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Indianer (2011)

Indianer (2011)

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Begleitbuch zur Sonderausstellung Herausgegeben von Christian Feest

Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim

Indianer – Ureinwohner Nordamerikas
Begleitbuch zur Sonderausstellung im Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim 8. April–6. November 2011

Das Projekt wurde ermöglicht durch:

Für Unterstützung danken wir:

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Informationen sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar ISBN 978-3-00-033347-7 Copyright © 2011 VER ANSTALTUNGS+KONGRESS GmbH Rosenheim Alle Rechte vorbehalten Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und die Verarbeitung durch elektronische Systeme.

Medienpartner:

Bildungspartner:

Gestaltung Cover: Veranstaltungs+Kongress GmbH Rosenheim Layout, Satz und Litho: Christian Feest Druck: OrtmannTeam GmbH, Ainring www.lokschuppen.de www.indianer-ausstellung.de

AUSSTELLUNGSORGANISATION Veranstalter
VER ANSTALTUNGS+KONGRESS GmbH Rosenheim

Projektbeteiligte
PR-Agentur Rosi Raab Ernst Bielefeld, Oliver Schach, Alfred Stemp, Christiane Ott-Berger Katja Mutschelknaus Nancy Chapple Weisser Studios Kerstin Schmäling LEICHT structural engineering and specialist consulting GmbH Cornelia Gerstenberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Objektmontage Lektorat Übersetzungen Medien Beratung Statik Tipis Museumsshop Schriftleiter, Redaktion, Übersetzungen, Grafische Gestaltung Übersetzungen Lektorat Fotoredaktion und Bildbeschaffung Leitung Fotoatelier Fotos Museum für Völkerkunde Bildbearbeitung Kartografie

Wissenschaftlicher Kurator
Prof. Dr. Christian Feest

Ausstellungsgestaltung und Corporate Design
planetz Architektenpartnerschaft aigner.böttcher.design Markus Baukholt Torsten Hartmann Claudia Aigner Juliane Böttcher Stephanie Knittel Anita Nastav Agnes Lison Samira Götz Dr. Henriette Holz

Katalog
Christian Feest Christine Zackel Elisabeth Herrmann, Anette Schäfer Tina Maria Seyfried Stefan Zeisler Georg Molterer Alexander Rosoli Michael Aumüller Sandra Hofmann

Büro für Museumsberatung

Veranstaltungsvorbereitung und -organisation
Ausstellung und Katalog sind ein Kooperationsprojekt mit dem Kunsthistorischen Museum Wien KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN Dr. Sabine Haag Gesamtleitung KHM Christian Hölzl Ausstellungsmanagement Friederike Hillebrand Ausstellungsorganisation- und -koordination Susanne Pink Objektmontagen Elisabeth Tarawneh AUSSTELLUNGSZENTRUM LOKSCHUPPEN ROSENHEIM Peter Lutz, Dipl. Sportökonom Geschäftsführer Dr. Peter Miesbeck Projektleitung Elisabeth Scheueregger M.A. Projektassistenz, Registrar Sarah Smyka Marketing, Werbung Annette Gallner Grafik, Layout Buchcover Stefanie Kießling, Dipl.Kult.wiss. Ausstellungsführungen, Audio-Guide Nina Schmidt M.A. Museumspädagogik, Indianer-Parcours Caroline Brunnthaler Dipl. Betriebsw. (FH) Besucherservice, Systemadministration Petra Wanninger Besucherservice, Sekretariat Hildegard Schwarzmüller Besucherservice, Call Center Ingeborg Eberle, Brigitte Pillath Kaufmännische Verwaltung Walter Feuerer, Robert Kopetz Technische Leitung Peter Brückner, Benedikt Hopf , Anton Zacherl, Franz Kastenhuber, Anton Schmid Technik Bernd Kühnhauser, Maximilian Hertelt Druck, Werbebanner

Wir danken unseren Leihgebern
BASEL, Museum der Kulturen BR AUNSCHWEIG, Stadt Braunschweig, Fachbereich Kultur, Städtisches Museum DRESDEN, Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Ethnografische Sammlungen Sachsen, Staatliche Kunstsammlungen FR ANKFURT A.M., Museum der Weltkulturen FREIBURG I. BR., Ethnologische Sammlung, Städtische Museen Freiburg FRIBOURG, Universität Freiburg Schweiz, Seminar für Sozialanthropologie HELSINKI, Museovirasto HILDESHEIM, Roemer- und Pelizaeus-Museum LILLE, Cité de Lille, Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie MÜNCHEN, Firma Sonnewald MÜNCHEN, Staatliches Museum für Völkerkunde München MÜNCHEN, Winona GmbH, Heinrich Bründl OSLO, Kulturhistorisk Museum, Etnografisk seksjon STUTTGART, Linden-Museum STUTTGART, Privatsammlung TALLINN, Eesti Ajaloomuuseum TERVUREN, Musée Royal de l’Afrique Centrale VATIKANSTADT, Musei Vaticani, Museo Missionario Etnologico WIEN, Kunsthistorisches Museum, Münzkabinett WIEN, Museum für Völkerkunde WIEN, Privatsammlung

INHALT
7 Grußwort Gabriele Bauer Einleitung und Danksagung Christian Feest 67 VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE Christine Zackel Grönland, 1721–1979 Überlebensfragen Seelenheil Tupilak: Von der Magie zur Kunst Gesellschaft Ein Haus aus Ikerasaarsuk

8

67 70

11

„INDIANER“ Christian Feest Wer kennt die Völker, nennt die Namen ...?

73 77

11 14 18 22 24

80 Sprachen und Kulturen: Vielfalt ohne Einheit? 84 Ursprünge: Mythen und Wissenschaft Die „Indianer“ und wir Pocahontas Superstar 87 27 ERSTER KONTAKT Henry Kammler Mowachat, 1778 102 29 36 38 43 Die Hausgesellschaft erhält Besuch Die Waljagd Die Gäste übernehmen das Haus 105 Fremde im eigenen Haus 107 47 DAS LAND Christian Feest Revolution, 1775–1783 „Niedergelassene Indianer“ Iroquois 125 60 62 Wampum 128 Land als Erinnerung und Zukunft Gawan Maringer 134 125 114 117 47 52 56 105 90 99 27 87

RUSSISCHES AMERIKA Sonja Lührmann Das Zarenreich in Nordamerika Aleut, Tlingit, Kreolen Der Außenposten in Kalifornien Was von Russisch-Amerika blieb

ANPASSUNG UND WIDERSTAND Peter Bolz Sioux: Von der Bisonjagd zur Reservationskultur Lebensraum, frühe Geschichte und Kultur Der Kampf um das Land der Lakota Leben auf der Reservation

MISSION Sylvia S. Kasprycki Das Seengebiet im 19. Jahrhundert Zivilisation und Christentum Bekehrung

140

Religion im Bild

203

KUNST UND HANDWERK Christian Feest „Indianerkunst“ Frauenkünste Männerkünste Veränderung als Tradition Nampeyo und ihr Erbe Tom G. Svensson

145

DIE COMANCHE Matthias Dietz-Lenssen Die Herren der südlichen Plains

203 205

145 148 153

210 Adel verpf lichtet 216 Die Comanche heute Marthe Thorshaug 218

159

KRIEGE UND KLISCHEES Christer Lindberg Die Apache in der westlichen Vorstellung

223

DIE „NEUEN INDIANER“ Cora Bender Indigene Moderne Powwow, Patriotismus und Popmusik Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft Christian Feest

159 160 165 172

223 Das Land und seine Leute 227 Die Eroberung der Apachería 232 Die Apache heute

177

KATSINAM Hans-Ulrich Sanner Die Ursprünge und das Land der Hopi Der Kreislauf des Lebens und der Zeremonien Die Katsinam Kultur im Wandel

239

VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE Christian Feest und Christine Zackel

177 180 184 188

191

GLASPERLEN Christian Feest Zwischen Manhattan und Hongkong Technik Stil

191 194 198

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. dem Jaguar House Rosenheim. Die Ausstellung "Indianer – Ureinwohner Nordamerikas" ist in enger Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien entstanden. Hunderte. und im Galopp über die Prärie jagt. wofür ich der Generaldirektorin Frau Dr. so bunt wie die Kostüme. Mein herzlicher Dank für die finanzielle Förderung der Ausstellung gilt der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. Gestaltung und Layout stammen vom Team der planetz Architektenpartnerschaft. Über diesem Bild weht der Hauch des Abenteuers. bis vor kurzem Direktor des Museums für Völkerkunde Wien. Christian Feest. Die Indianergeschichten von Karl May und vor allem auch die vielen Wildwestfilme haben dazu beigetragen. sondern der facettenreichen Kultur der nordamerikanischen Indianerstämme auch in keiner Weise gerecht wird. sein Land und seine Kultur gegen das Vorrücken der weißen Siedler zu verteidigen. Selbstverständlich werden auch die großen Momente ihrer Geschichte erzählt – vom ersten Kontakt mit Europäern bis zum Eintausch der Insel Manhattan gegen eine Handvoll Glasperlen. das in Tipis lebt und Rauchzeichen von sich gibt. Heute wissen wir. Unsere Vorstellungen vom Leben der Indianer waren die längste Zeit von Vorurteilen geprägt. Mein besonderer Dank gilt Professor Dr. den Tomahawk in der Hand. Von den indigenen Stämmen an der Nordwestküste Amerikas. bereit. Ich danke den Medienpartnern National Geographic Deutschland. zum Teil äußerst seltene Ausstellungsstücke führen die Besucher auf eine historische Reise durch den nordamerikanischen Kontinent. wenn sie im Fasching als Indianer gehen.und Kongress GmbH Rosenheim. bis zu den legendären Sioux und Apache werden zahlreiche Indianerstämme detailgetreu porträtiert. der McDonald's Heinritzi Betriebs GmbH sowie allen weiteren Sponsoren. Sabine Haag sehr herzlich danke. Aigner-Böttcher-Design und dem Büro für Museumsberatung. G/Geschichte.Grusswort Kaum et was hat unsere Vorstellung vom Wilden Westen so geprägt wie das Bild vom Indianerhäuptling im Federschmuck. dass dieses Bild nicht nur maßlos überzeichnet ist. dem Freundeskreis Lokschuppen Rosenheim e. in denen Helden wie Winnetou die Hauptrolle spielten. Es ist in den glühenden Farben unserer Kindheitserinnerungen gemalt.V. der seine jahrzehntelange Erfahrung und sein herausragendes Wissen über die Geschichte und Kultur der nordamerikanischen Indianer in die Ausstellung einbrachte. über die Stämme der Prärie und des Gebiets der Großen Seen. Eine ausstellungsbegleitende Lehrerfortbildung wird in bewährter Weise zusammen mit dem Museumspädagogischen Zentrum München und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit angeboten. als sich die Europäer der indigenen Bevölkerung Nordamerikas gegenüber in einer überlegenen Position wähnten. Die bunten Farben einer romantischen Indianerschwärmerei spielen darin ebenso hinein wie das Schwarz-Weiß-Denken vergangener Zeiten. Das Ausstellungszentrum Lokschuppen räumt nun in der größten Indianerausstellung Europas mit dem Klischee vom kriegerischen Indianervolk auf. die Kinder tragen. Ich wünsche der Ausstellung im Namen der Stadt Rosenheim den verdienten Erfolg sowie den zahlreichen großen und kleinen Indianer-Fans einen spannenden und angenehmen Aufenthalt im Ausstellungszentrum Lokschuppen und in der Stadt Rosenheim. den Stadtwerken Rosenheim. der hoch zu Ross sitzt. dem Wirtschaftlichen Verband der Stadt und des Landkreises Rosenheim. Gabriele Bauer Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim 7 . dass wir uns das Leben der Indianer oft in den kühnsten Farben vorstellen. B 5 aktuell und dem OVB Medienhaus für ihre unterstützende Berichterstattung. Für die Projektleitung sorgt in bewährter Weise das Team der Veranstaltungs.

das einst im Einklang mit der Natur gelebt hat. schief in der Luft. die vor mehr als 500 Jahren mit der unerwarteten Entdeckung der für Europa „Neuen Welt“ und ihrer Bewohner begann. die nicht nur in unserer Phantasie den Apache benachbart sind. haben sich uns als böse Kerle eingeprägt. Jahrhundert hat ein Interesse an „indianischer Spiritualität“ das frühere Interesse an kriegerischem Heroismus weitgehend verdrängt. bringen doch die meisten von ihnen einen oft stark emotional geprägten Erfahrungsschatz mit dem „Indianer“-Thema in solche Ausstellungen mit. Sie können allein schon deswegen kein „sterbendes Volk“ sein. gehört ebenso zum Allgemeinwissen wie die Tatsache. die wir uns selbst erdacht haben. Jahrhundert die weitere Entwicklung in eine andere Richtung lenkte. in deren Mittelpunkt jeweils das Schicksal bestimmter indigener Einwohner Nordamerikas zu einem bestimmten Zeitpunkt steht oder die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in vergleichender Perspektive ergründet werden. Ureinwohner Nordamerikas wendet sich ausgewählten Aspekten der Geschichte und Gegenwart dieser vielen Völker vor dem Hintergrund unserer Anschauungen über „die Indianer“ zu. Das Beispiel von „Kunst“ und Handwerk zeigt schließlich. dass die Geschichten. Dr. doch ist es möglich. Die Ausstellung Indianer. Jahrhundert eine zentrale Rolle im indigenen militärischen Widerstand gegen die Expansion der Vereinigten Staaten und die damit erzwungenen Veränderungen der traditionellen Lebensweisen. denn es gab keine Sporen. und doch waren sie der einzige Stamm.-Prof.“ Der „Wunsch. Ein Blick auf die religiösen Anschauungen und Praktiken der Hopi enthüllt die enorme Komplexität des zu Grunde liegenden Weltbilds. die ebenso ein Produkt der kolonialen Erfahrung sind wie die heutigen „Native Americans“ und „First Nations“. So wird das alle indigenen Völker zu unterschiedlichen Zeiten betreffende Ereignis des ersten Kontakts mit den Europäern am Beispiel der Nootka (oder Nuuchahnulth) von British Columbia dargestellt. Seine Geschichte war in erster Linie nicht von europäischer Siedlungskolonisation bestimmt. Die Nachkommen der Ureinwohner Nordamerikas leben heute in pluralistischen Nationalstaaten in Gemeinschaften. wenngleich hier die indigene Bevölkerung wesentlich heterogener war als in Grönland und der Wechsel der kolonialen Herrschaft im 19. Die Nachkommen der nordamerikanischen Urbevölkerung stellen heute die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in den USA und Kanada dar und haben das Pferd gegen das Auto eingetauscht. Christian Feest Kurator der Ausstellung 8 . Univ. den sie sich durch die Lektüre der einschlägigen Belletristik oder den Konsum von Wildwest-Filmen angeeignet haben. den Franz Kaf ka 1912 mit diesen Worten beschrieb. die die Welt erzählt. aber leider ein Opfer des unauf haltsamen Vordringens unserer Zivilisation geworden ist. bis man die Zügel wegwarf. schon ohne Pferdehals und Pferdekopf. die Verdrängung der Urbevölkerung von ihrem Land anhand der Situation im Tal des Saint Lawrence Rivers zur Zeit der Amerikanischen Revolution. Zugleich trugen sie gerade deswegen ganz besonders zur konkreten Ausgestaltung der euroamerikanischen Vorstellungen von „den Indianern“ bei. ebenso spannend sein können wie jene. Ausstellung und Katalog erzählen. Von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der unter der Sammelbezeichnung „Indianer“ firmierenden Gruppen kann keine Ausstellung jemals ein vollständiges Bild vermitteln. Jahrhundert geschildert. sondern viele höchst unterschiedliche Völker. gleich bereit und auf dem rennenden Pferde. Die Sioux und die Apache spielten im späten 19. So wird die Ausstellung Indianer. sondern von Handel und der Ausbeutung von Rohstoffen. Grönland war das erste ethnografisch zu Nordamerika zählende Gebiet. Ihre Geschichte im Verlauf der vergangenen 500 Jahre ist auch ein Lehrstück zur Illustration von Prozessen der Globalisierung. Ureinwohner Nordamerikas vielleicht einen kleinen Beitrag zur Einsicht liefern können. zehn Geschichten. die man sich erwarten könnte. Und doch hat das alles mit der Wirklichkeit kaum etwas zu tun. denn es gab keine Zügel. die selbst pluralistisch geworden sind. die zu „Indianern“ erst durch den Kontakt mit der westlichen Welt geworden sind. wie die Veränderung der traditionellen Lebensweisen nicht nur durch die Übernahme und Anpassung materieller Güter. Obwohl die wenigsten Besucher jemals persönlichen Kontakt mit den Nachkommen der amerikanischen Urbevölkerung hatten. ohne dabei ihre heterogene Herkunft verleugnen zu können oder zu wollen. wird durch eine Betrachtung von Glasperlenarbeiten aus verschiedenen Teilen des Kontinents illustriert.Einleitung Für ethnologische Museen ist das Thema „Indianer Nordamerikas“ ein Dauerbrenner. dass die Indianer ein „sterbendes Volk“ sind. die Auseinandersetzung mit Christentum und westlicher Zivilisation mit einem Blick auf die Verhältnisse im westlichen Seengebiet im frühen 19. und kaum das Land vor sich als glatt gemähte Heide sah. Dass „ein Indianer keinen Schmerz kennt“. die sich nicht auf den „Großen Geist“ oder „Schamanismus“ reduzieren lassen. weil wenige andere Ausstellungen über ferne Völker so sehr das anhaltende Interesse eines breit gestreuten Publikums erregen. in dem die Urbevölkerung am Ende der kolonialen Epoche einen autonomen Status erhielt. sondern insbesondere auch von Ideen und Konzepten ausgelöst wird. „Wenn man doch ein Indianer wäre. wird von vielen Menschen unserer Breiten insgeheim geteilt und ist Teil einer Faszination. der jemals mit deutschen Siedlern einen eigenen Vertrag abschloss. in denen die weltweite Verbreitung von Gütern und Ideen auf lokaler Ebene nicht zu jener Uniformität führt. umrahmt von einer Einführung und einem Blick auf die Gegenwart. Die Comanche. Dass Handelsgüter durch ihre unterschiedliche lokale kulturelle Einbettung gleichzeitig neue Gemeinsamkeiten bewirken und vorhandene Unterschiede neu artikulieren können. immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden bis man die Sporen ließ. Dasselbe gilt für das „Russische Amerika“. weil sie niemals ein Volk waren. an Einzelbeispielen sowohl gewisse wiederkehrende Elemente der Geschichte der Beziehungen zwischen dem indigenen Nordamerika und den europäischen Eroberern herauszuarbeiten als auch wenigstens einen Hauch der reichen kulturellen Vielfalt der ersten Amerikaner zu vermitteln. Indianer zu sein“. Im 20.

allerdings ausschließlich auf Frankfurter Beständen beruhte. die sich in die illustre Schar der Leihgeber einreihen. stammt. wie die Städtischen Museen Freiburg. Indianer. Die ethnografische Sammlung des Kulturhistorisk Museum in Oslo verfügt mit der Kollektion Ole Solberg über eine bedeutende Gruppe von Gegenständen zur Religion der Hopi. Von der inhaltlichen Konzeption lehnt sich die Ausstellung Indianer. Sie unterscheidet sich der ersten Fassung durch neue Leihgeber. Dr. Jahrhunderts und ganz besonders die Objekte. Ureinwohner Nordamerikas im Lokschuppen Rosenheim ist die Weiterentwicklung einer gleichnamigen Ausstellung. die die mit dem Prozess der Entlehnungen verbundene nicht geringe Last auf sich genommen haben und die mir teilweise über lange Jahre hinweg den Zugang zu ihren Beständen ermöglicht haben.-Prof. die sich gut in unsere Ausstellungsthemen einfügen. dass sich gerade in kleinen städtischen Museen wichtige und wertvolle Sammlungen zur Geschichte und Ethnografie Nordamerikas befinden. Christian Feest Kurator der Ausstellung 9 . die ihre ebenso bedeutenden Sammlungen auch in eigenen Ausstellungen zeigen können. weltweit größte Grönland-Sammlung des frühen 19. die unseren Blick auf die Missionslandschaft des westlichen Seengebiets erweitern. Zu den deutschen Museen. die aus dem Umfeld der von österreichischer Seite finanziell und personell unterstützten katholischen Missionstätigkeit in der damals riesigen Diözese Detroit stammen. Dazu zählen nicht allein die auf die dritte Weltreise von James Cook zurückgehenden Sammlungen von der Pazifikküste des nordwestlichen Nordamerika. die in den Jahren 2002 bis 2004 im Museum der Weltkulturen in Frankfurt gezeigt wurde. das Roemer-Pelizaeus-Museum Hildesheim und das Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main. das Museum der Kulturen Basel. dem ehemals russischen Teil Amerikas. an dessen Kolonisation Finnen und Balten in russischen Diensten erheblichen Anteil haben. Jahrhunderts. Museen wie das Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie in Lille. Nachrichten aus dem roten Amerika an. In beiden Fällen wurden ausschließlich europäische Museen um Leihgaben angefragt. dass wir auf Leihgaben aus manchen der größeren Häusern. ohne deren Professionalität und persönlichen Einsatz diese Ausstellung nie von der Idee zur Wirklichkeit gereift wäre. die Solberg 1904 erforschte. die 2008 auf der Schallaburg in Niederösterreich zu sehen war. Ihr Beispiel macht ganz besonders deutlich. Das Museum verfügt ferner über umfangreiche Belegstücke für die Entwicklungen des späten 20. Das gilt auch für das zu den Vatikanischen Museen zählende Museo Missionario Etnologico und die Sammlung des Seminars für Sozialanthropologie der Universität Freiburg (CH). wobei der Schwerpunkt der nordamerikanischen Bestände des Museovirasto Helsinki und des Eesti Aajajoomuuseum in Tallin aus Alaska. wie das Staatliche Museum für Völkerkunde München. Dies zu demonstrieren. Ebenso aufrichtig ist mein Dank an die Generaldirektorin und die Ausstellungsabteilung des Kunsthistorischen Museums mit Museum für Völkerkunde und Österreichischem Theatermuseum. weil viele der frühesten und interessantesten Kulturdokumente zur Geschichte des indigenen Nordamerika in Europa verwahrt werden und jedenfalls durch den früheren Sammlungsbeginn einen Blick auf einen größeren Zeitraum der Entwicklung ermöglichen. das Teil der Staatlichen Ethnografischen Sammlung Sachsen ist. zählen große staatliche Museen. Ureinwohner Nordamerikas an die von mir im Rahmen eines mit Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt am Main durchgeführten Projekts kuratierte Ausstellung Indian Times. das Linden-Museum Stuttgart und das Museum für Völkerkunde Dresden. sondern auch die von Wolfgang Amadeus Mozarts Freund Karl Ludwig Giesecke angelegte. Unser Dank gilt in erster Linie also all diesen musealen Leihgebern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. aber auch Stücke. aber auch städtische Einrichtungen. und auch das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums in Wien verfügen über besonders seltene und teilweise sehr alte Einzelstücke. Ureinwohner Nordamerikas wurde auf der Grundlage der reichen und international bedeutenden Sammlungen des Museums für Völkerkunde Wien konzipiert und spiegelt in ihrer Themenauswahl auch die besonderen Stärken von dessen Beständen wider. noch bevor das Thema von amerikanischen Museen als wichtig erkannt wurde. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums für Völkerkunde Wien und das Projektteam des Lokschuppens Rosenheim.Danksagung Die Ausstellung Indianer. war ein wichtiges Anliegen und hat dazu beigetragen. das Musée Royal de l’Afrique Centrale in Tervuren (wo man kaum nordamerikanische Sammlugen erwarten würde). das Städtische Museum Braunschweig. Univ. die von norwegischen Auswanderern gesammelt worden waren. die zum Teil gesammelt wurden. ein neues Kapitel und die andere Art der Gestaltung. die aber erst in einem größeren Zusammenhang ihre Bedeutung adäquat unter Beweis stellen können. verzichtet haben. Die drei größten Leihgeber (abgesehen von Wien) kommen aus Skandinavien und dem Baltikum.

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und Fremdbewusstsein darstellen. Die heutige deutsche Bezeichnung „Indianer“ ist etwas weniger problematisch als das englische „Indians“ oder das französische „Indiens“. Namen spiegeln die Begriffe wider. die freilich ebenso willkürlich ist wie der manchmal angestellte Versuch. dass sie etwas gemeinsam hatten. Arizona. sehr viel später und keineswegs durchgehend Wirklichkeit geworden. Sind Namen Schall und Rauch? Die Geschichte der Bezeichnungen für die Völker Nordamerikas gibt auf diese Frage eine doppeldeutige Antwort: Sie belegt die Veränderlichkeit der auf diese Völker insgesamt und im Einzelnen angewandten Namen.? Seit Kolumbus im Jahr 1492 die Bevölkerung der Antillen für Bewohner Indiens hielt. sie macht aber auch deutlich. Die betroffenen Bevölkerungen. Auf das Auf kommen einer politischen „Indianer“-Bewegung in den USA in den sechziger Jahren des 20. die sich tapfer dem aussichtslosen Kampf mit der amerikanischen Armee stellten. wo man heute generell von „indigenas“ spricht. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Rinehart. Ansätze zu einer „panindianischen“ Identität gehen auf die Erfahrung eines gemeinsamen Schicksals unter kolonialer Herrschaft zurück und treten ab dem 18. und 19. Cheyenne“. 1898. Keineswegs alle Stämme verwendeten jedoch Federhauben und selbst auf den Plains waren sie den Mitgliedern bestimmter Kriegerbünde vorbehalten. Die Eulenfedern galten als besonderer Schutz vor allem gegen die Totengeister der verstorbenen Verwandten. Foto: Frank A. nennt die Namen . um 1900. als durch Bücher. sprachlichen und ethnischen Vielfalt des Kontinents gerecht wird. In der Mehrzahl der Fälle kommt aber auch heute eine solche „indianische“ Identität nur zusätzlich zu einer enger gefassten „Stammes“Identität vor. einen Gegensatz von (nordamerikanischen) „Indianern“ zu (lateinamerikanischen) „Indios“ herzustellen. Im Gegensatz zu einer Pauschalbezeichnung für alle eingeborenen Völker Nordamerikas gab es natürlich bereits in voreuropäischer Zeit „INDIANER“ 11 . Museum für Völkerkunde Wien. Western Apache. dass die indigenen Bevölkerungen heute ein Teil moderner Nationalstaaten sind. Jahrhunderts geht die Bezeichnung „Native Americans“ zurück. Ein Lakota. sind aber nur langsam.. tragen die Nachkommen der Urbevölkerung Amerikas den Namen „Indianer“. dass Namen einen sehr sensiblen Bereich im ethnischen Selbst. Landauer) Lederkappen. wurden von jungen und alten Männern der Apache im Krieg oder bei zeremoniellen Anlässen getragen. die ihre Benutzer zur Ordnung der ethnischen Umwelt verwenden. mit dem alle Völker Amerikas bezeichnet wurden.. vor allem diejenigen auf den Reservationen. was sie von den Weißen unterschied. durch welches die Vielfalt der amerikanischen Völkerwelt an einen weniger differenzierten Umgang mit diesen Völkern angepasst und auf „das Andere“ reduziert wurde. „Three Fingers. Jahrhundert. der freilich in keiner Weise der kulturellen. Die Bezeichnungen „Native Americans“ und „First Nations“ machen auch besonders deutlich. mittlerweile hat diese Welle von Umbenennungen in Richtung auf das lange Zeit verpönte Wort „Eingeborene“ auch Lateinamerika erfasst. der „wir Indianer“ sagt. verwenden den englischen Begriff „Indians“ mittlerweile vielfach als Synonym für die eigene Volksbezeichnung. denn erst durch den Kontakt mit den europäischen Eroberern wurde ihnen nach und nach klar.„INDIANER“ CHRISTIAN FEEST Wer kennt die Völker. Im Deutschen beschränkt sich die Differenzie- Federkappe. rung häufig auf eine Unterscheidung der „Indianer“ von den „Eskimos“. Die Einrichtung von Internatsschulen außerhalb der traditionellen Wohngebiete der betroffenen Völker ab dem späten 19. Fotosammlung Unsere Gleichsetzung von „Indianern“ mit „Federkopfschmuck“ stammt weitgehend aus dem 19. weil immerhin die Bewohner Amerikas von jenen Indiens problemlos unterschieden werden können. die mit Eulen.oder Truthahnfedern geschmückt sein konnten. Die populäre Bezeichnung „Indianer“ für die ursprünglichen Bewohner der Neuen Welt verkörpert ein Konzept des europäischen Kolonialismus. meint damit jedoch zumeist „wir Lakota“. Jahrhundert förderte diesen Prozess ebenso wie der steigende Besuchsverkehr zwischen den Reservationen und die zunehmende Verstädterung der indigenen Bevölkerungen nach dem Zweiten Weltkrieg. mit der das Erstlingsrecht dieser Völker ebenso betont wird wie mit der etwas später in Kanada geprägten Bezeichnung „First Nations“. Keine der vielen Sprachen Amerikas enthielt ein Wort. Fotografien und Wildwestshows Bilder von den berittenen Kriegern der Plains vermittelt wurden. und oft genug ist die Verfügungsgewalt über die Benennung ein wichtiges Indiz für die politischen Machtverhältnisse. Jahrhundert vor allem als politische Zielvorstellungen indigener Strategen auf.

Alphonse Forrer) Hüte und Kappen aus Flechtwerk fanden sich in weiten Teilen des westlichen Nordamerika.Mütze aus Gabelbockfell. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Schirmkappe. Kalifornien. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. um sich unbemerkt an die Beute anschleichen zu können. Die halbkugeligen Kopfbedeckungen der Frauen der Stämme Nordwestkaliforniens waren nicht nur Beispiele einer heute von Sammlern hoch geschätzten Korbf lechtkunst. um 1860. dienten in den kalten Wintern Kanadas als wärmende Kopfbedeckung. Dabei übertrugen sie auf den Schirm die Augenmotive. Yurok. 12 CHRISTIAN FEEST . um 1820. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. manchmal wie hier auch aus einem Tierkopf. Plains-Ojibwa. Geflochtene Kappe. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Schon wenige Jahre nach ihrer „Entdeckung“ durch die dänischen Kolonisten im Jahr 1884 hatten die Kalaallit Ostgrönlands die Schirmkappen der Dänen für ihre eigene Verwendung aus Seehundsfell nachgemacht. um 1900. Im wasserdichten Gef lecht lassen sich Flüssigkeiten mittels heißer Steine nach dem Tauchsiederprinzip erhitzen.und Essschalen verwendet werden. Fellmützen. vor allem wenn man unterwegs war. sondern konnten überdies auch als Koch. Kalaallit. die früher aus Walrosselfenbein auf den hölzernen Augenschirmen angebracht waren. mit denen sich Jäger gegen die Blendung durch das Sonnenlicht und seine Spiegelung im Wasser und auf dem Schnee schützten. Ostgrönland. Josef Klinger) In verschiedenen Teilen Nordamerikas verwendeten die indigenen Jäger Jagdverkleidungen aus den Köpfen von Rotwild.

dass die Athapasken des Mackenzie-Distrikts der kanadischen Northwest Territories sich als „Dene Nation“ politisch zusammengeschlossen haben. stellt sich wiederum die Frage der korrekten Schreibweise. So ist als Sammelbezeichnung „Eskimo“ jedenfalls vorzuziehen. während sie in den USA zu „Blackfeet“ geworden sind. offensichtlich abwertende Fremdbezeichnungen (wie etwa „Diggers“ für die Sammlervölker des intermontanen Beckens) zu gebrauchen.und Fremdbezeichnungen. Selbstverständlich kann niemand daran interessiert sein. Wenngleich die heute verwendeten Selbstbezeichnungen der historischen Wirklichkeit nicht entsprechen und übrigens auch nicht von der gesamten Gruppe gebraucht werden. aber nicht Teil derselben modernen politischen Einheit sind. „INDIANER“ 13 . sondern „Schneeschuhnetzer“ und sich eigentlich gar nicht auf die Eskimo. wobei zu den indigenen Fremdbezeichnungen noch jene hinzukamen. (Zu diesen offiziellen Bezeichnungen treten noch etliche allgemein übliche Varianten. wo einigermaßen Einigkeit über die passende Bezeichnung besteht. während sich ihre Verwandten in der westlichen Arktis „Yuit“. Dazu kommt. B. während ihre Verwandten und Nachbarn in Alaska und British Columbia zwar ähnliche Selbstbezeichnungen haben. deren überwiegende Bedeutung als „Menschen“ oder „wirkliche Menschen“ dem universellen Ethnozentrismus entspringt. Sie werden in Kanada zumeist Ojibwa (und so wird generell ihre Sprache bezeichnet). andererseits ist in der Mehrzahl der Fälle die et ymologische Bedeutung solcher ehemaliger Schimpfbezeichnungen heute nicht mehr aktiv (so wird z. wie allgemein zu lesen. Hermelinfell war selten und daher kostspielig. „Inupiat“ und „Inuvialuit“ und die Grönländer „Kalaallit“ nennen. in den USA aber Chippewa genannt. sondern der (weltweite) Unterschied von Selbst.Begriffe für die einzelnen Völker. abgeleitet vom Narragansett-Wort für „Menschenfresser“. „Mohawk“. Hier stellt nicht der Mangel einer gemeinsamen Bezeichnung das Problem dar. während man im Staat Minnesota auf der Schreibweise Ojibway (oder neuerdings Ojibwe) beharrt. die unter dem Namen Saulteaux bekannt sind. Das Stück stammt aus der Sammlung des deutsch-amerikanischen Malers Charles Schreyvogel (1861–1912) und diente ihm als Versatzstück für seine Bilder von "Indianern". Linden-Museum Stuttgart (Slg. Daraus folgt freilich keineswegs die Notwendigkeit oder Nützlichkeit ihres Gebrauchs als wissenschaftliche oder selbst umgangssprachliche Bezeichnung. Viele Athapaskisch sprechende Völker auch unterschiedlicher Kultur und soziopolitischer Zugehörigkeit bezeichnen sich etwa mit sprachverwandten Formen des Worts „Dené“. Wie zur Bestätigung der Wichtigkeit der nationalstaatlichen Zugehörigkeit heißen auch die Blackfoot nur in Kanada „Blackfoot“. Auf den Plains wurden sie in erster Linie von verdienten Kriegern bei zeremoniellen Anlässen getragen. Besonders krass ist der Fall der Leute. darüber hinaus wurde es von Kriegern wegen seiner symbolischen Bedeutung geschätzt. Eine Übernahme dieser Termini anstelle der bislang üblichen Stammesnamen (wie „Navajo“. Ausnahmen bilden jene nordwestlichen Gruppen in Kanada. die sich selbst „Anishinabek“ (aniššina:pe:k) nennen. „Sugpiaq“. heute problemlos von den anglophonen Mohawk selbst gebraucht). „Yupik“. die von den Europäern und EuroAmerikanern geprägt wurden. um 1870. galt doch das Wiesel als aggressivstes und zerstörerischstes Tier der Steppenlandschaften. „Yellowknife“ oder „Chipewyan“) erschwert allerdings die Unterscheidbarkeit. Viele der von den Europäern in den Sprachgebrauch übernommenen (nicht immer freundlichen) Fremdbezeichnungen sind seither aber auch zu Selbstbezeichnungen geworden. so ist ihre Kenntnis doch wichtig. Blackfoot. „Rohf leischesser“ bedeutet.) Im konkreten Fall sind alle genannten Schreibweisen im jeweiligen Bedeutungszusammenhang korrekt. auch wenn die pan-eskimoische politische Bewegung sich unter kanadischem Einf luss als „Inuit Circumpolar Conference“ bezeichnet. Charles Schreyvogel) Hörner als Symbole der Macht finden sich auf Kopfschmucken vieler Völker. sondern auf ihre Algonquin sprechenden Nachbarn bezieht): Als Selbstbezeichnung wird „Inuit“ von den Eskimos der östlichen und zentralen Arktis verwendet. Etwas irreführend ist das Wort „Inuit“ als pauschale Benennung für die „Eskimo“ (was übrigens nicht. Dort. Hörnerhaube mit Hermelinfellstreifen. In den letzten drei Jahrzehnten verstärkte sich eine Rückbesinnung auf Selbstbezeichnungen.

wie Indogermanisch und Finno-Ugrisch. Ein Blick auf die Sprachkarte zeigt. hat sich nur als sehr beschränkt richtig erwiesen. an dessen äußerst unterschiedliche Lebensräume sich die Völker im Laufe von vielen Tausenden von Jahren angepasst haben. Jahrhunderts bekannt sind. wie die Urgeschichtsforschung zeigt. In den meisten Fällen ist die geschlossene Verbreitung verwandter Sprachen ein Hinweis auf relativ junge Entwicklungen.und Pf lanzenwelt verändert. Entgegen der Meinung einer Minderheit von Forschern. Jahrhundert in ihre späteren Siedlungsgebiete eingewandert waren. Jahrhundert in der Nachbarschaft der Völker. Tatsächlich aber hatte der Kontakt mit den Weißen im Laufe dieser Zeiträume beträchtliche Veränderungen der Lebensräume der angestammten Bevölkerungen mit sich gebracht. Seenlandschaften und Steppen. viele kurzfristige Klimaschwankungen weitreichende Auswirkungen auf die Natur und letztlich auf die menschlichen Kulturen gehabt. Vielfalt Zwischen „Mesoamerika“. das Landesinnere des Westens die des 19. Die indigenen Sprachen Nordamerikas stellen weder eine auf eine gemeinsame Ursprache zurückgehende. zumal es für einen spezifischen Lebensraum mehr als nur eine Form der Anpassung gibt. B. Besondere Vielfalt herrscht im bergigen und kleinräumigen Westen. verwandte Sprachfamilie dar. die auf der Karte weiter westlich eingezeichnet sind. auch wenn diese selbst erst im 18. die Verbreitung des Inuktitut (der von den Inuit in verschiedenen Dialekten gesprochenen Sprache) von Alaska bis Grönland auf die Ost wärtswanderung der Inuit seit et wa 1000 n. dass sich die bei aller Vielfalt erkennbaren Ähnlichkeiten vor allem benachbarter Völker aus der Anpassung an die vorgegebenen Lebensräume erklären ließen. bereits zu bestehen aufgehört. arbeitsteiligen Gesellschaft sind. Jahrhunderts dar. zurück. die in autonomen. der Mittelwesten und die Pazifikküste stellen die Lage des 18. in Holz. weil für die Identifikation der „Volkszugehörigkeit“ objektive Merkmale fehlen und selbst einigermaßen exakte Daten über Sprachzugehörigkeit oder politische Selbständigkeit einzelner Gruppen für den damaligen Zeitpunkt nicht verfügbar sind. deren Gesamtbevölkerungszahl auf rund drei bis fünf Millionen geschätzt wird. dichte Wälder und kahle Halbwüsten. gibt es natürlich auch nicht „die Indianersprache“. während sich in den offenen Landschaften östlich der Rocky Mountains einige Sprachfamilien großräumig verbreiten konnten. Jahrhundert eine leichte Trockenphase im Südwesten einer der Gründe für die von den rasch wachsenden Schaf herden der Navajo ausgelösten Erosionserscheinungen. Asiens oder Afrikas war die Größe dieser Gruppen jedenfalls sehr gering. Im Vergleich mit den meisten Regionen Europas. geht die Mehrheit der Sprachwissenschaftler von an die sechzig Sprachfamilien allein für Nordamerika aus. Manche dieser „Stämme“ standen an der Schwelle zur Staatenbildung und waren daher erheblich größer als jene. die auch einen ersten Hinweis auf die kulturelle Vielfalt des Kontinents darstellt. waren aber ins Hinterland abgedrängt worden und lebten im 19. Wieder andere Völker erscheinen auf diesen Karten. die jede Vorstellung von „dem Indianer“ Lügen straft. und dem Arktischen Meer trafen die europäischen Zuwanderer Hunderte verschiedener Völker. die so unterschiedlich voneinander waren. Die Vielfalt der Kulturen. Viele der Völker des östlichen Nordamerika. 14 CHRISTIAN FEEST . nomadisierenden Familiengruppen von wenigen Hunderten als Jäger und Sammlerinnen lebten. Wurzeln. dass die Verteilung der Sprachen über den Kontinent keineswegs gleichmäßig war. Der Subkontinent erstreckt sich von den Küsten des Eismeers bis an die Grenze der Tropen. die ein Bild der ethnischen Verhältnisse vor dem Beginn der Europäisierung des Subkontinents zu geben versuchen. So geht z. Nicht nur die Veränderungen. während die heutigen mormonischen Bewohner von Utah Mitglieder einer komplexen. Piñonnüssen und Insekten lebten und in Windschirmen aus Zweigen wohnten.000 Personen pro „Stamm“. Bei einer realistischen Annahme von 500 bis 1000 politischen Einheiten ergibt sich eine durchschnittliche Bevölkerungszahl von lediglich 3000 bis 10. die zu massiven Notschlachtungen und tiefer kultureller Verunsicherung führten. zwischen Atlantik und Pazifik finden sich Bergländer und Ebenen. und 17. bislang aber nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten. obwohl sie überhaupt erst im Laufe der kolonialen Veränderungen entstanden sind. Die Vermutung. Jahrhunderts. Im Gegenteil ist das eingeborene Amerika der Kontinent mit der größten sprachlichen Vielfalt. ist allerdings auch trügerisch. zum Teil Bewässerungsfeldbau betreiben. an der sie von den europäischen Eroberern zuerst wahrgenommen wurden.Sprachen und Kulturen: Vielfalt ohne Einheit? Das indigene Nordamerika war ein Gebiet von unerhörter sprachlicher Vielfalt. die den Völkern Nordamerikas zur Nutzung zur Verfügung standen. entspricht zum Teil einer Vielfalt der Lebensräume. Auch diese Naturräume stellen keine ewig währenden Vorbedingungen für die menschliche Lebensführung dar. Chr. auch in den letzten zehntausend Jahren haben. andere erscheinen zwar auf den Karten noch in ihrer ursprünglichen Heimat. So ist etwa die Lebensweise der heutigen Bewohner der Trockenräume rund um den Großen Salzsee in Utah eine deutlich andere als die der zu den Uto-Azteken zählenden numischen Gruppen. noch weisen sie durchgehende spracht ypologische Gemeinsamkeiten auf. Dabei ist die absolute Zahl der Völker zum Zeitpunkt des ersten Kontakts noch weniger bestimmbar als die Kopfzahl der Bevölkerung. die mit dem Ende der Eiszeit Hand in Hand gingen. während Verwandtschaftsbeziehungen zu außeramerikanischen Sprachen zwar immer wieder vermutet. die aus Dokumenten des 16. haben mit dem Klima die Tier. So war im frühen 20. Die Verhältnisse an der Atlantikküste erscheinen also im Licht des 16. die eine Verwandtschaft fast aller in Nordamerika gesprochenen Sprachen postulieren (dafür aber den Beweis schuldig geblieben sind). So wie es keine „Indianer“ gibt. hatten im 17. denn sie stellen ein im Grunde unhistorisches Flickwerk unterschiedlichster Zeitebenen dar und zeigen Bevölkerungen an jener Stelle. Der Blick auf diese und auch andere Karten. dem Gebiet der mittelamerikanischen Hochkulturen. die vom Menschen unterschiedliche Anpassung verlangten. Jahrhunderts.oder Steinhäusern leben und monumentale Tempel errichten. die hier früher vor allem vom Verzehr von Grassamen.

„INDIANER“ 15 .

die Jagd auf Karibu und Elch. ist es in der von schneereichen Wäldern bedeckten Subarktis. die Graslandschaften zwischen Mississippi und Rocky Mountains. Nördlich davon beruhte die hohe Entwicklung der Kulturen des von Regenwäldern bedeckten schmalen Streifens der Nordwestküste vorwie- 16 CHRISTIAN FEEST . Auf der zumeist ariden Halbinsel Niederkalifornien lebten Völker. Dabei entspricht die Arktis dem Siedlungsgebiet der Eskimo und Aleut entlang des Nordrands der Neuen Welt und schließt daher in Südwestalaska Gebiete ein. Den Trockencharakter teilt die Golf küste mit dem Südwesten Nordamerikas (zu dem auch der Nordwesten Mexikos zählt). wenn auch wenig charakteristischen Kulturraum. aber auch einige autochthone Wildbeutervölker. Erstere haben manches mit den Bewohnern des östlichen Waldlands gemein. führte die Einführung des Pferds in den Kurzgrassteppen der Plains zur Entstehung eines auf die Bisonjagd spezialisierten Reiterkriegertums. in dessen Rahmen übernatürliche Wesen durch Maskentänzer verkörpert wurden. Cree. Das Gebiet südlich der Großen Seen und des St. um 1840–60. Den Kern bildet das „Pueblogebiet“ mit seinen alteingesessenen Bewässerungsfeldbauern. denen der Fischfang und andere Meeresressourcen ein vergleichsweise günstiges Auskommen ermöglichten. Lille In voreuropäischer Zeit trugen die Cree in den subarktischen Wäldern Kanadas kapuzenartige Hauben aus Leder oder Fell. Das nördlich an den Südwesten anschließende Intermontane Becken wurde fast durchgehend von Numisch-sprachigen Bevölkerungen bewohnt. Lawrence und östlich des Mississippi wird oft zusammenfassend als Östliches Waldland bezeichnet. Algonquin-Sprecher im Osten. der manchmal als arider Randbezirk Mesoamerikas gesehen oder teils den Plains und teils dem Südosten zugeschlagen wird. die in festen Siedlungen aus Stein. außer dort. Die Plains. Jahrhundert durch solche aus Tuchstoff ersetzt und mit den nun verfügbaren Glasperlen reich verziert. die hier vorherrschende Sammelwirtschaft war intensiv und bot gemeinsam mit dem Fischfang eine Grundlage für sesshaftes Leben. Im Zuge des Pelzhandels wurden sie schon im 18. Norden und Westen in die Steppenlandschaften eingewandert und teilweise erst dort zu nomadisierenden Jägern geworden. müssen aber mangels eines Walds keine Rodungen anlegen. mit häufigem Wohnortwechsel verbundene Sammelwirtschaft praktizierten. die sich besonders gut an die extrem kargen äußeren Verhältnisse angepasst hatten und eine extensive. weswegen man auch die östlichen „Prärien“ mit ihrer Bodenbau treibenden Bevölkerung von den „Plains“ mit ihren Bisonjägern unterscheiden kann. Das „Zirkumpueblogebiet“ umfasst im allerweitesten Sinn die nicht in Pueblos lebenden Feldbauern und die erst spät als Jäger und Sammlerinnen eingewanderten südlichen Athapasken. Letztere sind zum größeren Teil erst seit der historischen Wiedereinführung des Pferds in Nordamerika aus dem Osten. Die texanischnordostmexikanische Golf küste bildet eigentlich einen eigenen. die sich von der kanadischen Atlantikküste südlich der Arktis bis zu den Rocky Mountains erstreckt. Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie. ohne dass sich die natürlichen Voraussetzungen geändert hätten. Das westlich benachbarte Kalifornien war im Gegensatz dazu nicht nur das Gebiet mit der größten Zahl von Sprachen auf engem Raum. Kulturräume Bei aller Einsicht in die Problematik der historischen Veränderungen ist aber für eine erste Annäherung an die kulturelle Vielfalt des indigenen Nordamerika eine kurze Beschreibung verschiedener „Kulturräume“ hilfreich. So wie das Kommen der Mormonen die Lebensweise der numischen Bevölkerungen in Frage stellte. sind ein kulturell nicht sehr homogenes Gebiet. die an den Kanten mit Muschelschalenperlen verziert waren.bzw. insgesamt ist hier der Anbau von Mais und anderer Kulturpf lanzen auf Rodungsfeldern sowie weitgehende Sesshaftigkeit für die Lebensweise charakteristisch.Glasperlenverzierte Frauenhaube. wo der Reichtum an Seen dem Fischfang zu größerer Bedeutung verhalf. Die Unterscheidung in eine „Westliche Subarktis“ und eine „Östliche Subarktis“ entspricht der Sprachzugehörigkeit der Bewohner: Athapaskisch-Sprecher im Westen. die streng genommen nicht mehr arktisch sind. Während in der Arktis die Seesäugerjagd lebensbestimmend ist. die zum Teil Bodenbau (und später Viehzucht) übernommen haben. wobei die Unterschiede zwischen dem „Nordosten“ und „Südosten“ überwiegend gradueller Art sind. Adobeziegeln (den namensgebenden Pueblos) leben und durch einen auf Regen und Fruchtbarkeit ausgerichteten Zeremonialismus gekennzeichnet werden.

konnten die Weißen in die für sie ungenutzt erscheinenden Gebiete vorstoßen. Chugash. Helsinki (Slg. Mithun.) Cambridge History of the Native Peoples of North America. wobei sich ähnliche Muster des Kontakts zwischen Einheimischen und Fremden je nach Region zeitverschoben wiederholten. Sobald die indigenen Völker unterworfen oder ökonomisch abhängig geworden waren. Am Beginn stand ein oft durch längere Pausen unterbrochener. gemeinsam hatten. Anders als die Tlingit verzierten sie ihre Hüte überdies mit den Schalen von Dentaliumschnecken oder Glasperlen. Jahrhundert in die für sie Neue Welt vordrangen. in offenen Konf likt. Bruce G. Ohne die Fertigkeit. Cambridge: Cambridge Universit y Press. Dank ihrer besseren Transportmittel konnten die Siedler das Land schneller erschließen. Auch die Herstellung von Glas war so nicht möglich. Trotz zahlenmäßiger und technologischer Unterlegenheit waren und sind die eingeborenen Völker Nordamerikas nicht nur passive Opfer der Zivilisation. größere Bevölkerungen ernähren und die Urbevölkerung verdrängen. von dem sie freilich bald abhängig wurden. Da die Jagd größere Lebensräume erforderte. Hier war Fischfang die Grundlage der Sesshaftigkeit in hölzernen Plankenhäusern. Ohne Nutzung der technischen Drehbewegung gab es in voreuropäischer Zeit weder Rad noch Wagen. 2000 (Hg. verstärkten die Eroberer ihre Bemühungen. konnten die Urbevölkerungen Nordamerikas keine Erze erschmelzen und somit kaum brauchbare Metallgeräte herstellen. vielfach f lüchtiger Erstkontakt. obwohl sie selbst keine Klane besaßen. gend auf den Nahrungsquellen des Pazifik und der in ihn mündenden Flüsse. Unter diesen Voraussetzungen erfolgte die Eroberung und Erschließung Nordamerikas durch europäische Mächte und ihre euro-amerikanischen Nachfolger über vier Jahrhunderte hinweg von den Küsten ins Landesinnere. Washburn 1996 (Hg. sondern aktive Mitspieler auf der Bühne des Kulturkontakts. Museovirasto. Geschichte Was diese Völker im Vergleich zu den Europäern. dass man über keine großen Zugtiere verfügte. Alaska. besonders wenn die europäische Siedlungskolonisation die indigene Landbasis bedrohte. Das Gebiet kann als Übergangszone zwischen Intermontanem Becken. „INDIANER“ 17 . Christian F. aber auch der Herausbildung von Klassengesellschaften und einer spezialisierten Handwerkskunst. um 1840.Geflochtener Hut. die Urbevölkerung nach dem eigenen Vorbild zu „zivilisieren“. übernahmen die Chugash. und Wilcomb E. Subarktis und Nordwestküste angesehen werden. dank der besseren technologischen Fähigkeiten mehr und billigere Güter produzieren und damit einen wirtschaftlichen Vorteil erlangen. die den Europäern im Zuge ihrer Eroberung des Landes erhebliche Vorteile bereiteten. den Tlingit. Die Europäer besaßen dabei den Vorteil eines selbstgewählten Handlungsziels. die gef lochtenen Hüte einschließlich der klanspezifischen Bemalung. Marianne 1999 The Languages of Native North America. Das Fehlen von Herdentierhaltung im indigenen Nordamerika bedeutete nicht allein eine vom Jagdertrag abhängige Fleischversorgung. Cambridge: Cambridge Universit y Press. So waren es dann auch Eisenwerkzeuge und Glasperlen. Köln: Könemann. die seit dem 16. Plains. hohe Temperaturen zu kontrollieren.) Kulturen der nordamerikanischen Indianer. Adolf Etholén) Von ihren von ihnen bewunderten Nachbarn. auch wenn seine konkrete Umsetzung oft noch unklar war. die von den indigenen Bevölkerungen heiß begehrt waren und sie zum Handel mit den Europäern bewegten. aber auch keine Töpferscheibe. sondern auch. 2 Bände. Die folgende Intensivierung des Kontakts mündete entweder in den Zustand einer selten spannungsfreien Koexistenz zwecks wechselseitig profitablem Güteraustausch oder. kein Spinnrad und keine Drehbank. Trigger. während die Urbevölkerung von der neuen Situation überrascht wurde und erst angemessene Reaktionen überlegen musste. war das Fehlen bestimmter Errungenschaften. Zwischen Küstenbergen und Rocky Mountains betrieben im Hinterland der zentralen und südlichen Nordwestküste die Bewohner des Plateaus neben Flussfischfang auch Jagd und Sammelwirtschaft. Allerdings erzielten die entsprechenden Programme selbst unter den Bedingungen kolonialer Abhängigkeit kaum jemals völlig das beabsichtigte Ergebnis. Weiterführende Literatur Feest. die südlichste Eskimogruppe Alaskas.

Bei den Uramerikanern stießen die Erzählungen der Bibel auf freundliches Interesse.Ursprünge: Mythen und Wissenschaft Die verschiedenen indigenen Völker Nordamerikas erzählen äußerst unterschiedliche Geschichten vom Ursprung der Welt und der Menschen und meinen mit „Menschen“ in erster Linie sich selbst: „die wirklichen Menschen“. und dem. In einem Punkt sind sie sich aber einig: Dass sie dort erschaffen wurden. die Entstehung der Menschen habe mehr oder weniger an dem Ort stattgefunden. war ihnen letztlich gleichgültig. die in mythischer Urzeit die Welt in ihren heutigen Zustand versetzten und die Trennung von Menschen und Tieren besorgten. Hunger. Das hat damit zu tun. Vor dem Auftauchen in die jetzige Welt kam es zum Streit zwischen dem Ersten Paar. weil sie. Die Iroquois des nordöstlichen Waldlands sind hingegen davon überzeugt. die auf ihren Reisen zu ihrem Vater Sonne in einer Serie von unglaublichen Abenteuern die Welt von den Ungeheuern befreiten und damit zu den Zwillingskriegsgöttern der Navajo wurden. entdeckte er auf einem heiligen Berg ein aus einer schwarzen Wolke geborenes Kind. Deshalb sollen sie nicht vernichtet werden“. dort. dass die indigenen Religionen lokal verankert sind und sich in ihrer Praxis hauptsächlich auf das Verhältnis der „wirklichen Menschen“ zu den gewissermaßen „ortsansässigen“ übernatürlichen Wesen beziehen. Damit geraten sie in einen unüberbrückbaren Gegensatz zur Anschauung der westlichen Wissenschaft. der 1755 als Gefangener unter den irokesischen Seneca lebte und seinen Gastgebern eines Tages erzählte. wurde er vom Donner in Gestalt eines Vogels wiederbelebt. Ethnologische Sammlung. Siebdruck nach einer Zeichnung von Art Thompson/Tsan-Quass-Upp (1948–2003. an dem die jeweiligen Erzähler heute leben. das als Changing Woman zum wichtigsten diyin-Wesen der Navajo wurde. Armut und Hunger sind irgendwo zwischen dem. die beim Aufstieg durch vier Unterwelten bis in die fünfte Welt der Gegenwart an klaren Umrissen gewinnen. Armut. Volks. die für ihr Weltdeutungsmodell einen universellen Gültigkeitsanspruch behaupteten. British Columbia). Ob die benachbarten Völker andere Geschichten über ihren Ursprung erzählten. Aus der Vereinigung von weiblicher Erde und männlichem Himmel entstanden die menschengestaltigen Diyin Dine'é („wissende Leute“). aber man maß ihnen keine allzu große Bedeutung bei. 1983. Städtische Museen Freiburg i. Amerika selbst habe keine Menschen hervorgebracht und folglich seien alle irgendwann aus der Alten Welt eingewandert. und alle erklären nur den Ursprung des eigenen „Die Geburt von Kwaht Yaht“. die auch nach Wiedervereinigung der Geschlechter und Eintritt in die fünfte Welt Gefahr und Schrecken verbreiteten. die in der Urzeit über dem Wasser schwebten und auf geheimnisvolle Weise die Erde schufen. Mythen Eine Navajo-Überlieferung über den Ursprung der Welt und der Menschen berichtet von fünf übernatürlichen Windwesen. dass die Ahnfrau der Menschen aus dem Himmel gefallen ist. Aus ihrer Verbindung mit der männlichen Sonne gebar sie die Heldenzwillinge Monster Slayer und Child-of-Water. aber auch die Lakota der Plains erzählen. sie zeugten mehrere Zwillingspaare. Ditidaht. was Schmerz bereitet. was damals mit Adam. gebaren sie eine Fülle von Ungeheuern. Alter und Schmutz überlebten. was Freude. (Slg. da die Frauen sich nun selbst befriedigen mussten. Diese Haltung stand in diametralem Gegensatz zu den Lehren der christlichen Missionare. Kwaht yahts eigene Herkunft ist unbekannt – aber als er sich einmal selbst tötete. Bereits in der untersten Welt entstanden Erster Mann und Erste Frau aus zwei vollkommenen Maiskolben. und so wie sie trennten sich auch Männer und Frauen. wo der Herr der Bisonherden noch immer zu Hause ist. Das bekam auch der englische Händler William Henry zu spüren. Nachdem Erster Mann die Welt für die Menschen eingerichtet hatte. mit dem er den Ahnvater der Huupacasaht zeugte. „irgendwo zwischen gut und böse sind. wo sie heute leben – auf dem amerikanischen Kontinent. Sie verkörpert die sich im Jahreslauf verändernde Erde und ihre Vegetation und versorgt auf diese Weise die Menschen mit Nahrung. Von einem Aufstieg aus Unterwelten wissen auch viele andere Völker des nordamerikanischen Südwestens. wie Changing Woman ihren Söhnen erklärte. Galerie Sandia) In den oft widersprüchlichen Ursprungserzählungen der verschiedenen Nuuchah-nulth-Gruppen ist Kwaht yaht einer von mehreren „Verwandlern“. Eva. der Schlange und 18 CHRISTIAN FEEST . die zu den Vorfahren der Menschen zählen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Ursprungserzählungen gibt es doch zwei Gemeinsamkeiten: Alle beharren darauf. dass sie einst als „Volk der Bisonkühe“ unterhalb der heutigen Welt gelebt haben. Br.

Six Nations Reserve. Cayuga. die zur Trennung von Glauben und Wissen führte. weißen und schwarzen Menschen auseinandersetzten. wobei im Gegensatz zu den ewig gültigen Glaubenswahrheiten die wissenschaftlichen Welterklärungen nur bis zum Beweis des Gegenteils Bestand hatten. „INDIANER“ 19 . Erst im dritten Anlauf gelang ihm der perfekte Mensch mit wunderbar roter Hautfarbe. der Schildkröte und der Bisamratte erzählten. bei der Formung des ersten Menschen aus Ton noch keine Erfahrung mit dem Schöpfungswerk gehabt und die Tonfigur beim Brennen zu früh aus dem Feuer genommen.„Die Himmelsfrau schwebt zur Großen Schildkröteninsel herab“. die sich mit dem Ursprung von roten. 1981 Der irokesische Ursprungsmythos von der neugierigen Himmelsfrau. versuchte ihnen Henry klar zu machen. Der Schöpfer habe. Acryl. Ontario).und Ölgemälde von Arnold Aron Jacobs (*1942. Als sie ihm im Gegenzug von der Himmelsfrau. ist heute „indianisches“ Gemeingut geworden. Jahrhundert neue Mythen. dass ihre Geschichte nur eine mündlich überlieferte Fabel sei. der biblische Bericht möge ja vielleicht für die Weißen zutreffen. entstanden schon im 18. wo zu ihrer Rettung die Erde auf dem Rücken einer Schildkröte errichtet wurde. Dass die wohl erste indigene Selbstbezeichnung für alle „Indianer“ später zum Schimpfwort wurde und heute als beleidigend und politisch inkorrekt abgelehnt wird. weil sie in vielen Punkten nicht mehr mit den wachsenden Kenntnissen der Wissenschaft in Einklang zu bringen war. die durch ein Loch im Firmament gegen das Urmeer stürzte. Seine irokesischen Gesprächspartner konnten darauf nur erwidern. dem Apfel vorgefallen war. während die seine in einem Buch unveränderbar festgehalten sei. die durch das Kommen der Weißen ausgelöst worden waren. Unbeschadet dieses Tabus bezeichnen sich viele Indianer heute selbst als „Skins“ (kurz für „Redskins“). weshalb sie deutlich zu hell geraten war. Allerdings entstand angesichts der Veränderungen. war die christlich-jüdische Schöpfungsgeschichte auch unter den Weißen selbst in die Kritik geraten. Aber noch während Henry am Ohio mit den Iroquois über Glaubenswahrheiten diskutierte. Beim zweiten Versuch ließ er sein Werk zu lange im Feuer und schuf so irrtümlich den ersten Afrikaner. Diese Erzählung ist wohl auch der Ursprung der Bezeichnung „Rothaut“. wo neben den bleichgesichtigen Europäern auch noch Afrikaner vermehrt in den Blick der Urbevölkerung traten. überlieferte Anschauungen an die geänderten Verhältnisse anzupassen. sicher aber nicht für die Seneca. auch für Urbevölkerung die Notwendigkeit. Jahrhundert belegt ist und erst später als Übersetzungslehnwort in europäische Sprachen gelangte. In den späteren Südstaaten der USA. die in mehreren Sprachen des amerikanischen Südostens schon aus dem 18. Mit etwas künstlerischer Freiheit lässt sich im Umriss des nordamerikanischen Kontinents die Gestalt des Reptils erkennen. Der Konf likt war Teil einer für die indigenen Völker (aber auch für viele Christen) unbegreif lichen Säkularisierung. ist eine Ironie der Geschichte. so wurde nun erzählt.

die eiszeitlichem Großwild über die Landbrücke in die Neue Welt folgten. hielten sich die Vermutungen erstaunlich lange im Rahmen der biblischen Chronologie. setzten den wesentlich unwahrscheinlicheren Seeweg voraus. nicht zuletzt weil Amerika niemals die Heimat von Großaffen war. Die aus der Abwanderung entstehenden neuen Kulturkontakte führten unter anderem zur Entstehung mehrfarbiger Keramikbemalung an Stelle der bisher vorherrschenden Schwarz-auf-Weiß-Stile. Stein. um 1075–1275. der durch die neue C14-Datierungsmethode gestützt wurde. Waliser oder Iren die Ahnen der Amerikaner gewesen sein könnten. an ein Alter des amerikanischen Menschen von 12. um 7300 v. und Rekonstruktion seines Gesichts durch James Chatters. heute tief unter dem Meeresspiegel liegt. Beweise für die Beringstraßen-Theorie sind aber schwer zu erbringen. In jüngerer Zeit haben frühe Funde aus Südamerika. 20 CHRISTIAN FEEST . Nur innerhalb einiger sehr beschränkter Zeitfenster war ein Durchmarsch möglich. Kanaaniten. Paläoindianische Großwildjäger-Tradition. der sich lange in Peru und Mexiko aufgehalten hatte. Bewohner des mythischen Atlantis. die ersten Amerikaner (die er mit den „zehn verlorenen Stämmen Israels“ in Verbindung brachte. Was den Zeitpunkt einer Einwanderung betrifft. Unter den möglichen Einwanderungswegen in die Neue Welt steht die Beringstraße trotz mangelhafter Beweise fast konkurrenzlos da. Kennewick.000 Jahren zu glauben. Indiana. denen zu Folge Karthager.000 Jahre alt sind. sondern auch durch sein „nicht-indianisches“ Aussehen. Schädel des „Kennewick Man“. mit denen der Kontakt zwischen Alter und Neuer Welt aufrechterhalten wurde. das Asien und Amerika miteinander verband. Chr. Nachdem die Landbrücke verschwunden war. Br. Anasazi-Tradition. Jahrhundert. Noch vor 60 Jahren dachten Archäologen dabei an einen Zeitraum von kaum mehr als 2000 Jahren. den vermutlichen Zeitpunkt der Erstbesiedlung auf 50. Voraussetzung für eine frühe Besiedlung Amerikas über die Beringstraße war die Absenkung der Meeresspiegel durch das Anwachsen der Polkappen und Gletscher während der Eiszeit. die vielleicht auch zur Ausrottung mancher Wildarten beitrug. 2007 Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Überreste des ältesten bislang aufgefundenen Amerikaners wurde nicht nur durch den Rechtsstreit über das Schicksal der Knochen angeheizt. auf der man Funde vermuten könnte. Städtische Museen Freiburg i. Millionen Jahre alten Hominidenfunden in der Alten Welt stehen Skelettreste in der Neuen Welt gegenüber. Washington. Friedrich Braun) Die fein bearbeiteten Speerspitzen des ClovisTyps (benannt nach einem Fundplatz in New Mexico) sind ein Leitfossil der nacheiszeitlichen Großwildjägertradition. die als mögliche Vorfahren in Frage kämen. Jefferson County. McElmo Black-on-White. Jahrhunderts durch eine lange Dürreperiode ausgelösten Niedergang der weiter südlich gelegenen Zentren. stießen nach diesem Szenario aber bald auf eine unüberwindbare Barriere. Mesa Verde. Jäger. vorverlegt. Ihre rasche Ausbreitung von den trockenen Steppenlandschaften östlich der Rocky Mountains bis an die Atlantikküste belegt ihre technische Überlegenheit. Zeitungsleser glaubten in der Rekonstruktion ihren Nachbarn zu erkennen.. weil die einstige Landbrücke.000–40. 9000–8000 v. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Wissenschaftler stellten bisherige Besiedlungstheorien Nordamerikas in Frage. vermutete schon im späten 16.Speerspitze. Ethnologische Sammlung.000 v. Clovis-Typ. gab es gerade im Gebiet der Beringstraße und der Aleutenkette jedenfalls auch Boote. Am Nordrand ihres Siedlungsgebiets überlebte die Anasazi-Tradition in der Region von Mesa Verde den um die Mitte des 12. Colorado. Chr. und vielen Forschern fiel es anfangs schwer. dass sich die Einwanderung der späteren amerikanischen Völker über eine lange Zeit erstreckt hat und dass die Zuwanderer aus Asien keine einheitliche Bevölkerung darstellten. die bestenfalls etwas mehr als 10. Altspanier. Der Jesuitenpater Acosta. Diese Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung stellen für die eingeborenen Völker in doppelter Hinsicht ein Problem dar. Chr. Einerseits scheint die Archäologie das Fundament einer überlieferten Weltsicht zu untergraBemalte Tonschale. Als gesichert kann allerdings gelten. Alles. was heute 120 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. die aus dem Zusammenwachsen der beiden großen nordamerikanischen Gletscher entstanden war. Andere Spekulationen. war damals trockenes Land. die von der nordamerikanischen Wissenschaft lange Zeit als unzuverlässig erachtet wor- den waren. über deren Verbleib die Bibel keine Auskunft gab) müssten auf ihrem Weg vom Garten Eden die Nordroute gewählt haben. Wissenschaft Für die bleichgesichtigen Wissenschaftler ist – im Gegensatz zu den heiligen Erzählungen der Ureinwohner – ein amerikanischer Ursprung der amerikanischen Menschen auszuschließen.

die auf der Schöpfungseinheit von den Menschen und ihrem Land beruht. Gerahmtes Ornament aus prähistorischen Speer. Dieses Begehren scheiterte letztlich vor einem Gericht. Froschförmiges Gefäß. Teresa 2005 American Indian Creation Myths. 1050–1250. Waren die ersten Amerikaner vielleicht doch aus Europa eingewandert. Jahrhunderts. Als Symbol für Regen und Fruchtbarkeit war der Frosch für die Bewohner der Metropole. Santa Fe: Sunstone Press. die aus dem Ertrag der umliegenden Felder ernährt werden musste. um sie wegzuwerfen. and the Battle for Native American Identity. Wegen seines europiden Aussehens hielt man es zuerst für die Überreste eines weißen Siedlers. forderten die Bewohner benachbarter Reservationen unter Berufung auf ein Gesetz. Illinois.000 Menschen auf 800 Hektar war das Zeremonialzentrum Cahokia die größte voreuropäische Stadt Nordamerikas. Bell Plain-Typ.ben. USA. das ihnen das Verfügungsrecht über die Knochen ihrer Ahnen einräumt. Als eine genauere Untersuchung ein Alter des Fundes von über 9.und Pfeilspitzen. die eine bereits bestehende Welt für die menschliche Nutzung verändern. Andererseits sehen indianische Politiker die Ausnahmestellung der eingeborenen Landrechte gefährdet. wenn ihre Vorfahren letztlich ebenfalls nur Einwanderer in die Neue Welt waren. Besonderes Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang auch der Fund eines menschlichen Skeletts am Ufer des Columbia River nahe dem Ort Kennewick im Staat Washington. Mississippi-Tradition. Pijoan. Archaeology. dass die kulturelle Entwicklung – also das. Aus solchen Funden gemachte „Bilder“ sind Teil der amerikanischen Volkskunst und legen nahe. In vielen Mythen des indigenen Nordamerika wird übrigens gar nichts zum eigentlichen Schöpfungsakt gesagt. Darüber hinaus belegt der Zufallsfund des bislang ältesten Amerikaners. wie es die Kontroversen der letzten Jahrzehnte manchmal erscheinen lassen. White Lies: Native Americans and the Myth of Scientific Fact. wahrscheinlich aus der Gegend von Cahokia. Weiterführende Literatur Deloria. Vine. In der Wissenschaft löste der Fund neue Diskussionen über die Herkunft des Menschen in der Neuen Welt aus. Graue Keramik. Thomas. das der Bedeutung des „Kennewick Man“ für eine bessere Kenntnis der Urgeschichte Vorrang vor dem Wunsch der Reservationsbewohner einräumte. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Vielleicht sind also Wissenschaft und indigene Anschauungen doch nicht so weit voneinander entfernt. die wahrscheinlich gar nicht seine Nachkommen waren. von großer Bedeutung. Mitte des 20. zumal es auch frappante Ähnlichkeiten der altsteinzeitlichen Geräte in Europa und Nordamerika gab? Wahrscheinlicher ist allerdings immer noch eine Einwanderung aus Asien über die Beringstraße. die Rückgabe und Wiederbestattung des vermeintlichen Vorfahren. was die Einwanderer zu Amerikanern gemacht hat – auf amerikanischem Boden und in weitgehender Isolation von den Entwicklungen außerhalb Amerikas stattgefunden hat. dass die Vorfahren der heutigen „Indianer“ selbst keine einheitliche Population dargestellt haben. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Stattdessen treten „Transformer“ oder „Kulturheroen“ auf. Letztlich ist die Frage der ursprünglichen Herkunft der ersten Menschen in der Neuen Welt gar nicht entscheidend für die andere Frage nach der Herkunft der Kulturen der amerikanischen Urbevölkerung. da Bevölkerungen mit einem europiden Gepräge auch aus Nordostasien bekannt sind. 1995 Red Earth. Alfred Homola) Schon lange vor Beginn wissenschaftlicher Ausgrabungen brachten amerikanische Farmer Steingeräte der indigenen Vorbesitzer des Landes von ihren Feldern nach Hause: nutzlos zum praktischen Gebrauch. David Hurst 2000 Skull Wars: Kennewick Man. aber zu schade. New York: Scribner. Josef Klinger) Mit einer geschätzten Gesamtbevölkerung von bis zu 30.000 Jahren ergab. Es ist schließlich unbestritten. „INDIANER“ 21 . Jr. New York: Basic Books. dass für die Bevölkerungsmehrheit die voreuropäische Geschichte des Kontinents bestenfalls ornamentalen Charakter besitzt.

wie Baron de Lahontans Nouveaux Voyages (1703) oder Jonathan Carvers Travels (1775). In seinen Äußerlichkeiten von Versatzstücken des 19. lieferten (und liefern) die gegensätzlichen Bilder alternative Modelle zur Formulierung von Werturteilen über die eigene Gesellschaft und ihre Lebensverhältnisse. Statt aber das liebgewordene Indianerbild als reine Fiktion zu entlarven. Frühe Illustrationen zeigen die Ureinwohner Amerikas gemäß der mittelalterlichen Vorstellung von den „Wilden Leuten“: haarige Wesen. die man sich als Bewohner der Grenze der Menschheit und Menschlichkeit dachte oder aber als Überlebende des Goldenen Zeitalters – oder als beide in einer Person. sich dem Skalpieren und Kannibalismus widmen. beruht weitgehend auf ihrer fiktiven Ausgestaltung. gleich ob räumlich oder sozial. Wenig später lenkte die rasant nach Westen vorrückende Grenze zwischen Wildheit und Zivilisation die Aufmerksamkeit der europäischen Betrachter auf die Steppenlandschaften westlich des Mississippi. wo die Auf klärung eine neue Ernte für ihr aufpoliertes Bild vom edlen Wilden einfuhr. die unerklärliche Fülle unterschiedlicher Kulturen und Lebensformen des indigenen Amerika in fassbare Begriffe zu verpacken. „Am Anfang war die Welt Amerika!“ Auf diese Kurzformel brachte im späten 17. In einem von den Cookschen Weltreisen inspirierten Gedicht beschreibt der märkische Dorfdichter Schmidt von Werneuchen (1764–1839) zuerst die verträumte Faszination des europäischen Lesers von Cooks Reisen mit den Bewohnern der Freundschaftsinseln. Jenseits der Annehmlichkeit. Jahrhunderts geprägt. das in den Weiten des amerikanischen Kontinents beheimatet ist. Jahrhundert. um auszudrücken. hauptsächlich von Fisch leben und in Substandard-Häusern wohnen müssen. während umgekehrt manche französischen Romanschreiber des 18. zur Charakterisierung des „Indianertums“ der Polynesier. Ihr Ursprungs. Jahrhundert. Jahrhundert Kannibalismus für die brasilianischen Tupinambá beschrieben. nur unwesentlich durch Lokalkolorit getönt. Mit der europäischen Erforschung des Stillen Ozeans im 18. So stark war die Kraft der Erwartungen. Hundsköpfige Eingeborene wurden auf Nordamerika-Karten des 16. So wurde im 16. Die Sturzf lut der europäischen Auswanderung in die Vereinigten Staaten hielt das Interesse der 22 CHRISTIAN FEEST . dass die ersten europäischen Besucher der Neuen Welt tatsächlich von der Begegnung mit Wesen berichteten.und Wohnort ist die Vorstellungswelt der Europäer (und später der weißen Amerikaner). Von Riesen. So dienten die traditionellen gegensätzlichen Stereot ypen. Jahrhunderts. trug die lebendige Schilderung der Romane vielmehr zur Glaubwürdigkeit der Charakterisierung bei. die nach 1492 von der Entdeckung „neuer“ Menschen in einer „neuen“ Welt überrascht wurden. Im 16. war die Versuchung unwiderstehlich. der den erwähnten körperlichen Missbildungen entsprach. Als sich später der Journalismus der Indianer bemächtigte. berichteten die englischen Siedler vom Nordrand ihrer Kolonie Virginia im frühen 17. Jahrhundert der englische Philosoph John Locke (1632–1704) die Gleichsetzung von Zeit und Raum: Das Ferne. Dies war wohl die einfachste Art. geht unser Bild vom „Indianer“ auf weit ältere Wurzeln zurück. Die dort gewonnenen Beobachtungen wurden später auf Nordamerika übertragen und zum Teil ergänzt. Straußeneiern und Kokosnüssen verzehrt haben. Kopf lose Blemmien. die fernab der gesitteten Gesellschaft lebten. denen diese Praxis fremd war. idealen Welten: So verwandelten sich in der europäischen Vorstellung die „Indianer“ zu Wesen. Jahrhunderts ihre literarischen Produkte zum Teil auf eigene Amerikaerfahrungen stützen konnten. Dank Voltaire (1694–1778) und seinen Kollegen wurden die Huronen („huronisches Gelächter“) zum t ypischen Indianer des 18. die in einem steten Kriegszustand leben. um die betrügerischen Händler zu verjagen. Menschenartige Monster mit nur einem Bein „begegneten“ den Nordmännern. Jahrhundert als erste Europäer Neufundland betraten. wie sie Seefahrer auch im sturmumtobten Patagonien gesehen zu haben glaubten. wo tapfere Reiterkrieger (auf von Europäern mitgebrachten Pferden) den Traum von der Freiheit unter einem offenen Himmel mit Heldenmut gegen die nicht enden wollenden Siedlertrecks verteidigten. Seit dem 18. wie sie schon Herodot für die Weltränder beschrieben hatte. Jahrhunderts ebenso abgebildet wie in Traktaten über den Südteil der Neuen Welt. und in dieser unerreichbaren Ferne voller unbekannter Gefahren finden sich auch die erträumten. die eingeführten und erkennbaren Charakterisierungen der Fiktion zu verwenden. nachdem sie ein herzhaftes Mahl aus Bärenf leisch. kamen die meisten Berichte über „die Indianer“ aus Südamerika. wie für die Eskimo. als Menschenfresser identifiziert zu werden – ein Zustand moralischer Verworfenheit. gleicht dem Vergangenen. aber auch fern von ihrer Verderbtheit.Die „Indianer“ und wir Die „Indianer“ sind kein Volk. anstatt einem mühevoll differenzierenden Realismus zu huldigen. obwohl der Übergang vom vermeintlich realistischen Bericht ein gradueller war: Viele der frühen Augenzeugenberichte aus Amerika ergänzen oder erklären das Gesehene mit Produkten der eigenen Vorstellungskraft. Jahrhundert betraten die Indianer immer häufiger die Bühne der schönen Literatur Europas. Jahrhundert erwiesen sich diese Indianerbilder als unabhängig von den engen Grenzen der Geographie und wurden freizügig vom Kontinent auf die Inseln übertragen. und die ihre „Patu-Patu“Keulen nur verwenden. dann aber wird dieses romantische Stillleben mit der selbst einbekannten Erbärmlichkeit des Lebens der Wilden kontrastiert. „fand“ Sir Walter Raleigh in Guiana. aus denen Friedrich Schiller (1759–1805) sein „Nadowessiers Totenlied“ schöpfte. als sich das Indianerbild Europas formierte. während die Idolisierung der „Indianer“ den komplexen Wirklichkeiten unserer Lebenswelt einen Spiegel vorhielt. die im späten 10. dass diese Antipoden Europas radikal verschieden von der Gesittung Europas waren. die man friedlich und in zeitlosem Glück in ihren „Wigwams“ schlafend findet. Und unabhängig von den Tatsachen lief jedes der amerikanischen Völker Gefahr. Der Erfolg von teilweise erfundenen Reisebeschreibungen. die ihn tatsächlich praktizierten. die nur in ihrer Phantasie existierten. In ihrer verwirrenden Vielfalt und Widersprüchlichkeit wurden „die Indianer“ rasch zum Inbegriff des „Anderen“ – zum Gegenstück der eigenen Kultur im Guten wie im Bösen. Negative Zerrbilder bestätigten die Richtigkeit und Überlegenheit der westlichen Zivilisation.

Die Tatsache. zum Teil einem neuen Bild von den Indianern Platz gemacht. enthält den in vergleichbaren amerikanischen Dokumenten unüblichen Passus. die den europäischen Nationen in der Kolonisation Amerikas zukamen. Projections. die Deutschen an ihrem Kriegertum und die Franzosen an Liebesbeziehungen zu indianischen Jungfrauen. „INDIANER“ 23 . Da nun die Erbfeinde der Deutschen sich ganz offen als Alliierte der Comanche gegen die marodierenden Apache entpuppten. Encounters. Seattles Aufstieg zum Schutzpatron des World Wildlife Fund verdankt er einem völlig neuen Text. Weiterführende Literatur Calloway. auch wenn die Unterschiede gemessen an den Gemeinsamkeiten wohl eher gering waren. Das Thema der „nationalen Einheit“. als habe der Deutsche seine Schlüsse aus der Tatsache gezogen. der durch Stoizismus. Spiritualität und Einheit mit der Natur verbunden sind. So gibt es einen Aspekt in der deutschen Amerikaliteratur. 1987 (Hg. In beiden Fällen mögen Unterschiede existiert haben. zum Indianerhäuptling machen. „Indianer“ muss man nicht erfinden – sie sind bereits erfunden. Jahrhunderts mehr als tausend Titel trivialer Indianerbücher. wenn es um die aktuelle Frage des Umweltschutzes geht. Colin G. Wichtiger scheinen da die unterschiedlichen Rollen zu sein. Karl May (1842–1912). die nunmehr demokratisch-egalitär. dass sich das europäische Indianerbild im Lauf der Jahrhunderte – wenn auch nicht zu größerem Realismus hin – verändert hat. Manche der nationalen Ansichten über Indianer scheinen überdies den Stereot ypen über die europäischen Völker selbst verwandt zu sein: So. Im Gegenzug müssen „Indianer“ antreten. feministisch und der Sache von Frieden. Feest. Lincoln: Universit y of Nebraska Press. Es scheint. Besonders in der jüngeren Vergangenheit hat das traditionelle Indianerbild des Häuptlings. etwas deutlichere Vorbehalte den Eingeborenen gegenüber zeigten als jene.) Indians ad Europe. Der Informationsbedarf wurde nicht unwesentlich durch Belletristik gestillt: Allein in Deutschland erschienen im letzten Viertel des 19. französische oder amerikanische Vorherrschaft darstellt. Hannover 2009. Die Hopi machen den Sioux als Inbegriff „des Indianers“ Konkurrenz. An Interdisciplinary Collection of Essays. das die europäische Indianerliteratur des 19. Christian Wulff als Häuptling "Offenes Wort". den die deutschen Kolonisten von Neu Braunfels in Texas 1847 tatsächlich mit den Comanche abschlossen. fand seinen Zugang zum Thema durch seine frühe Bearbeitung von Gabriel Ferrys (1809–1852) Waldläufer für ein deutsches Leserpublikum. Es kann nicht Wunder nehmen. Foto: dpa. der für die Zukunft die Vermischung von Deutschen und Comanche zu einem Volk durch planvolle Eheschließungen in Aussicht stellt. jedes nur denkbare Anliegen unter Hinweis auf die Indianer zu legitimieren. die ohne überseeische Besitzungen ein Auslangen finden mussten. und frühen 20. die selbst als Kolonialmächte auftraten. die Schriftsteller auf die Huronen vergessen und die Comanche und Apache zu den neuen Heroen bzw. Winnetou. Bösewichten werden. Nach dem Verlust ihrer amerikanischen Kolonien reklamierten die Franzosen ein besonders herzliches Verhältnis zu den Indianern. In mancher Hinsicht hat die tatsächliche kulturelle Vielfalt des eingeborenen Amerika es dem europäischen Betrachter erleichtert. ist das beste Indiz für seine Funktion im Dienste sich wandelnder europäischer Bedürfnisse. dass jene. dass Ferry Franzose war. Christian F. trägt Wulff den Kopfschmuck mit sichtbarem Stolz. der „rote Gentleman“ und Weggefährte des sächsischen Tausendsassa Old Shatterhand. der langfristig erfolgreichste deutsche Vermittler eines von der Realität abgehobenen Indianerbilds.) Germans and Indians: Fantasies. in Mexiko einen neuen Stützpunkt ihrer Großmachtinteressen in Amerika zu errichten. musste ganz einfach ein Apache sein. Auch wenn ihm die Würde nur vom Winnetou-Darsteller der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg verliehen wurde. Jahrhunderts durchzieht und das die Bedeutung der Frage für viele europäische Nationen der damaligen Zeit spiegelt. ein begeisterter Karl May-Leser. Eine 1887 veröffentliche Version der ebenso berühmten wie fiktiven Rede des Häuptling Seattle (um 1786–1866) war ein Produkt des amerikanischen Glaubens an die göttliche Fügung der Eroberung des Westens und wurde daher in Europa niemals populär.zurückgebliebenen Freunde und Verwandten an den transatlantischen Gegebenheiten wach. Noch als Ministerpräsident von Niedersachsen ließ sich der heutige Bundespräsident Christian Wulff. ließen die Versuche der Franzosen. lobenswerte militaristische Neigungen und autoritäre Führerschaft ausgezeichnet war. Schweden an der Seite ihrer indianischen Freunde . Der Vertrag. Und nicht unerwartet kämpfen in polnischen und schwedischen Indianerromanen Polen bzw. Susanne Zantop 2002 (Hg. waren Letztere wohl oder übel die Freunde der Deutschen. Aachen: Rader. hat heute fast völlig seine Anziehungskraft eingebüßt. der Deutschland als potenziell bessere Kolonialmacht und insgeheim als Alliierten der Indianer in ihrem Kampf gegen die britische. Gerne lassen sich Politiker aller Farbschattierungen mit einer indianischen Federhaube – Symbol für Führerschaft und Weisheit – abbilden.. Gerd Gemünden. wenn die Ungarn ein größeres Interesse an den Reitkünsten der Indianer bekunden. den ein Englischprofessor an der Universit y of Texas 1969/70 als Filmdrehbuch für einen Film über Umweltzerstörung verfasst hat. Die Frage nach den Nationalcharakteristika in den europäischen Indianerstereot ypen ist mit der Frage nach den möglichen Unterschieden in der Behandlung der eingeborenen Völker Amerikas durch unterschiedliche europäische Kolonialmächte verknüpft. Im zweiten Kaiserreich Napoleons III.

dass Pocahontas (wohl im Auftrag ihres Vaters) als Friedensstifterin zum Überleben der schwachen Kolonie in deren ersten Jahren beitrug. Man kann vermuten. Als aber die Familie nach Virginia heimkehren wollte. Tochter des mächtigen Fürsten Powhatan. als sich plötzlich Powhatans Lieblingstochter. aus dem Kreis der Zuseher löste und über den todgeweihten Mann warf. der dort auf einem mit Fell ausgelegten Podest thronte. Die Virginia Company. Man legte den Kopf des Fremdlings auf einen f lachen Stein. und ein kräftiger Krieger nahm mit seiner schweren Keule bereits Maß. den Brückenkopf der ersten erfolgreichen englischen Kolonie in Nordamerika. deren Bedeutung Smith nur vermuten konnte. Er lockte sie auf sein Schiff und nahm sie als Geisel mit nach Jamestown in der Hoffnung. John Rolfe und deren mittlerweile geborenen Sohn Thomas nach London. Pocahontas leistete keinen Widerstand. Ohne dass er so recht wusste. was eigentlich geschehen war. 1613 der verschollenen Pocahontas. wo sie als virginische Prinzessin für großes Aufsehen sorgte. nahm sie schließlich den Heiratsantrag des verwitweten Siedlers John Rolfe (1585–1622) an. wie die erste eingeborene Anglikanerin nun hieß. „Matoaka alias Rebecca. die zwölfjährige Pocahontas (1595–1617). die seiner „Wiedergeburt“ als Angehöriger der Herrscherfamilie vorausgehen musste. Nach einer längeren Zeremonie. brachte 1616 Pocahontas. die 1607 südlich des heutigen Washington die Kolonie Virginia gegründet hatten. Foto: Library of Congress. eine symbolische Tötung des Engländers. was Smith als seine nahende Hinrichtung zu erleben vermeinte. Captain Samuel Argall (gest. Unterwegs geriet er in einen Hinterhalt und wurde als Gefangener nach Werowocomoco gebracht. durfte der Fremde bald darauf als freier Mann in das acht Monate zuvor gegründete Jamestown zurückkehren. DC Das einzige nach dem Leben gezeichnete Porträt der virginischen Häuptlingstochter zeigt sie in englischer Hof kleidung. Als Zwölfjährige schlug sie zur Freude der englischen Siedler auf dem Dorfplatz von Jamestown weitgehend unbekleidet das Rad. als beide beim Häuptling von Patawomeke zu Gast waren. zu einer Expedition ins Landesinnere auf. um Nahrung für seine hungernden Landsleute zu beschaffen. dass Powhatan bis zu seinem Tod im Jahr 1618 Frieden mit den angeheirateten Verwandten hielt. bei Hof eingeführt wurde und ein kurzes Wiedersehen mit Smith feierte. Als Rebecca. Es war dieser politischen Heirat zu verdanken. Pocahontas warnte bei ihren Besuchen in Jamestown die Siedler vor möglichen Gefahren und versorgte sie in schlechten Zeiten sogar hin und wieder mit Lebensmitteln. In England wurde sie von der Königin empfangen. der an 24 CHRISTIAN FEEST . Als Gefangene der Engländer bekehrte sie sich zum Christentum und heiratete den Witwer John Rolfe. Die Verwandlung war perfekt: Aus Pocahontas (oder Matoaka) war Rebecca geworden. im Gegenteil: Sie ließ sich in der Kolonie zum Christentum bekehren und taufen. und auch Pocahontas verschwand für einige Zeit von der Bildf läche. Der trotz seiner Erfolge bei den anderen Siedlern wenig beliebte Smith kehrte bald nach England zurück. Washington. Von den Gründungstagen des angelsächsischen Nordamerika bis zu Walt Disney hat Pocahontas die Öffentlichkeit fasziniert. 1626?). Kupferstich nach einer Zeichnung von Simon van de Passe. dass das. trotz seiner jungen Jahre bereits ein Veteran der Türkenkriege und nun Anführer der englischen Kolonisten. wo Powhatan (um 1547–1618) residierte. Ihrer Fürsprache verdankte die junge Kolonie Virginia möglicherweise das Überleben. Ohne die beiden verstrickten sich die Kolonisten in einen jahrelangen und aussichtslosen Krieg mit Powhatan.Pocahontas Superstar der Spitze eines großen Häuptlingstums der örtlichen Algonquin-Völker stand. Im Winter des Jahres 1608 brach Captain John Smith (1579–1631). wurde der Gefangene in das über fünfzig Meter lange Haus des mächtigen Powhatan geführt. Kaiser von Attanoughakomouck alias Virginia“. starb die erst zweiundzwanzigjährige Pocahontas auf dem noch nicht ausgelaufenen Schiff „am Fieber“ und wurde bei Gravesend an der Themse begraben. die unter einem Privileg des Königs das Kolonialabenteuer finanzierte. in Wirklichkeit ein Adoptionsritual war. von Powhatan einen Frieden zu erpressen. Zeitgenossen bestätigen. 1617. Durch Zufall begegnete ein anderer Kolonist. sie verstarb vor ihrer Rückkehr in die Heimat. Durch diese Adoption wollte Powhatan den Führer der englischen Kolonie offenbar an sich binden: Gegen Überlassung zweier Kanonen und eines Mühlsteins bot Powhatan ihm sogar die Herrschaft über einen Teil des südlichen Virginia an.

Topf mit bilderschriftlicher Darstellung der Pocahontas-Geschichte. emanzipierte junge Frau. weißen Mann zu töten 10. entdecken 4. Opechancanough: Three Indian Lives Changed by Jamestown. folgte ihm erst als junger Mann über den Atlantik. Jahrhunderts. 2005 Pocahontas. Jahrhundert zur neuen Wirklichkeit. weißem Mann 16. John Rolfe kam in dieser Geschichte übrigens ebenso wenig vor wie in dem Film Pocahontas (1994). 1899. Weitere Kriege und Seuchen reduzierten die indigene Bevölkerung noch im 17. Washington Das Spiel mit der eigenen Vergangenheit wurde für die Pamunkey im 20. Charlottesville: Universit y of Virginia Press. Tilton. in Virginia den Anbau von südamerikanischem Tabak als Grundlage für den Reichtum der Kolonie eingeführt zu haben. Powhatans andere Nachkommen profitierten hingegen weder vom neuen Reichtum der Kolonisten noch von ihrer Abstammung. So ist auch Pocahontas ganz wie andere „Indianer“ in erster Linie ein Produkt der wechselnden westlichen Vorstellungen und Wünsche. der in England geblieben war. das auf Minireservationen ein kärgliches Dasein fristete. Über diesen Sohn von Pocahontas leiten bis heute viele prominente Familien Virginias ihre blaublütige Abstammung aus dem Powhatan’schen „Königsgeschlecht“ ab. und inszenierten ein öffentlich aufgeführtes Stück. Indianer 8. als hätten sich zwei Herrschergeschlechter mit ihren Territorien freiwillig zu einem neuen Reich vereinigt. 1990 The Powhatan Tribes. Helen C. Der Beipackzettel „übersetzt“ den Inhalt aus der im 20.“ Einer der verbliebenen Stämme. Indianische Jungfrau 12. Pamunkey in Kostümen für eine dramatische Aufführung der Pocahontas-SmithGeschichte. Thomas. Foto: DeLancey Gill. 1972. Pamunkey. The Evolution of an American Narrative. Smithsonian Institution. National Anthropological Archives. Sie benannten ihre Kinder nach den Rollen des Theaterstücks und trugen bei festlichen Anlässen die Fantasierequisiten als für die Weißen erkennbare Abzeichen ihres „Indianertums“. Christian F. die durch ihre Ehe der gewaltsamen Landnahme den Anschein der Rechtmäßigkeit verliehen hatte – ganz so.Rolfe kehrte als zweifacher Witwer allein zurück. 1994 Pocahontas. vom Ruhm ihrer berühmten Verwandten Pocahontas zu profitieren. Indianer 2. widersetzt sich 13. Im 17. wurden von der Verwaltung der Kolonie (und später des Staates Virginia) gemeinsam mit den Nachkommen afrikanischer Sklaven als „freie farbige Personen“ klassifiziert und mussten deshalb unter erheblicher Diskriminierung leiden. Virginia. aber auch für den „natürlichen Adel“ der indigenen Herrscherfamilien. mit dem die Walt Disney Studios die Tochter Powhatans als gut geschminkten Teenager in Gesellschaft eines schlanken und bartlosen John Smith einem multikulturellen Amerika als Superstar verkauften. Jahrhundert war sie noch ein Symbol für die Bekehrungs. versuchten gegen Ende des 19.und Zivilisierungsfähigkeit der amerikanischen Bevölkerung unter dem wohltuenden Einf luss der Kolonisation. Jahrhundert auf weniger als ein Zehntel. Jahrhundert erfundenen Bilderschrift: „1. Im 19. Powhatan. Viele verloren auch dieses letzte Land. Pocahontas wurde später in der Mythologie der jungen Vereinigten Staaten zur gottgesandten Retterin der Kolonie. Sein späterer Ruhm gründet sich darauf. Hergestellt von Daisy Bradby. deren Liebe und Freundschaft über Schranken der Herkunft hinweg so sehr der historischen Erfahrung von Powhatans anderen Kindern widerspricht. Museum für Völkerkunde Wien In Anlehnung an ihr Pocahontas-Smith-Stück produzierten die Pamunkey auch bemalte Keramiken zu diesem Thema. (und) fügt kein Leid zu 15. am Sitz des Häuptlings 11. indianischen Männern 14. die Pamunkey. Weiterführende Literatur Feest. in dem ihre weißen Nachbarn an die Verpf lichtungen erinnert werden sollten. stehend 6. New York: Chelsea House. in seichtem Wasser 7. Heute ist sie eine selbstbewusste. Cambridge und New York: Cambridge Universit y Press. Robert S. auf der Jagd 3. aber gute Wünsche. Rountree. weißen Mann 5. Nach einem erfolglosen Aufstand gegen die Siedler im Jahre 1622 zerbrach Powhatans Reich. „INDIANER“ 25 . beschließen 9. Jahrhundert stand sie für die freiwillige Unterwerfung der Ureinwohner unter die „göttliche Fügung“ der Landnahme und für die Verwurzelung der jungen USA auf dem eroberten Land. die aus der Heiratsallianz vergangener Tage entstanden waren.

Vancouver Island. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. um 1770. Mowachat. die Augen aus Glimmerschiefer. Parkinson’s Museum. ex-Slg. James Cook) Die von den Teilnehmern an James Cooks dritter Reise bei ihrem Aufenthalt in Nootka Sound als besonders porträtähnlich beschriebenen Masken entstanden ohne Zuhilfenahme von Metallwerkzeugen. British Columbia. Nootka.Anthropomorphe Maske. . Augenbrauen und Bart aus Fell waren ursprünglich aus Fellstreifen.

. 1725–1775) näherte. als sich ihnen von Norden kommend die spanische Fregatte Santiago unter dem Kommando von Juan Pérez (ca. 1778 Die dicht bewaldete und sehr feuchte Westküste von Vancouver Island mochte im 18. ERSTER KONTAKT 27 . Derartige Schwierigkeiten hatten die Kanus der Mowachat nicht. Aus: James Cook und James King. Jahrhundert auf die europäischen Entdecker einsam und romantisch gewirkt haben.. Österreichische Nationalbibliothek. für die sie im Gegenzug Seeotterpelze da ließen. Die Nachfahren ihrer zur Wakash-Sprachfamilie gehörenden Bewohner nennen sich heute kollektiv Nuuchahnulth – „entlang der Berge“. den Löffeldieb habe inzwischen der Tod ereilt. seetüchtigen Einbäumen und schweren Katamaranen. August 1774. Trotz zahlreicher Missverständnisse auch auf Grund von Sprachschwierigkeiten war der erste Kontakt für beide Seiten lehrreich und profitabel. Ein natürlicher Reichtum an Holz. die zur Santiago hinausgepaddelt kamen. Tatsächlich aber war jeder Fußbreit des Landes kulturell und wirtschaftlich erschlossen.ERSTER KONTAKT HENRY KAMMLER Mowachat. Während dieses Gabentauschs verschwanden auch zwei nicht für den Handel bestimmte Silberlöffel von Bord. deren Dörfer am Fuße schneebedeckter Bergketten aus mächtigen Plankenhäusern bestanden. Wien Neugierig und zum Handel bereit versammeln sich die Mowachat am Ufer vor ihrem Sommerdorf Yuquot. die vier Jahre später die Aufmerksamkeit von James Cook (1728–1779) erregten und schließlich 1789 noch einmal Thema wurden. In den Wasserstraßen und Fjorden herrschte emsiger Verkehr von großen. Fischen und Meeressäugern ermöglichte sozial ausdifferenzierte. Nach einigem Zögern gingen einige der Einheimischen an Bord und erhielten Metallgegenstände zum Geschenk.] (1784). Kupferstich nach einer Zeichnung von John Webber. A Voyage to the Pacific Ocean [. als Häuptling Maquinna (†1795) des gastgebenden Stammesbundes von Yuquot-Tahsis den Spaniern versöhnlich mitteilte. wo ein Landungsboot der Cook’schen Expedition angelegt hat. Ihren ersten dokumentierten Kontakt mit Europäern hatten die indigenen Bewohner des Nootka Sound am 26. halbsesshafte Kulturen. Pérez hatte vor. „Ansicht der Wohnstätten am Nootka Sound“. doch scheiterte sein Landungsboot an der Brandung und kehrte zum Schiff zurück. am Südufer des Sundes ein Kreuz aufzupf lanzen und die Gegend für die spanische Krone in Besitz zu nehmen.

Hundert Jahre des Kontakts hatten nicht nur die Bevölkerungszahl. vor allem dem Stamm „die bei König Georg wohnen“.Die „Nootka“-Stämme auf Vancouver Island Selbst auf dem engen Raum der Westküste von Vancouver Island wird ein Sammelbegriff wie „Nootka“ den Tatsachen nicht gerecht. bei der Santiago handle es sich um das legendäre Kupferkanu. um die Menschen für ihre Sünden zu bestrafen – aus spanischer Sicht ein historisches Déja-vu ihres Einmarsches ins Aztekenreich und eine Variante eines weit verbreiteten kolonialen Sujets. dass die Fremden verschiedenen Stämmen angehören mussten. Im weiteren Verlauf der Reise stellte sich heraus. Pérez hatte den Ort 1774 San Lorenzo getauft. Nachdem Pérez es nach der gescheiterten Landung versäumt hatte. die Indianer hätten geglaubt. Cook bezeichnete ihn als Friendly Cove („Freundlicher Winkel“) und glaubte. mit dem der Schöpfergott „Qua-utz“ die ersten männlichen Vorfahren der Mowachat an die Gestade der Insel gebracht hatte. Wenig später erkannten auch die Mowachat. Den Iberern gefiel die Vorstellung. Jener sei nun zurückgekehrt. Jahrhundert belegbaren dar. wenn sie ihre Dörfer am Meeresgrund oder an fernen Ufern verließen. um die Landspitze herum in den geschützten Sund zu fahren. vom Schiff aus genaue Messungen vorzunehmen. 28 HENRY KAMMLER . Über die Herkunft des Namens Nootka gibt es einige Spekulationen. woraus die Spanier San Lorenzo de Nuca machten. Offenbar ist es von dem indigenen Wort nuutkaa („umkreisend“) abgeleitet. Nach indigener Auffassung zogen sich Fische. vernahm. das Cook in den Antworten auf die Frage. Der Chronist José Moziño (1757–1820) kolportierte 1793 die Auffassung der Kolonisten. 1784 erschienen Cooks Berichte im Druck und schon im Folgejahr erreichten Handelsschiffe die Küste von Vancouver Island. Möglicherweise wurde er nur aufgefordert. heute kursierenden Version wiederholte Häuptling Maquinna in seiner Begrüßungsansprache ein ums andere Mal „nuutkaa÷aksiš nis’ma÷i ahckuu“ – „dies hier rundherum ist mein Land“. blieb sein Besuch nur das Vorspiel zur eigentlich schicksalhaften Begegnung der Mowachat mit der Alten Welt: James Cooks fast einmonatigem Aufenthalt im April 1778. deren Qualität die der von den Russen vor Kamtschatka gefangenen Tiere übertraf und die er als „von nicht geringem ökonomischen Interesse“ beschrieb. oder aber man bedeutete ihm. In einem besonders großen Kanu erhob sich ein Mann mit einem Sprecherstab und hielt eine lange Rede. Schalentiere und Meeressäuger nur Tauchanzüge in der jeweiligen Tiergestalt über. Die hier verzeichneten Stämme stellen nur eine Auswahl aus den im späten 19. dass diese Seeotterpelze im chinesischen Kanton das Tausendfache des Kaufpreises erzielten. In einer anderen. wie der vor ihm liegende Ort denn heiße. man habe die Ankömmlinge für Meerestiere in menschlicher Gestalt gehalten. deren Insassen sie mit von Rasseln begleiteten Gesängen begrüßten. dass die meisten Bewohner des Nootka Sound bei seinem Anblick voller Schrecken in die Wälder gef lohen seien. dass der Ort Yuquot selbst nur auf einer vorgelagerten und umfahrbaren Insel (Nootka Island) gelegen war. Nach Beendigung des Protokolls kamen die Gastgeber ohne Umschweife an Bord und begannen Handel zu treiben. Der von ihnen angelaufene Ort trug nun vier Namen: Die Mowachat selbst nannten ihr Sommerdorf Yuquot (yuukwaathc – „bei den Winden wohnen“). nutzte aber auch auftragsgemäß die Gelegenheit zur eingehenden Dokumentation von Land und Leuten. als zurückkehrende Götter empfangen worden zu sein. Der englische Kapitän wollte vor der geplanten Pazifiküberquerung einen Mast ersetzen und die Vorräte ergänzen. Der den Europäern gegebene Name mamalnfl i („auf dem Wasser wohnen“) bezog ¯ sich auch nur auf das unmittelbar Sichtbare. den „Bostonbewohnern“ und den „Spanienbewohnern“. sondern auch die Zahl der Lokalgruppen und Stämme dramatisch vermindert. das Land hieße „Nootka“. deren Schiff einen so großen Eindruck machte. wurden sie von großen Kanus umringt. sahen aber ansonsten wie Menschen aus. Realistischer ist die bis in die jüngere Vergangenheit bei den Nuuchahnulth mündlich überlieferte Deutung. Unter den von ihnen angebotenen Pelzen verschiedenster Tiere erregten besonders die äußerst feinen und dichten Seeotterpelze Cooks Aufmerksamkeit. die ihrerseits aus weitgehend unabhängigen lokalen Verwandtschaftsgruppen bestanden und zum Teil zu größeren Konföderationen zusammengeschlossen waren. Sobald seine Schiffe Resolution und Discovery in den Nootka Sound einliefen.

Mit Hilfe erhitzter Steine brachten sie Wasser in Holzkisten zum Kochen und garten darin Fisch. Auch die Lachseier ergaben eine Dauernahrung: Die Frauen stopften sie in Kabeljaumägen. die nötigen Wintervorräte abzuschöpfen. Im späten Frühjahr waren alle Teilgruppen in Yuquot angekommen und einige übersiedelten in an der Außenküste liegende kleine Dörfer. Die europäischen Chronisten beschwerten sich immer wieder bitterlich über die „dicke Luft“ in den Häusern ihrer Gastgeber. manche von diesen mit Familienwappen beschnitzt. die man roh oder gedünstet aß. die im Frühsommer in großen Herden Richtung Norden durch die ufernahen äußeren Gewässer zogen. Sie sollten sich schließlich durch die respektvolle Behandlung ermutigt fühlen.Die Hausgesellschaft erhält Besuch Die großen Plankenhäuser der Bewohner des Nootka Sound waren Wohnsitze adeliger Familien. Wurzeln einiger ufernaher Wasserpf lanzen sowie die bräunlichen Knollen des Fingerkrauts. um Muscheln und andere Schalentiere aus dem Schlick zu graben oder von ihren Kolonien an Felsen abzustemmen. indem man über je zwei große Kanus die abnehmbaren Planken legte. Alles. die die Wände und Dächer der Behausungen gebildet hatten. ihrer gemeinfreien Verwandten und ihrer Sklaven. und durch getrocknete Wurzeln. Salalbeeren. Im Verlauf des Sommers folgte die Ernte der brombeerartigen Lachsbeeren. die an Spaghetti erinnernden Rhizome des wilden Klees und die Zwiebeln bestimmter Lilienarten ernteten die Frauen ebenfalls mit Grabstöcken. dann von Heidelbeeren. damit die daraus wiedergeborenen Lachsmenschen am Meeresgrund nicht an Verunstaltungen litten. Im August versammelten sich die Angehörigen des Stammesbundes wieder in Yuquot. An den Kochstellen nahmen die Frauen Fische aus und brachen Schalentiere auf. der tiefes Wasser mit sandigem Boden liebt. tunkten sie in den in großer Menge bevorrateten Tran von Robben oder Walen. Schwertwale und Katzenhaie. Die beim Schneiden übrig gebliebene Fischgräte mit Kopf und Schwanz. um aus den Millionen Tieren. Zentimeterdick legten sie ihre Eier an Seetang und auf von den Bewohnern an speziellen Gestellen ins Wasser gehängten Tannenzweigen ab. doch kamen sie in weniger Flüssen vor und waren nicht so ergiebig. Brombeeren. die getrocknet oder zu Gelee verkocht zu kleinen Kuchen gepresst haltbar gemacht wurden. zumindest nicht mehr nach Salz. sondern auch für Haushaltsgegenstände aus Holz. von wo aus neben Kabeljauarten. Red Snapper und Königslachs vor allem Heilbutt. den himbeerartigen Fingerhutbeeren. Von kleinen Kanus aus rührte man mit Schöpfnetzen oder speziellen Heringsrechen – langen. deren Reste sich in der Hausmitte ansammelten. Andere Zubereitungsarten waren das Rösten auf glühenden Kohlen und das Grillen an Spießen über der offenen Flamme. Cranberries und anderen. im kommenden Jahr wieder die Flüsse hinaufzusteigen. Auch wenn die Lebensweise der Küstenbewohner oft als Lachskultur charakterisiert wird. ebenso wie den Grauwalen. um sich anschließend in ihre Fischereicamps an den Flussmündungen entlang ihrer Fjorde zu begeben. während sich die Haut mit dem übrigen Fleisch daran auf klappen und an Stöckchen aufspannen ließ. geangelt wurde und wo die meisten jagdbaren Seesäuger zu finden waren. Alle nach dem Schmaus verbliebenen Reste der Lachse warf man ins Wasser zurück. beidseitig mit Zinken besetzten Stangen – in den dichten Schwärmen herum und beförderte die zappelnden Fische mit Schöpfbewegungen ins Boot. Schon deswegen muss Heimatgeruch für die Mowachat eine ganz eigene Note gehabt haben. Abgestandener Urin diente als Fett lösendes Reinigungsmittel nicht nur für die Haare. wurden diese „Hausgesellschaften“ durch das Kommen der Europäer ungefragt in globale wirtschaftliche und politische Interessen verstrickt. Es galt. Nur die Hausgerüste aus mächtigen Zedernstämmen. Den Heringen folgten die Buckelwale in die Fjorde. die man vor dem Verzehr einweichte. Beides hängte man in den Rauch über den Kochfeuern und verstaute es dann in getrocknetem Zustand dicht zusammengepresst in Holzkisten. welches auch in ihre Kleidungsstücke überging. Untereinander durch Allianz und Konkurrenz verbunden. an der noch viel Fleisch hing. dass sie nach nichts. Das Essen bereiteten die Frauen an offenen Feuern im Hausinneren. blieben stehen. Das Nootka-Wirtschaftsjahr begann im März. Die Fischgerippe sollten vollständig bleiben. wurde zu Fischsuppe verkocht oder auf Holzkohle geröstet. Frauen zogen bei Ebbe mit Tragkörben und einem an einem Ende zugespitzten Grabstock aus hartem Eibenholz durch die Gezeitenzone. Getrocknet ergab der Heringsrogen eine ausgezeichnete Dauernahrung. Das tägliche Lachsbrot der Winterzeit ließ sich durch Beeren ergänzen. Man aß das wohlschmeckende orange bis gelblichweiße Fleisch dieser Tiere sofort im Boot oder am Ufer in rohem Zustand aus ihrer stachligen Schale.und Königslachs als schmackhafter. könnte man sie ebenso gut als „Trankultur“ bezeichnen. Außer während der Heringslaichzeit holten Männer und Frauen von Kanus aus mit langen Spießen Seeigel vom felsigen Ufergrund. ERSTER KONTAKT 29 . Auf den derart entstandenen Katamaranen verstauten die Nootka-Leute ihren Hausrat. wo man ihnen mit Harpunen nachstellte. was die Nootka aßen. würziger „Käse“. so verabscheuten sie das Salzige: Selbst die von ihnen geschätzten Seetangwurzeln wässerten die NootkaLeute so lange. Die Fische wurden von den Frauen so aufgeschnitten. Darüber hinaus rieben die Menschen sich ständig mit Tran oder mit Bärenfett ein. Ab April ernteten sie auch die jungen Triebe verschiedener Beerensträucher. Seelöwen und gelegentlich Delphine. Der Umzug von Wohnplatz zu Wohnplatz erfolgte. die den Quellseen zustrebten. Selbst die frischen Beeren im Sommer genossen die Nootka-Leute mit einem Trandressing. Zu Zeiten Cooks entfaltete sich der Wirtschaftskreislauf des Stammesbundes im Nootka Sound zwischen den geschützten Wintersiedlungen der Teilstämme am Ende zweier Fjorde und dem großen Sommerdorf Yuquot an der Südspitze des der offenen See zugewandten Nootka Island. wenn die Heringe zum Laichen in die Buchten kamen. dass eine innere Schicht Fleisch zu beiden Seiten als Filet gewonnen wurde. Fleisch und Wurzelfrüchte. rechtzeitig vor dem Beginn der besonders ergiebigen Laichzüge der Hundslachse im September die Fischwehre in den Flüssen herzurichten. So sehr sie das Fischige mochten. Dabei waren der Besitz und die Verteilung von Waltran den Adeligen vorbehalten. hängten sie in den Rauch und durch Fermentierung bildete sich ein streng riechender. Zwar galten Sockeye. Außerdem harpunierten die Männer Seehunde.

aber ihre Felle und ihr Talg waren begehrte Güter. Der Hausrat ist hinter den Schlafpritschen aufgestapelt. die Hauspfosten sind mit Abbildern von Ahnen beschnitzt. Er bemerkte auch.] (1784). wobei sie selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nackten Fußes durch den Schlick wateten. zeigt ein Blick auf die unter dem Dach aufgehängten Nahrungsvorräte und auf die zentrale Kochstelle. was seinen Herrn zu einem erfolgreichen Jäger und reichen Mann machte. in erster Linie Klingen an Schnitzwerkzeugen. 30 HENRY KAMMLER . die dort eine wesentliche Nahrungsquelle darstellten. im Winter gefangenen Fisch über Nacht aufzubewahren. Unter normalen Bedingungen konnten die Mowachat es sich leisten. Vor allem die am Ende von Fjorden lebenden Gruppen konnten ihre Nahrung ganzjährig mit dem Fleisch von Hirschen. essbare Ressourcen zu verschmähen. was sie wollten. Blieben zum Ende des Winters die Heringslaichzüge aus oder hatte man es versäumt. A Voyage to the Pacific Ocean [. Im Watt gruben die Frauen nach Muscheln. als die Tiere noch Menschengestalt hatten.schmeckten. Fußbekleidung gab es kaum. Auch im Winter wurde in den Fjorden geangelt. Sein trickreicher Sklave Kwat yaat verstand sich darauf. Das Fleisch dieser Landtiere stand nicht hoch im Kurs. regelrechte Hungersnöte gab es aber kaum. im Gegensatz zur Situation bei einigen ihrer Nachbarn. äußerst streng riechende Öl von fermentierten Kerzenfischen vom Festland nordöstlich von Vancouver Island den Nootka Sound. dem „Das Innere eines Hauses am Nootka Sound“. Österreichische Nationalbibliothek. die in Notzeiten dann doch genutzt wurden. In jenen Urzeiten. weil sie sich bereits im Besitz geringer Mengen von Eisen befanden. wobei vor allem so genannte Winterkönigslachse und verschiedene Kabeljauarten gefangen wurden. Dafür zeigten sie sich umso gieriger nach Metallgegenständen aller Art. dass die Küstenbewohner wenig Interesse an Glasperlen hatten. wurde im Frühjahr gelegentlich das Essen knapp. die Tannenzweiggestelle für den Heringslaich rechtzeitig ins Wasser zu bringen. der Wasser und Feuer besaß. Es bestand allerdings das Tabu. Wien Dass Fisch die Hauptnahrung der Nootka war. Aus: James Cook und James King. dass die Mowachat genau wussten. Wapitis oder Bären ergänzen. die man eher in großen Schlagfallen fing. zu denen die Teilhäuptlinge die jeweils anderen Häuptlinge mit ihren zahlreichen Angehörigen bewirteten. Zwar gelang es den anderen Tieren. Kupferstich nach einer Zeichnung von John Webber.. die über weite Handelsnetze zu ihnen gelangt sein mussten. Nach dem großen Lachsfang zogen sich die Nootka-Leute in zwei große geschützte Winterdörfer zurück. von Axtklingen über Zinnkannen und rostige Nägel bis zu Uniformknöpfen.. war Specht ein mächtiger Häuptling. Getrocknete Algen standen bei ihnen. Die dunkle Jahreszeit war den Zeremonien des Tluukwaana-Geheimbunds und ausschweifenden Festen gewidmet. kaum auf dem Speisezettel. Die Mowachat selbst deuteten ihre Unkenntnis der Eisenherstellung mythologisch. Sand im Feuer zu Eisen zu schmelzen und daraus Seeotterharpunen herzustellen. Gänse und Enten fing man nachts mit Netzen oder jagte sie mit Pfeil und Bogen. In der Region f lorierte ein schwunghafter Handel mit Gütern und Nahrungsmitteln aller Art. Anlässlich der Tauschgeschäfte auf Cooks Schiff beobachtete der Kapitän mit Verwunderung. an der Fische geröstet und in einer Holzkiste gekocht werden. Kleidung und Stoffe als Gegenwert für ihre Pelze gar rundheraus ablehnten. beides aber den anderen vorenthielt. Nur von den Dörfern der äußeren Küste aus konnten Albatrosse gejagt werden. als sie aktiv mit Pfeil und Bogen oder Lanze zu bejagen. Die Nootka-Leute waren beinharte Händler. So erreichte auch das begehrte.

der dabei den Tod fand. wo diese Tiere seltener waren. ihre jüngeren Geschwister erbten wenig oder nichts und bildeten mit ihren Nachfahren die große Gruppe der Gemeinfreien („Mitbewohner“). Möglicherweise als Konzession an Tlupananul. Um Zugang zu den Ressourcen des offenen Meeres zu bekommen. England. Auf einheimischer Seite gab es ebenfalls mehrere politische Akteure mit jeweils eigenen Interessen. – „Zugangspforte am Strand“). was sich die Weißen von ihm abschauten. Adeliger Status vererbte sich im Wesentlichen über die Erstgeborenen beiderlei Geschlechts. wie der Ortsname andeutet. da Spanien nicht erwartete. Schlossen sich wie im Nootka Sound mehrere Gruppen zu einem festen Stammesbund zusammen. Maquinnas Linie stammte von den Walfängern ab. Quallicums Linie besaß als zweite in der Rangfolge das Dorf Tahsis (t’ašiis „Inneres eines Hauses mit Frauen beim Weben. Maquinnas Leute verließen darauf hin Yuquot. Die Stammesverbände des Gebietes waren keineswegs geschichtslos. Im Nootka Sound gab es aber auch einen kleineren Stammesbund unter der Führerschaft des Häuptlings Tlupananul im Fjord von Tlupana. sondern auch eine Bühne internationaler Diplomatie. Library and Archives Canada. dass die jungen USA Gebietsansprüche stellen würden. 1756–1809) vor. In den Siedlungen herrschte eine klare soziale Rangfolge. Einige Generationen vor Ankunft der Weißen hatten sich die an der Außenküste von Nootka Island beheimateten und auf Walfang spezialisierten Gruppen mit jenen auf der Ostseite von Nootka Island und im Fjord von Tahsis. die selbst die Kontrolle über die lokalen Ressourcen erlangen wollten. um nach einer Landnahmezeremonie ein Fort und eine Siedlung zu errichten. und andererseits die offiziellen Vertreter der Kolonialmächte. Etwa 100 Kilometer weiter südlich begann das Einf lussgebiet eines Stammesbundes vom Clayoquot Sound unter Führung des despotischen Häuptlings Wikaninish (Wiikinaniš). fand er bereits eine kleine Werft des Briten John Meares (ca. Nootka Sound“. Während oder kurz nach der Zeit des Pelzhandels schlossen sich diese Gruppen der Konföderation unter Maquinna an. 1778.Specht Feuer und Wasser zu entwenden. unterwarfen Wikaninishs Vorfahren nach und ERSTER KONTAKT 31 . die kurzfristig dachten und primär an guten Beziehungen zur lokalen Bevölkerung interessiert waren. Ottawa Eine Skizze des Expeditionsmalers John Webber (1751–1793). Er konfiszierte Meares neues Schiff kurzerhand. Sklaven schließlich rekrutierten sich aus Kriegsgefangenen und ihren Nachkommen und wurden oft über große Strecken zwischen den Stämmen gehandelt. die Heimat der Weißen. Die Besatzungen amerikanischer Schiffe blieben als Zaungäste unbehelligt. das die gesamte amerikanische Pazifikküste als seine Einf lusszone betrachtete. die sich beispielsweise im räumlichen Arrangement der Sitzplätze bei festlichen Anlässen und in der Anordnung der Häuser in der Zentralsiedlung ausdrückte. um seine Missbilligung zu bekunden. Den indigenen Besitzern unter Häuptling Maquinna (M’ukwina) gefiel das Vorgehen gegenüber ihren geschätzten englischen Handelspartnern gar nicht. So hatten sich die verbündeten Stämme eine Organisationsform gegeben. begründeten. die zu bestimmten „Häusern“ gehörten und hinsichtlich ihrer Machtstrategien und Ehrauffassungen an europäische Adelshäuser des Mittelalters erinnern. verbündet. Nootka für die britische Krone zu sichern. Beispiele dieser Textilien wurden auch durch Teilnehmer an der dritten Weltreise von James Cook erworben. die den Ruhm von Nootka. Lavierte Bleistiftzeichnung von John Webber. zeigt eine kniende Frau vor einem Kettbaum. Der jähzornige Martínez fühlte sich übergangen und ließ auf Quallicum schießen. gab es eine interne Rangordnung der jeweiligen Teilhäuptlinge. Kwat yaat schmolz auch dort Eisen. Nootka Sound wurde dank Cooks Berichten nicht nur ein Ort internationalen Handels. Als Don Estevan Martínez (1742–1798) – zufälligerweise auch der ursprüngliche Besitzer der erwähnten Silberlöffel – im Mai 1789 im Nootka Sound eintraf. Dessen Linie stammte vom landeinwärts gelegenen Kennedy Lake. Nach seiner Rückkehr an heimatliche Gestade stiftete Kwat yaat den „Verwandler“ an. Den Bewohnern des Nootka Sound standen also zwei Arten von Akteuren gegenüber: einerseits Unternehmer aus den USA. zweithöchster Erbhäuptling der Konföderation von Yuquot-Tahsis. an dem sie in Gesellschaft einer älteren Frau und eines Kindes eine zwirnbindige Decke herstellt. blickte mit Sorge auf die russischen Besitzungen in Südalaska und das schnell wachsende Einf lussgebiet englischer Handelshäuser am Pazifik. den Tieren ihre tierische Gestalt zu geben. Spanien. die eine optimale Ressourcennutzung garantierte. der den Tlupana-Stämmen anbot. der sich mit dem dritten Rang zufrieden geben musste. die über ergiebige Lachsf lüsse verfügten. nannte sich nun der gesamte Bund „Mowachat“ nach Tlupananuls Winterdorf MuwacË’a („Hirschfelsen“). Vor allem aus dieser Quelle stammten die hervorragenden Seeotterpelze. unter anderem die Argonaut von James Colnett (1753–1806). gelangten sie an einen fernen Strand. Als Specht und sein Sklave eines Tages bei der Seeotterjagd abgetrieben wurden. der offensichtlich seinerseits den Auftrag hatte. die nicht in die den Reisebericht Cooks begleitende Veröffentlichung aufgenommen wurde. den zweiten Kommandanten der spanischen Garnison aufsuchte. das nun auf Martinez’ Geheiß einem spanischen Fort Platz machte. Häuser in Yuquot zu errichten. wie auch zwei weitere britische Schiffe. doch blieb ihnen die Eisenherstellung ein Rätsel. kontrollierte. wie sie waren. weshalb Quallicum (Kaanaqim). das den Beginn eines Handelspfades zu den Nimpkish Kwakiutl an der Ostseite von Vancouver Island markierte und. an deren Spitze Adelige standen. Portugal oder Frankreich. und die Dinge blieben fortan. übernahm die Oberherrschaft und wurde nominell Besitzer des gesamten Territoriums dieses Bundes.

kamen gewissermaßen unter der Schirmherrschaft von Maquinna. an der Nordwestspitze des heutigen Staates Washington. British Columbia. um im nächsten Frühjahr wiederzukommen und diesmal fünf Jahre zu bleiben. Mowachat. um die Umsetzung der Nootka-Konvention auszuhandeln. was er aber durch die „Chuzpe“ des Neureichen und militärische Schlagkraft wettmachte. Die Spanier verließen Nootka im Herbst 1789 nur. Als Ergebnis strategischer Heiratsallianzen oder brutaler Usurpation waren um 1780 alle Häuptlingspositionen der Teilstämme dieses Bundes mit nahen Blutsverwandten Wikaninishs besetzt. Clayoquot Sound war in jeder Hinsicht reichlicher ausgestattet als Nootka Sound. den Wohlstand und das herrische Auftreten des Wikaninish. während die politisch schwächsten ihre Pelze den Nootka geben mussten. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen den drei Politikern kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen. ex-Slg. in der keine von beiden Seiten eine permanente Siedlung unterhalten sollte. saß unter der Führung von Tatoosh (Tuutuutš – „Donnervogel“) der Stammesbund der Makah. Als tüchtige Händler boten die Nootka den Briten überwiegend beschädigte Gegenstände zum Tausch gegen Eisengeräte und andere westliche Produkte an. um 1770. Die Emissäre beider Großmächte. 1790 schlossen Großbritannien und Spanien ein Abkommen. andere wurden nur in Begleitung der Leute des lokalen Häuptlings zu den Engländern gelassen. Parkinson’s Museum. um Handel zu treiben. Raufereien waren an der Tagesordnung und Fälle sexueller Übergriffe gegen lokale Frauen mehrten sich. das die Nordgrenze des spanischen Kolonialreichs definierte und den Hafen von Nootka zu einer gemeinsam genutzten Zone machte. sondern vor der Stirn getragen. deren Stellung schon aus Cooks Aufzeichnungen deutlich wird. Metallgegenstände zu stehlen. nach die anderen Stämme im Clayoquot Sound. Immer wieder versuchten Mowachat. Geschlechtskrankheiten breiteten sich aus. und wurden nicht selten mit Waffengewalt daran gehindert. Mehrmals kamen Kanus benachbarter Stämme in den Nootka Sound. zusammen.Vogelkopfmaske. Einige durften direkt mit Cook handeln. dass es zwischen den Mannschaften und den indigenen Gemeinfreien häufig zu Reibereien kam. Außerdem kauften die Spanier im Laufe der Jahre Dutzende von Sklavenkindern – vorgeblich. der sich den Europäern wieder angenähert hatte. und zeitgenössische Kommentatoren vermerkten die Opulenz. Noch weiter südlich. die eine dem Nuuchahnulth nah verwandte Sprache sprachen. Nootka war außerdem zu einem Hafen seiner Zeit geworden. 32 HENRY KAMMLER . Weder nach indigener noch nach europäischer Bewertung konnte dieser Häuptling es mit der Noblesse eines Maquinna oder Quallicum aufnehmen. Nootka. Vancouver Island. George Vancouver (1757–1798) und Juan de la Bodega y Quadra (1743–1794). Ein amerikanischer Wirt eröffnete sogar eine Schenke. Zwischen den genannten Konföderationen gab es kleinere Verbände und Einzelstämme. James Cook) Die mit Augen aus Haliotisschneckenschalen versehene Maske stellt einen Adler dar und wurde nicht vor dem Gesicht. Adelige prostituierten ihre Sklavenfrauen an die Mannschaften. Museum für Völkerkunde Wien (Slg.

Parkinson’s Museum. die äußere Küste wirtschaftlich zu nutzen. Die Mowachat waren aus ihrer Sommerbasis Yuquot verdrängt worden und daher kaum noch in der Lage. Anders sein Rivale Wikaninish. Was aus den Kindern wurde. Nootka zog nicht zuletzt deshalb die europäischen Schiffe an. Gleichzeitig ging der Pelzhandel rapide zurück.“ Im Grunde wies jedes materielle und immaterielle Kulturgut bei den Nootka und ihren Nachbarn einen Eigentumsstempel auf. um sie in Mexiko einer christlichen Erziehung zuzuführen. stammt der Umhang wahrscheinlich als Handelsgut oder Kriegbeute von der nördlichen Nordwestküste. wo später die figürlich verzierten „Chilkat“-Decken entstanden. da die Seeotter in der Region praktisch ausgerottet waren und die Weißen längst begonnen hatten. Nootka. Schließlich verhinderte Maquinna mit politischem Geschick ein Komplott des Clayoquot-Bundes.Umhang. war zur Vertrauenskrise auch eine ökonomische hinzugekommen. konsequent als Gäste in seinem „Haus“ und bewirtete sie mit Nahrungsmitteln. trotz allem eine Zone der Sicherheit zu schaffen. denn das Territorium gehörte Maquinna. Maquinna behandelte daher die Spanier. Dieses frühe Textil kombiniert die traditionellen geometrischen Muster der Korbf lechterei mit Gesichtern im „Formlinien“-Stil. James Cook) Obwohl bei den Nootka erworben. Zedernbast. Mowachat. Dass die Nootka-Leute ein extrem ausgeprägtes Eigentumsbewusstsein hatten. Es war auch keinem der Europäer als Brautpreis oder als Kriegsbeute abgetreten worden – in der Rechtspraxis der Wakash-Stämme die einzigen Mechanismen für einen Besitzerwechsel. ist nicht bekannt. der mindestens zweimal versuchte. wie die Bewohner dieses Sundes. British Columbia. die sich arrogant in seinem Sommerdorf breit gemacht hatten. direkt mit den Kwakiutl auf der Ostseite von Vancouver Island Handel zu treiben. Vancouver Island. Strandabschnitte mit dem darauf befindlichen Treibgut. Der Streit Englands und Spaniens um den Besitz des Nootka Sound war aus einheimischer Sicht absurd. Als die Spanier 1795 Nootka endlich verließen. um den Handel mit Macau in die eigene Hand zu nehmen. war er über die Entgeltforderungen der Anrainer erstaunt: „Jeder Grashalm schien seinen Besitzer zu haben. Vor allem aber hatten sie ihre Arbeitskraft immer mehr auf die Pelztierjagd verlegt und weniger Wintervorräte angelegt. der Makah und anderer Stämme. die sich mit einem Schlag aller Europäer entledigen und ihrer Schiffe bemächtigen wollten. Bergziegenwolle Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Beerenhaine.“ Und er fuhr fort: „Ich habe nirgendwo auf meinen Reisen irgendeine unzivilisierte Nation angetroffen. Schiffe zu kapern. war den Europäern wohl bekannt. Dazu zählten Wirtschaftsgüter wie Fischwehre. so dass das Frühjahr tatsächlich zu einer Hungerzeit wurde. ERSTER KONTAKT 33 . um 1770. Fischbänke vor der Küste. weil Maquinna darauf bedacht war. das ausschließliche Eigentumsrecht über jedes Produkt ihres Landes auszuüben. ex-Slg. die eine derart strenge Vorstellung davon hatte. soweit das die wirtschaftliche Situation gestattete. Als Cook einmal Heu für die an Bord gehaltenen Ziegen mähen lassen wollte.

auf denen der Waltran in Strömen f loss und Heringsrogen. schloss neben der legendarischen Schilderung oft auch Lieder und Tänze ein. Hunde. die der jeweilige Häuptling innerhalb seines Stammes vergeben durfte. sondern auch die Einladung zu einem Potlatch den eigenen Status belegte. Derartige Anstrengungen konnte ein Gastgeber nur gemeinsam mit seinen adeligen und gemeinfreien Angehörigen bewältigen. Maskenkostüme und Tanzschritte die besagten Anrechte ausdrückten und zugleich selbst exklusives Eigentum (tupaati) der aufführenden Verwandtschaftsgruppe waren. Episoden der Legenden führte man theatralisch auf. Eine Potlatch-Sonderform stellten die drei bis vier Wochen dauernden Initiationen von Kindern in den Tluukwaana-Geheimbund dar. Die Inhaber hochrangiger Namenstitel hatten wiederum das Eigentum an einem Fundus weiterer Namen. wurden sie wieder „gezähmt“. sie lebten aber fortan mit dem magischen Beistand des Wolfsvolkes. Kriegskeulen. Kanus. Fischsuppe und Walschwarte kistenweise konsumiert wurden. Nootka. Robbenf leisch. Lebensalter und Geschlecht der Personen. ließ viele der 1778 noch verwendeten Objektt ypen bald außer Gebrauch kommen. Bei diesen Anlässen wurden nach einem Nachrückprinzip die gerade frei gewordenen Namen an andere vergeben. die eine spirituelle Konnotation hatten und vor allem bei der Brautwerbung Anwendung fanden. aber auch Namengebungszeremonien für adelige Heranwachsende. um 1770. Umso bedeutender sind die von James Cook gesammelten Gegenstände als Dokumente der voreuropäischen Kultur. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Kupferplatten. Eigene Funktionäre hatten dabei den Überblick über Namen und Lieder zu behalten. die oft Szenen der Familienlegenden darstellten. die der Übertragung von Namenstiteln dienten. Schon Monate oder gar Jahre vor einem solchen Ereignis begannen Häuptlinge.ganze Bachläufe und Seen. bestimmte Tiere zu harpunieren oder dies auf eine spezielle Art und Weise zu tun. der dem ersten Kontakt folgte. Generell versorgten sich Hölzerner Pfeilbehälter mit Einlagen aus Seeotterzähnen (links) und Lanze mit Spitze aus Walknochen (rechts). bei denen sie das Erlernte aufzuführen hatten. Hierbei mussten die Gastgeber in der Reihenfolge der Vergabe der Geschenke wiederum die relative Rangfolge der eingeladenen Adeligen beachten. beschnitzte Hauspfosten (die Vorfahren oder Wappen darstellten). Potlatchs waren aber auch große Gelage. Die Herkunft der Namen und Anrechte wurde in den jeweiligen Familienlegenden erklärt. Jede Zusammenkunft bot dazu Gelegenheit. Kanus. Dazu gehörten auch Namen für Sklaven. Vancouver Island. Hochzeiten sowie Gedenkfeiern für verstorbene Adelige. Ein derart komplexes System ließ sich in einer schriftlosen Kultur freilich nur durch die ständige Wiederholung der „Fakten“ aufrechterhalten. eine besondere Rolle spielten dabei aber große. Auf längere Sicht glichen sich die Gabenströme durch die wechselseitigen Einladungen aus. wie auch das Recht. der die territoriale und soziale Integrität seines Stammes verkörperte. doch waren diese dem Eigentumsrecht des höchstrangigen Häuptlings. Solche territorialen Anrechte (hÚaahÚuul¯ i) waren mit den Namenstiteln der Adeligen verknüpft. die alle paar Jahre einen neuen Namen bekamen. wie Kupferplatten. 34 HENRY KAMMLER . sortiert nach Rang. Zwar konnten auch Gemeinfreie Besitzrechte an bestimmten Orten und Ressourcen haben. British Columbia. so dass nicht nur die Ausrichtung. Wichtige Anlässe für Potlatchs waren Reifefeiern für adelige Mädchen. Parkinson’s Museum. während derer die Novizen von Männern in Wolfskostümen an versteckte Orte entführt. gehörten als tupaati zum Besitzstand einer Verwandtschaftsgruppe. Auch Sportwettkämpfe. diesen zu verleihen. in Tänzen und Legenden der Vorfahren unterwiesen und „verwildert“ wieder zurückgebracht wurden. mit Hermelinfell besetzte Zedernbastdecken oder Sklaven. Diese Gäste erhielten für ihren Dienst großzügige Gaben. Potlatchgaben und haltbare Nahrungsmittel zu horten. Im Verlauf einer Serie von Festen. untergeordnet. ex-Slg. James Cook) Der Kulturwandel. Mowachat. Die Erklärung über die Herkunft eines Namens und das Recht des Gastgebers. die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Gültigkeit erlangten solche Statuswechsel aber nur durch die Anwesenheit und Zeugenschaft möglichst vieler hochrangiger Angehöriger anderer Verwandtschaftsgruppen und Stämme. gemeinhin „Potlatch“ (uut’uul¯ a) genannte Verschenkfeste. Häuser sowie das Anrecht auf gemalte oder gef lochtene Muster. wobei Gesänge.

die von Maquinna teils miternährt wurden. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. José Mariano 1970 Noticias de Nutka. wenn man sich ihnen rituell gereinigt und auf die richtige Weise näherte. The Voyage of the "Resolution" and "Discovery". wenn die Gefahr drohte. Jahrundert. Moziño. mussten aber alle Überschüsse ihren Häuptlingen überlassen. Mowachat. C. Meist fand diese spirituelle Reinigung von den für die Geistwesen unangenehmen menschlichen Gerüchen in vier aufeinander folgenden Nächten während des zunehmenden Mondes statt. Monolithischer Dolch. British Columbia. Häuptlinge besaßen aber auch eine herausragende Stellung als magische Spezialisten. ex-Slg. Cambridge: Cambridge Universit y Press.) The Journals of Captain James Cook on his Voyages of Discovery. British Columbia. Grundelement dieser Rituale war das exzessive Baden und Tauchen in kaltem Wasser. Wegen der strengen Heiratsregeln kamen Ehepartner meist aus verschiedenen Nuuchahnulth-Stämmen. Gemeinfreie und Sklaven selbst. Jewitt. die von den Häuptlingen für alle im Dorf Anwesenden ausgerichtet wurden. um 1770. die aus dem Mund eines menschlichen Gesichts ragten. Vancouver Island. Qwaa÷uuc (wohl archaisch für „Mond/Sonne“). Nach dem skizzierten Versorgungssystem ist es kein Wunder. 1776–1780. Nootka. in Gebrauch. An Account of Nootka Sound in 1792. Lille (rechts) Beil mit Steinklinge. Vancouver Island. Mowachat. Bei regelmäßigen Festgelagen («’ii÷il¯ ). Seattle: Universit y of Washington Press. Ehefrauen oder jüngere Brüder begleiteten die Häuptlinge. Zwischen den Tauchgängen richteten die Ritualisten inbrünstige Gebete an N’aas („Tageslicht“). verbunden mit Selbstkasteiungen. sie seien zur Tötung von Kriegsgefangenen oder Sklaven benutzt worden. wurde ein Großteil der beim Gastgeber angehäuften Güter wieder umverteilt. Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie. British Columbia. Vor und während dieser Zeit musste gefastet werden. die die Stellung der Adeligen festigten. Neben der Verehrung kosmischer Kräfte glaubten die Nuuchahnulth an eine Vielzahl von Geistwesen. hatten dabei aber weniger Grund und Gelegenheit zur Geheimniskrämerei. Parkinson’s Museum. spätes 18. Häuptlinge hatten oft Gemeinschaftsaufgaben zu koordinieren und waren die oberste Rechtsprechungsinstanz. 1987 The Adventures and Sufferings of John R. Toronto und London: McClelland and Stewart. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. dass sie es übertrieben und entkräftet ertranken. Nootka. war doch der Rückf luss ihrer Arbeitsprodukte in Form von Festgelagen geringer als vor dem Eintreffen der Weißen. Ausgelassene Lieder und Tänze begleiteten diese Feste. dass spanische Beobachter sie bisweilen als „Priester“ bezeichneten. sie verschwanden am Anfang des 19. die Strände und Wälder bevölkerten und gefährlich sein. Jahrhunderts. dass ergiebige Laichzüge den Menschen Nahrung brachten. mit Schleim um sich werfende Waldmonster im Zedernbastkittel oder zwischen den Bäumen schwebende Katzenhaie. Versagten sie als Führer. J. Entsprechende Rituale (uusimcË) und die versteckten Orte ihrer Durchführung erlernten junge Adelige als Geheimwissen von ihren Eltern. Schon wegen dieser Pf lichten befassten sich Häuptlinge eher selten mit alltäglicher Nahrungsbeschaffung. Jewitt: Captive of Maquinna. weshalb jede Person weit verstreut Verwandtschaft hatte und dort wohnberechtigt war. Auch Gemeinfreie beteten ausgiebig. James Cook) Keulen aus Walknochen wurden als Waffen für den Nahkampf verwendet und standen seit wenigstens 500 v. Tatsächlich sorgten die Häuptlinge so sehr für das spirituelle Wohl ihrer Gemeinschaft.(links) Schwertkeule aus Walknochen. Parkinson’s Museum. 1967 (Hg. aber auch große Reichtümer oder magische Kräfte verleihen konnten. Ebenfalls dem Nahkampf dienten Beile mit Steinklingen. um 1770. Die frühzeitig auftauchende Vermutung. 2 Bde. Nootka. ist aber nicht gänzlich auszuschließen. Chr. Weiterführende Literatur Beaglehole. schlanke Schaumwesen. James Cook) Wenig ist über Gebrauch und Bedeutung der steinernen Dolche der Nootka und ihrer Nachbarn bekannt. ex-Slg. um ihnen zur Seite zu stehen. bei denen sie sich mit Hemlocktannenzweigen oder den bloßen Händen die Haut wund rieben. Dazu gehörten zweiköpfige Seeschlangen. magische Vögel. lässt sich nicht erhärten. ERSTER KONTAKT 35 . HÚa’wil¯ aayil¯ im („Himmelsherrschaft“) und eine Vielzahl weiterer abstrakter Kräfte. dass die Gemeinfreien im Nootka Sound einen Groll gegen die Europäer hegten. drohte ihnen Gefolgschaftsverlust. John R. Ihren Fähigkeiten und der Macht ihrer Vorfahren schrieb man zu.

