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Script Spezielle Themen der Entwicklungspsychologie

Mögliche Prüfungsfragen:

1. Unterscheidung zwischen Selbst und Identität

VL1: Kulturelle Welten

2

Kultur, Kulturen, kulturelle Welten: eine Fallgeschichte

2

Clifford Goertz (Anthropologe):

2

Es gibt ganz unterschiedliche Ebenen in den Menschen kulturell eingeordnet werden können

2

Es gibt ganz unterschiedlich Aspekte unter den Kultur betrachtet werden kann

2

Kultur als Hermeneutische Perspektive

3

Kultur als narrative Perspektive

3

 

Erzählung:

3

Die starke Narrationshypothese

3

Narrative Komplexität

3

VL 2 Kultur und Psychologie

4

Die kulturpsychologische Perspektive

4

Kultureller Druck

4

Kultur in der Psychologie

4

Kulturvergleichende Psychologie (Crosscultural Psychology) und Kulturpsychologie (Cultural Psychology)

5

Abgrenzung von der Mainstream Psychologie

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VL3 Wygotskische Perspektiven der Kulturpsychologie

5

Einleitung

5

Wer war Wygotski?

5

4 Theorien von Wygotski

6

1. Zeichenvermitteltheit aller „höheren psychologische Funktionen“

6

2. Das genetische Gesetz der kulturellen Entwicklung

6

3. Element: Die Rolle der „psychologischen Werkzeuge, kulturellen Werkzeuge“

6

4.

Sprache => Bewusstsein / Denken

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Nach Wygotski - Perspektiven der Kulturpsychologie

7

4 VL Die kulturelle Konstruktion der Identität

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1) Die Kultur als Perspektive

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Kultur als selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe

7

Kultur als narrative Perspektive

8

Wie viele Identitäten hat der Mensch? Und wie viele Identitätstheorien?

8

1) Autobiografische Identität

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(2) Soziale (oder intersubjektive) Identität

9

(3) Performative Identität

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5) Narrative Identität

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Die Theoriefamilien haben vieles Gleich, man kann sie als sich ergänzende Ansichten menschlicher

Identität betrachten

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10

5 VL Auf der Suche nach dem Selbst

Bedeutungen:

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Unterscheidung von Selbst und Identität

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Ulric Neisser: andere Unterscheidung

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5 Typen der Selbstkonstruktion

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Das ökologische/körperlich Selbst

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Das interpersonale Selbst

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Das erweiterte Selbst

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Das private Selbst

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Das begriffliche Selbst

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6 VL lernen sich zu erinnern 1: Autobiografisches Erinnern als narrative Praxis

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Katherine Nelson

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Unterscheidung in 4 Aspekte (Katherine Nelson)

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Erinnern und Erzählens als Formen der Interpretation

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Nelson’s Interaktionsthese und die Entdeckung der Vergangenheit

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7VL Lernen sich zu erinnern 2: Autobiografisches Erinnern als kulturelle Praxis

VL1: Kulturelle Welten

Kultur, Kulturen, kulturelle Welten: eine Fallgeschichte

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Kultur hilft uns etwas zu verstehen

Wissenschaftliche Kultur, bzw. Wissenschaft als Kultur

Ganz vielfältige Strukturen in die wir hineingeboren sind können als Kultur verstanden werden

Das Individuum wird in kulturellen Kontexten gesehen

Clifford Goertz (Anthropologe):

o

Kultur ist überall, jedoch ist die Kultur des Deutens unabdingbar zur Existenz der Definition von „Kultur“. Geertz spricht auch von einem Code, dessen symbolischer Gehalt entschlüsselt werden muss

o

Clifford Goerz: Kultur as life way of a people forms ??

 

Wir sehen Menschen in ihren kulturellen Dimensionen + Tradition

o

Tirol: Katholizismus

o

Phänomene: verständlicher im Rahmen der Kultur (z.B. Ehrenmord in der Türkei)

o

Kultur beeinflusst Menschen durch Normen, Werte + Verstöße

Es gibt ganz unterschiedliche Ebenen in den Menschen kulturell eingeordnet werden können

o

Beispiel Tirol:

Ober + Unterland

Dialekte

Wesensart

Zugehörigkeit: eigene Politik, Selbstverständnis

Hintergrund: Land / Dorf vs. Stadt -> viele Projektionen entstehen aufgrund kultureller Erfahrungen

o

Ebene: Moderne bezogen auf Europa Beispiel: Veränderung (individuelle Selbstverständnis)

o

Ebene: Tourismus und Reisen -> das Leute hierher kommen

o

Ebene: Psychosoziale + psychiatrische Ebene: Institutionelle Normalität und davon abweichende Welten. 15 % Gesamtbevölkerung sind in psychiatrischer Betreuung im Laufe der Lebensspanne

o

Ebene: Die Erfahrung des Fremden / Ausländerfeindlichkeit: verstärkt in den letzten Jahren -> Aufnahme von Ausländern muss betrachtet werden. ÖS: sehr ausländerfeindlich

o

Ebene: Subkulturen und Milieus: Ausreißer die von daheim wegziehen

Es gibt ganz unterschiedlich Aspekte unter den Kultur betrachtet werden kann

Die menschliche Welt ist kulturell -> man blendet das in der aktuellen Psychologie aus

Kultur richtet sich nach Westen, Europa hat Überlegenheit und Prioritätsstellung-> Generalisierung-> Universalisierung -> Westliche Kultur als Leitkultur

Kultur als substantialistische Herkunft und Gruppenbezeichnung: Europa vs. Rest der Welt

Kultur als Hochkultur: Museen und Bibliotheken

Kultur als soziales oder gesellschaftliches Lebensgefüge

Kultur als Symbol und Zeichenzusammenhang

Kultur bezeichnet: Bildung, sozialer Status, Massenkultur (Mode, Musik, Gestiken, Liebespraktiken)

Kultur als Perspektive (auf einen Lebenszusammenhang)

Kultur wird durch Bedeutung konstituiert

o

-> Kultur weißt Bedeutung zu,

o

-> Kultur ermöglicht eine alternative Sichtweise

o

-> Kultur lässt viel Interpretationsspielraum um Bedeutungen zu zumessen.

