere Rolle. Die Banken überprüfen, ob die Unternehmen
insbesondere bei zunehmendem Verschuldungsgrad einen ausreichen
den Cashflow erwirtschaften, um die Zinsen und Tilgungen zahlen zu
können. Der Cashflow übernimmt zum Teil die Haftungsfunktion des
Eigenkapitals.

222
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die dynamische Verschuldungsregel besagt, dass die Gesamtverschul
dung (Fremdkapital) eines Unternehmens das 3,5fache des Cashflow
nicht überschreiten sollte. Wenn diese Regel in der Praxis nicht einge
halten wird, beeinflusst diese Tatsache die Beurteilung der Kreditwür
digkeit der Unternehmen negativ.
Der Cashflow ist also eine bessere Maßgröße als der Gewinn für die Be
urteilung der Unternehmen. Er gibt Auskunft über die Ertrags und Fi
nanzkraft der Unternehmen.

16.5 WertschöpfungsAnalyse
Die Wertschöpfungsrechnung ist ein Instrument der erfolgswirt-
schaftlichen Bilanzanalyse. Die Grundlage der Wertschöpfungsrech-
nung ist die GuV in Form des Gesamtkostenverfahrens. Alle Erträge
und Aufwendungen werden bei der Wertschöpfungsrechnung ver-
wendet. Die ermittelte Wertschöpfung stellt gegenüber den kapitalo-
rientierten Erfolgsgrößen (Eigenkapital-Rentabilität, Gesamtkapital-
Rentabilität) eine erweiterte und umfassendere Erfolgsgröße dar.

Wertschöpfung

Entstehungsrechung Verwendungsrechnung

Abb. 87: Entstehungs und Verwendungsrechung der Wertschöpfung


Bei der Wertschöpfungs-Analyse unterscheiden wir die Entste-
hungs- und die Verwendungsrechnung.

16.5.1 Entstehungsrechnung
Die Ausgangsgröße für die Errechnung der Wertschöpfung ist der
Produktionswert. Er setzt sich aus den Umsatzerlösen, aus den Be-
standsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen und
aus den aktivierten Eigenleistungen sowie aus den sonstigen betrieb-
lichen Erträgen zusammen.

223
A Teilanalysen

Wertschöpfung

Produktionswert Vorleistungen

Abb. 88: Bestandteile der Entstehungsrechnung bei der Wertschöpfung

Umsatzerlöse
+ Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
+ Aktivierte Eigenleistungen
= Gesamtleistung
+ Sonstige Erträge
= Produktionswert
Abb. 89: Zusammensetzung des Produktionswertes
Von dem Produktionswert ziehen wir die Vorleistungen ab und
erhalten die Wertschöpfung. Die Vorleistungen umfassen den Mate-
rialaufwand (Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe),
die Abschreibungen und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen.
Die Vorleistungen beinhalten also Produkte und Leistungen, bei
denen die Wertschöpfung von den Lieferanten erzielt wurde.
Materialaufwand
+ Abschreibungen
+ Sonstige Aufwendungen
= Vorleistungen
Abb. 90: Zusammensetzung der Vorleistungen

224
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Wertschöpfung

Entstehung der Wertschöpfung

Umsatz Bestands Aktivierte Material Abschrei Sonstige


erlöse verände Eigen aufwand bungen Aufwen
rungen an leistungen dungen
fertigen und
unfertigen
Erzeugnissen

Gesamt Sonstige
leistung + Erträge

Produktions – Vorleistungen
wert

Wertschöpfung

Personal Rück Zinsen Steuern Gewinn


aufwand stellungen

Verwendung der Wertschöpfung

Abb. 91: Entstehung und Verwendung der Wertschöpfung


Die Wertschöpfung ist also die Differenz aus dem Produktionswert
minus den Vorleistungen.
Produktionswert
– Vorleistungen
= Wertschöpfung

16.5.2 Verwendungsrechnung
Bei der Verwendungsrechnung werden bestimmte Positionen der
GuV gesondert erfasst. In der folgenden Aufstellung sind die Posi-

225
A Teilanalysen

tionen aufgeführt, die in einer Verwendungsrechnung herausgestellt


werden sollten:
Verwendungsrechnung
€ %
Personalaufwand
Rückstellungen
Zinsen
Steuern
Gewinn
Wertschöpfung 100
Abb. 92: Zusammensetzung der Verwendungsrechnung der Wertschöpfung
Der Personalaufwand schließt die Löhne und Gehälter sowie die
sozialen Abgaben und Aufwendungen für die Altersversorgung ein.
Die Rückstellungen umfassen die Pensionsrückstellungen, die Steu-
errückstellungen und die sonstigen Rückstellungen, die separat er-
rechnet werden müssen. Die Zinsen enthalten alle Zinsen und ähnli-
che Aufwendungen. Zu den Steuern gehören die Steuern vom Ein-
kommen und vom Ertrag sowie die sonstigen Steuern. Der Gewinn
umfasst den Jahresüberschuss einschließlich der Rücklagen.
Bei der Verwendungsrechnung sollten neben den Beträgen auch die
Prozentsätze aufgeführt werden. Die Wertschöpfung ist die Basis
und wird als 100 % angegeben. Dann wird beispielsweise ersichtlich,
dass der Personalaufwand (Löhne und Gehälter) 80 % der Wert-
schöpfung ausmacht. Wenn für den Personalaufwand bereits 80 %
der Wertschöpfung verteilt wird, bleibt für die anderen Positionen
insgesamt nur noch 20 % übrig.
Die Ergebnisse der Verwendungsrechnung lassen sich anhand der
Prozentsätze einfach analysieren. Ein Anteil von 80 % für Löhne
und Gehälter lässt darauf schließen, dass der Personalaufwand in
dem Unternehmen zu hoch ist, dass die Produktivität im Unterneh-
men zu niedrig ist oder dass die am Markt zu erzielenden Preise für
die Produkte zu niedrig sind. Es sollte überlegt werden, ob nicht in
Zukunft die arbeitsintensiven Produkte besser im Ausland produziert
werden, wo wesentlich niedrigere Löhne bezahlt werden müssen.
Der Personalaufwand gibt an, welchen Anteil die Mitarbeiter an der
Wertschöpfung haben. Die Rückstellungen geben Aufschluss dar-

226
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
über, welche Risikovorsorgungen getroffen wurden. Die Zinsen
stellen den Anteil der Banken an der Wertschöpfung dar. Die Steu-
ern deuten darauf hin, welchen Anteil der Staat am Unternehmen
hat. Der Gewinn ist die Restgröße, die für die Gesellschafter des
Unternehmens übrig bleibt. Die genaue Analyse der Verwendungs-
rechnung ist also sehr aufschlussreich für die Unternehmensleitung
und die Führungskräfte eines Unternehmens.

Zusammenfassung:
Die Verwendungsrechnung der Wertschöpfung gibt Aufschluss über die
Verteilung der im Unternehmen erzielten Einkommen. Die Wertschöp
fung ermöglicht auch eine Beurteilung der Produktivität des Unterneh
mens. Wenn wir die Verwendung der Wertschöpfung analysieren, er
kennen wir, dass die Wertschöpfung auch ein Maßstab für die Lei
stungskraft eines Unternehmens ist.

16.6 Kapitalflussrechnung
Nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Phasen benötigen Unter-
nehmen genauere finanzielle Informationen, um ihre Betriebe besser
steuern zu können. Die Transparenz der innerbetrieblichen Vorgän-
ge muss erhöht werden. Ein Unternehmer sollte beispielsweise wis-
sen, welche Auswirkung die Erhöhung der Forderungen aus Liefe-
rungen und Leistungen auf die Finanzierung seines Unternehmens
hat. Besondere Berechnungen sind erforderlich, um einen besseren
Einblick in die Finanzströme eines Unternehmens zu erhalten.

16.6.1 Wesen
Die finanzwirtschaftlichen Vorgänge im Unternehmen müssen
transparenter gemacht werden. Deshalb sollte auch die Kapitalfluss-
rechnung ein Teil des Management-Informations-Systems eines
Unternehmens darstellen.
Für die finanzwirtschaftliche Beurteilung eines Unternehmens sind
die von dem Unternehmen selbst erwirtschafteten und die ihm von
außen zugeflossenen Finanzierungsmittel von entscheidender Be-
deutung. Hierüber gibt der Jahresabschluss (Bilanz sowie Gewinn-
und Verlustrechnung) nur unzureichende Informationen.

227
A Teilanalysen

Die Kapitalflussrechnung ist eine Zeitraumrechnung, in der im Ge-


gensatz zur zeitpunktbezogenen Bilanz nicht Bestände an Vermögen
und Kapital, sondern Bestandsveränderungen bzw. die Bewegungen
der einzelnen Bilanzpositionen ausgewiesen werden.
In der Gewinn- und Verlustrechnung, die ebenfalls eine Zeitraum-
rechnung ist, werden nur erfolgswirksame Vorgänge erfasst. Die Ka-
pitalflussrechnung dagegen ermittelt in erster Linie die finanzwirksa-
men Bewegungen, da die Auswahl der Vorgänge nach anderen Ge-
sichtspunkten erfolgt. Die Verwendung und die Herkunft der finan-
ziellen Mittel werden also in der Kapitalflussrechnung offengelegt.

16.6.2 Begriffe
Die Kapitalflussrechnungg ist eine zeitraumbezogene Bewegungs-
rechnung. In der Literatur und in der Praxis gibt es noch andere
Bezeichnungen. Diese Begriffe beziehen sich teilweise auch auf spe-
zielle Formen der Kapitalflussrechnung.
Für die Kapitalflussrechnung werden noch folgende Bezeichnungen
verwendet:
• Bewegungsbilanz
• Finanzierungsrechnung
• Finanzflussrechnung
• Zeitraumbilanz
• Fonds-Rechnung
• Funds-Statement
Die Kapitalflussrechnung kann intern und extern erstellt werden. Die
Ergebnisse der Kapitalflussrechnung sind deshalb innerhalb und au-
ßerhalb der Unternehmen von großer Bedeutung, da sie einen zusätz-
lichen Einblick in das Finanzgebaren der Unternehmen gewähren.
Außerdem kann sich die Kapitalflussrechnung auf vergangene und
zukünftige Geschäftsjahre richten. Wir sprechen dann auch von einer
retrospektiven und einer prospektiven Kapitalflussrechnung.
Die Kapitalflussrechnung kann sich nur auf die Bewegungen der
einzelnen Bilanzpositionen beschränken (Beständedifferenzbilanz).
Zusätzliche Informationen erhalten wir, wenn auch einige Positio-
nen der GuV in die Kapitalflussrechnung einbezogen werden (er-
weiterte Kapitalflussrechnung).

228
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
16.6.3 Aufgaben
Die Kapitalflussrechnung gibt Auskunft über die Mittelherkunft und
die Mittelverwendung, die nach besonderen Gesichtspunkten ge-
gliedert werden. Mithilfe der Kapitalflussrechnung können die
Gründe für die Veränderungen in den Vermögens- und Kapitalbe-
reichen offengelegt werden. Außerdem lässt sich die Entwicklung
der Liquidität genauer nachweisen.
Die Aufgaben der Kapitalflussrechnung bestehen also darin, zusätz-
lich zur Bilanz sowie zur Gewinn- und Verlustrechnung in einer
gesonderten Darstellung ergänzende Aussagen über Investitions-
und Finanzierungsvorgänge sowie über die Entwicklung der finan-
ziellen Lage eines Unternehmens zu machen, die aus dem Jahresab-
schluss selbst nicht oder nur mittelbar entnommen werden können.
Zu diesem Zweck werden die finanzwirksamen Vorgänge nach be-
stimmten Gesichtspunkten aufgegliedert.

16.6.4 Erstellen der Kapitalflussrechnung


Bei der Erstellung der Kapitalflussrechnung sollten wir schrittweise
vorgehen. Zuerst muss eine Beständedifferenzbilanz, anschließend
eine Veränderungsbilanz und schließlich eine erweiterte Kapital-
flussrechnung aufgebaut werden.

Beständedifferenzbilanz
Die einfachste Form einer Zeitraumrechnung, die auf einem Ver-
gleich von Bilanzbeständen beruht, ist die Beständedifferenzbilanz,
die die Grundlage für die Erstellung der Kapitalflussrechnung bildet.
Sie wird durch die Saldierung der Bestände zweier aufeinanderfol-
gender Zeitpunktbilanzen ermittelt.
Die sich ergebenden Differenzen bilden die Beständedifferenzbilanz.
Die positiven Beträge sind Bestandsmehrungen und die negativen
Beträge bedeuten Bestandsminderungen. Bei der Beständedifferenz-
bilanz ergibt sich auf beiden Seiten der Bilanz die gleiche Summe.
Eine Beständedifferenzbilanz wird anhand der Werte der folgenden
Bilanzen eines Unternehmens erarbeitet. Die Gewinn- und Verlust-
rechnungen können ebenfalls der folgenden Abbildung entnommen
werden:

229
A Teilanalysen

Bilanzen
Aktiva T€ Passiva T€
2005 2006 2005 2006
I. Anlagevermögen I. Grundkapital 600 600
1. Sachanlagen 400 500 II. Rücklagen 200 200
2. Finanzanlagen 300 300 III. Rückstellungen 100 150
II. Umlaufvermögen IV. Verbindlichkeiten
1. Vorräte mit einer Laufzeit
1.1 Roh, Hilfs und von mindestens
Betriebsstoffe 150 190 5 Jahren 200 330
1.2 Fertigerzeugnisse 130 130 V. Sonstige
2. Andere Gegenstände Verbindlichkeiten 120 70
des Umlaufvermö VI. Bilanzgewinn 130 90
gens
2.1 Forderungen aus 50 90
Lieferungen und
Leistungen
2.2 Kassenbestand 200 150
2.3 Guthaben bei Bank 120 80
Bilanzsumme 1.350 1.440 Bilanzsumme 1.350 1.440
Abb. 93: Bilanzen eines Unternehmens in den Jahren 2005 und 2006

Gewinn und Verlustrechnungen


2005 (T €) 2006 (T €)
1. Umsatzerlöse 2.600 3.000
2. Aufwendungen für Roh, Hilfs und Betriebsstoffe 1.200 1.550
3. Rohertrag 1.400 1.450
4. Erträge aus Beteiligungen 36 56
5. Löhne und Gehälter 1.000 1.100
6. Abschreibungen auf Sachanlagen 200 180
7. Rückstellungen – 50
8. Zinsaufwendungen 36 55
9. Steuern 50 20
10. Sonstige Aufwendungen 20 10
11. Jahresüberschuss 130 90
12. Einstellung in Rücklagen – –
13. Bilanzgewinn 130 90
Abb. 94: Gewinn und Verlustrechnungen eines Unternehmens in den Jahren 2005 und
2006

230
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Bei der Erstellung der Beständedifferenzbilanz müssen alle Differen-
zen mit einem Plus oder Minus (–Zeichen) versehen werden. Auf
der Aktivseite bedeuten alle A + eine Aktivzunahme und alle A –
eine Aktivabnahme. Wenn man die Passivseite betrachtet, dann
ergeben P + eine Passivzunahme und P – eine Passivabnahme.

Aktiva T€ Passiva T€
Anlagevermögen Grundkapital –
Sachanlagen + 100 Rücklagen –
Finanzanlagen – Rückstellungen + 50
Umlaufvermögen Langfristige Verbindlichkeiten + 130
Roh, Hilfs und Betriebs
+ 40 Sonstige Verbindlichkeiten – 50
stoffe
Fertigerzeugnisse – Bilanzgewinn
Forderungen + 40 – 40
Kasse – 50
Banken – 40
Summe + 90 Summe + 90
Abb. 95: Beständedifferenzbilanz

Veränderungsbilanz
Wenn die negativen Werte auf der Aktivseite und Passivseite durch
Übertragung auf die jeweils andere Seite der Beständedifferenzbilanz
zum Ausgleich gebracht werden, erhalten wir die Veränderungsbi-
lanz.
Für die Veränderungsbilanz gilt folgende Formel der Bilanzglei-
chung:

Mittelverwendung Mittelherkunft
Aktivzunahme A+ Passivzunahme P+
Passivabnahme P– Aktivabnahme A–
Summe Summe

In der Veränderungsbilanz werden die Begriffspaare Mittelverwen-


dung und Mittelherkunft verwendet. Aus dieser Aufstellung können
wir die Bewegungen der finanzwirtschaftlichen Vorgänge des Un-
ternehmens innerhalb eines Geschäftsjahres erkennen. Diese Dar-
stellung lässt eine Analyse des Finanzgebarens eines Unternehmens

231
A Teilanalysen

zu. Die Entwicklung der kurz- und langfristigen Liquidität kann


dann besser beurteilt werden.
Die folgende Abbildung zeigt die Veränderungsbilanz. Auch bei der
Veränderungsbilanz müssen die Summen auf beiden Seiten wieder
gleich sein.

Mittelverwendung T€ Mittelherkunft T€
Aktivzunahme Passivzunahme
Sachanlagen + 100 Rückstellungen+ 50 + 50
Roh, Hilfs und Betriebs Langfristige
stoffe + 40 + 40 Verbindlichkeiten + 130 + 130
Forderungen + 40 + 40 Aktivabnahme
Passivabnahme Kasse + 50 + 50
Sonstige Verbindlichkeiten + 50 Banken + 40 + 40
Bilanzgewinn + 40 + 40
Summe + 270 Summe + 270
Abb. 96: Veränderungsbilanz
Auf der Mittelherkunftsseite werden die Finanzierungsarten aufge-
zeigt. Sie können in Außen- und Innenfinanzierung oder in Eigen-
und Fremdfinanzierung unterteilt werden.

Erweiterte Kapitalflussrechnung
Entscheidend für die Aussagekraft der Kapitalflussrechnung ist ihre
Gliederung. Zielsetzung dieser Rechnung ist die Darstellung und
Analyse der finanzwirtschaftlichen Vorgänge eines Unternehmens
innerhalb eines bestimmten Geschäftsjahres. Die Gliederung der
Kapitalflussrechnung muss klare Aussagen über das Finanzgebaren
des Unternehmens ermöglichen. Auf die Beurteilung der Liquidi-
tätsentwicklung muss ebenfalls abgestellt werden.
Zur Verbesserung der Aussagefähigkeit der Kapitalflussrechnung
können wir folgende Gliederung verwenden:
• Mittelherkunft
– Eigenkapital-Zunahme
– Cashflow
– Betriebsmittel-Abnahme
– Schuldenaufnahme
– Minderung liquider Mittel

232
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
• Mittelverwendung
– Eigenkapital-Abnahme
– Investitionen
– Betriebsmittel-Zunahme
– Schuldtilgung
– Erhöhung liquider Mittel

Bei der erweiterten Gliederung der Kapitalflussrechnung müssen


folgende Ergänzungen vorgenommen werden, die der Gewinn- und
Verlustrechnung entnommen werden können:
• Mittelherkunft
1. Aufnahme des Gewinns des Geschäftsjahres.
2. Aufnahme der Abschreibungen des Geschäftsjahres.
• Mittelverwendung
1. Aufnahme des Gewinns des Vorjahres.
2. Aufnahme der Abschreibungen (Brutto-Investitionen) des
Geschäftsjahres.
Nach Einbeziehung des Gewinns des laufenden Geschäftsjahres und
des Vorjahres sowie der Abschreibungen dieses Geschäftsjahres sieht
das Schema der erweiterten Kapitalflussrechnung wie in der folgen-
den Abbildung aus.

233
A Teilanalysen

Mittelverwendung Mittelherkunft
1. EigenkapitalAbnahme 1. EigenkapitalZunahme
Gewinnausschüttung Erhöhung des Grundkapitals
Kapitalentnahme
Bilanzverlust

2 Investitionen 2. Cashflow
Sachanlagen Netto Gewinn dieses Jahres
+ Abschreibungen Abschreibungen
= Sachanlagen Brutto Erhöhung der Rückstellungen

Finanzanlagen Netto
+ Abschreibungen
= Finanzanlagen Brutto

3. BetriebsmittelZunahme 3. BetriebsmittelAbnahme
Erhöhung der Vorräte Verringerung der Vorräte
Zunahme der Forderung Reduzierung der Forderungen

4. Schuldentilgung 4. Schuldenaufnahme
Reduzierung der Verbindlichkeiten Erhöhung der Verbindlichkeiten

5. Erhöhung liquider Mittel 5 Minderung liquider Mittel


Zunahme des Kassenbestandes Reduzierung der Bankguthaben

Summe Summe
Abb. 97: Erweiterte Kapitalflussrechnung
Die erweiterte Kapitalflussrechnung, nach Verwendungs- und Fi-
nanzierungsarten gegliedert, – mit den Beispieldaten der Verände-
rungsbilanz – ergänzt um die Gewinne des Geschäftsjahres und des
Vorjahres sowie um die Abschreibungen dieses Geschäftsjahres sieht
wie folgt aus:

234
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Mittelverwendung T€ Mittelherkunft T€
1. EigenkapitalMinderung 1. EigenkapitalErhöhung
Gewinn des Vorjahres 130 –

2. Investitionen 2. Cashflow
Sachanlagen 100 Gewinn dieses Jahres 90
+ Abschreibungen 180 + Abschreibungen 180
= Sachanlagen Brutto 280 + Rückstellungen 50
= Summe 320

3. BetriebsmittelZunahme 3. BetriebsmittelAbnahme
Roh, Hilfs und –
Betriebsstoffe 40
Forderungen 40

4. Schuldentilgung 4. Schuldenaufnahme
Sonstige Verbindlichkeiten 50 Langfristige Verbindlichkeiten 130

5. Erhöhung liquider Mittel 5. Minderung liquider Mittel


– Kasse 50
Banken 40
Summe 540 Summe 540
Abb. 98: Erweiterte Kapitalflussrechnung des Jahres 2006

16.6.5 Zusammenfassung
Die Kapitalflussrechnung ist eine Zeitraumrechnung, aus der die
Bewegungen der einzelnen Bilanzpositionen während des Ge-
schäftsjahres zu ersehen sind. Die Erstellung der Kapitalflussrech-
nung sollten wir schrittweise vornehmen. Zuerst wird die Bestände-
differenzbilanz erarbeitet. Dann folgt die Veränderungsbilanz. Zu-
sätzliche Informationen liefert die erweiterte Kapitalflussrechnung,
die aus der Gewinn- und Verlustrechnung noch den Gewinn des
Geschäftsjahres und des Vorjahres sowie die Abschreibungen des
Geschäftsjahres mit einbezieht.
Bei der erweiterten Kapitalflussrechnung können die Vorgänge im
Bereich der Investitionen und der Finanzierung des Unternehmens
zum Ausdruck gebracht werden, die aus der Bilanz und aus der
Gewinn- und Verlustrechnung nicht ersichtlich sind. Deshalb ist die
Kapitalflussrechnung eine zusätzliche Informationsquelle zum Jah-

235
A Teilanalysen

resabschluss und ermöglicht den besseren Einblick in die dynami-


sche Liquidität des Unternehmens.
Die Kapitalflussrechnung bringt folgende zusätzliche Erkenntnisse:
1. Bessere Aussage über das Finanzgebaren des Unternehmens.
2. Genauerer Einblick in die Investitions- und Finanzierungsvor-
gänge.
3. Schnellerer Überblick über die Innen- und Außenfinanzierung
sowie über die Eigen- und Fremdfinanzierung.
4. Besserer Überblick über die Fristigkeit der Finanzierungsmittel
bezüglich Herkunft und Bindungsdauer.

Zusammenfassung:
Bei der Kapitalflussrechnung (Bewegungsbilanz) werden die Mittelver
wendung und die Mittelherkunft einander gegenüber gestellt. Nur auf
diese Weise können die Veränderungen der Bilanzpositionen innerhalb
eines Geschäftsjahres deutlich aufgezeigt werden.
Zur Erstellung der Kapitalflussrechnung benötigen wir zwei aufeinan
derfolgende Bilanzen. Die Einzelbilanzen stellen Zeitpunktrechnungen
dar. Der Jahresabschluss (Bilanz, Gewinn und Verlustrechnung) gibt
nur unzureichende Auskunft über die finanzwirtschaftlichen Vorgänge,
die sich während des Geschäftsjahres ereignen. Deshalb ist es erforder
lich, die Kapitalflussrechnung aufzubauen, um einen besseren Einblick
in die Verhältnisse zu erhalten.

16.7 AktienAnalyse
Zu den Instrumenten der Erfolgsanalyse gehört auch die Aktien-
Analyse. Der Gewinn je Aktie und das Kurs-Gewinn-Verhältnis
beispielsweise sind wichtige Kennzahlen, die von Kapitalanlegern
und von professionellen Anlageberatern verwendet werden, um die
an der Börse notierten Unternehmen zu vergleichen und um die
Aktienkurse besser beurteilen zu können.
Die Ertragskraft der Unternehmen haben wir bisher anhand der
Fakten aus dem Jahresabschluss ermittelt. In einigen Positionen der
Bilanz sind stille Reserven enthalten, die zu einem zu niedrigen
Vermögens- und Kapitalausweis führen. Auch der Erfolgsausweis
wird dadurch beeinflusst. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass

236
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
nicht alle Fakten quantifiziert werden können, die die Ertragskraft
eines Unternehmens bestimmen. Die gute Vertriebsmannschaft, das
attraktive Produktionsprogramm, das Know-How oder die Qualität
der Unternehmensleitung gehören zu den qualitativen Merkmalen
eines Unternehmens, die den Firmenwert eines Unternehmens er-
höhen. Diese qualitativen Faktoren können die zukünftige Ertrags-
kraft eines Unternehmens wesentlich beeinflussen.
Die Aktiengesellschaften werden an der Börse regelmäßig beurteilt.
Die zukünftigen Gewinnchancen bestimmen vor allem den Börsen-
kurs der Aktien. Die Nachfrage und damit die Kurse steigen bei
Unternehmen, die stille Reserven haben und die von Kapitalanle-
gern wegen ihrer Ertragskraft gut beurteilt werden. Deshalb ist es
lohnend, bestimmte Kennzahlen von Unternehmen genauer zu
analysieren, die an der Börse notiert werden.

16.7.1 Gewinn je Aktie


Der Gewinn je Aktie besagt, wie viel Gewinn eine AG bezogen auf
eine Aktie erzielt hat. Diese Kennzahl stellt eine besondere Form der
Eigenkapital-Rentabilität dar.
Der Gewinn je Aktie wird wie folgt errechnet:
Gewinn
Gewinn je Aktie = x Aktiennennbetrag
Gezeichnetes Kapital

Eine andere Errechnung lautet folgendermaßen:


Gewinn
Gewinn je Aktie =
Anzahl der Aktien

In den Geschäftsberichten wird die Kennzahl Gewinn je Aktie von


den deutschen AGs auf freiwilliger Basis bekannt gemacht. Der
Hauptgrund für die Errechnung des Gewinns pro Aktie besteht drin,
einen schnellen Vergleich mit den Börsenkursen zu ermöglichen.
Der Gewinn je Aktie darf aber nicht isoliert betrachtet werden. Ne-
ben dem gezeichneten Kapital müssen auch noch die Rücklagen
berücksichtigt werden. Ein höherer Gewinn je Aktie lässt nicht not-
wendigerweise auf eine bessere Ertragskraft eines Unternehmens
schließen, wie folgendes Beispiel zeigt:

237
A Teilanalysen

Betriebsvergleich
Unternehmen 1 Unternehmen 2
Gezeichnetes Kapital 200 Mio. € 250 Mio. €
Rücklagen 100 Mio. € 50 Mio. €
Eigenkapital 300 Mio. € 300 Mio. €
Gewinn 40 Mio. € 40 Mio. €
Gewinn je Aktie 10 € 8€
(Nominalwert = 50 €)
Abb. 99: Betriebsvergleich von zwei Unternehmen
Ein Problem stellt der Gewinnbegriff dar, der den aktienanalytischen
Ansprüchen gerecht werden muss. Zur Erleichterung der verglei-
chenden Aktienbeurteilung wurde von der Deutschen Vereinigung
für Finanzanalyse und Anlageberatung e.V. (DVFA) ein einheitli-
cher Gewinnbegriff gebildet. Es kam bei dem Gewinnbegriff nach
DVFA insbesondere auf die unternehmensübergreifende Vergleich-
barkeit bei der analytischen Betrachtung an.
Die Schmalenbach-Gesellschaft-Deutsche Gesellschaft für Betriebs-
wirtschaft, e.V. (SG) hat ebenfalls einen Gewinnbegriff je Aktie nach
neuem Bilanzrecht entwickelt, der die Individualität der Unterneh-
men bei der Ermittlung des Gewinns je Aktie stärker berücksichtigt.
Seit 1990 haben sich beide Vereinigungen auf eine gemeinsame
Empfehlung für die gemeinsame Errechnung des Ergebnisses (Ge-
winns) je Aktie geeinigt. Der Gewinn je Aktie nach DVFA/SG dient
dem Ziel einer vergleichenden Kursbeurteilung und ermöglicht eine
Prognose über die Ertragskraft eines Unternehmens.

16.7.2 Börsenkurs
Der Börsenkurs ist ein guter Indikator für die Einschätzung eines an
der Börse notierten Unternehmens. Dieser Kurs stellt den Wert dar,
den die Kapitalanleger der Aktie eines Unternehmens beimessen.
Der Börsenkurs wird im Wesentlichen durch die Ertragsaussichten
und den Substanzwert eines Unternehmens bestimmt.

238
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
16.7.3 Bilanzkurs
Der Wert der Aktie kann auch am Bilanzkurs gemessen werden. Die
Formel lautet wie folgt:
Bilanzielles Eigenkapital
Bilanzkurs = x Aktiennennbetrag
Gezeichnetes Kapital

Der Bilanzkurs sollte mit dem Börsenkurs verglichen werden. Wenn


sich Unterschiede bei der Bewertung der Aktien ergeben, können
wir Rückschlüsse auf die Einschätzung des Substanzwertes eines
Unternehmens durch die Börse ziehen. Ist der Börsenkurs höher als
der Bilanzkurs, wird dadurch meist angedeutet, dass im Unterneh-
men stille Reserven vorhanden sind oder dass der Firmenwert hoch
eingeschätzt wird.
Die stillen Reserven im Unternehmen sollten möglichst separat
ermittelt und in der Formel berücksichtigt werden. Die erweiterte
Formel lautet dann folgendermaßen:
Bilanz. Eigenkapital + Stille Reserven
Bilanzkurs = x Aktiennennbetrag
Gezeichnetes Kapital

Beispiel:
Bilanzielles Eigenkapital 2 Mio. €
Gezeichnetes Kapital 0,5 Mio. €
Stille Reserven 0,2 Mio. €
Bilanzielles Eigenkapital
Bilanzkurs = x Aktiennennbetrag
Gezeichnetes Kapital

2.000.000
= x 1
500.000

= 4€

Bilanzielles Eigenkapital + Stille Reserven


Bilanzkurs = x Aktiennennbetrag
Gezeichnetes Kapital

2.000.000 + 200.000
= x 1
500.000

= 4,4 €

239
A Teilanalysen

Börsenkurs 5€
Bilanzkurs ohne stille Reserven 4€
Bilanzkurs mit stillen Reserven 4,4 €

Bei dem Beispiel beträgt der Börsenkurs 5 €. Der Bilanzkurs ohne


Berücksichtigung der stillen Reserven macht 4 € aus. Unter Einbe-
ziehung der stillen Reserven ergibt sich ein Bilanzkurs von 4,4 €, der
mit dem Börsenkurs fast übereinstimmt.

16.7.4 Ertragswertkurs
Der Ertragswert einer Aktie stellt den Wert aller auf die Gegenwart
abgezinsten zukünftigen Gewinne dar. Es werden also die Barwerte
der Dividende und auch die Dividende der Gewinnanteile berück-
sichtigt, die zwar erwirtschaftet wurden, aber im Unternehmen we-
gen der Selbstfinanzierung zurückbehalten werden. Bei der Ermitt-
lung des Ertragswertkurses gehen wir also anders vor als bei der
Festlegung des Börsen- (Einheits-) und Bilanzkurses.
Die Berechnung des Ertragswertes hängt von der Schwierigkeit ab,
den in Zukunft durchschnittlich erwirtschafteten Gewinn pro Jahr
nach Steuern zu schätzen. Außerdem muss der Abzinsungsfaktor
bestimmt werden. Als durchschnittlicher Gewinn sollte der Jahres-
überschuss nach Steuern genommen werden. Der Kalkulations-
zinsfuß kann beispielsweise 10 % betragen. Die Festlegung des Kal-
kulationszinsfußes wird von den Unternehmenszielen beeinflusst.
Die Gesamtkapital-Rentabilität sollte beispielsweise 10 % betragen.
Die Formel für die Ermittlung des Ertragswerts eines Unternehmens
lautet:
Durchschnittlicher Gewinn pro Jahr
Ertragswert = x 100
Kapitalisierungszinssatz

Beispiel:
Geschätzter durchschnittlicher Gewinn pro Jahr nach Steuern
400.000,00 €.
Kapitalisierungszinssatz 10 %
400.000
Ertragswert = x 100 = 4.000.000,00 €
10

240
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Der Ertragswert des Unternehmens beträgt also in diesem Beispiel 4
Millionen €.
Die Aktie stellt einen Anteil am gezeichneten Kapital des Unterneh-
mens dar. Wenn die Anzahl der Aktien bekannt ist, kann der Er-
tragswertkurs errechnet werden. Dieser Kurs wird in e pro Aktie
ausgedrückt. Die Formel lautet wie folgt:
Ertragswert des Unternehmens
Ertragswertkurs in € pro Aktie = x 100
Anzahl der Aktien

Der Ertragswertkurs kann aber auch in Prozent pro Aktie festgelegt


werden. Folgende Formel ist dann zu verwenden:
Ertragswert des Unternehmens
Ertragswertkurs in Prozent pro Aktie = x 100
Gezeichnetes Kapital
Beispiel:
Gezeichnetes Kapital 2 Mio. €
Anzahl der Aktien 40.000 Stück
Ertragswert des Unternehmens 4 Mio. €

4.000.000
Ertragswertkurs in € pro Aktie = x 100 €
40.000

4.000.000
Ertragswertkurs in Prozent pro Aktie = x 100 = 200 %
2.000.000

Der Ertragswertkurs beträgt pro Aktie in dem Beispiel 100,00 €. In


Prozent ausgedrückt macht der Ertragswertkurs 200 % aus.
Der Ertragswertkurs gibt Aufschluss über den inneren Wert einer
Aktie, wenn die zukünftige Ertragsentwicklung berücksichtigt wird.
Die Differenz zwischen dem Ertragswert und dem Bilanzwert ist der
originäre Firmenwert. Er gibt an, wie hoch in etwa die im Unter-
nehmen vorhandenen stillen Reserven sind.

16.7.5 KursGewinnVerhältnis
Eine weitere Kennzahl zur Bewertung der Aktien ist das Kurs-
Gewinn-Verhältnis (Price-Earnings-Ratio). Diese Kennzahl gibt
Aufschluss darüber, mit dem Wievielfachen des auf eine Aktie ent-
fallenden Gewinns eine Aktie an der Börse bewertet wird.

241
A Teilanalysen

Folgende Formel wird zur Errechnung des Kurs-Gewinn-


Verhältnisses verwendet:
Börsenkurs in €
KursGewinnVerhältnis =
Gewinn je Aktie in €

Eine andere Formel lautet wie folgt:


Preis je Aktie
KursGewinnVerhältnis =
Gewinn je Aktie

Diese Kennzahl ist dann besonders aussagefähig, wenn sie mit den
Werten anderer Unternehmen aus der gleichen Branche verglichen
wird.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Branche kann beispielsweise bei
10 liegen. Wird für eine bestimmte Aktie eines Unternehmens der
gleichen Branche ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 errechnet,
dann gilt diese Aktie bereits als hoch bewertet. Die Investoren wer-
den dann die Aktie mit einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis
kaufen, wenn die Gewinnentwicklung in Zukunft positiv einge-
schätzt wird.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird in der Praxis von vielen Anlage-
beratern als Maßstab für die Beurteilung einer Aktie und zur Ein-
schätzung der Kursentwicklung verwendet. Diese Kennzahl lässt
erkennen, wie viele Gewinne je Aktie benötigt werden, um den
Börsenkurs abzudecken. Der Gewinn je Aktie wird also auf das in-
vestierte Kapital des Investors bezogen.
Je höher das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, desto länger dauert es, bis
der Kaufpreis der Aktie durch den Gewinn je Aktie amortisiert wird.
Wenn die Kapitalanleger eine Aktie mit hohem Kurs-Gewinn-
Verhältnis kaufen, dann setzen sie auf eine große Ertragserwartung
in Zukunft.
Im Rahmen der Fundamentalanalyse der Aktie gilt das Kurs-
Gewinn-Verhältnis als geeigneter Maßstab zur Beurteilung der
Kauf- und Verkaufswürdigkeit einer Aktie. Das Kurs-Gewinn-
Verhältnis ist die reziproke Rentabilitätskennzahl, die den Gewinn je
Aktie als Nennergröße in der Relation zu ihrem Börsenkurs als
Zählergröße setzt.

242
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis eines Unternehmens wird mit frühe-
ren Jahren und/oder mit denen anderer Unternehmen verglichen.
Dann können relativ einfach Preiswürdigkeitsprüfungen durchge-
führt werden. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt auf eine
vergleichsweise preiswerte Kapitalanlage schließen. Wenn aber zu-
künftige Gewinnentwicklungen nicht berücksichtigt werden, kann
die Schlussfolgerung schnell irreführend sein.

16.7.6 KursCashflowVerhältnis
Neben dem Kurs-Gewinn-Verhältnis wird immer häufiger auch das
Kurs-Cashflow-Verhältnis (Price-Cashflow-Ratio) zur Bewertung
der Aktie herangezogen. Da der Cashflow eine aussagefähigere Grö-
ße als der Gewinn ist, ergibt diese Kennzahl eine objektivere Bewer-
tung der Ertragskraft eines Unternehmens.
Folgende Formel wird verwendet:
Börsenkurs je Aktie in €
KursCashflowVerhältnis =
Cashflow je Aktie in €

16.7.7 Dividendenrendite
Der Kurs einer Aktie ist die Grundlage für die Errechnung der Ren-
dite für die gezahlte Dividende. Bei der Errechnung der Dividenden-
rendite wird die Steuergutschrift ebenfalls berücksichtigt.
Die Formel lautet wie folgt:
Dividende + Steuergutschrift
Dividendenrendite = x 100
Börsenkurs

Diese Kennzahl macht deutlich, wie hoch die effektive Verzinsung


des in der Aktie angelegten Kapitals ist. Die Dividendenrendite ist
für die Kapitalanleger insbesondere im Vergleich mit alternativen
Anlagemöglichkeiten von Bedeutung.
Für die Investoren, die bereits Aktien besitzen, ist der Kaufkurs
maßgebend, zu dem das Wertpapier erworben wurde. Die potenzi-
ellen Kapitalanleger müssen die aktuellen Börsenkurse als Basis
nehmen.

243
A Teilanalysen

Beispiel:
Nennwert der Aktie 1,00 €
Kurswert 40,00 €
Dividende in Prozent des Nennwertes 50 %
Dividende + Steuergutschrift 0,50 €
Dividende + Steuergutschrift x 100
Dividendenrendite =
Börsenkurs

0,50
Dividendenrendite = x 100 = 1,25 %
40

Die Dividendenrendite der Aktie beträgt in diesem Beispiel also


1,25 %.

16.8 Ergebnis nach DVFA/SG


Bei der Aktienanalyse ist ein Gewinnbegriff erforderlich, der eher
dem wahren Gewinn der Unternehmen entspricht. Die Finanzana-
lysten haben aber erkannt, dass es diesen Gewinnbegriff in der Pra-
xis nicht gibt.

Gewinnbegriff

Vergleichbarkeit Ausgangsbasis für


Vergleichbarkeit im
zwischen den künftige
Zeitablauf
Unternehmen Ertragskraft
Abb. 100: Anforderungen an den Gewinnbegriff
Deshalb fordern die Finanzanalytiker seit langer Zeit einen einheit-
lich anwendbaren Gewinnbegriff, der pragmatisch entwickelt und
der auch praktikabel eingesetzt werden kann. Dieser Gewinnbegriff
sollte dazu dienen, ein Unternehmen im Zeitablauf zu vergleichen.
Außerdem hat der Gewinnbegriff eine Vergleichbarkeit zwischen
den Unternehmen zu ermöglichen. Daneben sollte der Gewinnbe-
griff eine materiell geeignete Ausgangsbasis für die Abschätzung der
zukünftigen Ertragskraft darstellen.

244
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Der Jahreserfolg, der aufgrund der aktienrechtlichen Normen er-
mittelt wird, genügte den Anforderungen der Finanzanalysten nicht.
Deshalb sollte in der Praxis ein einheitlicher Gewinnbegriff geschaf-
fen werden, der gleichermaßen von den Finanzanalysten und von
den Unternehmen akzeptiert wird, um eine vergleichende Beurtei-
lung der Aktien zu erleichtern.
Im Auftrag der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Anla-
geberatung (DVFA) wurde ein einheitlicher Gewinnbegriff konzi-
piert, der auf der Grundlage des neuen Bilanzrechts beruht. Gleich-
zeitig empfahl im Jahre 1988 der Arbeitskreis „Externe Unterneh-
mensrechnung“ der Schmalenbach-Gesellschaft – Deutsche Gesell-
schaft für Betriebswirtschaftslehre e.V. (SG) einen Gewinnbegriff zur
Ermittlung des Ergebnisses je Aktie.
Beide Versionen waren aber nicht deckungsgleich. Die DVFA be-
tonte mehr die unternehmensübergreifende Vergleichbarkeit bei der
analytischen Betrachtung des Ergebnisses je Aktie. Die SG dagegen
berücksichtigte stärker die Individualität der Unternehmen bei der
Ermittlung des Ergebnisses je Aktie.
Seit dem Jahre 1990 gibt es eine gemeinsame Empfehlung von der
DVFA/SG, in der zugleich die bisherigen Erfahrungen aus der prak-
tischen Anwendung des neuen Bilanzrechts berücksichtigt und die
neuen Regelungen zur Konzernrechnungslegung verstärkt beachtet
werden. Mit dem Ergebnis nach DVFA/SG wird erreicht, ein von
den Sondereinflüssen bereinigtes Jahresergebnis darzustellen.

