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kassieren Milliarden - auf Kosten der Verbraucher - S… 04. April 2007, 12:45 Uhr Ökostrom-Studie Solarfirmen

04. April 2007, 12:45 Uhr

Ökostrom-Studie

Solarfirmen kassieren Milliarden - auf Kosten der Verbraucher

Von Anselm Waldermann

Gerade einmal ein halbes Prozent - das ist der Anteil der Sonnenenergie an der deutschen Stromproduktion. Trotzdem fahren die Solarkonzerne horrende Gewinne ein, die Zeche zahlen die Verbraucher. Das belegt eine Studie aus der Branche, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Hamburg - Wer sich eine Solaranlage kauft, ist meist ein Idealist. In der Regel muss man das auch sein, denn das Geschäft lohnt sich für Privatleute selten. Zu diesem Schluss kommen die Analysten Joel Conkling und Michael Rogol vom Bostoner Beratungsunternehmen Photon Consulting. In ihrer Studie "The true cost of solar power", die SPIEGEL ONLINE vorliegt, haben sie die Herstellungskosten von Solaranlagen untersucht. Das Ergebnis: Die Produzenten schaufeln sich die Taschen voll, die Rechnung bezahlen die Stromkunden.

die Taschen voll, die Rechnung bezahlen die Stromkunden. DPA Solarmodule in Wismar: Der Markt funktioniert nicht

DPA

Solarmodule in Wismar: Der Markt funktioniert nicht mehr

Besonders pikant: Die Solarindustrie selbst hat die Ergebnisse der Studie bestätigt. Vor der Niederschrift haben die Autoren alle relevanten Daten den Unternehmen zur Kontrolle vorgelegt. Deren Antwort: Die Aussagen stimmen.

Im Kern besagt die Studie, dass sich Solaranlagen immer günstiger herstellen lassen. Allerdings geben die Hersteller diese Effizienzgewinne nicht weiter: Privatleute, die sich eine Solaranlage aufs Dach bauen möchten, müssen dafür heute genauso viel bezahlen wie vor drei Jahren.

"Die Preise für Solaranlagen haben sich von den Kosten abgekoppelt", heißt es in der Studie. "Kostensenkungen werden nicht automatisch an die Kunden weitergegeben." Mit anderen Worten: Der Markt funktioniert nicht mehr. Dabei ließe sich aus dem Licht der Sonne viel mehr Strom gewinnen als heute - nur eben nicht zu den derzeitigen Preisen.

Schuld daran ist ausgerechnet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Es garantiert den Besitzern einer Solaranlage die Abnahme ihres Stroms zu einem Fixpreis. Derzeit liegt der bei rund 50 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Konventioneller Strom kostet an der Leipziger Energiebörse nur rund fünf Cent.

Doch trotz der hohen Vergütung lohnt es sich für Hausbesitzer immer weniger, eine Solaranlage zu kaufen. Den Gewinn streichen stattdessen die Hersteller ein - oft Großunternehmen wie Sharp , Q-Cells oder Solarworld . Denn wegen der hohen staatlichen Vergütung übersteigt die Nachfrage das Angebot. In der Folge können die Anbieter den Preis bestimmen.

Derzeit kostet eine Solaranlage in der Herstellung knapp 2900 Euro pro Kilowatt. Bis zum Jahr 2010 wird dieser Betrag laut Studie auf knapp 2100 Euro sinken. In der Folge könnten auch die Erzeugungskosten des Stroms fallen - im sonnigen Süddeutschland um gut 40 Prozent auf 15 Cent je Kilowattstunde. Damit wäre Solarstrom erstmals günstiger als regulärer Haushaltsstrom, für den die Verbraucher in Deutschland durchschnittlich 18 Cent zahlen müssen.