Edward Tayler:

o Defintion von Kultur:

Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Sitte, Gesetz,

Ensemble sozialer Praktiken

Der pragmatische Kulturbegriff in der sozialwissenschaftlichen Sicht

Kultur in Handlungsweisen + Sprache

Entwicklungskontext spielt mit rein -> Wahrnehmung der Umgebung hat Einfluss auf das Individuum.

Symbolische Interpretation ( wie definiere ich mich selbst in einer Kultur)

Kultur als Hermeneutische Perspektive

Perspektive die hilft die Welt zu verstehen

Judith Batler: politische und Gender -> Frauen werden zu Frauen gemacht. Es gibt keine neuronalen Auswirkungen die Frauen von Männern genetisch unterscheiden)

Michel Faucault: Frauen sind so -> Machtfrage, Politik, Männer haben Bild definiert, Frauen haben es erfüllt.

Kultur ist die Perspektive: Phänomene, Bedeutung, ohne Perspektive nicht verständlich

Jürgen Straub: alle psychischen Prozesse und Abhängigkeiten Kultur <-> Psyche, Kulturpsychologie ist keine Subdisziplin sondern eine allgemeine Perspektive auf alle psychologischen Forschungen

Universalismus der Psychologie: bezieht sich auf Europa und USA, Frage: man sollte das in Frage stellen. Performativ = aufführend,

Z.B. es gibt Forschungskultur mit eigener Logik, -> Warum untersucht man eigentlich Menschen?

Kultur als narrative Perspektive

Durch das Erzählen können wir Dinge verstehen

Das kulturelle Sein des Menschen kann als sprachbestimmt es Sein verstanden werden

z.B. sind Religionen in erster Linie Sprachreligionen (werden niedergeschrieben)

Wygotski:

o „Höhere psychische Funktionen“ (Denken, Sprechen, Wahrnehmen, Problemlösen, Reflexionen) sind zeichenvermittelte Funktionen

o Je komplexer die Gedanken desto mehr Sprachgebrauch

Was ist Sprache?

o Sprache der Erzählung ist komplexe Sprache der Synthese (=Zusammenfassung)

Erzählung:

Soziale Kommunikationsform

Durch die Erzählung kann eine Verbindung zu anderen hergestellt werden

In Erzählungen sind Kognitionen, Reflexionen enthalten

Erzählung hat eine kulturelle Funktion:

o

Erzählung ist das was das Individuum in kulturelle Kontexte einbettet

o

Mit Hilfe der Erzählung kann ich über mich selbst nachdenken und mich selbst darstellen

Erzählung ist nach Wygotski eine der komplexesten zeichenvermittelten Formen individueller Kognition und Kommunikation

Binden das Individuum in einen kulturellen Zusammenhang ein, zeitlgleich verankern sie diesen Zusammenhang im Leben und im Kopf des Einzelnen

Erzählungen schaffen einen Abstand zur Welt

Die bewusste kulturelle Selbstvergegenwärtigung

o Was bedeutet dann, dass sich das als narrativer Prozess vollzieht?

o

Ich benütze unterschiedliche Zeitformen (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft)

o

Ich benütze Rückblenden kann aber auch Bezug zur Zukunft

schaffen (Flashback, Flashforward)

o

Viele Menschen definieren sich über die Zukunft

Die starke Narrationshypothese

Die Erzählung erzählt nicht nur von der Wirklichkeit, sondern bestimmte Komplexitäten erhalten erst durch die Erzählung Wirklichkeit

Narrative Komplexität

Autobiographische Geschichte: Ich könnte morgen zu dem Entschluss kommen, dass es wohl besser gewesen wäre, wenn als Beispiel für die narrative Komplexität ein anderes Beispiel gewählt hätte

Keine einfache Kausalität vorhanden

Das hermeneutische Modell legt aus

Sehr starker subjektiver Bezug (Intentionalität, Befürchtungen, Interessen)

o Erzählung ist eine soziale Interaktion und kann eine Verbindung herstellen

Monologe sind meistens gar keine Monologe

Das koharänte Ganze ist was ich daraus mache, wie ich es erzähle

Viele Bezüge zu Eltern sind Rechtfertigungsbezüge

Es gibt sehr selten reine Monologe

Die Erzählung ist auch Mittel, Zeit zu organisieren

Erzählung ist auch das Mittel, wodurch wir erst menschliche Zeit schaffen

o

Im narrativen Erzählen gibt es keinen allwissenden Erzähler

o

Prozess der Identitätsfindung ist ein unendlicher Prozess, genau wie die Kultur.

o

Die Kultur ist auch immer in eine „Erzähltradition“ eingebunden

o

Die komplexeste narrative Form ist der Roman

Bildungsroman: Rekonstruktion eines Lebens

Prinzip: Weiterentwicklung findet statt

Leben als Bildungsobjekt

Autobiographisches Erzählen (Life writing)

Tagebücher, Bogs, Memoiren, => Mittel zur Lokalisation in der Welt

VL 2 Kultur und Psychologie

Die kulturpsychologische Perspektive

Richtet sich darauf, wie die Kultur im Kopf, in der Psyche und im Handeln des Individuums entsteht. Sie zielt auf die Prozesse, die das Individuum in eine kulturelle Welt (oder mehrere kulturelle Welten) einbettet und in denen zugleich die kulturelle Welt (oder mehrere kulturelle Welten) in die Psyche und das Handeln des Individuums eingebunden werden. Zusatz: Identitätsbildung als wichtige kulturelle Konstruktion Ich als Mitglied vieler kultureller Welten

Kultur war in der Psychologie ein Fremdkörper und ist nicht in den Mainstream eingedrungen

Wilhelm Wundt wollte die Psychologie einerseits als experimentelle Wissenschaft (Hypothesen prüfen) und als Kulturwissenschaft

Die Psychologie heutzutage hat einen sehr starken naturwissenschaftlichen Charakter

o

Kultur kann aber sehr schlecht auf Variablen reduziert werden

o

Es hat nie eine nomologische Theorie von Kultur in der Psychologie gegeben

o

Eine variable Natur kann sehr schlecht in eine naturwissenschaftliche Form gebracht werden.

