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REDEN AN DER UNIVERSITÄT 9. Ausonius-Preis-Verleihung 2006 Festvortrag von Prof. Dr. Philip J. van der
REDEN AN DER UNIVERSITÄT 9. Ausonius-Preis-Verleihung 2006 Festvortrag von Prof. Dr. Philip J. van der

REDEN AN DER UNIVERSITÄT

9. Ausonius-Preis-Verleihung 2006

Festvortrag von Prof. Dr. Philip J. van der Eijk

Körper, Seele, Geist

Ansichten über psychosomatische Wechselwirkung im griechischen, philosophischen und medizinischen Denken

Impressum

Herausgeber:

Der Präsident der Universität Trier

Hippocratis Coi opera quae extant graeca et latina, ed.

Redaktion:

Heidi Neyses, Leitung Pressestelle

Titelfoto:

Abbildung der vier „klassischen“ Aertze Galen, Hippo-

Satz und Druck:

krates, Avicenna und Aetius von der Titelseite der Renais- sance-Ausgabe der Werke des Hippokrates:

Hieron. Mercurialis Foroliviensis, Venetiis Iuntas 1558. Technische Abteilung der Universität Trier

Foto:

Pressestelle der Universität Trier

Druck:

Mai/Juni 2007

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Reden an der Universität
Reden an der Universität

9. Ausonius-Preis-Verleihung 2006

7. Juli 2006

durch die Fachbereiche II und III

Festvortrag von Prof. Dr. Philip J. van der Eijk Universität Newcastle upon Tyne

Körper, Seele, Geist

Ansichten über psychosomatische Wechselwirkung im griechischen, philosophischen und medizinischen Denken

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Inhalt

Impressum

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Begrüßungsansprache der Dekanin des Fachbereichs II Prof. Dr. Franziska Schößler, Germanistik

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Laudatio auf den Preisträger des 9. Ausonius-Preises, Philip van der Eijk Prof. Dr. Georg Wöhrle, Gräzistik

 

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Festvortrag von Prof. Dr. Philip J. van der Eijk

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„Körper, Seele, Geist – Ansichten über psychosomatische Wechselwirkung im griechischen philosophischen und medizinischen Denken“

Einleitung

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1. Die Natürlichkeit der Seele

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2. Lokalisierung

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3. Genie und Krankheit

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4. Heilkunde des Körpers, Heilkunde der Seele

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Anmerkungen

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Schriftenverzeichnis

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Zur Vita von Prof. Dr. Philip van der Eijk

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Begrüßung durch die Dekanin des Fachbereichs II

Prof. Dr. Franziska Schößler

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Professor van der Eijk, sehr geehrte Frau van der Eijk, sehr geehrte Frau Dekanin, sehr geehrte Damen und Herren!

Ausonius beschwört in seinem berühmten Gedicht Mosella die Moselgegend als Kulturlandschaft, die ganz einem Schlaraffenland gleicht – ich erinnere an die appetitliche Beschreibung des Fischreichtums, an den Salm, die nahrhaf- te Barbe, den feisten Gründling und die grünliche Schleie. Die Moselgegend ist für Ausonius jenseits ihres kulinarischen Angebots jedoch auch eine kom- munikativ-dialogische Landschaft, in der das Gespräch am Rande des flüsternden Gewässers leicht fällt – ich zitiere aus einer metrischen Überset- zung des hier ansässigen Altphilologen Paul Dräger. Es heißt bei Ausonius:

„Liebkosend-freundlich mischen Uferränder / Stimmen, tauschend Gruß, / so Stimmen wie beinah die Händ’; das Wort, / das beidseits hallt zurück, / zu- sammenlaufend in der Fluten Mitt’ / das Echo trägt zurück.“

Ganz in diesem Sinne möchte ich, dem Moselufer nahe, einige Worte an Sie richten und „einen Gruß tauschen“. Als Dekanin des Fachbereiches II begrü- ße ich Sie ganz herzlich zu der feierlichen Verleihung des Ausonius-Preises, der in diesem Jahr zum neunten Mal von den Fachbereichen II und III verge- ben wird. Der Preis zeichnet eine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Klassischen Philologie oder der Alten Geschichte aus oder aber wird für ein wissenschaftliches Gesamtwerk auf dem Gebiet der genannten Fächer vergeben. Der Preisträger oder die Preisträgerin wird im jährlichen Wechsel von der Klassischen Philologie aus dem Fachbereich II und von der Alten Geschichte aus dem Fachbereich III ausgewählt.

Der nach dem römischen Dichter und Staatsmann benannte Preis, der glück- licherweise selbst in diesen knappen Zeiten immer wieder Sponsoren gefun- den hat und dieses Jahr dankenswerterweise von dem Präsidenten der Uni- versität Trier finanziert wird, ist bereits an namhafte, international renommierte

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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegangen, an Hellmut Flashar, an Peter Brown (aus Princeton), an Clemens Zintzen, an Tanja Scheer, Georg Danek, Alexander Demandt, Peter Stotz, Gustav Lehmann und dieses Jahr an Dr. Philip van der Eijk, Professor für Gräzistik an der Universität Newcastle upon Tyne. Herr van der Eijk wird für seine herausragenden Publikationen auf dem Gebiet der antiken Medizin geehrt. Wir freuen uns sehr, Herr Professor van der Eijk, dass Sie den Weg hier nach Trier entlang der schönen Mosel gefunden haben – wahrscheinlich nicht zu Fuß, obwohl es einen Ausonius- Wanderweg über Bingen am Rhein nach Trier gibt, der 50 gallische Leugen misst, jedoch durch zahlreiche Weinproben versüßt werden kann.

Der Ausonius-Preis hat auch die Funktion, das Gespräch zwischen alten und neuen Zeiten, alten und neuen Sprachen zu beleben und die altertumswissen- schaftlichen Fächer einem größeren Publikum näher zu bringen. Wie ein sol- ches Gespräch aussehen könnte, das illustriert meines Erachtens Goethes be- rühmter Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre. Die ersten Zeilen des Lehrbriefes, den der Protagonist Wilhelm in der Turm-Gesellschaft in Emp- fang nimmt und der ihn mit diätetischen Lebensregeln versieht, notiert Goethe auf der Rückseite eines Blattes, auf dem er sich Notizen über Hippokrates gemacht hatte. Alte und neue Zeit sind – so verdeutlicht dieser Produktions- beziehungsweise Rezeptionsprozess – wie Vorder- und Rückseite eines einzi- gen Blattes und bilden gemeinsam einen Text, oder auch ein Gespräch, weben „in wechselnden Worten die Rede“, um aus einer anderen metrischen Über- setzung der Mosella zu zitieren. So geht bei Goethe das geflügelte Wort „Die Kunst ist lang, das Leben kurz“, mit dem der Lehrbrief eröffnet, auf den anti- ken Arzt Hippokrates zurück und regt dazu an, sich mit dem reichen Wissen der Vergangenheit zu beschäftigen. Das werden wir während der heutigen Ver- leihung des Ausonius-Preises tun, denn Herr Prof. Dr. van der Eijk wird einen Vortrag zu psychosomatischen Konzepten in der Antike halten.

Meine Damen und Herren, ich übergebe das Wort damit an Herrn Professor Dr. Wöhrle, der Ihnen den Preisträger in einer Laudatio vorstellen wird, und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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Laudatio auf Prof. Dr. Philip van der Eijk Universität Newcastle upon Tyne anlässlich der Verleihung des 9. Ausonius-Preises der Universität Trier

Prof. Dr. Georg Wöhrle

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und jedenfalls bis in die zweite Hälf- te des 20. Jahrhunderts hinein hatte die Erforschung der antiken Medizin ganz wesentlich auf der Basis ihrer schriftlichen Quellen eine herausragende Be- deutung in Deutschland. Natürlich, das waren Zeiten, in denen ein für Schü- ler bestimmtes griechisches Lesebuch von Ulrich von Wilamowitz-Moellen- dorf noch selbstverständlich Texte von Hippokrates und von Diokles von Karystos aufnahm – zwei Autoren, von denen gleich noch die Rede sein wird. Jedenfalls haben namhafte Gelehrte, nicht nur, aber eben in besonderem Maße aus Deutschland die Erforschung der antiken medizinischen Autoren auf ein bis heute gültiges, solides Fundament gestellt. Max Wellmann, Karl Deich- gräber und Hermann Diels seien hier nur stellvertretend genannt, und vor al- lem sei natürlich darauf verwiesen, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Initiative des Mitglieds der Königlich-Preußischen Akademie der Wissen- schaften, Hermann Diels, mit Unterstützung des dänischen Gelehrten Johan Ludvig Heiberg, die Textsammlung der antiken Ärzte begründet wurde: Die Corpora medicorum graecorum und latinorum als textkritische Editionen (und später auch Übersetzungen) aller griechischen und lateinischen medizinischen Autoren vom 5. Jahrhundert vor Christus bis zum Ausgang der Antike als wis- senschafts- und kulturgeschichtliche Quellen sowie als Zeugnisse der grie- chischen und römischen Literatur. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlagerte sich allerdings mit zunehmender Beschleunigung diese wissen- schaftliche Erforschung in die romanisch- und englischsprachige Welt. Es gibt immer noch das internationalisierte CMG oder CML, aber nur noch wenige