In der Debatte um den Energiemix der Zukunft wäre das eine Sensation: Erstmals wäre die Sonne wettbewerbsfähig, problemlos könnte sie mit anderen Energieträgern wie Kohle und Uran mithalten. Einem Wachstum der Solarenergie stünde nichts mehr im Weg, ihr Anteil an der Stromerzeugung könnte deutlich über die mickrigen 0,5 Prozent von heute steigen. "20 bis 30 Prozent" hält Anne Kreutzmann von der deutschen Fachzeitschrift "Photon" für möglich.

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Realistisch betrachtet wird daraus jedoch nichts: Weil die staatliche Förderung die Preise für Solaranlagen künstlich nach oben treibt, lohnt sich der Kauf für Privatleute kaum noch.

Die Gewinne der Konzerne

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Verbraucherzeitschrift "FINANZtest". In ihrer Februarausgabe hat sie die Rendite untersucht, die Hausbesitzer mit einer Photovoltaikanlage erwirtschaften können. Ergebnis: Je nach Kaufpreis und je nach Sonneneinstrahlung ist die Rendite häufig negativ. Im schlimmsten Fall verlieren die privaten Investoren jährlich 3,3 Prozent ihres eingesetzten Kapitals. Wenn sie zur Finanzierung der Anlage einen Kredit aufnehmen, ist das besonders schlimm: Dann kommt die Zinslast noch hinzu.

Gewinnplus von 151 Prozent

Ganz anders sieht es bei den Herstellern aus. Dank der hohen Anlagenpreise werden sie immer reicher. Das Bonner Unternehmen Solarworld zum Beispiel hat seinen Konzernüberschuss im vergangenen Jahr um 151 Prozent auf 130,6 Millionen Euro gesteigert. Der Aktienkurs legte um rund 50 Prozent zu. Ähnlich ist es bei Q-Cells aus dem sachsen-anhaltinischen Thalheim: Hier kletterte der Gewinn um 143 Prozent auf 97,1 Millionen Euro, die Aktie verzeichnete ein Plus von rund 100 Prozent.

Dabei können die Firmen durchaus günstig produzieren. Gerade erst hat der Erfurter Hersteller Ersol angekündigt, seine Produktionskosten bis zum kommenden Jahr um 25 Prozent zu senken. Andere Unternehmen haben sich ähnliche Ziele gesteckt.

Eine Milliarde Euro für Solarstrom

Die Kunden allerdings werden davon nichts haben. Denn die Vergütung für Solarstrom nach dem EEG sinkt jährlich nur um fünf Prozent. Für die Hersteller gibt es also keinen Grund, den Preis ihrer Anlagen wesentlich zu reduzieren. Auf Kosten der Allgemeinheit fahren sie immer dickere Gewinne ein. Insgesamt mussten die Stromkunden im vergangenen Jahr laut "Photon" eine Milliarde Euro für Solarstrom zahlen.

In der Großen Koalition werden deshalb Stimmen laut, die eine deutliche Reduktion der Vergütung fordern. "Es hat sich herausgestellt, dass die hohen Einspeisevergütungen keinen Anreiz zu Preissenkungen bei Solaranlagen geben", sagt Unionsfraktionsvize Katherina Reiche (CDU). "Wir müssen diese Entwicklung korrigieren und die Vergütungssätze für Solarstrom deutlich absenken." Ähnlich äußern sich auch führende SPD-Politiker - wenn auch hinter vorgehaltener Hand.

Selbst die Grünen haben mittlerweile Bauchschmerzen. Ihr energiepolitischer Sprecher Hans-Josef Fell kann sich niedrigere Vergütungssätze durchaus vorstellen. Das sei auf jeden Fall besser, als die Förderung generell zu deckeln, sagt er.

Allzu bald wird allerdings nichts geschehen. Gerade erst hat das Bundesumweltministerium die geplante Novelle des EEG verschoben. Bis 2009 müssen sich die Solarkonzerne keine Sorge machen.

URL:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/oekostrom-studie-solarfirmen-kassieren-

milliarden-auf-kosten-der-verbraucher-a-475552.html

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