Die Beute wurde „gekitzelt“ und nicht „harpuniert“. und „starb“ schließlich nicht. Die Besatzung eines Walfangkanus bestand aus dem Harpunierer. Die Jagd selbst Waren Wale gesichtet worden. waren üblicherweise Spitzen aus Muschelschalen eingesetzt. Die Worte für „Harpunierer“ und „Paddler“ waren Metaphern. die einen aktiven Walfang praktizierten und damit nicht völlig von Treibwalen als Nahrungsquelle abhängig waren. Sie richteten sich an ein kleines Geistwesen. 36 HENRY KAMMLER . Nootka.Die Waljagd Die südlichen Wakash-Völker waren die Einzigen an der amerikanischen Nordwestküste. James Cook) In den knöchernen und mit Rindenfasern umwickelten Schaft der Harpunenspitze. stieß er mit aller Kraft zu und versuchte. Sie war zu schwer. Acht bis zehn Schwimmer aus Robbenbälgen waren an ihr befestigt und wurden von den Paddlern auf dem Meer aufgeblasen. und ging nicht „nach Walen Ausschau halten“. So bediente man sich eines Meidungsidioms. ex-Slg. die zwanzig und mehr Personen fassen konnten. meist ein älterer und erfahrener Angehöriger. Die Bootsbaukunst hatte bei den Nuuchahnulth ein hohes Niveau erreicht. die Harpunenleine säuberlich aufgerollt auf der rechten Seite des Kanus. denn ihnen war das Privileg vorbehalten. Sie scheuerten sich den Nacken wund. Von Interesse war dabei weniger das schnell verderbliche und wenig schmackhafte Fleisch der Tiere als vielmehr der aus der Speckschicht durch Auskochen gewonnene Tran. diente der Anlockung von Treibwalen. fast senkrecht abfallende Heck. in der eine Harpune abgelegt werden konnte. der sich durch Scheuern von seinen Hautparasiten zu befreien versucht. Auch während der Jagd waren rituelle Regeln einzuhalten. Auch die ausgekochte Scharte diente geröstet und geräuchert als Nahrung. Es gab kleine Zweisitzer. das Kanu von hinten links an die ausgewählte Beute zu manövrieren. nur Bug. British Columbia. Die Harpune lag im Bug bereit. um 1770. verwundert es nicht. das wie in einer Pilotenkanzel hinter der Rückenf losse saß und mit diesen Geistliedern ermutigt wurde. Mowachat. Kanus waren aus dem Holz von Rotzedern hergestellte Einbäume. das es mit lockenden Worten zu erobern galt. sowie das nicht ganz so hohe. dass selbst bei geringen Jagdzahlen Walprodukte ein Drittel und mehr der gesamten Nahrung einer Lokalgruppe ausmachen konnten. Möglichst lautlos paddelnd versuchten sie dann. mit denen Häuptling und Gemeinfreie auch bei öffentlichen Anlässen gelegentlich bezeichnet wurden. die vom Walfänger und seiner Bootsbesatzung monatelange sexuelle Abstinenz und regelmäßige uusimcË erforderten. Die im März beginnende Waljagdsaison erforderte langwierige spirituelle Vorbereitungen. sechs mit ihm verwandten Paddlern und einem im Heck sitzenden Steuermann.und Heckteil wurden separat aufgesetzt. damit auch ihre Jagdbeute einen steifen Hals haben möge und nicht durch Kopfwendungen die sich von hinten anpirschenden Kanus erspähte. den Walkörper zu verlassen. sollte seine Ehefrau – das Alter Ego des Wals – sich während der Waljagd an Land möglichst nicht bewegen und auch Streit aus dem Wege gehen. die Harpune kurz hinter dem Schädel möglichst tief im Wal zu platzieren. Ihre Boote waren ein wichtiges Handelsgut und wurden teilweise auf Bestellung gefertigt. Vancouver Island. sondern „nach Kleinigkeiten suchen“. um die Haut des Wals zu durchdringen.und Grauwale zwei bis fünf Tonnen Tran erbrachte. bis sie am ganzen Körper bluteten. oder aber die Texte imitierten in der Ich-Form den Wal. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. die scharf genug waren. aus Sehnen zopfgef lochtene Leine wurde erst in Europa in ornamentale Schlaufen gelegt. Da der Walfänger mit der Beute symbolisch eine Liaison einging. wie er sich freudig der Harpunierung hingibt. Der hölzerne Schaft blieb auf dem Wasser und das getroffene Tier tauchte mit Spitze und Leine im Fleisch ab. sondern „menstruierte“. rutschten die Ritualisten mit nacktem Körper über raue und mit Muscheln bewachsene Felsen. sondern vom „hinausfahren“. nahmen ein oder mehrere Kanus die Verfolgung auf. aber auch 20 Meter lange Kanus. Harpunenspitze und -leine. eine Waljagd auszurichten. Schädel verstorbener Vorfahren sollten die magische Potenz des Betenden erhöhen. der in einem stilisierten Wolfskopf endete und in dessen Oberseite eine Nut eingelassen war. Parkinson’s Museum. In Imitation des Grauwals. Typisch für Kanus der Westküste von Vancouver Island waren der schräg nach vorn aufstrebende Bug. In Gebeten und Gesängen und unter Verwendung von geschnitzten Walnachbildungen wurde die Beute als weibliches Wesen angesprochen. Walrituale waren besonders hart. Eine spezielle Ritualform. Die Kanuschnitzer am Clayoquot Sound standen im Ruf besonderer Meisterschaft und hatten Zugang zu stattlichen Rotzedern in Wassernähe. Die Besatzung sprach nicht von „auf dem Wasser jagen“. da sich sonst der Wal ebenfalls unruhig und störrisch verhalten würde. sie „blutete“ nicht. bei denen der Waljäger mit mumifizierten Leichen seine Tauchgänge vollzog. Die lange. Der Häuptling hielt im Bug stehend die Harpune stoßbereit und wenn der Wal zum Atmen auftauchte. um den Walgeistern die Tötungsabsicht zu verheimlichen. der immer ein Erbhäuptling sein musste. Da jedes Exemplar der bevorzugt erbeuteten Buckel. Hier nahmen nun Häuptlinge tatsächlich eine praktische Versorgerrolle ein. sondern „ging schlafen“. deren Enden Widerhaken bilden. um geworfen zu werden.

Die Verwandten der Nootka im Staat Washington. Moser. der Wal möge mit den Kanus im Schlepptau auf das Land zu und nicht aufs offene Meer f liehen. Sobald die Beute an Land war. Dabei lief die Harpunenleine ab und die Paddler mussten sekundengenau die Schwimmer mit über Bord werfen. Einer der Paddler tauchte dann vor das Maul des Wals. British Columbia Archives. stieß man weitere Harpunen mit kurzen Leinen und nur einem Schwimmer in ihn. Astrid 1996 Die Nootka als Walfänger. nämlich Haut. Selbst wenn das Tier dann tot war. Victoria Die starke Reduzierung des Walbestands (aber auch der indigenen Bevölkerung) führte zu Anfang des 20. gingen nach einem bestimmten Schlüssel an die niederen Häuptlinge und die Paddler. Wenn alles gut lief. das die komplizierten Harpunenspitzen zusammenhielt. Idstein/Ts. Terry Klokeid und Katherine Robinson 2004 (Hg. damit diese Landlebewesen den Wal zum Trockenen lockten. Seattle: Universit y of Washington Press. damit sich das riesige Maul beim Zurückschleppen der Beute nicht aufsperrte. Der Wal musste im eigenen Strandabschnitt an Land gebracht werden. Weiterführende Literatur Arima. um sie aufzuschneiden. also auch das Fleisch. Als Jagdzauber hatte man zuvor kleine Hausinsekten in das Harz geklebt. mussten die Leinen gekappt werden.. West Coast Legends and Stories. während das Kanu eine schnelle Linkskurve vollzog.: Baum Publications. Zumindest versuchte der Harpunierer noch. weswegen es immer Wasser und Notproviant an Bord gab. 1920 The Whaling Equipment of the Makah Indians. Nootka. Thomas T. zog der Wal seine Jäger weit hinaus aufs Meer. nahmen 1999 trotz Protesten von Naturschützern die Waljagd wieder auf. ERSTER KONTAKT 37 . – Part 9 of the Sapir-Thomas Nootka Texts. die verhinderten. Wurde der Wal schwächer. Der Waltran wurde oft noch direkt am Strand in Kisten aus der Schwarte gekocht. Der Rest. Begleitende Kanus versuchten nun ihrerseits. herauszuschneiden. die Makah. in der nur noch die schneebedeckten Bergspitzen über den Horizont schauten (etwa 60 km vom Ufer). Liefen die Dinge schlecht. stand für jeden zur Selbstbedienung frei. Dem Harpunierer gehörte der „Sattel“. für den man im Haus des Häuptlings ein viertägiges Ritual abhielt und von dem oft eine hölzerne Replik geschnitzt wurde. Hull: Canadian Museum of Civilization. Foto: N. Andere begehrte Teile. Ging er verloren und strandete im Gebiet eines anderen Häuptlings. konnte es nicht mehr zurückgeschleppt werden. dass der Wal forttauchen konnte. Jahrhunderts zum Ende der Waljagd. den Bereich um die Rückenf losse. British Columbia. um ihre Vertragsrechte zu demonstrieren. Waterman. seine wertvolle Lanzenspitze aus dem im Wasser treibenden Kadaver zu holen und den „Sattel“.) The Whaling Indians: Legendary Hunters. um die beiden Lippen zu durchstechen und zusammenzubinden. 1907. Harpunen im Tier anzubringen. gehörte er diesem. Eugene Y. Yuquot (?). um im rechten Winkel zur Schwimmrichtung des Tieres einen Sicherheitsabstand zu gewinnen. Die Beziehungen von Mensch und Tier in einer Nordwestküsten-Kultur. Erreichte man eine Zone. war der Todeskampf des Tieres nach einigen Stunden beendet. Die Jäger stießen Gebete aus.„Zerteilen eines Wals am Strand“. kam die ganze Bevölkerung zusammen. Mischlich. Schwarte und Speck.

Bereits 1775 ging die erste Pockenepidemie über die Küste hinweg. Jahrhundert ersetzte man zwar die Knochenspitzen durch solche aus Eisen. Er fuhr an die fünfzig Mal mit seiner Crew aus. Andere Gruppen. um an deren lachsreiche Flüsse zu gelangen. Der Zusammenschluss mit Nachbarn.000 zu Zeiten des Erstkontakts war die Region damals dichter und vor allem gleichmäßiger besiedelt als heute. Bei einer Bevölkerung an der Westküste Vancouver Islands von über 30. Victoria Heilbutt wurde von Booten aus mit U-förmig gebogenen hölzernen Angelhaken gefangen. aber zur Sicherung der Nahrungsgrundlage wurden die Lachsf lüsse immer wichtiger. wie es oben für den Nootka Sound beschrieben wurde. Nachdem Wikaninish 1811 aus ähnlichen Gründen die Tonquin geplündert hatte. Nach dem Ausklingen des Pelzhandels gelang es den Stämmen am Nootka Sound nicht mehr. h. ließen sich bestimmte reichlich vorhandene Nahrungsmittel nicht mehr gewinnen. unter anderem in Gestalt des Schiffsschmieds John Jewitt (1783–1821). führten innerhalb weniger Generationen nach dem ersten Kontakt mit europäischen Seefahrern zu einschneidenden Änderungen der Lebensbedingungen im Land der Nuuchahnulth. dessen Aufzeichnungen über seine zweieinhalbjährige Gefangenschaft belegen. erlegte aber nur einen Wal. Maquinnas Ansehen war direkt mit dem steten Fluss europäischer Handelswaren verknüpft. die von einer steilen Erhebung überragt wurden. erforderte aber eine Neuordnung der zuvor unabhängigen „Trocknen von Heilbutt“.Die Gäste übernehmen das Haus Wirtschaftliche Veränderungen. 38 HENRY KAMMLER . Dörfer in dieser Region lagen meist an kleinen Buchten. halfen sie den Ahousat. Vier der heute am Barkley Sound sitzenden sechs Nuuchahnulth-Stämme sind aus solchen Allianzen von je einem halben Dutzend zuvor unabhängiger Gruppen hervorgegangen. Mit den geplünderten Waren und Jewitts Schmiedeerzeugnissen konnte Maquinna den so wichtigen Waltran für einige Jahre von anderen Stämmen einhandeln. zur Routine der Vorkontaktzeit zurückzukehren. d. eine Zusammenlegung der Territorien und koordinierte Nutzung der Ressourcen. untereinander aufs Heftigste. Die wenigen Überlebenden fanden Zuf lucht bei entfernteren Stämmen. Geriet die Bevölkerungszahl eines Gebiets unter eine kritische Grenze. war zwar eine Lösung. British Columbia. aber die Schiffe blieben aus. Anders als die relativ stabilen Allianzen im Nootka Sound und im Clayoquot Sound bekriegten sich die zahlreichen kleinen Stämme. an die alten Zeiten anzuknüpfen und Wale zu jagen. wie die Manhousat und U’inmitisat. die auf die Assimilierung der Urbevölkerung abzielte. Nootka. möglicherweise Port Alberni. Maquinna machte mit der Boston sehr reiche Beute. Maquinnas Nachfolger begannen einen Jahrzehnte währenden Kleinkrieg gegen die südlichen Nachbarn vom Muchalat Fjord. Foto: Charles S. welche man zu Wehranlagen ausbaute. Ein Dorf mit nur noch zehn rüstigen Männern konnte sich keinen Walfang mehr erlauben. Damit konnten die Tseshat ein ähnlich stabiles Wirtschaftsmuster zwischen Winterdörfern im Inneren und Sommerdörfern auf den äußeren Inseln etablieren. die jeweils nur ein begrenztes Territorium entweder an der Außenküste oder in den Fjorden hatten. Süßwasserseen und eine an Wurzelfrüchten reiche Schwemmebene von den Huupacasath. da die traditionelle Form offenbar einen besseren Fangerfolg garantierte. Besonders im von vielen kleinen Inseln geprägten Barkley Sound tobten Scharmützel zwischen ursprünglich an die dreißig unabhängigen Stämmen. dramatischer Bevölkerungsverlust. wie sehr Maquinna sich bemühte.500 gesunken. so dass er 1803 in seiner Verzweif lung die amerikanische Boston kapern und den größten Teil der Besatzung töten ließ. Im Krieg gegen die mächtigen Otsusat schlugen sich Clayoquot-Verbände erst auf deren Seite. Sely. wurden nach ihrer Niederlage den Ahousat in niederer Rangstufe eingegliedert. die Otsusat zu vernichten. 1902. die sich bald zu Allianzen zusammenfanden. Die Tseshaht-Konföderation zog den tiefen Alberni Inlet hinauf und eroberte Lachsf lüsse. Im 19. gefolgt von periodischen Ausbrüchen von Pocken und Masern. British Columbia Archives. der Zustrom weißer Siedler. lehnte aber den Gebrauch westlicher Stahlangeln ab. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung sind die zahlreichen Kriege nicht mit Ressourcenknappheit erklärbar. Bis 1860 war die Zahl der Nuuchahnulth auf etwa 5. an denen eine Knochenspitze befestigt ist. christliche Missionierung und die Auswirkungen einer staatlichen Politik. Nördlich der ClayoquotAllianz unterwarfen die bislang auf den Walfang angewiesenen Ahousat zwischen etwa 1810 und 1850 mehrere Nachbargruppen und verleibten sich deren Lachsf lüsse ein. wagten sich bis auf vereinzelte Ausnahmen vier Jahrzehnte lang keine Schiffe mehr in diese Gewässer. aber als das Blatt sich wendete.

aber auch im Nootka Sound. ohne ihre Kenntnisse weitergegeben zu haben. welches durch Eisenbahn mit Nanaimo. Foto: Edmond S. Gelegentlich wurden auch Weiße Opfer der indigenen Gewalt. University of Washington Libraries. schrieb er 1858 euphorisch: „Es wäre gar nicht utopisch oder absurd. Die Häuser sind alle durch Bauten im westlichen Stil ersetzt worden. durch das sich die Absichten des Allmächtigen in ihrem Verschwinden manifestieren?“ ERSTER KONTAKT 39 . meist aber dominierten strategische Heiraten sowie Meuchelmorde und andere Machenschaften. gewaltorientierte Heißsporne bekamen vielerorts das Sagen. 1903. es abzutreten. Siedlungsland zu identifizieren und die indigenen Besitzer davon zu überzeugen. die sich zwischen dem Ufer und den Häusern auftürmen. nicht mehr nur als Besucher zu kommen. Dies war bei Ausbruch der Ahousat-Kriege der Fall. das zunächst eine schlammige Holzfällersiedlung namens Alberni war. verbunden wäre und von wo auf den schnellen Schwingen der Dampf kraft Güter und Post in einer kurzen Spanne von acht Stunden die Mündung des Fraser erreichen könnten. Auch er bemerkte den raschen Bevölkerungsschwund in den Dörfern der Nuuchahnulth. wo es zwar keinen Bahnhof. British Columbia“. die jeweils Erstgeborenen schon ab der Kindheit auf das Häuptlingsamt vorzubereiten. Hohe Sterblichkeitsraten machten es auch schwerer. Über den Fjord von Alberni. Meany.„Nootkadorf am Strand von Friendly Cove. Special Collections Ein Blick auf Yuquot 125 Jahre nach James Cook zeigt noch wie damals die überwachsenen Abfallhaufen. die Voraussage zu wagen. Erst um 1870 fanden die kriegerischen Auseinandersetzungen ein Ende. Gelegentlich putschten Häuptlinge der zweiten Position. sondern auch als Siedler. wo der Kriegshäuptling Shewish (Šiiwiš) den Enkel des historischen Maquinna beerbte und einen jahrzehntelangen Zwist mit den Muchalat vom Zaun brach. Inzwischen überstieg die Zahl der erblichen Namenstitel die der geeigneten Kandidaten. Und er fragte: „Gehorchen sie nicht mit ihrem Dahinschrumpfen einem natürlichen und allgemeinen Gesetz. die üblicherweise die militärischen Führer stellten. um die Erbfolgen im Interesse der jeweils dominierenden Gruppe zu manipulieren. dass innerhalb von fünf Jahren ein angloamerikanisches Liverpool in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Sundes entstehen könnte. aber ein Sägewerk gab. gegen ihre Oberhäuptlinge. aber anders als manch philanthropischer Zeitgenosse machte er nicht Alkohol oder Siedlergewalt dafür verantwortlich. Am Anfang dieser Entwicklung stand eine Reportageserie des Indianeragenten William Banfield (†1862) in der Victoria Gazette. Marinesoldaten eines britischen Kriegsschiffs zerstörten darauf hin neun Siedlungen der Ahousat. Krieg konnte ein Mittel zur Entmachtung des Adels einer anderen Gruppe sein. Die demografische Katastrophe bewirkte. Inzwischen begannen Weiße. dass viele Wissensträger starben. Ahousat plünderten 1864 den Schoner Kingfisher und töteten die dreiköpfige Besatzung. sondern – wie er 1866 in einem Vortrag räsonierte – die „durch Anwesenheit einer höheren Rasse verursachte Verzagtheit in den Seelen der Indianer“. Sproats wichtigste Aufgabe bestand darin. und am Strand die t ypischen Einbäume. Rangfolgesysteme. nachdem – so die mündliche Überlieferung der Ahousat – der Kapitän eine Frau vergewaltigt hatte. Heimat von vier NuuchahnulthStämmen. dem Newcastle des Nordpazifik.“ Schon 1860 ernannte die Regierung der Kolonie British Columbia mit Gilbert Sproat (1834–1913) einen ersten Indianeragenten in diesem künftigen „Liverpool“.

1929. Den Presbyterianer Melvin Swartout (ca. dagegen immer häufiger und ausschweifender. bei denen Hunderte von Decken und Steinguttellern die Besitzer wechselten. etablierten sich selbst als Unternehmer. um Ankömmlingen schon von weitem zu zeigen. empfing noch 1896 der Häuptling der benachbarten Tseshaht mit folgenden Worten: „Missionar.Nootka-Tänzer mit hölzernen Masken bei der Dominion Day-Parade in Port Alberni.und Potlatchhaus. bei denen Häuptlinge ihre Stammesmitglieder lediglich mit Nahrung bewirteten. die teilweise durch die Arbeit ihrer Sklaven Geld verdient hatten. aus deren Leber Tran als Gleitmittel für Transportbahnen in der Holzfällerei erzeugt wurde. Auch mit dem schon länger praktizierten Fang von Katzenhaien. Traditionelle Feste. Die Geldwirtschaft veränderte das Zusammenleben in den Stämmen. Aber du sprichst immer übers 40 HENRY KAMMLER . Alberni Valley Museum. kanalisierten die zuvor teils kriegerische Rivalität zwischen den Inhabern von Erbtiteln. dich bei uns zu haben. Beschnitzte Wappenpfosten. wir sind froh. versuchten sich die Häuptlinge in der materiellen Zurschaustellung ihrer Position zu übertrumpfen. Potlatchs. ließ sich gutes Geld verdienen. Port Alberni. der in Ucluelet tätig war. fanden sich nun in größeren Dimensionen vor den Häusern. Schleim werfende Gelbzedermonster und mythische Wölfe in den Köpfen und Ritualen der Nuuchahnulth auf. British Columbia Festtage des Nationalstaats boten nicht nur den Nootka immer wieder die Gelegenheit. neben den Pelzen gewann man Tran und Pökelf leisch. und so besaßen 1896 beispielsweise die Nitinat vier Schoner. Nicht nur neue Wirtschaftsweisen. gepaart mit großem Geschäftssinn. Wettbewerbe zwischen Festrednern. Händler etablierten sich an vielen Orten entlang der Küste und machten gute Geschäfte. rituelle Sportspiele und auftrumpfende Großzügigkeitsgesten. denn du kannst uns helfen und tust vieles für uns […]. ab 1891 auch methodistisch-presbyterianische Missionare den anfangs nur mäßig erfolgreichen Kampf gegen Donnervögel. Manche Häuptlinge. die zu Cooks Zeiten in den Häusern gestanden hatten. Jedes der kleinen Segeldampfschiffe nahm zehn bis fünfzehn Kanus auf und folgte der Migration der Pelzrobben (Seebären) in die Beringstraße und zurück. Zurück an Bord häutete und zerlegte man die Beute sofort. Da nun auch Gemeinfreie eigenes Geldeinkommen hatten. Die auf dem offenen Meer auf dem Rücken schlafenden Robben wurden von den Kanupiloten lautlos eingekreist und harpuniert. Freilich wurde dieses Bekenntnis vom Nationalstaat selten honoriert. auch neue Weltsichten hielten Einzug. wem der Strand gehörte. Foto: Joseph Clegg. dass die Bewahrung von Tradition und Identität nicht im Gegensatz zu Fortschritt und Loyalität gegenüber der staatlichen Ordnung stehen musste. 1855–1904). öffentlich zu zeigen. Ab 1875 nahmen katholische. wurden immer seltener. Die pro Robbenhaut bezahlten Jäger machten in einer guten Saison ein kleines Vermögen. Die Nuuchahnulth erschienen den Kapitänen der zahlreichen Robbenschoner jener Zeit freilich keineswegs verzagt und zeigten stattdessen einen äußerst geschickten Umgang mit kleinen Zweimannkanus und Harpunen. sondern zogen in Einzelhäuser nach euro-amerikanischem Vorbild. Seeschlangen. denn nun mussten die aufgrund der Lohnarbeit im Sommer nicht angelegten Wintervorräte nachgekauft werden. Mit steigendem Wohlstand gaben sich die Kernfamilien nicht mehr mit einem hüfthoch abgetrennten Abteil im Langhaus ihres Häuptlings zufrieden. auf denen Geschenke verteilt und Namen vergeben wurden. Die massiven Wohngebäude der erweiterten Familiengruppen bekamen eine neue Funktion als Versammlungs.

und ich will nicht. Kulturhistorisk Museum. Kyuquot-Nootka. Ab 1884 wurde ihnen auch letzteres verleidet. Feste zu besuchen. lieber fischen gingen und Tranfeste feierten. Makah. Schon längst war entschieden worden. Oslo (Slg.“ Dennoch muss die Vorstellung. auf denen „Güter oder Geld verschenkt“ wurden. ob dann auch Weihnachten verboten würde. Johan Adrian Jacobsen) Ein Jahrhundert nach dem ersten Kontakt war zwar die Schnitztradition wenigstens in einigen Nootka-Dörfern noch lebendig. Hier ist ist ein an den Saugnäpfen erkennbarer Krake dargestellt. die mit Verachtung auf die Vorbewohner herabschauten. um 1880. Allerdings lastete auf den Nuuchahnulth auch ein riesiger Assimilationsdruck.. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. ex-Slg James G. Bei der Initiation in den Tluukwaana-Geheimbund wurden im Rahmen des Wolfsrituals die Novizen von Männern in Wolfskostümen an versteckte Orte entführt.] Ein Christ ist jemand. der ausschließlich von den Makah und Nootka belegt ist. Du möchtest. dass meine Leute Christen werden. die Indianer als kulturell Andere verschwinden zu lassen. wie es integraler Teil von Potlatchs und Tluukwaana war. Franz Steindachner. Auf die Frage indigener Häuptlinge. dass einige Spritzer Weihwasser am Sonntagmorgen denselben spirituellen Schutz gewähren wie monatelange sexuelle Enthaltsamkeit und nächtliche Eisbäder. um 1870. Die scheinbar selbstzerstörerische Verschwendung auf Potlatchs stand in krassem Gegensatz zur kapitalistischen Logik der vorausschauenden Reinvestition und der Ethik der Askese des aufstrebenden Kleinunternehmers. Vancouver Island. Stirnaufsatz. Swan) Konische Hüte mit schwarzem Rand und schwarz-roter symbolischer Bemalung stellen einen alten und seltenen Typ dar. anstatt dem Land seine vermarktbaren Reichtümer zu entreißen. Jahrhundert nicht mehr hergestellt und die letzten verbliebenen Exemplare an Sammler und Museen verkauft. Bemalter Hut. Missionar. Washington. denn von da an war es Indianern verboten. doch hatte die Qualität der Ausführung erkennbar gelitten. Sie wurden im späten 19. Das ist ein Christ. was Christen sind: [. Wölfe galten als Erscheinungsform der Schwert wale auf dem Festland. erhielten sie freilich keine Antwort. das missionierenden Kirchen Regierungszuschüsse zur Einrichtung von Internatsschulen gewährte. in Tänzen und Legenden der Vorfahren unterwiesen. für viele der jungen Robbenjäger verlockend gewesen sein. Zur Unterstützung dieses Ziels schuf der Gesetzgeber ein Bildungsprogramm. Die schnell wachsende weiße Bevölkerung bestand mehrheitlich aus hoch motivierten Einwanderern aus Nordeuropa. der nie mit seinen Freunden isst. welche. in denen ERSTER KONTAKT 41 . Ja. Immerhin hatte Pater Auguste-Joseph Brabant (1845–1912) in Hesquiat um 1880 schon genug schlagkräftige Burschen auf seiner Seite. um eine Tluukwaana-Gesellschaft zu sprengen. Missionar.Christsein. „verwildert“ wieder zurückgebracht und anschließend „gezähmt“. dass du meine Leute zu Christen machst. ich weiß. Er gibt niemals einen Potlatch. wohl auch weil die alten Eliten nicht mehr im einstigen Umfang als Auftraggeber zur Verfügung standen.. sondern sich immer nur allein mit seiner Frau zum Essen niedersetzt.

Richter? Natürlich im Fluss. die man nicht selbst herstellen konnte und die in dekorativer Umf lechtung am Andenkenmarkt einen guten Preis erzielten. British Columbia oder Makah. Auch war es praktisch. 1904 (British Columbia Archives. Philip 1951 The Northern and Central Nootkan Tribes. Zwar wurde den Nuuchahnulth zunächst die uneingeschränkte Nutzung aller Ressourcen des Meeres garantiert. sie in den Herbstmonaten. Im Jahre 1882 wurde den Nuuchahnulth eine Reihe ihrer Siedlungsplätze und Fischstationen. Washington: Smithsonian Institution. Mit dem Eintritt British Columbias in die kanadische Konföderation 1871 fielen die Ureinwohner unter deren Indianergesetzgebung und verloren auch die Kontrolle über ihr Land.) Nuu-chah-nulth Voices. 42 HENRY KAMMLER . um 1890. Alan 2000 (Hg. hätte ich meine Netze dorthin geworfen und wäre jetzt nicht hier. bald aber machten ihnen Wildhüter und Fischereiinspektoren im Interesse kommerzieller Unternehmen das Recht streitig. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Umflochtene Flasche.Zwei Nootka-Frauen bei der Demonstration ihrer Korbflechterei bei der Louisiana Purchase Exposition in St. wo Tyee Bob denn sein Netz ausgeworfen habe. in denen sich die Nationalstaaten durch ihre gewerblichen und kulturellen Leistungen präsentierten. in Obhut geben zu können. wenn die Frauen noch auf Hopfenfeldern oder in Fischfabriken arbeiteten. Bulletin of the Bureau of American Ethnology 144. Histories. Victoria) Bei Weltausstellungen und ähnlichen großen Schaustellungen. die katholische Kirche zog 1899 mit einem Internat auf Meares Island nach. der Rest fiel an die Krone und wurde an Siedler veräußert. Korbf lechterei diente dabei oft als Beispiel für den Fleiß und die guten Anlagen der „einheimischen abhängigen Nationen“. Die Finanzierung reichte nicht. weil die Nutzung von Müll als Rohstoff geringeren Aufwand erfordert als die Beschaffung neuer Ressourcen. als Reservate zugewiesen. Bei der Gerichtsverhandlung fragte der Richter. Washington. durften sich auch die indigenen Völker in ihrer Eigenart darstellen. Rasch aber setzte Ernüchterung ein. ihre angestammten Wirtschaftsformen auszuüben.“ Weiterführende Literatur Drucker. dass die Kinder dort neue Kulturtechniken erwerben würden. die Kinder möglichst langfristig vom Einf luss ihrer Herkunftsfamilien getrennt werden sollten. Das gilt insbesondere für Produkte wie Glasf laschen. Säßen die Fische in den Bäumen. Louis. ansteckende Krankheiten verbreiteten sich noch schneller und der elterliche Kontrollverlust über die Kindererziehung führte langfristig zu schmerzlicher Entfremdung. Hoover. Nootka. Zu jener Zeit wurde der Huupacasath Tyee Bob (Mahoo’yi) einmal beim Fischen im Somass River ohne Lizenz angetroffen. In den ersten Jahren hatte die indigene Bevölkerung berechtigte Hoffnungen. und verlangten auch von Indianern Fischereilizenzen. Carpenter (1877–1949). und dieser antwortete: „Was glaubst du denn. um die Kinder gut zu versorgen. Presbyterianer eröffneten 1893 je eine Schule in Ahousat und Alberni. Field Columbian Museum) Das Recyclen statt der Entsorgung von Abfallprodukten ist ein Element traditioneller Wirtschaftsformen. die eine Kommission einige Jahre zuvor f lüchtig erhoben hatte. Vancouver: Universit y of British Columbia Press. die sie in ihre Familienökonomie einbringen konnten. Foto: Charles H. Objects and Journeys.

Im frühen 20. Jahrhunderts standen am Stundenplan zwei Stunden Katechismus. blieben diese Strafen bestehen. Auch wenn möglicherweise nur eine Minderheit der Kinder Opfer physischer und sexueller Gewalt wurde. wirst du einen kalten nassen Tod sterben. die sie an ihre Kinder und Enkel weitergegeben haben. und in den späteren Jahren hielten kindgerechtere Lehrmethoden Einzug. Das Personal der Schulen war in jeder Hinsicht absolut überfordert und bewältigte dieses Problem mit militärischem Drill. Schließlich verbot ein internationales Abkommen den Pelzrobbenfang und brachte damit den wichtigsten Wirtschaftszweig der Nuuchahnulth zum Erliegen. In den frühen 1970er Jahren löste man die Internate schrittweise auf. Dann sagte er: „Jetzt weißt du wie es ist: Wenn du jemandem was erzählst. ohne damit dem eigentlichen Problem gerecht zu werden. entfremdeten die Kinder ihren Eltern und brachten die Sprache der Nuuchahnulth beinahe zum Verstummen. In den kurzen Sommerferien erlebten viele Schüler auch zu Hause traumatische Missverständnisse und Entfremdung. Wenn ländliche Schullehrer auch heute noch manchmal unbedarft von den „verstockten“ indianischen Schülern sprechen. Ähnlich wie in Gefängnissen förderten das Personal und die Strukturen dieses nahezu rechtsfreien Raums auch Machthierarchien unter den Schülern. dass Generationen von Kindern im Grunde keine Eltern hatten und Generationen von Eltern nicht die Chance ERSTER KONTAKT 43 . Naive Kommentatoren sprechen bisweilen von „rassischem“ oder „kulturellem“ Erbe hinter diesen sozialen Problemen. Aber das Blatt beginnt sich abermals zu wenden – hoffentlich zugunsten einer besseren Zukunft. bekamst du auch Schläge. Selbst als die Erstklässler ab et wa 1950 ohnehin nur noch Englisch konnten. und gerade spektakuläre Einzelfälle wurden von den kanadischen Medien gierig aufgegriffen. Hunger und Heimweh“ – so fassen viele ehemalige Internatsschüler ihre Schulzeit in den unterfinanzierten Lehranstalten zusammen. Jahrhundert die neuen Hausherren das Land. Erst in den 1990er Jahren kamen die katastrophalen früheren Zustände ans Licht der Öffentlichkeit. so verbrachten doch alle Insassen in einer Schlüsselphase für die Herausbildung ihrer Persönlichkeit Jahre ihres Lebens in einem System der Unsicherheit ohne individuelle Schutzräume. bis er Todesangst bekam. denn Häuptlinge konnten die dafür nötigen hohen Summen einfach nicht mehr aufbringen.und Überlebensweisen den Eltern und Großeltern dieser Schüler anerzogen wurden. Autoaggressionen und Suizidtendenzen sind unter den sich selbst heute als „Residential School-Überlebende“ bezeichnenden Betroffenen überproportional vertreten. wo die Frauen Fische ausnahmen. die doch durch politische Entscheidungen aktiv erzeugt worden sind. Zu den dunkelsten Kapiteln der Internatsschulen gehört es. wie ein älterer Schüler ihn eines Tages in den Keller brachte und seinen Kopf in einen Bottich Eiswasser tauchte. schnitten und in die Dosen packten.Fremde im eigenen Haus Dort. Jahrhundert adelige Häuptlinge die Fellpreise bestimmten und in der Weltpolitik mitmischten. Kein kolonialer Eingriff in das regionale Gefüge sollte sich jedoch als so bedrohlich für das kulturelle Überleben der Nuuchahnulth-Stämme herausstellen wie die Einführung der Schulpf licht für Indianerkinder 1922.“ Schweigen und Wegschauen sind in der NuuchahnulthKultur Ausdruck großer Missbilligung. Der wirtschaftliche Niedergang bremste auch das trotz des Verbots im Verborgenen sehr lebendig gebliebene Potlatchwesen. Schnell konzentrierte sich die indigene Bevölkerung um diese Fabriken. bekamst du Schläge. Der Griff zur Flasche. vergessen sie. Ein Missbrauchsopfer eines pädophilen Rings um den Rektor einer katholischen Schule der 1950er Jahre berichtet. nachdem die Rassentrennung im Schulwesen schon ein Jahrzehnt zuvor aufgehoben worden war. Erst ab 1948 mussten Lehrer an Indianerschulen überhaupt eine Lehrerausbildung nachweisen. sagtest du nichts. Bis in die Mitte des 20. die Schulbildung durchaus befürworteten. dass das kindliche Bedürfnis nach Zuwendung in erschreckend vielen Fällen den sexuellen Missbrauch durch Personal und vereinzelt ältere Schüler begünstigte. Angesichts der Tatsache.und Statusverlust nach Einstellung des Pelzrobbenfangs nicht wett. In den Schulen wurde Schweigen. Jahrhundert ersetzten in den Industrien Erdölderivate zunehmend die aus Tran gewonnenen Schmierstoffe. vier Stunden körperlicher Arbeit und zwei Stunden Freizeit nur zwei bis drei Stunden Unterricht gegenüber. Erniedrigung und körperlicher Züchtigung nach sich. All das aber konnte elterliche Zuwendung nicht ersetzen. zumal eine ideologische Dauerbeschallung den kulturellen Hintergrund der Kinder ständig herabwürdigte. „Harte Arbeit. zerstörten im 20. Der erste Schultag hinter den verschlossenen Toren der Internate war für so manches Kind „der Tag. während die Männer auf den Fangschiffen oder den Docks arbeiteten. Sie war in British Columbia fast vollkommen auf das Internatssystem hin orientiert. Jahr um Jahr mussten die Kinder zehn Monate auf ihre Eltern und Großeltern verzichten und sahen in den Schulen wegen der strikten Alters.und Geschlechtertrennung auch ihre Geschwister meist nur von Ferne. so dass es keinen Absatzmarkt für Katzenhaitran mehr gab. die Abschaffung von Internaten und die Einrichtung lokaler Tagesschulen forderten. Besonders die Benutzung der indigenen Sprache zog einen ganzen Katalog von Verächtlichmachung. wo im späten 18. sich unsichtbar zu machen.“ Schweigen hieß einmal mehr: Überleben. welche Verhaltens. Jeder kindliche Ausdruck von Individualität und vor allem aber als „indianisch“ erkennbare Verhaltensweisen wurden unterdrückt. (Kirchen-) Musik und Sport wurden von Anfang an gefördert und boten einen Ausgleich für zahlreiche Einschränkungen. obwohl mittlerweile viele indigene Führer. Dies bedeutete zwar außerhalb der Wintermonate eine stabile Beschäftigung mit fixem Lohn. wie eine Hesquiat-Frau über den Unterricht in den 1950er Jahren sagte: „Es war egal: Sagtest du was. zu einer für das Leben „draußen“ wenig tauglichen Überlebensstrategie. ihre schulpf lichtigen Kinder in den Anstalten abzuliefern. doch machten die Fabriken den Einkommens. Unter Androhung von Haftstrafen wurden die Eltern nun gezwungen. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden große Konservenfabriken für Sardinen und Lachs unter anderem bei den Kyuquot und im Nootka Sound. Freilich gab es auch in „Residential Schools“ immer engagierte Pädagogen. wie es Bett y Lucas (Hesquiat) ausdrückte. das Leben mit Borderline-Syndrom. an dem meine Welt kalt wurde“. verbunden mit dem permanenten Versuch.

Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Nicht abzusehen war damals allerdings die beispiellose Zerstörung des Naturraums. kamen im 19. Ich bin T’iitskisap. an der Zerstörung ihrer natürlichen Ressourcen beteiligt. Jahrhundert spiegelt den anhaltenden Stolz auf die Vergangenheit. sich für ihre Territorien verantwortlich zu fühlen. also keine interne Rangfolge aufzustellen. ein Mitglied der Ahousat Band bei der Herstellung eines Macquinna-Huts“. Da die Schulpf lichtigen in den Internaten waren. und ihre kulturelle Kontinuität war in höchstem Maß gefährdet. heranwachsende Kinder in ihrem Haushalt erleben zu dürfen. deren Erstrangiger übrigens. NTC-Politiker verwiesen immer wieder auf den nie erloschenen Besitztitel der Ureinwohner an ihrem Land.(links) „Jessie Webster. Manche Stämme. Das tut sehr weh. Der Beinahe-Ausrottung von Walen und Pelzrobben folgte der Raubbau an den Lachsbeständen. verschwanden die winterlichen Geheimbundinitiationen (Tluukwaana) fast vollkommen. der 1942 seinen Vater als Erbhäuptling der Toquaht abgelöst hatte. Der Nuu-chah-nulth Tribal Council (NTC). Foto: Janet Helen Cauthers. Nur in vereinzelten Haushalten wuchsen noch Kinder mit der indigenen Muttersprache auf. unter dem zahlreiche Gemeindedienstleistungen zentralisiert und professionalisiert wurden. Bert Mack. Im Jahre 1958 vereinigten sich die meisten der hier erwähnten Stämme als die West Coast Allied Tribes unter dem Dach eines Stammesrates und beschlossen 20 Jahre später. von denen viele nach dem Zweiten Weltkrieg in der Lachsfischerei und der Holzwirtschaft Beschäftigung fanden. auch im eigenen Stammesgebiet. die von 44 HENRY KAMMLER . sich den Namen Nuuchahnulth zu geben. für einen Boss die Bäume auf deinem Land abzuholzen. wie die Toquaht. die viele der traditionellen Nahrungsquellen zum Verschwinden brachte. ist die heutige Vitalität der „First Nations“ in British Columbia umso beeindruckender. die sechs Häuptlingssitze gleich zu stellen. bekamen. der als einzige politische Vertretung der jeweiligen Gemeinschaft anerkannt wurde. 1977. ebenso wie derjenige der Mowachat. 1980. Ahousat hielt 2005 ein großes Treffen mit mehr als 1000 Teilnehmern ab. Bei den Tseshaht einigte man sich. In tragischer Weise waren die Nuuchahnulth. die den Europäern seit James Cook als Kopfbedeckung des einf lussreichen Häuptlings Maquinna in Erinnerung waren. Jahrhundert außer Gebrauch. was es für ein Gefühl ist. Toquaht. Traditionelle Häuptlinge hörten nie auf. Für Erbhäuptlinge war keine Position vorgesehen. Victoria (rechts) Von Jessie Webster geflochtener Hut mit Walfangszenen. Der Rückgriff auf die Tradition im späten 20. worüber er 2005 sagte: „Du kannst dir nicht vorstellen. machten aber einfach ihren Erbhäuptling zum Ratsvorsitzenden und bestätigten ihn alle zwei Jahre im Amt. alle zwei Jahre einen Rat zu wählen.600 ihre demographische Talsohle. den Titel „Maquinna“ führt. Die Indianergesetzgebung schrieb den offiziell als „Bands“ bezeichneten Stämmen vor. und das ist mein Land. British Columbia Archives. auf dem man die Stammbäume aller sechs anerkannten Adelspositionen analysierte und ihre aktuelle Rangfolge festlegte. Christian Feest) Die charakteristischen Häuptlingshüte der Nootka. Um 1940 durchschritten die Nuuchahnulth mit einer Bevölkerungszahl von nur etwa 1.“ Den Nuuchahnulth war nach der Landnahme die Nutzung der natürlichen Ressourcen für den Eigenbedarf jenseits ihrer Reservatsgrenzen garantiert worden. Auch das traditionelle Häuptlingssystem durchlief Veränderungen. Andere Potlatcharten erhielten sich in reduzierter Form und durften ab 1951 auch wieder legal praktiziert werden. verbrachte viele Jahre seines Lebens in der Forstwirtschaft. erwies sich als schlagkräftige politische Vertretung.

das sich in nachhaltiger Waldnutzung versucht. Dann kamen die Weißen. wie cInthÚt in [der Kulturbringer. Schließlich erhielt der Clayoquot Sound den Status eines UNESCO-Biosphärenreservats. der noch rüstig genug wäre. kommentierte Chief Louie Nookemis 1964 den Raubbau vor dem Hintergrund der Überlieferungen: „Es ist so gekommen. Der Vertragsprozess der restlichen Nuuchahnulth-Stämme mit über 5. November 2007 vom Parlament von British Columbia ratifiziert wurde. die Kontrolle zurückzugewinnen. in einer Schule zu arbeiten. Weiße haben sich nie darum gekümmert und Fisch gegessen. und das kriegen die Weißen jetzt zu spüren. unter anderem indem nur einzelne Bäume gefällt und mit Hubschraubern abtransportiert werden. dass die Lachszüge nicht abnähmen. Teile ihres traditionellen Territoriums gegen Entschädigungen und Gewinnbeteiligungen abtreten sowie andere Teile in kollektivem Eigentum mit innerer Verwaltungsautonomie behalten sollen. in dem die Stämme Betty Keitlah aus Ahousat mit Heringslaich auf Tannenzweigen. cInthÚt in hatte Recht. Die Mowachat/Muchalat wurden 1966 aus dem isolierten Yuquot in das an einem inneren Fjord gelegene Ahaminaquus umgesiedelt. der dadurch verursacht wurde. Die Regeln dienten dazu.’ Er gab den Menschen Regeln. wo eine riesige Papierfabrik ihnen Arbeit sichern sollte. Von den vierzehn Stämmen. den ihr esst. Vor Genuss dieser bis heute gerne gegessenen Speise müssen die bitteren Tannennadeln ausgelesen werden.000 Angehörigen befindet sich in unterschiedlichen Stadien.und alkoholabhängige Stammesmitglieder umgewandelt. Die Holzfäller der Forstkonzerne „ernteten“ – wie es zynisch im Branchenjargon heißt – den majestätischen Altbestand an dichten Wäldern und ließen kahle Mondlandschaften an den Berghängen zurück. Schließlich bezogen sie 1996 ein neues Dorf in Gold River (C’axana) und restaurierten ihre Kirche in Yuquot als Besucherzentrum. bevor sie die Flüsse hinaufziehen konnten. Nach einer Übergangsphase von mehreren Jahren werden die 2. spalteten sich fünf Gruppen unter der Bezeichnung „Maanulth“ ab und verhandelten auf Grundlage dieses Entwurfes mit den Regierungen British Columbias und Kanadas weiter. Module für alle Klassenstufen werden derzeit entwickelt – die letzte Chance für eine Sprache. bis Mitte der 1990er Jahre Protokolle über die nachhaltige Nutzung der Waldbestände und das Verbot des bislang praktizierten Kahlschlags erreicht wurden. Der lokale Charakter und die Kurzlebigkeit vieler solcher Initiativen verweisen auf ein t ypisches Muster der Fragmentierung zwischen den immer noch auf Autonomie bedachten Teilstämmen. werden aber auf den verbleibenden 5 bis 10% ihres traditionellen Territoriums einen Autonomiestatus genießen. Anderthalb Jahrzehnte von Blockaden und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei folgten. Die katholische Internatsschule auf Meares Island wurde nach ihrer Schließung 1976 in Stammesregie zu einem anerkannten Familientherapiezentrum für drogen. Größere Gefahr noch drohte den Lachsen von Land aus. wie sie Lachs essen und was sie mit seinen Gräten machen sollten. wo neben dem öffentlichen Lehrplan auch Tänze. Sie erzielten 2006 eine Einigung. bildete sich eine Allianz aus Anwohnern. brachten die Nuuchahnulth mit dem Klimawandel in Zusammenhang. „Der aus Rotz Gemachte“] gesagt hatte: ‚Misshandelt nicht den Fisch. das mit einem „Sprachnest“ für Drei. Auch im Bereich der Bildung versuchen die Nuuchahnulth. Auf dem Gelände der 1973 geschlossenen Alberni Residential School entstand die indigen kontrollierte Grundschule Hahopayuk („die Lehren“). die am 24.schwimmenden Fabriken zu Millionen aus dem Meer gezogen wurden. wo die Kleinen von älteren Muttersprachlerinnen begleitet werden und so auf natürliche Weise mit der indigenen Sprache in Berührung kommen. Die Huu-ay-aht bauen derzeit ein ehrgeiziges Sprachprogramm auf. der Urwald im Clayoquot Sound abgeholzt werden sollte. Einige neigen sogar zur Ablehnung jeglicher Landabtretung und wollen vom Status quo ausgehend andere Lösungen ohne Aufgabe des Indianerstatus suchen. Heimat der Tlaoquiaht. 2005 Den Ausfall der Heringseier-Ernte im Jahr 2007.“ Als 1979 auf Meares Island. aber Luft und Wasser verpestete und die Menschen krank machte. derer in zehn Jahren niemand mehr mächtig sein wird.bis Fünfjährige beginnt. Lieder. Als die Mehrheit der Stammesmitglieder 2002 einen Vertragsentwurf ablehnte. sind allerdings nur noch sieben mit dabei. Eine von der Globalisierung ausgelöste Branchenkrise führte zum Zerfall der großen Forstkonzerne. Nach langem politischen Druck wurde 1993 in British Columbia der so genannte „Vertragsprozess“ zur Lösung der Landrechtsfrage eingeleitet. Die im feuchten Klima häufigen Erdrutsche schütteten die Flüsse mit Geröll und Holzabfall zu und blockierten die Rückkehr der Lachse in ihr Laichgebiet. Foto: Henry Kammler. so dass keine Kahlf lächen und Schneisen entstehen.300 Maanulth-Mitglieder aus dem Indianerstatus entlassen und müssen Steuern zahlen. Sprache und Geschichte der Nuuchahnulth gelehrt werden. wie es ihnen gerade passte. In die Lücke stieß ein stammeseigenes Forstunternehmen namens Iisaak („Respekt“). ERSTER KONTAKT 45 . benachbarten Stämmen und Umweltorganisationen. missachteten die Regeln und die Lachszüge haben sich erschöpft. Überreste der eigenen und der spanischen Siedlung können an diesem von Kanada inzwischen als nationales Geschichtsdenkmal ausgewiesenen Ort besichtigt werden. Lange bevor von „Ökoheiligen“ die Rede war. dass das Wasser in den Buchten zu warm war und die Fische in größeren Tiefen gelaicht hatten. die unter dem Dach des NTC einen Kollektivvertrag aushandeln wollten.

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Der lange Kampf um die Kontrolle des Indianerhandels und des Saint Lawrence River endete mit dem Sieg der Briten über die Franzosen im Siebenjährigen Krieg (der in seiner nordamerikanischen Dimension DAS LAND 47 . Die indigene Vorbevölkerung musste infolgedessen verdrängt werden. Andrew W. deren Kolonien an der Atlantikküste durch die Appalachen vom Hinterland getrennt waren. verschafften sich die Briten über die Hudson Bay. „Verteidigt Unterstützt/Entsene Dentsniene Ganienkeh“. zumal dort beide Seiten an einem friedlichen und profitablen Austausch interessiert waren. Hier war also ein Konf likt vorprogrammiert. aber auch durch die Pf lege persönlicher Beziehungen waren die Engländer in diesem Wettkampf um die Sympathien erfolgreicher als ihre Konkurrenten. Unabhängigkeit und Demokratie. Privatsammlung Mit medienwirksamen Aktionen und der Unterstützung durch Solidaritätsgruppen erreichte 1977 eine Gruppe von „Mohawk Warriors“ vom Staat New York die Überlassung eines Stücks Land im ursprünglichen Siedlungsgebiet des Stammes. Plakat des Native American Solidarity Committee & Amherst Cultural Workers Collective. 1775–1783 In der Amerikanischen Revolution ging es vordergründig um Steuern. der einen der wichtigsten Zugangswege vom Atlantischen Ozean in das Gebiet der Großen Seen und damit bis weit in das Innere des Kontinents darstellte. Diese Funktion als Einfallspforte erlangte der Fluss bereits nach den Erkundungsexpeditionen von Jacques Cartier (1491–1557) in den Jahren 1534 und 1535. Benjamin West (1738–1820). Durch größere Geschenke an die Häuptlinge. dass der Kampf um das Land als Ort des Ursprungs und der Identität bis in die Gegenwart anhält. und zwar sowohl zwischen den indigenen Völkern als auch zwischen den Kolonialmächten. Zugang zu den nördlichen Wäldern. Öl auf Leinwand. Mellon) Im Rahmen ihrer Kolonialkriege stützten sich Briten wie Franzosen auf die Hilfe ihrer jeweiligen Alliierten aus dem Kreis der indigenen Völker. National Gallery of Art. von wo aus Händler der Hudson Bay Company nach Süden vorstießen. mit denen die Basis für die Entwicklung des Pelzhandels mit den dort ansässigen Völkern gelegt und die spätere Gründung der Kolonie Neufrankreich durch Samuel de Champlain (1570–1635) vorbereitet wurde. um Platz für die Kolonisten zu schaffen. Ein wichtiger Anlass für die Unzufriedenheit der Patrioten mit dem König von England betraf aber die Landpolitik gegenüber den indigenen Völkern. Diese nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erfolgte Grenzziehung ermöglichte beiden Staaten den ungehinderten Zugang zu dem mächtigen Strom. Die Gründung von Ganienkeh zeigt. die in Europa mit hohem Profit verkauft werden konnten. Streit gab es in diesem Zusammenhang nur um den Zugang zu den Ressourcen und zu den Märkten. „Colonel Guy Johnson und Karonghyontye (Captain David Hill)“. denen zu Hause durch den Großgrundbesitz das Eigentum von Land verwehrt war.DAS LAND Christian Feest Revolution. während in den englischen Kolonien an der Atlantikküste die Siedlungskolonisation durch bäuerliche Einwanderer. Washington (Slg. der bei der Handelskolonisation (gleich ob an der Hudson Bay oder in Neufrankreich) wegfiel. im Vordergrund stand. Mit seinen Siedlungen am Saint Lawrence River sicherte sich Frankreich einen entscheidenden strategischen Vorteil bei der Ausbeutung des Kontinents gegenüber den Briten. auf dem sie in einer alternativen Kommune nach dem „Großen Gesetz des Friedens“ zu leben versuchen. Trotz seiner Ansiedlungen am Saint Lawrence River und im östlichen Kanada lag das Hauptinteresse Neufrankreichs im Handel mit der Urbevölkerung. um 1776. in denen indigene Jägervölker die Felle produzierten. Und in der Tat hatte der Sieg der dreizehn Kolonien gegen die britische Krone entscheidende Auswirkungen auf die Zukunft des indigenen Landbesitzes. 1976. Das Tal des Saint Lawrence River bildet heute über weite Strecken die Grenze zwischen den USA und Kanada.

die „Wilden“ hätten sich „wie die Schweinigels betragen. beschwerte sich im Sommer 1777. auch als „French and Indian Wars“ bezeichnet wird). noch im selben Jahr eine Proklamation. die von den Häuptlingen versprochen und anfangs auch weitgehend eingehalten wurde. um dem von beiden Seiten ausgeübten Druck zu entgehen. Auch Kolonisten. die bereits darauf warteten. Das galt auch für die ehemaligen Verbündeten der Franzosen. Beim Ausbruch des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges erkannte die Mehrheit der Stämme. Ähnlich setzten die Catawba in South Carolina ihren Erbhäuptling King Frow ab und riefen eine Catawba-Republik aus. und provozierten mit ihren Präventivschlägen gegen den vermeintlichen Gegner dessen aktive Unterstützung der englischen Kriegsbemühungen. 1789. Aus: Thomas Anburey. die zuvor auf der Seite Frankreichs gestanden hatten. erwiesen sich die indigenen Mitstreiter oft eher als Bürde denn als Hilfe. indem er die Autorität der Anführer auf der Grundlage der christlichen Lehre untergrub. erließ König George III. Briten und Amerikaner waren sich am Beginn der Auseinandersetzungen darin einig. Kupferstich. in das Gebiet jenseits der Appalachen vorzudringen. in der er die Appalachen als Grenze zwischen den Kolonien und der so genannten „Indian Reserve“ festlegte. dass man nach Möglichkeit die indigenen Krieger aus dem aktiven Kampfgeschehen heraushalten sollte. stellten sich die Krieger in den Dienst der britischen (und der eigenen) Sache und begannen. die in dieser Grenzlage besonders von der drohenden Expansion der Kolonien betroffen waren. Ein deutscher Offizier. Im Frieden von Paris musste Frankreich seine kanadischen Besitzungen 1763 an England abtreten. nicht zuletzt dank ihrer schlagkräftigeren indigenen Alliierten und Handelspartner. Besondere Sorge bereitete ihnen der Landhunger der englischen Siedler. die sich in den wenigen Jahren. das den Franzosen abgenommene Gebiet an neue Siedler verkaufen zu können. wurde aber nach Einführung von Stahlmessern und der Zahlung von Skalpprämien durch die Kolonialmächte allgemein üblich. mit dem Feind unter einer Decke zu stecken. und oft waren es nur bestimmte Fraktionen innerhalb eines Stammes. f lohen die Catawba ins weit entfernte Virginia. Plündern haben sie recht ehrlich geholfen. Zur Beruhigung nicht nur der Alliierten. Nur wenige stellten sich auf die Seite der Amerikaner. Die pro-britische Einstellung der Häuptlinge führte zur Unterstützung der Kolonisten. und 48 CHRISTIAN FEEST . So hatte bei den Oneida in New York der presbyterianische Missionar Samuel Kirkland (1741–1808) die Unzufriedenheit der Krieger mit der Friedenspolitik ihrer Häuptlinge für sein Bekehrungswerk ausgenutzt. Als dann aber kurzzeitig die Engländer militärisch erfolgreich waren und ihrerseits mit der Zerstörung des Hab und Guts aller Anhänger der Kolonisten drohten. ohne dass das Versprechen des exklusiven Nutzungsrechts des Landes durch die indigenen Völker (wenn auch unter dem Vorbehalt der königlichen Souveränitätsansprüche) angetastet worden wäre. Die Amerikaner verdächtigten darauf hin alle Stämme. die den Briten eben zu einem großen Sieg verholfen hatten. Skalpieren als Variante des Nehmens von Schädeltrophäen hatte in voreuropäischer Zeit eine beschränkte Verbreitung. auf eigene Faust gegen die Amerikaner in den Krieg zu ziehen.„Ein Indianischer Krieger“. weshalb in einer Reihe von Verträgen mit den Stämmen der Grenzverlauf abgeändert wurde. die Amerikaner würden alle Loyalisten töten. die bereits damit begonnnen hatten. sondern vor allem der besonders im westlichen Seengebiet einf lussreichen Völker. So wie man es vorausgesehen hatte. fühlten sich in ihren Rechten bedroht. Reisen im Inneren von Nordamerika (Berlin 1792) Britische Soldaten und ihre deutschen Hilfstruppen wurden im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit der Praxis indigener Kriegsführung konfrontiert. weil der Souveränitätsanspruch der Krone über das Land niemals grundsätzlich in Frage stand. Auf die Dauer konnten die Engländer der Versuchung nicht widerstehen. So erfreulich dies für die Briten war. von deren guten Absichten überzeugen konnten. so bedrohlich waren die Perspektiven für die indigenen Völker. auch wenn sie tatsächlich zu ihrem Neutralitätsversprechen standen. das damit ein koloniales Monopol erlangte. weil sie als „Wilde“ mit barbarischen Kriegsbräuchen die Spielregeln des „zivilisierten“ Krieges nicht respektierten. die bereits Besitzungen jenseits der Grenze hatten. eine Seite gegen die andere auszuspielen. die militärische Hilfe ihrer Alliierten in Anspruch zu nehmen. Bei den in den Appalachen lebenden Cherokee. Dennoch löste die Demarkationslinie den Protest vor allem der Landspekulanten aus. die sie unter britischer Herrschaft zugebracht hatten. die aber kaum militärisch wirksam wurde. Beide drängten daher die Stämme zur Neutralität. In diesem für die Urbevölkerung reservierten Land sollten insbesondere alle privaten Landgeschäfte mit den Stämmen verboten sein – an sich keine große Neuigkeit. die nun nicht mehr zwischen Partnern in Politik und Handel wählen konnten und des diplomatischen Mittels beraubt waren. der als Kommandant einer deutschen Söldnertruppe auf der Seite der Briten kämpfte. dass ihre Interessen vom „großen weißen Vater“ in London besser gewahrt wurden als von den landhungrigen Siedlern in den abtrünnigen Kolonien. nachdem sie gerüchteweise vernommen hatten.

1780 setzte man in Pennsylvania Prämien von 1000 Dollar für jeden Indianerskalp aus. Hier haben sie sich auch recht martialisch in Rum vollgesoffen. die meisten sind in Ticonderoga und zu Skenesborough zurückgeblieben. wo man sie skalpierte. Eine Truppe von 4400 Mann brannte darauf hin 40 Iroquois-Dörfer nieder und vernichtete insgesamt 160. Als etwa im Jahr 1782 in Ohio mehrere Siedler getötet und andere von pro-britischen Eingeborenen verschleppt worden waren. und den englischen Kolonien an der Atlantikküste eine Zone. Die eilig ausgesandte Miliz umzingelte das Dorf und trieb die Bewohner in zwei nach Geschlechtern getrennte Häuser. in die notgedrungen auch die indigenen Völker verwickelt wurden. Ihre tatsächliche oder auch nur vermutete Unterstützung der Briten musste die indigene Bevölkerung am Ende des Krieges teuer bezahlen. die ihr Schicksal in „freudiger Resignation“ erwarteten. Zwar setzte sich die im amerikanischen Kongress diskutierte Meinung.Das Saint Lawrence River-Tal und sein Hinterland um 1750 Um die Mitte des 18. Nach Augenzeugenberichten f loss das Blut in Strömen und 96 Menschen. seit der Zeit sind nur wenige ihren Anführern getreu geblieben. Als Vergeltung für zwei Angriffe der Mohawk auf Siedlungen in Pennsylvania im Jahr 1778 befahl George Washington im Jahr darauf die totale Vernichtung der Iroquois. in der die Expansion der Briten nach Norden und Westen steter Anlass für Konf likte war.000 Scheffel Mais. ermordete und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte. entlud sich die Wut der Siedler an den in der Nachbarschaft lebenden christlichen Delaware. wurden in kürzester Zeit ohne Gegenwehr niedergemetzelt.“ Besonders zivilisierte Kriegsführung konnte man aber auch den Amerikanern nicht vorwerfen. die als Nahrungsvorräte gelagert waren. und bringen ihre Taten auf die Nachwelt. Jahrhunderts lag zwischen den seit mehr als einem Jahrhundert bestehenden französischen Siedlungen im Saint Lawrence River-Tal. sondern sie saufen sich nach glorieux geendigter Campagne wieder nach Haus. Mit Fortdauer des Krieges wurde das Vorgehen gegen den Feind immer brutaler. darunter 34 Kinder. in denen die Fäden des westlichen Pelzhandels zusammenliefen. Eine ähnliche Politik der verbrannten Erde verfolgte die Armee auch gegen die probritischen Cherokee. neutraler oder gar freundlich gesinnter Ureinwohner unterschieden werden konnte. wobei freilich schwer zwischen der Kopf haut feindlicher. „die Indianer“ hätten durch ihre Unterstützung der ehemaligen Kolonialherren alle DAS LAND 49 .

in einem alten Inventar den „Huronen“ zugeschrieben. Städtisches Museum Braunschweig (Slg. um 1775. Der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gesammelte Ledermantel im europäischen Uniformstil stammt wahrscheinlich von Verbündeten der Briten aus den fernen Plains.Rückansicht eines Ledermantels. 50 CHRISTIAN FEEST . Herzog Anton Ulrich-Museum) Im Europa des 18. Jahrhunderts galten die „Huronen“ dank ihrer prominenten Rolle in der Literatur als „die Indianer“ schlechthin.

dass man mit der Ermordung der Frauen und Kinder drohte. Indianerland als Reparation für die Kriegsschäden zu beschlagnahmen und an weiße Siedler zu verkaufen. Bd. Aus: E. James H. Handbook of North American Indians 4. A.jedoch waren die wenigsten davon von legitimen Stammesvertretern unterzeichnet worden. um 1775. Wenngleich die meisten der bis zum Jahr 1871 geschlossenen Verträge nicht ganz freiwillig zustande kamen. Colin G. Indianische Kammer) Der ethnografischen Neugier der deutschen Söldnern. Syracuse: Syracuse Universit y Press. Washburn. Weiterführende Literatur Calloway. zeigt in seiner Zeichnung im Vordergrund einen mit den Briten alliierten "Nadowessier" (Sioux). die aus dem Aufmarschgebiet der Truppen im Saint Lawrence River-Tal stammen und überwiegend von den lokalen indigenen Bevölkerungen hergestellt wurden. von Zimmermann. durch die schließlich wesentliche Elemente der Königlichen Proklamation wieder Gültigkeit erlangten. 3 (Leipzig 1804: Fleischer) Der braunschweigische Oberst August Wilhelm du Roi. Kupferstich nach einer Zeichnung von August Wilhelm du Roi (1743-1814). erkannte den Regelungsbedarf und erließ eine Reihe von Verordnungen und Gesetzen. In der Northwest Ordinance von 1787 verbürgte sich die Regierung etwa für die Wahrung der Rechte der indigenen Völker und insbesondere ihres Landbesitzes. Barbara 1972 The Iroquois in the American Revolution. Ansprüche auf ihr Land verloren. so war mit ihrer Ratifizierung durch den Senat doch die Anerkennung von gewissen Souveränitätsrechten mit eingeschlossen. Knoxville: Universit y of Tennessee Press. nicht durch. Mokassins. Damit war der indigene Landverlust zwar nicht gestoppt. Cambridge: Cambridge Universit y Press. Wie schon nach dem Siebenjährigen Krieg wurden auch nach dem Unabhängigkeitskrieg Veteranen für ihre treuen Dienste durch die Übereignung von Land belohnt – fast ausschließlich auf Kosten der Ureinwohner. St. 1988 (Hg. der während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs am Saint Lawrence River stationiert war. Häufig bevorzugten die Käufer dabei reich verzierte Stücke für den Festgebrauch gegenüber den schlichteren Ausführungen für den Alltagsbedarf. W.) History of Indian-White Relations. Wilcomb E. er verlief aber immerhin in geordneten Bahnen. die einen offenen Konf likt mit den indigenen Völkern vermeiden wollte. O’Donnell. Graymont. die ihren Haushalt vorwiegend aus Grundsteuern finanzierten und daher an einer raschen Privatisierung des kollektiven Landbesitzes der Ureinwohner interessiert waren. wurden aber 1823 durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes der USA endgültig in ihre Schranken gewiesen. In anderen Bundesstaaten schloss man zwar Verträge. 1776. Die Gliedstaaten. Jahrhunderts. leisteten gegen diese Regelung anhaltenden Widerstand. DAS LAND 51 . Es kam auch vor. In der 1789 ratifizierten Verfassung der USA sicherte sich der Kongress schließlich das alleinige Recht. die auf der Seite der Briten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften. aber das hinderte Staaten wie New York nicht daran. in denen das Land formell abgetreten wurde. Washington. verdanken wir Sammlungen. Museum für Völkerkunde Dresden – Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen (Slg. Lawrence River-Tal. im Hintergrund einen auf Schneeschuhen einen Toboggan ziehenden Mohawk sowie einen frankokanadischen Bauern auf seinem eingezäunten Land. sollten die Landabtretungsverträge nicht unterschrieben werden. Taschenbuch der Reisen oder unterhaltende Darstellung der Entdeckungen des 18. "Der Indianische Krieger". 1973 The Southern Indians in the American Revolution. Verträge mit den Stämmen abzuschließen. Die Bundesregierung. DC: Smithsonian Institution. 1995 The American Revolution in Indian Country.

Bis heute sind die Ursachen dieser Entvölkerung nicht endgültig geklärt. an dessen Stelle nun Quebec stand. C. 1805. stand den anderen indigenen Völkern Nordamerikas noch bevor. wo später Montreal stehen sollte. Ottawa Auch die in den kleinen Missionsdörfern ansässigen Stammesangehörigen waren als Jäger und Fischer von der Nutzung der Ressourcen des Umlands abhängig. Mohawk. profitierten sie von den Veränderungen. den Huron im Westen und den Algonquin im Norden – waren. dass die Überlebenden dieser blutigen Auseinandersetzungen von den Siegern in die eigenen Reihen aufgenommen wurden und nun als Mohawk oder Huron eine gewisse Anhänglichkeit an das „Tracht der niedergelassenen Indianer in Nordamerika“. 52 CHRISTIAN FEEST . Abenaki und Algonquin bereits erlebt hatten. die zur Zeit der Amerikanischen Revolution in Dörfern nahe der größeren Städte das Bild ethnischer Vielfalt im Saint Lawrence River-Tal prägten. wie auch die des mit beeindruckenden Palisaden befestigten Hochelaga. die das Schicksal der Saint Lawrence Iroquois besiegelten. Handkolorierte Aquatinta von J. Wahrscheinlich Huron. aber die Ursachen für ihre Entwurzelung waren nicht die gleichen. Aus: George Heriot. was die Huron. Jeune Lorette. Quebec. Mündliche Überlieferungen machen aber deutlich. Die festlich gekleideten Jäger sind mit bescheidener Beute heimgekehrt.„Niedergelassene Indianer“ Aus allen Himmelsrichtungen stammten die indigenen Gruppen. Man kann nur vermuten. Wahrscheinlich hatten vom frühen europäischen Pelzhandel ausgelöste Veränderungen der Wirtschaftsweise ebenso einen Anteil daran wie die Schwächung der kollektiv als Saint Lawrence Iroquois bezeichneten Gruppen durch die von den Europäern ins Land gebrachten Krankheiten. Als die Franzosen 1608 unter Samuel de Champlain (1570–1635) mit der Gründung von Quebec den Grundstein für ihre Kolonie Neufrankreich legten. waren spurlos verschwunden. Stadler nach einer aquarellierten Bleistiftzeichnung von George Heriot (1759–1839). Library and Archives Canada. Keine dieser Gruppen lebte mehr auf traditionellem Land. dass es am Ende Kriege mit den benachbarten Völkern – den Mohawk im Süden. die sich im Saint Lawrence River-Tal seit dem ersten Besuch von Jacques Cartier im Jahr 1534 ergeben hatten. im Schatten eines Windschirms wird das Essen in einem Metallkessel zubereitet. Die Bewohner von Stadacona. Travels through the Canadas (London 1807). Vieles von dem.

die das relativ friedliche Leben in der Nähe der Kolonie den Belastungen eines Lebens im ständigen Kriegszustand vorzogen. Schon vor der Gründung von Quebec hatten sich die Franzosen mit den Montagnais und Algonquin. Als sich die Bedingungen für die Jagd in der 2. das trotz weiterer Ortswechsel den Mohawk- Stirntragband (Fragment). Land ihrer Vorväter bewahrten. nach welcher der Ort den inoffiziellen Namen Lorette erhielt. dass im 19. Viele zählten zur kleinen Minderheit katholischer Konvertiten unter den Mohawk.und Lederwaren für die Märkte von Quebec: Mokassins. verlegten sich die Bewohner von Lorette auf die Produktion von Holz. Die Beziehungen der Franzosen zu den Mohawk blieben trotz mehrerer Versuche zur friedlichen Koexistenz getrübt. Pelzmützen. die die Mohawk im Zuge ihrer Kriege bei anderen Stämmen gemacht hatten. Meist handelte es sich um ehemalige Gefangene. 1676 übersiedelten die indigenen Bewohner von La Prairie in ein nahe gelegenes eigenes Dorf. Sie waren darin so erfolgreich. Lorette einen Besuch abzustatten. Eine kleine Gruppe christlicher Huron zog hingegen 1650 gemeinsam mit ihren Seelenhirten nach Quebec. neben dem Christentum auch andere Aspekte der europäischen Lebensweise wie z. Hälfte 18. die Partner in der wahrscheinlich erst kurz zuvor gegründeten Konföderation der Fünf Nationen der Iroquois waren. Mohawk und andere Iroquois niederließen. Die an ihnen befestigten meterlangen Schnüre wurden auch zur Fesselung von Kriegsgefangenen benutzt. Jahrhunderts verschlechterten. Als der Aggressionskrieg der Mohawk gegen die Huron im Jahr 1649 mit deren Vertreibung aus ihrem Siedlungsgebiet endete. die Rinderhaltung zu übernehmen. der sich entlang des Flusses in das Binnenland vorschob. Handschuhe sowie des Weiteren Schneeschuhe. oder um Personen. die ebenfalls zu den Verbündeten und Handelspartnern der Franzosen zählten. DAS LAND 53 . um 1775. Die Feindschaft mit den Mohawk bescherte den Franzosen andererseits die Zuneigung der nördlich des Lake Ontario lebenden Huron. verbündet und gerieten damit unmittelbar in deren Konf likt mit den nach Norden drängenden Mohawk. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Bei diesen Vernichtungskriegen ging es nicht in erster Linie um das Land. In Lorette betrieben die Huron auf schlechtem Land ihren traditionellen Bodenbau. Aquarell von unbekanntem Künstler nach anonymer franko-kanadischer Vorlage. die zu ihren wichtigsten Handelspartnern wurden und bei denen die Rekollekten sowie später die Jesuiten eine eifrige Missionstätigkeit entfalteten. damit sie sich ganz dem profitablen Handwerk widmen konnten. in dem sich bald auch einige Oneida. deren christliche Werthaltung in Konf likt mit der traditionellen Lebensweise geraten war. wo man den abendlichen Tänzen der Bewohner zusehen und günstig Reiseandenken erwerben konnte. Jahrhunderts kaum besiedelt war. und kaum ein Besucher von Quebec versäumte es. Hugo Schilling) Zum Tragen von Lasten und zum Ziehen der Toboggans verwendeten die Völker im Saint Lawrence River-Tal aus Indianerhanf gef lochtene Stirntragbänder. besonders der Huronen und Abenaking“. f lohen die meisten Huron nach Westen und gingen im Umfeld französischer Handelsposten wie Michillimackinac und Detroit Allianzen mit den Ottawa ein. Jahrhundert. St. 2. Jahrhundert sogar der Bodenbau aufgegeben wurde. nutzten die guten Jagdgründe des Hinterlands und begannen. Hälfte des 18. die nördlich des Saint Lawrence River gegen dessen Mündung zu lebten. In einer der kurzen friedlichen Perioden entstand 1667 an der Südseite des Saint Lawrence River gegenüber von Montreal auf jesuitischem Grundbesitz das französische Dorf La Prairie. Lawrence River-Tal. Paddel und Schläger für das auch bei den Franko-Kanadiern zunehmend beliebte Lacrossespiel zählten zur Palette der im Dorf erzeugten Waren. in dessen Zentrum eine der Muttergottes von Loreto geweihte Kirche stand. Mohawk (?). die in ihrem Mittelteil mit Elchhaar in „falscher Stickerei“ verziert waren. wo sie nach einigem Hin und Her rund acht Kilometer von der Stadt entfernt ein Dorf gründeten.„Abbildung der Wilden in Canada. die (mit Ausnahme der Mokassins) ausschließlich aus europäischen Handelsgütern hergestellt waren und dennoch den Eindruck von Wildheit erweckten. Braunschweigisches Landesmuseum Bei ihren Besuchen in den benachbarten Dörfern bestaunten die braunschweigischen Hilfstruppen die bunt bemalten Menschen in ihren fantastischen Kostümen. dass das Saint Lawrence River-Tal zu Beginn des 17. Zentrales Kriegsziel war wohl eher der direkte Zugang zum europäischen Pelzhandel. Trotz der Übernahme des Französischen als Verkehrssprache und Ehen mit französischen Siedlern blieb das Gepräge des Dorfs und seiner Bewohner einigermaßen exotisch. B. wie aus der Tatsache ersichtlich wird.

und 18. dass am Ende des Siebenjährigen Krieges Neufrankreich an die Briten fiel. Hier entwickelte sie gemeinsam mit einigen anderen Frauen eine fanatische Hingabe an die neue Religion. die derart extreme Formen der Kasteiung und Selbstmarterung einschloss. die alle aus Abspaltungen größerer Stämme entstanden waren. insgeheim den Amerikanern als Spione zu dienen. Alle leben bis heute auf Land. Obwohl die Abenaki im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ihre Neutralität erklärt hatten. Hier fanden sie sich im 18. Quebec.Jagdtasche mit Stachelschweinborstendekor. denen sie durch ihre Migration an den Saint Lawrence zu entkommen gehofft hatten. Basel (Slg. der mehrere Mitglieder ihrer Familie zum Opfer fielen. dass sie schließlich nach Kahnawake zog. Abenaki („Leute aus dem Osten“) ist eine Sammelbezeichnung für Algonquin-sprachige Gruppen. aus dem Osten kommend. Weit über den lokalen Rahmen hinaus erlangte Kahnawake freilich Bedeutung durch Catherine (Kateri) Tekakwitha (1656–1680). die so ins Land ihrer Väter oder Mütter zurückkehrten. dass selbst ihre geistlichen Betreuer ihr zur Mäßigung rieten. Ähnlich wie im Fall der Huron und der Mohawk mag auch bei der Ansiedlung von Algonquin am Saint Lawrence River eine mögliche Abstammung einzelner Familien von den verschwundenen Saint Lawrence Iroquois eine Rolle gespielt haben. Auch sie kämpften an der Seite der Franzosen. Jahrhundert auch andere Algonquin-Gruppen aus ihrer Heimat entlang des Ottawa River an den Saint Lawrence. Handbook of North American Indians 15. Namen Kahnawake beibehielt. die mit den britischen Kolonisten in Neuengland durchwegs schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Museum der Kulturen. ihrem Katholizismus und ihrer Nutzung der Möglichkeiten städtischer Märkte für ihre Produkte. Besonders die Abenaki muss es geschmerzt haben. die im Schatten der Kirche für die Weiterführung vieler Aspekte des traditionellen Lebens sorgten. So lebten zur Zeit der Amerikanischen Revolution entlang des Saint Lawrence River vier verschiedene indigene Gruppen. sie erhielten nach der Amerikanischen Revolution Zuzug von Verwandten. an den Saint Lawrence River begeben hatten. 1978 (Hg.) Northeast. die sich. Bei der Verzierung der Fransen haben Glasperlen die Umwicklung mit Quill und rote Wollfäden die früher üblichen Büschel von rot gefärbtem Hirschhaar ersetzt. insbesondere in die Gegend von Trois Rivières auf halbem Weg zwischen Quebec und Montreal. wandte sie sich dem Christentum zu und musste wegen ihres Glaubens so viel Ungemach erdulden. die jeweils zur Hälfte aus Mohawk sowie zur anderen Hälfte aus Algonquin und Nipissing bestand und deswegen sowohl unter dem Algonquin-Namen Oka als auch unter der Mohawk-Bezeichnung Kanehsatake bekannt ist. Eine andere aus La Prairie kommende Gruppe von Mohawk siedelte sich nördlich des Saint Lawrence River in der Nähe von Montreal an und fand 1721 eine endgültige Heimstätte auf dem Land der Sulpizianer bei Lac-des-Deux-Montagnes. Jahrhundert in der Gesellschaft von Abenaki wieder. gerieten sie bei den Briten in Verdacht. Unterschiedliche Gruppen der Eastern und Western Abenaki begaben sich schließlich. Die Mohawk von Kahnawake machten sich auch als Hilfstruppen der Franzosen in deren Kämpfen gegen die Mohawk der Fünf Nationen nützlich. zumal große Kontingente der britischen Truppen in der Nähe von Trois Rivières stationiert waren und die kleinen Dörfer als Ausf lugsziele eine unwiderstehliche Anziehungskraft für die Soldaten zu haben schienen. Gezeichnet von den Narben einer Pockenerkrankung. Weitere Gemeinsamkeiten existierten in ihrer engen Bindung an die Franzosen. um 1820. Jahrhundert begonnener Kanonisierungsprozess gipfelte 1980 in ihrer Seligsprechung durch den Papst. Ihr bereits im 19. das sie letztlich von den Franzosen erhalten hatten und das doch schon im ausgehenden 18. angeregt durch französische Missionare. stand sie dennoch im Geruch der Heiligkeit und wurde in der Folge zu einer Leitfigur des indigenen Katholizismus. 54 CHRISTIAN FEEST . unter den Schutz der Franzosen und gründeten gegenüber von Trois Rivières zwei getrennte Siedlungen (Odanak und Bécancour). die man auf Taschen oder Mokassins nähte. Jedenfalls übersiedelten im 17. und bald nahm der Ort im Netzwerk der indigenen Alliierten der französischen Kolonie eine zentrale Stellung ein. Algonquin. doch entwickelte sich das Dorf im Unterschied zum überwiegend irokesischen Kahnawake zu einer Siedlung. die ihre Ländereien in den USA im Rahmen von Verträgen abgetreten hatten. DC: Smithsonian Institution. Als sie im Alter von 24 Jahren starb. Hier vergrößerte sich die Gemeinschaft durch Zuzug ganzer Mohawk-Gruppen samt ihren Häuptlingen. Bruce G. Jahrhundert ihre Heimat geworden war. Washington. Weiterführende Literatur Trigger. Lukas Vischer) Eine in den Wäldern der kanadischen Subarktis weit verbreitete Technik der Verarbeitung gefärbter Stachelschweinborsten bestand in der Herstellung schmaler Webstreifen. die als Tochter eines Mohawk-Vaters und einer Algonquin-Mutter unter den Mohawk aufwuchs.

um 1775. lag die Betonung auf idyllischer Friedfertigkeit und Naturliebe. Johann Ludwig Unger). Nicht ausgestellt Unter Anleitung und vielleicht auch Mitarbeit von Nonnen des Ursulinenordens fertigten Abenaki-.und Huronmädchen Souvenirs für den lokalen Touristenmarkt. waren die für den Verkauf an Fremde bestimmten Produkte Träger von Botschaften über Kulturgrenzen hinweg. Abenaki (?). Herzog Anton Ulrich-Museum) Von Anbeginn der Kolonisation wurden in Nordamerika von der indigenen Bevölkerung europäische Eisenäxte als Waffen („Tomahawks“) verwendet. um 1775.Messerscheide. Unterteil eines Strickbeutels. St. Herzog Anton Ulrich-Museum). um 1775. Abenaki (?). Städtisches Museum Braunschweig (Slg. Lawrence River-Tal. Algonquin. Saint Lawrence River-Tal. Zur Zeit der Amerikanischen Revolution waren dekorative Messingklingen mit eingesetzter Stahlschneide in Mode. in denen man hinter jedem „Indianer“ einen Feind vermutete. Pfeifentomahawk. Saint Lawrence River-Tal. Ab etwa 1700 wurden Äxte in Kombination mit einem Pfeifenkopf speziell für den Handel mit den Ureinwohnern hergestellt. Szenische Elchhaarstickereien auf Birkenrinde mit üppiger f loraler Umrahmung zeigen paradiesische Landschaften und suggerieren eine verklärte Liebe zu Land und Natur. DAS LAND 55 . Städtisches Museum Braunschweig (Slg. Städtisches Museum Braunschweig (Slg. ex-Slg. Nicht ausgestellt Vielfach ungeeignet zum praktischen Gebrauch. Ludolph von Unger. Gerade in Kriegszeiten.

Die Algonquin-sprachigen Munsee wurden im 17. Vor den Kolonialmächten brauchten die Iroquois unter diesen Umständen wenig Angst zu haben.Iroquois Durch den Zusammenschluss von fünf verwandten. Jahrhunderts begaben sich die Iroquois also auf den Kriegspfad. Dabei war es auch hilfreich. Als in der ersten Hälfte des 17. Die neuen Partner begruben ihre Kriegsbeile und pf lanzten darüber den Baum des Friedens. und stieß die Iroquois in eine tiefe Krise. der sich diesem Ziel widersetzte. den westliche Historiker im 15. sondern nach ihrer Bedeutung anteilig vertreten. Jahrhunderts Franzosen. da bei allen Unterschieden in den Aufgabenstellungen Mann und Frau insgesamt et wa gleich großen Einf luss auf den Lauf der Dinge hatten. Nach einer Heirat verließen die Männer den mütterlichen Haushalt und übersiedelten in den ihrer Frauen. niederländischen und britischen Kolonien. die den Nachfolger nominierten. sondern sich auch untereinander mit Waffengewalt und Magie bekämpften. aber oft in blutige Konflikte miteinander verwickelten Stämmen zu einer Konföderation und begünstigt durch ihre strategische Lage an der Schnittstelle der Einflussbereiche der französischen. dass man ihm die führende Stellung unter den 50 Häuptlingen anbot. stießen sie auf eine von ihnen als „Five Nations“ bezeichnete Gruppe von Stämmen. Jahrhundert zu einer allseits umworbenen. oder die 1656 als selbständige Nation vernichteten Erie. verlegen die Überlieferungen der Iroquois selbst in eine „Zeit der Krise“. aber auch gefürchteten militärischen und politischen Kraft geworden. die unter ihnen zu leiden hatten. Selbst besaßen sie keine nach außen wirksamen politischen Ämter. die sich selbst jedoch Hodenosaunee. Die Engländer und Hollän- 56 CHRISTIAN FEEST . sodass die Männer nur geringe Autorität über ihre eigenen Kinder besaßen. Beim Tod eines Amtsinhabers waren es daher die Matronen (die ranghöchsten Frauen eines Klans). Er verbündete sich mit ihm. besonders nahe standen. dass sich die ohnehin bereits dominante Stellung der Frau in der Gesellschaft noch verstärkte. als die nach zwei Kriegen gegen die Weißen aus North Carolina nach New York gef lohenen Tuscarora als sechste Nation (wenn auch ohne Stimmrecht im Rat der Häuptlinge) aufgenommen wurden. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg führte hingegen zum Bruch der Einheit. „die aus dem Langhaus“. die sie bislang stark gemacht hatte. das die politische Grundlage der Liga darstellen sollte. Zu ihren ersten Opfern zählten die anderen Iroquois-sprachigen Stämme der Nachbarschaft. in der die Stämme nicht nur gegen ihre Algonquin-sprachigen Nachbarn Krieg führten. Sie zählten zu den „älteren Brüdern“. Die oft jahrelange Abwesenheit der jungen Krieger mag dazu beigetragen haben. ihnen hingegen die Kinder ihrer Schwestern. sodass die oft versuchte Charakterisierung ihrer Gesellschaftsordnung als „Matriarchat“ an den tatsächlichen Gegebenheiten vorbeigeht. und 18. wo sie als Nicht-Klanangehörige eine schwache Stellung hatten. da die entsprechenden Namenstitel Eigentum der Klane waren. Durch die Adoption der bei diesen Kriegszügen erbeuteten Gefangenen konnte man nicht nur die eigenen Verluste ersetzen. Auf seinen Wanderungen durch das vom Krieg verwüstete Land traf Deganawida auf den Mohawk Hiawatha. ihnen stand auch das Recht zu. Onondaga. um das neue Gesetz des Friedens zu verbreiten. Jahrhundert waren es vor allem die Franzosen. oder eher 16. wobei die Vertreter der am Mohawk River beheimateten Mohawk den östlichen und diejenigen der bei den Niagarafällen ansässigen Seneca den westlichen Eingang bewachten und die Onondaga das Feuer in der Mitte des Hauses hüteten. Diese fünf Iroquois-sprachigen Völker – die Mohawk. Den Ursprung des auch als „League of the Iroquois“ („Irokesenliga“) bezeichneten Stammesbundes. Abhilfe kam von Deganawida. unfähige Häuptlinge abzusetzen. Niederländer und Briten von ihren Kolonien am St. Derartige Ansprüche konnten die nun geeinten Fünf Nationen leicht stellen. und 18. Im 17. waren die Iroquois im 17. in dessen Schatten auch alle anderen Völker Platz zu nehmen eingeladen waren. nannten. der um den von einem Hexer verursachten Tod seiner Töchter trauerte. um einen solchen Anspruch durchzusetzen. in ihr waren die fünf Stämme nicht nach ihrer Größe. Cayuga und Seneca – hatten sich zu einer nach dem für ihre Sozialordnung grundlegenden Prinzip der Verwandtschaft organisierten Konföderation zusammengeschlossen. der Häuptling von Onondaga und selbst ein Hexer. Oneida. Jahrhundert dehnten die Iroquois ihre Aktionen bis tief in den Südosten und bis zum Mississippi aus und brachten auch von dort unzählige Gefangene mit nach Hause. t ypisch irokesischen Langhäuser. und nur die gut bewaffneten Chippewa konnten sich auf Dauer gegen den scheinbar unbezwingbaren Gegner behaupten. Lawrence River und am Atlantik ins Landesinnere des heutigen Staates New York vordrangen. Dabei repräsentierten die Männer als Politiker und Krieger die Gemeinschaft nach außen. Im 18. Eine Vergrößerung erfuhr die Konföderation 1722. Jahrhundert tributpf lichtig gemacht. „Brüdern der Mutter“ oder „Männern“ des Haushalts. die demselben Klan angehörten. dem Sohn einer bei den Huronen lebenden allein stehenden Seneca-Frau. Ihr hatte in einem Traum ein Abgesandter des Schöpfers mitgeteilt. ihr Sohn würde einst den Großen Baum des Friedens errichten. während die zwischen ihnen wohnenden Cayuga und Oneida als „jüngere Brüder“ und „Söhne der Schwester“ zugleich die weibliche Verwandtschaft repräsentierten. Ihre fünf Häuptlinge lebten wie Brüder in einem der mit Rinde gedeckten. weil ihnen ihr Bund auch die militärische Stärke verlieh. dem Hiawatha erst die in seinem Haar lebenden Schlangen auskämmen musste. um ihre Politik der Pax Iroquoia zu realisieren. war Tadodaho. während die Frauen die inneren Angelegenheiten dominierten. Im Laufe des 17. Jahrhundert vermuten. Richtig ist diese Form der Sozialordnung als „geschlechteregalitär“ zu bezeichnen. solange sie nur das Große Gesetz des Friedens und damit die Oberherrschaft der Iroquois akzeptierten. die man ent weder zu Tode marterte oder adoptierte. die 1649 ihre Heimat verlassen mussten. in deren Territorium sie eingedrungen waren. bevor er sich zum Frieden bekehren ließ. Auch die Ämter in der Liga und in den Stämmen wurden in weiblicher Linie vererbt. die gemeinsam die Ratsversammlung der Liga bildeten. wie die Huron. Der Einzige. Die Iroquois bestimmten die Zugehörigkeit zu ihren Klanen in mütterlicher Linie. sondern vergrößerte sogar noch seine Stärke.

Weil das auf dem Prinzip der Einstimmigkeit von Beschlüssen und der Abstimmung divergierender Interessen beruhende politische System des Stammesbundes eine rasche Entscheidung verhinderte. dem britischen Oberbeauftragten für Indianerangelegenheiten. So kann es auch nicht verwundern. Ontario. Der Sieg der USA im Unabhängigkeitskrieg führte schließlich zur Abwanderung der irokesischen Loyalisten nach Kanada. William Berczy (1744–1813). Für viele Mohawk und einige andere war jedoch die Bindung an die Engländer mittlerweile so stark geworden. dass die Liga beim Ausbruch der Amerikanischen Revolution eine neutrale Position einzunehmen versuchte. Öl auf Leinwand. Grand River. während die in New York verbliebenen Iroquois weiterhin nach Onondaga als der Hauptstadt des Stammesbundes blickten. In der Ohio-Region. wo sie am Grand River den Hauptsitz einer neuen Liga errichteten. Der Verlust der strategischen Lage zwischen konkurrierenden Kolonien drohte den Einf luss der mittlerweile Sechs Nationen zu schwächen. National Gallery of Canada. Obwohl der Liga daran gelegen war. Einerseits handelten die fünf Stämme in lokalen Angelegenheiten autonom und andererseits waren die heißblütigen Krieger oftmals von den Friedenshäuptlingen nicht zu bremsen. war dies nicht immer möglich. wenn es darum ging. Auf dem amerikanischen Schauplatz des Siebenjährigen Kriegs waren die Iroquois als Alliierte der britischen Krone wesentlich an der Vertreibung der Franzosen aus Nordamerika beteiligt. die Großbritannien zur einzigen Kolonialmacht der ganzen Region werden ließ. am Westrand des traditionellen Wohngebietes des Bundes. Die Spaltung war damit endgültig besiegelt. 1807. Ottawa Eine Schlüsselfigur in den Beziehungen zwischen den Iroquois und den Briten war Joseph Brant (1742–1807). löschte die Liga 1777 ihre Ratsfeuer und überließ die weitere Vorgangsweise den Stämmen. Lediglich die Oneida und die Tuscarora zeigten offen ihre Unterstützung für die Amerikaner. Er hatte in England eine Schulausbildung erhalten und pf legte ein besonders enges Verhältnis zu Sir William Johnson (1715–1774). die Iroquois durch günstige Handelsbedingungen und politische Zugeständnisse auf ihre Seite zu bringen. der mit der Schwester Brants mehrere Kinder hatte. Schon allein wegen ihrer größeren räumlichen Nähe zu den britischen Kolonien pf legten die Mohawk ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu den Briten. der versuchten hingegen.„Thayendanegea (Joseph Brant)“. auf dem Kriegspfad Ehre und Beute zu erlangen. Somit wurden die Iroquois zu den großen DAS LAND 57 . lebten einige Gruppen gänzlich außerhalb der Kontrolle der Ligahäuptlinge und erlangten unter dem Namen „Mingo“ als besonders grausame Krieger einen schlechten Ruf. dass sie sich im Konf likt zwischen König und Kolonisten auf die Seite des Königs schlugen. Mohawk. sich aus den Konf likten zwischen den Kolonialmächten herauszuhalten.

wenn man alle Reservationen in drei amerikanischen Bundesstaaten und in zwei kanadischen Provinzen zusammenzählt.000 Quadratkilometer allein von einem von mehreren Grundstücksspekulanten aufgekauft. Sie drängte mit dem Verbot des privaten Gebrauchs der „Medizin“ die individuelle Beziehung zu höheren Mächten gegenüber einem gemeinsamen Kult in den Hintergrund und stärkte die Kernfamilie gegenüber der traditionellen Großfamilie. Unglaube und Mord ausgemerzt werden. zeigt aber unter anderem nicht-anthropomorphe Donnervögel. Die Männer konnten damit nicht mehr wie zuvor als Jäger ihren Beitrag zur Ernährung ihrer Familien leisten. als der junge Staat New York jedem Kämpfer im Unabhängigkeitskrieg 240 Hektar Land versprach und dafür 7. Da die Sünde das Gerüst der Welt zum Einsturz brächte. kaum mehr als 800.000 Quadratkilometer. Ein Großteil dieser Länder waren Jagdgebiete. bildete die Lehre die Mokassins. Der Landverlust setzte schon während der Amerikanischen Revolution ein. Gewalt und Alkoholmissbrauch waren an der Tagesordnung. In der ersten Hälfte des 19. die sich durch die in der Folge eintretende rasante Erosion ihrer Landbasis noch vertiefte. Promiskuität. Treulosigkeit. Johann Georg Schwarz) Diese vom Sammler wahrscheinlich bei den in Kanada lebenden Iroquois um 1820 erworbene Jagdtasche ist im Stil dem späten 18. Verlierern des Unabhängigkeitskriegs und stürzten recht unsanft aus den Höhen ihrer einstigen Bedeutung in eine tiefe Sinnkrise. Gattenmisshandlung. Geiz.Jagdtasche. 58 CHRISTIAN FEEST . Blühende Dörfer waren beinahe über Nacht zu Slums in der Wildnis geworden. Jahrhundert umfasste das Hoheitsgebiet der Iroquois rund 70. die vom Elend der Iroquois profitierten. um 1820. von Selbstachtung bestimmten Leben. einen personifizierten Schöpfergott und einen Teufel mit Hörnern. Im Zuge von für die Iroquois undurchsichtigen Rechtsgeschäften zwischen den Staaten New York und Massachusetts wurden 1788 mehr als 10. Handsome Lakes missionarisch unter den Iroquois verbreitete Lehre ergänzte das alte Weltbild durch Himmel und Hölle. auch forderte sie von den Männern Pf lugbau und Viehzucht statt Jagd und Krieg. Grand River (?). die eine Herkunft von den Iroquois zumindest fraglich erscheinen lassen. seien Reue und Umkehr die einzige Abhilfe. Unter diesen Umständen sahen christliche Missionare ihre Stunde gekommen. Trotz der Übernahme vieler christlich inspirierter Neuerungen. Ein anderer erwarb 1797 weitere Ländereien im westlichen Teil des Staats New York. die Erzübel Trunkenheit. vier Engel als Abgesandte des Schöpfers und überbrachten ihm die „Gute Botschaft“ – die Anweisung für die Rückkehr zu einem richtigen. also rund die Hälfte der Fläche des heutigen Staates New York. Im 17. um 1800. Jahrhunderts wurde freilich die alte Technik der Verzierung von Leder mit Stachelschweinborsten aufgegeben und durch Glasperlenapplikation ersetzt. Iroquois. Liebeszauber und Abtreibung zu meiden. Hexerei. die den Iroquois das Leben unter den neuen Bedingungen erleichterte. Ontario. Jahrhundert verpf lichtet. deren Verlust eine grundlegende Umstellung der früheren Wirtschaftsweise erforderte. weil es in der Nähe der Reservationen weiterhin lukrative Absatzmärkte gab. Mit dem strengen Gebot. Johann Georg Schwarz) Das Kunsthandwerk der Iroquois überlebte die Amerikanische Revolution. Schwanz und Hufen sowie die vier Botenengel.000 Quadratkilometer Land der Iroquois reservierte. Karten. Mit dem Ende der fast unbeschränkten Kriegsführung war ihnen auch die bislang wichtigste Möglichkeit zum Erwerb von sozialem Status genommen. sollten auch die daraus entspringenden Laster Ehestreit. Iroquois. die den Iroquois erst 1794 in einem Vertrag mit den USA zugesichert worden waren. einem invaliden Erbhäuptling der Liga und Trinker. Museum für Völkerkunde Wien (Slg.und Geigenspiel. um die bislang der Bekehrung weitgehend abgeneigten Iroquois für den wahren Glauben zu gewinnen. von denen weniger als die Hälfte im traditionellen Siedlungsgebiet liegt. Im Jahr 1800 erschienen dem Seneca Handsome Lake (um 1733 – 1815). Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Der Zusammenbruch der alten Ordnung hinterließ tiefe Spuren: Depression. In unseren Tagen sind es.

Meinungsvielfalt und Wertepluralismus haben also bei den Iroquois ebenfalls Einzug gehalten. fest in das kulturelle Gedächtnis des Westens eingeschrieben. Trotz ihres politischen Abstiegs haben sich die Iroquois mehr als viele andere indigene Völker Nordamerikas. in der die Abgrenzung von den Weißen und die Bewahrung der eigenen Identität betont wurde. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Taschen dieser Art erfreuten sich bei verschiedenen Stämmen im Saint Lawrence River-Tal zur Zeit der Amerikanischen Revolution großer Beliebtheit. Oneida. aber Teil ihrer Kriegspraxis waren. überlebten die Medizinbünde und andere ältere Einrichtungen die Reform und verbanden sich mit der „Guten Botschaft“ zu der Langhausreligion als heute „traditioneller“ Iroquois-Religion. Lewis Henry 1851 League of the Ho-dé-no-sau-nee or Iroquois. die sowohl den Erbhäuptlingen als auch den gewählten Führern die Gefolgschaft verweigern. Täschchen. Oxford: Blackwell. Iroquois (?). die damit den Andenkenmarkt an den NiagaraFällen belieferten. Sie wurden mit borstenverzierten Tragschnüren aus Leder getragen. New York. Dazu kommen radikale Bewegungen. sondern in der Konkurrenz verschiedener Systeme. weil repräsentative Mehrheitsdemokratie mit Konsensaristokratie verwechselt wird. Kaum jemand nahm hier auch zur Kenntnis. Mokassins. Das Erbhäuptlingstum war auch den Nationalstaaten USA und Kanada als Indiz für die Rückständigkeit „der Indianer“ ein Dorn im Auge. Am besten bekannt sind die der Seneca.Grundlage einer Stammesreligion. die den meisten nicht einmal vom Hörensagen bekannt sind. Dean R. Erzherzog Johann Baptist) Aus der Sammlung des Habsburgers Erzherzog Johann stammt das älteste erhaltene Stück aus dem nordöstlichen Nordamerika in einer österreichischen Sammlung. allerdings nicht innerhalb einer gemeinsamen Ordnung. die beide von den Iroquois nicht erfunden wurden. Saint Lawrence River-Tal. Basel (Slg. Obwohl nach Handsome Lakes Tod im Jahr 1815 die Lehre kodifiziert wurde. Weiterführende Literatur Morgan. DAS LAND 59 . Vielfach diskutiert wurde und wird die Vorbildrolle der Iroquois-Verfassung für jene der USA. Cayuga und Seneca noch die Tuscarora hinzu) werden im Dekor ihrer Mokassins sichtbar. ohne den Fortbestand der beiden Ligen ernsthaft gefährden zu können. Onondaga. So existieren heute beide Systeme nicht immer konf liktfrei nebeneinander. Ihre Rolle als Vertreter der Urgesellschaft in den Werken von Marx und Engels verdanken die Iroquois schließlich dem Werk des bürgerlichen New Yorker Rechtsanwaltes Lewis Henry Morgan. Snow. Aus der Zeit der kolonialen Konf likte stammen die Assoziationen mit Skalp und Marterpfahl. 1994 The Iroquois. Schon angesprochen wurde das von der feministischen Bewegung seit jeher bewunderte Matriarchat. der nicht nur mit seinem Buch über die Iroquois die erste ethnografische Beschreibung einer indigenen nordamerikanischen Bevölkerung vorlegte. Seneca. sondern auch bei den Iroquois das Prinzip der matrilinearen Deszendenz erkannte und damit zum Begründer der Verwandtschaftsethnologie wurde. Lukas Vischer) Kulturelle Unterschiede zwischen den „Sechs Nationen“ der Irokesenliga (1722 kamen zu den Mohawk. die bis heute außerhalb der beiden traditionell regierten Bünde existiert. auch hier liegt jedoch ein Missverständnis vor. Rochester: Sage. dass im Revolutionsjahr 1848 ein Teil der Seneca ihre erblichen Häuptlinge absetzte und sich zur Seneca Republic erklärte. 1924 führte Kanada auf den Reservationen demokratisch gewählte Stammesvertretungen ein und 1934 folgten die USA diesem Beispiel. Museum der Kulturen. dessen angebliche Existenz bei den Iroquois jedoch auf einer fehlerhaften Interpretation der Tatsachen beruht. um 1780. um 1820. Im fernen Europa bekam man von diesen Ereignissen in den amerikanischen Hinterwäldern nicht viel mit.

mit dem bei der Einsetzung neuer Häuptlinge deren Vorgänger betrauert werden. als Gegenleistungen für Heilungen sowie zur Bezahlung von Blutschuld und zur Bekräftigung von Handlungen gebraucht. „Ansprache der Indianer an Colonel Bouquet“. Kupferstich nach einer Zeichnung von Benjamin West.. und in der Tat bezogen auch die Iroquois ihre Wampumperlen von verschiedenen Algonquin-Gruppen an der Atlantikküste. dass mehrere Kolonien das „Muschelgeld“ als Notwährung für die meist unzureichend vorhandenen Metallmünzen einführten. erst die Einführung von Metallbohrern ermöglichte die Durchlochung zylindrischer Perlen.“ Von diesem Freundschaftsdienst leitete sich die „Wiederbelebungsrede“ als das zentrale politische Ritual der Iroquois ab. Museum für Völkerkunde Wien (Slg.] (1766) Mit der Übergabe eines Wampumgürtels im Rahmen von Verhandlungen betonten die Redner die Wichtigkeit ihrer Äußerungen. wie die Iroquois sagten. Auch am Beginn und Ende von Ratsversammlungen fanden Wampumschnüre als Symbol der Autorität der Sprecher Verwendung. Hugo Schilling) Wampumgürtel bestanden aus Lederschnüren. „Diese Muscheln“. deren Bedeutung an Aktualität verloren hatte. die jeweils vor und hinter den Schnüren verliefen. Bei Vertragsabschlüssen war der Austausch der wertvollen Merkhilfen unumgänglich. Gürtel und anderen Produkte. die in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen als Schmuck. In voreuropäischer Zeit waren diese Perlen scheibenförmig. Jahrhundert ihre Vorgänger fast völlig verdrängten. aber auch im rituellen Güteraustausch im Rahmen von Heiraten. Die Iroquois führten den Austausch von Wampumschnüren und -gürteln in die diplomatische Kultur der kolonialen Politik ein. Jahrhundert. wurden auseinander genommen und bei Bedarf zu neuen verarbeitet. die ab dem 17. also hinfällig war. Merkhilfen. Reihen von Wampumperlen fixiert waren. sagte Deganawida. Ritualobjekte. Wahrscheinlich Iroquois. der aus von Hiawatha gefundenen Schneckenschalen die ersten Wampumschnüre herstellte und damit einen um seine Töchter trauernden Freund wieder aufrichtete. Später führte allerdings die weit verbreitete Verfügbarkeit und Standardisierung von Wampum dazu. Mit dem Niedergang der Küstenvölker verloren diese schließlich die Kontrolle über die Herstellung. Aus: William Smith.. als Grabbeigaben. Wampumgürtel. 60 CHRISTIAN FEEST . Wertgegenstände oder Notgeld verwendet wurden. die Angelegenheit „zu Boden fiel“. Alte Gürtel. Nach der Reform der irokesischen Religion durch Handsome Lake wurden Wampumschnüre ferner bei öffentlichen Sündenbekenntnissen eingesetzt. die von da an in den Werkstätten weißer Siedler erfolgte. mit der die Trauernden bedeckt sind.Wampum „Wampum“ ist ein Sammelbegriff für die zylindrischen Perlen aus den weißen und lila Schalen der Meeresschnecke Venus mercenaria und die aus ihnen hergestellten Schnüre. „werden zu Worten und sie werden die Dunkelheit emporheben. zwischen denen mittels zweier Fäden. 18. denn es ist eine koloniale Verballhornung des Algonquin-Begriffs für „weiße Schnüre“. Die Küstenvölker hatten Muschelschalenperlen als Schmuck. An Historical Account of the Expedition against the Ohio Indians [. Das Wort Wampum verweist allerdings auf einen anderen Ursprung der Herstellung und des Gebrauchs der Scheckenschalenperlen. da sonst. Nach einer Überlieferung der Iroquois war es der Ligagründer Deganawida.

die anhaltende Bedeutung hatten. Beiträge zu einem forschungsstrategischen Konzept (Berlin: Akademie-Verlag). andere Archive wurden bis ins späte 19. Jahrhundert erfreuten sich gläserne Nachbildungen von Wampumperlen kurzfristig einer gewissen Beliebtheit. weil den einfachen Symbolen unterschiedliche Bedeutungen zugeordnet werden konnten. In der Absicht. nehmen einen String und Belt nach dem anderen heraus und lassen ihn im Kreise herumgehen. dass sie nach vielen Jahren alles noch genau wissen. Wahrscheinlich Mohawk. Wert und Wissen. Wissenskulturen. Lainey. wurden bestimmte Bedeutungen zugeordnet. um 1875. „Iroquois-Häuptlinge der Six Nations Reserve beim Lesen von Wampumgürteln“.Die entscheidende Erfindung der Iroquois scheint es jedoch gewesen zu sein. beschloss der Staat New York 1909 sogar ein Gesetz. Völker des westlichen Seengebiets tauschten noch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert. Geometrischen Mustern. 2004 La monnaie des sauvages: les colliers de wampum d’hier à aujourd’hui. Dadurch machen sie es möglich. Der Verlust der politischen Bedeutung der Iroquois nach der Amerikanischen Revolution leitete mit dem Ende der „Urwalddiplomatie“ auch das Ende des Gebrauchs der Gürtel ein. Dass die ursprünglichen Bezüge zumeist nicht überliefert sind. den an der Küste nur als Schmuck verwendeten Wampumgürteln eine neue Rolle als Träger von Bedeutungen zu verleihen. und was ihnen versprochen worden. Jahrhundert bei den einzelnen Stämmen bewahrt. Zugleich mit der Spaltung der Irokesenliga erfolgte auch die Teilung der Wampumarchive dieser Liga. Ontario. stellt für die Iroquois kein Hindernis dar. Lille Im späten 18. die bei der Übergabe desselben gesprochen und damit verbunden wurden. dann kam die Praxis dort ebenfalls zum Erliegen. konnten noch gedeutet werden. was sie versprochen haben. die zur Unterstützung und Bewahrung des gesprochenen Worts dienten. Dabei wiederholen sie die Worte. DAS LAND 61 . Es gab weiterhin „Hüter des Wampums“. Jahrhunderts Wampumgürtel aus.“ Ein wichtiger Anlass für den Austausch von Wampumgürteln waren Verhandlungen mit anderen indigenen Völkern oder mit Vertretern der Kolonialmächte. Weiterführende Literatur Feest. die man im Wechsel von weißen und lila Perlen in die Gürtel f locht. Sie wurden zwar gelegentlich auch zeremoniell verwendet. Mit dem Wiedererstarken des Selbstbewusstseins der indigenen Völker in den 1960er Jahren begannen auch die Iroquois die Rückgabe der nicht mehr in ihrem Besitz befindlichen Wampumgürtel zu fordern. Die wichtigste Aufgabe der so genannten „Hüter des Wampums“ war es vielmehr. Foto: unbekannter Fotograf. später auch stilisierten figürlichen Darstellungen. Zur Wissenskultur der Irokesen. Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie. bei anderen war das nötige Wissen schon verloren gegangen. doch ging das Wissen um die Bedeutung vieler alter Gürtel außerhalb der religiös-zeremoniellen Verwendung der Schnüre verloren. 2003 Wampum. In einer deutschen Beschreibung dieser Praxis aus dem späten 18. Viele Gürtel. die Deutungshoheit über das eigene Kulturerbe für sich zu beanspruchen und den alten Dokumenten neue und zeitgemäße Inhalte zuzuschreiben. Sie konnten sich mit diesem Ansinnen sowohl in den USA als auch in Kanada wenigstens teilweise durchsetzen. Jahrhundert heißt es: „Sie setzen sich um die Kiste [mit dem Wampum] herum. Jahrhunderts kam es – gegen den Widerstand der Erbhäuptlinge und Traditionalisten – zu einem Ausverkauf der Archive und Händler erwarben die Gürtel für Museen und Privatsammler. Diese Muster stellten allerdings keine Schrift im engeren Sinn dar. Ottawa Wie in der alten Zeit begutachteten die irokesischen Erbhäuptlinge am Grand River gemeinsam die Wampumgürtel im Besitz der Liga. Manschetten aus Imitationswampum. Brantford. Library and Archives Canada. Ende des 19. die mit den von ihnen auf bewahrten Gürteln verbundenen Inhalte zu memorisieren. in dem er „im eigenen Namen und in dem der Onondaga Nation“ sich selbst zum Hüter aller Wampumgürtel erklärte. bei denen jeder wichtige Punkt einer Rede durch die Übergabe eines eigens zu diesem Zweck hergestellten Gürtels hervorgehoben wurde. 87–103. Manschetten aus Wampum oder Glaswampum waren Teil von Kriegertrachten. In: Johannes Fried und Thomas Kailer (Hg. Sillery: Septentrion. fanden aber besonders zur Herstellung und Verzierung von Taschen und anderer Accessoires Gebrauch. Zur Erinnerung an die eigenen Worte bewahrte man selbst eine Kopie auf. damit ein jeder ihn genau betrachten könne. 18.). Christian F. Jonathan C. das Erbe der ursprünglichen New Yorker zu bewahren.

Zeremonie Kulturlandschaften werden also durch die Erfahrungen der indigenen Völker geprägt – zugleich prägen sie die Lebensweise ihrer Bewohner. Zahlreiche Gerichtsverfahren und immer wieder aufbrechende Landrechtskonflikte zeigen. dass es für zukünftige Generationen beinahe unmöglich ist. Hier sammeln sie die Materialien.“ Als Teil der „natürlichen Umwelt“ können Orte geografisch lokalisiert und an Hand bestimmter Erscheinungsmerkmale beschrieben werden. die die Welt 62 GAWAN MARINGER . Durch ihre Ausfühung werden (ähnlich wie beim erwähnten „Placemaking“) die mit dem Land verknüpften Erfahrungen erneuert und gefestigt und die im Land verortete spirituelle Präsenz wahrgenommen. aber auch über die für eine Gesellschaft wichtigen Werte. Diese Erzählungen beinhalten im Wesentlichen zwei einander bedingende Bedeutungen: Einerseits werden die eingeweihten Betrachter an durch Menschenhand verursachte Missstände erinnert. so der Kiowa-CherokeeSchriftsteller N. die insbesondere bei Heilungszeremonien eine zentrale Rolle spielen. So können die bewusste Betrachtung von Orten und die darauf Bezug nehmende Deutung zur Aufrechterhaltung der Harmonie innerhalb der Apache-Gesellschaft beitragen. es ist vor allem die Summe von Orten der Erinnerung. der erste indianische Träger des begehrten Pulitzer-Preises.“ Bei den Apache erzählt jeder Platz eine Geschichte und wird mit zentralen Werten ihrer Gesellschaft assoziiert. wo sie sich mit den Erinnerungen an „geschichtliche“ Erfahrungen überschneiden. Orte. dass diese Geschichte bis heute nicht abschließend aufgearbeitet ist. die als Ursache bestimmter Krankheiten gilt. Erinnerungen. verknüpft die handelnden Personen der mythischen Vergangenheit mit zeitgenössischen Lebenswelten und verleiht ihnen Einf luss auf das alltägliche Geschehen. um die spirituellen Kräfte zu mobilisieren und den Heilungsprozess zu ermöglichen.Gawan Maringer Land als Erinnerung und Zukunft Die neuzeitliche Geschichte Nordamerikas ist auch eine Geschichte des Landverlustes seiner Urbevölkerung. Um die gestörte Harmonie. um mit den dort verorteten übernatürlichen Kräften in Kontakt zu treten. Da somit die Mythen den kulturellen Kern einer Gemeinschaft begründen.. auf diese Weise soziale Kritik ausüben und die Erinnerung an bestimmte Begebenheiten unter sich verändernden Umständen lebendig halten. Auch hier dienen Orte – in Ermangelung von Schrift – als Speicher der mündlichen Überlieferung des mythischen Geschehens: Die spektakulären Kämpfe und das schöpferische Handeln der Kulturheroen. ist ihre Bewahrung und Weitergabe von existentieller Bedeutung. Land ist nicht allein die Quelle der Nahrung. von physischen Orten des Landes getrennt werden . da stets geografische Elemente an sie erinnern. In diesem Wechselspiel nehmen Rituale und Zeremonien einen zentralen „Platz“ ein. Landschaft. Ihre zeremonielle Anwendung spiegelt das Netzwerk der gesamten Kulturlandschaft wider. Gottheiten und Monster sind fest im Land verortet. Die heutige Welt wird als Folge der mythischen Ereignisse und der Erfahrungen der Ahnen erklärt und wahrgenommen. „Unsere Zukunft wurde bereits damals geplant. der im Verhältnis der Menschen zu den übernatürlichen Wesen begründet liegt. Im Ritual müssen die Umstände dieses Versprechens exakt wiederholt werden. Ganz entscheidend geht es um die Frage. sie sind so sehr mit bestimmten Orten verwoben. Scott Momaday (*1934).“ „Hüter“ des Landes Aus dieser tief verwurzelten Beziehung zum Land leitet sich für indigene Völker ein anhaltender Auftrag zur Fürsorge ab. Die zahlreichen Erinnerungsorte spiegeln die Wanderungen der mythischen Personen und der historischen Vorfahren der Völker wider und werden zu einem Netz verknüpft. „Die heiligen Menschen bereiteten den Plan vor“. Klane und Familien. sondern lehren über die Ursprünge der Welt und der Dinge. Nur in Bezugnahme zur Erde kann er [der Indianer] in seiner Identität fortbestehen. auf bestimmten Plätzen verorteter Diyin Dine’é. fasst der Navajo Nevy Jensen zusammen. Ritualexperten suchen bestimmte mythische Plätze auf. diese zu vergessen. Die in das Land „eingeschriebene“ Erfahrung ist Teil des kollektiven Gedächtnisses und bleibt – in stets aktualisierter Form – auch für zukünftige Generationen. die sie in mythischer Zeit in Aussicht gestellt haben. in dem die mythischen Ereignisse und die spirituellen Gaben der mythischen Wesen an die Menschen für die Teilnehmer gegenwärtig und somit wirksam gemacht werden. der Völker. Rechte und Institutionen. das über dem Land aufgespannt ist und aus der natürlichen Umwelt eine Kulturlandschaft macht. Sie sind keine „Märchen“ im unserem Sinn. Ritual. Bei den Navajo gelten die mythischen Diyin Dine’é („heiligen Leute“) als die Quelle der übernatürlichen Kräfte. welche Bedeutung das Land für seine ursprünglichen Bewohner hatte und immer noch hat. die auf aktuelle Konf likte bezogen werden können. werden jeweils spezielle Diyin Dine’é kontaktiert und um die Hilfe gebeten. andererseits bieten sie auch stets ethische Richtlinien zur Vermeidung negativer Folgen und für die angemessene Lösung der Konf likte. Mythen stellen die wichtigste Form identitätsstiftender Erzählungen dar.. „ist von höchster Bedeutung. Mythen So wie in der Vergangenheit spielt das Land auch heute eine zentrale Rolle im Selbstverständnis der indigenen Völker Nordamerikas. Dabei geht es auch – aber nicht nur – um gebrochene Verträge und Entschädigungszahlungen. die für die Durchführung des Rituals notwendig sind. Erzählungen können nicht von geografischen Plätzen. In der indigenen Überlieferung sind bestimmte Plätze jedoch auch „Speicher“ der Erinnerung an wichtige Begebenheiten und die damit verknüpften Erzählungen. erhalten. Die dabei verwendeten Medizinbündel (jiish) vereinen die materialisierten Kräfte unterschiedlicher. In den Worten der Laguna-Schriftstellerin Leslie Marmon Silko (*1948): „Erzählungen begründen unsere Identitäten. Es sind die so genannten „Placemaker“. die in direkter Beziehung zu Gottheiten und Ahnen – den handelnden Personen der Mythen – stehen. Dementsprechend entwickeln sich Dinge auch heute noch. welche Erzählungen mit aktuellen Problemen verweben. wieder herzustellen. „Die Wahrnehmung des Ortes“.

nicht auf sein Eigentum. aber auch bei den Fischern der pazifischen Nordwestküste. durch die sie Amerika zu einem LAND ALS ERINNERUNG UND ZUKUNFT 63 . in deren Rahmen billige Rohstoffe importiert und europäische Güter. Ottawa Europäische Gesittung hält Einzug in der amerikanischen Wildnis: Entlang des Ufers abgeholzt und eingezäunt ist der Wald dabei. 1790. Ähnlich ent wickelten sich in historischer Zeit im Umfeld der Pelztierjagd Jagdterritorien. Library and Archives Canada. in denen einzelne Familien die Verant wortung für die Erhaltung des Wildbestands trugen. sich in Farmland zu verwandeln. Die Ausweitung des europäischen Fernhandels seit dem späten Mittelalter förderte die Erschließung neuer Märkte auf dem Seeweg und führte schließlich zur kolonialen Expansion. Vor allem in ihrer Heimat landlose Bauern erhofften sich in der „Neuen Welt“ ein besseres Leben. die mit der Blüte der Industrialisierung ihren Höhepunkt erreichte. in dem die Bedingungen des Marktes den Wert von Waren bestimmten und zunehmend alles auf der Welt in Waren verwandelte. Vor allem bei Bodenbau treibenden Gesellschaften. Raum und Territorialität aus europäischer Sicht Der Beginn der europäischen Eroberung Amerikas fällt in die Periode. ihre Nutzung ist an Gegenleistungen in Form von Opfern und Zeremonien geknüpft. Wegen des Fehlens einer Geldwirtschaft konnte Land allerdings nicht zur Ware werden. New Brunswick.„Ansicht einer neu gerodeten amerikanischen Farm“. Essentielle Züge dieser Entwicklung waren eine durch die zunehmend rationale Erklärung der Welt ausgelöste Säkularisierung der Gesellschaft und ein auf privatem Gewinnstreben beruhendes kapitalistisches Wirtschaftssystem. Die Jägervölker des östlichen Kanada erweisen den Jagdtieren und ihren übernatürlichen Eigentümern Respekt. waren die Nutzungsrechte an bestimmten Ressourcen meist im Besitz bestimmter Verwandtschaftsgruppen. Travels in the Interior Inhabited Parts of North America (1793). geschaffen oder für den Menschen eingerichtet haben. Kupferstich nach einer Zeichnung von Patrick Campbell. Landrechte bezogen sich traditionell weitgehend auf seine Nutzung. Rituale begleiten auch die Expeditionen zu den Lagerstätten. Territorialität und Grundbesitz. indem sie sich zur Jagd schön bemalte Mäntel anziehen und die Knochen der erbeuteten Tiere „zurückgeben“. Als Gabe übernatürlicher Wesen war das Land auch nicht veräußerbar. Aus: Patrick Campbell. die von der westlichen Geschichtsschreibung als Beginn der „Neuzeit“ bezeichnet wird und in der eine Reihe von einschneidenden Veränderungen die „Moderne“ einleitet. Die ursprünglichen Besitzer dürfen die neuen Herren und ihre Hunde mit dem Rindenboot befördern. Im Gegenzug lässt sich das dankbare Wild freiwillig erlegen. Ort. aber auch Menschenmassen exportiert wurden. Das Land und seine für das Überleben notwendigen Ressourcen sind Gaben dieser Wesen. Mit sich brachten sie ihre Vorstellungen von Raum. bei denen sich die Töpferinnen der Zuni und anderer Pueblovölker des amerikanischen Südwestens den Ton beschaffen. Diese Veränderungen hatten einen wesentlichen Einf luss auf das europäische Verhältnis zum Land und prägten den Charakter der europäischen Landnahme in der „Neuen Welt“.

Jahrhunderts stellte die Arbeit in den Uranminen des Colorado Plateaus eine ernste Gefahr für die Gesundheit der dort tätigen Navajo-Knappen dar. waren die europäischen Staaten territoriale Gebilde mit künstlichen. folgten die Siedler der Kolonie Virginia freilich einer marktkonformen Linie. Nieuw Amsterdam. Auch innerhalb dieser festgelegten Gebiete bestimmten markierte Grenzen sowohl privaten wie öffentlichen Grundbesitz. Ableger Europas machten. Neuengland. in denen sie die Landnahme legitimierten. Plakat des American Indian Environmental Council. 1987. in der auch der beginnende Warencharakter der Religion erkennbar ist. durch das weite Gebiete kampf los für die Besiedelung frei wurden. New York oder Nouvelle-Orléans traten an die Stelle indigener Ortsnamen und signalisieren die physische.„Wo ist unsere Zukunft: Kinder von Lubicon Lake“. in dem politische Gebilde in erster Linie durch Verwandtschaftsbeziehungen definiert wurden. als 1899 die indigenen Landrechte im nördlichen Alberta in einem Sammelvertrag geregelt wurden. Cree. Lubicon Lake. László Borsányi) Man übersah die kleine Lubicon Lake Band der Cree. sei es in ihrer Rechtfertigung durch das biblische Missionsgebot. als Gegenleistung die wahre Religion. Neufrankreich. Peter Schwarzbauer) „Dalton Pass/Mt. Mitte des 20. sei es im Glauben an eine göttliche Fügung. Bezeichnungen wie Neuspanien. Nach Schließung der Minen bleibt die Gefahr in Gestalt riesiger Abraumhalden bestehen. die Urbewohner bekämen für das Land. Die daheim verfolgten puritani- schen Siedler beriefen sich ebenso auf Gott wie die Päpste in ihren Bullen. durch Kriege oder Verträge veränderbaren Grenzen. Taylor Protest“. aber auch die geistige Inbesitznahme des Landes. die zur Erklärung des durch eingeschleppte Seuchen bewirkten Massensterbens herhalten musste. die ihnen fehlte. In ihrem Argument. Vierfarboffsetdruck nach Kinderzeichnungen aus der Little Buffalo School. Die Fortschritte der Geometrie und Trigonometrie machten 64 GAWAN MARINGER . Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Die Ausbeutung von Erdöl auf dem niemals abgetretenen Land vertrieb die Karibus und bedrohte die Fortführung der traditionellen Lebensweise der Cree. Protestaktionen der Navajo wurden (wie im Fall der Lubicon Lake Cree) durch ein internationales Solidaritätsnetzwerk unterstützt. das sie im Überf luss besäßen. bzw. Die Verhandlungen mit der Regierung dauern nun schon mehr als 20 Jahre. Im Unterschied zum indigenen Amerika. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Trotz der zunehmenden Säkularisierung spielte auch die christliche Religion eine wichtige Rolle bei der Kolonisation Amerikas. aus denen Radioaktivität weitgehend ungehemmt in das Grundwasser gelangt. Die Erinnerung an die eigene Herkunft ersetzt die Erinnerung an die Mythen der vormaligen Besitzer des Kontinents. Alberta. 1980.

Aber es ist auch eine Quelle der Erinnerung an die Versprechen der mythischen Zeit. Christian F. Freiburg i.„Wie der Westen verspielt wurde“. Amerikanische Karten zeigen. Colorado. Frantz. Die Religionen der Indianer Nordamerikas. überwiegend gerade Grenzen als Folge einer Raumplanung. dass das Spiel um das Land am Ende zu Ungunsten des Indianers und des Mexikaners ausgeht: Das Atout steckt schon locker im Pistolenhalfter. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Feest. LAND ALS ERINNERUNG UND ZUKUNFT 65 . Br. Santa Fe: School of American Research Press. Auf europäischen Landkarten erkennt man an der unregelmäßigen Form der Grenzverläufe das bewegte historische Werden von Territorien. nach einem Gemälde von David P. Stephen Fox) Die Einf lüsterungen des Kiebitzes können nicht verhindern. Bloomington: Indiana Universit y Press.: Herder. Auch für die indianischen Völker war und ist Land eine Quelle des Nahrungserwerbs. 1998 Beseelte Welten. die der Besiedelung durch die Einwanderer vorausgegangen ist. Keith und Steven Feld 1996 (Hg. an die anhaltende Verbindung mit den Vorfahren. 1983. Klara und Harris Francis 1994 Navajo Sacred Places.) Senses of Place. Erdkundliches Wissen 109. Vierfarboffsetdruck für Squash Blossom Gallery. White Earth Chippewa. Bonsack Kelley. vor allem je weiter man nach Westen kommt. Weiterführende Literatur: Basso. Raum vermessbar und abstrakt. Klaus 1993 Die Indianerreservationen in den USA. Diese Grenzen nehmen keine Rücksicht auf die traditionellen Wohngebiete der indigenen Bevölkerung – und schon gar nicht auf die Beseeltheit des Landes in den Augen seiner Vorbesitzer. und nicht zuletzt an eine 500-jährige Geschichte von Landverlust. Minnesota). Stuttgart: Franz Steiner Verlag. Bradley (*1954.

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dem auch die dänischen Handwerker und Hilfsarbeiter unterstanden. Chr. welche die Westküste zwischen Upernavik und Nanortalik bewohnen. Jahrhunderts statt. die größte nicht-kontinentale Insel der Welt und erstreckt sich zwischen Nordpolarmeer und dem nördlichen Atlantik über eine Länge von 2. Neben der moralischen Verpf lichtung des Königshauses gegenüber der vernachlässigten Kolonie bestanden jedoch auch erhebliche wirtschaftliche Anreize. um die dort noch vermuteten skandinavischen Siedler in ihrem christlichen Glauben zu stärken. von den Trägern der Dorset-Kultur und schließlich am Ende des 1. Später kamen noch Spitzen und Stickerei hinzu.und Lederkleidung bereicherten. Heute unterscheidet man die Polareskimo im Norden des Landes von den Westgrönländern. Über den heute zu Kanada gehörenden Arktischen Archipel. und so widmete er sich der Bekehrung der eskimoischen Grönländer. verbreiteten sich in den folgenden Jahrhunderten allmählich entlang der Westküste und erreichten schließlich am Ende des 15. Mit Erlaubnis des dänisch-norwegischen Königs Frederik IV. bestanden etwa 500 Jahre und waren in ihrer Blütezeit von 3.000 bis 4. Die Missionierung der Grönländer und somit auch die Kolonisierung des Landes gerieten jedoch durch die fortschreitende Verarmung des dänischen Staates in Folge langjähriger Kriege in eine missliche Lage und sollten sogar vorzeitig beendet werden. Foto: Silvia Meyer Die Wurzeln der heutigen nationalen Frauentracht Grönlands reichen ins frühe 19. deren „elendiger Zustand“ sich in den Worten von Hans Egedes Sohn Poul (1708–1789) mit dem fehlenden Glauben an den Gott der Christen erklären ließ. Frau und Kind in traditioneller Festtagstracht. die so mutmaßlich erstmals besiedelt wurde. 1721–1979 Kalaallit Nunaat. Jahrhunderts die Südspitze der Insel.zur historischen Eskimo-Kultur fand schließlich zu Beginn des 17. Obwohl an der grönländischen Westküste in den folgenden Jahrhunderten im Zusammenhang mit Walfang und Handel sporadische Kontakte zu Europäern bestanden. Deren bäuerlich orientierte Gemeinden. wörtlich „das Land der Grönländer“. Jahrhunderts kam es zur Übersiedlung einiger Thule-Eskimo über den Norden des Landes an die Ostküste. in deren Verlauf sich eskimoische Gruppen in verschiedenen Teilen des Landes niederließen. die Verschlechterung der klimatischen Verhältnisse während der Kleinen Eiszeit hatte fatale Auswirkungen auf die Landwirtschaft. So wurde Grönland erst im Jahre 1721 „wiederentdeckt“ und neuerlich besiedelt. Jahrtausends n. Ursache für das Verschwinden dieser Kolonie war das Zusammentreffen verschiedener Faktoren: Der ab etwa 1000 einsetzende Vorstoß der Thule-Eskimo nach Süden führte zunehmend zu Konf likten. In wirtschaftlicher Hinsicht wurde die Kolonie von einem königlichen Handelsmonopol bestimmt. ist seine Urbevölkerung doch gänzlich amerikanischen Ursprungs. gelangten ab der Mitte des 3. Chr. Im Jahre 1261 unterwarfen sich die Siedler freiwillig dem norwegischen König. Etwa zeitgleich mit der Einwanderung der Thule-Gruppen verbesserten sich das Klima und die Angehörigen der Dorset-Kultur verschwanden aus Grönland (oder verschmolzen mit den Zuwanderern). Ihre indigenen Bewohner – die Kalaallit – stehen seit rund 1000 Jahren mit Europäern in Kontakt.VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE CHRISTINE ZACKEL Grönland.000 km².175. begab sich der Pfarrer Hans Egede (1686–1758) nach Grönland. GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 67 . also während der „Kleinen Eiszeit“ nach Ende des mittelalterlichen Klimaoptimums und in einer Periode zunehmender Kontakte mit Europäern. Jahrhundert abgeschiedenen Norden und Osten der Insel war Westgrönland das erste Gebiet. Die Mitglieder der Thule-Kultur wurden in der Region des heutigen Qaanaaq sesshaft. Chr. Die erste belegte „Entdeckung“ Grönlands durch Europäer war um das Jahr 900 und führte 982 von Island aus zur nordmännischen Besiedlung durch Eiríkur rauði Þorvaldssons Anhänger.000 Menschen bewohnt. Die von Egede angetroffenen Menschen waren allerdings nicht die Nachfahren der christlichen „Grænlendingar“. Auch wenn Grönland üblicherweise als zu Europa gehörig betrachtet wird. geriet der abgelegene Außenposten vor allem in DänemarkNorwegen selbst weitgehend in Vergessenheit. die allerdings bald als erfolgreicher Konkurrent zu Egedes Mission auftrat. Die Grönländer sollten möglichst keine anderen Grönland wurde in mehreren Wellen besiedelt. die Fischerei und die Gründung von Handelsstationen anbot. Uummannaq. 2007. als europäische Stoffe und Glasperlen als prestigeträchtige Verzierungen die bis dahin reine Fell. die so genannten paläoeskimoischen Kult uren in ihre neue Heimat. die in neuerer Zeit ausschließlich in Ittoqqortoormiit und sechs zur Kommune Ammassalik gehörenden Orten leben. und den Ostgrönländern. im Gegenzug erhoffte man sich Nachschub an Proviant und Rohstoffen. Der Übergang von der Thule. von Thule-Gruppen.670 km (was der Strecke von der Nordspitze Dänemarks bis Tunis entspricht). Jahrhundert zurück. die sogenannte Ost-. Westund Mittelsiedlung. da sich die Westküste Grönlands als Stützpunkt für den Walfang. gerieten 1721 unter eine bis 1953 andauernde koloniale Herrschaft und stellen heute die Mehrheitsbevölkerung dieses seit 1979 autonomen Teiles Dänemarks. ist mit einer Fläche von 2. gefolgt ab der Mitte des 1. Die Tracht wird besonders an Feiertagen. Kontakt mit den Europäern Im Gegensatz zu dem bis ins 19. während der Niedergang der Handelsbeziehungen mit dem nun dänisch-norwegischen Mutterland zu einem Mangel an lebenswichtigen Rohstoffen wie Holz und Eisen führte. aber auch am ersten Schultag der Kinder getragen. die sich von Alaska aus rasch über die ganze amerikanische Arktis verbreitet hatten. Westgrönland. die Viehhaltung und den Gesundheitszustand der Siedler. Jahrtausends v. Jahrtausends v. dessen Ellesmere Island nur knapp 30 km von der grönländischen Küste entfernt ist. in dem (lange vor Kolumbus) Kontakte zwischen Europäern und einer indigenen Bevölkerung Nordamerikas stattfanden. von der allerdings lediglich 16% ganzjährig eisfrei sind. Dies konnte nur aufgrund des Engagements der bereits in der dänischen Kolonie Trankebar in Ostindien erfolgreich tätigen Herrnhuter Brüdergemeine verhindert werden. das in jeder der größeren Siedlungen einen Handelsposten betrieb. Spätestens in der ersten Hälfte des 15.

Die Intensivierung der Kontakte zwischen den dänischen Kolonisten und den einheimischen Kalaallit förderte die bereits im 18. Bedingt durch die kleine Bevölkerung (rund 5.Karte Grönlands mit einer Auswahl dänischer Gründungen des 18.000 gegen Ende des 18. sie bildeten aber den Kern einer städtischen Bildungselite. Ab 1835 förderte man auch offiziell die Ausbildung von Grönländern zu Handwerkern und Katecheten. waren sie aus grönländischer Sicht „unproduktive“ Mitglieder der Gemeinschaft. in Wirklichkeit genossen sie hingegen zumeist eine europäische Erziehung. En Samtale om Krig (Nongme/Godthaab [Nuuk] 1858) Globalisierung von Wissen: In einem der frühesten in Grönland in der Landessprache gedruckten Bücher. Jahrhunderts (blau) sowie heutiger Siedlungen (schwarz) Sichtbarer Ausdruck der Entkolonialisierung Grönlands ist der Ersatz der ehemaligen dänischen Ortsbezeichnungen durch einheimische Ortsnamen. waren sie den Europäern lange Zeit nur vom Hörensagen bekannt. jedoch Aspekte ihrer traditionellen Lebensweise in modifizierter Form beibehielten. Jahrhundert einsetzende Vermischung der beiden Gruppen. die man heute als „hybrid“ bezeichnen würde. Obwohl die südlichen Siedlungen an der Ostküste kaum 500 km und das noch abgeschiedenere Ammassalik nur etwa 800 km von den dänischen Kolonien Südgrönlands entfernt lagen.und Ostgrönland-Eskimo. dem reich illustrierten Ein Gespräch über Krieg. die hohen Kosten für die Transporte zwischen dem Mutterland und der Kolonie und ein gewisses Ausmaß an Konkurrenz durch den Handel mit holländischen und englischen Walfängern war das Monopol zumeist auf staatliche Subventionen angewiesen. in der ab 1853 Bücher und Zeitungen gedruckt wurden. Ammassalik zu erreichen. Tätigkeiten als die Jagd ausüben. die sich durch eine graduelle Anpassung an den europäischen Lebensstil auszeichneten. Dazu trug entscheidend auch die Verschriftlichung der „kalalektischen“ Sprache bei. sondern auch das „Napoleon in Ägypten“. So wuchsen in Westgrönland Generationen heran. Rechtlich waren die Abkömmlinge dieser Beziehungen Grönländer. Da sie infolgedessen ihren Unterhalt nicht mehr als Jäger bestreiten konnten. Okalokatigingnek. Jahrhunderts). In den napoleonischen Kriegen war durch die britische Kontinentalsperre von 1806 bis 1813 die Verbindung zwischen Grönland und Dänemark unterbrochen gewesen. Kitaa im Westen und Tuna im Osten entsprechen den Wohngebieten der drei regionalen Bevölkerungsgruppen Polar-. 68 CHRISTINE ZACKEL . erfuhren die Grönländer auch über Napoleons Ägyptenfeldzug. deren Produkte vom Monopol gegen dänische Waren eingetauscht und in Dänemark versteigert wurden. Westgrönland. Aus dieser Verschmelzung entstand eine (west-)grönländische Kultur. Die drei Provinzen Avannaa im Norden. Erst 1884 gelang es der „Frauenboot-Expedition“ unter Gustav Holm (1849–1940). Die von europäischen Einf lüssen so gut wie unberührten Ostgrönländer erweckten nicht nur das Interesse der Forscher. Aus: Rasmus Berthelsen.

die ein Bindeglied zu den Kulturen des arktischen Kanada darstellen. erinnert an eine aufgehende Sonne und soll das Meer. die Gletscher. David 1984 (Hg. Wien: Museum für Völkerkunde. Feest. die einzigen Menschen auf der Welt zu sein. Ebenso wie die Ostgrönländer lebten auch die Polareskimo. Der folgende Modernisierungsschub führte zur Forderung nach Selbstregierung. Dennoch wurde Grönland 1953 schließlich aus dem kolonialen Status entlassen und zu einer dänischen Provinz. Der Bau der 1953 errichteten Thule Air Base führte zur Zwangsumsiedlung der Bewohner von Uummannaq in die nahe gelegene Kolonie Qaanaaq.) Eskimo: Schwerpunkt Grönland. Montreal: McGill-Queen’s Universit y und Kopenhagen: Nyt Nordisk Forlag. Ein anhaltender Kontakt mit den Westgrönländern kam erst 1904 durch die Dänische Literarische Grönland-Expedition zustande. 3 Bde. die in Westgrönland mehr als ein Jahrhundert beansprucht hatten. Grönländische Flagge. Das größte Hindernis bei der Entkolonialisierung bestand in der Weigerung des Königlichen Grönländischen Handels. der für seine Nordpol-Expedition zwischen 1891 und 1909 Polareskimo als Hilfskräfte anheuerte. Sie waren selbst ihren nur wenige Kilometer südlich siedelnden westgrönländischen Nachbarn unbekannt und gelten gemeinhin als die am „nördlichsten lebende menschliche Bevölkerung“. Westgrönland. und noch danach bestanden wohl lose Kontakte zu den Westgrönländern. Finn 1971–1982 The History of Greenland. Handbook of North American Indians 5. Peary sammelte nicht nur beinahe alle alten Waffen und Werkzeuge der Polareskimo für Museen in den USA.) Arctic. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Verena Traeger) Erst sechs Jahre nach Erlangung der Autonomie (1979) wurde in Grönland nach langen Beratungen und zahlreichen Entwürfen grönländischer Künstler offiziell eine eigene Flagge eingeführt. sondern schaffte auch den über 40 Tonnen schweren Cape York-Meteoriten nach New York. die er mit Gewehren und anderen westlichen Waren und Konsumgütern versorgte. dass sich Grönland – vor allem dank des Vorkommens des für die Aluminiumproduktion gebrauchten und nur auf der Insel gefundenen Kryolith – unabhängig von Dänemark verwalten konnte. Kerzenschmuck aus Glasperlen mit der Darstellung dänischer Flaggen. Tiefgreifende Folgen für die von westlichen Einf lüssen unberührte Lebensweise hatte der Kontakt mit dem amerikanischen Polarforscher Robert Peary (1856–1920).der Missionare und Händler. Sie lehnt sich farblich an jene Dänemarks an. Fjorde und Eisberge symbolisieren. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. die 1979 gewährt wurde. Weiterführende Literatur Damas. 1990. Christian 1991 (Hg. Gad. Dennoch glaubten die Polareskimo bei ihrer „Wiederentdeckung“ durch den britischen Polarforscher John Ross (1777–1856) im Jahre 1818. Die rasche Bekehrung und der massive Zustrom europäischer Waren führten schnell zu Veränderungen. Archäologischen Funden nach zu schließen müssen auch die Nordmänner hier gesiedelt haben. GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 69 . 1990. deren Verwaltung sie 1937 unterstellt wurden. Nuuk. Grönland geriet während der Besetzung Dänemarks durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg unter amerikanischen Einf luss und gewann im folgenden Kalten Krieg an strategischer Bedeutung für die Kontrolle des Nordatlantik. der den Polareskimo zur Herstellung eiserner Geräte gedient hatte. Seither stellt Grönland ein autonomes Territorium des Königreichs Dänemark dar. auf sein über 200 Jahre altes Handelsmonopol zu verzichten. Trotz mancher negativer Erfahrungen in der Kolonialzeit ist die Beziehung zwischen den Grönländern und dem dänischen Nationalstaat und seinen Repräsentanten eine ausgesprochen freundliche. Verena Traeger) Die dänische Flagge („Danebrog“) weht auch heute noch vielfach neben der eigenen Flagge Grönlands und ist noch mehr als letztere ein beliebtes Motiv des grönländischen Kunsthandwerks. Die Erfahrungen des Weltkriegs hatten gezeigt. Westgrönland. Nuuk. von dem es sich lediglich in außenpolitischen Fragen vertreten lässt. aber in ökonomischer Hinsicht bis heute in beträchtlichem Umfang abhängig ist. die heute mit rund 300 Einwohnern der größte Ort in dieser nördlichsten Region Grönlands ist. In den Jahren danach widmete sich der dänischgrönländische Ethnologe Knud Rasmussen (1879–1933) an seinem Handelsposten in Uummannaq der Integration der Polareskimo in die dänische Kolonie. Washington: Smithsonian Institution. lange Zeit in völliger Abgeschiedenheit. Am Nordrand der Welt.