In neuerer Zeit sind aber auch qualitative Methoden wichtig geworden

o

Freud bediente sich sehr stark der Hermeneutik (=auch eine Form von Evidenz)

o

2 Prinzipien:

Universale Prinzipien entdecken (Mensch als Organismus)

Kontextgebundene, historisch spezifische Phänomene beschreiben (kulturgebunden, Mensch als biosoziales Wesen)

Jean Piaget:

o

Hat sich für Kultur nicht interessiert

o

Es ging ihm um allgemeine, universale Strukturen kognitiver Art

o Er postulierte ein logisches universales kognitives Entwicklungsmodell => ABER: Ignoranz gegenüber Kultur ist schwierig geworden

Worum ist überhaupt Interesse an Kultur entstanden?

Kultureller Druck

o

Im Zuge der Globalisierung nehmen die interkulturellen Begegnungen zu

o

Dadurch nehmen auch die Konflikte zu

Religion

Armut & Reichtum

Es gibt aber kein Definitionsmonopol für z.B. Religion, also muss man versuchen in einer friedlichen Koexistenz miteinander zu leben. Das funktioniert am besten, wenn man sich seiner eigenen Religion als kulturspezifischen Baustein bewusst wird und eine Toleranz gegenüber anderen Religionen

aufbaut.

Religiöse Fragen sind demnach zu kulturellen Fragen geworden

Menschliche Natur?

Bio-Engineering:

Was ist Kultur und was ist Natur?

Abtreibung: Eingriff in Natur oder Kultur?

Frage: Wo ist menschl. Natur und wo ist menschl. Kultur?

Geschlecht / Gender

o

Auflösung des klassischen Geschlechterbegriffs ist im Gange

o

Akzeptanz von transgender-Entwicklung

o

Kultur oder Natur-Präverenzen des Geschlechts?

o

Für viele gibt es längst keinen Geschlechtdeterminismus mehr -> biologische Hormonbehandlung oder Operation

o

=> Frage nach der kulturellen Einbettung des Menschen muss neu gestellt werden

Kultur in der Psychologie

o

Kultur als Kontext

o

Wilhelm Wundt:

Menschliches Individuum ist nicht nur eine Versuchsperson sondern ein Subjekt das in mehrere kulturelle Kontexte/Welten eingebettet ist.

Orientierung die versucht das Individuum in einem Kontext zu sehen

Nicht isolierte Kulturpsychologie sondern v.a. die menschliche Entwicklung steht damit im Zusammenhang

Kultur kann als Kontext gesehen werden, = Gegensichtweise zur Psychologie die auf abstraktes Individuum ausgerichtet ist (Zentrierung)

o Es gibt ein Individuum und eine Gesellschaft

Sozialkonstruktivistische Sichtweisen betrachten die Gesellschaft als Determinante

Psychologie sieht Individuum als Determinante, ohne das Individuum als aktiv zu betrachten, das Individuum ist eher ein Rezipient 1 von Einflüssen (vgl. Behaviorismus: Mensch als Reiz-Reaktions-Männchen)

Kulturvergleichende Psychologie (Crosscultural Psychology) und Kulturpsychologie (Cultural Psychology)

Kulturpsychologie (cultural psychology)

o

Forschungsbereich: Wie wird Individuum in Kultur gesehen?

o

Menschliches Bewusstsein und Kultur existieren nicht unabhängig voneinander

o

Jerome Bruner: Initiator der kognitiven Wende

Kulturvergleichende Psychologie

o

Teil der traditionellen naturwissenschaftlichen Mainstream Psychologie unter kulturellen Bedingungen

o

Untersucht universale Gesetze

o

„wie werden Eigenschaften von Menschen abgewandelt

o

Bindungsverhalten als universales Verhalten -> wird in allen Kulturen untersuch

o

Kritik:

Empirische Befunde von universellen Zugang ist nicht aufrecht zu erhalten, da sie selten den universellen Standards standhalten, es wird hier ein modernes europäisches Familienbild postuliert

Dieses Familienbild ist aber in Südafrika nicht aufrecht zu erhalten

o

Es kommt zu einem Crash (universalistische vs. kulturrelativistische Sichtweise)

Wir können in Südafrika nicht mit vorgefertigten Modell ankommen => Beide versuchen kulturelle Phänomene zu berücksichtigen => Kultur lässt Verhalten besser verstehen

Abgrenzung von der Mainstream Psychologie

Abgrenzung in 3 Formen gegenüber

o

Zentrierung auf isoliertes Individuum (methodologisch, spez. experimentell)

o

Zentrierung auf organisch-biologische Dimension (neurobiologisch) / ohne Rücksicht auf Vielzahl der kulturellen Welten

o

Ausrichtung auf naturwissenschaftliche Methoden sowie einhergehende nomologisch-statistische und kausale Erklärungsweisen (Hypothesentesten).

VL3 Wygotskische Perspektiven der Kulturpsychologie

Einleitung

Wie entwickelt sich Individuum in einer Kultur?

Wie setzt sich Kultur in einem Individuum durch? -> Kultur wird nicht jedes mal neu erfunden sondern existiert bereits.