Ergebnis nach DVFA/SG

Vergleiche des Ausgangsposition zur


Ergebnistrend eines
wirtschaftlichen Erfolgs Abschätzung der
Unternehmens
zwischen den zukünftigen
im Zeitablauf
Unternehmen Ergebnisentwicklung
Abb. 101: Ergebnis nach DVFA/SG
Das Ergebnis nach DVFA/SG ist besser geeignet als der ausgewiesene
Jahresüberschuss, auf möglichst vergleichbarer Basis den Ergebni-
strend eines Unternehmens im Zeitablauf aufzuzeigen. Außerdem

245
A Teilanalysen

ermöglicht diese Größe bessere Vergleiche des wirtschaftlichen Er-


folgs zwischen den verschiedenen Unternehmen. Daneben stellt das
Ergebnis nach DVFA/SG eine zuverlässigere Ausgangsposition für
die Abschätzung der zukünftigen Ergebnisentwicklung dar.
Die Ermittlung des Ergebnisses nach DVFA/SG und des daraus ab-
geleiteten Ergebnisses je Aktie dient vor allem dem Ziel einer ver-
gleichenden Beurteilung der Kurse der einzelnen Unternehmen. Der
Gewinn je Aktie und das Kurs – Gewinn – Verhältnis sind dann
aussagefähiger, wenn das Ergebnis nach DVFA/SG berücksichtigt
wird.

16.8.1 Konzernabschluss als Basis


Der Konzernabschluss sollte der Ausgangspunkt einer aktienanaly-
tischen Bereinigung des Ergebnisses sein. Das Ergebnis je Aktie eines
börsennotierten Mutterunternehmens wird auf der Grundlage des
Konzernabschlusses ermittelt. Zur Beurteilung der Aktien des Mut-
terunternehmens dienen das gezeichnete Kapital des Mutterunter-
nehmens und das auf die Anteilseigner des Konzerns entfallende
Ergebnis.

16.8.2 Sondereinflüsse
Die außerordentlichen, ungewöhnlichen und dispositionsbedingten
Aufwendungen und Erträge stellen bei betragsmäßiger Wesentlich-
keit grundsätzlich bereinigungswürdige Sondereinflüsse dar. Bei der
konkreten Bereinigung des Ergebnisses ergeben sich allerdings oft
erhebliche Abgrenzungsprobleme.

Sondereinflüsse

Außerordentliche Ungewöhnliche Dispositionsbedingte


Aufwendungen und Aufwendungen und Aufwendungen und
Erträge Erträge Erträge
Abb. 102: Sondereinflüsse

246
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Außerordentliche Vorgänge
Die außerordentlichen Aufwendungen und Erträge fallen außerhalb
der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaften an.
Diese Vorgänge werden in der handelsrechtlichen Gewinn- und
Verlustrechnung nach dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstä-
tigkeit separat ausgewiesen.
Nach dem neuen Bilanzrecht sind die außerordentlichen Vorgänge
im hohen Maße ungewöhnlich und fallen nur selten an. Diese Vor-
gänge sind also untypisch für die geschäftlichen Aktivitäten der
Unternehmen.

Ungewöhnliche Vorgänge
Ungewöhnliche Aufwendungen und Erträge sind Bestandteil des
handelsrechtlich auszuweisenden Ergebnisses der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit. Diese Erfolgskomponenten sind unter aktiena-
nalytischen Gesichtspunkten als ungewöhnlich zu beurteilen. Sie
resultieren aus Sachverhalten, die nicht Bestandteil eines ordentli-
chen Jahresergebnisses sind.
Die periodenfremden Aufwendungen und Erträge gehören zu den
ungewöhnlichen Vorgängen. Es muss allerdings überprüft werden,
ob es sich nicht zugleich um außerordentliche Vorgänge im Sinne
des Handelsrechts handelt.

Dispositionsbedingte Vorgänge
Die dispositionsbedingten Aufwendungen und Erträge sind Erfolgs-
komponenten, die aus der Anwendung von Bilanzierungs- und
Bewertungswahlrechten sowie von Ermessensspielräumen herrüh-
ren. Die unterschiedliche Ausnutzung der bilanzpolitischen Instru-
mente in Zeitablauf und von Unternehmen zu Unternehmen ver-
zerrt den Zeitvergleich und den zwischenbetrieblichen Vergleich.
Deshalb muss aus aktienanalytischer Sicht eine Bereinigung des
Ergebnisses vorgenommen werden.
Das Ziel der ergebnismäßigen Vergleichbarkeit der Unternehmen
besteht darin, dass eine einheitliche Ausübung der Bilanzierungs-
und Bewertungswahlrechte sowie der Ermessensspielräume unter-
stellt wird. Die Vielzahl der bilanzpolitischen Maßnahmen lässt aber

247
A Teilanalysen

eine Vergleichbarkeit kaum zu. Auch die zahlreichen Ermessens-


spielräume können kaum vereinheitlicht werden.
Die Inanspruchnahme steuerlicher Bewertungspräferenzen gehört
ebenfalls zu den dispositionsbedingten Aufwendungen und Erträgen.

16.8.3 Grundsatz der Wesentlichkeit


Der Grundsatz der Wesentlichkeit beinhaltet, dass Informationen als
wesentlich angesehen werden, wenn sie für einen Adressaten der
Informationen aufgrund seiner Interessen oder seiner Funktionen
relevant für seine Entscheidungen sind. Die Wesentlichkeit kann
unter qualitativen und quantitativen Gesichtspunkten beurteilt
werden. Die qualitative Information betrifft die Art des Tatbestan-
des. Die quantitative Information dagegen bezieht sich auf die Höhe
der Beträge.
Die Wesentlichkeit sollte zwischen den Unternehmen und den Finanz-
analysten im Zweifelsfall abgestimmt werden. Wegen der Wahrung der
Stetigkeit ist aber das einmal bestimmte Verfahren fortzuführen.

16.8.4 Jahreserfolg nach Steuern


Der Ausgangspunkt der Bereinigung des Ergebnisses nach DVFA/SG
ist grundsätzlich der Jahreserfolg nach Steuern, der in der Gewinn-
und Verlustrechnung ausgewiesen wird. Die Steuern umfassen die
effektiven Steuern und die latenten Steuern vom Einkommen und
vom Ertrag sowie die sonstigen Steuern.
Wenn das Jahresergebnis um Sondereinflüsse bereinigt wird, muss
überprüft werden, ob die jeweiligen Sondereinflüsse ertragssteuer-
lich Auswirkungen auf den handelsrechtlich ausgewiesenen Jahre-
serfolg haben. Eine zu bereinigende Position wird dann in der Höhe
vom Jahresüberschuss abgezogen oder dem Jahresüberschuss hinzu-
gezählt.

16.8.5 Beurteilung
Für die Beurteilung der Unternehmen und der Aktienkurse gilt
grundsätzlich das Ergebnis je Aktie nach DVFA/SG als wichtige
Kennzahl. In Deutschland wird diese Kennzahl generell akzeptiert.

248
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Für die Unternehmen und für die externen Finanzanalysten stellt
das Ergebnis je Aktie nach DVFA/SG eine bedeutende Kennzahl zur
Beurteilung der Unternehmen dar. Allerdings gibt es bei der exter-
nen Analyse der Unternehmen bestimmte Abgrenzungs- und Er-
mittlungsprobleme.
Zur Bereinigung des Ergebnisses im Rahmen der externen Analyse
ist es deshalb erforderlich, dass die Unternehmen umfangreiche
zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen. Die gesetzlich
geforderten Mindestangaben in den Einzel- und Konzernabschlüs-
sen müssen also durch freiwillige zusätzliche Angaben in der offizi-
ellen Berichterstattung und/oder durch freiwillige Auskünfte der
Unternehmen ergänzt werden.
Die Aussagefähigkeit dieser Kennzahl im Rahmen der externen
Analyse hängt somit von der Bereitschaft der Unternehmen ab, auf
freiwilliger Basis zusätzlich Informationen zu liefern. In der Praxis
hat sich allerdings gezeigt, dass die Unternehmen oft in den Ge-
schäftsberichten die erforderlichen und die weiterreichenden zu-
sätzlichen Informationen nicht zur Verfügung stellen.

Zusammenfassung:
Mit dem Ergebnis nach DVFA/SG wird eine Bereinigung des Jahreserfol
ges der großen Unternehmen um die Sondereinflüsse vorgenommen.
Diese Kennzahl ist dann eine bessere Basis als der ausgewiesene Jah
resüberschuss, um den wirtschaftlichen Erfolg von verschiedenen Un
ternehmen zu vergleichen. Außerdem lässt sich der Ergebnistrend im
Zeitablauf besser aufzeigen. Daneben stellt das Ergebnis nach DVFA/SG
eine zuverlässigere Ausgangsposition für die Abschätzung der zukünfti
gen Entwicklung der Ergebnisse dar.
Aus dem Ergebnis nach DVFA/SG kann dann das Ergebnis je Aktie ab
geleitet werden. Diese Kennzahl erlaubt den Anlegern und den profes
sionellen Finanzanalysten eine bessere Beurteilung der Aktienkurse der
einzelnen Unternehmen.
Die Konzernabschlüsse bilden die Basis für die Bereinigung der veröf
fentlichten Jahreserfolge der Unternehmen. Die außerordentlichen, un
gewöhnlichen und dispositionsbedingten Sondereinflüsse müssen be
rücksichtigt werden.

249
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Die erforderlichen zusätzlichen Informationen können den Geschäfts


berichten meist nicht entnommen werden. Deshalb lassen sich die auf
tretenden Abgrenzungs und Ermittlungsprobleme des Ergebnisses nach
DVFA/SG nur dadurch lösen, dass die Unternehmen auf freiwilliger Basis
die erforderlichen Informationen zur Verfügung stellen.

17 Erfolgs und Finanzanalyse –


Fallbeispiel
Erfolgs- und Finanzanalysen sollten die Unternehmen regelmäßig
durchführen, um die Stärken und Schwächen der Unternehmen
rechtzeitig zu erkennen. Die ermittelten Kennzahlen stellen Infor-
mationen in komprimierter Form dar, die einen besseren Einblick in
die Unternehmen gewähren.
Neben den eigenen Zahlen sollten auch die Branchenkennzahlen
verwendet werden, um die Aussagekraft der eigenen Daten zu erhö-
hen. Mit den ermittelten Kennzahlen ist eine bessere Erfolgs- und
Finanzkontrolle der Unternehmen möglich. Aufgrund der Abwei-
chungen von den Branchenkennzahlen kann dann eine effektivere
Erfolgs- und Finanzsteuerung durchgeführt werden.
In der Praxis besteht oft die Schwierigkeit, entsprechende Branchen-
kennzahlen zu erhalten. Zuerst sollte der eigene Verband angespro-
chen werden. Viele Verbände unterhalten betriebswirtschaftliche
Abteilungen, die derartige Kennzahlen regelmäßig errechnen. Bran-
chenkennzahlen haben auch große Banken, Sparkassen und Genos-
senschaftsbanken.
Es ist auch sinnvoll, wenn die Unternehmen eine Fotokopie der
Unterlagen über die Bilanzanalyse und Bilanzkritik bezogen auf das
eigene Unternehmen bei ihrer Bank anfordern. Dann können die
selbst errechneten Kennzahlen mit den Kennzahlen der Bank vergli-
chen werden.
Wir unterscheiden im Fallbeispiel zwischen der erfolgs- und der
finanzwirtschaftlichen Bilanzanalyse und Bilanzkritik. In den Kapi-
teln über die einzelnen Analysen werden verschiedene Teilanalysen
ausführlich besprochen. Das Fallbeispiel über ein mittleres Unter-

250
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
nehmen beschränkt sich nur auf eine erfolgs- und eine finanzwirt-
schaftliche Analyse, die auch als Grundlage für andere kleinere und
mittlere Unternehmen genommen werden kann.
In diesem Beispiel konzentrieren wir uns nur auf die wichtigsten
Kennzahlen, die aber bereits einen guten Einblick in die Ertrags-
und Finanzlage eines Unternehmens ermöglichen, ohne dass zusätz-
liche Daten erarbeitet werden müssen. Dieses Verfahren hat sich in
der Praxis seit vielen Jahren bereits bewährt.
Die Erfolgs- und Finanzanalysen werden auf der Basis der folgenden
Jahresabschlüsse für 2005 und 2006 eines Unternehmens durchge-
führt.

Gewinnanalyse

CashFlowAnalyse

Erfolgsanalyse RentabilitätsAnalyse

Analyse der

Wertschöpfungs
Analyse
Bilanzanalyse und
Bilanzkritik

Vermögensstruktur

Kapitalstruktur

Finanzanalyse

Deckungsrelationen

Liquidität

Abb. 103: Bestandteile der Erfolgs und Finanzanalysen

251
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Bilanzen in T €
Aktiva Passiva
2000 2001 2000 2001
Immaterielle
Vermögensgegenstände 230 230 Gezeichnetes Kapital 8.000 8.000
Sachanlagen 10.350 11.263 Kapitalrücklage 5.620 5.620
Finanzanlagen 776 776 Gewinnrücklage 1.401 1.401
Anlagevermögen 11.356 12.269 Eigenkapital 16.836 17.463
Roh, Hilfs und Rückstellungen 140 1.117
Betriebsstoffe 4.720 4.988 Verbindlichkeiten mit
Unfertige und fertige einer Laufzeit über
Erzeugnisse 1.230 1.230 5 Jahre 3.401 4.594
Vorräte 5.950 6.218 Verbindlichkeiten aus
Forderungen aus Lieferungen und
Lieferungen und Leistungen 4.348 7.267
Leistungen 3.690 4.918 Sonstige
Sonstige Verbindlichkeiten 360 479
Vermögensgegenstände 235 309 Fremdkapital 8.249 13.457
Wertpapiere 310 310
Flüssige Mittel 3.544 6.896
Umlaufvermögen 13.729 18.651
Bilanzsumme 25.085 30.920 Bilanzsumme 25.085 30.920
Abb. 104: Bilanzen in T€

252
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Gewinn- und Verlustrechnung in T €
2005 2006
1. Umsatzerlöse 42.054 49.289
2. Sonstige betriebliche Erträge 123 149
3. Materialaufwand 20.444 23.995
4. Personalaufwand 13.513 13.895
5. Abschreibungen 1.884 2.182
6. Rückstellungen 99 978
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen 3.331 4.585
8. Betriebsergebnis (1 bis 7) 2.906 3.803
9. Erträge aus Beteiligungen 63 70
10. Sonstige Zinserträge 147 170
11. Zinsaufwendungen 566 414
12. Finanzergebnis (9 bis 11) – 356 – 174
13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (8 + 12) 2.550 3.629
14. Außerordentliche Erträge 104 81
15. Außerordentliche Aufwendungen 74 66
16. Außerordentliches Ergebnis (14 bis 15) + 30 + 15
17. Steuern 765 1.202
18 Jahresüberschuss 1.815 2.442
19 Einstellungen in die Gewinnrücklagen – –
20. Bilanzgewinn 1.815 2.442
Abb. 105: Gewinn und Verlustrechnung in T €

17.1 Erfolgsanalyse
Bei der Erfolgsanalyse werden die Positionen der Gewinn- und
Verlustrechnung analysiert, die zur Erzielung des Gewinns oder
Verlustes geführt haben.

17.1.1 Gewinnanalyse
Bei der Gewinnanalyse sollten folgende Schritte berücksichtigt werden:

Gewinnentwicklung
2005: 1.815 T €
2006: 2.442 T €
+ 627 T € = + 34,6 %

253
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Der Gewinn ist im Vergleichszeitraum um nominal 627 T € oder um


34,6 % gestiegen. Die Einflussfaktoren für diese Entwicklung müs-
sen jetzt genauer untersucht werden.

Umsatzerlöse
2005: 42.054 T €
2006: 49.289 T €
+ 7.235 T € = + 17,2 %

Von 2000 auf 2001 sind die Umsatzerlöse um nominal 7.235 T€ oder
um 17,2 % erhöht worden. Wenn wir den Anstieg der Umsatzerlöse
und des Gewinnes vergleichen, stellen wir fest, dass der Gewinn (34,6
%) doppelt so stark gestiegen ist wie die Umsatzerlöse (17,2 %).
Die Umsatzerlöse sollten um die Inflationsraten bereinigt werden.
Auch die mengenmäßigen Veränderungen sind zu analysieren (Ab-
satzplanung).
Aus der kurzfristigen Erfolgsrechnung können wir ersehen, welche
Produktgruppen besonders eine Erhöhung der Umsatzerlöse und
eine Verbesserung der Deckungsbeiträge bewirkt haben. Eine Pro-
duktgruppen-Analyse kann wie folgt aussehen:

Produktgruppen-Analyse
Produktgruppen A B C Summe
T€ % T€ % T€ % T€ %
Umsatzerlöse 1.500 100 900 100 500 100 2.900 100
Variable Kosten 900 60 400 45 300 60 1.600 55
Deckungsbeitrag 1 600 40 500 55 200 40 1.300 45
Vertrieb 120 8 60 7 40 8 220 8
Lager 80 5 30 3 20 4 130 5
Versand 40 3 10 1 10 2 60 2
Produktion 160 11 100 11 90 18 350 12
Summe der
speziellen Fixkosten 400 27 200 22 160 32 760 27
Deckungsbeitrag 2 200 13 300 33 40 8 540 18
Summe der
allgemeinen Fixkosten 240 8
Betriebsergebnis 300 10
Abb. 106: ProduktgruppenAnalyse

254
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Es kann auch sinnvoll sein, eine Aufteilung der Umsatzerlöse nach
Verkaufsgebieten vorzunehmen, um zu erkennen, wie hoch die
Deckungsbeiträge in den einzelnen Verkaufsgebieten sind. Eine
Unterteilung der Umsatzerlöse nach Verkaufsgebieten kann wie
folgt aussehen:

Verkaufsgebiets-Analyse
Verkaufsgebiete 1 2 3
T€ % T€ % T€ %
Umsatzerlöse 200 100,0 150 100,0 80 100,0
Variable Kosten 150 75,0 120 80,0 60 75,0
Deckungsbeitrag 1 50 25,0 30 20,0 20 25,0
Vertrieb 15 7,5 20 13,3 9 11,3
Lager 5 2,5 5 3,3 2 2,5
Versand 2 1,0 3 2,0 1 1,3
Produktion 3 1,5 6 4,0 2 2,5
Summe der speziel 25 12,5 34 22,0 14 17,6
len Fixkosten
Deckungsbeitrag 2 25 12,5 (4) (2,7) 6 7,4
Abb. 107: VerkaufsgebietsAnalyse

Zu den Ursachen für die wesentliche Verbesserung der Ertragskraft


des Unternehmens können zählen:
• Eliminierung der Produkte mit niedrigen oder negativen Dek-
kungsbeiträgen
• Erhöhung der Produktivität
• Realisierung von Kosteneinsparungen
• Forcierung von Produkten mit höheren Deckungsbeiträgen
• Verkauf von größeren Mengen
• Gezielte Einsparung von variablen und fixen Kosten
• Überproportionale Weitergabe von Preissteigerungen im Mate-
rial- und Personalbereich

255
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Materialaufwand
2005: 20.444 T €
2006: 23.995 T €
+ 3.551 T € = + 17,4 %

Der Anteil des Materialeinsatzes ist im Vergleichszeitraum um


3.551 T € oder um 17,4 % gestiegen. Die Materialkosten haben sich
also im gleichen Maße wie die Umsatzerlöse erhöht. Da der Anteil
des Materialeinsatzes am Umsatz relativ hoch ist, sollten gerade in
diesem Bereich durch die Anwendung der Wertanalyse und durch
die Umsetzung der Erfahrungskurve noch nicht ausgeschöpfte Po-
tenziale der Kosteneinsparung genutzt werden. Auch eine ABC-
Analyse ist durchzuführen.
Die Ursachen für den Anstieg des Materialverbrauchs können in
folgenden Punkten liegen:
• Höherer Anteil von materialintensiven Produkten
• Gleichzeitiger Rückgang von Ausschuss bei bestimmten Pro-
dukten
• Günstigerer Einkauf von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
• Höhere Inanspruchnahme von Fremdleistungen (Subunterneh-
men)

Personalaufwand
2005: 13.513 T €
2006: 13.895 T €
+ 382 T € = + 2,8 %

Der Personalaufwand hat sich in den Jahren 2005 bis 2006 um no-
minal 382 T € oder um 2,8 % erhöht. Der Umsatz konnte aber im
gleichen Zeitraum um 17,2 % gesteigert werden. Der Personalauf-
wand ist also unterproportional gestiegen.
Diese Entwicklung kann folgende Ursachen haben:
• Mehr Fremdleistungen (Subunternehmen)
• Stärkere Automatisierung
• Keine oder niedrigere Tariferhöhungen
• Mehrverkauf von weniger arbeitsintensiven Produkten
• Produktivitätssteigerungen

256
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
• Rationalisierungsinvestitionen
• Reduzierung des Personals

Abschreibungen
2005: 1.884 T €
2006: 2.182 T €
+ 298 T € = + 15,8 %

Das Volumen der Abschreibungen auf Sachanlagen hat im Ver-


gleichszeitraum um 298 T € oder 15,8 % zugenommen.
Die höheren Abschreibungen lassen darauf schließen, dass im Ge-
schäftsjahr 2006 mehr Investitionen durchgeführt wurden. Diese
getätigten Investitionen haben möglicherweise die Produktivität im
Unternehmen positiv beeinflusst.

Rückstellungen
2005: 99 T €
2006: 978T €
+ 879 T € = + 887,9 %

Die Rückstellungen wurden nominal um 879 T € oder um 887,9 %


angehoben. Diese beträchtliche Erhöhung ist zum Teil darauf zu-
rückzuführen, dass zum ersten Mal Pensionsrückstellungen gebildet
wurden.
Die Rückstellungen setzen sich aus drei Positionen zusammen:
1. Rückstellungen für Pensionen
2. Rückstellungen für Steuern
3. Rückstellungen für sonstige Zwecke
Die einzelnen Positionen müssen in kurz- oder langfristige Rück-
stellungen aufgeteilt werden, die separat analysiert werden sollten.
Die Rückstellungen stärken die Finanzkraft des Unternehmens und
finden daher bei der Cashflow-Analyse Berücksichtigung.

Sonstige betriebliche Aufwendungen


2005: 3.331 T €
2006: 4.585 T €
+ 1.254 T € = + 37,6 %

257
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind im Vergleichszeit-


raum um 1.254 T € oder um 37,6 % angestiegen. Diese Erhöhung ist
mehr als doppelt so groß wie der Anstieg der Umsatzerlöse. Deshalb
sollten die wichtigsten Positionen in diesem Bereich genauer unter-
sucht werden, um die einzelnen Ursachen zu ermitteln. Diese Ana-
lyse ist allerdings nur bei einer internen Untersuchung möglich, da
für Außenstehende die benötigten Informationen in der Regel nicht
zur Verfügung stehen.

Zinsaufwand
2005: 566 T €
2006: 414 T €
– 152 T € = – 26,9 %

Der Zinsaufwand ist um insgesamt 152 T € oder um 26,9 % zurück-


gegangen.
Die Ursachen für die Zinssenkungen können wie folgt aussehen:
• Senkung der Zinsen bei den Banken
• Tilgung von Darlehen
• Geringere Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits
• Umschuldung von kurz- in langfristige Kredite
• Geringerer Finanzbedarf von außen wegen besserer Innenfinan-
zierung (höhere Gewinne, gestiegene Abschreibungen, höhere
Rückstellungen)
• Finanzierung der Lieferungen zu Lasten der Lieferanten (Über-
ziehung der vereinbarten Zahlungsziele)
• Einsatz von mehr Wechseln für die Bezahlung der Verbindlich-
keiten aus Lieferungen und Leistungen
• Verwendung des Scheck-Wechsel-Verfahrens

Steuern
2005: 765 T €
2006: 1.202 T €
+ 437 T € = – 57,1 %

Im Vergleichszeitraum stiegen die Steuern um 437 T€ oder um


57,1 % an. Diese Erhöhung deutet darauf hin, dass sich die Ertrags-
kraft des Unternehmens wesentlich verbessert hat.

258
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
17.1.2 CashflowAnalyse
Der Cashflow ist ein Indikator für die Ertrags- und Finanzkraft des
Unternehmens. Diese Kennzahl drückt den in einer Periode aus
eigener Kraft erwirtschafteten Überschuss der Betriebseinnahmen
über die laufenden Betriebsausgaben aus.
Der Cashflow kann folgendermaßen ermittelt werden:

Direkte Ermittlung
Bei der direkten Ermittlung des Cashflow werden folgende Positio-
nen der GuV berücksichtigt:
Zahlungsbegleitete Erträge (Einnahmen)
– Zahlungsbegleitete Aufwendungen (Ausgaben)
= Cashflow

2005 2006
Umsatzerlöse 42.054 49.289
Sonstige betriebliche Erträge 123 149
Erträge aus Beteiligungen 63 70
Sonstige Zinserträge 147 170
Außerordentliche Erträge 104 81
Zwischensumme 42.491 49.759
Materialaufwand 20.444 23.995
Personalaufwand 13.513 13.895
Sonstige betriebliche Aufwendungen 3.331 4.585
Zinsaufwand 566 414
Außerordentliche Aufwendungen 74 66
Steuern 765 1.202
Zwischensumme 38.693 44.157
Cashflow 3.798 5.602

Indirekte Ermittlung
Die indirekte Ermittlung, die zum gleichen Ergebnis wie die direkte
Ermittlung kommen muss, umfasst folgende Positionen der GuV:

259
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Gewinn (Jahresüberschuss)
+ Nichtzahlungsbegleitete Aufwendungen
– Nichtzahlungsbegleitete Erträge
= Cashflow

2005 2006
Abschreibungen 1.884 2.182
Rückstellungen 99 978
Cashflow 3.798 5.602

Cashflow 2005: 3.798 T €


2006: 5.602 T €
+ 1.804 T € = + 47,5 %

Der Cashflow ist im Vergleichszeitraum nominal um 1.804 T€ oder


um 47,5 % gestiegen. Dadurch hat sich die Ertrags- und Finanzkraft
des Unternehmens gegenüber dem Vorjahr wesentlich verbessert.
Die Innenfinanzierung konnte also beträchtlich ausgeweitet werden.
Von den Banken mussten daher weniger Kredite in Anspruch ge-
nommen werden. Der niedrigere Zinsaufwand bestätigt diese Aussa-
gen.
Der Bilanzgewinn ist eine manipulierbare Größe. Deshalb können
wir anhand des ausgewiesenen Bilanzgewinns keine eindeutige
Aussage über die Ertrags- und Finanzkraft eines Unternehmens
machen. Folgende Manipulationsmöglichkeiten sind beispielsweise
beim Bilanzgewinn möglich:
1. Zu hohe Auflösung von Rückstellungen
2. Andere Wahl der Abschreibungsmethode (degressiv oder linear)
3. Bildung von überzogenen Rückstellungen
4. Höhere Bewertung von Halb- und Fertigfabrikaten
5. Durchführung von außerplanmäßigen Abschreibungen

17.1.3 RentabilitätsAnalyse
Die Rentabilität ist eine Beziehungszahl, bei der eine Ergebnisgröße
zu einer dieses Ergebnis maßgebend bestimmenden Einflussgröße in
Relation gesetzt wird. Als Einflussgrößen kommen das zur Ergeb-
niserzielung eingesetzte Kapital oder der das Ergebnis bewirkende

260
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Umsatz infrage. Der Gewinn alleine ist ohne große Aussagekraft.
Erst der Vergleich des Gewinnes mit anderen Größen ermöglicht
eine Aussage darüber, ob sich der Einsatz des Kapitals oder die Er-
zielung des Umsatzes gelohnt hat.
Der Erfolg wird in Form von Verhältniszahlen relativiert. Diese
Relativierung ermöglicht einen Soll-Ist-Vergleich und auch einen
Branchenvergleich. Die Rentabilitätskennzahlen lassen Rückschlüsse
auf die Effizienz der Kapitalverwendung oder des Umsatzes zu.

EigenkapitalRentabilität
Für die Eigenkapital-Rentabilität wird folgende Formel verwendet:
Gewinn
EigenkapitalRentabilität = x 100
Eigenkapital
1.815
2005 x 100 = 10,8 %
16.836

2.442
2006 x 100 = 14,0 %
17.463

Die Eigenkapital-Rentabilität hat sich im Vergleichszeitraum von


10,8 % auf 14 % oder um 3,2-%-Punkte verbessert. Dieser Anstieg
beträgt somit 29,6 %.
Unter Berücksichtigung des Risikos des Unternehmens sollte mög-
lichst eine Eigenkapital-Rentabilität von etwa 20 % erzielt werden.
Wegen der hohen Eigenkapitalquote ist die Eigenkapital-Rentabilität
so niedrig.

GesamtkapitalRentabilität
Die Gesamtkapital-Rentabilität kann mit folgender Formel ermittelt
werden:
Gewinn + Fremdkapitalzinsen
GesamtkapitalRentabilität = x 100
Gesamtkapital (EK + FK)

1.815 + 566
2005 x 100 = 9,5 %
25.085

2.442 + 414
2006 x 100 = 9,2 %
30.920

261
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Die Gesamtkapital-Rentabilität ist von 2005 auf 2006 von 9,5 % auf
9,2 % oder um 0,3-%-Punkte gesunken. Diese Verschlechterung
macht also 3 % aus.
Die Gesamtkapital-Rentabilität misst die Höhe der Verzinsung des
im Unternehmen eingesetzten Kapitals. Die Ursachen für die leicht
rückläufige Effizienz der Kapitalverwendung müssen untersucht
werden. Dies kann eindeutig bei der Analyse des Return on Invest-
ment (ROI) erfolgen (Vgl. Punkt 17.1.3.4).

UmsatzRentabilität
Für die Umsatz-Rentabilität verwenden wir folgende Formel:
Gewinn + Fremdkapitalzinsen
Umsatz Rentabilität = x 100
Umsatz

1.815 + 566
2005 x 100 = 5,7 %
42.054

2.442 + 414
2006 x 100 = 5,8 %
49.289

Die Umsatz-Rentabilität ist im Vergleichszeitraum von 5,7 % auf 5,8


% oder um 0,1-%-Punkte gestiegen. Diese Verbesserung beträgt also
2 %.

Return on Investment (ROI)


Der ROI setzt sich aus folgenden 2 Erfolgsfaktoren zusammen:
Gewinn + Fremdkapitalzinsen Umsatz
ROI = x 100 x
Umsatz Gesamtkapital
= UmsatzRentabilität x Kapitalumschlagshäufigkeit

1.815 + 566 42.054


1991 x 100 x = 5,7 x 1,68 = 9,5 %
42.054 25.085

2.442 + 414 49.289


1992 x 100 x = 5,8 x 1,59 = 9,2 %
49.289 30.920

Der ROI ist im Ergebnis identisch mit der Gesamtkapital-


Rentabilität. Wir haben bereits festgestellt, dass die Gesamtkapital-
Rentabilität um 3 % zurückgegangen ist.

262
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Der ROI ist von 2005 auf 2006 von 9,5 % auf 9,2 % gesunken. Die
Differenz macht 0,3 % Punkte oder 3 % aus. Wenn wir den ROI als
Entscheidungsgrundlage nehmen, können wir außerdem feststellen,
ob die Verschlechterung des ROI auf eine Verminderung der Um-
satz-Rentabilität oder einer Reduzierung der Kapitalumschlagshäu-
figkeit zurückzuführen ist oder umgekehrt.
Bei einer genaueren Betrachtung der Ergebnisse der Jahre 2005 und
2006 können wir erkennen, dass die Umsatz-Rentabilität leicht von
5,7 % auf 5,8 % oder um 2 % gestiegen ist. Dagegen hat sich die
Kapitalumschlagshäufigkeit von 1,68 auf 1,59 % verschlechtert. Im
Jahre 2005 hat sich das Gesamtkapital nach 214 Tagen einmal um-
geschlagen. Ein Jahr später dauerte es 226 Tage. Dies bedeutet eine
Verschlechterung um 5,6 %.
Die Unternehmensleitung und die Führungskräfte sollten überlegen,
welche Maßnahmen für das kommende Geschäftsjahr getroffen
werden müssen, um die Kapitalumschlagshäufigkeit wieder zu ver-
bessern. Als Ansatzpunkte bieten sich die Vorräte und die Forde-
rungen aus Lieferungen und Leistungen an. Die Verkürzung der
Lagerdauer und die Verringerung des Kundenzieles führen relativ
schnell zu einer Erhöhung der Kapitalumschlagshäufigkeit. Diese
Zusammenhänge lassen sich leicht aus der graphischen Darstellung
des ROI ersehen.
In der Praxis kann die Kapitalumschlagshäufigkeit in den Unter-
nehmen meist wesentlich schneller verbessert werden als die Um-
satz-Rentabilität. Die Umsatz-Rentabilität wird insbesondere durch
die Gegebenheiten am Markt (Kunden, Konkurrenz) beeinflusst.
Die Kapitalumschlagshäufigkeit kann durch gezielte Schulung der
Mitarbeiter oder durch die Verbesserung der Organisation leicht
angehoben werden. Vor allem die Vorräte müssen kräftig reduziert
und die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen schneller
realisiert werden (Vgl. Punkte 17.1.4.1 und 17.1.4.3). Auch das Lea-
sen von Maschinen und Fahrzeugen hat eine positive Wirkung auf
die Umschlagshäufigkeit des Kapitals.
Die Kapitalumschlagshäufigkeit in Höhe von 1,68 und 1,59 in den
Jahren 2000 und 2001 ist für viele Mitarbeiter im Unternehmen

263
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

wenig aussagefähig. Deshalb sollte die Umschlagshäufigkeit des


Kapitals auch in Tagen ausgedrückt werden.

Kapitalumschlagshäufigkeit in Tagen
Die Formel für die Kapitalumschlagshäufigkeit in Tagen lautet wie
folgt:
360
Kapitalumschlagshäufigkeit in Tagen =
Kapitalumschlagshäufigkeit

360
2005 = 214 Tage
1,68

360
2006 = 226 Tage
1,59

Das Kapital hat sich 2005 nach 214 und 2006 nach 226 Tagen einmal
umgeschlagen. Die Differenz beträgt 12 Tage oder 5,6 %. Die Kapi-
talumschlagshäufigkeit hat sich also um 5,6 % verschlechtert. Die
Produktivität des eingesetzten Kapitals nahm demnach ab. Die Ka-
pitalumschlagshäufigkeit gibt an, wie oft das eingesetzte Kapital in
einem Geschäftsjahr durch den Umsatzprozess umgeschlagen wird.
Diese Kennzahl ist ein Maßstab für die Effizienz des eingesetzten
Eigen- und Fremdkapitals im Unternehmen.

17.1.4 Analyse der Umschlagshäufigkeiten


Neben der Umschlagshäufigkeit des Kapitals sollten noch weitere
Umschlagshäufigkeits-Kennzahlen errechnet werden, die ebenfalls
großen Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens haben.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen


1. Debitoren-Umschlag
Zur Errechnung des Debitoren-Umschlags verwenden wir fol-
gende Formel:
Umsatzerlöse + MwSt
DebitorenUmschlag =
Ø Forderungen aus L + L

42.054 + 5.888
2005 = 12,99
3.690

264
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
49.289 + 6.901
2006 = 11,43
4.918

Der Debitoren-Umschlag ist im Vergleichszeitraum vom 12,99


auf 11,43 zurückgegangen.
Da diese Kennzahl für viele Mitarbeiter im Unternehmen zu we-
nig aussagefähig ist, sollte auch errechnet werden, um wie viele
Tage es sich dabei handelt. Dies erfahren wir, wenn wir das Kun-
denziel ermitteln.
2. Kundenziel
Folgende Formel setzen wir zur Errechnung des Kundenziels ein:
360
Kundenziel =
DebitorenUmschlag

360
2005 = 28 Tage
12,99

360
2006 = 32 Tage
11,43

Das Kundenziel hat sich um 4 Tage oder um 14 % verschlechtert.


Das Unternehmen musste 2006 etwa einen Monatsumsatz vorfi-
nanzieren. Mithilfe dieser Kennzahl können Rückschlüsse auf
das Zahlungsverhalten der Kunden gezogen werden.
Das Kundenziel gewährt also einen guten Einblick in das Zah-
lungsverhalten der Kunden. Außerdem können wir erkennen,
wie lange es dauert, bis die Umsatzerlöse wieder in liquide Mittel
umgewandelt werden.
Bei einem längeren Kundenziel können durch die Intensivierung
des Mahnwesens und/oder durch die Gewährung von höheren
Skonti die Kunden veranlasst werden, die Rechnungen in Zu-
kunft schneller zu bezahlen.
Ein höheres Kundenziel lässt auch Vermutungen zu, dass das
Unternehmen im Zuge der Erhöhungen des Umsatzes jetzt auch
Kunden mit schlechterer Liquidität beliefert. Dadurch steigt
auch das Risiko, da Forderungsausfälle zunehmen können.

265
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Ein längeres Kundenziel deutet auch auf eine schlechtere Zah-


lungsmoral der Kunden hin, die auch durch eine konjunkturelle
Verschlechterung verursacht sein kann.
Die Finanzierung der ausstehenden Forderungen aus Lieferun-
gen und Leistungen erfolgt meist mithilfe des Kontokorrentkre-
dits, der zu den teuersten Krediten der Unternehmen zählt. Des-
halb ist es besonders wichtig, dass die Kunden ihre Rechnungen
möglichst vereinbarungsgemäß bezahlen. Dadurch wird dann
der Kontokorrentkredit wieder schneller reduziert. Die Unter-
nehmen können somit hohe Zinsen einsparen.
In diesen Unternehmen haben die Kunden vereinbarungsgemäß
nach rund 30 Tagen ohne Skontoabzug bezahlt (2005 nach 28
Tagen und 2006 nach 32 Tagen). In der Praxis beträgt das Kun-
denziel im Durchschnitt etwa 40 bis 60 Tage. Sollte das Kunden-
ziel den vereinbarten Termin von 30 Tagen ohne Skontoabzug
überschreiten, dann ist ein Maßnahmenplan aufzustellen, der
wie folgt aussehen kann:
Maßnahmenplan
1. Rechnungen sofort schreiben und verschicken
2. Zahlungskonditionen verbessern
3. Erste Mahnung sofort nach Fälligkeit versenden
4. Außendienstmitarbeiter zum Einzug einschalten
5. Weitere Mahnungen absenden
6. Lieferung nur noch Zug-um-Zug bei schlecht zahlenden Kunden
7. Zahlungen mit Wechseln bei Kunden mit guter Bonität verein-
baren
8. Scheck-Wechsel-Verfahren bei guten Kunden vorschlagen
9. Kreditlinien für die Kunden festlegen
10. Vorauszahlungen vereinbaren
11. Lieferung gegen Übergabe eines Schecks vornehmen
12. Bankeinzug vorschlagen
13. Lieferung per Nachnahme durchführen

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen


1. Kreditoren-Umschlag

266
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Der Kreditoren-Umschlag wird anhand der folgenden Formel
festgestellt:
Materialaufwand + MwSt
KreditorenUmschlag =
Ø Verbindlichkeiten aus L + L

20.444 + 2.862
2005 = 5,36
4.348

23.995 + 3.359
2006 = 3,76
7.267

Der Kreditoren-Umschlag hat sich im Vergleichszeitraum von


5,36 auf 3,76 oder um 30 % verschlechtert. Auch in diesem Falle
ist es sinnvoll, den Kreditoren-Umschlag in Tagen auszudrük-
ken.
2. Lieferantenziel
Das Lieferantenziel ergibt sich aus folgender Formel:
360
Lieferantenziel =
KreditorenUmschlag

360
2005 = 67 Tage
5,36

360
2006 = 96 Tage
3,76

Während im Jahre 2005 nach 67 Tagen die Rechnungen im


Durchschnitt bezahlt wurden, waren es 2006 96 Tage. Das Liefe-
rantenziel hat sich also um 29 Tage verschlechtert. Diese Aus-
dehnung des Zahlungszieles beträgt 43 %. Das Unternehmen be-
zahlte also die Lieferantenrechnungen 2006 erst nach über 3
Monaten. Deshalb müssen die Gründe für die Verschlechterung
der Zahlungsweise im Unternehmen ermittelt werden, bevor ein
Maßnahmenplan erstellt wird.
Normalerweise verzögern die Unternehmen ihre Zahlungen an
die Lieferanten, wenn sich die Liquidität verschlechtert hat. Dies
ist aber in diesem Unternehmen nicht der Fall, da es über erheb-
liche liquide Mittel verfügt.