60 Vogelarten. Blüten und Wurzeln verschiedener Heidekrautgewächse verzehrt – wird jedoch durch die in den riesigen Jagd. Vor allem in kleinen Küstensiedlungen in der Nähe günstiger Jagdgründe ließen sich die Kernfamilien in Grassodenhäusern nieder. Die Voraussetzungen für eine permanente Besiedelung sind an der Westküste und im Süden viel günstiger als im Norden oder Osten. um 1910. Weitgehender Sesshaftigkeit im Winter stand während der wärmeren Monate eine weiträumige Mobilität entlang der Küsten und Flüsse gegenüber. im Süden des Landes dagegen subpolares Klima. das im Gegensatz zu ihren paläoeskimoschen Vorgängern mit Hilfe lederbespannter Kajaks und Umiaks auch Jagd auf größere Seesäuger betrieb. Dazu zählen vor allem fünf Robben. Diese fand ihren Ausdruck in einem großen Bestand unterschiedlicher Waffen und Techniken für die Jagd auf die verschiedenen Tierarten. umfassten die Tätigkeiten der Frauen neben der Reproduktion der Gruppe und der Beschaffung von Wasser und pf lanzlichen Brennstoffen die Verarbeitung der erlegten Beute. die mit einem großen Lederschwimmsack versehene Kajakharpune für größere Robben (alle mit der Speerschleuder geworfen) und eine Lanze. welche zu allen Zeiten ausschlaggebend für das Überleben der Bewohner Grönlands waren.und Fischervolk. Ren. Polarhase. schufen aber auch Abhängigkeiten von einem für sie nicht kontrollierbaren weltumspannenden Wirtschaftssystem. Unter diesen schwierigen Voraussetzungen war ein Überleben nur durch die optimale Nutzung der vorhandenen Ressourcen und die Spezialisierung auf die Jagd möglich. um verwundeten Tieren den Todesstoß zu versetzen. Ostgrönland.und fünfzehn Walarten sowie die bis zu drei Meter langen und 1000 kg schweren Walrosse. von denen aber nur die Hummel durch ihren Honig in geringem Maß zur Ernährung beitrug. Lemming und Hermelin). den Blasenspeer für das Erlegen kleinerer Robben oder Lachse. Muscheln und Krustentieren. Foto: Johan Petersen Den Zugang zur Meeresfauna ermöglichte der Kajak. waren ein teilsesshaftes Jäger. Im Norden und im Landesinneren. Das weitgehende Fehlen pf lanzlicher Nahrung – neben der Schwarzen Krähenbeere wurden Blätter. Neben 200 Arten von Fischen. Die dauerhaft gefrorenen Böden verhindern eine höhere Vegetation. Polarwolf. Zu dieser wichtigen Aufgabe zählten die Nahrungszubereitung und vor allem das Gerben und Nähen der Bälge von Vögeln und der Häute und Därme von Jäger beim Werfen der Harpune. Während die Männer jagten oder fischten. deren Eigenheiten (wie der als Kälteschutz dienende Eingangstunnel) ebenso wie die Siedlungsmuster sich bis in historische Zeit kaum mehr verändert haben. Die Thule-Eskimo. Ammassalik. Das Ende des mittelalterlichen Klimaoptimums (der die heute eisige Insel ihre Bezeichnung „Grünland“ verdankt) brachte eine deutliche Abkühlung mit sich. 70 CHRISTINE ZACKEL . finden sich in den Küstengewässern große Bestände an Seesäugern. ein kleiner Baumbestand ist dementsprechend nur im subarktischen Süden vorzufinden.Überlebensfragen In der Abgeschiedenheit ihrer unwirtlichen Umwelt überlebten die Grönländer durch technisches Geschick und Anpassung an die äußeren Lebensbedingungen. Die durch den Kontakt mit Europäern ausgelösten Veränderungen eröffneten ihnen den Zugang zu neuen Möglichkeiten. Außerdem sind acht Landsäugetiere in Grönland heimisch (Eisbär. herrscht polares. die an der insgesamt 44. deren Hauer eine Länge von 50 cm erreichen können. Moschusochse. die Vorfahren der heutigen indigenen Grönländer. wo die Temperaturen selbst im Sommer kaum über den Gefrierpunkt steigen und im Winter nicht selten minus 50 Grad Celsius erreichen. Polarfuchs. und nicht zuletzt auch 700 Insektenarten. in einer mit den Jahrezeiten wechselnden Lebensweise und einer geschlechtlichen Arbeitsteilung. die ganzjährig in Grönland vorkommen.000 km langen Küste Grönlands heimisch sind. auf dessen Deck der fest mit dem leichten Lederboot verbundene Jäger alle dazu erforderlichen Geräte mitführte: den mehrspitzigen Vogelspeer. nicht zuletzt dank einer mannigfaltigeren Fauna und einem größtenteils eisfreien Meer.und Fischereigründen vorkommende reichhaltige Fauna aufgewogen.

„Die Grönländer versammeln sich in der Kolonie. kam aber wegen des Rückgangs der Bestände im 19. dass das grönländische Boot für den Fang größerer Wale. Mit Hilfe des Messers wurden die Tiere ausgeweidet. wenn ein mit schöner Kleidung und feinen Waffen versehener Jäger der Seele des gejagten Tieres gebührenden Respekt entgegenbrachte. Westgrönland. Verzierungen in Form von Ritzzeichnungen. Die in der Kolonialzeit wachsende Verfügbarkeit von Eisen veränderte die Form der Geräte nur geringfügig. Dies führte unter anderem auch dazu. aber viele der Probleme sind geblieben. kann jedoch die Grönländer nicht mehr ernähren. erhöhte aber deren Produktivität. Das wirtschaftliche Potenzial von Walfang und Handel vor den grönländischen Küsten wurde ab dem Ende des 16. Die nicht zuletzt deshalb stetig wachsende Bedeutung des Fischfangs führte letzten Endes auch zu einem politischen Schritt der Grönländer. Jahrhunderts zunächst in erster Linie von den Holländern erkannt. das Wild sei nur bereit sich erlegen zu erlassen. seine ursprüngliche Bedeutung verlor. Oslo Der Monopolhandel zwischen Grönländern und Europäern stand unter dem Vorzeichen ungleicher Marktkenntnisse und Machtverhältnisse. Die Verarbeitung von Knochen. zum Transport von Lasten verwendet wurde und heute noch unter dem Namen „Frauenboot“ bekannt ist. Jahrhundert Gewehre zuerst vor allem Pfeil und Bogen für die Landjagd verdrängten. Jahrhundert weitgehend zum Erliegen. dass immer größere Teile des Jagdertrags nicht mehr für den eigenen Bedarf. Genussmittel wie Kaffee und Tabak wurden für die Grönländer rasch ein ebenso unverzichtbarer Teil ihrer Lebensführung wie Textilien oder Glasperlen. Fleisch geschnitten. Die drei wichtigsten Werkzeuge im traditionellen Eskimoleben waren das Messer. Die kommerzielle Waljagd mit europäischen Booten und Waffen verdrängte nach und nach den grönländischen Walfang. Neben der optimalen Funktionalität und Anpassung an die klimatischen und ökologischen Bedingungen des Landes zeichnete sich die materielle Kultur der Grönländer auch durch eine hochwertige technische Ausführung und einen hohen ästhetischen Anspruch aus. wie Messern. So brachte der Austausch nicht nur eine Veränderung der Lebensqualität mit sich. sondern für den Tauschhandel verwendet wurden. Robben und Landtieren. wurde jedoch auch für andere Aufgaben im Haushalt verwendet und war somit ein zentraler Bestandteil des eskimoischen Frauenlebens. Die regelmäßigere Belieferung mit europäischen Waren aller Art durch das im 18. nun überwiegend von Frauen und alten Menschen bzw. interessiert und mussten wegen der gewaltigen Nachfrage nach Fellen und Tran in Europa von den Holländern zu diesen Geschäften geradezu genötigt werden. In den 1980er Jahren erfolgte allerdings ein jäher Zusammenbruch der grönländischen Pelzindustrie. zeigten sich die Grönländer anfangs nur an relativ wenigen Gütern. halbmondförmigen Klinge diente zum Ausnehmen und Schaben. Schon während der großen Walfangära war die Pelztierjagd die wichtigste Einnahmequelle der Grönländer.und Seesäugerjagd Verwendung fanden. Aquarell von Aron aus Kangeq.und Umiakgerüste hergestellt. Ausschmückungen in kontrastierenden Farben und Muster bildend applizierten Elementen auf Werkzeugen und sauber verarbeiteter Kleidung sollten beispielsweise dem Mann zum Jagdglück verhelfen. Geweihen und Elfenbein sowie die von Holz (meist Treibholz) und Stein oblag den Männern. später aber auch für die Vogel. An die Stelle von Tran. Heute wird der Robbenfang zwar vom dänischen Staat subventioniert. Speck und Fellen sind heute Fisch und Erze getreten. um 1860. das Kajakpaddel. die Nadel und das sogenannte „Frauenmesser“ (ulo). wobei der Gewinn zwischen künstlich billig gehaltenen Rohstoffen und europäischen Manufakturgütern ins dänische Mutterland f loss. nur dass hier ab dem späten 18. Das ulo mit seiner querschneidigen. Zum Schutz vor der Überfischung der grönländischen Gewässer durch Fangf lotten aus verschiedenen EU-Ländern trat Grönland nach einem GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 71 . Wegen des Glaubens. Kajak. aus denen man wasserundurchlässiges und strapazierfähiges Material für die Überzüge der Kajaks und Umiaks sowie für Zelte und Kleidung herstellte. und sie blieb es bis ins späte 20. um ihren Speck gewogen zu bekommen und gegen europäische Waren einzutauschen“. die das Massenabschlachten von Robben primär in Kanada anprangerten und den Schutz der Pelztiere über die Interessen der von ihrer Jagd abhängigen Grönländer stellten. Angelhaken oder Glasperlen. Kulturhistorisk Museum. das Umiak. Jahrhundert. Obwohl der Warentausch mit den Eskimo der grönländischen Westküste für die Händler großen Profit versprach. war auch der Ideenreichtum und das Können der Frau ausschlaggebend für den Erfolg des Mannes. Das gilt weitgehend auch für die Jagdwaffen. das Monopol hat ausgedient. Er wurde durch die Proteste von Tierschutzorganisationen ausgelöst. Haut geschabt und Geräte wie die Harpune. sondern auch zunehmende Abhängigkeit. Jahrhundert errichtete Netzwerk dänischer Handelsposten schuf neue Bedürfnisse und brachte es mit sich.

So leben in der kanadischen Arktis mittlerweile angeblich 90% aller Inuit von Kunst und Kunsthandwerk. Mit der im Jahr 2004 eröffneten Goldmine in Nalunaq in Südgrönland – dem ersten neuen Bergwerksbetrieb seit 30 Jahren – trat das Land in den erlauchten Kreis der Goldproduzenten ein.043 auf 215. Krabben. Ein wichtiger Faktor im stetig wachsenden Tourismusgeschäft ist die Kunst bzw. Grønlands Nationalmuseum & Arkiv. NH: Dartmouth Universit y Press of New England. zeigt vor der Silhouette einer kolonialen Siedlung (wahrscheinlich Godthaab) drei Umiaks bei der Seesäugerjagd. das für immer mehr autochthone Bewohner der Arktis zur Haupteinnahmequelle wird oder doch zumindest ein kleines Zubrot bedeutet. Et was skeptischer könnte man davon sprechen. Vor allem im städtischen Milieu verdankten sie ihr Überleben der gezielten Pf lege von Tradition und der Förderung des Kunsthandwerks wie hier im Haus des grönländischen Malers Niels Lynge (1880–1965). die im selben Jahr als Hochzeitsgeschenk des grönländischen Volkes an den dänischen Kronprinzen Frederik und Mary Donaldson gesandt wurden und aus welchen schließlich die Trauringe des Paares entstanden. Jenseits ihrer wirtschaftlichen Bedeutung spielt die Souvenirindustrie gerade in einer Zeit der politischen und sozialen Umwälzungen für die junge grönländische Nation aber noch eine ebenso wichtige andere Rolle.Frauen beim Nähen im Haus von Niels Lynge. Die Ausbeutung dieser Rohstoffe wird gegenwärtig von der grönländischen Regierung energisch vorangetrieben. Dorsch. nicht zuletzt um von maritimen Ressourcen. Insbesondere der Tourismus spielt in diesem Zusammenhang eine immer wichtigere Rolle. Karl Ludwig Giesecke) Schon zu Beginn des 19. Westgrönland. dass sich auch das kulturelle Erbe in eine Ware verwandelt hat. Auch wenn der Export von Produkten der Fischerei und Jagd. Allein zwischen 1997 und 2005 stieg die Zahl der Hotelübernachtungen in Grönland um 13% von 181. Silber. das Kunsthandwerk. Nuuk. Kai 1924 Ethnography of the Egedesminde District with Aspects of the General Culture of West Greenland. darunter Platin. Thalbitzer. Die Lederapplikation. Kopenhagen. Kopenhagen: Bianco Lunos Bogtrykkeri. William 1914 The Ammassalik Eskimo. noch immer die Handelsbilanz bestimmt – allein im Jahre 2005 belief sich der Export von Fischerei. 72 CHRISTINE ZACKEL . vorgegebenen Fang. sucht man mittlerweile auch in Grönland nach einer Ausweitung der Erwerbsmöglichkeiten in andere Bereiche. Dänische Flaggen wehen an Land und auf See. die dem dänischen Königshaus heute seitens der Grönländer entgegengebracht wird. Weiterführende Literatur Birket-Smith. Euro – und somit einen unverzichtbaren wirtschaftlichen Faktor darstellt. Dieses symbolische Geschenk ist auch Ausdruck der leidenschaftlichen Verehrung. Allerdings besitzt es bis heute den Status eines so genannten „assoziierten überseeischen Landes“ mit den dazugehörigen Vorteilen einer Zollunion. Foto: John Møller Viele Erzeugnisse der Frauen.2 Mio. um 1800. wie Garnelen. Aus Nalunaq stammten auch die zwei Unzen Gold. Meddeleser om Grønland 39. die kürzlich in der Nähe von Nuuk entdeckt wurden. Finn 1992 Arctic Wars. Godthaab (Nuuk). Kupfer. Jahrhunderts gab es in Grönland eine kunsthandwerkliche Souvenirproduktion. sich in der Selbstdarstellung gegenüber den Gästen der Wurzeln der eigenen Kultur bewusst zu werden und alte. Endangered Peoples. indem sie der Bevölkerung hilft. Am profitabelsten ist das Geschäft mit dem Tourismus an der Westküste. 1918. Titan sowie Erdöl und Diamanten. Hanover.916. dessen Bilder die Wand schmücken. Lynge.und Jagdquoten bzw. die den Bedürfnissen ihres Haushalts gedient hatten. Die Hoffnung auf eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit Grönlands knüpft sich aber in erster Linie an seinen Reichtum an Bodenschätzen. anderen ökologischen Aspekten weniger abhängig zu werden. Volksentscheid im Jahre 1985 aus der Europäischen Union aus. an welcher vier Fünftel aller Besucher übernachteten. Tasche aus Seehundsleder. Nickel. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. während sowohl der Norden als auch die Ostküste touristisch bisher noch kaum erschlossen sind. vielfach schon vergessene Traditionen neu zu beleben.und Jagdprodukten in Grönland auf eine Summe von 87. wurden in der Kolonialzeit durch dänische Waren ersetzt. Schwarzer Heilbutt und Robbenfell. deren Feinheit den Gebrauch von Eisenwerkzeugen verrät. Animal Rights.

das einen universellen und überzeitlichen Geltungsanspruch mit westlich geprägten Vorstellungen von Zivilisation verband. Hunger und anderes Leid abgewehrt. Auf diese Weise sollen der Name und die damit verbundene Seele weiterleben. nicht jedoch eine Form besaß. die Verwendung besonderer magischer Formeln oder auch spezielle Tätowierungen. Wünsche erfüllt werden. welche aus mehreren kleinen Seelen. Weitere Maßnahmen zum Schutz vor den Gefahren waren das Tragen von Amuletten. In der überlieferten Vorstellung der Grönländer verfügen die Menschen wie auch die Tiere über einen seelenartigen Besitzer (inua. Dies sollte durch die Einhaltung von Tabus (bei der Jagd. Ammassalik (Tasiilaq). die respektiert und geehrt werden musste und von der sie in hohem Maße abhängig waren. dass menschliche Nahrung vollständig aus Seelen besteht“. Frauen meist im Haarknoten trugen. Gemäß den traditionellen Vorstellungen der Grönländer bestand eine Person aus drei Teilen: Dies war zum einen der Name (ateqataa). GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 73 . Ostgrönland. Diese auch für andere eskimoische Gruppen t ypische animistische Konzeption der Welt prägte ihren alltäglichen Umgang mit der Natur. durch Berührung mit einem Finger und gleichzeitiger Nennung des Namens eines Ahnen in das Kind eindrang und zwar persönliche Eigenschaften. die ordnungsgemäße Entsorgung tierischer Überreste sowie kleinere Opfergaben vermieden werden. In gewisser Weise war das Leben eines Eskimo also geprägt von der Angst. doch konnte man magische Formeln auch als Waffe gegen Feinde einsetzten. Auch Kleidungsstücke und Geräte wurden mit Amuletten ausgestattet. unberechenbaren Umwelt die wichtigste Überlebensstrategie. „Die größte Gefahr im Leben“. Wurde die Seele krank. so folgte darauf auch eine Erkrankung der betroffenen Person. Geburt und Menstruation). Kopenhagen.Seelenheil Ähnlich wie für andere indigene Völker Nordamerikas war auch für die Grönländer die Bewahrung des als heikel erachteten Gleichgewichts zwischen dem Menschen und seiner als „beseelt“ gedachten. welcher in der Vorstellung der Kalaallit die Größe eines Menschen hatte. Der dritte. 1885. war einer der wichtigsten Gründe für den tief greifenden Respekt. Seelenwanderung die Rede. Als zweite Komponente eines Menschen galt der vergängliche und daher nicht als sonderlich wichtig erachtete Körper. zusammengesetzt ist und deren Größe der eines Fingers oder einer Hand entspricht. um eine Art Hauptseele. erklärte Ivaluardjuk. dass die Seele eines toten Menschen in einem Tier wiedergeboren werden kann. dem grönländisch-dänischen Ethnologen Knud Rasmussen die aus diesem Glauben entstehende Konsequenz. bei Todesfällen. inue). wie dem Atem (anernera) und dem Schatten (tarraa). Pl. die sich jedoch in der ursprünglichen Form nicht mit der christlichen Seelenvorstellung deckte. musste auch der Mensch sterben. war die „Seele“. den man den Tieren entgegenbrachte. Arktisk Institut. So wird ein Kind auch erst mit der Vergabe eines Namens zu einem menschlichen Wesen. Die Meinung. durch die Übertretung von Verboten das Missfallen der nicht-menschlichen Wesen zu erregen. Als Alternative zu diesem auf das Hier und Jetzt ausgerichteten Weltentwurf verbreiteten dänische und deutsche Missionare ab dem 18. Foto: Hans Knutsen Als unverzichtbarer Schutz gegen Gefahren aller Art und als Glücksbringer galt den Ostgrönländern (und vor ihrer Missionierung wohl auch ihren Verwandten im Westen der Insel) ein beliebig gestaltetes Amulett. Vielmehr handelt es sich bei der eskimoischen Seele (tarneq). Starb die Seele oder wurde sie von einem Schamanen entfernt. Sowohl in der mündlichen Überlieferung als auch in den von Ethnologen aufgezeichneten Mythen der Grönländer ist oftmals von einer Der angákoq Sanimuinak mit Amulettriemen. Auf diese Weise sollten Krankheit. „liegt darin. ein Iglulik aus dem kanadischen Baffinland. das Männer an einem Harnisch aus Riemen am Körper. Jahrhundert das Christentum. zweifelsohne wichtigste Teil. der ihnen die Möglichkeit zu eigenständigem Handeln gibt. aus dem sich eine Person zusammensetzt. Noch heute gibt man bei der Geburt eines grönländischen Babys dem Neugeborenen den Namen eines kürzlich in der Umgebung Verstorbenen.

anderen körperlichen Gebrechen und zum Tod führen konnten. aber auch bei den Singwettkämpfen Verwendung. den Verbleib Verschwundener herausfinden und Regeln für das Verhalten gegenüber dem Übernatürlichen aufstellen. wandte man sich an ihn. Wann immer Hunger. Allein die Angst und der Schrecken. die zwar überall zugegen. um 1900. für die es in Westgrönland nur spärliche Hinweise gibt.Gestielte Rahmentrommel und Schlegel. Die Masken stellten verstorbene Personen dar und wurden zum Erschrecken von Kindern verwendet. Ostgrönland. bei denen Männer durch gegenseitige Verspottung ihre Rechtsstreitigkeiten austrugen. Aasiaat (Egedesminde). dem Toornaarsuk. Ammassalik (Tasiilaq). Mindestens ebenso wichtig in der traditionellen Glaubenswelt der Grönländer war jedoch die Furcht vor magischen Praktiken. doch setzte er seine besonderen Fähigkeiten im Umgang mit den nicht-menschlichen Mächten in erster Linie für das Gemeinwohl ein. Lähmungserscheinungen. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Mit dem Darm von Eisbären oder Robben bespannte Trommeln. indem er das verloren gegangene Gleichgewicht der Welt wiederherstellte. Ihre Autorität verdankten die Schamanen zum Teil auch der Angst der anderen Menschen vor einem Missbrauch ihrer Kräfte. ihre Hilfsgeister stets entlohnt wurden. besaßen erfolgreiche angakút eine herausragende Stellung in der Gemeinschaft. Im Gegensatz zu den Künsten der angakút und der als legitim erachteten Waffengewalt im Zuge der Blutrache galt die Schadenzauberei selbst im Sühnefall als keinesfalls gerechtfertigt. die einer bestimmten Person oder auch der gesamten Gemeinschaft Schaden zufügten. 74 CHRISTINE ZACKEL . einer riesigen Robbe oder eines großen Mannes mit einem Arm oder auch als Wesen in der Größe eines Fingers beschrieben wurde. Zu den beliebten Mitteln der Hexer (ilisitsut) zählten die Verwendung magischer Formeln und der Raub einer der Seelen des Opfers. aber nur für Menschen mit speziellen Fähigkeiten fühl. wurde in Ostgrönland erst 17 Jahre nach der „Wiederentdeckung“ dieses Landesteils bekannt. Dennoch stellte der Schamanismus insgesamt eine für die Gemeinschaft nützliche Einrichtung dar. konnten Unglück und Tod bewirken.und sichtbar waren. anzutreten. um 1900. die zu Wahnsinn. welcher unterschiedlich als mit dem Aussehen eines Bären. Ihre Planung und Durchführung erfolgten daher in vollkommener Heimlichkeit und ließen dem Opfer kaum eine Möglichkeit zur Abwehr. zählte ebenfalls zu den Aufgaben der angakút. der ein Nachlassen der Kräfte anzeigte. Solcher oft als „Hexerei“ bezeichneter Handlungen wurden sowohl Männer als auch Frauen verdächtigt. sie konnte durch die Demonstration magischer Tricks gestärkt werden und sie sank bei wiederholtem Misserfolg. angakút) vermochte es zwar auch. vermochten allein die angakút in Kontakt zu treten. denen in diesem Fall selbst der Tod drohte. zumal politische Führerschaft kaum über die Grenzen der Familienverbände hinausreichte. Der Schamane (angákoq. Westgrönland. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Die frühere Existenz eines kultischen Maskenwesens. als das Wissen über die einstige Bedeutung bereits weitgehend verschwunden war. Maske. die durch Schlagen gegen den Rahmen gespielt wurden. Die Entlarvung der mutmaßlichen ilisitsut. Dank ihrer Fähigkeiten. Heilung durch die Vertreibung der dafür verantwortlichen Geister bewirken. Mit den Geistern. für deren Anwendung sie bzw. Krankheit oder sonstige Unglücksfälle auftraten. einen Menschen seiner Seele zu berauben und ihn somit zu schädigen. fanden in den Darbietungen derangakút. Pl. den sie verbreiteten. die Reise zu dem größten und mächtigsten übernatürlichen Wesen der Grönländer. für gutes Jagdwetter sorgen. Diese Arglist trug entscheidend zur allgemeinen Verachtung der Schadenzauberei bei. Ebenso war es nur den Schamanen vergönnt. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. die durch den Beifall des Publikums endgültig entschieden wurden. Die angakút konnten die Ursache eines Unglücks oder einer Krankheit herausfinden.

Die öffentliche Bloßstellung verfehlte selten ihren Zweck. die sich aus der kolonialen Erfahrung ergaben. Das Christentum kommt nach Grönland Das animistische Weltbild der Grönländer und die daraus entspringenden religiösen Praktiken standen in einem kaum überbrückbaren Gegensatz zur christlichen Weltsicht. ihren Waffen und anderen Zivilisationsgütern äußerten. ist letztlich nicht ganz klar.„Hans Egede weist einen angákoq zurecht“. muss nichtsdestoweniger betont werden. Kulturhistorisk Museum. Als zweite Gruppe nahm 1733 die Evangelische Brüder-Unität (nach ihrem Hauptsitz in der Oberlausitz auch „Herrnhuter“ genannt) ihre Missionstätigkeit in dem von ihnen gegründeten Neu-Herrnhut (Noorliit) auf. Bei der Übersetzung der Bibel und von Gebeten wurde allerdings auch deutlich. in der es „Unser tägliches Brot gib uns heute“ heißt. der „Apostel Grönlands“. dass gleichzeitig eine Konservierung mancher Aspekte ihrer ursprünglichen religiösen Überzeugungen stattfand. dass etwa die holländischen Walfänger bei ihrer Jagd außerordentlich erfolgreich waren. die magischen Praktiken der Schamanen als billige Taschenspielertricks zu entlarven. Beständigkeit und Pf lichterfüllung zu den Bekehrungszielen. lag in der Bewunderung der Grönländer für die unerklärlichen Fähigkeiten der Europäer. das weniger von Angst geprägt war und den neuen Herausforderungen. In der rückblickenden Darstellung des grönländischen Künstlers muss der angákoq unter Tränen seine Niederlage eingestehen und öffnet damit die Ohren der Zuschauer für die Verkündigung der neuen Heilslehre. Zugleich konnten die Missionare ein alternatives Weltbild anbieten. beabsichtigte man die Umerziehung dieser Menschen nach dem eigenen Vorbild. sie strebten aber insgesamt nach einer Auslöschung der als „heidnisch“ erachteten Glaubensvorstellungen. Hans Egede. sondern trugen auch entscheidend zur Entstehung einer grönländischen Schriftsprache und Literatur bei. Obwohl die Zahl der Taufen – insbesondere auch von angakút – rasch anstieg. deren Nachkommen in der Religion ihrer Väter aufwuchsen. ließ die Grönländer zunehmend an der Stimmigkeit dieser Regeln zweifeln und den Heilsversprechungen der christlichen Missionare allmählich ein größeres Interesse entgegenbringen. dem Tragen von Amuletten usw. zivilisiertes“ Leben zu ermöglichen. Als Maßstab für den Missionserfolg galten daher auch gesellschaftliche Veränderungen wie der Rückgang von Blutrache und Polygynie. dass das schwierige Bekehrungswerk erfolgreich war. an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Um das Wort Gottes verkünden zu können. Beide Weltbilder existierten offenbar lange Zeit parallel nebeneinander und gelangten je nach den äußeren Umständen zur Anwendung. Einen wesentlichen Beitrag zur Christianisierung trugen schließlich die Ehen zwischen vor allem grönländischen Frauen und dänischen Männern bei. So gelang es den Missionaren tatsächlich. sondern auch zahlreiche andere Textpassagen. Moralvorstellungen. dass viele der Texte ohne ein Kenntnis ihres kulturellen Hintergrunds kaum verständlich waren. Familienmuster. da den Grönländern Brot unbekannt war. bedurfte es einer ausreichenden Kenntnis des Grönländischen. Amulette von den Bekehrten den Missionaren freiwillig übergeben und magische Formeln fortan verschmäht wurden. gingen aber selten eine enge Verbindung miteinander ein. Gelenkt vom frommen Wunsch. Oslo Im Kampf gegen den Einf luss der angakút bemühten sich die Missionare. die Gewöhnung an feste Arbeitszeiten. Westgrönland. Da nach ihrer Anschauung der christliche Glaube untrennbar mit der europäischen Lebensweise verbunden war. der Bräuche im Umfeld von Namensgebung und Trauer. So musste nicht nur die Stelle im Vaterunser. ohne die von den angakút geforderten Tabus einzuhalten. Wohnverhältnisse. besser entsprach. und seine Mitstreiter sahen zwar in den angakút ihre hauptsächlichen Widersacher. Auch wenn also von einer erfolgreichen Missionierung der ehemals „atheistischen“ Grönländer die Rede sein kann. welche den alten Glauben mit den Gegebenheiten des alltäglichen Lebens verbanden und somit eine erhaltende Funktion innehatten. deren Einf luss es zu brechen galt. Einer der Gründe dafür. Dabei beschritten die zum größten Teil aus Laienpredigern und Handwerkern bestehenden Brüdermissionare einen anderen Weg als Egede. Auch die Beobachtung. die sich in der Größe ihrer Schiffe. welches heute ein Teil der Hauptstadt Nuuk ist. Vor allem geschah dies durch die Weitervermittlung von Sagen und Erzählungen in Wort und Schrift. Aquarell von Aron aus Kangeq. Diese Beschäftigung mit der Sprache hatte Folgen. zählten auch die Veränderung der Lebensgewohnheiten. die Autorität der angakút zu erschüttern und Zweifel an allen Formen des Gebrauchs übernatürlicher Kraft zu fördern. dessen von den besten Absichten für die Grönländer geleitete und von persönlichen Entbehrungen GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 75 . wie schnell und in welchem Maß die christliche Moralauffassung und Lehre tatsächlich in das grönländische Leben integriert wurden. den Grönländern ein „menschenwürdiges. um 1860. der Opfergaben zwecks guter Jagd. die weit über den Bekehrungszweck hinausgingen: Die grönländische Grammatik (1851) und andere Arbeiten des Herrnhuter Missionars Samuel Kleinschmidt (1814–1886) bildeten nicht nur die erste gründliche Beschreibung einer Eskimosprache.

Er war selbst vor dem Raub einiger Kinder nicht zurückgeschreckt. Mit der zügigen Bekehrung der Ostgrönländer und der Polareskimo fand die Geschichte der grönländischen Missionen ihren Abschluss. Sie waren durch das Tragen verschiedenfarbiger Bänder unterscheidbar und wohnten gemeinsam in „Chorhäusern“. begann seine Bibelübersetzung im Jahr 1737. Testamente Nutak [Neues Testament] (Kopenhagen 1766). 269–341. Jahrhundert nach und nach legten. Vol. Alter und Familienstand zusammengefasst waren. Heinz 1969 Kulturwandel der grönländischen Eskimo im 18. Ostermann. Stockholm Studies in Comparative Religion 24. die sich erst im 19. Karl Ludwig Giesecke) Poul Egede. Mit ihrer auf „die Rührung des Herzens“ angelegten Verkündigung vor allem der Leiden Christi unter dem Einsatz von Musik und Liedern waren sie dabei sehr viel schneller erfolgreich als die dänischen Missionare. Evelin 1987 Der Schamanismus der Eskimo. geprägte Bemühungen letztlich von seiner Verachtung für die Kultur der Grönländer überschattet waren. Jahrhundert. 76 CHRISTINE ZACKEL .). Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Christliche Symbole fanden rasch Eingang in die grönländische Alltagskultur. (Hg. Es kann nicht erstaunen. reichten dafür bei den Herrnhutern schon Anzeichen einer „Erweckung“.Poul Egede. Reitzel und Humphrey Milford). Merkur. Stockholm. Aachen: Rader. Greenland. gründeten die Herrnhuter sogenannte „Chöre“. Heute bekennen sich 98% der Kalaallit zum lutherisch-evangelischen Glauben. vor einer Taufe großen Wert auf die dogmatische Standfestigkeit des Täuflings legten. Während die königliche Mission auf das Gesellschaftsmodell der Kleinfamilie setzte. Während letztere Drei Haarnadeln. die an die traditionellen Winterhäuser erinnerten. S. Israel. Im Gegensatz zu Egedes Kampf gegen die traditionellen Glaubensvorstellungen und gegen die angakút konzentrierten die Herrnhuter ihre Bemühungen auf die reine Vermittlung der christlichen Werte. 1928–1929 A History of the Mission. Auch fanden sie das Alte Testament wegen der in ihm geschilderten Verfehlungen der Menschen weniger geeignet für die Missionsarbeit als die Heilsgeschichte der Evangelien. A. Grönland. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. die ihm beim Erlernen der grönländischen Sprache behilf lich sein sollten. Hother B. Ein weiterer Grund für den Erfolg der Brüdermission mag in der Organisationsform ihrer Anhänger gelegen haben. um 1900. In: Carl Martin Vahl et al. Die ständigen Verbesserungen des Texts beunruhigten die von der unveränderlichen Wahrheit des göttlichen Wortes überzeugten Bekehrten. Aasiaat (Egedesminde). Shamanism and Initiation Among the Inuit. dass der Erfolg der Herrnhuter Mission. Weiterführende Literatur Haase. in denen die Gemeindemitglieder nach Geschlecht. Berlin. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden 29. In der Frauentracht ersetzten Haarnadeln mit Kreuzen und die herrnhutischen bunten Chorbänder die früher in den Haarknoten getragenen Amulette. die innerhalb von kaum mehr als einem Jahrzehnt die dänische Konkurrenz im Hinblick auf die Zahl der Bekehrten überholt hatte. zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden Spielarten des protestantischen Christent ums führte. der das Grönländische schon als Jugendlicher erlernt hatte und daher viel besser beherrschte als sein Vater Hans. 3: The Colonisation of Greenland and its History until 1929 (Kopenhagen: C. Daniel 1985 Becoming Half Hidden.

Nach der sogenannten „Wiederentdeckung“ der Ostgrönländer war allmählich mehr und mehr über die kulturellen Besonderheiten des dortigen Lebens bekannt geworden. durchlief die bildnerische Darstellung des Tupilak verschiedene Stadien. Eines der in diesem Falle besonders bedeutsamen Beispiele ist seine bildnerische Veranschaulichung desselben „Familien-Tupilak“. welche aus verschiedenen Tier. insbesondere frühe. Krankheit oder den Tod über den Feind des Erschaffers zu bringen. Dank der überlegenen magischen Fähigkeiten Mitsivarnianngas konnte der Tupilak schließlich unter einer Pritsche des Torf hauses entdeckt und besiegt werden. Sie stellte also wie auch andere. zu denen unweigerlich auch der Tupilak zählte. begann bereits als kleines Kind. mittels magischer Formen und fester Rituale zum Leben erweckt und auf ihre Mission geschickt wurden. sondern gab die erlebte Wirklichkeit wieder. bat der dänische Ethnologe William Thalbitzer (1873–1958) den angákoq Mitsivarniannga (1860–1910) um eine geschnitzte Darstellung dieses Wesens. Der Rückgang des lokal verfügbaren Walrosselfenbeins und die wegen des Artenschutzabkommens versiegenden Importe von Pottwalzahn bedeuteten aber schon 30 Jahre später das Ende dieser jungen Tradition.und Unglücksbringer aus Haut. Jahrhundert einen neuen Siegeszug an – als Symbol für ungebrochene Tradition und als wichtiges Thema grönländischer Schnitzkunst. das aus dem Kopf eines Erwachsenen und einem mit Hautfetzen zusammengehaltenen Kindskörper bestand. Mitsivarnianngas Sohn Karaale Andreassen (1890–1934). Schließlich wurde die ursprüngliche Konzeption des Tupilak nach Westgrönland zurückgebracht und dort in einer neuen Version revitalisiert. Vor allem in Grönland waren sie von Menschenhand mit Hilfe von Schadenzauberei hergestellte Wesen. Eugen von Philippovich) Den endgültigen Übergang von der ethnografischen Illustration zum Kunstwerk markiert die bevorzugte Verwendung von Elfenbein für Tupilakdarstellungen ab den 1950er Jahren. mit Bleistiftzeichnungen verschiedene Dinge seines Umfelds darzustellen. Der Schamane fertigte darauf hin ein hölzernes Abbild jenes Tupilak. in denen sich unter Verwendung unterschiedlicher Materialien ein großer Formenreichtum entwickelte. In Westgrönland durch die Christianisierung beinahe verschwunden. traten sie vom lange isolierten Osten der Insel aus im 20. letzten Endes primär zum Verkauf hat erst vor gut 120 Jahren begonnen. der lange Zeit seine Familie verfolgt und ins Unglück gestürzt hatte. Zunächst in Ostgrönland zur Veranschaulichung für Forschungsreisende geschnitzt. Die Figur war eine realistische Abbildung dieses Monsters. Tupilakfiguren keineswegs eine Fantasiegestalt dar. um Unglück. Die imposante Erfolgsgeschichte des Tupilak in dieser neuen materialisierten Form nahm somit sowohl an der Ostküste als auch einige Jahre später an der Westküste ihren Lauf. den bereits sein Vater in Holz geschnitzt hatte.Tupilak: Von der Magie zur Kunst In weiten Teilen der nordamerikanischen Arktis galten Tupilaks als zumeist böse Geister unterschiedlicher Art. GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 77 . Knochen und anderen organischen Materialien zu einer geschnitzten Figur zum Zwecke der Illustration bzw.und Leichenteilen bestanden. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. welche die Frau des Schamanen erlitten hatte. Der Tupilakfigur aus Walrosselfenbein. Da jedoch niemand einen wirklichen Tupilak vorzeigen konnte oder wollte. Deutlich sind hier dieselben äußerlichen Merkmale des Unglücksbringers und insgesamt eine durchaus verblüffende Ähnlichkeit zu der Illustration Mitsivarnianngas zu erkennen. Die Kreatur war von einem Verwandten Mitsivarnianngas geschaffen worden und nach der Meinung der Familie verantwortlich für mehrere Fehlgeburten. Ostgrönland. um 1960. der als einer der ersten Ostgrönländer getauft wurde.und Leichenteilen. Die Entwicklung des Tupilak von einem mittels Zauberkraft hergestellten Tod.

als er sich von seinem monströsen Geschöpf die Lebenskraft aus dem Leib saugen ließ und dabei selbst zu Tode kam. umso wilder fiel ihre geschnitzte Wiedergabe der Figur aus. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Kulturhistorisk Museum. in Wahrheit aber andere mythische Wesen oder reine Fantasiegestalten repräsentierten. Abgesehen von ihrem ethnografischen Wert besaßen die neuen Schnitzwerke große künstlerische Ausdruckskraft und wurden stilbildend für die Produkte anderer Künstler. so dass die den Figuren ursprünglich eigenen Merkmale schritt weise verschwammen. Westgrönland. der ihn geschaffen hat“. Die Entwicklung der Tupilakfiguren wurde zunehmend von der Faszination der europäischen Interessenten geleitet. die mit dem Grad der Skurrilität stieg. der aus Ärger über den Jagderfolg des alten Nikook insgeheim einen Tupilak schuf. Aquarell von Aron aus Kangeq. Den anfangs aus Holz gefertigten Tupilakabbildungen folgten in Ostgrönland ab den 1950er Jahren die ersten aus Elfenbein und Knochen. Je weiter die Künstler sich vom ursprünglichen Glauben an die Tod und Unglück bringende Macht des Tupilak entfernten. Jahrhunderts entstanden auf Bitten dänischer.Tupilakfigur aus Speckstein. um 1860. Sie illustriert die Geschichte eines Mannes. umso besser schienen sie sich verkaufen zu lassen. unbekehrte Vater (dessen Name auf die Methode zur Einf lößung von Vitalität des Unglücksbringers anspielend „Saug mich“ bedeutet) schuf in den kommenden Jahren noch weitere außergewöhnliche Abbildungen dieses Wesens. Speckstein als Material der Schnitzkunst gewann in den 1960er Jahren wegen der Verknappung von Elfenbein kurzfristig an Bedeutung. Eugen von Philippovich) Eine ausgeprägte Skelettdarstellung sowie überproportionierte Hände und Gesichtszüge wurden zu beliebten Stilmitteln zur Charakterisierung des grauenerregenden Tupilak. Oslo Dem grönländischen Jäger und Künstler Aron aus Kangeq (1822– 1869) verdanken wir die älteste Darstellung eines Tupilak. 78 CHRISTINE ZACKEL . Der kommerzielle Erfolg bef lügelte immer mehr Jäger und Fischer zur künstlerischen Betätigung: Die Zahl der Schnitzer in der Gegend von Ammassalik vervierfachte sich zwischen 1966 und 1976 von 22 auf 84 und umfasste somit drei Viertel der männlichen Bevölkerung. um ihn zu töten. die sich durch eingeritzte Skelettteile und eine Verbindung tierischer und menschlicher Merkmale auszeichneten. Je schrecklicher und bizarrer also die Abbildungen waren. Nikook überraschte den Übeltäter jedoch. wurde später jedoch von Geweihknochen an Beliebtheit übertroffen. Westgrönland. die vor allem wegen ihres grotesken Äußeren oder wegen ihrer Skelettornamentik vielfach als „Tupilak“ bezeichnet wurden. holländischer. französischer und englischer Forscher – aber auch dänischer Künstler – zahllose hölzerne Tupilakfiguren. Diese vermischten sich allerdings in der Folge immer mehr mit der Dar- stellung anderer Geister und Fantasiewesen. „Ein Tupilak saugt sich an dem Mann zum Leben. um 1970. So entstanden Formen. In den 20er und 30er Jahren des 20. Diese neuen Versionen des Tupilak (ebenso wie ihn darstellende Masken und Amulette) waren fantastische Abstraktionen des Schreckens aus der Grauzone zwischen Tier und Mensch.

die bis heute eine grundlegende Rolle im Leben vieler Kalaallit spielt und von deren vollständiger Abhängigkeit man sich erst in den letzten Jahrzehnten etwas gelöst hat. Durch die Bewahrung alter Techniken und traditioneller Motive. Treibholz. Geweih oder Speckstein. Alles hatte seinen Platz in der Gesellschaft und war eine notwendige Voraussetzung zum Überleben in dieser harten. warum sich Tiermotive bei arktischen Künstlern bzw. Modern Greenland Art. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) In der Vorstellung der Ostgrönländer waren das Inlandeis und enfernt liegende Landesteile von verschiedenen missgestalteten menschenähnlichen Wesen. 98–108. ist weitgehend unbekannt. Det grønlandske Selskabs Skrifter 19(1): 73–101. so die dänische Kunsthistorikerin Bodil Kaalund (*1930). Tanz und Dichtung besaßen eine Funktion und bildeten somit einen integralen Teil des täglichen Lebens. Am Nordrand der Welt (Wien: Museum für Völkerkunde). Auch wenn die grönländische Gegenwartskunst zunehmend westlich geprägt ist. das Kunsthandwerk (sowohl als „Kunst“ wie als „Handwerk“) eine wichtige Rolle bei der Bewahrung und lebendigen Weiterentwicklung des grönländischen Kulturerbes. der durch die grönländische Kunst tönt. denen aus eskimoischer Sicht magische Kräfte innewohnten. In ihrer Themenwahl lassen sich die Künstler Grönlands bis heute von den persönlichen Erfahrungen inspirieren. Petersen. enthält sie einen anhaltenden Bezug zur einheimischen Vergangenheit. werden nun auch die in den letzten Jahrhunderten oder Jahrtausenden geschnitzten Figuren und Masken mit magischem oder anderem praktischen Zweck zur Weltkunst gezählt. ihrer Siedlung und Familie. Hölzerne Tierfigur. Eskimo: Schwerpunkt Grönland. Weiterführende Literatur Kaalund.Kunst. Tier und Natur“. Erst durch den Kontakt mit den Europäern entstand im Laufe der Zeit eine vom Alltagsleben abgehobene Konzeption von Kunst. Alle für religiöse Zeremonien oder die Jagd hergestellten Dinge. Der Schnitzer beabsichtigte nicht die Schaffung einer neuen Form. den kulturellen Werten und insbesondere der Tierwelt beziehen. war es einem Menschen unmöglich. Crafts. aus dem vorliegenden Material. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. der Spiritualität und Mythologie. auf dem Touristen. um 1900. von riesen. die in Ostgrönland kurz nach der „Wiederentdeckung“ (1883–1885) gesammelt wurden. European Review of Native American Studies 19(1): 13–18. Sculpture. Ihrem abartigen Aussehen entsprach zumeist auch ihr zweifelhafter Charakter. Verena 1991 Eskimokunst. Obwohl also erst einige der in den letzten Jahren hergestellten Werke grönländischer Kunst im engeren Sinne einem europäischen Kunstverständnis entsprechen. Der dafür verwendete Ausdruck eqqumiitsuliaat („etwas Gemachtes. Sowohl die geschlechtliche Arbeitsteilung als auch die verschiedenen Tabus beeinf lussten die zweckgebundene Ästhetik der Schnitzereien.). Jørgen 2005 Native and Part of the World. aber auch Musik. die sie aus ihrem Land. Knochen. deren Qualität zu beurteilen. also die Seele. „Mensch. Feest (Hg. Berkeley: Universit y of California Press. Traeger. „sind der große Dreiklang. In: Christian F. Dabei war die äußere Gestaltung eines geschnitzten Objektes weniger entscheidend als der sich dahinter verbergende Inhalt. Trondhjem. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Die Bedeutung der kleinen Schnitzwerke in Gestalt von Tieren oder Mischwesen. Manche stellen Hilfsgeister der angakút dar und wurden zur Illustration für die neugierigen Fremden hergestellt. um 1900. oft nackt und haarlos. Anthropomorphe Figur. Bodil 1983 The Art of Greenland.und Souvenirmarkt einer so großen Beliebtheit erfreuen. Painting. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Magie und Kreativität Im vorkolonialen Grönland hatte es weder „Künstler“ noch ein Konzept von „Kunst“ als autonomem Bereich gegeben. das sonderbar ist“) spiegelt deutlich die ungewohnte Herangehensweise an dieses für die Grönländer neue Phänomen wider und wird rückwirkend auch auf in der Vergangenheit hergestellte Objekte angewandt. aber auch durch enorme Kreativität übernehmen heute in Grönland die Kunst bzw. sei es in den Inhalten oder in der Verwendung von als t ypisch „grönländisch“ erachteten Materialien wie Robbenfell. GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 79 .oder zwergenhafter Gestalt bevölkert. Ostgrönland. Ostgrönland. oft gnadenlosen Welt.“ Dies erklärt. sondern löste lediglich die inua. Robert 1964 The Greenland Tupilak. Ohne die zugrunde liegende Geschichte einer Schnitzerei zu kennen.

an denen sich die von 99. Die vom kolonialistischen Menschenbild herrührende Überzeugung der kulturellen Überlegenheit gegenüber den grönländischen „Heiden“. Dass ein Fünftel aller Grönländer außerhalb des Landes. Maniitsoq. entlang der Flüsse zu fischen oder dem Ren nachzustellen. denen nur so die Entwicklung eines christlichen Gemeindeleben möglich schien. Aus Jägern. Es sind allein die eisfreien Küstenstreifen. lediglich 253. Süden der Insel liegen. Sisimiut.874 Bewohnern gleichzeitig die größte Stadt des Landes ist. Ilulissat. die außerhalb von geschlossenen Siedlungen leben. Bis heute hat sich dieses Bild noch beträchtlich gewandelt: Von den mittlerweile rund 57. insbesondere jene der klimatisch begünstigten Westküste. Dies ist nicht zuletzt auf den Einf luss der Missionare zurückzuführen. sind die heutigen Grönländer und ihre Gesellschaft ein Ergebnis der kolonialen Begegnung mit Europa.800 im Jahr 1923 und erreichte 1948 22. Kupferstich aus: Poul Egede. ist ein Inselvolk mit Hoffnungen auf nationale Selbständigkeit geworden.14 Personen pro eisfreiem Quadratkilometer) sind 88% Kalaallit. Verstädterung und das von den Missionaren ebenfalls geförderte Leben in Einzelfamilien (statt in Großfamilien auf engstem Raum) führten jedoch auch zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen und Vergrößerung der Bevölkerung. Während die dänischen Händler die Beibehaltung der verstreuten Wohnweise förderten. Die überwiegend dänische Minderheit lebt vor allem in größeren Orten an der Westküste. 80 CHRISTINE ZACKEL . zumeist in Dänemark. Auch wenn dies in schwächerer Form als bei anderen Kolonialmächten der Fall gewesen Trachten der Grönländer. oft miteinander verwandten Kernfamilien. die mit 14. die zu einer Migration ins Mutterland – insbesondere nach Kopenhagen – geführt hat. ging der langfristige Trend in Richtung der Entstehung kleinstädtischer Zentren. wo die Zuwanderer eine feste und oft deutlich sichtbare Rolle in der Öffentlichkeit einnehmen.000 im Jahr 1867 auf 14. 2006 lebten ein Viertel der Bewohner Grönlands in der Hauptstadt Nuuk und etwa zwei Drittel in den sechs bevölkerungsreichsten Kommunen (Nuuk. Aasiaat.45% aller Grönländer bewohnten Städte und Siedlungen des Landes befinden. welche alle im Westen bzw. Zunehmende Sesshaftigkeit.Gesellschaft Im Sommer verließ man die Dörfer.000 (davon 941 Dänen) in 203 Siedlungen. Efterretninger om Grønland (Kopenhagen 1788) Das grönländische Wort ánoraaq bezieht sich. da sie selbst oder Familienangehörige dort aufgrund ihrer weitaus besseren Ausbildung hauptsächlich im medizinischen. nicht nur auf die mit Kapuzen versehenen Oberkleider der Männer und Frauen. Die Wurzeln dafür sind in der Vergangenheit zu suchen und in der Art. geboren wurde. anders als das deutsche Lehnwort Anorak. die in der Abgeschiedenheit der Arktis ein Leben voller Gefahren führten. von denen bloß sieben die Einwohnerzahl von 500 überstieg. Umgekehrt haben viele Dänen einen persönlichen Bezug zu ihrer ehemaligen Kolonie. Ihre Zahl stieg von knapp 10. sondern ist der allgemeine Begriff für „Kleidung“. die es zu missionieren. wie die Dänen sich den Grönländern gegenüber verhielten. Kleinkinder wurden in der geräumigen Kapuze des amaut der Frauen getragen. Das Verhältnis der Kalaallit zu ihren ehemaligen Kolonialherren war jedoch nicht immer ein harmonisches und ist noch heute zum Teil von Missverständnissen geprägt. aber auch wirtschaftlich auszunutzen galt. Hier traf man sich auch mit Familien aus anderen Siedlungen. schulischen und touristischen Bereich eine Arbeitsstelle finden. um die bestmögliche Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zu gewährleisten (und damit den Wirtschaftsertrag zu erhöhen). hohe Stiefel und die dazu gehörige Unterkleidung zählten. Heute beträgt die Zahl der registrierten Grönländer. führte zu einer entsprechenden Behandlung der Kalaallit.000 Bewohnern Grönlands (0. administrativen. also indigenen Ursprungs. Als klassische Überlebenskünstler haben sie auch aus dieser schwierigen Epoche Nutzen und Lehren für eine selbstbestimmte Zukunft gezogen. Qaqortoq). die sich in der dunklen Zeit des Winters meist in festen Siedlungen auf hielten. Immer noch am Rand der Welt daheim und doch immer stärker mit der Welt vernetzt. zu der ferner knielange Hosen. So wie andere Jägervölker lebten die Grönländer ursprünglich in kleineren Verbänden aus mehreren. liegt an der hohen Arbeitslosigkeit auf der Insel. um in kleineren Gruppen auf den vorgelagerten Inseln der Robbenjagd nachzugehen. 90% davon in der Hauptstadt Nuuk.

wie es wohl von jungen Frauen bei christlichen Festen getragen wurde. Jahrhundert vorherrschenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Missstände (weitverbreitete Armut.Frauenbluse. So deuteten sie etwa das traditionell freizügigere Geschlechterverhältnis und die der Stärkung sozialer Bindungen dienende Praxis des Frauentauschs als Bereitschaft zur Prostitution. Jahrhundert. Bis heute prägen die kolonialen Erfahrungen das Leben der indigenen Bewohner Grönlands. dass die Dänen die kulturelle Andersartigkeit der Grönländer weder verstanden noch akzeptieren wollten. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. verdanken wir die weltweit älteste große Sammlung grönländischer Ethnografie. Westgrönland. hielt sie sich in Ostgrönland bis ins frühe 20. unhygienische Wohnverhältnisse. Schon in der frühen Kontaktzeit wurden KalaallitFrauen von ihren Männern oder auch von europäischen Händlern dazu gezwungen. Gezielt förderte man die Abhängigkeit von Handelswaren wie Kaffee. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. durchlief die traditionelle Frauentracht eine Reihe modischer Veränderungen im Hinblick auf Schnitt. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) In den Winterhäusern bestand die einzige Bekleidung der Frauen aus einer Tangaähnlichen Fellunterhose. Die Grönländer. Auch wenn die noch im 20. Materialien und Verzierungen. sexuelle Leistungen als Bezahlung für die heiß begehrten europäischen Waren zu erbringen. alarmierende Gesundheitssituation) mittlerweile zum größten Teil behoben werden konnten. um 1900. Der Zusammenbruch der Absatzmärkte für Pelze schwächte insbesondere die ländliche Wirtschaft. GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 81 . aber auch eine Hörigkeit gegenüber der Kolonialmacht. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Während sich die grönländische Männerkleidung im Umfeld der Kolonie sehr bald an europäischen Vorbildern orientierte. Missionaren und anderen Kolonisten auf der einen und der grönländischen Bevölkerung auf der anderen Seite. einem Freund Mozarts und möglichem Librettisten der „Zauberf löte“. Generell entstand ein kaum zu überbrückendes Ungleichgewicht zwischen den dänischen Händlern. so blieben doch genügend andere Probleme bestehen. Sie enthält unter anderem ein prächtig verarbeitetes Kleidungsstück aus Renfell. Die dänische Konzentrationspolitik führte vielerorts zur Schließung Schambekleidung der Frauen. büßten dieses in Folge der erfahrenen Unterdrückung und Diskriminierung mehr und mehr ein. ist unbestritten. Karl Ludwig Giesecke) Dem Schauspieler und Mineralogen Karl Ludwig Giesecke (1761–1833). Ostgrönland. Westgrönland. Tabak und Tee. Die Mode des späten 19. Jahrhunderts bildet die Grundlage der heutigen grönländischen Nationaltracht. von denen gesagt wird. sie hätten in vorkolonialer Zeit ein stark ausgeprägtes Freiheits.und Selbstständigkeitsgefühl besessen. sein mag. Links: Festtags-Frauenbluse mit Kapuze. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Upernavik. Während diese das europäische Schamgefühl verletzende Praxis in Westgrönland unter dem Einf luss der Missionare bald verschwand. um 1800. Ammassalik (Tasiilaq). um 1900.

087 km eisfreien Küstenabschnitten stark eingeschränkt.68 Liter pro Person über 14 Jahre. Freilich hatten auch die im Jahre 1911 in Grönland eingesetzten zwei Kreisvertretungen de facto kaum nennenswerte Befugnisse. Museum für Völkerkunde Wien (Slg.„Kräftemessen der Männer“. ein Eisenbahnnetz ist wegen der klimatischen und geologischen Verhältnisse ebenfalls unmöglich. Gewaltdelikten und Verbrechen im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch die grönländische Gesellschaft. Vor dem Hintergrund des immer sichtbareren Verlusts der traditionellen Kultur und ihrer Werte stellt sich verstärkt die Frage nach der eigenen Identität. der Wert entspricht etwa dem Fünf. Seit Erlangung der Autonomie im Jahr 1979 wählen die 31 Mitglieder des grönländischen Parlaments. Erste Ansätze zur grönländischen Selbstverwaltung reichen ins 19. Die Änderung der vormals dänischen Ortsnamen in grönländische war ein sichtbares Symbol für diesen Prozess. Mit der Arbeitslosigkeit stieg die Zahl der Auswanderer nach Dänemark. Die grönländische Selbstverwaltung (Namminersornerullutik Oqartusat) ist ein wichtiger Markstein der Entkolonialisierung. Grønlands Nationalmuseum & Arkiv. um 1975. um von einem Ort zum anderen zu gelangen. 1862/63 führte man die Wahl zur so genannten Amtsleitung ein. 98% aller Haushalte ein Radio und 40% einen Festnetzanschluss. in der die grönländische Kultur gezielt gefördert wurde. Die Mobilität innerhalb des Landes ist aufgrund der Verteilung der Siedlungen an den insgesamt 44. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Seit dem 19. der Helikopter (insgesamt gibt es dreizehn Flughäfen. erschüttert eine außergewöhnlich hohe Zahl an Suiziden. zählten zu den beliebtesten Unterhaltungen der Grönländer. Mit einer aktuellen Suizidrate von 130 auf 100. in denen es um den Beweis der körperlichen Stärke oder der Beweglichkeit ging. zerstörte die noch intakten sozialen Beziehungen der gewachsenen Gemeinschaften und trug zusammen mit der einsetzenden Industrialisierung zur Verstädterung bei. Nuuk Wettkämpfe. deren Vorstand in den grönländischen Distrikten repräsentative Aufgaben übernahm. 98% der Bevölkerung besitzen ein Mobiltelefon. in der Praxis jedoch keineswegs dieselben Chancen wie die Dänen. die mehrere Siedlungen miteinander verbinden. Grönländer zwar offiziell dieselben Rechte. Danach begann die Ära der „Grönlandisierung“. spätes 19. von kleineren Siedlungen. Jahrhundert bereicherten vor allem europäische Geigen nicht nur in den Städten die bis dahin auf Trommel und Gesang beschränkte grönländische Hausmusik. In den Jahren zwischen 1953 und 1970.bis Zehnfachen jenes der meisten anderen europäischen Länder. konnte man sich mit Finger. dies entspricht ca. Neben dieser von Seeleuten übernommenen Musiziertradition trug von allem die Kirchenmusik zur musikalischen Vielfalt bei. besaßen die Geige und Geigenbogen des Seehundfängers Ville Brandt. den Premierminister und die Regierung. Der Weg Grönlands zur Autonomie war lang und steinig. bedeutet für viele Grönländer aber nur einen Schritt in Richtung auf eine volle Unabhängigkeit. Jahrhundert zurück. Jahrhundert. Westgrönland. So müssen die Grönländer. Es existieren kaum Straßen. Während Fußball und Handball als Freiluftsport überwiegend im Sommer gespielt wurden. Längst hat auch die Globalisierung in Grönland Einzug gehalten. das alle innenpolitischen Entscheidungen fällt.000 Menschen führt Grönland weltweit die Statistik an.oder Armhakeln die langen Winternächte in den Häusern verkürzen. Aasiaat (Egedesminde). da alle wichtigen Angelegenheiten immer noch in Dänemark entschieden wurden. aber auch Gewalt innerhalb der Familie und die Scheidungsrate.000 Liter Alkohol nach Grönland eingeführt. 21% einen Internetanschluss. Jährlich werden rund 500. das kulturelle Erbe zu bewahren. sechs Heliporte 82 CHRISTINE ZACKEL . Gefangen zwischen dem Streben nach Modernisierung und dem gleichzeitigen Versuch. auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen. vom Zeitpunkt der Aufhebung des kolonialen Status bis zur politischen Wende. Dies ist für weitere Strecken in erster Linie das Flugzeug bzw. Im dänischen Parlament ist Grönland durch zwei direkt gewählte Abgeordnete vertreten. Zeichnung von Thomas Fredriksen. 11.

Feest (Hg. Im Bereich der traditionellen Kultur hat manches. Jahrhundert. das Herstellen und Tragen von Trachten und für das Kunsthandwerk. zu verdanken. Dennoch existiert seit 1971 der grönländische Fußballverband. Sportarten wie Handball und speziell Fußball werden leidenschaftlich gespielt. King. H. Weiterführende Literatur Fægteborg..). Eskimo: Schwerpunkt Grönland. Wenn es um das Kräftemessen und den Erwerb von sozialem Status geht. um den Touristen einen Blick auf einen der größten kalbenden Gletscher der Welt und die von ihm in die Disco-Bucht entlassenen Eisberge zu gönnen. 16 Städte verfügen über eigene Hafenanlagen und in weiteren 60 Orten gibt es Anlauf.) Arctic Clothing. Anderes. Im Winter werden hier Hundeschlittenrennen abgehalten. London: British Museum Press. Kalaallit Nunaani Isikkamik Arsaattartut Kattufiat. Am Nordrand der Welt (Wien: Museum für Völkerkunde). Damals entstand ein breites Publikumsinteresse an der Lektüre von grönländischen Gedichten und Geschichten sowie an Liedern mit Texten in Kalaallisut. der im ursprünglichen grönländischen Rechtssystem eine wichtige Rolle beim Schlichten von Streitigkeiten gespielt hatte. 42–49.und Fischereibrücken. Allerdings ist die Schifffahrt außer in Südgrönland und im südlichen Westgrönland nur im Sommer und Herbst möglich. wie der von den Missionaren als „heidnisch“ abgelehnte Trommeltanz. wie etwa der traditionelle Singwettstreit. Der Katechet Josva Klein (1879–1938) erlangte mit vaterländischen Liedern einen großen Bekanntheitsgrad. Mads 1991 Das moderne Grönland. dem wohl bedeutendsten Künstler Grönlands im 20. und 40 Helistops) und das kostengünstigere Schiff. ist heute so gut wie verschwunden. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten das Vaterland. Trotz intensiver Bemühungen ist es Grönland allerdings noch nicht gelungen. für Tanzaufführungen. Knud 1970 (Hg. Birgit Pauksztat und Robert Storrie 2005 (Hg. dürfen seit 2005 (und der Zulassung von Kunstrasenplätzen) nur noch unabhängige Staaten beitreten.Ilulissat mit Blick vom Fußballplatz auf das Postamt und den Eisfjord. J. ordentliches Mitglied der UEFA und der FIFA zu werden. dem 76 Vereine mit mehr als 4000 eingetragenen Mitgliedern (das sind immerhin 7% der Gesamtbevölkerung) angehören. Kopenhagen: Henriksen. Grönland ist eine extrem sportliche Nation. besitzen aber auch soziale Funktionen. Dies gilt schon lange für Schrifttum und Musik in grönländischer Sprache. In: Christian F. C. insbesondere sportliche. Ein absolutes Novum war die Thematisierung der Liebe zwischen Mann und Frau. während sich sein Kollege Peter Olsen (1892–1930) als Erster in einer unvergleichlichen Weise von der reichen grönländischen Sagenwelt inspirieren ließ. Foto: Silvia Meyer Kreuzfahrtschiffe besuchen im Sommer das ehemalige Jakobshavn. Wurde zunächst das Fehlen von Rasenplätzen als Ausschlussgrund genannt. haben heute andere.) Greenland: Past and Present. Hertling. Sport und die unterschiedlichsten Formen kultureller Betätigung werden heute von der Regierung als wichtige Formen des Ausdrucks grönländischer Identität intensiv gefördert. Für nicht ganz so weite Strecken werden von den Grönländern im Winter noch immer Hunde. seine überwältigende Natur und das Leben in Grönland. Die 1920er und 1930er Jahre waren in dieser Hinsicht von bahnbrechender Bedeutung und gingen als das „Goldene Zeitalter“ der Kunst und Kultur Grönlands in die Annalen ein. GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE 83 . wenn das Meer nicht zugefroren ist. Dieser Tabubruch ist in erster Linie Hans Lynge (1906–1988). In dieser Zeit entstand auch die grönländische Nationalhymne Nunarput utoqqarsuanngoravit („Unser uraltes Land“). deren öffentliche Erwähnung zuvor beinahe unvorstellbar gewesen war. Wettkämpfe den Platz des Singwettstreits eingenommen. überlebt und erfährt heute eine Neubelebung. 2007.oder Motorschlitten („der eiserne Hund“) und neuerdings Schneescooter verwendet.

Der ist von den anderen durch einen Pfosten vor der Pritsche. Feigenkaffee. die gemeinhin (aber fälschlich) als typische Wohnstätte der eskimoischen Völker gilt. Hier liegen sie in langer Reihe nebeneinander. Gusseisenherd. Blechtöpfe und Handtücher sind die heutigen Formen der Zivilisationsgüter aus Metall und Textil. die Verheirateten. Zuweilen lebten in einem solchen Winterhaus. begann man nun. Spaghetti. schlafen. Letztlich wurden die Erdhäuser jedoch zur Gänze durch Holzhäuser (die nun auch über Giebeldächer und Dachboden verfügten) verdrängt – auch weil man glaubte. Beibehalten wurde zunächst auch das Konzept des Einraumhauses mit allen Funktionen. sondern auch als eine Art Vorratsraum. Diese sehr niedrigen Bauten aus Steinen und Erde waren halb unterirdisch angelegt und mit Hilfe einer Dachkonstruktion aus Treibholz oder auch Knochen versehen. Aus Dänemark importierte Holzbretter wurden zuerst für Aufbauten auf Stein. Bis Anfang des 20. Ein langer Eingangstunnel diente nicht nur als Kälteschleuse und Windfang. Waren vormals die Wände mit Fellen verkleidet und bildete die bloße Erde. Foto: Ole Hertz Kaum etwas an der Einrichtung des Koch-. Heute sind in Grönland ausschließlich die in den letzten Jahren immer häufiger gebauten Betonblöcke bzw. Torf stopfte man nur zwecks Isolation zwischen die hölzernen Doppelwände. Tran und Fische eintauschte. Auch das hölzerne Haus aus Ikerasaarsuk. das sich seit 1988 im Museum für Völkerkunde in Wien befindet. alle erwachsenen Töchter und die Kinder beiderlei Geschlechts. um einer großen Familie oder auch mehreren Familien Platz zu bieten. die man früher gegen Felle. die Tranlampen waren durch Herde und Kerzen ersetzt worden. d.Ein Haus aus Ikerasaarsuk Beim Wort „Iglu“ denkt man zuerst an die kuppelförmige Behausung aus Schneequadern. die zumeist bunt bemalten Holzhäuser im dänischen Stil in Gebrauch. bis zu acht Familien und um die 100 Menschen. die Füße der Wand und den Kopf der Stube zugekehrt.“ Die Seiten.und Sodenhäusern verwendet. Wohn. h. Auf der Pritsche sitzen normalerweise die Frauen und beschäftigen sich mit Nähen oder was sie sonst zu tun haben. die Wände zu vertäfeln und die Fußböden zu dielen. Zur Gemeinde zählen neben dem gleichnamigen Hauptort Kangaatsiaq die eher dörf lich anmutenden Innenansicht der Fensterseite des Hauses aus Ikerasaarsuk. 84 CHRISTINE ZACKEL . Die ursprünglich aus Darm gefertigten Fenster bestanden nun aus Glas. Schneehäuser waren in Grönland selten.“ 160 Jahre später machte Fritjof Nansen (1861–1930) ähnliche Beobachtungen: „Die eine Längswand nimmt die ungefähr zwei Meter breite Hauptpritsche ein. den Fußboden. Zu Hans Egedes Zeiten besaßen die kuppelförmigen Bauten bereits einen rechteckigen Grundriss. Die Männer sitzen mit ihren Söhnen vorn auf der Pritsche und wenden den Frauen den Rücken zu. Rosinen. „Unser Haus“ stammt aus dem kleinen Ort Ikerasaarsuk an der Westküste Grönlands. war aber nicht mehr unterirdisch.und Fensterpritschen waren für unverheiratete Männer und Gäste reserviert. Aber iglu. Schiffszwieback und Trockenmilch am Küchenbord spiegeln die veränderten Ernährungsgewohnheiten wider. Jahrhunderts waren die Gemeinschaftshäuser auf 4 mal 4 Meter große Einfamilienhäuser geschrumpft. Wie andere eskimoische Gruppen auch lebten die Kalaallit während ihrer sommerlichen Wanderungen in leicht transportablen Zelten aus Fell und waren im Winter in Sodenhäusern sesshaft. 1975. der gleichzeitig das Dach stützt. der zur Gemeinde Kangaatsiaq gehört und sich auf einer Halbinsel etwa 80 km südlich der Diskobucht befindet. selbst wenn es manchmal eng wurde. ist also eigentlich ein „Iglu“. Das Winterhaus war geräumig genug. Stahlrohrbett. illu oder Grönländisch igdlo ist nichts anderes als die eskimoische Bezeichnung für „Haus“ – welcher Form auch immer. auf der die Bewohner des Hauses. abgeteilt. so die zum Teil epidemische Tuberkulose eindämmen zu können.und Schlafzimmers erinnert noch an den Hausrat der vorkolonialen Epoche. Seine Beschreibung eines Winterhauses gewährt eine Vorstellung von dessen Innenleben: „Eine jede Familie hat ihren eigenen Raum. Die Eingangsschleuse blieb erhalten. das in etwa die Größe von 8 mal 4 Meter hatte. nur zum Teil mit Steinen belegt.

um die Bewohner an einem zentralen Ort oder in einer größeren Stadt anzusiedeln. Per Boot wurde das im 80 km nördlich gelegenen Aasiaat gekaufte Material herangeschafft. Fritjof 1903 Eskimoleben. GRÖNLAND: EIN HAUS AUS IKERASAARSUK 85 . auch wenn sie nun teilweise aus neuen Materialien gefertigt werden. Eskimo: Schwerpunkt Grönland. Vom Tourismus ist noch wenig zu sehen. sind ad acta gelegt. Im Jahre 1975 lebten in diesem Haus der Besitzer. Weiterführende Literatur Hertz. Ikerasaarsuk. dort zu siedeln. aber es zeigt auch den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen. Schöpflöffel aus einer Konservendose und Treibholz. die Stiefel sind aus Gummi. Feest (Hg.). Alles in allem lebten hier in den 1970er Jahren 1190 Einwohner. Der Neubau von Häusern wird sogar gefördert. außerdem gab es ein Lagerhaus der Königlichen Grönländischen Handelsgesellschaft (KGH). die sich heute verdoppelt hat. auch wenn mittlerweile einige Häuser leer stehen und deren Bewohner die Gemeinde ganz verlassen haben. in den 1990er Jahren dann 1347. 50–58. um unter die Eisdecke blicken zu können. Unser Holzhaus wurde im Jahre 1950 von seinem Besitzer Akatikut (Hans Ugpernangitoq) gebaut und war gute 25 Jahre in Gebrauch. in das die Familie umzog. was noch verwendet werden kann. Den Grönländern ist nun wieder gestattet. Nansen. wo sie es wünschen.500 km² großen Areal. die man zur Isolierung der Wände verwendete. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. 43. und heute sind es knapp 1480 Einwohner auf einem ca. und das hat einen positiven Einf luss auf diese abseitig gelegene Region. Zeichnung: Ole Hertz Vor dem Haus sind die Spuren der traditionellen Lebensweise deutlicher als in seinem Inneren. Man mag solches Recycling als Ausdruck einer „Kultur der Armut“ betrachten. wo sich auch eine Kranken. bei der Eislochjagd verwendet man einen Spiegel. Harpunen und andere Ausrüst ungsgegenstände für Jagd und Fischerei zählen zum alten eskimoischen Kulturgut. kleinere Siedlungen komplett aufzulösen. Bis 1990 gab es weder Elektrizität noch Telefonverbindungen und außer einem kleinen Kiosk auch keinen Lebensmittelladen im Ort. wo es ein Zeitfenster in das Leben in einer grönländischen Siedlung um 1975 öffnet.und Polizeistation sowie ein Kraftwerk befinden. Der Kontakt zu anderen Gemeinden wird im Sommer durch eine Hubschrauberverbindung von Kangaatsiaq aus ermöglicht. sammelte und trocknete man vor Ort. Leipzig: Meyer. In: Christian F. Niaqornaarsuk und Iginniarfik. die noch immer von Fischfang und Rentierjagd lebt. Die lange gehegten Pläne. Westgrönland. eine Tochter und ein kleiner Junge. Nur Torf und Moos. Siedlungen Attu. wie sie in Nuuk zu finden sind. Ole Hertz) Auch in der heutigen Zeit ist vor allem bei der ländlichen Bevölkerung Grönlands die Abfallethik der vorindustriellen Epoche lebendig: Nichts.Das Haus aus Ikerasaarsuk. drei erwachsene Söhne. Das nächste Geschäft in Iginniarfik war etwa eine Stunde per Boot oder Hundeschlitten entfernt. ein Dorf in Westgrönland. um 1975. In Ikerasaarsuk selbst waren im Jahre 1970 ganze 52 Menschen wohnhaft. So konnte Ole Hertz 1988 das leer stehende Haus mit allem Hausrat vom Besitzer käuf lich erwerben und nach Wien schaffen lassen. Schließlich wurde jedoch ein neues. Der „Gleiter“ zum Arrangieren der Angelleine unter Eis besteht aus einer Blechplatte. eine Zahl. Alle fünf Siedlungen sind ganzjährlich bewohnt und zeichnen sich durch eine noch immer recht traditionelle Wohnweise ohne geteerte Straßen und modernistische Bauten aus. Am Nordrand der Welt (Wien: Museum für Völkerkunde). Die Schule war zusammen mit der Kirche in einem einzigen Gebäude untergebracht. Hundeschlitten. Ole 1991 Ikerasaarsuk. seine Ehefrau. wird weggeworfen. größeres Haus errichtet.

um 1840. Helsinki (Slg. .Parka. Schon um 1840 wurden sie weitgehend von russischer Kleidung verdrängt. Museovirasto. Aleut. galten als besonders guter Kälteschutz und konnten mit der Federseite nach außen (bei Regen) oder innen (bei trockenem Wetter) getragen werden. Alaska. Atka. Adolf Etholén) Die aus Vogelbälgen zusammengenähten Parkas der Aleut wurden von Männern und Frauen getragen.

Seehunde und Seelöwen zu erjagen. Ansonsten erfolgte die Vergütung in Form von Kleidung und von Leder für die Kajakbespannung. Dieser Handel ist für die Kompanie außerordentlich vorteilhaft. das erst mit der Erneuerung des kaiserlichen Monopols 1822 legalisiert wurde und auf einer Kombination von angedrohter Gewalt. Schon Anfang des 19. Tee. Die Dorf häuptlinge der Aleut und Alutiiq waren verpf lichtet. Füchse. Statt Handel im eigentlichen Sinne richtete die R AK ein System der Zwangsverpf lichtung indigener Jäger ein.“ Als dieses System der Umverteilung wichtiger vor Ort produzierter Güter einmal eingerichtet war. Von dort brachen die Kajakf lotten zu immer weiter entfernten Jagdgründen auf. der die Kolonie 1804 im Zuge der ersten russischen Weltumsegelung besuchte: „Neben Glasperlen. mit denen Kajaks bespannt wurden. die britische Hudson’s Bay Company. der gleichzeitig mit Lisianskij als Missionar auf Kodiak ankam. um Vögel. russ. Der Generalgouverneur der R AK in Alaska war gleichzeitig auch oberster Richter und Vertreter der russischen Krone. von wo sie es dann wieder erwerben. Jahrhunderts waren die Seeotter um Kodiak herum weitgehend ausgerottet und die Jäger mussten im Kajak das Meer westwärts bis zur Alaska-Halbinsel oder ostwärts bis an die Küste des amerikanischen Festlandes um Sitka überqueren. B. die für die russischen Jäger kaum zu erlernen war. 1770–1843). da er sie fast nichts kostet. und die Frau eines tojon (Häuptlings) bekommt manchmal ein Päckchen Tabak. Eichhörnchen und Erdhörnchen bezahlt. Der starke Einf luss. ging auf die engen wirtschaftlichen Verf lechtungen zwischen der russischen Kolonialverwaltung und den indigenen Gesellschaften zurück. Chugach und Tlingit an der Südküste Alaskas hatten schon mehrere Jahrzehnte lang Erfahrung mit russischer Präsenz. Im Gefolge der zweiten Expedition von Vitus Bering (1680–1741). wird von den Ureinwohnern selbst beigebracht und an die Lagerhäuser abgeliefert. Seeotter müssen auf offener See vom Kajak aus mit Harpunen erlegt werden. nachdem die Frauen. Wasserdichte Parkas aus Vogelbälgen und Seehunddärmen waren für Jagd und Fischfang im feuchtkalten Klima Alaskas unentbehrlich. Das Material. aus dem die Frauen die verschiedenen Kleidungsstücke nähen. Als die Vereinigten Staaten 1867 Alaska für 7. Beides wurde von den indigenen Frauen fast kostenlos angefertigt.“ Die R AK hatte es also geschafft. kamen sibirische Pelzhändler an die nordpazifischen Küsten. Der Mönch Gedeon (ca. Amerikanische Pelzhändler. sich zur Jagd für die R AK zu melden. So schrieb z. Die so genannte Russisch-Amerikanische Kompanie (R AK) war die erste Aktiengesellschaft des russischen Reiches und machte für ihre Aktionäre Profit. der ältere Bruder nach Seeottern. die ihre Lebensweise auf vielfältige Weise geprägt hatte. im Tausch gegen die eingebrachten Seeotter. und die Handelsgesellschaft musste das Gesundheitsund Schulwesen in der Kolonie sowie die russisch-orthodoxe Mission finanzieren. in dem Russisch als Lingua franca diente und indigene Würdenträger ihre Gäste mit Tee aus dem Samowar bewirteten. die 1741 Inseln in der Gruppe der Aleuten besuchte und das Festland von Alaska sichtete. In den frühen Jahren wurden derartige RUSSISCHES AMERIKA 87 . Die Abhängigkeit der Russen von indigenen Jägern zur Erbeutung der begehrten Meeressäuger führte zur Entwicklung eines Systems der Zwangsverpflichtung indigener Arbeitskraft. die sie nach der Arbeit behalten. Paul (auf der Insel Kodiak.RUSSISCHES AMERIKA SONJA LÜHRMANN Das Zarenreich in Nordamerika Von 1741 bis 1867 beanspruchte das russische Reich Alaska für sich. diplomatischer Beziehungen zu hochgestellten Familien und Kontrolle über wichtige Wirtschaftsgüter beruhte. Verwaltungsbeamte und Missionare fanden in Südalaska eine Welt vor.2 Millionen Dollar erwarben. die Männer erhielten dann die fertigen Produkte wieder als Lohn für die Jagd. Ähnlich wie ihr Vorbild. Tabak und anderen europäischen Kleinigkeiten werden sie für ihre Jagdbeute mit Parkas aus Vogelbälgen. Die R AK schickte deshalb besondere Jagdgruppen aus. Die Aleut. Zum Erreichen ihrer wirtschaftlichen Ziele bediente sich die R AK ungewöhnlicher Methoden. konnten sie ihre Frauen nicht selbst mit den nötigen Rohmaterialien versorgen. um ihre Jagdpartien zusammenzustellen: Die Männer waren zu ihrer eigenen Versorgung darauf angewiesen. Stärker als in Sibirien war der russische Pelzhandel in Alaska deshalb auf indigene Jäger angewiesen. die diese Jäger zur freiwilligen Beteiligung am Pelzhandel hätten anregen können. Schon zeitgenössische Beobachter bemerkten. beschreibt prägnant die Einmischung der Russen in die familiäre Arbeitsteilung: „Der Vater wird auf die Vogeljagd ausgeschickt. deren Häute den Frauen zur Bearbeitung zugeteilt wurden. Pavlovskaja gavan’) zu schicken. ebenso die dünn gespaltenen Seelöwenhäute. Allerdings fehlte es den Russen wegen der langen Versorgungswege an Handelsgütern. hatte sie aber auch Verwaltungsaufgaben. Weil nun aber die meisten arbeitsfähigen Männer den Sommer über auf Seeotterjagd waren. Tabak und etwas Stoff. und wenn sie von allen alle Vogelbälge genommen haben. die ihr mit dem kaiserlichen Monopol übertragen worden waren. dass dieser Handel für die Kompanie sehr vorteilhaft war. oder der jüngere Bruder nach Vögeln. der Sohn auf die Jagd nach Seeottern. Mütter und Schwestern dieser Männer die Häute verarbeitet und die Parkas fertig gestellt haben. Für ihre Mühe bekommen die Näherinnen nur die Nadeln. vor allem Aleut und Alutiiq. eine Kunst. der Marineoffizier Jurij Lisianskij (1773–1837). als vielmehr sich selbst als Schaltstelle in Austauschkreisläufe einzubringen. werden die letzteren an ihre Männer und andere ausgeteilt. das im russischen Reich einmalig war. die sonst innerhalb indigener Familien abliefen. Alutiiq. kam die indigene Bevölkerung des Gebiets nicht zum ersten Mal unter Kolonialherrschaft. Ab 1799 erhielt die Firma der Familien Shelikhov und Golikov das Monopol auf die Ausbeutung der von der russischen Krone beanspruchten Teile Alaskas. den die Russen besonders auf die Aleut und Alutiiq (Koniag) sowie in geringerem Maße auch auf die Chugach und Tlingit ausübten. indem sie in China Pelze aus Alaska und in Russland chinesischen Tee verkaufte. jeden Frühling Jäger in Kajaks zu den Sammelpunkten in Unalaska (auf den Aleuten) und St. brauchten die Russen die anfangs noch angewandte Waffengewalt nicht mehr. Die Kolonie diente vor allem als Quelle von Seeotterpelzen für den Handel mit China. Für die oft lebensgefährliche Überfahrt und die mühevolle Jagd erhielten die Jäger kaum mehr als die Verpf legung für unterwegs. nicht so sehr Handel mit importierten Gütern zu treiben.

Der Verwaltungssitz der russischen Kolonie war bis 1805 St. die R AK mit Waren zu beliefern. Ab 1818 waren die Generalgouverneure der Kolonie Offiziere der russischen Kriegsmarine. Diese Mönche betätigten sich vorrangig unter den indigenen Geiseln in den Niederlassungen der R AK. besonders einige Epidemien in den 1790er Jahren und die große Pockenepidemie von 1837/38. als die Seeotterbestände im Süden erschöpft waren. Größere Mengen europäischer Handelsgüter standen der R AK erst ab 1835 zur Verfügung. Gouverneur 1830–1835) war der erste Generalgouverneur. Nach Gedeons 88 SONJA LÜHRMANN . einen Handelsposten an der Südgrenze des von Russland beanspruchten Gebietes zu eröffnen – damit begann. Von diesem Zeitpunkt an verbesserte sich die Bezahlung der Seeotterjäger und die Beziehungen zu den Aleut und Alutiiq näherten sich eher dem Handel an. für die der zehn Jahre später nachgekommene Gedeon eine Schule aufbaute. kamen all diese Gouverneure aus dem europäischen Teil des russischen Reiches. Eine Ausweitung der Handelsaktivitäten nach Norden erfolgte erst nach 1830. und Elisabeth Wrangel und ihre Nachfolgerinnen symbolisierten den Anspruch auf ein gehobenes gesellschaftliches Leben auch unter den erschwerten Bedingungen des Nordpazifik. Zu Konf likten führten die Kritik der Mönche an den Rekrutierungsmethoden der R AK und offenbar auch die Angst der Verwaltungsbeamten. den die R AK mit den Tlingit und den Denaina und Yup’ik im Landesinneren trieb. taten ihr übriges. die 1794 Kodiak erreichte. Die erste Gruppe von Missionaren. um indigenen Widerstand zu brechen. als 1861 in Russland selbst die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben wurde. Während die Gründer der R AK Kauf leute aus Sibirien waren und viele der einfachen Angestellten weiterhin aus Sibirien und dem russischen Norden stammten. der von seiner Frau begleitet wurde. als das Schiff mit dem designierten Bischof von Alaska auf der Fahrt nach Okhotsk sank. Arrangements noch durch Geiseln aus hochrangigen Familien der Aleut und Alutiiq gefestigt. danach Sitka (oder Novo-Archangelsk. Die Zwangsverpf lichtung indigener Arbeitskraft wurde allerdings nie abgeschafft und stellte in der russischen Öffentlichkeit erst ein Problem dar. Paul auf Kodiak. was die Anbindung der R AK an den Verwaltungsapparat des Zarenreiches verstärkte. als die Hudson’s Bay Company – im Gegenzug zur Erlaubnis. Der Einf luss dieser Mission wurde geschmälert. wie es bei den Russen hieß) im Territorium der Tlingit. die in den russischen Niederlassungen lebten. wo Getaufte von Tributabgaben befreit wurden) nicht mehr zur Zwangsarbeit herangezogen werden könnten. Ihr kaiserliches Mandat verpf lichtete sie dazu. Ferdinand Wrangel (1796–1870. bestand aus Mönchen von der Klosterinsel Valaam nördlich von Sankt Petersburg. dass getaufte Jäger (analog zur Praxis in Sibirien. Eine zwiespältige Beziehung hatte die R AK zur russisch-orthodoxen Mission in Alaska. Ausgehend von Unalaska wurden entlang der Pazifikküste koloniale Siedlungen errichtet. Viele waren Baltendeutsche oder Finnen und brachten ein europäisches Flair in das abgelegene Hafenstädtchen Sitka. Priester sowohl als Missionare als auch zur geistlichen Versorgung der russischen Angestellten zu finanzieren.Karte des Russischen Amerika Die Inselkette der Aleuten bildete die Einfallspforte russischer Pelzhändler nach Nordamerika. Krankheiten.

Abreise 1807 verblieb nur der Einsiedlermönch German. Einige Kreolen wurden selbst Priester oder Katecheten. Offensichtlich waren die Urbewohner in eine „neue Welt“ gekommen. Als geschickter Diplomat verstand er es. Sonja 2005 Das rote Amerika: Alaska und die sowjetische Debatte über die asiatische Produktionsweise. Lührmann. der von 1823 bis 1834 als Priester auf den Aleutischen Inseln. von Kittlitz (1799–1844). Lithografie nach einer Zeichnung von F. Weiterführende Literatur Black. christliche Bekehrung als Loyalitätserklärung an die Russen darzustellen und somit die Unterstützung der R AK für die Vorhaben der Kirche zu gewinnen. später als Priester und Bischof in Sitka diente. Christian Carstensen und Henry Kammler (Hg. Mit den Offizieren der R AK verband Veniaminov auch ein wissenschaftliches Interesse an der Natur und Bevölkerung der nordpazifischen Kolonie. Sammlungen in Sankt Petersburg. aber auch in deutschen Museen wie Frankfurt und Oldenburg zeugen davon. dass wissenschaftliche Dokumentation der indigenen Gesellschaften ebenso zum guten Ton der Kolonialverwaltung gehörte wie deren Umorganisierung im Interesse der wirtschaftlichen Rentabilität. P. ohne jemals ihre Heimat verlassen zu haben. In: Cora Bender. die Quellengrundlage für historische Ethnografien Alaskas. Lydia 2004 Russians in Alaska. H. Aus: F. Weltumsegler wie Kapitän Otto von Kotzebue (1788–1846) und die von der R AK ins Inland ausgeschickten Expeditionen bewegten sich auch über die Grenzen der von den Russen kontrollierten Gebiete hinaus in die Territorien der Inupiaq und Yup’ik. RUSSISCHES AMERIKA 89 . Litke. bildet zusammen mit den Berichten von Beamten der R AK sowie der Weltumsegelungsexpeditionen. Wissen – Bild – Ding: Ergebnisse und Perspektiven nordamerikanistischer Forschung in Frankfurt (Köln: Rüdiger Köppe). Veniaminovs ethnografische und linguistische Beschreibung der Aleut. die der in russischen Provinzstädten vergleichbar war. Aufzeichnungen über die Inseln des Bezirks Unalaska (1840). die die Kolonie von Sankt Petersburg aus versorgten. Helsinki. der bis zu seinem Tod 1836 auf einer kleinen Insel bei Kodiak lebte und unter den Alutiiq als Heiler und heiliger Mann angesehen war. aber keine Massenmission betrieb. Viermalige Reise durch das nördliche Eismeer (1835) Ein einsamer Tlingit im Vordergrund betrachtet nachdenklich die hölzerne orthodoxe Kirche und die umliegenden Bauten. 248–261. wo Kinder der kreolischen Mischbevölkerung und auch Zöglinge aus angesehenen Tlingit-Familien eine Ausbildung erhielten.). 1732–1867. „Ansicht der russischen Kolonie von Novo-Archangelsk“. 1821. Die Beziehungen zwischen den Missionaren und der R AK wandelten sich mit der Ankunft von Ioann Veniaminov (1797–1871). Fairbanks: Universit y of Alaska Press. die die Russen auf dem Land der Sitka-Tlingit errichtet hatten. Veniaminovs größtes Projekt war die Gründung eines Priesterseminars in Sitka.

der von 1816 bis 1819 mit einer russischen Weltumsegelungsexpedition unter Otto von Kotzbue den Nordpazifik und das Beringmeer besuchte. die oft mit Maskentänzen verbunden waren.] Sein leichtes Ruder in der Hand. „Die einsitzige Baidare ist diesen Völkern. die indigenen Jäger zum Abliefern ihrer Beute zu zwingen. 90 SONJA LÜHRMANN . 1822. Aus: F.Aleut. die später mit dem Ende der Pelzjagd außer Gebrauch kamen. deren Bewohner sich im Sommer auf mehrere kleine Lagerplätze zu Seesäugerjagd und Fischfang verteilten. seine Waffen vor sich. nach vorn lang zugespitzte Schwimmblase von Robbenhäuten. und um 1780 gründeten die Russen ihre erste feste Niederlassung auf der Insel Unalaska. gab es im Winter einen ausgefeilten Zyklus von Zeremonien. Tlingit. lange. Unter den heute zum großen Teil russisch-orthodoxen Aleut haben sich diese Maskentänze mit russischen Volksbräuchen zum Umzug maskierter Tänzer in der Neujahrsnacht und zu Sternsängerumzügen in der Woche nach der russischen Weihnacht (7. an der entlang sich die russischen Pelzjäger ostwärts nach Alaska bewegten. Viermalige Reise durch das nördliche Eismeer (1835) Die Jagd auf die Meeressäuger erfolgte von Kajaks aus. Lithografie nach einer Zeichnung von F. „Dieses Werkzeug ist eine schmale. dass es viel einfacher war. Politische Strukturen. von Kittlitz. der Mann sitzt mit ausgestreckten Füßen darin und ragt mit dem Körper daraus hervor. gab es nicht.. Litke. Ähnlich wie ihre Nachbarn auf dem Kodiak-Archipel lebten die Aleut halbsesshaft in großen Winterdörfern aus halb unterirdischen Erdhäusern. Das Interesse der Russen galt aber zunächst weniger der Religion der Aleut als vielmehr deren Geschick in der Seeotterjagd vom Kajak (russisch „Baidarka“ oder „Baidare“) aus.. H. deren Rechtsstatus im russischen Reich einmalig war. Sie kamen also schon ab den 1740er Jahren mit Schiffsbesatzungen aus Sibirien in Kontakt. Aleut: Kajakjäger auf der Inselkette Die Aleut (Selbstbezeichnung: Unangan) bewohnen die Inselkette der Aleuten. was dem Kosaken sein Pferd ist“. unter ihnen standen die Masse der Gemeinen und die Sklaven. P. die auf ein leichtes hölzernes Gerippe gespannt sind. „Bewohner von Unalaska mit ihren Booten (Aleutische Inseln)“. Innerhalb eines Dorfes war die Gesellschaft hierarchisch gegliedert: Häuptlinge kamen immer aus besonders angesehenen Abstammungsgruppen. Während der Sommer vor allem der Nahrungssuche gewidmet war. das Gleichgewicht wie ein Reiter haltend. Aus Mischehen zwischen russischen Männern und indigenen Frauen entstand die Schicht der so genannten Kreolen.“ Schon die ersten russischen Unternehmer erkannten. f liegt er pfeilschnell über die bewegliche Fläche dahin. die über gelegentliche Kriegsallianzen hinaus mehrere Dörfer miteinander verbunden hätten. In der Mitte ist eine runde Öffnung. schrieb der Dichter Adelbert von Chamisso (1781–1838). Kreolen Von den zur Jagd für die RAK verpflichteten Aleut und Alutiiq über die freien Handel treibenden Denaina zu den militärisch anfangs klar überlegenen Tlingit hatten es die Russen in Alaska mit kulturell und demografisch sehr unterschiedlichen indigenen Partnern zu tun. Die charakteristische doppelte Spitze des Bugs erinnert an den Kopf und die Beine eines auf dem Rücken schwimmenden Seeotters und mag der Tarnung der Jäger gedient haben. die meist Kriegsgefangene waren. Januar) gewandelt. [.

die denen der Aleut in Architektur und Wirtschaftsbasis ähnelten und deren Bewohner in der Sozialorganisation und ihrem Jahreskreislauf vergleichbar waren. geriet nach der Epidemie ebenfalls genauer in den Blick der Kolonialverwaltung. Alutiiq – Bewohner der Alaska-Halbinsel und der Insel Kodiak Östlich der Aleutischen Inseln trafen die Russen auf Dörfer. In der Praxis wählte die R AK dafür meist Männer aus den angestammten Häuptlingsfamilien aus. Der Zylinder mag von einem der von der Russisch-Amerikanischen Kompanie eingesetzten Dorf häuptlinge herrühren. Die Russen festigten ihren Sieg mit Geiselnahmen und richteten das bereits beschriebene System der Arbeitsverpf lichtung ein. Kodiak war seit der Gründung der ersten russischen Siedlung 1784 ein Hauptstützpunkt der R AK. geringen Mengen importierter Kleinigkeiten und strategischen Geiselnahmen zur Jagd zu zwingen. Ab dieser Zeit besuchten die Priester häufiger die sieben verbliebenen Siedlungen. Museovirasto. Der Darm von Walen oder Seelöwen war bei den Alutiiq (Koniag) ein beliebtes Material zu Herstellung regenabweisender Kleidung. wie dies gegenüber sibirischen Ureinwohnern üblich war. über Dampf gebogenem Holz schützten die Augen der aleutischen Jäger in ihren Baidarkas (der russischen Bezeichnung für Kajaks) gegen die Blendung durch das vom Wasser ref lektierte Sonnenlicht. aber wieder machten die politische Uneinigkeit der indigenen Dörfer und Zylinder. Burchard) In vielen Teilen des indigenen Nordamerika wurden im 19. Zusammen mit den Alutiiq bildeten sie die so genannten „abhängigen Ureinwohner“. Helsinki (Slg. von den Aleut im Namen der russischen Krone Tribut zu fordern. auf dem 1784 ein Verbund von Dörfern von der Südwestküste Kodiaks den Russen unterlag. der Besitz von Feuerwaffen es möglich. die früher ein Zeichen von hohem Status gewesen waren. um 1830. indem sie sich alle Sklaven aneigneten (die bis zur Änderung der Regeln der R AK 1822 weiter im Dienst der Kompanie standen) und den Alutiiq das Tragen von Seeotterpelzen verbaten. Tallin (Slg. Der befestigte Felsen auf der kleinen Insel Sitkalidak. Auf Alutiiq heißt der Ort bis heute Awa’uq („stumm“ oder „betäubt werden“). Die Russen dehnten die Bezeichnung aleuty auf diese Einwohner der Alaska-Halbinsel und von Kodiak Island aus. wie weitgehend der Machtanspruch der R AK über ihre so genannten „abhängigen Eingeborenen“ war. die als Untertanen der Krone galten und zum Arbeitsdienst für die R AK verpf lichtet waren. Auch nach Verlegung der Kolonialverwaltung nach Sitka im Tlingit-Gebiet blieb St. Adolf Etholén) Bemalte und mit den Schnurrhaaren des Seelöwen besetzte Augenschirme oder konische Hüte aus dünnem. fiel den Männern von Grigorij Schelichov (1747–1796) zunächst nicht leicht. Zunächst versuchten sie. um 1830. aber dennoch zeigt dieser Schritt. Im Gefolge der Pockenepidemie von 1837/38 siedelte die R AK die Überlebenden aus zahlreichen kleinen Dörfern in sieben zentralen Siedlungen an.Augenschirm. Eesti Aajaloomuuseum. Hellisen. hieß auf Russisch im 19. die Missionsanstrengungen des Priesters der Insel zu unterstützen. Jahrhundert razbityj kekur – „zerschlagener Felsen“. Die Ureinwohner Kodiaks sind auch als Koniag bekannt. die im ersten Drittel des 19. Aleut. deren (mit dem sibirischen Wort tojon bezeichnet) Häuptlinge von Beamten der R AK ernannt und besoldet wurden. Jahrhundert europäische Zylinder als Symbol der gesellschaftlichen Ansehens in die eigene Tracht übernommen. RUSSISCHES AMERIKA 91 . Alaska. Alaska. woraus sich schon Mitte des 19. Ivan Kupreianov (1800–1857). entstand die Praxis. Sie griffen auch direkt in die Gesellschaftsordnung der Alutiiq ein. ermahnte das Kontor der R AK auf Kodiak. die Ureinwohner mit einer Kombination von Waffengewalt. Paul der Sammelpunkt der größten Jagdgruppen. Die Christianisierung der Einwohner Kodiaks. Jahrhunderts die Eigenbezeichnung Alutiiq entwickelt hatte. Als die Zarin Katharina die Große dies verbat. Seine Alutiiq-Orthografie setzte sich in der als selbst auf Jagd nach den agilen Schwimmern zu gehen. der zur Zeit der Epidemie Generalgouverneur in Sitka war. aber eine andere Sprache sprachen. in der Anfangsphase entscheidende militärische Erfolge zu erringen. Bei den Russen galten die Aleut als die verlässlichste und fügsamste von allen indigenen Gruppen Alaskas. Auf der relativ dicht besiedelten Insel Fuß zu fassen. verliehen ihnen aber auch ein dem Seelöwen vergleichbares Aussehen. Jahrhunderts nur langsam Fortschritte gemacht hatte. 1848 veröffentlichte der Kreole Ilja Tyzhnov Übersetzungen von Evangelien und liturgischen Texten in die Alutiiq-Sprache. die sich nach 1799 zum ausgeklügelten Umverteilungssystem der R AK ent wickelte. Alutiiq.

Eesti Aajaloomuuseum. Ferdinand von Wrangel) Geschnitzte Holzschüsseln in Gestalt von Vögeln. dass sie in der Region damals noch selten und wertvoll waren. Robben oder Seeottern dienten als Speiseschalen für die fettreiche Nahrung der Eskimo an der Pazifikküste. Helsinki (Slg. Hier ist wahrscheinlich ein Merganser dargestellt. Alutiiq. Hier ist ein solches Brett mittels Holzstiften zur Wand einer Schachtel geformt und am Boden befestigt. Drei Glasperlen an den Enden der Befestigungsschnur zeugen davon. Chugach. 92 SONJA LÜHRMANN . um 1830. Schüssel in Vogelform.Runde Holzschachtel. um 1830. Tallin (Slg. die ihre deutlichen Spuren an der Innenseite hinterlassen hat. Adolf Etholén) Zu den Holzverarbeitungstechniken der Nordwestküste zählte das Biegen von Holzbrettern über Wasserdampf. Die Verzierung in einer einfachen Variante des „Formlinien“-Stils zeigt an der Wand Walf lossen und am Deckel zwei Bärengesichter. Museovirasto. Alaska. ein Relief an der Innenseite zeigt ein menschliches Gesicht. Alaska.

sich ohne bewaffnete Begleitung außerhalb der Pali- Korb. In diesem Gebiet Fuß zu fassen. ein Geschenkfest aus Anlass von wichtigen Übergangsriten im Leben eines Erben oder der Trauer um den verstorbenen Inhaber eines Titels. war der so genannte Potlatch.und Fischbedarfs der Stadtbevölkerung. Jahrhunderts verstärkten sich diese durch Aussendung von Seeotterjägern an die Küste der Halbinsel sowie dadurch. und noch lange nach dem Verkauf Alaskas an die Amerikaner gab es Alutiiq. die in den Winterdörfern halb in die Erde gebaut waren und deren Giebeldächer mit Grassoden gedeckt waren.und Küstenwelt der Tlingit war für die R AK wichtig. hatten aber enge verwandtschaftliche Beziehungen und Handelskontakte zur Westküste von Kodiak. mit der es die R AK in ihrem Kolonialgebiet zu tun hatte. in die man hineingeboren werden oder durch Kriegsgefangenschaft geraten konnte. dass sie mit englischen und amerikanischen Schiffen Handel trieben. aber patrilokal waren. der 1799 gegründete Stützpunkt. so diente z. Wurzeln oder Mollusken und wurden in den Häusern zur Aufbewahrung von kleinem Hausrat verwendet. Jahrhundert kirchliche Gemeindelisten noch viele Alutiiq-Namen enthalten. Novo-Archangelsk (Sitka). weil es dort auch dann noch zahlreiche Seeotter gab. Im Prinzip waren sie verpf lichtet. Angesichts dieser Wertschätzung für seltene und teure Güter konnten die Kiksádi davon profitieren. Tlingit. Bei einem Potlatch wurden wertvolle Güter an die Gäste verschenkt oder zerstört und die Regalien des Klans feierlich zur Schau gestellt. Eesti Aajaloomuuseum. teils als Sklaven verschleppt. wurde 1802 von Kriegern des auf dem Gebiet heimischen Kiksádi-Klans zerstört. fiel der Kompanie jedoch nicht leicht. sie galten aber nur als „halbabhängig“ und wurden nicht systematisch zu Jagdeinsätzen herangezogen. Trotz der sprachlichen und kulturellen Nähe verliefen die Beziehungen zwischen den Chugach und den Koniag nicht immer friedlich. Tlingit: Gefürchtete Nachbarn der Kolonialhauptstadt Die Tlingit waren die bevölkerungsstärkste Gruppe. Die Tlingit hatten durch Handelskontakte in den Süden auch Zugang zu amerikanischen Feuerwaffen. Als ansässige Handelspartner waren die Russen durchaus nützlich für die Kiksádi. die ihre Muttersprache in kyrillischer Schrift lasen und schrieben. auf dem solche Rivalitäten ausgespielt wurden. in ganz ähnlicher Form aber auch von den eskimoischen Chugash. unbekannt) Körbe aus Rottannenwurzeln wurden von den Tlingit. Decken und Glasperlen für hochrangige Kunden. in der Technik des Zwirnbindens gef lochten und in so genannter „falscher Stickerei“ mit gefärbten oder gebleichten Gräsern in geometrischen Mustern verziert. Bis in die 1880er Jahre waren unter den Chugach noch Rituale wie das jährliche Festmahl zu Ehren aller in diesem Jahr Verstorbenen verbreitet.gesamten Region durch. von dem sie Titel und Privilegien erben würden. den Russen potentiell Widerstand zu leisten. Tallin (Slg. Der geringere Kontakt dieser Bevölkerung mit den Russen lässt sich auch daran ablesen. Im Laufe des 19. mit denen sie ihre russischen Nachbarn in ihre Grenzen wiesen. es kam aber im 19. um 1840. und die einzige. dass russische Handelsposten mit Kreolen aus Kodiak besetzt waren. dass ihnen hier das ständige Defizit an Handelswaren zugute kommen konnte. während zu dieser Zeit auf Kodiak vom jährlichen Ritualzyklus kaum mehr et was übrig war. das auf Handelswegen nach Kodiak gelangte. Chugach: Jäger und Fischer am Prince William Sound Die Chugach sprechen eine dem Kodiak-Alutiiq eng verwandte Sprache und zählen sich heute häufig selbst zu den Alutiiq.und Jagdgründen. Zwischen verschiedenen Klanen bestanden also komplexe Verwandtschaftsund Wohnbeziehungen. dass selbst im späten 19. RUSSISCHES AMERIKA 93 . Jahrhundert auch vor. Bis zum Verkauf von Alaska an die USA blieb es aber gefährlich für Angestellte der R AK. sodengedeckten Häusern der westlichen Nachbarn und den aus Holzplanken gebauten oberirdischen Giebelhäusern der Tlingit und anderer Bewohner der Nordwestküste: Die Chugach lebten in Plankenhäusern. Gemeine und eine Klasse von Sklaven. Die Russen verstanden schnell. und reservierten die wenigen importierten Keramiken. Die Siedlungen auf der Alaska-Halbinsel lagen et was abgelegen vom russischen Einf luss. der Prince William-Sound als wichtige Quelle von Kupfer. es gab erblichen Adel. alle eigenständig erjagten Seeotterpelze zu festen Preisen an die R AK zu verkaufen. während auf Kodiak zu dieser Zeit russische Vornamen zu dominieren scheinen. Die Söhne angesehener Familien verbrachten oft mehrere Jahre im Haus eines Bruders der Mutter. saden ihrer Siedlung zu bewegen. Ein Weg. Bei gegenseitigen Überfällen wurden die Einwohner schwächerer Dörfer teils getötet. Nach 1867 gab es eine Bevölkerungsmigration aus Kodiak auf die Halbinsel. aber im Haus ihres Vaters aufwuchsen. An den Flüssen der Küste ließen sich im Spätsommer zahlreiche Lachse fangen. wobei also Kinder Mitglieder des Klans ihrer Mutter waren. die politisch und militärisch in der Lage war. auf ihrem Territorium eine Quelle solcher Güter zu haben. aber es herrschte auch Rivalität sowohl zwischen den Klanen als auch zwischen angesehenen Familien innerhalb eines Klans. Wie die Aleut und Alutiiq lebten auch die Chugach im Winter in festen Dörfern und zogen im Sommer zu ihren Fisch. Architektonisch waren ihre Häuser eine Mischung aus den halb unterirdischen. Adelige standen einzelnen Klanen vor. B. Solche Körbe dienten zum Sammeln von Beeren. Unter dem Schutz der Kanonen auf den Weltumsegelungsschiffen kehrten die Russen zwei Jahre später zurück und machten Novo-Archangelsk zur Hauptstadt. Die Tlingit-Gesellschaft war noch strenger hierarchisch organisiert als die der Aleut und Alutiiq. weil die dort verbliebenen Seeotter noch länger eine Fortsetzung des Pelzhandels erlaubten. die matrilinear. Die Insel. als sie auf den Aleuten und auf Kodiak bereits stark dezimiert worden waren. Mit den Russen hatten sie Kontakt über die Konstantinov-Festung auf Hinchinbrook Island im Prince William-Sound. Es gab allerdings auch friedlichen Handel zwischen den Gruppen. Im Gegenzug versorgten die Kiksádi Novo-Archangelsk mit großen Teilen des Wildf leisch.

Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. Tlingit. Leggings. Die geometrischen Flechtmuster bilden einen auffälligen Kontrast zu der stilisiert-figürlichen Bemalung mit den Emblemen der Verwandtschaftsgruppen (hier in Gestalt eines Bären). Die russischen Beamten. mit Gemeinen zusammen zu beten. um 1830. Ferdinand von Wrangel) Breitkrempige Hüte boten angemessenen Schutz gegen den an der Nordwestküste starken Regen. Manchmal allerdings kam das Sicherheitsbedürfnis der R AK dem Verlangen in die Quere. die nach ihrem Hauptproduktionsort “Chilkat-Decken” genannt wurden. gute Beziehungen mit der Tlingit-Oberschicht zu pf legen. getrennt von der russischen Oberschicht in der Kathedrale innerhalb der Stadt. Tlingit. Alaska. und bei Festen der Kolonialverwaltung wurden sie als Ehrengäste geladen. um 1830. Zu Feiertagsgottesdiensten. die Gottesdienste zu besuchen. in der Standesunterschiede sehr wichtig waren.Chilkat-Schürze. Ihnen wurden z. Eesti Aajaloomuuseum. kamen dieselben Adeligen weiterhin. Jahrhunderts wurden die mit einer Kupferrezeptur grün gefärbten Fäden durch blaue ersetzt. Neben Decken wurden in diesem Stil auch Schurze. Um die Mitte des 19. mit geometrischen Mustern im Stil der Korbf lechterei verzierten Decken aus Zedernbast und Bergziegenwolle ent wickelten die Tlingit-Frauen im frühen 19. Hut. erkannten die Not wendigkeit. 94 SONJA LÜHRMANN . hörten viele Adelige auf. Alaska. die Medaillen „Verbündete Russlands“ verliehen. weil sie nicht gezwungen sein wollten.B. an denen die Tlingit auch in die Kathedrale eingeladen wurden. Tallin (Slg. Tlingit-Adelige mit Respekt zu behandeln. Tuniken und andere Kleidungsstücke hergestellt. die selbst aus einer feudalen Gesellschaft stammten. Als 1849 eine Kirche für getaufte Tlingit außerhalb der Palisaden von Novo-Archangelsk gebaut wurde. Jahrhundert die im Malstil der Männer mit den Privilegien des Adels dekorierten Textilen. deren Farbstoff aus ausgekochten englischen Wolldecken stammte. Leuchtenberg) Aus einfachen.

ist angesichts der geringen Zahl christlicher Bekehrungen vor 1867 zweifelhaft. So nahm das Handelsvolumen erst nach 1835 nennenswert zu. RUSSISCHES AMERIKA 95 . (Slg. Die Russen waren nicht die Ersten. Letzteres war bei den des Trockenfisches schnell müde werdenden Angehörigen der russischen Oberschicht sehr begehrt. was den Handel zwischen „Verwandten“ erleichterte. wenigstens bei ihren Konvertiten den Brauch der gelegentlichen Tötung eines Sklaven beim Potlatch zu beenden. Porträtartige Masken mit der Darstellung des unheimlichen Brauchtums wurden von den Tlingit und Haida für den Verkauf an Weiße geschnitzt. Ihre Kontakte mit den hierarchisch organisierten Gesellschaften der Nordwestküste zeigten sich in Bräuchen wie dem Potlatch. und berichteten von einzelnen Erfolgen. Dass solche Änderungen weitgehend waren. bei denen es schwieriger war. Ferdinand von Wrangel) Schüsseln und Löffel aus Bergschaf horn zählten zu den Gütern im Handel zwischen den Stämmen im Landesinneren und an der Küste. Die Angestellten der R AK trafen mit ihnen vor allem im Gebiet der Kenai-Halbinsel und nördlich davon an den Flüssen Yukon und Kuskokwim zusammen. Sie wurden zur Aufbewahrung von Fett verwendet. um 1830. und die schottische Fiedel gilt als ihr traditionelles Musikinstrument. sich durch Allianzen mit der Oberschicht die Arbeitskraft der Bevölkerung zu sichern. bei Beerdigungen und teilweise in der Klanstruktur. Anstelle des festen Jahreszyklus von Maske. wo sich die Gruppen in ihren eigenen Sprachen als Denaina oder Tanana („wahre Menschen“) bezeichneten. Städtische Museen Freiburg i.und AleutSprachen verwendet werden. Br. Denaina: Nachbarn im Inland Während in den Küstengebieten Südalaskas Eskimo. Schüssel aus Bergschafhorn. Tallin (Slg. Tlingit. das bei europäischen Beobachtern meist neugieriges Entsetzen auslöste. die sogar für die britische Handelsgesellschaft Fallen stellten. Die Denaina hatten sowohl Pelze als auch Karibu.Auf das gesellschaftliche Leben innerhalb der Tlingit-Klane nahmen die Russen nur wenig Einf luss. Die Denaina-Gruppen in Südalaska hatten allerdings auch Kontakt zu sprachverwandten Gruppen weiter im Inland. Zur Ablieferung ihrer Beute zwingen konnten die Russen die Denaina allerdings nicht. Denaina im Südteil Alaskas sind hingegen oft russisch-orthodox (ein Glaube. Heute sind die Athapasken in Nordalaska und im kanadischen Yukon-Gebiet zum Großteil Anglikaner. die von der Küste her Einf luss auf die Athapasken nahmen. die sich bei einigen Gruppen jener der Tlingit-Nachbarn anglich. Alaska. weil diese über viel weitläufigere Rückzugsgebiete verfügten als die Inselbevölkerung und außerdem in losen Verbänden zusammenlebten. zu dem viele sich erst nach dem Verkauf Alaskas an die USA bekehrten). und sie haben vielfach russische Familiennamen.und Hirschf leisch zum Tausch anzubieten. Johann Friedrich Gustav Umlauff) Hölzerne Lippenscheiben waren ein Abzeichen adeliger Frauen der Tlingit und ihrer Nachbarn an der pazifischen Nordwestküste. Bezüglich der traditionellen Religion unterschieden sich die Denaina allerdings stark von ihren Nachbarn. als der R AK Handelsgüter der Hudson’s Bay Company zur Verfügung standen. Denaina. Ethnologische Sammlung. Alaska. Missionare wie Veniaminov versuchten. um 1830. Eesti Aajaloomuuseum. lebten im Landesinneren Sprecher athapaskischer Sprachen. mögen aber auf die Darstellung einer Frau aus der mythischen Urzeit zurückgehen.

Yup’ik. der bis heute Russian Mission heißt. ihr Einf lussgebiet nach Norden auszudehnen. Seeotter gab es in der Beringsee nicht. z. hinter dem ein Vogel sitzt. als der kreolische Priester Jakov Netsvetov sich abseits aller Handelsposten an einem Ort niederließ. um 1830. W.und Yukon-Delta stark heimgesucht. dass diese isolierten Außenposten keine imposanten Anlagen waren. Eesti Aajaloomuuseum. 96 SONJA LÜHRMANN . Besonders die Pockenepidemie von 1838 hatte das Kuskokwim. dafür brachten die heimischen Yup’ik und die nördlich lebenden Inupiaq Seehundhäute. Sie konnten sich unter anderem deshalb verheerend schnell ausbreiten. Missionare kamen ab 1844 an den Yukon. weil auch rituelle Tabakspfeife. Bei den Küstenvölkern gab es ebenfalls Schamanen. ähnlich wie die Aleut und Alutiiq. Der Mönch Ilarion. weil die Yup’ik. die bei Bedarf durchgeführt wurden. Trotz des Misstrauens gegen die Russen trugen die Krankheiten auf die Dauer zum Erfolg der Mission bei. standen mit den Russen in noch lockerer Beziehung als die Denaina. Bristol Bay. damit etwas zu tun zu haben. Alaska. Die Krankheiten wurden von russischen Schiffen oder durch Handelskontakte mit südlich lebenden Denaina und Alutiiq in den Norden gebracht. in großen Winterdörfern zusammenlebten. Der kleine Pfeifenkopf spricht dafür. St. Burchard. sondern aus kaum mehr als ein oder zwei Blockhütten mit Palisadenzaun aus Treibholz bestanden. der das religiöse Leben von Küstenvölkern wie den Alutiiq oder Tlingit bestimmte. Auch die Bleieinlagen sind. Nach 1830 versuchte die R AK angesichts schwindender Seeotterbestände an der Südküste Alaskas. Wie den Händlern machte auch den Missionaren das Misstrauen zu schaffen. Schamanen mussten eine Berufungserfahrung haben. Eesti Aajaloomuuseum. täuscht aber darüber hinweg. 1833) und Nulato (1838) im Yukon-Gebiet. So entstanden drei Handelsposten im Gebiet der Yup’ik: Kolmakovskii redut (gegründet 1834) am Kuskokwim sowie Michailovskii redut (St. und nahmen oft nur zögernd die Verantwortung auf sich. in welcher Himmelsrichtung die Karibus zu suchen waren. Die Bezeichnung redut (russisch „Festung“) deutet auf die militärisch prekäre Lage der kleinen Besatzungen inmitten der bevölkerungsreichen Yup’ik hin. ähnlich wie im östlichen Nordamerika. um 1850. der 1863 Netsvetov als russisch-orthodoxen Missionar ablöste. von Rossillon) Schnitzereien aus Walrosselfenbein haben in der westlichen Arktis eine bis in prähistorische Zeit zurückreichende Geschichte und waren bei den russischen Händlern und Siedlern als Andenken an ihren Aufenthalt in Alaska sehr begehrt. Dem Modell fehlt die üblicherweise vorhandene Ausrüstung des Jägers. Michael am Norton Sound nördlich der Yukon-Mündung war der wichtigste russische Handelsstützpunkt im Norden. von Hilfsgeistern zu erfahren. Yup’ik und Inupiaq – entfernte Handelspartner Die Yup’ik. hörte immer noch häufig die Geschichte vom Auftreten der Pocken „von den Russen“ als Argument gegen christliche Bekehrung. bei der sie Hilfsgeister erwarben. Inupiaq. Zeremonien. Tallin (Slg. weil er im Sommer auf dem Seeweg erreichbar war. in denen dichte Bevölkerungen die Ansteckungsgefahr erhöhten. Tallin (Slg. ex-Slg. doch spielten sie nicht bei allen Zeremonien eine Rolle. B. Pelze von Landtieren. schneller als auf dem beschwerlichen Landweg. Stattdessen hatten Klanoberhäupter kraft ihres Amtes.Modell einer Baidarka. Michael. Beringmeer. Deutlicher als der Handel wirkten sich Mission und Krankheiten auf die Yup’ik aus. und die Russen standen nicht zu Unrecht unter dem Verdacht. wenn es darum ging. drehte es sich bei den Denaina größtenteils um schamanische Séancen. Tran und Walrosselfenbein zum Tausch. unabhängig von einer spirituellen Berufung. das die nach der Ankunft der Russen aufgetretenen Krankheiten verursacht hatten. unbekannt) Den Tabak und das damit verbundene Rauchgerät haben erst die Russen über Sibirien nach Alaska gebracht. wichtige zeremonielle Aufgaben. die an der Küste des Beringmeers an den Mündungen und Unterläufen des Yukon und des Kuskokwim lebende eskimoische Bevölkerung. dass nur geringe Mengen Tabak verfügbar waren. in Technik und Stil europäischen Ursprungs.

verwahrt wird. sich zwischen zwei Erdwällen nach Südosten eröffnet. der z. die nur in einigen Teilen zum Aufrechtstehen erhöht sind. die 1804 Alaska erreichte. Interessant ist. die Decke gewölbt. der. von allen Steuern befreit. Viele dieser Kinder hatten aber nicht die Absicht.„Inneres eines Hauses auf St. Jahrhunderts im Umlauf. solange er in Alaska lebte. mit Holz belegte Stollen. Die Vorstöße der R AK über die Yukon-Mündung hinaus führten zu keinen festen Niederlassungen. befinden sich aber in einem Prozess der Neubewertung ihrer vorchristlichen Vergangenheit. der als Generalgouverneur die Erforschung von Nordalaska anregte und aus den Mitbringseln von Schiffsexpeditionen und Handelsposten eine ansehnliche völkerkundliche Sammlung zusammenstellte. Diese Anstrengungen erbrachten aber erhebliche ethnografische und naturkundliche Erträge. dass sie mit der Benennung als Kreole nicht so sehr eine rassisch definierte RUSSISCHES AMERIKA 97 . wie es mit leichten Variationen auch bei den Yup’ik zu finden war: „Eine Kammer von zehn Fuß ins Gevierte. die Wände sechs Fuß hoch. Kreolen – Bindeglieder zwischen russischer und indigener Gesellschaft Die Kolonie in Alaska unterschied sich in mancherlei Hinsicht vom Rest des russischen Reiches. hatte zuvor Häfen in Brasilien und in den spanischen Kolonien Südamerikas besucht und brachte den Ausdruck offenbar von dort mit. Das Gebäude von Balken aufgeführt. Die erste russische Weltumsegelungsexpedition. das Dritteil [sic] des Raumes einnehmend. Der Tür gegenüber eine anderthalb Fuß erhöhte Pritsche als Schlafstelle. Voyage pittoresque autour du monde (Paris 1822) Aus Vogelbälgen zusammengenähte Oberbekleidung wurde in der westlichen Arktis von beiden Geschlechtern getragen. Inoffiziell war die Bezeichnung „Kreole“ für die Kinder russischer Männer und einheimischer Frauen schon seit Beginn des 19. in dem teilweise Maskentänze neu belebt und Schamanen analog zu alttestamentarischen Propheten als Träger göttlicher Offenbarung verstanden werden. Lithografie nach einer Zeichnung von Louis Choris. Im Gegenzug waren diese verpf lichtet. ziehen sich zwischen der Kammertür und dem äußeren Eingange. deren Eltern beide weiß waren. So erhielten etwa russische und westeuropäische Leser die ersten ausführlichen Nachrichten über die nördlich der Yup’ik lebenden Inupiaq durch Reiseberichte von Teilnehmern an russischen Expeditionen. katholische oder protestantische Christen. Da kaum russische Frauen nach Alaska kamen. gab es rasch viele solche Sprösslinge interethnischer Ehen. andererseits die Suche nach neuen. und ihr Rechtsstatus wurde zum Problem. Der Metallkessel im Vordergrund lässt die Bedeutung des Handels für die Yup’ik erkennen. Hauptgebäude und Zugänge von außen mit Erde überdeckt. 1816. Während der Mann seinen Gesang auf einer gestielten Rahmentrommel begleitet. deutet darauf hin. B. Die Türe. worin der Wintervorrat. fußgroße Speckstücke. Längs der Wände verschiedene leiterähnliche Hängeböden zur Aufstellung von Gerätschaften. Bauer oder Bürger – und hätten in die Steuerverzeichnisse seiner russischen Heimatstadt eingetragen werden müssen. dabei Siebe mit langem Stiele. er war aber. und die R AK war daran interessiert.“ In den 1830er Jahren war es dann Wrangel. Lawrence Island“. sind im Hintergrund aufgerollte Därme für die Bearbeitung zu Kleidungsstücken oder Taschen zu sehen. Nach den Gesetzen des russischen Reiches gehörten diese Kinder zum Stand ihres Vaters – z. Der R AK kam die Verantwortung für die Ausbildung der Kreolen zu. seltener Tlingit – sowie deren Nachkommen. die nach dem Innern abgef lacht. der nirgendwo im Mutterland rechtlich definiert war. Heute sind die meisten Yup’ik russisch-orthodoxe. nach abgeschlossener Ausbildung für eine Periode von fünf oder zehn Jahren für die R AK zu arbeiten. im Scheitelpunkt ein mit einer Blase verschlossenes viereckiges Fenster. Eine Besonderheit war der Stand der Kreolen. in der Mitte der einen Wand. 1816 besuchte Otto von Kotzebue den Norton Sound und die nach ihm benannte Kotzebue-Bucht in Begleitung des Malers Louis Choris (1795–1828). Mit der Erneuerung der Privilegien der R AK 1822 wurde deshalb offiziell der Stand der Kreolen geschaffen. dass criollo in Südamerika eine in der Kolonie geborene Person bezeichnete. Dass die Russen den Ausdruck auf die Kinder von Mischehen bezogen. um den Speck herauszuholen. Aus: Louis Choris. vielleicht effizienteren spirituellen Kräften angeregt wurde. B. Aus dem Hauptgange führt ein Nebenzweig zu einer Grube. Spezialisten starben und damit einerseits der zeremonielle Jahreszyklus schwerer aufrechtzuerhalten war. Maulwurfsgängen ähnliche. drei Fuß hoch und viereckig. Kreolen waren Kinder aus Ehen zwischen russischen Angestellten der R AK und indigenen Frauen – die meisten von ihnen Aleut oder Alutiiq. eine runde Öffnung von anderthalb Fuß Durchmesser. Im Status war ein Kreole dem Bürger in der russischen Ständetafel gleichgestellt. jemals nach Russland umzuziehen. sich vor Ort eine koloniale Bevölkerung heranzuziehen. Mit von der Partie war auch der Dichter Chamisso. von der Küste der Seward-Halbinsel die folgende Beschreibung eines halb unterirdischen Hauses mit als Kältefalle dienendem Eingangstunnel überlieferte. der Ansichten aus dem Leben der Inupiaq im Bild dokumentierte.

die die Anzahl der Jäger stark verringerte. Fremdheit.) Looking Both Ways: History and Identity of the Alutiiq People. 2005 The Tlingit Indians in Russian America. Man hatte Angst. ihre Kinder zu Seeotterjägern ausbilden zu lassen. besonders dann. die beide Gruppen verbanden. 1826. leiteten regionale Kontore der R AK. wurden Schiffskapitäne. Liapunova. Lebensunterhalt und gesellschaftlichen Status angeht. New Brunswick: Rutgers Universit y Press. wenn ihr Vater eine hohe Position innehatte. die Schulen in der Kolonie oder in Russland abgeschlossen hatten. geschweige denn. was viele das Leben gekostet hat“. und Gemüse anbauen sollten. Aus klimatischen Gründen gelang es den Siedlern allerdings nicht einmal. förderte die Kompanie den von Kreolen betriebenen Gartenbau als Versorgungsquelle für die Kolonie. Da nicht alle Kreolen eine Anstellung bei der R AK finden konnten. hatten eine zwiespältige Einstellung zu Kreolen. die in der R AK dienten oder die Kolonie besuchten. Grinev. dass junge Aleut oder Alutiiq die Jagdtechniken nicht richtig erlernen würden. Die erste Generation von Kreolen hatte indigene Mütter. Jagd und Fischfang betrieben. Auf der Insel Afognak nördlich von Kodiak entstanden ähnliche Siedlungen. gab der Generalgouverneur strikte Anweisung. 1741–1867. als unter ihrer Würde befindlich ab. aber auch durch starke Abhängigkeiten der verschiedenen Gruppen voneinander. Die russischen Offiziere. Die Gesellschaft der russischen Kolonie war somit von starken Unterschieden des Standes und der ethnischen Zugehörigkeit geprägt. Andrei V. und obwohl sie die russischen Regeln für gutes Benehmen verstehen. Besonders nach der Pockenepidemie. sondern vielmehr die Geburt außerhalb des kontinentalen russischen Reiches betonen wollten. 1842 gründete sie in Ninilchik auf der Kenai-Halbinsel eine Alterssiedlung für Kreolen. die dort Kartoffeln 98 SONJA LÜHRMANN . sollte man allerdings nicht die engen Verwandtschaftsbeziehungen vergessen. Bei aller Trennung zwischen Kreolen und den indigenen Familien. Die Kreolen selbst hatten nach den Berichten anderer Beobachter einen gewissen Stolz auf ihren Status und lehnten es z. Schreiber und Priester. andererseits warteten sie misstrauisch auf Anzeichen dessen. fallen sie doch der Versuchung von Lastern zum Opfer: insbesondere nehmen sie starke Getränke zu sich. Lincoln: Universit y of Nebraska Press. Fairbanks: Universit y of Alaska Press. Kupferstich aus: Gavriil Andreevich Sarychev. was Wohnung. Die R AK konzentrierte sich in ihren Bildungsbemühungen bald fast ganz auf Kreolen und nur zu einem kleineren Teil auf Söhne angesehener Tlingit-Familien.und spitzenbesetzten Kleid ist bezeichnend für die kulturelle und soziale Vermischung der kreolischen Bevölkerung in und um Kodiak. Kreolen lebten nicht in den indigenen Dörfern. in denen sie die Seeotterjagd erlernen würden. Kreolen. und auch später blieben Ehen zwischen kreolischen Männern und indigenen Frauen an der Tagesordnung.Woman of Kodiak. den Rest der Kolonie mitzuversorgen. von Pensionen der R AK unabhängig zu werden. Weiterführende Literatur Crowell. über seine kreolischen Mitarbeiter. In der russischen Kolonialgesellschaft boten sich für Kreolen manche Aufstiegsmöglichkeiten. die gegenseitige Zugeständnisse und eine gewisse paternalistische Fürsorge von Seiten der Oberschicht nötig machten. Roza G. dass Waisenkinder aus Alutiiq-Dörfern nicht in kreolischen Familien erzogen werden sollten.und Lippenschmuck in Verbindung mit einem pelz. Ann 2000 Hunting Tradition in a Changing World: Yup’ik Lives in Alaska Today. sondern zunächst in den russischen Handelsposten und später – auf Kodiak mindestens ab den 1820er Jahren – in ihren eigenen Siedlungen aus Blockhäusern im russischen Stil. sondern bei solchen Alutiiq-Familien. wenn sie die Schule besuchten. 1996 Essays on the Ethnography of the Aleuts at the End of the Eighteenth and First Half of the Nineteenth Century. so dass sie keine Reife und charakterliche Festigkeit erlangen. schrieb Kirill Khlebnikov (1784–1838). Fairbanks: Universit y of Alaska Press. was einer von ihnen als „das Blut der Mutter“ bezeichnete. Atlas of the Northern Part of the Pacific Ocean (1826) Knöcherner Nasen. Kreolen waren meist zweisprachig und ihre Kontakte zu den mütterlichen Verwandten gehörten zu ihren Vorzügen gegenüber den russischen Angestellten. Aron. Gordon Pullar und Amy Steffian 2001 (Hg. Einerseits schätzten sie ihre erheblichen Leistungen für die Kompanie. „Leider fehlt es ihnen an grundlegender Erziehung. B. der in den 1830er Jahren dem Kontor von NovoArchangelsk vorstand. Fienup-Riordan. wo sie eine Mischung aus Gartenbau.

der Tochter des Gouverneurs. Die Wasser und Wälder von Alaska boten den Kolonisten reichlich Fisch und Wild. doch bestand der Beitrag Kaliforniens zur Versorgung Alaskas auch nach der Gründung von Fort Ross größtenteils aus von den Spaniern eingehandeltem Weizen. auch in kalifornischen Wassern Seeotter zu jagen. südlich des späteren russischen Außenpostens. Höppner) Nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt waren offensichtlich die mit Muschelschalenperlen und Anhängern aus den Schalen der Seeohrschnecke (Haliotis) verzierten Körbe. Weniger auf amouröse Beziehungen als vielmehr auf eine sichere Entfernung von den spanischen Posten vertraute die R AK. The Bancroft Library. University of California. sich dieses vor Ort von Pensionären anbauen zu lassen. doch jagten Aleut und Alutiiq einige Jahrzehnte auch in kalifornischen Wassern Seeotter – und nahmen dabei Kontakt mit den bei Fort Ross ansässigen Kashaya-Pomo auf. Die Ansiedlung von rund zweihundert Seeotterjägern aus Alaska auf dem Gebiet der Kashaya-Pomo führte zu einer für Nordamerika eher RUSSISCHES AMERIKA 99 . Tallin (Slg. in der Nähe der Mündung eines Flusses. der heute Russian River heißt und den die Russen Slavjanka nannten. Für Ackerbau war auch in Nordkalifornien das Klima eher zu feucht und es fehlte der R AK an erfahrenen Bauern. dass die landwirtschaftliche Produktion zur Ausweitung fähig wäre. nicht wissend. an dem Ackerbau möglich wäre. Die Besatzung unter dem Kommando von Ivan Kuskov bestand aus Russen und Kreolen sowie Alutiiq und Aleut. als sie 1812 nördlich von San Francisco. wie die RAK ihr Einflussgebiet über die Grenzen der Küstenstreifen Südalaskas hinaus auszudehnen suchte. 1806. aber die Russen wünschten sich auch Gemüse und vor allem Getreide. Fort Ross. „Ein Tanz der Indianer der Mission in St. Gewisse Erfolge in Gartenbau und Viehzucht gaben noch 1833 Generalgouverneur Wrangel auf seiner Kalifornienreise Hoffnung. und sie wartete den Rest ihres Lebens auf ihn. Da sich die Regenküste von Sitka bis Oregon weiter nach Süden zog. Berkeley (Robert B. versuchte die R AK. ihre Korb. Eesti Aajaloomuuseum. weil ein sekundäres Ziel des Abstechers nach Süden darin lag. Honeyman Collection of Early Californian and Western Pictorial Material) Die im Rahmen der ersten russischen Weltumsegelung angefertigte Zeichnung zeigt den Tanz von Neubekehrten der spanischen Mission in der Bucht von San Francisco. dass er auf der Rückreise nach Sankt Petersburg in Sibirien verstorben war. Noch vor den vergeblichen Versuchen. Die indigenen Jäger aus Alaska waren notwendig. mit denen allerdings erst 1817 ein Vertrag über die Nutzung abgeschlossen wurde. G. José in Neu-Californien“.Der Aussenposten in Kalifornien Von 1812 bis 1841 unterhielt die RAK einen als Fort Ross oder Ross-Siedlung bekannten Posten in Kalifornien. T. um 1840. Dieses sekundäre Ziel erwies sich bald als das einzig erreichbare. Die erste Weltumsegelungsexpedition unter dem Abgesandten der Krone Nikolaj Rezanov (1764–1807) hatte bereits 1806 Kontakte zum spanischen Gouverneur in San Francisco geknüpft. die in der ersten Hälfte des 19. wo sich küstennahes Ackerland anzubieten schien. von Tilenau. Kalifornien. verlobt. Pomo. Zunehmend wurden zum Dekor auch Glasperlen verwendet. eine Festung mit hölzerner Palisade. Einer wohl eher zu den Märchen zu zählenden Legende zufolge hatte Rezanov sich sogar mit Consuelo. lag auf dem Territorium der Kashaya-Pomo. Der kalifornische Posten war ein Beispiel unter mehreren. sich einen Außenposten im Süden zu schaffen. Jahrhunderts bei den Pomo gesammelt wurden. Siedlung gründete. war Kalifornien das nächste Gebiet. Lavierte Federzeichnung auf Papier von W. Seine Bestimmung als Versorgungsstation für Alaska erfüllte der Stützpunkt kaum. Seeotter gab es an der kalifornischen Küste und vom Jagdstützpunkt auf den Farallon Islands aus war die Jagd sogar für etwa ein Jahrzehnt recht ergiebig.

die das Gebiet für sich beanspruchten. dass die Frauen einige Fantasie aufwandten. wo in Alaska die Glieder eines Seehundes zerschnitten werden. Mexikanern. Die mexikanische Regierung bot dem russischen Zaren an. Kalifornien.und Alutiiq-Frauen als Gefährtinnen nahmen. sondern auch Seehunde gab. vor allem geröstete und gemahlene Eicheln. Die Schiffe der R AK hatten hingegen neben den Aleut und Alutiiq auch deren Kajaks und Harpunen mitgebracht. Sowohl die Männer als auch die Kashaya-Frauen betrachteten es als Frauensache. sondern auch zwischen den indigenen Bevölkerungen weit voneinander entfernt liegender Kolonialgebiete. welche in der Sprache sonst nicht vorkommen. nicht dort. lebten die aleutischen und Alutiiq-Männer in Kalifornien zusammen mit Kashaya-Frauen. weil die Jäger aus Alaska nur für Zeiträume von etwa sechs Jahren nach Kalifornien gingen und dann ausgetauscht wurden. Der archäologische Befund zeigt. gab es dauerhaft Spannungen mit den Spaniern bzw. an denen die Pomo einen Hirsch zerteilt hätten. ungewöhnlichen Form des kolonialen Kulturkontakts: nicht nur zwischen indigener Bevölkerung und europäischen Neuankömmlingen. Viele dieser Paare blieben nicht lange zusammen. In der Alutiiq-Sprache haben sich Spuren des Kontakts mit den Kashaya in der Form von Ausrufen bei dem an der ganzen Küste verbreiteten Handspiel erhalten. jagten die Kashaya mangels seetüchtiger Boote diese Tiere nicht. Mexiko wurde 1821 unabhängig und Kalifornien gehörte zu seinem Staatsgebiet. Ähnlich wie die russischen Jäger.Korb. die nicht nur zur Seeotterjagd. um 1810. in Kalifornien auf. hielt sich 1817 im Rahmen seiner Weltumseglung. die in Alaska Aleut. die bei den Alutiiq Laute enthalten. Archäologische Ausgrabungen der Universität von Kalifornien auf dem Gebiet des Lagers der Seeotterjäger außerhalb der Palisaden von Fort Ross brachten Einblick in den Alltag dieser interethnischen Paare. Otto von Kotzebue) Der russische Kapitän Otto von Kotzebue. sondern ernährten sich größtenteils von Hirschen und kleinerem Wild. um mit dem spanischen Gouverneur über den Verbleib des russischen Außenpostens zu sprechen. Ein Problem. Ab Mitte der dreißiger Jahre kamen verstärkt mexikanische Siedler in die Gegend nördlich von San Francisco und fochten die Landrechte der Russen an. Einige von ihnen hatten wohl auch bereits Familien in Alaska. aber den von den Kashaya benutzten Ausrufen ähneln. Im Gegenzug zu dem ihnen unbekannten Fleisch brachten die Pomo-Frauen die in Kalifornien verbreitete pf lanzliche Nahrung in die neuen Haushalte ein. Tallin (Slg. waren die fremden Ernährungsgewohnheiten ihrer Partner. um mit der unbekannten Beute zurechtzukommen: Die See- hundknochen sind an den Stellen zerhackt. da ihre eigenen nicht mitkommen konnten. die Jagdbeute zu zerteilen und zuzubereiten. sondern auch zur Jagd auf Seehunde und andere Seesäuger zum Einsatz kamen. Coast Miwok. Während die Beziehungen der Besatzung von Fort Ross zu den Kashaya relativ friedlich verliefen. Obwohl es vor der Küste Nordkaliforniens nicht nur Seeotter. an der als Naturforscher auch der Dichter Adelbert von Chamisso teilnahm. auf das die Kashaya-Frauen stießen. die russischen Besitzungen zu legalisieren im Gegenzug zu diplomatischer Aner- 100 SONJA LÜHRMANN . Eesti Aajaloomuuseum.