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deutschsprachige Klassische Philologen beschäftigen sich in ihrem For- schungsschwerpunkt mit der antiken Medizin. Als besonders bedauerliches, diese Entwicklung förderndes Faktum kommt hinzu, dass vakante, traditi- onsreiche Professuren und Lehrstühle für die Geschichte der Medizin an deut- schen Universitäten heute eher mit einem Fachmann, einer Fachfrau, für Ethik der Medizin wiederbesetzt werden. Verständlich wohl angesichts der ethischen Problematik, die die Möglichkeiten moderner Medizin aufwerfen können. Be- dauerlich jedoch angesichts der Tatsache, dass gerade auf diesen Professuren die Erforschung der antiken Medizin einen oft besonders hohen Stellenwert hatte. Und überhaupt: Lässt sich Ethik ohne historische Tiefendimension ver- mitteln?

Freilich, Wissenschaft ist international, und so ist es selbstverständlich ganz und gar erfreulich, wenn eine hier bedauerlicher Weise abgebrochene Tradition dort mit gleicher Begeisterung und Leistung weitergeführt wird. Zum Beispiel in Newcastle upon Tyne, wo Herr van der Eijk als Professor für Gräzistik wirkt und sich mittlerweile einen Namen als einer der führenden Fachleute auf dem Gebiet der antiken Medizin erworben hat. Dabei ist die antike Medizin nicht sein einziges Forschungsgebiet. Doch lassen Sie mich kurz seinen akademi- schen Lebenslauf Revue passieren:

Geboren wurde Philip van der Eijk 1962 im niederländischen Delft. Nach dem Studium der Klassischen Philologie in Leiden wurde er dort auch 1991 mit ei- ner Arbeit zu Aristoteles’ Traumtheorie promoviert. Nach mehreren For- schungsstipendien – besonders hervorzuheben ein mehrjähriges durch den renommierten Wellcome Trust – wurde er 1998 zum Professor an der Uni- versität Newcastle ernannt. Seit 2005 ist er dort Research Professor of Greek. Für den Herbst diesen Jahres ist er als Mitglied des Institute for Advanced Study in Princeton berufen.

Die Literaturliste von Prof. van der Eijk ist umfangreich, zum Glück, wie ich meine, nicht zu umfangreich, und umfasst doch zahlreiche, in mehreren eu- ropäischen Sprachen verfasste Monographien und Aufsätze zur Medizin der Antike, aber auch – und das ist das zweite bedeutende Forschungsgebiet van der Eijks – zur antiken, vor allem aristotelischen Philosophie. Dass in dieser Liste auch einige Beiträge zu Georg Trakl, Gottfried Benn, Hugo von Hof- mannsthal und Rainer Maria Rilke auftauchen, deutet den weiten Interes- senshorizont des Autors an.

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Die beiden Hauptforschungsgebiete, Medizin und Philosophie, überschnei- den und verzahnen sich dabei immer wieder in van der Eijks Beiträgen, ganz so, wie das auch in der Antike üblich war, wo viele Philosophen sich zu me- dizinischen Fragestellungen geäußert und Mediziner ihre Theorien auf philo- sophischen Systemen begründet haben. Das gilt insbesondere für Aristoteles, der immer wieder medizinische Sachverhalte und Probleme berührt, so auch in seinen Abhandlungen Über Träume und Über die Weissagung im Schlaf, die beide von Herrn van der Eijk in einer mustergültigen, kommentierten Über- setzung in der von Hellmut Flashar betreuten Reihe Aristoteles. Werke in deut- scher Übersetzung im Berliner Akademie Verlag 1994 herausgegeben wur- den. Wer sich einmal mit Aristoteles in der Originalsprache befasst hat, weiß um die Schwierigkeiten einer Übersetzung, und die Bewunderung steigt um so mehr, wenn man weiß, dass der Übersetzer kein Muttersprachler in der Ziel- sprache ist. „So treu wie möglich, so frei wie nötig“, dieser Balanceakt, der bei einem philosophischen Text besonders schwierig scheint, ist in der Über- setzung van der Eijks hervorragend gelungen. Zusammen mit dem minutiö- sen und kenntnisreichen Kommentar liegt uns damit die maßgebliche Ausga- be der einzigen theoretischen und systematischen Abhandlung über den Traum und die Traummantik vor, die uns aus der antiken Literatur überliefert ist. Sie ist zugleich ein bedeutsamer Beitrag zum Verständnis der aristotelischen Wahr- nehmungslehre.

Auf zahlreiche weitere Beiträge zur antiken Medizin und Philosophie ist hier nicht im Einzelnen einzugehen, zu verweisen wäre besonders auf einen im Jahre 2005 erschienenen Sammelband mit elf Beiträgen von Philip van der Eijk: Medicine and Philosophy in Classical Antiquity: Doctors and Philoso- phers on Nature, Soul, Health and Disease, in dessen Titel schon die bereits erwähnte Interferenz der beiden Bereiche Philosophie und Medizin zum Tra- gen kommt. Auch dass mittlerweile, seit 2005, eine englische Übersetzung van der Eijks zu einem Kommentar des neuplatonischen Philosophen Johannes Philoponos zu Aristoteles’Schrift Über die Seele vorliegt, kann hier ebenfalls nur dankbar vermerkt werden. Dass Herr van der Eijk insbesondere die kul- turelle Einbindung der antiken Medizin im Blick hat, belegt etwa ein bereits 1995 von ihm gemeinsam mit zwei Kollegen herausgegebener Sammelband mit dem Titel Ancient Medicine in its Socio-Cultural Context. Bei allen Ar- beiten zur antiken Medizin ist überhaupt ein wichtiger methodischer Grund- satz Herrn van der Eijks hervorzuheben. Es besteht nämlich bei der Beschäf-

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tigung mit diesen Texten leicht die Gefahr, sie zu sehr in gewissermaßen te- leologischem Sinne an heute Erreichtem zu messen. Dann belächelt man ent- weder den eingeschränkten, zuweilen naiv anmutenden Kenntnisstand oder staunt über das, was bereits gewusst, gleichsam heutigem Wissen vorwegge- nommen wurde. Van der Eijks Ansatz hingegen ist grundsätzlich dem Bemü- hen verpflichtet, die medizinischen Vorstellungen, Konzepte und Praktiken zunächst als Produkte der Kultur einer bestimmten Zeit, an einem bestimm- ten Ort zu verstehen und ihnen auf diese Weise gerecht zu werden. Unbedingt noch besonders hervorgehoben werden muss jetzt das im Augenblick wirkli- che opus magnum van der Eijks: seine 2000/2001 erschienene, übersetzte und kommentierte zweibändige Edition der Fragmente des Diokles von Karystos. Dieser Diokles, der im vierten Jahrhundert v. Chr. lebte und als ein zweiter Hippokrates galt, hat über alle möglichen Bereiche der Medizin von der Ana- tomie über die Gynäkologie bis zur Pathologie geschrieben. Diese Werke sind leider nur noch in Bruchstücken erhalten, darunter ein längeres über die rich- tige Lebensführung eines gesunden Menschen. Darin stehen so interessante Dinge, wie, dass man nach dem Essen keine weiten und schnellen Spazier- gänge unternehmen solle und dass es besser sei, mit vollem Magen auf der Seite zu schlafen als auf dem Rücken. Wilamowitz hat diesen Text in seinem bereits erwähnten Lesebuch abgedruckt. Eine grundlegende Sammlung der Fragmente hatte der ebenfalls bereits erwähnte Max Wellmann Anfang des 20. Jahrhunderts unternommen, und es sind so ziemlich genau hundert Jahre vergangen, bis van der Eijk nun die wahrscheinlich oder zumindest für auch einhundert Jahre endgültige kommentierte und übersetzte Sammlung der Fragmente des Diokles zusammengestellt hat. Gerade der Kommentar er- schließt diese nicht nur medizinhistorisch, sondern auch philosophisch und allgemein kulturgeschichtlich so bedeutsamen Texte. Eine wahre, fast tau- sendseitige Kärrnerarbeit also, angesichts deren ein Rezensent schon meinte, fürchten zu müssen, dass der Autor an Zwangsvorstellungen leiden könnte. Es ist leicht zu sehen, dass dies nicht der Fall ist.