„Übergang von der Entwicklung gesellschaftlicher, außerhalb der Person stattfindenden Prozesse zu sozialen innerhalb der Person stattfindenden Prozesse.

Um neue Kulturen zu verstehen, muss man sich in diese einleben

Frage: Wie wächst ein Kind (fremdes Wesen) in diese Gesellschaft hinein?

o Psychologe muss zum Kinderpsychologe werden (Kamera: ausgehend vom kindlichen Auge (Erleben, Erfahren)

Die Kultur determiniert den Menschen, aber nicht vollständig

Es gibt keine kausalen Vorhersagen für menschliche Entwicklung, aber es bestehen gesellschaftliche Klassen, die schon relativ determinierend sind.

=> kausale Determinanten gibt es in der Entwicklungspsychologie und in der Kultur nicht, aber durchaus Wahrscheinlichkeiten

„post-festum“: man kann erst im Nachhinein erkennen wie ein Individuum in eine bestimmte Kultur hineingewachsen ist.

Wer war Wygotski?

Wygotkski (1896-1934): „Kann als Franz Schubert der Psychologie gesehen werden“

o

Er vertritt eine kulturhistorische Perspektive

o

Auffallend ist, dass er kein Hochschulstudium der Psychologie absolviert hat, (Vielleicht ist das auch ein Grund, warum er ganz unbefangen herangegangen ist, und sich somit mit der Kraft seines Verstandes und Beobachtung ein eigenes Bild von der Psychologie schaffen hat können)

1 Jemand der passiv etwas erhält

4 Theorien von Wygotski

1. Zeichenvermitteltheit aller „höheren psychologische Funktionen“

Es wird davon ausgegangen, dass es niedrigere psychologische Funktionen (unbewusst) gibt und höhere psychische Funktionen

Höhere psychische Funktionen: z.B. Sprache, Denken

Verflochtenheit von kulturellen Bedeutungen und Physiologie

Z.B. Schmerzen sind meist bedeutungshinterlegt

Wir interpretieren Schmerzen und Suchen nach einer Erklärung; z.B. Kopfschmerzen, weil ich gestern Abend zu viel getrunken habe.

o Elaine Scarry:

Schmerz durch Folter um Bedeutungskonstruktionen und Glauben zu zerstören

Es gibt eine enge Verbindung zwischen der Zeichenhaftigkeit und kulturellen Bedeutungen.

Es ist demnach sehr schwierig, rein biologisch-physiologische Prozesse zu isolieren

In welchen symbolischem System wird Schmerz empfunden

Es gibt ganz unterschiedliche Schmerzgrenzen

Nur Sachen die bewusst werden, sind zeichenhaft und können interpretiert werden.

2. Das genetische Gesetz der kulturellen Entwicklung

o 2 Gruppen von Prozessen

1. Das Individuum erlernt die äußeren Mittel der kulturellen Entwicklung

2. Höhere mentale Funktionen (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Denken)

Nach Wygotski soll der Zusammenhang beider Gruppen untersucht werden

Aus einem Dialog entsteht ein Monolog:

Bei Kindern erfolgt dies durch eine nach innen gerichtete Sozialität

Z.B. entstehen Monologe des Problemlösens

Das Kind erwirbt bestimmte Tätigkeitsformen im sozialen Kontext

Das Kind eignet sich selbst die gesellschaftlichen Verhaltensformen an und

überträgt sie dann auf sich selbst. Z.B. ist das Zeichen zuerst immer ein Mittel der sozialen Beziehung und dann ein Mittel für den Selbstbezug =>Über den Mechanismus der Interiorisierung werden diejenigen Verhaltensmuster, die die Umwelt gegenüber dem Subjekt einnimmt, schließlich vom Subjekt auf sich selbst angewendet. => Jede Funktion tritt in der kulturellen Entwicklung des Kindes zweimal auf, nämlich zuerst auf der gesellschaftlichen (sozialen) und dann auf der psychischen Ebene (also zunächst zwischenmenschlich/interpsychisch und dann innerhalb des Kindes selbst als intrapsychologische Kategorie.

o

Erkenntnistheoretisch: das innere geistige mentale Verhalten kann nur in Kombination mit dem äußeren Kontext (Sozialem) verstanden werden.

o

Das hat eine weitreichende Implikation:

o

Zitat: Wygotski:

„Es wäre festzuhalten, dass wir erst durch andere wir selbst werden- und das gilt nicht nur für die

Gesamtperson, sondern auch für die Geschichte jeder einzelnen Funktion. Rein logisch ausgedrückt,

besteht eben darin das Wesen des Prozesses der kulturellen Entwicklung. Das Individuum wird für sich zu

dem, was es an sich ist, nur durch das, was es für andere ist. Genau das stellt den Prozess der

Persönlichkeitswerdung dar. An dieser Stelle tritt zum ersten mal in der Psychologie die außerordentliche

Bedeutung des Problems der Wechselbeziehungen zwischen den äußeren und den inneren

psychischen Funktionen zutage.

Hier wird, wie gesagt, deutlich, warum notwendigerweise alles Innere in den höheren Funktionen

äußerlich war, das heißt für andere das war, was es jetzt für einen selbst ist. Jede höhere psychische

Funktion durchläuft zwangsläufig ein äußeres Entwicklungsstadium, weil sie ursprünglich eine

gesellschaftliche Funktion ist. Das ist der Kern des gesamten Problems des inneren und äußeren

Verhaltens.“

o

VGl. Piaget: erst kognitive innerliche geistige Entwicklung -> dann sozial kommunikativ werden individuell -> sozial

o

Vygotski: erst sozial (durch soziale Interaktion) -> dann in individuelle Kommunikation; sozial -> individuell

3. Element: Die Rolle der „psychologischen Werkzeuge, kulturellen Werkzeuge“

o Drei Kategorien der Vermittlung von außen nach innen

o

Entweder materielles Werkzeug

o

oder Symbolwerkzeug (Symbolsysteme)

o Oder Verhalten anderer Menschen

Sind Bestandteile der Kultur und ergänzen sich gegenseitig.