267
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Das verlängerte Lieferantenziel lässt darauf schließen, dass die


Skontierung der Rechnungen nicht in Anspruch genommen
wurde. Auf die Erwirtschaftung zusätzlicher Erträge durch die
Skontierung wurde verzichtet.
Lager
1. Lager-Umschlag für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
Der Lagerumschlag für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe kann
mithilfe folgender Formel ermittelt werden:
LagerUmschlag für Roh, Materialaufwand
=
Hilfs und Betriebsstoffe Ø Roh, Hilfs und Betriebsstoffe

20.444
2005 = 4,33
4.720

23.995
2006 = 4,81
4.988

Im Vergleichszeitraum hat sich der Lager-Umschlag für Roh-,


Hilfs- und Betriebsstoffe um 11,1 % verbessert.
2. Lagerdauer
Die Lagerdauer errechnen wir mit folgender Formel:
360
Lagerdauer =
LagerUmschlag

360
2005 = 83 Tage
4,33

360
2006 = 75 Tage
4,81

Die Lagerdauer hat sich um 8 Tage oder um 9,6 % verkürzt.


Die dadurch entstehende Minderung der Lagerkosten (Zinsen,
Schwund, Verwaltungskosten) und der aufgrund des schnelleren
Kapitalflusses geringere Kapitalbedarf wirken sich positiv auf den
ROI aus. Die Verbesserung der Lagerdauer führt zu einer niedrige-
ren Kapitalbindung und zu einer Steigerung der Wirtschaftlichkeit.
Zur Verbesserung des Lager-Umschlags für Roh-, Hilfs- und Be-
triebsstoffe sowie für unfertige und fertige Erzeugnisse sollte eben-

268
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
falls ein Maßnahmenplan erstellt werden. Für die Senkung der Vor-
räte ist die Materialwirtschaft verantwortlich. Es wird oft übersehen,
dass auch die anderen Verantwortungsbereiche bei der Reduzierung
der Vorräte mitwirken müssen.
Zur Senkung der Vorräte sollten folgende Verantwortungsbereiche
einen Beitrag leisten:
1. Marketing und Vertrieb
1.1 Absatzplanung verbessern
1.2 Informationen über neue Aufträge sofort weiterleiten
1.3 Programmbreite reduzieren
1.4 Verantwortung für die Vorräte klar festlegen
1.5 Sonderaktionen für fertige Produkte durchführen
1.6 Doppel-Lagerung von Fertigfabrikaten und von Ersatzteilen
im Unternehmen und in den Niederlassungen beseitigen
2. Produktion
2.1 Baukasten-System einführen
2.2 Anzahl der Varianten verringern
2.3 Normung und Standardisierung beachten
2.4 Anzahl der Änderungen reduzieren
2.5 Änderungen sofort weitergeben
2.6 Zuverlässigkeit verbessern
2.7 Durchlaufzeiten verringern
2.8 Ausschuss reduzieren
2.9 Produktionsengpässe beseitigen
2.10 Produkte erst nach Auftragseingang montieren
2.11 Zusätzliche Lager beseitigen
3. Materialwirtschaft
3.1 Umschlagshäufigkeit der A-, B- und C-Teile überprüfen
und ändern
3.2 Lieferbereitschaft verbessern
3.3 Entwicklung der Vorräte systematisch beobachten
3.4 C-Teile als Handelsware kaufen
3.5 Verbesserungsvorschläge zur Reduzierung des Lagers hono-
rieren
3.6 Lagerhüter feststellen und verkaufen

269
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

3.7 Kosten für die Vorräte ermitteln und bekanntgeben


3.8 Mitarbeiter aus- und weiterbilden
3.9 Richtlinien für die Dispositionen neu festlegen
3.10 Belegfluss verbessern
3.11 Rahmenverträge mit Abrufmöglichkeiten für A-Teile ver-
einbaren
3.12 Bestellrhythmus für B- und C-Teile neu festlegen
3.13 Qualitätskontrollen verbessern
3.14 Optimale Bestellmenge festlegen
3.15 EDV besser nutzen
3.16 Mehrfach-Lagerung vermeiden
3.17 Lagerung besser organisieren
3.18 Permanente Inventur einführen
Wenn diese Maßnahmen in den Verantwortungsbereichen Marke-
ting und Vertrieb, Produktion sowie Materialwirtschaft überprüft
und auch durchgeführt werden, lassen sich die Vorräte relativ
schnell verringern. Die Folge ist dann, dass die Umschlagshäufigkeit
der Vorräte zunimmt. Die Verbesserung der Umschlagshäufigkeit
des Lagers hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Umschlagshäu-
figkeit des Kapitals.

17.1.5 Wertschöpfung

Entstehungsrechnung
Die Entstehungsrechnung der Wertschöpfung sieht wie folgt aus:
Gesamtleistung
+ Sonstige Erträge
= Produktionswert

Materialaufwand
+ Abschreibungen
+ sonstige Aufwendungen
= Vorleistungen

270
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
1. Produktionswert
2005 2006
Umsatzerlöse 42.054 49.289
Sonstige betriebl. Erträge 123 149
Erträge aus Beteiligungen 63 70
Sonstige Zinserträge 147 170
Außerordentliche Erträge 104 81
Summe 42.491 49.759

2. Vorleistungen
2005 2006
Materialaufwand 20.444 23.995
Abschreibungen 1.884 2.182
Sonstige betriebl. Aufwendungen 3.331 4.585
Außerordentliche Aufwendungen 74 81
Summe 25.733 30.828

2005 2006
Produktionswert 42.491 49.759
Vorleistungen 25.733 30.828
Wertschöpfung 16.758 18.931

Die Aussagefähigkeit der Wertschöpfung ist aufgrund der Verwen-


dungsrechnung gegeben.

Verwendungsrechnung
Die Verwendungsrechnung berücksichtigt folgende Positionen:
Personalaufwand – Anteil der Mitarbeiter
Rückstellungen – Risikovorsorge
Zinsaufwand – Anteil der Banken
Steuern – Anteil des Staates
Bilanzgewinn – Anteil der Gesellschafter

271
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

2000 2001
T€ % T€ %
Personalaufwand 13.513 80,6 13.895 73,4
Rückstellungen 99 0,6 978 5,2
Zinsaufwand 566 3,4 414 2,2
Steuern 765 4,6 1.202 6,3
Bilanzgewinn 1.815 10,8 2.442 12,9
Wertschöpfung 16.758 100,0 18.931 100,0

Der Anteil der Mitarbeiter an der Wertschöpfung ist im Vergleichs-


zeitraum von 80,6 % auf 73,4 % zurückgegangen. Dies ist eine er-
freuliche Entwicklung, die auf eine Steigerung der Produktivität
schließen lässt. Die Rückstellungen, die zur Risikoabdeckung die-
nen, sind von 0,6 % auf 5,2 % angestiegen. Die Banken waren 2000
mit 3,4 und 2006 mit 2,2 % an der Wertschöpfung beteiligt. Der
Staat erhielt im Vergleichszeitraum 4,6 % und 6,3 % der Wert-
schöpfung. An die Gesellschafter gingen 10,8 % und 12,9 % von der
Wertschöpfung in den Jahren 2005 und 2006.

17.2 Finanzanalyse
Die finanzwirtschaftliche Analyse untersucht die Relationen der
Vermögens- und Kapitalpositionen. Die Daten für die Finanzanalyse
werden der Bilanz entnommen. Im Gegensatz zur Erfolgsanalyse ist
die Finanzanalyse eine zeitpunktbezogene Untersuchung.

17.2.1 Vermögensstruktur
Um die Vermögensstruktur zu analysieren, werden der Anteil des
Anlagevermögens sowie der Anteil des Anlagevermögens und der
Vorräte an der Bilanzsumme errechnet.

Anteil des Anlagevermögens an der Bilanzsumme


Folgende Formel wird verwendet, um den Anteil des Anlagevermö-
gens an der Bilanzsumme zu ermitteln:
Anlagevermögen
Anteil des Anlagevermögens = = x 100
Bilanzsumme

272
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
11.356
2005 x 100 = 45,3 %
25.085

12.269
2006 x 100 = 39,7 %
30.920

Die Anlagenintensität ist im Vergleichszeitraum von 45,3 % auf


39,7 % oder um 5,6 %-Punkte zurückgegangen. Dies entspricht
einer Reduzierung um 12,4 %.

Anteil des Anlagevermögens und der Vorräte an der Bilanzsumme


Den Anteil des Anlagevermögens und der Vorräte an der Bilanz-
summe errechnen wir wie folgt:
Anlagevermögen + Vorräte
Anteil des Anlagevermögens und der Vorräte = = x 100
Bilanzsumme

11.356 + 5.950
2005 x 100 = 69,0 %
25.085

12.269 + 6.218
2006 x 100 = 59,8 %
30.920

Im Vergleich zum Vorjahr ist das Anlagevermögen einschließlich


der Vorräte in Bezug auf die Bilanzsumme um 9,2 %-Punkte oder
um 13,3 % zurückgegangen.

17.2.2 Kapitalstruktur
Bei der Analyse der Kapitalstruktur geht es um die Eigenkapital-
quote und um den langfristigen Kapitalanteil an der Bilanzsumme.

Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote wird wie folgt errechnet:
Eigenkapital
Eigenkapitalquote = = x 100
Bilanzsumme

16.836
2005 x 100 = 67,1 %
25.085

17.463
2006 x 100 = 56,5 %
30.920

273
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Die Eigenkapitalquote ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 %-


Punkte oder um 15,8 % gesunken. Die Eigenkapitalquote ist aber
noch als sehr gut zu bezeichnen.

Langfristiger Kapitalanteil
Der langfristige Kapitalanteil an der Bilanzsumme ergibt sich aus
folgender Formel:
Langfristiges Kapital
Langfristiger Kapitalanteil = = x 100
Bilanzsumme

Der langfristige Kapitalanteil setzt sich wie folgt zusammen:


Eigenkapital
+ 50 % der Rückstellungen
+ Langfristige Verbindlichkeiten
= Langfristiger Kapitalanteil

16.836 + 70 + 3.401
2005 x 100 = 81 %
25.085

17.463 + 558,5 + 4.594


2006 x 100 = 73,1 %
30.920

Der langfristige Kapitalanteil hat sich gegenüber 2005 um 7,9 %-


Punkte oder um 9,8 % verschlechtert. Trotzdem ist die langfristige
Kapitalausstattung des Unternehmens noch als sehr gut anzusehen.

17.2.3 Deckungsrelationen
Die Deckungsrelationen erlauben einen guten Überblick über die
horizontale Vermögens- und Kapitalstruktur. Sie geben Auskunft
über die finanzielle Stabilität des Unternehmens.
Die Finanzierungsregeln besagen, dass beispielsweise langfristig
gebundene Vermögensgegenstände auch durch langfristige Mittel zu
finanzieren sind. Die Fristigkeit der Finanzierungsmittel sollte der
Nutzungsdauer der damit finanzierten Investitionsobjekte entspre-
chen. Hieraus kann die Regel abgeleitet werden, dass zumindest das
Anlagevermögen eines Unternehmens langfristig, also durch Eigen-
kapital und durch langfristiges Fremdkapital, zu finanzieren ist.

274
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
Die Kennzahlen der Anlagendeckung bringen zum Ausdruck, in
welchem Umfang die Finanzierungsregeln tatsächlich eingehalten
wurden. Je höher die Prozentsätze ausfallen, um so größer ist dann
die finanzielle Stabilität des Unternehmens. Nach Möglichkeit sollte
auch ein Teil des Umlaufvermögens, zumindest aber der durch-
schnittliche Bestand an Vorräten, langfristig finanziert sein.

Anlagendeckung 1
Die Anlagendeckung 1 ergibt sich aus folgender Formel:
Eigenkapital
Anlagendeckung 1 = = x 100
Anlagevermögen

16.836
2005 x 100 = 148,3 %
11.356

17.463
2006 x 100 = 142,3 %
12.269

Im Vergleichszeitraum hat sich die Anlagendeckung 1 um 6,0 %-


Punkte oder um 4,0 % verschlechtert. Die Anlagendeckung 1 ging
zwar leicht zurück, ist aber noch als ausgezeichnet zu betrachten.

Anlagendeckung 2
Die Anlagendeckung 2 wird mit folgender Formel errechnet:
Langfristiges Kapital
Anlagendeckung 2 = = x 100
Anlagevermögen

16.836 + 70 + 3.401
2005 x 100 = 178,8 %
11.356

17.463 + 558,5 + 4.594


2006 x 100 = 184,3 %
12.269

Die Anlagendeckung 2 hat sich im Vergleichszeitraum um 5,5 %-


Punkte oder um 3,1 % verbessert. Sie kann als sehr gut bezeichnet
werden.

275
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Anlagendeckung 3
Die Anlagendeckung 3 wird mit folgender Formel ermittelt:
Langfristiges Kapital
Anlagendeckung 3 = = x 100
Anlagevermögen + Vorräte

20.307
2005 x 100 = 117,3 %
11.356 + 5.950

20.615,5
2006 x 100 = 122,3 %
12.269 + 6.218

Im Vergleich zu 2005 hat sich die Anlagendeckung 3 um 5,0 %-


Punkte oder um 4,3 % verbessert. Sogar unter Einbeziehung der
Vorräte besteht noch eine langfristige Deckung von über 100 %.
Auch dieses Ergebnis ist als sehr gut zu bezeichnen. Das Unterneh-
men ist also solide finanziert.

17.2.4 Liquidität
Die Analyse der Liquidität gibt Aufschluss über die Zahlungsbereit-
schaft des Unternehmens. Wir unterscheiden drei Liquiditätsgrade.

Liquidität 1. Grades
Die Liquidität 1. Grades wird mithilfe folgender Formel errechnet:
Flüssige Mittel
Liquidität 1. Grades = = x 100
Kurzfr. Verbindlichkeiten

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten setzen sich wie folgt zusammen:


1. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
2. Sonstige Verbindlichkeiten
3. 50 % der Rückstellungen
4. Bilanzgewinn

276
Bilanzanalyse und Bilanzkritik A
3.544
2005 x 100 = 53,8 %
4.348 + 360 + 70 + 1.815

6.896
2006 x 100 = 64,2 %
7.267 + 479 + 558,5 + 2.442

Die Liquidität 1. Grades hat sich um 10,4 %-Punkte oder um 19,3 %


verbessert. Die vorhandenen flüssigen Mittel wurden allerdings
nicht dazu benutzt, die offenen Rechnungen zu skontieren. Dadurch
sind dem Unternehmen viele zusätzliche Skontoerträge entgangen.

Liquidität 2. Grades
Die Liquidität 2. Grades ergibt sich aus folgender Formel:
Flüssige Mittel + Forderungen aus L + L
Liquidität 2. Grades = = x 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

3.544 + 3.690
2005 x 100 = 109,7 %
6.593

6.896 + 4.918
2006 x 100 = 109,9 %
10.746,5

Die Liquidität 2. Grades ist fast gleich geblieben. Auch dieses Ergeb-
nis ist als gut zu bezeichnen.

Liquidität 3. Grades
Die Liquidität 3. Grades wird folgendermaßen ermittelt:
Fl. Mittel + Ford. aus L+L + WP + Vorräte
Liquidität 3. Grades = = x 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

Die Positionen über dem Bruchstrich umfassen das gesamte Um-


laufvermögen. Deshalb kann die Formel auch wie folgt lauten:
Umlaufvermögen
Liquidität 3. Grades = = x 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten
3.544 + 3.690 + 310 + 235 + 5.950
2005 x 100 = 208,2 %
6.593

6.896 + 4.918 + 310 + 309 + 6.218


2006 x 100 = 173,6 %
10.746,5

277
A Erfolgs und Finanzanalyse – Fallbeispiel

Im Vergleichszeitraum ist die Liquidität 3. Grades um 34,6 %-


Punkte oder um 16 % zurückgegangen. Trotz der relativen Ver-
schlechterung ist die Liquidität 3. Grades noch als gut zu betrachten.

Working Capital
Das Working Capital steht in Zusammenhang mit der Liquidität 3.
Grades. Das Umlaufvermögen wird bei der Liquidität 3. Grades mit
den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Verbindung gesetzt. Wir
erhalten dann als Ergebnis einen Prozentsatz. Beim Working Capital
wird die Differenz aus den beiden Größen ermittelt.
Folgende Formel kommt bei der Errechnung des Working Capital
zur Anwendung:
Working Capital = Umlaufvermögen – Kurzfr. Verbindlichkeiten
Umlaufvermögen 13.729
2005
– Kurzfristige Verbindlichkeiten 6.593
7.136

Umlaufvermögen 18651
2006
– Kurzfristige Verbindlichkeiten 10746,5
7904,5

Das Working Capital ist im Vergleichszeitraum um 768,5 T € oder


um 10,8 % gestiegen. Auch dieses Ergebnis ist als gut zu bezeichnen.

278
B Bilanzpolitik

1 Wesen
Mit der Bilanzpolitik können die Unternehmensleitung und die
Führungskräfte die Ergebnisse des Jahresabschlusses im Rahmen der
rechtlich zulässigen Möglichkeiten bewusst beeinflussen. Dabei wird
versucht, die Unternehmensziele durch die Ausnutzung der gesetzli-
chen und faktischen Wahlrechte und der Ermessensspielräume sy-
stematisch zu verwirklichen.
Die Gestaltung der Bilanzen, der GuV sowie des Anhangs gehört
zum Aufgabengebiet der Bilanzpolitik, die auch zur Existenzsiche-
rung der Unternehmen beitragen soll. Die Unternehmen müssen
sich so präsentieren, dass sie im Wettbewerb um Kunden, Mitarbei-
ter und Kapital bestehen können.
Die Bilanzpolitik umfasst also alle betrieblichen Entscheidungen mit
dem Ziel, den Jahresabschluss so zu gestalten, dass er den betriebli-
chen Zielsetzungen entspricht.

2 Ziele der Bilanzpolitik


Die Bilanzpolitik ist ein wesentlicher Bestandteil der Unterneh-
menspolitik und stellt ein Instrument zur Realisierung der Zielset-
zungen in den Unternehmungen dar. Dabei geht es insbesondere
um die Steuerung der Gewinnausschüttung, die Gestaltung der
Bilanzstruktur, die Reduzierung der Steuerbelastung, die Ausgewo-
genheit der Informationen an die Adressaten des Jahresabschlusses
und um die Erfüllung vonPublizitätsverpflichtungen.

279
B Ziele der Bilanzpolitik

Wesentliche Ziele der Bilanzpolitik


1. Steuerung der Gewinnausschüttung
2. Gestaltung der Bilanzstruktur
3. Reduzierung der Steuerbelastung
4. Ausgewogenheit der Informationen
5. Erfüllung der Publizitätsverpflichtungen
Abb. 108: Wesentliche Ziele der Bilanzpolitik

2.1 Steuerung der Gewinnausschüttung


Die Steuerung der Gewinnausschüttung ist ein wesentliches Ziel der
Bilanzpolitik. Zwischen der Höhe des ausgewiesenen Gewinns und
den Erwartungen der Anteilseigner hinsichtlich der Ausschüttung
des Gewinns besteht ein enger Zusammenhang. Deshalb sollten die
Überlegungen über die Höhe der Gewinnausschüttung nicht erst
beim Beschluss über die Gewinnverwendung angestellt werden,
sondern sie müssen bereits bei der Gewinnermittlung beginnen. Es
geht insbesondere um die Vermeidung der Ausschüttung von infla-
tionsbedingten Scheingewinnen und damit um die Verringerung der
Substanz der Unternehmen. Die Verbesserung der Innenfinanzie-
rung ist ein zusätzlicher Aspekt, der berücksichtigt werden sollte.

2.2 Gestaltung der Bilanzstruktur


Die Gestaltung der Bilanzstruktur ist ein weiteres Ziel der Bilanzpo-
litik. Die Bilanzstruktur sollte aufgrund der unternehmerischen
Zielsetzungen geändert und optimaler ausgerichtet werden. Die
Bilanzpolitik dient der Umsetzung der Unternehmensziele im Rah-
men des Jahresabschlusses. Allerdings muss festgestellt werden, dass
es eine ideale Bilanz nicht gibt.
Die Bilanzpolitik stellt ein klassisches Optimierungsproblem dar.
Die Zielkonflikte sind durch die verschiedenen Interessen der
Adressaten vorprogrammiert. Die einzelnen Adressaten, d. h. die
Banken, die Aktionäre, die Öffentlichkeit, der Staat, die Mitarbeiter,
die Lieferanten, die Kunden und die Konkurrenz erwarten vom
Jahresabschluss unterschiedliche Informationen. Die Bilanzanalyse

280
Bilanzpolitik B
und die Bilanzkritik sollten die Grundlage für die von den Unter-
nehmen verfolgte Bilanzpolitik sein.
Im Rahmen der Bilanzanalyse und der Bilanzkritik können die Stär-
ken und die Schwächen der Unternehmen erkannt werden, die zu
weiteren Untersuchungen Anlaß geben sollten. Sobald ein Stärken-
und Schwächenprofil erstellt ist, haben die Unternehmensleitung
und die Führungskräfte die Möglichkeit, neue operative und strate-
gische Maßnahmen zu beschließen, die den Umsatz, die Produktion,
die Materialwirtschaft sowie die Finanzierung und die Investition
betreffen.

2.3 Reduzierung der Steuerbelastung


Die bilanzpolitische Gestaltung muss sich auch auf die Reduzierung
der Steuerbelastung beziehen. Wir haben zwischen dem Steuerauf-
schub und der Steuervermeidung zu unterscheiden.
Reduzierung der
Steuerbelastung

Steueraufschub Steuervermeidung

Abb. 109: Formen der Steuerentlastung

Der Steueraufschub bei den ertragsabhängigen Steuern wird er-


reicht, indem Erträge in die Zukunft verlagert und Aufwendungen
in die Gegenwart vorgezogen werden. Die Verschiebung von Steuer-
zahlungen bedeutet, dass die Unternehmen vom Staat einen zinslo-
sen Kredit erhalten.
Eine Steuervermeidung wird beispielsweise möglich durch die
Glättung von Progressionsspitzen bei der Einkommensbesteuerung
und durch die Verlagerung der Gewinne in niedriger besteuerte
Länder. Auch die Verringerung von substanzabhängigen Steuern
führt zu einer Steuervermeidung.
In der Praxis kommt es besonders auf die ertragsabhängigen Steuern
an. Die Ertragsteuerbilanz ist aber auch die Grundlage für die Ver-
mögensaufstellung, die für die Berechnung des Gewerbekapitals und

281
B Ziele der Bilanzpolitik

für die Bewertung von Gesellschafteranteilen nach dem Stuttgarter


Verfahren erforderlich ist. Deshalb werden durch bilanzpolitische
Maßnahmen auch die substanzabhängigen Steuern beeinflusst.

2.4 Ausgewogenheit der Informationen


Durch die Ausgewogenheit der Informationen kann die Verhaltens-
weise der Adressaten des Jahresabschlusses ebenfalls beeinflusst
werden. Der Jahresabschluss ist eine wichtige Grundlage für die
Banken, neue Kredite zu geben oder bereits bestehende Kredite zu
verlängern. Deshalb müssen die Unternehmen daran interessiert
sein, den Banken ein kreditwürdiges Unternehmen zu präsentieren.
Eine Verschlechterung der Ertragslage kann durch bilanzpolitische
Maßnahmen abgemildert werden. Die Banken achten sehr auf be-
stimmte Bilanzrelationen, die sich in den Finanzierungsregeln nie-
derschlagen.
Neben den Banken interessieren sich die Lieferanten, die Kunden,
die Mitarbeiter und die Konkurrenz für die Ergebnisse des Jahres-
abschlusses. Für die mit der Bilanzreform publizitätspflichtig ge-
wordenen Unternehmen werden diese Zielgruppen immer wichti-
ger. Mithilfe der Bilanzpolitik sollten die Meinungsbildung und die
Verhaltensweisen der externen Adressaten zu Gunsten des Unter-
nehmens beeinflusst werden.

2.5 Erfüllung der Publizitätsverpflichtungen


Die Berücksichtigung der Publizitätsverpflichtungen wird auch für
die kleineren und mittleren Kapitalgesellschaften immer wichtiger.
Die Unternehmen können sich auf die Veröffentlichung der gesetz-
lich vorgeschriebenen Angaben beschränken oder über die Mindest-
vorschriften hinausgehen. Durch eine weitergehende Veröffentli-
chung der Rechnungslegung kann die Public-Relations-Arbeit ver-
bessert werden.

282
Bilanzpolitik B
2.6 Weitere Ziele
Neben den Unternehmenszielen können mit der Bilanzpolitik aber
noch andere Ziele verfolgt werden. Zu diesen Zielen gehören insbe-
sondere:
1. Vertuschung von Managementfehlern
Die Unternehmensleitung versucht, die Auswirkungen von Fehl-
entscheidungen auf den Jahresabschluss nicht sichtbar werden zu
lassen. Die Manager wollen vermeiden, dass sie von den Anteils-
eignern zur Rechenschaft gezogen werden.
2. Ergebnisverbesserung wegen des Verkaufs eines Unternehmens
Die Unternehmensleitung kann an einer Verbesserung der Er-
gebnisse interessiert sein, um die Verhandlungen über den Ver-
kauf eines Unternehmens positiv zu beeinflussen.
3. Erhöhung der Gewinne wegen erfolgsabhängiger Vergütungen
In einigen Unternehmen ist die Unternehmensleitung bestrebt,
durch bilanzpolitische Maßnahmen erhöhte Gewinne auszu-
weisen, um die erfolgsabhängigen Vergütungen zu verbessern,
die dann an die Unternehmensleitung und möglicherweise an
die Aufsichtsgremien zu zahlen sind.
Eine erfolgsabhängige Vergütung sollte nicht anhand der Zahlen
des Jahresabschlusses vereinbart werden. Eine bessere Grundlage
stellen die Ergebnisse der Kosten- und Leistungsrechnung dar.
Deshalb sollten die Daten der kurzfristigen Erfolgsrechnung als
Basis für eine erfolgsabhängige Vergütung gewählt werden.
Zwischen den einzelnen Zielen der Bilanzpolitik können Zielkon-
flikte entstehen. Aus dem Gesichtspunkt der Finanzierung ist es
sinnvoll, vom erwirtschafteten Gewinn möglichst wenig auszu-
schütten, um die Innenfinanzierung (Cashflow) zu verbessern.
Durch den Ausweis höherer Gewinne und durch die Ausschüttung
eines großen Anteils der Gewinne können die Kapitalgeber veran-
lasst werden, zusätzliches Kapital dem Unternehmen zur Verfügung
zu stellen. Auch zwischen den anderen Gruppen der Adressaten des
Jahresabschlusses können verschiedene Zielkonflikte auftreten.
Um bestehende Zielkonflikte zu lösen, muss die Unternehmenslei-
tung Prioritäten setzen und Kompromisse schließen. Für die er-

283
B Formen der Bilanzpolitik

folgsabhängigen Vergütungen sollte die Unternehmensleitung die


kurzfristige Erfolgsrechnung und eine interne Bilanz als Basis wäh-
len, damit alle Möglichkeiten zur Reduzierung der Steuern genutzt
werden können.
Für die Kapitalgesellschaften (AG, GmbH) wird aufgrund der neuen
Publizitätspflichten die eigenständige Handelsbilanz neben der Steu-
erbilanz immer wichtiger. Deshalb sollten die unterschiedlichen
Gestaltungsmöglichkeiten der Handels- und der Steuerbilanz in der
Zukunft besser genutzt werden.Zur Veröffentlichung dienen jeweils
die Handelsbilanzen.

3 Formen der Bilanzpolitik


Wir können zwei Formen der Bilanzpolitik unterscheiden. Neben
der formellen Bilanzpolitik gibt es auch die materielle Bilanzpolitik.

Bilanzpolitik

Formelle Bilanzpolitik Materielle Bilanzpolitik

Abb. 110: Formen der Steuerentlastung

3.1 Formelle Bilanzpolitik


Bei der formellen Bilanzpolitik geht es um die Struktur, die Gliede-
rung, den Ausweis und die Erläuterungen der Abschlussposten ein-
schließlich der Gewinnverwendung. Die Unternehmen müssen auch
die Frage klären, inwieweit sie die gesetzlichen Offenlegungspflich-
ten beachten müssen. Die formelle Bilanzpolitik befasst sich also mit
der Form der Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
der Unternehmen.

3.2 Materielle Bilanzpolitik


Bei der materiellen Bilanzpolitik geht es um die Beeinflussung der
Höhe des im Jahresabschluss ausgewiesenen Gewinns, der sich nach

284
Bilanzpolitik B
Handels- und Steuerrecht ergibt. In der Praxis ist diese Fragestellung
aus steuerrechtichen Gründen besonders wichtig. Mithilfe der mate-
riellen Bilanzpolitik ist im Wesentlichen eine Steuerung der Höhe
des ausgewiesenen Jahresergebnisses möglich. Die Bewertungsmög-
lichkeiten haben also Einfluss auf die Höhe des ausgewiesenen Ge-
winns.
Zwischen beiden Formen der Bilanzpolitik bestehen meist Abhän-
gigkeiten (Interdependenzen). Ergebniswirksame Veränderungen
der Wertansätze der einzelnen Bilanzpositionen schlagen sich auch
in den Strukturen des Jahresabschlusses nieder. Konsequenzen für
die Berichterstattung im Anhang sind ebenfalls gegeben. Mit der
Mehrzahl der materiellen Instrumente sind also regelmäßig auch
Auswirkungen auf die Struktur des Jahresabschlusses verbunden.

4 Bilanzpolitische Instrumente
Bei den bilanzpolitischen Instrumenten unterscheiden wir zum
einenMaßnahmen, die an gegebene Sachverhalte anknüpfen und zu
anderen Maßnahmen, die gegebene Sachverhalte verändern.

Bilanzpolitische Instrumente

Maßnahmen, die an gegebene Maßnahmen, die gegebene


Sachverhalte anknüpfen Sachverhalte verändern
Abb. 111: Gruppen von bilanzpolitischen Instrumenten

4.1 Maßnahmen, die an gegebene


Sachverhalte anknüpfen
Die Maßnahmen, die an gegebene Sachverhalte anknüpfen, beein-
flussen nur deren Darstellung im Jahresabschluss. Folgende Mög-
lichkeiten sind gegeben:

4.1.1 Darstellung bestimmter betrieblicher Sachverhalte


Die Darstellung bestimmter betrieblicher Sachverhalte kann durch
bilanzpolitische Maßnahmen beeinflusst werden.

285
B Bilanzpolitische Instrumente

Aufnahme bestimmter Sachverhalte als Aktiv oder Passivposten


Es geht um die bilanzielle Erfassung dem Grunde nach bei der Bi-
lanzierung.

Beispiel:
Passivierungswahlrecht für Aufwandsrückstellungen (§ 249 Abs. 2
HGB)

Erwähnung bestimmter Sachverhalte im Anhang


Bestimmte Sachverhalte sind im Anhang bei großen Kapitalgesell-
schaften zu erwähnen. Für kleine Kapitalgesellschaften dagegen
bestehen größenabhängige Erleichterungen.

Beispiel:
Wahlrecht für kleine Kapitalgesellschaften, im Anhang die größenab
hängigen Erleichterungen wahrzunehmen (§ 288 HGB).

4.1.2 Ansatz der im Jahresabschluss erfassten Sachverhalte


Der Ansatz der im Jahresabschluss erfassten Sachverhalte kann un-
terschiedlich gestaltet werden.

Bewertung der in der Bilanz erfassten Sachverhalte


Bei der Bewertung geht es um die bilanzielle Erfassung der Höhe
nach. Es ist zu klären, mit welchem Wert bestimmte Sachverhalte in
der Bilanz zu aktivieren oder zu passivieren sind.

Beispiel:
Wahlrecht, in die Herstellungskosten auch die Gemeinkosten einzu
beziehen (§ 255 Abs. 2 Satz 3 HGB)

Erfassung bestimmter Sachverhalte


Bestimmte Sachverhalte können im Jahresabschluss an verschiede-
nen Stellen erfasst werden.

Beispiel:
Ausweis von Wertpapieren im Anlage oder im Umlaufvermögen.

286
Bilanzpolitik B
4.2 Maßnahmen, die gegebene Sachverhalte
verändern
Aus bilanzpolitischen Gründen werden Sachverhaltsgestaltungen
vorgenommen, die das der Bilanz zu Grunde liegende Mengengerüst
der Aktiva und Passiva beeinflussen. Diese Form der Bilanzpolitik
muss vor dem Bilanzstichtag einsetzen. Wir unterscheiden zwei
Formen der Sachverhaltsgestaltungen:

4.2.1 Zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen


Die zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen kann aus bilanzpo-
litischen Erwägungen vorgenommen werden.

Beispiel:
Anschaffung von geringwertigen Wirtschaftsgütern des Anlagever
mögens vor dem Ende des Geschäftsjahres, um das Abschreibungs
volumen zu erhöhen. Die Gegenstände wären sonst erst im neuen
Geschäftsjahr besorgt worden.

4.2.2 Bewusste Gestaltung von Sachverhalten aus


bilanzpolitischen Gründen
Im Unternehmen werden Gestaltungen vorgenommen, die nur aus
bilanzpolitischen Gründen erfolgen.

Beispiel:
Leasing statt Kauf, um die Bilanzsumme zu kürzen. Dadurch wird ein
für die Rechnungslegungspflichten der Kapitalgesellschaften wichti
ges Größenmerkmal (Bilanzsumme) reduziert.

5 Bilanzpolitische Maßnahmen
Bei den bilanzpolitischen Maßnahmen können wir die formellen
und die materiellen Maßnahmen unterscheiden.

287
B Bilanzpolitische Maßnahmen

Bilanzpolitische Maßnahmen

Formelle Maßnahmen Materielle Maßnahmen

Abb. 112: Bilanzpolitische Maßnahmen

5.1 Formelle Maßnahmen


Wir müssen zwischen der Beeinflussung der Art der Darstellung von
Sachverhalten im Jahresabschluss und der Gestaltung von Sachver-
halten unterscheiden.

Formelle Maßnahmen

Beeinflussung der Darstellung


Gestaltung von Sachverhalten
von Sachverhalten
Abb. 113: Arten der formellen Maßnahmen

5.1.1 Beeinflussung der Darstellung von Sachverhalten


Zu den formellen Maßnahmen gehören die Ausweis-, die Gliede-
rungs- und die Erläuterungs-Wahlrechte.

Formelle Wahlrechte

Erläuterungs
Ausweiswahlrechte Gliederungswahlrechte
wahlrechte
Abb. 114: Formelle Wahlrechte
Die Ausweiswahlrechte dienen der Informationspolitik des Unter-
nehmens. Diese Instrumente haben keinen Einfluss auf die Bilanz-
struktur, die Bilanzsumme oder das Ergebnis des Jahresabschlusses.
Es geht um die Pflichtangaben in der Bilanz oder in der GuV, die
wahlweise im Anhang aufgeführt werden können.

288
Bilanzpolitik B
Die Gliederungswahlrechte dagegen wirken sich auf die vertikale
Struktur der Bilanz sowie der GuV und auf die Bilanzsumme aus.
Die Erläuterungswahlrechte ermöglichen es den Unternehmen, die
Art und Weise sowie zum Teil auch den Umfang der Erfüllung der
verschiedenen Berichtspflichten zu gestalten.
Die Berichterstattung in der Bilanz oder in der GuV sowie im An-
hang kann beeinflusst werden. Die formellen Maßnahmen beziehen
sich auch auf die Veränderung der Strukturen der Bilanz sowie der
GuV. Die Art und Weise sowie zum Teil der Umfang der Berichts-
pflichten kann ebenfalls gestaltet werden.
Die Aktiv- und Passivposten sowie die Erträge und Aufwendungen
im Jahresabschluss dürfen nicht saldiert werden. Das Bruttoprinzip
kann in gewissen Grenzen aber korrigiert werden (§ 246 Abs. 2
HGB). Dadurch wird die Klarheit und Richtigkeit des Jahresab-
schlusses verbessert. Die fälligen Forderungen und Verbindlichkei-
ten gegenüber einem bestimmten Geschäftspartner können also
saldiert werden.
Diese Einschränkung des Bruttoprinzips bewirkt eine Verkürzung
der Aktiv- und Passivseite in der Bilanz. Dadurch werden die Bilanz-
relationen verbessert. Die Eigenkapitalquote lässt sich somit erhö-
hen.
Bei der GuV haben die Unternehmen die Wahl zwischen dem Ge-
samtkosten- und dem Umsatzkostenverfahren. Das Gesamtkosten-
verfahren ist in der Praxis noch üblich, da es einfach zu handhaben
ist. Aus der Sicht der Unternehmen ist dieses Verfahren nicht so
günstig, da die Außenstehenden einen verhältnismäßig guten Ein-
blick in die Umsatz- und Kostenstruktur eines Unternehmens er-
halten.
Das Umsatzkostenverfahren dagegen weist nur die Herstellungsko-
sten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen so-
wie die Vertriebskosten, die Verwaltungskosten und die sonstigen
betrieblichen Aufwendungen aus. Zusätzliche Angaben müssen im
Anhang gemacht werden (§ 285 Nr. 8 HGB). Dieses Verfahren er-
schwert den Außenstehenden den Einblick. Allerdings ist ein höhe-
rer Verwaltungsaufwand nötig, da eine Kostenstellenrechnung ein-

289
B Bilanzpolitische Maßnahmen

geführt werden muss, die aber in vielen Unternehmen bereits vor-


handen ist.
Der Umfang der Aufgliederung von Abschlussposten und Ab-
schlusserläuterungen hat einen Einfluss auf den Informationsgehalt
des Jahresabschlusses. Die kleinen und mittelgroßen Kapitalgesell-
schaften können sich bei der Rechnungslegung und der Publizierung
auf die größenabhängigen Erleichterungen beziehen (§§ 266 Abs. 1
Satz 3, 276, 288, 293, 316 Abs. 1 Satz 1, 326, 327 HGB).
Die Struktur der Bilanz oder der GuV lässt sich durch vertikale Ver-
änderungen des Ausweises von Abschlussposten beeinflussen. Be-
stimmte Wertpapiere können beispielsweise im Anlage- oder im
Umlaufvermögen ausgewiesen werden. Dadurch wird die Relation
von Anlage- zu Umlaufvermögen geändert. Die Kennzahlen der
Finanzierungsregeln können sich somit ändern.
Durch die Umgliederung und durch die neue Bezeichnung von
Bilanzpositionen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten kön-
nen die Unternehmen die Transparenz verbessern oder reduzieren.
Die Unternehmen sind in der Lage, eine bestimmte Bilanzkosmetik
zu betreiben.
Zusätzliche Anmerkungen und Erläuterungen zum Jahresabschluss
tragen dazu bei, dass der Jahresabschluss von den Banken, von der
Öffentlichkeit und von den anderen Interessensgruppen wohlwol-
lend aufgenommen wird. Durch die Publikation von Zusatzrech-
nungen wie die Kapitalflussrechnung und die Wertschöpfungsrech-
nung wird meist eine positive Resonanz erzielt.
Die möglichen darstellungsbezogenen Instrumente der formellen
Bilanzpolitik können der folgenden Abbildung entnommen werden:

290
Bilanzpolitik B
Beeinflussung der Darstellung von Sachverhalten durch eine
formelle Bilanzpolitik
1. Ausweiswahlrechte
Korrektur des Bruttoprinzips in gewissen Grenzen
Saldierung der Forderungen und Verbindlichkeiten eines Ge
schäftspartners
Ausweis von Ersatzteilen im Anlagevermögen oder bei den Vorräten
Gesamtkosten oder Umsatzkostenverfahren in der GuV
Ausweis von Wertpapieren im Anlage oder im Umlaufvermögen
(§ 247 Abs. 2 HGB)
Gesonderter Ausweis des Disagios (§ 268 Abs. 6 HGB)
Angaben der Abschreibungen des Geschäftsjahres (§ 268 Abs. 2
Satz 3 HGB)
Gesonderte Angaben des Gewinn oder Verlustvortrags (§ 268 Abs. 1
Satz 2 HGB)
Angabe des Betrags steuerlicher Abschreibungen des Anlage und
Umlaufvermögens (§ 281 Abs. 2 Satz 1 HGB)
Gesonderter Ausweis aller größeren Posten aus den sonstigen be
trieblichen Erträgen und Aufwendungen (§ 277 Abs. 4 Satz 1 HGB)
2. Gliederungswahlrechte
Gesonderter Ausweis von Grund und Boden sowie Gebäuden
Ansatz erhaltener Anzahlungen auf Vorräte oder Ausweis als Verbind
lichkeiten (§ 268 Abs. 5 Satz 2 HGB)
Aktivierung oder Verrechnung von nicht eingeforderten ausstehenden
Einlagen (§ 272 Abs. 1 Satz 2 und 3 HGB)
Saldierung aktivischer und passivischer latenter Steuern (§ 274 HGB)
Aktivische Verrechnung steuerlicher Abschreibungen oder Einstellung
in die Sonderposten mit Rücklageanteil (§ 281 Abs. 1 Satz 1 HGB)
Abgrenzung ordentlicher und außerordentlicher Aufwendungen und
Erträge (§ 277 Abs. 4 Satz 1 HGB)
Aufgliederungen der Forderungen und Verbindlichkeiten nach DM
Posten und Fremdwährungsposten
Aufgliederung der Bilanzposten fertige Erzeugnisse und Waren
Aufgliederung der Umsatzerlöse nach Sparten und nach regionalen
Gesichtspunkten

291
B Bilanzpolitische Maßnahmen

3. Erläuterungswahlrechte
Weitere Untergliederung von Abschlussposten z. B. Sonstige Rück
stellungen (§ 258 Abs. 5 Satz 1 HGB)
Ergebnisbeeinflussung durch steuerrechtliche Abschreibungen (§ 285
Nr. 5 1. Halbsatz HGB)
Einfluss der Änderung von Bilanzierungs und Bewertungsmethoden
(§ 284 Abs. 2 Nr. 3 HGB)
Ausmaß erheblicher künftiger Belastungen durch die Anwendung
steuerlicher Abschreibungen (§ 285 Nr. 5 2. Halbsatz HGB)
Erläuterung nicht unerheblicher sonstiger Rückstellungen, die nicht
gesondert ausgewiesen werden (§ 285 Nr. 12 HGB)
Erläuterungen über Abschlussposten in der Bilanz sowie in der GuV
können im Anhang erfolgen (§ 285 Nr. 2 HGB)
Optimistische oder pessimistische Darstellung der künftigen Ent
wicklung des Unternehmens im Lagebericht
Verzicht auf größenabhängige Erleichterung im Anhang
Abb. 115: Beeinflussung der Darstellung von Sachverhalten durch eine formelle
Bilanzpolitik

5.1.2 Gestaltung von Sachverhalten


Durch die Gestaltung von Sachverhalten als Mittel der formellen
Bilanzpolitik können die Kapitalstruktur und der Liquiditätsausweis
bewusst geändert werden. Diese Maßnahmen werden kurz vor dem
Bilanzstichtag durchgeführt.
Eine Verbesserung der Kapitalstruktur ist durch Gewinnthesaurie-
rung möglich, indem offene Rücklagen gebildet werden oder eine
Gewinnausschüttung vermieden wird. Auch die Beschaffung von
neuem Gesellschafterkapital und von langfristigem Fremdkapital
verbessert die Kapitalstruktur.
Durch die Bilanzverkürzung ist auch eine Verbesserung der Kapi-
talstruktur möglich. Kurzfristig realisierbare Vermögensgegenstände
können zur Tilgung kurzfristiger Schulden verwendet werden.
Die Aufnahme von Darlehen vor dem Bilanzstichtag bewirkt, dass
die liquiden Mittel erhöht werden. Dadurch kommt es zu einer
Bilanzverlängerung.