Meine Damen und Herren, die Texte der antiken Medizin bieten zweifellos ei- nen faszinierenden Einblick in die antike Kultur; sie geben Auskunft darüber, wie die Menschen dieser Zeit mit Leben und Sterben umgegangen sind. Da- rüber hinaus bildet die antike Medizin bis heute die Basis der nicht nur abend- ländischen Medizin. In Begriffen wie „Symptom“, „Diagnose“, „Prognose“ und „Therapie“ klingt dies wenigstens noch an. Vielleicht am bedeutendsten

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ist aber der ethische Beitrag der antiken, hippokratischen Medizin, der sich nicht nur im sogenannten Hippokratischen Eid materialisiert. In der medizi- nischen Ethik der Antike wurde zum ersten Mal, darauf hat der Münchner Grä- zist Hellmut Flashar anlässlich der Verleihung des ersten Ausonius-Preises vor einigen Jahren hingewiesen, der Gedanke der gegenseitigen Verantwortung als Maxime formuliert, nämlich, wie es in der hippokratischen Epidemien- schrift heißt, „zu nützen oder wenigstens nicht zu schaden“ (o - phelein e blaptein – [primum] nil nocere). Ein weiterer Schritt von ethischem Gewicht ist die programmatisch formulierte und vielfach auch praktizierte Hinwen- dung zum Menschen ohne Unterschied in Geschlecht, Stand und Herkunft. Schließlich steht im Blick der antiken Medizin immer der erkrankte Mensch als Persönlichkeit in seinem sozialen und kulturellen Kontext und nicht nur eine spezifische Erkrankung oder ein bloßes Symptom. Von einer solchen Sichtweise scheint sich die moderne Medizin allerdings eher zu entfernen. Es lohnt also jedenfalls, sich mit dem Erbe auch der antiken Medizin zu be- schäftigen. Prof. Philip van der Eijk hat sich um deren Erforschung verdient gemacht, und es gebührt ihm daher zu Recht der Ausonius-Preis!

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Prof. Dr. Philip van der Eijk

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9. Ausonius-Preis-Verleihung 2006

Festvortrag von Prof. Dr. Philip J. van der Eijk

Körper, Seele, Geist

Ansichten über psychosomatische Wechselwirkung im griechischen, philosophischen und medizinischen Denken

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zuerst möchte ich der Universität Trier und ihrem Fachbereich für Sprach- und Literaturwissenschaften ganz herzlich dafür danken, dass Sie mir den Aus- onius-Preis verliehen haben. Ich empfinde es als eine große Ehre, mich von Ihrer Universität in dieser Weise anerkannt und geschätzt zu wissen und ich danke Frau Dekanin Prof. Dr. Schössler und Herrn Prof. Dr. Wöhrle für die schönen Worte, die Sie gesprochen haben. Trier und seine Universität waren mir bereits von früheren Beziehungen und Besuchen bekannt, bevor ich die Mosella des Ausonius gelesen hatte, und ich konnte mir daher bei der Lektü- re einiges vorstellen. Da ich mich aber in meiner Forschung vorwiegend mit der antiken Medizin beschäftige, habe ich mich besonders darüber gefreut, dass Ausonius auch einige witzige Epigramme über antike Ärzte geschrieben hat, die ein weniger schmeichelndes Bild der antiken Medizin geben, als es die intellektuellen Texte des Hippokrates oder Galens vermuten lassen. Eines dieser Epigramme (Epigr. 71), gerichtet an einen Arzt namens Eunomius, lau- tet folgendermassen:

Eunomus hatte einmal vorausgesagt, dass Gaius an einer Krankheit sterben würde (languentem Gaium moriturum dixerat olim / Eunomus). Und in der Tat verschied er, aber durch die Arbeit des Schicksals, nicht des Arztes (eva- sit fati ope, non medici). Einige Zeit später sah der Arzt den Gaius – oder zu- mindest er glaubte ihn zu sehen – bleich und ganz mit dem Ansehen des To- des (paulo post ipsum videt, aut vidisse putavit / pallentem et multa mortis in effigie). „Wer sind Sie?“, fragte er. „Gaius“, antwortete er. „Leben Sie?“ Er aber verneinte dies. „Und was machen Sie hier denn?“, fragte der Arzt. „Ich bin hier, weil Dis (der Gott der Unterwelt) mich hierher gesandt hat, um ihm Ärzte zu holen – weil ich noch Kenntnisse der Welt und der Menschen habe“. Eunomus erstarrte. Dann sagte Gaius: „Fürchte dich nicht, Eunomus, Denn ich sage, wie es ja alle gesagt haben, dass keiner, der weise ist, dich einen Arzt nennen würde.“ (nullum qui saperet dicere te medicum).

Wenden wir uns aber jetzt den wirklichen Ärzten der Antike zu und sehen wir, was sie über das Thema Geist-Körper zu sagen hatten.

Einleitung

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Das Verhältnis zwischen Geist und Körper, beziehungsweise Seele und Kör- per, ist immer eine der faszinierendsten Fragen in der Geschichte der Erfah- rung des abendländischen Menschen und dessen Selbstreflexion gewesen. Und diese Faszination hält bis zum heutigen Tage an. Denn trotz aller technologi- schen Fortschritte, die es in der Medizin, in der Gehirnphysiologie, in Berei- chen wie „genetics“ und „neuroscience“ gegeben hat, haben wir von der Wei- se, in der Geist und Körper, Psyche und Soma, das Psychologische und das Physiologische sich zueinander verhalten und aufeinander einwirken, immer noch ein sehr beschränktes Verständnis. Dass der Geist etwas völlig Unab- hängiges und Autonomes, eine separate Substanz darstelle, wie es Platon an- nahm, ist ein Gedanke, der heutzutage wohl wenig Beifall findet. Sein Ge- genpol, der Materialismus, den es auch schon in der Antike gegeben hat, hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr Popularität genossen, vor allem in den sogenannten „cognitive sciences“, er ist aber immer noch umstritten. Denn der Gedanke, dass es überhaupt keinen Geist oder keine Seele gebe und dass es sich bei all diesem lediglich um elektrochemische Vorgänge in unserem Ge- hirn handele, erscheint vielen zu reduktionistisch, vor allem weil er der per- sönlichen Erfahrung – und, wenn man Arzt oder Psychiater ist, der Erfahrung der Patienten – nicht gerecht zu werden scheint. Intuitiv neigen also manche heutzutage dazu, Geist und Körper als zwar unterschiedene, aber aufeinander bezogene und aufeinander einwirkende Aspekte eines menschlichen Indivi- duums aufzufassen – Aspekte also, keine Substanzen oder Entitäten, und zwar Aspekte, die sich gegenseitig ergänzen und materiell sogar miteinander zu- sammentreffen können, ohne aber identisch zu sein.

Diese Auffassung ist grundsätzlich die aristotelische; und sie ist eine, mit der wir uns ausführlicher auseinandersetzen werden und auch auseinandersetzen müssen. Denn obwohl sie sich, wie gesagt, intuitiv überzeugend anhört, lässt sie die genaue Art und Weise der psychosomatischen Wechselwirkung noch außer Betracht. Wir sind etwa alle dazu bereit, zu glauben, dass es zwischen Stress und Herzkrankheiten eine Beziehung gibt, aber wie genau muss man dieses Verhältnis verstehen? Ist Stress psychologisch oder physiologisch oder beides? Oder prädisponiert das eine zum anderen? Wie „übersetzen“ sich Ge- fühle und Gedanken in physische, körperliche Sachverhalte? Und umgekehrt, wie – das heißt durch welchen kausalen Mechanismus – wirken körperliche Sachverhalte wie Blutdruck auf unser geistiges und emotionales Wohlsein ein?

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Einer der Gründe, warum Fragen dieser Art so schwierig zu beantworten sind, liegt wohl darin, dass es nicht ganz klar ist, zu welcher intellektuellen Dis- ziplin sie gehören, in anderen Worten, welcher wissenschaftliche Bereich am besten dazu geeignet ist, eine Antwort zu formulieren – wenn es sich über- haupt um eine wissenschaftliche Frage handelt. Traditionell gehört dieser The- menkomplex zur Philosophie, und zwar zur sogenannten Philosophie des Geis- tes (,philosophy of mind‘); später ist er dann auch zum Gegenstand der Psy- chologie, der Gehirnphysiologie, der Psychiatrie und der Psychotherapie ge- worden – und noch später zum Gegenstand sogenannter „holistischer“ Be- trachtungsweisen zur körperlichen und spirituellen Gesundheit, die mit der wachsenden Popularität der nichtwestlichen beziehungsweise „alternativen“ Heilkunde einhergegangen sind. Aber es handelt sich nicht nur um ein wis- senschaftliches beziehungsweise medizinisches Problem: Auch Künstler und Dichter haben sich damit beschäftigt, weil es sich hier um Fragen der mensch- lichen Kreativität und Freiheit handelt; und schließlich haben auch Theologen sich dazu geäußert, denn die Frage hat auch metaphysische Aspekte, in- dem sie die menschliche Sterblichkeit beziehungsweise Unsterblichkeit be- rührt – in anderen Worten: das Wesen und die Bedeutung des menschlichen Lebens.