Auch Sprache (Symbolsystem) hat eine unterstützende Rolle

o

Der Einsatz von Hilfsmitteln oder der Übergang zur vermittelnden Tätigkeit strukturiert die gesamte psychische Organisation von Grund auf um

o

So wie der Werkzeuggebrauch die natürliche Tätigkeit der Organe (auch Sinnesorgane) verändert, wird auch das Aktionssystem der psychischen Funktionen unermesslich erweitert.

o

Werkzeuge wie Zeichengebrauch bezeichnen wir als höhere psychische Funktionen oder als höheres Verhalten.

4. Sprache => Bewusstsein / Denken

o

Theorie: Wie Sachen zusammenhängen

o

Sprache hat für Wygotski eine Doppelfunktion:

Kommunikation (Bezug schaffen)

Reflexion (Selbstbezug) Phänomene werden Gegenstand der eigenen Reflexion

Nach Wygotski - Perspektiven der Kulturpsychologie

Kultur oder sozialhistorische Perspektive

Kulturpsychologie

Diskursive (oder Diskurs) Psychologie

Tätigkeitspsychologie

Kritische Psychologie

Sozialer Konstruktivismus

Wissen ist eine Konstruktion

Feministische Psychologie (Geschlechtsunterschiede)

Narrative Psychologie

Wygotski sieht seine Auffassung als kulturhistorisch

Wir müssen die soziale Welt berücksichtigen, in der ein Individuum interagiert

Es wird eine soziale Positionierung vorgenommen

Inhalte:

o Ich sehe mich so, wie andere mich sehen und ich möchte das andere mich sehen wie ich mich selbst sehe

Keine Gegenüberstellung von Individuum und Kultur (oder Gesellschaft), sondern die kulturelle Perspektive

4 VL Die kulturelle Konstruktion der Identität

1) Die Kultur als Perspektive

Kultur als selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe

Zusammenhang von gesellschaftlicher Wertigkeit > Bedeutungskonstruktion = Netz von kulturellen Bedeutungen

o

Die Bedeutungen sind nicht statisch

o

Gegenstände sind nicht nur mit kultureller Bedeutung Behaftet, sondern können auch neu gebildet (Umfunktionalisierung) werden

o

Die Interpretation könnte sich auch ändern, Bedeutungen können auch aus dem Effekt heraus entstehen (funktionale Reinterpretation)

Kultur ist eine Perspektive in der ein Sachverhalt erklärt werden kann.

Die Vorstellung von Kultur als Bedeutung geht auf Clifford Goerz (Kulturanthropologe) zurück:

o

Es geht immer schief wenn man versucht in eine andere Kultur zu gehen und mit der Brille der westlichen Wissenschaft die Kultur der anderen zu beobachten

o

es ist immer eine Projektion der eigenen Kultur, (aber es gibt doch universale Empfindungen: wie stolz, Freude, Schmerz, Trauer).

o

Wenn abstrakte Begriffe/Konstrukte wie Stolz, Hoffnung, Motivation, Extraversion etc. in einer fremden Kultur erforscht werden, kann das schief gehen.

o

In einer amerikanischen Studie sollte der Patriotismus von anderen Ländern untersucht werden (-> Europa:

hatte schon seinen Höhepunkt, Nationalstolz ist nicht mehr populär, Stolz steht nicht mehr an erster Stelle.

o

Empfindungen sind durch Geschichte gewachsen, Schwierig, z.B. Stolz nur auf Begriff Stolz zu reduzieren, denn die unterschiedlichen Kulturen ist aber sehr vielfältig.

o

Universialistisches Modell aus dem Westen dient als Skala,

o

Goerz: Besser wäre es wenn man die kulturellen Praktiken untersucht, die Verhalten regeln, wo Menschen miteinander interagieren,

o

Kulturbegriff verliert alles Folkloristisches, es geht eher um Erkenntnis, so das Phänomene plausibel werden (vgl. 2. Vl)

o

Kultur ist eine Sichtweise, die gesellschaftliche Phänomene erklärt

o

Kultur kann auch in der Psychologie als solche Perspektive betrachtet werden, aber auf individueller Ebene,

Der Begriff der Kultur: eine Perspektive auf menschliche Lebensformen auf performative Praktiken und Bedeutungen, auf Phänomene der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit des Menschen Phänomene, die ohne diese Perspektive nicht verständlich werden würden

Standardvorstellung: in fremder Kultur durch teilnehmende Beobachtung den kulturellen Zusammenhang zu verstehen durch Einfühlung, um sich z.B. in einen Eingeborenen einzufühlen

Kultur als narrative Perspektive

Autobiografische Erzählung narrative Identität kulturelle Identität

o

Entwicklungsgeschichte: ein Thema, wenn es meine eigene Entwicklung betrifft,

o

Entwicklungsgeschichte als rekonstruierte oder projizierte Entwicklungsprozesse

o

Entwicklung: was ist damit gemeint?

Klassisch: Kinderpsychologie -> wenn Kind groß ist dann ist Entwicklung abgeschlossen

Wie sieht Entwicklung aus? Phasen, Stufen der kognitiven Entwicklung, Moral, Psychoanalyse Freud (frühkindliche Stufen Sexualität)

Erikson: Modell der psychosozialen Entwicklung -> kulturelle Situation: amerikanische Mittelschicht (Schule, Beruf, Kinder, Haus ) wird postuliert

Wenn man die normative Entwicklung nicht hinbekommt, dann ist etwas schief gelaufen.