292
Bilanzpolitik B
Miete, Pacht oder Leasing anstelle von Kauf eignen sich ebenfalls als
Instrumente zur Entlastung der in der Bilanz sichtbaren Kapital-
struktur.
Die Liquidität kann auch positiv beeinflusst werden, wenn im Un-
ternehmen größere Forderungen vor dem Bilanzstichtag an eine
Bank verkauft werden und gleichzeitig vereinbart wird, diese Forde-
rungen im neuen Jahr wieder zurückzukaufen.
Bei Kapitalgesellschaften kann es sinnvoll sein, durch die Gestaltung
von Sachverhalten die für die Prüfungspflicht und für die Publizi-
tätspflicht relevanten Größenmerkmale unter die gesetzlichen Min-
destgrenzen zu drücken. Durch solche Maßnahmen ist es möglich,
die Bilanzsumme, die Umsatzerlöse und die durchschnittliche Zahl
der Arbeitnehmer zu reduzieren. Eine niedrigere Zahl der Mitarbei-
ter hat auch Bedeutung für das Ausmaß der Mitbestimmungsrechte
der Arbeitnehmer nach dem Betriebsverfassungs- und dem Mitbe-
stimmungsgesetz.
Durch formelle bilanzpolitische Maßnahmen ist eine bessere Dar-
stellung der wirtschaftlichen Lage möglich (Windows Dressing).
Meist wird auch ein besserer Liquiditätseindruck erzielt.
Es bestehen allerdings Zielkonflikte bei der Gestaltung von Sachver-
halten. Durch solche Maßnahmen können höhere Zinsen anfallen
oder sich höhere Steuern ergeben. Auch eine Verschlechterung der
Liquidität ist möglich. Diese Gesichtspunkte sind bei den Entschei-
dungen für den Einsatz der bilanzpolitischen Instrumente zu be-
achten.
Einzelne sachverhaltsgestaltende Instrumente der formellen Bilanz-
politik werden in der folgenden Abbildung aufgeführt:

Gestaltung von Sachverhalten durch eine formelle


Bilanzpolitik
Verbesserung der Kapitalstruktur durch eine Gewinnthesaurierung
z. B. durch die Bildung von Gewinnrücklagen
Vermeidung von Gewinnausschüttungen
Beschaffung von neuem Gesellschafterkapital
Aufnahme von langfristigem Fremdkapital

293
B Bilanzpolitische Maßnahmen

Bilanzverkürzung durch die Tilgung kurzfristiger Schulden durch den


Verkauf von Vermögensgegenständen
Erhöhung liquider Mittel durch die Aufnahme von Darlehen vor dem
Bilanzstichtag
Miete, Pacht oder Leasing anstatt von Kauf
Verkauf von größeren Forderungen vor dem Bilanzstichtag an eine
Bank und Rückkauf im neuen Jahr
Aufspaltung des Unternehmens durch die Ausgliederung des Anlage
vermögens (Betriebsaufspaltung)
Herstellung der Saldierungsfähigkeit der Forderungen und Verbind
lichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen durch entsprechen
de Abtretungen im Unternehmensverbund
Aufnahme von langfristigem Kapital zur Reduzierung von kurzfristi
gem Fremdkapital
Verbesserung des Liquiditätsausweises durch verzögerte Beschaffung
von Roh, Hilfs und Betriebsstoffen am Ende des Geschäftsjahres
Vereinbarung des ScheckWechselVerfahrens
Verkauf von Forderungen an eine FactoringBank
Bessere Darstellung der Zahlungsmoral der Kunden durch den Debi
torenabbau durch Forfaitierung
Einsatz des SaleLeaseBackVerfahrens
Verbesserung der Lagerumschlagshäufigkeit durch den Abbau von
Vorräten an fertigen und unfertigen Erzeugnissen vor dem Bilanz
stichtag
Einlage von liquiden Mitteln durch Gesellschafter vor dem Bilanz
stichtag
Verbesserung der Kassenliquidität durch den Verkauf von Wertpapie
ren mit Rücknahmeverpflichtung (Pensionsgeschäfte)
Schnellerer Einzug von Kundenforderungen
Reduzierung des Lagerbestands durch den Verkauf von Lagerhütern
Verzögerte Bezahlung von Verbindlichkeiten
Vereinbarungen von Anzahlungen der Kunden
Beschleunigter Verkauf an Kunden, die schneller bezahlen

294
Bilanzpolitik B
Verzögerte Durchführung von Anzahlungen an Lieferanten
Reduzierung von Größenmerkmalen durch Aufspaltung des Unter
nehmens
Verringerung der Bilanzsumme durch Einrichtung von Kommissions
lägern
Reduzierung der Bilanzsumme durch die Verlegung des Bilanzstichta
ges auf einen Zeitpunkt außerhalb der Saison
Abb. 116: Gestaltung von Sachverhalten durch eine formelle Bilanzpolitik

5.2 Materielle Maßnahmen


Bei der Beeinflussung der Darstellung von Sachverhalten im Jahres-
abschluss müssen wir hinsichtlich der materiellen Maßnahmen
zwischen Wahlrechten und Ermessensspielräumen unterscheiden.
Materielle
Gestaltungsmöglichkeiten

Wahlrechte Ermessenspielräume

Verfahrens Individual
spielräume spielräume

Bilanz
Bewertungs
ansatzwahl
wahlrechte
rechte

Aktivierungs Passivierungs Wertansatz Methoden


wahlrechte wahlrechte wahlrechte wahlrechte
Abb. 117: Materielle Gestaltungsmöglichkeiten
Bei Wahlrechten gibt es für einen gegebenen Tatbestand mindestens
zwei verschiedene und eindeutig fixierte Rechtsfolgen, die sich ge-

295
B Bilanzpolitische Maßnahmen

genseitig ausschließen. Wahlrechte beziehen sich auf Ansatzfragen


und auf Bewertungsfragen des Jahresabschlusses.
Bei der Wahl zwischen der degressiven und der linearen Abschrei-
bung kann sich die Unternehmensleitung für die eine oder andere
Abschreibungsmethode entscheiden, da es ein handels- und steuer-
rechtliches Wahlrecht gibt.
Ermessensspielräume bei der Bilanzierung und bei der Bewertung
sind gegeben, wenn das Gesetz einen bestimmten Wertansatz oder
einen bestimmten Wertmaßstab zwar vorschreibt, nicht aber die
jeweilige Methode und die jeweiligen Komponenten entweder dem
Grund und/oder der Höhe nach zu seiner bilanziellen Erfassung des
Ansatzes oder des Wertes vorgibt.
Bei den Ermessensspielräumen können wir die Verfahrens- und die
Individualspielräume unterscheiden. Verfahrensspielräume ergeben
sich bei der Bewertung, wenn bei der Art der Wertermittlung in der
Praxis verschiedene Verfahren für zulässig erachtet werden. Die Art
der Berücksichtigung von Beschäftigungsschwankungen bei der
Ermittlung der Herstellungskosten beispielsweise stellt einen Be-
wertungsspielraum dar. Die auf der Basis der Ist-Beschäftigung be-
rechneten Herstellungskosten sind grundsätzlich zulässig. Es ist aber
auch gestattet, bei der Verteilung der Gemeinkosten von der Nor-
malbeschäftigung auszugehen.
Einzelentscheidungen, die dem Grunde oder der Höhe nach
Wertansätze festlegen, zählen zu den Individualspielräumen. Für die
Frage der Bilanzierung und für die Schätzung der Werte gibt es
meist erhebliche Spielräume. Der Eintritt oder der Nichteintritt des
Rückstellungsgrundes bei drohenden Einzelgarantierisiken bilden
beispielsweise einen erheblichen Passivierungsspielraum. Für den
Umfang der Abwertungen bei den Vorräten ist gemäß dem strengen
Niederstwertprinzip ein größerer Ermessensspielraum bei der Be-
wertung gegeben.
Die Ermessensspielräume ergeben sich zwangsläufig aus der Un-
möglichkeit in der Praxis, die wirtschaftliche Wirklichkeit vollstän-
dig zu normieren. Da es keine genauen Informationen über die zu
beurteilenden Sachverhalte gibt und da die Zukunft ungewiss ist,
sind die Ermessensspielräume relativ groß bei der Bilanzierung und

296
Bilanzpolitik B
bei der Bewertung. Besonders die Individualspielräume eignen sich
als flexibel einsetzbare bilanzpolitische Instrumente.

5.2.1 Beeinflussung der Darstellung von Sachverhalten


Bei der Beeinflussung der Darstellung von Sachverhalten im Jahres-
abschluss können wir Bilanzierungs- und Bewertungsalternativen
unterscheiden.

Materielle Darstellung von Sachverhalten

Bilanzierungsalternativen Bilanzierungsalternativen

Abb. 118: Materielle Darstellung von Sachverhalten

Bilanzierungsalternativen
Die Bilanzierungsalternativen betreffen die Frage, welche Vermö-
gensgegenstände oder Schulden in der Bilanz aktiviert oder passi-
viert werden sollen. Anhand von Aktivierungsalternativen können
getätigte Ausgaben entweder erfolgsneutral als Aktivposten bilan-
ziert oder sofort als Aufwand erfasst werden. Passivierungsalternati-
ven erlauben, dass bestimmte zukünftige Ausgaben zum Bilanz-
stichtag nicht berücksichtigt werden oder als aufwandserhöhend den
Rückstellungen zuzuführen sind.
Wenn ein niedriger Gewinn im Jahresabschluss ausgewiesen werden
soll, dann wird auf die Aktivierungen verzichtet und die Passivie-
rungen vorgenommen. Soll dagegen ein höherer Gewinn gezeigt
werden, so sind die Aktivierungen durchzuführen und die Passivie-
rungen zu vermeiden.
Folgende Wahlrechte und Ermessensspielräume sind bei den Bilan-
zierungsalternativen möglich:

297
B Bilanzpolitische Maßnahmen

Bilanzierungsalternativen
1. Wahlrechte
1.1 Aktivierungswahlrechte
Derivativer Firmenwert (H)
Disagio (H)
Aktivische latente Steuern (H)
Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des
Geschäftsbetriebes (H)
1.2 Passivierungswahlrechte
Sonderposten mit Rücklageanteil (H/S)
Mittelbare Verpflichtungen aus Pensionszusagen (H)
Rückstellungen für unterlassene Instandhaltungen, die nach
dem dritten aber einschließlich des zwölften Monats nach dem
Bilanzstichtag nachgeholt werden (H)
Aufwandsrückstellungen für große Reparaturen (H)
Rückstellungen für spätere Ausgleichsansprüche von Handels
vertretern (H)
Wertaufholungsrücklagen (H)
Pensionsrückstellungen bei Zusagen vor dem 1. 1. 1987
Aufwandsrückstellungen

2. Ermessensspielräume
2.1 Aktivierungsspielräume
Abgrenzung von Herstellungsaufwendungen und Erhaltungs
aufwendungen (H/S)
Abgrenzung des Merkmals entgeltlicher Erwerb beim Zugang
eines immateriellen Anlagegutes (H/S)
2.2 Passivierungsspielräume
Eintritt oder Wegfall des Grundes für Rückstellungen bei dro
henden Einzelrisiken (H/S)
Auflösung von Rückstellungen beim Wegfall drohender Risiken
(H/S)
Bedingte Verbindlichkeiten (H/S)
H= Gestaltungsmöglichkeiten in der Handelsbilanz
S = Gestaltungsmöglichkeiten in der Steuerbilanz
Abb. 119: Bilanzierungsalternativen

298
Bilanzpolitik B
Bewertungsalternativen
Die Bewertungsalternativen befassen sich mit der Frage, welche
Wertansätze für die in der Bilanz erfassten Positionen genommen
werden können. Wenn der Gewinn angehoben werden soll, dann
sind höhere Aktivierungen und niedrigere Passivierungen erforder-
lich. Bei einer gewinnmindernden Bilanzpolitik wird umgekehrt
vorgegangen.
Der Grundsatz der Bilanzstetigkeit ist bei den Bewertungsalternati-
ven zu beachten (§ 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB). Die auf den vorherge-
henden Jahresabschluss angewandten Bewertungsmethoden sind
beizubehalten, sofern nicht begründete Ausnahmefälle vorliegen
(§ 252 Abs. 2 HGB). Methodenänderungen müssen bei Kapitalge-
sellschaften im Anhang angegeben und begründet werden (§ 284
Abs. 2 Nr. 3 HGB).
Die Bewertungsalternativen hinsichtlich der Wahlrechte und der
Ermessensspielräume gehen aus der folgenden Abbildung hervor:

Bewertungsalternativen
1. Wahlrechte
1.1 Aktiva
Abschreibungsmethoden beispielsweise linear oder degressiv
(H/S)
Abschreibungen bei abnutzbaren beweglichen Anlagegütern
im Zugangsjahr (H/S)
Außerplanmäßige Abschreibungen im Anlagevermögen bei nur
vorübergehender Wertminderung (H/S)
Inanspruchnahme von Zuschreibungsmöglichkeiten (H/S)
Einbeziehung nur der Einzelkosten in die Herstellungskosten (H)
Einführung der fiktiven Verbrauchsfolgeverfahren – Lifo – Fifo
(H/S)
Gemeinkostenschlüsselung bei der Ermittlung der Herstel
lungskosten
Berücksichtigung von Beschäftigungsschwankungen bei der
Ermittlung der Herstellungskosten
Abschreibungen auf den zukünftigen Wertschwankungswert
im Umlaufvermögen

299
B Bilanzpolitische Maßnahmen

Beibehaltung eines niedrigeren Wertansatzes


Reduzierung des Warenlagers durch den Einsatz von Einzel,
Gruppen oder Festbewertungen
1.2 Passiva
Verteilung bestimmter Zuführungen zu Pensionsrückstellungen
auf drei Jahre (H/S)
Bewertung von Fremdwährungsverbindlichkeiten bei schwan
kenden Wechselkursen (H/S)
Alternativen bei dem der Pensionsrückstellung zu Grunde zu
legenden Pensionsalter (H/S)
Feststellung des Prozentsatzes zur Abzinsung von Pensions
rückstellungen (H)
2. Ermessensspielräume
2.1 Aktiva
Bestimmung der Nutzungsdauer von Anlagegütern (H/S)
Umfang von außerplanmäßigen Abschreibungen beim Anlage
vermögen (H/S)
Bemessung der Abschreibungen auf den zukünftigen Wert
schwankungswert im Umlaufvermögen
Gemeinkostenschlüsselung bei der Ermittlung der Herstel
lungskosten (H/S)
Bemessung der Höhe der Einzelwertberichtigungen zu Forde
rungen (H/S)
Höhe des Zinssatzes bei zinsabhängigen Kosten (H/S)
Abschreibungen im Rahmen vernünftiger kaufmännischer Be
urteilung
2.2 Passiva
Höhe der pauschalen Garantierückstellungen (H/S)
Berücksichtigung von Kostensteigerungen nach dem Bilanz
stichtag bei der Bewertung der Rückstellungen (H)
Bemessung der Höhe bestimmter Rückstellungen für Einzelrisi
ken, z. B. Produkthaftpflicht, Garantie (H/S)
Höhe des Zinssatzes bei zinsabhängigen Posten (H/S)
H= Gestaltungsmöglichkeiten in der Handelsbilanz
S = Gestaltungsmöglichkeiten in der Steuerbilanz
Abb. 120: Bewertungsalternativen

300
Bilanzpolitik B
5.2.2 Gestaltung von Sachverhalten
Bei der Gestaltung von Sachverhalten kommt es auf die bilanzrecht-
liche Beurteilung an. Außerdem müssen wir zwischen der Ergebnis-
beeinflussung und der originären Gestaltung unterscheiden.

Bilanzrechtliche Beurteilung
Gegen die Gestaltung von Sachverhalten als Mittel der Bilanzpolitik
kann der Vorwurf der Bilanzmanipulation erhoben werden. Um
dieser Unterstellung zu entgehen, sollten bestimmte Voraussetzun-
gen beachtet werden.
1. Ernsthaft gewolltes Geschäft
Für alle Beteiligten sollte es sich um ein ernsthaft gewolltes Ge-
schäft handeln.
2. Angemessene Konditionen
Die Konditionen des Geschäftes müssen angemessen sein. Lei-
stungen und Gegenleistungen sollten sich in der Wertigkeit ent-
sprechen.
3. Keine rückwirkend vereinbarten Geschäfte
Wenn Geschäfte noch rückwirkend vereinbart und eingebucht
werden, widersprechen sie dem Grundsatz der Stichtagsbewer-
tung.

Ergebnisbeeinflussung
Die Bilanzpolitik wird in der Praxis häufig eingesetzt, um die bilan-
zielle Entwicklung des Jahresergebnisses eines Unternehmens zu
steuern. Es geht meist um eine Gewinnglättung.
Die Gestaltung von Sachverhalten stellt aus bilanzpolitischer Sicht
meist nur eine zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen dar.
Dabei kann es sich um eine zeitliche Vorverlagerung oder Nachver-
lagerung handeln.

301
B Bilanzpolitische Maßnahmen

Ergebnisbeeinflussung

Vorverlagerung Nachverlagerung

Abb. 121: Ergebnisbeeinflussung durch Vor oder Nachverlagerung


Eine typische Form der bilanzpolitischen Gestaltung von Sachver-
halten zur Ergebnisbeeinflussung ist die zeitliche Verlagerung von
Geschäftsvorfällen. Diese Entscheidungen werden in den letzten
Monaten vor dem Ende des Geschäftsjahres getroffen, wenn das
voraussichtliche Jahresergebnis hinreichend genau abgeschätzt wer-
den kann. Die Auswirkungen dieser Maßnahmen betreffen meist
nur das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Wenn be-
stimmte Aufträge vor einem Bilanzstichtag schneller fertig gestellt
und ausgeführt werden, erhöht sich der Gewinn des laufenden Jah-
res. Der Gewinn des kommenden Geschäftsjahres wird dann um den
gleichen Betrag vermindert.
In der folgenden Abbildung werden verschiedene Formen von Sach-
verhaltsgestaltungen aufgezählt:

Gestaltung von Sachverhalten zur Ergebnisbeeinflussung


1. Zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen
1.1 Vorverlagerung
Beschleunigte Anschaffung oder Fertigstellung von Anlagegü
tern zur Nutzung höherer Abschreibungen
Schnellere Beschaffung von Roh, Hilfs und Betriebsstoffen
sowie von Waren wegen der Anwendung des LifoVerfahrens
Beschleunigter Erwerb von Anlagegütern, auf die eine kurz vor
der Auflösung stehende Rücklage nach § 6b EStG übertragen
werden kann
Schnellerer Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Vermö
gensgegenständen zur Gewinnrealisierung
Beschleunigte Produktion von Produkten zur Aktivierung hö
herer Gemeinkostenanteile
Schnellere Fertigstellung von Aufträgen zur höheren Gewinn
realisierung

302
Bilanzpolitik B
1.2 Nachverlagerung
Verschiebung von Reparaturen zur aufwandsmäßigen Entla
stung des alten Geschäftsjahres
Verzögerung des Absatzes der Produkte zur Verschiebung der
Gewinnrealisierung
Verschiebung von Pensionszusagen zur Vermeidung von hö
heren Pensionsrückstellungen
Verzögerung der Entscheidung über einen Erlaß von Forderun
gen
Verschiebung von Werbemaßnahmen in das nächste Ge
schäftsjahr
Abb. 122: Gestaltung von Sachverhalten zur Ergebnisbeeinflussung

Originäre Gestaltungen
Einige Gestaltungen, die aus bilanzpolitischen Gründen durchge-
führt werden, wirken längerfristig. Diese Maßnahmen nennen wir
auch originäre Gestaltungen.
Wenn ein Unternehmen mit einer Tochtergesellschaft einen Ergeb-
nisabführungsvertrag abschließt, können die Verluste der Tochter-
gesellschaft sofort steuerlich mit dem eigenen Gewinn verrechnet
werden.
Einige Beispiele für originäre Gestaltungen sind der folgenden Ab-
bildung zu entnehmen:

Originäre Gestaltungen
Abschluss eines Ergebnisabführungsvertrages, um die Verluste der
Organgesellschaft beim Organträger zu erfassen
Erfolgswirksamer Forderungsverzicht von Gesellschaftern
Verlagerung der Gewinne auf den privaten Bereich und keine Ver
wirklichung im Unternehmen, d. h. Deklarierung von Vermögenswer
ten mit der Chance auf Wertsteigerungen im Privatvermögen und
nicht im Betriebsvermögen, z. B. Wertpapiere und Grundstücke
Gründung von Zweigbetrieben in Gemeinden mit niedrigeren Gewer
besteuerhebesätzen

303
B Bilanzpolitische Maßnahmen

Zuordnung von Einkünften nicht zu dem gewerblichen Bereich, son


dern zu anderen Bereichen, z. B. freiberuflicher Gewinn oder Ein
künfte aus Vermietung und Verpachtung, um Gewerbesteuer zu spa
ren
Andere Wahl der Rechtsform, z. B. GmbH & Co. KG
Abschluss von besonderen Verträgen, z. B. Pachtvertrag bei einer Be
triebsaufspaltung
Verlagerung von gewerblichen Gewinnen in HoldingGesellschaften,
die in Steueroasen ihren Sitz haben
Verteilung der normal der Einkommensteuer zu unterwerfenden Ge
winne auf mehrere Privatpersonen, z. B. Gründung von Familienge
sellschaften, frühzeitiger Erbübergang auf die Kinder
Abb. 123: Originäre Gestaltungen

Zusammenfassung:
Bilanzpolitisch veranlasste Sachverhaltsgestaltungen können Mehrko
sten oder Mindererträge zur Folge haben. Die Verschiebung von Repa
raturen beispielsweise kann zu Betriebsstörungen führen, die beträcht
liche Kosten verursachen können.
Einige angestrebte bilanzpolitische Ziele können auch durch andere
Maßnahmen erreicht werden, indem beispielsweise die Bewertungs
spielräume besser ausgenutzt werden. Die kostengünstigeren Maßnah
men sollten dann vorgezogen werden.
Die ergebnisbeeinflussende Bilanzpolitik kann sich sowohl auf die Re
duzierung der Gewinne als auch auf die Verminderung der laufenden
Verluste beziehen. In den Jahren der guten Konjunktur geht es insbe
sondere darum, erwirtschaftete Gewinne zu verstecken. Bei Rezessionen
dagegen besteht öfter der Bedarf, die entstandenen Verluste zu kom
pensieren.

304
C Exkurs: Internationale
Rechnungslegung

1 Internationale
Rechnungslegungsstandards
International tätige Großunternehmer, die an den wichtigsten Börsen
der Welt präsent sein wollen, und selbst junge innovative Unterneh-
men, die den „Neuen Markt“ der Deutschen Börse AG zur Finanzie-
rung nutzen wollen, müssen ihren Konzernabschluss nach internatio-
nal anerkannten Rechnungslegungsstandards (z. B. IFRS, US-GAAP)
aufstellen. Mit dem neuen § 292 a HGB des Gesetz zur Verbesserung
der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Konzerne an Kapitalmärkten. ...
(Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz – KApAEG) vom 20.4.1998 ist
börsennotierten deutschen Unternehmen diese Möglichkeit gegeben;
ein Konzernabschluss nach HGB erübrigt sich dann.
Für börsennotierte Publikumsgesellschaften gewinnt darüber hinaus
die externe Kontrolle durch die internationalen Kapitalmärkte an
Gewicht. Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unterneh-
mensbereich (KonTraG) vom 27.4.1998 trifft hierzu klarstellende
und ergänzende Regelungen, insbesondere in den Bereichen der
internationalen Unternehmensüberwachung, der Berichterstattung
im Lagebericht, des Prüfungsauftrags und der Berichterstattung der
Abschlussprüfer sowie der Zusammenarbeit zwischen den Überwa-
chungsinstitutionen (Vorstand, Aufsichtsrat und Abschlussprüfer).
Nachfolgend die wichtigsten Grundlagen der Rechnungslegungs-
Systeme nach HGB, IFRS und US-GAAP.

305
C

2 Gegenüberstellung von HGB,


IFRS und USGAAP
2.1 Grundlagen der Rechnungslegungs
Systeme
Die Vorschriften, Bestandteile, Zwecke und der steuerliche Einfluss des
HGB und der internationalen Standards unterscheiden sich wie folgt:

HGB IFRS USGAAP


Vorschriften Kodifiziertes Bilanz Vielzahl von Einzel Keine Regelungen in
recht; detaillierte empfehlungen ohne den Einzelstaaten
gesetzliche Vor Rechtskraft, die von gesetzen; die Rech
schriften (Code law) einer berufsständi nungslegungsgrund
schen Organisation, sätze werden im
der International Auftrag der Securities
Accounting Stan Exchange Commissi
dards Commission on (SEC) vom Finan
(IASC), entwickelt cial Accounting
wurden (Soft law) Standards Board
(FASB) entwickelt
(Case law)
Bestandteile Bilanz Bilanz Bilanz
GuVRechnung GuVRechnung GuVRechnung
Anhang Erläuterungen Erläuterungen
Lagebericht Kapitalflussrechnung Kapitalflussrechnung
Ergänzungsrechnun Ergänzungsrechnun
gen gen
(Segmentberichter Entwicklung des
stattung) Eigenkapitals
Zwecke • Dokumentation Entscheidungsrele Entscheidungsrele
• Gewinnermittlung vante Information für vante Information für
für Ausschüttun Investoren Investoren
gen und Besteue
rung
• Information
> Gläubigerschutz > Investoren > Investoren
bedürfnisse bedürfnisse
Steuerlicher Maßgeblichkeits Grundsätzlich ohne Keine steuerlichen
Einfluss prinzip steuerliche Einflüsse Einflüsse
Abb. 124: Vorschriften, Bestandteile, Zwecke und steuerlicher Einfluss

306
Exkurs: Internationale Rechnungslegung C
2.2 Grundsätze der Rechnungslegung
Die Grundsätze der Rechnungslegung sind auch unterschiedlich, wie
aus der folgenden Aufstellung hervorgeht:
Rechnungslegungs HGB IFRS USGAAP
grundsätze
True and fair view Generalnorm Keine Generalnorm Fair presentation
als übergeordneter
Grundsatz
Vorsichtsprinzip Erhebliche Geringer Wird durch fair
Bedeutung Stellenwert presentation
überlagert
Realisationsprinzip Strenge Auslegung Überlagert durch Überlagert durch
periodengerechte periodengerechte
Gewinnermittlung Gewinnermittlung
Anschaffungswert Anschaffungs und Bewertung über Eingeschränkte
prinzip Herstellungskosten die Anschaffungs Gültigkeit des No
als Wertobergrenze kosten bei be minalwertprinzips;
stimmten Vermö höhere Wertansät
gensgegenständen ze sind möglich.
zulässig
Stetigkeitsgrundsatz Stetigkeitsgebot Strenge Auslegung Strenge Auslegung
mit zahlreichen
Ausnahmen
Einzelbewertungs Eingeschränkte Gilt grundsätzlich Gilt grundsätzlich
grundsatz Ausnahmen mit zahlreichen mit zahlreichen
Ausnahmen Ausnahmen
Abb. 125: Unterschiedliche Grundsätze der Rechnungslegung

307
C Gegenüberstellung von HGB, IFRS und USGAAP

2.3 Bilanzierung
Bei der Bilanzierung gibt es erhebliche Unterschiede zwischen der
handelsrechtlichen Rechnungslegung und IFRS und US-GAAP, wie
folgende Aufstellung zeigt:
HGB IFRS USGAAP
Aktivierung von Aktivierungsverbot Aktivierungsverbot Aktivierungsverbot
Entwicklungs (§ 248 Abs. 2 HGB) für Forschungsko
kosten sten; Aktivierung
von Entwicklungs
kosten bei best.
Voraussetzungen
Vorteile aus steu Aktivierungsverbot Aktivierungspflicht Für steuerliche
erlichen Verlust von Steuerabgren Verlustvorträge
vorträgen zungsposten im können aktivische
Zusammenhang mit latente Steuern
hinreichend wahr gebildet werden.
scheinlichen Vor
teilen aus Verlust
vorträgen
Derivativer Aktivierungswahl Aktivierungspflicht Aktivierungspflicht
Geschäftswert recht
Latente Steuern Aktivierungswahl Ansatzpflicht von Ansatzpflicht von
recht bei aktivi aktivischen und aktivischen und
schen latenten passivischen la passivischen la
Steuern tenten Steuern tenten Steuern
Aufwandsrück Passivierungs Passivierungsver Passivierungsver
stellungen wahlrecht bot; Rückstellungen bot; Rückstellungen
dürfen nur bei dürfen für Ver
Drittverpflichtun pflichtungen ge
gen gebildet wer genüber Dritten
den gebildet werden
Pensions Passivierungs Passivierungspflicht Passivierungspflicht
rückstellungen pflicht; Passivie
rungswahlrecht für
Altzusagen
Sonderposten mit Ansatz wegen Keine steuerlichen Keine steuerlichen
Rücklageanteil Maßgeblichkeit Einflüsse Einflüsse
Abb. 126: Unterschiede bei der Bilanzierung

308
Exkurs: Internationale Rechnungslegung C
2.4 Bewertung
Die Bewertung der einzelnen Bilanzposititionen unterscheidet sich
nach HGB, IFRS und US-GAAP auch, wie der folgenden Aufstellung
zu entnehmen ist:
HGB IFRS USGAAP
Anschaffungs und Vgl. § 255 Abs. 1 • Anschaffungskosten vergleichbar mit
Herstellungskosten und § 255 Abs. 2 § 255 Abs. 1 HGB
HGB • Hk beinhalten die zurechenbaren Ein
zel und Gemeinkosten (Vollkosten
ansatz), wobei die Aktivierung von
Verwaltungsgemein und Vertriebsko
sten unzulässig ist
• Einbeziehung von Fremdkapitalzinsen
nur bedingt zulässig
Gewinnrealisierung Gewinnrealisierung Anteilige Gewinn Grundsätzlich Per
bei Fertigungsauf vor Abnahme ist realisierung vor centage of
trägen grundsätzlich nicht Abschluss des Pro completion
zulässig jektes (Percentage method, jedoch bei
(Completed con of completion erheblichen Schät
tract method); method) stellt den zunsicherheiten
Ausnahme: Grundsatz dar bezüglich der zu
Percentage of erwartenden Erträ
completion ge und Aufwen
method. dungen ist die
Completed contract
method anzuwen
den.
Umrechnung von Umrechnung unter Monetäre Aktiva Monetäre Positio
Fremdwährungs Berücksichtigung und Passiva sind nen zum Stichtags
positionen des Anschaffungs zum Wechselkurs kurs; nicht
kosten und Reali des jeweiligen Ab monetäre Positio
sationsprinzips schlussstichtages nen mit Wechsel
umzurechnen; kurs zum Er
nicht monetäre werbszeitpunkt
Positionen grund umgerechnet, wo
sätzlich mit Kurs bei zur Festlegung
zum Erwerbszeit des Fairvalue der
punkt Stichtagskurs her
anzuziehen ist.

309
C Gegenüberstellung von HGB, IFRS und USGAAP

HGB IFRS USGAAP


Beteiligungen Anschaffungsko EquityMethode EquityMethode ist
stenprinzip Pflicht
Wertpapiere Anschaffungswert, • Wertpapiere des • Zum Verkauf
Realisations und UV werden zu bestimmte
Imparitätsprinzip AK oder zum Wertpapiere
Marktwert bilan (sog. Trading
ziert, (Ergebnis securities) sind
wirksame Ver zum Marktwert
rechnung oder zu bewerten, so
die Einstellung dass unreali
einer Neubewer sierte Gewinne
tungsrücklage) und Verluste
• Wertpapiere des erfolgswirksam
AV werden zu erfasst werden.
AK oder zum • Wertpapier des
Neubewertungs Anlagevermö
betrag angesetzt gens (Held to
(Wertänderung Maturity
Neubewer Securities) wer
tungsrücklage) den mit den
• Gesamtportfoli fortgeführten
obewertung Anschaffungs
kosten oder dem
niedrigeren Wert
bewertet
• Gesamtportfoli
obewertung
Vorräte Voll oder Teilko Vollkostenansatz Vollkostenansatz,
stenansatz und oder absatz ggf. auch über den
Niederstwertprinzip marktorientierter historischen An
Nettoveräuße schaffungs und
rungserlös Herstellungskosten
bei unmittelbarer
Verwertbarkeit zu
bekanntem Markt
preis

310
Exkurs: Internationale Rechnungslegung C
HGB IFRS USGAAP
Bewertung von Rückstellungen Wert, der die Bewertung erfolgt
Rückstellungen sind in Höhe des höchste Wahr mit dem erwarte
Betrages anzuset scheinlichkeit auf ten künftigen Ab
zen, der nach ver weist; bei gleicher fluss (wahrschein
nünftiger kauf Eintrittswahr lichster Wert). Sind
männischer Beur scheinlichkeit in mehrere Werte
teilung erforderlich einer Bandbreite gleichwahrschein
ist; Vorsichtsprinzip genügt es, den lich, so ist der ge
niedrigsten Wert ringste der mögli
anzusetzen (Anga chen Werte anzu
be Verlustrisiko). setzen
Pensionsrück Bewertung nach Anwartschaftsbar Anwartschaftsbar
stellungen dem sog. Teilwert wertverfahren mit wertverfahren mit
verfahren mit Trendannahmen Trendannahmen
Zinssatz von 6 % (Karrieretrends) (Karrieretrends)
und aktueller Ka und aktueller Ka
pitalmarktzins pitalmarktzins
Abb. 127: Unterschiede bei der Bewertung

311
C Gegenüberstellung von HGB, IFRS und USGAAP

2.5 Konzernabschluss
Die Konzeptionen des Konzernabschlusses sind beim HGB, IFRS
und US-GAAP auch unterschiedlich, wie aus der folgenden Zusam-
menstellung hervorgeht:
HGB IFRS USGAAP
Konzeption Einheitstheorie Einheitstheorie Vermischung von
dominiert Einheits und Inter
essentheorie
Befreiende Kon Vgl. §§ 291 und Befreiung nur in Nicht vorgesehen
zernabschlüsse 292 HGB Ausnahmefällen
Konsolidierung bei Einbeziehungsver Konsolidierungs Konsolidierungs
abweichender bot pflicht pflicht
Tätigkeit Toch
terunternehmen
Konsolidierungs Vgl. § 296 Abs. 1 Keine konkreten Keine konkreten
wahlrechte und 2 HGB Wahlrechte Wahlrechte
Kapital Buchwert und Buchwert und Neubewertungs
konsolidierung Neubewertungs Neubewertungs methode
methode methode
Unterschiedsbetrag Ergebniswirksame Pflicht zur planmä Pflicht zur planmä
aus Kapital Auflösung eines ßigen erfolgswirk ßigen erfolgswirk
konsolidierung passiven Unter samen Auflösung samen Auflösung
schiedsbetrages nur
eingeschränkt zu
lässig
Währungs Keine Vorschriften Funktionale Funktionale
umrechnung Währung Währung
Quoten Gemeinschafts Gemeinschafts Generell nicht
konsolidierung unternehmen unternehmen zulässig
Abb. 128: Unterschiedliche Konzeptionen des Konzernabschlusses

312
Exkurs: Internationale Rechnungslegung C
2.6 Ergänzungsrechnungen
Auch bei den Ergänzungsrechnungen zeigen sich einige Unterschie-
de. Die Kapitalflussrechnung und die Segmentberichterstattung
werden erst seit Anfang 1998 im HGB vorgeschrieben.
HGB IFRS USGAAP
Kapitalflussrech Kapitalflussrech Die Veränderungen Die Veränderungen
nung nung der flüssigen Mittel der flüssigen Mittel
und der Cash und der Cash
equivalents sind equivalents sind
darzustellen darzustellen
(IAS7: Cashflow (SFAS No.95:
statements) Statement of
Cashflows)
Segmentbe Segmentberichter Segmentierung Segmentierung der
richterstattung stattung der Jahresab Jahresabschluss
schlussdaten nach daten nach Ge
Geschäftsbereichen schäftsbereichen
und geographi und geographi
schen Bereichen ist schen Bereichen ist
verbindlich (Repor vorgeschrieben
ting Financial In („Financial Repor
formation by Seg ting for Segments
ment) of Business Enter
prise“)
Gewinn je Aktie Keine Regelung Die Ermittlung des Die Ermittlung des
Gewinns je Aktie Gewinns je Aktie
(Earnings Per Sha (Earnings Per Sha
re) ist vorgeschrie re) ist vorgeschrie
ben ben
Eigenkapitalverän Keine explizite Keine explizite Sämtliche Eigenka
derungsrechnung Regelung; jedoch Regelung pitalpositionen der
§ 158 AktG Vorperiode werden
in die Positionen
des aktuellen Ab
schlusses überführt
Abb. 129: Ergänzungsrechnungen

313
D Auswirkungen der Steuer
gesetze auf die Jahresab
schlusserstellung

Die Tendenz zu einer weiteren Verselbstständigung der Steuerbilanz


gegenüber der Handelsbilanz wird weiter verstärkt. Die steuerlichen
Eingriffe in gewohnte Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind
so tief greifend, dass bereits von der Abschaffung der Maßgeblich-
keitsgrundsätze der Handelsbilanz für die Steuerbilanz (§ 5 Abs. 1
EStG) die Rede ist.
Für den Jahresabschluss sind jeweils bestimmte Vorbereitungen zu
treffen. Neben den buchhalterisch-technischen Aspekten sollten
auch die inhaltlich-bilanzpolitischen Gesichtspunkte berücksichtigt
werden.
1. Buchhalterisch-technische Aspekte
Bei den buchhalterisch-technischen Vorbereitungen handelt es sich
um die Abstimmung und die Bereinigung aller Konten in der Fi-
nanzbuchhaltung. Außerdem sind die noch offenen Fragen aus der
laufenden Buchhaltung zu klären.
Alle erforderlichen Unterlagen für den Jahresabschluss müssen be-
reitgestellt werden. Saldenbestätigungen sind anzufordern. Es müs-
sen Vorkehrungen für die entsprechenden Datenerhebungen ge-
troffen werden. Dies gilt insbesondere für die Durchführung der
Inventur und die Aufstellung des Inventars.
Es ist auch zu überprüfen, ob sich gegenüber dem letzten Jahresab-
schluss Veränderungen hinsichtlich der Größenklasse, der Prü-
fungspflichten und des Umfangs des Jahresabschlusses ergeben ha-
ben.
Diese vorbereitenden Arbeiten sind erforderlich, damit der Jahres-
abschluss effizient und zielgerichtet durchgeführt werden kann.

315
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Dafür ist eine gesicherte Datenbasis notwendig, um dann eine Er-


gebnisvorschau zu erstellen.
Inhaltlich-bilanzpolitische Gesichtspunkte
Die inhaltlich-bilanzpolitischen Überlegungen sollten bereits vor
dem Jahresabschluss aufgrund einer Ergebnisvorschau angestellt
werden. Die Bilanzpolitik beschäftigt sich insbesondere mit der
Beeinflussung der Ergebnishöhe (Gewinn) und mit der Ergebnis-
darstellung.
Die Adressaten des Jahresabschlusses umfassen die Unternehmens-
leitung, das Finanzamt, die Banken, die Kunden, die Lieferanten, die
Mitarbeiter und die Kapitalgeber. Die Zielsetzungen und die Infor-
mationsbedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen sind aber sehr
unterschiedlich. Es besteht ein klassischer Konflikt zwischen dem
Ausweis eines möglichst hohen Gewinns gegenüber den Banken und
einem möglichst steuersparenden Ausweis des Gewinns gegenüber
dem Finanzamt.
Die Bearbeitungs- und Entscheidungskompetenzen für alle bilanz-
politischen Aufgaben liegen nicht nur bei einem Mitarbeiter im
Unternehmen. Deshalb sollten die entsprechenden Aufgaben gut
koordiniert werden. Die Unternehmensleitung eignet sich besonders
für diese Koordination aller Arbeiten. Die unterschiedlichen Inter-
essen der Unternehmensleitung, des Controlling, des Rechnungs-
wesens, der Steuerberater oder der Wirtschaftsprüfer und der exter-
nen Unternehmensberater müssen berücksichtigt werden. Dadurch
lassen sich Bearbeitungslücken, Doppelarbeiten und Abstimmungs-
probleme eher vermeiden.