Mit diesen Themen sind wir im Mittelpunkt des griechischen Denkens, denn Fragen dieser Art wurden in der griechischen Philosophie, aber auch in der griechischen Medizin eingehend diskutiert. Obwohl deren Kenntnisse der Ana- tomie und Physiologie nach heutigen Maßstäben natürlich sehr beschränkt waren, sind das Bewusstsein der theoretischen Aspekte sowie die Subtilität der von den Griechen getroffenen begrifflichen Unterscheidungen nachgera- de beeindruckend. Sogar in unserer heutigen, von neuroscience, genetics und artifizieller Intelligenz geprägten Gesellschaft sind die Einsichten, die die grie- chischen Denker zu diesem Thema beigetragen haben, immer noch von Be- deutung für die Art und Weise, in der wir über unser geistiges Leben, unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle reden und denken.

Dies zeigt sich vor allem dann, wenn die Ergebnisse der heutigen naturwissen- schaftlichen Forschung nahe daran sind, Menschen zu Maschinen zu redu- zieren – zwar sehr vernünftigen Maschinen, aber trotzdem solchen ohne frei- en Willen oder moralische Verantwortlichkeit. In einem 2005 erschienenen Sammelband The New Brain Sciences: Perils and Prospects, der einen Über- blick über die neuesten Entwicklungen in der Neurowissenschaft und Neuro-

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ethik und ihre Konsequenzen für Begriffe wie menschliche Handlungsfähig- keit, Verantwortlichkeit und freien Willen bietet, heißt es in einem der Beiträge:

“Handeln wir denn überhaupt?” 1 Denn wenn der wirkliche Grund unseres Handelns immer ein physischer Vorgang ist – das heißt wenn all unsere geis- tigen Tätigkeiten letzten Endes nichts anderes sind als elektrochemische Pro- zesse in unserem Gehirn – dann sind wir überhaupt keine aktiven, handelnden und handlungsfähigen Lebewesen, sondern wie Leute, die hypnotisiert oder von einem fremden Geist besessen sind. Zwar mag die Wissenschaft behaup- ten, dass das menschliche Gehirn eine Maschine ist, die allein verantwortlich ist für all unsere Handlungen; aber sogar dann, wenn man einräumt, dass das Gehirn notwendig ist, stellt sich trotzdem die Frage, ob das Gehirn alleine für all unsere Handlungen verantwortlich ist – und ob es für all die Handlungen verantwortlich ist.

Hier stellt sich die Frage, was eigentlich unter einer Handlung zu verstehen ist. Auch mit dieser Frage sind wir bei den Griechen am richtigen Ort, vor al- lem bei Aristoteles. Denn für Aristoteles setzt praxis immer Rationalität, Über- legung, Urteil und Freiheit zur Auswahl und zur Entscheidung zwischen ver- schiedenen Handlungsszenarien voraus sowie die Fähigkeit, bei dieser Wahl entgegengesetzten Impulsen und Trieben Widerstand zu leisten – Impulsen, die aus unseren Gefühlen oder aus den weniger fassbaren Schichten unserer körperlichen Natur stammen. Handlungen sind „bei uns“, sie sind „unter un- serer Kontrolle“, so behauptet er wiederholt in seiner Nikomachischen Ethik. 2 Man könnte hier entgegnen, dies sei nur eine Frage der Definition, und Aris- toteles verbinde die Handlung zu eng mit Rationalität und daher mit Men- schen. Aristoteles würde dazu sagen, dass die Tiere zwar nicht über Vernunft, aber immerhin über ein sehr gut entwickeltes Wahrnehmungssystem sowie über Vorstellung (phantasia) und Begierde (orexis) verfügen, die ihre Bewe- gungen motivieren. 3 Aber er würde darauf insistieren, dass es von großer Wich- tigkeit sei, in welchen Termini und Definitionen wir über unsere geistigen, kognitiven und emotionalen Zustände und Erfahrungen reden und dass diese Termini und Definitionen nicht kontra-intuitiv sein, sondern irgendwie mit unserer Selbsterfahrung übereinstimmen sollen. 4 Aristoteles würde daher mei- nen, dass unsere instinktive Weigerung, zu akzeptieren, dass das, was wir er- leben, nur elektrochemische Vorgänge in unserem Gehirn sind – oder, wie er es selbst ausdrücken würde: Bewegungen des Blutes in der Umgebung unse- res Herzens – etwas über unsere Natur besagt.

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Die Fragen, mit denen wir uns befassen, sind also den philosophischen Prob- lemen, mit denen die Griechen sich auseinandersetzten, ganz ähnlich. Die Tat- sache, dass wir augenscheinlich in über zweitausend Jahren Geistes- und Wis- senschaftsgeschichte so wenig Fortschritte gemacht haben, soll uns dabei gar nicht beunruhigen: Im Gegenteil, es zeigt an, dass diese Fragen von grundle- gender Bedeutung sind für das Verständnis dessen, was der Mensch eigentlich ist und damit für die Selbstreflexion einer Gesellschaft.

Im Folgenden werden wir uns einigen Aspekten dieses Themenkomplexes zuwenden und untersuchen, was die griechischen Denker zum Verhältnis zwischen Geist und Körper zu sagen hatten. Dabei ist vom Anfang an zu be- achten, dass die Begriffe „Philosoph“, „Arzt“ oder „Wissenschaftler“ gewis- sermaßen anachronistisch und irreführend sind. Denn sie kategorisieren Den- ker, deren Interessen, Tätigkeiten und Schriften über die Grenzen von Teil- disziplinen hinausgingen. 5 Manche griechischen Ärzte wie Galen, Diokles und die Autoren der sogenannten hippokratischen Schriften kombinierten ihre praktische und klinische Erfahrung mit theoretischen Untersuchungen zu na- turphilosophischen und sogar epistemologischen Fragen, wie etwa nach dem Wesen medizinischer Erkenntnisse, der Methodologie von Diagnostik und Prognostik, dem Wesen von Ursache- und Folgeverhältnissen und der Frage, in wieweit und in welcher Weise solche Verhältnisse erkennbar sind. Umge- kehrt waren Leute, deren Namen in den Handbüchern der Philosophie ihren Platz gefunden haben, wie Empedokles, Platon, Aristoteles und die Stoiker, lebhaft an Themen interessiert, die für uns eher zum Bereich der Medizin ge- hören, wie dem Wesen der Gesundheit, den Ursachen von Krankheit, Phäno- menen wie dem Atmen, Jugend und Alter, Schlaf und Traum, Geisteskrank- heiten und Störungen wie Epilepsie und Melancholie sowie Fragen der Em- bryologie, der Zeugung, der Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit. Das grie- chische Denken, vor allem im fünften und vierten Jh. v. Chr. aber auch später, war, man kann wohl sagen per definitionem, interdisziplinär. Denker wie Galen und Aristoteles waren durchaus dazu imstande, verschiedene Rollen einzu- nehmen und sich dementsprechend über verschiedene Dinge in verschiede- nen Beschaffenheiten zu äußern: die des Ethikers, die des Naturphilosophen, die des Theologen oder des Logikers. Sie waren außerdem lebhaft daran inte- ressiert, was die ernstzunehmenden Fachleute in gewissen Bereichen zu sagen hatten. Dieses interdisziplinäre Selbstverständnis kam auch in der griechischen Medizingeschichtsschreibung und in der medizinischen und philosophischen

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Doxographie zum Ausdruck, in der sowohl Philosophen als Autoritäten zu me- dizinischen Fragen wie Ärzte als Autoritäten zu philosophischen Themen auf- geführt werden. 6