Biologische Abfolge muss stimmen sonst passt was nicht

Auch ein Modell der psychologischen Entwicklung

Problematische Perspektive weil: - es muss doch noch mehr geben, die Entwicklung geht doch noch weiter, auch nach der Jugend

Radikale Änderung: -> man wird im Schnitt 20 mal den Beruf wechseln, nur ein Beruf ist eine archaische Form, Theologische (zielgerichtete) und sequentielle (schrittweise) Entwicklung ist oftmals nicht gegeben. Man geht Umwege,

Entwicklungsbegriff ist folglich in die Krise geraten:

Heute: Entwicklung ein Begriff der Wandlung, Veränderung, semantischer Aspekt: Entfaltung

Entwicklung als ein Begriff von Ensemble von Themen die durchgespielt werden, man kann die Entwicklung eines Menschen nicht von außen erkennen, sondern man müsste die eigene Entwicklungsvorstellung des Individuum erfahren

Man kommt nicht mehr von außen sondern kommt zu einer Innenperspektive, man untersucht die Themen des Individuums, die Themen die sich das Individuum selbst setzt.

Außenevaluierung hat immer eine gewisse Oberflächlichkeit

o

Narrative Indentität: beinhaltet eine narrative Entwicklungstheorie die auf subjektiven Erzählungen basiert

Identität ist nicht gegeben sondern wird ständig konstruiert und rekonstruiert

Es kann selten ein Kern festgestellt werden, Erzählungen über sich selbst sind sehr flexibel, hängt immer auch von der unmittelbaren kulturellen Welt ab in der ich mich befinde (stark Situationsabhängig und Personenbedingt)

Wie viele Identitäten hat der Mensch? Und wie viele Identitätstheorien?

Identität: Selbstbeziehung, Verhältnis einer Beziehung zu sich selbst, vielleicht auch Selbst- Ich.

Selbstbezug der Identität: eine kulturelle Konstruktion, wie der Mensch sich selbst sieht

Historische Herausbildung der Idee Identität

o Keine universal gültige Theorie (Politische, Religiöse, psychologische, philosophische und ökonomische Idee

Psychologische Idee:

o 5 Familien von Identitätskonzepten

1) Autobiografische Identität

Moderne Idee der westlichen Welt

In vormodernen Zeiten: im Mittelalter, war Identität von gesellschaftlicher Stellung determiniert, Geburt bestimmte die personale Identität, (Ständewesen), Stände waren nicht durchlässig, Es gab gar nicht die Überlegung über sich selbst als jemanden anderen nachzudenken

Moderne: eigene Identität entsteht nicht durch Geburt

Möglichkeiten des Ausbruchs -> z.B. Goethe als Staatsbeamter und der dann ausgebrochen ist.

Kant: Bediene dich deines eigenen Verstandes um Veränderungen zu ermöglichn

Zwei Visionen:

o

Rationalistische Option: Decartes, Mensch als denkendes Wesen, wir können unsere eigene Identität mit Hilfe der eigenen Gedanken bestimmen, Selbstreflexion, cognito ergo sum

o

Nur Sinne und Wahrnehmung sind real, Ich kann nicht sinnlich wahrgenommen werden, Gefühle kann man empfinden,

o

John Locke (An Essay Concerning Understanding): Empirist, Menschliche Identität ist mit der Lebensspanne verknüpft, radikale Diesseitigkeit. Autobiographische Gedächtnis als das was ich bin, Womit bin ich identisch? Woher kommt der Sinn für ich und Identität, ich bin mit dem identisch mit dem ich mich aus der Vergangenheit erinnern kann (autobiografisches Erzählen)- ich identifiziere mich mit mir selbst inwieweit ich mich mir meiner selbst erinnern

kann bzw. bewusst werde. Wenn dem Ich eine moralische Verantwortung zugeschrieben wird, dann muss ich vor Gericht feststellen dass es sich um die gleiche Person handelt

o John Locke: „Person, as I take, is the name for this self. This personality extends itself beyond present existence to what is past, (not by soul or by substance but) only by consciousness, whereby it becomes concerned and accountable; owns and imputes to itself past actions, just upon the same ground and for the same reason as it does the present.“

(2) Soziale (oder intersubjektive) Identität

o

Nicht aus Vergangenheit sondern im Verhältnis zu einem anderen, Bezogenheit als universales Merkmal als Selbstbezug (-> vermittelt als Bezug zu einem anderen)

o

George Herbert Mead: Ein Ich ist immer eine interpersonale Beziehung, Wenn ich mich selbst betrachte, sehe ich mich auch immer wie andere mich sehen. Erwartungsperspektive der anderen verschmilzt mit meiner eigenen (es ist schwierig nur noch von sich selbst zu sprechen). Z.B. Was ich für eine Kleidung trage, Individuum ist kein autonomes Einzelwesen,

o

L. Wygotski: Bezogenheit auf einen anderen steht im Vordergrund was dann zu einer individuellen Kiste wird -> vom Dialog zum Monolog, alle menschlichen Funktionen und Fähigkeiten sind erst sozial.

o

Hegel, Ricoeur, Habermas Ich kann nicht mich selbst denken ohne in Bezogenheit zu anderen zu denken.