Länger bestand der Stützpunkt auf den Kurilen. Alexei A. Weil es offensichtlich war. um 1830. kennung der mexikanischen Republik. sondern auch von Westen aus in östliche und südliche Richtung. Als „National Historic Site“ (Nationale Gedenkstätte) ausgewiesen und nach archäologischen Befunden und alten Zeichnungen rekonstruiert. Die Nachfahren der von der R AK dorthin umgesiedelten Aleut leben heute noch auf diesen Inseln. um Seeotter und andere Seesäuger zu jagen. wo Jäger von den aleutischen Inseln mit Keulen den Seelöwen nachstellten. New York: Oxford Universit y Press. Fort Ross war einer der wenigen Orte. verhandelte der letzte Kommandant Rochev mit Johann August Sutter (1803–1880). steht heute die Palisade von Fort Ross mit orthodoxer Kapelle samt Zwiebelturm zum Besuch offen. 1784–1867. Städtische Museen Freiburg i. Exotisch erscheint auch heute den Einwohnern von Kalifornien die russische Kolonialgeschichte eines kleinen Teils ihres Staates. Neben Fort Ross gab es noch einige andere Niederlassungen der R AK außerhalb Alaskas: Ein Versuch. einer Inselkette nördlich von Japan. hier vor allem wegen der Konkurrenz amerikanischer und britischer Händler. währte weniger als ein Jahr. das Land gehörte nach den mexikanischen Gesetzen dem Staat. der in der Umgebung von Sacramento riesige Besitztümer hatte. dass der amerikanische Kontinent nicht nur von Ost nach West von der Siedlerbevölkerung erobert wurde. einem aus der Schweiz stammendem Rancher. dass die russische Niederlassung auf Dauer nicht zu halten sein würde. Pomo. sich 1816 auf Hawai’i niederzulassen. (Alte Universitätssammlung) Aus den zur Dekoration ihrer Luxuskörbe verwendeten Materialien stellten die Pomo auch Schmuckstücke her. Sutter kaufte 1841 die Gebäude und das Vieh der russischen Niederlassung. Ethnologische Sammlung. lehnte jedoch ab. Dorthin wurden ab 1828 bis zum Verkauf von Alaska für eine Zeit von sechs bis acht Jahren Alutiiq-Männer von Kodiak gebracht.Halskette. 1820–1821. James 1976 Imperial Russia in Frontier America: The Changing Geography of Supply of Russian America. Kalifornien. Auch heute noch zu Alaska gehören die Pribilof Islands im Beringmeer. an dem die R AK beide Ziele gleichzeitig verfolgte und damit ihre Seeotterjäger in für sie zweifellos exotische Gefilde brachte. 1992 The Indians at the Ross Settlement: According to the Censuses by Kuskov. Jenner: Fort Ross Interpretive Association. Der konservative Zar Nikolaus I. Die irisierenden Schalen der Haliotisschnecke waren ferner ein begehrtes Gut im intertribalen Handel. Br. Istomin. die sich dort zur Paarung und Aufzucht ihrer Jungen zusammenfanden. RUSSISCHES AMERIKA 101 . Nach einer kurzen Autofahrt von San Francisco aus kann man sich hier darüber klar werden. Weiterführende Literatur Gibson. die damals international in Bedrängnis war. Die Ausdehnungsanstrengungen der R AK in alle Himmelsrichtungen verfolgten zwei Ziele: Erstens die geübten und gefügigen Seesäuger- jäger aus Alaska an möglichst vielen Stellen zum Einsatz zu bringen und zweitens die Beschränkungen Alaskas bezüglich der Versorgung mit frischer pf lanzlicher Nahrung auszugleichen. Der russische Abstecher nach Kalifornien endete also mehr als 25 Jahre vor dem Verkauf der Kolonie in Alaska.

kamen als protestantische Schwiegersöhne in orthodoxe Familien. Konsequenzen dafür. St. die im Frühling die Maschinen und das Blech für die Konservenbüchsen von San Francisco oder Seattle aus nach Norden brachten. Der demografische Wandel. An kleineren Orten. Einheimische Arbeitskräfte galten als unzuverlässig. Die Schiffe. Die Niederlassungen der R AK wurden von einem Konsortium von Händlern aus San Francisco aufgekauft. den die Entwicklung der Konservenfabriken und der gleichzeitig einsetzende Goldrausch brachten. Sie bildeten die Bevölkerung von Siedlungen wie Unalaska. Alutiiq und Aleut verdienten an den Fischkonservenfabriken zuerst nur als freie Fischer. wenn sie genug Geld verdient hatten oder die Bedingungen ihnen nicht zusagten. sie auch als „Eskimos“ oder „Aleut“ zu zählen. veränderte besonders die Stellung der Kreolen. Schon vorher hatte sich der Schwerpunkt der Wirtschaftsentwicklung Alaskas auf andere Gebiete verlagert. hatten auch gleich die Arbeiter an Bord.2 Millionen Dollar. hielten sich über 1400 asiatische Arbeiter im Gebiet der Alutiiq auf. die sich an den Flussmündungen Südalaskas ansiedelten. B. was angesichts des damals bereits zumindest in groben Zügen bekannten Reichtums Alaskas an Bodenschätzen keine allzu hohe Summe war. Viele von ihnen blieben in Alaska und einige heirateten einheimische Frauen. einschließlich Alter und Kinder. die in Kreolen-Familien einheirateten. ob sie nach Russland zurückkehren oder als amerikanische Staatsbürger in Alaska bleiben wollten. womit der Großteil der nie besonders zahlreichen russischen Bevölkerung der Kolonie verschwand. Die Skandinavier. Unter den asiatischen Arbeitern waren es nur einige Japaner. um zu entscheiden. In diesen Fabriken spielten indigene Arbeitskräfte nur eine untergeordnete Rolle. Zur selben Zeit kamen auch skandinavische und italienische Einwanderer nach Alaska. konnten letztere sogar die Preise in die Höhe treiben. die nachweislich Frauen der Alutiiq und Aleut heirateten. Als Händler vor Ort setzten sie oft dieselben Kreolen und verbliebenen Russen ein. nahm jedoch unter dem Druck der freien Konkurrenz verschiedener Gesellschaften weiter ab. dass Familien kreolischer Abstammung als Teil der Aleut. B. Der Seeotterbestand. die als Fischer für die Konservenfabriken arbeiteten. Ab 1867 gehörte Alaska somit zum Hoheitsgebiet der USA. Vor allem die Kreolen-Dörfer auf den Kodiak im Norden vorgelagerten Inseln und der Kenai-Halbinsel zogen skandinavische Schwiegersöhne an.Was von Russisch-Amerika blieb 1867 wurde Alaska an die USA verkauft. Die asiatischen Kontraktarbeiter hingegen saßen in Alaska fest.oder Alutiiq-Gesellschaft galten. Jahrhundert an waren es vor allem Fischkonservenfabriken. Auch aus der Sicht der indigenen Bevölkerung selbst verringerte sich der soziale Abstand zu den Kreolen angesichts der großen Zahl der Neuankömmlinge. hat die russische Kolonialzeit in den indigenen Kulturen bleibende Spuren hinterlassen. Zurück blieb auch die indigene Bevölkerung. von denen die meisten kein Rückkehrrecht nach Russland hatten und dies wohl auch nur in seltenen Fällen gewünscht hätten. Chugach und Tlingit setzte sich nach 1867 intensiv fort. 1900 erscheinen sie alle als weiß. Die Einwohner der Kreolensiedlung Ninilchik sind in der Volkszählung von 1890 noch teilweise als „Indianer“ und teilweise als „gemischt“ eingetragen. Die asiatischen Arbeiter ganz ersetzen konnten sie schon zahlenmäßig nicht: Im Sommer 1890 z. bis die Schiffe sie im Herbst wieder nach Süden brachten. die schon für die R AK gearbeitet hatten. Der Rückzug der R AK aus Alaska hatte ähnliche Gründe wie der aus Kalifornien: Da sich einerseits die wichtigste wirtschaftliche Ressource der Kolonie (die Seeotterpopulation) dem Ende zuneigte und sich die R AK andererseits bewusst war. die über den Transfer der Regierungsgewalt nicht befragt worden war und mit den Russen ihre gewohnten Handelspartner verlor. die ihren Fang zur Verarbeitung verkauften. Von 748 Russen und in russischen Steuerregistern registrierten Kreolen verließen mindestens 537 Alaska. Mit dem Ende des Pelzhandels verloren sie ihre gesellschaftliche Funktion und Neuankömmlinge aus den von immer stärker werdendem Rassendenken geprägten USA in der Zeit nach dem Bürgerkrieg hatten Schwierigkeiten. Zurück blieben die Kreolen. wo Kreolen in enger Nachbarschaft mit indigenen Familien lebten. Mit der Zeit wurden in den Hauptfangzeiten als zusätzliche Arbeitskräfte Frauen eingestellt. dass sie ihre Ansprüche gegen einen Ansturm amerikanischer Goldsucher oder ein englisches Kriegsschiff nicht würde halten können. und Russisch blieb Lingua franca im Pelzhandel Südalaskas. Zunächst änderte sich das Leben in Alaska nur langsam. mit Finanzierung aus Moskau bis zur Oktoberrevolution 1917. Da nun mehrere verschiedene Handelsgesellschaften um die Beute der indigenen Jäger konkurrierten. verkaufte sie ihre Rechte an die Regierung der Vereinigten Staaten für 7. 1867 waren die Aleut und Alutiiq zum größten Teil russisch-orthodoxe Christen. auf welche Schulen ihre Kinder im rassisch getrennten Bildungssystem gehen sollten. in deren Jahreszyklus Feste wie das orthodoxe Ostern und Weihnachten eine zentra- 102 SONJA LÜHRMANN . Vom späten 19. vor allem asiatische Einwanderer. Die Frage nach der Zuordnung der Kreolen im Gesellschaftsmodell der USA hatte z. Amerikanische Besucher von Kodiak und Afognak bezeichneten die kreolische Bevölkerung oft als „Russen“. 1911 wurde der Handel mit Seeotterpelzen international verboten. die als Alaska Commercial Company (ACC) weiter Pelzhandel trieben. Auf die Dauer ging die Tendenz dahin. das im neuen Territorium aufgebaut wurde. der schon durch die R AK stark verringert worden war. Heute gelten bei den Alutiiq viele Menschen mit russischen oder skandinavischen Nachnamen als angesehene und in der traditionellen Kultur bewanderte Älteste. Paul (Kodiak) und Sitka und lebten auch weiter in kleineren Dörfern wie Ninilchik und Afognak. fast so viel wie die gesamte männliche Alutiiq-Bevölkerung. Vielleicht die dauerhaftesten Auswirkungen auf das indigene Alaska hatte die russische Kolonialzeit auf dem Gebiet der Religion. weil sie den Arbeitsplatz jederzeit verlassen konnten. Obwohl ein Großteil der ansässigen Russen zu diesem Zeitpunkt Alaska verließ. Der Kaufvertrag gab den russischen Untertanen eine Frist von drei Jahren. wurde es eher üblich. sich außer „weiß“ und „farbig“ noch andere Identitäten vorzustellen. und die orthodoxe Mission unter den Denaina.

die in der Schule unterrichtet werden sollten.S. Da die orthodoxe Kirche nach 1867 die separate Kirche für die Tlingit schloss. Bei den Tlingit war die Bekehrung zur Orthodoxie eine Reaktion auf das arrogante Auftreten protestantischer Missionare. wo die aus dem Nordpazifik kommenden Walfangschiffe überwinterten. die unter Alkoholismus litten – wurden dabei von beiden Seiten selten beachtet. Alaska. Kashevarov stammte aus einer Kodiaker Kreolenfamilie. eine andere für die weiße Bevölkerung. war es für die Tlingit-Adeligen nun attraktiver. sich nicht in meinen Unterricht einzumischen. und die außerdem auch in der Kirche die Rassentrennung aufrechterhielten: In Sitka wurde eine presbyterianische Kirche für die Tlingit gegründet. geblieben sind ihre Spuren in der Form indigener Familiennamen. Auf diese Weise ist die russische Vergangenheit Alaskas größtenteils mit der indigenen Bevölkerung verschmolzen: Die Russen sind gegangen. Auf Kodiak waren es die Baptisten. offenbar der Chugach. der das orthodoxe Priesterseminar in San Francisco abgeschlossen hatte. sonst wäre es besser. in Lehnwörtern in den Sprachen und in der russisch-orthodoxen Religion. Die Kinder von Kreolen wie Kashevarov hatten oft keine andere Wahl. B. während die Kinder vormittags in die Regierungsschule gingen. Bogen für Bogenbohrer. Die orthodoxen Priester forderten z. wenn es gar keine Schule gäbe. Novara) Globaler Austausch ist keine Erfindung unserer Tage. Die orthodoxe Kirche reagierte mit der Gründung ihres eigenen Waisenhauses in Kodiak. die Möglichkeit bekommen sollten. verlagerte sie ihren Schwerpunkt auf dem Katechismus und der russischen Sprache auf den Nachmittag. dass Kinder aus orthodoxen Familien. Im späten 19. Der Lehrer weiß besser. Weiterführende Literatur Kan. um 1855. Dies war z. Seattle: Universit y of Washington Press. sondern Kinder von Eltern. Bei den Denaina lag dies vor allem an den Missionsanstrengungen auf Kodiak ansässiger Priester. In Orten ohne Regierungsschule unterrichtete der orthodoxe Geistliche manchmal auch Englisch an der Gemeindeschule. da er eine vom Bischof nicht abgesegnete Ehe geschlossen hatte.le Rolle spielten. Fairbanks: Universit y of Alaska Press. Die Fähigkeit. die eigene Sprache in kyrillischer Schrift zu lesen und zu schreiben. bei denen die orthodoxe Mission vor 1867 nur mäßige Erfolge zu verzeichnen hatte. in der orthodoxen Kathedrale im Stadtzentrum gemeinsam mit den verbliebenen Russen den Gottesdienst zu feiern. wie bei den Tlingit und Denaina. dass die Kinder „nicht die Erde vermessen und auch keine Schiffskapitäne sein würden“. Auch in den anderen Teilen Alaskas übernahmen protestantische Kirchen die Aufgabe der Schulbildung für indigene Kinder. war durch Gemeindeschulen auch in abgelegenen Dörfern von Kodiak und den Aleuten verbreitet. Anders als seine Brüder brachte es Andrej lange nicht bis zum Priester. B. und viele Mitglieder beider Klane folgten. die sowohl religiöse als auch allgemeinbildende Fächer unterrichtete. deren Mitglieder schon unter der R AK Schiffskapitäne und Priester gewesen waren. Sonja 2008 Alutiiq Villages under Russian and U. nahm die Zahl der Mitglieder der orthodoxen Kirche in den letzten Jahrzehnten des 19. In vielen kleineren Orten arrangierten sich orthodoxe Priester mit den Regierungsschulen: Dort. Jahrhunderts zu. Rule. Jahrhundert waren mehrere in Alaska dienende Priester Kreolen. die eine Schule in Kodiak und ein Waisenhaus auf einer nahe gelegenen Insel einrichteten. als Kashevarov 1898 Englisch und Geografie als Schulfächer einführte. die im Waisenhaus lebten. statt sich von weißen Presbyterianern die kalte Schulter zeigen zu lassen. von der sich ihre Eltern so klar abgegrenzt hatten. Die Eltern erkannten. bei dem in San Francisco ausgebildeten Kreolen Andrej Kashevarov im kleinen Dorf Nuchek am Prince William-Sound der Fall. als sich mit derselben indigenen Bevölkerung zu identifizieren. was die Baptisten strikt ablehnten. Kashevarovs Antwort war seinem eigenen Bericht zufolge unbeugsam: „Ich bat sie eindringlich. So waren die Eltern dagegen. RUSSISCHES AMERIKA 103 . Selbst unter Gruppen. Luehrmann. In Nuchek fühlte sich der junge Mann. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Sergei 1999 Memory Eternal: Tlingit Culture and Russian Orthodox Christianity Through Two Centuries. orthodoxe Gottesdienste zu besuchen. die mit Rückendeckung der Regierung Kinder in Schulen zwangen. Außerdem gab hier wie oft in der Missionsgeschichte die Entscheidung einer einf lussreichen Person den Anstoß: 1886 bekehrten sich die Häuptlinge der Kiksádi und der ebenfalls lokal bedeutenden Kaagwaantann zur Orthodoxie. Seine Briefe zeugen von Streit über die Finanzierung von Reparaturen an Kapelle und Schulhaus und über die Fächer. wo es eine Gemeindeschule gegeben hatte. was nötig zu lernen ist und was unnötig ist. und es entbrannte eine heftige Konkurrenz um die Erziehung der Kinder der Alutiiq. Der ritzverzierte Bogen eines aus Alaska stammenden Bogenbohrers wurde 1857 bei der Weltumsegelung der österreichischen Fregatte „Novara“ im Südpazifik gesammelt. in denen nur Englisch gesprochen wurde.und Kreolen-Bevölkerung weit überlegen. Die Wünsche der Verwandten oder Eltern der Kinder – viele waren eigentlich keine Waisen.“ Nach 1917 hörte alle russische Förderung für die orthodoxen Kirchen und russischen Schulen in Nordamerika auf. sondern wurde von einem Posten als Kantor in Sitka nach Nuchek strafversetzt. Inupiaq. die die indigenen Sprachen beherrschten..

. Foto: Theodor Reimers. Jahrhundert in Wildwest-Shows mit der nostalgischen Darstellung der eigenen Vergangenheit ihr Brot verdienten. das an einer lebendigen Illustration des blutigen Brauchs interessiert war. 1910.Spotted Weasel. jedoch gerne nach. kamen die Sioux. Museum für Völkerkunde Hamburg Verglichen mit der Berührung des Feindes (nach dem französischen Wort als „Coup“ bezeichnet) war das Skalpieren für die Sioux eine mindere Kriegsehre. Dem unstillbaren Bedürfnis eines weißen Publikums. assistiert von einem anderen Oglala Sioux. demonstriert das Skalpieren eines Cowboys im Hagenbecks Tierpark in Hamburg. die im späten 19. und frühen 20.

besonders aber im deutschsprachigen Raum sehr viel Sympathie erlangt haben. so dass die mit Federn geschmückten Reiterkrieger bis heute die romantischen Indianerphantasien von Kindern und Erwachsenen beherrschen. Symbol für diesen Widerstand ist der Sonnentanz. Nach der Besetzung von Wounded Knee auf der Pine Ridge Reservation im Jahre 1973 wurden die westlichen Sioux oder Lakota zum Sinnbild für eine nicht-angepasste Indianerkultur. vom Helfersyndrom gepackt. immer wieder auf die Sioux-Reservationen reisen und meinen. Cody.ANPASSUNG UND WIDERSTAND PETER BOLZ Sioux : Von der Bisonjagd zur Reservationskultur In der populären Indianerliteratur steht der Name Sioux für stolze Reiterkrieger. das auf Reservationen mitten im reichsten Land der Erde im Elend dahinvegetiert. Es ist der ewige Kampf des kleinen Lakota-David gegen den übermächtig erscheinenden Goliath der USGesellschaft. South Dakota. ihre politische und kulturelle Autonomie zu bewahren. aber auch für eines der grausamsten Massaker an indianischen Männern. Jahrhundert sind als krasses Gegenbild zu dieser romantischen Verklärung besonders die Reservationen der Lakota-Sioux in North und South Dakota zum Synonym für das Elend und die bittere Armut geworden. Frauen und Kindern. wie ein „richtiger“ Indianer auszusehen habe. Sioux-Delegierte. mit ihrer freiwilligen Arbeit das Elend lindern zu können. Vor allem die Wild-WestShows von Buffalo Bill (William F. das trotz des Verbotes durch die amerikanische Regierung im Jahre 1882 überlebt hat und heute sogar einen größeren Stellenwert als 19. die durch Europa reisen und in Vorträgen für Spenden und Unterstützung ihrer Projekte werben. 1846–1917). Die medienwirksame Besetzung des Orts Wounded Knee im Jahr 1973 unter Federführung des militanten American Indian Movement machte schließlich in der öffentlichen Wahrnehmung die Sioux-Reservationen zu Widerstandsnestern im Kampf gegen die Unterdrückung der Indianer. dass sich bis heute daran kaum etwas geändert hat. den Indianer gegen die US-Armee errungen haben. die bis heute versucht. seinen Konkurrenten und Nachahmern und die Filmindustrie Hollywoods verbreiteten tausendfach dieses Klischeebild. denen eine klare Zukunftsperspektive fehlte. Im 20. die. Jahrhundert gegen die Bedrohung ihres Landes und ihrer Lebensgrundlage zum Vorbild für den eigenen Kampf gegen die Unterdrückung der Indianer in Nordamerika und die Bestrebungen der amerikanischen Regierung. Jahrhunderts besitzt. Foto: Eugene Buechel. Der Name „Sioux“ ist die französische Verballhornung eines OjibwaWortes. Im späten 19. Im 20. das so viel wie „Sprecher einer unverständlichen Sprache“ (und im übertragenen Sinn „Schlangen“ oder „Feinde“) bedeutet. Obwohl dieser Begriff heute als herabsetzende Fremdbezeichnung vielfach abgelehnt wird. Jahrhundert trat dazu das Bild vom vergessenen Volk. halten dieses Bild ebenso aufrecht wie die Berichte derjenigen. mit dem die Lakota weltweit. Die Alten konnten sich wenigstens an die glorreiche Vergangenheit erinnern und von dem damals gewonnenen gesellschaftlichen Ansehen zehren. hat er sich nicht nur als Bezeichnung für eine der großen Sprachfamilien SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 105 . für heldenhafte Kämpfe gegen die Übermacht der weißen Eroberer. das „Indianerproblem“ durch Integration in die dominante euro-amerikanische Gesellschaft zu lösen. Little Killer und Little Shield vor einem Blockhaus auf der Pine Ridge Reservation. ein religiöses Ritual. Special Collections Der Abstieg der stolzen und erfolgreichen Reiterkrieger zu Almosenempfängern der amerikanischen Regierung traumatisierte vor allem die jüngeren Sioux. Jahrhundert prägte die reich mit Glasperlen bestickte Zeremonialausrüstung der Sioux so nachhaltig die Vorstellung von Amerikanern und Europäern. für den größten Sieg. der die Sympathien mobilisiert. die nach dem Ende des freien Lebens als Bisonjäger das Bild vom Reservationsindianer prägen. Für die in den 1960er Jahren im städtischen Umfeld entstandene moderne Indianerbewegung wurde der militärische Widerstand der Sioux im 19. Neben verschiedenen Formen des politischen Widerstandes ist es vor allem der kulturelle Widerstand. um 1910. Marquette University Archives.

1964 The Sioux. Sprache und traditionelle Kultur der Lakota gleichberechtigt neben den anderen Lehrfächern zu behandeln. die ausschließlich zu Fuß unterwegs waren.und Wertesystems der Anglo-Amerikaner führte in vielen Bereichen zu einer Re-Traditionalisierung der Kultur der Lakota. 106 PETER BOLZ . sondern auch als Sammelbegriff für die eng verwandten Völker. das sich vor allem im Ausbildungs. Der hartnäckige politische und kulturelle Widerstand. wie die Politik der US-Regierung dies ursprünglich vorsah. Weiterführende Literatur Hassrick. Diese Kultur hatte aber lediglich etwa hundert Jahre Bestand und musste ab der Mitte des 19. Dem gegenüber gelang den Lakota seit den 1970er Jahren eine ungeahnte religiöse Wiederbelebung mit dem Sonnentanz als Mittelpunkt. Dort ist es heute möglich. veranlasste schließlich bei den weißen Autoritäten ein Umdenken. Trotz immer wieder neuen Bemühungen von außen. Jahrhunderts einer sesshaften Lebensweise auf den Reservationen weichen. gepaart mit dem Willen der Lakota. dass diese hauptsächlich in den Staaten North und South Dakota angesiedelte ethnische Minderheit noch weit davon entfernt ist. der bis heute anhält. Norman: Universit y of Oklahoma Press. Die folgenden Ausführungen sollen zeigen. erbrachten diese Maßnahmen bisher keine wirklich überzeugende Lösung bezüglich der Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit auf den Reservationen. Jahrhundert gewandelt hat: Aus Jägern.Die Sioux und ihre Nachbarn vom 18. ihrem Widerstand gegen den Westwärtsdrang der USA im 19.und Erziehungssystem niederschlug. Nordamerikas durchgesetzt. „Lakota“ bevorzugen. im amerikanischen „Schmelztiegel“ aufzugehen. Das bedeutet. die heute die Eigenbezeichnungen „Dakota“ bzw. bis ins 21. Jahrhundert Die besondere Stellung der Sioux in der westlichen Vorstellung von „den Indianern“ beruht auf ihrer militärischen und geopolitischen Führungsrolle im Gebiet der zentralen Plains. Royal B. Die Folgen waren Verarmung und Verelendung. die ökonomische Situation auf den Lakota-Reservationen zu verbessern. Dort versuchten weiße Regierungsagenten und Missionare. wie sich die Kultur der Lakota-Sioux seit dem 18. wurden nach der Übernahme des Pferdes die heute so romantisierten nomadischen Bisonjäger und Reiterkrieger. Formen ihrer traditionellen Kultur weiter zu bewahren. Eine zunehmende bewusste Ablehnung des Kultur. ihre kulturelle und politische Autonomie zu bewahren. Life and Customs of a Warrior Society. Jahrhundert und auf der damit verbundenen Aufmerksamkeit der Medien. die Lakota durch Maßnahmen zur „Zivilisierung“ in Form von religiöser und kultureller Unterdrückung in die dominante anglo-amerikanische Gesellschaft zu integrieren. Im Gegenteil: Die Lakota sind auch weiterhin bestrebt.

die nach einigen Autoren Nakota. Im Herbst ernteten sie an den Seen Minnesotas den wilden Wasserreis. 1661 trafen französische Händler im Gebiet der westlichen Großen Seen erstmals auf SiouxGruppen. die als „Prärie“ bezeichnet wird und sich von der trockeneren Kurzgras-Steppe der „Plains“ im westlichen Teil deutlich unterscheidet. dass sich um 1700 die zwischen dem Mississippi und dem Missouri lebenden westlichen Sioux bereits vollständig von der Bisonjagd ernährten und dank ihrer Tipis. die sie mit Hilfe von Hunden auf Stangenschleifen beförderten. sie überschritten um 1775 den Missouri und entdeckten kurz danach die Black Hills. nach anderen Dakota sprechen. Oohenonpa (Two Kettle) und Itazipco (Sans Arc). frühe Geschichte und Kultur Erst im späten 18. Bohnen und Kürbissen möglich. Ab etwa 1805 verbrachten sie die Winter am Ostrand der Black Hills. Hunkpapa. die zu dieser Zeit bereits beritten waren und von denen sie nach mündlichen Überlieferungen der Teton ihre ersten Pferde erhielten. dessen Fleisch den größten Teil der Nahrungsgrundlage lieferte und in getrocknetem Zustand. Die Gesamtzahl der Sioux wird für die Zeit um 1780 auf etwa 25. Nach dieser Mythe stiegen sie vor Urzeiten aus einer Höhle am östlichen Rand der Black Hills auf die Erde hinauf. die als Halbnomaden im Sommer Bisonjagd betrieben. während zu ihrem historischen Herkunftsgebiet in Minnesota keinerlei religiöse Bindung besteht. wo sie auf die Arikara stießen. die von den Lakota als diejenige betrachtet wird. ein nomadisches Leben auf den Prärien führten. Spätere Berichte zeigen. so dass ein Teil der Bewohner dort eine sesshafte Lebensweise in großen kuppelförmigen Erdhäusern führen konnte. das sie bis heute als ihr Ursprungsgebiet und als ihre Heimat betrachten. die sich immer weiter in Richtung Westen bewegten. Aus Bisonhäuten wurden die als „Tipis“ bezeichneten Zelte gefertigt. und lediglich das Gebiet der Great Plains. In der Prärie war ein Anbau von Feldfrüchten wie Mais. Ihr Kontakt zu den „Verbündeten“ im Osten war längst abgerissen.Lebensraum. Zum einen drängten die von weißen Händlern besser mit Gewehren ausgestatteten Ojibwa auf der Suche nach neuen Jagdgründen in das von den westlichen Sioux bewohnte Minnesota. Nicollet (1786–1843) erstmals die inzwischen „klassische“ Siebenteilung mit Mdewakanton. der heiligste. zerstoßen und mit Fett vermischt. aus seiner ungegerbten Haut wurden Behälter und Sohlen für die Mokassins hergestellt. SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 107 . und schließlich den Teton als die westliche Sioux-Gruppe und Lakota-Sprecher. dass sich ihre Ursprungsmythe ausschließlich auf dieses Gebiet bezieht. Leder in jeglicher Form war einer der wichtigsten Rohstoffe für die Bedürfnisse der nomadisch lebenden Plainsbewohner. aus denen ihre Vorfahren einst kamen. Gabelbock oder Bergschaf. Die Oglala bildeten als stärkste Teton-Gruppe sozusagen die Speerspitze der Westwärtswanderung. Zwischen Mississippi und Rocky Mountains erstreckten sich einst riesige Grasländer. Lakota bedeutet so viel wie „Freunde. Dort in der Nähe erhielten sie von der mythischen Gestalt White Buffalo Calf Woman die heilige Pfeife und die dazugehörigen sieben heiligen Riten. Die Bekleidung hingegen bestand aus den leichteren Häuten von Hirsch. die überwiegend von der Jagd auf den Bison lebten. Zwei Ursachen mögen für die Westwärtsbewegung der Teton verantwortlich gewesen sein. für die Zeit um 1980 liegt die Zahl bei etwa 65. In fast allen Darstellungen zur Kultur und Geschichte der Sioux ist zu lesen. In den Berichten ist von den „Tintonha“ (Teton) die Rede. und 1839 nennt der Forscher Joseph N. Sihasapa (Black Feet). wo sie ihren Fleischbedarf durch die Hirschjagd deckten. den die Lakota kennen. ein Mittelgebirge im Westen des heutigen Staates South Dakota. einschließlich der gesamten Black Hills. Die westlichen Sioux hatten damit das Gebiet erreicht. Daher ist dieser Ort. Um 1760 erreichten die Teton den oberen Missouri. Minneconjou. Jahrhundert gelangten die westlichen Sioux oder Lakota in ihren heutigen Lebensraum. denn die westlichen Sioux-Gruppen der Teton hatten damals schon lange ihre Heimat in Minnesota verlassen und sich auf den nördlichen Plains zu Reiternomaden entwickelt. Sicangu (Brulé). Die weiter westlich angesiedelten Sioux-Gruppen wurden erstmals von den Teilnehmern an La Salles Expedition (1678–1680) erwähnt.000 geschätzt. Erst 1823 ist jedoch von den „Sieben Ratsfeuern“ die Rede. Das im frühen 19. sind archäologisch und historisch kaum fassbar. auch als Wintervorrat diente. zu Beginn des Winters verlegten sie ihr Lager nordwärts in die bewaldeten Gebiete. so dass man auch von einer „Lederkultur“ sprechen könnte.500. Die Plains hingegen bildeten die Heimat nomadisch lebender Kleingruppen. in das sie um 1800 eingewandert sind. Kulturen. Der niederschlagsreichere östliche Teil dieses Graslandes bildete eine Hochgras-Steppe. Wahpeton und Sisseton als die östlichen Sioux oder Santee. Somit gibt es heute bei den Lakota eine sehr starke mythologische Verbindung zu dem Land. die den Dakota-Dialekt sprechen. Verbündete“) besaß zu dieser Zeit allerdings keinerlei politische Bedeutung. Die Lakota haben ihre Wanderung nach Westen aus ihrem kollektiven Gedächtnis gelöscht. die westlich der „Issati“ (Santee) jenseits des Mississippi lebten. dass diese ursprünglich einen Stammesverband der „Sieben Ratsfeuer“ gebildet hätten. Zum anderen folgten die Teton wohl den Bisonherden. wird von ihnen als Ursprungszentrum und Heimat akzeptiert. Winterfelle mit langen dichten Haaren dienten als wärmende Decken. Deshalb beginnt die Geschichte der Sioux aus der europäischen Perspektive erst mit den frühesten schriftlichen Berichten europäischer Reisender. Yankton und Yanktonai als die zentralen Sioux. die aus ihrer Frühzeit keine schriftlichen oder eindeutig ihnen zuweisbaren materiellen Dokumente (wie Keramik) hinterlassen haben. Jahrhundert entstandene Konzept von sieben alliierten Stämmen (Dakota bzw. überwiegend in Zelten lebten und Mais und Tabak anpf lanzten. Die Teton als die größte dieser Gruppen werden wiederum in sieben Untergruppen geteilt: Oglala. Dies wird dadurch besonders deutlich. in dem sich ihre Pferdekultur entwickelt hat. Dort gibt es noch heute eine Höhle mit dem Namen Wind Cave. Wahpekute. die neben verschiedenen anderen Tierarten vor allem durch die Millionen von Tieren zählenden Bisonherden bevölkert wurden. wo sie – begünstigt durch die Übernahme des Pferdes – ihre Lebensweise als Bisonjäger und Reiterkrieger entwickelten und sich dem Westwärtsdrang der amerikanischen Siedler in den Weg stellten.

Die zu ihrem Gedenken geschnitzten hölzernen Abbilder wurden im Rahmen von Tänzen zur Schau gestellt. um 1880. Aus: Henry Rowe Schoolcraft. Die Lakota vollzogen innerhalb einer relativ kurzen Zeit eine neue ökologische Anpassung.“ Stahlstich nach einer Zeichnung von Seth Eastman. um an ihre Heldentaten zu erinnern. 1851. „Indianer auf der Reise. Andere wiederum sprachen von einer Revolution. Lasten waren mit Hilfe des Pferdes leichter zu transportieren. Auf den südlichen Plains war die Pferdehaltung einfacher und die Herden waren daher größer. in dem das Pferd in die Fußstapfen des Hundes trat und gleichzeitig von ihm unterschieden wurde. Condition and Prospects of the Indian Tribes of the United States (1851–1857) Vor der Einführung des Pferdes diente der Hund den Sioux als Lasttier. Joseph No Two Horns (1852–1942. dass das Pferd als Transporttier lediglich den Hund abgelöst und somit die bereits vorhandenen Kulturmuster nur verstärkt. veränderte die Lebensweise der Bewohner der Great Plains – darin waren sich alle Gelehrten einig. Damit wurde es auch möglich. Das wiederum brachte einen Anstieg der Bevölkerung mit sich. Über den Umfang dieser Veränderung gab es allerdings unterschiedliche Meinungen. damit pro Person möglichst viele Bisons erlegt werden konnten. muss man die ausgelösten Veränderungen entsprechend differenziert betrachten. sich erfolgreich gegen feindlich gesinnte Nachbarn Kulturwandel durch das Pferd Das von den Spaniern im frühen 16. die nun immer häufiger unter den Überfällen der Nomaden zu leiden hatten. die das Pferd auf den Plains ausgelöst habe. Hunkpapa Teton Sioux) zugeschrieben. 108 PETER BOLZ . Für die Lakota lagen die Vorteile durch die Übernahme des Pferdes auf der Hand: Sie vereinfachte die Bisonjagd und führte zu einer wesentlich größeren Jagdausbeute. auf den nördlichen Plains hingegen wurde das Überwintern größerer Herden zum Problem. Jahrhundert nach Mexiko mitgebrachte Pferd. Eine wirksame Bisonjagd verlangte im Sommer größere gut organisierte Gruppen. da diese die Baumbestände entlang der Flussläufe kahl fraßen. so dass Hungersnöte seltener auftraten. Hugo Müller) Tapfere Pferde erfuhren als Kampfgefährten der Krieger eine ähnliche öffentliche Würdigung wie die Krieger selbst. das sich vor allem nach der Pueblo-Revolte von 1680 rasch nach Norden ausbreitete. Das Ausmaß. Da die Bedingungen für die Pferdehaltung regional sehr unterschiedlich sein konnten. geht aus seiner SiouxBezeichnung „unbegreif licher oder heiliger Hund“ hervor. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Information Respecting the History. Jagdgefährte und Fleischlieferant.Tanzstab zum Gedenken an ein Pferd. Die höhere Mobilität bedingte eine militärischen Überlegenheit gegenüber den sesshaften Bodenbauern. was zu einem Anstieg an materiellen Gütern und zu größeren Tipis führte. die dem Wechsel der Jahreszeiten entsprach. aber nicht grundsätzlich verändert habe. Eine besagte.

Jahrhunderts ausgesehen hat. und die damals existierende Bisonjägerkultur wurde von Historikern und Ethnologen zur „traditionellen“ Kultur erklärt. denen oftmals ganze Dörfer zum Opfer fielen. die Patronin der Kunsthandwerkerinnen bei den Lakota. von denen die Lakota abhängig waren. War eine Steilklippe in der Nähe. das von ihnen eroberte Gebiet erfolgreich zu verteidigen. ihnen zu folgen und ihr Jagdgebiet ständig zu erweitern. die Gehölze waren durch das Schlagen von Feuerholz und das Abschälen der Rinde als Pferdefutter ruiniert. was noch heute beim Sonnentanz zu beobachten ist. Stoffe. Einige dieser Bünde konnten eine Art von Polizeigewalt ausüben. Diese Zonen lieferten das nötige Brennholz und boten Schutz und Futter für die Pferdeherden. die sie nach Westen und Süden abdrängten. Um 1850 hatten sich die meisten Ressourcen. um 1890. Bisons in großer Zahl zu jagen. wie die erfolgreiche Bisonjagd den Status der berittenen männlichen Jäger aufwertete. so SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 109 . Als weiße Siedler und das amerikanische Militär immer weiter nach Westen vordrangen. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Jahrhunderts Nach den langen Wintermonaten kamen die weit verstreuten Lokalgruppen der Lakota in immer größerer Zahl zusammen. die Lakota in größeren Verbänden. Dabei wurde die Bisonherde eingekreist und mit Hilfe von Feuer oder dem Schwenken von Decken in eine bestimmte Richtung getrieben. Jahrhunderts hatten die Lakota ein Gebiet erobert. Hunkpapa Teton Sioux.und Bachläufe besetzen konnte. In der darauf folgenden Reservationszeit wurde mit der Methode der „Gedächtnisethnografie“ durch das Befragen von alten Leuten nach ihren Erinnerungen an die „guten alten Zeiten“ eine Fülle von Material zusammengetragen. Mit ihren Produkten aus der Bisonjagd wurden die Lakota für die französischen und spanischen Händler am oberen Missouri attraktiv. vor allem Eisenwaren. das uns einen Einblick ermöglicht. gelang es den Lakota zunächst. das der deutsch-amerikanische Maler Charles Schreyvogel auf Standing Rock sammelte. um sich auf die Visionssuche vorzubereiten. bei der sie ihren Schutzgeist finden wollten. Die Bisonjägerkultur des 19. Durch die ständige Bejagung zogen sich die Bisons immer weiter nach Westen zurück und die Lakota waren gezwungen. Im Hochsommer versammelten sich Frauenkleid. die inzwischen ebenfalls beritten waren. um den wachsenden Bedarf dieses Marktes zu decken. Im Winter war jedoch ein größerer Verband von Menschen auf den nördlichen Plains nicht überlebensfähig. um feindliche Dörfer zu überfallen. Bis zur Mitte des 19. Ein Gebiet nach dem anderen war leer gejagt worden. beispielsweise wenn aus Sicherheitsgründen die Verlegung des Lagerplatzes notwendig wurde. Bisonfelle und getrocknetes Fleisch in Form von Pemmikan gehörten zu den wichtigsten Handelsgütern dieser Region. Assiniboin und Crow daraus vertrieben. sozialen und religiösen Organisation zur Folge. Sie dienten der Expansion des von ihnen kontrollierten Territoriums und zielten auf die Vernichtung des Gegners oder seine ökonomische Unterwerfung ab. Der profitable Markt für Bisonfelle und gesalzene Bisonzungen brachte sie dazu. Der Preis dafür waren eingeschleppte Krankheiten. und der Status der Frau verringerte sich in dem Maße. Ruhm und Ehre zu erlangen oder Pferde zu stehlen. Glasperlen. Cheyenne. Reichtum und Erfolg wurden an der Zahl der Pferde gemessen. Männerbünde regelten die Aktivitäten. Vor allem bei der großen sommerlichen Bisonjagd war das Einhalten einer strikten Ordnung erforderlich. oder die jungen Männer fasteten. ist auf dem Joch des Frauenkleids dargestellt. um den Jagderfolg nicht zu gefährden. das bis an die östlichen Ausläufer der Rocky Mountains in Montana und Wyoming heranreichte. Damit kamen sie automatisch mit immer mehr ihrer Nachbargruppen in Konf likt. Die Bisonjagd war eine Gemeinschaftsaufgabe. und Stämme wie Arikara. bei denen es galt. den die Händler als Bestechungsgeschenk einsetzten. die sich in ihrer Verzierung von der der Männer unterschieden. knielange Leggings und Mokkasins. Zwischen 1850 und 1876 waren sie auf dem Höhepunkt ihrer militärischen Macht angelangt. erschöpft.zu wehren. Dieser jahreszeitliche Wechsel hatte neue Formen der politischen. Charles Schreyvogel) Die Frauen der Sioux trugen wadenlange gegürtete Kleider. wie diese „traditionelle“ Kultur der Lakota in der Mitte des 19. Als das wichtigste nahrungsspendende Tier rückte der Bison ins Zentrum der religiösen Verehrung. Damit konnten die Lakota die begehrten Handelsgüter aus europäischer und amerikanischer Produktion eintauschen. so dass Verteilungsmuster entwickelt werden mussten. Gewehre und Alkohol. Gruppen von Kriegern organisierten sich. Die Kriegszüge gegen ihre Nachbarn waren mehr als nur Überfälle. so dass bestimmte Formen der gesellschaftlichen Organisation notwendig wurden. Gleichzeitig wurden sie zunehmend von den Handelswaren abhängig und kamen in den Handelszentren ständig mit Alkohol in Berührung. an der sich alle Männer und größeren Knaben beteiligten. nach denen man die bewaldeten Fluss. Double Woman.

Hörnerhaube mit Federschleppe. Meist trieb man sie aber in f lache Gräben. Auch in den Sammlungen der Museen ist indianische Alltagsbekleidung kaum vorhanden. vor allem deshalb. Der auf den Reservationen leichtere Zugang zu Handelswaren machte es möglich. Daher war es für die Lakota notwendig. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Daher wurde auf Körperund Gesichtsbemalung. Außer Nahrung lieferte der Bison auch den Rohstoff für zahlreiche Gebrauchsgegenstände. in der die Lakota schon lange auf Reservationen lebten. Sie waren Abzeichen bedeutender Krieger und teilweise auch Insignien der Funktionäre bestimmter Kriegerbünde. Sigfried Saphir) Die bekannteste Form des Kopfschmucks ist die mit Bisonhörnern und einer langen Federschleppe ausgestattete Haube. die es in verschiedenen Variationen gab. Außerdem mussten sie sich dann auch nicht weiter um den angehäuften Müll kümmern. Dazu zählte beispielsweise der Besuch eines Malers oder Fotografen. Hinzu kommt. und die meisten Tiere stürzten zu Tode. manchmal wurden ganze Vogelbälge verwendet. Aus der dicken Nackenhaut von Bisonstieren wurden die runden Schilde hergestellt. um 1880. Gegerbte Felle dienten als Winterumhänge oder Bettdecken. wo sie so schnell wie möglich erlegt wurden. größte Sorgfalt verwandt. bearbeitete Knochen dienten als Kratzer und Schaber. Dabei wird häufig übersehen. dazu Umhänge aus Bisonfellen. Am wichtigsten waren dabei Federn von Adlern oder anderen Vögeln. die nicht im Alltag. In Bisonmägen konnte mit Hilfe von heißen Steinen gekocht werden. dass der überwiegende Teil der Sammlungen erst im späten 19. ebenso wie auf die Ausgestaltung der Kleidung. und in den Haaren wurden die verschiedensten Symbole und Rangabzeichen getragen. wurde in lange dünne Streifen geschnitten und auf hölzernen Gestellen zum Trocknen aufgehängt. sich immer wieder neue Ressourcen zu erschließen. oder frühen 20. etwa durch die Zahl der Pferde. und das Gehirn fand beim Gerben Verwendung. Kopfschmuck und viele andere Belege der materiellen Kultur der Sioux finden sich in zahlreichen Museumssammlungen in Amerika und Europa. Für eine Zeltbedeckung wurden acht bis zehn Häute benötigt. wie sie die Maler George Catlin und Karl Bodmer auf ihren Bildern aus der Zeit um 1830 festgehalten haben. Hinzu kam vor allem bei den Männern ein aufwendiges „Hairst yling“. die Größe der Tipis oder die Zahl der Frauen. Feuerholz und Futterplätze für die Pferde zu verschaffen. wie sie im Alltag gekleidet waren. Danach begannen die Frauen mit dem Zerlegen der Beute. Bisonhörner wurden zu Löffeln verarbeitet. Solche reich verzierten Kleidungsstücke. jagte man sie darüber. sondern nur zu besonderen Anlässen getragen wurde. weil diese schon sehr früh aus Handelsstoffen bestand. und wir wissen eigentlich kaum. um sich Nahrung. Ungegerbte Rohhaut diente zum Befestigen von Werkzeugen oder zum Herstellen der als Parf leches bezeichneten Falttaschen. dass es sich bei den dort verwahrten Lederhemden. das als Vorrat vorgesehen war. bei den Frauen mit geometrischen Motiven. Teton Sioux. Am deutlichsten konnte man seinen Rang in der Gesellschaft durch Kleidung und Schmuck darstellen. für den man die schönsten und symbolträchtigsten Kleider und Schmuckstücke anlegte. In einer solchen mobilen Gesellschaft war es allerdings unmöglich. Aus diesem Grunde brachten sie ihren gesellschaftlichen Status mit beweglichen Dingen zum Ausdruck. Aus diesem Grund vermitteln Museen bis heute ein sehr einseitiges Bild von der „traditionellen“ Bekleidung der Lakota und anderer Plainsindianer. Aus diesem Grund sind auf Bildern fast ausschließlich Indianer in Festtracht zu sehen. dass sie nicht sammelnswert erschien. Leggings oder Frauenkleidern überwiegend um Festkleidung handelt. die bei 110 PETER BOLZ . bemalte Bisonroben. um möglichst wenig Tiere entkommen zu lassen. Der auffälligste Kopfputz war die große Haube aus Adlerfedern. Jahrhundert angekauft wurde. Fleisch. Zu förmlichen und festlichen Anlässen trugen die Lakota ebenso wie die anderen Indianergruppen im Gebiet der Prärien und Plains reich mit Stachelschweinborsten oder Glasperlen bestickte Kleidung. Sie war somit für reisende Sammler nicht ursprünglich genug und bereits so stark europäisch geprägt. ständig ihren Lagerplatz zu wechseln. zu einer Zeit also. größere materielle Reichtümer in Form von „Immobilien“ anzuhäufen. In einer Jägergesellschaft ist man darauf angewiesen. die bei den Männern mit ihren kriegerischen Heldentaten bemalt waren.

so kann das zu schwerwiegenden Wertkonf likten führen. Teton Sioux. In Zuschnitt. wie das beim Zusammentreffen indianischer und europäischer Kulturen in Nordamerika der Fall war. SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 111 . deren Hemden mit Büscheln von Menschenhaaren verziert waren. um die Träger an ihre Verantwortung für die Menschen zu erinnern. Viele Kleidungs. um 1870. öffentlichen Anlässen getragene Zeremonialkleidung noch reicher und großf lächiger mit Glasperlen zu besticken. Lange nachdem die ponchoartigen Lederhemden von geknöpften Hemden aus Baumwolle abgelöst und Leggings bzw. Teton Sioux. Prallen unterschiedliche Wertsysteme aufeinander. Man muss sich darüber hinaus mit jenen Vorstellungen und Verhaltensweisen befassen. Die blaue und gelbe Bemalung bezieht sich auf Himmel und Erde als den Grundelementen des Kosmos. die materiellen. Stil und Dekor unterscheiden sich diese Stücke deutlich von denen der Vor-Reservationszeit. Yellowstone River. stammen aus der Zeit der Wild-West-Shows. Hugo Müller) Die „Hemdenträger“ waren politische Führer der Sioux. Mokassins. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Für die Charakterisierung der Kultur einer ethnischen Gruppe genügt es nicht. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. wirtschaftlichen. die meist als „moralische Werte“ bezeichnet werden und die jene Konformität erzeugen. B. trug man weiterhin Mokassin statt Schuhe. wie z. perlenbestickte Männerwesten. die eine Gesellschaft von einer anderen unterscheidet.Kriegerhemd mit Dekor aus Stachelschweinborsten.und Ausrüstungsstücke in den Museen. um 1870. sozialen und religiösen Verhältnisse zu beschreiben. Durchziehschurz durch Hosen ersetzt worden waren. als Indianer mit Buffalo Bill und anderen Show-Unternehmern unterwegs waren. Montana. Trotzdem werden sie bis heute in den meisten Museen und Sammlungen ohne Rücksicht auf ihr tatsächliches Alter und ihre Herkunft als „traditionelle“ Bekleidung ausgestellt. Moritz Weniger) Von allen traditionellen Kleidungsstücken der Lakota erwiesen sich Mokassins als am beständigsten gegen eine Ersetzung durch euroamerikanische Industrieprodukte.

Museum für Völkerkunde Wien. In der Vor-Reservationszeit. Darüber hinaus sind Geselligkeit und die Pf lege verwandtschaftlicher Beziehungen weitere wichtige Verhaltensnormen der Lakota. Ebenso veränderte sich die symbolische Bedeutung der Tracht. Teton Sioux. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. bildete der Sonnentanz nicht nur den religiösen. was auf den Reservationen heute als „traditionelle“ Religion praktiziert wird. Teton Sioux (wahrscheinlich Hunkpapa). Im Zuge der Weitergabe an andere Stämme wurden Elemente der Zeremonie in Kriegstänze eingebunden und die Ausrüstung nahm nach und nach ihre heutige Gestalt an. die dann symbolisch in einem Gegenstand oder in einem Tierbalg konzentriert war. auch ein Priester der jeweiligen Kirchengemeinde zugegen ist. dessen Mitglieder ihre Fähigkeiten durch das Hantieren mit glühender Kohle und kochendem Wasser demonstrierten. Die ursprüngliche Form der Religion war auf ein Wesen ausgerichtet. als sich die Lokalgruppen der Lakota noch frei über die Plains bewegen konnten. das als „Wakan Tanka“ bezeichnet wurde.oder Himmelserscheinungen manifestieren. dem Sonnentanz. alle christlichen Formen zu eliminieren. die große geheimnisvolle Macht des Universums. Großzügigkeit und Weisheit genannt.Mato Wamyomni (Whilrlwind Bear). Zu den wichtigsten Identitätsmerkmalen im indigenen Nordamerika zählt die jeweilige Form der Religion. einen sehr weiten Spielraum auf. Ohne die freundliche und liebevolle Kooperation der Familiengemeinschaft wäre ein Lakota schutzlos. der es auch zulässt. dass bei der katholischen Messe mit der heiligen Pfeife gebetet wird. Tieren sowie in Natur. das überwiegend nach „traditionellen“ Formen abläuft. dass bei einem Begräbnis. gleich ob diese auf den Sioux-Reservationen liegen oder außerhalb. Für die „traditionelle“ Kriegergesellschaft der Lakota werden als wichtigste Tugenden der Männer Tapferkeit. Rinehart. In der populären Literatur werden diese Machtkonzentrate als „Medizinbeutel“ bezeichnet. Die seit über hundert Jahren auf den Sioux-Reservationen tätigen Missionare der verschiedensten christlichen Glaubensrichtungen haben die Macht als Wakan Tanka personifiziert und sie als „Großer Geist“ dem christlichen Gott gleichgesetzt. Wahrheitsliebe und Fruchtbarkeit als die erstrebenswerten Tugenden. bei dem zentralen religiösen Ereignis der Lakota. um 1890. Foto: Frank A. Für die Frauen hingegen galten Tapferkeit. Standhaftigkeit. sondern auch den sozialen Höhepunkt des Jahres. Umgekehrt ist es heute selbstverständlich. weil sich dabei die einzelnen sonst weit verstreuten Lokalgruppen im Hochsommer zu einem großen Gemeinschaftslager 112 PETER BOLZ . Bei der Visionssuche versuchte man ein Stück von dieser Macht zu erlangen. Franz Angerer) Der heute bei Powwows von Männern bei Kriegstänzen in Kombination mit einem federbekrönten künstlichen Haarkamm („roach“) aus Hirsch. Aus diesem Grund weist das.und Stachelschweinhaaren getragene Rückenschmuck aus Federn („bustle“) geht auf die Ausrüstung eines schamanistischen Männerbundes der Pawnee zurück. Während sich in der alltäglichen Praxis der Lakota-Religion ursprüngliche und christliche Elemente stark vermischt haben und damit eine neue religiöse „Tradition“ gebildet wurde. weshalb das Verwandtschaftssystem als die Verkörperung von Stärke und Lebenskraft der traditionellen Lakota-Kultur gilt und bis heute zum unverzichtbaren Erbe der Indianer auf der Reservation gehört. Auf der Erde konnte sich diese Macht in Steinen. Großzügigkeit. Daher haben für die Lakota unzählige Orte in ihrem ehemaligen Siedlungsgebiet eine sakrale Bedeutung. Fotosammlung Rückentanzschmuck. hat man in den letzten Jahrzehnten versucht. die sehr stark mit heiligen Stätten verbunden ist und auch mit den Plätzen. an denen die Ahnen begraben sind. 1900.

zusammenfanden, das bis zu 10.000 Personen umfassen konnte. Dabei wurden Verwandtschaftsbeziehungen gefestigt, Heiraten arrangiert, Geschenke ausgetauscht, die Heldentaten des vergangenen Jahres berichtet und politische Angelegenheiten besprochen. Der eigentliche Sonnentanz bestand aus einer viertägigen Zeremonie mit genau festgelegtem Ablauf. Die Teilnehmer – oft nicht mehr als zwanzig – beteten, fasteten und brachten schließlich ein persönliches körperliches Opfer dar, das dem Wohlergehen und dem Fortbestand des Volkes dienen sollte. In seiner Gesamtheit stellt der Sonnentanz der Plainsindianer eine Welterneuerungszeremonie und ein Bitten um Fruchtbarkeit dar. Sein Name stammt vom Starren in die Sonne, das bei den Lakota ein Teil des Rituals war. Bei anderen Stämmen stand das Tanzen und Fasten im Mittelpunkt, bei den Lakota bildeten schmerzhafte Torturen den Höhepunkt des Tanzes. Dabei mussten diejenigen Tänzer, die ein entsprechendes Gelübde abgelegt hatten, ihre Standhaftigkeit unter Beweis stellen. Der „heilige Mann“, der die Zeremonie leitete, und heute meist als „Medizinmann“ bezeichnet wird, machte bei den betreffenden Männern je zwei parallele Schnitte in die Brusthaut oberhalb der beiden Brustwarzen. Durch die Haut wurden Holzsplinte gesteckt und daran zwei lange Seile befestigt, die mit dem heiligen Baum im Mittelpunkt des Sonnentanzkreises verbunden waren. In der Schlussphase des Tanzes müssen sich die Tänzer von den Seilen befreien, indem sie sich mit ihrem ganzen Körpergewicht so lange nach hinten werfen, bis ihre Haut durchreißt. In den Augen der Lakota stellt der Sonnentanz den höchsten Ausdruck ihrer Verehrung von Wakan Tanka dar und bildet die Quelle des Wachsens und Gedeihens und der Erneuerung aller Dinge. Der entbehrungsreiche und schmerzhafte Akt ist eine Danksagung und ein Opfer im Namen des gesamten Volkes. Für jeden Teilnehmer bedeutet dies eine Ehre, er wird meist während oder nach dem Sonnentanz mit einer Vision belohnt. Gleichzeitig stellt er damit eine der wichtigsten Tugenden im Wertesystem der Lakota, nämlich seine Standhaftigkeit, unter Beweis und erhöht damit auch sein soziales Ansehen.
Weiterführende Literatur
DeMallie, Raymond J. 2001 (Hg.) Plains. Handbook of North American Indians 13. Washington, DC: Smithsonian Institution. Hartmann, Horst 1973 Die Plains- und Prärieindianer Nordamerikas. Berlin: Museum für Völkerkunde. Kindertrage. Teton Sioux (wahrscheinlich Oglala), um 1880. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Charles Schreyvogel) Bei den Sioux wurden Kleinkinder in reich verzierten Wiegetaschen aufbewahrt und befördert. Im Gegensatz zu den Wiegenbrettern anderer Plainsvölker besaßen diese Taschen ursprünglich keine hölzernen Versteifungen, obwohl diese Praxis im späten 19. Jahrhundert gelegentlich von Nachbarstämmen übernommen wurde. Heute werden Wiegentaschen aus Stoff im Stil von Quilts (Steppdecken) hergestellt.

Tabakspfeife mit Kopf aus Catlinit. Teton Sioux, um 1800. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Schuhmacher-Popp) Doppelköpfige Tabakspfeifen wurden bei den Sioux zur Erinnerung an die Rettung eines Kriegers durch einen anderen angefertigt. Andere Deutungen der Verdoppelung beziehen sich auf den Gegensatz zwischen Krieg und Frieden, Krieg und Jagd oder Tag und Nacht.

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Der Kampf um das Land der Lakota
Mit dem Eindringen von amerikanischen Siedlern, Goldsuchern und Soldaten in das Land westlich des Missouri und dem allmählichen Verschwinden der Bisons sahen die Lakota ihre althergebrachte Lebensweise immer mehr bedroht. Anders als die weißen Pelzhändler, mit denen die Sioux bis dahin ganz gut zurechtgekommen waren, zerstörten die Siedler das Land, vertrieben das Wild und spielten sich als die Herren auf. Die amerikanische Regierung verlangte von den Sioux, sich ihren Regeln und Gesetzen zu unterwerfen, die sie nicht verstanden. Dieses Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Wertesysteme war Auslöser jener Konflikte, die von amerikanischen Historikern später als die „Indianerkriege“ bezeichnet wurden. Als 1848 in Kalifornien Gold entdeckt wurde und immer mehr Auswandererzüge durch das Land der Lakota rollten, verstärkten sich die Spannungen im Westen zunehmend. Da die USA jedoch gerade einen kostspieligen Krieg mit den Seminole in Florida beendet hatten, wollten sie einen weiteren Krieg dieser Art im Westen vermeiden und riefen 1851 in der Nähe von Fort Laramie im heutigen Wyoming ein großes Friedenskonzil ein. Den USA ging es um den ungehinderten Durchzug der Siedler, um Frieden unter den Stämmen und um das Recht zur Errichtung von Militärposten im Land der Indianer. Dazu mussten die Territorien der einzelnen Stämme genau definiert werden. Für diese Zugeständnisse sollten zehn Jahre lang jährlich Handelswaren im Wert von 50.000 Dollar geliefert werden. Für heutige Ethnohistoriker sind derartige Friedensverhandlungen Paradebeispiele für das Aufeinandertreffen von zwei unterschiedlichen Denksystemen. Beide Parteien hatten nach besten Kräften versucht, die Verhandlungen nach ihren eigenen Interessen zu beeinf lussen, doch waren sie offenbar nicht in der Lage, die Auffassungen der jeweils anderen Seite zu verstehen. Daher stellt die Geschichte der Vertragsabschlüsse zwischen Indianern und Weißen letztlich nichts anderes dar als eine Kette von Missverständnissen. Auch nach diesem Vertragsabschluss setzten die Lakota ihre Überfälle auf die Wagenzüge der Weißen fort, die meist darin bestanden, dass sie einen Teil des Viehs wegtrieben. Ab 1861 sahen sie mit Staunen, wie die Truppen der Armee die Forts in ihrem Gebiet verließen, und sie hörten von großen Schlachten zwischen den Weißen im Osten. Der zwischen 1861 und 1865 geführte Bürgerkrieg berührte sie ansonsten wenig. Sehr viel stärker betroffen waren sie vom so genannten „Aufstand“ der östlichen Sioux oder Santee-Dakota in Minnesota im August 1862. Aus Hunger und Verzweif lung über ausbleibende Lebensmittel-Lieferungen aufgrund von betrügerischen Machenschaften der verantwortlichen Indianeragenten und Händler hatten diese die Siedlung Neu-Ulm überfallen, wobei etwa 400 Weiße umkamen. Dafür wurden dann im Dezember 1862 bei der größten Massenhinrichtung in der Geschichte der USA 38 dieser indianischen „Aufständischen“ gehenkt. Nach dem Sieg der Nordstaaten im Bürgerkrieg, der zur Abschaffung der Sklaverei führte, wollte man auch gegenüber den Indianern im Westen eine humanere Politik betreiben und bildete eine so genannte „Friedenskommission“, die Vertragsverhandlungen aufnehmen sollte. Der Oglala

„Wa-na-ta. Oberhäuptling der Sioux“. Yanktonai Sioux, South Dakota, 1826. Farblithografie nach James Otto Lewis In der Amerikanischen Revolution und bis zum englisch-amerikanischen Krieg von 1812 waren die Sioux Alliierte der Briten. Wanata (ca. 1790–1848), der selbst England besucht hatte, verbündete sich nach 1820 mit den Amerikanern und unterzeichnete 1825 zwei Abkommen mit den USA, in denen unter anderem die Grenzen des Sioux-Lands festgelegt wurden.

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Red Cloud (1822–1909) hatte zwischen 1866 und 1867 mehrere erfolgreiche Angriffe auf Forts und Truppen der Amerikaner angeführt und war so zu einem der einf lussreichsten Häuptlinge aufgestiegen. Gemeinsam mit dem Oglala Crazy Horse (um 1840–1877) war es ihm gelungen, aus einer unorganisierten Masse von Kriegern eine schlagkräftige, gut bewaffnete Truppe zu bilden, die den Amerikanern hohe Verluste beibrachte. Daher setzte die US-Regierung erneut auf Friedensverhandlungen, die im April 1868 wiederum bei Fort Laramie stattfanden. Für Red Cloud und die Sioux war das ein Sieg auf der ganzen Linie, denn in dem Vertrag wurden praktisch alle ihre Forderungen erfüllt. Historiker bezeichnen ihn als einen der vorteilhaftesten, der je mit einer Indianergruppe abgeschlossen wurde. Mit diesem Vertrag wurde die Great Sioux Reservation gegründet, die die gesamte Westhälfte des heutigen Staates South Dakota einschließlich der Black Hills umfasste. In dieser Reservation sollten verschiedene Agenturen eingerichtet werden, um die Sioux mit Nahrung und Bekleidung sowie Schulerziehung, Ausbildung zu Farmern, ärztlicher Betreuung und anderen Leistungen zu versorgen. Innerhalb von vier Jahren sollten die Lakota so weit gebracht werden, dass sie sich als Farmer selbst ernähren konnten. Ferner reservierte der Vertrag große Teile der umliegenden Staaten bis weit nach Montana hinein als Jagdgebiet der Sioux. Als Gegenleistung sollten die Indianer dem Bau von Eisenbahnen, Straßen und Militärposten außerhalb ihres Gebietes zustimmen und alle Weißen unbehelligt lassen. Ein Vertragsartikel machte überdies jede künftige Abtretung von Reservationsland von der Zustimmung von mindestens drei Viertel aller erwachsenen Männer abhängig. Für die Sioux ist der Vertrag von 1868 der wichtigste, den sie jemals mit der US-Regierung abgeschlossen haben, und bis heute beschäftigt er Sioux-Historiker und Rechtsanwälte. Er bildet nach wie vor die Grundlage für die Forderung der Sioux nach Rückgabe der Black Hills, die damals Bestandteil der Great Sioux Reservation waren. An den bestehenden Spannungen zwischen Siedlern und Sioux änderte der Vertrag allerdings nichts. Die Weißen siedelten weiter auf dem Land der Indianer, und diese gingen wie zuvor auf die Jagd und kümmerten sich nicht darum, dass sie eigentlich Farmer werden sollten. Die Spannungen verschärften sich, als 1874 in den Black Hills Gold entdeckt wurde. Nun strömten die Goldsucher massenhaft in die heiligen Berge der Sioux, so dass die US-Regierung versuchte, diesen die Berge abzukaufen. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos, und die Amerikaner griffen zu einem Druckmittel: Alle Sioux sollten sich bis 31. Januar 1876 bei ihren Agenturen einfinden, anderenfalls würde man sie als feindlich einstufen und durch das Militär zurücktreiben lassen. Für die weit im Westen am Powder River lagernden Gruppen war es unmöglich, mitten im Winter in die Agenturen am Missouri zurückzukehren, und sie wurden daher als „feindlich“ angesehen. Das war für die US-Armee Grund genug, unter der Führung von General George Crook (1828–1890) im März 1876 einen Feldzug gegen die Lakota zu eröffnen. Diese hatten erkannt, dass sie um ihr Leben kämpfen mussten, und vereinigten sich zum gemeinsamen Widerstand gegen die Weißen. Der erfahrene Oglala-Stratege Red Cloud befürwortete zwar den Krieg, blieb aber in seiner Agentur. Daher lag die Führung der Indianer in den Händen des einf lussreichen Hunkpapa Sitting Bull (um 1831–1890) und des jungen Oglala Crazy Horse. Crook wurde am 17. Juni von einer großen Streitmacht der verbündeten Indianer unter der Führung von Crazy Horse angegriffen und musste sich zurückziehen. Am 25. Juni stieß ein Erkundungstrupp unter Oberst George Armstrong Custer (1839–1876) am Little Bighorn River im heutigen Montana auf ein großes Indianerlager, das aus Lakota und mit ihnen verbündeten Cheyenne bestand. Custer, der sich für einen unbesiegbaren Indianerkämpfer hielt, griff das Lager an und eröffnete damit den berühmtesten Kampf in der Geschichte der Indianerkriege, die

Vertragsverhandlungen zwischen Indianern und einer amerikanischen Regierungsdelegation in Fort Laramie, 1868. Foto: Alexander Gardner. National Anthropological Archives, Smithsonian Institution, Washington Im großen Ratstipi bei Fort Laramie saß der Oglala Red Cloud General William T. Sherman (1820–1891) gegenüber, von dem die Äußerung überliefert ist: „Die einzigen guten Indianer die ich kenne, sind tot.“

Schlacht am Little Bighorn River, von den Amerikanern als Custer-Schlacht bezeichnet. Custer und 261 Männer kamen dabei ums Leben. Dieser letzte große Sieg der Indianer über die Armee der Vereinigten Staaten verdarb den Amerikanern gründlich die Feiern zum hundertjährigen Gründungsjubiläum der USA und erregt noch heute die Gemüter. Über kein Ereignis der Indianerkriege ist seither mehr geschrieben worden, so dass die als „Custeriana“ bezeichneten Druckwerke ganze Bibliotheken füllen. Der Ort, an dem Custer und seine Männer fielen, ist heute eine nationale Gedenkstätte auf der Reservation der Crow, die damals als Scouts mit Custer gegen die Sioux kämpften. Nicht nur für die Lakota, sondern für alle Indianer Nordamerikas ist Custer heute ein Symbol für alles Schlechte, das ihnen von den Weißen im Laufe ihrer Geschichte jemals zugefügt wurde. In den 1960er Jahren erfanden die „Neuen Indianer“ daher den Slogan „Custer Died for Your Sins“ („Custer starb für eure Sünden“), den der Autor Vine Deloria (1933–2005) – selbst Spross einer Familie episkopalischer Geistlicher auf der Standing Rock Reservation – 1969 zum Titel seines Bestsellers machte. Er drückt am besten die Gefühle aus, die die Indianer bis heute diesem zweifelhaften „Helden“ der Indianerkriege entgegenbringen. Für die Lakota des Jahres 1876 markierte die Schlacht am Little Bighorn River das Ende ihres freien Jägerdaseins auf den Great Plains. Was nun folgte, war eine Art von Kesseltreiben der amerikanischen Armee, die die versprengten Indianergruppen einzeln verfolgte und zu ihren Agenturen brachte. Im Herbst des gleichen Jahres stellte die US-Regierung die Lakota vor die Alternative, entweder zu verhungern oder der Abtretung der Black Hills zuzustimmen. 171 führende Lakota unterzeichneten schließlich das Abkommen, darunter Red Cloud von den Oglala und Spotted Tail von den Sicangu. Die Klausel im Vertrag von 1868, der zufolge drei Vierteltel aller Männer einer solchen Landabtretung zustimmen müssten, wurde einfach ignoriert. Für die heutigen Lakota war dies ein illegaler Akt der amerikanischen Regierung. In ihren Augen haben die Weißen ihnen das Land damals gestohlen, und darauf gründen sie ihre Forderung nach Rückgabe ihrer heiligen Berge. Damit war jedoch die Zerschlagung der 1868 feierlich besiegelten Einrichtung der Great Sioux Reservation noch nicht beendet. In einem

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„Das große Lager der Feindlichen“, Pine Ridge Reservation, South Dakota, 1891. Foto: John C. H. Grabill. Library of Congress, Washington Die vordergründige Idylle des Zeltlagers täuscht über die Veränderungen hinweg, die 1891 das Land der Sioux erfasst hatten. Im Hintergrund sind die Gebäude der Indianeragentur von Pine Ridge zu sehen, in deren Schatten die Überlebenden des Massakers von Wounded Knee die weitere Entwicklung der Lage abwarteten.

weiteren Abkommen von 1889 wurde das bis dahin zusammenhängende Gebiet in sechs einzelne Reservationen aufgeteilt: die Pine Ridge Reservation für die Oglala, die Rosebud und die Lower Brule Reservation für die Sicangu, die Crow Creek Reservation für Yankton und Yanktonai, die Cheyenne River Reservation für Minneconjou, Sihasapa, Oohenonpa und Itazipco, und die Standing Rock Reservation für Hunkpapa, Sihasapa, Yankton und Yanktonai. Die Grundlage für diese Zerschlagung der Great Sioux Reservation bildete der 1887 erlassene General Allotment Act, ein Gesetz, das die Überführung des indianischen Gemeinschaftslandes in Privateigentum vorsah. Jeder Familie wurde eine Landparzelle zugewiesen, die sie landwirtschaftlich nutzen sollte, der Rest des Reservationslandes fiel an den Staat. Die erzwungene Verwandlung der ehemaligen Nomaden in Farmer sollte zur „Zivilisierung“ der Ureinwohner beitragen, womit hoffte man, das „Indianerproblem“ endgültig aus der Welt zu schaffen. Die neu eingerichteten Reservationen standen unter der Aufsicht eines Indianeragenten, so dass die traditionellen politischen und religiösen Führer immer mehr an Einf luss verloren. Jagd und Krieg gab es nicht mehr und die jungen Männer gingen nicht mehr auf Visionssuche, um persönliche Macht für sich zu gewinnen. Der Sonnentanz wurde offiziell verboten, und auch wenn er von einigen Lakota heimlich weiter aufgeführt wurde, so fehlte doch das große religiöse Gemeinschaftserlebnis. Dieses religiöse Vakuum versuchten zwar die Missionare durch das Christentum zu ersetzen, doch aus dem Westen kam in dieser Zeit eine andere Form der Religion, die sich ab 1889 auf den Plains ausbreitete: der Geistertanz. Diese von den Paiute in Nevada ausgehende religiöse Bewegung hatte zum Ziel, die

Erde zu erneuern, die Bisons zurückkehren zu lassen und alle Weißen zu vertreiben. Das Tanzen war dabei für die Lakota ein rituelles Mittel, um eine spirituelle und physische Verbesserung ihrer damaligen Situation herbeizuführen. In den Augen der Weißen hingegen kündigte das Tanzen einen bevorstehenden Indianerkrieg an. Für die Lakota besaß der Geistertanz keine militanten Züge. Die Feindseligkeiten wurden allein durch die Indianeragenten provoziert, die den Tanz stoppen wollten und dafür die Armee anforderten. Beim Versuch, den als Kriegstreiber verdächtigten Sitting Bull auf der Standing Rock Reservation zu verhaften, wurde er im Dezember 1890 von Indianerpolizisten erschossen. Darauf hin f loh eine Gruppe von Minneconjou unter ihrem Häuptling Big Foot (†1890) nach Süden auf die Pine Ridge Reservation. Nahe dem Ort Wounded Knee wurde sie von der Armee gestellt und sollte entwaffnet werden. Dabei löste sich offenbar ein Schuss und die Soldaten eröffneten das Feuer auf die wehrlosen Männer, Frauen und Kinder. Über 200 Indianer starben an diesem 29. Dezember 1890 im Schnee und wurden einige Tage später in einem Massengrab verscharrt. Mit den Toten von Wounded Knee starb die letzte Hoffnung der Lakota auf eine bessere Zukunft, und der Geistertanz endete abrupt. Weiterführende Literatur
Hyde, George E. 1956 A Sioux Chronicle. Norman: Universit y of Oklahoma Press. Utley, Robert M. 1963 The Last Days of the Sioux Nation. New Haven: Yale Universit y Press.

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Leben auf der Reservation
Die Ausrottung der Bisonherden als vermeintlich unerschöpfliche Nahrungsquelle und das Ende des militärischen Widerstands bedeutete für die Lakota die Notwendigkeit einer Anpassung an die Gegebenheiten des Reservationslebens. Diese sind bis heute bestimmt von wirtschaftlichen Problemen, politischen Konflikten zwischen „Traditionalisten“ und „Progressiven“ sowie einem zunehmenden Pluralismus der Werte, aber auch von stolzer Erinnerung an das kulturelle Erbe, das in lebendig veränderter Form ein Ausdruck ungebrochener Identität der Lakota ist. In der Zeit nach dem Geistertanz wurden die einzelnen Landparzellen an die Lakota verteilt, doch anstatt sich vorwiegend dem Ackerbau zu widmen, versuchten es die Indianer erst einmal mit der Viehzucht. Den spärlichen Quellen nach zu urteilen, die es für diese Jahre gibt, waren die Lakota bis zum Ersten Weltkrieg in der Aufzucht von Vieh recht erfolgreich, während die Familien nebenbei auch Gemüse, Kartoffeln, Mais, Weizen und Hafer anbauten. Dies war die Zeit, in der aus ehemaligen Bisonjägern Cowboys wurden. Da sich das Vieh frei über die Weiden bewegen konnte, wurden im Frühjahr und Herbst große Viehauftriebe abgehalten, bei denen das Jungvieh das Brandzeichen seines Besitzers aufgedrückt bekam. Diese wirtschaftlichen Veränderungen schlugen sich auch in der Alltagskleidung der Indianer nieder, und bis heute gehören Cowboyhut und Cowboystiefel zur Standard-Ausrüstung auf der Reservation. Darüber hinaus hielt das Rodeo damals Einzug auf den Sioux-Reservationen, und viele Indianer wurden zu bekannten Rodeo-Reitern. In der frühen Reservationszeit verdingten sich viele Sioux auch im Showgeschäft, darunter Sitting Bull, der sich 1885 von Buffalo Bill für ein Gastspiel in den USA und Kanada anheuern ließ. Zwischen 1883 und 1916 gingen zahlreiche Lakota mit Buffalo Bill und anderen Wild-WestShows auf Tournee und lernten dabei nicht nur den Osten der USA, sondern auch viele Staaten Europas kennen. Mit ihren imposanten Federhauben und ihrer kriegerischen Aufmachung trugen sie dazu bei, das Klischeebild vom federgeschmückten Reiterkrieger weiter zu festigen. Um Indianern die Integration in die Mehrheitsgesellschaft zu ermöglichen, mussten die Kinder in Schulen geschickt werden, wo man ihnen neben Lesen, Schreiben und Rechnen vor allem die englische Spra-

„Abhäuten der Rinder“, Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota. Foto: John C. H. Grabill (erw. 1887–1891), 1891. Library of Congress, Washington, DC Nach der Ausrottung der Bisons war das Überleben der Sioux von den oft unzureichenden Nahrungslieferungen der Regierung abhängig. Rinder wurden lebend angeliefert und von den Sioux wie bei der Jagd getötet. Die schlechte Nahrungsversorgung förderte die Unzufriedenheit der Sioux mit dem Leben auf den Reservationen und den Widerstand gegen die US-Regierung.

Knabenjacke mit Glasperlendekor. Teton Sioux (?), um 1910. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. C. und A. Vonwiller) Kleidungsformen nach westlichem Vorbild verdrängten nach und nach die alte Tracht. Leder und Glasperlendekor erinnern an die alte Zeit; f lorale und Vogelmotive sind mit traditionellen Federmotiven und geometrischen Mustern kombiniert, und der Name des Trägers (John Makatoala) als Teil der Verzierung zeigt die wachsende Bedeutung der Schriftlichkeit unter dem Einf luss der Schulen.

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dass Lohnarbeit außerhalb der Reservationen keine permanente ökonomische Sicherheit gab. Eine Abstimmung mit einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung brachte schließlich das Vorhaben zu Fall. vor allem Autos. als die Veteranen aus dem Krieg und die Arbeiter aus der Kriegsindustrie wieder auf die Reservationen zurückkehrten. ob der Prozess der Assimilation etwas Unvermeidliches sei. Die meisten Indianer waren nun auf Gelegenheitsarbeiten angewiesen. Politische Erneuerung Die 1950er Jahre bescherten den Indianern der USA die Terminationspolitik der US-Regierung. dass ein hoher Prozentsatz der Absolventen ihrer eigenen Kultur entfremdet wurde. Am Ende des Zweiten Weltkrieges. ruinierten das. die vor allem von den Kriegsveteranen ausgingen. ihr Land zu verkaufen. im besten Sinne der Indianer zu handeln. dass ihnen zugleich die Möglichkeit eröffnet wurde.che beibrachte und eine christliche Erziehung zuteil werden ließ. Auf diese Weise schuf dieses Umsiedlungsprogramm eine Reihe indianischer Großstadtslums mit den bekannten Syndromen von Rassentrennung und Diskriminierung. Zusätzlich erhielt jede größere Gemeinde eine Tagesschule und jede Missionsstation eine Missionsschule. passiv und leblos. bot sich die Kriegsindustrie als neue Beschäftigungsmöglichkeit an. wodurch sich die vorhandenen Spannungen zwischen den „Traditionalisten“ und den „Progressiven“ weiter verschärften. Als Grund dafür wurde genannt. wurde die Perspektivlosigkeit des Reservationslebens besonders deutlich. Als die Arbeitsbeschaffungsprogramme des New Deal 1942 ausliefen. Doch die Mehrzahl der Lakota. Die Eltern begegneten diesen Maßnahmen mit größtem Misstrauen. Sie fühlten sich als Amerikaner und wollten als solche behandelt werden. Erst mit den ab 1933 von Präsident Franklin Roosevelt (1882–1945) initiierten Arbeitsbeschaffungsprogrammen im Rahmen des New Deal verbesserte sich die ökonomische Situation auf den Reservationen allmählich. da sie feststellen mussten. die Rechte der Indianer auf den Reservationen zu beschneiden. So begann im Herbst 1879 für 82 Sioux-Kinder die Erziehung in der weit von ihrer Heimat entfernten Internatsschule von Carlisle in Pennsylvania. denn es hatte sich gezeigt. Die Finanzkrise von 1929 und die gleichzeitige Dürrekatastrophe. was von der Land. und neigten dazu. um die gesamte indianische Bevölkerung zu ernähren. Schließlich wurden die neuen Verfassungen für jede der Reservationen mehrheitlich beschlossen. die Indianer erschienen zurückgezogen. Es herrschte ein Mangel an Initiative. Dies war das erste Mal. die sich dort breit gemacht hatte. Zusätzlich verpachteten sie ihr Land an weiße Viehzüchter. der sich auf ihre Wertvorstellungen auswirkte. Dieser Erfolg und andere Ereignisse bewirkten in der indianischen Bevölkerung South Dakotas einen Bewusstwerdungsprozess. Dabei schien es geboten. musste das Automobil eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausüben. und gerade für die Sioux als ehemalige Jäger und Krieger schien solch eine Karriere in höchstem Maße erstrebenswert. das ihnen ohne das Vieh sowieso nutzlos erschien. Damit verbunden waren ein gewisser Nationalstolz und eine Loyalität gegenüber den Vereinigten Staaten. als sie ihnen eine neue. Damit begann für die Lakota eine Periode der Geldwirtschaft. dass ihre Kinder dort einer Disziplin unterworfen wurden. Die Stammesratspräsidenten der Sioux-Reservationen schlossen sich darauf hin zu den United Sioux Tribes zusammen. Nach diesem Vorbild wurden kurz darauf auch auf den Reservationen solche Boarding Schools eingerichtet. dass die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs den Prozess der Akkulturation der Lakota weiter vorangetrieben haben als alle Anstrengungen von Indianeragenten und Missionaren davor. Für Autos verkauften die Lakota selbst ihre Pferde – zum Preis von 25 Pferden pro Fahrzeug. sich immer mehr mit ihrem tribalen Erbe zu identifizieren. vollständig. Die Indianer besaßen zum ersten Mal das Gefühl. die den gesamten Mittelwesten der USA erfasst hatte. wodurch für die Lakota die Pachtzahlungen für ihr Land ausblieben. dass auf allen Reservationen South Dakotas die natürlichen Ressourcen nicht ausreichen würden. Daher kann man wohl sagen. die Reservationen aufzulösen und die Indianer in den „Schmelztiegel“ der amerikanischen Gesellschaft zu integrieren. um gemeinsam gegen diese Maßnahmen vorzugehen. Dieser Trend war Ausdruck einer allgemeinen Bewegung 118 PETER BOLZ . dass man Indianerpolitik nicht den Bürokraten in Washington überlassen dürfe. Zur gleichen Zeit leitete die US-Regierung eine neue Reformpolitik ein. was die meisten Lakota dazu verleitete. In einer Deklaration wurde der Terminationspolitik eine Absage erteilt und das Recht auf Selbstbestimmung für die Indianer gefordert. Das Ergebnis war der Indian Reorganization Act von 1934. Als erster Schritt dazu war ihre Umsiedlung in bestimmte Großstädte vorgesehen. In South Dakota versuchte die Staatsregierung 1963. Da hielten sie es für ein Glück. eine breite Öffentlichkeit auf die Probleme der Indianer aufmerksam zu machen. wodurch sie weitere Einnahmen erzielten. die darauf abzielte. in der die Mobilität so tief verwurzelt war wie in jener der Lakota. Der Effekt dieser repressiven Art von Erziehung bestand meist darin. sie von ihren Eltern zu trennen. die eine Absage an die bisher üblichen „Zivilisierungsmaßnahmen“ bedeutete. Beobachter des Lebens auf den Lakota-Reservationen berichteten von einer zunehmenden Apathie. Zugleich begann sich jedoch in der „Indianerszene“ außerhalb der Reservationen etwas zu bewegen. Auf eine Gesellschaft. Viele junge Indianer traten in den Dienst der Armee. durch die für sie erstmals die Luxusgüter der Weißen. in der weißen Gesellschaft gebraucht zu werden und willkommen zu sein. Die Nachkriegs-Depression trieb jedoch viele der weißen Viehzüchter in den Bankrott. die die Reservation verließen. dass Lakota in solch großer Zahl die Reservation verließen. in der Kultur der Weißen jedoch keine Wurzeln schlagen konnte und daher als „Versager“ galt. die befürchteten. die ihnen völlig fremd war. ihr gesamtes Vieh zu verkaufen. die erkannt hatten. bestand aus ungelernten Arbeitern und fand nur saisonale oder kurzfristige Arbeit. um sie so dem „schädlichen“ Einf luss ihrer „unzivilisierten“ Umgebung zu entziehen. Andere Lakota arbeiteten auf den Schiffswerften an der Westküste oder in den Fabriken in Chicago und Detroit. um am Arbeitsprozess der weißen Bevölkerung teilzuhaben. Damit begann ein groß angelegter und von der Regierung unterstützter Ankauf von Indianerland durch weiße Farmer und Spekulanten. Auch die Verbote für Tänze und Zeremonien wurden – sehr zum Missfallen der Missionare – aufgehoben Die Reformpolitiker des New Deal waren davon überzeugt. den sogenannten „Full Bloods“. Mit der 1961 abgehaltenen National Indian Chicago Conference wurde erstmals versucht. dass nun die „Mixed Bloods“ die Herrschaft über die Reservationen antreten würden. der das Landaufteilungsgesetz von 1887 wieder abschaffte und auf den Reservationen ein System der Selbstverwaltung einführte. wo sie der Lohnarbeit nachgehen sollten. Impulse aus der Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner sprangen auf indianische Studentenorganisationen über. demokratische Regierungsform verordneten. Der Widerstreit zwischen den alten kulturellen Werten und dem Zwang zur Anpassung an die neuen Gegebenheiten wurde immer größer. und das Rote Kreuz und die US-Regierung versorgten sie mit den notwendigsten Lebensmitteln. Bis heute wird von Indianern das System der Boarding Schools als eine der schlimmsten Maßnahmen zur Zerstörung ihrer ursprünglichen Kultur angesehen. Bis heute ist dieser ausgeprägte Gegensatz zwischen diesen beiden politischen Gruppierungen auf den meisten LakotaReservationen zu finden.und Viehwirtschaft der Lakota bis dahin übrig geblieben war. zugänglich waren. Sie rechneten nicht mit dem Widerstand der traditionellen Lakota. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges stiegen die Viehpreise stark an. Sie begannen in Frage zu stellen.

dass das Erntedankfest der Weißen. Foto: Reinhard Mandl Hundert Jahre nach den traumatischen Ereignissen von Wounded Knee waren die seelischen Wunden nicht verheilt. Neben den radikalen AIM-Anhängern gab es eine noch breitere Schicht von Indianern. sah in den „Traditionalisten“ des American Indian Movement die Ursache allen Übels auf der Reservation. Weitere Protestaktionen unter der Führung von Russell Means erfolgten 1972 in Gordon. Aktionen mediengerecht zu inszenieren. so dass Organisationen wie AIM auch dort Fuß fassen konnten. Diese Aktivitäten von AIM in South Dakota waren allerdings nur das Vorspiel zu einer weit größeren Aktion auf der Pine Ridge Reservation. Wie war es zu dieser Besetzung gekommen? Der damals auf der Pine Ridge Reservation amtierende Stammespräsident Richard Wilson (1935–1990) aus der der Fraktion der „Progressiven“. Die Konfrontationen der frühen 1970er Jahre verhärteten aber die bestehenden Fronten in South Dakota und verhinderten die Entstehung einer Bewegung mit einer breiteren Basis. da sie dieses Denkmal als Verschandelung ihrer heiligen Berge ansahen. verbündeten sich die traditionellen Führer auf der Reservation angeblich mit den Leuten von AIM. das 1968 in Minneapolis ins Leben gerufen wurde. um das Regime von Wilson zu beenden. Um sich vor ihnen zu schützen. Die Aktionen von AIM wurden weltweit bekannt. erfolglos verlief. In diese Zeit fiel auch die Gründung des American Indian Movement (AIM). eigentlich ein nationaler Trauertag für die Indianer sein müsste. dass am 27. Februar 1973 etwa 200 bewaffnete Anhänger des American Indian Movement den kleinen Ort Wounded Knee besetzten und die elf dort lebenden SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 119 . die Wahrheit von der Legende zu trennen. dass es heute nicht mehr möglich ist. seit sie von dem Oglala-Sioux Russell Means (*1939) geplant und durchgeführt wurden. die auf der Reservation eine Art von Terror-Regime ausübte. Vor allem die Indianer in den Großstädten waren für die Ideen der „Neuen Indianer“ empfänglich. die 1973 stattfand und als die „Besetzung von Wounded Knee“ in die jüngste Indianergeschichte einging. Allerdings sind die Berichte über Gründe und Hintergründe dieser Aktion so widersprüchlich. Die erste seiner Aktionen war das Kapern einer Nachbildung des Schiffes Mayf lower am Thanksgiving Day 1970. Bei Straßenkämpfen mit der Polizei gingen drei Gebäude in Flammen auf. unter Indianern Nordamerikas. da sie dort ihre kulturelle Entfremdung besonders deutlich spürten. ohne dabei den direkten Konf likt mit den Weißen zu suchen. die mit Bezeichnungen wie „Indian Resistance“ oder „Red Power“ belegt wurde. South Dakota. ebenso wie der Columbus Day. die lokale oder allgemeine Probleme der Indianer öffentlich machen sollten.Big Foot-Gedächtnisritt. hatte er eine private Schlägertruppe aufgestellt. Kennzeichen dafür waren geplant durchgeführte Protestaktionen. Man wollte damit zeigen. Means hatte das Talent. Nebraska. Im Mai 1971 erkletterte eine Gruppe von AIM-Aktivisten die Präsidentenköpfe am Mount Rushmore in den Black Hills. Ebenso wenig hatten die Opfer und ihre Nachkommen irgendeine Form der Entschädigung oder eine Geste der Entschuldigung erhalten. die eine Rückkehr zu traditionellen Wertvorstellungen anstrebte. Als der Versuch. Klar ist lediglich. Ein von traditionalistischen Sioux veranstalteter Gedenkritt entlang des Weges von Big Foot und seiner Anhänger in den Tod sollte zur notwendigen Trauerarbeit und zur Versöhnung mit der Vergangenheit beitragen. Viele dieser Stadtindianer verbreiteten diese Ideen auch auf den Reservationen. so dass ihm die Aufmerksamkeit der ganzen Nation sicher war. und 1973 in dem Ort Custer. Wilson seines Amtes zu entheben. 1990. der mitten in den Black Hills liegt.

nicht auf die Reservation zurückkehren zu müssen. kehrte auf der Pine Ridge Reservation wieder Friede ein. das es indianischen Eltern und der zuständigen Gemeinde erlaubt. mit ihrer Verwandtschaft zu teilen. die am ehesten in der Lage wären. Alle Experten sind sich darin einig. der ein größeres Projekt oder einen Betrieb leiten soll. Zurück bleiben die weniger gut oder gar nicht ausgebildeten. wie sie in der weißen Gesellschaft erwartet werden. stolz auf ihre kulturellen Traditionen zu sein. Kulturelle und religiöse Erneuerung Diente die Schulerziehung der Indianerkinder noch bis in die 1960er Jahre dem Zweck. gehören die Sioux-Reservationen in South Dakota zu den ärmsten in den gesamten USA. das auf den Reservationen gerne totgeschwiegen wird. Da den Stammespolitikern ständig vorgeworfen wird. Der Indian Education Act war somit das erste Gesetzeswerk. mit der Wahl des „gemäßigten“ Stammespräsidenten Al Trimble (1928–1982). Die von der US-Regierung auf den Reservationen betriebene „Dienstleistungsökonomie“ als eine besondere Form von subventionierter Armut tendiert dazu. Dadurch hielt nicht nur die Lakota-Sprache Einzug in den Unterricht. Bereits nach kurzer Zeit waren die Besetzer von einem Ring aus FBI-Agenten. in vollem Umfang an der Geldwirtschaft des weißen Amerika teilzuhaben. werden sie moralisch unter Druck gesetzt. dass sie in die eigene Tasche wirtschaften. Indianer. die das Massaker von Wounded Knee 1890 dokumentiert hatten. Gerade jene Lakota. US-Marshalls. weshalb die meisten der von ihnen geförderten Projekte zur wirtschaftlichen Entwicklung zum Scheitern verurteilt sind. traditionelle Wertvorstellungen mit den Erfordernissen der Welt der Weißen zu kombinieren. auf den Reservationen nicht zur Verfügung stehen. Ihr Verdienst kommt somit zwar der Verwandtschaft zugute – was oftmals auch als „indianische Sozialversicherung“ bezeichnet wird –. ob Armut ein besonderes Kennzeichen von Reservationskultur ist und wo sie ihre Wurzeln hat. so dass die Forderung nach Rückgabe der Black Hills weiterhin besteht. Bis dahin war die Möglichkeit. was er zu tun habe. und am 8. haben es schwer. Geld hat bei ihnen eher die Funktion einer Tauschware und wird nicht als Kapital angesehen. Das hat zur Folge. In vielen europäischen Ländern wurden AIM-Unterstützungsgruppen gegründet. ihren Lebensstandard zu verbessern. Gemeint ist der stetige Abf luss der Intelligenzschicht von den Reservationen. Das wichtigste Ziel dieser neuen Form der Erziehung ist es. Man stellt sich daher die Frage. aktiv an der Erstellung von Schulprogrammen teilzuhaben. Der bedeutendste Effekt aber war wohl. dass man sich gegen Willkürmaßnahmen zur Wehr setzen kann. dass AIM weit über die Grenzen der USA hinaus bekannt wurde. die Arbeitslosen und die Alkoholiker. in denen Kultur und Geschichte der Lakota behandelt wird. Erst 1976. Das unmittelbare Ergebnis dieser Aktion waren zwei erschossene Indianer. sondern eine ganze Reihe weiterer Fächer. Nachdem Russell Means 1974 trotz seiner großen Bekanntheit die Wahl zum Vorsitzenden des Stammesrats gegen Dick Wilson verloren hatte. Stammespolizei und schließlich von Soldaten der Nationalgarde eingeschlossen. Eine mögliche Ursache für einen großen Teil der oben geschilderten Probleme könnte auch ein Phänomen sein. erzeugt bei der Reservationsbevölkerung eine Haltung von Passivität. sie bestmöglich in die amerikanische Gesellschaft zu integrieren. Am Ende ging es nur noch darum. Die Besetzer führten eine professionell geleitete Medienkampagne durch. ein niedergebrannter Handelsposten sowie ein zerstörtes und geplündertes Museum mit indianischen Objekten. ohne dafür die Reservation verlassen zu müssen. dass alles für sie geregelt wird. muss einerseits organisatorische Fähigkeiten besitzen. Andererseits muss er sich mit dem kulturellen System der Lakota auseinandersetzen. Solche Forderungen wiesen die Regierungsvertreter natürlich zurück. nämlich der so genannte „Reservation Brain Drain“. doch scheuten die Verantwortlichen die negative Berichterstattung. um den Widerstand der Indianer finanziell und moralisch zu stärken. Die Besetzung hat sicherlich dazu beigetragen. Da es den Lakota niemals gelungen ist. so haben sich die Erziehungsziele der Indianerschulen seither grundlegend geändert. eine abgebrannte katholische Kirche. Ursachen für die Armut der Lakota Wie Statistiken immer wieder belegen. die vorhandenen Zustände zu festigen und jede Entwicklung zu verhindern. die ihren Fähigkeiten entspricht. etwas von ihrem Verdienst zurückzulegen. sind nur allzu froh. Meist fehlt es an Führerpersönlichkeiten. ein Gesetz. den Kindern zu vermitteln. um Material für einen kulturell relevanten und zweisprachigen Unterricht zu beschaffen. und hat vor allem gezeigt. irgendeine Form von Kapital zu bilden.und Medienleute. die Zustände auf der Reservation zu verbessern. die außerhalb der Reservation eine akademische Ausbildung absolvieren. fehlen ihnen die Erfahrungen und Fähigkeiten dazu. Die wichtigsten „Belagerer“ waren jedoch die Presse.Weißen als Geiseln nahmen. Ein großes Problem ist das des Managements. der 120 PETER BOLZ . Das Bewusstsein. die sich in Resignation oder Apathie äußert. da sie einem endgültigen Verkauf der Berge gleich käme. die Solidarität der Indianer innerhalb und außerhalb der Reservationen zu festigen. ein College zu besuchen. das man für zukünftige Bedürfnisse zurücklegt. an den bestehenden Zuständen etwas zu ändern.5 Millionen Dollar (inklusive Zinsen) zu. dass die Abhängigkeit von den Dienstleistungen der US-Regierung zu den wichtigsten Ursachen für die Armut gehört. Bezüglich der Art und Weise waren die Lakota allerdings nach Wounded Knee noch genau so zerstritten wie davor. die den traditionellen Werten folgen. die in der Lage sind. dass man diese Summe nicht annehmen könne. wie beide Seiten möglichst unbeschadet aus der Sache herauskommen konnten. Ein weiterer Faktor ist der Mangel an tribaler Einheit. Ein Lakota. dem Teufelskreis von Armut und Abhängigkeit zu entkommen. Die meisten Familien leben am Rande des Existenzminimums. das niemandem erlaubte. Voraussetzung dafür war der Indian Education Act von 1972. Ohne diese Medienpräsenz hätte die Polizei die Geiselnahme schnell beenden können. Die Lakota waren sich allerdings schnell einig. Außerdem wurden Gelder zur Verfügung gestellt. und innerhalb kürzester Zeit waren die beiden hauptverantwortlichen AIM-Führer Russell Means und Dennis Banks (*1932) zu weltweit bekannten Medienstars geworden. Die geänderte Gesetzeslage führte auch zur Gründung von Communit y Colleges auf den Reservationen. sondern auch sämtliche 371 mit Indianern geschlossenen (und gebrochenen) Verträge zu untersuchen. dass die fähigsten Leute. doch sind sie so nicht in der Lage. wurde 1975 das Lakota Treat y Council als eine Art Gegenregierung ins Leben gerufen. da gut ausgebildete Leute dort keine Arbeit finden. einem anderen vorzuschreiben. das es den Indianern ermöglichte. die nicht in der Lage sind. Mai 1973 wurde Wounded Knee schließlich geräumt. fehlt es ihnen an Unterstützung aus der Bevölkerung. Wenn sie versuchen. Im Jahre 1980 erregte ein Urteil des Obersten Gerichtshofes der USA internationales Aufsehen: Es bezeichnete die Enteignung der Black Hills als unrechtmäßig und sprach den Lakota dafür eine Entschädigungssumme von 122. so dass sich die Verhandlungen endlos in die Länge zogen. eine Kontrolle über die Schulausbildung ihrer Kinder auszuüben. ohne dass sie dabei eigene Entscheidungen treffen kann. Bei den an die Regierung der USA gestellten Forderungen der Besetzer ging es nicht nur darum. die pausenlos über diesen neuen „Indianerkrieg“ und den „Aufstand der Sioux“ berichteten und sich von Anfang an auf die Seite von AIM geschlagen hatten.

Einige traditionell orientierte Sonnentanz-„Veteranen“ waren allerdings mit dem wachsenden Einf luss von AIM auf diese Zeremonie nicht einverstanden. Als derselbe Priester im Jahr darauf wieder Einf luss auf den Sonnentanz nehmen wollte. South Dakota. Die Zuschauer kamen nur des Spektakels wegen. weshalb der damalige Stammespräsident Dick Wilson die Zeremonie von der Pine Ridge Reservation verbannte. Oglala Lakota College Powwow. Nur wenige ältere Männer und Frauen hatten überhaupt noch Interesse an dem Ritual. Der Einf luss von AIM hatte bewirkt. einer der führenden Köpfe des American Indian Movement. Schusswaffen und Alkohol waren jetzt strikt verboten. nicht wegen der religiösen Bedeutung des Tanzes. Zukunftsorientierte Bildung und Stolz auf die Vergangenheit sind kein Gegensatz. Dieser Einf luss verursachte einen radikalen Wandel in der Form des Tanzes. Für Ethnologen und andere Beobachter des frühen Reservationslebens schien dieses Ritual nicht mehr zu existieren. So kam es zu einer Aufspaltung des Sonnentanzes in eine Vielzahl einzelner Zeremonien. der Rest der viertägigen Zeremonie war Powwow-Tänzen gewidmet. das heißt mit dem Durchbohren der Brusthaut. von denen einige inzwischen zu „Universitäten“ aufgewertet wurden. Lediglich von der Standing Rock Reservation wird berichtet. 1983 Während die Wiederansiedlung kleiner Bisonherden auf der Pine Ridge Reservation in erster Linie symbolischen Charakter hatte. sondern nur noch von einer Großfamilie organisiert wurden. 1970 zelebrierte ein Jesuitenpater am Ende des Pine Ridge-Sonnentanzes eine katholische Messe. dass dort 1936 und 1937 wieder zwei „richtige“ Sonnentänze stattfanden. es fanden somit keine Powwows oder andere Volksbelustigungen mehr statt.und Fotokameras. attackierte in einer langen Rede die katholische Kirche und speziell die Jesuiten auf der Reservation. 1983 In den von den Sioux selbst kontrollierten Schulen und Colleges auf den Reservationen kommt der Besinnung auf die Tradition ein großer Stellenwert zu. Nach der Abwahl von Dick Wilson 1975 wurde der Sonnentanz auf Pine Ridge wieder zugelassen. nämlich mit Piercing. und ab 1973 stand die Zeremonie unter der Leitung des „spirituellen Führers“ von AIM. Der eigentliche Sonnentanz fand nur an ein oder zwei Tagen statt. Foto: Christian Feest. änderte sich doch sein ursprünglicher Charakter: Vom öffentlich gefeierten jährlichen Ereignis wurde er zum Untergrund-Ritual. Eine etwas ausführlichere Beschreibung des Pine Ridge-Sonnentanzes von 1954 macht deutlich. Der schon erwähnte Sonnentanz ist dafür das eindrucksvollste Beispiel. Kommerzielle und nicht-religiöse Aktivitäten wurden nicht mehr geduldet. stellte die Neubelebung der Rinderzucht im späten 20. Neben der Vermittlung einschlägiger Lehrinhalte wird dieses Ziel durch Powwows zu Beginn und am Ende des Schuljahrs verfolgt. das heißt den Bewohnern einer Reservation. Jahrhundert einen Versuch dar. Pine Ridge Reservation. Von der Pine Ridge Reservation hingegen heißt es. Die Sonnentänzer wichen auf die benachbarte Rosebud Reservation aus. Foto: Peter Schwarzbauer. Auch wenn er nach dem Verbot von 1882 nie gänzlich aufgegeben wurde. Die alten Vorschriften und vor allem das Fastengebot wurden ignoriert. 1972 nahm eine größere Zahl von AIM-Anhängern am Sonnentanz teil. Die Auf hebung des Sonnentanz-Verbotes durch den Indian Reorganization Act von 1934 hatte keine wesentliche Veränderung gebracht. und Russell Means. Sie fühlten sich vor allem von den aggressiven Reden der AIM-Führer so sehr abgestoßen. wurde der Protest größer. Kyle. Zu den erklärten Zielen dieser Ausbildungsstätten gehören die Bewahrung der Lakota-Kultur und die Förderung der tribalen Selbstbestimmung. sondern nur noch die traditionell orientierten Stammesmitglieder teilnahmen. Kultur und Philosophie der Lakota ausdrücklich als ein Ziel des Oglala Lakota College auf der Pine Ridge Reservation genannt. durch lokale Wirtschaftsprojekte dem Kreislauf von Arbeitslosigkeit und Armut und der Abhängigkeit von staatlichen Fürsorgeleistungen zu entgehen. So wird etwa die Erforschung und das Studium der Sprache. denn es waren ohnehin nicht viele. unerfüllte Traum vieler Indianer. an dem nicht mehr die gesamte Gemeinschaft. wogegen sich jedoch Protest erhob. Pine Ridge Reservation. die nun nicht mehr vom gesamten „Stamm“. dass dort erst 1952 ein Sonnentanz stattgefunden habe. dass der religiöse Charakter des Tanzes wieder in den Mittelpunkt gerückt wurde. denn AIM veränderte den äußeren Rahmen völlig.Bränden eines Kalbes der White Butte Tiospaye. die bereits seit den sechziger Jahren auf den Lakota-Reservationen zu beobachten war. Oglala Teton Sioux. dass die Stammesregierung ihn als Touristenattraktion vermarkten wollte und dafür Eintrittsgeld erhob. Touristen wurden nicht mehr willkommen geheißen. South Dakota. jedoch geduldet. Heute besitzt jede der Lakota-Reservationen ein eigenes College. da ihr Gebrauch als eine Ent weihung des Sonnentanzes galt. und auch hier befand er sich von nun an unter dem Einf luss des American Indian Movement. bei dem das Piercing offiziell wieder zugelassen war. Leonard Crow Dog (*1942). Der Sonnentanz Diese Bestrebungen zur kulturellen Erneuerung hängen eng mit einer religiösen Erneuerung zusammen. Außerdem hatte AIM SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 121 . Film. Tonbandgeräte. Bis zum Ende der 1960er Jahre änderte sich an dieser Art der Aufführung kaum etwas. dass sie diesem Sonnentanz den Rücken kehrten und das Ritual an anderer Stelle durchführten.

Sicangu Teton Sioux. Während 1980 noch etwa 50 bis 60 Tänzer an einem Sonnentanz teilnahmen. mit der man sich heute zu den traditionellen Werten der Lakota-Kultur bekennt. Besonders auffallend war die wachsende Zahl der aktiven Tänzer. dass die Kapazitätsgrenzen schnell 122 PETER BOLZ . eine Zahl. Der weitere Anstieg ist jedoch nur mit der größeren Bereitschaft zu erklären.und Personalaufwand verbunden. Christian Feest) Aus der reichen Palette von Motiven. die sich am Ende des Tanzes auch dem Piercing unterzogen. Wie ist dieses Phänomen der ständig zunehmenden Sonnentänze und der stetig steigenden Teilnehmerzahl zu erklären? Unter dem Einf luss von AIM konnte man die wachsende Teilnahme leicht als eine Form der Rekrutierung von „Jungkriegern“ erkennen.Starquilt mit Basketball. übernahmen die Sioux vorzugsweise das an die Federkränze der bemalten Bisonroben erinnernde Sternmotiv. durch die einzelne Familien ihr Ansehen und ihren Einf luss auf der Reservation erhöhen konnten. Da sich in dieser Zeit auch die Zahl der Sonnentänze etwa verzehnfacht hatte. Rosebud Reservation. Der Basketball in der Mitte illustriert die heutige Bedeutung des Schulsports. South Dakota. so dass die Zahl der jungen Teilnehmer an dieser Zeremonie sprunghaft anstieg – ein Trend. muss man heute allein für die Pine Ridge Reservation mit über 5000 aktiven Teilnehmern pro Jahr rechnen. mit denen in der häuslichen amerikanischen Textilverarbeitung Steppdecken (Quilts) verziert wurde. hatten sich die neuen Formen des Sonnentanzes bereits so sehr etabliert. so war diese Zahl zwanzig Jahre später bereits auf 150 Tänzer angestiegen. dass sie bestehen blieben. bei der sie ihre Standhaftigkeit beweisen konnten. sondern an den Schultern. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. der bis heute anhält. allerdings nicht im Bereich der Brust. Sie wurde daher in zunehmendem Maße zu einer Prestigeangelegenheit. Die wachsende Zahl von Tänzern bei den einzelnen Zeremonien bewirkt außerdem. sondern auch mit beträchtlichen Kosten. die damit eine Art von Aufnahmeprüfung ablegten. die in Relation zur Gesamtbevölkerung weit größer ist. Die Ausrichtung des Sonnentanzes ist nicht nur mit einem erheblichen Material. um 1980. Seit den 1990er Jahren führten ebenfalls Frauen das Piercing durch. womit gleichzeitig eine Abkehr von den Werten der amerikanischen Gesellschaft demonstriert wird. Als der Einf luss von AIM auf den Sioux-Reservationen in den 1980er Jahren zu schwinden begann. als sie es in der Geschichte des Lakota-Sonnentanzes jemals war. das Interesse der „Jungkrieger“ geweckt.

Dies ist ein Zeichen dafür. die allerdings in die Gestaltung des modernen Reservationslebens einf ließen und es gemäß den aktuellen Gegebenheiten formen. Es existieren lediglich noch Erinnerungen daran. rückwärts gewandtes Ritual. besonders aus Metropolen mit hoher Lakota-Bevölkerung wie New York. in der man lebte. Heute hingegen hat jeder Lakota die Möglichkeit. der die Bedürfnisse der heutigen Reservationsbevölkerung erfüllt. 1999 Der Lakota-Sonnentanz zwischen 1883 und 1997: Verbot und Wiederbelebung eines kulturellen Symbols. Peter 1986 Ethnische Identität und kultureller Widerstand. die sich von der „nicht-traditionellen“ unterschied. Oglala Teton Sioux. Es gab somit keine „traditionelle“ Kultur. Ein relativ neues Phänomen besteht darin. wie Traditionen sich wandeln und den veränderten Gegebenheiten anpassen – denn nur so können sie überleben. Die Oglala-Sioux der Pine Ridge-Reservation in South Dakota. Holy Rosary Mission. weder als Tänzer noch als Zuschauer am Sonnentanz teilzunehmen. SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND 123 . Museum für Völkerkunde Wien (Slg. In diesem Sinne ist der heutige Sonnentanz kein „traditionelles“. dass die Teilnehmer an den Sonnentänzen der Lakota immer häufiger von auswärts kommen. 26–27: 99–138. und mit ihren religiösen Riten. Diese Wahlmöglichkeit hat andererseits zur Folge. rituell adoptierten oder befreundeten Indianern anderer Stammesgruppen. Heritage Center. so zeigt sich ein wesentlicher Unterschied: Vor der Reservationszeit identifizierte sich jeder Lakota mit der Kultur. Pine Ridge) Bei einer alternativen Form der Selbstmarterung im Rahmen des Sonnentanzes ziehen die aktiven Teilnehmer einen Bisonschädel hinter sich her. sondern nur die Kultur. Denver oder San Francisco. dass ein erheblicher Teil der Reservationsbevölkerung sich dafür entscheidet. dann identifiziert er sich mit den traditionellen Werten der Lakota. Pine Ridge Reservation. Minneapolis. dass es eine einheitliche „traditionelle“ Kultur auf der Reservation nicht mehr gibt. gemäß seinen sozialen oder religiösen Bedürfnissen eine Wahl zu treffen: Nimmt er am Sonnentanz teil.Bisonschädel für den Sonnentanz. Mitteilungen aus dem Museum für Völkerkunde Hamburg n. Vergleicht man den Sonnentanz der Lakota von einst und jetzt. Hinzu kommen eine große Zahl von angeheirateten. sondern integraler Bestandteil der modernen Reservationskultur. die sich von der Kultur und Religion der Lakota angezogen fühlen. das höchstens noch nostalgische Funktionen erfüllt.F. so dass sich immer wieder neue Abspaltungen von bereits etablierten Sonnentänzen ergeben. um 1980. und zwar in der stärksten überhaupt möglichen Form. Er ist damit eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür. Gekreuzte Pfeifen. sondern stammen aus vielen Teilen der USA. Weiterführende Literatur Bolz. Medizinrad und andere Symbole sind hier mit Filzstiften aufgemalt. Frankfurt: Campus. South Dakota. überschritten werden. die das Potenzial der Sonnentänzer erhöhen. Die Tänzer sind längst nicht mehr alle Bewohner der Reservation. und nicht zuletzt ein immer größer werdender Anteil von Weißen. in die er hineingeboren war. der mit Lederriemen an den durch die Haut gezogenen Holzsplinten befestigt ist.

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kulturspezifischen Vorstellungen in diesen Dialog mit ein. wirtschaftliche und soziale Veränderungen abzuzeichnen begannen. Auch wenn. die „inbrünstigen Gebete“ der frommen Christen auch in „ärmlichen Rindenhütten“ nicht ungehört verhallten. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. JAHRHUNDERT 125 .und Entscheidungsfreiheit zunehmend einengten. wie der italienische Missionspionier Samuele Mazzuchelli es ausdrückte. betrachtete man im Zeitalter der „Entkolonialisierung“ und historischen Aufarbeitung der europäischen Kolonialgeschichte auch die Rolle der Missionierung in diesem Prozess in einem neuen und kritischen Licht. Die einheimischen Bevölkerungen des amerikanischen Seengebiets. um 1840. sondern MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. Während die erbauliche Missionsliteratur noch bis weit ins 20. Jahrhunderts zum Standardinventar der Ottawa-Kirchen und christlichen Haushalte. nach denen sie das missionarische Angebot selektierten und interpretierten. Oft genug diente die Rettung indianischer Seelen zugleich auch als moralische Legitimation für die Entrechtung und Enteignung der lokalen Bevölkerungen. die ihr Land gegen die Bibel eintauschen mussten. Ottawa. waren keineswegs nur passive Opfer einer kulturellen Entmündigung. dass ihre Vertreter zumeist mit bestem Gewissen einem humanitären Ideal ihrer Zeit nachkamen. Während der französischen und ab 1763 auch während der britischen Kolonialzeit hatten weitgehend Pelzhandelsinteressen und militärische Allianzen die Beziehungen bestimmt. der zumindest in weiten Teilen der westlichen Welt nun als menschliches Grundrecht eingefordert wurde. Martin Pitzer) In der materiellen Kultur des indianischen Christentums vereinten sich lokale visuelle Ausdrucksformen mit neuen Inhalten und spiegelten in mancher Hinsicht auch die Verschmelzung traditioneller Glaubensvorstellungen mit christlichen Lehren wider. stellte doch der Bau von Kirchen stets ein vorrangiges Anliegen bei der Missionierung dar. dass vielfach auch die indigenen Beteiligten in diesem Prozess durchaus ihre eigenen Handlungsinteressen verfolgten. Die unrühmliche Verquickung von Missionierung und kolonialer Eroberung lässt sich in der Tat nicht bestreiten und ist mittlerweile allgemein bekannt. Die langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen. Mit dem neu erstarkenden Selbstbewusstsein indianischer Gesellschaften in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jr. mit denen sie sich in der gegebenen historischen Situation konfrontiert sahen. Jahrhunderts zunehmend von den äußeren politischen und wirtschaftlichen Zwängen der kolonialen Situation und dem Druck ungleicher Machtverhältnisse diktiert wurden. die im 19. Philadelphia Die ersten Kirchen und Kapellen in der Wildnis Michigans und Wisconsins nahmen notgedrungen Anleihen bei lokalen Bauformen. blieben freilich in vieler Hinsicht unvorhersehbar. noch der Tatsache. 1805“. in der sich für die indigenen Völker des amerikanischen Seengebiets tief greifende politische. in deren Rahmen die indigenen Partner nicht nur in die kolonialen Kriege der europäischen Besatzer verwickelt wurden. Sie waren mehr als nur passive Empfänger der christlichen Heilsbotschaft. denn sie setzten sich vor dem Hintergrund ihrer kulturellen Interessen in aktiver und selektiver Weise mit dem Angebot der Missionare auseinander. blickten die einheimischen Bevölkerungen Michigans und Wisconsins bereits auf knapp zwei Jahrhunderte des Kontakts mit Europäern zurück. die im Lauf des 19. Dennoch wird die pauschale Verurteilung der christlichen Mission weder dem Umstand gerecht. Michigan. Zeichnung von Joseph Shomin (Ottawa). Weihwasserbehälter aus Birkenrinde mit Stachelschweinborstendekor. Michigan. Als im Jahr 1825 die Ottawa von Arbre Croche eine Petition um Entsendung eines katholischen Priesters in ihre Gemeinde einreichten. Kasprycki Das Seengebiet im 19. Wie die Missionare brachten sie ebenfalls ihre eigenen. Die aus der kulturellen Bedingtheit des missionarischen Glaubens geborenen Zivilisierungskampagnen förderten ebenfalls gezielt oder indirekt die Interessen der Kolonialmächte.MISSION Sylvia S. erschienen Missionare als Kollaborateure des Imperialismus und Erfüllungsgehilfen der Unterjochung und ökonomischen Ausbeutung indigener Bevölkerungen. ca. Jahrhundert hinein die opferbereiten Sendboten des Christentums als Vorbild der Hingabe und Nächstenliebe schilderte. Jahrhundert Der Beginn der katholischen Missionierung im 19. Jahrhundert fällt in eine Zeit. (1933–2005) das Ergebnis von vier Jahrhunderten christlicher Missionstätigkeit in Nordamerika polemisch resümierte. 1927. Jahrhunderts wurden die christlichen Missionare auch seitens der indigenen Betroffenen der Mitschuld am kulturellen Völkermord bezichtigt. der seine Spuren im kulturellen Kontext hinterlassen hatte. auch wenn die Rahmenbedingungen der kolonialen Situation ihre Handlungs. sondern suchten im Christentum auch aktiv nach Lösungen für Probleme. „Rindenkirche in Middle Village. Unter dem Gesichtspunkt des Anspruchs auf Religionsfreiheit und kulturelle Eigenständigkeit. Weihwasserbehälter zählten um die Mitte des 19. Jahrhundert einen Dialog mit christlichen Missionaren eingingen. American Philosophical Society. wie 1969 der Sioux-Schriftsteller Vine Deloria.

um 1880. reiste Bischof Edward Dominic Fenwick (1768–1832) im Jahr 1823 nach Europa. stellte die dafür zuständige Diözese Cincinnati allerdings vor ein akutes Problem.Bilderkatechismus. in jedem Fall war es trotz protestantischer Konkurrenz aller Konfessionen vor allem die katholische Mission. indem er nicht nur beträchtliche Summen an Spendengeldern bereitstellte. der Richard als Generalvikar ablöste und bald darauf als Fenwicks Gesandter nach Europa zurückkehrte. dass sie in einer Reihe von Verträgen praktisch ihr gesamtes Land an die USA abtreten und als Mündel der Regierung auf kleinen Reservationsenklaven in wirtschaftlicher Abhängigkeit leben mussten. die über Jahrzehnte hinweg in der Region maßgeblichen Einf luss ausübte. Die Dezimierung des Wildbestands infolge der immensen Nachfrage nach Fellen machte Anpassungen des indigenen Wirtschaftszyklus in Form weiter ausgedehnter Winterjagden oder gar die Migration ganzer Dörfer notwendig. Während die erste Bekanntschaft mit dem Christentum im Zuge jesuitischer Bemühungen im späten 17. Albert Lacombe. auch in deutliche Abhängigkeit von deren Handelswaren gerieten. KASPRYCKI . und frühen 18. der als Missionar jahrzehntelang bei Metis. um die Frohe Botschaft und wahre Heilslehre auch dort in anschaulicher Weise zu erklären. der sich als Generalvikar für das „Northwest Territory“ der Seelsorge der weißen und indigenen Bewohner in und um Sault Ste. Marie. um Priester für die amerikanischen Missionen anzuwerben. Gleichzeitig unterminierten die intensiven Assimilierungsprogramme der amerikanischen Regierung traditionelle Wertvorstellungen und Lebensent würfe. die zur Wahrung der eigenen Interessen Diplomatie und eine gewisse Kompromissbereitschaft erforderte. In Ermangelung von Personal blieben die seit dem Abzug der Jesuiten im frühen 18. Um in dieser Situation Abhilfe zu schaffen. wo Schriftlosigkeit und Sprachbarrieren die Kommunikation behinderten. Diese Bevorzugung katholischer Geistlicher mag dem Erbe der früheren Jesuitenmission oder auch dem Einf luss der eingeheirateten franko-kanadischen Händler zuzuschreiben sein. Special Collections Die auch als „katholische“ oder „protestantische Leitern“ bezeichneten Bilderkatechismen wurden in der Missionsarbeit als beliebte visuelle Hilfsmittel herangezogen. Die ersten katholischen und protestantischen Fassungen. ihrer Landbasis und nicht zuletzt ihrer Lebensweise gegenübersahen. Die katholische Mission Die priesterliche Betreuung des riesigen Territoriums. Ignace. wirtschaftlicher und kultureller Umwälzungen wurde nun seitens zahlreicher indigener Gruppen der Ruf nach einem „Schwarzrock“ laut. war die Interaktion zwischen indigenen Gruppen und den Vertretern der französischen und britischen Kolonialregierungen dennoch von der wechselseitigen Anerkennung der Autonomie beider Partner geprägt. in der sich die indigenen Bewohner einer zuvor ungeahnten Bedrohung ihrer politischen Souveränität. Marquette University Archives. In diesem Klima massiver politischer. illustriert den Weg der Menschheit von der Schöpfung durch die alt. Green Bay und Georgian Bay annahm. St. Jahrhundert zunächst nur einen f lüchtigen Eindruck hinterließ. ist der „Weg des Bösen“ von Götzenanbet ung. Die Übernahme der territorialen Oberhoheit über die Region des Seengebiets durch die Vereinigten Staaten leitete ab 1815 eine Periode ein. Jahrhundert verwaisten Grenzgebiete zunächst auch weiterhin auf die gelegentlichen Besuche durchreisender Priester angewiesen. wo er maßgeblich an der Gründung der Leopoldinen-Stiftung in Wien (1829) beteiligt war.und neutestamentarische Geschichte und das christliche Zeitalter bis hin zum Jüngsten Gericht entlang eines richtigen und eines irregeleiteten Pfads: Während der „Weg des Guten“ durch die Ausübung christlicher Tugenden und Anerkennung der wahren Lehre und kirchlichen Institutionen über das Fegefeuer ins Paradies führt. Cree und Blackfoot tätig war. das nach der Ratifizierung des Vertrags von Gent im Jahr 1815 endgültig unter amerikanische Kontrolle gefallen war. Diese Politik des „middle ground“ sollte freilich bald der Vergangenheit angehören. Heident um und den Todsünden gekennzeichnet und endet im Höllenfeuer. waren es die zahlreichen ehelichen Beziehungen zwischen weißen Händlern und indianischen Frauen und die daraus entstehende Mischlingselite. ref lektierten auch den missionarischen Wettstreit der Konfessionen und stellten zur Konfusion des indigenen Publikums die jeweils andere Lehrmeinung als Irrweg dar. sondern et wa durch die jährliche 126 SYLVIA S. In Rom schloss sich ihm der junge Deutsche Friedrich Rese (1791–1871) an. die der Kulturkontakt nach sich zog. Bei allen nachhaltigen Veränderungen. die zur annähernd gleichen Zeit um 1840 entstanden und in Kopien rasche Verbreitung fanden. Der nach der österreichischen Erzherzogin Leopoldine benannte Missionsverein sollte für viele Jahre zur zentralen Schaltstelle der katholischen Missionsbestrebungen im Seengebiet (und anderswo in Nordamerika) werden. die als kulturelle Vermittler die Empfänglichkeit indigener Gemeinschaften für westliche Normen und Werte förderten. Der Bilderkatechismus des frankokanadischen Oblatenpriesters Albert Lacombe (1827–1916). Bis zur Jahrhundertmitte war es soweit gekommen. Mackinac. wie die des Franzosen Gabriel Richard (1767–1832).

Einer der ersten von der Leopoldinen-Stiftung entsandten Missionare war der slowenische Geistliche Friedrich Baraga (1797–1868). wo er unter den Chippewa in L’Anse. Jahrhundert weitgehend verschont. Baragas Vorbild inspirierte auch seine slowenischen Landsleute Franz Pierz (1785–1880). fand er später als wandernder Priester in der Pionierarbeit – unter anderem 1834/35 bei den Winnebago – mehr Befriedigung als in der Alltagsroutine des Lebens einer Pfarrgemeinde. Nach Mazzuchelli und dem niederländischen Dominikaner Theodoor van den Broek (1783–1851) übernahm der belgische Priester Florimond Bonduel (1799–1861) die Leitung der Menominee-Mission. Auf Reses Besuch in Wien geht ferner die Anwerbung der Redemptoristenpatres Simon Sänderl (1800–1879) und Franz Hätscher (1784–1862) zurück. Zusammen mit den zahlreichen Sammlungen ethnografischer Gegenstände. bevor er 1853 Bonduels Nachfolge bei den Menominee antrat. Veröffentlichung der missionarischen Berichte aus dem Feld auch den Missionseifer nachfolgender Priestergenerationen schürte. die in den Jahren 1832 bis 1837 in unterschiedlicher Besetzung die Seelsorge der Menominee in Green Bay und der Ottawa in Arbre Croche übernahmen. der als Galionsfigur der katholischen Mission im Seengebiet eine tragende Rolle spielen sollte und 1857 zum Bischof des neu geschaffenen Apostolischen Vikariats von Upper Michigan geweiht wurde. er begleitete seine Schützlinge durch die schwierige Zeit bis zur Einrichtung ihrer Reservation im Jahr 1854. Feldberichte und Memoiren dieser und vieler anderer Missionare liefern heute wichtige Einsichten in die Prozesse der Missionierung und indigenen Aneignung des Christentums. Skolla wurde schließlich 1859 vom Schweizer Kapuzinerpater Antoine-Marie Gachet (1822–1890) abgelöst. JAHRHUNDERT 127 . während die Mehrheit der Potawatomi und der Sioux-sprachigen Winnebago gegen ihren Willen nach Kansas bzw. bevor ihn sein missionarischer Ehrgeiz westwärts trieb. La Pointe und Fond du Lac am Lake Superior neue Missionsstationen ins Leben rief. Als durchsetzungsfähiger gegenüber seinen kirchlichen Vorgesetzten und der mangelnden Kooperationsbereitschaft so mancher Indianeragenten erwies sich der italienische Dominikaner Samuele Mazzuchelli (1806–1864). Er betreute zwischen 1831 und 1835 die Ottawa-Gemeinden in Arbre Croche und Grand River in Michigan. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. Nebraska gebracht wurde. Die Briefe.Das westliche Seengebiet im 19. die von Missionaren erworben wurden oder über missionarische Vermittlung nach Europa gelangten. deren langfristiger Erfolg aber an Differenzen mit dem inzwischen zum Bischof der 1833 neu gegründeten Diözese Detroit ernannten Rese scheiterte. der in Baragas Nachfolge in den dreißiger Jahren des 19. Von nachhaltiger Bedeutung waren auch Baragas Übersetzungen des Katechismus ins Ottawa und Ojibwa sowie ein bis heute anerkanntes Ojibwa-Lexikon. und Otto Skolla (1805–1879). Jahrhundert Die Algonquin-sprachigen Ottawa. Indem er seinem großen Vorbild Friedrich Baraga nacheiferte. der in seiner nur drei Jahre währenden Tätigkeit die erste Menominee-Grammatik verfasste. der ebenfalls Reses Aufruf gefolgt war und 1830 seinen ersten Missionsposten auf Mackinac Island bezog. von wo aus er auch die umliegenden Regionen betreute. stellen sie unschätzbare Quellen für die Kenntnis der historischen indianischen Kulturen des aerikanischen Seengebiets dar. Chippewa und Menominee blieben von der Umsiedlungspolitik der USA im 19. er war acht Jahre in La Pointe stationiert. Jahrhunderts bei den christlichen Ottawa in Michigan wirkte.

Neben traditionellem Hörnerkopfschmuck. McKenney und James Hall. KASPRYCKI . Jahrhunderts spiegelte die selektive Übernahme westlicher Kleidungselemente und der im Pelzhandel erworbenen neuen Materialien wider. Jahrhunderts strebten protestantische Missionare im Allgemeinen nichts weniger als die umfassende Transformation indigener Gesellschaften in ein Abbild der weißen Kultur an und verfolgten diese Absicht konsequenter als ihre katholischen Konkurrenten. indigene Gesellschaften zur Erkenntnis des „wahren“ Glaubens zu führen. dass das von ihnen gepredigte Idealbild einer christlichen Gesellschaft oft genug in krassem Gegensatz zu der von den indigenen Völkern hautnah erlebten sozialen Wirklichkeit stand und Profitgier und Betrug. Die aus dieser Sicht als „rückständig“ und „primitiv“ eingestuften indigenen Kulturen in ihrer Ent wicklung zu befördern. Auch wenn Missionare ihren Glauben als universal gültige Wahrheit betrachteten. Anstatt auf gesellschaftliche Integration ihrer Konvertiten. galt den Missionaren als vordringliche Aufgabe und Christenpf licht. 1825. sondern schloss immer auch die „Bekehrung“ zu den Sitten und Gebräuchen der westlichen Zivilisation mit ein. Jahrhundert als vorläufiger Endpunkt und Krönung einer fortschreitenden Menschheitsent wicklung angesehen wurde. blieb zwischen den einzelnen christlichen Konfessionen ebenso strittig wie die Frage. die nach Einführung des Webgatters aus Wolle oder Glasperlen gewebt wurden. sondern sie auch zur Annahme eines damit verbundenen westlichen Lebensstils zu bewegen. 128 SYLVIA S. dass das eine ohne das andere undenkbar war. Ob das Christentum die Voraussetzung für eine zivilisierte Lebensweise darstellte oder vielmehr die Zivilisation das Erkennen des wahren Gottes überhaupt erst ermöglichte. lose Sexualmoral oder Alkoholmissbrauch im Indianerhandel kaum angetan waren. Lithografie nach James Otto Lewis. Ähnlich zwiespältig war das Verhältnis der katholischen Missionare zur Indianerpolitik „Okee-makee-quid. Leggings und Mokassins trägt Okee-makee-quid einen Gehrock europäischen Schnitts. legten katholische Missionierungsstrategien daher frühzeitig den Schwerpunkt auf die Errichtung wirtschaftlich autarker indigener Gemeinden abseits der weißen Siedlungen und abgeschirmt von den Einf lüssen der Schattenseiten der eigenen Zivilisation. die ihren Konvertiten meist etwas größeren Freiraum für die Beibehaltung „harmloser Bräuche“ einräumten – sofern diese nicht grundsätzlichen moralischen Prinzipien widersprachen.Zivilisation und Christentum Christentum und „zivilisierte“ Lebensweise stellten für Missionare aller Konfessionen eine untrennbare Einheit dar. In der praktischen Umsetzung ihrer zivilisatorischen Pläne fanden sich die Missionare mit der Schwierigkeit konfrontiert. So manifestierte sich der missionarische Einfluss häufig am deutlichsten in der materiellen Kultur des alltäglichen Lebens und Handelns ihrer Konvertiten und unterstützte damit auch entscheidend die von der amerikanischen Regierung betriebenen Assimilierungskampagnen. die im 19. die handelsübliche Wolldecke und Kniebänder. History of the Indian Tribes of North America (Philadelphia 1838–1844) Die indigene Tracht des frühen 19. Aus: Thomas L. ihr Vertrauen in eine christliche Werthaltung zu stärken. auf welche Weise das auf klärerische Ziel zu erreichen war. Ein Chippewa-Häuptling“. und folglich zielten missionarische Bekehrungsversuche nicht nur darauf ab. war doch ihre Vorstellung von der gesellschaftlichen Verwirklichung christlicher Lebensart fest in der historisch gewachsenen abendländischen Tradition verankert und ihre religiöse Überzeugung kaum von anderen – als gegeben angenommenen – kulturellen Normen und Werten zu trennen. Die Missionierung indigener Bevölkerungen beschränkte sich daher zwangsläufig nicht allein auf die Vermittlung christlicher Glaubensinhalte. Einigkeit herrschte aber stets darüber. Im Seengebiet des 19.

Symbole und Institutionen nach eigenen kulturellen Vorgaben aktiv zu selektieren. In Ermangelung von finanziellen Mitteln betrieben die meisten katholischen Missionsstationen zumindest in den ersten Jahrzehnten nur Tagesschulen. den Schülern aber den dort erlebten drastischen Kulturschock ersparten. JAHRHUNDERT 129 . Musée de Confluences. Wirtschaftsweise oder Wohnform. um 1830. Geschichte und Musik. das nach dem Abgang der Schüler oftmals rasch in Vergessenheit geriet. Im Lauf des 19. Nichtsdestotrotz stellen diese Veränderungen keineswegs das Resultat eines „Einwegprozesses“ kultureller Wissensvermittlung dar. Die Seidenband. Langfristig von größerer Bedeutung als das in den Schulen vermittelte Wissen. Menominee. Die Einrichtung von Schulen als zentralem Instrument der Erziehung zu einer „zivilisierten“ Lebensweise stellte für alle Missionsunternehmen ein vorrangiges Anliegen dar. Neben dem Unterricht in Lesen. die von den Missionaren propagierten Werte. führten allmählich zu einem nachhaltigen Wandel in diesen Bereichen der indigenen materiellen Kultur. zu (re)interpretieren und mitunter auch zu manipulieren. die es den Knaben ermöglichen sollte. Propagation de la Foi) Der aus einem Stück weichgegerbten und geräucherten Leder gefertigte und mit U-förmigen Risteinsätzen und Seitenklappen versehene Mokassint yp stellte in weiten Teilen des Seengebiets das charakteristische Schuhwerk dar. Frauenumhang aus Tuchstoff mit Seidenbandapplikation. Die enge konzeptuelle Verknüpfung der von den Missionaren gepredigten christlichen Werte mit ganz bestimmten materiellen Ausdrucksformen. fühlten sich die fast durchwegs aus Europa stammenden Missionare weitaus weniger als ihre patriotischen protestantischen Berufsgenossen den Zielen der Staatsmacht verpf lichtet. sichtbarer Maßstab des erfolgreichen Bekehrungswerks gewertet wurde. ref lektierten diese doch bereits deutlich MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. die in ihrer Effizienz hinter protestantischen Internaten zurückblieben. erwies sich aber die missionarische Einf lussnahme auf die Alltagskultur ihrer Konvertiten. der auch als Mokassins mit Borsten-. Insbesondere in politischen Belangen und Landfragen machten sich die katholischen Geistlichen des Öfteren – und meist zum Unmut der Indianeragenten – zu Fürsprechern ihrer indigenen Gemeinden. Glasperlen. Johann Georg Schwarz. Michigan. während die Mädchen – dem Rollenbild der weißen Gesellschaft entsprechend – zu Handarbeiten und Haushaltstätigkeiten angeleitet wurden. Schreiben und Rechnen und für die Fortgeschrittenen auch in Geografie. sondern waren Ergebnis eines Dialogs um die Bedeutung materieller Dinge. Ottawa. Jahrhunderts entwickelte sich die Technik der Seidenbandapplikation von einem kleinmotivigen. ex-Slg. legte man von Anfang an größten Wert auf die Unterweisung in handwerklichen Fähigkeiten.und Glasperlenverzierung auf den Klappen nimmt hier das Motiv des Stachelschweinborstendekors auf dem Risteinsatz auf. Bischof Friedrich Rese) Die im Zuge des Pelzhandels eingeführten Tuchstoffe und Seidenbänder ermöglichten die Entstehung neuer Dekorformen für festliche Kleidungsensembles. vor allem hinsichtlich der Kleidung. später als Zimmerleute. Schlosser oder Schmiede zu arbeiten oder Landwirtschaft zu betreiben. Wisconsin. in dem die indigenen Partner trotz ungleicher Machtverhältnisse in der Lage waren. Kleidung und Schmuck So fremdartig und „barbarisch“ indianische Kleidungsstile und Schmuckformen den europäischen Missionaren zu Beginn des 19. Lyon (Slg. um 1830. Jahrhunderts auch erscheinen mochten.der jungen Vereinigten Staaten: Obgleich ihre zivilisatorischen Maßnahmen eng mit offiziellen Assimilierungsprogrammen der US-Regierung verknüpft waren und Letzteren erst zu durchschlagendem Erfolg verhalfen. geometrischen hin zu einem großzügigeren kurvilinearen bis f loralen Stil. Museum für Völkerkunde Wien (Slg.und Seidenbanddekor.

sondern manifestierten auch in mannigfaltiger Weise seine Beziehungen zum Übernatürlichen. KASPRYCKI . dass diejenigen. Die von den Kolonialmächten anlässlich diplomatischer Verhandlungen an indigene Anführer verteilten Hemden oder Uniformröcke wurden von ihren neuen Besitzern als rituelle Gabe geschätzt und als Zeichen ihrer politischen Vermittlerrolle und des damit verbundenen sozialen Prestiges mit Stolz getragen. lieferten missionarische Lehren die ideologische Untermauerung für die zielgerichtete Umgestaltung des indigenen Erscheinungsbilds. Glasperlen. war in Wirklichkeit ein selektives und von präzisen ästhetischen Vorstellungen und kulturspezifischen Werten gelenktes Interesse. Arthur Speyer) In den am Gürtel befestigten oder mittels Schulterriemen getragenen Taschen führte man die Gegenstände des alltäglichen Bedarfs wie Toilettenartikel. Muschelschalen oder Stein hergestellten Schmuckformen ab. hatten die Palette einheimischer Rohstoffe zur Herstellung von Kleidung und Schmuck entscheidend erweitert und zur Herausbildung neuer Dekortechniken geführt. Geschenkleistungen oder Bußzahlungen beträchtliche gesellschaftliche Anerkennung und schöpften Inspiration für neue Dekormotive auch aus Träumen und Visionserlebnissen. deren Besitz und Zurschaustellung gleichzeitig seine Fähigkeiten wie seinen guten Rapport mit den übernatürlichen Wesen auswiesen. Sie werden hier in Form stilisierter Donnervögel auf dem Tragriemen erkennbar. Messingglöckchen oder Spiegel. Catlinit. 130 SYLVIA S. mit denen Kleidungsstücke. Kristall oder Muschelschalen. Frauen erwarben sich als Herstellerinnen von Kleidung nicht nur für den persönlichen Bedarf. (Slg. wurden sie zu neuen Menschen.und Tuchstoffe traten im Lauf des 19. Br. die sich zur Konversion entschlossen. indem sie Kleidungsnormen zum äußeren Sinnbild christlicher Tugenden und eines gottgefälligen Lebens deklarierten. Nicht selten wurden auch einzelne Kleidungsstücke westlicher Machart wie Hüte oder Hemden in die einheimische Tracht integriert. Menominee. Während in den Missionsschulen die praktischen Grundlagen gelegt und die Mädchen in der Herstellung europäischer Kleidungsstücke unterrichtet wurden. Blechkonusse. Jahrhunderts unter wachsenden Anpassungsdruck an die Normen der zunehmend dominanter werdenden weißen Gesellschaft. Die Textilien und neuen Dekormaterialien. Rauchutensilien oder aber auch persönliche Amulette und „Medizinen“ mit sich. Der Glasperlendekor dieser Umhängetasche aus Tuchstoff lehnt sich eng an den für die Menominee charakteristischen Stil der Stachelschweinborstenverzierung an und greift auch traditionelle kosmologische Designmotive auf. fest steht. Städtische Museen Freiburg i. die neue Religion in der Regel auch samt ihres neuen Gewands akzeptierten: „Indem sie Christen wurden. denen man aufgrund ihrer Assoziation mit dem Wohlwollen der Unterwelt wesen besondere Wertschätzung entgegenbrachte. und kommerziell gefertigter Silberschmuck aller Art löste die früher aufwendig aus Kupfer. Als Spiegel persönlicher und kollektiver Identität signalisierten Kleidung.Umhängetasche aus Wollstoff mit Glasperlenverzierung. Nur die Tüchtigkeit eines Mannes bei Jagd und Fallenstellerei ermöglichte den Zugang zu begehrten Handelsgütern. Was weiße Zeitgenossen oft als kindliche Begeisterung für billigen Tand oder unbeholfene Nachahmung europäischer Kleidungsstile deuteten. Ob diese religiöse Argumentation den missionarischen Erfolg ausmachte oder indigene Bekehrungswillige anderen Motivationen folgten. um 1860. Seidenbandapplikation und Seidenstickerei verdrängten allmählich die traditionellen Verzierungstechniken mit gefärbten Stachelschweinborsten oder Elchhaar. gerieten indigene Kleidungsstile im Lauf des 19. Schmuck und Körpergestaltung in indigenen Gesellschaften nicht nur die Stellung des Individuums in seiner soziokulturellen Umwelt. den Einf luss jahrzehntelanger kultureller Kontakte und Handelsbeziehungen. die indigenen Konsumenten im Zuge des Pelzhandels zugänglich wurden. Ethnologische Sammlung. Als ein Bereich materieller Kultur. Im Zuge der Zivilisierungsmaßnahmen der amerikanischen Regierung wie auch der christlichen Missionierung wurden Kleidung und Körpergestaltung zu einem zentralen Symbol für den angestrebten kulturellen „Fortschritt“ und die soziale Integration der indigenen Bevölkerungen in die Mehrheitsgesellschaft. Mokassins und Kleidungsaccessoires verziert wurden. Jahrhunderts zunehmend an die Stelle von Leder und Fellen. Wisconsin. der ethnische und kulturelle Identität vielleicht am unmittelbarsten zum Ausdruck brachte. Glasperlendekor. sondern auch für den Tauschhandel. erinnerten zudem in ihrer Materialbeschaffenheit an einheimische Rohstoffe wie Meteoreisen. ohne deren Segnung ein solcher Erfolg ausblieb. Baumwoll.

Gleichzeitig ging mit der allmählichen Verwestlichung von Alltagskleidung im Lauf des 19. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. die auf den langfristigen Erfolg des Bekehrungs. nötigten nicht nur den Missionaren. diese Auf klärung für den kulturellen Fortschritt zu nutzen. Jahrhunderts eine Blüte von Dekorstilen einher. Sowohl Schneeschuhe. getrockneten und durch Überkochen mit Wasser biegsam gemachten Binsenhalmen oder von Taschen aus Bisonwolle und pf lanzlichen Materialien rang den Missionaren ebenso Bewunderung ab wie die Verzierung von Gegenständen aus Birkenrinde mit Elchhaar oder Stachelschweinborsten. Tellern und Schüsseln. Das arbeitsaufwendige Flechten von Matten aus den im Frühsommer gesammelten. sondern auch anderen Vertretern der weißen Gesellschaft Respekt ab.Birkenrindenkörbchen mit Stachelschweinborstenverzierung. um sie über Landbrücken zwischen den Flüssen zu tragen. sofern es sich um nützliche Alltagsgegenstände und nicht um Beispiele religiöser (aus missionarischer Sicht „heidnischer“) Schnitzwerke handelte. so bewiesen andere in den Augen der katholischen Missionare das grundsätzliche Potenzial indigener Bevölkerungen. die sich unter anderem in eindrucksvoller durchbrochener Schnitzerei auf Pfeifenstielen. JAHRHUNDERT 131 . Brillenetuis oder Brieftaschen mit geometrischem oder stilisiertem f loralen Stachelschweinborstendekor brachte den indigenen Herstellerinnen im 19. Den Fleiß und die Geschicklichkeit der Frauen bei diesen Tätigkeiten werteten Missionare als Ausdruck weiblicher Tugenden. fertigten die Ottawa. Arbre Croche. sowohl in ihrer äußerlichen Erscheinung. was mit „heidnischem“ oder „primitivem“ Brauchtum assoziiert wurde. Handwerk Ebenso wie die Ablehnung all dessen. Federfächergriffen. der sich auch der Kirchenmaler und Sammler Martin Pitzer anschloss: „Die hier vorliegenden Arbeiten aus Birkenrinde lassen unverkennbar ihren Scharfsinn und eine Ausdauer bei einförmiger Arbeit erblicken und den Wunsch entstehen. stellten an das Territorium optimal angepasste Transportmittel dar und zeugten vom Einfallsreichtum und damit der kulturellen Entwicklungsfähigkeit ihrer Erfinder. Johann Georg Schwarz) Neben kleinen Ahornzuckerschachteln aus einem Stück gefalteter und vernähter Birkenrinde. um 1825. Michigan. Der Verkauf von Deckelkörbchen. Chippewa und Menominee eine breite Palette von Rindenarbeiten für den europäischen Käufergeschmack an. resümierte der dominikanische Missionar Samuele Mazzuchelli die sichtbaren Auswirkungen der christlichen Auf klärung. Alles aufzubieten.“ Anerkennung fand auch die männliche Domäne der Holzbearbeitung. Jahrhundert einen beachtlichen Nebenverdienst ein. gründete sich auch das unverhohlene missionarische Lob so mancher handwerklicher und kunsthandwerklicher Fertigkeiten auf Bedeutungszuschreibungen. die letztendlich der Legitimation des missionarischen Unternehmens dienten: Dokumentierten einerseits bestimmte Bereiche der indigenen materiellen Kultur die Not wendigkeit christlicher Auf klärung. als auch in ihrem moralischen Verhalten. die trotz erstaunlicher Belastbarkeit leicht genug waren. so führte doch wesentlich die Verfügbarkeit europäischer Metallwerkzeuge zu einer Blüte dieses Handwerks. die in ihrer Form den im Haushalt benutzten und meist unverzierten Aufbewahrungsbehältern glichen. Die technischen Lösungen.und Zivilisierungswerks hoffen ließen – eine Anschauung. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. die das Einsinken im Tiefschnee verhinderten und für die Jagd und allgemeine Mobilität in der kalten Jahreszeit unerlässlich waren. und jedermann konnte auf öffentlicher Straße auf einen Blick den Christen vom heidnischen Wilden unterscheiden“. Ottawa. die indigene Bevölkerungen für die Fortbewegung in schneereichen Wintern und in ihrer von unzähligen Gewässern durchzogenen Heimat gefunden hatten. Wiegenbrettern oder Webgittern äußerte. Standen ursprünglich einfache Werkzeuge wie geschäftete Biberzähne in Verwendung. die sich vor allem in der festlichen und zeremoniellen Tracht äußerte und in diesem Rahmen als Ausdruck ethnischer Identität zelebriert wurde. um ihnen durch Schulen das Mittel zur Erreichung eines besseren Looses zu verschaffen. Nadelkissen. wie auch Rindenboote. die geglättet und gefärbt mit Hilfe von Ahlen appliziert wurden.