1. Die Natürlichkeit der Seele

Unser erstes Thema ist die Natürlichkeit der Seele, das heißt die Frage, inwie- weit die Seele oder der Geist zur Natur gehört und den Gesetzen der Natur- wissenschaft untergeordnet ist. Dies mag uns selbstverständlich erscheinen. Für die Griechen aber war es nicht ohne weiteres klar, wie etwa Begriffe wie Seele, Geist, Bewusstsein, Vorstellung sich in physischen Termini ausdrücken ließen. Das griechische Wort physis bedeutet ja sowohl Ursprung, Wachstum, wie auch Entwicklung nach einem festen Muster und es ist daher direkt mit Veränderung verbunden, mit dem, was in Bewegung ist und, wie es Platon aus- drücken würde, mit der Welt des Entstehens und Vergehens. Etwas Natürli- ches ist im griechischen Verständnis immer etwas Materielles, Körperliches, Veränderliches und Vergängliches. Die Frage ist aber, ob sich diese Eigen- schaften von der Seele prädizieren lassen. Denn für die Griechen war die See- le, die psyche, traditionell etwas, das aus einer anderen Welt stammte und ei- ner anderen Welt zugehörte, etwas, das ein eigenes Leben und Dasein hatte und das den Körper verlassen konnte – zeitweilig im Schlaf oder in Zuständen der Ekstase und endgültig beim Tod. Diese dualistische Auffassung wurde in religiösen Bewegungen wie dem Orphismus vertreten und hatte eine starke Anziehungskraft auf Platon (und vielleicht auch den jungen Aristoteles). 7

Andere Denker aber inkorporierten die Seele in den psychophysischen Zu- sammenhang des Körpers. Und es waren gerade die medizinischen Autoren, die hier wichtig gewesen sind. Der Verfasser der im Corpus Hippocraticum überlieferten Schrift Über die heilige Krankheit (um 425 v. Chr.) bietet eine natürliche Erklärung der Epilepsie, einer Krankheit, die traditionell der Be- sessenheit durch eine übernatürliche dämonische Macht zugeschrieben wur- de.

„Was die sogenannte heilige Krankheit betrifft“, so sagt er, „stehen die Dinge wie folgt. In keinerlei Hinsicht ist diese Krankheit göttlicher oder heiliger als die anderen, sondern sie hat eine Natur (eine physis) und eine Ursache, ge- nauso wie die anderen Krankheiten diese haben, und darin findet sie ihren Ur- sprung.“ 8

2200

Er begründet diese Behauptung mit einer ausführlichen physiologischen Aus- einandersetzung über die Ursachen der Epilepsie, einschließlich ihres Ur- sprungs im Gehirn, ihres vererbten Charakters und ihrer verschiedenartigen Erscheinungsformen. Es ist auffällig, dass der Verfasser niemals das Wort „Seele“ (psyche) benutzt. Er lokalisiert alle geistigen Vorgänge (Denken, Ge- fühle, Wahrnehmung, Bewegungsimpulse) im Gehirn. Seine Bemühungen sind vor dem Hintergrund des griechischen Strebens zu verstehen, natürliche Erklärungen zu finden für Phänomene, die traditionell auf das Eingreifen gött- licher Mächte zurückgeführt wurden, wie Erdbeben, Sonnen- und Mondfins- ternisse, aber auch Geisteskrankheiten, Besessenheit, Melancholie und Epi- lepsie. 9 Die Griechen fragten nach der physis, der Natur der Dinge; und dem- gemäß wandten die griechischen medizinischen Autoren diese Frage auf die Natur des Menschen an: Was ist der Mensch, woraus ist er konstituiert, wie funktioniert er? Und was ist die Natur des menschlichen Versagens, der menschlichen Schwäche, der Krankheit – körperlich wie geistig?

Ein anderer medizinischer Autor der nächsten Generation, der Verfasser der ebenfalls im hippokratischen Corpus überlieferten Schrift Über die Lebens- weise (De victu, wohl um 390 v. Chr.), geht in seiner Darstellung vom Ver- hältnis zwischen Körper und Seele noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach ist die Seele ganz und gar materiell: Sie bestehe aus den zwei Grundele- menten Feuer und Wasser, die der Existenz und Natur des ganzen Kosmos zu- grunde lägen, und zwar in einem besonderen Verhältnis dieser Elemente. Aber dieses Verhältnis zwischen Feuer und Wasser könne in allerlei Hinsichten va- riieren, und diese Variationen äußerten sich in verschiedenen Charakteren (wir würden sagen: Persönlichkeiten) sowie in Unterschieden in geistigen intel- lektuellen Leistungen, in verschiedenen Gradationen von Intelligenz, Wahr- nehmungsschärfe, Erinnerungsschnelligkeit und Qualität des Gedächtnisses. Große Schwankungen brächten sogar schwere geistige Störungen, Wahnsinn und Depressionen mit sich. Nach diesem Autor ist also dasjenige, was der Gesundheit oder Krankheit zugrunde liegt, sowohl geistig wie körperlich, das Verhältnis zwischen den Elementen Feuer und Wasser. Wir begegnen hier dem Begriff der krasis, lateinisch temperamentum, „Mischverhältnis“ oder „Gleich- gewicht“ – einem Begriff, der eine lange Geschichte in der Medizin und phy- siologischen Psychologie haben sollte. 10 Auffällig ist hier die Auffassung des Verfassers, dass, weil das ganze geistige Leben in körperlichen Zuständen und Vorgängen bestehe, es auch möglich sei, es durch körperliche Faktoren zu be-

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einflussen – etwa durch Essen und Trinken, durch eine besondere Lebens- weise, durch Arzneimittel. 11

Wir begegnen hier dem Bereich der griechischen Diätetik, einem umfassen- den System von Lebensregeln, die sich auf Essen, Trinken, Schlafen und Wa- chen, Körperübungen, Hygiene, Arbeitsrhythmus, Arbeitsgewohnheiten und Geschlechtsverkehr beziehen. 12 Neben dem Verfasser von De victu muss hier besonders Diokles von Karystos hervorgehoben werden, einer der wichtigs- ten Vertreter der griechischen Diätetik. 13 Sie erhob den Anspruch, nicht nur Krankheiten heilen, sondern sie auch verhindern, die Gesundheit verbessern und zur Erhöhung der Lebensqualität Wichtiges beitragen zu können. Der Ver- fasser von De victu ist ausdrücklich stolz auf seine Entdeckung einer Diät, die den Gesundheitszustand sichert und bessert sowie als korrektiv angewandt werden kann, wenn eine gewisse Lebensführung außer Kontrolle zu geraten droht. 14 Insbesondere seine These, dass man mittels einer gewissen Lebeweise sogar die geistigen Leistungen fördern kann, wurde von späteren griechischen Ärzten begrüßt und weiter entwickelt. Vor allem Galen muss hier genannt wer- den, der eine ganze Abhandlung der These widmete, dass die Vermögen der Seele den „Mischungen“ des Körpers folgten, das heißt davon abhängig seien. 15 Hier begegnet wieder der Begriff der krasis.

Diese medizinischen Theorien hatten auch eine starke Anziehungskraft auf Aristoteles. Denn Aristoteles war nicht nur Schüler Platons, sondern auch Sohn eines makedonischen Hofarztes und er war, wie gesagt, lebhaft an medizini- schen Fragen interessiert und an dem, was „die geistig hochstehenden Ärzte“ zum Thema „Natur“ zu sagen hatten. 16 Er war Biologe, der das Leben in all seinen Formen und Gradationen untersuchte und versuchte, es mittels einer umfassenden Theorie zu verstehen. Das wohl wichtigste Merkmal der aristo- telischen Auffassung von Geist und Seele ist, dass Seele und Körper keine unabhängigen und selbständigen Entitäten sind, sondern zwei gegenseitig auf- einander bezogene Aspekte desselben Lebewesens – die Form und die Materie. 17 Aus diesem Grund meint Aristoteles, dass die wissenschaftliche Analyse aller Aktivitäten eines Lebewesens – insofern es ein Lebewesen ist – sowohl den formalen wie den materiellen Aspekt berücksichtigen müsse. Es ist hier wieder von Aspekten die Rede, weil es sich nicht um spaziell und phy- sikalisch trennbare Teile handelt: man kann sie nur konzeptuell voneinander unterscheiden, in Wirklichkeit aber stellen sie eine untrennbare Einheit dar.

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Diesem Ausgangspunkt gemäß entwickelt Aristoteles eine Theorie von Erre- gungen wie dem Zorn, den er in zweifacher Weise definiert: zum einen als einen Zustand der Erhitzung des um das Herz befindlichen Blutes, zum ande- ren als ein Sehnen nach Vergeltung. 18 Diese zwei Definitionen stellen zwei verschiedene aber komplementäre Beschreibungen desselben Zustandes dar, wobei die erste den körperlichen Aspekt, die letztere den geistigen oder for- malen Aspekt zum Gegenstand hat. Nach Aristoteles sollen alle seelischen Vorgänge in dieser Weise aufgefasst werden, ebenso wie, auf einem allge- meineren Niveau, Geist und Körper zwei verschiedene, aber untrennbare As- pekte eines und desselben Lebewesens sind. Aristoteles geht hier also einen Mittelweg zwischen dem platonischen Idealismus, der bestreitet, dass geisti- ge Vorgänge überhaupt irgendeinen körperlichen Aspekt haben, und dem Ma- terialismus, der alle geistigen Vorgänge auf physische Sachverhalte reduziert.