(3) Performative Identität

Judith Butler: Identität wird in unseren Handlungen realisiert, durch die Handlungen und Praktiken, Wir sind nicht sexuell bestimmt (determiniert), sondern durch die Praktiken,(Geschlechterrollenverständnis), Es gibt nur wenige biologisch determinierte Praxisformen > Alles eine Frage der kulturellen Performität (4) Kulturelle Identität Identität als kulturell bestimmt und konstituiert Zwei Seiten: Identitätskonzeption ist selbst ein kulturhistorisches Phänomen

Identität in expliziten sinne als kulturell bestimmt

2 Dinge zu unterschieden 1. Identitätskonzeptionen sind selbst ein kulturelles historisches Phänomen, Herausbildung der Idee als kultureller Prozess

o

Goertz : Das individuozentrierte Selbst ist ? Die abendländische Vorstellung von der Person als einem fest umrissenen, einzigartigen, mehr oder weniger integrierten motivationalen und kognitiven Universum, einem dynamischen Zentrum des Bewusstseins, Fühlens, Urteilens und Handelns, das als unterscheidbares Ganzes organisiert ist und sich sowohl von anderen solchen Garzeiten als auch von einem sozialen und natürlichen Hintergrund abhebt

o

Diese Vorstellung ist im Kontext der anderen Weltkulturen eine recht sonderbare Idee

o

Soziale Gemeinwesen wird in den Vordergrund gestellt, das ich wird zum Thema, wenn was schiefgegangen ist

o

Es gibt nur die Bezogenheit auf das Ganze

o

Als Individuum als Einklang mit der Welt

5) Narrative Identität

Die Theoriefamilien haben vieles Gleich, man kann sie als sich ergänzende Ansichten menschlicher Identität betrachten

Man weiß von sich selbst, wie die Menschen einen sehen

Man hat viele Identitätsrollen (man ist in der Arbeit so und so, und zu Hause so und so)

Wie bringe ich meine Vergangenheit in die Gegenwart? Durch eine Geschichte

Sie betonen den Konstruktionsmechanismus der meisten Identitätskonstruktionen

Alle anderen bedienen sich narrativer Formen

Erzählprozesse können integraler Teil der performativen Identitätskonstruktion sein

Identitäten beeinflussen sich gegenseitig, man kann sie nicht getrennt voneinander betrachten

Es handelt sich nicht um eine Geschichte, sondern eine unendliche reihe von Interaktionen, mit se vielen Leuten, in unterschiedlichen Situation, mit unterschiedlichen Geschichten, Prozess kommt nie zu einem richtigen Abschluss

Man stellt manchen in den Vordergrund beim Erzählen und manches in den Hintergrund

5 VL Auf der Suche nach dem Selbst

Bedeutungen:

wesentlicher Bestandteil des Kulturbegriffs: was der Welt verliehen wird, es gibt unterschiedliche Formen/Meinungen von Bedeutung

Vgl. Jerome Bruner: Kognitive Wende, Begriff der Information,

Auch Wyotski hat seinen Teil dazu beigetragen

Anthropologische Hauptmerkmale: Schaffen Bedeutungen, Interpretieren die Reize in der äußeren Welt, Wir haben Absichten / Intentionen / Hoffnungen die unsere Handlung leiten

Psychologie: Wie wir in unterschiedlichen kulturellen Gebilden, unterschiedliche Bedeutungskonstruktionen erzeugen

Identitäten sind exemplarische Beispiele für Bedeutungskonstruktionen

o

Geschichten sind nicht unbedingt aber wahr, aber stellen komplexe aktive Sinngebung unseres Lebens dar. -> Identitätsstiftung

o

Selbstverwirklichung durch autobiografische Identitätsstiftung (Tagebücher, etc.)

Unterscheidung von Selbst und Identität

3 ontologische Ebenen/Wirklichkeiten um Selbst zu nutzen

o

Eigene Existenz im biologischen Sinne (Selbst) -> teilweise auch kulturell vermittelt (Vgl. Abtreibung, wann fängt Leben an, wo hört es auf?)

o

Sozial (Selbst) -> kulturell vermittelt

Bezug zu einem anderen Menschen

o

Sprachlich-reflexiv (Identität) -> kulturell vermittelt

Seele, Geist ist dieser Ebene zuzuordnen

In manchen Kulturen gibt es keine Idee von Tod

=> immer wenn man über menschliche Identität spricht muss man diese drei Ebenen betrachten, sonst wäre es eine Reduktion

Ulric Neisser: andere Unterscheidung

5 Typen der Selbstkonstruktion

Das ökologische/körperlich Selbst

The ecological self is the self as perceived with respect to the physical environment: I am the person here in place, engaged in this particular activity

Das was ich im Moment mache, bin ich (vor allem beim Kleinkind)

Körperlichen Funktionen stehen im Zentrum

Selbstsinn von uns selbst / Körperselbst (meist unbewusst)

In der Regel ist das Körperselbst ein anthropologisches Selbst (hier ist es stickig, ich bin zu dick)

Wenn etwas nicht funktioniert wird man aufmerksam auf den Körper

Das interpersonale Selbst

The interpersonal self, which appears from earliest infancy just as the ecological does, is specified by species - specific signals if emotional rapport and communication: I am the person who is engaged, here, in this particular human interchange.

z.B. Abstand die Menschen gegenüber einnehmen (beim Sprechen etc.)

Abstand und Nähe hat etwas mit der Kultur zu tun

Kleinkind ist sehr Abhängig von Betreuungsperson -> sehr große Nähe (emotional, physisch etc.) -> Gefühl wer bin ich in diesem Moment? Schutz durch eine andere Person; Die Beziehung zu einer Bezugsperson bestimmt das interpersonale Selbst

Colwyn Trevarthen schreibt:

o „Dass ein Kind schon in seinem ersten Lebensjahr anf ängt, aktiv seine Rolle in einer Welt von Menschen gemachter Bedeutungen zu entwickeln, die ihm helfen, seine eigenen Fortschritte gleichsam mit den Augen anderer zu sehen …was ausschließlich über intersubjektive Dialoge (auch vorsprachlich) mit anderen Menschen möglich ist“

o Dialog wird zunehmend auf Zeichen bereichert (höhere Zeichenfunktion)

o Durch höhere Zeichenfunktion kann das Kind eine Selbstreflexion haben -> Entstehung von komplizierten Identitätskonstruktionen (mit dem Gebrauch von Sprache)

Das erweiterte Selbst

The extended self is bases primarily on our personal memories and anticipations: I am the person who had certain specific experiences, who regularly engages in certain specific and familiar routines.