Während die Pfeifenköpfe aus Catlinit häufig dekorative Blei. Ottawa. Während der Wintermonate zerstreuten sich kleinere Familiengruppen in den Wäldern. so rückte unter amerikanischer Oberheit angesichts der angestrebten Besiedlung Langstielige Tabakspfeife mit Catlinitkopf. Im zeitigen Frühjahr versammelte man sich dafür für mehrere Wochen in den Zuckerahornhainen. vor allem aber Gewinn bringend an weiße Händler verkauft wurde. Kürbisse und Gemüse an und bereicherten den Speisezettel auch durch das Sammeln wildwachsender Früchte. 132 SYLVIA S. Der im Spätsommer an den Seeufern reifende und vom Boot aus geerntete Wildreis konnte getrocknet oder gedörrt über viele Monate als Nahrungsvorrat aufbewahrt werden. von dem sich auch die indigenen Partner ökonomische Vorteile und Zugang zu begehrten Handelswaren versprachen. die mit Binsenmatten oder Rindenstücken von Birke oder Thuja dachziegelartig überlappend eingedeckt wurden.Ottawa-Lager. verwandte man große Sorgfalt auf die Ausgestaltung von Tabakspfeifen. Aus: Francis de Castelnau. Michilimackinac. Jahrhundert in erster Linie darum. wo der abgezapfte und in Rindengefäßen gesammelte Saft des Zuckerahorns durch Erhitzen zu Sirup eingedickt und anschließend in Holztrögen zu granuliertem Zucker zerstoßen wurde. figurale Darstellungen aufwiesen. waren die abnehmbaren f lachen oder runden Holzstiele durch Umwicklung mit gef lochtenen Stachelschweinborsten verziert oder zeichneten sich wie hier durch meisterliche Beherrschung der Holzbearbeitung aus. Bären und andere Pelztiere nachzugehen.oder Zinneinlagen bzw. Michigan. KASPRYCKI . Lithografie. Vues et souvenirs de l’Amérique du Nord (Paris 1842) Die der saisonalen Mobilität optimal angepassten traditionellen Hausformen des Seengebiets bestanden aus konischen oder kuppelförmigen Gerüsten aus in den Boden gerammten Baumschösslingen. Michigan. Diese mit einer Dachöffnung für den Rauchabzug und einer Matte oder Decke als Tür versehenen „Wigwams“ konnten in verhältnismäßig kurzer Zeit errichtet werden. Nüsse und Wurzeln. und 18. um 1850. der als Speisewürze und Süßigkeit geschätzt. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Im Sommer bauten die Frauen im Umfeld der Dörfer Mais. Im Zuge des Kulturkontakts wurde indigenen Wirtschaftaktivitäten von Anfang an besonderes Augenmerk gewidmet. Ging es den Franzosen und Briten im 17. Martin Pitzer) Der besonderen Bedeutung des Rauchens in religiösen Kontexten wie auch im politischen Zeremoniell entsprechend. Zunehmende ökonomische Bedeutung gewann im Lauf des 19. Jahrhunderts die Herstellung von Ahornzucker. 1838. das Geschick der einheimischen Jäger und Fallensteller in den Dienst des Pelzhandels zu stellen. Der Fischfang stellte in der von unzähligen Flüssen und Seen durchsetzten Gegend das ganze Jahr über eine wichtige Lebensgrundlage dar und bot insbesondere während der Fischlaichzüge im Frühjahr und Herbst eine reiche Ausbeute an proteinhaltiger Nahrung. Wirtschaft und Wohnen Der jahreszeitliche Wirtschaftszyklus der indigenen Völker des Seengebiets war auf die optimale Nutzung der vorhandenen natürlichen Ressourcen ausgerichtet. um der Jagd auf Rotwild.

das die Betroffenen nicht nur in Feldarbeit und Handwerk. Jr. wie etwa die arbeitsintensive und marktorientierte Ahornzuckerproduktion. so konnte sich ein Jahrzehnt später der belgische Missionar Florimond Bonduel einer stattlichen Christengemeinde am Lake Poygan rühmen. Die gängige Auffassung der Zeit.Holzschüssel. Weiterführende Literatur Berkhofer. Menominees und Missionare im kulturellen Dialog. Madison: Universit y of Wisconsin Press. in deren Verantwortlichkeit die gesamte Haushaltsführung.und Nutzungsrechten an Grund und Boden in den Vordergrund. Ihre ideologische Argumentation machte Wirtschaftsweise und Wohnform nicht nur zum Maßstab des kulturellen Fortschritts. die es vorzogen. Sammlung des Seminars für Sozialanthropologie der Universität Freiburg (CH) (Slg. An Analysis of Protestant Missions and American Indian Response.und unterstützenswert befunden wurden. Robert F. Allerdings blieb auch den missionarischen Wirtschaftsreformen der durchschlagende Erfolg versagt. Ahornzuckerplätzchen. erwies sich als hartnäckiger als erwartet. mitunter auch figuraler Schnitzdekor und Brandverzierungen fanden sich insbesondere auf dem zum Anrichten der Speisen bei festlichen oder zeremoniellen Anlässen verwendeten Geschirr.und knetbare Masse („Zuckerwachs“). größere Befriedigung als bei der Arbeit hinter der Pf lugschar. während ihrer Meinung nach die geschlechtliche Arbeitsteilung zu Lasten der Frauen ging. JAHRHUNDERT 133 . Fischern und Sammlern „ungenutzten“ Territorien. Michigan. um 1850. -schalen und -löffel standen im Haushalt neben Rindengefäßen in vielfältigen Formen im Gebrauch. Jahrhunderts noch über die „Unbelehrbarkeit“ der Menominee. sondern vor allem zu Symbolen einer neuen religiösen Identität. Gleichermaßen getragen von philanthropischen Idealen wie politischen und wirtschaftlichen Interessen. Wie andere weiße Beobachter tendierten Missionare dazu. Ottawa. Missionare sahen in einer auf Agrarwirtschaft und Sesshaftigkeit basierenden Lebensweise die Voraussetzung für gesellschaftlichen Wohlstand und ökonomische Unabhängigkeit ihrer indigenen Gemeinden und propagierten diese als die gottgewollte Ordnung der Dinge. Langfristig fanden Männer in alternativen Erwerbszweigen wie Handwerk. Antoine-Marie Gachet) Während zu Handelszwecken vorwiegend die granulierte Variante des Ahornzuckers in Umlauf gebracht wurde. die als Naschwerk bei Jung und Alt beliebt war. deren Mitglieder ihren Lebensunterhalt weitgehend durch Landwirtschaft bestritten und in der Häuser europäischer Bauart allmählich die traditionellen mobilen Wohnformen ablösten. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Nahrungsverarbeitung wie auch die Errichtung der Häuser. lieferte die moralische Legitimation für die An. Zur Errichtung der dafür notwendigen Infrastruktur sahen die vertraglich zugesicherten Entschädigungen für Landabtretungen stets auch die Bereitstellung von Wirtschaftsgerät. in den für sie errichteten Häusern ihre Pferde unterzustellen. für lobens. Sylvia S. Robert E. Die von der amerikanischen Regierung betriebene Umsiedlung der indigenen Bevölkerungen auf karges Reservationsland setzte den ersten vielversprechenden Bodenbauexperimenten ein jähes Ende. Bieder. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. und auch das Widerstreben der ehemaligen Jäger und Krieger. Wisconsin. legten die Assimilierungskampagnen der US-Regierung frühzeitig den Schwerpunkt auf die Umerziehung der einheimischen Bevölkerungen zu sesshaften Bodenbauern. um 1860. und agrarwirtschaftlichen Erschließung des Landes erstmals die Frage von Eigentums. anstatt selbst darin zu wohnen. 1976 Salvation and the Savage. Berlin und Münster: LIT. Auf l. Kasprycki. Ornamentaler. Martin Pitzer) Holzschüsseln. 1787–1862. 1995 Native American Communities in Wisconsin. Kinderbetreuung. sondern auch im Hausbau nach europäischem Vorbild unterweisen sollte. mangelte es dem einheimischen Wirtschaftswesen aus missionarischer Sicht an Arbeitsmoral und gerechter Aufgabenverteilung. indem man ihn in Holzmodeln erstarren ließ. Feldbau und das Sammeln wildwachsender Pf lanzen fielen. die dem traditionellen Rollenverständnis eher entsprachen. 2. „Frauenarbeit“ auf den Feldern zu verrichten.und Enteignung der von umherschweifenden Jägern. Getreidemühlen. Erst unter missionarischem Einf luss sollten jedoch diese offiziellen Zivilisierungspläne erste Früchte tragen. Forstwirtschaft oder im Militär. Obwohl manche der lokalen Wirtschafts- aktivitäten. Im Schnee abgekühlter Sirup bildete eine kau. 1830–1880. Vieh. Saatgut. Wien. dass ein Rechtsanspruch auf Land sich nur aus tatsächlicher Besiedlung und Kultivation ableiten ließ. 1600–1960. verarbeitete man den eingedickten Sirup auch zu „Plätzchen“. 2006 Die Dinge des Glaubens. Menominee. den männlichen Subsistenzbeitrag geringzuschätzen und Jagd und Fischfang als „sportliches“ Vergnügen abzutun. Schmieden und Sägewerken sowie die Anstellung von Personal vor. New York: Atheneum. Klagten amerikanische Administratoren Ende der dreißiger Jahre des 19.

in denen Neiawash sich hier dem Fotografen präsentiert. Das Erlernen indigener Sprachen erforderte Zeit. Grammatiken und Wortlisten erstellten und auf dieser Grundlage den Versuch unternahmen. Gebetbuch und „Leben Jesu“ – zählten für lange Zeit zur Standardausrüstung seiner Nachfolger und leisteten angesichts der weiten Verbreitung einer vereinfachten Form des Ojibwa als Handelssprache auch den Missionaren bei anderen Algonquinsprechern (wie etwa den Menominee) gute Dienste. dass das Wort Gottes in der einheimischen Sprache empfangen werden sollte und auf diese Weise auf fruchtbareren Boden fallen würde. Pater Fidelis Steinauer. sondern auch vor die Herausforderung. Chippewa-Medizin Mann“. speisten sich aus kulturspezifischen und historisch bedingten Bedürfnissen. in dessen Rahmen materiellen Dingen eine tragende Rolle zukam. Nicht von ungefähr waren es daher Missionare. die neben bilingualer Sprachfertigkeit auch ein Grundverständnis christlicher Lehrsätze mitbrachten. Wisconsin. KASPRYCKI . Bureau of Catholic Indian Missions Nicht einmal die selektive Verwendung europäischer Kleidungsstücke. Geeignete Übersetzer. religiöse Texte für Unterrichtszwecke zu übersetzen. Die vom slowenischen Missionspionier Friedrich Baraga 1837 in einer Ottawa. die sich als Erste der Erforschung indigener Sprachen widmeten. 134 SYLVIA S. die diese Herausforderung meisterten. sich dem Christentum zuzuwenden. und auf die dogmatisch präzise Übersetzung ihrer Predigten konnten sich die Geistlichen in diesem Kontext schon gar nicht verlassen. der es zutiefst bedauerte. waren schwer zu finden. die grundlegende Kommunikationsbasis für die Vermittlung ihrer Lehren zu schaffen. Gemeinsamen Boden fanden Missionare und Konvertiten daher weniger auf dogmatischer Ebene. die sich den Missionaren keineswegs immer im vollen Umfang erschlossen. dass indigene religiöse Führer zu den hartnäckigsten Gegnern der christlichen Missionare und der von ihnen angestrebten Umgestaltung traditioneller Wert. „Neiawash. blieben zumindest anfangs notgedrungen auf die Vermittlung von Dolmetschern angewiesen. In der Umsetzung ihres Missionsauftrags fanden sich die Sendboten des Christentums zu allererst mit der Notwendigkeit konfrontiert.Bekehrung Die Verbreitung der Heilsbotschaft unter den indigenen Bevölkerungen des amerikanischen Seengebiets stellte die christlichen Missionare nicht nur vor sprachliche Barrieren. „die wärmsten Ausdrücke des Gefühls durch das Eis kalter Übersetzung“ abgeschwächt zu wissen. Ideal und Praxis ließen sich allerdings in der Regel nicht so rasch zusammenführen. als vielmehr im rituellen Handeln. Während ihre protestantischen Berufsgenossen in der Region die sprachliche Eingliederung der indigenen Bevölkerungen in die amerikanische Gesellschaft anstrebten und den Englischunterricht als Voraussetzung für die erfolgreiche Missionierung und Zivilisierung betrachteten. Jahrhunderts kurzfristig die Menominee-Mission betreute. vertraten die mehrheitlich aus Europa stammenden katholischen Missionare die Auffassung. Indigene Motivationen.und einer Ojibwa-Ausgabe veröffentlichten Werke – ein Katechismus. Lac Courte Oreille Reservation. Geduld und nicht zuletzt ein gewisses Maß an Talent. die Überlegenheit ihrer religiösen „Wahrheit“ gegenüber dem lokalen kulturellen Wissen um das Wirken des Übernatürlichen in dieser Welt unter Beweis zu stellen. Marquette University Archives. um 1900. geeignete Ausdrücke für Konzepte zu finden. und selbst diejenigen. kann über den Umstand hinwegtäuschen. der in den sechziger Jahren des 19. und Improvisation und Zeichensprache mussten oft genug mangelnde Ausdrucksfähigkeit wettmachen. war nicht der Einzige.und Glaubenssysteme zählten. Die Beherrschung des lokalen Idioms löste allerdings noch nicht das weitaus größere Problem.

die es aus missionarischer Sicht nur galt. Trotz grundlegender Unterschiede in der jeweiligen Auslegung der beschriebenen religiösen Konzepte dienten diese doch als Verständnisbrücken im Dialog zwischen katholischen Missionaren und ihren einheimischen Gesprächspartnern und unterstützten nicht nur missionarische Strategien. Es bedurfte einigen Einfallsreichtums. fand tatsächlich so mancher Entschluss.und Unterwelt nicht moralisch bewerteten. von höheren Mächten beglückt werden“ bedeutete. unter missionarischer Lenkung für das Bekehrungswerk nutzbar gemacht werden konnte. sich dem Christentum zuzuwenden. die mit ihrem Flügelschlag Donner erzeugen und aus ihren Augen Blitze schleudern konnten. Ideologische Brückenschläge dieser Art bestimmten aber nicht nur die verbale Kommunikation zwischen Missionaren und ihren potenziellen Konvertiten. Der Versuch. Ein fundamentaler Gegensatz zwischen den Glaubenssystemen blieb jedoch bestehen: Während die christliche Heilserwartung auf die Auferstehung nach dem Tod und das ewige Leben in der Herrlichkeit MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. sondern erleichterten auch indigenen Interessenten den Zugang zur neuen Religion. „Schuld“ und „Sühne“ zu unterlegen. Wenn etwa der Schweizer Missionar (und Autor der ersten Menominee-Grammatik) Antoine-Marie Gachet für das Sakrament der Firmung einen Menominee-Ausdruck verwendete. auf dem Weg ins Jenseits die Passage über den reißenden Fluss auf einem schlüpfrigen Baumstamm zu Ledertasche mit Stachelschweinborstenverzierung. so knüpfte dies für seine indigenen Zuhörer mit Sicherheit an traditionelle Auffassungen über die Beziehungen zwischen Menschen und ihren übernatürlichen Schutzgeistern an. Im Gegenteil hielten die Missionare gerade die Algonquinvölker für „von Natur aus wohl veranlagt. Missionare wie Gachet vertrauten auch darauf.für die in der indigenen Ideenwelt keine Entsprechungen existierten. Jahrhunderts bereits die Meinung vertraten. Die formalen oder inhaltlichen Analogien zum eigenen Glauben. Spirituelle Macht wurde als eine wertneutrale Kraft betrachtet. in Träumen und Visionen den Zugang zum Übernatürlichen zu suchen. die in vieler Hinsicht konzeptuelle Brücken zu lokalen Vorstellungen schlug. die sie besaßen – gleich ob Mensch oder übernatürliches Wesen – situationsabhängig zum Wohl oder zum Schaden anderer ausgeübt werden konnte. Jesu Christi Jünger zu werden“. erbitterten Kampf mit den übernatürlichen Wesen der Unterwelt. stand das ewige und sorgenfreie Leben im Land der Toten doch grundsätzlich allen offen. Der Gegensatz zwischen Gut und Böse. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. die Missionare in der indigenen religiösen Praxis wahrzunehmen glaubten. die christlichen Glaubenswahrheiten zu erkennen und anzunehmen. diesen Mangel an einer verfügbaren religiösen Terminologie mittels Umschreibungen und neuer Wortschöpfungen auszugleichen. christliche Prinzipien auf diese Weise verständlich zu machen. dass nur die guten Menschen imstande wären. Menominee. um 1820. Träume sorgten zwar einerseits für den Weiterbestand kulturellen Wissens. bildeten jedenfalls einen zentralen Ansatzpunkt für die angestrebte christliche Auf klärung. Die gezielte missionarische Einf lussnahme auf diese Vorstellungen zeigt sich deutlich am Beispiel der Menominee. der soviel wie „bemitleidet. dass die in der indigenen Religionsausübung so fest verankerte Praxis. führte zur Entstehung einer indigenen Begriff lichkeit. Wisconsin.und Unterwelt konnte von den Missionaren mit der Präsenz von Engeln und Dämonen der christlichen Weltsicht gleichgesetzt und allmählich in Begriffe von Himmel und Hölle umgedeutet werden. hatte aber keinerlei Einf luss auf sein Schicksal nach dem Tod. mit den entsprechenden christlichen Konzepten von „Sünde“. während Übeltäter kläglich scheiterten und unweigerlich ins Verderben stürzten. so bezweifelte man doch in keiner Weise deren grundsätzliche intellektuelle und moralische Befähigung. die den Widerstreit zwischen den Mächten der Ober. Auch wenn die religiösen Vorstellungen und Praktiken der einheimischen Bevölkerungen von den katholischen Priestern zwangsläufig als „heidnisch“ und „abergläubisch“ eingestuft wurden. um ans Ziel ihrer Wanderung zu gelangen. Wie aus zahlreichen Schilderungen indigener Konvertiten hervorgeht. gesegnet. So wurde die Verehrung eines Höchsten Wesens im algonquinischen Universum – des „Guten“ oder „Großen Geistes“ – als generelle Gottesidee interpretiert und das ursprünglich nur vage umschriebene Konzept einer der Menschheit weit entrückten Macht zunehmend personalisiert und mit den Attributen des christlichen Gottes versehen. JAHRHUNDERT 135 . stand allerdings im radikalen Widerspruch zu traditionellen Anschauungen. hatten aber andererseits als Quelle religiöser Innovation in indianischen Gesellschaften seit jeher eine entscheidende Rolle gespielt. Johann Georg Schwarz) Die auf dieser Jagdtasche stilisiert dargestellten Donnervögel. Nach traditioneller Auffassung zog zwar das ethische Verhalten eines Menschen unmittelbare Folgen für sein Wohlbefinden im Diesseits nach sich. den Missionare damit der indigenen Weltordnung überstülpten. Die kosmologische Vorstellung einer von übernatürlichen Wesen bevölkerten Ober. Auch wenn die Seele eines Verstorbenen einen hindernisreichen Weg zurücklegen und allerlei Versuchungen widerstehen musste. Einen willkommenen Bezugspunkt lieferten auch die in den indigenen Religionen vorhandenen Ideen über das Leben nach dem Tod. die von denjenigen. bevölkerten die Himmelswelt des Algonquin-Kosmos und befanden sich im immerwährenden. die um die Mitte des 19. indem sie es gewissermaßen durch die persönliche „Erfahrung“ legitimierten. sondern vielmehr im Gleichgewicht der Kräfte die Harmonie und den Fortbestand des Universums gesichert sahen. Als Schutzherren der Krieger wurde ihnen besondere Verehrung gezollt. meistern. seinen Ursprung in einem entsprechenden Traumerlebnis.

Rote Christen Es wäre nicht leicht zu erklären. zur Abwehr von Schadenzauber oder zur Sicherung des Jagderfolgs oder Ernteertrags verdeutlicht die pragmatischen Erwartungen der Konvertiten an die neue Religion innerhalb eines weitgehend unveränderten kulturellen Wertesystems. Kruzifixe und andere Requisiten der katholischen Religionspraxis konnten kaum in ausreichender Weise beschafft werden. Mit der konsequenten Vernichtung indigener Zeremonialgegenstände. als von der Konformität mit abstrakten Lehrsätzen. Florimond Bonduel) Indigene Zeremonialgegenstände wie dieses ritzverzierte Brett. um die indigene Nachfrage zu befriedigen. deren Manipulation in Gebet und Ritual der Anrufung übernatürlicher Hilfe für die alltägliche Problembewältigung diente. KASPRYCKI . das vermutlich aus dem Besitz eines Menominee-Ritualisten stammt. Menominee. teils aufgrund der strengen Geheimhaltung esoterischen Wissens gegenüber Außenseitern – meist nur in Grundzügen erfasst wurde. sich aktiv und mit Begeisterung am katholischen zeremoniellen Leben zu beteiligen. Als symbolischer Ausdruck ideeller Konzepte spielten materielle Dinge sowohl im Katholizismus wie auch in der indigenen religiösen Praxis eine bedeutende Rolle und dienten beiden Parteien im Missionierungsprozess als wichtige Informationsquelle über die „Anderen“. Im indigenen Kontext stellten die christlichen Sakralobjekte in vieler Hinsicht einen formalen Ersatz für die zuvor verwendeten religiösen Paraphernalien dar. Während die Komplexität indigener Glaubenssysteme – teils aus mangelndem Interesse oder kultureller Überheblichkeit. was kein geringes Mittel zur Bekehrung und zur Unterhaltung der Gefühle der Religion ist“. um 1850. griffen Missionare aber auch auf lokale Ressourcen zurück und bedienten sich indigener Kunstfertigkeit. von kritischen protestantischen Stimmen der Zeit freilich dennoch nur als „getauftes Heidentum“ bezeichnet wurde.Graviertes Holzbrett. © Musei Vaticani. Die katholischen Missionare betrachteten das äußere. Wisconsin. materielle Umfeld ihrer religiösen Praxis nicht nur als die einzig angemessene Form der Verherrlichung Gottes. Trotz aller potenziellen Missverständnisse oder unterschiedlichen Interpretationen und Absichten konnten daher katholische Missionare und indigene Christen zu einem Einvernehmen auf der Ebene der Religionsausübung kommen. Die Verwendung von Heiligenbildern oder anderen katholischen Devotionalien in der Krankenheilung. die allen angehenden Täuf lingen als Zeichen ihres ernsthaften Willens zur Bekehrung abverlangt und zumeist öffentlich verbrannt wurden. sondern vielmehr das Wirken von Gottes Gnade in diesem Prozess (und indirekt die Befähigung seiner Apostel) herausstreichen. ließ Samuele Mazzuchelli die Leser seiner Memoiren wissen. die im quantitativen Erfolg – gemessen an der Zahl der Taufen und vor allem an der regen Teilnahme ihrer Gemeindemitglieder am Gottesdienst – auch den qualitativen Erfolg des Bekehrungswerks bekräftigt sahen. wie ein „umherschweifender Wilder“ in kürzester Zeit allein durch die „einfachen Worte eines Priesters und durch die Vermittlung eines Dolmetschers an all die erhabenen Mysterien der Religion zu glauben“ lernte. So fanden die Missionare in den lokal verwendeten religiösen Paraphernalien ihre vorgefassten Meinungen von „heidnischem Aberglauben“ und „Idolatrie“ nur allzu deutlich bestätigt. Begräbnisse oder die feierliche Einweihung von Gebäuden wurden mit akribischer Sorgfalt inszeniert und ein beträchtlicher Teil der eingeworbenen Spendengelder für die Anschaffung des not wendigen Kircheninventars aufgewendet. Taufen. die vom harmonischen Gleichgewicht ihrer Beziehungen zur sozialen. natürlichen und übernatürlichen Umwelt abhingen. Umgekehrt hinderte eine zumindest anfänglich oft nur dürftig vorhandene Kenntnis katholischer Doktrin indigene Interessenten am Christentum in keiner Weise daran. Die Erfüllung der Erwartungen. galten den Missionaren als Belegstücke des „Aberglaubens“ und dienten in ihrer Propaganda vor allem dazu. berichtete Pater Sänderl 1833 seinen Ordenoberen. Das von den missionarischen Brandopfern hinterlassene Vakuum blieb nicht lange ungefüllt: Rosenkränze. auch wenn diese vor dem jeweils eigenen kulturellen Hintergrund interpretiert wurden. so verstellten ihnen doch ihre eigenen Überzeugungen und Ziele in vieler Hinsicht den Blick auf indigene Motivationen und Erwartungen an das Christentum. mit gefärbten 136 SYLVIA S. meinten Missionare auch das zugrunde liegende „moralische Übel“ an seiner Wurzel packen zu können. der Öffentlichkeit die Wandlung ihrer Konvertiten von „magiegläubigen Heiden“ zu „nachahmenswert frommen Christen“ umso nachhaltiger vor Augen zu führen. Sonntagsmessen. Missionare interpretierten diesen begeisterten Konsum katholischer Devotionalien verständlicherweise als weitere Bestätigung des Konversionserfolgs. boten deren materielle Manifestationen den missionarischen Strategien im wahrsten Sinne des Wortes eine Angriffsf läche. zumal der feste Glaube der neuen Besitzer an die spirituelle Wirksamkeit dieser Andachtsgegenstände sich ihnen in mannigfaltiger Form offenbarte. um den katholischen Kulthandlungen den würdigen Rahmen zu verleihen. die zwar auf lange Sicht durchaus zur Vertiefung und Verinnerlichung christlicher Glaubensinhalte führte. wie vergleichbare Äußerungen anderer Missionare auch. Heiligenbilder. Wo es dafür an ausreichenden Mitteln fehlte. die man an religiöse Aktivitäten knüpfte. Auch wenn sich die Missionare über den „Zudrang der guten Indianer“ und deren Glaubenseifer nicht beklagen konnten. Das tatsächliche intellektuelle Verständnis der christlichen Glaubenwahrheiten seitens ihrer indigener Konvertiten wurde von den Missionaren selten hinterfragt. Die Aufgabe ihrer „Werkzeuge der Abgötterei und Zauberei“ kennzeichnete für die Konvertiten den Schritt in ein neues Leben und wurde in der missionarischen Propaganda und Spendeneinwerbung gerne als Beweis für den unauf haltsamen Siegeszug des Christentums angeführt. Museo Missionario Etnologico (Slg. kirchliche Feste und Prozessionen. sollte aber keineswegs die reale Möglichkeit einer raschen Bekehrung trotz sprachlicher und kultureller Barrieren oder gar deren Seriösität in Zweifel ziehen. hing auch in der traditionellen Glaubenspraxis in vieler Hinsicht mehr von der Korrektheit des rituellen Handelns ab. stand im Zentrum indigener religiöser Praktiken die „Optimierung“ menschlicher Lebensbedingungen. So wurden die von ihnen so geschätzten. Diese Bemerkung. „Den Gottesdienst halten wir so gut und glänzend wir es vermögen. sondern wussten die sinnliche Anziehungskraft katholischer Rituale auf das indianische Publikum auch als strategischen Vorteil gegenüber ihren protestantischen Konkurrenten auszuspielen. Gottes ausgerichtet war.

Michigan. Die Verwendung dieser Matte mit Darstellungen von Donnervögeln als Altarschmuck in der Kirche von Cross Village mag für die Ottawa-Christen eindeutige Bezüge zur traditionellen religiösen Praxis hergestellt haben. Michigan. Ottawa. Binsenmatte. um 1840. JAHRHUNDERT 137 . Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Martin Pitzer) Dieses aus einem Tabernakel und sechs Kerzenhaltern bestehende Altarensemble schmückte den Altar der ersten katholischen Ottawa-Kirche in Cross Village und stellt ein wohl einzigartiges Beispiel für die Verschmelzung lokaler Kunsttraditionen mit christlichen Inhalten dar. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. um 1840. Martin Pitzer) Binsenmatten demonstrierten eindrucksvoll die Flechtkunst der Algonquinvölker und bestachen durch ihr optisches Spiel mit Positiv.und Negativformen. Cross Village. Ottawa. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. Cross Village.Altarensemble aus mit Stachelschweinborsten verzierter Birkenrinde.

die von Gebeten oder dem Vollzug von Sakramenten begleitet waren und von indigenen Beobachtern als spirituelle Therapiemaßnahmen interpretiert wurden. die sie in ihrer kulturellen und ethnischen Identität bestärkte. KASPRYCKI . dass Angehörige dem Missionar ihre Konversion in Aussicht stellten. Medikamente beschafften oder Impfungen durchführten. Nicht selten kam es vor. weil sie als Pioniere im Grenzland häufig tatsächliche ärztliche Hilfe leisteten. die neben medizinischem Wissen auch über die besonderen Fähigkeiten verfügten. indem etwa Binsenmatten. In der Krisensituation des 19. in dem sich die zentrale christliche Kulthandlung vollzog. Lac Courte Oreille Reservation. Zum missionarischen Alltag zählten im Rahmen der priesterlichen Seelsorge oder im Bemühen um die Seelenernte vor allem auch regelmäßige Krankenbesuche. das traditionelle Weltbild in seinen Grundfesten und schuf den Nährboden für soziale und religiöse Reformbewegungen. Der allmähliche Verlust ihrer Landbasis und politischen Autonomie und wachsender Anpassungsdruck durch den massiven Zustrom weißer Siedler verursachten eine Stimmung allgemeiner kultureller Desorientierung und Verunsicherung. wurzelte in der Umbruchsituation. Der Gebrauch einheimischer Produkte zog allerdings mitunter unvermutete konzeptive Parallelen zur traditionellen Glaubenspraxis. profitierte das Bekehrungswerk davon maßgeblich. In direkte Konkurrenz zu traditionellen Heilern gesetzt. priesterlicher Segen oder Sakramente „versagten“. sondern stellten auch wichtige gesellschaftliche Ereignisse dar. Obwohl auch umgekehrt Konvertiten mitunter zu traditionellen Heilmethoden rekurrierten. nun den sakralen Raum markierten. fiel ihre Bekämpfung in den Aufgabenbereich religiöser Spezialisten. Unbekannter Fotograf. Marquette University Archives. wurde die Bewährung der Missionare auf dem Gebiet der Krankenheilung damit zum „Eignungstest“ für die spirituelle Kraft ihrer Religion. wenn Gebete. Aus einheimischer Sicht schienen die Aktivitäten der Missionare die ihnen zugedachte Rolle als Heiler auch zu bestätigen – und dies nicht nur. sich unter einschneidend veränderten Lebensbedingungen erneut in Einklang mit der Weltordnung zu setzen. Weihwasserbehälter. um 1900. Bezeichnenderweise waren es die indigenen Christen. Das hier zum Schutz des Altars errichtete tunnelförmige und mit Textilien verkleidete Stangengerüst erinnert an traditionelle Bauformen und nicht zuletzt an die vorübergehend aufgebauten Zeremonialhäuser für die Rituale der Medizingesellschaft. so schöpften die Betroffenen aus den sakralen Handlungen am Krankenlager die konkrete Hoffnung auf die Heilung des Körpers. falls die Taufe eines Patienten zur Genesung führen sollte. von Körper und Seele grundlegend verändern. Langfristig konnte das Christentum die pragmatischen Heilserwartungen seiner indigenen Anhänger nicht erfüllen. Cholera und Grippeinfektionen. die zuvor als Behältnis heiliger Bündel und als Präsentationsf läche für die rituelle Handhabung ihres Inhalts im Rahmen von Zeremonien gedient hatten. allen voran Pocken. die übergeordneten Krankheitsursachen zu ermitteln und zu beheben. Insbesondere aber erschütterte der dramatische und scheinbar unauf haltsame Bevölkerungsrückgang im Zuge eingeschleppter Krankheiten. Jahrhunderts lässt sich der Dialog mit den christlichen Missionaren als ein Versuch verstehen. die Kompetenz anderer Vertreter der weißen Gesellschaft für das physische Wohlbefinden anzuerkennen und sich im Bedarfsfall der westlichen Medizin anzuvertrauen. Mit der Internalisierung christlicher Lehren und der damit verbundenen Wertvorstellungen sollten sich letztendlich auch die ursprünglichen Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit. natürlichen oder übernatürlichen Umgebung angesehen wurde. Wisconsin. für den Missionare zumeist nur auf die Gnade Gottes vertrauen konnten. Da Krankheit in indigenen Gesellschaften als ein Zustand gestörter Harmonie zwischen dem betroffenen Individuum und seiner sozialen. die das 19. In jedem Fall aber schuf die materielle Kultur des indigenen Christentums für die Gläubigen eine visuell vertraute Atmosphäre. Stellte sich ein „Heilungserfolg“ ein. Wie in den Wohnhäusern auch dekorierten Binsenmatten als Wandbehänge und Bodenbeläge die Kirchen und Kapellen und fungierten in Ermangelung von Leinen und Brokat auch als Altartücher und Antependien. Ging es den Missionaren dabei hauptsächlich darum. so zählten die auf dem Krankenbett geworbenen Christen zumeist zu den treuesten Anhängern der Mission. 138 SYLVIA S. durch das Spenden der Taufe oder Letzten Ölung das Heil unsterblicher Seelen zu sichern. Von Heil und Heilung Das rege Interesse am Christentum. das Missionare primär der Überzeugungskraft ihrer Lehre zuschrieben. Bureau of Catholic Indian Missions Als Höhepunkte des Kirchenjahres wurden die katholischen Festtage nicht nur mit größtmöglichem materiellen Aufwand inszeniert. Jahrhundert den indigenen Bevölkerungen des Seengebiets bescherte.Fronleichnamsfest der Chippewa. Kerzenhalter und dergleichen mehr gewidmet. die lange vor ihren unreformierten Stammesgenossen lernten. Stachelschweinborsten verzierten Birkenrindenarbeiten einer Vielzahl neuer Verwendungszwecke als Hostienschachteln.

sondern war mit Berufung auf die göttliche Instanz untersagt. der nicht nicht zuletzt von einem Klima massiver kultureller Umwälzungen gefördert wurde. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit geistiger Getränke blieb deren profaner und meist gemeinschaftlicher Konsum zunächst auf seltene Trinkfeste beschränkt. Weiterführende Literatur Kasprycki. der die Eigenverant wortlichkeit des Individuums für seine Taten außer Kraft setzte. wo sie das Inventar kurz und klein schlugen. eine kleine Sensation aus. als Ventil für persönliche Frustrationen aller Art gedient und dadurch letztlich den Zusammenhalt der Gemeinschaft gestärkt. Gleichzeitig verabsäumten die Missionare es nicht. das im 19. Jahrhundert ein wiederkehrendes Thema in den Berichten der Indianeragenten dar. die zuvor keine berauschenden Getränke gekannt hatten. die nur durch die Aufgabe des Trinkens zu erzielen war. deren psychologische Wirkung wohl nicht unterschätzt werden darf. Jahrhunderts machten die wachsende Präsenz und Profitgier weißer Händler Alkohol zu einem Hauptartikel des schwunghaften Indianerhandels und veränderten damit auch indigene Trinkgewohnheiten. von der das göttliche Wohlwollen abhing. Alkohol und Temperanz Mit der Gründung von Temperanzgesellschaften boten die christlichen Missionare indigenen Bevölkerungen auch einen Lösungsansatz für ein anderes gesellschaftliches Problem. wurde Alkohol rasch zu einem integralen Bestandteil der religiösen Praxis. Die missionarischen Temperanzvereine. dass beispielsweise die Menominee im Jahr 1861 den Gewinn aus zehn von rund 45 produzierten Tonnen Ahornzuckers in den Erwerb von verdünntem und teuer verschachertem Whiskey investierten.Ottawa-Mädchen als „Carrie Nations“. Bemerkenswert ist hier der nostalgische Rückgriff auf die zu dieser Zeit längst obsolet gewordenen Bogen und Pfeile – anstelle von Carries berüchtigten Beilen – als Ausdruck indigener Identität. Marquette University Archives. sondern stärkten auch das Gemeinschaftsgefühl und boten eine moralische und spirituelle Unterstützung. übten mit ihren regelmäßigen Zusammenkünften nicht nur eine soziale Kontrollfunktion aus. JAHRHUNDERT 139 . Selbstmord oder alkoholverursachten Unfällen stellten im 19. Unter den kontrollierten Bedingungen kommunaler Trinkgelage hatte die Auffassung von Alkoholisierung als einem Zustand der Besessenheit. Unbekannter Fotograf. lassen sich auch die enormen wirtschaftlichen Kosten des Alkoholmissbrauchs ermessen. Jahrhundert zunehmend bedrohlichere Formen annahm: In der Abstinenz vom Alkohol sah 1855 Otto Skolla „die thätigste Triebfeder für ihre Bekehrung zum heiligen katholischen Glauben“. Die zahlreichen Vorkommnisse innerfamiliärer Gewalt. um die für den Zugang zum Übernatürlichen so unentbehrlichen Visionen oder Trancezustände zu erlangen. in dieser Hinsicht auf die verbesserte Lebensqualität hinzuweisen. um 1905. kontinuierliche und zunehmend individuelle Alkoholkonsum. Sylvia S. European Review of Native American Studies 10(2): 45–50. Erst im Lauf des 19. und bestätigten damit indigene Erwartungen an den praktischen Nutzen religiöser Aktivitäten. konnte die christliche Temperanzbewegung durchschlagenden Erfolg verbuchen. Als willkommenes Hilfsmittel. 1996 Matters of Faith: Notes on Missionaries and Material Culture. Im Unterschied zur traditionellen Praxis spielte Alkohol für die Erhaltung der Beziehung zum Übernatürlichen nicht nur keine Rolle mehr. zur Zerrüttung sozialer Beziehungen. Michigan. die in der mündlichen Überlieferung noch Generationen später lebendig war. denen die Konvertiten meist unmittelbar nach der Taufe beitraten. Die Einführung von „Feuerwasser“ durch europäische Händler löste in den indigenen Gesellschaften. die einer religiösen Eingebung folgend die Anhängerinnen des von ihr gegründeten Zweigs der „Temperanzbewegung christlicher Frauen“ in Kansas zu einem radikalen Feldzug gegen den Alkohol aufgerufen hatte. Bureau of Catholic Indian Missions Die Mitglieder dieses Ottawa-Temperanzvereins orientierten sich offensichtlich am Vorbild der amerikanischen Prohibitionistin Carrie A. von Totschlag. die zwar auf die vollständige Berauschung abzielten. und unterlegten damit den Wunsch nach Abstinenz mit einer religiösen Motivation und alternativen Quellen spiritueller Kraft. Im Gegenteil dazu führte der exzessive. Christliche Hymnen singend und mit Beilen bewaffnet. aber von wirksamen Kontrollmechanismen – wie dem Einsammeln von Waffen und der Abstellung von nüchternem „Aufsichtspersonal“ – geregelt waren. Nation (1846–1911). Während das von der US-Regierung erlassene Verkaufsverbot alkoholischer Getränke trickreich umgangen wurde und indigene Maßnahmen zur Eindämmung des Problems weitgehend fehlschlugen. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. stürmten die Frauen zwischen 1900 und 1910 wiederholt die lokalen Bars. Harbor Springs. Missionare predigten Enthaltsamkeit als unerlässliche christliche Tugend. Zieht man in Betracht.

In dieser Form hielten die Chippewa und benachbarte Algonquinvölker das gesamte umfangreiche Wissen der Medizingesellschaft auf Birkenrindenrollen fest. dienten als „Unterschriften“ in den frühen Verträgen mit den Europäern und fanden sich auch an Grabstätten zur Identifizierung der Verstorbenen.Religion im Bild Religiöse Vorstellungen nahmen sowohl in der christlichen wie auch in indigenen Traditionen bildliche Gestalt an und spielten in dieser Form in der rituellen Praxis. Menominee. die gemeinsam mit den Texten memorisiert wurden und später das Gedächtnis des Vortragenden unterstützen sollten. Florimond Bonduel) Die Menominee bevorzugten zur bilderschriftlichen Notation ritueller Lieder häufig dünne Holzbrettchen gegenüber Birkenrinde. das in dieser Form nur mehr Eingeweihten zugänglich war. stießen sie bei den christlichen Missionaren zumeist auf heftige Kritik. 140 SYLVIA S. Eine der wichtigsten Anwendungen piktografischer Zeichnungen war aber die als Erinnerungshilfe für die Rezitation mythischer Erzählungen oder den Vortrag ritueller Gesänge. sondern stellten gewissermaßen nur Kürzel dar. erwiesen sich Bilder in der Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg oftmals als Quelle wechselseitiger Missverständnisse und im Rahmen missionarischer Belehrungen mitunter als trügerische Hilfsmittel. Die so kodierten Inhalte blieben daher ausschließlich für legitimierte Spezialisten abruf bar und nutzbar. Entlang von Wanderpfaden hinterließ man an Baumstämmen Nachrichten für andere Reisende in Form von einfachen. Diese Ablehnung beruhte nicht so sehr auf kultureller Überheblichkeit und Geringschätzung indigener künstlerischer Fertigkeiten. die bestimmten Konventionen folgten und zum Teil auch stammesübergreifend verständlich waren. abstrahierten Zeichen. waren bilderschriftliche Aufzeichnungen im Gebiet der Großen Seen ein wichtiges Medium der Kommunikation und Wissensvermittlung. Museo Missionario Etnologico (Slg. anhand derer auch die Kandidaten zur Aufnahme in den Bund über Entstehungsmythe. die sie mit anderen Weißen teilten. der diese Erfahrungen nach außen legitimierte und gleichzeitig die dadurch erworbene spirituelle Kraft bewahren sollte. Europäische Betrachter zeigten sich von indigenen bildnerischen Ausdrucksformen im Allgemeinen wenig beeindruckt und sahen in ihnen häufig nur ein weiteres Beispiel für den „Ent wicklungsrückstand“ der einheimischen Bevölkerungen. In Rinde oder Holz geritzt oder auf Leder. der individuellen Religionsausübung und nicht zuletzt in der Vermittlung von Glaubensinhalten eine herausragende Rolle. stark stilisierten Zeichen auf diesen „Gesangsbrettchen“ dienten den eingeweihten religiösen Spezialisten als mnemotechnische Hilfsmittel sowohl bei der Wiedergabe von Liedern in ihrer korrekten Strophenfolge als auch bei der Einweisung ihrer Schüler in das Geheimwissen. Die linear angeordneten. © Musei Vaticani. KASPRYCKI . nach denen diese Verwandtschaftsgruppen bei den Algonquinvölkern benannt waren. So wurde in dieser Weise et wa Traum. um 1850. Wisconsin. Doch während piktografische Darstellungen bei Reisenden oder Regierungsbeamten immerhin eine gewisse ethnografische Neugier weckten. Das symbolische „Erschießen“ von Tierdarstellungen mit „magischen“ Pfeilen im Rahmen bestimmter Jagdrituale sollte den Erfolg bei der Jagd und den Segen der übernatürlichen Wesen sichern. um deren Beistand zu erbitten oder auch um im Rahmen von zeremoniellen Handlungen die Beziehungen eines Individuums zu dessen persönlichen Schutzgeistern zu dokumentieren. aus denen sich ihre Bedeutung erst erschloss. Während für diese profanen Zwecke die allgemeine Lesbarkeit eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation bildete. Tuch oder Holz gemalt. rituellen Ablauf und die dazugehörigen Gesänge und Überlieferungen instruiert wurden. sie markierten persönliche Gegenstände wie Waffen oder andere Utensilien. sondern fußte vor allem Graviertes Holzbrettchen. Piktografische Darstellungen übernatürlicher Wesen wurden angefertigt. Totemzeichen verwiesen auf die Klanzugehörigkeit von Individuen mit Bezug auf die mythischen Tierahnen. Häufig zählten solche Abbildungen zum Inhalt individueller oder kollektiver Medizinbündel.oder Visionserlebnissen visueller Ausdruck verliehen. Formal und inhaltlich in ihre jeweiligen kulturellen Kontexte eingebunden. Historische Ereignisse wurden ebenso piktografisch festgehalten wie individuelle Leistungen und Erfolge im Krieg oder bei der Jagd. dienten im sakralen Bereich dieselben konventionalisierten Zeichen in metaphorischer und symbolischer Verwendung der Verschlüsselung esoterischen Wissens. Die auf Streifen von Birkenrinde oder in schmale Holzbrettchen geritzten bilderschriftlichen Zeichen gaben dabei allerdings die Mythen oder Lieder keineswegs in ihrer detailreichen Gesamtheit wieder.

in denen das Auszupfen der ohnehin spärlichen Barthaare ein Muss der täglichen Schönheitspf lege darstellte. Die Erfahrung lehrte auch.Graviertes Holzbrett. halb Fisch. um 1850. der den Menominee als Herrscher der Unterwelt galt. die Auswahl des Bildmaterials an lokale Gegebenheiten anzupassen. „Diese Bilder stellen die halbe Belehrung dar. die man den Indianern geben kann“. einem Wesen halb Mensch. dass die allzu ausgeschmückte Darstellung biblischer Szenen mehr zur Verwirrung denn zur Erhellung indigener Betrachter beitrug. © Musei Vaticani. zeigen die hier in Birkenrinde geritzten Darstellungen ebenfalls übernatürliche Wesen der Unterwelt: rechts der Große Weiße Bär. Ihre ideologischen Vorbehalte ließen eine „objektive“ Betrachtung kaum zu und beeinf lussten auch ihre ästhetischen Werturteile: Missionare konnten die sichtbaren Zeugnisse indigener religiöser Vorstellungen nur als „hässlich“. JAHRHUNDERT 141 . Auch wenn sich in Ausnahmefällen einzelne Missionare aus kulturgeschichtlichem Interesse eingehender mit indigener religiöser Ikonografie befassten. rasch offenkundig wurde. „krude“ und „monströs“ ansehen. betonte 1637 Pater Paul LeJeune. um 1850. steht rechts die Darstellung des so genannten „Stör-Menschen“ gegenüber. Wisconsin. So stießen et wa Abbildungen von christlichen Heiligen mit wallenden Bärten auf wenig Gegenliebe in Gesellschaften. setzten insbesondere katholische Missionare seit jeher auf die pädagogische Effektivität bildlicher Darstellungen als einer Art „Bibel für Laien“. Florimond Bonduel) In Komposition und Inhalt dem etwa ein Jahrzehnt später von Bonduels Nachfolger Gachet gesammelten gravierten Holzbrett vergleichbar. So waren die missionarischen Bitten um Nachschub von Heiligenbildern aus Europa bald von detaillierten Ritzverzierte Birkenrinde. Antoine-Marie Gachet) Dem links abgebildeten Großen Weißen Bären mit Hörnern. Das von Antoine-Marie Gachet auf einer Menominee-Grabstätte gefundene Holzbrett stand zweifellos in zeremonieller Verwendung und mag sich auf die Traumerlebnisse des Verstorbenen beziehen. stießen sie rasch an die Grenzen ihrer interpretativen Möglichkeiten und gelangten mitunter zu irrigen Schlussfolgerungen. deren Verständnis schon in der einheimischen Kultur in vielen Fällen Eingeweihten vorbehalten blieb. Marienmedaillen und andere religiöse Illustrationen als unumgängliches Rüstzeug ihrer Tätigkeit im Gepäck. links der Biber. Wisconsin. Schuppenpanzer und Kupferschwanz. Menominee. einen Tapir. Solche Beispiele belegen eindrucksvoll die kulturelle Bedingtheit sowohl der Produktion wie auch der Wahrnehmung visueller Darstellungen. das in zahlreichen mythologischen Erzählungen auftauchte. auf ihrem massiven Unbehagen angesichts des dargestellten „heidnischen“ Inhalts. Schon im 17. Jahrhundert führten Jesuitenmissionare in Neu-Frankreich Heiligenbildchen. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. Menominee. ein Krokodil und eine „Sirene“ erkennen und damit die Einwanderung der amerikanischen Ureinwohner aus Ägypten belegen zu können. der als einer der Gehilfen der Unterweltmächte angesehen wurde. So meinte et wa Florimond Bonduel in den Darstellungen verschiedener Unterwelt wesen auf einem von ihm gesammelten Holzbrett. die vermutlich die Traumerlebnisse eines Menominee-Ritualisten festhielten. Bild und Mission Ebenso überzeugt von der Überlegenheit abendländischer Kunsttraditionen wie von der universellen Gültigkeit ihrer Glaubenswahrheiten. Sammlung des Seminars für Sozialanthropologie der Universität Freiburg (CH) (Slg. auch wenn die Not wendigkeit. Museo Missionario Etnologico (Slg.

ihren potenziellen Konvertiten christliche Glaubensinhalte möglichst anschaulich vor Augen zu führen. der das zufällige Zusammentreffen mit einer Gruppe von Winnebago im Jahr 1825 für die Seelenernte nicht ungenutzt lassen wollte. Federfächer und federgeschmückten. hielten auch noch zwei Jahrhunderte später katholische Missionare an der Praxis fest. um ihren Schülern im Katechismusunterricht christliche Prinzipien nahe zu bringen. die indigenen Vorlieben nach bartlosen Gesichtern oder bestimmten Farben der abgebildeten Kleidung sowie dem Bedarf an möglichst vereinfachten Darstellungen Rechnung trugen. die zur Erläuterung religiöser Lehren herangezogen wurden. KASPRYCKI . um 1830. den Illustrationen von Fegefeuer und Höllenqualen bei den einheimischen Bevölkerungen hinterließen. Michigan. Solche Abbildungen unterstrichen missionarische Ermahnungen auf plakative Weise und sollten für lange Zeit zum Standardrepertoire ihrer bildlichen Unterweisungen zählen. Den Erklärungsbedarf für das Verständnis religiöser Darstellungen. das Missionare in die Wirksamkeit von Bildern setzten. folgte die indigene Faszination ihrer eigenen kulturspezifischen Logik. narrativen Stil wider. Während Missionare die Begehrlichkeit ihrer Konvertiten nach Heiligenbildern. den er allein der Ergriffenheit zweier Menominee angesichts des „meisterhaft gemalenen“ Kruzifixes in der Kirche von Green Bay zuschrieb. Zwar ist – zieht man die kulturelle Bedingtheit aller visuellen Ausdrucksformen in Erwägung – hinsichtlich der tatsächlichen erzieherischen und belehrenden Funktion religiöser Darstellungen im lokalen Kontext Skepsis angebracht. die symbolische „Erschießung“ der Initianden durch die eingeweihten Mitglieder mit Hilfe ihrer Otterfell-Medizintaschen. lässt Kleidungsformen und Kopfschmucke ebenso klar erkennen wie die im Ritual verwendeten Rahmentrommeln und Kürbisrasseln. Ungeachtet der Schwierigkeiten in der „Übersetzung“ von Bildinhalten über kulturelle Grenzen hinweg.Zeichnung aus dem Skizzenbuch von Arbre Croche. Johann Georg Schwarz) Angelehnt an die indigene bilderschriftliche Tradition. Ungeachtet ihrer 142 SYLVIA S. ohne das Verständnis ihrer Schüler für die vermittelten Inhalte allzu oft zu hinterfragen – und in gewisser Weise lagen sie mit dieser Einschätzung gar nicht so falsch. der kulturspezifische Details deutlich wiedergibt. ihnen anhand einer Illustration in seinem Brevier das Prinzip der Heiligen Dreifaltigkeit zu verdeutlichen. Ottawa. der wenige Jahre später in einem Brief an die Leopoldinen-Stiftung in Wien über einen Bekehrungserfolg berichtete. insbesondere wenn es sich um biblische Gleichnisse oder Ereignisse der Kirchengeschichte handelte. ersetzte auch die zunehmende Vertrautheit mit europäischen Darstellungskonventionen nicht. Wunschlisten begleitet. spiegelt diese Zeichnung eines Ottawa-Missionsschülers die unter europäischem Einf luss vollzogene Hinwendung zu einem naturalistischen. doch konnte ihre unbestreitbare Anziehungskraft auf einheimische Betrachter die Missionare nur in ihrer Ansicht bestärken. die sich aus missionarischen Berichten zumindest indirekt erschließen lässt. So beschreibt et wa Vincent Badin. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Wo es den jungen und zumeist an Geldnot leidenden Missionsstationen am entsprechenden visuellen Inventar fehlte. Schon aus diesem Grund stellten Bilder nur äußerst unzulängliche Hilfsmittel für die Über- brückung sprachlicher Barrieren dar. langstieligen Pfeifen. Zahlreiche Berichte aus dem Feld beschreiben dagegen den unmittelbaren und nachhaltigen Eindruck. Kruzifixen und anderen bildlichen Darstellungen mit Erkenntnis und Akzeptanz des „wahren“ Glaubens gleichsetzten.und Marienbildern legten sie auch im Grenzland der europäischen Expansion größten Wert auf die möglichst prachtvolle Ausgestaltung der Kirchen mit Altargemälden und bebilderten Kreuzwegstationen. Neben der großzügigen Verteilung von Heiligen. Feststellungen dieser Art bezeugen das große Vertrauen. Die Darstellung der zentralen Kulthandlung des Medizintanzes. griffen Missionare mitunter auch selbst zu Bleistift und Pinsel. Aus heutiger Sicht mögen auch Zweifel an der Behauptung Simon Sänderls auftauchen. der Erfolg dieses Unterfangens musste in diesem Fall selbst dem Missionar als fragwürdig erscheinen. seine Bemühungen. auch wenn Missionare hierzu gelegentlich Zuf lucht nahmen.

Archiv für Völkerkunde 48: 93–120. wie der protestantische Missionar Henry Gregory in den dreißiger Jahren des 19. Zeichnung aus dem Skizzenbuch von Arbre Croche. sondern auch das Wissen um den strategischen Vorteil. zeigen insbesondere Letztere trotzdem deutlich die Verschmelzung von christlichem und indigenem Gedankengut und belegen. die den Sünder in der Hölle erwarten. Gregorys hartes Urteil über diesen „katholischen Aberglauben“ ref lektierte nicht nur konfessionelle Glaubensunterschiede. auch wenn sich indigene Interpretationen und Verwendungen letztendlich der absoluten missionarischen Kontrolle entzogen. Jahrhunderts beobachten konnte. Michigan. um 1830. die in der piktografischen Tradition des Seengebiets wurzeln. die von Ottawa-Schülern nach missionarischer Anleitung angefertigt wurden. MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. Die katholischen Menominee schrieben ihnen heilende Wirkung zu. Tapirs. Formal einem europäischen Zeichenstil verpf lichtet und offensichtlich von bekannten Vorlagen kopiert. den die ausgeprägte visuelle Komponente in der materiellen Kultur des Katholizismus seinen beruf lichen Konkurrenten bot. brachte den Ottawa-Missionsschülern nicht nur die formalen Prinzipien europäischer Darstellungskonventionen näher. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Ein aus der Ottawa-Missionsschule in Arbre Croche erhalten gebliebenes Skizzenbuch verdeutlicht dies in einzigartiger Weise. Michigan. die traditionelle „Medizinen“ ersetzten oder ergänzten. Weiterführende Literatur Kasprycki. die in den kosmologischen Vorstellungen der Algonquinvölker eine wichtige Rolle spielten. Johann Georg Schwarz) In diese nach einer Vorlage gezeichnete Darstellung der Qualen. Höllenqualen. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. in vergleichbarer Weise verwendet werden konnten und so oft genug auch ihren Weg in Medizinbündel fanden. Ottawa. oft drachenartig dargestellten Schlangen der Unterwelt. um 1830. Zeichnung aus dem Skizzenbuch von Arbre Croche. JAHRHUNDERT 143 . dass auch missionarische Lehren – wie jegliches über kulturelle Grenzen vermitteltes Wissen – durch die Linse lokaler Vorstellungen gefiltert wurden. enthält es verschiedene Christus-Darstellungen sowie Illustrationen von Hölle und Fegefeuer. Sylvia S.Pietà. Inhalte wurden et wa Heiligenbilder häufig als spirituell „geladene“ Gegenstände verstanden. sondern diente zweifellos auch der Vertiefung und Verinnerlichung missionarischer Lehren. Johann Georg Schwarz) Das Kopieren von Bildern mit religiöser Thematik. 1994 Sirens. hier der gekreuzigte Christus in den Armen seiner Mutter. Neben Zeichnungen. f lossen offensichtlich Elemente der indigenen Mythologie und Ikonografie ein: Die abgebildeten Teufel erinnern frappant an die gehörnten. Ottawa. and Egyptian Totems: Toward an Interpretation of Menominee Religious Iconography.

DC Pferde wurden von den Comanche als Wildpferde eingefangen.„Reitkünste der Comanche“. Jahrhundert in den südlichen Plains eingewanderten Nachkommen armer Jäger und Sammler Ruhm und Reichtum. Washington. von ihren spanischen Nachbarn gestohlen oder auch selbst gezüchtet. Ihren Reitkünsten verdankten die Comanche zum Teil ihre militärische Überlegenheit. . Ölgemälde auf Leinwand von George Catlin (1796–1872). Bisonjagd und Pferdehandel brachten den im 17. 1834–1835. Smithsonian American Art Museum.

die – gemeinsam mit den Shoshone – zum zentralen numischen Zweig der uto-aztekischen Sprachfamilie gezählt werden. Tonkawa und Wichita früher von den Spaniern zusammenfassend bezeichnet wurden – erfolgreich gegen die Übergriffe der benachbarten Apache zur Wehr setzen und diese schließlich aus dem Gebiet der südlichen Plains vertreiben konnte. Besonders nach der Unabhängigkeit Mexikos (1810) hatten die Beutezüge ein solches Ausmaß angenommen. die mit den „guten Apatschen“ im Unfrieden leben. dass einige spanische Siedlungsgebiete im Norden komplett aufgegeben werden mussten. Sie wurden von den Spaniern gezwungen. auf ihrem Rückweg über den Trail von Apache angegriffen zu werden. obwohl die räumliche Trennung zu diesem Zeitpunkt schon stattgefunden hatte. Mussten die Comanche früher damit rechnen. die den Comanche feindlich gesinnt waren und einen Puffer zwischen der Comancheria und Zentral-Mexiko bilden sollten. Aus: Reports of Explorations and Surveys. Nokoni („Wanderer“). gingen sie nun gemeinsam mit ihnen auf Beutezüge. auch wenn wie in jedem Irrtum auch ein Körnchen Wahrheit steckt. aus Kalifornien kommend in das Gebiet des Großen Beckens zwischen den Sierras und den Rocky Montains vorgestoßen sind. die Stämme würden sich gegenseitig schwächen. das die Beziehungen verbessern sollte. war in dieser Zeit die natürliche geographische Grenze zwischen den beiden Einf lusssphären. Der Rio Conchos. ritten einige Bands der Comanche (in erster Linie Kwahada und Yamparika) auf ihren Raubzügen östlich des Flusses auf dem Great Comanche Trail bis tief nach Mexiko hinein. („Padoucas“ ist ein früher in der Literatur häufig verwendeter Sioux-Ausdruck für die Comanche. Diese hatten ihr Einf lussgebiet – die „Apacheria“ – inzwischen in den Süden verlagert und bekämpften jetzt verstärkt von dort aus ihre alten Kontrahenten und die weißen Siedler. Eigentlich bedeutet das Wort „Comanche“ in der Sprache der nahe mit ihnen verwandten Ute so viel wie „Feinde“. Kwahada („Antilopen-Esser“) und Kotsotika („Bison-Esser“). dass die Vorfahren dieser Gruppen ab ca. DIE COMANCHE 145 . 1846 kam es schließlich zu einem dauerhaften Frieden. Aber so einfach wie bei Karl May ist die Angelegenheit nie gewesen. Erst eine militärische Niederlage der westlichen Comanche-Abteilungen beendete 1786 deren Unabhängigkeit. Jicarilla. wie sich die Comanche selbst nennen. provozierte die Regierung sofort wieder Auseinandersetzungen mit den mittlerweile aus dem Osten nach Texas eingewanderten Shawnee und Cherokee in der Hoffnung. Um 1830 kam es zur Unterzeichnung eines Abkommen zwischen Mexiko und einigen Comanche-Chiefs. Mit der Übernahme des Pferdes ab ca. Apache und Comanche gegeneinander auszuspielen. Obwohl die Apache den Süden beherrschten und von ihren in den Bergen gelegenen Stützpunkten aus durchziehende indigene Gruppen und weiße Siedler stän- „Comanche-Lager am Shady Creek“. Jahrhundert zählten zu den Comanche wenigstens fünf unabhängige Abteilungen: Penatika („Honig-Esser“). Die Spanier – und später auch die Mexikaner – versuchten immer wieder. Der französische Kartograf Guillaume Delisle verzeichnete allerdings auf seiner 1718 erschienenen Karte von Louisiana östlich des „Rio del Norte“ (Rio Grande) noch immer undifferenziert die „Länder der Apachen und der Padoucas“. Ab Anfang des 19. to Ascertain the Most Practicable and Economical Route for a Railroad from the Mississippi River to the Pacific Ocean. Man vermutet. 500 n. Die kuppelförmigen Bauten entsprachen aber eher den Häusern ihrer sesshaften Nachbarn. Band 3 (1856) Auf der Suche nach der günstigsten Trasse für die Eisenbahn zum Pazifischen Ozean stieß ein Erkundungstrupp der Armee 1853 auf ein Comanche-Lager. dig angriffen. Im Englischen und in anderen westlichen Sprachen hat es sich als Sammelbezeichnung für einige Stämme eingeführt. Ute und den Bewohnern der Pueblos Frieden zu schließen und gemeinsam mit diesen die aus dem Südwesten vordrängenden Spanier in deren Krieg gegen verschiedene Gruppen der Apache zu unterstützen. Gleichzeitig öffnete man den Norden von Mexiko für weiße Siedler. ein Nebenf luss des Rio Grande im heutigen mexikanischen Bundesstaat Chihuahua. mit den Diné (Navajo). so dass man sich gemeinsam mit den Norteños – wie Caddo.DIE COMANCHE MATTHIAS DIETZ-LENSSEN Die Herren der südlichen Plains Gebildeten Deutschen sind die „Komantschen“ als die „bösen Indianer“ geläufig. 1650 wuchsen ihre Mobilität und Schlagkraft. Llano Estacado und Edwards Plateau entstand in der Folgezeit die „Comancheria“ – das Einf lussgebiet der Comanche –. Im 19. Hasinai. Farblithografie nach einer anonymen Zeichnung. da sie für eine gleichzeitige Auseinandersetzung mit beiden Gruppen militärisch nicht gerüstet waren. Rund ein Jahrtausend später änderte sich das Wohngebiet der Nimini oder Numunuu („Menschen“).Chr. in dem sie sich ausbreiteten und unter anderem die Büffeljagd kontrollierten. dass es immer häufiger zu einer Zusammenarbeit und gemeinsamen Aktionen der bislang verfeindeten Stämme kam. Als jedoch kurze Zeit später zwei der friedensbereiten Häuptlinge starben.) Comancheria und Apacheria Zwischen Arkansas. erneut. Jahrhunderts registrierten mexikanische Quellen. während die Comanche als Nomaden überwiegend in Zelten lebten. Yaparika („Wurzel-Esser“).

Als deren Mitglieder sich wehrten. Dieses Blutbad beendete die Friedensverhandlungen. der 1860 bei der Schlacht am Pease River fiel. nicht nur bei den Comanche. darunter Quanah Parker. Dabei machten sie fünf Gefangene – darunter die elfjährige Cynthia Ann Parker. Bei der Aktion wurden zahlreiche Stammesangehörige getötet. Durch diese Ereignisse verschlechterten sich in der Folgezeit die Beziehungen zwischen der Republik Texas und den Comanche. die eine Grenzziehung zwischen der jungen Republik und der Comancheria vorsahen – was allerdings eine de facto-Anerkennung der Comanche als unabhängige Nation bedeutet hätte.Cynthia und Quanah Parker Im Mai 1836 griffen die Comanche mit der Unterstützung anderer Stämme das eher unbedeutende „Fort“ Parker an – eine private. versuchte er das Misstrauen auf beiden Seiten zu beenden und an seine Friedenspolitik anzuknüpfen. der von Buffalo Hump und zahlreichen anderen Chiefs unterzeichnet wurde. befestigte Siedlung. die Comanche freiwillig zu verlassen. um 1840. die ohne rechtliche Grundlage auf ihrem Territorium errichtet worden war. Comanche. die andere Stämme gemacht hatten. Die dortige Regierung konnte und/oder wollte die westwärts drängenden Siedler nicht auf halten. um die Chief Muguara gebeten hatte. Nach Angriffen auf Lager am Plum Creek und am Colorado River zogen sich die Gruppen schließlich aus dem direkten Einzugsgebiet der Armee zurück. Texanische Indianerpolitik Nach der Unabhängigkeit von Texas (1836) kam es zu Verhandlungen zwischen dessen Präsident Sam Houston und den Comanche. Stellvertretend seien hier die – durch Krankheiten und Ausrottung der Bisons reduzierten – Penatika erwähnt. Texas. Lamar verschärfte sich die Indianerpolitik. wurde sie von einer Militäreinheit gewaltsam entführt. Durch Forts abgesicherte Grenzen waren ebenso wirkungslos wie die zahlreichen. Ihre Kinder. Ihr Sohn Quanah wurde nach der Unterzeichnung des Vertrages von Medicine Lodge zum ersten Oberhäuptling der Comanche. Da dies Muguara nicht bewirken konnte. kam es zu der Massenerschießung. aber auch Frauen und Kinder vom texanischen Militär erschossen wurden. blieben bei den Comanche. Bemalter Mantel und Ledersandalen. Sächsische Ethnographische Sammlungen – Museum für Völkerkunde Dresden (Slg. Die offensichtlich schlecht informierten texanischen Behörden verlangten von den Penatika die Freilassung von Gefangenen. Spangenberg) Der mit zwei Skalps auf der Vorderseite und einem Stier auf dem Rücken bemalte Mantel im Stil eines Uniformrocks und die für die Comanche unüblichen Ledersandalen zählten zusammen mit einem Paar lederner Hosen wohl zur Ausrüstung eines Scouts in spanischen Diensten oder waren ein Geschenk an einen freundlich gesinnten Anführer. Cynthia wollte immer wieder zurückkehren und hungerte sich in den Jahren nach ihrer „Zwangsbefreiung“ zu Tode. Die Ruhephase war nur kurz: 1845 wurde Texas Teil der USA und die Comanche gerieten zum Spielball der Washingtoner Indianerpolitik. außerdem soll er ein guter Freund von Präsident Theodore Roosevelt gewesen sein. warum Houston im texanischen Parlament nicht die notwendige Mehrheit für den von ihm ausgehandelten Vertrag erhielt. 146 MATTHIAS DIETZ-LENSSEN . Sie waren die ersten Comanche. Dies war wohl auch mit einer der Gründe. war wohl einer der Anführer in der Schlacht von Adobe Wells und bekleidete in der Reservationszeit außerdem das Amt eines Richters und zeitweise auch das des Sheriffs. Dies führte schließlich zu den Verhandlungen am Tehuacana Creek im Jahre 1844 und dem anschließenden Friedensvertrag. bei dem 30 Anführer und Krieger der Penatika. Als Sam Houston im folgenden Jahr seine zweite Amtszeit antrat. Er gilt als einer der Wegbereiter der Peyotereligion. nachdem die amerikanischen Medien diesbezüglich Druck auf die Regierung ausgeübt hatten. Da Cynthia sich beharrlich weigerte. Diese lebte in den nächsten 25 Jahren bei den Nokoni und heiratete deren Anführer Tah-con-ne-ah-pe-ah – von den Weißen „Peta Nocona“ genannt –. nie eingehaltenen Verträge. wollten die Texaner die Friedensdelegation inhaftieren. Unter seinem glücklosen Nachfolger Mirabeau B. Einer der negativen Höhepunkte war der Council House Fight in San Antonio im Jahr 1840.

bis auf ein kleines Kernland. Plains (Handbook of North American Indians 13. „Die Große Weide“ (The Big Pasture). Juni 1874 kam es zu einem Angriff von überwiegend jungen und unerfahrenen Kriegern der Comanche. 1706–1875: An Ethnohistorical Perspective.25 Dollar je Morgen abgegeben werden. 2001 Comanche. Jahrhunderts entschieden: den Friedensvertrag von Medicine Lodge (1867). Das Jerome-Abkommen Die Grundlage für die neue Lebensweise sollte das Jerome Agreement aus dem Jahr 1892 bieten. Die meisten Stammesmitglieder lehnten das Jerome-Abkommen vehement ab. Das Schicksal der übrigen Comanche wurde schließlich durch vier Schlüsselereignisse in der zweiten Hälfte des 19. 2008 Comanche Ethnography. Foto: Will Soule. Kiowa. in eine vermeintlich sichere und dauerhafte Reservation am Brazos zu ziehen. Die von der US-Regierung versprochene Fernhaltung der weißen Bisonjäger aus den Jagdgebieten wurde niemals ernsthaft durchgesetzt. waren damit praktisch land. Lincoln: Universit y of Nebraska Press. Zwei Jahre später begann für sie das vereinbarte Reservationsleben. Adamson Hoebel 1952 The Comanches: Lords of the Southern Plains. Sie mussten 60. Da für die Comanche der Handel mit Bisonfellen immer noch von großer Bedeutung war. hatten jedoch keinerlei rechtliche Möglichkeit. das letzte verbliebene Land der KCA-Stämme. DeMallie (Hg. stellten die Jäger eine unmittelbare Gefährdung ihrer Lebensgrundlage dar. A Social History of an American Indian Community. wurde den landhungrigen Siedlern überlassen. die ungestörte Fortführung der Bisonjagd außerhalb der Reservationsgrenzen und versprach eine angemessene Versorgung mit Schulen. Sicher ist nur. Norman: Universit y of Oklahoma Press.die bereit waren. Die Schlacht von Adobe Wells Am 27. Morris W. Comanche und Apache) einen Großteil ihres erst 25 Jahre zuvor zugesicherten Reservations-Landes wieder aufgeben. die noch einige Jahrzehnte zuvor kurz vor der Anerkennung als souveräne Nation standen. In: Raymond J. Ihre Häuptlinge hatten noch bis zuletzt vergebens auf der doppelten Summe bestanden. Los Angeles County Museum of Natural History Der Penetika-Comanche Bird Chief galt als freundlich gesinnt und war mehrfach Mittelsmann bei der Rückführung von den Comanche gefangener Weißer zu ihren Familien. Während die Jäger mit modernen Waffen ausgerüstet waren. Die von der Regierung angestrebte Alternative war die Umerziehung der Comanche zu Bauern. Kavanagh. Wallace. Vertrag von Medicine Lodge 1867 wurden die Comanche gezwungen. Jeder Angehörige der drei Nationen durfte nur noch 160 Morgen Land im Privateigentum behalten – der Rest musste.und mittellos. für eine minimale Entschädigung von 1. Jahrhundert Teil ihres Wirtschaftslebens. das Jerome-Abkommen (1892) und die Öffnung von Oklahoma für weiße Siedler. In diesem „Abkommen“ (Verträge schloss die Regierung mit den Stämmen seit 1879 nicht mehr ab) mussten die sogenannten „KCA-Stämme“ (Kiowa. Doch bereits 1859 löste Washington den Vertrag wieder auf und verlegte die Überlebenden aus Texas in ein wesentlich kleineres Gebiet im Indianerterritorium im späteren Oklahoma. Die Comanche. Im Gegenzug sollten die Comanche ihre Beutezüge einstellen und den Bau der Eisenbahnlinien akzeptieren.000 Quadratmeilen ihres Landes aufgeben und gegen 4. um die Politik gegenüber der indigenen Bevölkerung weiter zu verschärfen. war an eine Fortführung der alten Lebensweise nicht mehr zu denken. Esa-habet (Bird Chief). um 1870. Weiterführende Literatur Foster.). Oklahoma Land Opening Rund fünf Jahre später wurde auch dieses Abkommen von der Regierung in Washington gebrochen.800 Quadratmeilen Reservationsland eintauschen. Der Kampf bot Anlass zu zahlreichen Mythenbildungen auf beiden Seiten – seriöse Angaben über die Zahl der Beteiligten und die Opfer können heute nicht mehr gemacht werden. seine übernatürlichen Kräfte hätten unverwundbar durch Gewehrkugeln gemacht. die Schlacht bei Adobe Wells im Texas-Panhandle (1874). Nachdem 1880 die Bisons größtenteils ausgerottet waren. Ernest und E. DIE COMANCHE 147 . 1996 Comanche Political History. Arapaho und Cheyenne auf eine Gruppe von Bisonjägern. solange es noch Bisons gab. Tucson: Universit y of Oklahoma Press. sich dagegen zur Wehr zu setzen. Der Handel mit Kriegsgefangenen hat bei den Comanche voreuropäische Wurzeln und blieb bis ins 19. Man gestattete ihnen unter anderem. Washington: Smithsonian Institution). Lincoln: Universit y of Nebraska Press. dass die Regierung in Washington die Ereignisse ausnutzte. die sich in einem ehemaligen Handelsposten am Canadian River niedergelassen hatten. dem Vertrag von Medicine Lodge zuzustimmen. Thomas W. 886–906. 1991 Being Comanche. das sie sich mit den Plains-Apache und Kiowa im westlichen Teil des ehemaligen Chickasaw-Gebietes in Oklahoma zu teilen hatten. erwies sich die Behauptung eines Kwahada-Medizinmanns. als voreilig.

sowie zwei Kriegshäuptlingen der Delaware am 9. der – für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich – nie gebrochen wurde. die ihnen unter anderem de facto nicht zu besiedelndes Land in der Comancheria verkauft hatten. Im 19. Die in Deutschland kursierenden Informationsschriften des Adelsvereins waren alle „schön“ geschrieben. sich zu heiraten. der Tochter von John O. Da man über keinerlei praktische Erfahrungen verfügte. so mag es geschehen. Spangenberg) Im Jahr 1845 wanderte Christoph Spangenberg aus Kleinschneer mit seiner Familie nach Texas aus und siedelte sich in Fischer. absichern. Mai 1847 unterzeichnet. Meusebach. Es wird zwar auch von „Ureinwohnern“ und ihren „seltsamen Bräuchen“ gesprochen – Vertragsverhandlungen am San Saba River zwischen den Penatika-Comanche und Vertretern des Mainzer Adelsvereins. Der am San Saba unterzeichnete Vertrag sollte nun das von Deutschland aus erworbene Gebiet im 148 MATTHIAS DIETZ-LENSSEN . Besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang der 1842 von Fürsten und Adeligen gegründete „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“.Adel verpflichtet Einzugsbereich der Comanche. Wohl mehrere hundert Siedler fanden dabei den Tod – überwiegend durch Krankheiten. darunter Buffalo Hump (Potsonaquahip). Wenn sie dann geneigt sind und kommen überein. in dem einige deutsche Fürsten ihrer in Europa im Niedergang befindlichen feudalen Lebensweise weiter nachkommen wollten. Sein Bruder Joseph kehrte wenig später mit einer Sammlung von Gegenständen der Comanche nach Deutschland zurück. Das Unternehmen hatte man so dilettantisch vorbereitet. dass einige sich verheiraten wollen. um 1840. Der Mainzer Adelsverein war einige Jahre vorher ins Leben gerufen worden. konnte nie mit letzter Sicherheit geklärt werden. Dieser Kontrakt wurde von John O. die sich heute in Dresden befindet. Kopie eines Gemäldes von Lucy Meusebach-Marschall. die auf erst kurzfristig vor Ort erworbenem Gelände an der Grenze zur Comancheria gegründet wurden. der sich aus der deutschen Besiedlung von Texas nicht nur die Linderung der Not der Untertanen. an. Der Mainzer Adelsverein in Texas In der Geschichte der Comanche wird ein Friedensvertrag erwähnt. Texas. Sächsische Ethnographische Sammlungen – Museum für Völkerkunde Dresden (Slg. Bald werden die jungen Krieger unseres Stammes Eure Sprache erlernen. und dem Penatika-Chief Ketumsee („Ketemoczy“) initiiert und unter anderem von sechs Kriegshäuptlingen der Penatika. dass nicht nur die Siedler. Heute besteht hier nur noch die aus dieser Phase hervorgegangene Ortschaft Castell. und unsere Völker werden desto stärkere Freunde seyn. so weiß ich kein Hinderniß. saßen die Verant wortlichen mehreren Betrügern auf. Als ein mögliches Ziel der verarmten Landbevölkerung auf der Suche nach einer besseren Zukunft kam Texas bereits in den 1820er Jahren ins Gespräch. Inwieweit dabei auch Abenteuerlust und ökonomische Interessen eine Rolle spielten. sondern auch einen Zuwachs von Reichtum und Macht für sich selbst erhoffte. Meusebach. Texas State Library and Archives Commission Im Rahmen der Verhandlungen sagte Meusebach unter anderem: „Wenn unser Volk länger mit Eurem zusammengelebt hat und wir kennen einander. Eher unerwartet trafen dabei die Aussiedler auf die Comanche. um ein Siedlungsgebiet in Texas zu schaffen. Man kann davon ausgehen. dass es fast zwangsläufig in einem totalen Fiasko enden musste. 1847. sondern auch die Vertreter des Vereins ohne ausreichende Kenntnisse über die politische Lage und die Rolle der indigenen Bevölkerung in Texas nach Amerika gereist waren. nördlich von New Braunfels. Comanche. dem Vertreter der mit dem Mainzer Adelsverein nach Texas gekommenen deutschen Auswanderer. Jahrhundert war Deutschland noch ein klassisches Auswanderungsland. die sogenannte Fisher-Miller Land Grant Area. Nachfahren leben heute noch in New Braunfels und Fredericksburg – zwei Siedlungen. Santa Anna (Santana) und Old Owl (Mopechukope).“ Schultertasche.

nicht machen müssen – die dort genannten Gruppen waren von den Weißen in den 1820er und 1830er Jahren bereits völlig ausgerottet worden. wo er von Ketumsee und über 500 berittenen Kriegern begrüßt wurde – „bereit den großen weißen Besucher mit königlichem Zeremonial zu empfangen“. wie die Autoren von German Pioneers in Texas sich ausdrücken. Einserseits waren die Mainzer Texas-Deutschen bei ihren „Erstkontakten“ völlig unvorbereitet. Comanche. Aber auch hier wären sie nur auf zwei Klischees gestoßen: Die Comanche wurden in dieser Literatur fast immer zu den „Wilden“. wohl besorgt um die Sicherheit der Gruppe und über einen möglichen Indianerkrieg. sondern er konnte ihn auch ihn zur Teilnahme an den weiteren Stationen seiner Reise bewegen.und Jagdabenteuer (Stuttgart 1858) Der aus Kassel stammende Strubberg (1806–1889) war 1846–1847 unter dem Pseudonym „Dr. versuchte auf Meusebachs Wunsch hin bereits in der zwei- ten Hälfte des Jahres 1846. den „feindlichen Indianern“. Das Ende von traditioneller Kriegsführung und Bisonjagd seit dem Beginn der Reservationszeit meisterten die Comanche besser als viele andere Stämme der Prärien und Plains. den zufriedenstellenden Status quo der beiderseitigen Beziehungen durch einen detaillierten Friedensvertrag mit den Comanche zu festigen. Anders als bei Karl May sind bei Armand die Mescalero und andere Apachen die „bösen Indianer“. Ketumsee bat die Gruppe. um 1865. Sorgen hätten sich die Auswanderer allerdings. Das Vereinsmitglied Shubbert. kehrte aber nach Erreichen des Llano um und teilte den Siedlern mit. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Neighbors nach. gezählt. Diese Ausgangslage lässt nun zwei unterschiedliche Deutungen zu. Kontakt mit den Comanche aufzunehmen. beschreibt er sowohl anfängliche Feindseligkeiten mit den Comanche als auch seine dicke Freundschaft mit Pahayuko. Entstehungsgeschichte des Vertrages Nach der Gründung von Friedrichsburg (dem heutigen Fredricksburg) erschien es einigen Repräsentanten des Vereins in Texas sinnvoll. diesen Fluss zu überqueren.und Jagdabenteuern. In seinen teilweise fiktiven Amerikanischen Reise. seiner Frau und seiner „lieblichen“ Tochter Tahtoweya.und Seekarten dieser Region zu finden. Dessen ungeachtet und von der Notwendigkeit eines Vertrags überzeugt. zumindest über den letzten Punkt. Dort bestätigte man Meusebach bei seinem Eintreffen. Amerikanische Reise. was dessen Shawnee-Begleiter bereits unterwegs vermutet hatten: die Comanche hatten die Expedition bereits seit einiger Zeit beobachtet und waren über das Vorhaben der Mainzer Texas-Deutschen bestens informiert. Februar 1847 traf Meusebach im Hauptlager ein. Texas. Aus: Armand [Strubberg]. Zwischenzeitlich hatte auch der texanische Gouverneur von Meusebachs Plänen erfahren und schickte dessen Expedition. und es gelang Meusebach nicht nur. das als Kriegswaffe viel wichtiger war als für die Bisonjagd. Shubbert“ Kolonialdirektor von Friedrichsburg. zum Zeichen des Friedens ihre Gewehre in die Luft abzufeuern. Major Neighbors von der Notwendigkeit seiner Mission zu überzeugen. die Autoren sind sich aber alle dahingehend einig. während man an den Küsten „Menschenfresser“ vermutete – jedenfalls waren seit Jahrhunderten entsprechende Vermerke in den Land. das Freundschaft. und Meusebach ließ dies darauf hin tatsächlich ausführen. Anfang Februar näherte sich die von ihm angeführte Gruppe dem Lager des Penatika-Anführers Ketumsee. Auf der anderen Seite waren die Siedler nicht vorbelastet und konnten unbeschwert mit den zwischen Küste und Comancheria lebenden Tonkawa und den Comanche Kontakt aufnehmen – in privaten Einzelbegegnungen ebenso wie in den offiziellen Friedensverhandlungen. Außerdem teilte man ihnen mit. Man kann in einigen Quellen zwar auch eine unspezifische „Indianer-Angst“ ausmachen. dass Ketumsee zu Verhandlungen mit den Deutschen bereit war. das diesen Plänen eher skeptisch gegenüberstand. startete Meusebach Ende Januar 1847 seine eigene Mission.Friedrich Armand Strubberg im Gespräch mit dem Comanche-Anführer Pahayuko. gemeint war damit aber die weiße Bevölkerung. George Engelmann) Gemeinsam mit dem Pferd machte das Gewehr. Duldung der DIE COMANCHE 149 . um die Deutschen aufzuhalten. Am 7. Die beiden Gruppen trafen in Ketumsees Lager aufeinander. Wissenschaftliche Enzyklopädien und ethnografische Fachliteratur – soweit vorhanden – werden die meist aus ländlichen Gebieten stammenden Siedler der ersten Phase (1846/47) mit Sicherheit nicht gelesen haben. Die Auswanderer zeigten sich bei den ersten Treffen überwiegend neugierig – es kam zu zahlreichen privaten Tausch. Munitionstasche mit Pulverhorn. dass es „wegen der Unzahl feindlicher Indianer“ unmöglich sei.und Handelsbeziehungen. Nach einer Zeichnung von Strubberg. Durch die Vermittlung von Ketumsee kam es ohne Komplikationen zur Unterzeichnung des Dokumentes. dass ohne die ausgeprägten Tauschgeschäfte mit den in den Siedlungsgebieten lebenden indigenen Gruppen ein Überleben in den ersten Jahren praktisch unmöglich gewesen wäre. Major Robert S. die er unter dem Pseudonym „Armand“ veröffentlichte. die Comanche zu den gefürchtetsten Kriegern der südlichen Plains und dank der Beute auch zu wohlhabenden Leuten.

dass dies auch der Realität entspricht.. legten einen Brief von Meusebach vor und baten um die Geschenke. Seine größte wirtschaftliche Bedeutung seit dem 18. mit Büffel. die aber den ganzen Oberkörper bloß ließen. sobald er jedoch das Koloniegebiet 150 MATTHIAS DIETZ-LENSSEN . Roemer. wie ich sie gesehen..000 Dollar garantierte. Am 9. es war drollig. wurden von den Comanche zurückgewiesen. aber nicht muskulöser.. Es kann sich also bestenfalls um eine Drohgebärde gehandelt haben. Die Delegation der Siedler war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zurückgekehrt. das er mit einem Besucher. Texas. wenn es in ihrer Absicht gelegen hätte. der niemals gebrochen wurde. verziert. Historische Untersuchungen haben gezeigt. Franzosen und später auch an Amerikaner verkaufen konnte. wenn man es so nennen darf. schrien sie laut auf. In einem Brief eines der teilnehmenden Siedler wird darüber ausführlich berichtet: „Denke Dir eine Anzahl starker. Halsketten etc. unter ihnen einen starken. die man an Spanier. umfangreichen. die Shubbert darauf hin präsentierte. Man kleidete sämtliche Männer.. als Gegenleistung. Geschenke im Werte von rund 5. als Armringe. aus und waren. Ferdinand Roemer) Der Bison lieferte den Comanche das Rohmaterial für viele Gegenstände des täglichen Gebrauchs. der nur in einer Quelle erwähnt wird. sie zeichneten sich durch verschiedene Putzsachen. Angeblich schossen sie in der Folge drei Pfeile auf ihn ab – ohne zu treffen. wenn auch nicht schöner. als wenn sie sich schämten. Roemer. Heute wird er in der Tourismus-Werbung der Region als einziger texanischer Vertrag zwischen Weißen und Indianern bezeichnet. Dieser wurde auf seinem ganzen Weg zu den Deutschen von Comanche „attackiert“. Sollte dieser Aspekt.und Bärenfellen umwickelter Männer auf schönen Pferden. Hierzu drei Belege: (1) Meusebach berichtete später vor dem Distriktgericht des McCulloch Count y von einem Gespräch. geführt hatte.Tomahawk mit Silbereinlagen. Während ihres zehntägigen Aufenthaltes gab es manchen Spaß mit ihnen . um 1840. im Gesicht roth und schwarz gemalter. die er vielleicht bei dieser Gelegenheit angelegt hatte. Comanche. die Comanche sicherlich getroffen hätten. Mai 1847 fand schließlich eine offizielle Feier anlässlich des Vertragsabschlusses in Friedrichsburg statt – verbunden mit einer Übergabe der zugesicherten Geschenke.und Pelizaeus-Museum Hildesheim (Slg. mit blitzenden Augen begabten hohen Mann und du hast die Comanches mit ihrem Santa Anna. Deutschen – und. weil Meusebach noch einem Gerücht über eine geheimnisvolle Silbermine im Norden nachgehen wollte. namentlich die Frauen suchten ihre Augen zu verbergen. Colonel Jack Hays. die ihnen vertraglich zugesichert waren.und Pelizaeus-Museum Hildesheim (Slg. dass Löffel aus Bisonhorn. Ferdinand Roemer) Dem Hildesheimer Geologen Ferdinand Roemer (1818–1891) verdanken wir nicht nur einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen zwischen Meusebach und den Comanchen. um 1840. sondern auch eine kleine ethnografische Sammlung. dürfte man davon ausgehen. doch sorgfältiger gemalt. richtig sein. Comanche. Jahrhundert lag jedoch in seiner Rolle als Handelsware. Die relativ wertlosen Sachen. dann trugen sie Röcke auf die possierlichste Art mit Silberstücken und anderen Stickereien. Texas. nach europäischer Art. kupfer-farbiger. wenn sich die Kerle ansahen. wie Weiber .“ Auswirkungen des Vertrages Der Friedensvertrag zwischen Meusebach und den Comanche manifestierte die freundlichen Beziehungen zwischen beiden Gruppen. In weiterer Folge wäre es allerdings beinahe doch noch fast zu einem Eklat gekommen: Bereits wenige Tage später erschienen ungefähr zehn Comanche in Friedrichsburg. Nach und nach gewahrten wir in der Gesellschaft auch einige Frauen.

nahm man jede Gelegenheit wahr. DIE COMANCHE 151 . in der viele Texaner regelrechte Treibjagden auf Indianer machten –. um 1840. erreichte. weil die Regierung auf die rasche Assimilation der Comanche drängte. Texas. Sicher ist. Bulletin 62 (1998): 11–19. Wie wichtig der Vertrag für die Siedler war.Zylindrischer Rohhautbehälter. An mangelnder militärischer Stärke hat dieses Verhalten der Comanche sicherlich nicht gelegen. Entstehungs. da er sich wohl bei einem seiner Besuche angesteckt hatte. Aachen: Shaker Verlag. Roemer. 1891. nahmen die Comanche ihre Angriffe wieder auf. wie ihre Aktivitäten anderenorts belegen. Washington Zu Beginn der Reservationszeit war das traditionelle Leben noch in bester Erinnerung. um den berechtigten Stolz auf die Vergangenheit zu demonstrieren. Als er später das „geschützte Gebiet“ verließ. (2) Anderen Quellen zufolge töteten Comanche in den sogenannten „Indianerkriegen“ keine blonden und blauäugigen Soldaten. Foto: H. 2001 Die Mainzer Texas-Germans. und ließen ihn laufen. Elk Tongue und seine Tochter A-ke-a (A Nice Walk). wenn sie einen Gefangenen machten. dass er unter den gegebenen Umständen kein einziges Mal gebrochen wurde. Library of Congress. wenn es nicht zu der Vertreibung der Comanche aus Texas gekommen wäre.und PelizaeusMuseum Hildesheim (Slg. In den Jahren 1865–1866 – zu einer Zeit. Weiterführende Literatur Dietz-Lenssen. sagten sie.P. Jahrhundert. weil sie glaubten. damit sie überleben konnten. Besonders Chief Santa Anna erwies sich als guter Freund der Mainzer Siedler. hielten sich die Indianer an den Vertrag und belästigten ihn nicht weiter. Er verstarb mehrere Wochen später selbst an der Krankheit.“ (3) Ein Beleg für das außergewöhnlich gute Verhältnis zwischen den Siedlern und den indigenen Gruppen findet sich auch im Archiv des Cit y Council von New Braunfels. Sie wurden von den Frauen hergestellt und in einem Stil bemalt. es könnten Deutsche sein: „… selbst wenn sie sich mit dem übrigen im Kriegszustand befanden. besuchten die Comanche mehrmals die Dörfer und brachten ihren Nachbarn Honig. Robinson. der blaue Augen und blondes Haar hatte. Ferdinand Roemer) Röhrenförmige Rohhautbehälter dienten den Comanche zur Aufbewahrung ihrer Federhauben und anderer Zeremonialgegenstände. wie lange der Vertrag Bestand gehabt hätte. Comanche. Fleisch und Bärenfett. Oklahoma. der auf die engen Beziehungen der Comanche mit den südlichen Cheyenne verweist. Als eine Cholera-Epidemie in den Siedlungen ausgebrochen war. Fazit Es ist müßig darüber zu spekulieren. Gerade deshalb. Société suisse des Américanistes. Matthias 1998 Von Menschenfressern und Osterhasen: Zur Rezeptionsgeschichte der ersten Kontakte der Mainzer Texas-Germans mit Comanche und Tonkawa. zeigte sich bereits zwei Jahre später. ‘Allemand’. ließ man dort aus kommunalen Mitteln Lebensmittel kaufen und an die durchziehenden Comanche-Gruppen verteilen.und Konfliktgeschichte einer texanischen Siedlergruppe im 19.

National Anthropological Archives. eine Urkunde und einen Wecker. 152 . DC Das formelle Porträt zeigt den Wegbereiter der Peyote-Religion zwischen einem Ölgmälde. Comanche. 1892. Oklahoma. Washington.Chief Quanah Parker (1845?–1911). An der Wand sieht man Drucke. auf dem seine geliebte Mutter. Foto: Hutchins & Lanney. Cynthia Ann Parker. an dessen vorderem Bein ein Patronengurt hängt. mit seiner Schwester Prairie Flower (Toposannah) dargestellt ist. das auf einem Bett steht. und einem Bild von Jesus Christus.

die gelbe die Sonne bzw. andere sind in Vorbereitung. das frei von Steuerlasten treuhändig für sie verwaltet werden sollte.75 Hektar) zu. Comanche und Apache unterzeichnet wurde. wir. in der Fülle des Stolzes auf das alte Erbe unserer Rasse und in der Entschlossenheit. durch gemeinsame Anstrengung das allgemeine Wohl unseres Stammes zu fördern und für uns und unsere Nachkommen die Rechte.800 Mitglieder. Oklahoma und Colorado umschloss. aber schon fünf Jahre nach dem Jerome-Abkommen erzwangen landhungrige Siedler seine Öffnung für ihre Besiedlung. um das öffentliche Interesse an der Rechtmäßigkeit solcher Aktivitäten zu schützen. Kansas. Das Wappen der Comanche Nation Das heutige Wappen der Comanche Nation stammt aus dem Jahr 1991 und findet sich auch auf ihrer Flagge. Alles Land der Comanche steht unter der Hoheit der Comanche Nation.Marthe Thorshaug Die Comanche heute „Wir gehen vorwärts in die Zukunft. Dieses Gebiet war als „Die große Weide“ bekannt. die Macht und die Privilegien zu sichern. Im Gegenzug verzichteten die Indianer auf alle Landansprüche mit Ausnahme eines Gebiets von mehr als einer halben Million Morgen. Präambel der Verfassung der Comanche: Unter Berufung auf die Führung von Gott dem Allmächtigen. DIE COMANCHE HEUTE 153 . im Glauben an die Absichten des Höchsten Wesens. den Zustand des Glücks. und die meisten dieser Angestellten sind selbst Comanche. Comanche Nation Casino „Jederzeit. Erst 1966 lösten sich die Comanche aus der bis dahin gemeinsamen Stammesorganisation mit den Kiowa und Plains Apache und gründeten die Comanche Nation. Seither ist Geld aus dem Kasinobetrieb zur wichtigsten Einkunftsquelle des Stammes geworden. die Stammesselbstverwalt ung zu stärken und die wirtschaftliche Autarkie der Comanche Nation zu fördern. Das Bevölkerungswachstum ist ungebrochen. so wie es unsere Ahnen von uns erwarten würden“ Michael Burgess. sondern mit Ländern der Bundesregierung und dem Treuhandland anderer Stämme durchmischt. Sie sieht eine demokratische Regierungsform vor. Das neue Comancheland In Oklahoma gibt es heute keine Reservationen. in der es auf einem links blauen und rechts roten Rechteck steht. die nach dem Jerome-Abkommen geboren worden waren.“ Kasino der Comanche Nation Seit 1988 erlauben Bundesgesetze der USA auf indianischem Land die Abhaltung von Glücksspielen und den steuerfreien Verkauf von Waren. und der Hoffnung auf eine Zukunft im Geist der Ahnen leben die Comanche heute auf Ländern in der Gegend von Lawton im südwestlichen Oklahoma. Heute leben die Comanche auf diesen den Familien gehörenden Ländern. noch den ihnen zustehenden Anteil. Heute betreibt die Comanche Nation vier Spielstätten in Oklahoma. mit der die Comanche und die mit ihnen verwandten Shoshone einst von den Sioux (und später auch von den Weißen) belegt wurden. New Mexico. den Kiowa. Die rote Farbe soll das indianische Erbe symbolisieren. wies jedem Mann. die Mitglieder des Stammes der Comanche Indianer. Die Comanche Nation bietet mehr als 1000 Menschen Beschäftigung im Dienstleistungssektor. von denen gegen 7. Chairman der Comanche Nation Zwischen einer großen Vergangenheit als „Herren der Plains“ und Bewohnern der „Comancheria“. Das Kasino der Comanche Nation wurde 1992 errichtet. jedes dritte Jahr wird gewählt. die große Teile von Texas. deren Verfassung am 19. jeder Frau und jedem Kind 160 Morgen Land (etwa 64. Die Zahl der registrierten Mitglieder der Comanche Nation beträgt im Jahr 2011 14. 1906 erhielten jene Kinder. unzulässige oder unrechtmäßige Handlungen im Zusammenhang mit ihnen zu verhindern. Die Comanche Nation Gaming Commission wurde 2005 zur Regulierung jeder Form von Glücksspiel auf dem Land der Comanche Nation gegründet. verfügen und errichten wir feierlich diese Organisation. die ihnen die amerikanische Regierung 1892 zugewiesen hatte. Das Territorium der Comanche Nation ist deshalb nicht in sich geschlossen. Die schlangenförmige Linie erinnert an die Bezeichnung „Schlangen“. An jedem Tag. Was immer Du spielen willst. Das JeromeAbkommen. die uns nach dem Gesetz zustehen. November 1966 ratifiziert wurde. während Blau für Loyalität steht. das 1892 in Fort Sill von den Vereinigten Staaten.700 in und um Lawton-Fort Sill im südwestlichen Oklahoma leben.

stahlen und handelten mit Pferden von North Dakota bis Mexiko. Die Comanche züchteten. „Numu Tekwapuha“ ist die ComancheBezeichnung ihrer Sprache. ohne zu bersten. Hauptziel ist es. Die 154 MARTHE THORSHAUG . Die perfekte Beherrschung des Nutztiers verschaffte ihnen den Ruf. Die Verwendung ihrer eigenen Sprache wurde ihnen verboten. Comanche Nation College „Wir werden ewig an den Spuren erkannt werden. Die Mustangs der Comanche Nation Mustangs waren ein Schlüsselelement der Comanche-Kultur. die der Sprache noch gänzlich mächtig waren .“ Comanche Nation Police Seit 2000 ist das Comanche Nation Police Department die für die Einhaltung der Gesetze im südwestlichen Oklahoma zuständige Behörde. die von einem Bundesstaat anerkannt wird. „Rotzeder“ und Weißer Salbei dienen den Comanche und anderen eingeborenen Völkern Nordamerikas als läuterndes zeremonielles Räucherwerk. Die Zentrale nimmt Nachrichten über notwendige Feuerwehr. Das College bietet mehr als 500 Studierenden ohne akademischen Abschluss eine Ausbildung. „sage“) wird wegen der Ähnlichkeit der englischen Bezeichnung und des ähnlichen Geruchs häufig mit dem Präriebeifuß („sagebrush“) verwechselt. erfolgreich ist und sich an neue gesellschaftliche. Zeremonielle Zutat: Stein Rundliche rote Granitsteine sind t ypisch für die Umgebung der Wichita Mountains und finden sich in der Nähe des Verwaltungszentrums der Comanche Nation. Zeremonielle Zutat: Salbei Weißer Salbei (englisch. das Numu Tekwapuha wieder zur lebenden Sprache zu machen und sie als Erbe für die Zukunft zu bewahren.000 eingetragenen Stammesmitgliedern weniger als 1% die Sprache f ließend sprechen. die wir hinterlassen!“ Comanche Nation College Das Comanche Nation College in Lawton wurde im Jahr 2002 als erstes Stammescollege in Oklahoma gegründet. Die Bandbreite der öffentlichen Dienstleistungen für die Stammesmitglieder der Comanche Nation wächst stetig an. die besten Bisonjäger der Plains zu sein. Krönung eines jahrelangen Projekts war die 2003 erfolgte Veröffentlichung eines Wörterbuchs (Our Comanche Dictionary). „Rotzeder“. „der seine Fähigkeiten und sein Wissen in Wort und Schrift unter Beweis stellt. Die Comanche waren das erste Volk auf den Plains. das ausschließlich von Stammesmitgliedern zusammengestellt worden war. auch wenn man mittlerweile im benachbarten Supermarkt einkauft. Jahrhundert. das das Pferd übernahm. beruf liche und karrierebezogene Bedingungen anpasst. Jahrhunderts starben die alten Leute. Die Veränderung des Sprachgebrauchs begann im späten 19. und neue Einrichtungen werden gegründet. für Stammesmitglieder aller Altersgruppen die Möglichkeit zu schaffen. Wissen über die Kultur. zwischen 2005 und 2008. das Ausbildungswesen und die Geschlechtsregistrierung sind Teil der Verwaltungsabteilung. Spracherhaltungsprogramm der Comanche Nation Das Comanche Language and Cultural Preservation Committee strebt eine Veränderung der vorherrschenden Sprachent wicklung an. 2006 konnte von den 13.und Polizeieinsätze entgegen und koordiniert die erforderlichen Notmaßnahmen. Um die Mitte des 20. Ihr Wachstum verdankt sie speziell an Stämme vergebenen Fördermitteln des Justizministeriums. Neben den Patrouillen kümmert sich der Streifendienst auch um die Belange der Gemeinschaft und widmet sich der Verbrechensvorbeugung sowie der Aufdeckung von Drogenmissbrauch auf einem über 160. In Zukunft soll diese Stelle ihren Notrufdienst mit dem der Stammesfeuerwehr der Comanche Nation zusammenlegen und eine neue Anlage für die Schulung zum Gebrauch von Feuerwaffen errichten. Der Salbeirauch läutert und vertreibt böse Geister. als man die Kinder aus ihren Familien riss und in Internate brachte. die den besonderen Bedingungen und Bedürfnissen der Gemeinschaft gerecht wird. Das 1993 gegründete Comanche Language Committee bemüht sich darum. Ihre Stängel der 30 bis 70 cm hoch wachsenden Pf lanze sind aufrecht und bilden oft Büschel. die Mitglieder der Stammesgemeinschaft von überall her erreichen können. sandigen bis felsigen Böden in Höhen von unter 3500 Metern. Geschichte. während niemand mehr die Kinder in der Sprache unterrichtete. Die Stammespolizei der Comanche Nation ist die einzige derartige Einrichtung. Strafverfolgung und Verwaltungsaufgaben sowie eine Einsatzzentrale. Diese Pf lanze gedeiht auf trockenen. Oft nennt man sie „alte Großvater-Steine“. über ein allgemeines Verständnis für die natürliche Welt aus indigener Sicht verfügt. Rückerstattung an das Volk Das Kasinogeld wird zum Vorteil der Comanche Nation investiert. Als Absolvent des Comanche Nation College ist man ein nützliches Mitglied der Stammesgemeinschaft und als lebenslang Lernender jemand. sie können mit Wasser übergossen werden. zu schreiben und sie zu verstehen. Sprache und Kunst des Stammes besitzt. Diese Steine in der Größe einer Kanonenkugel enthalten keine Lufteinschlüsse und lassen sich gut erhitzen. Die Einsatzzentrale. wie dies beim Schwitzhüttenritual geschieht.Abteilung für Strafverfolgung untersucht Kriminalfälle und bereitet sie zur Behandlung beim zuständigen Gericht vor. Die Comanche nennen sich selbst „Numunuu“. schlechte Träume und Gedanken sowie Krankheiten. Dieser Text bietet einen Überblick über das heutige Angebot der Comanche Nation. Das Department besitzt Abteilungen für Streifendienst. in einem besorgniserregenden Ausmaß. schädliche Einf lüsse.000 Quadratkilometer großen Teil des Indianerlands in sieben Landkreisen von Oklahoma. in ihrer eigenen Sprache zu sprechen. Zuwiderhandeln zog harte Strafen nach sich. Foto: Marthe Thorshaug. So wurde Englisch zur bevorzugt gebrauchten Sprache. Das Department unterhält auch eine Notrufnummer. die aus einem kriechenden Rhizom wachsen.

Michael Mithlo. Tabak. Oft atmet man den Rauch auch ein. Ihr Gebrauch ist ein fester Bestandteil jedes Gebets der Comanche. und das. „Der Häuptling“. Auf einer der großen Rutschen wird man durch eine Art Schüssel gewirbelt. Comanche Nation Tax Commission Ein eigenes Steuergesetz (Comanche General Revenue and Taxation Act) trat 1995 in Kraft. Sie wird von den Comanche Nation Horse Caretakers betreut. die auf einer Weide in der Nähe des Stammeshauptquartiers grast. Das Comanche Business Committee hat neben einer allgemeinen Verkaufssteuer die Besteuerung von Glücksspiel. Die Comanche Tax Commission überwacht alle Vorgänge. die aus dem Holz der „Rotzeder“ hergestellt werden. schützt die Umweltbehörde des Stammes (Comanche Nation Environmental Protection Agency) die Weide vor Umweltsündern. Der Wasserpark der Comanche Nation Der Comanche Nation Waterpark bietet seinen Besuchern verschiedene Formen der Erfrischung im kühlen Nass. Besitzer des Lokals „Mighty Good Bison“. der Registrierung von Kraftfahrzeugen sowie der Erdöl. Skeeballanlagen und der größten Sporthalle der Gegend. Wallace Coffey. normalerweise aber eine Höhe von fünf bis zwanzig Metern erreicht. Comanche und der in Oklahoma lebenden Apache zuständig. bevor man in den „Endlosen Fluss“ fällt und in seiner Strömung gemütlich dahindriftet. Die Comanche Nation besitzt eine eigene Mustangherde. Da Pferde gutes. die mit Steuern zu tun haben. Der Stamm gibt auch Kfz-Kennzeichen aus. kann man in sich im Windjammer Food Court stärken. 2005–2008 Verglichen mit der etwa 2000 Tiere zählenden Herde des von einem weißen Unternehmer in Lawton gegründeten Betriebs „Comanche Buffalo“ ist die Stammesherde noch recht klein. Das Bestattungsinstitut der Comanche Nation verkauft auch Särge. Er ist ein „Pioniereindringling“. In vielen Äußerlichkeiten hat man sich dem American Way of Life angepasst. der beim Verbrennen aufsteigt. Foto: Marthe Thorshaug. sauberes Land brauchen. Der Virginische Wacholder ist ein dichter. die Gebete zum Schöpfer trägt.und Erdgasförderung eingeführt. erodierte oder auf andere Weise geschädigte Flächen für sich in Besitz nimmt. um sich zu reinigen. Das feinkörnige Kernholz ist leicht zu verarbeiten und liefert einen ausgezeichneten Brennstoff. sie hat für die Comanche aber große symbolische Bedeutung. Dort ist für jeden Geschmack gesorgt. indem sie Personen und Unternehmen. was er seinen Gästen auftischt. Man glaubt. besteuert. aber man ist stolz auf die Vergangenheit und versucht. Dieses Recht ermöglicht der Regierung der Comanche Nation die Aufbringung von Mitteln zur Finanzierung ihrer essentiellen Dienstleistungen. Die Neuen Pfade der Comanche Nation Die Neuen Pfade der Comanche Nation sind eine Einrichtung zur Vorbeugung und Behandlung von Alkoholismus und Drogenmissbrauch für die indigene Bevölkerung im Gebiet von Lawton. den Geist läutert und die Seele segnet. dass der Rauch. Gegenüber anderen Pionierpf lanzen hat er eine besonders lange Lebensdauer. Booten und Außenbordmotoren. Das Recht zur Besteuerung ist ein zentrales Merkmal der Souveränität und ein notwendiges Instrument der Selbstregierung und Territorialverwaltung. ist aber auch für die Lizenzvergabe und die Wahrnehmung anderer wirtschaftspolitischer Ordnungsmaßnahmen auf dem Stammesland der Kiowa. In der Mitte dieses ganzen Trubels liegt das Unterhaltungszentrum der Comanche Nation mit jeder Menge von Videospielen. Die Comanche verwenden die Blätter der „Rotzeder“ zu zeremoniellen Zwecken. bevor man sie durch ein Loch im Boden verlässt. ihr Holz wird im Rahmen von Peyotezeremonien und Schwitzhütten als Brennholz verwendet. Chairman der Comanche Nation von 2003 bis 2009. Feuerwerkskörpern. Wenn man dabei hungrig wird. die sich auf ihrem Hoheitsgebiet wirtschaftlich betätigen. 2005–2008 Der Anzug hat die Lederkleidung ersetzt.„Comanche Bisons“. Auch heute noch lieben die Comanche Pferde. Foto: Marthe Thorshaug. langsam wachsender Baum. Zeremonielle Zutat: „Rotzeder“ „Rotzeder“ ist in Oklahoma eine Bezeichnung für den Virginischen Wacholder (an der Westküste bezieht sich das Wort auf den Lebensbaum). das heißt. er kann bis zu zwei Jahrhunderte überleben. möglicht viel davon zu leben. Seit 1990 bilden die DIE COMANCHE HEUTE 155 . auf denen man lesen kann: „Comanche Nation – Lords of the Plains“. Man kann auch den Schlauch eines Autoreifens mieten und mit ihm die Megarutsche herunter sausen. dass er als erster Baum gerodete. wenn man durch die Windungen und Kurven nach unten gleitet und schließlich ins Wasser plumpst. der auf schlechten Böden nicht über die Größe eines Busches wächst. Blätter der „Rotzeder“ finden sich in jedem Medizinbeutel. Auf drei großen Wasserrutschen erlebt man die Faszination der Geschwindigkeit. die Pferdestärken des Autos das Pferd.

Um das Sicherheitsnetz in Ernährungsfragen zu stärken. um für die Anhänger der Peyotereligion Religionsfreiheit zu gewährleisten. Schuld daran ist vor allem die Abkehr von traditionellen Lebensformen hin zu westlicher Lebensart. „Peyote“. die 90 Tage dauern. wird zur Gänze aus den Kasinoeinnahmen des Stammes finanziert. Geschichte und Sprache der Comanche. Er blüht von März bis Mai. gibt es ein Verteilungsprogramm für Nahrungsmittel. auf die Frage der Rekrutierungsstellen der Armee. Der Eintritt ist frei. Unterrichtseinheiten und Führungen durch das Museum. im Hinblick auf Peyote mit „nein“ zu antworten. Comanche-Religion „Erwecke den Geist des Schöpfers in unseren Herzen und in unserer Überlieferung. Das Nationalmuseum der Comanche Nation zeigt auch Wanderausstellungen. insbesondere in der Wüste von Chihuahua. Das Museum ermöglicht die Erhaltung und Vermittlung der Kultur.und Drogenmissbrauch Herr zu werden. Schwitzhütten sind Teil der Behandlung. Selbstgenügsamkeit und einem zufriedenstellenden Leben ohne Drogen. Früchte. Peyote ist in den USA als Rauschmittel verboten. Sommer. das 2007 der Öffentlichkeit übergeben wurde. stachelloser Kaktus. Das Diabetesprogramm der Comanche Nation Ziel dieses Programms ist es. Das Nationalmuseum und Kulturzentrum der Comanche Nation Das Comanche National Museum. Die meisten Comanche sind Christen. den Besitz. So wird versucht. 2005–2008 Der äußerst langsam wachsende Peyotekaktus kommt natürlich im südwestlichen Texas und in Mexiko vor. Jeden Monat gibt es im Rahmen des Programms eine Sprechstunde für Comanche mit Diabetes. Foto: Marthe Thorshaug. Gewichtskontrollgruppen und Tagescamps für Kinder. insbesondere Meskalin. für all unsere Verwandten“ Native American Church Die Comanche Nation betrachtet Religion als Privatsache. Die Peyotereligion ist die am weitesten verbreitete indigene Religion in den USA. den Konsum und den Anbau von Peyote als Teil von echten religiösen Zeremonien. Brustschmerzen. und die Religionsausübung gilt als individuelle Angelegenheit.und Weihnachtsferien wurden eingerichtet. Hautkrankheiten. nachdem er im südlichen Texas von einem Stier verwundet und dank der 156 MARTHE THORSHAUG . Frühjahrs-. Fieber. Das Nationalmuseum und Kulturzentrum der Comanche Nation erfüllt seine Erziehungsaufgabe hinsichtlich der Geschichte und Kultur der Numunuu durch Workshops. Herbst-. bei Vorsorgeuntersuchungen und bei Gesundheitsmessen. die von Museen in den großen Städten der USA organisiert werden. Peyote ist bekannt für seine psychoaktiven Alkaloide. Andere wiederkehrende Anlässe sind die Zederzeremonie am Tag der Streitkräfte. in Gemeindezentren. Heute gibt es bei den Comanche unterschiedliche Religionsgemeinschaften. Wanderklubs. Mitglieder der Native American Church sind im Zusammenhang mit seinem zeremoniellen Gebrauch jedoch von der Strafverfolgung ausgenommen. Beeren und Nüsse die Hauptnahrung gewesen. und Tanzvorführungen beim Besuch von Schulklassen. der sehr bitter ist. bei der die Soldaten gesegnet werden. Der Comanche-Häuptling Quanah Parker gilt als der erste große Anführer der Peyotereligion. gekaut oder in Wasser gekocht. Zeremonielle Zutat: Peyote Peyote ist ein kleiner. finden bei den Zeremonien der Comanche wie der Schwitzhütte oder in der Peyotereligion Verwendung. Ausstellungseröffnungen werden mit einem Empfang gefeiert. das sich ausschließlich der indigenen Bevölkerung widmet. Wasseraerobicstunden. manchmal sogar bis September. gleich ob aus dem Fluss. Diabetes ist eines der größten Probleme und eine der häufigsten Todesursachen unter den Comanche. Sie schließt den sakramentalen Genuss des mit Gott vereinenden Peyotekaktus ein. Bundesgesetze schützen das Sammeln. Das Programm umfasst vier Phasen. bei dem das Publikum mit Hilfe interaktiver Elemente mehr über die Schaustücke erfahren kann. das sich vor allem an Familien mit geringem Einkommen wendet. Die Neuen Pfade der Comanche Nation sind das einzige Alkoholund Drogenbehandlungszentrum in Oklahoma. Geburtswehen. viele aber sind Mitglieder der Native American Church. Indianer verwenden Peyote auch wegen seiner Heilwirkungen im Zusammenhang mit Rheumatismus. die häufig von starken visuellen oder auditiven Erfahrungen begleitet werden. Der Genuss löst Zustände der Verinnerlichung aus und führt zu Einsichten metaphysischer oder spiritueller Art. Diabeteserziehung und -beratung kann zu Hause beim Patienten durchgeführt werden. Das Diabetesprogramm organisiert Fitnesskurse.Neuen Pfade die Zwischenstufe zwischen stationärer Behandlung und einem selbständigen Leben in Nüchternheit. Indianern ist es gestattet worden. damit ein psychoaktiver Tee entsteht. das Problembewusstsein für Diabetes zu fördern und die Krankheit innerhalb des Stammes zu bekämpfen. um Peyote zu ernten. Verkühlungen und Blindheit. Dabei wird üblicherweise der kleine oberirdische „Knopf“ des Kaktus. Die Native American Church wurde 1918 gegründet. Diabetes. Zahnweh. das viele ComancheFamilien belastet. und hat eine lange Geschichte des medizinischen und rituellen Gebrauchs im indigenen Amerika. des Problems von Alkohol. verbunden mit Gewichtszunahme und Bewegungsmangel. Altenzentren. Jedes Jahr im Herbst begeben sich viele Comanche in das südwestliche Texas. aus der Leitung oder sogar aus der Flasche. Für sie als Jäger und Sammlerinnen in den Steppenlandschaften waren fettarmes Bisonf leisch. ob sie jemals illegale Drogen benutzt hätten. am Arbeitsplatz. Er schloss sich der Glaubensgemeinschaft an. Zeremonielle Zutat: Wasser Alle Arten von reinem Wasser. Die Neuen Pfade bieten dem Patienten therapeutische Betreuung und unterstützen ihn auf dem Weg zu Wohlbefinden. um den Kindern der Comanche das nötige Wissen über Diabetes zu vermitteln.

Zutat: Comanche Bisons „Bisonfleisch ist gesund und hat 1/3 des Fetts eines enthäuteten Huhns“ Michael Mithlo. Ihre Darsteller lernte sie kennen. Das Ritual umfasst Gebete. Peyotezeremonien werden unter Leitung eines zeremoniellen Spezialisten in Tipis abgehalten. Es endet am Sonntagmorgen mit einem Frühstück. Die Treffen beginnen oft am Samstag bei Sonnenuntergang und dauern die ganze Nacht an. an denen die Familien teilnehmen können. die man dann in eine Grube in der Mitte der Hütte schafft. dass die Comanche Nation Fair eine Art ‘Heimkehr’ für viele unserer Bürger geworden ist und wirklich die Vielfalt unseres Programms genießt. eine Kunstausstellung.000 Besucher an. Chairman der Comanche Nation Die Comanche Nation Fair ist das größte Ereignis der Comanche Nation und lockt alljährlich über 40. eigene Peyotelieder. Man glaubt.com „Schwitzhütte“. es gibt einen Wettbewerb für Hufeisenwerfen. Es gibt sechs Grundarten der Tänze. in dem große Steine erhitzt werden. Es wird erwartet. Bei der Fair werden auch Basketballund Softball-Turniere abgehalten. Die Teilnehmer tragen für gewöhnlich einfache Kleidung. Die Heilung kann emotional oder physisch oder beides sein. um gemeinsam zu singen und zu tanzen und um den Überlieferungen ihren Respekt zu erweisen. Jahrhundert fast zur Ausrottung der einst unermesslichen Herden. Fürsorge für die Familie. Foto: Marthe Thorshaug. ein Rodeo. Weiterführende Webseite: http://www. Fancy Shawl Dancing und Jingle Dress Dancing. für die Frauen Traditional Dancing. Heute werden Bisons als Lieferanten von Fleisch und Leder an vielen Orten der USA in kommerziellen Schlachtbetrieben gezüchtet. Für die Musikbegleitung des Powwow sorgt eine Trommelgruppe. Für die Männer sind dies Traditional Dancing. dass sie aufgewaschen haben und am Abend wieder essen werden” Patrick Attocknie. Vor der Tür wird ein Feuer errichtet. Tänze für die Teenager. Fancy Dancing und Grass Dancing. kurze Hosen und T-Shirts. eine Ausstellung von Quilts. wenn Ihr die Comanche Nation Fair besucht. einen Geisterspaziergang und einen Karneval für Kinder mit kostenlosem Ringelspiel. Selbsterhaltung durch Arbeit sowie Meidung von Alkohol und Freizeitdrogen. Mame-Neta Attocknie nach dem Verlassen der Hütte. Händler mit Kunsthandwerk aus allen Landesteilen sind ebenso anwesend wie eine Vielzahl von Essensverkäufern. dass man die Hütte erst nach Aufforderung durch den Zeremonialleiter verlässt. Kommerzielle Ausbeutung und das Abschlachten durch die Euroamerikaner führten im 19. Stammesübergreifende Tänze bedeutet so viel wie: „Tanz für alle!“ Bei den Wettkampftänzen gibt es Preisgelder in verschiedenen Kategorien. das mit Holzplanken abgedeckt ist. einen Vergnügungslauf. die 2006 bei den Comanche einen Film drehte. zur Danksagung oder als Opfergaben benutzt. als sie eingeladen wurde. Essen. in ihrer Mitte mit dem Gesicht zur Türöffnung sitzt der Zeremonialleiter. jeweils untergliedert in Altersgruppen.“ Michael Burgess. DIE COMANCHE HEUTE 157 . je nach Stil.B. etwa die länglich-kuppelförmige Hütte in der Art eines Wigwams oder auch nur ein in den Boden gegrabenes Loch. regionalen Unterschieden und dem Geschlecht und Alter der Tänzer. Sie wächst rasch und zählt gegenwärtig etwa 200 Tiere. eigens konstruierten Trommel vor und singen traditionelle Comanche-Lieder. Wegleitung und Heilung spendet. 2006 Marthe Thorshaug ist eine norwegische Künstlerin. Powwows können von sechs Stunden an einem Tag bis zu drei Tagen dauern. In jedem Fall wird traditionelles Comanche-Essen serviert. die von den Ahnen auf sie gekommen sind. Alle sitzen am Boden rund um die heißen Steine. Comanche Nation Fair „Wir wissen. wie z. der zweimal in der Woche die Schwitzhütte besucht Die Schwitzhütte ist eine zeremonielle Sauna. Wenn man Wasser auf die heißen Steine gießt. Allgemein wird es für wichtig erachtet. bei der Indianer zusammenkommen. erhöht sich die Temperatur in einem dramatischen Ausmaß.comanchenation. Verschiedene Arten von Pf lanzenmedizin werden für Gebete. Wir beten dafür. dass die Zeremonie die Zwiesprache mit Gott und den Verstorbenen ermöglicht und Kraft. Es gibt verschiedene Arten der Schwitzhütte. Der „Peyoteweg“ verlangt von seinen Anhängern brüderliche Liebe. stammesübergreifende Tänze und Wettkampftänze. Beim Grand Entry kommen alle Tänzer auf den Tanzplatz. Konzerte und Spiele. Zu einigen Zeremonialtraditionen zählen der Gebrauch der Wassertrommel und das Singen heiliger Lieder. Die Comanche-Schwitzhütte ”Alle empfinden. Der Restbestand wurde in einigen Nationalparks und Schutzgebieten am Leben erhalten. und begleitet von einem Fahnenlied werden Fahnen gehisst. selbst an einer Schwitzhüttenzeremonie teilzunehmen. einen Umzug. dass das Schwitzen bei völliger Dunkelheit erfolgt. Besitzer des Lokals „Might y Good Bison“ Der Bison ist zurückgekehrt! Eine Bisonherde zieht wieder über das Stammesland der Comanche. alte Familienbeziehungen erneuern und auch neue Beziehungen herstellen könnt. den Genuss von Peyote. Drei Tage lang gibt es ein farbenprächtiges Powwow. Wasserrituale und Besinnung. Bei den Powwow-Tänzen gibt es drei Grundkategorien: den feierlichen Einzug der Teilnehmer (Grand Entry). Verabreichung von Peyote durch eine coahuiltekische Heilerin von den Folgen geheilt worden war. Bisonf leisch ist eine beliebte Zutat in der Küche der Comanche und wird oft bei Powwows und geselligen Versammlungen aufgetischt. Die Mitglieder geben den Rhythmus auf einer großen. Bisoneintopf oder ein Comanche Taco aus einem in Fett herausgebackenen Hefebrot (frybread) und Bison-Chili sind besonders lecker! Comanche Powwow Das moderne Powwow ist eine Versammlung. dass Ihr alle gestärkt werdet. ein geselliger Anlass und eine Gelegenheit. Peyotisten glauben an einen Hochgott.

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heldenhafte. Die Kapitulation Geronimos bef lügelte eine wachsende euro-amerikanische Faszination hinsichtlich der Apache und ihrer großen Anführer Mangas Colorado. Nach seiner Kapitulation durfte der Guerilla der Sierra Madre für ein bis heute publikumswirksames Foto noch einmal mit seinem Gewehr posieren. darunter Geronimo’s Last Raid von Gilbert Hamilton (1912). Geronimo und die Räuber (1966) und jüngst Geronimo: An American Legend von Walter Hill (1994). Dichter und Musiker eine „Société des Apaches“. wobei mehr Apachekrieger das Leben lassen mussten. aber sein Ruhm als Symbol der tapferen. bevor man ihn ins Exil nach Alabama und Florida schaffte. ehrliche. Washington Über Jahre hinweg jagten mehrere Tausend amerikanische Soldaten Geronimo und seine 70 Chiricahua. die sich den Namen als Symbol des Widerstands gegen das bürgerliche Establishment aneignete. Er wurde zum Helden von Romanen und Biografien und von wenigstens zwei Dutzend Filmen. Jahrhundert zum Inbegriff „des Indianers“ werden ließen. in der die unschuldige Frau des Ranchers John Cannon durch den Pfeil eines Apache getötet wird. National Archives and Records Administration. Nach dem Mord an seiner Frau werden die Jäger jedoch selbst zu Gejagten. die einen aussichtslosen Kampf gegen den Siegeszug der Zivilisation kämpft. Zu ihrem Retter wird kein Geringerer als James Bond – Sean Connery als Jäger und Spurenleser Shalako in einem bunten Cowboyanzug. und Charles Bronson als Chato tötet sie einen nach dem anderen. Kaum 15 Jahre nach Geronimos Kapitulation gründete eine Gruppe französischer Künstler. Nun sind die Rollen vertauscht: Eine Bande von Weißen heftet sich an Chatos Spur. indem er sie in die tödliche Wüste lockt. Foto: A. Noch größer als Cochise oder Geronimo. wurde er auf seiner Tour durch Boston. Washington: Smithsonian Institution Press. kommandiert der afroamerikanische Schauspieler Woody Strody als Chato einen verwegenen Trupp von Apache. Dieses Gegenbild der Apache als mutige Freiheitskämpfer. Geronimo starb im Februar 1909 als Kriegsgefangener in Fort Sill in Oklahoma. Mit an Bord waren auch die zwei regierungstreuen Apache-Scouts Kayitah und Martine. bezeichnete man die unter dem Namen Apache bekannten Menschen als „Wilde“. In unseren Tagen erinnern ein leistungsfähiger Computerserver und – etwas enger mit dem Bild von Krieg und Gewalt verbunden – der Kampf hubschrauber AH64 Apache an den Mythos von den Apache. war freilich Karl Mays Romanheld Winnetou. wurde dieses Klischee bereits in der ersten Episode ausgebreitet. sondern eher als unzuverlässiger Unruhestifter angesehen wurde. hat eine lange Geschichte. der Apachemischling Pardon Chato. Barrett (1865–?) schrieb für ihn seine „Autobiografie“. Auf Rat von Miles wurden überdies 382 friedliche Chiricahua und Mimbreño Apache zwangsweise ins Exil geschickt. als Geronimo von seinen eigenen Leuten niemals als großer Führer. und der Journalist Stephen M. Geronimo: His Own Story. in der er allein sich zu verstecken und zu überleben weiß. In High Chaparral. Leah 1996 Imaging Indians in the Southwest: Persistent Visions of a Primitive Past. die eine so herausragende Rolle bei der Entstehung des amerikanischen Südwestens und bei seiner Romantisierung gespielt haben? Wo kamen sie her? Und wo sind sie heute? Weiterführende Literatur Dilworth. Als die Indianerkriege noch in vollem Gang waren. wenn auch zur Gänze ausgedacht. Geronimo (1939). Schon die Spanier hatten sie indios bárbaros – „barbarische Indianer“. Victorio. Geronimo nach seiner Kapitulation. New York und andere Städte an der Ostküste als „großer patriotischer Krieger“ und Staatsmann behandelt. gefürchteten und unbeugsamen Apache hörte nicht auf zu wachsen. die sich jeglicher Befriedung entzogen – genannt. der einen Marshal in Selbstverteidigung getötet hat. Ein anderer Chato. Später galten sie den Mexikanern und Amerikanern als die übelsten Wilden des ganzen Kontinents. aber auch „sterbende Rasse“. ist wenig später der Held in Michael Winners Chato’s Land (1972). Mexikaner und Amerikaner im Südwesten der heutigen USA. die den Kontakt mit Geronimo hergestellt und ihn zur Aufgabe bewegt hatten. Diese Dämonisierung der Apache wurde in der frühen Groschenliteratur festgeschrieben und findet sich später auch in Fernsehserien und Filmen. dessen gemeinsam mit Old Shatterhand bestandene Abenteuer ihn (später auch im Film) in vielen Teilen Europas bis ins späte 20. der eine adelige europäische Jagdgesellschaft in den Hinterhalt lockt. Im Kino machte Geronimo auf dem Kriegspfad die Fahrt der Postkutsche in John Fords Stagecoach (1939) zu einem gefährlichen Erlebnis. so grausam und gewalttätig wie die Comanche. Die Unterwerfung war auch ein Signal für den Niedergang einer lange Zeit erfolgreichen Lebensweise und der Beginn ihrer Verherrlichung. APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 159 . als freie. Frank Randall. Geronimo (1962). einem Western von Edward Dmytryk nach einem Roman von Louis L’Amour. Die Vorstellung von Geronimo als dem berühmtesten Kriegshäuptling der Apache ist wohl in erheblichem Maß das Produkt westlicher Faszination und Mythenbildung. Juh und Geronimo als edle und zugleich böse Wilde. als der von John Wayne gespielte Ringo Kid Kugeln in seinem Gewehr hatte. aus der Brigitte Bardot als blonde und schöne Gräfin Irinia Lazaar besonders hervorsticht. Geronimo selbst schlug als Erster Kapital aus der romantischen Version des heroischen Kampfes tapferer indianischer Krieger um ihr Land und ihre Freiheit. 1886. einem der erfolgreichsten und am meisten gelobten Fernsehwestern der 1960er Jahre. Cochise. Chato. Als Kriegsgefangene wurden Geronimo und seine kleine Schar von Guerillas in Güterwaggons nach Florida verfrachtet. Aber wer waren diese Leute. „Renegaten“ und „Wüstentiger“. Während die öffentliche Meinung im Südwesten seine Verurteilung und Hinrichtung als Mörder forderte. Washington.KRIEGE UND KLISCHEES CHRISTER LINDBERG Die Apache in der westlichen Vorstellung Als sich Geronimo am 3. Dies ist umso bemerkenswerter. setzte er einen Schlussstrich unter mehr als 300 Jahre Widerstand der Apache gegen Spanier. September 1886 im Skelton Canyon in Arizona General Nelson Miles ergab. In Shalako (1968).

Möglicherweise ist der Name aber auch von der Selbstbezeichnung der Yavapai. ein. dass die Lebensweise dieser ersten Apache noch große Ähnlichkeiten mit der ihrer Verwandten in der kanadischen Subarktis aufwies. das Zuni-Wort für „Feind“. aber Lipan-Krieger. Ihre Differenzierung im Südwesten wurde in erster Linie durch die Anpassung an unterschiedliche ökologische Nischen ihrer neuen Heimat bewirkt. Neben den Navajo (die einen westlichen Apache-Dialekt sprechen. bevor sie ihre Windschirme aus Ästen und Zweigen oder ihre Lederzelte an einer anderen Stelle errichteten. Plains Apache. politisch unabhängige Einheiten zerfielen: Chiricahua. H. den sie in unterschiedlichem Ausmaß mit Jagd und Sammelwirtschaft verbanden. Insgesamt dürfte ihre Bevölkerung in dem genannten Siedlungsgebiet. Die Apache bildeten niemals einen „Stamm“. wurde der Feldbau. ápátieh. Farblithographie nach einer Zeichnung von Arthur Schott. Nachdem sich vor rund 4000 Jahren Mais und Bodenbautechniken von Mexiko nach Norden ausgebreitet hatten. zur Nahrungsgrundlage vieler Völker. neigt man heute dazu. sondern waren vielmehr eine lose Gruppe von Bevölkerungen. verschiedene Yuma-sprechende Gruppen am Colorado River. Jahrhundert zu verlegen. denkbar wäre ferner das spanische Wort apachurrar („zermalmen“). Ihre erfolgreiche Anpassung an ihren neuen Lebensraum erfolgte fast gleichzeitig mit ihrer ersten Begegnung mit den europäischen Eroberern. Dies trug ihnen vielleicht den Namen ápachu. die jeweils in kleinere. nicht als Apache bezeichnet werden) kennt man sechs Gruppen. Den östlichen Apache ermöglichte das Reittier die Nutzung der schier unendlichen Bisonherden auf den Plains und die Optimierung ihrer Raubwirtschaft. Emory. Der genaue Weg und die Geschwindigkeit der Einwanderung der südlichen Athapasken aus Alaska und dem westlichen Kanada ist von Forschern widersprüchlich diskutiert worden. die sich auf der Suche nach Nahrung immer nur kurz an einem Ort auf hielten. Report on the United States and Mexican Boundary Survey (1855) Als Nachbarn der spanischen Kolonie Nuevo Mexico spielten die südlichen Athapasken eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Pferds im indigenen Nordamerika. Der Südwesten ist eine überwiegend trockene Region. die Pima und Papago am Gila und Salt River. Aus: W. 1853. Die meisten Kulturen dieser Gegend entwickelten sich aus einer archaischen Wüstenkultur. Ein Aspekt der Anpassung der Apache an die lokale Umwelt bestand darin. Wie die meisten indigenen Völker nannten sich die „Feldräuber“ selbst „die Menschen“ – in verschiedenen Dialekten und Schreibweisen Dine’.Das Land und seine Leute Die Apache und die nahe mit ihnen verwandten Navajo sind Sprecher athapaskischer Sprachen. in der natürliche Nahrungsquellen spärlich sind. Inde’ or Tin-ne-áh. konnten daher als Jäger und Sammler leicht in die zwischen den Flüssen gelegenen trockenen Bergländer eindringen. welches fast doppelt so 160 CHRISTER LINDBERG . Jicarilla. dass sie ihren Lebensunterhalt durch Raubzüge gegen die sesshaften Pueblovölker und die Felder der Pima und Papago ergänzten. Zum Zeitpunkt der Einwanderung der Apache in den Südwesten lebten die Bodenbau treibenden Völker hauptsächlich in der Nähe der größeren Flüsse: die Pueblovölker am Rio Grande und am Little Colorado River. dieses Ereignis ins 15. die ihnen noch viel weiter gehende Veränderungen abverlangen sollten. die von Jagd und Sammelwirtschaft geprägt war. Mescalero und Western Apache. Die Zuwanderer. Sicher ist nur. abgeleitet oder vom Yuma-Ausdruck e-patch („kämpfende Männer“). die sechs Gebiete in den Trockenlandschaften zwischen dem Arkansas River und dem nördlichen Mexiko sowie zwischen dem zentralen Texas und dem zentralen Arizona bewohnten. Auch der Zeitpunkt ihrer Ankunft im Südwesten ist umstritten: Galt früher die Zeit zwischen 1100 und 1300 als am wahrscheinlichsten. oder frühe 16. die erst spät und in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler aus dem fernen Norden in den Südwesten einwanderten. Lipan.

am meisten an den Lebensstil der Bisonjäger angepasst waren. bevor sie sich im Gebiet der Sangre de Cristo-Berge an den Lebensstil der Olleros anpassten. Sie unterschieden sich darin von den „Llaneros“ („Steppenleuten“) im Ostteil ihres Lebensraums. Chiricahua und Western Apache) stand neben der Jagd das Sammeln wild wachsender Pf lanzen im Mittelpunkt der Nahrungswirtschaft. Die östlichen Apache (Jicarilla. groß wie Deutschland war. So gerieten die sesshaften Jicarilla selbst in die Opferrolle. Die bei ihren Beutezügen gefangenen Jicarilla verkauften die Comanche auf dem Sklavenmarkt von New Orleans. die vor allem bei vielen Western Apache und bei den Mescalero (aber auch bei den Jicarilla) durch den Anbau von Mais und anderen Kulturpf lanzen ergänzt wurde. Jahrhundert bis nach Texas geführt hatte. in die andere Apache-Gruppen üblicherweise ihre sesshaften Nachbarn brachten. Als 1680 die Pueblobewohner gegen die koloniale Herrschaft und die erzwungene Christianisierung revoltierten und die Spanier aus New Mexico vertrieben. So verbanden sich Elemente der Plainskultur (etwa im Bereich der Kleidung oder der Nutzung des Pferds) mit jenen der Pueblos. die von den Franzosen mit Feuerwaffen versorgt wurden und die Jicarilla aus den Plains in die Berge abdrängten. den Jicarilla trat aber etwa gleichzeitig von Osten her ein viel bedrohlicher Gegner in Gestalt der Comanche entgegen. die in historischer Zeit eine anhaltende politische und militärische Beziehung zu den Kiowa eingingen und daher auch als Kiowa-Apache bezeichnet werden. in denen der Rio Grande entspringt. Sie galten allerdings noch um 1900 als eher konservativ. von denen einige bereits zum Christentum konvertiert waren. aber auch auf der Grundlage sprachlicher Unterschiede in zwei Abteilungen zusammengefasst. Jicarilla Im Jahr 1541 trafen die aus Mexiko nach Norden vordringenden spanischen Eroberer im nordöstlichen Teil des „Neuen Mexiko“ und im südlichen Colorado auf die kürzlich aus dem Norden zugewanderten Jicarilla. deren jägerische Ausrichtung sie im 18. während die Olleros dem Fortschritt zuneigten. Deren Territorium umschloss hochgelegene Graslandschaft und die angrenzenden südlichen Ausläufer der Rocky Mountains. dass sie frühzeitig von den südlich benachbarten Bewohnern der Pueblos von Taos und Picuris die Töpferei. deren spanische Bezeichnung „Olleros“ („Töpfer“) darauf verweist. Bei den westlichen Apache (Mescalero. während die Plains Apache. Lipan und Plains Apache) waren in ihrer Lebensweise stark von ihren Nachbarn auf den südlichen Plains beeinf lusst und machten wie diese wenigstens saisonal Jagd auf den Bison. APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 161 . kaum jemals mehr als zehn. den Bewässerungsfeldbau und damit die Sesshaftigkeit übernommen hatten. Für die dort bereits ansässigen Völker und für die spanischen Kolonisten waren sie nicht immer angenehme Nachbarn. Jahrhundert eine Untergruppe. Den Spaniern gelang 1692 die Rückeroberung New Mexicos. erhielten sie Unterstützung von den Jicarilla. Westlich des Flusses lebte im späten 19. bestimmten kulturellen Merkmalen (wie der Struktur ihres Verwandtschaftssystems). Diese sechs Regionalgruppen werden nach ihrer geografischen Lage.Die südlichen Athapasken und ihre Nachbarn Nach ihrer Zuwanderung aus dem Norden nahmen die südlichen Athapasken (Apache und Navajo) ein riesiges Gebiet beiderseits der Rocky Mountains für sich in Besitz.bis zwanzigtausend Menschen betragen haben.

Die Rache. Personen. dass ein Sohn dem Vater nachfolgte. Gürtel und Gürteltäschchen. Kleidung und Brauchtum ähnlich waren. um mit dem Schwiegervater auf die Jagd zu gehen. um 1870. denen gegenüber Meidungsvorschriften bestanden. die aus Visionserfahrungen die Hilfe übernatürlicher Kräfte gewannen und als Schamanen oder Medizinmänner fungierten. So wie bei den Jicarilla entsprachen bei diesen beiden Gruppen Kleidung und Frisur der Männer jenen der Plainsstämme und unterschieden sich deutlich von jenen der Western Apache und Chiricahua. die auf Grund ihrer Erfahrung und ihres Gemeinsinns ausgewählt wurden.Mescalero und Lipan Die Mescalero. waren die Anführer einer Lokalgruppe stets Männer. Chiricahua Die Chiricahua waren in drei Lokalgruppen organisiert. die sich jeweils aus Eltern. um 1900. betrachteten sich aber als ein Volk. die sich bis gegen Ende der Kolonialzeit hinzogen und sich noch in der Periode der mexikanischen Herrschaft fortsetzten. ihren unverheirateten Söhnen und den verheirateten Töchtern mit ihren Männern und Kindern zusammensetzten. mussten aber bald feststellen. des Mannes kaum Verpf lichtungen. Nach der Heirat zog der Schwiegersohn in den Haushalt der Brauteltern. dass die gesellschaftliche und politische Macht kaum zentralisiert war und den Anführern nur geringe und zeitlich begrenzte Autorität zukam. die südlichen Nachbarn der Jicarilla. sich rechtzeitig zurückzuziehen. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Die Lokalgruppen der beiden Stämme bestanden aus zehn bis zwanzig erweiterten Familien. Lenders) Die Frauentracht der Apache bestand aus ponchoartigen Lederblusen. Die Unterteilung der Stämme in autonome Lokalgruppen brachte es mit sich. während die Töchter mit ihren Müttern die in der Umgebung vorkommenden pf lanzlichen Nahrungsquellen ausbeuteten. nur gegen andere Feinde. Sie unterstützten daher auch die anglo-amerikanischen Gründer von Texas im Kampf gegen Mexiko. kontrollierten viele Aktivitäten der Gruppe und wurden wegen ihrer Fähigkeiten respektiert und manchmal auch gefürchtet. Bevorzugte Wohnform der Mescalero und Lipan war das Tipi. doch war es im Fall seines Todes üblich. Beim Tod einer Frau blieb ihr Mann in Haushalt der Schwiegereltern und heiratete häufig ein anderes Mädchen dieser Familie. So wie bei anderen Apache war der Stamm niemals die kriegsführende Einheit: Kriegszüge zählten zu den Angelegenheiten der Lokalgruppen. Die östlichen Chiricahua (auch als Mimbreño. und die am unteren Rio Grande bis an die texanische Golf küste lebenden Lipan hatten mit der Sklaverei schon vorher im Umfeld ihrer Fehden mit den Spaniern Bekanntschaft gemacht. Männer konnten mehrere Frauen heiraten (üblicherweise Schwestern oder Cousinen der ersten Frau). Museum für Völkerkunde Wien (Slg. ihr einen Bruder oder Cousin des Verstorbenen als Ehepartner anzubieten. während die Frauentrachten bei allen Apache relativ ähnlich waren. die ihnen in Sprache. Arizona. obwohl es häufig vorkam. Camille James Samson) Gegenstände des täglichen Bedarfs von geringer Größe trugen Männer und Frauen in kleinen Ledertaschen. 162 CHRISTER LINDBERG . doch kam dies in der Praxis nur bei wohlhabenden und angesehenen Anführern vor. New Mexico. Benachbarte Lokalgruppen schlossen sich fallweise zu Beutezügen oder zur gemeinsamen Verteidigung zusammen. Obwohl Frauen wichtige Rollen im Leben des Stammes innehatten. Einige der in den Bergen des südöstlichen New Mexico lebenden Mescalero-Abteilungen schwärmten aus dieser unzugänglichen Region auf der Suche nach Beute nach Texas und Mexiko aus und wurden dabei von Kriegern der Lipan begleitet. Der Stil der Glasperlenarbeit lässt eine Herkunft von den Jicarilla vermuten. dass die neuen Herren um kein Haar besser waren als die alten. die meist am Gürtel angebracht waren. Western Apache. Das Geräusch der vielen aneinander schlagenden Blechkonusse half den Männern sicher dabei. Das Amt war grundsätzlich nicht erblich. wenn sich Frauen näherten. Die Frau hatte gegenüber der Familie Frauenpocho.und Raubzüge wurden wieder aufgenommen. Jicarilla Apache. Emil W. Lederröcken und Mokassins mit einer am Vorderende hornartig nach oben gebogenen Spitze.

in dem die erweiterte Familie lebte. Jahrhunderts und besteht aus einer weit geschnittenen Bluse sowie einem ebensolchen Rock. Zusätzlichen Schutz bot eine auf der Wetterseite angebrachte Leinenplane. Im Haar war ein Amulett befestigt. 1810/23–1874) war. Bei diesen Anlässen spielten Zaubermittel eine große Rolle. einem bedruckten Hemd und einer Weste europäischen Schnitts. Kindertrage.oder Adlerfedern verzierte lederne Kriegskappen. Mehrere solcher Wickiups bildeten das Lager. Chiricahua und Don Cabezos Mountains im Grenzgebiet des südlichen New Mexico mit Arizona. Ihre (auch als „Rancherías“ bezeichneten) Siedlungen waren klein und temporär und setzten sich aus kuppelförmigen oder konischen Wickiups APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 163 . Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Die Behausung war oben offen. Keulen und Messern bewaffnet.oder Samenperlen als Halszierde dienten. Fotosammlung Die heute traditionelle Frauentracht der Apache („camp dress“) entstand in der 2. hatte ihre Hochburgen in den Dragoon. Brushing Against und Little Squint Eyes. 1825–1883). das mit Bärengras. auf denen Kleinkinder bis etwa zum Alter von einem Jahr festgezurrt waren. Eine andere verbreitete Tracht bestand aus weiten weißen Baumwollhosen. Ein Wickiup bestand aus einem Gerüst aus zusammengebundenen Stangen und Ästen. Ihre Kraft bezogen sie aus ihrer Herstellung – oder wenigstens „Segnung“ – durch einen Medizinmann. 1898. das in einer Grube in der Mitte des Innenraums brannte. Warm Springs oder Ojo Caliente bezeichnet) waren die Nachbarn der westlichen Mescalero und kontrollierten ein großes Territorium westlich des Rio Grande rund um Ojo Caliente. um ihre langen Haare aus dem Gesicht zu halten. Ihre bedeutendsten Anführer waren Geronimo (1829–1909) und Juh (ca. Laurent Deleglise) Der Gebrauch von Kindertragen. In Aussehen und Lebensweise stellten die Chiricahua den Protot yp aller Apache dar. Foto: Frank A. erlaubte es den Müttern. wobei solchen aus dem Holz vom Blitz getroffener Bäume oder in Form von vom Blitz getroffenem Stein besonders wirkkräftig bei der Heilung und als Schutz vor Gefahren galten. um 1890. Textilien aus Kunstfasern sind seither neben die ursprünglich vorherrschenden bedruckten Baumwollstoffe getreten. Arizona. Hälfte des 19.zusammen. um den Rauch des Feuers abziehen zu lassen. zwei San Carlos Apache-Frauen. während Ketten aus Knochen. deren Autorität ausschließlich auf persönlichen Fähigkeiten beruhte. Diese Kopftrachten galten als heilig und machtbeladen und sollten den Träger auf dem Kriegspfad beschützen. und selbst Brüder und Schwestern gingen einander aus Höf lichkeit aus dem Weg. Western Apache. Lanzen. Weltbild und religiöse Praxis waren vom Schamanismus geprägt. Yuccablättern oder Binsen gedeckt war. deren bekanntester Anführer Cochise (ca. Schwiegersöhne und Schwiegereltern durften einander nicht nahe kommen und kommunizierten über Dritte. die sich aus einer Gruppe von Müttern und Schwestern mit ihren Kindern sowie den angeheirateten Männern zusammensetzte. Pinos Altos und Quermado. während die südliche Gruppe im Norden der mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua umherzog. Ausgeprägte Meidungsvorschriften waren ein Ausdruck von Respekt zwischen den Geschlechtern. Pfeil und Bogen. Rinehart. andere trugen Hüte oder mit Truthahn. Die meisten verwendeten Stirnbänder aus buntem Stoff. Die zentrale Abteilung. Krieger waren mit Gewehren. Museum für Völkerkunde Wien. trugen federgeschmückte Schilde und bekleideten sich mit Durchziehschurzen aus Tuchstoff. Bei den Apache bestand die Vorrichtung aus einem Lattenrost mit einem Rahmen aus einem gebogenen Zweig und einem Sonnenschutz aus Holzbrettchen. manchmal Lederhemden mit Glasperlendekor und Mokassins. Strauchwerk. Medizinmänner. ihre Kinder auch bei Arbeiten außer Haus mit sich zu führen. leiteten die mitternächtlichen Heilungszeremonien.