Die Seele ist nach Aristoteles die Form, die Struktur und dasjenige, was den Körper gestaltet und belebt. Die Seele ist sozusagen ein System von Fähig- keiten beziehungsweise Funktionen, die in die Materialität des Körpers ein- gebettet sind – und zu diesen Fähigkeiten gehören nicht nur kognitive und emotionale Vorgänge, sondern auch Funktionen, die wir eher als biologisch betrachten würden, wie die Ernährung, die Bewegung und die Zeugung. Ih- retwegen muss die Materie dazu geeignet sein, die Einbettung und Ausübung dieser Funktion zu ermöglichen. Die Seele ist ja nicht nur die Form, sondern auch das Telos, das Ziel, worauf die körperliche Beschaffenheit abzielt. 19

Aus diesem Überblick über die Auffassung der Seele als ein System von Fä- higkeiten könnte man leicht den Eindruck bekommen, dass es in Aristoteles’ System für Begriffe wie Bewusstsein oder subjektives Erleben wenig Raum gibt. Und in der Tat benutzt Aristoteles in diesem Zusammenhang die Meta- pher der musikalischen Stimmung, wobei er den Vorgang der Sinneswahr- nehmung damit vergleicht, wie die Saiten einer Leier je ihren eigenen Klang hervorbringen, wenn sie vom jeweiligen Sinnesgegenstand gereizt werden, oder damit, wie eine brennbare Substanz entbrennt, wenn sie von einem äu- ßeren Stimulus bewegt wird. 20 Diese Art Vergleiche erwecken den Eindruck, dass das Sinnesorgan eines gewissen Geeignetseins zur Ausübung der Fähig- keit bedarf und auf den externen Stimulus abgestimmt sein soll, so dass eine natürliche Ursache-Folge-Reaktion erfolgen kann. In diesem Zusammenhang ist der Sinnesgegenstand aber nur der äußere Katalysator, der einen bereits po- tentiell im Sinnenapparat befindlichen Sinnesinhalt aktiviert.

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Aber dieses fast behavioristisch anmutende Bild ist nur eine Seite der Ge- schichte. Denn Aristoteles bemüht sich gleichzeitig darum, seine eigene Po- sition von der Harmoniatheorie der Pythagoreer zu unterscheiden, nach der die Seele mit eben dieser „Stimmung“ des Körpers identisch war. 21 Aristote- les reduziert die seelischen Vorgänge nicht auf komplizierte Prozesse, die sich im Körper abspielen. Es gibt in seiner Theorie Raum für Bewusstsein, Indivi- dualität, Subjektivität und Persönlichkeit. 22 Dies wird klar, wenn wir zu sei- ner Theorie der Vorstellung kommen (der phantasia), das heißt der Fähigkeit, die Sinnesinhalte in Gedanken übersetzt, der praktischen Vernunft (der phronesis), die überlegt und Entscheidungen trifft, und vor allem des theore- tischen Geistes (des nous), des höchsten geistigen Vermögens. Dieser nous ist etwas sui generis, etwas spezielles und, man darf wohl sagen, Geheimnis- volles; er ist wie ein „ghost in the machine“. Aristoteles nennt ihn manchmal „göttlich“, oder „das Göttliche in uns“; 23 er ist der einzige Teil der Seele, der einen gewissen Anspruch auf Trennbarkeit und Unsterblichkeit erheben kann. Nicht jeder Mensch hat nous: Sklaven zum Beispiel verfügen nicht über nous, und man bekommt ihn erst später im Leben; kleine Kinder haben ihn noch nicht, er kommt später und „von außen her“, wie es an einer dunklen Stelle in der Schrift über die Zeugung der Lebewesen heißt. 24 Schließlich hat der nous kein Organ: er befindet sich weder im Gehirn, noch im Herzen, er ist in gewissem Sinn überall und nirgends.

2. Lokalisierung

Mit diesen Ausführungen sind wir zu unserem zweiten Thema gelangt, näm- lich der Frage nach der Lokalisierung geistiger Funktionen im Körper. Dies war im griechischen Denken eine umstrittene Frage. So polemisiert der be- reits erwähnte Verfasser der Schrift Über die heilige Krankheit gegen Leute, die das Herz oder das Zwerchfell (die phrenes) als Sitz der Vernunft betrach- teten und er insistiert auf der zentralen Rolle des Gehirns:

„Deshalb meine ich, dass das Gehirn die größte Kraft im Menschen hat. Denn dieses ist für uns der Dolmetscher derjenigen Dinge, die von der Luft zu uns kommen – vorausgesetzt, dass es gesund ist … Das Gehirn vermittelt die Ver- nunft. Das Zwerchfell aber hat seinen Namen zu Unrecht, es hat ihn durch Zu- fall und Gewohnheit erhalten, nicht aber nach der Wahrheit. … Einige be-

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haupten, dass wir uns mit dem Herzen der Dinge bewusst seien und dass die- ses es sei, was uns Schmerz und Kummer besorge. Das ist aber nicht so.“ 25

Das Gehirn ist seines Erachtens der „Dolmetscher“ (hermêneus) dessen, was von außen her zu uns kommt (das heißt der eingeatmeten Luft), und er über- setzt dies in Intelligenz und in kognitive sowie motorische Urteile und Entscheidungen. Vom Gehirn her werden diese Entscheidungen dem Körper mitgeteilt; dazu bedarf es reiner, sauberer Kanäle, durch die die Informatio- nen vermittelt werden können. Wenn diese Kanäle aber durch irgendwelche Umstände verdorben sind – etwa durch Schleim blockiert – oder wenn das Gehirn selbst nicht „rein“ ist, hat der ganze Körper zu leiden, wie es offensicht- lich bei der Epilepsie der Fall ist.

Im Gegensatz hierzu behaupteten Aristoteles – aber auch Diokles und Praxa- goras sowie die Stoiker – dass es eher das Herz sei, das die zentrale kognitive Instanz in sich habe. 26 Das Herz ist nach Aristoteles das Organ, das zentral im Körper lokalisiert ist, und das als erstes während der embryonalen Entwick- lung geformt wird. Es ist die Quelle der natürlichen körperlichen Wärme (des symphyton thermon) und daher als erstes für die Ernährungsfunktion der See- le verantwortlich. Es ist auch der Sitz der Gefühle und der Wahrnehmungen, denn es enthält das sogenannte zentrale Sinnesorgan (das kyrion aisthêtêrion), eine Art koordinierendes Zentrum, das die Informationen, die von den Ein- zelsinnen (die in den peripheren Sinnesorganen lokalisiert sind) her durch das Blut zum Herzen vermittelt werden, koordiniert, ihrer Richtigkeit und Be- deutung nach beurteilt, Entscheidungen trifft und diese an andere Teile des Körpers (etwa die Glieder) mitteilt und somit Handlung und Bewegung mo- tiviert. Das Gehirn hat nach Aristoteles keine kognitive Bedeutung: es sei nur da als eine Art Kühlschrank, der ein Gleichgewicht zur vom Herzen hervor- gebrachten Wärme darstellen solle und eine kühlende Wirkung auf die Ver- dauung von Nahrung ausübe. 27

Wir haben hier ein „snapshot“ einer Kontroverse, die ein langes Nachleben haben sollte – einer Debatte zwischen Ärzten, Philosophen, Naturwissen- schaftlern, Psychotherapeuten und auch Dichtern und anderen Intellektuellen – der Debatte über den Sitz der Vernunft (des regierenden Seelenteils). 28 In der Geschichte der Medizin wurden mehrere Körperteile als Sitz vorgeschlagen und mit verschiedenartigen Argumenten verteidigt, aber die Debatte wurde nicht vor dem Ende des 19. Jh. endgültig geklärt. 29

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Was das griechische Denken betrifft, war Aristoteles weder der erste noch der letzte Vertreter des sogenannten Kardiozentrismus. Die Auffassung, dass das Herz eine wichtige Rolle in der Vermittlung zwischen Seele und Körper spie- le und Sitz der seelischen Vorgänge sei, war allgemein verbreitet. Schon bei Homer werden die menschlichen Gedanken, Überlegungen, Vermutungen, aber auch Gefühle und Erregungen wie Zorn, Mut, Traurigkeit und Stolz in den oberen Teilen des Thorax, im Zwerchfell oder im Herzen lokalisiert. Und obwohl die Physiologie des Herzen und des Pulses kaum verstanden wurde, wurde die zentrale Rolle des Herzen kaum in Frage gestellt.