1 Überprüfung der
Finanzbuchhaltung
Die Überprüfung der Finanzbuchhaltung umfasst die Buchungen
während des Geschäftsjahres und die Jahresabschlussbuchungen.
Die Buchungen, die während des Geschäftsjahres vorgenommen
werden, müssen gründlich auf Fehler untersucht werden. Vor der

316
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
Erstellung einer Ergebnisvorschau für das laufende Geschäftsjahr
sind diese Untersuchungen durchzuführen. Daneben sind die erfor-
derlichen Unterlagen vorzubereiten und Berechnungen durchzufüh-
ren, die für die Jahresabschlussbuchungen notwendig sind.
Um die laufenden Buchungen im Rahmen der Jahresabschlusser-
stellung zu überprüfen und abzustimmen sowie die Jahresabschluss-
buchungen zu ermitteln, sollte eine Checkliste erstellt werden, die
dann systematisch abgearbeitet werden kann. Die Checkliste orien-
tiert sich an den wesentlichen Bilanzpositionen gem. § 266 HGB.

Checkliste: Überprüfung der laufenden Buchhaltung sowie Ermitt


lung der Jahresabschlussbuchungen
Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen
1. Sind die Anschaffungs bzw. Herstellungskosten entsprechend den
gesetzlichen Vorschriften ermittelt worden?
2. Wurde das Aktivierungsverbot für selbsterstellte immaterielle
Vermögensgegenstände beachtet?
3. Stimmt die Liste der Zu bzw. Abgänge mit dem Anlagenspiegel
überein?
4. Werden die Vermögensgegenstände über eine Nutzungsdauer ab
geschrieben, die mit den Werten der amtlichen AfATabellen ab
gestimmt sind?
5. Ist die Abschreibung für das Jahr des Zugangs zutreffend nach ei
ner zulässigen Abschreibungsmethode ermittelt?
6. Sind bei den Abgängen die Abschreibungen, der Abgang aus den
Bestandskonten und ggf. die Verkäufserlöse richtig gebucht?
7. Ist die Vereinfachungsregel für GWG zutreffend angewandt wor
den?
8. Stimmen die Konten der Anlagenbuchhaltung (Nebenbuch) mit
den Sachkonten (Hauptbuch) überein?
9. Wurden Reparaturen und Instandhaltungen auf aktivierungs
pflichtige Vorgänge untersucht?
10. Sind Zuschreibungen im Anlagevermögen wegen Wegfalls des
Grundes einer bisher angesetzten außerplanmäßigen Abschrei
bung vorzunehmen?

317
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Finanzanlagen
1. Ist der Ausweis der Beteiligungen korrekt (§ 271 Abs. 1 HGB)?

2. Ist der Ausweis der verbundenen Unternehmen zutreffend (§ 271


Abs. 2 HGB)?
3. Liegen bei den Zu und Abgängen die notwendigen Unterlagen vor
(z. B. notarielle Kaufverträge, HRAuszüge, Depotbescheinigung)?
4. Sind die korrespondierenden Posten in der GuV zutreffend erfasst
(z. B. Erträge aus Beteiligungen, Ab und Zuschreibungen auf Fi
nanzanlagen)?
Vorräte
1. Stimmen die Positionen des Inventars (Nebenbuch) mit den ent
sprechenden Sachkonten (Hauptbuch) überein?
2. Sind Roh, Hilfs und Betriebsstoffe sowie Waren mit Anschaf
fungskosten bewertet worden?
3. Erfolgte die Bewertung der unfertigen und fertigen Erzeugnisse zu
Herstellungskosten und sind die Gemeinkosten mit dem BAB ab
gestimmt bzw. werden Vertriebskosten angemessen abgegrenzt?
4. Sind die handels und steuerlichen Wertober und untergrenzen
beachtet worden?
5. Sind Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen zutreffend vor
genommen worden (z. B. Überalterung, Unverkäuflichkeit, Beschä
digungen)?
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
1. Stimmt die DebitorenSaldenliste (Nebenbuch) mit dem Debito
renSammelkonto (Hauptbuch) überein?
2. Wurden alle Debitoren auf ungewöhnliche Beträge überprüft (z. B.
HabenSalden) und wurden Differenzen geklärt?
3. Sind Einzelwertberichtigungen richtig erfasst/bewertet und liegt
der Berechnung eine Liste der zweifelhaften Forderungen zu
Grunde?
4. Ist die Pauschalwertberichtigung auf Forderungen richtig berechnet?
5. Sind Forderungsausfälle richtig gebucht und wurde insbesondere
die Umsatzsteuer berichtigt?

318
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
6. Sind Fremdwährungsforderungen richtig umgerechnet und wurde
das Niederstwertprinzip beachtet?
Sonstige Vermögensgegenstände / Sonstige Verbindlichkeiten
1. Wurde eine Umsatzsteuerverprobung durchgeführt und stimmt die
Umsatzsteuerzahllast lt. Verprobung mit dem Sachkonto überein?
2. Sind die Verbindlichkeiten aus der Lohnbuchhaltung (Nebenbuch)
für Lohn und Gehalt, Lohnsteuer und Sozialversicherung mit den
Sachkonten (Hauptbuch) abgestimmt und gleichen sich diese Ver
bindlichkeiten im Folgejahr durch Zahlungen wieder aus?
Kasse, Bankguthaben / Bankverbindlichkeiten
1. Stimmt das Kassenbuch (Nebenbuch) mit dem Sachkonto (Haupt
buch) überein?
2. Gleichen sich die Geldtransit und Scheckkonten im Folgejahr
wieder aus?
3. Stimmt der Saldo lt. Bankauszug bzw. Darlehensbescheinigung mit
den Kontokorrent und Darlehenskonten in der Finanzbuchhaltung
überein?
4. Wurden die Zinsen noch in alter Rechnung gebucht bzw. wurden
Zinsen korrekt abgegrenzt?
Pensionsrückstellungen
1. Stimmt der Wert des Pensionsgutachtens mit dem Saldo des
Sachkontos überein?
2. Wurde bei Rückdeckungsversicherungen das Saldierungsverbot
beachtet, d. h. erfolgt der Ausweis unter den sonstigen Ausleihun
gen mit dem Rückkaufswert?
3. Stimmen die Daten des Pensionsgutachtens mit den tatsächlichen
Fakten überein (z. B. Gehalt, Alter, Betriebszugehörigkeit, Voll
ständigkeit der Anspruchsberechtigten)?
4. Entspricht die Berechnung der Pensionsrückstellungen den steuer
lichen Vorschriften des § 6a EStG?

319
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Steuerrückstellungen
1. Wurden die Auflösung / Verbrauch der Steuerrückstellungen aus
Vorjahren entsprechend den Steuerbescheiden gebucht?
2. Stimmen die geleisteten Vorauszahlungen mit den Vorauszah
lungsbescheiden überein?
3. Wurden die Steuerrückstellungen zutreffend ermittelt?
Sonstige Rückstellungen
1. Stimmt der Rückstellungsspiegel mit den Sachkonten überein?
2. Wurden die sonstigen Rückstellungen korrekt ermittelt (z. B. Ur
laub, Überstunden, Prozesskosten)?
3. Sind die Rückstellungen vollständig erfasst?
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
4. Stimmt die KreditorenSaldenliste (Nebenbuch) mit dem Kredito
renSammelkonto (Hauptbuch) überein?
5. Wurden alle Kreditoren auf ungewöhnliche Beträge überprüft
(z. B. SollSalden) und wurden Differenzen geklärt?
6. Sind Fremdwährungsverbindlichkeiten richtig umgerechnet und
wurde das Imparitätsprinzip beachtet?

1.1 Steuerliche Tätigkeiten


Neben den allgemeinen Tätigkeiten, die im Rahmen der Jahresab-
schlusserstellung durchzuführen sind, sind für die Berechnung der
Steuerrückstellungen unter anderem die nicht abzugsfähigen Be-
triebsausgaben zu berücksichtigen. Es ist eine Ergebnisvorschau zu
erstellen, um gezielt steuerliche Gestaltungsspielräume zur Steuer-
minimierung auszunutzen. Für die Finanz- und Liquiditätsplanung
im Unternehmen sind Steuervorauszahlungen einzubeziehen und
frühzeitig an die zu erwartende Steuerbelastung anzupassen. Im
Rahmen der Steuererklärungspflicht sind die sonstigen Arbeiten
durchzuführen.

320
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
1.1.1 Berücksichtigung steuerlich nicht abzugsfähiger
Betriebsausgaben
Die in der Finanzbuchhaltung erfassten Aufwendungen sind aus
steuerlicher Sicht zum Teil nicht abziehbar. Deshalb sind die Aus-
wirkungen der Steuergesetze auf die Buchhaltung zu berücksichti-
gen. Die einzelnen Vorgänge sind auf separate Konten zu buchen
(§ 4 Abs. 7 EStG).
Es ist sinnvoll, eine Checkliste zu erstellen, in der die wichtigsten
steuerlichen Vorschriften aufgezeigt und abgearbeitet werden kön-
nen.

Checkliste: Berücksichtigung steuerlicher Vorschriften


Vorgänge Auswirkungen
Geschenke Bei Geschenken an Geschäftsfreunde über
35, € (netto) im Wirtschaftjahr entfällt der
Betriebsausgabenabzug vollständig (§ 4 Abs. 5
Nr. 1 EStG). Gleichzeit ist der Vorsteuerabzug
vollständig ausgeschlossen (§ 15 Abs. 1a Nr. 1
UStG).

Bewirtungskosten Angemessene Aufwendungen für die Bewir


tung von Geschäftsfreunden sind zu 30 %
nicht abzugsfähige und zu 70 % abzugsfähige
Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG). Der
Vorsteuerabzug ist insgesamt zulässig
(Nichtanwendung des § 15 Abs. 1a Nr. 1 UStG
gem. BMF vom 23.06.2005).
Gästehäuser Aufwendungen für Gästehäuser dürfen steu
erlich nicht abgezogen werden (§ 4 Abs. 5
Nr. 3 EStG). Der Vorsteuerabzug entfällt
ebenfalls (§ 15 Abs. 1a Nr. 1 UStG).
Jagd, Fischerei, Aufwendungen für Jagd oder Fischerei sowie
Segel und für Segel und Motorjachten dürfen steuerlich
Motorjachten nicht abgezogen werden (§ 4 Abs. 5 Nr. 4
EStG). Der Vorsteuerabzug entfällt ebenfalls
(§ 15 Abs. 1a Nr. 1 UStG).

321
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Unangemessene Aufwendungen, die nicht schon nach § 12


Aufwendungen Nr. 1 oder nach § 4 Abs. 5 Nr. 14 EStG vom
Abzug als Betriebsausgaben ausgeschlossen
sind, unterliegen dem Abzugsverbot des § 4
Abs. 5 Nr. 7 EStG, soweit sie als unangemes
sen anzusehen sind (z. B. Ausstattung von
Geschäftsräumen, unangemessener PKW). Der
Vorsteuerabzug entfällt ebenfalls (§ 15
Abs. 1a Nr. 1 UStG).
Nicht ordnungs Aufwendungen nach § 4 Abs. 5 Nr. 1 bis 4, 6b
gemäß aufge und 7 sind einzeln und getrennt von den son
zeichnete Auf stigen Betriebsausgaben aufzuzeichnen. An
wendungen sonsten entfällt der Betriebsausgabenabzug
(§ 4 Abs. 7 EStG). Gleichzeitig wird der Vor
steuerabzug verwährt (§ 15 Abs. 1a Nr. 1
UStG).
Aufwendungen Aufwendungen für die private Lebensführung
i. S. des § 12 sind ertragsteuerlich nicht abzugsfähig (§ 12
Nr. 1 EStG Nr. 1 EStG). Zugleich besteht für solche Auf
wendungen ein Vorsteuerabzugsverbot (§ 15
Abs. 1a Nr. 1 UStG).

1.1.2 Ergebnisvorschau
Im letzten Quartal des jeweiligen Geschäftsjahres sollte eine Ergeb-
nisvorschau erarbeitet werden. Die Ziele dieser Ergebnisvorschau
bestehen darin, noch im alten Jahr Entscheidungen zu treffen, die zu
einer Reduzierung des Gewinns und der Steuerbelastung führen.

Ziele der Ergebnisvorschau


1. Ermittlung des erwarteten Jahresergebnisses
2. Zusammenstellung von steuerlich nicht abzugsfähigen Betriebs
ausgaben bzw. steuerfreien Betriebseinnahmen für die daran an
schließende Steuerberechnung
3. Berechnung der voraussichtlichen Steuerbelastung
4. Überprüfung der Herabsetzung der Steuervorauszahlungen
5. Festlegung der ergebniswirksamen Maßnahmen

322
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
6. Erkennung des Liquiditätsbedarfs für erwartete Steuernachzah
lungen
7. Treffen von Investitionsentscheidungen zur Reduzierung des Ge
winns durch zusätzliche Abschreibungen
8. Schaffung der Voraussetzung für die Bildung von Ansparrücklagen
für KMU, die sich noch im alten Geschäftsjahr auswirken
9. Überprüfung der Bildung von gewinnmindernden Rücklagen (§ 6b
EStG)
10. Ermittlung der Möglichkeiten der Förderung durch Investitionszu
lagen und der damit verbundenen Liquiditätsverbesserung

Das voraussichtliche Jahresergebnis lässt sich aus den vorliegenden


Istzahlen und den noch erwarteten Zahlen für das letzte Quartal der
Finanzbuchhaltung hochrechnen. Außerdem müssen noch die Aus-
wirkungen der bereits beschlossenen Steueränderungen berücksich-
tigt werden.

1.1.3 Steuervorauszahlungen
Die Einkommen- bzw. Körperschaftsteuervorauszahlungen sind am
10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember zu entrichten
(§ 37 Abs. 1 EStG bzw. § 31 KStG). Diese Vorzahlungen sollten
entsprechend der Ergebnis- und Steuerbelastungsvorschau ange-
passt werden, da die vom Finanzamt durch Vorauszahlungsbescheid
festgesetzten Beträge nach der Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer
der letzten Veranlagung berechnet werden (§ 37 Abs. 3 EStG), d. h.
das Finanzamt unterstellt, dass in der Entwicklung der Einkom-
mensverhältnisse keine Veränderungen eintreten.
Der Antrag auf Anpassung der Steuervorauszahlungen ist beim
zuständigen Finanzamt formlos zu stellen. Zur Begründung des
Antrags empfiehlt es sich, eine aktuelle betriebswirtschaftliche Aus-
wertung beizulegen, aus der der zu erwartende Gewinn ersichtlich
ist.
Bei den am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November zu
entrichtenden Gewerbesteuervorauszahlungen (§ 19 Abs. 1 GewStG)
sollte darauf geachtet werden, dass diese ebenfalls an die entspre-
chend der Ergebnisvorschau zu erwartende Gewerbesteuerschuld

323
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

angepasst werden. Der formlose Antrag auf Anpassung des Gewer-


besteuermessbetrags ist beim Finanzamt zu stellen. Die Gemeinde
muss dann die Gewerbesteuervorauszahlungen ändern. Es ist jedoch
auch möglich, den Antrag direkt bei der Gemeinde zu stellen (§ 19
Abs. 3 GewStG).

1.1.4 Sonstige Arbeiten


Zum Jahreswechsel sind im Zusammenhang mit den betrieblichen
Steuererklärungen regelmäßig noch zusätzliche Punkte zu klären.
Damit keine Punkte vergessen werden, ist es sinnvoll, eine entspre-
chende Checkliste zu erstellen.

Sonstige Arbeiten
1. Sind die Steuererklärungen zutreffend ausgefüllt und vom Steuer
pflichtigen unterschrieben?
2. Ist der Einkommen oder Körperschaftsteuererklärung eine Ab
schrift der Bilanz, der Gewinn und Verlustrechnung, des Anhangs,
des Lageberichts und des Prüfberichts beigefügt (§ 60 EStDV)?
3. Liegen alle Steuerbescheinigungen zu den Kapitalerträgen im Ori
ginal vor?
4. Sind alle Spendenquittungen im Original vorhanden?
5. Wurden die Entgelte für Dauerschuldzinsen zutreffend ermittelt?
6. Wurde die für die Zerlegung des Gewerbesteuermessbetrags erfor
derliche Aufteilung der Arbeitslöhne auf die einzelnen Betriebs
stätten in den verschiedenen Gemeinden erstellt?
7. Wurde eine Umsatzsteuerverprobung durchgeführt und erfolgte
eine Abstimmung der Ergebnisse mit der Umsatzsteuererklärung?
8. Sind die allgemeinen Angaben in der Steuererklärung aktualisiert
(z. B. Anschrift, Bankverbindung, Anteilseigner, Feststellungsbetei
ligte usw.)?

1.2 Ausgewählte steuerliche Einzelprobleme


Die Steuergesetze haben vielfältige Auswirkungen in den Unterneh-
men. Nachstehend werden ausgewählte Einzelprobleme bei der
Erstellung der Steuerbilanz erläutert.

324
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
1.2.1 Teilwertabschreibung
Die Teilwertabschreibungen im Anlage- und Umlaufvermögen
dürfen ab dem Jahr 1999 nur noch bei voraussichtlich dauernder
Wertminderung vorgenommen werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 und
Nr. 2 S. 2 EStG).
Ab dem Jahr 1999 gilt also das Wertaufholungsgebot nach einer
vorangegangenen Teilwertabschreibung. Einmal vorgenommene
Teilwertabschreibungen konnten bisher auch dann beibehalten
werden, wenn der Grund für die Abschreibung entfallen war. Dieses
Beibehaltungswahlrecht wird also abgeschafft.
Jedes Jahr muss neu geprüft werden, ob die Teilwertabschreibung
noch gerechtfertigt ist, wenn aufgrund einer erwarteten dauerhaften
Wertminderung die Teilwertabschreibung zulässigerweise vorge-
nommen wurde. Ist ein niedrigerer Wert angesetzt worden, muss
dieser an jedem Bilanzstichtag neu durch entsprechende Unterlagen
belegt werden. Wenn die Wertminderung nicht mehr besteht, dann
ist zwingend eine Wertaufholung erforderlich (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 S. 4,
Nr. 2 S.3 EStG).
Eine voraussichtlich dauernde Wertminderung bedeutet ein voraus-
sichtlich nachhaltiges Absinken des Werts des Wirtschaftsgutes un-
ter den maßgeblichen Buchwert. Die Wertminderung ist voraus-
sichtlich nachhaltig, wenn der Steuerpflichtige hiermit aus der Sicht
am Bilanzstichtag aufgrund objektiver Anzeichen ernsthaft zu rech-
nen hat (BMF vom 25.02.2000).
Eine dauernde Wertminderung bei Wirtschaftsgütern des abnutzba-
ren Anlagevermögens ist anzunehmen, wenn der Teilwert am Bi-
lanzstichtag mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem
planmäßigen Restbuchwert liegt (BFH vom 14.03.2006). Für Wirt-
schaftsgüter des Umlaufvermögens ist von einer voraussichtlich
dauernden Wertminderung auszugehen, wenn der Teilwert bis zur
Aufstellung der Bilanz oder dem vorangegangenen Verkaufs- oder
Verbrauchszeitpunkt anhält. Zusätzliche Erkenntnisse bis zu diesem
Zeitpunkt sind zu berücksichtigen.
Ist die Wertminderung nach o. g. Grundsätzen von Dauer, kann
dieser Wert angesetzt werden. Steuerpflichtige, die den Gewinn nach

325
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

§ 5 Abs. 1 EStG ermitteln, müssen nach den handelsrechtlichen


Bewertungsvorschriften entsprechend dem Niederstwertprinzip den
niedrigeren Teilwert ansetzen.

1.2.2 Abzinsung der Rückstellungen


Rückstellungen sind in der Handelsbilanz und dementsprechend
über das Maßgeblichkeitsprinzip (§ 5 Abs. 1 EStG) auch in der Steu-
erbilanz abzuzinsen, wenn die der Rückstellung zu Grunde liegende
ungewisse Verpflichtung einen Zinsanteil enthält (z. B. Pensions-
rückstellungen). Eine Abzinsung bei tatsächlicher Zinslosigkeit ist
handelsrechtlich nicht erlaubt (§ 253 Abs. 1 S. 2 Hs. 2 HGB). Für die
Steuerbilanz besteht ein generelles Abzinsungsgebot mit 5,5 % für
Rückstellungen, deren Laufzeit am Bilanzstichtag mindestens 12
Monate beträgt, die unverzinslich sind und nicht auf einer Anzah-
lung oder Vorausleistung beruhen (§ 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e S. 1
i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 EStG).
In der Praxis weisen die meisten Rückstellungen (z. B. Urlaub,
Überstunden, Tantieme, Abschluss- und Prüfungskosten) eine Lauf-
zeit von weniger als 12 Monaten aus, so dass eine Abzinsung unter-
bleibt. Aus Vereinfachungsgründen ist eine Abzinsung von Pau-
schalrückstellungen für Garantie- und Gewährleistungsrückstellun-
gen sowie für Steuerrückstellungen nicht vorzunehmen (BMF vom
26.05.2005 Tz. 27 und 33). Die Bewertung einer abzuzinsenden
Rückstellung für eine Geld- oder Sachleistungsverpflichtung kann
aus Vereinfachungsgründen mittels Tabelle 2 des BMF-Schreibens
vom 26.05.2005 erfolgen. Dabei ist die Rückstellung mit dem von
der Restlaufzeit abhängigen Vervielfältiger zu multiplizieren.
Eine Besonderheit gilt für Rückstellungen, für deren Entstehen im
wirtschaftlichen Sinne der laufende Betrieb ursächlich ist, da diese
zeitanteilig in gleichen Raten anzusammeln sind (§ 6 Abs. 1 Nr. 3a
Buchst. d EStG). Die Abzinsung erfolgt hier anhand der gleichmäßig
angesammelten Rückstellungsraten.

1.2.3 Ansammlungsrückstellungen
Rückstellungen für Verpflichtungen, für deren Entstehen im wirt-
schaftlichen Sinne der laufende Betrieb ursächlich ist, dürfen nur

326
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
noch zeitanteilig in gleichen Raten angesammelt werden (§ 6 Abs. 1
Nr. 3a Buchst. d EStG). Unter diesen Bewertungsgrundsatz fallen
insbesondere Verpflichtungen zur Erneuerung oder zum Abbruch
von Betriebsanlagen (R 6.11 Abs. 2 EStR).

1.2.4 Künftige Vorteile


Künftige Vorteile, die mit Erfüllung der Verpflichtung voraussicht-
lich verbunden sein werden, sind, soweit sie nicht als Forderung zu
aktivieren sind, bei der Bewertung der Rückstellungen abzuziehen
(§ 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. c EStG). Ein Unternehmen muss bei-
spielsweise eine Kiesgrube wieder auffüllen und erzielt gleichzeitig
Einnahmen aus Kippgebühren. Eine Verrechnung der Einnahmen
aus Kippgebühren mit den Aufwendungen aus der Bildung der
Rückstellung für Rekultivierung ist jedoch nur möglich, wenn am
Bilanzstichtag bereits bestehende Verträge über die Kippentgelte
vorliegen.

1.2.5 Abzinsung der Verbindlichkeiten


Die Abzinsung von unverzinslichen Verbindlichkeiten ist handels-
rechtlich unzulässig, da die Bewertung von Verbindlichkeiten mit
dem Rückzahlungsbetrag erfolgt (§ 253 Abs. 1 S. 2 HGB). In der
Steuerbilanz sind unverzinsliche Verbindlichkeiten mit einer Lauf-
zeit von wenigstens 12 Monaten, die nicht auf einer Anzahlung oder
Vorausleistung beruhen, mit 5,5 % abzuzinsen (§ 6 Abs. 1 Nr. 3
EStG). Einzelheiten der Berechnung von Abzinsungsbeträgen wur-
den durch das BMF mit Schreiben vom 26.05.2005 geklärt.

1.2.6 Gewinnmindernde Rücklagen


Ein Unternehmen kann unter bestimmten Voraussetzungen Rück-
lagen bilden, um einen realisierten Gewinn erst in der Zukunft zu
versteuern bzw. mit Abschreibungen auszugleichen oder um aufge-
deckte stille Reserven gewinnmindernd auf ein anderes Wirtschafts-
gut zu übertragen. Im Wesentlichen gehören zu den gewinnmin-
dernden Rücklagen die Anparrücklage (§ 7g Abs. 3 EStG), die
Rücklage für Ersatzbeschaffung (R. 6.6 EStR) sowie die Reinvestiti-
onsrücklage nach § 6b EStG. In der Praxis können diese Rücklagen

327
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

zu enormen Steuerersparnissen führen. Daher ist es wichtig, die


Voraussetzungen für ihre Bildung zu kennen.

Ansparrücklagen für kleine und mittlere Unternehmen


Die Bildung einer Ansparrücklage für kleinere und mittlere Unter-
nehmen (KMU) einschließlich der Freiberufler (§ 7g Abs. 3 EStG)
und für Existenzgründer (§ 7g Abs. 7 EStG) gehört zu den interes-
santen Gestaltungsmöglichkeiten. Unter bestimmten Voraussetzun-
gen können die kleinen und mittleren Unternehmen eine vorwegge-
nommene Abschreibung auf Anschaffungen vornehmen, die erst für
die nächsten beiden Jahre geplant sind.
Ein Unternehmer beispielsweise beabsichtigt, im Jahre 2007 eine
Maschine für 100.000,- € zu kaufen. Die Anschaffung der Maschine
erfolgt wie geplant. Im Jahre 2005 wird eine Rücklage in Höhe von
40 % von 100.000,- €, also von 40.000,- € gebildet (§ 7g Abs. 4
EStG). Die Maschine wird im Januar 2007 angeschafft. Die degressi-
ve Abschreibung mit 30 % (§ 7 Abs. 2 S. 3 EStG, da Anschaffung
nach 31.12.2005 bzw. vor 01.01.2008) und die Sonderabschreibung
von 20 % (§ 7g Abs. 1 EStG) für kleine und mittlere Unternehmen
erfolgt im Jahr 2007.
Durch die Bildung der Rücklage im Jahre 2005 kommt es zu einer
Gewinnminderung in Höhe von 40.000,- €. Es wird eine entspre-
chende Steuerminderung (Steuerstundung) erzielt. Die Bildung der
Rücklage ist auch zulässig, wenn dadurch ein Verlust entsteht oder
sich erhöht (§ 7g Abs. 3 S. 4 EStG).
Die Rücklage ist im Jahre 2007 zwingend aufzulösen (§ 7g Abs. 4
EStG). Es kommt also zu einer Gewinnerhöhung in Höhe von
40.000,- €. Da aber gleichzeitig für die neu angeschaffte Maschine
die höchstmöglichen Abschreibungen in Höhe von 50.000,- € in
Anspruch genommen werden, reduziert sich der Gewinn im Jahre
2007 um 10.000,- €. Die Abschreibungen setzen sich wie folgt zu-
sammen:
1. Degressive Abschreibung von 30 % (30.000,- €) und
2. Sonderabschreibung von 20 % (20.000,- €)
Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein (§ 7g EStG):

328
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
1. Das Unternehmen muss am Schluss des Wirtschaftsjahres, das
dem Wirtschaftsjahr der Bildung der Rücklage voran geht, die
Größenmerkmale des § 7g Abs. 2 EStG erfüllen. Das Betriebs-
vermögen darf also nicht mehr als 204.517,- € betragen.
2. Die Voraussetzung der Betriebsvermögens-Grenze gilt bei Un-
ternehmen, die den Gewinn durch Einnahme-Überschuss-
rechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln, immer als erfüllt.
3. Die Rücklage muss für die künftige Anschaffung oder Herstel-
lung eines neuen beweglichen Wirtschaftsgutes des Anlagever-
mögens bestimmt sein. Für eine hinreichende Konkretisierung
der geplanten Investition ist eine Prognoseentscheidung über das
künftige Investitionsverhalten erforderlich. Es reicht grundsätz-
lich aus, das einzelne Wirtschaftsgut seiner Funktion (z. B. Bag-
ger, PKW; Sammelbezeichnungen wie Fuhrpark reichen nicht)
nach zu bezeichnen und die Höhe der voraussichtlichen An-
schaffungs- oder Herstellungskosten sowie das Wirtschaftsjahr,
in dem die Investition voraussichtlich getätigt wird, anzugeben.
Gegenüber dem Finanzamt ist es nicht notwendig, einen Investi-
tionsplan oder eine feste Bestellung vorzulegen (BMF-Schreiben
vom 25.02.2004, Rz. 7-8).
4. Die Bildung und die Auflösung der Rücklage müssen in der
Buchführung verfolgt werden können. Dabei ist jede einzelne
Rücklage getrennt zu buchen und mit einem Buchungstext zu
versehen, der die o. g. Angaben zu Funktion, Höhe der AK/HK
und Investitionsjahr enthält. Eine Zusammenfassung der ge-
trennt gebuchten Einzelrücklagen in einem Sammelkonto ist
zulässig (BMF-Schreiben vom 25.02.2004, Rz. 15).
5. Ist die Rücklage bis zum Ende des zweiten auf ihre Bildung fol-
genden Wirtschaftsjahres mangels ausreichender oder fehlender
Investitionen noch vorhanden, ist die Rücklage spätestens bis zu
diesem Zeitpunkt in vollem Umfang gewinnerhöhend aufzulö-
sen (§ 7g Abs. 4 EStG). Zur Vermeidung von Mitnahmeneffek-
ten ist in diesen Fällen ein Gewinnzuschlag in Höhe von 6 %
p. a. des aufgelösten Rücklagenbetrages vorzunehmen (§ 7g
Abs. 5 EStG).
6. Die insgesamt am Bilanzstichtag gebildeten Ansparrücklagen
dürfen nicht mehr als 154,000,- € je Unternehmen des Steuer-

329
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

pflichtigen betragen. Gestaltungsmöglichkeiten bleiben also bei


mehreren Betrieben eines Steuerpflichtigen erhalten.
Für die Existenzgründer gelten verbesserte Bedingungen (§ 7g Abs. 7
EStG). Die Voraussetzungen sehen wie folgt aus:
1. Im Jahre der Gründung und den 5 folgenden Jahren kann die
Rücklage bis zu 307.000,- € betragen.
2. Die Laufzeit bis zur Auflösung der Rücklage beträgt maximal 5
Jahre nach dem Wirtschaftsjahr der Bildung der Rücklage, d. h.
das Unternehmen hat einen Investitionszeitraum von 5 Jahren.
3. Der Gewinnzuschlag von 6 % p. a. entfällt bei der Auflösung
ohne Investition.
Den hohen Liquiditäts- und Zinsvorteilen durch Steuerstundung am
Anfang folgen nach Auslaufen der Regelung abschreibungsarme
Jahre. Dies kann zu einer Liquiditätsfalle nach glänzendem Start
führen.

Rücklage für Ersatzbeschaffung


Die Gewinnverwirklichung durch Aufdeckung stiller Reserven kann
in bestimmten Fällen vermieden werden, indem eine erfolgsneutrale
Übertragung von stillen Reserven vom ausgeschiedenen Wirt-
schaftsgut auf das Ersatzwirtschaftsgut erfolgt. Die Übertragung
stiller Reserven auf ein Ersatzwirtschaftsgut ist an folgende Voraus-
setzungen geknüpft (R 6.6 Abs. 1 EStR):
• das Wirtschaftsgut des Anlage- oder Umlaufvermögens muss
durch höhere Gewalt (z. B. Brand, Sturm, Diebstahl oder un-
verschuldeter Unfall) oder zur Vermeidung eines behördlichen
Eingriffs (z. B. Enteignung) gegen Entschädigung aus dem Be-
triebsvermögen ausscheiden,
• innerhalb einer bestimmten Frist (i. d. R. ein Jahr, für Grund
und Boden sowie Gebäude zwei Jahre) ein funktionsgleiches
Wirtschaftsgut angeschafft oder hergestellt wird, auf dessen An-
schaffungs- oder Herstellungskosten die aufgedeckten stillen
Reserven übertragen werden, und

330
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
• im handelsrechtlichen Jahresabschluss muss entsprechend ver-
fahren werden (umgekehrtes Maßgeblichkeitsprinzip § 5 Abs. 1
S. 2 EStG i. V. m. §§ 247 Abs. 3, 273, 254 HGB)
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann das Unternehmen die
stillen Reserven auf das Ersatzwirtschaftsgut übertragen. Dabei er-
mitteln sich die stillen Reserven wie folgt:
Entschädigung / Verkaufspreis
./. Buchwert im Zeitpunkt des Ausscheidens
= Stille Reserven

In der Praxis ist zu beachten, dass nicht alle Entschädigungsleistun-


gen in obige Berechnung einbezogen werden können. Begünstigte
Entschädigungen sind nur solche, die für das ausgeschiedene Wirt-
schaftsgut selbst gezahlt werden. Demgegenüber müssen Entschädi-
gungen zur Abgeltung von Folgeschäden (z. B. für Umsatz- und
Gewinneinbußen, Aufräumarbeiten, Nutzungsausfall) sofort ver-
steuert werden.
Sollte das Ersatzwirtschaftsgut am Schluss des Wirtschaftsjahres, in
dem das Wirtschaftsgut aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden
ist, noch nicht angeschafft oder hergestellt sein, können die stillen
Reserven in eine Rücklage für Ersatzbeschaffung eingestellt werden.
Die Ersatzinvestition muss dann im folgenden Jahr bzw. bei Grund
und Boden oder Gebäuden in den beiden folgenden Jahr erfolgen,
ansonsten ist die Rücklage für Ersatzbeschaffung zwingend aufzulö-
sen. Eine Verzinsung des aufgelösten Betrages erfolgt anders als bei
einer Rücklage nach § 7g EStG nicht.

Reinvestitionsrücklage nach § 6b EStG


Das Ausscheiden von bestimmten Wirtschaftsgütern des Anlage-
vermögens durch Verkauf oder Tausch löst unter Umständen die
Aufdeckung von stillen Reserven aus. Die aufgedeckten stillen Re-
serven können unter den Voraussetzungen des § 6b EStG auf andere
Wirtschaftsgüter übertragen werden. Die stillen Reserven berechnen
sich wie folgt (§ 6b Abs. 2 EStG):

331
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Entschädigung/Verkaufspreis
./. Veräußerungskosten
./. Buchwert im Zeitpunkt des Ausscheidens
= Stille Reserven

Die Besteuerung dieses Ertrags kann bei Vorliegen folgender Vor-


aussetzungen vermieden werden (§ 6b Abs. 4 EStG):
• das Unternehmen muss den Gewinn nach § 4 Abs. 1 bzw. § 5
Abs. 1 EStG ermitteln (für Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3
EStG gilt diese Voraussetzung als erfüllt gemäß § 6c Abs. 1
EStG),
• das veräußerte Wirtschaftgut hat ununterbrochen im Zeitpunkt
der Veräußerung mindestens sechs Jahre zum Anlagevermögen
einer inländischen Betriebsstätte gehört,
• die stillen Reserven müssen innerhalb bestimmter Fristen (i.d.R.
4 Jahre) auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von ei-
nem Wirtschaftsgut des Anlagevermögens übertragen werden,
• der bei der Veräußerung entstandene Gewinn darf bei der Er-
mittlung des im Inland steuerpflichtigen Gewinns nicht außer
Ansatz bleiben,
• die Übertragung der stillen Reserven und die Bildung und Auf-
lösung der Rücklage müssen in der Buchführung verfolgbar sein,
und
• in dem handelsrechtlichen Jahresabschluss ist das steuerliche
Wahlrecht übereinstimmend auszuüben (umgekehrtes Maßgeb-
lichkeitsprinzip).
Durch das Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 sind die Mög-
lichkeiten der Übertragung stiller Reserven eingeschränkt worden.
In der aktuellen Fassung ab 01.01.2006 ist der § 6b EStG um die
Übertragungsmöglichkeit von Gewinnen aus der Veräußerung von
Binnenschiffen durch das Gesetz zur steuerlichen Förderung von
Wachstum und Beschäftigung erweitert worden. Die Übertra-
gungsmöglichkeiten werden in folgender Tabelle aufgezeigt.

332
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
Übertragungsmöglichkeiten gemäß § 6b EStG
Übertragung des Grund und Aufwuchs auf Gebäude Binnen
Gewinns auf: Boden Grund und Boden schiffe
bei Land u.
Forstwirten
Gewinn aus
Veräußerung von:

Grund und Boden 100 % 100 % 100 % k/Ü


Gebäude k/Ü k/Ü 100 % k/Ü
Aufwuchs auf Grund
und Boden bei Land k/Ü 100 % 100 % k/Ü
u. Forstwirten
Binnenschiffe k/Ü k/Ü k/Ü 100 %
k/Ü = keine Übertragung stiller Reserven möglich
Abb. 130: Übertragungsmöglichkeiten gemäß § 6b EStG
Für Unternehmen, die keine Kapitalgesellschaften sind, ergeben sich
zusätzliche Übertragungsmöglichkeiten bei der Veräußerung von
Anteilen an Kapitalgesellschaften (§ 6b Abs. 10 EStG) wie nachste-
hende Tabelle zeigt:

Übertragungsmöglichkeiten von Veräußerungsgewinnen aus Anteilen


an Kapitalgesellschaften gemäß § 6b EStG
Übertragung des Anteile an Kapi abnutzbare be Gebäude
Gewinns auf: talgesellschaften wegliche Wirt
schaftsgüter
Gewinn aus
Veräußerung von:

Anteilen an 100 % 50 % 50 %
Kapitalgesell
schaften

Abb. 131: Übertragungsmöglichkeiten von Veräußerungsgewinnen aus Anteilen an


Kapitalgesellschaften

Bei der Übertragung auf abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter


oder Gebäude ist nur der nicht nach § 3 Nr. 40a EStG steuerfreie
Teil übertragbar. Der steuerfreie Teil (andere 50 %) ist innerhalb der
Bilanz als Ertrag zu buchen und außerbilanziell wieder zu kürzen.

333
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Soweit bei den o. g. Übertragungen ein Abzug von den Anschaf-


fungs- oder Herstellungskosten aufgrund fehlendem Reinvestitions-
objekt im Wirtschaftsjahr der Veräußerung nicht möglich ist, kann
eine gewinnmindernde Rücklage gebildet werden. Die Übertragung
der stillen Reserven erfolgt dann innerhalb bestimmter Fristen. Nach
Ablauf der Frist ist die Rücklage zwingend aufzulösen und der Auf-
lösungsbetrag mit 6 % p. a. zu verzinsen (§ 6b Abs. 7 EStG).
Eine Übertragung des Gewinn, der bei Veräußerung von Wirt-
schaftsgütern eines Gewerbebetriebs des Unternehmers entstanden
ist, ist es nicht zulässig, soweit dieser auf Wirtschaftsgüter übertra-
gen wird, die zu einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb oder
einer selbstständigen Arbeit des Unternehmers gehören (§ 6b Abs. 4
S. 2 EStG).
Die Übertragungsmöglichkeiten von stillen Reserven nach § 6b EStG
aus einem Betrieb des Unternehmers in einen anderen Betrieb des
Unternehmers oder in eine Personengesellschaft, an der der Unter-
nehmer beteiligt ist, ergeben sich aus R 6b.2 Abs. 6, 7 und 8 EStR.
Grundsätzlich ist festzustellen, dass es sich bei der Vorschrift des
§ 6b EStG um eine äußerst komplexe steuerlich Vorschrift handelt.
Bei den in der Praxis teils enormen stillen Reserven, die in Grund
und Boden, Gebäuden oder Anteilen an Kapitalgesellschaften ent-
halten sind, empfiehlt es sich, in Zweifelsfällen die sachkundige
Beratung eines Steuerberaters, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalts
heranzuziehen, um die steuerlichen Gestaltungsspielräume optimal
zu nutzen.