Bezieht sich auf die Vergangenheit und auf die Zukunft, man lenkt die Wahrnehmung auch auf andere Zeiteinheiten

Man kann auch Ereignisse aus der Vergangenheit einbeziehen

Mensch hat immer ein Selbsverhältnis, auch ohne Identiät in der Zeit

=> Zeitlos

Wenn ich Zeit mit einbeziehe bin ich in der Identitätskonstruktion

Unterscheidung zwischen Verhältnis zu unserem Selbst ohne Zeit (Selbstbezug) und der Konstruktion unseren Selbst unter Einbeziehung der Zeit (narrative self) -> Durch Geschichte(n) ist eine Einbettung in die Kultur möglich

Das private Selbst

The Privat self appears when children first notice that some of their experiences are not directly shared with other people. I am, in principle, the only person who can feel this unique and particular pain.

Wittenstein: Privatsprachargument: es gibt keine private Sprache, nur wenn ich mit Sprache die Phänomene mit anderen teilen kann, existieren die Phänomene. Wenn ich die Erfahrung mitteile, ist es nichts privates, Sprache ist etwas Mitteilendes

Das begriffliche Selbst

The conceptual self or, self-concept draws it meaning from the network of assumptions and theories in which it is embedded, just as all other concepts do. Some of those theories concern social roles, some postulate more or less hypothetical internal eintities (the soul, the unconscious, mental energy, the brain) and some establish socially significant dimensions of difference (intelligence, attractiviness, wealth). There is remarkable variety in what people believe about themselves, and not all of it is true. ( Man möchte nicht sagen was man sagt, sondern hören was der andere zu einem sagt)

Man spricht von einer Identitätskonstruktion, sie sind kulurell bestimmt (z.B.

Begrifflich Selbstkonstruktion geschehen in einer kulturellen konstituierten Narrativität

Alle 5 Theorien werden untereinander bezogen -> erweiterte Identität

Funktionsweise dieser beiden Begriffe von einander abzugrenzen

o

Selbst als gegenwärtiger Bezug

o

Identität als Prozess in der Zeit (autobiografische Identitätskonstruktion)

6 VL lernen sich zu erinnern 1: Autobiografisches Erinnern als narrative Praxis

Wie kommen wird dazu uns unserer eigenen Vergangenheit zu erinnern?

Sprache spielt für Konzeption der eigenen Identität eine große Rolle

Mensch hat eine sehr lange Entkulturationsphase (Kindheit und Jugend um sich in eine Kutur hineinzuentwickeln)

Autobiografisches Erzählen ist wichtig für die Konstruktion von Identität wichtig

Warum können sich Menschen nicht an erste Lebensjahre erinnern?

o Zwischen 3 und 4. Lebensjahr kann man sich später noch erinnern

Erklärung:

o

Freud: frühkindliche Amnesie

o

Neurologische Faktoren

o

Mangeldende Herausbildung des kindlichen Selbst

Katherine Nelson

Erste persönliche Erinnerungen (autobiograhical remembering)

Kinder lernen sich zu erinnern, in dem Maße wie sie in gemeinsamen Gesprächen mit Eltern über vergangene Erlebnisse zu sprechen => memory talk,

Herausbildung bestimmter soziale Praktiken als Voraussetzung (Social cognition and self- refelction)

Sprach- und Diskursfertigkeiten, insbesondere narrativer Art

In den ersten Monaten /Jahr finden nur Referenzgespräche statt

Praxis der Erzählung ist besonders wichtig

o

Kind spricht über persönliche Erfahrungen in der Vergangenheit

o

Lernt über solche Ereignisse zu sprechen, kann sich verständigen über Dinge die nicht im Hier und Jetzt erfolgen

o

Vergangenheitsformen + Sprachmodelle der Sprache sind Vorraussetzungen

=> kann Vergangenheit auf sich selbst und andere beziehen

theory of mind (Zustände und Empfindungen von anderen von den eigenen unterscheiden

können) auch Absichten von anderen erkennen

o

Erzählung als Synthese

Es handelt sich um eine bestimmte Dimesion der sprachlichen Entwicklung zu einer, Kind kann alles erfassen was durch Sprache konstruierbar ist

o

Erzählung als integrative Entwicklungspraxis

Unterscheidung in 4 Aspekte (Katherine Nelson)

Autobiographical remembering

Social cognition and self-reflection (theory of mind)

Sense of fiction (narrative imagination)

Sense and time (self-temporalization)

o

Alle Aspekte haben den gleichen Entwicklungsursprung / gleiche Ontogenese

o

Akte der Bedeutung / Akte der Interpretation mit Hilfe des Gespräche

Erinnern und Erzählens als Formen der Interpretation

Emily Selbstgespräche vor dem Mittagsschlaf: bekannt geworden in der Entwicklungspsychologie

Was passiert einmal (Ausnahme), was ist Routine, welche Ordnungen bestehen? -> schwierig für Kinder einen Zeitsinn zu entwickeln, haben Probleme mit Zeitmarkierungen

Wichtige Rolle des Erzählens die einzelnen Stränge in einen Zusammenhang zu bringen => Bestreben der narrativen Synthese

Nelson’s Interaktionsthese und die Entdeckung der Vergangenheit

Eltern-Kindgespräche über Vergangenheit (memory Talk)

Spracherwerb ist ein Prozess mit vielen Vorstufen

Erste Erinnerungen (Geschichte) Chrysler Hochhaus als Markierung -> Diskurs entsteht

Kulturen des Erzählens und Erinnerns: Unterschiedliche Diskurs- und Interaktionsstile

i. Mütter und Kinder. Der „mütterliche Stil“

1. Elaboriert nichtelaboriert

2. Narrativ nichtnarrativ

ii. => Kinder die nicht solche Gespräche mit Eltern haben, haben dann auch einen

anderen Erinnerungsstil

iii.

7VL Lernen sich zu erinnern 2: Autobiografisches Erinnern als kulturelle Praxis