Dagegen scheint der Enkephalozentrismus eher dem Gedankengut einer wis- senschaftlichen Elite angehört zu haben. Und während die diesbezüglichen Auffassungen des hippokratischen Autors der Schrift Über die heilige Krank- heit – und auch Platons im Timaios – vorwiegend auf Spekulation beruhten, gab es im 3. Jh. v. Chr. wichtige Versuche zur empirischen und sogar experi- mentellen Aufklärung dieser Frage. Denn im hellenistischen Alexandrien sezierten die griechischen Ärzte Herophilos und Erasistratos menschliche Kör- per und entdeckten so das System der Nerven und die kognitive Rolle des Ge- hirns. 30 Ihre Entdeckungen wurden von Galen weiter entwickelt, der in einer Reihe von öffentlichen anatomischen Experimenten an Tieren nachzuweisen versuchte, dass das Gehirn der Ursprung der Nerven und das Zentrum von Wahrnehmung, Gefühl, Bewusstsein, Sprache und Intelligenz sei, um somit – in polemischer Auseinandersetzung mit Aristoteles und den Stoikern – dem Herzen jede kognitive Bedeutung zu nehmen. 31

Gleichwohl reichten Galens Experimente nicht aus, um die Aristoteliker und die Stoiker zu überzeugen. Diese betonten die empirisch offensichtliche Rol- le des Herzen in starken Gefühlen und Erregungen; und die Stoiker wiesen da- rauf hin, dass auch Erregungen einen kognitiven Aspekt hätten, ebenso wie Gedanken und Urteile öfters von Gefühlen von Lust oder Schmerz begleitet würden – eine Ansicht, die ganz modern anmutet.

Zur Erklärung solcher Zusammenhänge benutzte die griechische Medizin zwei charakteristisch spekulative Begriffe: das pneuma, eine dünne, delikate, luft- artige Substanz, die sich im Körper befindet und die – so behauptet etwa Diokles – zwischen dem Gehirn und dem Herzen vermittelt und somit eine Verbindung zwischen Gedanken und Gefühlen ermöglicht, geistige Entschei- dungen in körperliche Bewegungen übersetzt und umgekehrt; 32 und zweitens, den Begriff der sympatheia, der zur Erklärung der Tatsache benutzt wurde,

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dass man mehrmals in verschiedenen Teilen des Körpers etwas fühlt, das of- fensichtlich denselben geistigen Grund hat – einen Begriff also, der zur Erklärung von psychosomatischen Verbindungen, die sich der empirischen Verifizierung entziehen, sehr nützlich war. 33

Für uns heutzutage hören sich Begriffe wie pneuma und sympatheia wohl alt- modisch an. Die griechische Vorliebe für das Herz als wesentlichen Faktor in unserem emotionalen Leben scheint aber tief in unserer Kultur verwurzelt zu sein. Offenbar ist es noch immer der Fall, dass wir Entscheidungen ebenso- sehr mit unserm Herzen wie mit unserem Kopf treffen.

3. Genie und Krankheit

Bisher haben wir vorwiegend über gesunde Seelen oder zumindest Gradatio- nen von Gesundheit gesprochen. Die griechischen Ärzte waren aber der Mei- nung, dass Gesundheit und Krankheit relative Begriffe seien und dass die Ge- sundheit eines Teiles des Körpers (beziehungsweise der Seele) manchmal mit der Krankheit eines anderen Teiles zusammenhängen könne – also eine Art umgekehrte Sympathie. Dies brachte den paradoxen Gedanken mit sich, dass eine gewisse körperliche Schwäche beziehungsweise Krankheit eine positive Wirkung auf die geistigen Fähigkeiten ausüben könne – das heißt, dass ge- wisse hervorragende geistige Leistungen die Krankheit eines körperlichen Teils voraussetzten. Als Beispiele dieser besonderen geistigen Leistungen wer- den in den griechischen Texten schöpferische Aktivitäten in den Bereichen der Dichtung, der Kunst, der Politik, der militärischen Strategie und sogar auch der Philosophie genannt. Dieser Gedanke wurde zum ersten Mal in einem be- rühmten Kapitel der aristotelischen Problemata physica zum Ausdruck ge- bracht: 34

„Warum erweisen sich alle außergewöhnlichen Männer in Philosophie oder Politik oder Dichtung oder in den Künsten als Melancholiker; und zwar ein Teil von ihnen so stark, dass sie sogar von krankhaften Erscheinungen, die von der schwarzen Galle ausgehen, ergriffen werden, wie man zum Beispiel be- richtet, was unter den Heroen dem Herakles widerfuhr?“ 35

Diese These war eine Variation des Themas „Genie und Wahnsinn“ – des Ge- dankens, dass Genie und Wahnsinn einander ganz nahe seien und dass das eine

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sehr leicht ins andere übergehe. Diese Ansicht findet man schon bei Demokrit und Platon in ihren Auseinandersetzungen mit der religiösen Ekstase, dem Enthusiasmus und den göttlichen Formen von Mania. Neu aber in den Problemata ist, dass für dieses subtile Verhältnis zwischen Genie und Wahn- sinn eine medizinisch-physiologische Erklärung geboten wird. In dieser Erklärung steht der Begriff der schwarzen Galle im Mittelpunkt, einer der so- genannten Körpersäfte, sowie der Begriff des Melancholikers, das heißt eines Menschentyps, dessen natürliche Konstitution – seine physis – in einem Misch- verhältnis (einer krasis, einem ‘Temperament’) besteht, das von der schwar- zen Galle bestimmt und dominiert wird. 36 Von diesen Melancholikern meinte man, dass sie derartigen besonderen Geisteszuständen gesteigerter Kreativi- tät besonders zuneigten, die öfters aber in Zustände des Wahnsinns oder der Depression übergingen und sogar zum Selbstmord führten (wie in den mythi- schen Beispielen von Aias, Bellerophontes und Herakles). Diese besondere Neigung – die auffällige Ähnlichkeiten zum von der heutigen Psychiatrie an- erkannten Krankheitsbild der bipolären Persönlichkeitsstörung aufweist 37 wurde also physiologisch mit Hinweis auf die schwarze Galle, das Mischver- hältnis zwischen Wärme und Kälte innerhalb der schwarzen Galle und die Wir- kung des pneumas erklärt. Ebenso wie in der hippokratischen Schrift De victu ist es diese Variabilität des Mischverhältnisses, die für die geistige Labilität des Melancholikers verantwortlich gemacht wird: Nur dann, wenn das Ver- hältnis zwischen Wärme und Kälte in der schwarzen Galle genau richtig ist, gelangen die Melancholiker zu ihren außerordentlichen Leistungen:

„Diejenigen aber, bei denen die schwarze Galle hinsichtlich ihrer allzu großen Wärme auf das Mittelmaß gemildert ist, sind zwar noch Melancholiker, aber ver- nünftiger und weniger abnorm. In vielen Dingen überragen sie die anderen, die einen durch ihre Bildung, die anderen durch künstlerisches Können, andere durch politische Wirksamkeit … Da es möglich ist, dass die Ungleichmäßigkeit gut ge- mischt sein und sich in gewisser Weise richtig verhalten kann, und, wo es nötig ist, unser Zustand wärmer und wieder kalt ist und umgekehrt, weil er bestimm- te Eigenschaften in Übermaß besitzt, deshalb sind alle Melancholiker außerge- wöhnlich, nicht infolge von Krankheit, sondern infolge ihrer Naturanlage.“ 38

Die Implikation (die im Text der Problemata nicht ausgesprochen wird) ist, dass die Diätetik dazu imstande sei, dies durch ärztliche Maßnahmen zu ma- nipulieren. Wie gesagt wurde dieser Anspruch später tatsächlich von Galen in seiner Schrift Die Fähigkeiten der Seele folgen dem Mischverhältnis des Kör-

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pers erhoben: Man kann seine Intelligenz und seine kreativen Leistungen durch körperliche Maßnahmen fördern. Wir haben hier also ein weiteres Beispiel der „Naturalisierung“ eines Phänomens, das früher der göttlichen Inspiration zu- geschrieben wurde – einen Versuch, die genialen Leistungen des Menschen mit seiner Physiologie in Verbindung zu bringen. Es ist dies ein Gedanke, der von großem Einfluss auf die Geistesgeschichte im Abendland gewesen ist 39 und bei Autoren wie Ficino, Goethe, Rimbaud, Baudelaire, Thomas Mann und Gottfried Benn nachgewirkt hat.