1.2.7 Pensionsrückstellungen nach § 6a EStG, Übergang auf die


Richttafeln 2005 G von Prof. Heubeck
Nach § 249 HGB hat der Kaufmann für unmittelbare Pensionszusa-
gen eine Rückstellung in der Handelsbilanz zu bilden. Entsprechend
dem Prinzip der Maßgeblichkeit gemäß § 5 Abs. 1 EStG besteht
auch in der Steuerbilanz ein Passivierungsgebot für Pensionszusa-
gen. Zusätzlich müssen jedoch für Pensionsrückstellungen in der
Steuerbilanz die Voraussetzungen des § 6a Abs. 1 und 2 EStG vorlie-
gen. Für laufende Pensionen und Anwartschaften auf Pension, die
vor dem 01.01.1987 rechtsverbindlich zugesagt worden sind, besteht

334
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
ein handels- und steuerrechtliches Passivierungswahlrecht (Art. 28
Abs. 1 EGHGB).
Bei der Bewertung von Pensionsrückstellungen sind ein Zinssatz von
6 % und die anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik
anzuwenden (§ 6a Abs. 3 S. 3 EStG). Als mit den anerkannten versi-
cherungsmathematischen Grundsätzen übereinstimmend aner-
kannt, sind die „Richttafeln 1998“ von Prof. Klaus Heubeck bisher
verwendet worden. Ab Juli 2005 werden diese Sterbetafeln durch die
„Richttafeln 2005 G“ von Prof. Klaus Heubeck ersetzt. Die neuen
Sterbetafeln können erstmals der Bewertung von Pensionsrückstel-
lungen am Ende des Wirtschaftsjahres zu Grunde gelegt werden, das
nach dem 6. Juli 2005 (Tag der Veröffentlichung der neuen Richtta-
feln) endet (BMF-Schreiben vom 16.12.2005, Rz. 2).
Das Unternehmen hat nach § 6a Abs. 4 S. 2 EStG ein Wahlrecht, den
Unterschiedsbetrag, der auf der erstmaligen Anwendung der
„Richttafeln 2005 G“ beruht, auf mindestens drei Wirtschaftsjahre
gleichmäßig verteilt der jeweiligen Pensionsrückstellung zuzuführen.
Bei der Verteilung ist darauf zu achten, dass im Übergangsjahr die
Pensionsrückstellung zunächst auf der Grundlage der „Richttafeln
1998“ zu ermitteln ist. Diese Rückstellung ist dann um ein Drittel
des Unterschiedsbetrags zwischen dem Teilwert der Pensionsver-
pflichtung nach den „Richttafeln 2005 G“ und den „Richttafeln
1998“ zu erhöhen. Im Folgejahr ist die Pensionsrückstellung zu-
nächst unter Zugrundelegung der „Richttafeln 2005 G“ zu berech-
nen und um ein Drittel des o. g. Unterschiedsbetrags zu vermindern.
Im zweiten Folgejahr ist die Pensionsrückstellung auf der Grundlage
der „Richttafeln 2005 G“ zu ermitteln. Diese Rückstellung wird nicht
gekürzt.
Es ist sinnvoll, sich in einem entsprechenden versicherungsmathe-
matischen Gutachten zum 31.12.2005 die alten und die neuen Werte
berechnen zu lassen. Der Unterschiedsbetrag ist dann klar zu erken-
nen. Auf dieser Basis kann das Unternehmen entscheiden, ob eine
Verteilung des Unterschiedsbetrags in Betracht kommt oder eine
volle Zuführung im Übergangsjahr sinnvoller ist.

335
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

1.2.8 Investitionszulage
Die Förderung in den neuen Bundesländern erfolgt ab 2005 durch
Investitionszulagen i. S. d. Investitionszulagengesetz 2005. Eine
Förderung erfolgt im Fördergebiet, d. h. in den Länder Berlin, Bran-
denburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Thüringen.
Anspruchsberechtigte sind unbeschränkt oder beschränkt Steuer-
pflichtige i. S. d. des EStG oder KStG. Bei Persongesellschaften ist die
Gesellschaft der Anspruchsberechtigte (§ 1 InvZulG 2005).
Begünstigte Investitionen sind (§ 2 Abs. 1 InvZulG 2005):
• die Anschaffung oder Herstellung
• von neuen abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des An-
lagevermögens
• die mindestens fünf Jahre nach ihrer Anschaffung oder Herstel-
lung zum Anlagevermögen eines Betriebs im Fördergebiet gehö-
ren, in einer Betriebsstätte eines Betriebs des verarbeitenden Ge-
werbes oder eines Betriebs der produktionsnahen Dienstleistun-
gen im Fördergebiet verbleiben und in jedem Jahr zu nicht mehr
als 10 % privat genutzt werden und
• es sich um eine Erstinvestition handelt
Begünstigte Investitionen sind auch die Anschaffung und die Her-
stellung neuer Gebäude (§ 2 Abs. 2 InvZulG 2005). Die Anschaffung
ist nur begünstigt, wenn sie bis zum Ende des Jahres der Fertigstel-
lung erfolgt und der bisherige Eigentümer für das Gebäude keine
Investitionszulage beansprucht hat. Die Gebäude müssen minde-
stens fünf Jahre nach ihrer Anschaffung oder Herstellung in einem
Betrieb des verarbeitenden Gewerbes oder in einem Betrieb der
produktionsnahen Dienstleistungen verwendet werden und Erstin-
vestitionen sein. Ohne Bedeutung ist, ob ein im Fördergebiet bele-
genes Gebäude zum Privatvermögen, zum Anlagevermögen einer
Betriebsstätte im Fördergebiet, zum Anlagevermögen einer Be-
triebsstätte außerhalb des Fördergebiets oder zum Umlaufvermögen
gehört. Daher ist auch die Vermietung an einen Betrieb der begün-
stigten Wirtschaftszweige begünstigt.

336
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
Nicht begünstigt sind folgende Wirtschaftsgüter:

Nicht begünstigte Wirtschaftsgüter i. S. d. InvZulG 2005


Geringwertige Wirtschaftsgüter
Luftfahrzeuge und Personenkraftwagen
Immaterielle Wirtschaftsgüter
bewegliche Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens
Grund und Boden
nachträgliche Herstellungskosten an bereits bestehenden Wirtschaftsgütern
Abb. 132: Nicht begünstigte Wirtschaftsgüter i. S. d. InvZulG 2005
Die Investitionen sind begünstigt, wenn sie das Unternehmen nach
dem 24.03.2004 und vor dem 01.01.2007 begonnen und nach dem
31.12.2004 und vor dem 01.01.2007 abgeschlossen hat oder nach
dem 31.12.2006 abschließt, soweit vor dem 01.01.2007 Teilherstel-
lungskosten entstanden oder im Fall der Anschaffung Teillieferun-
gen erfolgt sind. Investitionen sind nach § 2 Abs. 4 InvZulG 2005 in
dem Zeitpunkt begonnen, in dem die Wirtschaftsgüter bestellt oder
herzustellen begonnen worden sind. Bei Gebäuden gilt als Zeitpunkt
der Bestellung der Tag, an dem über ihre Anschaffung ein rechts-
wirksam abgeschlossener obligatorischer Vertrag vorliegt. Als Be-
ginn der Herstellung gilt bei Gebäuden der Zeitpunkt, in dem der
Bauantrag gestellt wird, bei baugenehmigungsfreien Gebäuden der
Zeitpunkt, in dem die Bauunterlagen eingereicht werden.
Die Bemessungsgrundlage für die Investitionszulage ist nach § 2
Abs. 5 InvZulG 2005 die Summe der Anschaffungs- und Herstel-
lungskosten der im Wirtschaftsjahr abgeschlossenen begünstigten
Investitionen.
Für die Höhe der Investitionszulage ist von Bedeutung, ob es sich
um ein bewegliches Wirtschaftsgut oder ein Gebäude, eine Investiti-
on in einer Betriebsstätte in der Arbeitsmarktregion Berlin oder eine
Investition in einer Betriebsstätte im Randgebiet des Fördergebiets
handelt. Ferner ist ein Kriterium für die Höhe der Investitionszula-
ge, ob der Betrieb zusätzlich die Begriffdefinition für kleine und
mittlere Unternehmen erfüllt. Aus nachstehender Tabelle (vgl.
BMF-Schreiben vom 20.01.2006, Rz. 120) kann die Höhe der Inve-
stitionszulage in Abhängigkeit o. g. Kriterien entnommen werden:

337
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

Höhe der Investitionszulage


Randgebiet Arbeibsmarktregion Berlin Übriges Fördergebiet
Bewegliche WG
und KMU 27,5 % 20 % 25 %
(erhöhte Zulage)
Bewegliche WG
und NichtKMU 15 % 12,5 % 12,5 %
(Grundzulage)
Gebäude
15 % 12,5 % 12,5 %
(Grundzulage)
Abb. 133: Höhe der Investitionszulage
Als KMU gelten nach der Empfehlung der Kommission vom
06.05.2003 Unternehmen, mit weniger als 250 Beschäftigten und
einem Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. € oder einer Jahresbi-
lanzsumme von höchstens 43 Mio. €.
Die Investitionszulage ist nach amtlichem Vordruck bei dem Fi-
nanzamt zu beantragen, das für die Besteuerung des Anspruchsbe-
rechtigten zuständig ist. Die Auszahlung wird innerhalb eines Mo-
nats nach Bekanntgabe des Investitionszulagenbescheids ausgezahlt.
Für die ertragsteuerliche Behandlung ist zu beachten, dass die in der
handelsrechtlichen Gewinn- und Verlustrechnung als Ertrag zu
buchende Investitionszulage nicht zu den Einkünften i. S. d. EStG
gehört (§ 8 InvZulG). Sie mindert auch nicht die steuerlichen An-
schaffungs- und Herstellungskosten und ist daher außerbilanziell zu
kürzen. Da es sich bei der Investitionszulage nicht um steuerbefreite
Einkünfte handelt, greift nicht das Abzugsverbot des § 3c EStG für
Betriebsausgaben, die im Zusammenhang mit der Investitionszulage
stehen (z. B. Beratungshonorare für Steuerberater im Zusammen-
hang mit Investitionszulage).

1.2.9 Halbeinkünfteverfahren
Im Anrechnungsverfahren erfolgte eine Vermeidung der Doppelbe-
steuerung der von der Kapitalgesellschaft erzielten Gewinne da-
durch, dass nach § 36 Abs. 2 Nr. 3. EStG a. F. die Körperschaftsteuer
der Kapitalgesellschaft beim Anteilseigner in Höhe von 3/7 der Ein-
nahmen (Dividende) i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG a. F. angerechnet

338
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
wurde. Die angerechnete Körperschaftsteuer galt als fiktive Einnah-
me aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 3 EStG a. F.).
Demgegenüber ist im Halbeinkünfteverfahren die Anrechnung der
Körperschaftsteuer nicht mehr möglich, daher entfällt der Ansatz
der anrechenbaren Körperschaftsteuer als fiktive Einnahme aus
Kapitalvermögen. Zur Vermeidung einer zu hohen Besteuerung von
Dividenden bleiben Gewinnausschüttungen beim Anteilseigner
jedoch zur Hälfte steuerfrei, wenn Anteilseigner ein Steuerpflichtiger
i. S. d. EStG ist (§ 3 Nr. 40 Buchst. d EStG). Handelt es sich beim
Anteilseigner um einen Steuerpflichtigen nach dem KStG sind die
Dividenden vollständig steuerfrei (§ 8b Abs. 1 KStG, beachte jedoch
die pauschale Hinzurechnung in Höhe von 5 % als nicht abzugsfä-
higer Betriebsausgaben gemäß § 8b Abs. 5 KStG). Auf Ebene der
Kapitalgesellschaft kommt es zu einer Definitivbesteuerung der
Gewinne in Höhe von 25 % (§ 23 Abs. 1 KStG), eine Ausschüt-
tungsbelastung wie im Anrechnungsverfahren ist nicht mehr herzu-
stellen.
Das Halbeinkünfteverfahren findet auf Ebene der Kapitalgesellschaft
erstmals Anwendung für Veranlagungszeiträume ab 2001 (§ 34
Abs. 1 KStG). Auf der Ebene der Anteilseigner erfolgt die Besteue-
rung nach dem Halbeinkünfteverfahren für Dividenden ab 2002
(§ 52 Abs. 4b EStG, § 34 Abs. 7 KStG).

1.3 Aspekte der Gesamtsteuerbelastung


Die Unternehmen, die in der Rechtsform eines Einzelunternehmens
oder einer Personengesellschaft betrieben werden, sind auf Ebene
des Unternehmens nur durch die Gewerbesteuer belastet. Das Ein-
zelunternehmen oder die Personengesellschaft sind in der Einkom-
mensteuer kein Steuersubjekt. Die Einkommensteuerbelastung hin-
gegen erfolgt durch die Besteuerung der Einkünfte aus Gewerbebe-
trieb des Einzelunternehmers bzw. der Mitunternehmer im Rahmen
der Einkommensteuerveranlagung.
Die Gesamtsteuerbelastung der im Unternehmen entstandenen
Gewinne ergibt sich aus der Gewerbe- und Einkommensteuerbela-
stung. Um die Einkünfte aus Gewerbebetrieb nicht übermäßig zu

339
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

besteuern, wird die tarifliche Einkommensteuer, soweit sie anteilig


auf im zu versteuernden Einkommen enthaltene gewerbliche Ein-
künfte entfällt, um das 1,8-fache des Gewerbesteuermessbetrags
vermindert (§ 35 EStG).
Der Unternehmer sollte die Steuersätze der Einkommensteuer ken-
nen, um die Höhe der zu erwartende Steuerschuld im privaten Be-
reich planen zu können. Daneben sind die Verlustausgleichs- bzw.
die Verlustabzugsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

1.3.1 Grundfreibetrag, Eingangs und Spitzensteuersatz


Der Grundfreibetrag, der Eingangs- und der Spitzensteuersatz wur-
den ab Veranlagungszeitraum 2005 wieder geändert. Der Spitzen-
steuersatz auf gewerbliche Einkünfte sank von 45,0 % im Jahr 1999
auf 43,0 % ab dem Jahr 2000. Bei den normalen Einkünften ergibt
sich eine Senkung des Spitzensteuersatzes von 53,0 % im Jahre 1999
auf 51,0 % im Jahre 2000, auf 48,5 % ab 2001, auf 45,0 % im Jahr
2004 und auf 42,0 % ab 2005. Die Zuschlagsteuern (Kirchensteuer
und Solidaritätszuschlag) verändern sich entsprechend.

Steigende Grundfreibeträge und sinkende Steuersätze


Jahr Grundfreibetrag Eingangssteuersatz Spitzensteuersatz [in %]
[in €] [in %] Normale Gewerbliche
(Grundtabelle) Einkünfte Einkünfte
1999 6.681,00 23,9 53,0 45,0
2000 6.902,00 22,9 51,0 43,0
2001 7.206,00 19,9 48,5 (*)
2002 7.235,00 19,9 48,5 (*)
2003 7.235,00 19,9 48,5 (*)
2004 7.664,00 16,0 45,0 (*)
ab 2005 7.664,00 15,0 42,0 (*)
(*) Ab 2001 erfolgt die Verminderung der Einkommensteuer auf Einkünfte aus
Gewerbebetrieb durch die Anrechnung des 1,8fachen des Gewerbesteuermess
betrags auf die tarifliche Einkommensteuer (§ 35 EStG).
Abb. 134: Steigende Grundfreibeträge und sinkende Steuersätze

340
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
Der Eingangssteuersatz wird von 23,9 % in 1999 auf 22,9 % in 2000,
auf 19,9 % ab 2001, auf 16,0 % im Jahr 2004 und auf 15,0 % ab 2005
gesenkt.
Der Grundfreibetrag steigt von 6.681,- € in 1999 bis auf 7.664,- € ab
dem Jahr 2005 an.
Die Einkommensteuerbelastung mit dem Spitzensteuersatz beginnt
ab dem Jahr 2005 bei 52.152,- €.

1.3.2 Verlustausgleich
Innerhalb eines Veranlagungszeitraumes erfolgt ein horizontaler
bzw. vertikaler Verlustausgleich (§ 2 Abs. 3 EStG).
Beim horizontalen Verlustausgleich werden die negativen Einkünfte
im gleichen Jahr der Entstehung der Verluste zunächst innerhalb der
gleichen Einkunftsart mit positiven Einkünften verrechnet. Für
bestimmte negative Einkünfte bestehen Beschränkungen beim Ver-
lustausgleich innerhalb der gleichen Einkunftsart (z. B. §§ 15a, 23
EStG).
Durch den vertikalen Verlustausgleich erfolgt eine Verrechnung von
negativen Einkünften einer Einkunftsart mit positiven Einkünften
einer anderen Einkunftsart im Verlustentstehungsjahr. Der Ver-
lustausgleich mit anderen Einkunftsarten ist unbegrenzt möglich.

1.3.3 Verlustabzug
Für die nicht durch den horizontalen oder vertikalen Verlustaus-
gleich verrechneten Verluste besteht gemäß § 10d EStG ein Wahl-
recht, diese Verluste auf den vorangegangenen Veranlagungszeit-
raum zurückzutragen oder auf die folgenden Zeiträume vorzutra-
gen, um sie dort mit positiven Einkünften zu verrechnen.
Beim Verlustrücktrag (§ 10d Abs. 1 S. 1 EStG) ist zu berücksichti-
gen, dass die Verluste bei einzelveranlagten Steuerpflichtigen höch-
stens bis 511.500,- € zurückgetragen werden können (bei zusam-
menveranlagten Ehegatten 1.023.000,- €). Ferner kann der Abzug
des Verlusts nur im unmittelbar vorangegangenen Veranlagungs-
zeitraum erfolgen. Auf Antrag des Steuerpflichtigen ist ganz oder

341
D Überprüfung der Finanzbuchhaltung

teilweise vom Verlustrücktrag abzusehen. Im Antrag ist die Höhe


des Verlustrücktrags anzugeben.
Verluste werden nur dann vortragen, wenn sie nicht bereits durch
den Verlustausgleich oder den Verlustrücktrag mit positiven Ein-
künften verrechnet wurden. Bei dem Verlustvortrag können die
negativen Einkünfte in den folgenden Veranlagungszeiträumen bis
zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 1,0 Mio. € unbeschränkt,
darüber hinaus bis zu 60 % des 1,0 Mio. € übersteigenden Gesamt-
betrags der Einkünfte abgezogen werden (§ 10d Abs. 2 S. 1 EStG).
Bei zusammenveranlagten Ehegatten tritt an die Stelle von 1,0 Mio.
€ ein Betrag von 2,0 Mio. €.

1.4 Aktuelle Steuergesetzänderungen


Die Gesetzgebung hat in dem Bereich des Einkommensteuergesetzes
im Wesentlichen durch folgende Gesetze in den Gesetzestext einge-
griffen:
• Gesetz zum Einstieg in ein steuerliches Sofortprogramm vom
22.12.2005 (1)
• Gesetz zur Eindämmung missbräuchlicher Steuergestaltungen
vom 28.04.2006 (2)
• Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäf-
tigung vom 26.04.2006 (3)
Die wichtigsten Änderungen durch die o. g. Gesetze zeigt folgende
Tabelle:

Aktuelle Steuergesetzänderungen
Paragraph Gesetz Inhalt
§ 3 Nr. 9 EStG (1) Aufhebung der Steuerfreiheit für Abfindungen ab
01.01.2006
§ 3 Nr. 10 EStG (1) Aufhebung der Steuerfreiheit für Übergangsgelder
und Übergangsbeihilfen ab 01.01.2006
§ 3 Nr. 15 EStG (1) Aufhebung der Steuerfreiheit für Heirats und
Geburtshilfen ab 01.01.2006
§ 7 Abs. 5 S. 1 Nr. 3 (1) Abschaffung der degressiven AfA für Mietwohn
Buchst. c EStG gebäude für Anschaffungen und Herstellungen ab
01.01.2006

342
Auswirkungen der Steuergesetze auf die Jahresabschlusserstellung D
Aktuelle Steuergesetzänderungen
Paragraph Gesetz Inhalt
§ 10 Abs. 1 Nr. 6 (1) Abschaffung des Sonderausgabenabzugs für pri
EStG vate Steuerberatungskosten ab 01.01.2006
§ 4 Abs. 1 S. 3 und 4 (2) Streichung des Verweises auf § 4 Abs. 3 EStG
EStG (wegen Zulässigkeit des gewillkürten Betriebs
vermögens) ab Tag der Verkündigung
§ 4 Abs. 3 S. 4 EStG (2) Betriebsausgabenabzug von AK/HK für nicht ab
nutzbare WG des Anlagevermögens, für Anteile
an Kapitalgesellschaften, für Wertpapiere, für
Grund und Boden sowie Gebäude des Umlaufver
mögens erst im Zeitpunkt des Zuflusses des Ver
äußerungserlöses oder bei Entnahme im Zeitpunkt
der Entnahme; für Anschaffung/Herstellung nach
dem Tag der Verkündigung
§ 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 (2) Einschränkung der Anwendung der 1 %Regelung
EStG auf PKW des notwendigen Betriebsvermögens ab
Wj., die nach 31.12.2005 beginnen
§ 5 Abs. 1a und 4a (2) Verpflichtung zur Bildung von Bewertungsein
EStG heiten ab Tag nach Verkündigung
§ 6b Abs. 1 EStG (3) Erweiterung der begünstigten Wirtschaftsgüter
auf Binnenschiffe für Veräußerung nach
31.12.2005 und vor 01.01.2011
§ 7 Abs. 2 S. 3 EStG (3) Befristete Erhöhung des Höchstsatzes der degres
siven AfA für bewegliche WG des Anlagevermö
gens auf 30 % für Anschaffung/Herstellung nach
dem 31.12.2005 und vor dem 01.01.2008
§ 4f und 9 Abs. 5 (3) Abzug von erwerbsbedingten Kinderbetreuungs
EStG kosten wie Betriebsausgaben/Werbungskosten ab
VZ 2006
§ 10 Abs. 1 Nr. 5 (3) Abzug von privaten Kinderbetreuungskosten ab
und 8 EStG VZ 2006
§ 33c EStG (3) Aufhebung wegen Neuregelung des Abzugs von
Kinderbetreuungskosten durch §§ 4f, 10 Abs. 1
Nr. 5 und 8 EStG, letztmalige Anwendung für
VZ 2005
§ 35a Abs. 1 und 2 (3) Kinderbetreuungskosten vorrangig nach Neure
EStG gelung § 4f, 9 Abs. 5 und 10 Abs. 1 Nr. 5 und 8
EStG abzugsfähig; Ausdehnung des Anwendungs
bereichs auf Erhaltung und Modernisierung ab
VZ 2006
Abb. 135: Aktuelle Steuergesetzänderungen

343
E Qualitative Bilanzanalyse und
Bilanzkritik

1 Einschränkungen
Die traditionelle Bilanzanalyse ist eine quantitative Analyse und
bezieht sich auf die Zahlen der Jahresabschlüsse, die aus der Vergan-
genheit stammen. Auswahl, Gewichtung und Zusammensetzung der
eingesetzten Kennzahlen hängen von den Zielen der Analyse ab. Als
Kennzahlensystem wird oft der ROI-Entscheidungsbaum verwen-
det.
Die Unternehmensleitungen, die Banken und die anderen Adressa-
ten orientieren sich meist an den Daten aus der Vergangenheit. Für
die Unternehmen und für die Investoren ist es aber besonders wich-
tig, wie sich die Unternehmen in Zukunft entwickeln. Sie sind daran
interessiert, wie sicher und rentabel die Kapitalanlagen sind und wie
hoch die Unternehmensrisiken in Zukunft eingeschätzt werden.
Deshalb sollten die Unternehmen auch eine zukunftsorientierte
Bilanzanalyse und Bilanzkritik durchführen. Die Bildung der Kenn-
zahlen und die Auswertung der quantitativen Daten reicht also nicht
mehr aus, sich ein verlässliches Bild über die Zukunft der Unter-
nehmen zu machen. Deshalb müssen zusätzliche qualitative Infor-
mationen zur Analyse verwendet werden, die in größeren Unter-
nehmen meist im Anhang und im Lagebericht zu finden sind. In
kleineren und mittleren Unternehmen allerdings können dem An-
hang und dem Lagebericht in der Regel nur geringe und wenig aus-
sagefähige Informationen entnommen werden.
Außerdem muss festgestellt werden, dass die Zahlen der Jahresab-
schlüsse viel zu spät zur Verfügung stehen. Die großen Unterneh-
men legen die Informationen etwa erst ein halbes Jahr nach dem
Ende des Geschäftsjahres vor. In kleineren und mittleren Unter-

345
E Einschränkungen

nehmen stehen die Jahresabschlüsse oft frühestens ein Jahr nach


dem Abschluss des Geschäftsjahres zur Verfügung.
Der Zweck der Rechnungslegung besteht darin, einen möglichst
sicheren Einblick in die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der
Unternehmen zu erhalten. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Ver-
lustrechnung beinhalten Zahlenangaben, die Aufschluss über be-
stimmte quantitative Größen in den Unternehmen geben. Der Ana-
lytiker der Jahresabschlüsse hat die Aufgabe, diese Größen zu un-
tersuchen und zu interpretieren, um einen guten Einblick in die
Struktur und die wirtschaftliche Lage der Unternehmen zu erhalten.
In der Bilanz und in der Erfolgsrechnung werden die nach bestimm-
ten Bilanzierungsgrundsätzen erfassten und nach bestimmten Prinzi-
pien strukturierten wertmäßigen Angaben der Unternehmen aufge-
zeichnet. Diese Informationen reichen aber nicht aus, um einen um-
fassenden Einblick in die Unternehmen zu erhalten, da nur quantita-
tive Größen wiedergegeben werden, die absoluter Natur sind.
Durch die gezielte Bilanzpolitik lassen sich die Daten des Jahresab-
schlusses unterschiedlich darstellen. Das bilanzpolitische Ermessen
ermöglicht es den Unternehmen, durch die unterschiedliche Aus-
nutzung der Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte die Ergeb-
nisse erheblich zu beeinflussen. Der externe Bilanzanalytiker ist
meist nicht in der Lage, die Auswirkungen dieser Maßnahmen hin-
reichend genau zu quantifizieren. Je mehr bilanzpolitische Gestal-
tungsmöglichkeiten genutzt werden, desto schwieriger ist eine zu-
treffende Bilanzanalyse und Bilanzkritik. Deshalb ist es unbedingt
erforderlich, dass neben der traditionellen Bilanzanalyse und Bilanz-
kritik neue und verbesserte Instrumente eingesetzt werden, die die
Qualität der Beurteilung der Unternehmen erhöhen.

Zusammenfassung:
Die quantitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik beziehen sich auf die
Zahlen der Jahresabschlüsse aus der Vergangenheit. Die errechneten
Kennzahlen haben deshalb nur eine begrenzte Aussagefähigkeit, weil
die Informationen über die Entwicklung der Unternehmen in der Zu
kunft fehlen. Die Banken und die Investoren sind besonders daran inter
essiert, wie sicher, rentabel und riskant die Kapitalanlagen eingeschätzt
werden.

346
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
Die Zahlen der Jahresabschlüsse stehen meist viel zu spät zur Verfü
gung. In großen Unternehmen vergeht ein halbes Jahr. Frühestens nach
einem Jahr stehen die Jahresabschlüsse der kleineren und mittleren
Unternehmen zur Verfügung.
Das bilanzpolitische Ermessen erlaubt es den Unternehmen, durch die
unterschiedliche Ausnutzung der Bilanzierungs und Bewertungswahl
rechte die Ergebnisse erheblich zu beeinflussen. Dadurch wird die Bilanz
analyse und Bilanzkritik sehr erschwert. Neben der traditionellen Bilanza
nalyse und Bilanzkritik müssen deshalb neue und verbesserte Instrumente
und Verfahren eingesetzt werden, um die Qualität der Beurteilung der
Unternehmen wesentlich zu verbessern und um genauere Aussagen über
die zukünftige Entwicklung der Unternehmen machen zu können.

New Economy
Die Instrumente der Bilanzanalyse und Bilanzkritik der Old Eco-
nomy reichen für die jungen Unternehmen der New Economy nicht
aus, um die Chancen und Risiken dieser Unternehmen richtig ein-
zuschätzen. Da diese Unternehmen noch zu jung sind, ist eine Auf-
bereitung, Verdichtung und Interpretation der Zahlen aus den Jah-
resabschlüssen der letzten drei Jahre oft nicht möglich.
Die Merkmale der Unternehmen der New Economy weisen in der
Regel folgende Punkte auf:

Merkmale der Unternehmen der New Economy


1. Schnelles Wachstum
2. Verkürzung der Produktlebenszyklen
3. Keine langjährigen Stammkunden
4. Niedrige Barrieren beim Markteintritt
5. Hohe Unsicherheit in der Zukunft
6. Kurze Dauer der Innovationen
7. Unerfahrenheit des Managements
8. Mangelhaftes Controlling
9. Fehleinschätzung der Märkte
10. Hohes Unternehmensrisiko
Abb. 136: Merkmale der Unternehmen der New Economy

347
E Einschränkungen

Zur soliden Beurteilung der Unternehmen der New Economy sind


deshalb umfassendere Informationen über die zukünftige Entwick-
lung dieser Unternehmen erforderlich. Insbesondere die Banken, die
Investoren und die Lieferanten sind daran interessiert zu erfahren,
wann diese Unternehmen aus der Verlustzone kommen und Ge-
winne erwirtschaften.
Eine Beurteilung der kurzfristigen finanziellen Zahlen reicht nicht
aus, um die jungen Unternehmen in ihrer Komplexität zu bewerten.
Auch nicht-finanzielle Daten werden benötigt, um zuverlässigere
Aussagen über den Markt, die Kunden, die Prozesse und die Mitar-
beiter machen zu können.
Die traditionelle Bilanzanalyse und Bilanzkritik sind nicht ausrei-
chend, um zukunftsorientierte Aussagen über die Überlebensfähig-
keit der einzelnen Unternehmen machen zu können. Deshalb ist es
notwendig, dass weitergehende strategische Analysen über diese
Unternehmen durchgeführt werden.

Zusammenfassung:
Die Instrumente der Bilanzanalyse und Bilanzkritik der Old Economy
reichen für die jungen Unternehmen der New Economy nicht aus, um
die Chancen und Risiken dieser Unternehmen richtig beurteilen zu kön
nen. Da diese Unternehmen noch zu jung sind, ist die Aufbereitung, die
Verdichtung und die Interpretation der Zahlen nicht sehr aussagefähig.
Die Merkmale der Unternehmen der New Economy unterscheiden sich
zum Teil sehr von den Unternehmen der Old Economy. Deshalb ist be
sondere Vorsicht angebracht, da die Zahlen außerdem auch noch mani
puliert sein können.
Eine solide Beurteilung der Unternehmen der New Economy ist nur
möglich, wenn auch umfassende und zuverlässige Informationen über
die zukünftige Entwicklung dieser Unternehmen vorliegen. Dann kann
festgestellt werden, wann diese Unternehmen die Verlustzone wahr
scheinlich verlassen und zum ersten Mal realistische Gewinne erwirt
schaften.

348
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E

2 Anhang und Lagebericht


Die Aufgaben des Anhangs und des Lageberichts bestehen darin, die
Lücke zwischen den abstrakten Angaben in der Bilanz sowie in der
Gewinn- und Verlustrechnung auf der einen Seite und der Forde-
rung nach einem möglichst sicheren Einblick in die Ertrags-, Fi-
nanz- und Vermögenslage der Unternehmen auf der anderen Seite
zu schließen.
Der Anhang und der Lagebericht enthalten allgemeine und spezifi-
sche Informationen zum Jahresabschluss, die sich noch weiter un-
tergliedern lassen. Durch allgemeine Erläuterungen wird das Bild
der Bilanz und der Erfolgsrechnung veranschaulicht und präzisiert.
Zusätzliche Aufgliederungen, Darstellungen und Begründungen zu
einzelnen Positionen der Bilanz und der GuV ermöglichen eine
Verfeinerung der Informationen.
Durch spezifische Angaben im Anhang und im Lagebericht ist eine
bessere Beurteilung der Daten in der Bilanz und in der Erfolgsrech-
nung möglich, wenn sich die Informationen auch auf die Bilanzie-
rungs- und Bewertungsmethoden beziehen. Zahlreiche Wahlrechte
des Ausweises, die eine Darstellung bestimmter Informationen ent-
weder in der Bilanz und Erfolgsrechnung oder im Anhang erlauben,
ermöglichen es, die Bilanz und die Erfolgsrechnung von Detailanga-
ben zu befreien. Auch nichtbilanzierungsfähige Sachverhalte können
im Anhang aufgeführt werden, die eine genauere Beurteilung der
wirtschaftlichen Lage der Unternehmen möglich machen.
Die verbale Berichterstattung im Anhang und im Lagebericht ent-
hält ein enormes Potenzial für die Bilanzanalyse und Bilanzkritik.
Durch die qualitative Bilanzanalyse kann der Einsatz der formellen
und der materiellen bilanzpolitischen Instrumente besser beurteilt
werden. Dadurch sind zusätzliche Rückschlüsse auf die tatsächliche
Lage der Unternehmen möglich. Die Intensität der freiwilligen Be-
richterstattung kann zu weiteren Erkenntnissen führen.
In mittleren und großen Kapitalgesellschaften sind der Anhang und
der Lagebericht generell umfangreich. Dann ist eine solide qualitati-

349
E Strategische Unternehmensanalysen

ve Bilanzanalyse möglich. In kleineren und mittleren Unternehmen


stehen diese Information allerdings meist nicht zur Verfügung.

Zusammenfassung:
Die bisher meist vernachlässigten Informationen des Anhangs und des
Lageberichts werden in eine umfassende und auch qualitative Beurtei
lung der Unternehmen einbezogen. Die verbale Berichterstattung sollte
bei der Bilanzanalyse und Bilanzkritik deshalb berücksichtigt werden.
Die Erläuterungen des Jahresabschlusses im Anhang und im Lagebericht
sollten insbesondere bilanzpolitische Hinweise umfassen. Für die quali
tative Bilanzanalyse stellen Informationen im Anhang und im Lagebe
richt deshalb ein großes Analysepotenzial dar.

3 Strategische
Unternehmensanalysen
Die traditionelle Bilanzanalyse und Bilanzkritik sollten durch strate-
gische Unternehmensanalysen ergänzt werden.
Zu den strategischen Unternehmensanalysen zählen insbesondere
die Stärken- und Schwächenanalysen, das wertorientierte Füh-
rungssystem und die Balanced Scorecard, die eine qualitative Un-
tersuchung der Unternehmen erlauben. Bei diesen Analysen geht es
vor allem darum, neue Strategien zu entwickeln, um in Zukunft
erfolgreich wirtschaften zu können.

Strategische Unternehmensanalysen

Stärken und Wertorientiertes Balanced


Schwächenanalyse Führungssystem Scorecard
Abb. 137: Strategische Unternehmensanalyse

3.1 Stärken und Schwächenanalysen


Bevor eine strategische Unternehmensplanung generell über vier bis
fünf Geschäftsjahre aufgestellt wird, sind Stärken- und Schwächena-

350
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
nalysen durchzuführen, um die Chancen und die Risiken besser
einschätzen zu können.
Konzeptionen, Instrumente und Techniken
1. Marktanalyse
2. Konkurrenzanalyse
3. Portfolio-Technik
4. Produktlebenzyklus-Analyse
5. Szenario-Technik
6. GAP-Analyse (Ziellücken-Analyse)
7. Benchmarking
8. Potenzial-Analyse
9. Erfahrungskurve
10. Engpass-Analyse
In Workshops und Seminaren können die unterschiedlichen Kon-
zeptionen, Instrumente und Techniken diskutiert und bearbeitet
werden. Die einzelnen Analysen sollten schrittweise in den Unter-
nehmen durchgeführt werden.
Die Engpassanalyse beispielsweise ist ein wichtiges Instrument, um
ohne große Vorarbeiten entscheidende Engpässe eines Unterneh-
mens in Zukunft festzustellen. Zum Controlling gehört auch die
Engpassorientierung. Deshalb ist es sinnvoll, für die Produkte, die
Dienstleistungen und die Geschäftsfelder die möglichen Engpässe in
Zukunft herauszuarbeiten. Dann besteht auch die Möglichkeit, die
vorhandenen Ressourcen auf die Engpässe zu konzentrieren, um
eine Verzettelung zu vermeiden.
In vielen Unternehmen wird oft zu wenig Wert darauf gelegt, die
wichtigen aktuellen und zukünftigen Engpässe in den Unternehmen
zu ermitteln. Für die weitere Entwicklung der Unternehmen ist es
unbedingt erforderlich, alle Engpässe systematisch aufzudecken und
zu bewerten. Dann lässt sich auch eine Rangfolge erstellen.
Der Controller hat auch die Aufgabe, alle aktuellen und signifikan-
ten Problemkreise im Unternehmen aufzulisten. Die Erfolgspoten-
ziale eines Unternehmens und die positiven und negativen zukünfti-
gen Abhängigkeiten sollten festgestellt werden. Eine möglichst um-
fassende Kenntnis der einzelnen Bereiche im Unternehmen ist er-

351
E Strategische Unternehmensanalysen

forderlich, um die zukünftigen Abhängigkeiten zu ermitteln, die


einen großen Einfluss auf die Rentabilität und die Liquidität der
Unternehmen haben.
Um die aktuellen und zukünftigen Engpässe festzustellen, sind fol-
gende Bereiche systematisch zu analysieren:
Unternehmensbereiche
1. Marketing und Vertrieb
2. Produktion
3. Beschaffung
4. Forschung und Entwicklung
5. Personal
6. Finanzen
7. Logistik
8. IT-Bereich
Diese Analysen sollten möglichst in einem Workshop oder Seminar
durchgeführt werden. Dem Strategieteam müssen die Unterneh-
mensleitung, die kompetenten Führungskräfte aus den wichtigen
Bereichen und weitere Spezialisten angehören. Eine Umfeldanalyse
ist zuerst durchzuführen. Der Einsatz von Checklisten ist sinnvoll.
Die bereits bekannten und zu erwartenden Probleme sind pro Un-
ternehmensbereich zur Bewertung auf einer einfachen Skala aufzu-
führen. Außerdem ist eine Gewichtung vorzunehmen.
Zu den Stärken gehören:
• Attraktivität der Produkte und Dienstleistungen
• Kundennutzen
• Flexibilität bei Entscheidungen
• Innovationen
• Image
• Vertrauen
• Anziehungskraft
• Chancen
• hoher Qualitätsstandard
• moderne Produktionsanlagen
• gute Vertriebsorganisation
• kreative Mitarbeiter

352
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
• Ziele
• Patente
• junges Managementteam
• kostengünstiges IT-System
• hohe Kostentransparenz
• effiziente Geschäftsprozesse.
Die Schwächen können umfassen:
• Nachholbedarf
• Mängel
• Knappheit
• Misserfolg
• Beschränktheit
• Hemmnisse
• hohe Lagerbestände
• große Lieferantenzahl
• geringe Kapazität
• lange Durchlaufzeiten
• Softwarefehler
• Sortimentslücken
• schwacher Kundendienst
• lange Bearbeitungszeiten
• niedrige Innovationsrate
• schwache Unternehmensleitung
• hoher Krankenstand
• niedrige Eigenkapitalquote
• hohe Außenstände
• starke Wettbewerber
• steigende Reklamationsquote.
Unter Leitung des Controllers müssen dann für die zusammenge-
stellten Problemfelder einzelne Maßnahmen erarbeitet und be-
schlossen werden. Die unterschiedlichen Maßnahmen sind auch zu
koordinieren und anschließend systematisch abzuarbeiten.
Mit den einzelnen Verfahren der Stärken- und Schwächenanalyse
kann das strategische Controlling unterstützt werden. Neben der
qualitativen Bilanzanalyse und Bilanzkritik erlaubt das strategische

353
E Strategische Unternehmensanalysen

Controlling einen besseren Einblick in die Zukunft der Unterneh-


men. Dadurch kann die langfristige Existenzsicherung der Unter-
nehmen eher garantiert werden, da die Chancen und die Risiken der
Unternehmen besser beurteilt werden können.
Zusammenfassung:
Stärken und Schwächenanalysen sind durchzuführen, bevor eine stra
tegische Unternehmensplanung aufgestellt wird, um die Chancen und
die Risiken besser beurteilen zu können. Die Unternehmensleitung hat
zu entscheiden, welche Konzeptionen, Instrumente und Techniken ein
zusetzen sind, damit eine gute Einschätzung der zukünftigen Entwick
lung der Unternehmen vorgenommen werden kann.
Mithilfe der Engpassanalyse lassen sich Problemkreise für die Produkte,
Dienstleistungen und Geschäftsfelder herausarbeiten. Erst wenn die
wichtigsten Engpässe systematisch aufgedeckt und bewertet sind, kön
nen die vorhandenen Ressourcen in Zukunft besser eingesetzt werden.
Für die wichtigsten Bereiche in den Unternehmen sollten die wesentli
chen Stärken und Schwächen aufgelistet und bewertet werden. In den
einzelnen Problemfeldern sind dann spezifische Maßnahmen zu erar
beiten und zu beschließen, um neue Strategien zu entwickeln, die die
Existenzsicherung der Unternehmen gewährleisten.

3.2 Wertorientiertes Führungssystem


3.2.1 Wie sieht das Führungssystem aus?
Das wertorientierte Führungssystem konzentriert sich auf die Wert-
steigerungen und Wertvernichtungen in den Unternehmen. Die
Unternehmensleitung muss darauf achten, dass in allen Geschäfts-
bereichen, Geschäftsfeldern und mit den einzelnen Projekten ein
Unternehmenswert geschaffen wird, der sich am Kapitalmarkt ori-
entiert.
Die Steigerung der Ertragskraft in den Unternehmen ist vor allem
möglich durch die Erhöhung der Produktivität, durch die Forcie-
rung von Innovationen und durch die Beschleunigung des Wachs-
tums bei den ertragsstarken Produkten, Dienstleistungen und Ge-
schäftsfeldern. Dadurch lässt sich die finanzielle Leistungsfähigkeit
der Unternehmen nachhaltig verbessern.

354
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
Die Unternehmensleitung und die Führungskräfte können das Ziel
der Wertsteigerung erreichen, wenn sie sich wie Investoren verhal-
ten und ihr unternehmerisches Denken und Handeln danach aus-
richten. Die Interessen der Unternehmensführung und der Unter-
nehmenseigner werden somit in Einklang gebracht. Auch die Mitar-
beiter profitieren davon, denn ein profitables und wertschaffendes
Unternehmen kann interessante Arbeitsplätze mit immer besseren
Verdienstmöglichkeiten bieten und erhalten.
Die Ziele der wertorientierten Unternehmensführung sehen wie
folgt aus:
Ziele der wertorientierten Unternehmensführung
1. Dauerhafte und nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes
2. Weitere Verbesserung der Ertragskraft der Unternehmen
3. Profitables Wachstum der Unternehmen
Die Auswirkung der wertorientierten Unternehmensführung lassen
sich folgendermaßen zusammenfassen:
Auswirkungen der wertorientierten Unternehmensführung
1. Die Unternehmensleitung und die Führungskräfte denken und
handeln auf dieser Grundlage wie die Eigentümer.
2. Durch hervorragende Ergebnisse und hohe Renditen wird ein
höherer Wert für die Investoren (Eigentümer) geschaffen.
3. Mit den auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittenen und inno-
vativen Produkten und Dienstleistungen werden bessere Werte
erreicht.
4. Durch attraktive Entwicklungsmöglichkeiten und durch indivi-
duelle Beteiligung an der Wertsteigerung lassen sich zusätzliche
Werte für alle Mitarbeiter in den Unternehmen schaffen.