Chicago: Universit y of Chicago Press.Speicherkorb. Opler. eine Patin das Mädchen über die einer Frau angemessenen Formen des Verhaltens belehrte und am Ende maskierte Tänzer in einem nächtlichen Auftritt der Initiandin den Segen der übernatürlichen Mächte überbrachten. Die Größe der Bands konnte zwischen etwa 50 und 500 Personen schwanken. Belege für ihren Gebrauch durch die Apache selbst fehlen. das mit Harz verschmiert und dadurch wasserundurchlässig gemacht wurde. Solcherart trug das Klanwesen zur Integration der weit verstreut lebenden autonomen Untergruppen der Western Apache bei. White Mountain und San Carlos. Arizona. seinen Verfolgern zu entkommen und sich vor ihnen zu verstecken.) Southwest [Teil 2]. Alfonso 1983 (Hg. Haley. Cibecue. Social and Religious Institutions of the Chiricahua Indians. Bands und Abteilungen und garantierten gegenseitige Hilfe und Solidarität. Morris E. wurde von den Apache selbst als Ausdruck seiner magischen Kräfte betrachtet. James L. Die kleinen Henkel dienten zur Aufnahme eines Stirntragbands. 1941 An Apache Life-Way. Western Apache. das nur für den Verkauf an Weiße hergestellt wurde. Geharzte Korbflasche. bei welcher der Schamane Lieder sang. die wiederum aus Lokalgruppen bestanden. Große topfförmige Körbe stellen möglicherweise ein Produkt dar. Weiterführende Literatur Basso. Die kleine Öffnung wurde mit Blättern verschlossen. die bestimmte Jagdgebiete und Felder exklusiv nutzten. und die ganze Gemeinschaft war an den feierlichen Handlungen während der vier Tage beteiligt. New York: Holt. Während bei den anderen Apache die Verwandtschaft gleichermaßen über beide Elternteile gerechnet wurde. Keith H. Magische Kriegsmedizin und verschiedene Formen von Wahrsagerei waren notwendig. Die Erstmenstruation war Anlass für eine viertägige Zeremonie. The Economic. Rinehart and Winston. deren Mitglieder in weiblicher Linie miteinander verwandt waren. Garden Cit y: Doubleday & Company. Washington: Smithsonian Institution. um 1800. Linden-Museum Stuttgart (Slg. hatten die Western Apache ein System von 62 Klans. Jede dieser Abteilungen war in zwei bis sieben kleinere autonome Gruppen („Bands“) gegliedert. 164 CHRISTER LINDBERG . mit dem die Frauen den Behälter transportierten. Waldhausen) Wie die Tragkörbe bestanden die gef lochtenen Wasserbehälter aus einem zwirnbindigen Gef lecht. Der spitze Boden erinnert an die wenigen Tongefäße der Apache. Ortiz. Geronimos einzigartige Fähigkeit. Western Apache Der im östlichen Zentralgebiet von Arizona beheimatete nordwestlichste Zweig der südlichen Athapasken wird zusammenfassend als Western Apache bezeichnet und bestand aus den fünf Abteilungen Northern Tonto. Klanverwandtschaften verbanden Mitglieder verschiedener Lokalgruppen. Arizona. um 1890. Western Apache. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. 1982 Apaches: A History and Culture Portrait. aber auch die mehr oder weniger autonomen Lokalgruppen. Jede hatte einen Anführer. Das Ritual wurde an mehreren Mädchen zugleich vollzogen. Handbook of North American Indians 10. 1970 The Cibecue Apache. um einen Feind aufzufinden und zu besiegen. Laurent Deleglise) Zu den traditionellen Korbformen der Apache zählen neben zwirnbindig gef lochtenen Tragkörben und mit Pech abgedichteten Wasserf laschen f lache wulsthalbgef lochtene Teller und Schalen. Southern Tonto. verfügten über einen Häuptling. Wie bei anderen Apache-Gruppen zählten die Feiern anlässlich des Erreichens der Geschlechtsreife junger Frauen zu den bedeutendsten Zeremonien.

einer der mythischen Sieben Goldenen Städte. die Apacheria. bewegten sich die Apache in den trockenen Gerinnen von Bächen oder verschanzten sich in Gräben. Eine der Vertragsbedingungen war die Verpf lichtung APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 165 . um die Verfolger in einer Zangenbewegung zu überwältigen. Zu Beginn des 19. auch weil für die Apache „Frieden“ nur eine weitere Strategie des Nahrungserwerbs war und geschlossen wurde. Leder und Blech. in dem sie sich unerwartet vom gut getarnten Feind umringt wiederfanden. erbte es all das Misstrauen und die Feindseligkeit. Später brach man dann die Übereinkommen. Wenn es keine Berge gab. der in kleinen Grüppchen von Bergkette zu Bergkette wechselte und die dazwischen liegenden offenen Wüstengegenden nächtens überquerte. Jahrhunderts jedoch hatten sich die Beziehungen so weit verschlechtert. Als Mexiko im Jahr 1822 seine Unabhängigkeit von Spanien erklärte und zwei Jahre danach das heutige New Mexico zu einem Territorium der jungen Nation wurde. Vor Beginn der Kolonisation bezeichneten die Spanier die südlichen Athapasken als „Vaqueros Apaches“ (wörtlich: „Apache Cowboys“). die einem Anführer folgten. Das Ziel der spanischen Eroberer bestand darin. um die im weitläufigen Sonora verstreuten Dörfer und Ranches zu überfallen. Gleichzeitig begannen Missionare. Jedwedes Vertrauen war verloren gegangen. Die Provinzen Sonora und Nueva Vizcaya litten beständig unter den Überfällen der Apache. Zügel. das den bezeichnenden Namen Jornada del Muerto („Reise des Toten“) trägt. Durch die Militärexpedition von Don Juan de Oñate (1552–1626) in die Gegend des heutigen El Paso am Rio Grande wurde 1598 die Grenze Neuspaniens weiter nach Norden verschoben und das Land im Namen der spanischen Krone und der römisch-katholischen Kirche für erobert erklärt. als Francisco Vásquez de Coronado (ca.Die Eroberung der Apacheria Die Beutezüge der Apache spielen in der Geschichte des amerikanischen Südwestens eine wichtige Rolle. verbreitete ein schleichendes Gefühl von Angst im ganzen betroffenen Gebiet und erlegte den Soldaten eine außergewöhnlich große Arbeitslast der denkbar schwierigsten Art auf. Das einzige Ziel war die Versorgung ihrer Lager durch Überfälle – wann immer es ihnen beliebte. Gemäß dieser Logik der Apache hielten sie Frieden mit einem spanischen oder mexikanischen Dorf. Dies war leichter gesagt als getan. erfolgten vorzugsweise in der Stille des frühen Morgens. verwirrte sowohl die Truppen als auch die Siedler. Als sich dies als unmöglich erwies. dass die Apache die Siedler im nördlichen Sonora als ihre Feinde betrachteten und die Beutezüge den Charakter von Kriegszügen anzunehmen begannen. die gefährlichste Route im ganzen amerikanischen Südwesten. und trieben Handel mit einigen Texanern und Amerikanern. Waren sie erst einmal in Mexiko angelangt. in dem die Vereinigten Staaten Teile des südlichen New Mexico und Arizona von Mexiko erwarben. Maultiere. Sie sind jedoch in den frühen Phasen der Auseinandersetzung mit den Spaniern nicht als reine Gewaltanwendung zu werten. Wurden sie verfolgt. Jahrhunderts war für die Apache eine Erweiterung ihres Territoriums nicht erforderlich und ein militärischer Sieg über die Spanier nicht wirklich erwünscht. Cibecue und San Carlos Apache. die sie in der Wüste aushoben. Wichtige Faktoren für ein richtiges Verständnis der alltäglichen Beziehungen zwischen den Apache und den Weißen sowie der so genannten ApacheKriege waren die Unabhängigkeit der verschiedenen Zweige der Apache und das Fehlen eines verantwortlichen Stammesführers. den sie respektierten. Die Haupteinfallspforte nach Mexiko bildete das Arivaipa.“ Die Angriffe. Gewehre. veränderte sich die spanische Strategie in Richtung auf einen Ausrottungskrieg. Spanier und Mexikaner Die ersten spanischen Kontakte mit den Apache datieren von 1541. 1510–1554) und seine Leute auf ihrer Suche nach Quivira. Nahrung und Schmuck zu erhalten. Zu den ersten Feindseligkeiten mit den Apache kam es 1590 im Zusammenhang mit einer Erkundungsexpedition von Gaspar Castaño de Sosa. um im nächsten Augenblick Pferde oder Rinder von einer benachbarten Ranch zu stehlen. während sie gleichzeitig andere überfielen. Das gilt auch für die Beutezüge – die Krieger waren Freiwillige. sobald es opportun erschien. Manchmal teilten sich die Krieger in zwei Gruppen. sondern waren in erster Linie ein Teil der Nahrungswirtschaft. einzudringen. die aus den zerrütteten Beziehungen zwischen den Spaniern und den Apache entstanden waren. Es gab daher keinen Anreiz zur Vernichtung oder Vertreibung der Erzeuger der zu erbeutenden Nahrungsmittel. Die Apacheria unter amerikanischer Herrschaft Der Konf likt zwischen den Apache und der USA entstand als unausweichliche Folge des 1854 ratifizierten Gadsen-Vertrags. Jahrzehntelang blieb Mexiko das bevorzugte Ziel der Beutezüge der White Mountain. aus dem man Pfeilspitzen zurechtschneiden konnte. politisch autonomer Leute so wie sie selbst. Ferner darf man nicht vergessen. ihnen zu folgen. Gewehre. in anderen Fällen lockte man die Soldaten in einen Hinterhalt. auch die mexikanischen und amerikanischen Siedler seien Gruppen unabhängiger. dass die lokalen Anführer ihre Stellung lediglich auf Grund ihrer Fähigkeiten und der Bereitschaft ihrer Anhänger innehatten. in das Apacheland. Sie stahlen Pferde. bei denen die Krieger und ihre tödlichen Pfeile aus dem Nichts zu kommen schienen. und wenn ihnen die Verfolger keinen anderen Ausweg offen ließen. besonders im Bereich des Tals.und das San Pedro-Tal. Ein Soldat beschrieb die Wirksamkeit dieser Methode wie folgt: „Eine Anzahl von Attacken erfolgte gleichzeitig an weit voneinander entfernten Orten. Als Folge dieser politischen und gesellschaftlichen Ordnung nahmen die Apache an. Sie waren geübte Bergsteiger. Sättel. Um 1830 war der Weg zwischen Santa Fé und Chihuahua. Kleidungsstücke. da sich die spanischen Truppen in einer hoffnungslosen Verfolgung eines Gegners wiederfanden. auf eine Gruppe von „Querechos“ (Jicarilla) trafen. die Apache zu befrieden und sie von den Missionen und Militärstützpunkten (Presidios) aus zu kontrollieren. schwärmten die Angreifer in verschiedene Richtungen aus. zerstreuten sich die Angreifer in alle Richtungen. Rinder. wobei vier Vaquero-Krieger getötet wurden. um durch Handel oder Geschenke Pferde. In der zweiten Hälfte des 18. töteten sie ihre Pferde und stiegen in den steilen Felswänden hoch. die Schutz boten.

Cochise nahm im Gegenzug einige Weiße als Geiseln. um die Lage wirklich unter Kontrolle bringen zu können. und innerhalb eines Jahres war die Vorherrschaft der Konföderierten Armee gebrochen. verstärkte der Zustrom von Glücksrittern die Spannungen nur noch mehr. James Camille Samson) Vor dem Auf kommen von Baumwollkleidung waren kurze Lederhemden mit langen Fransen t ypisch für die Männertracht der Apache. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. das mexikanische Grenzland vor Überfällen der Apache zu schützen. dass dieser davonlief. Cochise und die Chiricahua seien für das Kidnapping von Wards Sohn und den Diebstahl seiner Rinder verantwortlich. Carleton errichtete Fort Bowie. Abteilungen und Distrikten auch nicht gerade zur Effizienz bei: New Mexico unterstand als Distrikt der Abteilung von Missouri. Jicarilla Apache. Truppen der Südstaaten-Armee – wir befinden uns mitten im amerikanischen Bürgerkrieg – besetzten darauf hin im Juni 1861 die Forts in Texas westlich des Pecos River und drangen bis nach New Mexico vor. In den verbleibenden 1860er Jahren misslangen diverse Versuche der Befriedung der Apacheria aus unterschiedlichen Gründen. Im Oktober 1860 verprügelte ein betrunkener Mann namens Ward seinen Sohn derart. Einerseits war die Truppenstärke zu gering. verhaftete Bascom im Februar 1861 mehrere Krieger an der Station der Butterfield Postkutschenlinie am Apache Pass. Darauf hin ließ Bascom die Chiricahua-Krieger. und ritt nach Santa Fe. Um die Ordnung wiederherzustellen. Als man bei Pinos Altos im Herzen des Landes der östlichen Chiricahua Gold fand. hängen. Sein größter Erfolg war die verräterische Gefangennahme und Ermordung von Mangas Coloradas im Januar 1863. während Arizona in vier Distrikte aufgeteilt war. Die wichtigste Schlacht gegen die Apache fand am 15. 166 CHRISTER LINDBERG . Jahrhundert eine Lebensweise als berittene Bisonjäger teilten. Die kalifornischen Freiwilligen rüsteten mit Ende 1864 ab und wurden erst drei Jahre später durch reguläre Truppen ersetzt. der amerikanischen Armee. an deren Entstehung sie selbst entscheidenden Anteil hatten. die der Abteilung von Kalifornien unterstanden. löste eine Strafexpedition unter Leitung von Leutnant George Bascom aus. um 1870. mit denen sie noch im 18. Mittlerweile waren viele der Armeeposten wegen der beständigen Bedrohung durch Apachekrieger aufgegeben worden. schickte die Regierung eine Brigade kalifornischer Freiwilliger unter Brigadegeneral James H. die Apache hätten seinen Sohn entführt. Die Behauptung des Vaters. Die östlichen Apache folgten dabei den Vorbildern der Plains-Stämme. Carletons Truppe am Apache Pass in einen Hinterhalt zu locken. Andererseits waren die Offiziere und Mannschaften weder durch ihre Ausbildung an der Militärakademie von West Point noch durch die Erfahrungen des Bürgerkriegs auf den Guerillakrieg der Apache in diesem schwierigen und unvertrauten Gelände ausreichend vorbereitet. Die so genannte Bascom-Affäre war Auslöser für eine Orgie von Gewalt. Schließlich trug die verwirrende bürokratische Struktur der Armee mit ihren Divisionen. um den Pass zu verteidigen. allesamt Verwandte von Cochise.Lederhemd. als die vereinten Krieger von Cochise und Mangas Coloradas vergeblich versuchten. die sich beinahe zu einem ausgewachsenen Krieg entwickelte. Pinos Altos wurde von den Siedlern verlassen und auch aus Santa Rita zogen die meisten Bewohner weg. Juli 1862 statt. die er nach mehreren Tagen ergebnisloser Verhandlungen tötete. Der Widerstand der Apache gegen die Unionstruppen war erheblich größer als jener der grau uniformierten Südstaatler. New Mexico. Carleton (1814–1873) in die Apacheria. Die Postkutschenlinie musste die Station am Apache Pass aufgeben. Unter der Beschuldigung. von wo aus er eine ausgedehnte Kampagne zur Ausrottung der Apache betrieb. in den Cochise und die Chiricahua zehn Jahre verstrickt waren.

um einen Freispruch zu fällen. einem Sohn der Sonne. Schilde waren sehr kostspielig und konnten nach dem Tod eines Kriegers vererbt werden. Die stärkste Hilfe für Krieger kam von "Monstertöter". einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Lopez und Chastine in der Nähe des Forts. um 1880. Im Oktober waren die meisten Apache wieder auf ihren Beutezügen unterwegs. gute Behandlung zugesagt worden war. scheiterte. Eine der verräterischesten Aktionen im Kampf um die Apacheria war das Camp Grant-Massaker vom 30. die mit übernatürlichen Kräften gefahrlos umgehen konnten. Eine Gruppe friedlicher Arivaipa Apache unter Eskiminzin (ca. Gewisse Fortschritte schien ein plötzlicher Umschwung von der Ausrottungspolitik zu einer friedlicheren Vorgangsweise zu bringen: 1869 wurde berichtet. die verschiedenen Mimbreño und Mescalero Apache-Gruppen nach dem Bürgerkrieg in Bosque Redondo zu sammeln.Schild. Leutnant Royal E. Sie wurden von einer Meute von 146 Bürgern von Tucson. Die Feindseligkeiten dauerten an und im Jahr 1866 waren alle Ranches südlich des Gila River verlassen. Es kam zwar zu einem Prozess gegen die Teilnehmer an dieser „Schlacht“. Tubac war zur Geisterstadt geworden und die Bevölkerung von Tucson zählte kaum noch 200 Personen. Mexikanern und Papago im Schlaf überfallen. Linden-Museum Stuttgart (Slg. „Chief Locs“ (Loco) habe Anfang Juni in Fort Craig gemeinsam mit 20 Kriegern um Frieden gebeten. APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 167 . Carletons Versuch. Whitman. der in der Urzeit die Erde von allerhand Ungeheuern befreit hatte. nachdem ihr vom kommandierenden Offizier. um überleben zu können. wobei mehr als 100 Apache (darunter nur acht Männer) getötet wurden. 1828–1895) lagerte bei Fort Grant. April 1871. Victorio. aber die Geschworenen brauchten weniger als 20 Minuten. Western Apache. Wegen des schmerzlich langsamen Fortschritts der Verhandlungen wurde die Chance vertan. Den Sommer über kampierten mehr als 250 Mimbreño unter Loco. Arizona. Rudolf Cronau) Die Herstellung von Schilden war die Aufgabe von Spezialisten. Anfang März war die Zahl der Apache auf beinahe 500 angestiegen.

General Crooks Lösung des „Apache-Problems“ Das Camp Grant-Massaker brachte weitere Unruhe in die Versuche der amerikanischen Regierung zur Lösung des „Apache-Problems“: Einerseits strebte man nach einem endgültigen militärischen Sieg und beorderte zu diesem Zweck im Juni 1871 einen der berühmtesten Indianerkämpfer in der Geschichte des amerikanischen Westens, General George Crook (1828–1890), an die Front, damit er das Oberkommando über die Truppen im Südwesten übernahm. Andererseits lancierte Präsident Ulysses S. Grant (1822–1885) eine Friedensoffensive. Der Kongress stellte 70.000 Dollar bereit, um die Apache auf Reservationen anzusiedeln und ihnen zu Frieden und Zivilisation zu verhelfen. Der Widerstand der Öffentlichkeit gegen Grants Pläne brachte das Projekt zum Scheitern, doch gelang General Oliver O. Howard (1830–1909) im Mai 1872 immerhin ein Friedensschluss mit Cochise, der durch die Vermittlung eines langjährigen Freunds von Cochise, Thomas J. Jeffords (1832–1914), zustande kam. Eine Reservation wurde in den Chiricahua Mountains errichtet, und als Jeffords sich bereit erklärte, dort als Agent zu dienen, war nach einem Jahrzehnt grausamer Kriegsführung Frieden eingetreten. Schon 1871 hatte Crook vier Militärposten im Apacheland errichtet: Fort Apache (White River), Camp Verde und Camp Grant in Arizona sowie einen vierten im Tularosa Valley im südwestlichen New Mexico. Tonto Apache-Gruppen unter Chunz, Cochinay, Chan-deisi und Delsahy streiften jedoch weiterhin frei durch das Tonto-Becken. Crook konnte seine Offensive gegen sie im Winter 1872 starten. Seine Strategie bestand darin, die Reservationsverweigerer mit Hilfe von Teilen des 1. und 5. Kavallerieregiments im Zentrum des Beckens zusammenzutreiben. Wie bereits erwähnt, brachte die lose gesellschaftliche und politische Ordnung der Apache sie in den Augen der Mexikaner und Amerikaner in den Ruf der Unzuverlässigkeit. Selbst unter den günstigsten Umständen konnte es zum Bruch von Friedensvereinbarungen kommen, da wenige Apache-Anführer über genügend Autorität verfügten, um einen angesehenen Krieger davon abzuhalten, einen Beutezug zu organisieren. Crooks Erfolg im Kampf gegen die Apache beruhte darauf, dass es ihm gelang, diesen Umstand zu seinen Gunsten zu nutzen. Die Einstellung von Apache als Scouts bei der Armee war bereits 1866 vom Kongress genehmigt worden, aber es war erst Crook, der sie zu einem zentralen und voll integrierten Teil seiner Feldzüge machte. Der „Graue Wolf“, wie ihn die Apache nannten,

hatte keine Probleme bei der Rekrutierung von Freiwilligen. Abgesehen von Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb einer Familie oder eines Klans gab es ja keine Verpf lichtungen und Loyalitäten zwischen Kriegern, die unterschiedlichen Lokalgruppen oder Bands angehörten. Viele begrüßten ihre Tätigkeit als Scouts, weil ihnen dadurch die Langeweile des Reservationslebens und die Erniedrigung eines Lebens als Farmer erspart blieb. Sie wurden jeweils für drei, sechs oder zwölf Monate angeheuert und erwiesen sich als treu; viele dienten mehrere Male. Crooks Adjutant, der gleichzeitig die Stelle eines Pionieroffiziers bekleidete, war John Gregory Bourke (1843–1896); er diente ihm 13 Jahre lang und nahm sowohl an den Feldzügen gegen die Apache als auch an denen auf den Plains teil. Bourke, der wohl zu Recht weniger als Soldat als vielmehr wegen seiner Verdienste als Militärhistoriker, Ethnologe und Folklorist bekannt geworden ist, entwickelte ein tief gehendes Interesse für die Lebensweise der Apache und erlernte auch ihre Sprache. Zu den bemerkenswertesten Ergebnissen seiner Tätigkeit zählen die beiden Bücher On the Border with Crook (1891) und The Medicine Men of the Apache (1892). Die Bibliothek der US Military Academy bewahrt Bourkes aufschlussreiches Tagebuch, das 124 Bände umfasst. Crooks Winterfeldzug war sehr erfolgreich. Seine Kommandanten wurden beauftragt, die Kapitulation aller Indianer anzunehmen, die zur Niederlassung auf Reservationen bereit waren, und alle zu töten, die auf einem Kampf bestanden. Im Dezember 1872 besiegten seine Soldaten einen großen Trupp von Tonto Apache in einem Bollwerk oberhalb des Salt River. Ein weiterer großer Sieg folgte am Turret Peak im März 1873. Hunderte von Tonto Apache strömten in die Agenturen und Armeelager, um sich zu ergeben. Die letzten verbliebenen Krieger wurden gejagt und ihre Führer in einem weiteren Feldzug im Frühjahr 1874 getötet. Offiziere und die Agenten auf den Reservationen ermutigten die Apache zum Bodenbau und zur Viehzucht. Crook war es gelungen, eine wenigstens zeitweilige Beruhigung im Südwesten zu erreichen, und sein Kampf richtete sich nun gegen die Zivilbeamten, denen daran gelegen war, die Kontrolle über die Reservationen zu erlangen. Crook genoss in Washington hohes Ansehen und eine Zeit lang gelang es ihm, das für Indianerangelegenheiten zuständige Bureau of Indian Affairs auszuschalten. Sobald er aber 1875 in die Plains versetzt wurde, bekamen die Agenten Oberwasser.

Gürteltasche. Östliche Apache, New Mexico, um 1890. Ethnologische Sammlung, Städtische Museen Freiburg i. Br. (Slg. Robert L. Stolper) Über dem Gürtel getragene Taschen aus einem gefalteten und seitlich vernähten Stück Leder, bei denen ein zentraler Schlitz den Zugriff auf zwei Fächer ermöglichte, finden sich weit verbreitet im östlichen Nordamerika und bei den Apache, wo sie in größerer Ausführung auch als Satteltaschen Verwendung fanden.

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CHRISTER LINDBERG

Ansicht eines Lagers der Western Apache, San Carlos River, Arizona. Foto: Ben Wittick, um 1885. Denver Public Library, Denver Lederstiefel, Baumwollkleidung mit einem Patronengurt als Gürtel und Stirnbänder aus gefalteten Tüchern, die die langen Haare aus dem Gesicht hielten, waren im 19. Jahrhundert die Standardkleidung der Männer. Hier posiert eine Gruppe vor den kuppelförmigen Wickiups eines Lagers mit den Ausrüstungsgegenständen für ein beliebtes Spiel, bei dem man versuchte, mit langen Speeren in einen mit einem Netz bespannten rollenden Reifen zu treffen.

Man begann sofort mit der Planung einer Umsiedlung aller Apache in Arizona in ein einziges, abgelegenes und schwer zugängliches Gebiet in den White Mountains, das später unter dem Namen San Carlos bekannt wurde. John P. Clum (1851–1931) wurde im August 1874 als Agent für die Apache in San Carlos eingesetzt. Er richtete umgehend eine aus Apache bestehende Polizeitruppe und ein Apache-Gericht ein, um für Disziplin und Ordnung zu sorgen. Im März 1875 wurden die Indianer der Camp Verde Reservation in der Nähe von Prescott nach San Carlos übersiedelt, und zwei Monate darauf geschah dasselbe mit etwa 1.800 weiteren Apache aus Camp Apache. Der nächste Schritt war der Transfer der Chiricahua nach San Carlos. Nach dem Tod von Cochise im Juni 1874 waren auf der Chiricahua Reservation zwei einander feindliche Fraktionen entstanden. Zwei Bedienstete einer Postkutschenstation wurden von einer Gruppe von Apache ermordet, die aus der Reservation ausgebrochen waren, um sich in die Berge zurückzuziehen. Aus Angst vor Vergeltung erklärten sich 300 Chiricahua bereit, nach San Carlos zu übersiedeln. Der Rest – vielleicht mehr als 400 – zog stattdessen unter der Führerschaft von Nolgee, Juh und Geronimo nach Mexico und in die Sierra Madre. Angesichts der wieder einsetzenden Beutezüge der Abtrünnigen verfiel das Land der Apache in seinen früheren Zustand der Angst. Ungeachtet der guten Absichten und der wirkungsvollen Verwaltung von Clum war die Lage in San Carlos alles andere als befriedigend.

Die natürliche Umgebung war armselig – ein Wüstenstreifen ohne Tiere und Pf lanzenwuchs, abgesehen von Kakteen, Klapperschlangen und Insekten. Eine Zusammenführung der unterschiedlichen Apache-Gruppen an einem Ort war von Anfang bis zum Ende ein Misserfolg. Zwar waren die Beziehungen zwischen den Gruppen manchmal durchaus freundlich, doch wurden sie regelmäßig durch die Ausbrüche aus der Reservation gestört, für die man unweigerlich auch die verantwortlich machte, die so friedlich wie möglich auf der Reservation zurückgeblieben waren. Es war eine bittere Zeit mit vielen internen Auseinandersetzungen. Die Politik der Zusammenlegung der Apache in San Carlos führte noch zu einer weiteren größeren Umsiedlungsaktion. Im April 1877 wurde Clum beauftragt, die Überführung der Warm Springs Apache von Ojo Caliente nach San Carlos durchzuführen. Da er erfahren hatte, dass Geronimo und seine Anhänger immer wieder heimlich diese Reservation aufsuchten, um zu rasten und sich für ihre nächsten Beutezüge in Mexiko zu versorgen, gelang es Clum mit seiner Polizeitruppe, Geronimo am 20. April in Ojo Caliente zu überraschen und dingfest zu machen. Mit Geronimo und rund 450 Apache, die er zusammengetrieben hatte, marschierte Clum nach San Carlos. Sein Erfolg wurde ihm durch die Mitteilung vergällt, dass das Innenministerium der Unterstellung der Reservation unter militärische Oberhoheit zugestimmt hatte. Verbittert reichte Clum im Juli 1877 seinen Rücktritt ein. Rückblickend konnte er wenigstens mit der „ersten und einzigen Gefangennahme Geronimos“ prahlen.

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Victorio Ein dauerhafter Friede war nicht in Sicht. Einige Mimbreño unter Victorio und einige Chiricahua unter Pionsenay stahlen sich innerhalb von zwei Monaten von der Reservation. Der erste Ausbruch Victorios war nicht von langer Dauer. Verfolgt von Soldaten und Apache-Scouts musste er sich innerhalb weniger Wochen in Fort Wingate ergeben. Zu seiner großen Erleichterung durften die Apache aber nach Ojo Caliente zurückkehren. Aber die Konzentrationspolitik setzte die Verantwortlichen unter Druck, und als Gerüchte über eine neuerliche Umsiedlung Ojo Caliente erreichten, f loh Victorio abermals in die Berge. Um eine friedliche Lösung zu erzielen, bot man den Mimbreño an, sich auf der Mescalero Reservation bei Tularosa anzusiedeln. Victorio lehnte diesen Vorschlag zuerst ab, kam aber nach einiger Bedenkzeit im Juni 1879 freiwillig nach Tularosa. Wieder ging jedoch etwas schief. Neuerliche Gerüchte besagten, er solle wegen eines Mordes im benachbarten Silver Cit y unter Anklage gestellt werden. Am 6. September 1879 f loh Victorio mit 150 Mimbreño-, Mescalero- und Chiricahua-Kriegern aus der Mescalero Reservation. Diesmal gelang der Ausbruch. Im Januar 1880 tauchte Victorios Schar wieder in New Mexico auf und geriet in eine schwere, aber unentschieden endende Konfrontation mit der Armee südlich von Hillsboro im heutigen Lake Valley, westlich des Rio Grande. Die Schlacht tobte fünf Stunden lang und fünf Soldaten wurden getötet, bevor sich die Apache davonmachten. Nach zwei weiteren Gefechten zogen sich die Apache in die Wüste bei Three Rivers und weiter in die San Andreas Mountains tief in ihre Bergfestung in der Black Range zurück. Während der nächsten Monate plünderte Victorio beiderseits der Grenze. Kleine Chiricahua- und Mescalero-Trupps stießen laufend zu ihm, und bald waren mehr als 350 Männer, Frauen und Kinder in seinem Lager. Aber er kam nicht zur Ruhe. Mexikanische Truppen hefteten sich an seine Fersen, und wann immer er die Grenze überquerte, wartete das 9. USKavallerieregiment auf ihn. Besonders beunruhigte Victorio, dass die amerikanischen Truppen begannen, ihn auch über die Grenze hinweg zu verfolgen, obwohl die Regierung deshalb mit internationalen Verwicklungen rechnen musste. Oberst Eugene A. Carr (1830–1910) konnte sogar gemeinsam mit Oberst Joaquin Terrazas (1829–1901) von der mexikanischen Armee eine Säuberungsaktion in den Candelaria Mountains durchführen, die Victorio dazu nötigte, sich tiefer nach Mexiko zurückzuziehen. Ein letzter Sieg gelang ihm Mitte September, als ein ihn verfolgender Truppenteil unter Hauptmann Byron Dawson in den Canyons der Black Range in einen Hinterhalt geriet. Acht Soldaten kamen dabei ums Leben und etliche Pferde, Maultiere und Verpf legung fielen den Apache in die Hände. Die mexikanische Armee erzielte ihren größten Sieg, als Terrazas Victorio und seine Anhänger tief in Chihuahua in einer Schlucht der Tres Castillos-Berge stellte. Der Kampf dauerte die ganze Nacht, und am Morgen des 15. Oktober 1880 fand man 78 tote Apache, unter ihnen Victorio. Sowohl die Mexikaner als auch die Amerikaner sollten dafür aber bitter bezahlen. In einem fast unglaublichen Rachefeldzug im folgenden Jahr verbreitete der alte Nana (der damals wenigstens 70 Jahre alt war, nach anderen Quellen sogar schon 80) Angst und Schrecken im südwestlichen New Mexico. Nach 1000 Meilen zu Pferd und zehn Schlachten mit der Armee setzte er sich schließlich mit Hunderten gestohlener Pferde und Maultiere nach Mexiko ab. Seinen Kriegspfad säumten wenigstens 50 tote Amerikaner und eine unbekannte Zahl von Mexikanern. Geronimo Ein bemerkenswerter Zwischenfall ereignete sich Ende August 1881 in Fort Apache, der White Mountain Reservation. Die Unruhe begann, als ein Medizinmann namens Noch-ay-del-klinne die Rückkehr

verstorbener Häuptlinge versprach, sollte die Vertreibung der Weißen gelingen. Derartige nativistische Bewegungen waren im Umfeld der Beziehungen zwischen der Urbevölkerung und den Eindringlingen nicht ungewöhnlich, und mehrere sollten auch noch bei den Apache folgen. In all diesen Bewegungen verspricht ein Prophet auf die eine oder andere Weise die Befreiung seiner Anhänger aus Gefangenschaft und Erniedrigung sowie die Wiederherstellung der goldenen Vergangenheit. Häufig werden im Rahmen dieser Lehren christliche Elemente in ein indigenes magisches Weltbild eingefügt. Bourke wiederum erlebte eine Apache-Version des Geistertanzes (cha-ja-la) unter den in Fort Marion in Florida exilierten Apache. Eine andere derartige Bewegung (daagodigha) sorgte von 1903 bis 1907 auf der White Mountain Reservation für Unruhe. Nach dieser Lehre würden die Gläubigen in den Himmel aufsteigen, um von jenseits der Wolken die Zerstörung der Erde und die Entstehung einer neuen Apacheria zu beobachten. Das Ungewöhnliche an Noch-ay-del-klinnes religiöser Botschaft war die Anrufung der Toten, da unter normalen Umständen die Apache panische Angst vor den Toten und ihren Geistern hatten. Ein anderer bemerkenswerter Aspekt dieser so genannten „Cibecue-Affäre“ bestand darin, dass die Apache-Scouts das Feuer auf die US-Truppen eröffneten und fünf Soldaten töteten, als Noch-ay-del-klinne verhaftet werden sollte. Es war dies das einzige Mal, dass die Scouts der Armee den Gehorsam verweigerten. Der Wunsch des korrupten Indianeragenten Joseph C. Tiffany, der Prophet möge „festgenommen oder getötet oder beides“ werden, ging in Erfüllung, als Noch-ay-del-klinne auf der Flucht erschossen wurde. „Im Sommer 1883 konnte man hören, dass die Offiziere wieder einmal unsere Anführer festzunehmen planten. Dieses Gerücht rief uns all das vergangene Unrecht ins Gedächtnis zurück – das Massaker am Apache Pass, das Schicksal von Mangas Coloradas und meine eigene ungerechtfertigte Einkerkerung, die leicht hätte zu meinem Tod führen können.“ Mit diesen Worten erklärte Geronimo (oder der Verfasser seiner Autobiografie, S. M. Barrett), warum er sich wieder auf den Kriegspfad begab. Er bezieht sich damit auf die Bascom-Affäre und die Ermordung von Mangas Coloradas zwanzig Jahre zuvor. In einem wichtigen Punkt stimmt jedoch die Chronologie nicht: Geronimos Ausbruch aus der Reservation ereignete sich bereits im September 1881. Die schon zuvor unerträgliche Situation in San Carlos hatte sich nach dem Abgang von Clum noch verschlimmert, und in der Folge der Cibecue-Affäre brachen 74 Chiricahua-Krieger unter Juh, Naiche (dem jüngsten Sohn von Cochise), Chato und Geronimo aus der Reservation aus. Im April 1882 kehrten sie nach San Carlos zurück – aber nicht, um sich zu ergeben, sondern um Häuptling Loco und 300 Mimbreño Apache mehr oder weniger dazu zu zwingen, sich ihnen anzuschließen. Der arme Loco hatte kein Glück: Bedroht von den Chiricahua und verfolgt von der amerikanischen Armee, geriet er in einen mexikanischen Hinterhalt und verlor mehr als 100 seiner Leute. Beunruhigt von dieser neuen Störung des Friedens entschieden sich die Politiker in Washington dazu, George Crook abermals zum Militärkommandanten des Südwestens zu machen. Der General handelte rasch und wandte seine alte Strategie an. Gemeinsam mit einer Handvoll fähiger Offiziere und einer großen Anzahl von Apache-Scouts veränderte er neuerlich die Voraussetzungen für Krieg und Frieden. Er entließ die korrupten Indianeragenten, die sich auf Kosten ihrer Schutzbefohlenen bereichert hatten, und versprach, die Missstände auf der Reservation zu beheben. Den abtrünnigen Gruppen wurden im Falle ihrer Kapitulation Frieden und gerechte Behandlung in Aussicht gestellt, während es für die weiterhin feindlich gesinnten Apache kein Pardon geben sollte. Nach einem Treffen mit den zivilen und militärischen Stellen in Sonora erhielt er grünes Licht zur Überquerung der Grenze, um die Apache aus ihren Bergfestungen in

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der Sierra Madre zu vertreiben. Am 1. Mai 1883 überschritt er gemeinsam mit einigen Offizieren und 193 Apache-Scouts unter Hauptmann Crawford die Grenze bei San Bernardino Springs. Obwohl er ihr gefährlichster Feind war, zollten die Apache Crook großen Respekt. Seine Versprechungen hatten sich immer erfüllt. Innerhalb von zwei Wochen hatte er mehrere Gruppen in der Sierra Madre – ihrem als unwegsam geltenden Rückzugsgebiet – gestellt und besiegt. Er war bereit, vergangene Missetaten zu amnestieren, wenn die Besiegten mit ihm nach San Carlos zurückkehrten. Am Ende des Monats führte er mehr als 300 Apache, unter ihnen Nana und Loco, nach Norden zurück. Geronimo und Naiche hatten nachzukommen versprochen, sobald sie ihre verstreuten Anhänger eingesammelt hätten. Es dauerte jedoch zwei Monate, bis Naiche in San Carlos auftauchte, und fast ein Jahr verging, bevor Geronimo aus Mexiko zurückkehrte. Abgesehen von ein paar kleineren Zwischenfällen hielt der Friede in San Carlos bis Mitte Mai 1885. Aus Angst vor einer Bestrafung durch Crook nach einem Trinkgelage mit selbst gebrautem Maisbier (tisvin) brachen 42 Krieger und 92 Frauen und Kinder unter der Führung von Geronimo, Naiche, Chihuahua und Mangas (dem Sohn von Mangas Coloradas) aus der Reservation aus und machten sich auf den Weg nach Mexiko. Leutnant Britton Davis und Leutnant Emmet Crawford verfolgten sie über die Grenze in die Sierra Madre, diesmal aber ohne großen Erfolg. Eine zweite Suchexpedition gelang ebenfalls nicht, und es dauerte bis Januar 1886, bis Crawford ein großes Apache-Lager entdecken konnte. Die Bewohner ergriffen die Flucht, verloren aber einige Pferde und Verpf legung. Nur wenige Tage darauf wurde Crawford getötet, als die Soldaten von einer mexikanischen Miliz angegriffen wurden, die sie für feindliche Indianer gehalten hatte. Ermüdet von der ständigen Flucht und wohl auch geschwächt durch den Verlust der Nahrungsmittel beim Angriff Crawfords erklärten sich Geronimo und die anderen Anführer zu Gesprächen über eine Kapitulation bereit. Ein Treffen mit Crook fand im Cañon de los Embudos statt, und nach tagelangen Verhandlungen ergaben sich die Chiricahua. Crook eilte nach Fort Bowie, um die gute Nachricht nach Washington zu übermitteln, musste aber erfahren, dass sich inzwischen Geronimo und Naiche mit 20 Kriegern und 16 Frauen und Kindern abermals abgesetzt hatten. Als er deshalb sowohl vom Präsidenten Grover Cleveland (1837–1908) als auch von der Militärführung herbe Kritik einstecken musste, bat Crook um Entbindung von seiner Aufgabe. Sein Nachfolger, Brigadegeneral Nelson A. Miles (1839–1925), verfolgte eine gänzlich andere Strategie. Er löste die aus Apache-Scouts bestehenden Einheiten auf und schickte 5.000 Mann regulärer Soldaten ins Feld, postierte Infanterie an strategisch wichtigen Plätzen und teilte die Apacheria in Observationszonen ein. Er organisierte darüber hinaus eine Expedition nach Mexiko, bei der Hauptmann Henr y W. Lawton (1843–1899) die Flüchtlinge jagen sollte. Aber Naiche und Geronimo schienen das massive Militäraufgebot einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen; sie legten eine Spur der Verwüstung durch das Santa Cruz Valley und schlichen sich problemlos wieder über die Grenze nach Mexiko zurück. Der von Miles geplante Feldzug war ein Fiasko, und als er erfuhr, dass Geronimo mit mexikanischen Stellen über einen Frieden verhandelte, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Crooks Friedensstrategie zurückzukehren. Zwei Apache-Scouts ermöglichten Leutnant Charles B. Gatewood einen Besuch in Geronimos Camp, um ihm die Bedingungen für eine friedliche Lösung zu unterbreiten. Zuerst wiesen die Apache das Angebot zurück, aber nachdem sie erfahren hatten, dass ihre Freunde und Familien bereits nach Florida geschickt worden waren, stimmte Geronimo einem Treffen mit General Miles im Skeleton Canyon zu.

Apache mit Apache-Geige, um 1885. Foto: A. Frank Randall. Denver Public Library, Denver Zu den wenigen „traditionellen“ Saiteninstrumenten des indigenen Nordamerika zählt die „Apache-Geige“ aus einem Yucca-Stengel mit Pferdehaarsaiten. Diese heterochorde Röhrenzither wurde wohl von den Spaniern aus den Philippinen nach Mexiko und in den amerikanischen Südwesten gebracht.

Weiterführende Literatur Spicer, Edward H. 1962 Cycles of Conquest: The Impact of Spain, Mexico, and the United States on the Indians of the Southwest. Tucson: Universit y of Arizona Press. Thrapp, Dan L. 1967 The Conquest of Apacheria. Norman: Universit y of Oklahoma Press.

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Die Apache heute
Western Apache in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Dieser Zuwachs ist ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Lebensumstände verändert haben. Die „Überfüllung“ der San Carlos Reservation, die zur Zeit der Apache-Kriege als wesentlicher Grund für die damals herrschenden Probleme genannt wurde, ist trotz der deutlich größeren Wohnbevölkerung nicht mehr spürbar, weil die Apache von der Ausbeutung des kargen Lands als Jäger und Sammlerinnen unabhängig sind. Dank zahlreicher Jobs in der Verwaltung, der Viehwirtschaft und im Dienstleistungssektor liegt die Arbeitslosigkeit zwar immer noch weit über dem nationalen Durchschnitt, ist aber nur etwa ein Drittel so hoch wie bei den Sioux. Im Vergleich dazu ist die Camp Verde Reservation mit kaum 3 km² Fläche ein Zwerg. Hier leben heute rund 1.500 Tonto Apache und Yumasprachige Yavapai, die sich im 19. Jahrhundert freiwillig zusammengeschlossen haben und seit 1934 auch eine politische Einheit bilden. Die Jicarilla Apache Reservation im Bergland des nördlichen New Mexico ist etwa halb so groß wie White Mountain und hat rund 4.000 Einwohner. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in der Stadt Dulce, dem Sitz der Stammesregierung. Obwohl die Reservation von der wirtschaftlichen Entwicklung der ganzen Region profitiert, befindet sich immer noch rund ein Viertel der Familien unterhalb der Armutsgrenze. Auf der Mescalero Reservation im südöstlichen New Mexico leben auf 1.940 km² über 3.000 Apache, die überwiegend Nachkommen der Mescalero sind, zu denen sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert auch Lipan, Chiricahua und Mimbreño gesellten. Alle Apache-Reservationen werden von gewählten Stammesräten regiert, die ähnliche Aufgaben wahrnehmen wie die Stadträte oder Bezirksverwaltungen anderer amerikanischer Gemeinden. Sie erhalten dabei Unterstützung vom Bureau of Indian Affairs, der zentralen Verwaltungsstelle für indianische Angelegenheiten in den USA, die sich immer mehr von einer Einrichtung der amerikanischen Zivilisierungspolitik zu einer Serviceorganisation im Dienst der staatlich anerkannten Stämme entwickelt hat. Die wirtschaftliche Grundlage für die Arbeit der Stammesregierungen bilden neben den staatlichen Zuwendungen in erster Linie die Einkünfte aus der Viehzucht und der Holzindustrie sowie die Erträge aus den Ölund Erdgasvorkommen auf den Reservationen. Der Beginn der Viehwirtschaft auf San Carlos reicht ins späte 19. Jahrhundert zurück, als einige Western Apache damit begannen, größere Herden von Rindern und Pferden zu halten. 1926 schlossen sich etwa 50 Herdenbesitzer zu einer Organisation zusammen, der ein Jahrzehnt danach bereits 400 Mitglieder mit einem Herdenbestand von 18.000 Rindern angehörten. In den 1950er Jahren war die Viehwirtschaft auf San Carlos so gut entwickelt, dass sie sich auf dem regionalen Markt behaupten konnte. Auf der White Mountain Reservation sind die hochwertigen Herden von Hereford-Rindern neben der Holzverarbeitung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, während bei den Jicarilla die Schafzucht und der Verkauf von Wolle von größerer Bedeutung sind. Auch wenn das meist bergige Reservationsland karg ist, bietet seine oft bizarre Schönheit doch Möglichkeiten für die Ent wicklung von

T-Shirt. Western Apache, San Carlos Reservation, Arizona, um 1975. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Christian Feest) Der Slogan „Red Power“ (selbst abgeleitet von der „Black Power“-Bewegung) zeugt vom wiedererwachten Selbstbewusstsein der indigenen Bevölkerungen Nordamerikas in den späten 1960er-Jahren. Die karikaturhafte Selbstdarstellung verleiht dem „Apache-Power“-T-Shirt eine zusätzliche ironische Note.

Nach acht Jahren in Florida und Alabama, wo etwa ein Viertel der Chiricahua dem ungewohnten Klima zum Opfer fiel, veranlasste man ihre Übersiedlung nach Fort Sill in Oklahoma. Die letzten kriegsgefangenen Apache wurden 1914 – 28 Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen – auf freien Fuß gesetzt. 187 machten von dem Angebot Gebrauch, sich auf der Mescalero Reservation in New Mexico anzusiedeln, während 84 in Fort Sill bleiben wollten und dort die unabhängige Gruppe der Fort Sill Apache bildeten. Heute gibt es in den USA sieben Reservationen, auf denen die Apache die Reste ihrer alten Souveränität ausüben: Neben Fort Sill und Anadarko in Oklahoma sind dies Camp Verde, White Mountain und San Carlos in Arizona sowie die Jicarilla- und Mescalero-Reservationen. San Carlos ist heute die größte Reservation, umschließt über 7.500 km² in den Bergen des östlich-zentralen Arizona und ist die Heimat von rund 10.000 Western Apache. Die nur wenig kleinere White Mountain Reservation besteht aus dem nördlichen Teil der San Carlos Reservation des 19. Jahrhunderts, dessen gegenwärtig etwa 15.000 Bewohner sich als eigener „Stamm“ organisiert haben. Insgesamt hat sich die Bevölkerung der

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Rotwild. Sie setzte sich erst in den 1920er Jahren durch. In den 1970er Jahren eröffneten die Mescalero eine Ferienanlage. darunter das Inn of the Mountain Gods bei Ruidoso. Heute gibt es mehrere prominente Skigebiete auf der Reservation. Wasservögel und anderes Kleinwild gehen. Museum für Völkerkunde Wien. In Arizona betreiben die White Mountain Apache das Sunrise Ski Resort.und Fischbestand. Foto: Marguerite Rymes. Im Jahr 1988 beschloss ein internationales Konsortium von Sternwarten (an dem sowohl die deutsche Max-Planck-Gesellschaft als auch die Sternwarte des Vatikan beteiligt ist). bildete die Schafzucht auch in der Folge die Grundlage eines bescheidenen Wohlstands. Jagd und Fischfang würden zwar nicht mehr zur Ernährung der Apache selbst ausreichen. Fotosammlung 1894 wurde auf der Jicarilla Reservation die Schafzucht eingeführt. in dem auf „2. in dem man Wildwassersport betreiben und auf Fußwanderungen alte Felsbilder entdecken kann. Tourismus. Tatsächlich ist die Landschaft mit ihren von Ponderosawäldern bedeckten Bergen. Die Jicarilla gründeten bereits 1957 ein eigenes Amt für Jagd. rauen Mesas mit Pinyonkiefern und Beifußsteppen ausgesprochen spektakulär. und das Skigebiet am Mount Baldy. Die Ausschöpfung der natürlichen Ressourcen macht sie zur Ware und gerät so in Konf likt mit der anhaltenden spirituellen Bedeutung für einen Teil der Bevölkerung. Diese höchste Erhebung der Pinaleño Mountains gilt einerseits als einzigartige ökologische Nische und ist andererseits als Wohnstätte der Berggeister. Jicarilla Apache. lassen sich aber als touristische Attraktionen vermarkten. Heute können Besucher gegen gutes Geld Forellen fangen und auf die Jagd nach Schwarzbären. die APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 173 . die durch eine kommerzielle Nutzung durch Fremde nach Ansicht der Traditionalisten entweiht werden. weil die örtlichen Verhältnisse wegen der geringen Lichtverschmutzung eine hohe Bildschärfe garantieren. um 1930–1940. New Mexico.920 km² besten Berglands die Großwildbestände ausschließlich für die Trophäenjagd gepf legt werden“. Den Wissenschaftlern schien der Berg besonders geeignet. auf der man sich im Sommer beim Golf spielen und im Winter auf Schipisten erholen kann. Berglöwen.Pause nach dem Verladen von Schafen auf die Eisenbahn.und Fischereiangelegenheiten und erkämpften sich 1982 die alleinige Verfügungsgewalt über den Wild. Die Tourismusabteilung des Stammes vermarktet auch den tiefen Salt River Canyon als „Mini-Grand Canyon“. da sich das verfügbare Land nicht für den Ackerbau eignete. Die Werbung preist die Jicarilla Reservation als „Paradies für Jäger“ an. darunter „die wahrscheinlich besten Truthähne im ganzen Südwesten“. da gerade die Berge vielfach als heilige Orte gelten. Obwohl 70 Prozent des Tierbestands dem kalten Winter des Jahres 1932 zum Opfer fielen. Aber auch andere Reservationen sind in das Tourismusgeschäft eingestiegen. Besonderes öffentliches Aufsehen erregte seit den späten 1980er Jahren die Kontroverse um den Mount Graham im Coronado Nationalpark. als man Teile der Stammesherde in das Privateigentum einzelner Züchter übertrug. als Ort übernatürlicher Erfahrung und als Weg der Gebete in den Himmel den Bewohnern der San Carlos Reservation heilig. Allerdings wird diese Entwicklung nicht von allen Stammesangehörigen begrüßt. auf dem Mount Graham ein astronomisches Zentrum mit mehreren Riesenteleskopen zu errichten.

Das in relativer Nähe zu den Städten Phoenix und Flagstaff gelegene Yavapai-Apache Cliff Casino verfügt zwar über einen gewissen Standortvorteil.Mumma Valdez bei der Zubereitung von tiswin. dass auch die abgelegeneren Einrichtungen wie das Apache Gold Casino auf der San Carlos Reservation und das Hon-Dah Casino Resort der White Mountain Apache gute Geschäfte machen. Die Anpassung an die Lebensverhältnisse der Moderne und die damit verbundene Übernahme vieler westlicher Ideen war für die Apache gerade vor dem Hintergrund ihrer historischen Erfahrungen keine leichte Aufgabe. doch ist die Spielsucht der weißen Amerikaner offenbar so groß. 174 CHRISTER LINDBERG . dessen Herstellung sie offenbar in Mexiko kennengelernt hatten und das im 19. Der indianische Kasinoboom. konnte die Bierherstellung niemals ganz unterbunden werden. 1881 wurde die Albuquerque Indian School für die Erziehung der Mescalero. der in den 1980er Jahren seinen Ausgang im Osten der Vereinigten Staaten nahm. Arizona. Die Zielsetzungen und Erziehungsmethoden der Regierung und der Kirchen. Nach Entfernung der festen Rückstände mittels eines Siebs wird die Flüssigkeit der Fermentation überlassen. zum Keimen gebracht. Gegen die Baupläne richteten sich medienwirksame Proteste einer Koalition aus Apache und Umweltschützern. New Mexico. Grunde einzigartig im Hinblick auf die astronomischen Qualitäten. Christian Feest) Bei der Herstellung von tiswin werden Maiskörner in Wasser eingelegt. Foto: Marguerite Rymes. Obwohl der Alkoholgenuss auf den Reservationen verboten war. Die Bedingungen seien „im Biersieb. Höhenlage den Einsatz von Infrarottechnologie ermöglicht und eine asphaltierte Zufahrt bereits vorhanden war. auf einem Reibstein grobkörnig gemahlen und anschließend in Wasser eingerührt und gekocht. Jicarilla Apache. um 1931–1933. getrocknet. Fotosammlung Tiswin ist ein von den Apache selbst gebrautes Bier. San Carlos Reservation. erreichte im folgenden Jahrzehnt auch die Apacheria. wenigstens auf dem Gebiet der kontinentalen USA“. um 1980. Jahrhundert einen festen Bestandteil der Nahrung darstellte. Western Apache. die den Bau der Sternwarte zwar verzögern. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. nicht aber verhindern konnten. Museum für Völkerkunde Wien. aber auch der öffentlichen Schulen haben sich im Lauf der Zeit immer wieder verändert. Mit wenigen Ausnahmen bezweckten die Ausbildungsprogramme die Assimilation der Indianer in die weiße Gesellschaft und standen daher notgedrungen im Konf likt mit den kulturellen Wertevorstellungen der Apache. aber auch der Pueblovölker New Mexicos errichtet. drei Jahre danach folgte ein Internat auf der Mescalero Reservation.

In dieser Rekapitulation der Schöpfungsgeschichte stellt das Mädchen die mythische Kulturheroin Changing Woman dar und wird von ihren magischen und heilenden Kräften erfüllt. die Chancen des neuen Wirtschaftssystems zu nutzen. obwohl einige Frauen auch außerhalb festlicher Anlässe noch die seit dem späten 19. Alkohol. weil sie bei einem Todesfall leicht verbrannt werden können. Das Reservationsleben hat zu einem deutlichen Rückgang der traditionellen zeremoniellen Aktivitäten geführt. Weiterführende Literatur Tiller. denen es durch individuelle Anstrengung gelang. Wickiups. Ähnliches gilt für die Wohnverhältnisse: Wohnbauprogramme der Stämme haben zur Errichtung moderner Häuser geführt. Albuquerque: Bow Arrow Publishers. Obwohl das Leben auf den Reservationen heute deutlich angenehmer ist als zum Zeitpunkt ihrer erzwungenen Einrichtung. 1950–1970. Neben dem traditionellen Ritual gibt es dann auch andere Tänze und ein Rodeo. New Mexico. Veronica E. sind Armut und Arbeitslosigkeit doch bis heute unübersehbare Fakten im Reservationsalltag. Musée Royal de l’Afrique Centrale. stehen trotz des Fehlens der Annehmlichkeiten der westlichen Wohnkultur bei traditionell gesinnten Apache auch deswegen noch hoch im Kurs. APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES 175 . damit sich die Seele des Verstorbenen auf dem Weg ins Jenseits von seinem irdischen Heim trennen kann (und dabei als Totengeist die Lebenden nicht zu gefährden imstande ist). die ohne großen Aufwand errichtet und am Ende der warmen Jahreszeit wieder abgebaut werden können. aber auch bei Heilungszeremonien maskierte Tänzer auf. und nicht jede Familie kann die dafür notwendigen Tausenden von Dollar aufbringen. Christian Feest) Bis heute treten bei den Pubertätsfeiern der Apache-Mädchen.Zwei gaan-Masken. gilt als Vorbedingung für ein langes und gesundes Leben. Jahrhundert traditionelle Tracht tragen. Auf der Mescalero Reservation wird die Mädchenpubertätszeremonie in der ersten Juliwoche abgehalten. welche die Medizinmänner in Visionen die segensbringenden Rituale gelehrt haben. Während dieser Tage rund um den amerikanischen Nationalfeiertag errichten viele Apache (und Besucher von anderen Stämmen) ihre Zelte an den Hängen rund um den Festplatz und erinnern sich wenigstens für kurze Zeit an die Lebensweise ihrer Vorfahren. ca. Ihre Vorbreitung ist kostspielig – auch weil die zahlreich geladenen Gäste verpf legt werden müssen –. Velarde 2000 The Jicarilla Apache: A History. im Wickiup oder im Wohnwagen zu leben. an deren Ende von maskierten Tänzern verkörperte Berggeister (gaan) die junge Frau mit gelben Pollen segnen. deren Masken die in den Bergen lebenden gaan verkörpern. Die Abhängigkeit des Bildungswesens von staatlichen Zuschüssen und technischer Unterstützung stellte für die Stammesregierungen immer ein Problem bei der Entwicklung alternativer Erziehungsmodelle dar. Mescalero Apache. Emile Deletaille) und Museum für Völkerkunde Wien (Slg. aber manche Familien ziehen es weiter vor. Weiterhin praktiziert wird vor allem die auch als „Sunrise Dance“ bezeichnete Erstmenstruationsfeier für junge Frauen (Na-ih-es). Die Zeremonie.und Drogenmissbrauch sind auf allen Reservationen ein offensichtliches Problem. Die meisten Apache kleiden sich im westlichen Stil. Tervuren (Slg. Zu wirklichem Wohlstand kamen wohl immer nur einzelne Personen. Revised edition.

Die Katsina-Figur ist im modernen Bewegungsstil geschnitzt („action doll“). Hopi. um die Ritualclowns vor den Folgen ihres liederlichen Treibens zu warnen. Ekkehart Malotki) Eule ist ein Verkünder von Unheil und Tod. . Arizona. um 1975. Städtische Museen Freiburg i. Bei den Katsina-Tänzen des Frühsommers erscheint der Eulen-Katsina.Mongwu („Große gehörnte Eule“). (Slg. Br. Ethnologische Sammlung.

sei es die soziale und politische Ordnung. Gott des Feuers und des Todes und Hüter der Oberen Welt. Streit. koyaanisqatsi. Lebendige Traditionen zeichnen sich gerade dadurch aus. Dieser ältere weiße Bruder. Manchmal. den älteren schickte er mit seiner Gruppe nach Osten Richtung Sonnenaufgang. wie ein Klan esoterisches Wissen erwarb. um mit anderen zu konkurrieren oder ihnen zu schaden. Die wenigen noch verbliebenen religiösen Oberhäupter mit „gutem Herzen“ berieten sich. Im Inneren eines gigantischen. beschlossen sie. um dort Häuser aus Stein und Lehm zu bauen und Mais zu pf lanzen. Damit entschied er sich für den „Hopi-Weg“ (hopivötskwani). hinabzuschauen. das aber von langer Dauer sein würde. und es kam zu Hungersnöten und Krankheiten. Viele der über den amerikanischen Südwesten verstreuten Ruinen der prähistorischen Pueblo-Kultur werden von den Hopi als die „Fußspuren“ ihrer Vorfahren bezeichnet. Aus Sicht der Hopi begründen die Wanderungen Herkunft und Identität ihrer verschiedenen Klane. Der Navajo war gierig und nahm gleich den größten Kolben an sich. den Boden zu bestellen. weil die Menschen voller hochf liegender Pläne waren. Jedes Dorf und jeder Klan der Hopi tradiert seine eigene Version der mythischen Erzählungen. Es war Màasawu. ein bescheidenes. zum Land und zu allen Wesen und Kräften des Universums. mit hinaufschlüpfen könne. fruchtbare Land vertrocknete. die sie erst hinter sich lassen müssten. wie sie und ihre Leute dem Elend entgehen könnten. Während sich Egoismus. sind aber keineswegs unveränderlich. also der t ypischen Verwandtschaftsgruppen. Pahaana. Ein wichtiger Aspekt der Wanderungslegenden sind die Schilderungen. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Das einst blühende. um die Obere Welt zu erkunden. wie und warum die Dinge so geworden sind. Die einzelnen Klan-Traditionen benennen die Wanderrouten und Siedlungsplätze und erzählen davon. Nach seiner Rückkehr berichtete der gefiederte Kundschafter über ein Land in völliger Dunkelheit. dass der Tod nur den Übergang in ein anderes gutes Leben bedeutet. lehnte er ab. dass sie historischen Wandel „mitmachen“ und reflektieren. Dann ritzte er seine Lehren in zwei Steintafeln und gab sie den Leuten mit auf den Weg. wussten die Menschen. dass das Böse mit hinaufgekommen war. mit magischen Kräften gepf lanzten Schilfrohres gelang den Menschen der Aufstieg. arbeitsreiches Dasein. Am Rande eines von Feuern erleuchteten Maisfeldes hatte er einen gut aussehenden Mann angetroffen. Immer mehr Hexer trieben ihr böses Spiel. um sinnstiftend zu bleiben. Die Mythen begründen das Verhältnis der Menschen untereinander. das Schicksal seines jüngeren Bruders genau zu beobachten und zu Hilfe zu kommen. Den jüngeren von zwei Brüdern machte er zum Anführer der Hopi. aus denen sich die Dorfgemeinschaft zusammensetzt. die für das Chaos in der Unteren Welt verantwortlich waren. Promiskuität und Vergnügungssucht unter den Menschen verbreiteten. blieben die Regenwolken fern. Mond und Sonne zu erschaffen. Für den Hopi. die ihm die Durchführung einer heiligen Zeremonie für Regen. so berichten die Überlieferungen. weil es zu Streitigkeiten gekommen war oder weil die Menschen wieder so zu leben begannen wie in der Unteren Welt. sofern sie bereit seien. Die Menschen erkannten. wie sie heute sind.KATSINAM HANS-ULRICH SANNER Die Ursprünge und das Land der Hopi Religion ist bei den Hopi in Arizona mit praktisch allen Lebensbereichen eng verwoben. Die verantwortliche Hexe wurde ausfindig gemacht und sollte zurück nach unten gestoßen werden. um Gericht zu halten. Die verdorbene Welt sollte durch eine Flut vernichtet werden. gab ihnen das Feuer und lehrte sie. falls das Leben der Hopi wieder so zu verderben drohte wie in der Unteren Welt. Er kündigte an. Als die Hopi Màasawu baten. Als sie vom Himmel über sich Fußtritte vernahmen. und sogar religiöse Oberhäupter missbrauchten ihre spirituellen Kräfte. In Gruppen strömten die Menschen in alle Richtungen aus. Sie f lehte jedoch um Gnade und forderte den Anführer auf. einen Vogel auszusenden. Màasawu half den Menschen. eines Tages zurückzukehren. zu wählen. damit keiner der Bösen. Ihre Mythologie erzählt von den Ursprüngen des Kosmos und seiner Bewohner und erklärt. Das kulturelle Selbstverständnis der Hopi beruht auf den mündlichen Überlieferungen. Die Untere Welt war aus den Fugen geraten. Màasawu willigte ein. soll hier am Beispiel der HOPI: KATSINAM 177 . und häufig bestätigt die archäologische Forschung die Überlieferungen der Klane. um die Weisung Màasawus zu befolgen. die vom Aufstieg der Menschen in diese Welt und den anschließenden Wanderungen ihrer Klane erzählen. In kleinen Gruppen sollten sie je vier Wanderungen in die vier Himmelsrichtungen unternehmen. der bis zum Schluss wartete. Die Hexe durfte bleiben. da sah er dort unten sein Kind fröhlich beim Spiel mit anderen Kindern. Er legte Maiskolben in den Farben der sechs Richtungen (einschließlich „oben“ und „unten“) auf den Boden und forderte die Leute auf. wurde angewiesen. durch ein Loch in der Himmelsdecke aufzusteigen. Durch die Wahl eines Kolbens konstituierten sich die verschiedenen Völker mit ihren eigenen Sprachen. ihr Oberhaupt in diesem Land zu werden. Als aber kurze Zeit später das Kind eines Anführers starb. Fruchtbarkeit oder Krankenheilung ermöglichen. blieb nur ein kurzer (blauer) Maiskolben übrig. Wie die Klane schließlich von ihren Wanderungen zurückkehrten. Erst dem vierten Vogel gelang es. Immer häufiger verließen die Menschen den guten Lebensweg und vernachlässigten ihre häuslichen und zeremoniellen Pf lichten. bevor sie in Màasawus Land zurückkehren konnten. wie der Klan zu seinem Namen kam und in welchem Verhältnis er zu anderen Klanen steht. also die besonderen Kräfte und Objekte. um sich zu Dorfgemeinschaften zusammenzuschließen. seine bescheidene Lebensart als Maispf lanzer anzunehmen. wie die Hopi ein solches Leben in Chaos und moralischem Verfall nennen. die Wirtschaft oder die Kunst. Der folgende Abriss ist nicht mehr als eine Synthese einiger zentraler Themen. wurde eine Siedlung wieder aufgegeben oder sogar bewusst zerstört. der sein Gesicht jedoch rasch unter einer blutverschmierten Maske versteckt hatte. und dass die andere Welt dort unten nun die Heimat der Toten war. dass die Menschen nach oben kommen könnten. An geeigneten Plätzen ließen sich die Menschen für eine Weile nieder. Dann wurde rasch die Öffnung verschlossen.

die sich unterwegs in Schlachten gegen Feinde bewährt hatten oder ausgezeichnete Späher waren. Der Bärenklan. Sie sind der Ort. dass die Hopi als sesshafte Bodenbauer in dieser fast nur mit Hartgräsern und niedrigem Strauchwerk bewachsenen Halbwüste dauerhaft überleben konnten. indem sie zum einen für ausreichend Regen und Fruchtbarkeit und zum anderen für die notwendige harmonische Zusammenarbeit zwischen den Klanen sorgten. sich niederlassen zu dürfen. versickert und fruchtbaren Schlamm ablagert. wo das gewaltige Hochplateau Black Mesa an seinem Südrand in zahlreiche fingerförmige Ausläufer übergeht. wo das Wasser fächerförmig über f laches Gelände strömt.oder Adlerklan. Die Zeremonien dienten dazu. Kulturhistorisk Museum. Das Klima ist kontinental. und gab ihnen fruchtbares Land zum Anlegen der Felder. Bei der Schneeschmelze und nach kräftigen Niederschlägen sammeln sich die Wassermassen auf dem felsigen Terrain und f ließen in Sturzbächen (arroyos) und schließlich den großen washes talwärts. Die drei Hopi-Mesas sind steil aufragende. mit heißen trockenen Sommern. der auch die Zisternen auf den Mesas auffüllen soll. ihr Oberhaupt zu werden. Oraibi auf der Dritten Mesa ist die ehemals größte und wichtigste Siedlung der Hopi. wo sie ihre Häuser bauen konnten. sich ansiedeln zu dürfen. Nach und nach trafen die anderen Klane ein und baten den Anführer des Bärenklans. musste jeder ankommende Klan in einer Art Prüfung zeigen. An den Mündungen dieser Bachbetten. und zwar vor allem bei der Schneeschmelze im Spätwinter und nach heftigen Gewittergüssen im Juli und August. Màasawu gab sich den Leuten zu erkennen. das Dorf zu bewachen und gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Foto: Ole Solberg. Um das Wasser optimal zu verteilen Überlieferung von Oraibi gezeigt werden. Deshalb können die Hopi ihre Felder nicht künstlich bewässern. teilte ihnen einen Ort zu. wie der Schlangen. dass alles Land ringsum bis zum Horizont zu ihrem Nutzen da sei. Awatovi).oder der Spinnenklan erwarben das Recht. kehrte als Erster zurück in die Gegend von Oraibi. die wir aus der historischen Zeit kennen. Universitetet i Oslo Im trockenen Land der Hopi sind die wenigen Quellen am Fuß der Mesas von zentraler Bedeutung für die Wasserversorgung der Dörfer. kalten Wintern und einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von nur 250 mm pro Jahr. wie es die kulturell eng mit ihnen verwandten Pueblo-Völker am Rio Grande praktizieren. der sich nach einem toten Bären am Wegesrand benannt hatte. 1903–1904. indem sie mit machtvollen Zeremonien für Regen sorgten. Nach diesem Muster wuchsen Oraibi und die anderen Hopi-Dörfer zu den Gemeinden heran. 178 HANS-ULRICH SANNER . Arizona. Gruppen wie der Dachs. Die washes verwandeln sich immer nur für kurze Zeit in Fließgewässer. Um in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden. In ihrer Gesamtheit wurden die Klanzeremonien zu dem großen Zeremonialzyklus. M. das Überleben der Gemeinschaft zu sichern.Die Hopi-Mesas im Nordosten von Arizona Die Karte zeigt die heute existierenden Hopi-Dörfer sowie zwei wichtige prähistorische Siedlungsstätten (Sikyatki. in der um Regen gebetet wird. legen die Hopi seit jeher ihre Felder an. das ihnen vom kikmongwi zur Bewirtschaftung zugewiesen wurde. Stattdessen haben sie effiziente Methoden des Trockenfeldbaus entwickelt. Die Reihenfolge ihrer Ankunft und die Macht ihrer Zeremonien bestimmten das Ansehen der Frauen beim Wasserholen und -transport an der Flötenquelle (Leenangwva). oben abgef lachte Tafelberge. wie er zum Gemeinwohl beitragen konnte. dass der Ort seit mindestens 1150 n. wie sie für die hochgelegenen Trockengebiete des Südwestens t ypisch sind (mesa = spanisch „Tisch“). Eine Kooperation zwischen den eigensinnigen Klanen war die Voraussetzung dafür. Oraibi. der sich von Jahr zu Jahr wiederholte. Andere Gruppen. Als Oberhaupt des wichtigsten Klans wurde er zum sakralen Dorf häuptling (kikmongwi). Chr. Außerdem bestimmte er. und in diesen Schwemmebenen liegen auch die wichtigsten Anbauf lächen. liegen die Dörfer und Felder der Hopi auf einer durchschnittlichen Höhe von 1800 Meter ü. Da. die das Black Mesa-Massiv nach Süden hin entwässern. wurden unter der Bedingung aufgenommen. Erneut lehnte er die Bitte ab. Klane in der sozialen Hierarchie und die Qualität des Landes. d. an dem im August die Flötenzeremonie abgehalten wird. In den breiten Tälern dazwischen verlaufen größere Bachbetten oder washes. Archäologische Untersuchungen belegen. permanent bewohnt wird. denn die Menschen waren immer noch voller Schwächen und Ambitionen.

führte die politische Spaltung von Oraibi zur Abwanderung eines Großteils der Bewohner und Gründung neuer Siedlungen auf der Dritten Mesa. versicherten sich die Hopi zusätzlich des Beistands ihrer Götter und Ahnengeister. Trockenperioden überstehen können und in relativ kurzer Zeit von der Keimung zur Reife gelangen. Dass die Hopi in dieser Trockenregion feste Dorfanlagen mit mehrstöckigen Terrassenhäusern und einer Bevölkerung von jeweils mehreren Hundert Einwohnern erbauen konnten. Universitetet i Oslo Oraibi war seit jeher die größte und politisch mächtigste Siedlung der Hopi. Beim Sanddünenfeldbau pf lanzen die Hopi-Bauern direkt in Hangdünen am Mesarand. An den Hängen der aus Sandsteinschichten bestehenden Mesas treten zahlreiche kleine Quellen zutage. Kürbis und andere Gemüse anbauten. die einen ausreichenden Trinkwasservorrat lieferten. Derby: Selbstverlag. Weiterführende Literatur Bradfield. Der mehrmalige tägliche Gang zur Quelle und Transport des Wassers in Tonkrügen hinauf ins Dorf gehörte zu den mühsamsten und zeitaufwendigsten Arbeiten der traditionellen Kultur. in denen sie Zwiebeln. zumindest in Jahren mit normalem Niederschlag. Um wider all diese Unwägbarkeiten ein dauerhaftes Auskommen in diesem Land haben zu können. dazu kamen Überfälle feindlicher Indianer und von den Weißen eingeschleppte Seuchen. Jahrhundert eine Bedrohung für die Dorfgemeinschaften. Dennoch wurde die erfolgreiche Ernte immer wieder durch Dürre. Sie entwickelten Feldbaumethoden.Ansicht von Oraibi in Richtung Nordwesten. werden kleine Dämme und Terrassen angelegt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte der Ort noch mehr als 1000 Einwohner. mit denen sie in einem großen Jahreszyklus von Zeremonien kommunizierten. 1903–1904. die eine optimale Ausnutzung des geringen Niederschlags ermöglichten. Frost. Viele dieser Quellen wurden von den Hopi eingefasst und einige f lossen so reichlich. American Tribal Religions 11. 1906. In der Aufstiegserzählung heißt es. Ekkehard und Michael Lomatuway’ma 1987 Maasaw: Profile of a Hopi God. verdanken sie ebenfalls einer Besonderheit der lokalen Geologie. Lincoln: Universit y of Nebraska Press. Chili. nach denen sich keine Hopi-Frau von heute zurücksehnen wird. um dort dem Ideal eines einfachen Lebens in Demut folgen zu können und ihrem Schöpfer nahe zu sein. HOPI: KATSINAM 179 . und züchteten Sorten von Mais. Hungersnöte waren bis ins späte 19. Richard Maitland 1995 An Interpretation of Hopi Culture. dass sich die Hopi nach ihrer Flucht aus der verdorbenen Unteren Welt dieses karge Land bewusst als Heimat wählten. Kulturhistorisk Museum. und die Pf lanzen vor plötzlicher Überschwemmung zu schützen. Foto: Ole Solberg. Kürbissen und Melonen. dass die Hopi-Frauen damit kleine Terrassengärten bewässern konnten. Zwei Jahre später. Überf lutung und Schädlinge gefährdet. die tiefe Wurzeln treiben. Malotki. Bohnen. die eine darunter liegende feuchte Lehmschicht vor Austrocknung schützen.

Der Kreislauf des Lebens und der Zeremonien
In der Weltsicht der Hopi umschließt „Unser Vater Sonne“ – eine männliche Gottheit – mit seinem Lauf räumlich und zeitlich ein zweigeteiltes, komplementäres Universum: die Obere Welt der Lebenden und die Untere Welt der Totengeister. Der Lebensweg des Menschen entspricht in gewisser Weise sowohl dem Kreislauf der Sonne als auch dem Wachstums- und Reifeprozess der wichtigsten Nahrungspflanze Mais. „Die Menschen sind Mais“, heißt es. Der agrarische Zyklus von Werden, Vergehen und Wiedererstehen wird begleitet, gefördert und symbolisch repräsentiert im großen Jahreskreislauf von Zeremonien. Vom Moment der Geburt an bis zu seinem Tod gehört ein Hopi zum Klan seiner Mutter. Deshalb nennen Ethnologen die heute etwa drei Dutzend aus jeweils mehreren Haushalten bestehenden Hopi-Klane matrilinear. Das Prinzip der Matrilinearität verschafft den Hopi-Frauen eine starke gesellschaftliche Stellung. Sie besitzen nicht nur das Haus, sondern auch das Klanland und die Feldfrüchte, die ihre (immer einem anderen Klan zugehörigen) Ehemänner darauf erwirtschaften. Während sie zeitlebens im mütterlichen Klanhaushalt verbleiben können, wird vom Hopi-Mann erwartet, dass er nach der Hochzeit das Haus seiner Mutter verlässt und zur Familie seiner Frau zieht (Matrilokalität). Am zwanzigsten Tag nach der Geburt eines Kindes sind es allerdings die Frauen aus dem Klan des Vaters, die ins Haus kommen, um dem Baby in einer kleinen Zeremonie Namen zu geben. Die Großmutter und die „Tanten“, also die (Klan-)Schwestern des Vaters, waschen dem Kind rituell die Haare und segnen es mit Maismehl und einem als „Maismutter“ bezeichneten makellosen Kolben. Dann verleihen sie ihm verschiedene Namen, die sich auf Eigenschaften des Klanahnen beziehen. Um ein einfaches Beispiel zu nennen: Honwaynum, „Umherwandernder Bär“, wäre ein passender Name aus dem Bärenklan. Bevor ein festliches Frühstück mit Lammeintopf (nöqkwivi) und süßem Maispudding (pik’ami) die Zeremonie beschließt, bringen Großmutter und Mutter das Kind nach draußen zum Rand der Mesa. Dort präsentieren sie es dem Vater Sonne, wenn er am östlichen Horizont erscheint, streuen heiliges Maismehl und beten leise für das Wohl des Kindes auf Erden. Das menschliche Leben befindet sich in symbolischer Beziehung zum Lauf der Sonne. Der Osten steht als Richtung des Sonnenaufgangs für Geburt und neues Leben, ein Verstorbener hingegen reist nach Westen. Die Sonnenbahn umschließt täglich die beiden komplementären Welten der Lebenden (oben) und der Ahnen bzw. Toten (unten). Wenn die Sonne in der einen Welt aufgeht, geht sie gleichzeitig in der anderen Welt unter. Wenn oben Sommer ist, ist unten Winter, und umgekehrt. Wenn ein Mensch stirbt, wird er in der Unteren Welt neu geboren. Zu den Bestattungsriten gehörte es früher, das Gesicht eines Verstorbenen mit einer dünnen Maske aus weißer Baumwolle zu bedecken. Die Seele (hikwsi, „Odem“) eines Verstorbenen ist leicht und reist in Form einer weißen Wolke durch den Erdnabel sípàapuni, der sich am Grunde des Grand Canyon befindet, hinunter in die andere Welt. Dort wird sie zum Ahnengeist, zum Katsina. Die Katsinam beantworten die Gebete und Bitten der Menschen in der Oberen Welt, indem sie als Regenwolken dorthin zurückkehren, um die Feldfrüchte zu wässern. Ausgeschlossen von diesem fortwährenden Kreislauf sind Hexen und andere böse Menschen, auf die im Jenseits ein beschwerliches Dasein wartet. Wie sich Leben und Tod im agrarischen Weltbild der Hopi gegenseitig bedingen, wird deutlich, wenn man die Metamorphosen ihrer wichtigsten Nahrungspf lanze betrachtet: Die Menschen ernähren sich vom Mais, sie „sind Mais“. Der Mais aber gedeiht und reift nur dank des Regens, der nichts anderes ist als die spirituelle Essenz der Ahnen/Toten. Ein Leichnam, den die Seele verlassen hat, wird mit dem gleichen Wort bezeichnet wie der abgeerntete Stiel einer Maispf lanze. Der Fortbestand allen Lebens und des kosmischen Kreislaufes beruht auf einem harmonischen Verhältnis zwischen beiden Welten. In der Weltsicht der Hopi und der anderen Pueblo-Völker ist der Mensch allein verantwortlich für den Zustand der Welt. Das Persönlichkeitsideal verlangt vom Individuum, „ein gutes Herz“ zu haben und sich hopi zu verhalten. Alles Negative, seien es Krankheiten, Dürreperioden, Missernten oder Unfälle, wird auf individuelle oder kollektive Missachtung der ethischen Verhaltensnormen zurückgeführt. Hopi bedeutet, gesittet, zivilisiert, freundlich, friedlich, rechtschaffen zu sein, kurz: dem Hopi-Weg zu folgen. Hopi als ethische Kategorie umfasst alles, was gut, richtig und positiv ist. Das Gegenteil davon ist qahopi („Un-Hopi“), also schlechtes und falsches Benehmen und Denken. Der Navajo, der beim Verteilen der verschiedenen Maiskolben in der erwähnten mythischen Episode gierig als Erster zulangt, ist qahopi, was den historischen Status der Navajo als Erzfeinde der Hopi ref lektiert. Der Hopi-Mann dagegen, der abwartet, bis alle anderen gewählt haben, demonstriert damit hopi-Eigenschaften. Das Wissen darum, mit der persönlichen Haltung und Lebensführung mitverantwortlich für das Wohl oder Wehe aller zu sein, ist keine geringe Bürde für das Individuum. Die harmonische Balance aller Wesen und Kräfte des Kosmos, die allein den Fortbestand des Lebens garantiert, wird nicht nur von menschlicher Schwäche, sondern auch von böser Absicht permanent bedroht. Hexen sind nach Auffassung der Hopi Menschen, die mit ihrem Zauber der Gemeinschaft bewusst schaden. Was das Phänomen der Hexerei, oder besser der Hexereibeschuldigungen, so gravierend macht, ist die Vorstellung, dass Hexer ihr eigenes Leben verlängern, indem sie den Tod anderer Menschen, bevorzugt aus der eigenen Familie, hervorrufen! Vor dem Hintergrund dieser Ethik kommt den Zeremonien des Jahreskreislaufs eine zweifache Bedeutung zu. Zum einen dienen die erforderliche Zusammenarbeit zwischen Klanen und religiösen Geheimbünden sowie der rituelle Tausch von Gaben und Dienstleistungen zwischen Verwandten der Harmonisierung der sozialen Beziehungen. Zum anderen ist die korrekte Durchführung der Zeremonien Voraussetzung für Balance und Gegenseitigkeit zwischen Menschenwelt und dem Reich der Götter und Ahnen. Traditionell führen die Hopi-Dörfer den Zeremonialzyklus unabhängig voneinander durch. Die Abfolge ist eng an den Bodenbauzyklus angelehnt und unterstützt die Phasen des Wachstums der Nahrungspf lanzen, vor allem des Mais, von der Keimung bis zur Reife. Entsprechend der Zweiteilung der

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Der Zeremonialkalender der Hopi. Nach Horst Antes (Hg.), Katsinam. Figuren der Pueblo-Indianer Nordamerikas aus der Studiensammlung Horst Antes. Lübeck 2000 Die genaue Terminisierung der Zeremonien erfolgte üblicherweise durch Beobachtung des Sonnenaufgangspunkts in Relation zu Landmarken der Horizontlinie oder auf der Grundlage des Mondkalenders.

Welt ist der jährliche Kreislauf der Zeremonien ebenfalls in zwei etwa gleich lange Phasen unterteilt. Die Zeit zwischen Winter- und Sommersonnenwende wird auch als „Katsina-Saison“ bezeichnet, weil dann die Katsinam als Besucher aus der anderen Welt in den Dörfern anwesend sind. In der Zeit zwischen August und Dezember, wenn sich die Katsinam in ihrer „wahren Heimat“, dem Jenseits, auf halten, finden die Zeremonien der anderen religiösen Bünde statt. Alle großen Zeremonien folgen einem festen Ablauf und erstrecken sich über eine acht-, zum Teil auch sechzehntägige Periode ritueller Aktivitäten. Der genaue Beginn wird vorab durch den Stand der aufgehenden

Sonne am Horizont oder durch Mondphasen festgelegt und angekündigt. Von da an treffen sich die Bundpriester regelmäßig in ihrer Kiva. Kivas sind geräumige, halbunterirdische Zeremonialbauten aus gemauertem Stein, die bereits in den prähistorischen Vorläuferkulturen der Pueblo-Völker eine wichtige Rolle spielten. Der Ein- und Ausstieg erfolgt über eine Leiter, die aus einer Luke im f lachen Dach ragt. Auf dem Boden jeder Kiva befindet sich neben der Feuerstelle ein kleines Loch, das den mythischen Erdnabel sípàapuni darstellt. Die Kiva ist der Raum, in dem die Mitglieder des ausrichtenden Geheimbundes beten und rituell rauchen, wo sie den heiligen Bundaltar

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Korbteller mit Darstellung der Palhikwmana (?). Hopi, Second Mesa, Arizona, um 1910. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Laurent Deleglise) Palhikwmana („Flüssigkeit trinkendes Mädchen“) ist im Rahmen der Wiederholungstänze im März die Hauptfigur eines Tanzes, der als Gebet für Regen und gute Ernte gilt. Als Palhikwmana werden auch die Frauen des Maraw-Bundes bezeichnet, die im Rahmen ihrer Bundzeremonien im September einen Tanz ohne Masken aufführten. Wulsthalbgef lochtene Körbe werden auf der Zweiten Mesa hergestellt..

Paar Tanzstäbe. Hopi, Orabi, Arizona, um 1900. Kulturhistorisk Museum, Universitetet i Oslo (Slg. Ole Solberg) Die t ypische Bemalung zeigt Regenwolken, makellose Maiskolben und eine Darstellung des Gottes der Keimkraft (Muy’ingwa). Die mit Maisähren und Gebetsfedern dekorierten Tanzstäbe werden von den Maraw-Tänzerinnen an dem schmalen Griff gehalten.

aufbauen sowie Medizinwasser und Gebetsstäbe (paaho) als Opfer für die Götter herstellen. Sorgfältige absichtsvolle Planung, die Konzentration der Gedanken und das Sammeln positiver Kräfte mit gutem Herzen sind die Voraussetzungen für das Erreichen des gewünschten Ziels, gutes Wachstum und lebensspendenden Regen zu bewirken. Die Mythologie berichtet, wie einzelne Klane Zeremonien von ihren Wanderungen mitbrachten. Diese Klane besitzen und tradieren das esoterische Bundwissen, sie stellen den obersten Bundpriester und hüten die Klanheiligtümer im Haushalt der ältesten Frau. Ansonsten rekrutiert sich die Mitgliedschaft eines Geheimbundes aus Personen verschiedener Klanzugehörigkeit, die im Anschluss an eine rituelle Lehrzeit feierlich und lebenslang in den Bund initiiert werden. Die heterogene Zusammensetzung der Geheimbünde trägt ebenfalls zum dauerhaften Zusammenhalt der Klane in der Dorfgemeinschaft bei. Den

Abschluss jeder großen Zeremonie bildet am letzten Tag ein öffentlicher Tanz. Er findet unter den Augen der Gemeinde und zahlreicher Besucher auf dem zentralen Dorfplatz statt. Diese Plaza bildet den architektonischen Mittelpunkt eines Hopi-Dorfes und für die Zeit der Feier auch den Mittelpunkt des Kosmos. Der folgende Abriss des Hopi-Zeremonialzyklus am Beispiel von Oraibi steht in der Vergangenheit, weil einige der wichtigsten Bundzeremonien im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgegeben worden sind – aus Gründen, die im letzten Abschnitt angesprochen werden. Das Jahr begann im Monat Kyelmuyaw (November) mit der Wuwtsim-Zeremonie. Das Wuwtsim wurde von den vier großen Männerbünden der Hopi gemeinschaftlich veranstaltet und war die komplizierteste und geheimste Zeremonie des Jahreskreises. Sie umfasste die Dramatisierung des Aufstiegs aus der unteren Welt, das für Bauernvölker t ypische „Entzünden des Neufeuers“ und den Kontakt mit den Toten und Màasawu. Alle paar Jahre wurden beim Wuwtsim auch die Burschen des Dorfes in einen der Männerbünde initiiert. Die Initiation, die ähnlich der oben erwähnten Zeremonie für Neugeborene mit ritueller Haarwäsche und Namensgebung einherging, verlieh einem jungen Mann den Status des erwachsenen Hopi und war die Gewähr, dass er nach seinem Tode direkt in die andere Welt wechseln konnte. Im Dezember, dem „Mond der Ehrfurcht“, ruhte das wirtschaftliche Leben und die Familien versammelten sich abends in den Häusern, um den Geschichtenerzählern zuzuhören. Gegen Ende des Monats begingen die wichtigsten Bundpriester unter der Leitung des Bärenklanführers die große Wintersonnenwendfeier, Soyalangwu. Die Zeremonie bekräftigte den beim Wuwtsim angelegten Lebensplan für das kommende Jahr, beschwor Gesundheit und Fruchtbarkeit und segnete die Häuser, das Vieh, die Pf lanzen, Menschen und alle Dinge. Das Soyalangwu in Oraibi sah auch die

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„Beim Schlangentanz [...] Der Beginn des Tanzes, 21. August 1897“. Walpi, Arizona. Foto: Ben Wittick. Library of Congress, Washington, DC Den Abschluss der Zeremonien des Schlangenbunds bildet ein öffentlicher Tanz, bei dem die Tänzer mit lebenden Klapperschlangen im Mund tanzen. Der spektakuläre Auftritt lockte zahlreiche Touristen an, deren mangelnde Sensibilität für für den religiösen Charakter des Tanzes zu einem allgemeinen Fotografierverbot führte.

Rückkehr der ersten Katsinam aus der anderen Welt. Von da ab bis zu ihrem „Heimkehrtanz“ im Sommer erschienen die mannigfaltigen, von maskierten und kostümierten Männern dargestellten Katsinam bei zahlreichen Gelegenheiten, um Aussaat und Wachstum des Mais zu begleiten und die Menschen mit ihren Tänzen und Liedern zu unterhalten (siehe nächstes Kapitel). Die „geselligen Tänze“, die im Januar und im August stattfanden, hatten nicht den religiösen Charakter der Bundzeremonien, sondern betonten in fröhlicher Atmosphäre verwandtschaftliche Beziehungen, wie die zwischen Vaterschwester („Tante“) und Brudersohn. Dazu gehörten der winterliche Bisontanz und sein kalendarisches Gegenstück, der Schmetterlingstanz. Im August, wenn auf den Plazas die farbenprächtigen Schmetterlingstänze gefeiert wurden und auf den Feldern der erste Zuckermais geerntet und geröstet wurde, fand auch – im jährlichen Wechsel – entweder die Flötenzeremonie oder die Zeremonie der Schlangen- und Antilopenbünde statt. Beide Veranstaltungen hatten deutliche Bezüge zur Sonne und zu anderen Himmelsgottheiten, und beide dienten der Beschaffung von Regen für die Feld- und Gartenfrüchte in der entscheidenden Reifephase. Wenn Mitte September die letzten Sommergewitter abgeklungen waren, begann die Haupternte von Mais, Bohnen, Kürbissen und Pfirsichen. Der Herbst war auch die Zeit für die Zeremonien der drei Frauenbünde Maraw, Lalkont und O’waqölt, die ein besonderes Verhältnis zu weiblicher Fruchtbarkeit, dem Maiswachstum und zur Vegetationsgottheit Muy’ingwa hatten. Diese Beziehung findet ihren visuellen Ausdruck in der Bemalung der Tanzbretter, mit denen die Frauen des Maraw-Bundes bei ihrem abschließenden Tanz agierten. Die Frauen der beiden anderen Bünde beendeten ihre Zeremonie mit einem „Korbtanz“, bei dem sie aufwendig gef lochtene Korbschalen trugen. Die uralte Tradition der Korbf lechterei, in der die innige Beziehung der Hopi-Frauen zur Erdmutter und zu ihrer Pf lanzenwelt ästhetisch-praktischen Ausdruck findet, war in Oraibi

an die Initiation in die Frauenbünde gebunden. Im Gegensatz zum HopiMann erlangte eine Frau ihren Status als Erwachsene allerdings nicht durch die Initiation, sondern durch die aufwendige Hochzeitszeremonie. Von besonderer religiös-symbolischer Bedeutung war dabei das Hochzeitsgewand, das wie alle Textilien der Hopi von den Männern in der Kiva gewebt wurde, in diesem Fall von den männlichen Verwandten des Bräutigams. Die größere von zwei weißen Baumwollroben, die zum Hochzeitsgewand gehören, wurde zeitlebens aufbewahrt, weil sie als Transportmittel ins Reich der Toten galt. Wenn sich die neu verheirateten Frauen des Dorfes beim Nimantikive, dem letzten Tanz der Katsinam vor ihrer Rückkehr in die andere Welt, noch einmal in ihren Hochzeitsroben präsentierten, erinnerten sie daran, dass sie einst nach dem Tod die gleiche Reise antreten würden. Weiterführende Literatur
Antes, Horst 2000 (Hg.) Katsinam. Figuren der Pueblo-Indianer Nordamerikas aus der Studiensammlung Horst Antes. [Katalogtext: Hans-Ulrich Sanner.] Lübeck: Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck. Hartmann, Horst 1978 Kachina-Figuren der Hopi-Indianer. Veröffentlichungen des Museums für Völkerkunde Berlin, N. F. 36. Berlin. Malotki, Ekkehart und Herschel Talashoma 1989 Hopitutuwutsi. Hopi-Märchen. Eine zweisprachige Sammlung von HopiErzählungen. Augsburg: Pinus Verlag. Talayesva, Don C. 1964 Sonnenhäuptling Sitzende Rispe. Ein Indianer erzählt sein Leben. Kassel. Erich Röth-Verlag. Titiev, Mischa 1992 Old Oraibi. A Study of the Hopi Indians of Third Mesa. [1944] Albuquerque: Universit y of New Mexico Press.

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Die Katsinam
Auf die Frage nach der Herkunft der Bezeichnung Katsina gibt es ebenso wenig eine definitive Antwort wie auf diejenige nach Ursprung und Alter des damit verbundenen religiösen Konzeptes. Aus Sicht der Hopi-Überlieferungen stiegen die Katsinam mit den Menschen aus der Unteren Welt auf und lebten zunächst friedlich mit ihnen zusammen. Sie sorgten zuverlässig für Regen und gute Ernten. Irgendwann beschlossen sie jedoch, die Menschen zu verlassen (wofür unterschiedliche Gründe angeführt werden, darunter mangelnder Respekt seitens der Menschen). Bevor sie fortgingen, zeigten sie den Hopi, wie diese fortan selbst die Katsinam darstellen könnten, um die Regen bringenden Geistwesen aus der anderen Welt anzulocken. Durch das Anlegen der heiligen Maske, so heißt es, wird ein Mann für die Dauer der Zeremonie zu dem Katsina, den er verkörpert. Während eine gängige archäologische Theorie die Entstehung der Katsina-Religion auf Einf lüsse mesoamerikanischer Hochkulturen zurück führt, gehen neuere Forschungen von einer unabhängigen regionalen Entwicklung aus, deren Beginn auf das späte 13. Jahrhundert datiert wird. Egal wo seine historischen Ursprünge auch liegen mögen: die Aufführung des Katsina-Zyklus bringt, wie es der Ethnologe Mischa Titiev formulierte, mehr Wärme und Farbe ins Leben der Hopi als irgendein anderer Aspekt ihrer Kultur. In Oraibi erschienen die ersten Katsinam bereits bei der Wintersonnenwendfeier Soyalangwu. Die beiden Mastopkatsinam liefen durchs Dorf und vollführten an den Hopi-Frauen einen mimetischen Akt der Begattung, der auch komische Aspekte hatte. Der würdevolle Soyàlkatsina nahm die symbolische Öffnung der Kivas für die neue Saison vor. Er gehört zum Bärenklan und ist einer jener Katsina-Oberhäupter (Mongkatsinam), die im Katsina-Pantheon den Bundoberhäuptern und Klanältesten der Hopi entsprechen und häufig von diesen selbst verkörpert werden. Ihre besonders heiligen Masken befinden sich in Klanbesitz und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Auf der Ersten und Zweiten Mesa spielt der Mongkatsina Ahöla die zentrale Rolle bei der rituellen Öffnung der Kivas. Er ist der Ahne des Katsina-Klans. Der kalte Monat Paamuya (Januar) ist eine Zeit großer zeremonieller Aktivität. Auf dem gefrorenen Boden der Plaza finden Bisontänze statt, und in den Kivas fertigen Bundpriester Gebetsstäbe für die Bewohner der Unteren Welt an, die jetzt ihre Sommerzeremonien feiern. Die Dörfer der Ersten und Dritten Mesa halten in den eiskalten, oft sternklaren Januarnächten auch schon die ersten Katsina-Tänze ab. Nach einer mehrtägigen Vorbereitungs- und Übungszeit ziehen verschiedene Tanzgruppen vom Abend bis weit nach Mitternacht von Kiva zu Kiva und unterhalten die dort Versammelten – vom Kleinkind bis zum Greis – mit ihren Aufführungen. Wenn die Katsinam zum Klang ihrer Beinrasseln und -glöckchen und mit ihren fremdartigen Rufen von oben die Leiter herabkommen und die gut beheizte Kiva betreten, wirken sie in der Tat wie Wesen aus einer anderen Welt. Ein älterer Priester vom Powamuy-Bund, der „Katsina-Vater“, ist in der Kiva anwesend, um jede Tanzgruppe zu begrüßen und mit Maismehl zu segnen. Wenn sich die Katsinam formiert haben und zum Rhythmus ihrer Kürbisrasseln und den aufmunternden Rufen des Katsina-Vaters

Angwusnasomtaqa (Krähenmutterkatsina). Hopi, Shipaulovi, Arizona, um 1900. Kulturhistorisk Museum, Universitetet i Oslo (Slg. Ole Solberg) Gekleidet in der Hochzeitstracht der Hopi-Frauen erscheint Angwusnasomtaqa am letzten Tag der Powamuy-Zeremonie und verteilt Bohnen- und Maissprossen an die Frauen, Kinder und Priester des Powamuy-Bunds.

Ihren populärsten Ausdruck findet die Hopi-Religion heute im Katsina-Glauben. Katsinam („Kachinas“ in der anglisierten Schreibweise) sind unsichtbare gutartige Geistwesen, die in den San Francisco Mountains südwestlich der Hopi-Mesas und an heiligen Quellen zu Hause sind. Man kann sie auch als „spirituelle Essenz“ der Erscheinungsformen und Kräfte des Kosmos auffassen, von Göttern, Menschen, Tieren, Pflanzen, Himmelskörpern, Wetterphänomenen und sogar Nachbarvölkern der Hopi. Auch die Seelen der Verstorbenen werden zum Katsina und kommen fortan in der Form von Wolken aus der anderen Welt zu Besuch. Bei den Zeremonien und Tänzen des Katsina-Halbjahres nehmen die Katsinam vielfältige Gestalt an, repräsentiert von den männlichen Mitgliedern der beiden KatsinaBünde. Katsina-Figuren schließlich sind kleine, aus Pappelholz geschnitzte und bemalte Abbilder, die als rituelles Geschenk eine wichtige Rolle spielen.

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HANS-ULRICH SANNER

Schmerzhafter als deren Yucca-Ruten ist für die Jungen und Mädchen die Enttäuschung darüber. Der Februar-Neumond kündigt die größte und komplexeste Zeremonie der Katsina-Saison an. die noch nicht in die Katsina-Religion initiiert sind. vom Tabakrauch der betenden Männer erfüllten Kivas keimen in dieser Zeit in Töpfen und Eimern Bohnensprossen. Eine kleine Zahl von ausgewählten Kindern wird in den Powamuy-Bund eingeweiht. Für die Buben gibt es kleine bemalte Bogen (awta). dass hinter den mysteriösen. Die Mädchen erhalten kleine Katsina-Figuren (tihu. Rasseln und hölzerne „Blitzstäbe“. Die Kinder sind heute meist zwischen zehn und vierzehn. den die Hopi-Bauern für ihre Böden brauchen. während die Katsinam in den Kivas der Zweiten Mesa nun erstmals in großem Stil auftreten. die mit Messern und Sägen an die Türen der Häuser schlagen. deren künstlich forciertes Wachstum ein wichtiges Omen für die kommende Pf lanzperiode ist. bezweckt die Reinigung und Erneuerung des Lebens. Eines Nachmittags tauchen die So’yoko-Katsinam im Dorf auf. den gefährlichen Appetit der Ungeheuer mit selbst gemahlenem Zuckermaismehl und selbst gefangenen Mäusen zu befriedigen. Am frühen Morgen des neunten Powamuy-Tages werden den Initianden – wie einst nach der Geburt – rituell die Haare gewaschen und sie erhalten einen neuen Namen. andere. Dazu gehört Sipikne. die vom Powamuy.und Katsina-Bund gemeinschaftlich ausgerichtet wird. Pl. um sie aufzufressen. lebenslange Verwandtschaftsbeziehungen ein. ein Wächter-Katsina mit schnellem. um 1880. Der Großteil der Kinder wird in den Katsina-Bund aufgenommen. Auch sie werden bei der dramatischen Initiation in das alte Wissen um die Katsinam und das Geheimnis ihrer Verkörperung eingeführt. attraktivem Tanzstil. die ihre Väter in den Tagen zuvor heimlich geschnitzt und bemalt haben. Die pädagogische Seite der Katsina-Religion kommt in einem weiteren Ritual des Powamuya zum Tragen. Mit Unterstützung Si’ohemiskatsina. „sollen eine angenehme Atmosphäre für alle Lebensformen schaffen. Sie gehen von Haus zu Haus und bringen den Kindern. doch erhalten sie dabei im Gegensatz zu den Powamuy-Initianden Hiebe von den beiden furchterregenden Hu’katsinam. ex-Slg. ihr Wachstum ermuntern und den für ihr gutes Gedeihen not wendigen Regen bringen“. dann ziehen sie weiter zur nächsten Kiva.und fruchtbarkeitsspendende Aufgabe. dass die Familie für einen da ist. Powamuya. wenn sie von einem Zeremonialpaten auf die Initiation vorbereitet werden. sind aber vor allem ein Segensgebet für deren gesundes Heranwachsen und zukünftige Fruchtbarkeit und Produktivität. brüllende und stampfende Monster. Arizona. Nach dem Ende des Powamuya beginnt auf der Dritten Mesa eine weitere Serie von Nachttänzen (angktiwa. In Bündeln werden die saftigen Sprossen am letzten Tag der Zeremonie von der würdevollen „Krähenmutter“ Angwusnasomtaqa und anderen Katsinam an die Dorfbewohner verschenkt. wie die Kolibri. „Si'o“ auf die von den Zuni übernommene Variante.ihren volltönenden Gesang anstimmen. Thomas Keam) Mit ihren wolkengestaltigen Tablitas erinnern die Hemiskatsinam bei der Heimkehr der übernatürlichen Wesen am Ende der Tanzsaison an ihre regen. Nach dem Ende ihres Liedes schenken sie Kindern und Erwachsenen gekochten Zuckermais. einem benachbarten Pueblo-Volk in New Mexico. Durch diese Patenschaft geht das Kind neue. Onkel und älteren Brüder stecken. die von den Zuni stammen. Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. Die rituellen Gaben der Katsinam machen die Kinder unmittelbar glücklich. darunter Spaßmacher wie Kooyemsi und Ordnungshüter wie Hotooto und Tsu’katsina. Hopi. füllt sich der Raum spürbar mit vitaler Energie. HOPI: KATSINAM 185 . In den erhitzten. daher auch die Bezeichnung „Bohnentanz“. tithu). aber auch. Äpfel und Orangen. Auf der Ersten Mesa erscheinen Katsinam. Museum für Völkerkunde Berlin. der Name des Monats und der Zeremonie. Ein wichtiges Element des Powamuya ist die Initiation der Jungen und Mädchen in einen der beiden Bünde der Katsina-Religion. Von nun an sehen sie die Katsinam mit anderen Augen und sind „Geheimnisträger“ gegenüber den Jüngeren – ein erster Schritt zu religiöser Verantwortlichkeit. Sie wollen die unartigen kleinen Kinder mitnehmen. dessen männliche Mitglieder für die wichtigsten Priesterämter des Katsina-Zyklus prädestiniert sind. sind Gebete für den Schnee. ganz besondere Geschenke. kommen unzählige Katsinam aus den Kivas hervor und erfüllen das Dorf mit buntem Leben. Die Lektion der bangen Stunden und Tage ist. dass schlechtes Betragen fatale Konsequenzen zeitigt. Wenn die Powamuy-Priester mit den ernsten Mongkatsinam am frühen Morgen ihre Weiherituale begangen haben. Geschenke bringenden Wesen ihrer frühen Jahre die eigenen Väter. sowie schön gef lochtene Korbschalen. schreibt der Hopi-Autor Alph Secakuku (*1939). sind ein farbenfrohes Versprechen auf die Wärme des Sommers.und Zikaden-Katsinam. die in den Winternächten tanzen. ihrer Eltern gelingt es den verängstigten Mädchen und Jungen schließlich. „Hemis“ verweist auf das Keres-Pueblo Jemez als Ursprungsort der Figur. Einige der Katsinam. „Folgetänze“). „Die Nachttänze“.

Der Sponsor trägt nicht nur die Last der Vorbereitung. Bewegung. wenn der Katsina-Vater die Tänzer auf einem „Pfad“ aus Maismehl zur ersten Tanzrunde auf die Plaza geleitet. Hopi. erfüllen dann die Plaza mit einem einzigartigen Zusammenspiel von Farbe. wird meist aber für die Zeit des Frühjahrs und Frühsommers geplant. ernsten sozialen Problemen wie der Trinkerei Komik abgewinnen und die kleinen und großen Skandale des Alltags satirisch beleuchten. der als Trommler fungiert. Kulturhistorisk Museum. und wenn sie am Ende des Tages von unbarmherzigen Krieger-Katsinam drastisch für ihre Verfehlungen bestraft werden. In den Tanzpausen bewirten die Hopi-Familien ihre Gäste und tauschen Neuigkeiten mit Verwandten aus anderen Dörfern und von außerhalb der Reservation aus. kann es vorkommen. Form. Die als Darsteller ausgewählten Männer gehen abends in die Kiva des Sponsors. Etwas weiter links steht. traditionelle Maisgerichte wie piiki-Brot und gerösteter Zuckermais. Der beste Beleg für das gute Herz aller Teilnehmer ist Regen. wenn der Tanz etwa von einem plötzlichen Sandsturm oder einem Unglücksfall beeinträchtigt wird. Die Clowns treffen sich in ihrer eigenen Kiva. ist das eine Warnung an alle HopiZuschauer. Kostüme und Accessoires anfertigen oder erneuern.Tanz der Hootsanikatsinam in Oraibi. Sie ist neben dem Powamuya die zweite große Bundzeremonie des KatsinaZyklus. Dabei handelt es sich um die formelle Absichtserklärung. Arizona. Sie sollen als Regenbringer das Wachstum der Pf lanzen fördern. 1904. in eine Decke gehüllt. die Katsinam mögen zu einem anderen Zeitpunkt erneut tanzen. Ab Anfang Mai finden die Katsina-Tänze (katsìntithu) im Freien statt. einem alten. Der Tanztag (tiikive) ist das Ergebnis wochenlanger harter Arbeit aller Teilnehmer. Foto: Ole Solberg. die im Dorf wie Kinder „adoptiert“ und aufgezogen werden. Zwischen 40 und 80 Katsinam. Am Nachmittag bringen die Katsinam Geschenke mit auf die Plaza: Obst. einen Katsina-Tanz auszurichten. der in den Tagen nach dem Tanz niedergeht. Wenn eine Gruppe ihr Lied beendet hat. den sanften Regen. Vom frühen Morgen. Die Clowns dramatisieren den Werdegang der Menschen von kindlicher Unschuld zur Dekadenz. Manchmal erscheinen heilige Clowns und setzen einen Kontrapunkt zur idealen Harmonie der tanzenden Katsinam. die Farben der Himmelsrichtungen. als Antwort der Götter und Ahnen auf die Gebete der Menschen. heute nur noch selten dargestellten Katsina. Universitetet i Oslo Bei den Katsina-Tänzen (katsìntithu). heute immer an beiden Tagen des Wochenendes und unter den Augen Hunderter Zuschauer. vom gleichen Typ oder als gemischte Gruppe (Soyohimkatsinam). Zu den rituellen Vorbereitungen gehört das Einfangen junger Adler. Hier sieht man Sikyahote oder Hooli (?). Soyohimkatsinam (Gemischte Katsinam). Sie sorgen für schallendes Gelächter. Er erwirbt sich Ansehen. wenn sie mit deftigem Humor und cleveren Einfällen die Eigenarten der Weißen oder Navajo karikieren. da er mit seiner Familie große Aufwendungen tätigt. Der vom „Sponsor“ gewünschte Tanz kann – bei gutem Wetter – gleich am nächsten Tag auf der Plaza stattfinden. die Blüte und Reife der „Maismädchen“. die ab Anfang Mai im Freien stattfinden. Rhythmus und Gesang. Pöqángwkatsina und einen kleinen Ho’ote. aber auch Dosenlimonade und Süßigkeiten aus dem Supermarkt. ein Priester des Powamuy-Bundes. Auch die Frauen seiner Familie bleiben wach. der „Katsina-Vater“. Foto: Ole Solberg. betet und fastet. um guten Herzens das heilige Maismehl zu mahlen. kommen zwischen 40 und 80 Katsinam – vom gleichen Typ oder als gemischte Gruppe (Soyohimkatsinam) – auf die Plaza. dass eine Frau oder ein Mann aus dem Kreis der Zuschauer hervortritt. Er kann jedoch auch zum Klatschobjekt werden oder gar Hexereiverdächtigungen anheim fallen. 1904. dem Katsina-Vorsänger heiliges Maismehl gibt und den Wunsch äußert. wenn die Darsteller in der Kiva wach bleiben müssen und der Sponsor mit ihnen raucht. sondern auch die Verantwortung für das Wohl des gesamten Dorfes. mit dem die Katsinam beim Tanz „ernährt“ und gesegnet werden. Die endgültige Heimkehr der Katsinam in die andere Welt feiert schließlich die Niman-Zeremonie im Juli. bis zum Sonnenuntergang besingt die Liedpoesie der Katsinam das gute Leben. Vor der Tanzreihe sitzt ein amerikanisch gekleideter Kooyemsi. wo sie Lieder und Tanzschritte einüben und die benötigten Masken. Shongopavi. wenn die Pf lanzsaison begonnen hat. auch indem sie die Menschen in eine freudige Stimmung versetzen. nach der Sommersonnenwende. vielleicht aus Dankbarkeit für die Geburt eines Kindes oder die Genesung von einer Krankheit. um den Tanz zu organisieren sowie Essen und Geschenke für Teilnehmer und Zuschauer bereitzustellen. Kulturhistorisk Museum. Höhepunkt der Vorbereitung ist die Nacht vor dem Tanztag. Arizona. Kurz 186 HANS-ULRICH SANNER . Universitetet i Oslo Das wahrscheinlich im Spätwinter aufgenommene Foto zeigt einen Reihentanz von Hootsani.

mit je vier Runden am Vor. Weiterführende Literatur Adams. 1991 The Origin and Development of the Pueblo Katsina Cult. um 1910. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Foto: Ole Solberg. Arizona. Universitetet i Oslo Koyaala (Kosa). Den öffentlichen Tanz am letzten Tag bestreiten meistens die majestätischen Hemiskatsinam. Mädchen am Mahltrog. Laurent Deleglise) Zu den beliebtesten Katsinam der Hopi zählen jene. Hopi. Das Foto zeigt eine Truppe von Koyaalam beim Geplänkel mit Hopi-Mädchen. um sie mit den Sakramenten Rauch. Wright. verlassen sie in langer Reihe still das Dorf. Wasser und Maismehl zu segnen. ist ernster und folgt einer strengeren Choreografie als andere Katsina-Tänze. um 1910 Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Charles E. Arizona. ist der t ypische Ritualclown der Ersten Mesa. HOPI: KATSINAM 187 . Wenn der Katsina-Vater seine Abschiedsrede gehalten und die Katsinam um ihren baldigen Besuch mit dem lebensspendenden Regen gebeten hat. Der Tanz. mit seiner schwarz-weiß gestreiften Bemalung und der Kappe mit langen Hörnern. Die männlichen und weiblichen Mitglieder des Powamuy-Bundes defilieren in ihren Zeremonialgewändern an der Reihe der wartenden Katsinam entlang. Alph 1995 Following the Sun and Moon. [1938] Walnut: Kiva Publishing. und beschenken die Mädchen und Jungen erneut mit tihu und awta. Illustrations by Edwin Earle. Hopi Kachina Tradition. begleitet von mehreren Hemiskatsina-Mädchen.Tasapkatsinmuy kwa’am (Großvater der NavajoKatsinam). Barton 1973 Kachinas: A Hopi Artist’s Documentary. Kennard. dem Navajo-Begriff für „übernatürliche Wesen“. die ihre Nachbarn und Intimfeinde – die Navajo – darstellen. Sie bringen grüne Maispf lanzen und Wassermelonen. 1903–1904 (wahrscheinlich Erste Mesa). die ersten Sommerfrüchte. Ihr Anführer wird als „Großvater der NavajoKatsinam“ oder als Yé’ii Bicheii. Kulturhistorisk Museum. Das rituelle Herstellen von Maismehl gehört zur Mädchenpubertätszeremonie. Original Paintings by Cliff Bahnimptewa. zur Initiation in die Frauenbünde. bezeichnet und trägt üblicherweise die Maske des „Sprechenden Gotts“ und einen Navajo-Silbergürtel. Hopi. aber auch zur Vorbereitung jedes Katsina-Tanzes. Flagstaff: Northland Publishing. begleitet von den Blicken der Dorfbewohner und ihrer Besucher. 2002 Hopi Kachinas.und Nachmittag. Flagstaff: Northland Publishing. damit die Hopi ihre Federn nutzen können. Tucson: Universit y of Arizona Press. Secakuku. Auftritt der Koyaala. Laurent Deleglise) Das schöne Beispiel einer Nicht-Katsina-Figur zeigt eine Hopi-Jungfrau mit traditionellen „Schmetterlingslocken“ und Make-up aus weißem Mehl beim Mahlen mit dem Reibestein. Katsina-Figur und Flitzbogen. Im Licht der Abendsonne findet das feierliche Abschiedsritual statt. nach dem Ende des Nímaniw werden die dann erwachsenen Tiere rituell erstickt. Edward A.

Christian Feest) Sehr zum Ärger der Hopi haben die benachbarten Navajo damit begonnen. Jahrhundert nur Niedergang und Kulturverlust bedeuten. des Verfassers]. dass ihre Kultur sich immer gewandelt hat und dass Hopi diesen Wandel seit jeher aktiv mitgestalten. „Clown“ (Koyaala). Die Hopi blieben fortan frei von spanischer Herrschaft. Übervölkerung und den Despotismus von Priesterkasten zurück. unverfälschte Indianerkultur. Bereits die Aufstiegsgeschichte thematisiert die Entschlossenheit religiöser Oberhäupter zum gesellschaftlichen Wandel. Viele unter den heute et wa 10. würde man heute als fundamentalistischen Terror bezeichnen.Kultur im Wandel müssen / wenn sie bei Sonnenuntergang heimgehen. die von Hopi-Ältesten als Mittel des politischen Diskurses in den letzten Jahrzehnten verstärkt publik gemacht wurden. dass die bärtigen Weißen nichts mit Pahaana. Katsina-Figuren der Hopi für den Touristenmarkt zu schnitzen – zu weit günstigeren Preisen und ohne eigenen kulturellen Hintergrund. dass das Leben wieder einen Zustand erreicht hat wie einst in der Endphase der Unteren Welt: koyaanisqatsi. dem älteren weißen Bruder der Aufstiegserzählung. Archäologen führen den Niedergang hoch entwickelter Zentren der prähistorischen Pueblo-Kultur wie derjenigen im Chaco Canyon (New Mexico) auf Faktoren wie Dürre. aber Awat’ovi ist bis heute ein dunkler Fleck im kollektiven Gedächtnis. Der Eintritt der Hopi in das schriftlich fixierte Geschichtsbild der Europäer erforderte erneut bewusste Entscheidungen und Strategien. bei dem sämtliche Männer von Awat’ovi brutal ermordet und alle Häuser zerstört wurden. […]“ [Übers. Botschafter zwischen Menschen. um 1985. / Uns zu sehen. Für Evolutionisten und Alternative konnte die Modernisierung der Hopi-Kultur im 20. Jahrhundert in der Region verbreiteten.und Frauenbewegung die Hopi zum ökologisch korrekten „Volk des Friedens“ und „Matriarchat“ (v)erklärten. Bei der großen Pueblo-Revolte von 1680 verloren zahlreiche Franziskanerpater und Siedler ihr Leben und die Kolonialmacht musste sich nach Süden zurückziehen. In seinem Gedicht „Evening Thoughts“ ref lektiert der Hopi-Künstler Ramson Lomatewama (*1953) über die Katsinam: „Wie traurig sie sein 188 HANS-ULRICH SANNER . Als die dem Christentum zugeneigten Bewohner des Dorfes Awat’ovi im Jahr 1700 wieder einen Franziskanerpater aufnahmen. Rasch zeigte sich aber. ist der „Letzte Tag“ unausweichlich. als die Hippies und später die Ökopax. denn nur dann. Aber gleichzeitig appellieren die Prophezeiungen an das Gewissen jedes Einzelnen. Ressourcenverknappung. an dem Màasawu (oder eine andere göttliche Instanz) Gericht halten wird. schmiedeten die Führer der anderen Hopi-Dörfer ein politisches Komplott. die sich im 16. die wir uns Hopi nennen / und doch keinen Respekt haben / vor uns / und vor dem Leben selbst. Relikt einer früheren Entwicklungsstufe der Menschheit. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. so wie wir sind. Ein kurzer Blick auf die lange Geschichte der Hopi zeigt jedoch. „haben dies gewusst.000 Hopi sind der Auffassung. Wenn Lomatewama hier einerseits den Niedergang traditioneller Werte beklagt. Den Anschlag. Die brutalen Maßnahmen der Missionare zur Ausrottung der einheimischen Religion schürten den Hass auf die Kolonialmacht viel stärker als die wirtschaftliche Ausbeutung durch Fron und Tribut. beschwört er andererseits die pädagogische Wirksamkeit der Hopi-Religion. Es entstand ein populäres Bild der Hopi als zeitlose. Navajo Reservation. wie damals beim Aufstieg in die jetzige „vierte Welt“. Eine ähnliche Pädagogik verfolgen die so genannten „Prophezeiungen“. kann es eine Erneuerung des Lebens geben. / wir.und Götterwelt. Ab etwa 1880 verfassten vom Evolutionismus geprägte Hopi-Feldforscher erste ausführliche ethnografische Beschreibungen von Kultur und Religion der Hopi. Beide Figuren repräsentieren den beim Publikum besonders gefragten „Bewegungsstil“. Die Hopi verlegten ihre Dörfer nun aus der Ebene auf die steilen Mesas. Gleichzeitig entdeckten die ersten Eisenbahntouristen den Hopi-Schlangentanz als exotisch-primitives Spektakel. Die Allegorie von der „Flucht aus dem Chaos der Unteren Welt“ dürfte historische Erfahrungen ref lektieren. was sich als kluger militärischer Schachzug erwies. wurden rasch ins sozioökonomische Leben integriert. hier verkörpert im kulturellen „Über-Ich“ der wachsamen Katsinam. dessen Rückkehr die Hopi bis heute erwarten. / Und sie sind überall / und beobachten uns“. wenn wenigstens einige am Hopi-Weg festhalten. Ab etwa 1970 wurde diese Projektion westlicher Sehnsüchte nach „Ursprünglichkeit“ aktualisiert. Und die Katsinam. Die praktischen Metallwerkzeuge sowie die Nutzpf lanzen und -tiere der Spanier. Navajo. Arizona. Ihr Tenor ist fatalistisch: Weil inzwischen zu viele den guten HopiWeg verlassen haben. gemein hatten.

Poems. Die Modernisierung der Hopi-Gesellschaft wurde durch die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg beschleunigt. der Mais wurde vom „täglichen Brot“ zum rituellen Symbol. bemalten und dekorierten Nachbildungen der tanzenden Katsinam – wurden bis ins späte 19. Ole Solberg) und Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. zum Segen ihrer Töchter und Söhne. Dennoch führten ab etwa 1900 die zunehmende Abhängigkeit von der Geldwirtschaft und die Attraktivität der Figuren für die Kunden gegen alle Bedenken zur stetigen Kommerzialisierung der Katsina-Schnitzerei. Hopi. Lenders) Die Bemalung von Platten aus Stein oder Keramik ist prähistorischen Ursprungs und wurde nach 1880 durch Anregung weißer Händler und Ethnologen zum touristischen Kunsthandwerk. Verwandtschaft und Handwerk. Tithu – die aus dem Wurzelholz der Cottonwood-Pappel geschnitzten. Heute ist die Anfertigung bemalter Kacheln die Spezialität einiger weniger Töpferinnen. Jahrhunderts. Die Stammesverwaltung versucht. führten jedoch zu politischen Konf likten zwischen anpassungsbereiten und anti-amerikanischen Fraktionen. Während sich die Moden und Interessen wandeln. Die manierierten Katsina-Skulpturen riefen aber auch eine Gegenbewegung von Hopi-Schnitzern hervor. wie es noch heute als erstes Geschenk an Säuglinge dient. um 1900. und einige vertreiben ihre tithu übers Internet. Die enorme stilistische und künstlerische Entwicklung seitdem ist die Folge der Konzessionen kreativer Hopi-Schnitzer an den sich wandelnden Geschmack des Marktes. brachte das den Hopi zunächst Vorteile. Kulturhistorisk Museum. der sich mit den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt vereinbaren lässt. Erik 1986 The Hopi Approach to the Art of Kachina Doll Carving. Zu Beginn des 21. die die Katsinam so darstellten. Die US-Armee ging wirksam gegen die Navajo und Apache vor. Lomatewama. Alarmierend ist der Verlust der Hopi-Sprache in der jüngeren Generation. Der Verkauf von Katsina-Figuren ist heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und veranschaulicht den schwierigen Spagat der Hopi zwischen religiöser Tradition und Globalisierung. die sich weit vom ursprünglichen tihu entfernt hatten. Zena 2001 (Hg. sondern erlaubt auch so gut wie allen Hopi den Ausdruck ihrer Religion und Identität in einem zeremoniellen Rahmen. weil dadurch erstmals ein größerer Teil der Bevölkerung als Soldaten. Das Veräußern einer Katsina-Figur (tihu) ist nach traditioneller Auffassung wie das Weggeben seines eigenen Kindes (tihu). Die Maßnahmen der Amerikaner zur „Zivilisierung“ der Indianer. die sich wieder auf die spirituell signifikante Schlichtheit des tihu besinnen. Während die Töpferei der Frauen (auf der Ersten Mesa) dank der Nachfrage des Sammlermarktes ab 1900 eine Renaissance erlebte. Supermärkte und elektronische Medien die Verlockungen und Produkte der amerikanischen Konsumwelt in alle Häuser der Reservation. Der Durchbruch zur hoch bezahlten Galeriekunst gelang individuellen Schnitzern schließlich in den 1980er Jahren mit Skulpturen. Alkoholismus und häusliche Gewalt sind die hässlichen Folgen des sozioökonomischen Wandels. vor allem in den Bereichen Ritual. sei es durch die naturalistische Darstellung der menschlichen Physis von Katsina-Tänzern. vielleicht sogar als Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels von der Theokratie zur Demokratie. Universitetet i Oslo (Slg. sei es durch Abstraktion. Changing Hopi Culture Through the Oraibi Split. Nach 1945 wurden die früher eher statischen Formen durch Bewegungsfiguren (action dolls) abgelöst. Zivilangestellte und Beschäftigte in der Kriegsindustrie in Kontakt mit der Außenwelt kam. wie die weißen Besucher sie bei den Tänzen erlebten. nicht ohne Erfolg. First Mesa. HOPI: KATSINAM 189 . Das Aufblühen der Katsina-Zeremonien seit den 1960er Jahren ist nicht nur eine Reaktion auf die allgemein wahrgenommene Flachheit amerikanischer Konsumkultur. diesen Entwicklungen mit speziellen Programmen und Projekten entgegenzusteuern.) Katsina. wird der Fortbestand der arbeitsintensiven Handwerke Korbf lechterei und Weberei durch den Eigenbedarf für Zeremonien gesichert.Zwei Kacheln mit der Darstellung von Mosayumana und Sa’lakwmana. Fettsucht. Das Interesse der frühen Ethnologen und Touristen am Erwerb dieser Figuren stellte die Hopi-Männer vor ein ethisches Problem. Als der Südwesten 1848 von Mexiko an die Vereinigten Staaten fiel. Pearlstone. auch weil die zeremonielle Praxis dadurch bedroht wird. vor allem die Einführung von Schulpf licht und Internaten. Los Angeles: Fowler Museum of Cultural History. bringen Asphaltstraßen. vorwiegend für die kleineren Mädchen. Peter 1988 Deliberate Acts. Jahrhundert als „Kulturverlust“ betrachten. Im Jahr 1906 vollzogen die religiösen Oberhäupter von Oraibi die Spaltung des Dorfes und beschlossen die Auf lösung der alten Zeremonialordnung. aber auch als notwendige Anpassung. Besonders beliebt waren Katsina-Darstellungen. Ramson 1987 Ascending the Reed. Arizona. unter deren Überfällen die indianischen Bauernvölker immer stärker litten. Angesichts der Dominanz der US-Gesellschaft erstaunt die Vitalität der Hopi-Tradition. Diabetes. Auch diese „neo-traditionellen“ Künstler streben jedoch danach. Emil W. hergestellt. schnitzen unbekannte Hopi-Väter weiterhin heimlich und liebevoll tihu und awta als Katsina-Geschenke. Zur externen politisch-juristischen Agenda des Hopi-Stammes gehören die Verteidigung der Landbasis gegen die expansiven Navajo. Der ursprüngliche Typus war ein schlichtes f laches Figürchen (putsqatihu) mit hervorgehobenem Gesicht. die geschäftstüchtige Navajo produzieren. Whiteley. Wegen der enormen Preissteigerung für echte Hopi-tithu wird der normale Touristenbedarf – zum großen Ärger der Hopi – heute zum Gutteil von preisgünstigen Imitaten abgedeckt. Tucson: Universit y of Arizona Press. West Chester: Schiffer Publishing. Das Leben sei zu einfach und bequem geworden. argwöhnen die älteren Hopi. der Schutz religiöser Symbole gegen kommerzielle Ausbeutung und die Sicherung der Wasserversorgung für die Zukunft. Flagstaff: Badger Claw Press. Commodified and Appropriated Images of Hopi Supernaturals. Die Integration der Hopi in die amerikanische Geldwirtschaft hat zum Rückgang des Bodenbaus geführt. Weiterführende Literatur Bromberg. Man kann das Schwinden des Wuwtsim und anderer Geheimbünde im 20. Jahrhundert ausschließlich als rituelle Gabe. sich auf dem Markt zu positionieren.

um 1890. Coupstab berühren. die einander im Kampf mit Bogenlanze. nach deren Vorzeichnungen die Glasperlenarbeiten von den Frauen ausgeführt wurden. bzw. . Sie gehen auf die bilderschriftliche Tradition der Malerei der Männer zurück. Charles Schreyvogel) Die piktografischen Glasperlenapplikationen bei den Sioux sind ein Beispiel für die Übertragung von Stilen von einem Medium in ein anderes.Piktografisch verzierte Weste. Die Berührung des Gegners ("Coup") galt als herausragende Kriegsehre. Hier sind zwei Krieger zu sehen. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Teton Sioux.

Arizona. wie das Fremde heimisch gemacht wird und wie die Einbettung fremder Ideen. die aus technologischen Gründen im indigenen Nordamerika selbst nicht hergestellt werden konnte (und auch heute. Dies war nicht der Beginn. Unsere eigene Bezeichnung für diese Schmuckstücke als „Perlen“ verweist auf den Wert. zählt zu den Standardbelegen für die Ausbeutung der amerikanischen Urbevölkerung durch die europäischen Eroberer. enorm. so hatten sie wohl gute Gründe. Sie erfuhren daher eine hohe Wertschätzung. andere Farben waren kaum verfügbar. aber ein erster Höhepunkt der Liebesgeschichte zwischen den indigenen Bevölkerungen Nordamerikas und einem Produkt. die sich steigerte. da die Munsee nicht durch ungleiche Machtverhältnisse zu einer für sie ungünstigen Transaktion gezwungen waren. Bei den nahe der Atlantikküste lebenden Munsee bestand das Ausgangsmaterial in erster Linie aus reichlich vorhandenen und wegen ihrer Haltbarkeit und ihres Aussehens attraktiven Schnecken. die erst von den Spaniern eingeführt wurden. wo dies grundsätzlich möglich wäre. um aufgefädelt den Körper oder an ihm getragene Kleidungsstücke zu verzieren. Die Geschichte von den schlauen Holländern. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. das dazu geführt hat. Rechnet man den Arbeitsaufwand. Die Herstellung größerer Mengen von zylindrischen Perlen setzte jedoch die Verwendung von Pumpenbohrern mit eisernen Spitzen voraus. durchlochten Ziergegenstände geführt. um 1910. die Verkaufsbedingungen zu akzeptieren. sie als Dinge nicht-menschlichen Ursprungs zu begreifen. war der Wert der beständigeren Glasperlen. der in der Herstellung von Muschelschalenperlen steckte. Eine ähnliche Wertschätzung hatten Glasperlen auch in Europa erfahren. das seit der Antike nicht nur sie fasziniert hat. Aus dem östlichen Nordamerika wissen wir. die in einem breiteren Farbspektrum zur Verfügung standen. dass die Wertschätzung von Muschelschalenperlen nicht nur materieller Natur war. die Halskette mit Perlen aus Korallen. GLASPERLEN 191 . Türkisen und Muschelschalen. sondern sich durch zeremonielle Verwendung und die Zuschreibung symbolischer Bedeutungen auch im spirituellen Bereich niederschlug.und Muschelschalen. dass überall auf der Welt Werkstücke aus den unterschiedlichsten Materialien in eine runde. Erst die Durchbrechung dieses Monopols hatte zum Preisverfall und zur „Demokratisierung“ der kleinen. die mit den verfügbaren Werkzeugen aber nur äußerst mühsam zu bearbeiten waren. je weiter man von der Küste ins Landesinnere kam. zylindrische oder andere Form gebracht und dann durchlocht werden. Der Wert einer Sache steht bekanntlich mit dem Aufwand im Zusammenhang. Tatsächlich ist die Geschichte vielmehr ein Beispiel für die Relativität der Werte in einem materiellen und immateriellen Sinn. Laurent Deleglise) Korallen wurden schon in prähistorischer Zeit – lange vor der Ankunft der Navajo in ihrer heutigen Heimat – von der Pazifikküste bis in den Südwesten gehandelt. den man von den seltenen Naturperlen auf das Kunstprodukt übertrug.GLASPERLEN CHRISTIAN FEEST Zwischen Manhattan und Hongkong 1626 wurde Manhattan für eine Hand voll Glasperlen und andere Handelsgüter von den Munsee an die Holländer verkauft. Allein die für die indigenen Kunden bestehende Unerklärbarkeit der Herstellung von Glasperlen führte dazu. Die Munsee teilten jedoch ein allgemein menschliches Schmuckbedürfnis. solange Venedig über ein Monopol für ihre Herstellung verfügte und vor allem den Markt für Luxusgüter bediente. die den Munsee die Insel Manhattan für Glasperlen und andere Handelsgüter im Wert von 60 Gulden abluchsten. und wenn man ihnen nicht reine Naivität unterstellen will. der mit ihrer Erlangung verbunden ist. Navajo. Materialien und Praktiken in unterschiedliche kulturelle Zusammenhänge gleichzeitig Vielfalt und Gemeinsamkeit hervorzubringen imstande ist. nicht hergestellt wird). wobei die wesentlich selteneren lila Perlen noch teurer gehandelt wurden als die weißen. Glasperlen stehen hier als Beispiel dafür. Allerdings fand dieses „gewinnbringendste Immobiliengeschäft der Geschichte“ zu einem Zeitpunkt statt. Im vorliegenden Fall waren Glasperlen eine Ware.

B. Selbst in den Augen der Weißen sind Glasperlen und Indianer fast zum Synonym geworden. bis die indigenen Hersteller ihre Marktchance erkannten und die Kunden mit verzierten Nadelkissen. ihre dennoch anhaltende Begeisterung für sie ist aber ein Hinweis darauf. und es dauerte nicht lange. Übertragung bereits vorhandener symbolischer Bedeutungen auf die europäische Handelsware stellt also nur ein schon bestehendes Erklärungsmuster dar. dass sich die aus dem europäischen Rohstoff erzeugten indigenen Produkte rasch im Sortiment der Andenkenindustrie etablieren konnten. spielten aber in manchen Gebieten (wie in Kalifornien) nicht die herausragende Rolle wie z. In den fast 400 Jahren seit dem Verkauf von Manhattan haben die indigenen Völker zwar gelernt. Bilderrahmen oder Täschchen beglückten. Jahrhundert. Orte des frühen Tourismus in Nordamerika wie Montreal und die Niagarafälle lagen in der Nähe von Dörfern oder Reservationen der Urbevölkerung.Karte der Herkunftsorte und -stämme der in der Ausstellung gezeigten Glasperlenarbeiten Glasperlen fanden zwar überall im indigenen Nordamerika Verwendung. die sich aber zugleich 192 CHRISTIAN FEEST . auf den Plains im 19. dass Glasperlen auch nur von Menschen hergestellt werden. Im Südosten endete der Höhepunkt ihrer Bedeutung vor Beginn einer systematischen Sammeltätigkeit. die als Mitbringsel aus der Fremde exotisch genug waren. Dazu hat zweifellos die Tatsache beigetragen. wie tiefe Wurzeln ihre Verwendung in den lokalen Kulturen geschlagen hat.

Da sein Versuch. Br. in dem sich in den USA und in Kanada blühende Volkswirtschaften entwickelten und damit auch Löhne und Preise nach oben schnellten. und 20. Nach einer im Indianerland kursierenden Geschichte war es ein indianischer Unternehmer der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Jahrhunderts. aus zolltechnischen Gründen nicht das erhoffte Ergebnis brachte. doch gab ihm der Markterfolg Recht und löste eine Woge von nicht-indigenen Imitationen (nicht nur aus Hongkong) aus. Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie. Arthur Speyer) Alles. wenn auch nicht immer ausgewogener Prozess. Saint Lawrence River-Tal. Lille Friedlich vereint finden sich Original und Imitation auf einem Wampumgürtel des späten 18. Jahrhundert stammenden Glasperlenarbeiten der Mohawk aus Kahnawake bei Montreal oder der Tuscarora und Seneca aus der Nachbarschaft der Niagarafälle auf vielen realen oder virtuellen Flohmärkten dieser Welt aufstöbern. was sich auffädeln lässt. Adelhausermuseum Freiburg i. Teile der Erzeugung billiger von Indianern in Mexiko durchführen zu lassen. Selbst manche Indianer kauften „Hongkong beadwork“ für den eigenen Bedarf. Die leichter verfügbaren weißen Perlen sind aus Schneckenschalen gefertigt. zu Zeiten des Sozialismus in der CSSR. Ohrgehänge aus Federkielabschnitten und Glasperlen. die von Natur aus hohl sind. kam es einige Jahre lang wegen Fehlern in der Planwirtschaft zu Engpässen in der Versorgung des indianischen Markts und damit zu Preissteigerungen. wohin sie aus den Dachböden der Nachkommen der einstigen Reisenden gelangt sind.innerhalb der Bandbreite des westlich-bürgerlichen Geschmacksempfindens bewegten. GLASPERLEN 193 . Athapasken. In dem Maß. In den 1970er Jahren. Abteilung Völkerkunde (Slg. Die Anpassung des Lohnniveaus in der Tschechischen Republik an europäische Standards wird wohl über kurz oder lang der globalen Geschichte der indianischen Glasperlenarbeiten ein weiteres Kapitel hinzufügen. Heute stammt der Großteil der im indigenen Kunsthandwerk verarbeiteten Glasperlen aus Fabriken in der Tschechischen Republik. die im Originalmaterial unerschwinglich teuren blauen aus Glas. Heute kann man die aus dem 19. Gürtel aus Wampum und Imitationswampum.. ist eine „Perle“. ließ er die auf die Gürtel zu nähenden gewebten Glasperlenbänder in Hongkong fertigen. der in seinem Betrieb von indianischen Arbeitskräften glasperlenverzierte Ledergürtel herstellen ließ und die Wirtschaftlichkeit der Produktion durch Outsourcing (wie das damals noch nicht hieß) erhöhen wollte. Relativ einfach funktioniert das mit Federkielen. um 1775. Die gestreiften Schmuckperlen im Behang gehen auf venezianische Vorbilder zurück und haben den Charme der Individualität. um 1860. verdüsterten sich allerdings die Absatzmöglichkeiten für die in stundenlanger Handarbeit hergestellten Waren in dem für die Andenkenindustrie wichtigen unteren Preissegment. Das widersprach zwar schon damals bestehenden Bestimmungen zum ethnischen Markenschutz indigener Erzeugnisse. So erweist sich die frühe Globalisierung als durchaus wechselseitiger. Alaska. weil es einfach billiger war.

Einzelne Perlen dieser Art sind sicherlich auch auf Kleidungsstücke genäht worden. die durch Rückführung des tragenden Fadens oder eines zweiten Fadens durch die Perlen an der Hinterseite der Kette erfolgt. Glasperlen-„Weberei“ auf einem Kettrahmen. die sich aus wirtschaftlichen und technischen Gründen für die Mengenverarbeitung eigneten. Chippewa. die Verarbeitung größerer Mengen verbot sich aber allein schon wegen des Preises. Und schließlich waren sie so kostengünstig. können wir nur vermuten. Jahrhundert zu ändern. Farblich trafen die Nachahmungen zwar niemals den korrekten lila Farbton von echtem Wampum. dafür waren sie auch in anderen Farben (vor allem in Schwarz und Grün) verfügbar. Weil Formen und Farben von Glasperlen aber immer auch Modeschwankungen unterworfen waren. deren hauptsächliche Verarbeitungstechniken das Auffädeln auf Schnüren zur Herstellung von „Ketten“ oder zur Verzierung von Fransen bzw. Die Technik erlaubt geometrische oder stilisiert figürliche Darstellungen. die sicher nichts mit der Verfügbarkeit zu tun hatte. Dies begann sich erst im späten 18. während sie nun Eingang in Dekorf lächen finden. Dabei verläuft die Kette zwischen den über ihr liegenden Glasperlen. Hälfte des 19. Tragbänder und andere großf lächige Objekte damit verziert werden konnten. die sich mit der Chronologie von Glasperlen auf indianischen Fundplätzen der historischen Epoche befasst. Foto: Christian Feest. Grob gesprochen kann man sagen. als die zunehmende Verknappung der zylindrischen Wampumperlen einen Markt für Imitationen aus Glas öffnete. Paul Die einfachste Webtechnik ähnelt der Methode. Jahrhunderts sind kleine Stickperlen in einer breiten Farbauswahl verfügbar und ermöglichen grundsätzlich neben ihrer Verarbeitung in verschiedensten Techniken eine fast unbegrenzte Vielfarbigkeit. Qualla Boundary.Technik Je einfacher das Rohmaterial – so scheint es jedenfalls im Fall der Glasperlen zu sein – desto größer die Vielfalt der Verarbeitungsmöglichkeiten. Hier kann nur ein erster Einblick in das Thema gewährt werden. dass nun auch in Gebieten des Binnenlands. St. das Einlegen in Holz oder Stein waren. Minnesota Historical Society. Sie setzten sich im 19. wo Wampum bis dahin ist erster Linie zeremoniell verwendet wurde. Foto: Monroe P. Jahrhunderts relativ große und meist aufwendig gestaltete Schmuckperlen das Feld beherrschten. Eine umfassende Beschreibung der zahlreichen Techniken füllt ganze Bücher. 1959. mit der Wampumgürtel hergestellt wurden. Jahrhundert in wechselnden Größen endgültig durch und stellen seither die Grundlage für die meisten indigenen Glasperlenarbeiten dar. Mille Lacs Reservation. North Carolina. und so gibt es mittlerweile eine reiche Literatur. Minnesota. In der Praxis beschränkten sich regionale Stile aber meist auf ein weit geringeres Spektrum oder zeichnen sich durch die Bevorzugung bestimmter Farben aus. Cherokee-Frau bei der Demonstration von Glasperlenarbeit. 1973 Seit der 2. Mit welcher Art von Glasperlen Manhattan gekauft wurde. 194 CHRISTIAN FEEST . Langfristig entscheidender war aber die wachsende Verfügbarkeit von kleinen Stickperlen. Jahrhundert hinein reicht auch die Bevorzugung weißer und blauer Glasperlen. dass bis in die zweite Hälfte des 18. die sich einige Jahrzehnte lang vor allem rund um das St. sondern nur die Tradition der Farben von Schneckenschalenperlen fortsetzt. Lawrence River-Tal großer Beliebtheit erfreuten. Killy. bieten sie für Archäologen ein bewährtes Mittel zur Datierung von Funden. Bis weit ins 19. Auffallend bei ihrer frühesten Verwendung war die Beschränkung auf Bordüren. Taschen.