3.2.2 Welche wertorientierten Führungsgrößen gibt es?


In der Praxis werden verschiedene wertorientierte Führungsgrößen
eingesetzt. Einige Unternehmen verwenden mehrere Kennzahlen
gleichzeitig. Bestimmte Unternehmen konzentrieren sich aber nur
auf eine einzige Führungsgröße.

355
E Strategische Unternehmensanalysen

Führungsgrößen
• Free-Cashflow (Shareholder Value)
• EVA (Economic Value Added)
• GWB (Geschäftswertbeitrag)
• CFROI (Cashflow Return on Investment)
• ROCE (Return on Capital Employed)
• RONA (Return on Net Assets)
Siemens beispielsweise setzt nur eine wertorientierte Führungsgrö-
ße, den Geschäftswertbeitrag (GWB) ein. RWE verwendet zur Steue-
rung des Unternehmens den Return on Capital Employed (ROCE).
Daimler-Chrysler dagegen arbeitet mit dem Return on Net Assets
(RONA).

3.2.3 Wie wird die Wertsteigerung gemessen?


Für die Messung der Wertsteigerung der Unternehmen werden eine
Vielzahl von Verfahren und Kennzahlen verwendet. Meist werden
verschiedene Elemente der Erfolgsrechnung des Jahresabschlusses,
der Kosten- und Leistungsrechnung und der dynamischen Investiti-
onsrechnungen kombiniert.
Die wertorientierten Führungsgrößen dienen als Zielgrößen. Sie
werden bei der strategischen Unternehmensplanung, bei Investiti-
onsentscheidungen, bei der Performance-Beurteilung, bei Incentives
und bei der Kommunikation mit den Mitarbeitern eingesetzt. Der
Vorteil dieser Konzeption besteht darin, dass die Führungskräfte im
eigenen Unternehmen wie selbstständige Unternehmer am langfri-
stigen Wertzuwachs des Unternehmens interessiert sind.
Eine Wertsteigerung liegt dann vor, wenn jede neue Investition oder
jedes Geschäftsfeld mehr als die Kapitalkosten für das Eigen- und
Fremdkapital verdienen. Der Kapital-Kostensatz stellt also die Min-
destrendite dar, die die Investoren für das investierte Eigen- und
Fremdkapital erwarten.
Das Wertmanagement der RWE beispielsweise sieht wie folgt aus:
Bei der Errechnung der Kapitalkosten werden folgende Positionen
berücksichtigt:

356
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
RWEKonzernKapitalkosten
Risikoloser Zinsfuß 5,5 %
Marktprämie 5,0 %
BetaFaktor 0,8
Eigenkapitalkosten nach Steuern 9,5 %
Fremdkapitalkosten vor Steuern 6,0 %
Tax Shield – 1,9 %
Steuersatz für Fremdkapital 32,0 %
Fremdkapitalkosten nach Steuern 4,1 %
Anteil Eigenkapital 40,0 %
Anteil Fremdkapital 60,0 %
Kapitalkosten nach Steuern 6,2 %
Steuersatz für pauschale Umrechnung 35,0 %
Kapitalkosten vor Steuern 9,5 %

Der relative Wertbeitrag wird folgendermaßen errechnet:


ROCE 11,1 %
– Kapitalkosten vor Steuern 9,5 %
= relativer Wertbeitrag 1,6 %

Neben dem relativen Wertbeitrag von 1,6 % weist RWE auch den
absoluten Wertbeitrag von 307 Mio. Euro für das Jahr 2001 aus.
RWE wird in Zukunft die Wertmanagement-Zielsetzung am Kern-
geschäft orientieren. Bis 2003 will RWE im Kerngeschäft einen ab-
soluten Wertbeitrag in Höhe von einer Mrd. Euro erreichen.

3.2.4 Wie erfolgt die Implementierung?


Die wertorientierten Führungsgrößen werden in den gut geführten
Unternehmen systematisch implementiert. Bei der Einführung sind
intensive Schulungen der Mitarbeiter erforderlich.
Die Steigerung des Unternehmenswertes muss durch wertschaffende
Entscheidungen bewirkt werden. Durch folgende Maßnahmen las-
sen sich Wertsteigerungen in den Unternehmen erzielen:
1. Erhöhung der Produktivität
2. Verbesserung der Spannen im operativen Geschäft
3. Effektivere Nutzung des Vermögens
4. Reduzierung des gebundenen Vermögens

357
E Strategische Unternehmensanalysen

5. Durchführung von wertsteigernden Investitionen


6. Optimierung der Portfolios
7. Verbesserung der Kostenstruktur
8. Neugestaltung der Produkte und der Prozesse
9. Forcierung des Wachstums der ertragsstarken Produkte
10. Bessere Nutzung des vielfältigen Potenzials
11. Erwirtschaftung von überdurchschnittlichen Erträgen
12. Ausweitung des Geschäfts in Wachstumsregionen
13. Stärkung der Innovationskraft

Zusammenfassung:
Das wertsteigernde Führungssystem konzentriert sich auf die Wertstei
gerungen, die forciert werden sollten, und die Wertvernichtungen, die
zu eliminieren sind. Die Erhöhung des Unternehmenswertes kann ins
besondere durch die Verbesserung der Produktivität, durch die Forcie
rung von Innovationen und durch die Beschleunigung des Wachstums
für ertragsstarke Produkte erfolgen.
Es gibt eine Vielzahl von wertorientierten Führungsgrößen. Einige gut
geführte Unternehmen verwenden nur eine einzige Kennzahl für die
Steuerung und haben gute Erfahrungen damit gemacht.
Für die Messung der Wertsteigerung werden verschiedene Verfahren
eingesetzt. Meist beinhalten die Methoden einige Elemente der Er
folgsrechnung, der Kosten und Leistungsrechnung und der dynami
schen Investitionsrechnungen.
Die wertorientierten Führungsgrößen sollten in den Unternehmen sy
stematisch implementiert werden. Die intensive Schulung der Mitar
beiter ist bei der Einführung erforderlich. Für die Wertsteigerungen sind
verschiedene Maßnahmen konsequent durchzuführen.

3.3 Balanced Scorecard


3.3.1 Sind die finanziellen Kennzahlen ausreichend?
Die in der Vergangenheit eingesetzten Kennzahlen waren in den
Unternehmen zu finanzorientiert. In der Zwischenzeit haben die
Unternehmen erkannt, dass neben den finanziellen Kennzahlen
auch nicht-finanzielle Kennzahlen verwendet werden sollten, um die
Unternehmen effizienter zu steuern. Außerdem sollten neben den

358
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
harten Kennzahlen, wie z. B. Rentabilität, auch weiche Kennzahlen,
wie z. B. Kundenzufriedenheit, zur besseren Unternehmensführung
eingesetzt werden. Zur erfolgreichen Steuerung der Unternehmen
kommt es insbesondere auf die strategischen Erfolgsfaktoren an.
Aktuelle und entscheidungsrelevante Kennzahlen werden von der
Unternehmensleitung und den Führungskräften benötigt. Es kommt
vor allem auf die Kunden, die Prozesse und die Innovationen sowie
die Mitarbeiter an.

3.3.2 Ist ein neues Führungssystem nötig?


Die Unternehmen müssen zuerst Visionen entwickeln, von denen
die Leitbilder abzuleiten sind. Dann lassen sich einzelne Strategien
festlegen, die konkrete und transparente Leistungs-, Kontroll- und
Steuerungsziele enthalten müssen.
Neben dem strategischen Controlling ist besonders auf das operative
Controlling zu achten. Die beiden Komplexe müssen miteinander ver-
netzt werden. Die einzelnen Ziele, die zwischen der Unternehmenslei-
tung und den Führungskräften vereinbart werden, sollten dann in der
strategischen und operativen Planung berücksichtigt werden.
Viele Unternehmer brauchen ein aussagefähiges Informationssy-
stem, das die Führung der Unternehmen verbessert und erleichtert.
Die erfolgsrelevanten Indikatoren müssen laufend erfasst und kon-
trolliert werden, um die Unternehmen besser steuern zu können.
Die Balanced Scorecard ist eine Konzeption, die eine effizientere
Steuerung der Unternehmen möglich macht.

3.3.3 Welche Perspektiven sind zu beachten?


Der steigende Wettbewerbsdruck, der ständige Wandel der Märkte
und die intensivere Beachtung der Kunden erfordern aussagefähige-
re Informationen, die die Unternehmensleitung und die Führungs-
kräfte in die Lage versetzen, die Unternehmen wirkungsvoller zu
führen. Die Erfolge und Misserfolge müssen schneller erkannt und
analysiert werden.
Die meist vergangenheitsorientierten und finanzwirtschaftlichen
Kennzahlen reichen für eine erfolgreiche Führung der Unternehmen
nicht mehr aus. Die Unternehmen benötigen vor allem eine strate-

359
E Strategische Unternehmensanalysen

gische Führungskonzeption, die alle wichtigen Bereiche der Unter-


nehmen integriert. Qualitative und quantitative Leistungsindikato-
ren müssen in den Unternehmen identifiziert werden, die das Errei-
chen der Ziele im Hinblick auf die Zeit, die Kosten und die Qualität
ermöglichen.
Ein ausgewogener Berichtsbogen sollte also in den Unternehmen
eingeführt werden. Die Leistungsindikatoren dürfen in Zukunft
deshalb nicht nur die internen, vergangenheitsorientierten und
quantitativen Informationen beinhalten, sondern müssen auch die
externen, zukunftsorientierten und qualitativen Aspekte berück-
sichtigen. Neben den wertmäßigen Kennzahlen sind auch mengen-
mäßige Kennzahlen einzusetzen.
Neben der finanzwirtschaftlichen Perspektive müssen also die Kun-
den-Perspektive, die Prozess-Perspektive und die Perspektive der
Mitarbeiter und der Innovationen einbezogen werden, um in Zu-
kunft die Erfolgspotenziale schneller zu erkennen und systemati-
scher zu nutzen.

Finanzen

Kunden Prozesse

Mitarbeiter/
Innovationen

Abb. 138: Perspektiven


Für jede Perspektive sind dann die erfolgskritischen Ziele und Mess-
größen zu ermitteln. Zur effizienteren Steuerung der Unternehmen
können dann die einzelnen Ziele und Messgrößen eingesetzt wer-
den, die sich vor allem auf die wesentlichen strategischen Erfolgspo-
sitionen in den Unternehmen beziehen.

360
Qualitative Bilanzanalyse und Bilanzkritik E
3.3.4 Lassen sich Strategien beeinflussen?
Die Besonderheit der Balanced Scorecard besteht darin, dass die
Ziele mit finanziellen und nicht-finanziellen Steuerungsgrößen in
den Unternehmen miteinander verbunden werden. Die einzelnen
Perspektiven sollten sich an den erfolgreichen Kernprozessen in den
Unternehmen orientieren. Diese Konzeption ermöglicht es der Un-
ternehmensführung, ihre oft vagen Unternehmensstrategien in kon-
krete und definierbare Ziele und Messgrößen zu übertragen. Die
Balanced Scorecard unterstützt das Management bei der Formulie-
rung und Umsetzung der eigenen Strategien. Die Kommunikation
lässt sich dadurch auch wesentlich verbessern. Die Mitarbeiter ver-
stehen die neuen Strategien viel besser und haben dann auch keine
Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Die Vernetzung von quantitati-
ven und qualitativen Leistungsgrößen, die optimale Nutzung inter-
ner und externer Information und der konsequente Einsatz des
Wissens aller Mitarbeiter in den Unternehmen sind erforderlich, um
den langfristigen Erfolg der Unternehmen zu garantieren. In vielen
Unternehmen hat sich diese Konzeption für die Verankerung von
Visionen, Strategien, Zielen und Messgrößen bereits gut bewährt.
Die Strategien in den Unternehmen lassen sich also wesentlich be-
einflussen und verbessern. RWE beispielsweise hat zur verbesserten
Ausschöpfung der Potenziale der Führungskräfte im Jahre 2000
einen Zielvereinbarungsprozess gestartet. Dieser Prozess wird durch
den Einsatz der Balanced-Scorecard-Methode unterstützt, indem
bestimmte Kennzahlen verwendet werden. Dabei stehen Umsatz-,
Ertrags- und Wertbeitragsziele neben den Zielwerten für Marktbe-
arbeitung, Kostenstruktur und Personalmanagement.
Die Ziele der jeweiligen Geschäftsfelder werden dabei auf nachge-
ordnete Organisationseinheiten heruntergebrochen und dienen als
Grundlage für Zielvereinbarungen zwischen den Führungskräften
und den Mitarbeitern. Damit wird der persönliche Beitrag zur Errei-
chung der Unternehmensziele transparent gemacht und die Moti-
vation der Mitarbeiter erhöht. Dieser Prozess wird in allen Ge-
schäftsbereichen des Kerngeschäftes eingeführt.

361
E Strategische Unternehmensanalysen

Zusammenfassung:
Die bisher verwendeten Kennzahlen waren meist finanzorientiert. Die
finanziellen Leistungsindikatoren sollten aber durch nichtfinanzielle
Kennzahlen ergänzt werden. Neben harten Kennzahlen werden auch
weiche Kennzahlen benötigt, um einen umfassenden Überblick über die
Stärken und Schwächen in den Unternehmen zu erhalten.
Um in Zukunft eine erfolgreiche Unternehmensführung zu realisieren,
sollte ein Führungssystem eingeführt werden, das die wichtigsten stra
tegischen und operativen Aspekte der Unternehmen erfasst. Die Balan
ced Scorecard ist eine Konzeption, die eine effizientere Steuerung der
Unternehmen möglich macht. Die finanzwirtschaftliche Betrachtungs
weise der Unternehmen ist zu eng und muss um die Perspektiven der
Kunden, der Prozesse und der Mitarbeiter/Innovationen erweitert wer
den. In den Unternehmen sind also alle wichtigen und erfolgskritischen
Ziele und Messgrößen zu ermitteln.
Die Ziele mit finanziellen und nichtfinanziellen Steuerungsgrößen
werden in den Unternehmen miteinander vernetzt. Als Folge davon
verstehen die Mitarbeiter die neuen Strategien viel besser, die einfach
in einzelne Aktionspläne umgewandelt werden können.

362
F Rating

1 Basel I und Basel II


• Basel I
Die erste Vereinbarung über die Pflicht der Banken hinsichtlich
der Eigenkapitalunterlegung wurde im Jahre 1988 von dem Ba-
seler Ausschuss, einem Gremium der internationalen Banken-
aufsicht, verabschiedet. Der Baseler Akkord oder Basel I fordert
nur eine pauschale Absicherung der Kredite. Es wurden erstmals
international gültige Anforderungen an die Banken zur Unterle-
gung von Krediten mit Eigenkapital in Höhe von grundsätzlich
acht Prozent festgelegt.
Die wahren Risikoverhältnisse im Kreditportfolio der Banken
lassen sich nicht korrekt widerspiegeln. Deshalb wird auch keine
adäquate Risikovorsorge erreicht. Die umsichtigen Bankmanager
haben ihre Kunden im Rahmen der Möglichkeiten schon immer
differenziert behandelt. Die einzelnen Kunden erhalten in der
Praxis bereits heute meist die Kredite zu unterschiedlichen Kon-
ditionen.
• Basel II
Der Baseler Akkord von 1988 wurde im Jahre 1998 grundlegend
überarbeitet. Das Ziel bestand darin, die Eigenkapitalunterle-
gungspflicht der Banken stärker an die individuellen Risken der
Kunden anzupassen.
Im Jahre 1999 wurde dann im ersten Konsultationspapier vor-
geschlagen, dass praktisch das externe Rating der einzelnen Kre-
ditnehmer die Grundlage für die Höhe des vorhandenen Eigen-
kapitals bildet. Das zweite Konsultationspapier im Jahre
2001lässt auch bankinterne Rating-Verfahren zu. Im Juli 2002
wurde beschlossen, dass insbesondere für das Rating bei der

363
F Wesen des Ratings

Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen wesentli-


che Erleichterungen zugelassen werden.
Mit Basel II wird sichergestellt, dass die gut geführten Unter-
nehmen weniger Zinsen und die schlecht beurteilten Unterneh-
men höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen müssen. Es erfolgt
also eine gerechtere Verteilung der Kreditkosten.
In Zukunft besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Bo-
nität der Unternehmen, den Risiken und den Zinsen. Die Unter-
nehmen mit einer guten Bonität und geringen Risiken müssen
demnach niedrigere Zinsen für die Kredite bezahlen.
• Veröffentlichung und Inkrafttretung
Es ist geplant, dass Basel II endgültig am 1.1.2007 in Kraft tritt.
Per EU-Richtlinie wird für alle Banken dann innerhalb der euro-
päischen Gemeinschaft Basel II verbindlich.
Obwohl das Rating-Verfahren erst ab dem Einführungsjahr 2006
zum Einsatz kommt, passen viele Banken bereits ab 2003 ihre
Kreditwürdigkeitsprüfungen an die neuen Anforderungen von
Basel II an. Deshalb ist es für die Unternehmen sinnvoll, sich un-
verzüglich auf das Rating vorzubereiten.

2 Wesen des Ratings


Das Rating der Unternehmen umfasst die Bewertung der Kredit-
nehmer hinsichtlich der zukünftigen Zahlungsfähigkeit. Je nach der
Bonität werden unterschiedlich hohe Eigenkapitalquoten für die
Banken festgelegt. Bei Krediten an Unternehmen mit guter Bonität
müssen die Banken in Zukunft geringere Eigenmittel als Risikopuf-
fer vorhalten. Wenn die Banken an Unternehmen mit schlechtem
Rating Kredite vergeben, sind höhere Eigenmittel erforderlich.
Die Banken müssen in Zukunft detaillierte Risikoanalysen durch-
führen. Neben den Kredit- und Marktrisiken wird als zusätzliche
Messgröße das operationelle Risiko berücksichtigt.
Alle erfolgsrelevanten Merkmale der Unternehmen werden im Ra-
ting-Prozess mithilfe von statistischen Verfahren untersucht. Mit
dem Rating beurteilen die Banken die Bonität der Unternehmen.

364
Rating F
Die Vergabe einer Note für jedes Unternehmen stellt das Ergebnis
eines Rating-Prozesses dar.
Die abschließende Entscheidung über die Kreditvergabe bedeutet
die wirtschaftliche Aussage aber nicht, die ein Rating über das Risiko
eines jeden Kredites gibt. Einige andere Kriterien, wie z. B. die Si-
cherheiten, der Verwendungszweck und die Laufzeit spielen auch
eine Rolle. Die Kreditentscheidung wird aber durch das Rating vor-
bereitet.

3 Arten des Ratings


• Externes Rating
Spezielle Rating-Agenturen führen das externe Rating nur durch,
wenn sie von den Unternehmen dazu beauftragt werden. Bei den
großen Unternehmen, die direkt an den Kapitalmarkt gehen, hat
sich das externe Rating bereits durchgesetzt.
Zu den bedeutenden Agenturen zählen Moody’s, Standard &
Poor’s und Fitch. Die Rating-Noten der externen Agenturen be-
stehen aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen, die für Ban-
ken und Investoren eine neutrale Einschätzung der Bonität der
Unternehmen darstellen. Die Ratings umfassen beispielsweise
AAA bis A-, BBB bis B-, CCC bis CC und SD/D bei Standard &
Poor’s. Ein dreifaches A stellt die höchste Bonität dar und be-
deutet praktisch kein Ausfallrisiko. CC ist eine ungenügende Be-
wertung und beinhaltet die niedrigste Qualität für ein Unter-
nehmen. Der Schutz der Banken und Investoren ist sehr gering.
Es besteht daher die akute Gefahr eines Zahlungsverzugs. SD/D
erhält ein Unternehmen, wenn es bereits zahlungsunfähig ist.
Für das Erst-Rating und für die erforderlichen Folge-Ratings
entstehen erhebliche Kosten. Diese Ratings sind sehr zeit- und
arbeitsintensiv.
In einem Zertifikat wird das Rating-Ergebnis dokumentiert und
veröffentlicht, wenn der Auftraggeber zustimmt. Dieses Zertifi-
kat kann verwendet werden, um direkt an den Kapitalmarkt zu
gehen. Auch das Vertrauen bei Kunden, Lieferanten und Mitar-
beitern kann mit diesem Zertifikat erhöht werden.

365
F Konsequenzen von Basel II für die Banken

• Internes Rating
Die Banken erstellen automatisch das interne Rating, wenn ein
Kredit beantragt wird. Auch wenn ein externes Rating vorhan-
den ist, führen die Banken ein internes Rating durch. Den Un-
ternehmen entstehen für ein internes Rating keine gesonderten
Kosten. Es ist sinnvoll, wenn die Unternehmen die wesentlichen
Daten möglichst schnell zur Verfügung stellen.
Eine Zertifizierung oder Veröffentlichung der Rating-Ergebnisse
erfolgt nicht. Zwischen den Unternehmen und den Kreditbera-
tern findet meist ein ausführliches Gespräch über die Ergebnisse
statt.
Die Schwächen und Stärken der Unternehmen werden aufge-
zeigt. Den Unternehmen werden insbesondere die verschiedenen
Schwachstellen deutlich gemacht, die dann möglichst schnell
beseitigt werden sollten.

4 Konsequenzen von Basel II für


die Banken
4.1 Neue Bewertungssysteme
Die neue Rating-Systematik und die damit verbundenen neuen
Risikobeurteilungen machen es erforderlich, dass die Banken auf
allen Ebenen größere Veränderungen durchführen müssen. Es ge-
nügt nicht, nur einige EDV-Programme zu installieren. Die Mitar-
beiter in der Kreditabteilung und in anderen Abteilungen müssen
systematisch geschult werden, um die neue Denkweise zukünftig zu
beherrschen.
Im Kommunikationsverhalten zwischen den Banken und den Un-
ternehmen ist ein gravierender Wandel erforderlich. Bisher bestand
zwischen den Banken und den Kreditnehmern oft ein beträchtliches
Informationsdefizit. Ein reger Austausch von Daten ist in Zukunft
notwendig, da sonst ein systematisches Rating gar nicht möglich ist.
Die Kreditberater müssen von den Unternehmen laufend über Ver-
änderungen informiert werden. Die im Controlling-System der

366
Rating F
Unternehmen generierten Daten sind an die Kreditberater rasch
weiterzugeben. Nötigenfalls sollten für die Banken die Daten in
geeigneter Weise von den Unternehmen interpretiert werden. Da-
durch kann sichergestellt werden, dass die relevanten Daten auch
zielführend in das Rating-System der Banken übernommen werden
können.

4.2 Erarbeitung zusätzlicher Informationen


und Daten
Die kleineren und mittleren Unternehmen müssen sich jetzt intensi-
ver mit zusätzlichen Informationen und Daten beschäftigen, die die
Banken von den Unternehmen in Zukunft verlangen werden. Es ist
unbedingt erforderlich, dass sich die Unternehmen schnellstens auf
die risikobezogene Gestaltung der Konditionen bei den Banken
einstellen.
Bei der Umsetzung der Richtlinien von Basel II spielt das Rating eine
immer größere Rolle, wenn es in Zukunft um die Kreditvergabe
geht. Die Unternehmen, die eine gute Rating-Note bekommen,
erhalten die Kredite zu günstigeren Konditionen. Die Banken müs-
sen die Risiken durch entsprechende Eigenkapitalpolster abdecken.
Ob ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gerät, hängt aber
auch von vielen anderen Faktoren ab. Neben der Höhe des Eigenka-
pitals kommt es auch auf die Qualität der Unternehmensleitung und
der Mitarbeiter an. Die angebotenen Produkte und Dienstleistungen
sind ebenso wichtig wie die interne Organisation, das Controlling
sowie das Marketing und der Vertrieb.
Es ist sinnvoll, dass sich die Unternehmen darüber informieren,
welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Rahmen des inter-
nen Rating-Systems erfasst und bewertet werden. Deshalb ist die
Unterscheidung in harte und weiche Kennzahlen sehr wichtig.
Die wesentlichen Informationen der Unternehmen müssen den
Banken in Zukunft schneller zur Verfügung gestellt werden. Die
betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die von mehrere Jahre zurück-
liegenden Jahresabschlüssen ermittelt werden, haben in Zukunft nur
noch eine geringe Aussagekraft. Diese Daten führen fast automatisch

367
F Prozess des Ratings

zu einer Abstufung beim internen Rating. Positiv werden möglichst


aktuelle Daten beim Rating beurteilt. Deshalb müssen die Unter-
nehmen den Banken möglichst präzise und realistische Planzahlen
zur Verfügung stellen.

4.3 Weiterbildung der Mitarbeiter


Neben den technischen Vorbereitungen auf die Basel-II-Zukunft
müssen die Banken ihre Mitarbeiter in allen Abteilungen und Auf-
gabenbereichen fachlich und mental auf die neuen Aufgabenstellun-
gen vorbereiten. Insbesondere die Kreditberater sind auf betriebs-
wirtschaftlicher Ebene intensiv zu trainieren, um in Zukunft als
kompetente Gesprächspartner von den Unternehmen akzeptiert zu
werden. Mit den Controlling-Instrumenten müssen die Kreditbera-
ter vor allem vertraut sein.
Durch den Rating-Prozess sollten die Unternehmen ihre Kredite zu
fairen und optimalen Kreditkonditionen erhalten. Gleichzeitig er-
warten die Unternehmen eine kompetente Beratung auf der Basis
des Ratings, um ihre Stärken weiter zu verbessern und um die auf-
gedeckten Schwachstellen möglichst schnell zu beseitigen.

5 Prozess des Ratings


Die Vorgaben von Basel II müssen vor allem von den Banken um-
gesetzt werden. Viele Banken bereiten sich bereits seit einiger Zeit
intensiv auf das interne Rating vor. Die meist langfristigen Ge-
schäftsbeziehungen zu den Unternehmen erleichtert es den Banken,
ein maßgeschneidertes Bewertungssystem zu entwickeln.
Die bisher eingesetzten Bilanzanalysen sollten durch Basel II in zeit-
licher und qualitiativer Hinsicht weiter verbessert werden. Die Ban-
ken müssen spätestens ab 2006 nachweisen, dass das eingesetzte
Rating-Verfahren statistisch signifikante Prognosen ermöglicht.
Die Sparkassen und Landesbanken beispielsweise beschäftigen sich
seit einiger Zeit intensiv damit, ein einheitliches, maßgeschneidertes
und Basel-II-konformes Rating-System zu entwickeln. Jedes Unter-
nehmen wird beim Sparkassen-Rating in eine von 18 Rating-Klassen

368
Rating F
eingeteilt. Die Rating-Klasse 1 enthält die Unternehmen mit der
besten Bonität, während die zahlungsunfähigen Unternehmen in die
Rating-Klasse 18 eingestuft werden.
Beim Rating-Prozess werden auch die Größe des Unternehmens
und die rechtliche Struktur berücksichtigt. Alle Unternehmen un-
terliegen einer individuellen Bewertung.

Aufbau des SparkassenRatingProzesses

FinanzenRating

Qualitatives Rating

Warnsignale

Haftungsverbünde

Abb. 139: Aufbau des SparkassenRatingProzesses

5.1 FinanzRating
Der Aufbau des Sparkassen-Rating-Prozesses berücksichtigt in der
ersten Stufe das Finanz-Rating. Bei diesem Verfahren werden die
Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage der Unternehmen analysiert.
Etwaige Abweichungen gegenüber dem Durchschnitt der jeweiligen
Vergleichsgruppe lassen sich ermitteln und untersuchen. Die Jahres-
abschlüsse, d. h. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und
Lagebericht bilden die Basis für das Finanz-Rating. Bei Freiberuflern
wird die Einnahme-Überschussrechnung herangezogen.

369
F Prozess des Ratings

Finanz-Rating
Finanzlage Liquidität
Eigenkapitalquote
Fremdkapitalstruktur
Ertragslage Rentabilität
Cashflow
Aufwandsstruktur
Vermögenslage Struktur der Aktivseite
Lagerdauer
Umschlagshäufigkeit

5.2 Qualitatives Rating


Beim qualitativen Rating werden die Eigenschaften der Unterneh-
men analysiert. Die Gesamtheit der Unternehmen unterliegt der
Beurteilung.
Die Qualifikation der Unternehmensleitung und der Mitarbeiter
wird sorgfältig überprüft. Marketing und Vertrieb, Organisation,
Einkauf, Lagerhaltung, EDV sowie Controlling unterliegen ebenfalls
einer genauen Untersuchung. Auch die Nachfolgeproblematik findet
Berücksichtigung. Die bisherigen Erfahrungen der Sparkassen mit
den Unternehmen fließen auch in die Bewertung ein.
Qualitatives Rating
Unternehmensführung Unternehmensstrategie
Managementqualifikation
Nachfolgeregelungen
Markt und Produkt Marktstellung
Produkt- und Dienstleistungsangebot
Branchenentwicklung
Wertschöpfungskette Qualitätsmanagement
Produktion
Organisation
Planung, Kontrolle und Controlling-System
Steuerung Risikomanagement
Finanz- und Liquiditätsplanung

370
Rating F
5.3 Warnsignale
Aufgrund von Warnsignalen erfolgt eine Rating-Abstufung. Wenn
beispielsweise Pfändungsbeschlüsse oder Scheckrückgaben festge-
stellt werden, findet eine entsprechende Rating-Abstufung statt.
Warnsignale werden allerdings meist zeitlich kurz vor einer Unter-
nehmenskrise aufgedeckt.

5.4 Haftungsverbünde
Jedes Unternehmen wird im Rating-Verfahren separat bewertet.
Berücksichtigung findet aber, wenn ein Unternehmen innerhalb
einer Konzernstruktur sich in einem Haftungsverbund befindet.
Wenn eine bonitätsmäßig schwache Tochter-Gesellschaft eines Kon-
zerns zu einer starken Mutter-Gesellschaft gehört, dann erfolgt beim
Rating eine Aufwertung. Die Haftungsverbünde spielen also beim
Rating eine Rolle.

6 Vorbereitungen auf das interne


RatingVerfahren
Es ist zu empfehlen, dass die Unternehmen zur Vorbereitung auf das
interne Rating-Verfahren ausführliche Checklisten zur Ermittlung
des Handlungsbedarfs durch Basel II einsetzen. Die Unternehmen
sollten prüfen, ob wichtige Informationen über die generellen Ziel-
setzungen von Basel II vorhanden sind. Auch der Zeitplan zur Um-
setzung der Neuregelungen muss bekannt sein.
In den folgenden Checklisten (GeschäftsWelt, Sonderheft 2003: Was
beim Rating künftig zählt.) sind nicht alle aufgeführten Fragen und
Bereiche für alle kleinen und mittleren Unternehmen relevant. Ins-
besondere der Katalog der Fragen für das qualitative Rating sollte für
die einzelnen Unternehmen und Handwerksbetriebe deshalb zum
Teil angemessen reduziert werden. Die individuellen betrieblichen
Notwendigkeiten sind allerdings zu beachten.

371
F Vorbereitungen auf das interne RatingVerfahren

Checklisten zur Ermittlung des Handlungsbedarfs durch


Basel II

Nein
Ja
Allgemeine Vorbereitungsmaßnahmen
Gibt es einen festen Ansprechpartner bei der Hausbank, mit
dem die Veränderungsprozesse im Unternehmen zielführend
diskutiert werden können?
Gibt es jemand im Unternehmen, der sich speziell und fort
laufend mit der Umsetzung der RatingAnforderungen be
schäftigt?
Reichen die betriebsinternen Kapazitäten unter Einbindung
des Steuerberaters/Wirtschaftsprüfers zur Vorbereitung aus –
oder wird externe Hilfe durch spezialisierte Unternehmens
berater benötigt?
Vorbereitung auf das FinanzRating
Ist das Rechnungswesen ständig ausreichend aktuell?
Ist das Rechnungswesen ausreichend aussagekräftig?
Liegen aktuelle Daten zur Ertragsentwicklung vor?
Liegen aktuelle Daten zur Rentabilitätsentwicklung vor?
Liegen aktuelle Daten über die Liquidität vor?
Liegen aktuelle Daten zur Finanzierungsstruktur vor?
Liegen aktuelle Daten zur Kapitalbindung vor?
Liegen aktuelle Daten zur Lagerhaltung vor?
Liegen aktuelle Daten zur Entwicklung der Aufwandsstruktu
ren vor?
Liegen aktuelle Daten zur Finanz und Liquiditätsplanung vor?
Werden wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffern ermittelt
und fortlaufend aktualisiert?

372
Rating F
Checklisten zur Ermittlung des Handlungsbedarfs durch
Basel II

Nein
Ja
Vorbereitung auf das qualitative interne Rating
Gibt es eine formulierte und kommunizierte Unternehmens
strategie?
Ist die Managementqualifikation auf der ersten und zweiten
Führungsebene ausreichend? Funktioniert die Kommunikation
und Zusammenarbeit?
Existiert ein angemessenes Personalmanagement?
Ist die Nachfolge bei einem plötzlichen Ausfall von Führungs
kräften sichergestellt?
Existiert insbesondere bei Familienunternehmen langfristig ei
ne Nachfolgeregelung?
Existieren detaillierte und realistische Unternehmensplanun
gen und werden sie adäquat präsentiert?
Existieren angemessene Planungs und Budgetierungsinstru
mente?
Wird die Plan und Budgeteinhaltung permanent überwacht
und werden Abweichungsanalysen durchgeführt?
Existieren effektive ControllingSysteme?
Ist die Kontoführung vereinbarungsgemäß?
Sind ausreichende Kreditlinien vereinbart?
Sind Risikomanagementsysteme für zufallsbedingte, rechtli
che oder gesellschaftspolitische Risiken vorhanden?
Ist der betriebliche und private Versicherungsschutz ausreichend?
Ist eine ausreichende Transparenz des Unternehmens gegen
über Mitarbeitern und Öffentlichkeit gegeben?
Ist der permanente Informationsfluss zwischen Unternehmen
und Kreditinstitut sichergestellt?
Ist eine optimale Präsentation des eigenen Produkt oder
Dienstleistungsangebots vorhanden?

373
F Vorbereitungen auf das interne RatingVerfahren

Checklisten zur Ermittlung des Handlungsbedarfs durch


Basel II

Nein
Ja
Werden die eigenen Absatzmärkte, die Marktstellung des Unter
nehmens und die Wettbewerbssituation angemessen dargestellt?
Sind aussagekräftige Informationen zur Branchenentwicklung
vorhanden?
Ist die interne Unternehmensorganisation in allen Bereichen
optimiert?
Sind mögliche strukturelle Abhängigkeiten – darunter bei
spielsweise von Zulieferern oder Schlüsselkunden – analysiert
und ist für etwaige Störungen Vorsorge getroffen?
Ist ein Qualitätsmanagement installiert?
Werden die Anstrengungen und Erfolge in Forschung und
Entwicklung angemessen präsentiert?
Vorbereitung auf das permanente interne Rating
Ist sichergestellt, dass das Kreditinstitut regelmäßig alle er
forderlichen Informationen für die regelmäßige Rating
Aktualisierung erhält?
Ist sichergestellt, dass das Kreditinstitut bei außergewöhnli
chen Entwicklungen – egal ob positiv oder negativ – sofort
und situationsgerecht unterrichtet wird?
Weitere wichtige Fragen im Hinblick auf das Rating
Gibt es Haftungsverbünde mit anderen Unternehmen, die das
RatingErgebnis positiv oder negativ beeinflussen könnten,
und ist das Kreditinstitut darüber zutreffend informiert?
Sind Sicherheiten beispielsweise im Privatvermögen vorhan
den, die eine Kreditentscheidung unabhängig vom Rating
Ergebnis des Unternehmens positiv beeinflussen können?
Ist sichergestellt, dass die von den Kreditinstituten gegebenen
Erläuterungen zu den RatingErgebnissen bei identifizierten
Schwachstellen wie Stärken zur Einleitung konkreter Anpas
sungsmaßnahmen im Unternehmen führen?

374
Rating F

7 Betrieblicher Nutzen durch das


interne Rating
• Bessere Zusammenarbeit mit den Banken
Beim internen Rating-Prozess kommt es vor allem auf eine bes-
sere Zusammenarbeit der Unternehmen mit den Banken an. Die
offenere Kommunikationspolitik zwischen beiden Partnern ist
die beste Basis für einen konstruktiven Rating-Prozess. Über die
betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und die qualitativen Fakto-
ren sollte ein permanenter Informationsaustausch stattfinden.
Da für eine Kreditentscheidung eine Vielzahl von Informationen
und Unterlagen erforderlich sind, sollte unverzüglich mit den
Banken geklärt werden, wann die erforderlichen Daten zur Ver-
fügung gestellt werden müssen. Dadurch lassen sich unnötige
Verzögerungen bei den Entscheidungen über die Kredite ver-
meiden.
Das regelmäßige Rating, das eine laufende Bonitätsprüfung dar-
stellt, bedingt eine permanente Aktualisierung der Informatio-
nen. Die Unternehmen sollten sich deshalb mit den Banken ab-
stimmen, welche Unterlagen in welchen zeitlichen Abständen
erforderlich sind.
Die Banken müssen von den Unternehmen über die Erfolge und
Probleme möglichst schnell informiert werden. Insbesondere die
Schwierigkeiten der Unternehmen zeigen sich schnell in den
Kontendispositionen. Auch in der Bilanz sowie in der Gewinn-
und Verlustrechnung werden die Probleme später sichtbar. Das
Vertrauen der Banken erhöht sich außerdem durch schnellere
Informationen. Weiterhin ergeben sich Möglichkeiten, mit den
Banken gemeinsam nach konstruktiven Lösungen zu suchen.
Die bestehenden Kreditlinien sollten die Unternehmen regelmä-
ßig überprüfen, ob der Kreditrahmen noch ausreichend ist.
Wenn sich kurzfristige Liquiditätsengpässe ergeben, ist es ratsam,
die Banken rechtzeitig darüber zu informieren. Dann hat der
Kreditberater die Möglichkeit, kurzfristig eine Überschreitung

375
F Betrieblicher Nutzen durch das interne Rating

der Kreditlinie zu genehmigen, ohne dass Strafzinsen anfallen


müssen.
• Sinnvolle Beratung der Unternehmen
Das Rating wird von vielen Unternehmen nur im Zusammen-
hang mit den Finanzierungsfragen gesehen. Wenn das Rating
richtig betrachtet wird, liefert das Rating wichtige Indikatoren,
um die Unternehmen in Zukunft effektiver und effizienter zu
führen.
Die Frühwarnindikatoren, die beim Rating ermittelt werden,
deuten auf Defizite in den Unternehmen hin. Dann besteht ein
Handlungsbedarf nicht nur bei der Beschaffung von Krediten,
sondern meist auch bei der Entwicklung neuer Produkte und
Dienstleistungen, die am Markt erfolgreich platziert werden
müssen.
Das Rating bietet also auch große Chancen für die Unterneh-
men. Der Rating-Prozess verwendet eine Systematik bei der
Analyse der Probleme, die auch ein professioneller Unterneh-
mensberater einsetzt, um die Schwachstellen in den Unterneh-
men zu ermitteln. Die Schwächen können in der Marktstrategie,
in der internen Organisation oder im Finanzmanagement liegen.
Die Unternehmen müssen sich das Wissen um die Elemente des
Rating-Prozesses ohnehin aneignen, um für die Gespräche mit
den Kreditberatern gerüstet zu sein. Deshalb ist es wichtig, dass
die Unternehmen sich mit dem Instrumentarium des Control-
lings vertraut machen, um adäquate Gesprächspartner für die
Kreditberater sein zu können, die sinnvolle Berater für die Un-
ternehmer sein können.
• Höhere Transparenz der Unternehmen
Eine höhere Transparenz der Unternehmen wird durch das in-
terne Rating erreicht. Die oft langjährigen Geschäftsbeziehungen
zwischen den Unternehmen und Banken ermöglichen die früh-
zeitige Entdeckung von Kreditrisiken. Beim internen Rating wird
die Bewertung viel realitätsnäher und differenzierter als durch
das externe Rating durchgeführt. Örtliche und regionale Beson-
derheiten können in den Entscheidungen besser berücksichtigt
werden.

376
Rating F
In Zukunft wird es beim Rating auf eine gute Vertrauensbasis
zwischen den Unternehmen und den Kreditberatern ankommen.
Auch die Informationsbasis muss zwischen beiden Partnern ver-
bessert werden. Das interne Rating ermöglicht es, die Beziehun-
gen zwischen der Hausbank und den Unternehmen zum gegen-
seitigen Vorteil zu vertiefen.
In Zukunft kann eine höhere Transparenz der wirtschaftlichen
Entwicklungen durch das Rating erzielt werden. Dazu tragen die
quantitativen Angaben über die Geschäftsentwicklung und die
qualitativen Informationen über die Strategien der Unterneh-
men bei. Die Leistungsfähigkeit des Controlling-Systems, die
Qualität der Organisation und die Effizienz der Prozesse erhöhen
die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Bessere Einstufun-
gen können die Unternehmen durch eine offensivere Informati-
onspolitik erreichen.
Das Rating bietet also bessere Chancen, da die Unternehmen alle
Prozesse systematisch durchleuchten und gezielt verbessern
können. Die Potenziale zur Erhöhung der Effizienz lassen sich
durch umfassende Stärken- und Schwächen-Analysen aufdek-
ken. Das interne Rating bietet auch eine gute Gelegenheit, die
Unwirtschaftlichkeiten in den Unternehmen zu beseitigen. Die
Kosten können durch das interne Rating ebenfalls systematisch
gesenkt werden.

Zusammenfassung:
Das Rating für die Kreditfinanzierung ist in Zukunft von großer Bedeu
tung für die Banken und für die Unternehmen. Die Vorbereitungen auf
das RatingVerfahren stellen für beide Partner hohe Herausforderungen
dar. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen sollten die viel
fältigen Chancen nutzen, um den künftigen Erfolg zu verbessern.
Das interne Rating hat für die Banken verschiedene Konsequenzen. Die
Banken müssen neue Bewertungssysteme entwickeln. Außerdem ist die
Erarbeitung von zusätzlichen Informationen und Daten erforderlich.
Auch sollte eine intensive Weiterbildung der Mitarbeiter in den Banken
durchgeführt werden.

377
F Betrieblicher Nutzen durch das interne Rating

Für die Unternehmen verlangt das interne RatingVerfahren umfangrei


che Vorbereitungen. Insbesondere über das FinanzRating und über das
qualitative interne Rating sollten sich die Unternehmen sorgfältig in
formieren, um zu ermitteln, welche Aufgaben auf sie zukommen.
Der betriebliche Nutzen durch das interne Rating kann für die Unter
nehmen beträchtlich sein, wenn sie die Chancen ergreifen, die das in
terne RatingVerfahren bietet. Zuerst ist eine bessere Zusammenarbeit
mit den Banken garantiert. Das interne Rating kann auch zu einer sinn
vollen Beratung der Unternehmen führen. Außerdem wird eine höhere
Transparenz der Unternehmen durch den RatingProzess erreicht.
Das Rating erfüllt die wertvolle Funktion eines Frühwarnsystems, da der
Handlungsspielraum für die Unternehmen aufgezeigt wird. Die Kern
kompetenzen und die strategischen Handlungsfelder werden klar dar
gestellt. Ein gutes Rating ist auch eine Grundvoraussetzung, dass die
Unternehmen in Zukunft bessere Konditionen für die Kredite erzielen
können.

378
G Weiterentwicklung der
internationalen
Rechnungslegung in
Deutschland

1 BilanzrichtlinienGesetz
Zu den grundlegenden Reformen gehört neben den AktG-Reformen
von 1937 und 1965 das Bilanzrichtliniengesetz (BiRiLiG) von 1985.
Damit einher gingen die Transformationen der 4., 7. und 8. EU-
Richtlinien in das HGB.
Mit dem BiRiLiG löste man eine Reihe von Detailproblemen neu.
Einige Elemente anderer Rechnungslegungssysteme im Zuge der
EU-Harmonisierung wurden übernommen. Die Dominanz der
Gewinnermittlung für Dividenden- und Steuerzahlungen blieb er-
halten. Durch eine vorsichtige Bilanzierung wurden die Unterneh-
men weiterhin abgesichert.

2 USGAAPAbschluss
Die Internationalisierung der Unternehmen in Deutschland führte
einige Jahre später zu drastischen Veränderungen in der Rech-
nungslegung. Der Börsengang der Daimler-Benz AG an der NYSE
(New York Stock Exchange) im Jahre 1993 beeinflusste die Rech-
nungslegungspraxis sehr stark.
Um die eigenen Aktien an der NYSE notieren zu können, war das
Management der Daimler-Benz AG bereit, sich den US-ameri-
kanischen Rechnungslegungsregeln des FASB (Financial Accounting

379
G IFRSAbschluss

Standards Board) zu unterwerfen. Der Konzernabschluss von der


Daimler-Benz AG musste für zwei Positionen (Eigenkapital und
Jahresüberschuss) offen vom HGB auf US-GAAP (United States
Generally Accepted Accounting Principles) übergeleitet werden. Die
Deutsche Telekom AG und die Fresenius Medical Care AG bei-
spielsweise folgten dem Beispiel der Daimler-Benz AG.
Da die handelsrechtliche Rechnungslegung in Deutschland weiter-
hin verpflichtend war, mussten die Unternehmen den US-
amerikanischen Bilanzierungsregeln zusätzlich genügen. Es ging nur
um den Konzernabschluss, der für das Börsenlisting allein relevant
war. Die parallele Rechnungslegung nach HGB und US-GAAP war
zu erstellen und zu veröffentlichen.

3 IFRSAbschluss
Im Jahre 1994 entschieden sich beispielsweise die Bayer AG und die
Schwering AG für einen anderen Weg, um sich den Anforderungen
der internationalen Kapitalgeber zu stellen. Da diese Unternehmen
nicht an die US-Börse gehen wollten, folgten sie nicht den US-
GAAP, sondern den internationalen Regeln des IASC (International
Accounting Standards Committee).
Wegen der bestehenden handelsrechtlichen Rechnungslegungs-
pflichten wählten diese Unternehmen eine duale und nicht eine
parallele Rechnungslegung. In einem einzigen Konzernabschluss
wurden die beiden Regelwerke gleichzeitig beachtet.

4 Neuer Markt
In Deutschland wurde 1997 das Regelwerk erstmals angepasst, als
die Deutsche Börse AG das Marktsegment des Neuen Marktes für
junge High-Tech-Unternehmen etablierte. Die Absicht bestand
darin, die Kapitalmarktteilnehmer über die risikoreichen unterneh-
merischen Tätigkeiten dieser Unternehmen gut zu informieren.
Die internationalen Rechnungslegungssysteme IFRS/IAS (Interna-
tional Financial Reporting Standards/International Accounting

380
Weiterentwicklung der internationalen Rechnungslegung in Deutschland G
Standards) und US-GAAP betonen die Informationsfunktion. Des-
halb glaubte die Deutsche Börse AG, dass diese Systeme dem Anle-
gerschutz effizienter dienten als die vom Gläubigerschutz und dem
Vorsichtsprinzip geprägte HGB-Rechnungslegung. Den Emittenten
am Neuen Markt wurde also vorgeschrieben, die Konzernabschlüsse
nach IFRS/IAS oder US-GAAP vorzulegen.
Der Neue Markt verzeichnete in den Jahren 1997 bis 2000 ein ra-
santes Wachstum. Knapp sechs Jahre nach dem Start am 10. März
1997 ist der Neue Markt endgültig gescheitert. Das einst hochgelobte
Wachstums-Segment wurde wieder abschafft.

5 SMAX (Small Caps Exchange)


Im Jahre 2001 folgte der SMAX als Qualitätssegment für kleine und
mittlere Unternehmen dem Vorbild des Neuen Marktes. Die Emit-
tenten dieses Marktes wurden ebenfalls zur internationalen Rech-
nungslegung verpflichtet.
Diese Elemente der privatrechtlichen Regelwerke für den Neuen
Markt und SMAX wurden im Jahre 2003 mit dem Prime Standard
in die öffentlich-rechtliche Börsenordnung übernommen. An die
Emittenten, deren Wertpapiere im Prime Standard zugelassen sind,
werden über die gesetzlichen Standards noch hinausgehende Anfor-
derungen gestellt. Dazu gehören neben der Quartalsberichterstat-
tungspflicht, die Durchführung einer Analystenkonferenz pro Jahr
und den sonstigen Offenlegungsanforderungen insbesondere auch
die Verpflichtung, einen Konzernabschluss nach IFRS/IAS oder
US-GAAP zu erstellen und zu veröffentlichen.

6 Kapitalaufnahme
erleichterungsgesetz
Im Jahr 1998 wurde das Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz (Ka-
pAEG) vom deutschen Gesetzgeber verabschiedet. Im HGB eta-
blierte dieses Gesetz eine bis 2004 befristete Öffnungsklausel zu-
nächst nur für börsennotierte Konzerne. Später kamen alle kapital-

381
G Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)

marktorientierten Mutterkonzerne hinzu, einen befreienden Kon-


zernabschluss nach § 292a HGB zur erstellen.
Diesen Unternehmen wurde unter bestimmten Voraussetzungen
erlaubt, den Konzernabschluss und Lagebericht entweder nach han-
delsrechtlichen Vorschriften (§§ 290 ff. HGB) oder nach internatio-
nal anerkannten Rechnungslegungsvorschriften (IFRS/IAS oder US-
GAAP) aufzustellen.

Zusammenfassung:
Die Einführung des § 292a HGB erfolgte im Jahre 1998. Die Konzern
abschlüsse können nach IFRS/IAS oder USGAAP aufgestellt werden.
Dann entfällt die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach
HGB. Dieses Gesetz war gültig bis 2004. Durch das Bilanzrechtsreform
gesetz (BilReG) gilt ab Geschäftsjahre nach dem 31.12.2004 § 315a
HGB.

7 Gesetz zur Kontrolle und


Transparenz im
Unternehmensbereich (KonTraG)
Neben dem oben beschriebenen KapAEG wurde ebenfalls im Jahr
1998 mit dem Geeetz zur Kontrolle und Transparenz im Unterneh-
mensbereich (KonTraG) die Internationalisierung der deutschen
Rechnungslegung weiter forciert. Der Konzernabschluss kapital-
marktorientierter Mutterkonzerne näherte sich in seinem Umfang
an das Niveau der internationalen Rechnungslegung an (§ 297
Abs. 1 HGB). Die Kapitalflussrechnung und die Segmentberichter-
stattung wurden im Konzernanhang aufgenommen.
Im § 342 HGB wurden die rechtlichen Voraussetzungen zur Aner-
kennung eines privaten deutschen Rechnungslegungsgremiums
geschaffen. In Berlin erfolgte die Gründung dieses Komitees. Der
deutsche Standardisierungsrat (DSR) übernahm die Facharbeit.
Damit gab es zum ersten Mal eine private Institution neben dem
Gesetzgeber, die die deutsche Rechnungslegungsregulierung in Zu-

382
Weiterentwicklung der internationalen Rechnungslegung in Deutschland G
kunft beeinflussen kann. Seit 1998 hat das DRSC (Deutsches Rech-
nungslegungs Standards Committee) die gesetzliche Aufgabe,
Grundsätze über die Konzernrechnungslegung als DRS (Deutsche
Rechnungslegung Standards) zu entwickeln. Außerdem berät das
DRSC den deutschen Gesetzgeber bei neuen Regulierungen zur
Rechnungslegung. Daneben vertritt das DRSC Deutschland in in-
ternationalen Rechnungslegungsgremien.

Zusammenfassung:
Durch das KonTraG wird der Konzernanhang kapitalmarktorientierter
Unternehmen um die international übliche Kapitalflussrechnung und
die Segmentberichterstattung erweitert.
Daneben wurde im Rahmen des KonTraG im Jahr 1998 ein privates
deutsches Rechnungslegungsgremium geschaffen. Damit besteht zum
ersten Mal eine private Institution neben dem Gesetzgeber, Grundsätze
über die Konzernrechnungslegung zu entwickeln.

8 Transparenz und
Publizitätsgesetz
Nach einer weiteren Anpassung durch das Transparenz- und Publi-
zitätsgesetz (TransPuG) für Geschäftsjahre beginnend nach dem
31.12.2002 weist der HGB-Konzernabschluss dieser Unternehmen
dieselben Bestandteile wie ein IFRS/IAS oder US-GAAP-Abschluss
auf. Die Unternehmen müssen neben der Konzernbilanz und der
Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung auch den Anhang ein-
schließlich der Kapitalflussrechnung, der Segmentberichterstattung
und den Eigenkapitalspiegel aufstellen.

Zusammenfassung:
Neben der Konzernbilanz und der KonzernGewinn und Verlustrech
nung werden durch das TransPuG die Kapitalflussrechnung, die Seg
mentberichterstattung und der Eigenkapitalspiegel selbstständige Be
standteile der Konzernabschlüsse von kapitalmarktorientierten Unter
nehmen.

383
G

9 Bilanzrechtsreformgesetz
Zur Anpassung des deutschen Bilanzrechts an die IFRS-Verordnung
wurde das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) am 04.12.2004 im
Bundesgesetzblatt (BGBl. 2004 I S. 3166) verkündet. Der bilanz-
rechtliche Teil ermöglicht in weiten Teilen die Anwendung der
IFRS/IAS in den deutschen Konzernen.
Alle kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen sind zwingend ab
2005 nach § 315a HGB n. F. zur Aufstellung eines IFRS-/IAS-
Konzernabschlusses verpflichtet. Gleichzeitig wurde § 292a HGB
aufgehoben, der noch ein Wahlrecht für die Aufstellung eines be-
freienden IFRS-/IAS- oder US-GAAP-Konzernabschlusses beinhal-
tete. Eine Übergangszeit für die Umstellung der Rechnungslegung
auf IFRS/IAS bis 2007 wird europäischen Unternehmen eingeräumt,
die wegen eines US-Börsenlistings den US-GAAP folgen.
Darüber hinaus gibt es nach § 315a Abs. 3 HGB n. F. ein Wahlrecht
für nicht kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen, einen befrei-
enden IFRS-/IAS-Konzernabschluss aufzustellen. Neben den Kapi-
talgesellschaften trifft dieses Wahlrecht auch bestimmte Personen-
gesellschaften und Einzelkaufleute, wenn diese gemäß § 264a HGB
oder § 11 PublG ebenfalls als Mutterunternehmen konzernrech-
nungslegungspflichtig sind.
Außerdem dürfen alle Unternehmen neben dem Einzelabschluss
nach HGB einen zusätzlichen IFRS-/IAS-Einzelabschluss zu Offen-
legungszwecken erstellen (§ 325 Abs. 2a i.V.m. Abs. 2b HGB n. F.).
Dabei ist zu beachten, dass bei dem Gebrauch des Wahlrechts die
IFRS/IAS vollständig zu befolgen sind.
Das Wahlrecht, anstatt des HGB-Jahresabschlusses einen Einzelab-
schluss nach IFRS/IAS im Bundesanzeiger offenzulegen, entbindet
nicht von der Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses nach
HGB. Weiterhin muss dieser Abschluss aufgrund der Ausschüt-
tungsbemessungsfunktion zum Handelsregister eingereicht werden.
Für die steuerliche Gewinnermittlung bleibt die Bedeutung des Jah-
resabschlusses nach HGB ohnehin aufgrund des Maßgeblichkeit-
sprinzips (§ 5 Abs. 1 EStG) unberührt.

384
Weiterentwicklung der internationalen Rechnungslegung in Deutschland G
Die verpflichtende Umstellung auf IFRS/IAS im Konzernabschluss
betrifft weniger als 1.000 Unternehmen in Deutschland. Es gibt etwa
drei Millionen nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen, die
durch das BilReG eingeräumten Wahlrechte nutzen können. Bei
diesen Unternehmen handelt es sich i.d.R. um kleine und mittlere
Unternehmen (KMU). Wie diese Möglichkeit in der Unterneh-
menspraxis aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.
Nachfolgende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile einer Umstellung
von HGB auf IFRS/IAS:

Vor und Nachteile der Umstellung von HGB auf IFRS/IAS


Vorteile IFRS/IAS:
1. Verbesserte Bilanzkennzahlen, da i.d.R. ein höheres Eigenkapital
ausgewiesen wird
2. Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen, da durch die Globali
sierung Konkurrenzunternehmen weltweit vorzufinden sind
3. Erleichterungen bei Fremdkapitalaufnahme insbesondere bei Groß
banken
4. Bessere Abbildung der tatsächlichen Vermögens, Ertrags und Fi
nanzlage durch das FairValuePrinzip
5. Langfristig bessere Perspektive, da der Prozess der Entfernung von
der Rechnungslegung nach HGB hin zu internationalen Rechnungsle
gungsvorschriften weiter voran geht

Nachteile IFRS/IAS:
1. Erhöhte Kosten, insbesondere in der Umstellungsphase (z. B. Quali
fikation der Mitarbeiter, Mehraufwand wegen weiterhin erforderlicher
Erstellung des Jahresabschlusses nach HGB)
2. Schutz der unternehmensinternen Daten entfällt (z. B. Neubewer
tung des Sachanlagevermögens nach IFRS unter Aufdeckung von
stillen Reserven)
3. IFRS/IAS sind nicht für KMU geschrieben, jedoch gem. § 315a
Abs. 3 i.V.m. § 325 Abs. 2a HGB n. F. vollständig zu befolgen

385
G Bilanzrechtsreformgesetz

4. Keine Verbesserung der Informationen aus dem Jahresabschluss bei


mittelständischen Kapitalgesellschaften, bei denen die Geschäftsfüh
rer gleichzeitig Gesellschafter sind (durch Personalunion sind Unter
nehmensdaten bekannt)
5. Vielen Banken insbesondere Regionalbanken legen für Rating
zwecke weiterhin den Jahresabschluss nach HGB zu Grunde

Zusammenfassung:
Ab 2005 werden die IFRS/IASKonzernabschlüsse für kapitalmarktori
entierte Unternehmen zwingend vorgeschrieben. Für nicht kapital
marktorientierte Unternehmen besteht nach § 315a Abs. 3 HGB n. F. ein
Wahlrecht zur Aufstellung eines befreienden IFRS/IAS
Konzernabschlusses. Außerdem wurde gemäß § 325 Abs. 2a HGB n. F.
für Offenlegungszwecke ein Wahlrecht eingeführt, nach dem anstatt
des Jahresabschlusses nach HGB ein Einzelabschluss nach IFRS/IAS im
Bundesanzeiger bekannt gegeben werden kann.

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391
Stichwortverzeichnis
Abschreibung geringwertiger Aufbereitung der Daten 121
Wirtschaftsgüter 94 Aufbereitungen
Abschreibungen 89 der Bilanz 128
außerplanmäßige 93 der GuV 149
Beginn und Höhe 91 quantitative 124
degressive 91 wertmäßige 127
lineare 91 Aufbewahrungsfristen 71
planmäßige 89 Aufspaltungen 125
AbschreibungsMethoden 91 Ausgewogenheit der Informatio
Absetzungen nen 282
erhöhte 93 Außerordentliche Vorgänge 247
Absetzungen für außergewöhn
liche Abnutzung 93 Balanced Scorecard 358, 361
Absolute Kennzahlen 37 Basel II 363 f., 366
Abzinsung der Rückstellungen Bereinigungen 124
326 Beständedifferenzbilanz 229
Abzinsung der Verbindlichkeiten Bestandsgrößen 104
327 Bestandteile des Jahresabschlus
Adressate 26 ses 109
AktienAnalyse 236 Betriebsausgaben
Aktivseite 130 nicht abzugsfähige 321
Aktuelle Steuergesetzänderungen Betriebsergebnis 155
342 Betriebsvergleiche 46
Allgemeine Bewertungsgrundsät Betriebsvermögen 60
ze 77 gewillkürtes 62
Allgemeine Vorschriften 56 notwendiges 61
Analyse der Umschlagshäufig Betriebsvermögensvergleich 63 f.
keiten 264 Bewertung 309
Anhang 119, 349 der Passiva 99
Anlagendeckung 275 f. des Anlagevermögens 96
Anlagenintensität 194 retrograde 83
Anlagevermögen 131 Bewertungsalternativen 299
Ansammlungsrückstellungen 326 Bewertungsmaßstäbe 84
Anschaffungskosten 85, 90 Bewertungssysteme 366
Ansparrücklagen für kleine und Bilanz 109, 178
mittlere Unternehmen 328 Gliederung 128
Arbeitsintensität 195
Aspekte der Gesamtsteuerbela
stung 339

392
Stichwortverzeichnis

Bilanzanalyse 13, 345 Bilanzstruktur 280


Aufgaben 20 Bilanzwahrheit 75
Entscheidungsgrundlagen 18 Börsenkurs 238
externe 25 BottomUpPlanung 43
formale 32 Branchenvergleiche 46
Grenzen 49 Buchführung
Inhalt 32 Grundsätze 69
interne 25 Buchhalterischtechnische
materielle 33 Aspekte 315
Zielsetzung 16
Bilanzansatz CashflowAnalyse 219, 259
formeller 74
materieller 74 Daten
Bilanzansätze 74 Verfügbarkeit 53
Bilanzen Deckungsgrad 218
außerordentliche 30 Deckungsrelationen 274
externe 30 Degressive Abschreibung 91
interne 30 Deutsche Vereinigung für Finanz
ordentliche 30 analyse und Anlageberatung
Bilanzierung 308 (DVFA) 245
Grundsätze 74 Direkte Ermittlung 221, 259
Bilanzierungsalternativen 297 Dispositionsbedingte Vorgänge
Bilanzierungspflichtige 59 247
Bilanzklarheit 75 Dividendenrendite 243
Bilanzkontinuität 75 Dokumentation 56
formelle 76 Durchschnittsbewertung 81
materielle 76
Bilanzkritik 13, 345 Eigenkapital 99
Grenzen 49 Quote 197, 273
Bilanzkurs 239 Rentabilität 261
Bilanzpolitik 14, 279 f., 284 Eigentümer 59
formelle 284 Eingangssteuersatz 340
materielle 284 Einnahmen – Ausgaben 105
Bilanzpolitische Instrumente 285 EinnahmeÜberschussrechnung
Bilanzpolitische Maßnahmen 64
287 Einschränkungen
Bilanzrechtliche Beurteilung 301 formale 50
Bilanzrechtsreformgesetz (Bil materielle 51
ReG) 384 Einzahlungen – Auszahlungen
BilanzrichtlinienGesetz (BiRiLiG) 105
379 Einzelbewertung 81
Bilanzsteuerrecht 55 Einzelbilanzen 31
Fristen 58 Entscheidungsgrundlagen 18

393
Stichwortverzeichnis

Entstehungsrechnung 223, 270 Gesellschafter 26


Erfolgs und Finanzanalyse Gesetz zur Kontrolle und Tran
Fallbeispiel 250 sparenz im Unternehmensbe
Erfolgsanalyse 199, 253 reich (KonTraG) 382
Ergänzungsrechnungen 313 Gestaltung der Bilanzstruktur
Ergebnis nach DVFA/SG 244 280
Ergebnisbeeinflussung 301 Gewerkschaften 28
Ergebnisvorschau 322 Gewinn je Aktie 237
Ermessensspielräume 296 Gewinn und Verlustrechnung
Ermittlung 113
direkte 259 Gewinnanalyse 201, 253
direkte 221 Gewinnentwicklung 201
indirekte 259 Gewinnermittlung 63
indirekte 222 Gewinnermittlungsarten 63
Erträge – Aufwendungen 105 Gewinnmindernde Rücklagen
Ertragslage 112 327
Ertragsteuerbilanz 67 Gliederungszahlen 38
Ertragswertkurs 240 Größenmerkmale 57
Grundfreibetrag 340
Festbewertung 82 Grundsatz
Finanzamt 28 der Bilanzklarheit 75
Finanzanalyse 211, 272 der Bilanzkontinuität 75
Finanzbuchhaltung 69 der Bilanzstetigkeit 299
Finanzierungsregeln 213 der Bilanzwahrheit 49, 75
Finanzlage 112 der Einzelbewertung 81
FinanzRating 369 der Maßgeblichkeit der Han
Finanzwirtschaftliche Elemente delsbilanz 67
104 der Periodenabgrenzung 78
Finanzwirtschaftlicher Kreislauf der Stichtagsbewertung 78
103 der Unternehmensfortführung
Forderungen 97, 138 78
Formblätter 178 der Vollständigkeit 50
Formelle Bilanzkontinuität 76 der Vorsicht 66, 79
Formelle Bilanzpolitik 284 der Wesentlichkeit 248
Formelle Maßnahmen 288 Grundsätze
Fristen des Bilanzsteuerrechts 58 der Bilanzierung 74
Führungsgrößen 356 ordnungsmäßiger Bilanzie
Führungssystem 354 rung 74
ordnungsmäßiger Buchfüh
Gemeiner Wert 88 rung 69
Gemeinschaftsbilanzen 31 Gruppenbewertung 82
GesamtkapitalRentabilität 261
Gesamtkostenverfahren 115, 149

394
Stichwortverzeichnis

Haftungsverbünde 371 Begriffe 228


Halbeinkünfteverfahren 338 erweitert 232
Handelsbilanz 31, 66 Kapitalgeber 26
Maßgeblichkeit 68 Kapitalstruktur 192, 273
Herstellungskosten 86, 90 Kapitalumschlagshäufigkeit 264
HGB 306 Kennzahlen 35, 37, 194, 358
Hinweisfunktion 22 Rentabilität 203
Höchstwertprinzip 81 Kennzahlensystem 40
Höhe der Investitionszulage 338 Kontenform 113
Konzernabschluss 312
IFRS 306 als Basis 246
IFRSAbschluss 380 Konzernbilanzen 31
Imparitätsprinzip 80 Kreislauf
Implementierung 357 finanzwirtschaftlicher 103
Indirekte Ermittlung 222, 259 leistungswirtschaftlicher 103
Informationen 282 Kunden 27
Informationsfunktion 22 Kundenziel 197
Informationsverdichtung 17 Künftige Vorteile 327
Inhaltlichbilanzpolitische Ge KursCashflowVerhältnis 243
sichtspunkte 316 KursGewinnVerhältnis 241
Initiativfunktion 22
Internationale Rechnungslegung Lagebericht 349
305 Lager 268
Inventur Lagerdauer 196
Begriff 71 Leistungen – Kosten 105
Methoden 72 LeistungsAbschreibung 92
permanente 73 Leistungswirtschaftlicher Kreis
Stichproben 73 lauf 103
verlegte 72 LeverageEffekt 205
zum Stichtag 72 Lieferanten 27
Investitionszulage 336 Lieferantenziel 198
Liquidität 276, 277
Jahresabschluss 1. Grades 214
Buchungen 317 2. Grades 215
Erstellung 315 3. Grades 215
Hauptaufgaben 21 kurzfristige 214
Jahreserfolg nach Steuern 248 langfristige 218

Kapital 197 Marktpreis 88


Kapitalanteil 274 Maßgeblichkeit
Kapitalaufnahmeerleichterungs der Handelsbilanz 68
gesetz (KapAEG) 381 Grundsatz 67
Kapitalflussrechnung 227 umgekehrte 68

395
Stichwortverzeichnis

Maßnahmen Publizitätsverpflichtungen 282


bilanzpolitische 287
die an gegebene Sachverhalte Rahmenbedingungen 122
anknüpfen 285 Rating 363, 364, 371
die gegebene Sachverhalte Finanz 369
verändern 287 interne 375
formelle 288 internes 366
materielle 295 Prozess 368
Materielle Bilanzkontinuität 76 qualitatives 370
Materielle Bilanzpolitik 284 RatingSystem 367
Materielle Maßnahmen 295 Realisationsprinzip 79
Mittel Rechenschaftslegung 56
flüssige 140 Rechnungsabgrenzungsposten
Mittelherkunft 229 140
Mittelverwendung 229 Rechnungslegung
Grundsätze 307
Neuer Markt 380 internationale 379
Neutrale Ergebnis 155 RechnungslegungsSysteme
New Economy 347 Grundlagen 306
Nicht begünstigte Wirtschafts Reduzierung der Steuerbelastung
güter 337 281
Niederstwertprinzip 80 Reinvestitionsrücklage nach § 6b
Nominalwertprinzip 78 EStG 331
Nutzungsdauer 90 Relativzahlen 38
technische 90 Rentabilität
wirtschaftliche 90 Betrieb 210
Eigenkapital 204, 261
Öffentlichkeit 28 Gesamtkapital 206, 261
Originäre Gestaltungen 303 Umsatz 207, 262
RentabilitätsAnalyse 260
Passivseite 141 RentabilitätsKennzahlen 203
Pauschalrückstellungen für un Retrograde Bewertung 83
gewisse Verbindlichkeiten 84 Return on Investment (ROI) 40,
Pauschalwertberichtigungen zu 208, 262
Forderungen 83 Richtzahlen 39
Pensionsrückstellungen nach § 6a ROIEntscheidungsbaum 43
EStG 334 Rücklage für Ersatzbeschaffung
Periodenabgrenzung 78 330
Permanente Inventur 73 Rückstellungen 99, 144, 170,
Potenzielle Anleger 26 257, 326
ProduktgruppenAnalyse 254
Produktionswert 223 Sachbezogene Aufgaben 22
Prozesse 104 Schätzung 65

396
Stichwortverzeichnis

SchmalenbachGesellschaft (SG) UmsatzRentabilität 262


245 Umschlagshäufigkeit 264
Schwächenanalyse 350 der Forderungen aus Lieferun
SMAX (Small Caps Exchange) gen und Leistungen 196
381 der Verbindlichkeiten aus
SollIstVergleiche 47 Lieferungen und Leistun
Sonderabschreibungen 94 gen 198
Sondereinflüsse 246 der Vorräte 195
Spitzensteuersatz 340 des Kapitals 198
Staffelform 113 Ungewöhnliche Vorgänge 247
Standardisiertes Formular 173, Untergliederungen 126
174, 177 Unternehmensergebnis 153
Stärkenanalyse 350 Unternehmensleitung 29
Steuerbelastung 281 USGAAP 306
Steuerbilanz 31, 66 USGAAPAbschluss 379
Steuergesetze 315
Steuerliche Tätigkeiten 320 Veränderungsbilanz 231
Steuerung der Gewinnausschüt Verbindlichkeiten 100
tung 280 Verbindlichkeiten aus Lieferungen
Steuervorauszahlungen 323 und Leistungen 266
Stichprobeninventur 73 Verbrauchsfolgeverfahren 82
Stichtagsbewertung 78 Verfügbarkeit der Daten 53
Stichtagsinventur 72 Vergleichsrechnungen 45
Strategische Unternehmensana Verhältniszahlen 38
lysen 350 VerkaufsgebietsAnalyse 255
Stromgrößen 104 Verkürzungen 124, 125
Strukturanalyse 187 Verlegte Inventur 72
Strukturbilanz 167 Verlustabzug 341
Strukturen 104 Verlustausgleich 341
StrukturGuV 175 Vermögensgegenstände
sonstige 138
Teilanalysen 186 Vermögenslage 112
Teilwert 87 Vermögensstruktur 188, 272
Teilwertabschreibung 94, 325 Vermögensteuerbilanz 67
TopDownPlanung 43 Vermögensveränderungen 194
Transparenz und Publizitätsge Verschuldungsgrad 197
setz (TransPuG) 383 Verwendungsrechnung 225, 271
Vorbereitungsarbeiten 124
Überprüfung der Finanzbuchhal Vorgänge
tung 316 außerordentliche 247
Umgruppierungen 125 dispositionsbedingte 247
Umlaufvermögen 136 ungewöhnliche 247
Umsatzkostenverfahren 117, 164 Vorleistungen 224

397
Stichwortverzeichnis

Vorräte 97, 136 nicht begünstigte 337


Vorratsquote 195 Working Capital 216, 278

Wahlrechte 296 Zeitbezogene Aufgaben 23


Wahrheitsgehalt der Zahlen 49 Zeitraumrechnung 229
Wertekreislauf Zeitvergleiche 46
betrieblicher 102 Zeitwert 88
Wertmäßige Aufbereitungen 127 Zusammenfassungen 126
Wertorientiertes Führungssystem Zuschlagskalkulation 86
354
Wertpapiere 99, 139
Wertschöpfung 225, 270
Analyse 223
Entstehungsrechnung 270
Wertsteigerung 356
Wirtschaftsgüter

398
ROIAnalyse

ROI

UmsatzRentabilität Kapitalumschlagshäufigkeit

Marktebene Finanzebene

Marktziele Finanzziele
Produktgruppen
Umsatz Verkaufsgebiete
Gewinn + Kundengruppen
Deckungs
Fremdkapital Gewinn –
beitrag
zinsen Fertigungsmaterial
Variable
Fertigungslöhne
Kosten
variable Gemeinkosten
Umsatz
: + x
Rentabilität
Marketing + Vertrieb
Spezielle
Produktion
Fixkosten
Materialwirtschaft
Fremdkapital
Umsatz Fixe Kosten
zinsen
Unternehmensleitung
Allgemeine
Finanz und Rechnungswesen
Fixkosten
Allg. Verwaltung

Immaterielle Konzessionen, Lizenzen


ROI Vermögens Software
gegenstände Geschäfts oder Firmenwert

Grundstücke, Gebäude
Eigen Anlage Maschinelle Anlagen
Umsatz Sachanlagen
kapital vermögen Fuhrpark
Betriebs und Geschäftsausst.

Finanz Beteiligungen
Kapital anlagen Ausleihungen
: + +
umschlag
Roh, Hilfs u. Betriebsstoffe
Vorräte
Halb und Fertigfabrikate
Zielhierachie der ROIAnalyse

Gesamt Fremd Umlauf Forderung. aus Lief. + Leist.


Forderungen
kapital kapital vermögen Sonstige Forderungen

Kasse
Forderungen Bank
Postgiro
Unternehmensergebnis

Ordentliches
+ Neutrales Ergebnis
Betriebsergebnis

Betriebliche Neutrale Neutrale Auf


NettoUmsatzerlöse – –
Aufwendungen Erträge wendungen

Brutto Sonstiger
Erlös Material Personal
Umsatz – + + betriebl.
schmälerung aufwand aufwand
erlöse Aufwand
Zusammensetzung der
Unternehmensergebnisse

Betriebs Perioden Außer


Betriebsfremde Periodenfremde Außerordentliche
fremde + fremde Er + ordentliche + +
Aufwendungen Aufwendungen Aufwendungen
Erträge träge Erträge
Gliederung der Bilanz

Aktiva
Ausstehende Einlagen auf das gezeichnete Kapital

A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände:
1. Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und
Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten;
2. Geschäfts oder Firmenwert;
3. geleistete Anzahlungen;

II. Sachanlagen:
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der
Bauten auf fremden Grundstücken;
2. technische Anlagen und Maschinen;
3. andere Anlagen, Betriebs und Geschäftsausstattung:
4. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau;

III. Finanzanlagen:
1. Anteile an verbundenen Unternehmen;
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen;
3. Beteiligungen;
4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht;
5. Wertpapiere des Anlagevermögens;
6. Sonstige Ausleihungen.

B. Umlaufvermögen:
I. Vorräte:
1. Roh, Hilfs und Betriebsstoffe;
2. unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen;
3. fertige Erzeugnisse und Waren;
4. geleistete Anzahlungen;
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände:
1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen;
2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen;
3. Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht;
4. sonstige Vermögensgegenstände;

III. Wertpapiere:
1. Anteile an verbundenen Unternehmen;
2. eigene Anteile;
3. sonstige Wertpapiere;

IV. Schecks, Kassenbestand, Bundesbank und Postgiroguthaben, Guthaben bei


Kreditinstituten.

C. Rechnungsabgrenzungsposten:
Bilanzsumme
Passiva
A. Eigenkapital:
I. Gezeichnetes Kapital;
II. Kapitalrücklage;
III. Gewinnrücklagen;
IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag;
V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag.

B. Rückstellungen:
1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen;
2. Steuerrückstellungen;
3. Sonstige Rückstellungen.

C. Verbindlichkeiten:
1. Anleihen;
2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
3. Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung
eigener Wechsel;
6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsver
hältnis besteht;
8. Sonstige Verbindlichkeiten.

D. Rechnungsabgrenzungsposten:
Bilanzsumme
Gewinn und Verlustrechnung nach
dem Gesamtkostenverfahren

1. Umsatzerlöse
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen
3. Aktivierte Eigenleistungen
4. Gesamtleistung
5. Sonstige betriebliche Erträge
6. Materialaufwand
7. Personalaufwand
8. Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen
9. Sonstige betriebliche Aufwendungen
10. Betriebsergebnis
11. Erträge aus Beteiligungen, Wertpapieren
12. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
13. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
14. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
15. Finanzergebnis
16. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
17. Außerordentliche Erträge
18. Außerordentliche Aufwendungen
19. Außerordentliches Ergebnis
20. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
21. Sonstige Steuern
22. Jahresüberschuss
23. Einstellungen in die Gewinnrücklagen
24. Bilanzgewinn
Gewinn und Verlustrechnung nach
dem Umsatzkostenverfahren

1. Umsatzerlöse
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistung
3. Bruttoergebnis von Umsatz
4. Vertriebskosten
5. Allgemeine Verwaltungskosten
6. Sonstige betriebliche Erträge
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Betriebsergebnis
9. Erträge aus Beteiligungen, Wertpapieren
10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
11. Abschreibungen auf Finanzanlagen
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
13. Finanzergebnis
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
15. Außerordentliche Erträge
16. Außerordentliche Aufwendungen
17. Außerordentliches Ergebnis
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
19. Sonstige Steuern
20. Jahresüberschuss
21. Einstellung in die Gewinnrücklagen
22. Bilanzgewinn
Gesamtkostenverfahren

1. Umsatzerlöse
2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen
3. Andere aktivierte Eigenleistungen
4. Sonstige betriebliche Erträge
5. Materialaufwand:
a) Aufwendungen für Roh, Hilfs und Betriebsstoffe und für bezogene Waren
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen
6. Personalaufwand:
a) Löhne und Gehälter
b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und
Unterstützung, davon für Altersversorgung
7. Abschreibungen:
a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und
Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung
und Erweiterung des Geschäftsbetriebes
b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der
Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen
9. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen
10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
11. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen
12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen
14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
15. Außerordentliche Erträge
16. Außerordentliche Aufwendungen
17. Außerordentliches Ergebnis
18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
19. Sonstige Steuern
20. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Umsatzkostenverfahren

1. Umsatzerlöse
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
3. Bruttoergebnis vom Umsatz
4. Vertriebskosten
5. Allgemeine Verwaltungskosten
6. Sonstige betriebliche Erträge
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen
9. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des
Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen
10. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen
11. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens
12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen
13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
14. Außerordentliche Erträge
15. Außerordentliche Aufwendungen
16. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
17. Sonstige Steuern
18. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Standardisiertes
Formular–Strukturbilanz

Geschäftsjahr:
Firma Branche
Aktiva T€ % T€ %

A. Anlagevermögen
1. Immaterielle Vermögens
gegenstände
2. Sachanlagen
3. Finanzanlagen

Summe Anlagevermögen

B. Umlaufvermögen
1. Vorräte
1.1 Roh, Hilfs
und Betriebsstoffe
1.2 Fertige und unfertige
Erzeugnisse und Waren
2. Forderungen und sonstige
Vermögensgegenstände
2.1 Forderungen aus Lieferungen
und Leistungen
3. Flüssige Mittel

C. Rechnungsabgrenzungsposten

Summe Umlaufvermögen
Bilanzsumme 100 100
Geschäftsjahr:
Firma Branche
Passiva T€ % T€ %

A. Eigenkapital
1. Gezeichnetes Kapital
2. Kapitalrücklage
3. Gewinnrücklagen
4. Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Summe Eigenkapital
B. Rückstellungen
1. Pensionsrückstellungen
2. Steuerrückstellungen
3. Sonstige Rückstellungen

C. Verbindlichkeiten
1. Langfristige Verbindlichkeiten
2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen
und Leistungen
3. Sonstige Verbindlichkeiten

D. Rechungsabgrenzungsposten
Summe Fremdkapital
Bilanzsumme 100 100
Standardisiertes Formular –
StrukturGuV

Geschäftsjahr:
Firma Branche
Bezeichnung T€ % T€ %
1. Umsatzerlöse
2. Bestandserhöhung oder
Bestandsverminderung an
fertigen und unfertigen
Erzeugnissen und Waren
3. Aktivierte Eigenleistungen
4. Sonstige betriebliche Erträge
(Ordentliche betriebliche Erträge)

5. Gesamtleistung
6. Materialaufwand
a) Aufwendungen für Roh, Hilfs
und Betriebsstoffe
b) Aufwendungen für bezogene
Leistungen
7. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter
b) Soziale Abgaben und
Aufwendungen
8. Abschreibungen
a) Auf immaterielle
Vermögensgegenstände des
Anlegervermögens und
Sachanlagen
b) Auf Vermögensgegenstände
des Umlaufvermögens
9. Rückstellungen
10. Sonstige betriebliche Aufwendungen
(Ordentliche betriebliche
Aufwendungen)
11. Betriebsergebnis
[5–(6+7+8+9+10)]
Geschäftsjahr:
Firma Branche
Bezeichnung T€ % T€ %
12. Erträge aus Beteiligungen und
aus anderen Wertpapieren und
Ausleihungen des Finanzanlage
vermögens
13. Abschreibungen auf
Finanzanlagen und auf Wertpapiere
des Umlaufvermögens
14. Zinsen und ähnliche Aufwendungen
15. Finanzergebnis
[12–(13+14)]
16. Ergebnis der gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit (11+15)
17. Steuern vom Einkommen und
vom Ertrag
18. Sonstige Steuern
19. Gewinn/Verlust
(Ordentliches Betriebsergebnis)
[12–(13+14)]
20. Neutrale Erträge
(Betriebsfremde, periodenfremde,
außerordentliche Erträge)
21. Neutrale Aufwendungen
(Betriebsfremde, periodenfremde,
außerordentliche Aufwendungen)
22. Neutrales Ergebnis (20–21)
23. Unternehmensergebnis (19+22)
Entstehung und Verwendung der
Wertschöpfung

Umsatz Bestands Aktivierte Material Abschrei Sonstige


erlöse verände Eigen aufwand bungen Aufwen
rungen an leistungen dungen
fertigen und
unfertigen
Erzeugnissen

Gesamt Sonstige
leistung + Erträge

Produktions – Vorleistungen
wert

Wertschöpfung

Personal Rück Zinsen Steuern Gewinn


aufwand stellungen