Ostgrönland. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) In Ostgrönland. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. bei der zwischen zwei Stichen jeweils eine größere Gruppe von Glasperlen aufgefädelt ist. um 1875. der selbst keine Perlen trägt. In der Mengenverarbeitung lassen sich grundsätzlich drei Gruppen textiler Techniken unterscheiden: Applikation. vielleicht auch weil es keine lokale Tradition von Muschelschalenperlen gab. um 1840. Die abgerundete Form der Tasche. F. Basel (Slg. sie finden sich aber auch noch später in einzelnen Regionen allein oder in Kombination mit den kleineren „Saat“-Perlen (zwölf bis dreizehn pro Zoll). Applikation ist die bei weitem häufigste Methode der Verarbeitung und tritt in einer Fülle von Formen auf. ex-Slg. „Weberei“ und Netztechniken. Jens Bind) In frühen Formen der Bandoliertaschen erscheinen die noch relativ stilisierten Blüten. Hingegen setzte sich Vielfarbigkeit rasch durch. Daneben wurden Glasperlen weiterhin gefädelt. Mittelschweizerische Geographisch-Commerzielle Gesellschaft Aarau. die sich aus Bordüren und Flächenverzierungen ergeben. Jahrhunderts relativ große „Pony“. Plains. Südwestliche Chippewa. Universitetet i Oslo (Slg. Bei Einfadentechniken ist der tragende Faden zugleich der Nähfaden. Der Bahnstich ist eine Einfadentechnik. Kulturhistorisk Museum. GLASPERLEN 195 .oder „Pound“-Perlen (acht bis neun Perlen pro Zoll) hoher Beliebtheit. unterschiedliche Lösungen verlangen. Bandoliertasche. wurden kleine Stickperlen anfangs nur gefädelt oder zu schmalen Streifen verwoben. das Vorhandensein einer Taschenklappe und das aus zwei Teilen bestehende Tragband weichen von der üblicher Form des Taschent ypus ab. Bei den Applikationstechniken werden einzelne oder gefädelte Gruppen von Glasperlen auf Leder oder Stoff aufgenäht. in Holz oder Stein eingelegt oder musterbildend in Körbe eingef lochten. Schäfer) Vor allem auf den Plains erfreuten sich in der ersten Hälfte des 19. wohin Glasperlen in größerer Zahl erst nach 1884 gelangten. Kalaallit. Museum der Kulturen. wobei die unterschiedlichen Aufgabenstellungen.Tasche. Seine Stirnband aus Leder und Glasperlen.und Blattmotive freigestellt auf dem roten Tuchstoffgrund. um 1900. bei Zweifadentechniken ist einer der beiden Fäden ein reiner Nähfaden. Bei letzteren sind drei Hauptvarianten zu unterscheiden.

folgt die Verzierung bei Belegstich immer eng der Oberf läche. Pferdekragen. Der Belegstich ist eine Zweifadentechnik. Da der tragende Faden gerade oder gekrümmt aufgenäht werden kann. Laurent Deleglise) Neben dem nach ihnen benannten Crow-Stich zeichnet viele Glasperlenarbeiten dieses Volks die Verwendung von Pastellfarben in der Komposition streng geometrischer Motive aus. um 1850. Crow. Bezeichnung leitet sich davon ab. dass die parallel verlaufenden Gruppen von Glasperlen optisch „Bahnen“ bilden.und Hinterseite unterschiedlich verziert. ist Farbwechsel zwar möglich.Oktopus-Tasche. Montana. Daneben wurden aber auch zum Teil figürliche Arbeiten im Belegstich hergestellt. erlaubt er große Gestaltungsfreiheit in Form und Farbe. meist sind aber die Bahnen einfärbig. die von den Stichen begrenzt werden. Der Bahnstich erzeugt grundsätzlich Dekorf lächen und nicht Linien und eignet sich besonders für geometrische Motive. H. Wie bei allen Oktopus-Taschen sind Vorder. Beyer) Im Laufe der Zeit werden die f loralen Motive der athabaskischen Glasperlenarbeiten f lächig und greifen auf ein breiteres Farbspektrum zurück. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Athapasken. Alaska. um 1900.Die Auffassung von den Blattformen unterscheidet sich deutlich von jener der Ojibwa und ihrer Nachbarn. Während beim Bahnstich die Bahnen vorgewölbt sein können. Musée Royal de l'Afrique Centrale. Tervuren (Slg. 196 CHRISTIAN FEEST . bei der ein Nähfaden den tragenden Faden nach ein oder zwei Glasperlen an den Untergrund heftet. G. Da nach jedem Stich die nächste Gruppe von Perlen aufgefädelt werden muss. Florale oder figürliche Darstellungen werden überwiegend in dieser Technik ausgeführt.

B. Libby & Son. Knöpfe). Foto: Charles A. 1925. Häuptling von Chichagof Island“. Foto: unbekannter Fotograf. „Webtechniken“ schließen solche mit mechanischer Fachbildung durch ein Webgitter ebenso ein wie die Verwendung einfacher Webrahmen. Spokane. GLASPERLEN 197 . Washington“. die aber wegen der veränderlichen Breite der Bahnen freiere Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Beim Crow-Stich (benannt nach dem Stamm. Bei den „Netztechniken“ erfolgt die Bildung eines f lächendeckenden Netzes durch Einhängen einer Fadenreihe in jene daneben oder durch abwechselnde Fädelung zweier tragender Fäden durch benachbarte Perlen.„Teilnehmerinnen am Princess America-Wettbewerb beim National Indian Congress im Davenport Hotel. „Deikeenaak’w. um 1900. sondern oft auch durch die reihenweise Applikation einzelner „Perlen“ (z. Tlingit. Wie beim Bahnstich werden geometrische Muster erzeugt. der beiderseits der Kette händisch durchgezogen wird. Alaska State Library. Nicht zuletzt wegen des Austragungsorts finden sich neben Kostümen im Stil der Plains auch solche aus dem Plateaugebiet. Northwest Museum of Arts and Culture. Juneau Perlenarbeiten der Nordwestküste unterscheiden sich von anderen nicht nur durch die aus anderen Kunstformen der Region ebenfalls bekannten Motive. bei denen der Eintrag aus einem Doppelfaden besteht. von dem er bevorzugt verwendet wird) werden parallel verlaufende tragende Fäden durch quer dazu verlaufende Heftstiche in kurzen Abständen am Untergrund fixiert. Alaska. University of Washington Library. Seattle Die Kandidatinnen einer der ersten „Miss Indian“-Wahlen illustrieren in ihrer verzierten Lederkleidung die Wichtigkeit von Glasperlen als Ausdruck „indianischer“ Identität.

einen technischen Hintergrund. Aus einer Tasche ist ein reiner Ziergegenstand geworden. (links:) Bandoliertasche. Universitetet i Oslo (Slg. H. Jahrhundert und erreicht ihren Höhepunkt zu Beginn der Reservationszeit in der zweiten Hälfte des 19. um 1900. G. Warend) Für den Verkauf an Weiße passte man die Form der Taschen an deren Bedürfnisse an und verzichtete zunehmend auf abstrakte Motive. Oneida. Wisconsin.) In den Bandoliertaschen der Chippewa (Ojibwa) sind einer der Höhepunkte des f loralen Glasperlendekors in Nordamerika. Musée Royal de l'Afrique Centrale. die uns Einblicke in die erzeugten Formen und ihre Veränderungen gewährt. Portmonnaie. Tervuren (Slg. begleitet vom Einsetzen systematischer Sammeltätigkeit. gleich ob sie durch gesellschaftliche Veränderungen oder durch äußere Einflüsse ausgelöst wird. mit der Verfügbarkeit größerer Mengen von Stickperlen im späten 18. Chippewa. der bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten ermöglicht oder erschwert. zu dem die meisten Glasperlenarbeiten zu rechnen sind. 198 CHRISTIAN FEEST . Die eigentliche Stilgeschichte indianischer Glasperlenarbeiten beginnt. die teilweise über die Regionen hinweg Gültigkeit haben. Taschendecke und Tragband snd zu einer einzigen Fläche verschmolzen.Stil Stile haben besonders im textilen Bereich. Dabei stehen die Ent wicklungen in den Waldländern des östlichen und subarktischen Nordamerika. spiegeln darüber hinaus aber auch lokale oder ethnische ästhetische Traditionen sowie wechselnde Moden des Geschmacks wider und sind ein feiner Gradmesser für den Umgang mit Innovation. Beyer. auf der sich Blüten und Blätter ungehemmt entwickeln können. Stile lassen sich daher in ihrer lokalen oder regionalen Eigenheit oder als Ausdruck historischer Prozesse beschreiben. Kulturhistorisk Museum. Jahrhunderts. Verstärkt verwendete man neben opaken auch durchscheinende Perlen. während sie anderswo später beginnen. um 1860. der Plains und des Plateaus im Vordergrund.

über die wir aber (mit Ausnahme von Wampum) unzureichend informiert sind. So sind die für die Verzierung von Ritualgegenständen der Peyote-Religion in Netztechnik verwendeten Perlen tendenziell kleiner als jene. Frank Wester) Florale Glasperlenapplikation im westlichen Seengebiet des späten 19. ex-Slg. wo Muschelschalenperlen wegen der Entfernung vom Meer nur eine geringe Rolle spielen. Farben und Farbkombinationen oder kompositorische Eigenschaften. da man aus archäologischen Zeugnissen zwar die Perlen.und Blütenformen aus. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Die Motive sind auf einem unverzierten oder einfärbig mit Glasperlen gefüllten Hintergrund freigestellt. nicht aber ihre Anordnung auf Gegenständen kennt und sich nur wenige frühe ethnografisch gesammelte Objekte erhalten haben. die für Applikationsarbeiten herangezogen werden. Eine nahe liegende Vermutung weist in die Richtung älterer indigener „Perlentraditionen“. Auf den Plains. um 1880. Hier und in der östlichen Subarktis scheinen hingegen weibliche Maltraditionen Anregungen geboten zu haben. lassen sich manche Eigenheiten der Dekoration (wie z. und in Einzelfällen gilt das auch für die Rohhautmalerei der Plains. Da Stile nicht im luftleeren Raum entstehen. die den Darstellungen ein hohes Maß an Plastizität verleihen. Rosetten) aus der Überlieferung der Stachelschweinborstenarbeiten ableiten. Chippewa. Walter und Gertrud Scholz. erhebt sich die Frage nach den Vorbildern. B. Während in den meisten Traditionen auf eine gleichmäßige Größe der Perlen Wert gelegt wird. sondern manchmal auch durch bevorzugte Techniken oder die Größe der verarbeiteten Glasperlen. was hingegen für das östliche Waldland kaum zutrifft. Jahrhunderts zeichnet sich durch feine Schattierungen der Blätter. auf die sich die rasch fortschreitenden neuen Traditionen der Glasperlenarbeiten beziehen konnten. oft langsamer verlaufen und selten die Bedeutung erlangen wie im klassischen Verbreitungsgebiet. Regionale Stile unterscheiden sich voneinander nicht nur durch Präferenzen für bestimmte Formen. findet man bei den Crow und in GLASPERLEN 199 .Umhang aus Tuchstoff mit Glasperlenapplikation.

Marcus Bearstail. doch wurde nicht überall und sofort das Angebot angenommen. Der ausschließlich aus Linien und in Bändern angeordneten Rechtecken bestehende und im Belegstich ausgeführte Dekor besticht durch die Klarheit der Form und Qualität der Ausführung. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Glasperlenarbeiten stellten im 19. Im nordöstlichen Nordamerika waren die traditionellen Farben der von ihrer Funktion 200 CHRISTIAN FEEST . um 1870. Polychromie beruht zwar auf der Voraussetzung eines entsprechenden Farbangebots.Wandtäschchen. Three Affiliated Tribes. 1991. Jahrhundert keinen Schwerpunkt im Kunsthandwerk der Tlingit dar. Städtisches Museum Braunschweig (Slg. Glasperlen. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Jenseits der lokalen Stilentwicklungen gibt es drei überregionale Trends: zur Vielfarbigkeit. das aus einem Kreis und überkreuztem Sturmgewehr und „Coupstab“ besteht. Sigfried Saphir) Schwer lastete das Gewicht der Glasperlen auf den Schultern des kindlichen Trägers. Fort Berthold Reservation. Tlingit. zur Floralisierung und zur Piktoralisierung. um 1900. Plains. North Dakota. Wollstoff. selbst wenn es für Vielfarbigkeit in anderen Medien Vorbilder gab. um dessen Schultern ein Schal in den der militanten Indianerbewegung AIM gelegt ist. Kinderhemd. Alaska. sondern athapaskischen Vorbildern oder ist sogar athapaskischen Ursprungs. Teilen des Plateaugebiets die gezielte Kombination größerer und kleinerer Perlen. Christian Feest) Die des ersten Golf kriegs gegen den Irak hergestellte Schließe zeigt vor einem Sternenbanners das Profil eines Soldaten. Die Mehrzahl der einschlägigen Gegenstände folgt nicht dem klassischen Formlinienstil. Der Kopf steht in der Mitte eines „Medizinrads“. Pfeiffer) Gürtelschließe.

Grand Rapids: Grand Rapids Public Museum. Seattle and London: Universit y of Washington Press. Sie bilden hier Linien an den Grenzen der vom Kettgarn erzeugten geometrischen Farbfelder sowie eine gezahnte Bordüre. New York. die offenbar niemals Nachfolgeprodukte aus Glasperlen inspirierten. MartinPitzer) Eine im 19. Kate C. Dazu kommt als zweiter Faktor der Einf luss französischer Pelzhändler bzw. et al. Ottawa. der sich zwar im 20.. Van der Sleen. den Nordosten und Randzonen der Plains. Das gilt gleichermaßen für die wahrscheinlich ins späte 19. N.Kniebänder. Die Floralisierung beschränkt sich weitgehend auf die Subarktis. 2. 1967 A Handbook on Beads. sondern die Männer. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. der insbesondere in den Prärien und in den nördlichen Plains (wo kurvilineare Traditionen nicht erkennbar sind) von größerer Bedeutung war. die gerne und sicher nicht zu Unrecht als Grundlage für das Auf kommen f loraler Stile angesehen werden. Freiburg i. bis auch andere Farben von Glasperlen angenommen wurden. Flanders. Jahrhundert populäre Form der Verarbeitung von Glasperlen mit Hilfe des “Wegbatters” erfolgte durch das Auffädeln von meist weißen Perlen auf den Eintragfaden. 1977 Beads: Their Use by Upper Great Lakes Indians. Duncan. Auf l. William C. Lawrence River-Tal zeigt. Contributions from the Museum of the American Indian 11. 1989 Techniken der indianischen Perlenstickerei. G. Rot und Weiß.: Schillinger Verlag. Richard E. Weiterführende Literatur Barth. 1975 Beads and Beadwork of the American Indians. Jahrhundert zurückreichende Praxis im Plateaugebiet wie für die zum Teil wesentlich jüngeren Entwicklungen anderswo. Georg J. Lila) und es dauerte ein bis zwei Generationen. Michigan. Jahrhundert so gut wie überall bemerkbar machte. wie das Beispiel der szenischen Elchhaarstickereien auf Birkenrinde aus dem St. frühe Glasperlenarbeiten folgten aber dem Farbmuster von Wampum (Weiß. Wenigstens in Teilen dieses Gebiets gab es ältere kurvilineare Mal. um 1840. folgten doch offenbar ihre indigenen Frauen und die gemeinsamen Töchter den Geschmackspräferenzen der Ehemänner und Väter. Schneckenschalenperlen an. der aber offenbar unterschiedliche Wurzeln hat. solche der Métis. während andere Perlenarbeiten früh zur Vielfarbigkeit tendierten. GLASPERLEN 201 . Jahrhundert nach dem Vorbild der Männermalerei. Liège: Musée du Verre. A Beadwork Tradition. Orchard. Die ausschließliche Verwendung weißer Glasperlen schließt an den einstigen Gebrauch von Muschel-. Umgekehrt war das Vorhandensein entsprechender Traditionen in anderen Medien nicht unbedingt ausschlaggebend. 1989 Northern Athapaskan Art. Br. bzw. Die Hinwendung zur Bildhaftigkeit ist ein Trend.und Ritztraditionen. Obwohl nicht die Frauen mit f loralen Handarbeiten (und den dahinter verborgenen europäischen Assoziationen zwischen Blumen und Weiblichkeit) in die Stämme einheirateten. auch wenn er ganz allgemein von den Bedürfnissen eines nicht-indigenen Käufermarkts gefördert wurde. und Ähnliches kann man in etwas abgeschwächter Form auch für die Nordwestküste behaupten. Auf den Plains entstanden piktografische Glasperlenarbeiten im späten 19. her ähnlichen Stachelschweinborstenarbeiten Schwarz. An der Nordwestküste folgten wiederum nur die Knopfdecken (weiße Knöpfe in Verbindung mit roter und schwarzer Stoffapplikation) dem Schema der heraldischen Malerei. Außerhalb der Plains und der Nordwestküste scheinen das Interesse an und das Vorbild für bildliche Darstellungen aber in erster Linie auf der Auseinandersetzung mit euro-amerikanischen Abbildungstraditionen zu beruhen. W.

. um 1830. Miniconjou Teton Lakota. Linden-Museum Stutggart (Slg.Schild und Schilddecke. der dem Besitzer in einer Vision Hilfe in der Not versprochen hatte. Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied) Als Gebrauchsgegenstände verbinden Werke der indigenen Künste Nordamerikas Anwendungsorientierung und Gestaltung. die einen übernatürlichen Bären darstellt. Der Schutz des Kriegers gegen die Waffen seiner Feinde wird durch die Bemalung verstärkt.

von Mutter zu Tochter oder von Vater zu Sohn. war in Nordamerika in voreuropäischer Zeit unbekannt. Haida und Tsimshian waren die Sippen als Grundeinheiten der Gesellschaft zwei durch wechselseitige Verpf lichtungen aneinander gebundenen „Hälften“ zugeordnet: Während jedoch die Privilegien des Adels in den Sippen automatisch vererbt wurden. die sich im Allgemeinen nicht mehr der Befriedigung der materiellen Bedürfnisse des Lebens widmen. in dem die Spezialkenntnisse weitergegeben wurden. Die Gleichzeitigkeit all dieser Ansprüche besteht aber nur als Gegensatz zu unserer eigenen Anschauung von Kunst und Welt: Der kulturellen Vielfalt des indigenen Nordamerika mit ihren historischen Veränderungen entspricht eine Vielfalt von Kunstwelten. bei denen der Form ein Eigenwert gegenüber der Funktion zuerkannt und das individuelle Genie des Schöpfers als mitentscheidend für die Bewertung des Produkts gesehen wird. unter denen Dinge geschaffen und benutzt wurden. Kunstwelten Nordamerikas Anders als die Hervorbringungen der europäischen Kunst. kannten die traditionellen Erzeugnisse des indigenen Nordamerika keine säuberliche Trennung von Form. Anwendung und Bedeutung. Berufskunst im Sinne einer spezialisierten Herstellung von Werken. Arbeitsteilung ist eine universelle Grundlage menschlicher Gesellung. führt zur Ausbildung geschlechtsspezifischer Stile. von materiellem und spirituellem Sinn und Wert. Die unterschiedlichen Kunstwelten sind im Grunde eine Folge unterschiedlicher Produktionsweisen bildnerischer Formen und der Systeme des Austauschs. Eine andere weit verbreitete Spezialisierung beruht auf der Voraussetzung besonderer religiöser Kenntnisse für die Produktion rituell verwendeter Gegenstände. kam es den Mitgliedern der anderen. Obwohl für die Verteilung von Tätigkeiten. Bei den Tlingit. ist die Trennung von weiblichen und männlichen Aufgaben vielfach eine gesellschaftliche Wirklichkeit. Dabei ist – trotz aller Ausnahmen – eine deutliche Tendenz von Männerwerk zur Bildhaftigkeit und von Frauenwerk zur Abstraktion festzustellen. die Töpferei und die Korbf lechterei. In Anlehnung an Verhältnisse im Bereich der Ritualkunst unterschieden zahlreiche Völker der Plains zwischen „heiligen“ und „profanen“ (oder „spezialisierten“ und „gemeinen“) Künsten: Zu ersteren zählten die Verarbeitung von Stachelschweinborsten. obwohl ihnen die wiederkehrende Notwendigkeit zur Produktion bestimmter Paraphernalien längerfristig die zur formalen Perfektion führende Praxis verschafft. Dennoch ergeben sich bereits an dieser Stelle einige übergreifende Feststellungen. wobei sie oftmals in der Darstellung der fremden Vorrechte auch die Ehrenzeichen der eigenen Gruppe zu verstecken versuchten. An der pazifischen Nordwestküste wurden besonders die heraldische Malerei und die Schnitzerei von männlichen Spezialisten im Dienste des lokalen Adels ausgeübt. die mit der Verwendung dieser Gegenstände zusammenhängt. wobei die betreffenden Märkte in erster Linie von einem nicht-eingeborenen Käuferpublikum bestimmt waren. den man in den Hunderten von indigenen Sprachen Nordamerikas vergeblich suchen wird. gerade auch im handwerklichen Bereich. sondern für Auftraggeber oder Märkte hergestellt werden. und genau diese anderen Formen der Arbeitsteilung bilden eine der grundlegenden Eigenheiten der Kunstwelten Nordamerikas. KUNST UND HANDWERK 203 . viele der mit den Symbolen dieser Privilegien verzierten Gegenstände herzustellen. in deren Rahmen Gegenstände von Teilzeitspezialisten vorwiegend nicht mehr zum eigenen Gebrauch. war für die „heiligen“ die kostspielige Mitgliedschaft in einem die Qualität der Arbeit garantierenden Frauenbund notwendig. Eine Eigenheit vieler Werke der wegen der Dominanz von Männern im rituellen Bereich vorwiegend männlich geprägten Ritualkunst ist ihre Kurzlebigkeit. Hersteller qualifizieren sich für ihre Aufgabe durch handwerkliches Geschick. In Nordamerika finden sich aber auch Beispiele für Handwerkskunst.KUNST UND HANDWERK CHRISTIAN FEEST „Indianerkunst“ Das Wort „Indianerkunst“ ist irreführend: Der Begriff „Indianer“ bedeutet nichts anderes als die Verniedlichung der kulturellen Vielfalt Amerikas durch die europäischen Eroberer. zu letzteren etwa die Mattenf lechterei. Allerdings wurden auch in traditionellen Gesellschaften nicht alle Dinge von allen Personen hergestellt. und „Kunst“ ist ein Ausdruck. keine biologischen Notwendigkeiten bestimmend sind und tatsächlich spezifische Arbeiten in manchen Kulturen von Frauen. Alle von Menschen geschaffenen Dinge besitzen notwendigerweise eine Form. Vor allem in den letzten zweihundert Jahren hat aber diese Produktionsweise zusammen mit dem engeren euroamerikanischen Kunstbegriff auch im eingeborenen Nordamerika Fuß gefasst. Die Weitergabe bestimmter technischer Kenntnisse und formaler Traditionen innerhalb von Geschlechtslinien. In den meisten Gesellschaften stellen die unterschiedlichen Aufgaben der Geschlechter im Zusammenhang mit der Fortpf lanzung und deren begrenzende Auswirkungen auf andere Tätigkeiten ein wichtiges Modell der Arbeitsteilung dar. Auf die anderen Produktionsweisen hatte die Betonung des Individuellen insofern eine Auswirkung. weil sie Individuen voneinander abhängig macht und aneinander bindet.B. jedoch nicht von ihr allein bestimmt wird: Jedes materielle Menschenwerk trägt somit auch den „Luxus der Form“ an sich und lässt sich als „Kunst“ betrachten. als die bis dahin anonymen Werke aus dem Bereich der Gemeinkunst oder Handwerkskunst unter Hinweis auf den berühmten Hersteller oder die bekannte Produzentin ebenfalls in ihrem Marktwert gesteigert wurden. also z. Ein tiefer gehendes Verständnis der stilistischen Regelwerke und der zugeschriebenen Bedeutungen setzt eine Kenntnis der Gegebenheiten voraus. Unsere Vorstellung von „Kunst“ als isolierbarer Bereich ist letztlich nur der Ausf luss einer mehr oder minder ausgeprägten Spezialisierung bei der Herstellung künstlicher Gegenstände. die aus der Zerstörung der Werke unmittelbar nach dem Gebrauch folgt. unter denen die Werke entstanden sind. in anderen aber von Männern ausgeübt werden. die sich im indigenen Nordamerika erst unter westlichem Einf luss durchgesetzt hat. die den Einstieg in die fremde Formenvielfalt erleichtern mögen. Funktion. die ihrerseits durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Unterschiede bedingt sind. Während die „gemeinen“ Künste allen Frauen offen standen. Sie spiegeln gleichzeitig die Vielfalt der Weltbilder wider. nicht adeligen Hälfte zu. in denen sie in einer Gesellschaft oder auch über sie hinaus zirkulieren.

Feest. 204 CHRISTIAN FEEST . schwächte alte Ritualkunst-Traditionen und ließ manches spezialisierte Wissen in Vergessenheit geraten. der Südwesten. Janet und Ruth B. Der euroamerikanische Einf luss förderte vorhandene und schuf neue Zweige von Handwerk und Kunst. die östliche Subarktis sowie die östliche und zentrale Arktis. David W. 2. Die Entstehung neuer Märkte prägte entscheidend die künstlerischen Produktionsweisen in den letzten fünf Jahrhunderten und bot Zugang zu neuen Materialien (wie Glasperlen.Karte der Herkunftsorte und -stämme der in der Ausstellung gezeigten Werke Schwerpunkte der Befassung mit den Kunstwelten des indigenen Nordamerika in Ausstellung und Katalog bilden die Nordwestküste. 2004 North American Indian Art. die Plains. Seidenbändern. London: Thames & Hudson. der Nordosten. Oxford und New York: Oxford Universit y Press. Nicht zuletzt förderte er aber auch die bewusste Nutzung bildnerischer Ausdrucksformen als Ausdruck der Identität ihrer Hersteller. 1992 Native Arts of North America. Auf l. Tuchstoffen. Phillips 1998 Native North American Art. London: Thames & Hudson. überlegenen Eisenwerkzeugen und neuen Techniken der Materialverarbeitung. Silber). Penney. Weiterführende Literatur Berlo. Christian F.

Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. Holz und Metall von Männern verarbeitet werden. Zwantziger) Der Bau einer Eisenbahnlinie nach Santa Fe im Jahr 1879 führte zum massiven Zustrom von Touristen und zur Entstehung eines neuen Marktes für Keramik. Horn. wo (wie auf den Plains und in der östlichen Subarktis) Leder. Keramik. Diese Dominanz im textilen Bereich mag eine teilweise Erklärung dafür bieten. während im Bereich der Männerkunst figürliche Darstellungen vorherrschen. dass harte Materialen wie Stein. Wie in allen Fällen von kulturellem Transfer brachte ihre Übernahme jedoch kein reines Kopieren der Vorbilder mit sich. Muschelschalen. weil sie unter europäischem Einf luss rasch verschwanden) figürliche Arbeiten gefördert haben. New Mexico. Dazu kommt vor allem beim Zwirnbinden eine Vielzahl von dekorativen Techniken mit Hilfe von Zierfäden. Natürlich gab es aus verschiedenen Gründen Ausnahmen. während die Erzeugung von Gegenständen aus Leder. Technisch gesehen sind drei Grundformen der Flechterei zu unterscheiden: die Wulsthalbf lechterei. der Männern in diesen Techniken oft (aber nicht immer) einen strategischen Vorteil verschafft. und das echte Flechten – hier werden zwei gleichberechtigte Fadensysteme miteinander verf lochten. Textile Techniken Korbf lechterei. Ein Faktor. fand sich in allen Regionen des Kontinents und hatte nur dort geringe Bedeutung. bei der spiralig angeordnete Zweige oder Faserbündel mit einem aktiven Faden verbunden werden. warum weibliche Stile in Nordamerika zu geometrischen Formen und Abstraktion neigen. die von Pueblo-Frauen an den Bahnstationen zum Verkauf angeboten wurde. So mag das Vorhandensein von Handwerkerinnenbünden im Pueblogebiet des amerikanischen Südwesten und vielleicht auch im östlichen Nordamerika (wo wir mangelhaft über sie informiert sind. ist der Gebrauch von spezialisierten Produktionsmitteln wie Töpferscheiben oder Webstühlen. wie überhaupt Spezialistentum häufig männlich besetzt ist. Knochen. aber auch der Stickerei und Applikation entsprochen wurde. das Zwirnbinden. Zu den ungewöhnlichen und bis heute geschätzten Neuerungen zählen die karikaturhaften keramischen Fremdendarstellungen der Cochiti-Töpferinnen. In Nordamerika. Im indianischen Nordamerika bewirkte die vorherrschende geschlechtliche Arbeitsteilung hingegen die Entstehung autonomer Bereiche des weiblichen Schaffens. Cochiti. archäologisch nachweisbar ist. Im Zuge des Auf kommens einer Andenkenindustrie für die nach landest ypischen Produkten ausschauenden weißen Besucher entstand eine größere Nachfrage nach erkennbaren Formen. Umgekehrt waren die von den Pueblo-Männern hergestellten Gewebe und Stickereien mit vorwiegend abstrakten Mustern versehen. bildeten daher die Töpferei und die ganze Bandbreite der textilen Techniken zumeist eine Domäne der Frauen. deren Hervorbringungen im Allgemeinen die gleiche gesellschaftliche Anerkennung fanden wie die Produkte der Männer.oder Rindenbehälter vor Gef lechten den Vorzug erhielten. um 1910. Korbwaren und textilen Produkten in manchen Gesellschaften den Männern. Als Faustregel der geschlechtlichen Arbeitsteilung in vorindustriellen Gesellschaften gilt der Grundsatz.Frauenkünste In der europäischen Kunstwelt waren Frauen die längste Zeit bestenfalls Randfiguren. wo Webstühle selten waren und Töpferscheiben überhaupt fehlten. die in Nordamerika seit etwa 8000 v. sondern wurde in überlieferte Stile und Bedeutungszusammenhänge eingebettet. kettartigen Fadensystems zwirnartig gegeneinander verdreht werden. die eine Musterung der Oberf läche jenseits der Farbgebung der strukturellen Fäden ermöglichen. Männliche Figur. in anderen den Frauen obliegt. KUNST UND HANDWERK 205 . Chr. der von Frauen im Bereich der Figuralkeramik. bei dem zwei oder drei aktiven Fäden nach jeder Kreuzung eines passiven. Schließlich gelangte durch die Vermittlung von Schulen und die Einheirat von Weißen in indigene Gemeinschaften – etwa im Bereich der f loralen Motivik – eine europäische Formensprache dorthin.

Im 19. die von den Männern für sie gemalt wurden. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. wobei die Flechterinnen die in ihrer Verwendung zu den Privilegien der Adelsfamilien zählenden Muster auf der Grundlage von Musterbrettern anfertigten. Foto: William M. Chr. Statt dessen stellten die Frauen robuste Körbe aus Holzspänen her. Jahrhundert die Navajo die Weberei. Jahrhundert begannen Navajo-Weberinnen neben den für den eigenen Kleidungsgebrauch und für den Handel bestimmten Decken mit geometrischer Musterung auch Bildteppiche mit szenischen Darstellungen ihrer Lebenswelt herzustellen. ist die ältere Tradition bis heute lebendig geblieben. Pennington und Wesley R. Von den Pueblos erlernten im späten 17. Jahrhunderts brachte zeitweise auch diese Textilkunst zum Erliegen. um den Bedarf der benachbarten Kolonisten zu decken. Im östlichen Nordamerika verschwanden hingegen die traditionellen Flechtereien bereits im 18. Rowland. Zu den herausragenden Textiltraditionen dieses Genres zählen neben den in nur wenigen Exemplaren erhaltenen kalifornischen Federdecken die nach einem Dorf der Tlingit in Alaska benannten Chilkat-Decken mit ihren konventionellen figürlichen Mustern im Stil der männlichen Malerei. ihre Decken wurden vielmehr durch den Handel auch bis in die Plains verbreitet. die unter anderem durch die Verfügbarkeit kommerzieller Garne in vielen Farben gefördert wurde. Shiprock. die heute für dieselben Stücke auf dem Kunstmarkt erzielt werden. Jahrhundert um die Reproduktion von zeremoniellen Trockenmalereien erweitert wurde. Dinna Keeman (Navajo. 206 CHRISTIAN FEEST . wurden sie als von weißen Sammlern geschätzte Beispiele des Kunsthandwerks bis ins 20. Christian Feest) Im späten 19. Taschen und Decken. Gegen Ende des Jahrhunderts zeigten sich ferner erste Ansätze zu einer Bildnisweberei. Bald belieferten die Navajo-Weberinnen nicht nur ihre früheren Lehrmeister und die spanischen Kolonisten. im Zusammenhang mit dem Anbau der aus Mexiko stammenden Baumwolle Fuß gefasst hatte. Die damals für die Decken geforderten Preise nehmen sich äußerst bescheiden aus gegenüber jenen. Die Vermarktungsaktivitäten der lokalen Handelsposten führten schließlich zum Aufblühen lokaler Stile und zur Integration orientalischer Teppichmuster in das Motivinventar. Jahrhundert in wenn möglich noch zunehmender Qualität hergestellt. Echte Weberei war in Nordamerika ursprünglich nur im Südwesten heimisch. Jahrhundert erlebte die Navajo-Weberei eine stürmische stilistische Entwicklung. Jahrhundert mehr und mehr zur dekorativen Kunstform. die weitgehend vom Gebrauch von Eisengeräten zur Herstellung gleichmäßig breiter Späne abhängig war. Die Hinwendung zu dem neuen Stil erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhundert in geringem Ausmaß wiederbelebt wurde. Jahrhunderts. Jahrhundert waren die „Navajo Weberinnen“. um 1985. 1914. die dann erst im späten 20. Auch nachdem die Körbe durch Industrieprodukte nach und nach aus dem täglichen Gebrauch verdrängt worden waren. wo sie ab dem 8. Bildteppich. Arizona). Der Niedergang des alten Gesellschaftssystems gegen Ende des 19. Im östlichen und nordwestlichen Nordamerika bildete das Zwirnbinden auch die wichtigste Technik zur Herstellung von Flachtextilien wie Matten. seit dem 19. Jahrhundert v. Jahrhundert. die sowohl Darstellungen der Lebenswelt als auch Motive der zeremoniellen Trockenmalerei einschlossen. Die Textilien der Pueblo-Weber waren einfärbig oder einfach gemustert. die hier von den Frauen praktiziert und durch die von den Spaniern übernommene Schafzucht in eine neue Richtung gelenkt wurde. Wenngleich die Motivpalette im 20.Das Zwirnbinden und das Wulsthalbf lechten waren besonders im westlichen Nordamerika von der Nordwestküste über das Plateaugebiet und Kalifornien und das Intermontane Becken bis in den Südwesten hoch entwickelt. Aber auch hier entwickelte sich die Spanf lechterei. Noch im späten 18. Library of Congress. wurden aber vielfach mittels Broschierung und Stickerei verziert. aus Zedernbast und Bergziegenwolle gef lochtenen Decken dieser Region überwiegend mit geometrischen Mustern aus der Korbf lechterei verziert. Washington Die an ihren großen vertikalen Webstühlen im Kreise ihrer Schaf herden tätigen Navajo-Weberinnen bildeten ein beliebtes Motiv für die Schnappschüsse der Touristen.

die von frühen Berichterstattern in glühenden Farben beschrieben wurden. sind aber in ihrer spezifischen Konfiguration jeweils t ypisch für Stämme oder Regionen. die sie in ihrer Musterung dem eigenen Bedarf anpassten. sie fanden in Anlehnung an Muster der Quillarbeiten besonders im östlichen Nordamerika Anwendung. Musée Royal de l'Afrique Centrale. um 1925. Frans Olbrechts) Von ihren weißen Nachbarn und vor allem in den Regierungsschulen erlernten indianische Mädchen die Herstellung von Steppdecken ("Quilts") mit einem Oberteil aus Stofff licken („Patchwork“). zu Bändern verf lochten oder um Lederschnüre gewickelt wurden. die mit der rückläufigen Bedeutung der Jagd außer Gebrauch kamen. In Verbindung mit eigenständigen Mustertraditionen nehmen diese Quilts heute eine wichtige Rolle im textilen Kunsthandwerk ein.und Applikationstechniken seit der Kolonialzeit die Verfügbarkeit von Stahlnadeln und Scheren eine zentrale Rolle. Im späten 18. mit Quills symmetrische geometrische Muster auf Birkenrinde zu sticken – eine Dekorform. Tervuren (Slg. Auf durch Sklaven vermittelte afrikanische Einf lüsse mögen die Patchwork-Arbeiten der Seminole zurückgehen. selbst wenn er unter ungünstigen äußeren Bedingungen vonstatten geht. von denen die Glasperlenarbeiten ausführlich an anderer Stelle dieses Buches gewürdigt werden.und Plangi-artige Reservemusterungsverfahren sind nur aus archäologischen Funden und wenigen Belegstücken des 18. wo allerdings f lorale Motive und gelegentlich figürliche Darstellungen vorherrschten. Jahrhunderts bekannt. hat sich bis auf wenige prähistorische Fragmente gar nichts erhalten. Seltener entstanden auf kleinen Webrahmen gewebte Streifen aus Borsten. Wie bei anderen von außen angeregten Neuerungen auch bestand die Leistung der Kunsthandwerkerinnen nicht in der puren Imitation fremder Ideen und Praktiken. Andere Textiltechniken der östlichen Waldländer wurden frühzeitig Opfer des Kontakts mit den Europäern und ihren Handelsstoffen. Neben der Verwendung importierter Stoffe spielte für die wachsende Bedeutung der indigenen Näh.pan-indianischer Festtagstracht zählen. die vor allem auf lederner Kleidung und Taschen des persönlichen Bedarfs musterbildend appliziert. Jahrhundert auch Seidenbänder nach Nordamerika importiert. Ungefaltete Rohhauttasche. sondern in deren schöpferischer Aneignung und Umgestaltung. Jahrhundert begannen die Micmac in den kanadischen Atlantikprovinzen. Bei den Teton Sioux entsprechen die Muster vielfach jenen auf Frauenroben ("Box and Border"). Neben robusten Wolldecken wurden durch den europäischen Handel ab dem späten 18. Jahrhundert wurde die Idee der mit Patchwork verzierten Steppdecken übernommen. die sich im frühen 19. die ihrerseits auf Kleidungsstücke aufgenäht wurden. um 1830. die zur Grundausstattung KUNST UND HANDWERK 207 . Jahrhundert auch ins westliche Seengebiet ausbreitete. sie dienten teilweise als Ersatz für bemalte Lederumhänge. Die Beispiele machen deutlich. Dabei sind zunächst die gefärbten Borsten des amerikanischen Stachelschweins (die Quills) zu nennen. Herzog Paul von Württemberg) Merkmale wie bilaterale Symmetrie und Sanduhrformen haben in der Rohhautmalerei eine über Stammesgrenzen hinausgehende Verbreitung gefunden. von den mit Truthahnfedern verzierten Umhängen. Teton Sioux. Eine bedeutende Rolle im Rahmen der Textilkunst nahmen insbesondere im östlichen Nordamerika verschiedene Dekortechniken ein. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Tritik. Jahrhundert die so genannten „ribbon shirts“. Oberteil einer Steppdecke. Im ausgehenden 19. Die Quilts wurden als Bettdecken oder Umhänge verwendet oder zu Geschenkzwecken hergestellt. Cherokee. wie bereichernd kultureller Austausch sein kann. In wesentlich einfacherer Form verzieren ihre aus Kunstfasern hergestellten Nachfolger im 21.

Frauenmalerei Malerei zählte zusammen mit den verwandten grafischen Methoden der Verzierung zu jenen Formen der Kunstausübung. Labrador. Viele der Prinzipien des weiblichen Stils finden sich auch in Nachbarregionen wie dem östlichen Waldland und der östlichen Subarktis. Br. Während im östlichen Nordamerika grafische Verzierungsformen wie Ritzung oder Stempelung überwogen. um 1820. Basel (Slg. um 1770. bei der ja die Aufgabenstellung ebenfalls in der Gestaltung sphärischer Oberf lächen bestand. weil die möglicherweise einst mit bestimmten konventionalisierten Motiven verknüpften Bedeutungen schon im 19. Aus der älteren Tradition der Korbf lechterei. Die zweite Sparte bestand in der Bemalung von großen Tierfellen. flèche. bei anderen von Frauen und gelegentlich von beiden Geschlechtern praktiziert wurden. umschloss also plastische und malerische Elemente. die von Männern und Frauen als Umhänge („Roben“) getragen wurden. die oft kreisförmig zu sonnenartigen Gebilden zusammengesetzt waren. Eine bedeutende Sparte der weiblichen Ledermalerei war die Verzierung von f lachen. Lukas Vischer) Um dem „Herren der Karibus“ gefällig zu sein und den Jagderfolg zu sichern. was den von Frauen bemalten Behältern die aus dem Französischen abgeleitete Bezeichnung Parf leche (parer. Ethnologische Sammlung. Parf lechebemalungen können freilich nur eingeschränkt als symbolisch bezeichnet werden. Naskapi.und Kurvilinearität der Formen. (Slg. Keramik von Frauen und Leder von beiden. Die Loslösung von diesen Ursprüngen wird durch das vermehrte Auftreten von figuralen Darstellungen und das Auf kommen polychromer Bemalung angezeigt. Die Malerei der Frauen war grundsätzlich symbolisch und überwiegend aus abstrakten. meist geometrisierten Elementen zusammengesetzt. kümmerten sich diese auch um seine malerische oder grafische Oberf lächengestaltung. aus denen kaum oder keine männliche Ledermalerei bekannt geworden ist. eindeutig die Bemalung. Naskapi. wo Holz (wie bei den Pawnee und ihren Nachbarn) von Frauen bearbeitet wurde. während die der Männer in bildhafter Weise persönliche Erfahrungen im Krieg. Museum der Kulturen. Arthur Speyer) Bemalter Mantel. Für einen Vergleich männlicher und weiblicher Stile bietet sich insbesondere die Ledermalerei der Plains an. und aus der anderer textiler Techniken übernahmen die Frauen anfangs sowohl die geometrische Musterung als auch die Zweifarbigkeit. Städtische Museen Freiburg i. jedoch grundlegend verschiedene inhaltliche und gestalterische Ziele verfolgte. Regionale und tribale Stile unterschieden sich im Hinblick auf Farbwahl oder das relative Ausmaß von Rekti. wobei sie einen Großteil ihrer Wirkung durch das Wechselspiel positiver und negativer abstrakter Formen erzielte. dem Südwesten. Labrador. die im indigenen Nordamerika bei manchen Stämmen von Männern. bemalten Frauen der Naskapi und Cree die Mäntel ihrer Männer mit Motiven. Die beiden hier abgebildeten und mit Epauletten ausgestatteten Mäntel leiten sich in ihrem Schnitt von Geschenken der Pelzhändler an bevorzugte Handelspartner ab und illustrieren in ihrer Bemalung die zunehmende Floralisierung ursprünglich abstrakter kurvilinearer Muster. die aber auch als Darstellungen von Federhauben oder Kalumetbehängen interpretiert wurden. dominierte in der zweiten großen keramikführenden Region. Jahrhundert vergessen worden waren. auf der Jagd oder bei der visionären Begegnung mit übernatürlichen Mächten wiedergab. Im Fall der Töpferei lag die Gesamtgestaltung des Produkts von der Formgebung bis zum Dekor in weiblichen Händen. gefalteten oder zylindrischen Behältern aus harter Rohhaut. „Pfeil“) eintrug. Dabei war in erster Linie das zu bemalende Material für die spezifische Zuordnung zu dem einen oder anderen Geschlecht ausschlaggebend. Auch danach zeichnete sich die Figürlichkeit jedoch durch ein hohes Maß von Stilisierung aus. Dort. Holz wurde überwiegend von Männern bemalt. die von beiden Geschlechtern in denselben Techniken ausgeübt wurde. die sich auf Träume der Männer bezogen. „abwehren“. Insbesondere bei den Sioux-Völkern standen bei den von Frauen bemalten Männerroben Federmotive im Vordergrund. Dabei unterschied sich die Musterung in Abhängigkeit vom Geschlecht des Trägers.Bemalter Mantel. Frauenroben zeichnen sich durch noch größere Abstraktion aus und wei- 208 CHRISTIAN FEEST . Dieses Medium wurde in der Männermalerei vor allem bei der Herstellung von Schilden eingesetzt.

Gaylord 1994 The American Indian Parfleche: A Tradition of Abstract Painting. Im Gegensatz dazu fand die Männermalerei noch im 19. Turnbaugh. Toronto: Royal Ontario Museum. Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied) Bei den Lakota und manchen ihrer Nachbarn trugen Frauen von Frauen gemalte Lederumhänge. KUNST UND HANDWERK 209 . Mit dem Ende der Bisonjagd verloren die weiblichen Formen der Ledermalerei der Plains rasch ihre Bedeutung. deren Motiv mit Erde und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird. Dies stimmt mit der symbolischen Verknüpfung des Motivs mit Fruchtbarkeitsvorstellungen überein. das wenigstens bei einem Typus deutliche Affinitäten zur Parf lechemalerei aufweist. sen häufig ein von einem Rahmen umgebenes Zentralmotiv auf. Dorothy K. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Das von Prinz Maximilian zu Wied gesammelte Fell ist eines der ältesten erhaltenen Belegstücke für den sogenannten "Box and Border"-Typ der Bemalung. Joe Ben und Ann Lane Hedlund 2003 Indian Blanket Weaving of the Southwest. and Cree Hunters of the Quebec-Labrador Peninsula. Seattle: Universit y of Washington Press. Der ornamentale Rahmen scheint den kaum noch erkennbaren Umriss eines Bisons zu repäsentieren. doch lassen die ältesten bekannten Sioux-Roben eine Deutung als stilisierte Profilansicht eines Bisons zu. 1992 To Please the Caribou. Montagnais. Sarah Peabody und William A. in dessen Inneren eine rechteckige Form mit abstrakten Muster ausgefüllt ist. Teton Lakota. Wheat. Auch die Rahmen sind meist abstrakt. West Chester: Schiffer.Bemaltes Fell. zumal der Bison als Sinnbild für die Erde und ihre Fruchtbarkeit galt. Turnbaugh 2004 Indian Baskets. Painted Caribou-Skin Coats Worn by the Naskapi. um 1830. Weiterführende Literatur Burnham. Jahrhundert eine Fortsetzung in Arbeiten auf Muslin und Papier. Tucson: Universit y of Arizona Press. und zwar vielfach bevor ihre inhaltliche Bedeutung ausreichend erforscht werden konnte. Torrence.

Der von Wied an anderer Stelle „als noch in der Kindheit befindlich“ beschriebene Malstil wurde zu Recht als bilderschriftlich oder piktografisch bezeichnet. In erster Linie ging es dabei um Kriegstaten. Menschliche Figuren wurden oft nur als Torso mit aufgesetztem Kopf wiedergegeben.Männerkünste Figürliche Malerei und Bildhauerei als Ausdrucksformen des indigenen Kunstschaffens machten die von Männern hergestellten Werke jenen der europäischen Kunst leichter vergleichbar als die Textilkunst der Frauen. sondern bestanden meist aus Mengenangaben in Form von Aufreihungen bilderschriftlicher Symbole. Auch wenn diese Gegenüberstellungen manchmal zum Nachteil der indigenen Künstler gerieten. Joslyn Art Museum. weil ihm die Absicht der Aufzeichnung von Ereignissen und Leistungen zu Grunde lag. nämlich den Registern und den Winterzählungen. in Blackfoot mit piktografisch bemalter Bisonrobe. Männermalerei Als sich der deutsche Forschungsreisende Prinz Maximilian zu Wied (1782–1867) im Winter 1833/34 gemeinsam mit dem Schweizer Maler Karl Bodmer (1809–1893) unter den Stämmen des oberen Missouri auf hielt. deren Verteilung ebenfalls den sozialen Status des Gebers heben konnte. 210 CHRISTIAN FEEST . deren öffentliche Zurschaustellung als Teil der Kleidung dem Träger öffentliche Anerkennung bringen sollte. Hier sind die dargestellten Gegenstände oder Personen oft geradezu kurzschriftartig zu Symbolen reduziert. mit denen die überwiegend mineralischen Pigmente in das weiche Leder gedrückt wurden. die für jedes Bild einen kurzen Merksatz memorierten. ergibt sich der grundsätzlich grafische Charakter der Darstellung aus der Dominanz der schwarzen Umrisslinien. Die bilderschriftliche Malerei der Plains steht in derselben Tradition wie die piktografischen Ritzzeichnungen auf Birkenrinde oder Holz. Als Malwerkzeug dienten (wie bei der Malerei der Frauen) Griffel aus Holz oder Knochen. verglich er die Malkunst der dortigen Männer mit jener „unserer kleinen Kinder“. Der bilderschriftliche Charakter dieser Malerei wird noch deutlicher in zwei anderen Genres. aber auch von Geschenken. In den Winterzählungen hielt man denkwürdige Ereignisse in ebenfalls stark verkürzten Darstellungen fest. Der demonstrative Zweck überwog eindeutig gegenüber dem ästhetischen Anspruch. da sie eine rasche Identifikation der dargestellten Personen erlaubten. geht Wieds kritische Einschätzung doch an den gänzlich anderen Zielsetzungen seiner malenden Gastgeber vorbei. Auch wenn im Gegenzug die indianischen Kollegen Bodmers den treffenden Realismus des Landschaftsmalers bewunderten. die als einzelne Szenen meist in linearer Anordnung und ohne den Versuch einer Gesamtkomposition auf Bisonfelle gemalt wurden. 1833/34. während er die von den Frauen hergestellten borstenverzierten Hemden als „besonders schön“ erachtete. Bei Registern handelt es sich um summarische Kataloge von Beutestücken. Sie waren allerdings nur von Spezialisten eindeutig lesbar. Auch wenn die Flächen manchmal mit Farbe ausgefüllt waren. Insbesondere der Mangel an perspektivischer Darstellung und das Fehlen von Schattierungen zur Wiedergabe der Dreidimensionalität mögen der Grund für Wieds Vergleich mit Kinderzeichnungen gewesen sein. boten die Ähnlichkeiten doch wenigstens Ansätze für eine Annäherung der Kunstwelten. die mit ihren Werken keine naturalistische Abbildung der Welt bezweckten. Omaha Registerroben besaßen kaum szenischen Charakter. mit denen man die Erinnerung an die Abfolge der Jahre stützte. Typischen Kleidungsstücken oder Frisuren widmete man größere Aufmerksamkeit. Bleistiftzeichnung und Aquarell von Karl Bodmer (1809–1893).

Eindeutig heraldisch ist hingegen die Malereitradition der pazifischen Nordwestküste. näherte sich die bildliche Kriegsberichterstattung der Plains noch im 19. oder Raubvögel im Mittelpunkt der Darstellungen. ein hohes Maß an Konventionalisierung. weil die Übertragung der Darstellungen von Leder auf Papier zu einer Vereinzelung der Szenen führte. Kriegszug) und weiblicher symbolischer Malerei. die in bestimmten Familien vererbt wurden und damit eine Art heraldischen Charakter besaßen. Lille (ex-Slg. und zwar vor allem in Form von Kassabüchern. Freilich gab es auch piktografisch bemalte Zelte. Bei manchen Stämmen konnten Visionäre bis zu vier völlig gleiche Schilde herstellen und an andere weitergeben. die sich in ihren Arbeiten niederschlugen. Während diese Ritualkunst aber unter dem Druck von Mission und Zivilisierungspolitik zurückgedrängt wurde oder gänzlich verschwand. Hörner. Dazu trug die Verfügbarkeit von Papier bei. in denen übernatürliche Wesen Schutz und Lebenshilfe anboten. Die Ausrichtung des Fells folgt der üblichen Trageweise mit dem Kopf nach links. Trotz der persönlichen und emotionsgeladenen Natur der visionären Begegnungen zeigen die daraus entstandenen Werke. Vor allem die in den 1870er Jahren fern ihrer Heimat internierten indianischen Kriegsgefangenen waren verstärkt stilistischen Einf lüssen westlicher Malerei ausgesetzt. denen religiöse Spezialisten im östlichen Waldland Gesangstexte und Ritualabläufe festhielten. Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie.Bemaltes Fell. Versailles) Eines der ältesten erhaltenen bemalten Felle aus dem Gebiet des Oberen Missouri zeigt eine ungewöhnliche Kombination von piktografischer Männermalerei (Jagdszenen. Als Repräsentationen von erworbenen Kräften stehen Symbole der Macht wie Bären. Jahrhundert der europäischen Kunstauffassung an. Aus Kriegern waren fast über Nacht Künstler geworden. vor allem Schilde und Schilddecken. Sie erweiterten ihr Repertoire um Bilder aus dem Alltagsleben. Ebenfalls auf Visionen – hier allerdings zumeist auf solche der Ahnen – gehen viele Zeltbemalungen zurück. Hemden entsprach. deren Verzierung in Stil und Funktion jener der Roben bzw. wie sie in den Kontoren der Händler Verwendung fanden. um 1750. die wie bereits erwähnt in der Hand männlicher Spe- KUNST UND HANDWERK 211 . Bibliothèque Publique. fanden dafür ausreichend ethnografisch interessierte Käufer und begannen ihre Werke zu signieren. Oberer Missouri (?). Eine andere Form der Männermalerei der Plains bezog sich auf visionäre Erfahrungen.

Männerhemd. U-. Archäologische Funde verweisen auf eine mehrere Jahrtausende umfassende Entwicklungsgeschichte dieses Stils. Augenlider. Primäre Formlinien waren zumeist schwarz und umschlossen sekundäre und tertiäre blaue oder rote Elemente. Zur Andeutung von Gelenken dienende Ovoide bildeten häufig selbst Ausgangspunkte von ganz anderen Figuren und trugen damit zur Mehrdeutigkeit der Bilder bei. Bei dreidimensionalen Formen erfolgte durch Aufspaltung und Ausklappen der Teile (analog dem Aufspalten von zur Trocknung vorbereiteten Fischen) eine Reduktion auf zwei Dimensionen und leere Flächen wurden in einer Art horror vacui gefüllt. Staatliches Museum für Völkerkunde München Registermalerei besaß kaum szenischen Charakter.und S-Formen. die der Kunst dieser Region ein leicht wiedererkennbares Aussehen verleiht. Damals bewirkte der Pelzhandel eine Vermehrung des Reichtums. die von den Männern stolz auf Hemden oder Roben zur Schau gestellt wurden. 212 CHRISTIAN FEEST . Haida und Tsimshian der nördlichen Nordwestküste fand. doch wurden anatomische Zusammenhänge meist einer f lächenfüllenden Komposition geopfert. Einf lüsse des Stils sind auch in den angrenzenden arktischen Regionen Alaskas auszumachen. die sich inhaltlich auf die mythischen Ursprünge der Privilegien der lokalen Adelsklasse bezogen. Blackfoot (?). L. Die damit verbundene Semiprofessionalisierung brachte eine starke Formalisierung des stilistischen Regelwerks mit sich. Augenbrauen. der seine klassische Ausprägung um die Mitte des 19. Zwar gab es auch relativ leicht erkennbare figürliche Darstellungen vor allem von Tieren. kurvilineare Formen (Ovoide. Daneben entwickelten sich entlang der Küste regionale Stile. die sich durch strenge Symmetrie auszeichnete. um 1850. Herausragendes Stilmerkmal war die Auf lösung der bildlichen Darstellung in standardisierte. die gemeinsam ein zusammenhängendes „Formlinien“Gerüst bildeten. die es den adeligen Auftraggebern erlaubte. Jahrhunderts bei den Tlingit. sondern bestanden meist aus Mengenangaben von Geschenken oder Kriegsleistungen in Form von Aufreihungen bilderschriftlicher Symbole (hier: Balken und Linien). deren Stilregeln zum Teil merklich vom klassischen Modus abwichen. ihre Vorrechte noch eindrücklicher darstellen zu lassen. Finger) von wechselnder Breite und in unschattierten Farben. das auch eine Verbindung von Malerei mit Reliefschnitzerei erlaubte. als bevorzugtes Medium diente aber eindeutig Holz. Zwar gab es hier auch Ledermalerei. zialisten lag.

in deren Rahmen anfangs vor allem Pfeifen und pfeifenähnliche Paneele entstanden.Skulptur Die Einheitlichkeit des männlichen Kunststils der Nordwestküste offenbart sich in der Bildhauerei (ebenfalls überwiegend aus Holz). die ihren vielfältigsten Ausdruck in oft figürlich gestalteten Pfeifenköpfen fand. die die Inseln besuchten. in denen die Adelsprivilegien am prächtigsten verkörpert wurden. Jahrhunderts angeeignet hatten und ihn nun an junge indianische Künstler weitergaben. dessen größte Lagerstätte sich nahe dem heutigen Ort Pipestone im südwestlichen Minnesota befindet. Als Material diente insbesondere ein roter Tonschiefer. Flöten und Figurinen erweiterten die Palette der Formen. Eine vergleichbare Entwicklung machte die Steinskulptur im östlichen Nordamerika durch. Eine Renaissance erlebte die Nordwestküstenkunst erst seit den 1960er Jahren unter dem Einf luss weißer Schnitzer. die dem Schaffen der Schnitzer und Maler der Nordwestküste bei westlichen Kunstliebhabern und Künstlern (insbesondere den Surrealisten) widerfuhr. das Spezialistentum nicht auf Dauer ernähren. um 1850. Danach setzte jedoch eine sehr aktive Hausindustrie ein. da das Rauchen von Tabak von den Haida nicht praktiziert wurde und die Pfeifen auch kaum tatsächlich benutzbar waren. Ihre Gesichtsbemalung bezieht sich auf die wappenartigen Privilegien ihrer Familie. Jahrhunderts geriet. waren die kleinen und leicht zu transportierenden Schnitzereien ideale Andenken und Mitbringsel. die sich den klassischen Stil des 19. und vor dem Hintergrund des wiedererstarkten ethnischen Selbstbewusstseins der indigenen Völker. die durch den europäischen Kontakt besondere Förderung erfuhren. führten zu einem erkennbaren Niedergang der überlieferten Kunstformen. Die Bezeichnung Catlinit für diesen Pfeifenstein leitet sich Frauenfigur. Modelle von Wappenpfählen und schließlich mythologische Szenen hinzu. Krongut) Die Fähigkeit zu sehr realistischen Darstellungen ist eine Eigenschaft der HaidaSchnitzkunst und fand schon im 19. Die hier dargestellte Frau war nach Ausweis ihres Ohrschmucks von hohem Rang. Dem Formlinienstil ist es zuzuschreiben. KUNST UND HANDWERK 213 . die kulturelle Vielfalt und regionale Kunstformen prämierte. Jahrhundert in Porträtmasken und Figurinen ihren Ausdruck. wo ein Steinbruch einen als Argillit bezeichneten Tonschiefer liefert. als auch in den holzarmen Prärien und Plains gab es seit prähistorischen Zeiten eine Tradition der Steinschnitzerei. Das breite Spektrum der skulpturalen Formen reichte von kleinen Gebrauchsgegenständen wie Löffeln. der sich in frisch gebrochenem Zustand mit Holzschnitzwerkzeugen relativ leicht verarbeiten lässt. An die Stelle des Adels traten häufig Museen und Sammler als Auftraggeber. Jahrhundert bei den Haida der Queen Charlotte Islands. Haida. in denen ebenfalls die Holzskulptur vorherrschte. Dies allein wäre schon ein Hinweis auf den für diese Produkte angepeilten Markt. Angelhaken oder Werkzeugen über Masken bis zu den mehrere Meter hohen Wappenpfählen (im populären Jargon auch als „Totempfähle“ bezeichnet). Im Gegensatz zur Malerei finden sich in der Bildhauerei der Nordwestküste ausgeprägt naturalistische Elemente. Dies geschah mit Unterstützung einer kanadischen Kunstpolitik. Für die Seeleute und Pelzhändler. Trotz seiner Verfügbarkeit scheint das Material vor 1820 kaum verwendet worden zu sein. doch konnten die gängigen Marktpreise bei aller Wertschätzung. British Columbia. Sowohl die Qualität der Ausführung als auch die Monumentalität der Werke steigerte sich mit der leichteren Verfügbarkeit von eisernen Schnitzwerkzeugen vor allem in der ersten Zeit des Kontakts mit der westlichen Welt. diese teilweise unterstützt. Sowohl in den Waldländern. dass selbst kleine Schnitzwerke monumentalen Charakter besitzen. Tassen. So wurden vor allem porträtartige Masken – insbesondere Abbildungen von Frauen mit exotisch anmutenden Lippenscheiben – von den als Käufern auftretenden Seefahrern oder Händlern gerne erworben. Traditionelle Motive vermengten sich bald mit Darstellungen von Europäern. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Schüsseln. Neben Holz fanden in der Schnitzkunst der Nordwestküste auch Elfenbein. Eine Blüte erfuhr die Steinschnitzerei im 19. aber auch mit ihr konkurriert. in der das Formliniensystem in ein Spannungsverhältnis mit der plastischen Gestaltung tritt. Später kamen noch kleine Truhen. Die Turbulenzen. Horn und Stein Verwendung. in welche die traditionelle Gesellschaftsordnung gegen Ende des 19. die nicht der üblichen Konventionalisierung der Kunst der pazifischen Nordwestküste folgten.

Jahrhundert ist von den Cherokee und ihren Nachbarn die Produktion von Pfeifen für den Handel überliefert. die krankheitserregende und -heilende Wesen darstellen. der den Steinbruch als Erster ausführlich beschrieb. Anders als bei der grönländischen Tupilakschnitzerei. British Columbia. Weiterführende Literatur Brown. Minneapolis: The Minneapolis Institute of Arts. die zur Zeit seiner Entstehung aus bescheidenen voreuropäischen Wurzeln zu einer klassischen Sparte der Skulptur der Nordwestküste reiften. Helsinki (Slg. Jahrhunderts ein Genre der Argillitschnitzerei. Holm. durchlief aber im späten 19. deren Künstler sich mit der Frage des Alkoholkonsums befassten. Seattle: Universit y of Washington Press. obwohl auch in ihr vorwiegend mythologische Themen behandelt werden. hat die Steinskulptur der kanadischen Inuit einen gänzlich profanen Ursprung. Museum der Kulturen. Keine Probleme dieser Art gibt es mit der Steinskulptur der zentralen und östlichen Arktis. Jahrhundert starteten irokesische Traditionalisten den weitgehend erfolgreichen Versuch. Argillitpfeife. Haida. Jahrhunderts aufgegriffen wurde. Maurer. Der auf einer Verbindung von geschicktem Marketing und einer Befriedigung der Bedürfnisse der Kunden beruhende Erfolg war so durchschlagend. Seattle: Universit y of Washington Press. John C. Mit Hilfe von Regierungszuschüssen gelang es tatsächlich. Adolf Lindman) Dem Geschmack ihrer Kunden folgend entwickelten die Haida um die Mitte des 19. aber doch wieder weitgehend auf den indigenen Gebrauch beschränkt. British Columbia. Steven C. war ursprünglich Mitgliedern eines Geheimbunds vorbehalten. die etwa mit einer bis dahin unüblichen erotischen Thematik den Geschmack der euro-amerikanischen Käufer zu treffen versuchte.Argillitpfeife. dass heute etwa die Hälfte der Erwerbstätigen des autonomen Nunavut als Künstler tätig ist. Eighteenth Through the Twentieth Century. und frühen 20. die sich zwar traditionellen Inhalten widmen. 1998 Native Visions: Evolution in Northwest Coast Art. Sie geht auf die Bemühungen des kanadischen Künstlers James Houston (1921–2005) zurück. Im späten 20. Obwohl in den meisten Fällen die Namen der Schnitzer unbekannt sind. die Verweltlichung und Kommerzialisierung des Maskenwesens rückgängig zu machen. Jahrhundert (ohne jemals die eigentliche Bedeutung zu verlieren) im Zusammenhang mit dem Verkauf der Schnitzwerke an touristischen Orten wie den Niagarafällen oder in Montréal einen Prozess der Säkularisierung. die auch von SiouxSchnitzern des 19. 1986 Plains Indian Sculpture: A Traditional Art from America’s Heartland. Ewers. Lukas Vischer [?]) Ab etwa 1820 schnitzten die Haida aus Argillit Pfeifen und andere figürliche Kleinplastik für den Verkauf an Seeleute und Pelzhändler. Washington: Smithsonian Institution Press. die sich immerhin aus einer magischen Praxis ableitet. Die Herstellung und der Gebrauch dieser Masken. Hier ist die Besatzung eines Raddampfers dargestellt. Während die Produktion von Pfeifen aus Catlinit bis heute erfolgt. Bill 1965 Northwest Coast Indian Art. Ein frühes Belegstück dieser Art weist in seiner langgestreckten Grundform kompositorische Ähnlichkeiten mit den Wappenpfählen auf. den ein Mann mit wehendem Schal zu fangen oder zu vertreiben scheint. förderte die Produktion für den Touristenmarkt das Spezialistentum und zahlreiche Stücke können heute als Werke bestimmter unbekannter Meister identifiziert werden. Daneben wurden aber auch bräunliche bis schwarze Tonschiefer und Speckstein zur Herstellung von Pfeifenköpfen verwendet. Evan M. den nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt vom Kulturwandel in der Arktis betroffenen Inuit eine neue Einkommensquelle im Bereich der Kunst zu erschließen. auf dessen Bug ein großer Vogel sitzt. um 1830. Museovirasto. ist die einst bedeutende Holzskulptur des östlichen Waldlands fast nur noch in der Maskenschnitzerei der Iroquois lebendig. vom amerikanischen Maler Georg Catlin (1796–1872) ab. jedoch nicht selbst in einer lokalen Tradition der Steinschnitzerei stehen. Basel (Slg. während eine Frau den Steuermann fest im Griff hat. 214 CHRISTIAN FEEST . Haida. Etwa gleichzeitig wurden im Seengebiet Figuralpfeifen hergestellt. 1992 Visions of the People: A Pictorial History of Plains Indian Life. Seitdem sind diese als heilig und belebt gedachten Abbilder der übernatürlichen Heiler zwar nicht völlig vom Markt verschwunden. um 1850. das Käuferpublikum in den Städten des südlichen Kanada für die „archaischen“ Specksteinschnitzereien zu begeistern. das sich durch Darstellungen europäisch-amerikanischer Themen und oft auch den Verzicht auf die Verwendbarkeit als Pfeife auszeichnet. Schon aus dem 18.

um 1850. Herzog Paul von Württemberg) Als Meisterwerk der Kleinplastik der nordamerikanischen Plains gilt diese Pfeife.Figürlicher Pfeifenkopf aus Speckstein. einer Flasche oder einem Weinglas gezeigt werden.oder Klauenmotiven und sitzenden Männerfiguren aus. 18. die bereits im 17. Sie zeigt einen Bären mit erhobenen Pfoten vor einem sitzenden Mann und bezieht sich vielleicht auf eine mythische Erzählung der Pawnee. H. KUNST UND HANDWERK 215 . Santee Dakota. Delaware (?). Musée Royal de l'Afrique Centrale. um 1820. Karl Scherzer) Eine Gruppe von Pfeifenköpfen eines anonymen Santee Dakota-Pfeifenschnitzers zeichnet sich durch Bleieinlagen mit Huf. Sie schließt an eine lange Tradition figürlicher Pfeifenköpfe in den voreuropäischen Kulturen der Waldlämder des östlichen Nordamerika an.Tervuren (Slg. Figürlicher Pfeifenkopf aus Catlinit. Jahrhundert. Auch ist hinter dem Pfeifenkopf ein Tierkopf zu entdecken. die meist in Verbindung mit einem Rumfass. Linden-Museum Stuttgart (Slg. Figürlicher Pfeifenkopf aus Catlinit. Minnesota. die Herzog Paul von Württemberg wahrscheinlich im September 1823 erworben hat. Skidi Pawnee. Menist) Der aus einem undokumentierten archäologischen Fund stammende Pfeifenkopf entspricht einer Form. Nebraska. Museum für Völkerkunde Wien (Ambraser Sammlung. ex-Slg. in der ein Bär einen armen Pawnee-Jungen mit übernatürlichen Kräften segnet. Jahrhundert aus der Region der mittleren Atlantikküste in europäische Sammlungen gelangte. der sich jedoch vom Betrachter abwendet.

um überhaupt als Kunst wahrgenommen zu werden. Das Tempo dieses Wandels erhöhte sich ab der europäischen Kolonisation noch durch die selektive Übernahme neuer Materialien und Werkzeuge sowie die Entstehung neuer Märkte und die Umgestaltung der Lebensweise. Picasso und seine Mitstreiter stellten nicht nur den naturalistischen Abbildcharakter der Kunst in Frage. Kalaallit. erleichterten aber deren Einbettung in eine eurozentrische Kunstbetrachtung. die heute für unsere Kenntnis einer „indianischen Kunstgeschichte“ als Grundlage dienen. Auch wenn ihr Schaffen von weißen Betrachtern wohl einschränkend als „Volkskunst“ angesehen wurde. seiner Prämierung individueller Autorschaft und Exzellenz und seiner traditionellen Fokussierung auf figürliche Malerei und Bildhauerei als „freie Künste“ ist in dieser Form ein Produkt der Frühen Neuzeit. Aquarell von Aron aus Kangeq (1822–1869. sondern bezogen sich dabei auch spezifisch auf die Andersartigkeit und sogar den Vorbildcharakter der angeblich unverfälschten „primitiven“ Kunst. Der europäische Kunstbegriff mit seiner Trennung von Form und Anwendung. dass sich die Kunstäußerungen im indigenen Nordamerika stetig verändert haben. Die wichtigste Veränderung des 20. einer Würdigung des Erfolgs durch die Kunstkritik und einer Präsentation in Kunstmuseen. 216 CHRISTIAN FEEST . Sie förderten damit zwar nicht unbedingt ein besseres Verständnis für die exotischen Kunstprodukte. die Leiterin einer der ersten eigenen „indianischen“ Kunstschulen – des „Studio“ in Santa Fe – kühn behaupten. So konnte etwa die amerikanische Kunsterzieherin Dorothy Dunn. Hier geht es um Liebe über den Tod hinaus und die anhaltenden Beziehungen zu Verstorbenen. Jahrhundert verstärkt einsetzende Beschäftigung der europäischen Kunstwissenschaft mit der außerhalb Europas vorgefundenen und nach westlicher Anschauung „primitiven“ Kunst erfuhr einen deutlichen Perspektivenwechsel im Zusammenhang mit der Veränderung des Kunstbegriffs und des ästhetischen Kanons durch die Künstler der Moderne im frühen 20. Kulturhistorisk Museum. Noch fehlte freilich eine vollständige Einbindung in die Rahmenbedingungen der westlichen Kunstwelt mit einer professionellen Ausbildung in Kunstschulen. Gleichsam nebenbei illustriert die Zeichnung schematisch die igluartige Grabarchitektur. Universitetet i Oslo Aron von Kangeqs Werk umfasst historische. „Tusilartoq besucht seine verstorbene Ehefrau in deren Grab und wird dort mit getrocknetem Rentierfleisch und Fett bewirtet“. Jahrhundert hatten sich Einzelgänger wie die Tuscarora-Brüder David (1786–1831) und Dennis Cusick (1800–1824) oder der Grönländer Aron aus Kangeq (1822–1869) die Grundlagen der europäischen Kunstausübung selbst angeeignet sowie Bilder zur Geschichte und Lebensweise ihrer Völker gemalt und diese als Drucke veröffentlicht. abstrakte Kunst (in einem westlichen Sinn) hätte bereits in der prähistorischen Keramikbemalung des amerikanischen Südwestens geblüht. legendäre und ethnografische Themen seiner grönländischen Heimat. Schon im 19. Trotz dieser Anpassungen bleiben die von „Indianern“ geschaffenen Dinge bis heute Ausdruck ihrer Identität. Jahrhunderts bestand aber zweifellos in der Auseinandersetzung indigener Künstler mit dem westlichen Konzept von „Kunst“. Jahrhundert. Westgrönland). so erfüllte es doch wesentliche Bestimmungsmerkmale. Er lenkte von Anfang an die europäische Beurteilung des bildnerischen Schaffens der indigenen Völker Nordamerikas und beeinf lusste die Sammlung und Bewahrung von Werken. Parallel zur „Entdeckung“ der „primitiven“ Kunst durch die westliche Kunstwelt erfolgte deren „Entdeckung“ durch indigene Künstler. Die im späten 19. dem Verkauf der Werke im Kunsthandel.Veränderung als Tradition Archäologische und historische Belege zeigen. um 1860.

Maidu). *1937) forderte sie auf. wie etwa Coyote. Leah Qumaluk (*1934. Ihr Lehrer Fritz Scholder (Luiseno. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Inuit) ihren Ausdruck. dass sie ihre Arbeiten als indianische Kunst vermarkten. 1919–2000). der nicht von der Bundesregierung als Indianer anerkannten Künstlern für den Fall. Harry Fonseca. inspirierte sie der kanadische Künstler James Houston (1921–2005) zuerst zur Anfertigung von Steinskulpturen und ab 1955 auch von Steindrucken. in den 1960er Jahren. die im Zusammenhang mit ihrem Schaffen zur Gänze auf das Gütesiegel „Indianer“ verzichteten. sondern als Indianer Kunst zu produzieren. Privatsammlung Als "Trickster" bezeichnet man Figuren der indigenen Mythologie. „Eskimo von Adler entführt“. den nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt vom Kulturwandel in der Arktis betroffenen Inuit eine neue Einkommensquelle im Bereich der Kunst zu erschließen. So sehr dadurch stilistische Schranken aufgehoben wurden. die Kluft zwischen ethnisch definierter Kunst und „Weltkunst“ zu überbrücken. um 2000. so wenig erhöhte dieser Schritt ihre Akzeptanz in der größe- KUNST UND HANDWERK 217 . "Stardancer". zu dessen Vorfahren nicht nur die kalifornischen Maidu. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme zeigt. hat Coyote zu einem der Haupthelden seiner Bilder gemacht: hier agiert er mit Turnschuhen und gestreiftem Leibchen als Meister des traditionellen Tanzes.ren Kunstwelt. Die in den 1920er Jahren in Santa Fe und Oklahoma Cit y eingerichteten Kunstschulen für „Indianer“ ermöglichten diese Einbindung allerdings nur zum Teil. die vielfach mythische oder legendäre Ereignisse zum Inhalt haben. Diese wohlgemeinte Schutzmaßnahme wurde aber im Laufe der Zeit zunehmend als Diskriminierung angesehen. Fédération des Cooperatives de Nouveau Québec) In seinem Bemühen. weil sie dem fragwürdigen Anspruch der westlichen Kunstwelt auf universelle Gültigkeit entsprach. In den USA wurde die Situation durch den Erlass des American Indian Arts and Craft Act von 1990 noch verschärft. die groteskes Verhalten mit Heiligkeit und Sinnstiftung verbinden. dass „Indianerkunst“ bis heute wesentlicher Ausdruck des Bestrebens indigener Künstler ist. NouveauQuébec). 1965 . Povingnituk. sondern auch Hawaiianer und Portugiesen zählten. ihre ungebrochene ethnische Identität zu demonstrieren. dem Nachfolger des „Studio“. Waldland. In Kanada findet die Vielfalt von „Indianerkunst“ durch die Förderung von drei regionalen Stilrichtungen (Nordwestküste. Inuit. nicht „Indianerkunst“. Lithografie von Harry Fonseca (1946–2006. gewissermaßen als Reservation innerhalb oder am Rande der westlichen Kunstwelt etablierten. Dies gelang lediglich Künstlern wie George Morrison (Chippewa. die den lokalen oder regionalen Marktinteressen entsprachen. Den Ausbruch aus diesem Getto probten die Schüler des Institute of American Indian Art. mit hohen Strafen droht. weil sie eine stammesübergreifende „Indianerkunst“ mit stilistischen und inhaltlichen Vorgaben. In der Aufnahme von Werken dieser teilweise ganz neuen Traditionen in die National Gallery of Canada manifestiert sich das Bestreben.

von Nampeyo hergestellte Keramiken zu sammeln. 1905 (und noch einmal 1907) verbrachten Nampeyo und mehrere Mitglieder ihrer Familie einige Monate im kürzlich errichteten „Hopi House“ im nahe gelegenen Grand Canyon. die er wahrscheinlich in Keams Canyon erstand. Der Sikyatki-Stil ist vielfärbig und zeigt schwarz und rot gemalte Muster auf einem gelben Grund. Die in dieser Sammlung repräsentierten Muster unterscheiden sich deutlich von ihrem üblichen Stil und – so die Forscher Mary Ellen und Lawrence „Die Töpferin“. die sich in rituellen Praktiken. dass Nampeyo schon damals eine kundige Töpferin war. Töpferei ist in diesem Zusammenhang ein typisches und höchst bezeichnendes Beispiel für die Verbindung von überliefertem Handwerk und schöpferischer Innovation. Diese schöpferische Periode endete 1910 mit ihrer Teilnahme an der Chicago Coliseum Exposition. ihr gänzlich unbekannte Muster zog. sondern macht sie zur „Töpferin“ schlechthin. 218 TOM G. klaubte Bruchstücke von Töpfen auf und kopierte ihre Muster“. Der zunehmende Strom von Touristen in den Grand Canyon trug zur wachsenden öffentlichen Würdigung ihrer Arbeit bei. Der besondere Ruf der Hopi-Töpferei ist nicht zuletzt das Verdienst einer Frau: Nampeyo. zu der sie ihre zweite Tochter Nellie Douma (1894–1979) begleitete. für das Ethnografische Museum der Universität Oslo. SVENSSON . Bilder verschiedener Fotografen zeigen sie bei der Formung und Bemalung ihrer Werke und mit einer Auswahl ihrer eigenen Töpfe und der ihrer Töchter. „Als ich mit dem Malen begann“. Svensson Nampeyo und ihr Erbe Der amerikanische Südwesten zeichnet sich durch die bemerkenswerte Hartnäckigkeit seiner indigenen Traditionen aus. die nicht beißt. Foto: Edward S. Ihre einzigartige Geschichte verdient es. um 1906. Wie ihre Mutter war sie Mitglied des Mais-Klans. eine harmlose Schlange. „ging ich in die alten Dörfer. sondern eine alte Tradition neu zu beleben. erinnerte sie sich in den 1920er Jahren. und so gilt sie als Hopi-Töpferin. der auf der Zweiten Mesa eine Feldforschung insbesondere zum Thema Religion und Ritual durchführte. Die wichtigste Quelle ihrer Inspiration fand Nampeyo bei ihrer Suche im Schatz der Muster bildenden Ideen der alten Kulturen ihrer engeren Heimat. 1375– 1625) und die Freiheit der Ausdrucksformen ihrer Keramik erweckten ihre Aufmerksamkeit. Gleichzeitig entwickelte sie einen eigenen persönlichen Stil und setzte damit einen Trend für andere Töpferinnen. hier erzählt zu werden. Nampeyos Geschichte Nampeyo (1860–1942) stammte aus dem Dorf Hano auf der Ersten Mesa in Arizona.Tom G. sondern in erster Linie auf seinen spirituellen Konnex. Jahrhunderts zur meistfotografierten Töpferin des Südwestens. wobei „Mais“ sich hier nicht nur auf die physische Lebensgrundlage – die Nahrung – bezieht. Besonders die prähistorische Sikyatki-Kultur (ca. Nampeyos Ziel war es. Das Foto von Edward Curtis (1868–1952) nennt die Künstlerin nicht beim Namen. wo sie ihr Handwerk demonstrierte und ihre Werke zeigte. von der sie das Handwerk erlernte. Schon 1904 erwarb Ole Solberg. Curtis. auch weil ihr Vater ein Hopi war und sie in ihrem Werk den traditionellen Mustern und Techniken der Hopi-Töpferei folgte. nicht weniger als zwölf ihrer Gefäße. Die Jahre von 1890 bis 1910 gelten unbestreitbar als die wichtigste und fruchtbarste Phase ihres langen Wirkens als Töpferin. Fotosammlung Ihr wachsender Ruhm machte Nampeyo zu Beginn des 20. Glaubensvorstellungen und insbesondere auch ästhetischen Ausdrucksformen äußert. und Museen (selbst solche in Europa) begannen. Ihr frühes Interesse an der Töpferei verdankte sie ihrer väterlichen Großmutter. besonders für ihre zahlreichen töpfernden Nachkommen. Ihr Name meint also in der TewaSprache „Sandschlange“. Museum für Völkerkunde Wien. und so sammelte sie alte Tonscherben. Dank Nampeyos Leistung wurde die Keramik der Hopi zu einem Symbol der Hopi-Kultur. Ein 1893 am Handelsposten von Keams Canyon einige Kilometer östlich der Ersten Mesa aufgenommenes Foto belegt. 1898 genoss sie bereits einen ausgezeichneten Ruf und wurde gemeinsam mit ihrer Tochter Annie Healing (1884–1968) zur Santa Fe Railway Exhibition in Chicago eingeladen. dem einzigen Tewa-Dorf im Hopi-Land. aus denen sie Wissen über neue. nicht exakte Kopien herzustellen.

um 1910. die ausschließlich in der Wulsttechnik hergestellt wurden.und Geschmackssinn. Wenngleich Nampeyos Ruf auf der Qualität des Dekors ihrer Keramiken beruht. Diese Motive gelten seither als Eigentum der Hopi und stehen bei ihren Nachkommen weiter in Gebrauch. sondern setzt auch eine Vielfalt unterschiedlicher Fähigkeiten voraus. die einem Gefäß am deutlichsten seine kulturelle Identität verleiht. Nampeyos von ihr geradezu verehrter Polierstein befindet sich heute im Besitz ihrer Enkelin Tonita. Laurent Deleglise) Wegen des Fehlens von Signaturen können die meisten Töpfe nur auf der Grundlage stilistischer Eigenschaften Nampeyo zugeschrieben werden. Laurent Deleglise) Zu Nampeyos „Klassikern“ zählen große Töpfe mit ausladenden Schultern. Nampeyo (?) (Hopi-Tewa. Darauf folgen die Magerung des Tons sowie die Zubereitung der Pigmente. um 1910. Nach Trocknung an der Luft wird die Keramik unter einem Haufen aus getrocknetem Schafdung im offenen Feldbrand gebrannt – ein heikler Prozess. Zwischen 1900 und 1910 festigte Nampeyo ihren Ruhm als fähige Handwerkerin und wichtige Exponentin ihrer Kultur.Bemalter Topf. Hano. Die sorgfältige Auswahl des Tons an seinen natürlichen Lagerstätten ist entscheidend für eine optimale Formgebung und erfordert eine Verbindung von Tast-. Hergestellt von Nampeyo. bei NAMPEYO UND IHR ERBE 219 . Geruchs. Spinnen sowie rechteckige und stilisierte Katsinamotive erwähnt. Aus dem von ihr geschaffenen Motivschatz seien hier beispielhaft der Adlerschwanz. heute im Museum für Völkerkunde Wien befindliche SammBemalte Schale. Hano (Arizona). Vogelund Fledermausf lügel. die „feine Migationslinie“. Arizona). Typisch für ihr Werk ist neben der sorgfältigen Bemalung die Spannung zwischen rektilinearen und kurvilinearen Elementen und das Spiel mit positiven und negativen Formen. Hopi-Tewa. Ihr Beitrag zur Entwicklung der Töpferei lag in der Verwandlung von Gefäßen des alltäglichen Gebrauchs in eine kulturspezifische Kunstform. die 1956 zu ihrem Angedenken in Hano Polychrome umbenannt wurde. Blair – treten auch in ihrem späteren Werk nicht mehr auf. Dabei verbleiben in vielen Fällen Zweifel. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. in der sich auch Werke von Nampeyo und solche aus ihrem Umfeld finden. Stilistisch leitete ihr Werk den Übergang von einer als Polacca Polychrome bezeichneten Keramik zur Hopi Revived Pottery ein. lung. Etwa zum selben Zeitpunkt erwarb der Geschäftsmann Laurent Deleglise in Arizona eine größere. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Die Formgebung des Gefäßes geschieht mit den Händen ohne Verwendung einer Töpferscheibe. Es ist die anschließende Verzierung mit Mustern und Symbolen. dem besondere Wertschätzung zuteil wird und der für gewöhnlich innerhalb eines Matriklans vererbt wird. ist die Töpferei doch nicht allein eine Frage der Bemalung. während zum Glätten und Polieren ein bestimmter Stein gebraucht wird. da die Kriterien der Unterscheidung zwischen ihren Werken und jenen ihrer Töchter und Konkurrentinnen nur ansatzweise definiert worden sind. die als Matrone des Maisklans auch die Hüterin des Hauses dieses Klans in Hano ist. die sie in unzähligen Variationen des „AdlerschwanzMotivs“ bemalte.

Museum für Völkerkunde Wien (Slg. mit einer bestimmten Person verbunden und nicht übertragbar. Arizona). um die berühmte „Alte Dame Nampeyo“ zu besuchen. während cremefarbene Scherben von ihren Nachkommen bevorzugt werden. Neben ihr sind vor allem zwei andere Tewa-Töpferinnen der folgenden Generationen aus dem Rio Grande-Tal in New Mexico zu nennen. sowie gelben Ton. kugelige „Saattöpfe“ und Wasserkrüge. Fannie Polacca (1900–1987). doch wurde sie bei der Bemalung von ihren Töchtern und sogar von einigen ihrer Enkelinnen unterstützt. dem eine genaue Kontrolle der Temperatur das Auftreten von Rissen und Sprüngen verhindern kann. die in ihrem Werk stark von Nampeyo beeinf lusst war. aus Santa Clara. deren Namen ebenfalls zur Legende geworden sind: Maria Martinez (1887–1980) aus San Ildefonso. SVENSSON . Letzterer findet sich häufig in der intensivsten Periode ihres Schaffens. Annie Nampeyo Healing (?) (1884–1968. So wurde Nampeyo in ihrem Heimatstaat Arizona. Laurent Deleglise) Die Zuschreibung von Töpfen an eine bestimmte Herstellerin geht von einer vollständigen Individualität der Produktion voraus. In den 1920er Jahren begann Nampeyo. bevor der Verkauf entweder direkt an einen Sammler. Arizona). Hopi-Tewa. mit ihren sensiblen Händen den Ton zu formen. auch als „Mutter Ton“ bekannt. denen sehr daran gelegen war und ist. die ihre Töpferwaren von jenen ihrer Nachfolgerinnen unterscheidet. die an die prähistorische Sikyatki-Keramik erinnern. weil sie ebenfalls dem Maisklan angehörte. dass zahlreiche Werke das Ergebnis der Zusammenarbeit der Mutter mit ihren Töchtern waren. Im Fall Nampeyo lebt der Name als „Markenbezeichnung“ fort. unter Sehschwäche zu leiden.“ 220 TOM G. Ihre jüngste Tochter. wird auch in künftigen Jahrhunderten ausgestellt und bewundert werden. Bemalte Schale. waren Nampeyos Keramiken oft dickwandig und schwer. die weder lesen noch schreiben konnte. Nampeyo war eine Kunsthandwerkerin. dass auch ihre Töchter Annie. machte sich 1937 auf. Den Abschluss des Herstellungsprozesses bildet das Versäubern der Keramik. Bei der Bemalung ließ sie zwischen den Linien oft größere Flächen frei – eine weitere Eigenheit. Verglichen mit den fragilen Gefäßen. 1986 in die Arizona Women’s Hall of Fame in Phoenix gewählt. der sich für ihre „Klassiker“ im sechsstelligen Dollarbereich bewegt. im Marktwert. in einem Laden oder im Rahmen einer Schaustellung erfolgt. in dem Indianer erst 1948 das Wahlrecht erhielten. Sie war zwar noch lange und bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 1942 in der Lage. Tafoya. der sie sich vielleicht auch deshalb verbunden fühlte. Laurent Deleglise) Obwohl Nampeyos Tochter Annie seit ihrem vierzehnten Lebensjahr mit ihrer Mutter gemeinsam in der Öffentlichkeit auftrat und spätestens ab 1905 selbst bei gemeinsamen Auftritten die Herstellung von Töpfen demonstrierte. und Margaret Tafoya (1904–2001).Bemalte Schale. die als eine der Ersten um 1910 mit der Signierung ihrer Werke begann. hat ihre Arbeiten nie signiert – im Gegensatz zu ihren Nachkommen. Nellie und Fannie zu Meistertöpferinnen wurden. Noch in den 1930er Jahren nahm Nampeyo mehrmals an der jährlichen Hopi Craftsmen Exhibition des Museum of Northern Arizona in Flagstaff teil. Aus der Werkstatt von Nampeyo (Hopi-Tewa. aber auch in posthumen Ehrungen. Nampeyo selbst. dessen Scherben eine orange bis ziegelrote Färbung zeigt. In der Begründung heißt es: „Ihre Kunst. Gerade im Fall Nampeyo ist aber klar. den alle töpfernden Familienmitglieder neben dem Familiennamen tragen. Die Würdigung ihrer herausragenden Leistung findet ihren Niederschlag in einer wachsenden Literatur über ihr Werk. offene Essschüsseln. Hano. die namentlich als Künstlerinnen gewürdigt wurden. Nach dem Brauch der Hopi ist jeder Name einzigartig. Nampeyo hatte wesentlichen Anteil daran. wie sie heute von Mitgliedern der Familie hergestellt werden. Ihr Repertoire umfasste f lache Schalen. der im Brand eine Cremefärbung annimmt. Hano. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. spielte in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle. ihr letztes bekanntes Werk stammt von 1939. doch waren ihr t ypischstes Erzeugnis ausladende Töpfe mit hohen Schultern und kurzem Hals. die sie insbesondere bei der dekorativen Ausgestaltung ihrer Keramik behinderte. Nampeyo verwendete grauen Ton. die durch ihr Schaffen der Töpferei der indigenen Völker Nordamerikas zur Anerkennung als echte Kunstform verhalf und sie war die Erste in einer langen Reihe von PuebloTöpferinnen. datieren die ältesten mit ihrem Namen verbundenen Werke erst aus dem Jahr 1912. den Namen Nampeyo zur Vermarktung ihrer eigenen Werke zu nutzen. die durch vergangene Jahrhunderte angeregt wurde. um 1910. Sie inspirierte ihre Enkelinnen und indirekt auch die Nachkommen der folgenden Generationen. um 1910.

die besonders stolz darauf sind. Kulturhistorisk Museum. Svensson) Plastisch verzierter Topf. zurück ins Hopi-Land. Das Renommee der Hopi-Keramik beruht nicht zuletzt auf dem anhaltenden Selbst wertgefühl der zahlreichen mit Nampeyos Erbe verbundenen Töpferinnen und Töpfer. aber auch aus dem Alltag. Dillingham. Ich ließ drei Sätze dieser Farbfotos auf der Ersten Mesa zurück und versprach. eine Enkelin von Annie und die wohl bekannteste Töpferin unter den lebenden Nachkommen. folgt. die daran Interesse hätten. Andere Nachkommen aus männlichen Linien dürfen nur den Namen Nampeyo verwenden. Wenngleich die gemeinsamen Wurzeln in diesem vielfältigen Schaffen erkennbar sind. Nampeyo selbst hatte prähistorische Tonscherben gesammelt. [1929] New York: Dover. In der Abstammungslinie Fannies. Ruth 1972 The Pueblo Potter: A Study of Creative Imagination in Primitive Art. deren Tochter Adelle und andere nahe Verwandte verpf lichtet sind. NAMPEYO UND IHR ERBE 221 . Svensson) Während in Tonitas Werk die aus den Arbeiten ihrer Großmutter stammenden Federmotive weiterentwickelt und mit kreuzschraffierten Flächen kombiniert werden. Bunzel. als sie ihre Keramiken nicht bemalt. löste ich allgemeine Begeisterung aus. wie dies das Beispiel des innovativen Gebrauchs von alten Mustern illustriert. die sich von Nampeyo herleiteten. Mary Ellen und Laurence Blair 1999 Legacy of a Master Potter. mit denen Tonitas Sohn Loren Hamilton (*1961) die Tür zu neuen Horizonten der Hopi-Töpferei geöffnet hat. Arizona). findet man noch mehr und noch radikalere neue Ansätze. 1994 gab es in diesem Stamm 60 Produzenten von Keramik. verdichtete aber die Motive des Sikyatki-Stils zu einer Art Mosaik. Tucson: Treasure Chest Books. Tonita perfektionierte den Stil ihrer Mutter. Lorens Motive sind leicht in die Oberf läche eingeritzt und beruhen auf Szenen aus dem rituellen und zeremoniellen Leben. worin sie nicht zuletzt ihrer Mutter Priscilla Namingha (*1924). Eine andere interessante Ent wicklung ist die in jüngerer Zeit beobachtbare Abwendung von stilisierten und eher abstrakten Motiven hin zu figürlichen Darstellungen. Als ich bei einem Feldbesuch auf der Ersten Mesa einigen der führenden Töpferinnen der Gegenwart Fotos der in Oslo verwahrten Werke Nampeyos aus dem Jahr 1904 zeigte. Kulturhistorisk Museum. ohne dass die Bindung an die Tradition verloren gegangen wäre. Damit endet meine Geschichte – aber nicht die von Nampeyo und ihrem Erbe. insbesondere im Werk ihrer überaus kreativen Töchter Tonita Hamilton (*1936) und Iris Youvella (*1944). Bemalter Topf. dass nur die in mütterlicher Linie von Nampeyo abstammenden Angehörigen des Mais-Klans die Maispf lanze als Symbol verwenden dürfen. Seine Arbeiten sind mit einer Kombination seines Namenszugs. darunter – entgegen der traditionellen geschlechtlichen Arbeitsteilung – zehn Männer. vor allem weil ihnen die darauf sichtbaren Muster bisher gänzlich unbekannt gewesen waren. Universitetet i Oslo (Slg. Nampeyo“. und auf einer engen Verbindung mit der Natur. um ihnen einen Zugang zu dem unverhofft wiederum neu zugänglichen künstlerischen Erbe ihrer Vorfahrin zu ermöglichen. Weiterführende Literatur Blair. Auch er steht jedoch fest in der von Nampeyo gegründeten Linie der Töpfer des Maisklans der Hopi. verweist der Maiskolben auf dem Topf ihrer Schwester Iris auf die Zugehörigkeit der Töpferinnen-Dynastie zum Mais-Klan. Anstatt die überlieferten Muster lediglich zu kopieren. Albuquerque: Universit y of New Mexico Press. die in einer vor mehr als hundert Jahren angelegten Sammlung eingefangen worden waren. Hopi-Tewa. der sich durch die besondere Feinheit der Linien auszeichnet und dem auch ihre ältere Schwester Elva. obwohl die einzelnen Töpferinnen eine fast unendliche Fülle von persönlichen Variationen des NampeyoStils hervorgebracht haben. um aus deren Motiven Anregungen für ihre eigene Arbeit zu beziehen. Albuquerque: Universit y of New Mexico Press. in gleicher Weise zu versorgen. Iris hingegen brach insoferne mit der Überlieferung.Nampeyos Erbe Das von Nampeyo wiederbelebte alte Handwerk ist bis heute in den Fertigkeiten und Ideen vieler der mit ihr verwandten Nachfolgerinnen lebendig. „Loren H. Rick 1994 Fourteen Families in Pueblo Pottery. So ergibt sich aus Sicht der Hopi eine klare Unterscheidung zwischen den verschiedenen Strängen der Keramiktradition. Dextras Schwester. setzte diese Praxis fort. Universitetet i Oslo (Slg. In seinem Werk findet man den deutlichsten Übergang vom Handwerk zur reinen Kunst. Arizona). Zweifellos ist diese Zahl seither noch angewachsen. Tom G. Barbara 1996 Nampeyo and Her Pottery. Iris Youvella Nampeyo (*1944. Diese Entwicklung wurde von ihrer Nichte Nyla Sahmie (*1954) erfolgreich fortgesetzt und auch auf andere Motive angewandt. und einer Maispf lanze signiert. Teil einer ungebrochenen künstlerischen Tradition zu sein. die den Geist der „Alten Dame Nampeyo“ verkörpern. Hopi-Tewa. In diesem Zusammenhang wird von den Töpferinnen betont. Tonita Hamilton Nampeyo (*1936. ent wickeln die Künstlern und Künstlerinnen stets neue Spielarten der traditionellen Motive. bei dem er zwei Jahre in die Lehre gegangen war. In dem bisher Gesagten habe ich immer wieder auf die Rolle Nampeyos als Quelle der Inspiration folgender Generationen verwiesen. zumal nun die fünfte Generation von Nachkommen herangereift ist. So kamen die ästhetischen Empfindungen. Tom G. alle. die sich auf Nampeyo zurückführen lassen. In den Werken der gegenwärtigen Nachkommen begegnen einander Tradition und Moderne. Er stützt sich dabei auf die Arbeiten seines mütterlichen Onkels Tom Polacca (1935–2003). spiegelt es vielleicht doch auch die Kreativität und Innovationsbereitschaft der Ahnherrin wider. Kramer. Nampeyo and Her Descendants. Ihre Urenkelin Dextra Quotskuyva (*1928). sondern durch plastischen Dekor verziert.

. die auf lokale Rohstoffe und auf traditionelle Wissensbestände der indigenen Arbeitnehmer zurückgreifen können.John „Sky“ Katchia. Warm Springs Forest Products Industries Erfolge im Kampf gegen die auf den Reservationen vielfach herrschende Arbeitslosigkeit erzielen vor allem jene stammeseigenen Betriebe. Oregon. Foto: Unbekannter Fotograf. um 1995. . Sägewerksarbeiter der Warm Springs Tribal Forest Industries. Madras. Warm Springs Reservation. Jr. Anders als bei Arbeitsmigration in die Städte oder Betriebsansiedlungen nichtindianischer Firmen bleiben Löhne und Gewinne auf der Reservation.

dass indigene Kultur tot sei. wurde zeitweise abgelöst durch die leicht korrigierte Version. Indigene wurden in einer Art kultureller Bewusstseinsspaltung. traditionelle indianische Kultur gebe. sind keine Mangelkulturen. Pluralismus und Kultur in der Krise Viele Reservationen sind mittlerweile politisch und religiös sehr diversifiziert und haben im Bereich der Aufrechterhaltung des eigenen kulturellen Gedächtnisses viele neue Institutionen und Rollen für Spezialisten geschaffen. das Erlernen der Sprache. Sie spiegeln den Zeitgeist und die soziale Wertigkeit kultureller DIE „NEUEN INDIANER“ 223 . und langsam setzt sich die Erkenntnis durch. Die Vorstellung. weil man sie für „ausgestorben“ hielt. So kommt zum vermeintlichen Gegensatz von Tradition und Moderne noch jener von Einheit und Vielfalt hinzu. Auf der anderen Seite aber hat die Entstehung eines eigenen indigen kontrollierten Bildungssektors den Schulerfolg und die Berufsaussichten indigener Kinder verbessert. Indigene Bildungsspezialisten veranstalten heute Kurse in interkultureller Kommunikation für weiße Polizisten. die Teilnahme an religiösen Zeremonien. wie viele Indianer es gibt. Ritualspezialisten. Im Zuge des politischen Aufbruchs und der Suche nach gesellschaftlichen Gegenentwürfen und Utopien in den 1960er und 1970er Jahren erwachte jedoch in den USA und Kanada ein breites Interesse an den eingeborenen Kulturen.und Familienoberhäupter sowie Lehrer. die sich aber prinzipiell im Gestern befinde und von der die meisten heutigen Indigenen durch Anpassung an die amerikanische Mainstream-Kultur entfremdet seien. inmitten des „Systems“ zu überleben. ein an Familie und Gemeinschaft orientiertes Wertesystem und eine ökologisch fundierte Spiritualität. und die – trotz Armut. die einen Indianer definieren. sehr unterschiedlicher Meinung sein. bis 15 Jahren hat das indigene kulturelle Erbe auch im amerikanischen Bildungssystem einen viel größeren Stellenwert erhalten. ein exklusives Recht weniger Eingeweihter oder eine inklusive Praxis für viele sein soll. wie diese Kultur in korrekter Weise zu tradieren und öffentlich darzustellen ist und ob die Partizipation an dieser Kultur. im ewigen Dazwischen. vielstimmig und ohne einheitliche Ansicht darüber. a. d. bei den Stammesverwaltungen angestellte Kulturbewahrungsbeauftragte. was „indianisch“ ist und was nicht. Jahrhundert aus dem Blickfeld der euro-amerikanischen Öffentlichkeiten geraten. politischen Unterstützern indigener Bewegungen und Hobbyisten verbreitet. Das führt häufig zu Streit und Dissens. ebenso wie im Bereich praktischer Berufsausbildung. sondern auch für Indianerinnen und Indianer in Krisensituationen. in denen die lokale indigene Geschichte. „zwischen Anpassung und Widerstand“. Die verschiedenen Sachwalter der für „traditionell“ erachteten Kultur – z. Kunst. Heutige indigene Moderne ist pluralistisch. die der euro-amerikanischen Moderne ähneln. ohne in ihr aufzugehen. das von der weißen Gesellschaft verstanden und sogar bewundert wird. für genesende Alkoholiker. „zwischen Fake und Authentizität“. verortet. die sich in Medien. B. Clan.DIE „NEUEN INDIANER“ CORA BENDER Indigene Moderne Die indigenen Gesellschaften Nordamerikas waren seit der Wende zum 20. sondern repräsentieren eine Vielzahl von „alternativen Modernen“. der zufolge es eine „echte“. muss man sich darüber klar werden. in erster Linie politisch bestimmt und daher historisch wandelbar sind. „zwischen Tradition und Moderne“. obwohl alle Angehörige derselben Kultur. Diese Sicht war lange auch bei Ethnologen. Seit den 1970er Jahren unterhalten die meisten indigenen Gemeinschaften eigene Schulen. kulturelle Eigenart und die Sprache gepf legt und weitergegeben werden. die am stammeseigenen College „Native American Culture“ als eigenes Fach unterrichten – können. Hierdurch entsteht allerdings auch neuer Konf liktstoff auf den Reservationen. so u. Bibliotheken oder Museen. In den vergangenen 10 Ohne Titel. 1988. misshandelte Frauen und indigene Häftlinge eine Kraftquelle und Hilfe beim Wiedereinstieg in ein selbst bestimmtes Leben sein kann. Doch die komplexen indigenen Lebenswelten. viele auch eigene Colleges. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. dass indigene Kultur nicht nur für Sinn suchende Euro-Amerikaner. Alkoholismus und vielfältigen sozialen Problemen – dem Mainstream einiges vorauszuhaben schienen. Plains-Cree. Saskatchewan). Acrylmalerei auf Karton von Gerald McMaster (*1953. die es irgendwie fertig brachten. dass die Kriterien. Gerald McMaster) Für die „neuen Indianer“ ist das Stereot yp der Federhaube ein Symbol eines stammesübergreifenden Indianertums. Ärzte und Sozialarbeiter. Statt „Kultur in der Krise“ – „mit Kultur raus aus der Krise!“ Fünfhundert Nationen – zwei Millionen Indianer Bevor man die Frage beantworten kann. h. Musik und Literatur widerspiegeln.

etwa um ihren inzwischen erreichten sozialen Status nicht zu gefährden oder um ihren Kindern im indianerfeindlichen Klima des ausgehenden 19. Vielen indigenen Kommunitäten ist es gelungen. Jahrhunderts: Reservationen. meint der Autor Jack Utter: Niemand. Wenig genug.9% der gesamten US-Bevölkerung. und kommt so für das Jahr 2000 auf 2. während die Bevölkerungsmehrheit sich zunehmend in die Städte verlagert.585 weitere Personen mit indigener Abstammung.305 für Indianer. leicht zu beantworten. autonome Gebiete und indigene Bevölkerungen Der kollektive indigene Landbesitz konzentriert sich im vergleichsweise dünn besiedelten Norden und Westen des Kontinents. Die Ureinwohner hatten keinen Bedarf an einer generalisierten Selbstbezeichnung. Identitäten in Kanada und den USA wider. Je zehn Städte in den USA und Kanada hatten indigene Bevölkerungen von 10. Fünf hundert Jahre später ist die Frage sehr viel komplexer. Damals schienen die Zahlen den vermeintlichen Sieg von Kapitalismus und Christentum über die in die sozialen und geografischen Randzonen abgedrängten Ureinwohner zu beweisen. Vergleichbare Zahlen finden sich nur in den riesigen autonomen Gebieten Grönland und Nunavut sowie in etwa einem Dutzend Reservationen in den USA.6%). Der USZensus beispielsweise verzeichnet jeden als Indianer.643. Vor dem ersten Kontakt mit Europäern war die Frage. Seitdem hat sich viel geändert. 0. Métis und Inuit (3. Jahrhunderts das Leben zu erleichtern. der sich selbst so deklariert.956 US-Indianer.000 in Kanada.475. sich wirtschaftlich aus der Elendsfalle herauszumanövrieren. In Kanada betrugen im Jahr 2001 die Zahlen 976. 224 CORA BENDER .3%) und 343.000 Indigenen in den USA und 101. Viele Indigene mochten sich nicht einmal selbst zu ihrer eigenen Stammeszugehörigkeit bekennen.Indianerland am Beginn des 21. dazu beanspruchten noch 1. doch mehr als eine Verzehnfachung gegenüber dem historischen Tiefstand von 1900 mit 237.000 oder mehr. wer ein Indianer ist. Sinkende Geburtenraten und hohe Sterblichkeit waren nicht die einzigen Gründe für die niedrige Bevölkerungszahl.345 neben einer anderen „auch“ eine indianische Identität für sich (insgesamt 1.

was eine indigene Kommunität. Indigene Gruppen in ganz Nordamerika haben in den vergangenen vierzig Jahren durch politischen und kulturellen Aktivismus ihren Status in der politischen Landschaft so weit restauriert. Bildung. doch sie schlagen härter zu. die bei den Ojibwa von Lac du Flambeau in Wisconsin in der Diabetes-Prävention arbeitet. Gerichte und Polizeiorgane. doch wird er in der US-Verfassung und in zahllosen Gesetzen und Bestimmungen verwendet und kann ganz unterschiedliche Entitäten bezeichnen – eine winzige kalifornische Ranchería mit nur wenigen Dutzend Mitgliedern ebenso wie eine große. die zentrale US-Indianerbehörde. Soziale Probleme und neue Lösungswege in Indian Country Viele Europäer und Amerikaner. Freilich waren 2001 in den USA nur 1. Kanada: „band“) ist. betrachtet sich selbst nur für solche Personen als zuständig. die Frage. An diesem Punkt setzen die neuen Gesundheitsprogramme und Therapiekonzepte an. um ihre prinzipielle Gleichberechtigung gegenüber den amerikanisch-kanadischen Regierungen zu betonen. auf oder in der Nähe einer Reservation leben und über mindestens ein Viertel „Indian blood“ verfügen. territorial weit verstreute Gruppe wie die Cherokee mit über 280. 200. „Nur Stämme werden überleben“. dass das mittlere Alter der indigenen Bevölkerung mit 24 Jahren fast zehn Jahre unter dem Durchschnitt von 33 Jahren liegt. British Columbia. Seabird Reservation. den Schritt ihrer Vorfahren wieder rückgängig zu machen. Nach einem Bericht der Zeitung News from Indian Country aus dem Jahr 2007 haben Indianer immer noch die höchste Tuberkuloserate und die schlechteste Überlebensprognose bei Krebs.000 Angehörigen.die Geburtenrate auf Reservationen ist so hoch. sie betonen die kulturelle und politische Einzigartigkeit und Sonderstellung der Indigenen gegenüber der gesellschaftlichen Mehrheit und allen anderen Minderheiten. sagt die weiße Ernährungsberaterin Hope Williams. Gefragt sind vielmehr Therapiekonzepte. wer ein Indianer ist.234. Viele Nachfolger früherer Aussteigerfamilien versuchen nun. Das so genannte „blood quantum“ ist. Hier herrscht keine Einheitlichkeit. stellen sich diese als Orte des Elends und der Armut vor. Salish. was ein „Stamm“ (USA: „tribe“. verwandtschaftlich und territorial organisierte Gesellschaft ist bis heute juristisch nicht allgemein verbindlich definiert. der kostenlosen Basisgesundheitsversorgung. die noch nie eine Reservation besucht haben. Die Suizidrate unter Indianern ist 27% und die Mordrate sogar 57% höher als im Durchschnitt. Heutzutage gibt es in den USA knapp über 500 anerkannte indigene Kommunitäten und ca. Der in der Ethnologie veraltete Begriff des „Stammes“ als Bezeichnung für eine nichtstaatliche. ist die Frage. prophezeite der indigene Publizist Vine Deloria Jr. „Es kann nicht länger darum gehen. (1933–2005) in den 1970er Jahren. hängt mit der lokalen Geschichte der betreffenden Kommunität und dem historischen Prozess ihrer Anerkennung durch die US-Regierung zusammen. wie z.und Suchtprävention ein spezifisch indigener Zugang viel erfolgreicher als von oben verordnete Belehrung. B. Und: Erkrankungen und Todesfälle sind keine rein medizinischen Tatbestände. sich ihrer „indianischen“ Abkunft besinnen und wieder Anschluss an das Erbe der Vorfahren suchen. 1979 Kinderreichtum ist nur einer der Faktoren für die fast unglaubliche Zunahme der indigenen Bevölkerungen Nordamerikas in den letzten 30 Jahren. eng mit der Frage vequickt. ein Grund. Jahrtausends kann „Indianer sein“ sich wieder lohnen. Fazit: Die Probleme sind in Indian Country prinzipiell dieselben wie im restlichen Amerika. Am Beginn des 3. wer zu ihren Mitgliedern gehört. Die Stammesverwaltungen nehmen das indigene Trinken seit dem Ende der 1970er Jahre als Problem wahr. die schon mehr oder weniger in die Mehrheitsgesellschaft integriert sind.852 Indianer in der Verantwortung des BIA. Das Bureau of Indian Affairs (BIA). Ihre Todesrate ist bei Diabetes Kinder der Peters-Familie. Seit die Stämme mitreden dürfen. Staatlich anerkannte indigene Kommunitäten haben Anspruch auf Zuwendungen und Zuschüsse zu Gesundheitsvorsorge. Umweltschutz und Selbstverwaltung durch indigene Regierungen. bei der Personen. weswegen viele indigene Gemeinschaften heute den Begriff der „Nation“ bevorzugen. auch in vielen indigenen Kommunitäten ein Kriterium der Zugehörigkeit oder des Ausschlusses. wie die Zugehörigkeit geregelt ist. doch hat sich inzwischen viel DIE „NEUEN INDIANER“ 225 . die Mitglied eines von der US-Regierung anerkannten Stammes sind. während in Kanada lediglich 554. Die Anerkennung durch die amerikanische Zentralregierung geht auf die Praxis der Vertragsabschlüsse in der Zeit der kolonialen Landnahme zurück. anderthalb Mal und bei Alkoholismus vier Mal höher als im restlichen Amerika. zu kommen.860 einer „band“ angehörten – jeweils nur knapp mehr als die Hälfte der selbstdeklarierten Indianer. Feest. sondern entwickeln sich auf einem komplexen historischen und sozialen Hintergrund. Noch wichtiger ist die „Identitätsmigration“. Wohnungsbau. 100. „Stamm“ wie „Nation“ haben auch hohen Symbolwert. um auf ihrer Reservation politisch mitreden zu dürfen und in den Genuss indigener Sonderrechte. dass ihre Angehörigen heute wieder den Kopf hoch tragen. obwohl häufig kritisiert und von indigenen Autoren als Hundestammbaum für Indianer verspottet. die an der Basis entwickelt werden und auf der Mitbestimmung der Kommunität und ihren kulturellen Besonderheiten beruhen. wie etwa suchtbezogener Gewalt. die ihre Anerkennung beantragt haben und juristisch darum kämpfen. dass wir ihnen sagen. Foto: Johanna E.000 oder die Navajo-Nation mit ca. wie sie vernünftig leben sollen“. Wie bei Diabetes ist auch in der Alkohol.

bis ich schließlich ausnüchterte. um 1980. Die indigenen Trinkstile zielten häufig auf schnelle und vollständige Berauschung und bargen in sich die Gefahr von selbstzerstörerischer Gewalt. um ihren Alkoholentzug zu unterstützen. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. werden im eigenen Bildungssystem Indigene zu Drogentherapeuten und Sozialberatern ausgebildet. sie sind unsere Verwandten“. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. und die Frauen gingen sehr viel häufiger zu Powwows und religiösen Zeremonien als die Männer. der historische Schuldgefühle mobilisiert. Utter. Die meisten Männer in meiner Familie sind Trunkenbolde. Ich kenne selbst längst nicht alle. der selbst Navajo ist. über zwei „sweat lodges“ für die aus dem Plains. Ontario. Es lehrt sie auch Lieder und Geschichten. sind auf den meisten Reservationen öffentliche Anlässe wie Powwows. erklärt ein Berater. Answers to Today’s Questions. der Reservation. „Unser Programm vermittelt unseren Verwandten traditionelle Lehren über ihre Klanzugehörigkeit.“ Sechserpackung „Treaty Beer“.und Waldlandgebiet übernommene Schwitzhüttenzeremonie. und ich bin nun seit neun Jahren dabei. In meiner Familie sind die Frauen alle sehr traditionell eingestellt. Jahrhundert garantieren Indianern die Ausübung traditioneller Fischereirechte – sehr zum Ärger weißer Sportfischer. dieser heiligen Tradition zu folgen.und Drogenmissbrauch mit Text in Englisch und Ojibwa-Silbenschrift. aufgewachsen. Michigan: National Woodlands Publishing Company. nicht als Klienten oder Patienten. 226 CORA BENDER . Krankheit und Kriminalisierung durch die weiße Gesellschaft. Das Zentrum verfügt über zwei traditionelle Navajo-Zeremonialhogans. Maryland: Rowman & Littlefield.).geändert. Und damit geriet ich in unsere andere heilige indianische Tradition. gewalttätige Auseinandersetzungen provozierten und mit ihrem „Treat y Beer“ die Indianer verhöhnten. Dann entschied ich mich. Der Kampf gegen Alkoholmissbrauch ist heute ein wichtiges Anliegen vieler Stämme und indigener Organisationen. Die Männer waren irgendwie verrückt. Plakat gegen Alkohol. Wisconsin. „Wir bezeichnen die Leute. Feest) Der zuvor unbekannte Alkohol wurde nach dem Kontakt mit Europäern von der Urbevölkerung zumeist begeistert übernommen. die bei uns Hilfe suchen. Lake Ann. James Clifton) Verträge aus dem 19.“ Das indigene Trinken kann vor allem für Nicht-Indianer ein peinvoller Anblick sein. beispielsweise gründeten Angestellte die Eagles Plumes Societ y mit dem Ziel. Christian 2000 Gegenwart und Zukunft des indigenen Nordamerika. bis ich aufs College ging. Der populäre. über ihre Identität. David E. Lanham. Viele Indigene selbst nehmen dem Problem gegenüber eher eine robust-humorvolle Haltung ein. den Klienten eine Mischung aus panindianischen und Navajo-Zeremonien zu bieten. In: Christian Feest (Hg. Jack 1993 American Indians. 422–437. 2002 American Indian Politics and the American Political System. Trockenheit (engl. auf dem panindianische Powwow-Tanzfeste abgehalten werden können. Kulturen der Indianer Nordamerikas (Köln: Könemann). Jahres. New Mexico. die in den 1980er Jahren gegen die Sonderbehandlung ins Feld zogen. Weiterführende Literatur Feest. der ich mich enthielt. Im Navajo Alcohol Prevention Center in Gallup. aus Spokane stammende Filmemacher und Autor Sherman Alexie (*1966) erzählt: „Ich bin auf der Rez. Johanna E. die ihren Klienten zugleich als Vorbild dienen. Wilkins.und Weihnachtsfeiern strikt alkoholfrei. und trank sechs oder sieben Jahre lang exzessiv. die Männer nicht. Ich lerne noch. 1989. sobriety). ein Tipi für Zeremonien der Native American Church und einen Platz. was man als die etwas andere Art indianischer Tradition bezeichnen kann.

Powwow. Die lokalen Unterschiede verweisen auch auf die lange Geschichte des Powwow. DIE „NEUEN INDIANER“ 227 . betonen: „Das Powwow macht uns stolz darauf. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. beteiligen sich begeistert als Trommler und Tänzer und kreieren neue Tanzkostüme. die sich mit der Geschichte und Bedeutung des Powwow beschäftigt haben. Christian Feest) Der Veränderung von Anlass und Bedeutung ehemals zeremonieller Tänze entspricht auch die Verwendung neuer Materialien bei der Herstellung der Tanzausrüstung. lebendigster Ausdruck pan-indianischer Einheit. Landwirtschaftsschauen und Paraden zum Nationalfeiertag am 4. Juli zugesellte. Jahrhundert und verbreiteten es als Bezeichnung für alle Arten zumeist unverstandener ritueller Versammlungen in indigenen Kulturen. ganz selbstverständlich zu ihren Brüdern und Cousins um die Trommel. Das Wort stammt aus der Sprache der Natick in Massachusetts und bedeutet soviel wie „Medizinmann“. wobei seine Grundelemente überall gleich sind. sondern auch die Generationen. aber an der Trommel nichts zu suchen haben. Egal wie unterschiedlich und sogar zerstritten viele indigene Kommunitäten untereinander sind. Insbesondere indigene Jugendliche.und Trommelfest ist auf Reservationen in ganz Nordamerika populär und findet in vielen Variationen statt. Vom Kleinkind bis zur Greisin: Das Powwow eint nicht nur die indigenen Nationen. Vor dem Hintergrund von Artenschutzabkommen treten vor allem an die Stelle symbolträchtiger Federn und Vogelbälge zunehmend Acrylfasern und andere moderne Industrieprodukte. Haarkamm. was die Rolle der Geschlechter beim Powwow betrifft.und Rückenschmuck. Indigene Gelehrte. B. setzen sich Navajo-Mädchen. Jahrhundert zurückgeht und seitdem im Zuge seiner Verbreitung viele verschiedene kulturelle Impulse aufgenommen hat. z. Nacken. Während bei den Gruppen der nördlichen Plains und des Waldlandes Frauen als Tänzerinnen und Sängerinnen mitwirken. Patriotismus und Popmusik Powwow in Geschichte und Gegenwart Das Powwow-Tanz. Papakee (Ki-wa-di-ka) und Grace Papakee (We-tta-wi) (Mesquakie. Englische Siedler übernahmen es im 17. das Powwow ist ihr stärkster. doch erscheinen die lokalen Unterschiede nicht weniger interessant. in der starken Rolle der Frau sozialisiert. das auf festliche Rituale der Plains-Kriegerbünde im 19. Jahrhunderts wurde indigenes Tanzen und Trommeln unter dem Eindruck des Religious Crimes Act und zumeist repressiver Kulturpolitik auf den Reservationen gewissermaßen zwangs-säkularisiert und überlebte. die häufig in Wettbewerben um Preisgelder auftreten. John K. der Rodeos. Tama. In der Forschung sind bislang hauptsächlich die pan-indianischen Gemeinsamkeiten des Powwow betont worden. Zu Beginn des 20. Native American zu sein. indem es sich der amerikanischen Volkskultur des frühen Tourismus. der auf heizende Gesang und die farbenprächtig gekleideten Tänzerinnen und Tänzer aller Altersstufen. Iowa).“ Die Charakteristika eines jeden Powwow sind der starke. 1973. die sich gemeinhin mehr in der schwarzen urbanen Hiphop-Kultur wiederfinden. pulsierende Trommelrhythmus.

tragen hingegen bei Powwows stolz die Farben ihrer Kompanien und sind überzeugt davon. Weltkrieg vor allem in den Kämpfen im pazifischen Raum. Die indianischen Vietnam-Veteranen. indigen Der deutlich zur Schau gestellte Patriotismus amerikanischer indigener Powwows mit seinen feierlichen Flag Songs und Fahnenappellen mag auf europäische Beobachter irritierend wirken. d. Cayuga) und Adam Beach (*1972. Foto: Reinhard Mandl. dass ihr Einsatz sinnvoll war. Die „Navajo Code Talkers“ erfüllten diese Aufgabe im 2. Powwow-Fahne: „Our Cause was Just“. Filmemacher wie Sherman Alexie (*1966. was wir heute als Powwow kennen. die damals ihr Leben für die amerikanische Fahne aufs Spiel setzten. DC Schon im 1. sind übrigens immer willkommen. kulturübergreifenden Powwows auch die amerikanische Mehrheit dazu einladen wollen. Doch vor dem Hintergrund von mehr als dreißig Jahren politischer Kontroversen zwischen dem panindianischen politischen Aktivismus und den USA – angefangen beim American Indian Movement und der Besetzung von Alcatraz und Wounded Knee in den 1960er und 1970er Jahren. mit ihrer Kultur in Berührung zu kommen. Oglala Teton Sioux. Westernkitsch und Bildungshunger Es gibt Tausende von Bildern von ihnen. sich ein etwas anderes Bild von ihnen zu machen. als die amerikanische Regierung den Indianern „religiöse Tänze“ verbot. deren Gerechtigkeitssinn sie zu Fürsprechern der Indianer macht. bis hin zu den gegenwärtigen harten Verhandlungen um CasinoLizenzen und Bodenschätze – erscheint es nachvollziehbar. 1987 Zu Zeiten. um 1944. halten heute den Vietnamkrieg für moralisch nicht zu rechtfertigen. Damals. 2003. Heutzutage sind Powwows eine sehr gute Gelegenheit für Leute. was wir heute über Powwows wissen. Curtisfotos und Westernfilme. ihre Zeremonien am amerikanischen Nationalfeiertag abzuhalten. Chippewa.“ Patriotismus. die sich respektvoll zu benehmen wissen. Foto: Unbekannter Fotograf. Weltkrieg dienten Comanche und Choctaw der amerikanischen Armee durch die Verschlüsselung von Meldungen in einer für den Feind unverständlichen Sprache. Batesland. die alten Vertragsrechte aus dem 19. Christian Feest) Viele Weiße. die „wir“ von „ihnen“ gemacht haben. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. begannen die Kriegergesellschaften der Plains. stammen sie eigentlich von Buffalo Bill [er lächelt]. So entstand das. als die Aufführung religiöser Zeremonien einem Gefängnis oder sogar den Tod einbringen konnte. Pine Ridge Reservation. Washington. US Marine Corps. Diese Wurzeln der modernen Powwows sind bis heute vielfach an der Terminwahl und der patriotischen Ausstattung erkennbar. in den 1980er Jahren. Lac Courte Oreilles Reservation. Jahrhundert. Ojibwa). Touristen. Spokane) und Bennie 228 CORA BENDER . Sie schmissen sich in ihre Festkleidung und ihren Federschmuck und legten eine tolle Show für das Publikum hin. um sie aus der „Wildheit“ in die „Zivilisation“ zu führen. Gary Farmer (*1953. über die Kämpfe um die Treat y Rights. und die Indianer kamen mit und zeigten ihre Tänze. wir nehmen aber leider allzu häufig nur diejenigen wahr. South Dakota. die auch bei Indianern selbst sehr beliebt waren bzw. h. Dabei bringen indigene Schauspieler wie Irene Bedard (*1967. Wisconsin. In einem Interview fasste 2001 der Ojibwa Joe Martineau aus Fond du Lac in Minnesota die Geschichte des Powwow griffig zusammen: „Nach allem. Inupiat). Buffalo Bill hatte diese Wild West Show. „Navajo Code Talkers“ in Bougainville.„Stars and Stripes. sind. 4th of July Powwow“. an dem man den Trommelschlag noch hören konnte. dass die Indigenen auf den intertribalen. waren diese Wild West Shows der einzige Ort.

um 1990. die man so für den eigenen Bedarf abzuzweigen hoffte. „Und mein Vater liebte alle möglichen Bücher. magische und zugleich realistische Romane kenntnisreich die wechselvolle indigen-amerikanische Geschichte und Gegenwart des oberen Mittelwestens lebendig werden lassen. aufs College zu wollen. als ich einundzwanzig Jahre alt war. braucht man einen Zugang zu ihnen. gab mir das erste von einem Indianer geschriebene Buch. Ojibwa) seit vielen Jahren indigene Geschichten und Gesichter auch dem europäischen Medienpublikum nahe. Montana: „Die Schulpolitik besagte.’ Die Schüler beschwerten sich. Welche Bedeutung aber haben indigene Medien für die Indigenen selbst? Um Medien nutzen zu können.Tanzhemd aus Polyester-Rayon und Leder. Mein Lehrer. wie Akwesasne Notes. Mehr als das attraktive Design spielte dabei die symbolische Verbindung mit der politischen und militärischen Macht eine Rolle. dass Indianer überhaupt in Büchern vorkamen. Obwohl es schon seit den 1820er Jahren Zeitungen für Indianer gab (meist von Missionaren produziert). über Termine und lokale Themen berichtet und Familienanzeigen veröffentlicht. Lakota) gegründet. 1981 von Tim Giago (*1934. die über Neuigkeiten aus dem Stamm. „Ah. deren intensive. Ojibwa) und Gerald Vizenor (*1934. Jahrhundert. ‘ermutige sie nicht dazu. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. am liebsten Western. aber die Schuloberen sagten. Ojibwa) erinnerte sich an ihre ersten Jahre als Lehrerin in Fort Totten. die mit ihrer eigentümlichen Mischung aus grassrootsReservationsperspektive und politischem Internationalismus schnell eine weltweite Unterstützercommunit y erreichten. Viele indigene Autoren und Künstler sind in mehr DIE „NEUEN INDIANER“ 229 . ein Amerikaner chinesischer Abstammung. Montana. ‘ach. Vor allem Zeitungen f lorierten. Christian Feest) Schon im 19. dessen House Made of Dawn (1969) den Pulitzerpreis gewann.“ Für indigene Frauen und Männer älterer Generationen war der Zugang zu Büchern und Zeitschriften schwierig. die Indianer zieht es sowieso immer wieder zurück zur Decke’ [abwertender Begriff für einen passiv von ärmlichen Regierungsrationen lebenden Indianer]". Klain (*1972. engagierten sich in der indigenen Protestbewegung und beim Aufbau indigener Schulen und Colleges. Germaine (1914–2006. wusste ich nicht. oder Louise Erdrich. fiel der erste Senkrechtstart indigener Medien in die Zeit der Protestbewegungen in den späten 1960er Jahren. ich bin schon immer eine große Bücherratte gewesen!“. da bis in die vierziger und fünfziger Jahre hinein die Bildungsmöglichkeiten für Indianer sehr beschränkt waren. Er las sogar diese Romanzen über indianische Männer und weiße Frauen. Die Aktivistin Saxon St. […] Als ich zu schreiben begann. Medien und Protest Viele Schulopfer dieser Zeit warfen später die Decke der Entmündigung energisch ab. Darüber hinaus existieren zwei überregionale Blätter: Indian Country Today. Navajo) sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Louise Erdrich (*1954. erzählte Sherman Alexie im Jahr 2000 in einem Interview mit Cleo White. ‘warum dürfen wir nicht auch Steno und Schreibmaschine lernen’. Mit dem Aufschwung indigener Zeitungen ist auch die Entwicklung einer modernen indigenen Literaturszene verbunden. als Teile der nordamerikanischen Urbevölkerung noch in Kriege mit der US-Armee verstrickt waren. mit dem fantastisch aussehenden indianischen Mann und der weißen Frau mit ihrem tiefen Ausschnitt auf dem Titelbild und Titeln wie ‘Wilde Liebe’ oder ‘Sommer des Apachen’. die Jungen Farmer werden. Die Mädchen sollten Hausfrauen. Blackfoot. und die seit 1987 von Paul DeMain (Ojibwa) produzierte News From Indian Country. Scott Momaday (*1934. mit bekannten Autoren wie etwa N. wurde das Motiv der amerikanischen Fahne im indigenen Kunsthandwerk heimisch. Heutzutage hat wohl jede indigene Kommunität ihre eigene Zeitung. Kiowa).

unsere Kultur nicht zu missbrauchen. zu eigen. uns immer wieder glücklich zu machen. ich möchte bloß Teil des großen Kreises. Nur für den oberf lächlichen Betrachter scheinen Form und Inhalt im Konf likt miteinander zu stehen. C. Cannon (1946–1978. Badger Singers oder auch urbane Powwowmusik wie diejenige der Silver Cit y Singers. Spätestens seit die Band XIT in den 1970er Jahren einen Hit in den Top Fort y platzierte. Native Roots und Walela sowie Solisten wie Bill Miller (*1955. Ojibwa PowwowSounds and the Paradoxes of Identit y.). was ich mit meiner Musik bezwecke. Viele indigene Radiohörer und Musikkonsumenten sind zugleich auch in der Powwow-Szene aktiv und hören am liebsten ihre lokalen Trommelfavoriten. sie stelle eine wichtige Brücke zur dominanten Gesellschaft dar. Redefreiheit. Joanne Shenandoah (Oneida). Cora 2000 Vom Rauchzeichen zum Internet – Stimmen aus Indian Country. „Erinnerung an eine Muse (Tosca)“. Der Ethnologe Michael Schlottner schreibt über indigene Popmusik. 2003 Rauchzeichen. wie z.]. Vom Rez Rock zu Hopi Reggae Wie Glasperlen oder christliche Symbole machten sich schon seit dem 19. Caddo/Kiowa. Altenstadt). Jahrhundert Eingang in die musikalische Praxis der amerikanischen Urbevölkerung gefunden. Wisconsin. der indigene Schauspieler Gary Farmer. Ein äußerst bedeutendes Medium der Verbreitung indigener Musik sind indianische Radiostationen wie die Oglala-Lakota-Station KILI in Porcupine (South Dakota). Ojibwa) zählen. In: Christian Feest (Hg. die als Contemporary Native American Music bezeichnet wird und zu der sich eine große Zahl neuer Bands wie Indigenous. Indianisches Radio kann zu einem integralen Bestandteil einer allgemeinen Heilung werden. Mohican). 2002 Cora Bender: Auf vielen Reservationen gibt es Auseinandersetzungen darüber. das soll nicht mit irgendeinem unserer traditionellen Konzepte verwechselt werden! Es gibt viele Formen intakter tribaler Religionen. B. Es wäre ziemlich schwierig. indem sie indianisches Denken und indianische Perspektiven nach außen hin popularisiere und so auch Nicht-Indianern einen Einblick in indigenes Erleben gewähre. Kulturen der Indianer Nordamerikas (Köln: Könemann). The Auditory Culture Reader (Oxford und New York: Berg). Foto: Christine Turnauer. als einem Medium engagiert. In: Les Back und Michael Bull (Hg. so wie wir moderne Schamanen sind – und bitte. 96–101. um 1985 Cowboyhut und -handschuhe. Aber es geht darum. industriell gefertigten Knochenröhren und Silber oder Neusilber – und dennoch unverkennbar ein „Indianer“. um Geld für die indigenen Obdachlosen zu sammeln. Das führt dazu. 102–107.). Oklahoma). Schmuck aus Glasperlen. das Navajo Nation-Radio KTNN in Window Rock (Arizona) oder das gemischt Ojibwa-weiße Radioprojekt WOJB in Reserve. 1982. die nicht dynamisch ist. Indigene Musik als modernes Ritual: Interview mit Keith Secola. Robert Mirabal (*1966. 230 CORA BENDER . Blood“. Taos) und Keith Secola (*1957. Indian Times – Nachrichten aus dem Roten Amerika (ERNAS Monographs Extra Series 1. Vom Rez Rock der 1950er und 1960er Jahre hörte außerhalb der Reservationen kaum jemand etwas. entstand jedoch eine neue Richtung. die 2001 den Grammy Award gewann. dass unser Bild in der Öffentlichkeit in der Vergangenheit eingefroren wird. Kleidung aus europäischen Materialien. Während meiner kurzen Zeit auf der Bühne kann ich den Menschen ein Gefühl der Freude vermitteln. Jahrhundert viele indigene Gruppen die neuen Instrumente der Einwanderer. 2003 Performing Patriotism in Native North America. ohne die alten Musikstile zu verdrängen: Kulturkontakt als Bereicherung und nicht als Kampf der Kulturen – Musikkultur als Vorreiter des Pluralismus. die auch Musik macht. solche Leute für einen Auftritt in einem Nachtclub zu gewinnen! Cora Bender: Was soll aus der Perspektive eines Künstlers in der indigenen Medienszene in der Zukunft passieren? Keith Secola: Was ich mir wünsche. Gitarren und Blasinstrumente. gedruckt von Meister Uchikawa auf Reispapier von Meister Isuzumi aus Kurotani. C. ist tot oder im Sterben begriffen! Die Gruppe. Wenn Leute mich fragen. B. Indian Times – Nachrichten aus dem Roten Amerika (ERNAS Monographs Extra Series 1. dass sogar bei der Verteilung der Grammy Awards nur die traditionelle indigene Musik bedacht wird. Kolorierter Holzschnitt nach einem Bild von T. In: Christian Feest (Hg. und es ist mir wichtig. darum sage ich. oder die Autorin Joy Harjo (*1951. aber die Ironie dabei ist. was überhaupt im Radio gesendet oder in der Zeitung geschrieben werden darf. Creek). Radio. erhielt ihn für Peyote Songs [Zeremonialmusik der Native American Church.). Geigen. Gallery of the 21st Century) Westliche Musik hat spätestens seit dem 17. Jede Kultur. dann sage ich. der auch das Medienmagazin Aboriginal Voices herausgibt.). In: Christian Feest (Hg. Die Künstler der Contemporary Native American Music werden ignoriert. 430–431. ist eine Amerika-weite Tournee aller indianischen Radiostationen. Gruppen wie Smokeytown Singers. Keith Secola: Ja. Alberta. der allgemeinen Heilung sein. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. posthum in Holz geschnitten von Meister Maeda. 241–264.Weiterführende Literatur Bender. Singen und Tanzen ist ein modernes Ritual. es ist eine moderne Form von Ritual. „Edwin Calfrobe. Altenstadt). mit Spielen und mit Spaß an der Sache. Michael 2003 Powwow. Schlottner. Rap und Rock’n’Roll.

DIE „NEUEN INDIANER“ 231 .

Auf der Rosebud Reservation in South Dakota hat man deshalb in den 1980er Jahren sogar die unfallträchtige Straße zwischen Rosebud und dem benachbarten Mission begradigt. wie die Nutzung der besseren Einkaufsmöglichkeiten in den größeren Städten außerhalb der Reservationen. in die Stämme einheirateten und die für sie t ypischen einachsigen „Metis-Karren“ mit ihren großen Speichenrädern mitbrachten. Außerdem dienen die Rostlauben als mögliches Ersatzteillager und sogar als Notunterkunft. Auf den Plains änderte sich dies erst im 19. sie ist auch Ausdruck einer traditionellen Ethik der Rückgabe von Ressourcen an die Natur. wenn der Kontakt zu den auf der Reservation zurückgebliebenen Verwandten nicht verloren gehen soll. Die Praxis ist jedoch nicht nur ein Produkt der Armut. In geringerem Ausmaß fanden unter spanischem Einf luss im Südwesten Radfahrzeuge Eingang in das indianische Transportwesen. heißt es da. Seen und Meeren boten Wasserfahrzeuge eine wesentliche Erleichterung für Reisen und den Fernhandel. Vor allem die Missionare fanden diese Neigung moralisch verwerf lich. der Kühler dampft. Jahrhundert unter dem Einf luss der Metis. ist daher leicht erklärlich. das Radio kreischt. Ein Ausdruck dieser besonderen Beziehung der Indianer zu ihren in gewisser Weise besonderen Autos ist das Lied „Indian Cars“ des OjibwaSängers Keith Secola aus dem Jahr 1987. dass Kolumbus nicht in die Türkei wollte“ (dann wären nämlich die Indianer keine „Indians“. die vielerorts als Händler ansässig wurden. die sie vor dem Hintergrund vergangener Erfahrungen betrachten. Gegenwart. die sich ebenso in den oft witzigen Auf klebern an den Stoßstangen artikuliert: „Esst mehr Bisonf leisch!“. aber auch von Identität. oder: „Ich bin froh. Wesentlich langsamer freundeten sich die Indianer mit Radfahrzeugen an. die vor allem als Jäger und Sammlerinnen dazu gezwungen waren. in der es ihnen von übernatürlichen Wesen zum Geschenk gemacht worden sei. So wie das Pferd war auch das Auto für viele Indianer Liebe auf den ersten Blick. von den nationalen Verkehrswegen meist weit entfernten Flächenreservationen in den USA wäre bei der zumeist gegebenen verstreuten Wohnweise und dem weitgehenden Fehlen von öffentlichem Verkehr soziales Leben ohne fahrbaren Untersatz kaum möglich. dass etwa die Apache und die Navajo nach einigen Generationen als Pferdehalter den Ursprung ihrer Bekanntschaft mit dem Nutztier in die mythische Urzeit verlegten. Wir werden nicht älter. Das auf Indianerland zumeist geltende Alkoholverbot ist ein weiterer wichtiger. Mein Auf kleber ‘Indian Power’ klebt an der Stoßstange . Die Aneignung ging so weit. um den alkoholisierten Fahrern die abendliche Heimreise zu erleichtern. Die Lehren der Vergangenheit sind jedoch nur beschränkt nützlich. Viele Besucher des Indianerlands sind schockiert über die verrosteten Autowracks. die Indianer zu bäuerlicher Sesshaftigkeit als Grundlage der westlichen Zivilisation zu veranlassen. musste daher jede Erleichterung der Fortbewegung von großer Anziehungskraft sein. Ähnlich wie im Fall des Pferdes hat sich rund um das Auto eine eigene „indianische Autokultur“ entwickelt. Zukunft Wie alle Menschen leben auch die Nachkommen der nordamerikanischen Urbevölkerung in der Gegenwart.er ist es. sahen sie doch in dem Spiel mit dem Schicksal eine Herausforderung Gottes des Allwissenden – ganz 232 CHRISTIAN FEEST . wobei dieses Wort nicht nur „Truthähne“. wenn wir auf der Landstraße in unseren Indian Cars dahinrauschen.“ Spielkasinos Die ersten europäischen Besucher Nordamerikas berichteten erstaunt und teilweise bestürzt über die vielerorts anzutreffende Leidenschaft der Urbevölkerung für Glücksspiele. wir werden nur jünger. Wir sind auf der Tour eines indianischen Traums. war diese Entwicklung freilich ein schwerer Rückschlag. sondern „Turkeys“. Dies galt ganz besonders für diejenigen der trockenen Landesteile. wenn auch nicht ungefährlicher Grund für die Nutzung von Autos. weil es die individuelle Mobilität ebenfalls entscheidend vergrößerte.Christian Feest Vergangenheit. Für die Bemühungen der Europäer. Die Begeisterung. An Flüssen. die die Landschaft verunstalten und dem Bild vom „Indianer“ als geborenem Umweltschützer widersprechen. Das Pferd wurde als Reit. Die genaue Beschreibung der Fußwanderungen dient der Verortung der Ereignisse der heiligen Vorzeit im heimatlichen Lebensraum der Menschen. mit der sich viele indigene Völker das von den Europäern nach Nordamerika gebrachte Pferd aneigneten. um für die Zukunft zu planen. Bürgerliche Autopf lege ist nicht die Norm und nur selten hat Autobesitz etwas mit sozialem Status zu tun. die von den Helden der Vorzeit im Zuge ihrer Abenteuer zurückgelegt wurden. ein Schweinwerfer ist tot. es vermochte ihren Aktionsradius zu erweitern und führte für sie zu einer Verkleinerung der Welt. weil die sachgerechte Entsorgung teuer ist. muss von der indigenen Bevölkerung geradezu als Bestätigung der Richtigkeit ihrer Lebensweise angesehen werden. das seither zu einer Art inoffizieller indianischer Nationalhymne geworden ist: „Mein Auto ist verbeult. Auf den großen. sondern auch unfähige und dumme Personen bezeichnet). Für Bevölkerungen. Heute ist es von den meisten Reservationen nicht mehr wegzudenken. Mobilität Eine auffallende Eigenheit der mythischen Erzählungen der Navajo ist die für Außenstehende quälend langatmige Beschreibung der Wege. Ferner erfordert die zunehmende Abwanderung in die Städte ebenso Autos. weil sich die Rahmenbedingungen ständig verändern und das gestern als wahr Erkannte morgen falsch sein kann. der mein Auto zusammenhält. Dass sich seither im Zuge der Globalisierung die westlichen Anschauungen geändert haben und Mobilität als wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben in einer geschrumpften Welt gilt.und Packtier genutzt oder zog (wie einst der Hund) eine hölzerne Stangenschleife hinter sich her. Selbst ehemals halbsesshafte Völker wurden von der neuen Möglichkeit der Fortbewegung zu einer noch mobileren Lebensweise angeregt. Nummernschilder der Reservationen mit ihrer Verwendung traditioneller Symbole sind Ausdruck von Souveränität. sie illustriert aber auch die Mühsal der Fortbewegung ohne Lasttiere und Landfahrzeuge. ihren Lebensunterhalt durch eine mobile Lebensweise zu sichern.

Arizona.Geronimo am Steuer eines Autos mit drei anderen Indianern auf Miller’s 101 Ranch. dienen die geräumigen Straßenkreuzer am Rande von Powwows als Ruheplätze für die ermüdeten Teilnehmer und manchmal auch als Ort illegalen Alkoholkonsums. Oglala Teton Sioux. DIE „NEUEN INDIANER“ 233 . MD Der einst gefürchtete Geronimo hält auch als Autofahrer das Lenkrad fest in seiner Hand. Auto am Rand eines Powwow. Foto: Reinhard Mandl. die Alter. Das Bild illustriert die anhaltenden Wichtigkeit der Mobilität für die ursprünglich als Fußgänger lebenden Urbewohner Amerikas und den Glauben des weißen Amerika an die Bekehrungskraft von Spitzentechnologie. Spielzeug-Auto aus Sandstein. um 1906. Oklahoma. Pine Ridge Reservation. National Archives and Records Administration. College Park. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. schlechte Straßenverhältnisse und erhöhte Unfallgefahr hinterlassen haben. Christian Feest) Auf der weitläufigen Navajo Reservation sind Autos (vor allem robuste Pick-up Trucks) ein fester Teil der Lebenswelt geworden. um 1985. Der Sand auf der Oberf läche des Autos wird wie bei den für den Verkauf hergestellten Trockenmalereien auf Klebstoff gestreut. um 1985 Gezeichnet von den Narben. Navajo. South Dakota. verziert in einer von der Trockenmalerei abgeleiteten Technik. Anonymer Fotograf.

indem sie zur Aufbringung von Mitteln für wohltätige Zwecke Bingolotterien veranstalteten. schuf aber auch die Grundlage für eine blühende Glücksspielindustrie. Über die Kirchen fand das vergleichsweise harmlose Bingo auch Eingang ins Indianerland. B. Sie beriefen sich dabei auf den besonderen Rechtsstatus der staatlich anerkannten Stämme. Das erste indianische Spielkasino wurde 1979 von den Seminole in Florida eröffnet. die weitgehend unterdrückte Spielsucht ihrer weißen Nachbarn zum eigenen Vorteil zu nutzen. an der pazifischen Nordwestküste den Verlierer in die Versklavung durch den Gewinner treiben. die jährliche Einkünfte in Höhe von über 25 Milliarden Dollar erzielen und 670. denen allein die Regulierung des Glücksspiels zusteht. Tatsächlich konnten Spielschulden z. der sich durch privat wirtschaftliche Aktivitäten auf den Reservationen eine Entlastung des Bundeshaushalts von Leistungen für die Stämme erhoffte. Foto: Christian Feest.abgesehen von dem damit verbundenen Müßiggang und den möglichen wirtschaftlichen Folgen. bei denen zwei Parteien einander gegenübersitzen und die Anordnung verdeckt aufgelegter langer und kurzer Spielstäbe zu erraten suchen. zu den abendlichen Vergnügungen. Zwanzig Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes gibt es über 400 indianische Kasinos in 28 Bundesstaaten. Selbst die Kirchen profitierten jedoch vom Spieltrieb. die niemals durch einen formellen Friedensschluss beendet wurden. Auf den ersten Blick hat sich diese Hoffnung erfüllt. In der weißen Gesellschaft hatte lange Zeit die puritanische Ablehnung von Glücksspielen zu deren Verbot oder ihrer Verbannung in Gettos der Sündhaftigkeit wie Las Vegas oder Atlantic Cit y geführt. In den 1970er Jahren starteten einige Stämme den Versuch. das Spielkasino der Dakota der Lower Sioux Agency. sie hatten im 19. Auch die Kasinoeröffnung wurde als eine Art feindlicher Akt angesehen und löste eine Prozesslawine aus. Ähnlich wie beim Bison besteht allerdings die Befürchtung. 234 CHRISTIAN FEEST .000 Arbeitsplätze geschaffen haben. in der sie ein Zeichen des seit dem Kontakt mit den Europäern erkennbaren Niedergangs zu erkennen glaubten. dass der Verlass auf eine einzige Ressource die Krisenanfälligkeit der Wirtschaft begünstigt. Jahrhundert die USA in drei blutige und kostspielige Kriege verwickelt. deren Ende erst 1987 durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zustande kam – er bestätigte die Rechtsauffassung der Indianer. Auch manche Propheten indianischer Erneuerungsbewegungen wie der Shawnee Tenskwatawa (1775–1836) wetterten gegen die grassierende Spielsucht. Diese Ent wicklung war übrigens ganz im Sinne des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan (1911–2004). Allerdings bestehen zwischen dem Erfolg der einzelnen Unternehmen erhebliche Jackpot Junction. Ihren Verfechtern gelten sie als der „neue Bison“ – eine unerschöpf liche Quelle des Wohlstands. Während mancher Powwows zählen „Stick Games“. Minnesota. 2001 Auch fern der urbanen Zentren können indianische Spielkasinos gutes Geld für die Betreiber abwerfen. die auf ihren Reservationen weitgehend nicht der Gesetzgebung der Gliedstaaten der USA unterworfen sind. Der im folgenden Jahr erlassene Indian Gaming Regulatory Act führte zwar eine Reihe von Bedingungen für den Betrieb voll ausgestatteter Kasinos auf Indianerland ein. Trotz dieser Widerstände haben sich indigene Glücksspieltraditionen bis heute erhalten.

Skulptur von Peter B. andere verwenden sie für eine ökonomische Diversifikation. verdeckt jedoch zugleich anhaltende Probleme. stellt die leichte Zugänglichkeit für anfällige Personen eine große Gefahr dar. der vom Staat Land zurückkaufte. Auch wenn derartige Ausf lüge in den Bereich des Tourismus fallen. Cattaraugus Reservation. New York). wobei allerdings angesichts des wirtschaftlichen Erfolgs die Abwehr von „Trittbrettfahrern“ ein nicht zu unterschätzendes Problem war. der größte Arbeitgeber der Region. Trotzdem gehen in den betroffenen Kommunitäten die Meinungen über Nutzen und Schaden des neuen Reichtums und die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen weit auseinander. sich deren Wohlwollen bei künftigen Gesetzgebungen zu sichern. Museum der Weltkulturen. Ein großes Museum. Ihr tüchtiger Neffe verhinderte jedoch nicht nur die Auf lösung der Reservation.Unterschiede. die lange als hoffnungslose Brutstätten von Armut und Arbeitslosigkeit abgeschrieben worden waren. die unter anderem die Kette der Hard Rock Cafes erworben haben. 1992. So fahren nun vor allem Angehörige der älteren Generation in Bussen von einem indianischen Kasino zum anderen. das die Mashantucket Pequot neben dem Kasino errichtet haben. Das Kasino wurde auf der nur wenige Hektar umfassenden Staatsreservation der Mashantucket Pequot errichtet. während gleichzeitig der Stamm die über das ganze Land verstreut lebenden Nachkommen der Pequot zusammenführte. die sich überhaupt nicht auf dem Arbeitsmarkt befinden. um die Reservation und das Kasinoimperium zu vergrößern. Das durchschnittliche Familieneinkommen liegt bei Indianern heute leicht über jenem der afroamerikanischen Bevölkerung. die in den Geschichtsbüchern als Opfer eines Ausrottungskriegs im Jahr 1637 verzeichnet sind. Jones (*1947. führen sie doch kaum zu engerem Kontakt mit den Reservationsbewohnern oder gar zu einem besseren Verständnis für sie. Schließlich ist ungewiss. dem größeren der beiden Giganten. und neuere Studien weisen ein Ansteigen der klinischen Spielsucht auf den betroffenen Reservationen nach. Die Geschichte von Foxwoods Casinos. Sind die Kasinos der Thadodaho unserer Tage? Und wer kämmt ihnen die Schlangen aus dem Haar? Parteien mit dem Ziel. Auch ist es nicht immer gelungen. um das in einem langen Berufsleben hart erarbeitete Geld auszugeben. DIE „NEUEN INDIANER“ 235 . aber dennoch bezeichnend für allgemeine Ent wicklungen. oder für die Finanzierung von Wahlkämpfen der politischen „Hörner eines Dilemmas“. Dasselbe gilt für die Arbeitslosenrate und den Anteil der Stammesmitglieder. Jahrhundert meist an oder unter der Armutsgrenze gelebt hatten. Frankfurt am Main In der Überlieferung über den Ursprung der Irokesenliga spielt der menschenfressende Häuptling Thadodaho von Onondaga eine Schlüsselrolle. Sie ist zwar unt ypisch. Der Erfolg der indianischen Kasinoindustrie hat in der Wirtschaftsstatistik seinen Niederschlag gefunden. das Ausmaß der Armut ist bei Indianern immer noch prozentuell höher als bei allen anderen Bevölkerungsgruppen. Auf der anderen Seite ist die Belebung der Wirtschaft in den Reservationen. und zwar im dicht besiedelten Küstenstreifen zwischen New York und Boston. dessen Mitglieder im 20. sondern erreichte mit Unterstützung von guten Rechtsanwälten 1983 auch die Anerkennung des Stammes durch die Bundesregierung als Grundlage für die Errichtung eines Kasinos. während sich die Museumsbesucher nur selten ins Kasino verlaufen. Manche Kasinostämme investieren die Profite in eine verbesserte schulische Ausbildung ihrer Kinder. Innerhalb einer Generation wurde auf diese Weise aus einem eigentlich nicht mehr existenten Stamm. schönen ihre Profite das durchschnittliche nationale Einkommen. das organisierte Verbrechen fernzuhalten. die in erster Linie vom Standort abhängen. Die letzte Bewohnerin der Reservation verstarb 1973. wie die Seminole. nicht zu übersehen. während in Wirklichkeit die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft. Da aber weniger als die Hälfte der staatlich anerkannten Stämme ein Kasino betreibt. zählt nur wenige der Glücksspieler zu seinen Gästen. wie lange der unverhoffte Segen noch anhalten kann und ob der „neue Bison“ nicht ebenso vom Aussterben bedroht sein wird wie der alte. Vor allem aber beklagen traditionalistisch gesinnte Stammesmitglieder genau jenen Verfall der Sitten. die Nebenwirkungen des Glücksspiels – von sozialer Verelendung bis zum Einf luss der Mafia – möglichst aus dem eigenen Raum bürgerlicher Ordnung fernzuhalten. Erst nachdem ihm die Gründer der Liga die Schlangen aus dem Haar gekämmt haben. für den ihre Vorfahren von den christlichen Missionaren und den indianischen Propheten einst zur Rechenschaft gezogen worden waren. gibt er seinen Widerstand gegen die Konföderation auf und wird gar ihr Anführer. Die beiden größten Spielkasinos der Welt finden sich im Abstand von nur wenigen Kilometern im Bundesstaat Connecticut. Obwohl der Anteil indianischer Kasinobesucher relativ gering ist. Mit Hilfe eines malaysischen Investors wurde eine 1986 errichtete kleine Bingohalle zu einem vollwertigen Glücksspielparadies ausgebaut. In dieser Hinsicht stellt der Kasinotourismus für die lokale Bevölkerung keine nennenswerte Belastung dar. das sie ihren undankbaren Kindern nicht vererben wollen. Onondaga. aber immer noch bei nur zwei Drittel von jenem der Weißen. wird gerne als Erfolgsstory zitiert. Die Erfolgsgeschichte der indianischen Kasinoindustrie beruht auf einer Kombination des strategischen Vorteils der rechtlichen Sonderstellung der Stämme und der Neigung der amerikanischen Gesellschaft.

Über Schulsport haben Basketball. Oglala Teton Sioux. Jahrhunderts. Milles Lacs Reservation. Cherokee.000 Meter gewann. Christian Feest) Netzbespannte Reifen. Oglala Sioux) hervorgebracht. fanden aber auch bei sportlichen Aktivitäten Verwendung. Baseball. Sie wurden hauptsächlich zur Hasenjagd verwendet. ist eine Erfindung des späten 20. Ihre Deutung als „Traumnetze“. sind verschwunden oder haben sich (wie das hockeyähnliche Lacrossespiel) in eine Sportart nach westlichem Zuschnitt verwandelt. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. in denen sich die schlechten Träume verfangen sollen anstatt die Schläfer zu belästigen. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. spielten in manchen Kulturen des indigenen Nordamerika eine Rolle als Amulette oder Glücksbringer. der 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio die Goldmedaille über 10. (rechts) „Der Wildtöter-Bumerang“.(links) Traumnetz. Minnesota). die sich symbolisch auf Spinnennetze bezogen. Leichtathletik oder Boxen im Indianerland Eingang gefunden und Athleten wie Billy Mills (*1939. Pine Ridge Reservation. North Carolina. 236 CHRISTIAN FEEST . Leon Ballenger (Chippewa. die aber nicht zum Werfer zurückkehrten. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Christian Feest) Die meisten sportlichen Wettkampftraditionen des indigenen Nordamerika. South Dakota. Das Produkt einer von Cherokee betriebenen Fabrik leitet seinen Namen von James Fenimore Coopers „Lederstrumpferzählungen“ ab und illustriert die Globalisierung von Ideen über urtümliche Kulturen. Christian Feest) Abgesehen vom archäologischen Fund eines an australische Formen erinnernden Hakenbumerangs in Florida gab es in Nordamerika bumerangähnliche Wurf hölzer. 1988. die vielfach rituelle Bedeutung besaßen. nur im Umfeld des Südwestens. Sportschuhe. die sich aber weltweit zu einem Kassenschlager entwickelt hat. um 1985. um 1985.

Güter und Werte Von der Studentenbewegung der 1960er Jahre und ihren Nachkommen wurden (und werden) „die Indianer“ als Verweigerer des Kapitalismus und des „American Way of Life“ gefeiert. Jr. Privatsammlung Im Seengebiet wurden traditionell die Samen des Wassergrases Zizania aquatica im Spätherbst von Booten aus geerntet und stellten einen wichtigen Beitrag zur Ernährung dar. Dass „Indianer“ und ihre Vorfahren das kulturelle Copyright der europäischen Eindringlinge ebenso wenig achteten. „Rettet unseren Manoomin. in dessen Rahmen weiße Enthusiasten indianische kulturelle Praktiken nachahmen. die amerikanische Verfassung sei in Anlehnung an die Verfassung der Irokesenliga formuliert worden. ist aber vor dem Hintergrund mangelnder Erwerbstätigkeit auf den Reservationen verständlich. Thomas Jefferson und Benjamin Franklin die entscheidenden Tipps zur Gründung des demokratischen Staates gegeben. DIE „NEUEN INDIANER“ 237 . die man kaufen und verkaufen kann. Shepard III 1999 The Ecological Indian. Minnesota. Donald A. doch prägen Geldwirtschaft und Kapitalismus sehr wohl die heutigen Lebensbedingungen der nordamerikanischen Urbevölkerung. Friedenspfeifen rauchen und nach indigenen Vorbildern des 19. die man im 19.und Bekehrungsbemühungen gefürchtet und verachtet hatte. in dem sie heute leben. Couchiching Indian Reserve. Myth and History. alles in Waren zu verwandeln. Plakat des White Earth Land Recovery Project. Wissen. Ähnlich ruht das Argument. Sonnentänzen und anderen rituellen Praktiken durch mehr oder weniger dazu befugte „Indianer“ löste zwar den Protest von „traditionalistischen“ Gruppen im indigenen Nordamerika aus. „Medizinmänner“. Paul 2003 Gambling and Survival in Native North America. Religion und Identität ebenfalls zu Gütern geworden. Tucson: Universit y of Arizona Press. So sind ungreifbare Phänomene wie Musik. [. Werte der Mehrheitsbevölkerung als eigene Erfindungen zu reklamieren. Die zunehmend aktive Beteiligung von „Indianern“ an der Vermarktung der begehrten Fähigkeiten ist jedoch ein sicherer Hinweis auf ihre wachsende Vertrautheit mit den Gesetzen des Markts. Jahrhunderts Kleider zur eigenen Verwendung herstellen. Philip 1998 Playing Indian. auf denen sie ihre Ideen zur Verbesserung der Welt nach indianischem Vorbild verkünden konnten. sieht sich die heutige indigene Bevölkerung doch gerne als die Verkörperung ökologischen Denkens. Pasquaretta. New Haven: Yale Universit y Press. Norton & Company. In der Geschichte der Beziehungen zwischen den indigenen Amerikanern und der westlichen Welt spielt neben Entrechtung und Ausbeutung auch die Vorstellung eine zentrale Rolle. dass die nordamerikanische Urbevölkerung jemals Naturschutz praktizierte. Obwohl es zweifelhaft ist. Die Kommerzialisierung von Schwitzhüttenzeremonien. die aber vorwiegend von der kalifornischen Agroindustrie beliefert wird. Weiterführende Literatur Deloria. 1977 The Iroquois and the Founding of the American Nation. Nicht nur die Iroquois prahlen jedoch damit. Jahrhundert noch als Feinde der Zivilisierungs. sondern vor allem auch um die Befreiung des Austauschs von Gütern und Dienstleistungen von der Voraussetzung persönlicher Beziehungen und um die Fähigkeit des Markts. um 1990. auch die anderen Stämme erfüllt dies mit Stolz. dass heute kaum noch jemand außerhalb des Systems überleben könnte. Ontario). der in der Verbreitung von „schwarzen Listen“ seinen Ausdruck fand.. Das Ausmaß der unwiderruf lichen Eingliederung der „Neuen Indianer“ in die pluralistische Gesellschaft der modernen Nationalstaaten zeigt sich besonders deutlich in dem Bestreben. indem sie an Wochenenden in Zelten kampieren. Derartige Eingriffe in die kulturelle Intimsphäre werden als ebenso ausbeuterisch empfunden wie die Nutzung traditioneller Kenntnisse der Wirkung von Heilpf lanzen durch die Pharmaindustrie.] Unterstützt handgeernteten Wildreis“. Ein besonderes Problem haben viele „Indianer“ mit dem Phänomen des „Indianerhobbyismus“. Als „Wildreis“ fand das schmackhafte Naturgetreide mit ÖkoAppeal Eingang in die Weltküche. kommt dabei kaum zur Sprache. ihre Vorväter hätten George Washington. die „Indianer“ verfügten über nachahmenswerte Kenntnisse und Eigenschaften. Intimität. Lange Zeit erfolgte der Prozess dieser „Aneignung“ ohne Zutun der Betroffenen. W.. Gleichzeitig ließen sich „traditionalistische“ Führer von europäischen und amerikanischen Unterstützergruppen für Indianer zu Vortragsreisen einladen. fanden sich plötzlich als begehrte Therapeuten und Seelsorger gestresster Stadtbewohner wieder. nach einer Grafik von Wayne Yarxa (Ojibwa. So hat die Unzufriedenheit vieler Europäer und Amerikaner mit einem bürokratischen Gesundheitswesen und einer verbeamteten Religion die Suche nach physischer und seelischer Heilung durch indianische „Schamanen“ gefördert. Grinde.. gegen die Produzenten auf den Reservationen preislich kaum konkurrieren können. Dabei geht es nicht nur darum. auf einem sehr schwachen Fundament. Krech. San Francisco: Indian Historian Press. New York: W.

Maske mit anthropomorpher Darstellung des Mondes. Aubry-Lecomte) In der klassischen Kunst der Haida begegnet man der gelungensten Verbindung von einfühlsamer plastischer Gestaltung und Bemalung im Formlinienstil. die sich von der Gesichtsbemalung aus in den umgebenden Strahlenkranz fortsetzt. um 1870. British Columbia. . Haida. Sekundäre und tertiäre Elemente sind durch Farbwechsel oder Schraffur angezeigt. Museum für Völkerkunde Wien (Slg.

Josef Klinger) Kappe Teton Sioux („Blackfoot oder Cree“).5. Floyd Pollard Rappahannock. Flaumfedern. Helsinki Fotos: Timo Syrjänen (S. 265 unten). B 20 SMVM 14-40-34 (Slg. H 38 MVW 161658 (Slg. um 1820 Gabelbockfell.38 Mr. © 1898 MVW. vor 1846 Wurzelspäne. D 110 MVW 187189 (Slg. 2008 Federn.3. 209). Frankfurt Foto: Heide Kratz RPMH Roemer.-M. um 1910 Leder. Glasperlen. 249 rechts). Federn. Oslo Fotos: Christine Eek (S. um 1870 Tulebinsen. Grafiken und Fotografien. S. S. 10) Foto: Frank A. um 1860 Pf lanzenfasern. 133). AV1991. Stachelschweinborsten. Tuchstoff. Cheyenne“ (Abb. L ca. Ethnologische Sammlung. Staatliche Kunstsammlungen Dresden Fotos: Christine Müller-Radloff (S. Autor und Quelle. Six Nations Reserve. Basel Fotos: Peter Horner (S. alle anderen Markus Gruber Musée Royal de l’Afrique Centrale. Pembina. alle anderen: Matti Huuhka Musée d’Histoire Naturelle et d’Ethnographie. 198 rechts). 146 unten. 28 MVW 425 (Slg. Fotos: Hans Peter Vieser SMVM Staatliches Museum für Völkerkunde München Fotos: Marietta Weidner (S. Adolf Etholén) Schirmkappe Klamath. Giovanna Scolari (S. D 19. B 40 LMS 40214 (Slg. Fotosammlung F20481C Joe Rolette Metis. Schirm 14x7 MVW 9526 (Slg. 51. Herkunft. L 82 LMS 113203 (Slg.und Pelizaeus-Museum Hildesheim Fotos: Sh. Bisonhorn. L 100. um 1830 Pf lanzenfasern. Vatikanstadt MVW Museum für Völkerkunde Wien Fotos: Georg Molterer. Emil W. Rinehart (1861–1928). L 32 MVW 21572 (Slg. H 10. Oregon. Tervuren Fotos: J. Wolle. H 16. S. H 20. Kalifornien. 207 unten. Etnografisk Seksjon. 12 oben) Plains-Ojibwa. Alexander Rossoli MWF Museum der Weltkulturen. 202. Münzkabinett Kulturhistorisk Museum. Hellisen) Hut (Abb. Painted Arrow Special Gifts) „Three Fingers. Landauer) Kopfschmuck (Abb. S. Glasperlen. Filz. Hugo Müller) Federhaube Nordöstliche Plains. Abkürzungen und Objektfotografie: EAMT KHM-M KHMO LMS LPS LPW MH MHNEL MKB MR AC Eesti Aajaloomuuseum (Estonian History Museum). um 1880 Fell. 13) Blackfoot. 41. MN. um 1870 Leder. Sehne. Dentaliumschnecken. alle anderen: Monika Heidemann SMF Städtische Museen Freiburg. um 1880 239 . abgekürzte Sammlungsbezeichnungen nach unten stehendem Schlüssel und andere relevante Informationen angegeben. um 1900 Minnesota Historical Societ y. Istvan Bolgar (S. Lenders) Hörnerhaube (Abb. 35) Museum der Kulturen. und Mrs. ex-Slg. Federn. 249 links unten). Pelz. Pferdehaar. Hermelinfell. H 10. Arizona. 272). Vonwiller) Kopfschmuck (Gastowe) Cayuga. Paul. H 14. Kalifornien. Alaska.Br. H 90. Minnesota Anonyme Pastellzeichnung.85. 91) Alutiiq. 1973 Besitz des Fotografen Fellkappe (Abb. S. um 1900 Leder. D 19 MVW 154150a–c (Slg.VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL Das folgende Werkeverzeichnis enthält sowohl die ausgestellten Originaldokumente als auch Reproduktionen illustrativer Gemälde. alle anderen Marianne Franke SSSUF Sammlung des Seminars für Sozialanthropologie der Universität Freiburg (CH) Fotos: Christian Feest (S. Universitetet i Oslo. 203). H 17. S. Alphonse Forrer) Geflochtene Kappe (Abb. H 14. St. D 28 EAMT K-1413 (Slg. 148 unten). Glasperlen. 16. Alaska. Lille Fotos: Philippe Bernard (S. Materialien. für die Reproduktionen lediglich Originaltitel. Museo Missionario Etnologico. Tallin Fotos: Vahur Löhmus Kunsthistorisches Museum. Metall. S. 240) Hupa. Shalchi SMB Städtisches Museum Braunschweig. Stadt Braunschweig. Freiburg i. Maße. D 43. Alphonse Forrer) Geflochtener Hut Nootka (?). 55. Eva Winkler (S. S. Federn. Virginia Foto: Christian Feest. Wien. Federn. alle anderen: Mårten Teigen Linden-Museum Stuttgart Fotos: Ursula Didoni (S. Darm. Fachbereich Kultur Fotos: Jakob Adolphi (S. Technik. Kaninchenfell. Christian Feest) Kappe (Abb. D 18. 17) Chugash. British Columbia. um 1900 Leder. und A. 254) Alle Maße in cm L Länge B Breite H Höhe T Tiefe D Durchmesser „INDIANER“ Federhaube „Fireball“ Navajo. Kirsten Helgeland (S.5–17. 12 rechts unten) Yurok. 146 oben) MV-MME © Musei Vaticani. Vandyck. Federn. um 1970 Holz. Glasperlen. H 15. Charles Schreyvogel) Zylinder (Abb. Johann Burchard. Federn. Für die Originaldokumente sind Bezeichnung. Glasperlen. 184). C. 11) Western Apache.5 MVW 9525 (Slg. alle anderen: Anatol Dreyer Leihgabe einer Privatsammlung in Stuttgart Foto: Anatol Dreyer Leihgabe einer Privatsammlung in Wien Fotos: Georg Molterer Museovirasto. © RMCA Tervuren MVD-SESS Museum für Völkerkunde Dresden – Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen.4 MH VK 0090 (Slg. Ontario.

Strahan 1784). NAA INV 06198100 Topf mit piktografischer Darstellung der PocahontasGeschichte (Abb. H 12. S. Museum für Völkerkunde Wien. 23) Foto: dpa. bemalt. Mississippi-Tradition. 1972 Keramik.5. S. H 12. 27) Kupferstich nach einer Zeichnung von John Webber (1751–1793). Jh. Bd. Mowachat. Taf. D 49 MVW 157822 (Slg. New York. 20 rechts oben) „Eastern Clovis“. Mesa Verde. 1075–1275 Keramik. erklärender Text auf Papier MVW 154194 (Slg.2. S. H 47.5 MVW 161170 (Slg. CO. Quebec. B 14 MHNEL 990. 20 unten) „McElmo Black-on-White“. James Cook) Pf lanzenfasern. S. Christian Feest) ERSTER KONTAKT „A View of the Habitations in Nootka Sound“ (Abb. Colorado. 1995 Papier. Friedrich Braun) Bemalte Schale (Abb. 1617 Library of Congress. Rudolf Trebitsch und Rudolf Stiassny) Filzhut Seneca.5 MVW 434 (Slg. London: W. Christian Feest) Schirmkappe (Abb. Christian Feest) Schirmkappe Tsishinau Innu. Louisiana. D 28. History of the Indian Tribes of North America (3 Bde. Ontario). Hupa.5 SMF III-80-3497 (Slg. Baumwollstoff. 9000–8000 v. 3. H 9. B 30 MVW 164892 (Slg. Glasperlen. H 12. Lenders) „Kwaht Yaht is Born“ (Abb. Washington. Smithsonian Institution. 19) Öl. 1840–1860 240 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . um 1980 Filz. S. Aus: Thomas L.. Field Columbian Museum) Strohhut Houma. 25 unten) Daisy Bradby (Pamunkey. 21 unten) „Bell Plain“. S.und Speerspitzen (Abb. B 28 MHNEL 990. Cayuga. 1911 Foto: Schlesinger Bros. L 7. Christian Feest) Speerspitze (Abb. Six Nations Reserve. 24) Kupferstich nach einer Zeichnung von Simon van de Passe (um 1595–1647). Parkinson’s Museum. H 16. Bibliothek Christian Wulff als Indianer (Abb. S. Bibliothek „White Woman Dressed as Indian“ New York. D 17. & A. L 69. 1983 B 50. Quebec. 176 MVW. 33) Nootka. A Voyage to the Pacific Ocean […] (3 Bde. History of the Indian Tribes of North America (1838–1844).8. B 20 MVW 165761 (Slg. X-32107 „John Ross [1790–1866]. S. McKenney und James Hall. Anasazi-Tradition. 18) Siebdruck nach einer Zeichnung von Art Thompson/Tsan-Quass-Upp (1948–2003. 16) Cree. 1981 Besitz des Künstlers Zeremonieller Kopfschmuck. McKenney und James Hall. Ein Cherokee Häuptling“. um 1890 Leder.9 MVW 15775 (Slg. S. B 132 MVW 218 (Slg.Tuchstoff. H 14. Kartensammlung Zwirnbindiger Umhang (Abb. 41 Österreichische Nationalbibliothek. 1050–1250. Wien. um 1770 Zedernbast. S. Vancouver Island. ex-Slg. Glasperlen. Josef Klinger) Schädel und Rekonstruktion des Gesicht des Kennewick Man (Abb. WA „Sky Woman Descending Great Turtle Island“ (Abb. Ostgrönland. D 29 MVW 51591 (Slg. Nootka. D 17. 1784. L 16 MVW 170698 (Slg. H 15. H 9. B 37. Philadelphia 1838–1844). um 1970 Palmettoblattstreifen. 20 links oben) Foto und Rekonstruktion: James Chatters. Kalifornien. Glasperlen. um 1980 Beschichtetes Papier. Denver Public Library. 65x94 „Pamunkey Indians Dressed for the PocahontasSmith Play“ (Abb. Filz. 3. 2009 „Matoaks alias Rebecka Daughter to the Mighty Prince Powhatan Emperour of Attanoughkomouck“ (Abb. S. Kunstseidenband. S. L 26. Wolle. Emil W. DC. Aus: Thomas L.5 MVW 75551 (Slg. S. H 12. Bd.2 SMF III-89-4023 (Slg. A Cherokee Chief“ (Abb. British Columbia). Alfred Homola) Autoaufkleber „I’m Glad Columbus Wasn’t Looking for Turkey“ USA. 1843. Stein. 240) Farblithografie. B 2. Aus: James Cook und James King. Virginia). Farblithografie.5. Illinois Keramik. 12 links unten) Kalaallit. Ekkehart Malotki) Froschförmiges Gefäß (Abb. Nitinat.. um 1980 Kunststoff.4. S. Jefferson Count y. Denver. wahrscheinlich aus der Gegend von Cahokia. um 1870 Stoff.5. um 1900. L 14. 1899 National Anthropological Archives. Christian Feest) „John Ross [1790–1866]. Chr.3235 Taufkäppchen Teton Sioux. Washington. Stein. American Indian Workshop) Glasperlenverzierte Frauenhaube (Abb. Amec Earth & Environmental Inc. D 20. British Columbia. Kirkland. 1843. Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. um 1880 Seehundsleder.und Acrylgemälde von Arnold Aron Jacobs (*1942. S. Glasperlen.5. H 76. 25 oben) Foto: DeLancey Gill (1859–1940). Galerie Sandia) Gerahmtes Ornament aus prähistorischen Pfeil. D 35 MVW 165051 (Slg. Indiana. Mitte 20. DC „Pocahontas” Filmplakat. L (ohne Fransen) 64.2. Holz.3368 „Glengarry“-Mütze Iroquois. H 11. 21 oben) USA.

Newcombe) Hai’ya. Vancouver Island. S. Swan) Monolithischer Dolch Nootka. AA-00039. ex-Slg. Parkinson’s Museum. Parkinson’s Museum. Vancouver Island. um 1880. lavierte Bleistift.9 MVW 238a (Slg. British Columbia. ex-Slg.7. um 1770 Holz. Parkinson’s Museum.und Kreidezeichnung. um 1770 Holz. 42 Österreichische Nationalbibliothek. London: W. Leine L ca. Parkinson’s Museum. Special Collections NA1146 (Slg. British Columbia“ (Abb. S. S.Geflochtener und bemalter Hut Nootka. möglicherweise Port Alberni. Meany (1862–1935). H 14. Library and Archives Canada. Spitze L 82 MVW 228 (Slg. ex-Slg.5 MVW 223 (Slg.2 MVW 103 (Slg. L 93. James Cook) Vogelförmige Gefäßrassel Nootka. 34) Nootka. & A. Fichtenwurzeln. um 1770 Holz. WA. D 10. British Columbia. ex-Slg. 1902 British Columbia Archives. AA-00226. L 35. L 52. Vancouver Island. T 12. Edmond S. Mowachat. British Columbia.und Kreidezeichnung von John Webber. L 10.5 MVW 212 (Slg. D 9. um 1770 Walknochen.7. 35 oben) Nootka.2. H 20. Mowachat. 35 oben) Nootka. um 1770 Holz. 32) Nootka. James Cook) „Ein Mann vom Nootka Sound“. B 8 MVW 211 (Slg. um 1770 Fichtenwurzeln. um 1770 Holz. Mowachat. L 37. S.3. 35 unten) Nootka. Walknochen. James Cook) Monolithischer Dolch (Abb. Neffe des letzten Maquinna und Chief in Ehattesat Nootka. Mowachat. British Columbia. BC.5. Strahan 1784). British Columbia. H 5. Pf lanzenfaserschnur. Nootka. Parkinson’s Museum. 41) Nootka. Kartensammlung „A Man of Nootka Sound“ (Abb. Friendly Cove. ex-Slg. um 1770 Holz. S. British Columbia. Vancouver Island. Mowachat. 36) Nootka. Rinde. 31) John Webber (1751–1793). Special Collections. Vancouver Island. Taf. L 30. L 14. 26) Nootka. British Columbia. H 17. Stein. Bd. 1778 Library and Archives Canada. L 46. Zedernbast. British Columbia. S. Vancouver Island. L 56 MHNEL 990. B 16. S. Glimmerschiefer. um 1770 Stein. S. Parkinson’s Museum. Vancouver Island. A Voyage to the Pacific Ocean […] (3 Bde.6. Lavierte Bleistift. British Columbia Foto: N. spätes 18. Seeotterzähne. Meany) Winterhut (Abb. James Cook) Beil mit Steinklinge (Abb. ex-Slg. Aus: James Cook und James King. British Columbia. um 1870 Wurzelspäne. Mowachat. ex-Slg. PN10986 „Halibut Drying“ (Abb. Parkinson’s Museum. NA794 „Nootka Village on Beach. Yuquot (?). Parkinson’s Museum. B 7. ON.7. ex-Slg.5 MVW 210 (Slg. 30) Kupferstich nach einer Zeichnung von John Webber (1751–1793). um 1770 Holz. Etnografisk Seksjon (Slg. Ottawa. James Cook) Pfeilbehälter mit Einlagen (Abb. H 11. ON. Kulturhistorisk Museum. BC. 1903 Universit y of Washington Libraries.5. B 16 MVW 215 (Slg. British Columbia. H 3. L 165. James Cook) Vogelförmige Rassel. ex-Slg. E. S. um 1770 Stein. Franz Steindachner. ex-Slg. um 1770 Knochen. James Cook) „Carving a Whale on Beach“ (Abb. Sely. Mowachat. B 3. L 26. Seattle. British Columbia. Pf lanzenfasern. British Columbia Foto: unbekannter Fotograf. Vancouver Island. um 1770 Holz. lavierte Bleistiftzeichnung.1044 Schwertkeule Nootka. Parkinson’s Museum. Vancouver Island. James G.4 MVW 222 (Slg. Pf lanzenfasern. Vancouver Island. 800 MVW 217 (Slg. Vancouver Island. British Columbia. Mowachat. British Columbia. S. James Cook) Schwertkeule (Abb. 1907 British Columbia Archives. James Cook) „The Inside of a House in Nootka Sound“ (Abb. British Columbia. Universitetet i Oslo. 241) John Webber (1751–1793). Victoria. Mowachat. Mowachat. ex-Slg. Mowachat. Seeotterzähne. S. Moser. Sehnen. 1991-265232 (C 13415 K) „Frauen beim Herstellen einer zwirnbindigen Decke“ (Abb.3. S. Johan Adrian Jacobsen) VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 241 . Parkinson’s Museum. H 13. 1778 Library and Archives Canada. Sehnen. L 22. ex-Slg. British Columbia. 3. Walknochen. James Cook) Modell eines Einbaums Nootka. 1784. James Cook) Harpunenspitze und -leine (Abb. Vancouver Island. S. Ottawa Vogelkopfmaske (Abb. Mowachat.5 MVW 209 (Slg. Parkinson’s Museum. D 32 MVW 5075 (Slg. 1778. Parkinson’s Museum. British Columbia Foto: Charles S. S. D 90 MVW 224 (Slg. Vancouver Island. I-12 (C 2821 K) Heilbutthaken Nootka. Wien. 1880 Universit y of Washington Libraries. Parkinson’s Museum. 39) Foto: Edmond S. Haliotis.. Jh. B 17. D 26 MVW 219 (Slg. 38) Nootka. PN04740 (Slg. 34) Nootka. General Indian Collection 564. 37) Nootka. Ottawa. James Cook) Anthropomorphe Maske (Abb. ex-Slg. Victoria. Mowachat. ex-Slg. S. James Cook) Lanze mit Spitze aus Walknochen (Abb. B 6. British Columbia. Knochen. Menschenhaar.

British Columbia. S. making a Macquinna hat during a tape-recorded interview by Barbara Efrat“ (Abb. Johan Adrian Jacobsen) Rassel (Abb.5 MVW 168170 (Slg. ex-Slg. Walbarten. H 19. Christian Feest) „Jessie Webster. 1985. 2005 Besitz des Fotografen Deckelkörbchen Nootka. H 7. H 23. 44 links) Foto: Janet Helen Cauthers. S. British Columbia Foto: Henry Kammler. Hesquiat. British Columbia Foto: Henry Kammler.5. 242) Siebdruck nach einer Zeichnung von Tim Paul (*1950. L 47.Pf lanzenfasern. Foto: Henry Kammler. Copying People 1860-1940. 1980 Schulgebet auf einer Tafel der Schule in Ahousat. um 1880 Holz. L 60. um 1880 Holz. B 5 MVW 51687 (Slg. Photographing British Columbia First Nations (Saskatoo. B 82 KHMO 17270 (Slg. 1985 H 37. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. 41) Nootka. Johan Adrian Jacobsen) „Nuu-cha-nulth Dancers in Dominion Day Parade. British Columbia). Arthur Speyer. S. 42) Foto: Charles H. 2005 242 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . Field Columbian Museum) Umflochtene Flasche (Abb. Museum für Völkerkunde Berlin.5. B 55 MVW 168167 (Slg. Nitinat. British Columbia). Field Columbian Museum) Cape Nootka. British Columbia). Johan Adrian Jacobsen) Wolfsmaske Nootka. Siebdruck nach einer Zeichnung von Tim Paul (Nootka. British Columbia. Nootka. British Columbia).5 MVW 178823 (Slg. 1985 H 37. S. 241) Nootka. Victoria. Glas. Ahousat. Nootka. D 12 MVW 51679 (Slg. Christian Feest) „Super Natural White Wolf“ Siebdruck nach einer Zeichnung von Patrick Amos (*1957.5.5. H 42. a member of the Ahousat Band. Christian Feest) „Human Twins“ Siebdruck (87/150) nach einer Zeichnung von Art Thompson/Tsan-Quass-Upp (1948–2003. Missouri“ (Abb. Nootka. H 21. I-51968 „Shark and Hesquiat Hunter“ (Abb. S. um 1890 Pf lanzenfasern. 83 Hut mit Walfangszenen (Abb. BC. B 11 KHMO 6381 (Slg. Nootka. 1991 H 53. um 1890 Pf lanzenfasern. HP015988 Stirnaufsatz (Abb. 1904 British Columbia Archives.5. British Columbia oder Makah. S. St. British Columbia. British Columbia). S. S. Louis Fair. 42) Nootka. Hesquiat. um 1880 Holz. 1929 Alberni Valley Museum 1875 (Daniel Francis. 45) Nootka. B 11 KHMO 6374 (Slg. Washington. SK-Calgary. 242) Nootka. B 19 SMF III-70-2150 (Slg. B 55. 40) Foto: Joseph Clegg (1875–1961). Ahousat. 1977 British Columbia Archives. Kyuquot. British Columbia.5. BC. um 1890 Zedernbast. S. Leona Lattimer) „Haifisch und Hesquiat-Jäger“. B 50. 2005 Besitz des Fotografen Schulgebet auf einer Tafel der Schule in Ahousat (Abb. Johan Adrian Jacobsen) „Two Native Women from Nootka Sound Weaving Baskets at the Louisiana Purchase Exposition. D 27 MVW 162713 (Slg. Christian Feest) Betty Keitlah mit Heringslaich auf Tannenzweigen (Abb. 44 rechts) Jessie Webster (Nootka. Mowachat. AB 1996: Fifth House). H 14. ex-Slg. Victoria. Nootka or Nuu-chah-nulth. Carpenter (1877–1949). Port Alberni“ (Abb. S. L 41. British Columbia.

Herzog Anton Ulrich-Museum) Täschchen (Abb S. H 72.A D 1809 / Peace and Friendship“ John Reich (1768–??). Abenaki (?). um 1820. 50) „Huronen“.210 (Slg. Travels through the Canadas (London 1807: Richard Philips) Library and Archives Canada. S. um 1775 Holz. Saint Lawrence River-Tal. besonders der Huronen und Abenaking“ (Abb. Klinge L 17. L 24.IV. Öl auf Leinwand.Skalp St. 16 MKB IVa037 (Slg. Glasperlen. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. S. um 1780 Birkenrinde. Histoire de l’Amérique septentrionale (4 Bde. männlich H 22. C-012781 K Messerscheide (Abb. um 1820 Leder. Herzog Anton Ulrich-Museum) „Ein Indianischer Krieger“ (Abb. 244) Mohawk.IV.S. D 12–13. L 37. D 9 SMB A.IV. L 18. Borsten B 5. um 1775. Lawrence River-Tal. B 19. Ärmelspannweite 158. ON.2 KHM-M 13423 „Defend Support/Entsene Dentsniene Ganienkeh“ (Abb. D 6.b.214 (Slg.5 MVW 11967 (Slg. 26 MHNEL 990. Elchhaar. S. Glasperlen. Ludolph von Unger.5. Kopf haut. Wolle. Herzog Anton Ulrich-Museum) Halbkugelige Schale (Abb.90 (Slg. L 12. Herzog Anton Ulrich-Museum) (nicht ausgestellt) Messerscheide (Abb. Bd. Jahrhunderts. Herzog Anton Ulrich-Museum) Paar Mokassins (Abb. um 1775 Braunschweigisches Landesmuseum „Costume of Domicilated Indians of North America“ (Abb. L 24. 1940. Quill. um 1775 Leder. 352 LPW Messerscheide mit Quilldekor. S. Stadler nach einer aquarellierten Bleistiftzeichnung von George Heriot (1759–1839).IV. um 1780 Birkenrinde. B 42 LPW „Der Indianische Krieger“ (Abb. Johann Georg Schwarz) Rindenbootsmodell mit Ausrüstung und zwei Kostümpuppen (Abb. S.218 (Slg. 54) Algonquin.b. S. Leder. L (hinten) 120–130. Imitationswampum. Städtisches Museum Braunschweig (Slg.2. Quill. Wolle. Quill.5 MVW 11981 (Slg. von Zimmermann. Stachelschweinborsten. S.5. Herzog Anton Ulrich Museum) Täschchen. um 1820. Messing. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Lawrence River-Tal.W. Washington. 40) Kupferstich.) 9. B 11 MVD-SESS 2954 (Slg. um 1820 Leder. Birkenrinde.207 (Slg. S. Bootsmodell H 16. B 6 SMB A. S. Elchhaare. 52) Wahrscheinlich Huron. 1. S. 53 oben) Aquarell von unbekanntem Künstler nach anonymer frankokanadischer Vorlage. C.IV. L 78. D 10 SMB A. im Hintergrund frankokanadischer Bauer und Mohawk auf Schneeschuhen Kupferstich nach einer Zeichnung von August Wilhelm du Roi (1743–1814). 51 unten) St. DC. Lukas Vischer) Zwei Kostümpuppen. L 23. H 2. St. Johann Georg Schwarz) Täschchen (Abb. Ottawa. spätes 18. 1805. ex-Slg. Jeune Lorette. Tragband (doppelt) 35 MVW 11965 (Slg. L ca. Puppe weiblich H 20. Quill. 1814 Silber. Lawrence River Leder. B (max. B 8 SMB A. 1976 Vierfarbenoffsetdruck. 1776. B (max. Reisen im Inneren von Nordamerika (Berlin 1792: Voss). Algonquin.2 SMB A. Andrew W. Taschenbuch der Reisen oder unterhaltende Darstellung der Entdeckungen des 18. Aus: Thomas Anburey. New York. Kahnawake.5 SMB A. Mohawk. um 1776 National Gallery of Art. S. Puppe. Aus: George Heriot. 243) Algonquin. Aus: E A. Frontispiz Ledermantel (Abb. S. Frontispiz „Abbildung der Wilden in Canada.b. B 15. Québec Kupferstich nach einem Gemälde von Claude Chauchetière (1645–1709). Blechkonusse.b. Lederschnur. um 1820 Leder. 55 rechts oben) Abenaki (?). Holz.211 (Slg. Quebec Handkolorierte Aquatinta von J.3. Johann Georg Schwarz) VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 243 . 1789. 51) „Nadowessier“ (Sioux). Johann Georg Schwarz) Jagdtasche Algonquin. St. 47) Benjamin West (1738–1820). H 8. Paris 1722). S. 55 links) Abenaki (?). um 1800 Leder. Québec. Aus: Le Roy Bacqueville de la Potherie. S. Sehnen. Johann Georg Schwarz) DAS LAND „Colonel Guy Johnson and Karonghyontye (Captain David Hill)“ (Abb. 55 unten) St. 3 (Leipzig 1804: Fleischer).3225 „Catherine Tekakwitha“ (Abb.b. Quill. Lawrence River-Tal. 243) Abenaki (?). Quill. Bd.IV. 243) Algonquin.10 (Slg. Johann Ludwig Unger) (nicht ausgestellt) Paar Mokassins Östliches Seengebiet. L 26. Lawrence River-Tal. um 1775 Birkenrinde.b. um 1775 Holz.) 4. Algonquin. Jh. Rosetten. Mellon) Friedensmedaille „James Madison President of the U.5–4. Indianische Kammer) Pfeifentomahawk (Abb. 46) Native American Solidarit y Committee & Amherst Cultural Workers Collective..1. S.

Hugo Schilling) Paar Manschetten (Abb. Johann Georg Schwarz) Taschentragband Nordöstliches Nordamerika. 64 links) Plakat nach Kinderzeichnungen aus der Little Buffalo School. Hugo Schilling) Fingergewebtes Band (Abb. St. Erzherzog Johann Baptist) Jagdtasche (Abb. 1990 Glasperlen. Ottawa. Jh.5 MVW 266 (Slg. László Borsányi) „How the West was Lost“ (Abb. 5777 Paar Mokassins (Abb. Imitationswampum. ON. Hälfte des 18. L 27. Tragband B 2. D 10. Ontario Foto: unbekannter Fotograf. Leder. spätes 18. um 1775 Wolle. L 24. um 1875 Library and Archives Canada.3 MVW 158256–158257 (Slg. Jh. S. C-027312 „Dalton Pass/Mt. bzw. 59 unten) Iroquois. 58 oben) Iroquois. Grönland. Aus: William Smith.5. 18. 65) Plakat der Squash Blossom Gallery. C-085137 „Plan of an American New Cleared Farm“ (Abb.5 MVW 11977 (Slg. H 43. ON. Seneca. St. S. B 9–9. 63) New Brunswick Kupferstich nach einer Zeichnung von Patrick Campbell. S. Glasperlen.5 MVW 15253 (Slg. Anton von Lederer) Stirntragband (Fragment) (Abb. Colorado. B 67 MVW 167824 (Slg. L 54. nach einem Gemälde von David P. S.Paar Mokassins (Abb. S. 244) Iroquois (?). 1983 Vierfarbenoffsetdruck. spätes 18. 1807 National Gallery of Canada.2.3331 „The Indians Giving a Talk to Colonel Bouquet“ (Abb. Histoire de l’Amérique septentrionale (Paris 1722) „Thayendanegea (Joseph Brant)“ (Abb. B 5 MVW 24277 (Slg. Verena Traeger) Grönländische Flagge (Abb. Jh. um 1800 Silberblech. B 10 MVW 173556 (Slg. H 11. Grand River.5 MVW 11970 (Slg. Jh. 61 oben) Iroquois. L 26. 59 oben) Iroquois (?). Ottawa. S. Cree. 2. Aus: Patrick Campbell. Lubicon Lake. 1980 Zweifarbenoffsetdruck. L 12. H 55. 69) Kalaallit. H 7. 53 unten) Mohawk (?). Quill. Glasperlen. White Earth Chippewa. 1987 Vierfarbenoffsetdruck. Nuuk. L 160 MVW 4662 (Slg. 60 unten) Wahrscheinlich Iroquois. um 1800 Leder.5. um 1820 Leder. Hausgut) 244 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . 18. S. H 61. Johann Georg Schwarz) Fingergewebtes Band. Jh. H 14–14. L 4. Lawrence River-Tal. B 36. New York. Arthur Speyer) Wampumgürtel (Abb.5 MKB IVa19ab (Slg.5. um 1780 Leder.5 MVW 168348 (Slg. Indianerhanf. Brantford. Ottawa. Leder. S. 58 unten) Iroquois. B 20. L 19. S. Quill. Minnesota). Stachelschweinborsten. Garn. Lukas Vischer) Täschchen (Abb. B 5 SMVM Hg1045d (Slg. Jeffries) „Iroquois Chiefs from the Six Nations Reserve Reading Wampum Belts“ (Abb. Elchhaar. B 14. Quill. 61 unten) Wahrscheinlich Mohawk. 60 oben) Kupferstich nach einer Zeichnung von Benjamin West (1738–1820). Alberta. Muschelschalenperlen. Elchhaare. S. Quill. B 4. Bradley (*1954.5. Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. S. Ontario William Berczy (1744–1813). Wahrscheinlich Iroquois. B 13. 1766. S. Messingkonusse. Lawrence River-Tal. L (ohne Fransen) 60. Taylor Protest“ (Abb. L 54. S. um 1820 Leder. 1790. An Historical Account of the Expedition against the Ohio Indians […] (London 1766: T. S. Öl auf Leinwand. Elchhaar. Kupferstich nach einem Gemälde von Claude Chauchetière. 69) Kalaallit. ON.5 MHNEL 990. 1990 „Catherine Tekakwitha“. Aus: Le Roy Bacqueville de la Potherie. Nuuk. B 28 MVW 168353 (Slg.5. Travels in the Interior Inhabited Parts of North America (Edinburgh 1793: John Guthrie) Library and Archives Canada. Hausgut) Zwei Broschen Kanada. Grönland. 64 rechts) Plakat des American Indian Environmental Council. Peter Schwarzbauer) GRÖNLAND: VON DER KOLONIE ZUR AUTONOMIE Kerzenschmuck (Abb.6. Stephen Fox) „What is Our Future: Children of Lubicon Lake“ (Abb. 57) Mohawk.

L 16 MVW 283 (Slg. L 10. Kronprinz Rudolf) Kajak Kalaallit.5x20.Papier. Sehnen. pl. Schlitten L 19. Westgrönland. H (Mitte) 16. Taf. um 1800 Kalaallit beim Lastentransport auf Eis. S. Holz. Federn. um 1980. um 1800 Holz. Karl Ludwig Giesecke) Vogelspeer Kalaallit. um 1975 Grønlandske Dagbogsblade (København 1980: Gyldendal). Westgrönland. Grönland. L 19. Eisen. Westgrönland. Aasiaat (Egedesminde). L 163. 50 MVW 75818 (Slg. 245) Nuuk. Seriennummer 4795335 Holz.5 MVW 75813 (Slg. um 1910 Arktik Institut. Gewehr. L 69 MVW 276 (Slg.5. Charlottenlund 50743 Schlittenmodell (mit Lanze. Textil. Westgrönland. B 3. Bein.5 MVW 5476 (Slg. um 1860 Kulturhistorisk Museum. Leipzig 1765). Gewehrschlitten) Kalaallit.5 MVW 75661 (Slg. Holz. Westgrönland.5. Bein. gesamte L ca. Westgrönland. Bein.5 MVW 303 (Slg. Bein. S. Etnografisk Seksjon 30047-12. Grönland. um 1800 Holz. Baumwolle. um 1900 Bein. 1993 Speckstein. H (ausgestreckt) 16 MVW 75663 (Slg. Grönland Foto: Johan Petersen. L 520. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) „Hunter in his Kaiak about to Hurl his Harpoon“ (Abb. H 12. 1822–1869). um 1900 Leder.und Karibujagd Kalaallit. Sehnenschnüre. Grönland Foto: Verena Traeger.. Sehnen. Museum für Völkerkunde Wien (Sammlerakt Hertz) VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 245 .5 MVW 75662 (Slg. Westgrönland. Westgrönland. Grönland Foto: Verena Traeger. Gummi. Verena Traeger) „Die Grönländer versammeln sich in der Kolonie. B 10. Ikerasaarsuk.5 MVW 170343 (Slg. Grönland.5 MVW 296 (Slg. Fahne 27. Gustav Laube) Speerschleuder Kalaallit. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Gussform für Gewehrkugeln Kalaallit. B 6. um 1870 Leder. Segel 13x20. Karl Ludwig Giesecke) Kajakmodell Kalaallit. H 31. Holz. Foto: Ann Christine Eek Weihnachtsmann im Supermarkt (Abb. Eisen. Karl Ludwig Giesecke) Zum Trocknen aufgespanntes Robbenfell Nuuk. Kalaallit. L 48. Universitetet i Oslo. Westgrönland. Holz. B 53 MVW 75633 (Slg. Grönland. L 133 MVW 273 (Slg. um 1900 Weihnachtsmann im Supermarkt. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Schrotbeutel Kalaallit. um 1900 Bein. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Harpunierschaluppe Kalaallit. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Pulverhorn Kalaallit. L 61. Karl Ludwig Giesecke) Grönländische Harpunen und Speere Kupferstich aus: David Cranz. Historie von Grönland (2 Bde. Grönland. Grönland. 1993/94 Besitz der Fotografin Umiakmodell mit Puppen Kalaallit. um 1960 Winchester Modell 94 TR 3O-3O WIN. um 1870 Holz. um 1870 Holz. um 1810 Holz. um 1810 Holz. Griff L 50 MVW 173530 (Slg. Baumwollstoff. Holz. Bein. Eisen. Sehnen. Karl Ludwig Giesecke) Harpunenpfeil für die Landjagd Kalaallit. Karl Ludwig Giesecke) Büchse für Zündhütchen Kalaallit. S. H 25. L 6. Ole Hertz) Modell eines Fangschlittens Kalaallit. Gustav Laube) Gewehr für Seehund. Grönland). 13 Harpunenspitze Kalaallit. 71) Aquarell von Aron aus Kangeq (Kalaallit. Bein. 1993 Besitz der Fotografin Bogen Kalaallit. Bein. B 6. um ihren Speck gewogen zu bekommen und gegen europäische Waren einzutauschen“ (Abb.5 MVW 5477 (Slg. Bein. Aasiaat (Egedesminde). Foto: Verena Traeger. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Horn. L 71 MVW 37684 (Slg. Ikerasaarsuk. L 34. Holz. um 1800 Bein. Textil. Bein. Leder. Westgrönland. H 2 MVW 347 (Slg. Aasiaat (Egedesminde). Nuuk. 80) Ammassalik. um 1890 Leder. Foto: Ole Hertz.5. Westgrönland. B (ohne Ruder) 13. um 1900 Leder. Band 1. Westgrönland. L 95. 5 Waljagd Zeichnung von Thomas Fredriksen (1939–1989.

L 33.5. L 37. S. L 40. Grönland. Papier. 74) Kalaallit. um 1800 Leder. T 7. 1883–1885 Arktisk Institut. D ca. 1918 Grønlands Nationalmuseum & Arkiv. L 17.5. Grönland. um 1960 Kabeljau. um 1900 Knochen.7 x 8. 73) Kalaallit. Grönland. Westgrönland. H 26. S. L 6 MVW 75852 (Slg. Grönland. Fotosamlingen. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Bügel-“Eisen“ (manísai) Kalaallit. Nuuk Fingerschutz Kalaallit. 74) Kalaallit. Leder. Sehne. H 12. 76) Kalaallit. Aasiaat (Egedesminde). Kalaallit). Grönland. Haut. Knochen. Grönland. L 9 MVW 75854 (Slg.1. Ikerasaarsuk. Elfenbein. Aasiaat (Egedesminde). B 18. 14. um 1900 Knochen. Grönland. T 3. Eisen. Grönland Foto: John Møller (1867–1935). 10 MVW 75835 (Slg. Grönland. 72) Nuuk (Godthaab). Westgrönland. Grönland. S. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) „No. Aasiaat (Egedesminde). Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Zirkel Kalaallit. Schnur. um 1960 Waschmittel. B 13. um 1800 Leder. Kalaallit beim Lastentransport auf Eis (Abb.7–8 MVW 75877–75879 (Slg. Ubekendt Ejland. Grönland. Blech. H 25 MVW 170495 (Slg. T 2. 76) Kalaallit. 246) Westgrönland Foto: Verena Traeger. T 7. um 1900 Walrosselfenbein. S. Universitetet i Oslo. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Zerteilen eines erlegten Seewolfs. um 1900 Stein. um 1900 Holz. D 10 MVW 170487 (Slg. Upernavik. B 13. Marke „Arinco“ Kalaallit.2. S. Grönland. 245) Ikerasaarsuk.5. L (Klinge) 10 MVW 75830 (Slg.3. Nuuk (Godthaab). S. jeweils paarweise mit Hanfschnüren zusammengebunden. Karl Ludwig Giesecke) Fingerhuthalter und Fingerhut Kalaallit. Illorsuit. Zwieback je 7x7x1. Grönland. um 1900 Granit. Marke „Naggu-teeqqat“ Kalaallit. Lederschnur. L ca. Schnüre. En Samtale om Krig. Ole Hertz) 246 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . Foto: Ann Christine Eek Der angákoq Sanimuinak mit Amulettriemen (Abb. 65 MVW 170527 (Slg. 7 Napuliut egivtinimitok“ (Abb. B 25. Messing. 25 MVW 352 (Slg. Karl Ludwig Giesecke) Drei Haarnadeln (Abb. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Poul Egede. Papier. Okalokatigingnek. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Messerchen Kalaallit. Karl Ludwig Giesecke) Frauenmesser (uluá) Kalaallit. Testamente Nutak (Kopenhagen 1766) (Abb. Stein. Ikerasaarsuk. um 1900 Bein. Bein. Aasiaat (Egedesminde). L 64. Tasiilaq. S. L 9. halbiert. um 1985 Papier. Grönland Foto: Ole Hertz. Ole Hertz) Packung Schiffszwieback. um 1960 Metall. um 1810 Holz. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Trockenmilch. Grönland. S. Ikerasaarsuk.5 MVW 170490 (Slg. Noorliit (Neu-Herrnhut). Fotosammlung „Hans Egede weist einen angákoq zurecht“ (Abb. B 32 MVW 302 (Slg. um 1960 Metall. D (Rohr) 2. Packung H 24. S. L ca. 08617 Maske (Abb.1 MVW 75866–75867 (Slg. Museum für Völkerkunde Wien. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Waschmittel für Seehundsfell. Gummi. L 6. Eisen. Grönland. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Angelhaken für Kabeljaufang Kalaallit. 82) Kalaallit.5 MVW 360 (Slg. Grönland. 75) Aquarell von Aron aus Kangeq (1822–1869. L 13. 1993/94 MVW Fotosammlung F60787 Trockenfisch Kalaallit. um 1900 Seehundsleder. S. Charlottenlund.5 MVW 75630 (Slg. Marke „Niogen“ Kalaallit. Sisimiut (Holsteinsborg).5 MVW 75836 (Slg. Etnografisk Seksjon 30047-4. 68) Buchillustration aus: Rasmus Berthelsen. um 1985 Weißblech. um 1900 Speckstein. Schlegel L 28 MVW 75902 (Slg. L (mit Schlaufe) 8. Eisen. L 13. Haken L 19 MVW 170362 (Slg. Grönland. Eisen.3 MVW 75576 (Slg.3 MVW 75824 (Slg. Ole Hertz) Packung „Gummimak“-Angelhaken Kalaallit. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Kaffeesack (kafik) Kalaallit.5. Ikerasaarsuk. Karl Ludwig Giesecke) Zerteilen eines gefangenen Seewolfs (Abb. Aasiaat (Egedesminde). Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Geige und Geigenbogen des Seehundfängers Ville Brandt (Abb. Upernavik. S. S. Haar. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Trommel und Schlegel (Abb. Grönland Foto: Hans Knutsen. Schnur. Westgrönland. Grönland. Ammassalik. L 28. Foto: Verena Traeger. Ole Hertz) Tasche aus Seehundsleder (Abb. Packung: 19. 72) Kalaallit. Grönland. Kupfer. Grönland. Bogen L 51 MVW 75903 (Slg. Sehnen.5 MVW 348 (Slg. um 1980 MVW (Sammlerakt Hertz) Angelhaken Kalaallit. B 14. Grönland. um 1890 Bein. 1993/94. 1766 Papier. Ikerasaarsuk.5 MVW 170360 (Slg. Textil. Ole Hertz) Modell eines Haifischbaums Kalaallit.Kalaallit-Frauen beim Nähen im Haus von Niels Lynge (Abb. Ikerasaarsuk. L 23.5. um 1900 Bein. Ikerasak.5 Zwei Häkelnadeln Kalaallit. Leinen. B 11. um 1860 Kulturhistorisk Museum. Westgrönland. um 1900 Holz. Ole Hertz) Mahlstein für Kaffee (kaofimut kontak) Kalaallit. um 1900 Holz.

79) Kalaallit. um 1900 Fell. H 10. 2007 Besitz der Fotografin Paar Frauenstiefel Kalaallit.8.9 Kulturhistorisk Museum. Kalaallit. Ole Hertz) Uhrtäschchen Kalaallit. Grönland. um 1770. um 1900 Fell. L 37. um 1860. B 10.1. Holz. Kärtchen mit Bild eines aufwachenden Knaben. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Hemd Kalaallit.8. T 5. Grönland Foto: William Thalbitzer. Kalaallit). Qeqertarsuaq [Godhavn].7 MVW 170454-1 (Slg. Möller (Nachdruck: [Rungsted Kyst] 1973: Anders Nyborg) H 25. Grönland. um 1900 Holz. Westgrönland. S. Leder. um 1900 Holz. 26 MVW 295b (Slg. L ca. S. Grönland. Band B 4. Kunstfell. B 23 MVW 75813a (Slg. Grönland. S. H 10.5.6 MVW 75887 (Slg. Foto: Ann Christine Eek Anthropomorphe Figur (Abb. S. Fragment einer Zeichnung eskimoischer Kleidung. Ammassalik. H ca. Aus: Heinrich Johannes Rink.8 MVW 158497 (Slg.3. um 1860. 80) Kupferstich. pl. Westgrönland. Karl Ludwig Giesecke) Frauenbluse (Abb. Ubekendt Ejland. Zeichenheft. grönländisches Sprachbuch. Lederband. L 9. Uummannaq. B 3. Grönland. Uummannaq. B 1. Illorsuit. Grönland.8. Leder. B 9. L 48 MVW 75901a (Slg. S. H 3. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) „Inneres des Hauses einer wohlhabenden Familie“ (Abb. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Schambekleidung für Frauen (Abb. Samt. um 1960 Mathematikbuch. L 100 MVW 75573 (Slg. 8 Seiten in Leporellofaltung. Grönland. Nanortalik. um 1960 Leder. H 3. um 1900 Leder. 47 oben VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 247 . Tales and Traditions of the Eskimo (Edinburgh und London 1875). L 39 MVW 75571 (Slg. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) „Torf. Seehundsleder. Ole Hertz) Gummistiefel. um 1900 Holz. Marke „Cordan“ Kalaallit. Ammassalik. H 70. S. H ca. um 1980 Rengeweihknochen. Ostgrönland. Grönland). B 2. 81) Kalaallit. Efterretninger om Grønland (Kopenhagen 1788) Det Kongelige Bibliotek. T 2. Grönland Aquarell von Aron aus Kangeq (1822–1869. Fell. H 36 MVW 173579 (Slg. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Tierfigur (Abb. S. Grönland. Glasperlen. um 1860 H 16. 30 MVW 170511ab (Slg. B 3. Aasiaat (Egedesminde). L 13.6. T 2. um 1960 Papier. Kupferstich nach Aron aus Kangeq. Ton. Textil. Ikerasaarsuk. B 10 MVW 75962 (Slg. Etnografisk Seksjon 30045-12. L ca. Sisimiut (Holsteinsborg).2. B 4. 17. Tales and Traditions of the Eskimo (Edinburgh und London 1875) Leder. H 25.2 MVW 75991 (Slg. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Männliche Figur Skulptur von Gerhard Kleist (1855–1931. um 1975 Grønlandske Dagbogsblade (København 1980: Gyldendal). Ostgrönland.7.Nongme/Godthaab [Nuuk] 1858: L. B 3. H 18. 78) Kalaallit. 1990 Kunststoff. Glasperlen. Paamiut (Frederikshaab). L 95 MVW 321 (Slg. 78) Kalaallit. Glas. Tuchstoff. Fragment eines gelben Lineals Plastik. 2007 Besitz der Fotografin Modell eines Reisezelts Kalaallit. um 1800 „Inneres des Hauses einer wohlhabenden Familie“. L 24 MVW 170505ab (Slg. Foto: Karsten Bundgaard Weibliche Puppe Kalaallit. Kopenhagen. Karl Ludwig Giesecke) Frauenpuppe Kalaallit.5 Schultasche mit Inhalt Kalaallit. Upernavik. S. T 2. Grönland. T 3 MVW 75579 (Slg.7 MVW 158492 (Slg. um 1900) Speckstein. Ikerasak. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Frau und Kind in traditioneller Festtagstracht (Abb. Grönland. 81) Kalaallit.5 MVW 75987 (Slg. Ostgrönland. um 1970 Speckstein. Eugen von Philippovich) Tupilak (Abb. Charlottenlund. H 14. Grönland. S. Ole Hertz) „Nikûp tupitollissoa […]“ [„Ein Tupilak saugt sich an dem Mann zum Leben. Grönland. Applikationen. 4740 Ansicht von Ilullisat (Abb. 83) Grönland Foto: Silvia Meyer. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Schneebrille Kalaallit. B 3.8. S. S. Aus: Poul Egede. L 62 MVW 75919 (Slg. Darm. um 1960 Gummi. Brille L 13. Westgrönland Kupferstich nach einer Zeichnung von Aron aus Kangeq (1822–1869. S. Verena Traeger) Festtags-Frauenbluse (Abb. Ole Hertz) Schneebrille Kalaallit. Ostgrönland. 66) Kalaallit. L 5. um 1800 Leder. 247) Kalaallit. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Puppe Nuuk. Frontispiz LPW Kräftemessen der Männer (Abb. 81) Kalaallit.1.1. Aus: Hinrich Rink. 79) Kalaallit. H 19. um 1900 Seehundsdarm. 1914 Arktisk Institut. L 27. Ikerasaarsuk. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Kalender: Káumatisiutit Kalâtdlitnunane für 1975 Kalaallit. S.2. Grönland Foto: Silvia Meyer.0. Grönland.5 B 19. 77) Kalaallit.und Steinhaus in Nanortalik“ Kalaallit. Eugen von Philippovich) Trachten der Grönländer (Abb.8.8. Stück gelber Ölkreide. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Tupilakfigur aus Speckstein (Abb. Ikerasaarsuk. Westgrönland. 10. L 13.3 MVW 172783 (Slg. B 7 MVW 170441 (Slg. um 1900 Baumwolle. H 8. der ihn geschaffen hat“] (Abb. Haar. Eugen von Philippovich) Anthropomorphe Figur Kalaallit. T 2. Kalaallit. Universitetet i Oslo. um 1900 Holz. Grönland. 82) Thomas Fredriksen (1939–1989. um 1900 Stoff.7 MVW 75582 (Slg. Ikerasaarsuk. Kalaallit). um 1960 Walrosselfenbein.5.

Feuerbohrer Kalaallit, Ostgrönland, um 1900 Holz, Leder, Bock 28x8x7, Bohrer L 37,5, Riemen L 164 MVW 75544a–d (Slg. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Zündholzschachtel mit Aufschrift: „Kalaallit Nunaat“ Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1960 Karton, L 5,7, B 3,6, H 1,7 MVW 170494 (Slg. Ole Hertz) Tranlampe Kalaallit, Westgrönland, um 1900 Speckstein, L 33, B 14,5, Dreifuß H 29,5 MVW 75820 (Slg. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Petroleumlampe Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1960 Metall, Glas, H 40,5, D (max.) 16 MVW 170458 (Slg. Ole Hertz) Kerosinofen, Marke „Primus“ Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1970 Metall, H 21,5, D (Rost) 21, (Tank) 17 MVW 170941 (Slg. Ole Hertz) Schüssel Kalaallit, Westgrönland, um 1800 Holz, H 7, L 35, B 12 MVW 328 (Slg. Karl Ludwig Giesecke) Gefäß Kalaallit, Grönland, um 1870 Speckstein, H 7,5, L 26, B 12 MVW 7781 (Slg. Gustav Laube) Teller Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1960 Porzellan („Denmark. Furnivals Limited Trade Mark. England“), H 1,8, D 17,7 MVW 170429.1 (Slg. Ole Hertz) Drei Konservendosen Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1960 Blech, verrostet, H 8,9–10, D 10,7–11 MVW 170464.1–3 (Slg. Ole Hertz) Eisschaufel Kalaallit, Aasiaat (Egedesminde), Grönland, um 1900 Holz, Walbarten, Bein, Leder, L 55, B 17, T ca. 48 MVW 75660 (Slg. Rudolf Trebitsch und Robert Stiassny) Schöpflöffel (Abb. S. 85) Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1975 Holz, Teil einer Konservendose, H 13,5, L 27 MVW 170376 (Slg. Ole Hertz) Haus (Abb. S. 85) Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland, um 1960 MVW 170537 (Slg. Ole Hertz) Außenansicht des Hauses Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland Foto: Ole Hertz, um 1975 MVW (Sammlerakt Hertz) Innenansicht des Hauses (Abb. S. 84) Kalaallit, Ikerasaarsuk, Grönland Foto: Ole Hertz, um 1975 MVW (Sammlerakt Hertz)

Lamellenpanzer aus Walrossrippen. Inupiaq, Alaska, um 1820. Museovirasto, Helsinki (Slg. Adolf Etholén)

RUSSISCHES AMERIKA „Vue prise dans la colonie Russe de Novo-Archangelsk“ (Abb. S. 89) Lithografie nach einer Zeichnung von F. H. von Kittlitz (1799–1844), 1822. Aus: F. P. Litke, Viermalige Reise durch das nördliche Eismeer […] (Berlin 1835) „Habitants d’Ounalacheka avec leurs Canots (Iles Aleutiennes)“ (Abb. S. 90) Lithografie nach einer Zeichnung von F. H. von Kittlitz (1799–1844), 1822. Aus: F. P. Litke, Viermalige Reise durch das nördliche Eismeer […] (Berlin 1835) Jagdhut (Abb. S. 91) Aleut, Unalaska, vor 1846 Holz, Walrosselfenbein, Walbarten, Federn, H 25,5, L 47, B 20,5 MH VK 206 (Slg. Adolf Etholén) Speerschleuder Aleut, Unalaska, vor 1834 Holz, Walrosselfenbein, Sehne, Papier, L 48,2, B 5 MH VK 226 (Slg. Adolf Etholén) Angelhaken Aleut, vor 1838 Knochen, Sehne L 15, B 4 EAMT K-1402 (Slg. Johann Burchard) Parka (Abb. S. 86) Aleut, Atka Island, vor 1846 Papageientaucher-Bälge, Seehunds- und Karibufell, Karibuhaar, Garn, Federn, L 132 MH VK 251 (Slg. Adolf Etholén) Fest-Kamleika Aleut, Pribilof Islands, vor 1846

Darm, Seelöwen-Speiseröhren, Karibuhaar, Garn, Federn, L 146 MH VK 88 (Slg. Adolf Etholén) Radmantel Aleut, Pribilof Islands, vor 1846 Darm, Seelöwen-Speiseröhren, Karibuhaar, Garn, Federn, L 128 MH VK 284 (Slg. Adolf Etholén) Zeremonialhut Aleut, vor 1834 Seehundsleder, Federn, Ziegenhaar, Vogelschnäbel, H 37 MH VK 213 (Slg. Adolf Etholén) Tasche Aleut, um 1860 Seehundsdarm, Leder, Haare, B 42, L 34,5 MVW 5088 (Slg. Franz Steindachner) Tasche Aleut, 1. Hälfte 19. Jh. Leder, Stoff, Borsten, Wolle, H 9,5, B 13 EAMT K-1387 (Slg. unbekannt) „Interieur d’une maison dans l’isle St. Laurent“ (Abb. S. 97) Lithografie nach einer Zeichnung von Louis Choris (1795–1828), 1816. Aus: Louis Choris, Voyage pittoresque autour du monde […] (Paris 1822: Firmin Didt), Taf. XVII Panzer (Abb. S. 249) Bering Strait Eskimo (?), Alaska, um 1820 Walrosselfenbein, Knochen, Leder, H 48 MH VK 1045:2 (Slg. Adolf Etholén)

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CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL

Bogen für Bogenbohrer (S. 103) Inupiaq, Alaska, um 1855 Elfenbein, Leder, L 34 MVW 3920 (Slg. Novara) Tabakspfeife (Abb. S. 96) Inupiat, Beringmeer, 1. Hälfte 19. Jh. Holz, Blei, Leder, Eisen, Glasperlen, L 35 EAMT K-1479 Frauenmesser Yup’ik oder Inupiat, vor 1836 Holz, Schiefer, L 20, B 8 EAMT K-2292 (Slg. Ferdinand von Wrangel) Kajakmodell (Abb. S. 96) Yupik, Bristol Bay, vor 1836 Elfenbein, Sehne, Holz, Walbarten, H 7, L 25, B 4 EAMT K-1324 (Slg. Johann Burchard, ex-Slg. W. von Rossillon) Augenschirm Yup’ik, vor 1826 Holz, Leder, Walbarten, H 9, L 32, B 20 EAMT K-1497 (Slg. Johann Burchard, ex-Slg. Otto von Kotzebue) Frauengürtel Yup’ik („Chnagmiut“), Norton Sound, vor 1834 Rohhaut, Karibuzähne, L 131, B 7 MH VK 38 (Slg. Adolf Etholén) „Frau aus Kodiak“ Koniag, Alaska, 1826 Kupferstich. Aus: Gavriil Andreevich Sarychev, Atlas des nördlichen Teils des Pazifischen Ozeans […] (1826) Alaska State Library, Juneau, AK, PCA 20-33 „Mann aus Kodiak“ Koniag, Alaska, 1826 Kupferstich. Aus: Gavriil Andreevich Sarychev, Atlas des nördlichen Teils des Pazifischen Ozeans […] (1826) Alaska State Library, Juneau, AK, PCA 20-34

„Inneres einer Hütte der Kaloschen [Tlingit] (Sitka, Nordwestküste Amerikas)“. Lithografie nach Aleksandr F. Postels, 1822. Aus: F. P. Litke, Viermalige Reise durch das nördliche Eismeer [...] (Berlin 1835)

Dreisitziges Baidarka-Modell Koniag, vor 1836 Leder, Holz, Walbarten, Borsten, H 6,5, L 74,5, B 10 EAMT K-1323 (Slg. Johann Burchard, ex-Slg. W. von Rossillon) Kajakmodell Koniag, 1. Hälfte 19. Jh. Darm, Holz, Walbarten, Walrosselfenbein, Wolle, H 6, L 42, B 6 EAMT K-1396 (Slg. Ferdinand von Wrangel [?]) Bogen (Abb. S. 249) Koniag (?), um 1850 Holz, Sehne, L ca. 140 RPMH V 2496 (Johan Adrian Jacobsen coll.) Rassel Alutiiq, Alaska, um 1830 Holz, Vogelschnäbel, D (Holzring) 23–23,5 MHNEL 990.2.3244 Beritzter Pottwalzahn Koniag (?), um 1850 Pottwalzahn, L 13, B 5,5 EAMT K-1454 (Slg. W. von Middendorff, ex-Slg. Pastor F. Hasselblatt) Schüssel in Vogelform (Abb. S. 92 unten) Alutiiq, vor 1836 Holz, H 15, L 33, B 22 EAMT K-2309 (Slg. Ferdinand von Wrangel) Speerschleuder Chugach, Prince William Sound oder Cook Inlet, Alaska, um 1770 Holz, Walrosselfenbein, L 55, B 7 MVW 235 (Slg. Parkinson’s Museum, ex-Slg. James Cook)

Vogelspeer Südalaska Eskimo, Prince William Sound oder Cook Inlet, Alaska, vor 1778 Holz, Knochen, Sehne, L 170,5 MVW 234 (Slg. Parkinson’s Museum, ex-Slg. James Cook) Runde Schachtel (Abb. S. 92) Chugash, vor 1834 Holz, Sehnen, Glasperlen, H 9,5, D 24,5 MH VK 64 (Slg. Adolf Etholén) Löffel Chugash, vor 1834 Bergziegenhorn, Muschelschalenperlen, Glasperlen, L 14,5 MH 78c (Slg. Adolf Etholén) Korb (Abb. S. 93) Pazifik-Eskimo, 1. Hälfte 19. Jh.

„Mann aus Kodiak“. Kupferstich aus: Gavriil Andreevich Sarychev, Atlas des nördlichen Teils des Pazifischen Ozeans (1826). Alaska State Library, Juneau

Bogen (Details). Koniag (?), um 1850. Roemer- und PelizaeusMuseum, Hildesheim (Johan Adrian Jacobsen coll.)

VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE

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Zedernbast, Bergziegenwolle, L 42 (ohne Fransen), B 92 SMVM 779 (Slg. Leuchtenberg) Hut (Abb. S. 94 unten) Tlingit, vor 1836 Fichtenwurzelspäne, H 13, D 43 EAMT K-2290 (Slg. Ferdinand von Wrangel) Bootsmodell mit Figuren Tlingit, vor 1846 Holz, L 90, B 20,5 MH VK 80 (Slg. Adolf Etholén) Kiste mit Schublade Tlingit oder Pazifik-Eskimo, vor 1834 (?) Holz, H 28, L 35 MH VK 62 (Slg. Adolf Etholén) Löffel Tlingit, vor 1834 Holz, L 43, B 11 MH VK 77 (Slg. Adolf Etholén) Korb mit Rasseldeckel Tlingit, vor 1850 Pf lanzenfasern, H 21, D 24 MH VK 550 (Slg. H. J. Holmberg) Cape eines Medizinmanns Tlingit, Alaska, um 1850 Leder, L 94, B 76 MVW 5084 (Slg. Franz Steindachner, ex-Slg. James G. Swan) Maske (Abb. S. 95 oben) Tlingit, Alaska, um 1830 Holz, H 21, B 17 SMF III 29 (Slg. Johann Friedrich Gustav Umlauff) „Tennanah Tribe – Man and Woman“ Öldruck nach Zeichnung von Ivan Petroff (1842–?), 1878. Aus: Ivan Petroff, Report on the Population, Industries, and Resources of Alaska (Washington 1884), Taf. IV MVW, Bibliothek Hemd „Takoo-Sitka“ [Denaina], um 1850 Leder, Quill, Dentalium, Glasperlen, L 116, B 66 MVW 5085 (Slg. Franz Steindachner, ex-Slg. James G. Swan) Mokassinhose „Takoo-Sitka“ [Denaina], um 1850 Leder, Quill, Vogelquill, L 96 MVW 5086 (Slg. Franz Steindachner, ex-Slg. James G. Swan) Männerhaube Denaina, vor 1846 Leder, Quill, L 72 MH VK 179 (Slg. Adolf Etholén) Handschuhe Denaina, vor 1846 Leder, Quill, L 24 MH VK 0184 (Slg. Adolf Etholén) Schüssel Denaina, vor 1836 Bergziegenhorn, H 11, L 16, B 6,5 EAMT K-1350 (Slg. Johann Burchard, ex-Slg. Elisabeth von Wrangel)

Eisendolch und Lederscheide. Denaina, Alaska, um 1840. Museovirasto, Helsinki (Slg. Adolf Etholén)

Dolch und Scheide (Abb. S. 250) Denaina, vor 1846 Eisen, Tuchstoff, Sehnen, Leder, Quill, Dolch L 29,7, Scheide L 33 MH VK 193 (Slg. Adolf Etholén) Keule (Abb. S. 250) Denaina, vor 1846 Rengeweihknochen, Leder, L 70 MH VK 199 (Slg. Adolf Etholén) Schüssel (Abb. 95 unten) Denaina, vor 1836 Bergschaf horn, H 10, L 21,5, B 13,5 EAMT K-2274 (Slg. Ferdinand von Wrangel) „Ein Tanz der Indianer der Mission in St. José in NeuCalifornien“ (Abb. S. 99) Lavierte Federzeichnung auf Papier von Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau (1769–1857), 1806 The Bancroft Library, University of California, Berkeley, CA, 1963.002, 1023-FR (Robert B. Honeyman Collection of Early Californian and Western Pictorial Material) Halskette (Abb. S. 101) Pomo, Kalifornien, um 1830 Muschelschale, L (doppelt) 30 SMF III 30 (Alte Universitätssammlung, ex-Slg. Langsdorff [?]) Halskette Kalifornien, 1. Hälfte 19. Jh. Muschelschalen, Horn, Pf lanzenfasern, L 82 EAMT K-1719 (Slg. Gräfin Caroline Buxhöwden) Korb Coast Miwok, Kalifornien, vor 1846 Pf lanzenfasern, Muschelschalen, Federn (Reste), D ca. 25 MH VK 203 (Slg. Adolf Etholén) Korb (Abb. S. 99) Kalifornien, 1. Hälfte 19. Jh.

Keule aus Rengeweih. Denaina, um 1840. Museovirasto, Helsinki (Slg. Adolf Etholén)

Pf lanzenfasern, H 27, D 28 EAMT K-2161 (Slg. unbekannt) „Vue d’un établissement des habitants du Port de Français pour la saison de la pêche“ Lituya Bay, Alaska Kupferstich von De Blondela (erw. 1777–1788), 1786. Aus: Jean François de Galaup, Comte de Lapérouse, Voyage de La Pérouse autour du Monde (4 Bde., Paris 1797), Atlas, Taf. 21 MVW, Bibliothek „Intérieur d’une Cabane des Caloches (Ile de Sitkha, Côte N.O. de Amérique)“ (Abb. S. 249) Lithografie nach einer Zeichnung von Aleksandr F. Postels (1801–1871), 1822. Aus: Fedor Petrovic Litke, Viermalige Reise durch das nördliche Eismeer […] (Berlin 1835) Chilkat-Schürze (Abb. S. 94 oben) Tlingit, um 1840

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CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL

Pf lanzenfasern, Muschelschalen, Perlmutt, Glasperlen, H 11, D 27 EAMT K-2136 (Slg. Höppner) Korb (Abb. S. 100) Coast Miwok, Kalifornien, 1824 Pf lanzenfasern, Muschelschalen, H 15, D 31,5 EAMT K-1359 (Slg. Otto von Kotzebue) SIOUX: ANPASSUNG UND WIDERSTAND „Wa-na-ta. Grand Chief of the Sioux“ (Abb. S. 114) Yanktonai Sioux, South Dakota Nach einem Ölbild von James Otto Lewis (1799–1858), 1826 Farblithografie. Aus: Thomas L. McKenney und James Hall, History of the Indian Tribes of North America (3 Bde., Philadelphia 1838–1844), Bd. 1, 109 MVW, Bibliothek Hemd (Abb. S. 111 oben) Hunkpapa Teton Sioux, um 1870 Leder, Quill, Tuchstoff, Hermellinfellstreifen, Menschenhaar, L 88 MVW 21544a (Slg. Hugo Müller) Leggings Hunkpapa Teton Sioux, um 1870 Leder, Quill, Glasperlen, Pferdehaar, L 79 bzw 81 MVW 21545ab (Slg. Hugo Müller) Paar Mokassins (Abb. S. 111 unten) Sicangu Teton Sioux, Yellowstone River, um 1870 Leder, Glasperlen, L 27, B 12 MVW 118053ab (Slg. Moritz Weniger) Vertrag von Fort Laramie (Abb. S. 115 oben) Foto: William Gardener, 1867 National Anthropological Archives, Smithsonian Institution, Washington, DC, NAA INV 00514500 Sitting Bull und Buffalo Bill (Abb. S. 251) Foto: William Notman & Son Library of Congress, Washington, DC LC cph 3a22279u „The Great Hostile Camp“ (Abb. S. 116) Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota Foto: John C. H. Grabill (erw. 1887–1891), 1891 Library of Congress, Washington, DC, LC-DIG-ppmsc02527 „Skinning Beef“ (Abb. S. 117 links unten) Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota Foto: John C. H. Grabill (erw. 1887–1891), 1891 Library of Congress, Washington, DC, LC-DIG-ppmsc02683 Paar Mokassins Santee Sioux, um 1870 Leder, Rohhaut, Glasperlen, L 26, B 9 MVW 9186ab (Slg. H.A. Ward) Knabenjacke mit Glasperlendekor (Abb. S. 117 rechts unten) Santee oder Yankton Sioux, um 1910 Leder, Glasperlen, L 50 MVW 161659 (Slg. C. und A. Vonwiller) Kinderhose Santee oder Yankton Sioux, um 1910

Gedenkstab (Abb. S. 108 oben) Joseph No Two Horns (1852–1942, Hunkpapa Teton Sioux) zugeschrieben North Dakota, bzw. Northwest Terrritories, um 1880 Holz, Uniformknöpfe, Messingnägel, Leder, Feder, L 94,5, B 29 MVW 22188 (Slg. Hugo Müller) Steinhammerkeule Teton Sioux, Moose Jaw, Northwest Territories, um 1880 Stein, Holz, Rohhaut, L 74,5, Steinkopf L 14 MVW 21578 (Slg. Hugo Müller) Pfeifentomahawk Hunkpapa Teton Sioux, um 1880 Holz, Messingnägel, Stahlklinge, L 59 LMS 113322 (Slg. Charles Schreyvogel) Messer Teton Sioux, South Dakota, um 1890 Holz, Eisen, Messing, L 25,5 MVW 163392 (Slg. W. und G. Scholz, ex-Slg. Frank Wester) Messerscheide Sicangu Teton Sioux, Yellowstone River, um 1870 Leder, Glasperlen, Blechkonusse, L 22,5, B 6 MVW 118051a (Slg. Moritz Weniger) Sitting Bull und Buffalo Bill. Foto: William Notman, 1885. Library of Congress, Washington „Mon-Ka-Ush-Ka. A Sioux Chief“ Teton Sioux, 1837 Farblithografie nach einem Ölgemälde von George Cooke (1793–1849), 1837. Aus: Thomas L. McKenney und James Hall, History of the Indian Tribes of North America (3 Bde., Philadelphia 1838–1844), Bd. 1, 203 MVW, Bibliothek Skalp Teton Sioux (?), um 1870 Holz, Haut, Haar, Leder, Feder, L 39 MVW 21556 (Slg. Hugo Müller) „Demonstration des Skalpierens im Tierpark Hagenbeck, Hamburg“ (Abb. S. 104) Oglala Teton Sioux, South Dakota Foto: Theodor Reimers, 1910 Museum für Völkerkunde Hamburg, Fotonummer 13624 (Slg. Johan Adrian Jacobsen) „High Bear, Sioux“ (Abb. S. 253) Teton Sioux, 1898 Foto: Frank A. Rinehart (1861–1928), © 1898 MVW, Fotosammlung F20617C Hörnerhaube mit Federschleppe (Abb. S. 110) Teton Sioux, um 1880 Leder, Tuchstoff, Rohhaut, Horn, Federn, Quill, Seidenbänder, Schleppe 154x20; Federn L ca. 37 MVW 89314 (Slg. Sigfried Saphir) Hörnerkopfschmuck Hunkpapa Teton Sioux, Dakota Territory, vor 1871 Rohhaut, Horn, Leder, Federkiele, Glasperlen, Quill, Pferdehaar, Baumwollstoff, Seidenbänder, Messingschellen, Schleppe L 90 cm, Hörner L 22,5 MVW 47721 (Slg. Walter J. Hoffman) Rückentanzschmuck (Abb. S. 144 rechts) Teton Sioux (wahrscheinlich Hunkpapa), Livingstone, um 1890 Holz, Rohhaut, Leder, Vogelbalg, Federn, Quill, Schleppenteile je 84x6,5 MVW 66217 (Slg. Franz Angerer)

Leder, Glasperlen, L 59 MVW 161660 (Slg. C. und A. Vonwiller) „Little Killer und Little Shield“ (Abb. S. 105) Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota Foto: Eugene Buechel, um 1925 Marquette Universit y Library, Milwaukee, WI, Special Collections, Bureau of Catholic Indian Missions „Indians Travelling“ (Abb. S. 108 unten) Santee Sioux Stahlstich nach einer Zeichnung von Seth Eastman (1808–1875), 1851. Aus: Henry R. Schoolcraft, Information Respecting the History, Condition and Prospects of the Indian Tribes of the United States (6 Bde., Philadelphia 1851–1857: J. B. Lippincott & Company), Bd. 2, Taf. 21 MVW, Bibliothek Zaumzeug Sioux, Standing Rock Reservation, um 1890 Leder, Glasperlen, L 52, B 21 LMS 113290 (Slg. Charles Schreyvogel) Kissensattel Santee Sioux, um 1870 Leder, Tuchstoff, Glasperlen, Seidenbänder, Wolle, L 52, B 32,5 MVW 9193 (Slg. H. A. Ward) Satteltasche Sioux, um 1900 Leder, Glasperlen, L 216, B 28 KHMO 42748 Reitpeitsche Sioux, Standing Rock Reservation, um 1890 Leder, L 87 LMS 113414 (Slg. Charles Schreyvogel)

VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE

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„Mato Wamyomni (Whirlwind Bear)“ (Abb. S. 144 links) Teton Sioux Foto: Frank A. Rinehart (1861–1928), ©1900 MVW, Fotosammlung F20500D Tabakspfeife mit Kopf aus Catlinit mit Bleieinlagen Yankton Sioux, um 1870 Holz, Quill, Pferdehaare, Vogelbalg, Catlinit, Blei, Stiel L 69, B 3,5, Kopf H 8,8, L 17 MVW 13655 (Slg. George J. Engelmann) Tabakspfeife (Abb. S. 145 unten) Teton Sioux, um 1880 Holz, Catlinit, L (gesamt) 65, Kopf H 7,3, L 16 MVW 87756 (Slg. Schuhmacher-Popp) Pfeifentasche (Abb. S. 252) „Michapas“ [Teton Sioux oder Arikara], um 1870 Leder, Quill, Glasperlen, L 79, B 14 KHMO 2868 (Slg. Jens Bind) Flöte Teton Sioux, um 1900 Holz, Sehnen, Blech, L 69,5, D 3,2 LPW Frauenkleid (Abb. S. 109) Hunkpapa Teton Sioux, um 1880 Leder, Glasperlen, Blechkonusse, L 128 LMS 113259 (Slg. Charles Schreyvogel) Paar Mokassins Teton Sioux, Livingstone, um 1890 Leder, Rohhaut, Glasperlen, L 26,5, B 10 MVW 66218ab (Slg. Franz Angerer) Kindertrage (Abb. S. 113 oben) Teton Sioux, um 1880 Leder, Glasperlen, L 62 LMS 113261 (Slg. Charles Schreyvogel) Nabelschnuramulett Teton Sioux, um 1900 Leder, Glasperlen, Blechkonusse, Federn, L 21 MKB IVa220 (Slg. Karl Schlatter) Ball wahrscheinlich Sioux, um 1880 Leder, Glasperlen, D ca. 6,5 MVW 165963 (Slg. Christian Feest) Pemmikanschlägel Sioux, um 1870 Stein, Holz, Leder, L 20, B 6 MVW 9194 (Slg. H. A. Ward) Fellschaber Sioux, um 1870 Geweihknochen, Eisen, Leder, L 30, T 14 MVW 9195 (Slg. H. A. Ward) Löffel „Blackfoot“?, um 1870 Bisonhorn, Leder, Glasperlen, Tuchstoff, L 23, B 13 MVW 21568 (Slg. Hugo Müller) Tasche Hunkpapa Teton Sioux, um 1870 Rohhaut, H 45 MVW 47720 (Slg. Walter J. Hoffman)

Schaltanz-Set: Kleid, Unterrock, Schal, Rosette, Brustschmuck, Zopfschmuck, Leggings, Mokassins Sicangu Teton Sioux, Rosebud Reservation, South Dakota, um 1980 MVW 164502a-h1,2 (Slg. Harold D. Moore) Schirmkappe Viola (He Crow) Black Spotted Horse (Sicangu Teton Sioux, Rosebud Reservation, South Dakota), um 1980 Kunstleder, Stoff, Glasperlen, L 25, B 20 MVW 164494 (Slg. Harold D. Moore) Haarkamm Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota, 1984 Baumwollschnüre, Stachelschweinborsten, H 15, L 28 MVW 166160 (Slg. Christian Feest) Roach Spreader Sicangu Teton Sioux, Rosebud Reservation, South Dakota, um 1980 Messing, Neusilber, Steineinlagen, Leder, L 24, B 8,5 MVW 164902 (Slg. Harold Moore) Quilt mit Basketball-Motiv (Abb. S. 122) Sicangu Teton Sioux, Rosebud Reservation, South Dakota, um 1980 Textil, L 213, B 173 MVW 164870 (Slg. Christian Feest) Bisonschädel für den Sonnentanz (Abb. S. 123) Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota, um 1980 Knochen, H 22, L 52, B 44 MVW 167145 (Slg. Heritage Center, Holy Rosary Mission) Lakota Wocekiye na Olowan Wowapi. Sioux Indian Prayer and Hymn Book St. Louis, MO 1927: Central Bureau of the Catholic Central Verein of America Papier, aufgeschlagen 18x14 LPW Halskette mit Katholikenkreuz Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota, um 1980 Leder, Glasperlen, Anhänger 4,3x7,5 MVW 167162 (Slg. Christian Feest) Halskette mit Episkopalenkreuz Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota, um 1980 Glasperlen, Anhänger 3,8x5,1 MVW 167160 (Slg. Heritage Center, Holy Rosary Mission) Trommel Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota, um 1985 Gusseisen, Leder, Geweihknochen, H 14, D 24 MVW 167753ab (Slg. Heritage Center, Holy Rosary Mission) Trommelschlägel Oglala Teton Sioux, Pine Ridge Reservation, South Dakota, um 1985 Holz, L 30 MVW 167754 (Slg. Heritage Center, Holy Rosary Mission)

Pfeifentasche. Teton Sioux oder Arikara, um 1870. Kulturhistorisk Museum, Oslo (Slg. Jens Bind)

Satteltasche Teton Sioux, um 1890 Leder, Leinen, Glasperlen, Blechkonusse, Pferdehaare, H 33, B 51,5 MVW 137794 (Slg. Laurent Deleglise)

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CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL

119 oben) South Dakota Foto: Reinhard Mandl. Kunstleder. Quill. um 1830 Tuchstoff. L 23. Bd. Pine Ridge Reservation. 125) Zeichnung von Joseph Shomin (Ottawa. L 143. Wisconsin. McKenney und James Hall. MI Frauenjacke Menominee. Philadelphia. Bibliothek „Village Ottowa. um 1983 Besitz des Fotografen VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 253 . mit Fransen 60 MVW 167756 (Slg. Michigan). Johann Georg Schwarz. Aus: Francis de Castelnau. Museum für Völkerkunde Wien. Grand Rapids. Heritage Center. Special Collections „Du Jaunay Chapel at Middle Village“ (Abb. 1898. L 44. H 12.5–26 MVW 11984 (Slg. JAHRHUNDERT Bilderkatechismus (Abb. B 10. L 23.MISSION: DAS SEENGEBIET IM 19. Seidenbänder. B 8 MVW 12021 (Slg. used with success for the speedy and easy instruction of Indians. 1. Aus: Thomas L. um 1890 Grand Rapids Public Library. 1990 Besitz des Fotografen Bränden eines Kalbes der White Butte Tiospaye (Abb. Johann Georg Schwarz) Fäustlinge Menominee. L ca. Rinehart (1861–1928).5. South Dakota. ex-Slg. Wisconsin. S. Philadelphia 1838–1844). Friedrich Rese) „High Bear. Washington. 129 oben) Menominee. Friedrich Rese) Frauenrock (Abb.5. children and uneducated people. Glasperlen.5 MVW 11987 (Slg. 132) Lithografie nach einer Zeichnung von Francis de Castelnau (1810–1880). South Dakota. Pine Ridge Reservation. S. S. ex-Slg. Federn. Beauchemin & Fils. Lacombe. um 1880. Montreal [1895]: C. um 1927 American Philosophical Societ y. Fonds du Lac. 125 MVW. Minnesota Farblithografie nach der Kopie einer Kopie eines Gemäldes von James Otto Lewis (1785–1862). Ein Chippewa-Häuptling“ (Abb. Michigan Foto: unbekannter Fotograf. WI. um 1830 Leder. 128) Chippewa. Fotosammlung Leggings Menominee. L 59. Tableau-catéchisme composé par A. Holz. um 1980 Kürbisschale. Holy Rosary Mission) Peyote-Fächer Oglala Teton Sioux. S. Middle Village. Foto: Frank A. Vues et souvenirs de l’Amérique du Nord (Paris 1842: Bertrand) Library of Congress. S. Johann Georg Schwarz) Paar Mokassins Menominee (?). Seidenbänder. Sioux“. 129 unten) Ottawa oder Miami. Holy Rosary Mission) Big Foot Memorial Ride (Abb. 250. um 1860 Peyote-Rassel Oglala Teton Sioux. Ile de Michilimakimac“ [sic] (Abb. L (mit Fransen) 50 MVW 167755 (Slg. Wisconsin. South Dakota Foto: Peter Schwarzbauer. DC „Mitchell Wabigekek“ Ottawa. Teton Sioux. Seidenbänder. Quill. Seidenband. Johann Georg Schwarz) Paar Mokassins (Abb. Green Bay. B 153. um 1820 Leder. Leder. Johann Georg Schwarz. H 7. Lacombe pour l’instruction prompte et facile des sauvages. Milwaukee. um 1830 Baumwollstoff. 1838. Pine Ridge Reservation. Heritage Center. 126) Albert Lacombe (1827–1916). Paul Radin Papers „Okee-makee-quid. Federn. PA. B 32 Marquette Universit y Archives. L 61.5 MVW 11988 (Slg. B 18. 1826. Glassperlen. um 1985 Holz. Wisconsin. Green Bay. S. des enfants et des personnes ne sachant pas lire = Pictorial catechism composed by A. 121 links) Oglala Teton Sioux. History of the Indian Tribes of North America (3 Bde. 1898.5 MVW 12022 (Slg. O. S. S..Wisconsin. um 1820 Tuchstoff.

L 40.5–3. D 10 MVW 170682ab (Slg. Wisconsin. Eisenblech. um 1830 Birkenrinde. L 8.5 MVW 131793 (Slg. um 1840 Birkenrinde.2. S. L 96. Pf lanzenfaserschnüre. um 1850.5 MVW 131724 (Slg. H 6. Wisconsin. Cross Village. um 1840 Löffel im traditionellen Stil. L 5. Harz. S. D 8.6 SSSUF 2031 (Slg. Martin Pitzer) Deckelschachtel Daffney Worthington (Ottawa.5 MVW 131786 (Slg. Martin Pitzer) Ahornzuckerbehälter Ottawa.5. Wurzelspäne.5 MVW 11993 (Slg. Green Bay. 56. Quill. Christian Feest) Deckelschachtel Yvonne Walker Keshiek („Falling Leaf“. um 1985 Birkenrinde. um 1860 Holz. Bastfaserschnur. um 1840 Holz. Michigan. Christian Feest) Teller Ottawa. Michigan.1–7. H 16. B 3. um 1840 Holz. Babiche. Martin Pitzer) Fächer Ottawa. Michigan. Martin Pitzer) Löffel (Abb. um 1840 Holz. L 19 SMVM VIII 446a (Slg. Menominee.5 MVW 131705. B 29 MVW 131752ab (Slg. Martin Pitzer) Bogen Ottawa. um 1850 Holz. Grand Rapids. Wisconsin. MI Schneeschuhe Ottawa. Wurzelspäne.5. B 6 MVW 131801 (Slg. Martin Pitzer) Deckelkorb Menominee. Wisconsin. Martin Pitzer) Flechtnadel Ottawa. Seidenbänder. L 33. um 1850 Holz.5 MVW 131788 (Slg. L 154. um 1850 Birkenrinde. L 47. Michigan.5 SSSUF 2014 (Slg. Antoine-Marie Gachet) Modell eines Einbaums Menominee. B (max) 6.5. H 4. um 1840 Ulmenbast. Michigan. B 3.4. L 25. Antoine-Marie Gachet) „Mary Agosa’s Potato Field“ Ottawa. L 17. um 1840 Birkenrinde. L 58.4. Wisconsin. Michigan. Johann Georg Schwarz) Schüssel (Abb. Bastfaserschnur. Martin Pitzer) Löffel im europäischen Stil. H 10. Michigan). Wisconsin. um 1860 Zucker. B 13 MVW 11990 (Slg. um 1830 Birkenrinde. Federn. L 8. um 1860 Birkenrinde.7. Martin Pitzer) 254 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . Museum für Völkerkunde Wien (Slg.2 SSSUF 2037 (Slg. Glasperlen. Michigan. Wisconsin. D 21 MVW 170681ab (Slg. Antoine-Marie Gachet) Modell eines Rindenboots Menominee. L 13. H 11. D 16–31 MVW 131747 (Slg. Michigan.2. um 1850 Holz.5–17. B 7.2 MVW 131789 (Slg. Michigan.3 MVW 131794 (Slg. Johann Georg Schwarz) Deckelkorb (Abb. L 17. Green Bay. Cross Village. Ottawa. S.Vier Pfeile Ottawa. Michigan. B 3. B 3. L 20. 131716.4. Johann Georg Schwarz) Schüssel Menominee. 131723 (Slg. B 9. Quill. Martin Pitzer) Schöpflöffel Ottawa.5 MVW 131738 (Slg. Martin Pitzer) Löffel im europäischen Stil (Abb. L 64. Michigan. Michigan.5. Quill. H 7–11. H 5. Seidenband. Quill.8. B 1.6 SSSUF 2064 (Slg. Ottawa. um 1830 Birkenrinde. Martin Pitzer) Nadelkissen Menominee. Quill. Middle Village. B 21 MVW 11989 (Slg. D 8. Michigan Foto: unbekannter Fotograf.5. um 1890 Grand Rapids Public Library. 131712.5 SMVM VIII 446b (Slg. L 17.5 MVW 12042 (Slg. Michigan.5 SSSUF 2001 (Slg. Quill. 71. B 67. Michigan. Martin Pitzer) Proben Ahornzucker (Abb.6–16. Antoine-Marie Gachet) Rindentüte Ottawa. H 5. B 12. 133 rechts) Menominee. H 9. um 1850 Holz. Griff L 8. H 24 MVW 131749 (Slg. L 8. 60. Bastfaserschnur. 254 oben) Menominee. S. L 18. Michigan. Seidenband. Michigan. Quill. Quill. Wisconsin. um 1840 Knochen. Antoine-Marie Gachet) Leder. Johann Georg Schwarz) Fächer Ottawa. Sammlung des Seminars für Sozialanthropologie der Universität Freiburg (CH) (Slg. Antoine-Marie Gachet) „Jacklight“ Menominee. B 17. um 1860. H 17. Martin Pitzer) Ahornzuckerbehälter Ottawa oder Menominee. Michigan). 254 unten) Ottawa. L 18. S. L 25. Quill. B 8 SSSUF 2065 (Slg. Martin Pitzer) Sack Ottawa. um 1860 Holz. Quill. H 2. Glasperlen. um 1860 Holz. um 1850 Birkenrinde. Holz. L 8. Wurzelspäne. um 1850 Birkenrinde. 133 links) Ottawa. Antoine-Marie Gachet) Nadeltäschchen Ottawa. um 1860 Birkenrinde. Wisconsin. 131) Ottawa. L 11.5. Leder. Arbre Croche.5. 1987 Birkenrinde.6 SSSUF 2066 (Slg. Antoine-Marie Gachet) Löffel Ottawa. H 5. um 1825 Birkenrinde. Michigan.

256) Menominee. Westliches Seengebiet.6–4. Antoine-Marie Gachet) Flöte Ottawa. um 1850 Holz. Antoine-Marie Gachet) Gewehrkolbenkeule. Mich.5. Michigan. H 2.5. Antoine-Marie Gachet) Gewehrkolbenkeule (Abb. um 1820 Holz. Mary Williams. L 52 SSSUF 2041 (Slg. Wisconcin. um 1830. Wisconsin. um 1830 Holz. B 13 MVW 131735 (Slg. um 1850 Holz. Kopf H 8. B 12. Wisconsin. Wolle.6. WI.5–17 MVW 131792 (Slg. Wisconsin. B 35. 255 unten) Menominee. B 21 SMF III-68-1952 (Slg.7. Rec’s BCIM 1930–1945 Kugelkopfkeule.4. B 15. L 52. Wolle.1967.5 MVW 11979 (Slg. S. Michigan.5. Stachelschweinborsten. Harbor Springs. um 1820 Leder. S. um 1820 Leder. L 14. S. Vogelkiele. 254 oben) Westliches Seengebiet. Glasperlen. Ottawa. Tervuren Birkenrinde. Wisconsin. L 25. Martin Pitzer) Langstielige Tabakspfeife mit Catlinitkopf (Abb. H 20. B 16 MVW 131781 (Slg. B 7 SSSUF 2054 (Slg. Antoine-Marie Gachet) Munitionstasche Potawatomi. Tuchstoff.5 MVW 131697ab (Slg.7 MKB IVa038 (Slg. B 13. Harbor Springs. Bureau of Catholic Indian Missions Ledertäschchen mit Stachelschweinborstenverzierung (Abb. um 1840. Seidenband. Wisconsin. Johann Georg Schwarz) Ritzverziertes Brett (Abb. um 1800 Leder. Special Collections. L 90. um 1850 Holz. one of our pupils“ Ottawa. Arthur Speyer) Zwirnbindiges Täschchen Ottawa. Michigan. 130) Menominee. Leder. Friedrich Rese) Kleine Gewehrkolbenkeule Westliches Seengebiet. um 1905 Marquette Universit y Archives. B 2. L 76. Martin Pitzer) Pfeifenstil Menominee. um 1820 Rohhaut. L 38. Johann Georg Schwarz. B 14.5. L 45. Wisconsin Foto: unbekannter Fotograf. um 1840 Pf lanzenfasern. L 11. um 1860 Wollstoff. Catlinit.5. Elchhaar. L 60 MVW 131796 (Slg.„Neiawash. Lac Courte Oreille Reservation. T 3 MR AC EO.63. Wisconsin.5. S. B 19–22 MVW 11969 (Slg. Stahl. Blechkonusse. Wolle. L 74.5. Ball D 4. S. B 17 MVW 131736 (Slg. um 1900 Marquette Universit y Archives. H 22. um 1840 Holz. Musée Royal de l'Afrique Centrale. Leder.8 SSSUF 2043 (Slg.5 MVW 12031 (Slg. um 1850 Holz. Quill. Photographs. 135) Menominee. Michigan. Wisconsin. Chippewa Medicine Man“ (Abb. um 1850 Holz. Holy Childhood of Jesus Church. WI. ex-Slg. Friedrich Rese) Täschchen (Abb. L 31. L 22. S. Johann Georg Schwarz) Lacrosseschläger und Ball Menominee. um 1850 Holz. 141 oben) Menominee. S. Michigan Foto: Daniel Williams. L 11. Hirschhaar. Milwaukee. 132 unten) Ottawa. Bureau of Catholic Indian Missions.1415 Kugelkopfkeule (Abb. Martin Pitzer) Zeremonialgürtel mit Donnervögeln Sauk. um 1840 Pf lanzenfasern. Martin Pitzer) Modell einer Kindertrage Ottawa. Martin Pitzer) VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 255 . ex-Slg. Lukas Vischer) Umhängetasche aus Wollstoff mit Glasperlenverzierung (Abb. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Johann Georg Schwarz. 134) Chippewa. S. Series 9/1/1 Box 24 Folder 9. Michigan. Stiel L 102. Martin Pitzer) Zwirnbindiges Täschchen Ottawa. durchbrochen. Federn. Michigan. Martin Pitzer) „Forest-scene near Harbor Springs. L 16. B 5 MVW 11980 (Slg. Quill. Milwaukee. a child of the forest. Special Collections. L 65. Michigan.5 SSSUF 2036 (Slg.

Lac Courte Oreille Reservation. L 90. S. DC. Martin Pitzer) Federfächer Ottawa. H 22. Matte. Joseph [?] Spangenberg) Tasche aus Biberbalg. um 1905 Marquette Universit y Archives. 137 unten) Ottawa. um 1900 Marquette Universit y Archives. Seidenbänder. H 1. S. Wisconsin. Bureau of Catholic Indian Missions. B 21 MV-MME Am 3226B (Slg. B 15. L 64. Quill. Lukas Vischer) Ritzzeichnung (Abb. Wisconsin. S. um 1820. Harbor Springs. Florimond Bonduel) Zeichnung auf Birkenrinde Südwestliche Chippewa. 1985. Johann Georg Schwarz) „Another View of Holy Childhood Church and School“ Ottawa.5. Special Collections. Harbor Springs.4. Oklahoma. Glasperlen. Leder. um 1840 Binsen. Seidenbänder. WI.5 MV-MME Am 3226D (Slg. S. Martin Pitzer) Zierschnur Ottawa.5 MVW 131694 (Slg. Kriegszug und Fahrt im Rindenboot (Abb.7. um 1830 MVW 12029 (Slg. Wurzelspäne. L 94.9 MV-MME Am 3226A (Slg. Michigan Foto: Daniel Williams. Bureau of Catholic Indian Missions Altarensemble (Tabernakel und Kerzenleuchter) aus verzierter Birkenrinde (Abb. aus dem Zeichenbuch von Arbre Croche. L 43. Wisconsin. um 1870 Birkenrinde. Florimond Bonduel) Ritzzeichnung Menominee. Wisconsin. Milwaukee.5. Rec’s BCIM 1930–1945 Fronleichnamsfest der Chippewa (Abb. Bastfaserschnüre. Special Collections. 0. Christian Feest) Weihwasserbehälter aus Birkenrinde mit Stachelschweinborstendekor (Abb. Milwaukee. Seidenband. L 51. Michigan. Johann Georg Schwarz) Medizintanz. Michigan. Quill. S. Michigan. Wisconsin. Harbor Springs. um 1840 Holz.5. Quill. Wisconsin. Special Collections. um 1840 Birkenrinde.8. Martin Pitzer) Tasche (Abb. S. Ottawa. B 50 MVW 131684–131690. Blechkonusse. Harbor Springs. um 1830 Holz. L 52. Martin Pitzer) Binsenmatte (Abb. 139) Ottawa. S. B 4. Texas. L 43. L 240. 138) Chippewa. Texas. Michigan. um 1900 Marquette Universit y Archives. B 100. um 1830 MVW 12029 (Slg. Johann Georg Schwarz) Höllenqualen (Abb. 142) Bleistiftzeichnungen auf Papier von unbekanntem Künstler. L 126 MVW 131795 (Slg. Quill. um 1840. Michigan Foto: unbekannter Fotograf. 143 rechts) Bleistiftzeichnung auf Papier von unbekanntem 256 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . 147) Comanche. Holy Childhood of Jesus Church. 131693 (Slg.487 Mantel (Abb. Hoffman) Pietà (Abb. um 1840 Leder. 256) Ottawa. 124) Ottawa. S. Harbor Springs. Wisconsin. B 11. WI. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Museum der Kulturen. S. B 22. um 1840 Leder. S. um 1840 Pf lanzenfaserschnur. 1834–1835 Smithsonian American Art Museum.3. Michigan. 141 unten) Menominee. 2003 Kunststoff. Washington. um 1830 Birkenrinde. um 1840 Biberbalg. aus dem Zeichenbuch von Arbre Croche. Michigan. Spiegelfassung 11x8 MV-MME Am 3231 (Slg. Florimond Bonduel) Beritztes Brett(Abb. B 77 MVD-SESS 01003 (Slg. Tabernakel H 69. Martin Pitzer) Jagdtasche. WI. um 1830 MVW 12029 (Slg. Wahrscheinlich Menominee. Basel (Slg. L 43 MVD-SESS 01007 (Slg. Series 9/1/1 Box 24 Folder 9. Martin Pitzer) COMANCHE „Comanche Feats of Horsemanship“ (Abb. Michigan. Lac Courte Oreille Reservation. Lacroix [Cross Village].Künstler. Harbor Springs.5 MV-MME Am 3227 (Slg. Mantelknöpfe. Michigan. S. T 0. Papier. Michigan. um 1830 Holz. B 9–10 MVW 47727 (Slg. Michigan. B 7.5 MVW 187183 (Slg. B 9 MVW 131766 (Slg. S.2–7. B 17. Wisconsin Foto: unbekannter Fotograf. Michigan. um 1840 Birkenrinde.66. um 1830 Birkenrinde. S. L 57. Birkenrinde. 137 oben) Ottawa. um 1830 Holz. Photographs. Walter J. Lacroix [Cross Village]. L 33. 144) Öl auf Leinwand von George Catlin (1796–1872). T ca. Milwaukee. B 29 MVW 131734 (Slg. Florimond Bonduel) Ritzzeichnung Menominee. 140) Menominee. 136) Menominee. Joseph [?] Spangenberg) Hose Comanche.9. Bureau of Catholic Indian Missions „Ottawa Girls as Carrie Nations“(Abb. Florimond Bonduel) Beritztes Brett (Abb.6–0.8–5. Martin Pitzer) Heiligenbild „Our Lady of the Ottawas“ Chippewa. Glasperlen. H 28. T 10 MVW 131804 (Slg. 143 links) Bleistiftzeichnung auf Papier von unbekanntem Künstler.5. aus dem Zeichenbuch von Arbre Croche. S. Federn. Minnesota. T 0.

5. S. Länge mit Fransen 75 LMS 060227 (Slg. X-32809 Leggings Jicarilla Apache. New Mexico. L Fransen 43. CO. 157) Foto: Marthe Thorshaug. Comanche) Vierfarbenoffsetdruck. Arizona“ (Abb. Denver. Pulverhorn L 28 MVW 13661 (Slg. S. S. mit Fortsätzen 130 MVW 120498b (Slg. Ärmelspannweite 138 MVW 120498c (Slg. 1855. Robert L. Joseph [?] Spangenberg) Pulverhorn Comanche.5 LPW „Cedar“ (Abb. 1898 MVW. um 1885 Denver Public Library. Ärmelspannweite 54. MD. CO). Eisen. B 67. Texas. S. Aus: Karl May. 150) Comanche. Joseph [?] Spangenberg) Tomahawk (Abb. um 1900 Leder. S. Glasperlen. S. Texas. Rinehart (1861–1928). L 16. Glasperlen. S. Engelmann) „Quanah Parker“ (Abb. S. Wallace Coffey (Abb. Emil W. um 1840 Horn. S. Foto: Frank A. 162 oben) Western Apache. San Carlos River. 158) Chiricahua Apache. Glasperlen. B 15. S. Der Ölprinz (Stuttgart 1987: Union). 155 links) Foto: Marthe Thorshaug. Fotosammlung VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 257 . Holz. L 17.7 RPMH V 2542 (Slg. L 40–70. George J. um 1870 Leder. B 35 MVD-SESS 01004 (Slg. um 1840 Horn. 151) Comanche. S. Texas. L 105. Ferdinand Roemer) Zylindrischer Behälter (Abb. Aus: W. 1898. Glasperlen. S. um 1840 Rohhaut L (ohne Fransen) 47. Museum für Völkerkunde Wien. gn_01747a1 „Familie Leonard. Paintings and Lithographs“ Plakat von Dallas Creek Arts (Boulder. Fotosammlung F20478 B Frauenponcho (Abb. 148) Comanche. Smithsonian Institution. S. L 39 MVD-SESS 01005 (Slg. 149) Comanche. Rinehart (1861–1928). um 1870 Leder. 155 rechts) Foto: Marthe Thorshaug. um 1840 Leder. DC. Camille James Samson) Hemd (Abb. Horn. S. 1892 National Anthropological Archives. Glasperlen. Stolper) „Cedar“. Ferdinand Roemer) Löffel (Abb. 168) Östliche Apache. New Mexico.Schott (1813–1875). 79 MVW. 160) Farblithografie nach einer Zeichnung von Arthur Gürteltasche (Abb. Camille James Samson) „Brushing Against and Little Squint Eyes“ (Abb. S. Bibliothek „View in Apache Camp. um 1890 Leder. Texas. mit Reproduktion des Gemäldes „Coup Stick Song“ von Rance Hood (*1941. Arizona Foto: Frank A. Washington. Texas. 2006 Besitz der Fotografin „Comanche Buffalo“ (Abb. Tuchstoff. Foto: Marthe Thorshaug. D 10 RPMH V 2544 (Slg. H. 248 „Lipan Warrior“ (Abb. B 17 SMF III-62-1721 (Slg. Lenders) „Rance Hood. um 1865 Leder. 166 oben) Jicarilla Apache. 163 oben) Western Apache. 2005–2008 Sandalen (Abb. Frank Randall. L 75. um 1840 Holz. 151) Comanche. Tragband 116x5. Arizona Foto: Ben Wittick (1845–1903). Joseph [?] Spangenberg) Tasche (Abb. Oklahoma. Arizona Foto: A. L 55. Mame-Neta Attocknie After the Sweat“ (Abb. 257) Foto: Marthe Thorshaug. S. Arizona. 2005–2008 Besitz der Fotografin „Sweat Lodge. Report on the United States and Mexican Boundary Survey (Washington 1857). Emory. Arizona. 2005–2008 Besitz der Fotografin APACHE: KRIEGE UND KLISCHEES „Geronimo (Goyathlay)“ (Abb. 147) Comanche. Ferdinand Roemer) Jagdtasche mit Pulverhorn (Abb. Messingnägel. Rogers Toklanni. Tasche L 21. S. 1886 National Archives and Records Administration. Leder. 169) Western Apache. College Park. H 99. um 1840 Leder. seine Frau Siki und ihre Tochter in der Kindertrage. 153) Foto: Hutchins & Lanney. NWDNS-111-SC-83726 „Ein Wiedersehen“ [Winnetou und Old Shatterhand] Farbdruck nach einer Zeichnung von Otto Herrfurth. Chiricahua Apache“. L 34 RPMH V 2543 (Slg. B 11 MVD-SESS 00917 (Slg. San Carlos River. Texas. 2005–2008 Besitz der Fotografin „Chief“. 1980. S. Oklahoma.

258 rechts unten) Western Apache. Christian Feest) „66th Annual Indian Market“ Plakat mit Reproduktion des Aquarells „Origin of the Crown Dancers“ von Duke Wasaaja Sine (*1955. Arizona. Arizona. 173 rechts) Mescalero Apache. D 45 MVW 137760 (Slg. S. 257 unten) Rogers Toklanni. um 1975 Holz. Jh. Maske H 55. ex-Slg. 162 unten) Jicarilla Apache. L (mit Fransen) 33 MVW 120498h (Slg. D 23–26. H 9. Gallery of the 21st Century) Tragkorb Western Apache. Glasperlen. Emile Deletaille) Gan-Maske Apache. Textil. Waldhausen) Schild (Abb. H 5. bemalt. 171) Western Apache. 173) Jicarilla Apache. Western Apache. um 1880 Pf lanzenfasern. S. um 1930–1940 MVW. New Mexico. Emile Deletaille) Gan-Maske (Abb. Jicarilla Apache. Tuchstoff.4 (Slg. um 1970 Stoff. um 1938 MVW. New Mexico Foto: Marguerite Rymes. Yavapai/Apache. Arizona Foto: A. um 1870 Leder. Arizona. 257 oben) Western Apache. Etta Becker-Donner. H 55. Pf lanzenfasern. Glasperlen. Kern) Wasserbehälter (Abb.5 MVW 161185ab (Slg. Holz.5. D 26 LMS 50431 (Slg. New Mexico. 163 unten) Western Apache. San Carlos Apache Reservation. Fotosammlung F59744 E (Slg. B 13 MVW 118047 (Slg. Leder. Gallery of the 21st Century) Kappe Western Apache. B 62 MR AC EO. S. Tuchstoff.22. Chiricahua Apache“ (Abb. Holz. Fotosammlung F20492 B „Mary Elizabeth Yeppa“ (Abb. Tuchstoff. Christian Feest) Rahmentrommel (Abb.7. Ton. B 24 MVW 120498d (Slg. Foto: Marguerite Rymes. Vierfarbenoffsetdruck. Arizona. Gallery of the 21st Century) Rahmentrommel. Leder. S. S. um 1890. Arizona. um 1900 „Mary Elizabeth Yeppa“. Laurent Deleglise) Gan-Tänzerpuppen-Set (Abb. Christian Feest) Korbteller. D 35 LMS M33137 (Slg.5. New Mexico. Federn. L 111. L 127. Museum für Völkerkunde Wien. L (ohne Fransen) 24. Arizona. Arizona.5. um 1890 Pf lanzenfasern. X-32841 Heterochorde Röhrenzither Western Apache.5–29.22. H. Holz. S. Emile Deletaille) Gan-Maske (Abb.1987. Arizona. Moritz Weniger) Pause nach dem Verladen von Schafen auf die Eisenbahn (Abb. Arizona. L 88. 164 rechts) Western Apache. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. 259) Western Apache. S. um 1885 Denver Public Library. Laurent Deleglise) Korb Mescalero oder Jicarilla Apache. Jh.1 (Slg. um 1870 Leder. um 1870 Leder. S. H 46. Rinehart (1861–1928). Holz. Camille James Samson) Pferdepeitsche Western Apache. Glas. 164 links) Western Apache. CO. Messingknopf. Laurent Deleglise) Pfeilköcher Western Apache. um 1900 Pf lanzenfasern (Yucca). Metall. L 24. um 1900 Textil. um 1900 Leder. um 1880 Holz.Futtersack Apache. H.3 (Slg. Laurent Deleglise) Korbteller (Abb. L 122. S.7 MVW 137756 (Slg. um 1880 Holz. Federn. B 2. 20. Tanzstab L 53. 173 links) Apache. um 1900 Leder. H 36.5 MVW 158906–10 (Slg. New Mexico.1987. Arizona. B 26 MVW 139429 (Slg. 20. Glasperlen. 167) Western Apache. um 1890 Holz. Camille James Samson) Kindertrage (Abb. H 36. R. um 1870 Leder. Sehnen. D 39 MVW 137758 (Slg. H 85. Textil. New Mexico Foto: Marguerite Rymes. B 33 MKB IVa222 (Slg. S. Kohlberg’s) Gan-Maske Apache. Harz.5. Federn. S. 258 links unten) Jicarilla Apache. D 57 LMS 44654 (Slg. Franck) 258 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . 1987. D 26 MVW 137480 (Slg. Laurent Deleglise) „Leonard Family. Fotosammlung F59724 E (Slg. S. Arizona. Laurent Deleglise) Maisspeicherkorb (Abb. Franck) „Apache Fiddler“ (Abb. Textil. 20.5. Bänder. S. B 30. Leder. H 60. seine Frau Siki und ihre Tochter Foto: Frank A. L 87 MVW 137611 (Slg.5.6 LMS M30815 (Slg. Karl Schlatter) Gürtel mit Gürteltäschchen (Abb. B 30 MR AC EO. Arizona.22. H 13. Rudolf Cronau) Bogen Western Apache. L 85 MVW 118049 (Slg. Arizona. R. Moritz Weniger) Gewehrköcher Jicarilla Apache (?). Fotosammlung (Slg. Arizona). um 1880 Korbgef lecht. Jh. © 1898 MVW. Arizona. Arizona. H 82. New Mexico. B 53 MR AC EO. B 63. Silber. H 43. um 1880 Leder.5 MVW 171153 (Slg. Denver. Linden-Museum Stuttgart (Slg. S. um 1900. Holz. um 1938. Western Apache.1987. Frank Randall.

H 30. L Bluse 64. um 1910. Laurent Deleglise) Tihu: Hotooto Hopi. Arizona. Fort Apache. Oraibi. H 33.5. S.Tihu: Angwusnasomtaqa (Abb. Universitetet i Oslo. Pöqángwkatsina. 174) Hopi. Baumwollstoff. Arizona. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. Christian Feest) Gaan-Puppen. Ole Solberg) Tihu: Ahöla (Mongkatsina) Hopi.1. 1904 Kulturhistorisk Museum. S. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). Filz. Universitetet i Oslo. 179 oben) Hopi. San Carlos Apache Reservation. L Rock 97. Ekkehart Malotki) Tihu: Tsu’katsina (?) (Abb. Second Mesa. Ole Solberg) Pöqàngwkatsina. Ole Solberg) Tihu: Hoote Oraibi. Etnografisk Seksjon. Etnografisk Seksjon. Leder. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). Tom Bahti) Tihu: Si’osa’lako Oraibi. Holz. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946).5. H (mit Federn) 18. 174 unten) Western Apache. S. L 35. Bänder. Fotosammlung F59731 E (Slg. Nora Scheibelmaisser) Halsband Western Apache. S. Universitetet i Oslo. Christian Feest) Yuccastengel. Arizona. Quintero (Western Apache. Nora Scheibelmaisser) T-Shirt: Apache Power (Abb. Holz. Fotosammlung Solberg 1268a Tanz der Hootsanikatsinam in Oraibi Hopi. um 1950 Holz. Arizona).5 MVD-SESS 47121 Mumma Valdez bei der Zubereitung von tiswin (Abb. 1904 Kulturhistorisk Museum. B 9 MVW 161135 (Slg. 178) Hopi. H 30. Oraibi. S. Arizona. 174 oben) Jicarilla Apache. um 1975. S. Mishongnovi. Fotosammlung Solberg 1283a „Soyohimkatsinam (Mixed) in Shongopavi: Sikyahote oder Hooli (?). H 16. um 1900 Holz. Lawrence A.5 MVW 155408ab (Slg. Colorado River Indian Reservation. Etnografisk Seksjon. H (mit Federn) 39. um 1975 Holz. Oraibi. H 29. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). S. Alfred Homola) Tihu: Mongwu („Große gehörnte Eule“) (Abb. Gallery of the 21st Century) Biersieb (Abb. 260 unten) Hopi. Fort Apache. Federn. Fotosammlung Solberg 1277 „Soyohimkatsinam (?) in Mishongnovi“ Hopi. B (ohne Bänder) 24 MVW 155409 (Slg. Wolle. 186 unten) Hopi. um 1965 Holz. Hopi. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. B 9 MVW 137484 (Slg. San Carlos Reservation.2. B 8 MVW 158920 (Slg. Arizona. Bessie M. Baumwolle. um 1975 Holz. um 1910 Holz.5 SMF III-80-3499 (Slg. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. Federn. um 1900 Holz. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). Fotosammlung Solberg OS 9 Tihu: Sipikne Hopi. H 28.5 KHMO 13674 (Slg. Pferdehaar.2. H 32. S. San Carlos Reservation. L 33. D 17 MVW 184162 (Slg. Etnografisk Seksjon. Arizona. H 16.5. Federn. B 12 KHMO 13676 (Slg. um 1931–1933 MVW. Bogen L 32. bemalt. Arizona. Arizona. um 1975 Siebdruck auf Baumwolle. kleiner Ho’ote“ (Abb. Laurent Deleglise) Tihu: Nanqassohu Hopi. Arizona. Macktima (Western Apache. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. Arizona. Arizona. Universitetet i Oslo. Fotosammlung Solberg OS 33 Tanz der Hootsanikatsinam in Oraibi (Abb. Baumwollschnur. um 1980 Blech. Arizona). H (mit Federn) 21. Christian Feest) Camp-Dress (Rock und Bluse) Mrs. Christian Feest) HOPI: KATSINAM Ansicht von Oraibi in Richtung Nordwesten (Abb. 1974 Glasperlen. D 6.5 MVW 137532 (Slg. Arizona. um 1910 Holz. Fell. Second Mesa. Mishongnovi. 186 oben) Hopi. 184) Hopi. 1974 Kunstseide. Laurent Deleglise) VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 259 . S. H 32. Feder. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). Oraibi. Shipaulovi.5 SMF III-67-1939 (Slg. Shungopavi. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. H 17.5 KHMO 13724 (Slg. New Mexico Foto: Marguerite Rymes. Etnografisk Seksjon. um 1900 Holz. 172) Western Apache. Federn. Arizona. Fotosammlung Solberg 1287 Frauen beim Wasserholen und -transport an der Flötenquelle (Leenangwva) (Abb. Universitetet i Oslo. L 76. S. L 62 MVW 162797 (Slg. Etnografisk Seksjon. Universitetet i Oslo.

182) Hopi. H 48. um 1950 Holz. 188) Navajo. H 30 MVW 137482 (Slg. Pferdehaare. H (mit Federn) 13. Christian Feest) „Clown“ (Koyaala) (Abb. Arizona. um 1910. Arizona. H 24. S. Tannenreisig.7 MVW 137534 (Slg. Laurent Deleglise) Tihu: Honànkatsina Hopi. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946).5 SMF III-77-3453 (Slg. Fasern. Dennis) Tihu: S’ohemiskatsina „Sichumi“ (Abb. ex-Slg. H 31 SMVM 36-33-22 (Slg.5 MVW 137483 (Slg.2. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). Ekkehart Malotki) Tihu: Pöqàngwkatsina (Abb. Laurent Deleglise) Kachel mit Kachinadarstellung (Pöqàngwhoya) Hopi-Tewa. Federn. um 1900 Ton. H 13. um 1900 Ton. Navajo Reservation. H 29. H 37. Laurent Deleglise) Tihu: Avatshoya (?) Hopi.5 MVW 137509 (Slg. um 1900 Holz. Hopi Reservation. um 1900 Holz. um 1990 Holz.5 SMVM 38-8-2 (Slg. B 10. um 1900. B 29 MVW 137473 (Slg. James) Tihu: Sa’lakwmana Hopi. Arizona. Silberblech. Fotosammlung Solberg OS 23 Auftritt der Koyaala (Abb. H 42. S. B 15 MVW 170338 (Slg.2. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. ex-Slg. Arizona. Stein. Second Mesa.Tihu: Morivoskatsina („Bohnen-Katsina“) Hopi. Arizona. Federn. Bänder. Harry C. Thomas Kearns) Tihu: Sa’lakwtaqa (?) Hopi. Ole Solberg) Kachel mit Darstellung der Mosayumana (Bisonmädchen) (Abb.4 KHMO 13642 (Slg. Federn. Dennis) Kooyemsi bei Soyohimkatsina-Tanz in Shongopavi (?) Hopi. Laurent Deleglise) Korbteller mit Palhikwmana (?) (Abb. Universitetet i Oslo. H 39 MVW 139444 (Slg.5. H 26. Museum für Völkerkunde Wien (Slg. B 3.5 SMF III-76-3336 (Slg. H 15. um 1900 Holz. 187 links oben) Hopi. Arizona. um 1985 Holz. Hopi. 259 unten) Hopi. um 1910 Pf lanzenfasern.5 MVW 137500 (Slg. S. Museum für Völkerkunde Berlin. Ekkehart Malotki) Tihu: Kokopölmana Hopi. H 19. S. 260 oben) Hopi. Sommer. S. um 1910 Pf lanzenfasern. Oraibi. Arizona. 261) Hopi. Universitetet i Oslo. um 1910 Holz. B 25. Oraibi. H 32. Arizona.5 SMVM 42-11-3 (Slg. Arizona Holz. Arizona. Fell. Hano. Laurent Deleglise) Tihu: Paatangkatsina Hopi.5. Arizona. H 33. Arizona.5. 189 links) Hopi-Tewa. Wolle. um 1900 Holz. Federn. um 1910 Baumwolle. um 1975 Holz. Arizona. H 17. D 34. Alfred Homola) Tihu: Tasapkatsinmuy kwa’am (Abb. Laurent Deleglise) Stickerei mit Angwusnasomtaqa Hopi. Arizona.5. B 21 KHMO 13714 (Slg. H 10. Ole Solberg) Tsu’katsina. H 41.7–5 MVW 137535 (Slg. H 17. Arizona. um 1975 Holz. Laurent Deleglise) Wuyaqkuitaqa. Etnografisk Seksjon. Arizona). H 29. H 28 SMF III-76-3335 (Slg. Leder. um 1900 Holz. um 1975 Holz. B 10 KHMO 13643 (Slg. Arizona. D 32. Arizona. Leder. Arizona. Ole Solberg) 260 CHRISTIAN FEEST UND CHRISTINE ZACKEL . D 3. ex-Slg. um 1910 Holz. Arizona. Hano. Ekkehart Malotki) Tihu: Hootsani Hopi. Laurent Deleglise) Putsqatihu: Hanomana Hopi.7 MVW 161138 (Slg. Wolle. Federn. AZ.2 MVW 144337 (Slg. S. um 1950 Holz. Pferdehaar. um 1950 Holz. Hopi. S. um 1960 Holz. B 18 MVW 179902 (Slg. B 13 MVW 170339 (Slg. H 27. Ekkehart Malotki) Kooyemsi (Abb. um 1985 Holz. Sommer. Etta Becker-Donner) Tihu: Taawakatsina (Sonnen-Katsina) James Kewanytewa (Hopi. Baumwollstoff. Etnografisk Seksjon. Christian Feest) Katsinafigur: Kwewu Navajo. um 1880 Holz. S. Arizona. Samt. Federn. ex-Slg. um 1910 Holz. Arizona. Alfred Homola) Tihu: Wuyaqkuitaqa (Abb. S. Hana Strasen) Korbteller mit Darstellung der Angwusnasomtaqa Hopi. Arizona. Sommer.6.5. Arizona. H 31 MVW 137616 (Slg. Dennis) Tihu: Hootsani Hopi.5 SMF III-77-3459 (Slg. Staatliches Museum für Völkerkunde München (Slg. Laurent Deleglise) Tihu: Navànkatsina Hopi. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. Arizona. B 7 MVW 161136 (Slg. Federn. H 27. 199 links oben) Hopi (wahrscheinlich First Mesa). Wolle. Fotosammlung Solberg 1278 Putsqatihu: Sa’lakwmana Hopi. 185) Hopi.5.

Ole Solberg) Gebetsstab der Maraw-Gesellschaft Hopi. S. L 16 KHMO 13727 (Slg. H 38. Arizona. Arizona. um 1950 Holz. Ethnologische Sammlung. B je 17. Baumwollschnur. Etta Becker-Donner) Schwirrholz Hopi. um 1910 Ton. Arizona.9 MVW 165968 (Slg. L 21. Arizona).7. Federn. Lenders) Kachel mit Kachinadarstellung (Sa’lakwmana) Hopi-Tewa. S. First Mesa.5 KHMO 23343a (Slg. um 1910 Keramik. D. G. D 24. Ole Solberg) Schraper Hopi. Ole Solberg) Holzfigur: Mädchen am Mahltrog (Abb. New Mexico). um 1900 Kalebasse. um 1900 Holz. Arizona. B 26. Shipaulovi.5 KHMO 13689ab (Slg. Moqui Pueblo of Hualpi. H 22. B 55. B 10 MVW 137487 (Slg. 1982 Plakat mit Kinderzeichnungen der Hotevilla-Bacavi Communit y School Vierfarbenoffsetdruck. Laurent Deleglise) VERZEICHNIS DER AUSGESTELLTEN WERKE 261 . S. B 9. um 1900 Holz. Phoenix. 189 rechts) Hopi-Tewa. New Mexico) Vierfarbenoffsetdruck. Santa Clara Pueblo. B 7 MVW 137486 (Slg. Shipaulovi. Schulterblatt. Shipaulovi. Arizona. 1900 Library of Congress LC-USZ62-101155 3c01155u Rassel Hopi.5. Baumwollschnur. Emil W. 193) Foto: Ben Wittick. um 1900 Holz. Holz. Ole Solberg) Gebetsstab der Maraw-Gesellschaft (Abb. Ole Solberg) Frauenfigur Hopi. H 15. um 1900 Holz. um 1910 Ton. L 17. H 66. 187 unten) Hopi. L 21 KHMO 23349 (Slg. Arizona). Arizona. Holz. Federn. Arizona.5. 261 oben) Hopi.7 KHMO 23317 (Slg. bemalt.2. Hopi. Arizona. Federn. 182 links) Hopi. the Butterfly Maiden“ (Abb. Baumwollschnur. Federn. Ekkehart Malotki) Trommel und Schlegel Hopi. um 1910 Holz.5. D 16 MVW 134770 (Slg. B 10 MVW 137454 (Slg. Ole Solberg) Gebetsstab Hopi. B 21 KHMO 23344 (Slg. Federn. L 31. um 1910 Holz. Arizona (hergestellt in Cochiti. L 15. Oraibi.5 MVW 137442 (Slg. H 23. Lenders) Teller mit Palhikwmana Grace Chapella (Hopi. The Beginning of the Dance. Arizona. Ole Solberg) Tablita. H 20. Shungopavi. Arizona. um 1900 Holz. L 35. B 12 SMVM 14-40-31 (Slg. August 21st. AZ. Tanner’s Indian Art“ Santa Clara Pueblo. Ole Solberg) Wassergebetsstab (paho) Hopi.3 MVW 139431 (Slg. (Slg. B 3. Arizona. D 10 KHMO 13708 (Slg. um 1980 Plakat einer Ausstellung von Werken von Helen Hardin (1943–1984.8. Arizona. New Mexico. Ole Solberg) Kooyemsi. D 29–33. Baumwollschnur. Etnografisk Seksjon. 1903–1904 Kulturhistorisk Museum. Ole Solberg) Kachel mit Maskendarstellung (Chöf) Hopi-Tewa. Maisblatt. Maisblatt. Maisblatt.5 KHMO 13680 (Slg. H 12. Ole Solberg) Paar Tanzstäbe Hopi. Shipaulovi. L 59. Leder. bzw. Arizona. L 29. Hopi.7. um 1930 Kalebasse. Arizona.5 SMVM 14-40-29 (Slg. Baumwollschnur. Hano. Baumwollschnur. L 16. um 1900 Holz. S.5. Städtische Museen Freiburg i. H 51.Kachel mit Kachinadarstellung (Sa’lakwmana) (Abb. um 1910 Ton. Fotosammlung Solberg 1295 Paar Tanzstäbe (Abb. Ole Solberg) „Pooley Mana. First Mesa. Universitetet i Oslo. Arizona. Humphrey) Schrein Hopi. Christian Feest) „Helen Hardin. Arizona Foto: Ole Solberg (1879–1946). Arizona. B 7. L 15. 1940 Sammlung James T. S. Kulturhistorisk Museum. L 14. Walpi. Federn. S. Ole Solberg) Gekrümmter Gebetsstab Hopi. Maisblatt. Shipaulovi. Hano. L 23. B 51 MVW 167459 (Slg. Ole Solberg) Krieger-Gebetsstab Hopi. getrocknete Ähren. Hopi. B 6. H 8. um 1910 Keramik. Foto: Mark Hendrickson „At the Snake Dance. um 1900 Holz. Ernst Buschbeck) Rassel Hopi. Arizona. Second Mesa. Br. 262 links oben) Zeichnung von Kyrat Tuvehoema (1914–1942. B 6 KHMO 23333 (Slg. Lenders) Kachel mit Kachinadarstellung Hopi-Tewa. 4 KHMO 13548ab (Slg. um 1900 Ton.5 KHMO 13693ab (Slg. Hano. Schlegel L 30. Arizona.5 KHMO 23348 (Slg. Arizona. um 1900 Holz. Federn. Laurent Deleglise) Tablita (Abb. um 1900. L je 39.5. 2