4. Heilkunde des Körpers, Heilkunde der Seele

Diese Naturalisierung der menschlichen intellektuellen Leistung bringt aber die Gefahren des Materialismus, Reduktionismus und sogar Determinismus mit sich. Ist die menschliche aretê wirklich eine Sache des Temperamentes, der krasis, der Konstitution – oder, modern ausgedrückt: liegt es alles schon in unseren Genen? Die Griechen waren sich dieser Implikationen durchaus bewusst, und manche von ihnen bemühten sich, sie zu vermeiden. Unser letz- tes Beispiel betrifft eben einen solchen Denker – Johannes Philoponos, den christlichen Neuplatoniker des 6. Jh. n. Chr. aus Alexandrien, der Kommen- tare zu den Schriften des Aristoteles verfasst hat, aber gleichzeitig auch ein starkes Interesse an Medizin und Physiologie hatte und mit den Auffassungen Galens gut vertraut war. Sein Werk stellt somit eine beeindruckende Synthese verschiedener antiker Traditionen dar. 40 In seinem Kommentar zu Aristoteles’ Schrift Über die Seele erörtert Philoponos die Behauptung des Aristoteles (403 a 16), dass alle seelischen Vorgänge eine materielle Komponente hätten – eine Behauptung, wie wir gesehen haben, die Aristoteles am Beispiel des Zorns veranschaulichte:

„Dies (das heißt die Tatsache, dass alle seelischen Vorgänge mit körperlichen Zuständen einhergehen) ergibt sich daraus, dass, wenn Leute, die ein be- stimmtes Mischverhältnis haben, von Erregungen getroffen werden, sie sich eben gemäß dem natürlichen Mischverhältnis ihres Körpers benehmen.’ 41

Philoponos erwähnt in diesem Zusammenhang auch die Melancholiker als Beispiel für diejenigen Leute, die eine besondere Prädisposition zum Zorn ha- ben. Er berücksichtigt die deterministische Deutung dieser aristotelischen Stel- le durch medizinische Autoren und erwähnt (ohne Galen namentlich zu nennen) die medizinische These „Dass die Fähigkeiten der Seele dem Mischverhält-

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nis des Körpers folgen“. Alle Themen, die wir oben erörtert haben, kommen hier also zusammen. Philoponos räumt ein, dass der Einfluss des körperlichen Temperamentes sehr stark sein könne und sogar auch die höheren geistigen Fähigkeiten wie das Gedächtnis und sogar die dianoia, das diskursive Den- ken, beeinflussen kann (nicht aber den nous). Das bedeute aber nicht, so be- hauptet er, dass die geistigen Vorgänge vom Körper regiert würden; dies sei nur der Fall, wenn das Verhältnis zwischen Seele und Körper nicht in Ord- nung, nicht ‘gemäß der Natur’ (kata physin) sei. Wenn aber das physiologi- sche Mischverhältnis gut sei, so führt er in einer späteren Stelle aus, erlaube und ermögliche es den Menschen, geistig unabhängig zu funktionieren: 42 ins- besondere die Kombination einer gesunden und einfachen Lebensweise mit einem philosophischen Lebensstil (wie ihn zum Beispiel Sokrates darstellte), ermögliche es den Menschen, den Impulsen seines Körpers zu widerstehen und sogar den Körper zu beherrschen. Philoponos geht sogar so weit, zu sa- gen, dass diese Überlegenheit der Philosophie als Heilkunde der Seele auch von den Ärzten selbst anerkannt sei: Denn nachdem sie gesagt hätten, dass die Vermögen der Seele von den Mischungen des Körpers abhängig seien, hätten sie hinzugefügt: „mit Ausnahme der Bemühungen der Philosophie“. 43 Der körperlichen krasis wird hier also mit einem Appell an die Ärzte selbst ihr Platz gewiesen: Wenn sie unnatürlich sei (zum Beispiel durch Krankheit oder Verletzung), könne sie den Geist stören, wenn aber alles in Ordnung sei, höre ihr Einfluss auf, und der Mensch sei frei, zu denken und zu handeln, wie es ihm seine vernünftige Überlegung sage.

In diesen Ansichten schließt sich Philoponos grundsätzlich der aristotelischen Auffassung an. Denn auch Aristoteles erkennt an, dass die Ausübung des frei- en Willens und der rationalen Überlegung nur unter günstigen physiologischen Voraussetzungen möglich ist. Diese idealen physiologischen Bedingungen stellen einen Zustand von Gleichgewicht (einer eukrasia) dar, aufgrund des- sen ein intellektueller, geistiger Vorgang stattfinden kann. 44 Offensichtlich meint Aristoteles, dass es im menschlichen Bereich – im Gegensatz zur tieri- schen Welt – etwas geben muss, das über die natürliche psychophysische Ein- heit des menschlichen Organismus hinausgeht, etwas Göttliches, den nous, der sozusagen „hinzu” kommt und zugleich auch die besondere Natur des Men- schen ausmacht. Aristoteles balanciert hier die zwei Aspekte des Menschseins – zum einen, ein zôion, ein Lebewesen, und zum andern ein Wesen, das mit den Göttern verwandt ist. Und er versucht, die Extreme beider Positionen zu vermeiden. 45 Denn auf der einen Seite stünde ein Trennen des Menschen von

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seiner natürlichen physiologischen Konstitution im Widerspruch zu seiner Auffassung vom Menschen als einem natürlichen Lebewesen. Zum andern aber impliziert Aristoteles’ Auffassung der Göttlichkeit des nous, dass die höchste Verwirklichung des Menschseins letzten Endes darauf hinausläuft, dass der Mensch über die Grenzen seiner Körperlichkeit und Sterblichkeit hi- nausgeht und, sei es nur für eine kurze Weile, ein Gott wird.

und, sei es nur für eine kurze Weile, ein Gott wird. Nach der Verleihung von links:

Nach der Verleihung von links: Universitätspräsident Prof. Dr. Peter Schwenkmezger; Prof. Dr. Franziska Schößler, Dekanin des Fachbereichs II; Ausoniuspreisträger Prof. Dr. Philip van der Eijk und Gattin; Prof. Dr. Georg Wöhrle und Vizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Klooß

Anmerkungen

3311

1

M.

Midgley, ‘Do we ever act?’, in: D. Rees und S. Rose (Hrsg.), The New Brain Sciences: Perils and

Prospects, Cambridge, Cambridge University Press, 1995, Kap. II.1.

2

S. Aristoteles, Nikomachische Ethik III.5, 1113 b 6–13, 1114 b 29; dazu J.L. Ackrill, Aristoteles, deut- sche übers. von E.R. Miller, Berlin, De Gruyter, 1985, 209–213.

3

Aristoteles, Über die Seele III.9–11; Über die Bewegung der Lebewesen 6–8.

4

S. dazu Ackrill, Aristoteles (wie Anm. 2), Kap. 2.

5

Dazu Vf., Medicine and Philosophy in Classical Antiquity. Doctors and Philosophers on Nature, Soul, Health and Disease, Cambridge, Cambridge University Press, 2005, 8–21.

6

Dazu Vf., Ancient Histories of Medicine. Essays in Medical Doxography and Historiography in Classical Antiquity, Brill, Leiden (Studies in Ancient Medicine, Bd. 20), 1999, insbes. 9–11.

7

Dazu Vf., Aristoteles. De insomniis. De divinatione per somnum, Berlin, Akademie Verlag (Aristoteles Werke in deutscher Übersetzung, Bd. 14/III), 1994, 88–92; J.N. Bremmer, The Early Greek Concept of Soul, Princeton, Princeton University Press 1983.

8

[Hippokrates], Über die heilige Krankheit 1.2, 2.1 und 18.1–2 (Ausgabe durch H. Grensemann, Die hippokratische Schrift Über die heilige Krankheit, Berlin, De Gruyter [Ars medica II.1], 1968, 60, 66 und 88).

9

S. Vf. ‘The “theology” of the Hippocratic treatise On the Sacred Disease’, Apeiron 23, 1990, 87–119 (wiedergedruckt in: Vf., Medicine and Philosophy [wie Anm. 5], Kap. 1). Zum weiteren geistigen Hinter- grund s. G.E.R. Lloyd, Magic, Reason and Experience, Cambridge, 1979.

10

Dazu W.J. den Dulk, Krasis. Bijdrage tot de Grieksche Lexicographie, Leiden, Brill, 1934; W.D. Smith, ‘Regimen, krêsis and the history of dietetics’, in: J.A. López Férez (Hg.), Tratádos hipocráticos, Actas del VIIe Colloque international hippocratique, Madrid, 1992, 263–272; T.J. Tracy, Physiological The- ory and the Doctrine of the Mean in Plato and Aristotle, Den Haag – Paris, 1969; und V. Barras, T. Birch- ler, B. Maire (Hg.), Mélanges – Crases – Tempéraments. La chimie du vivant dans la médecine et la biologie anciennes, Lausanne, Publications de l’Université de Lausanne, (im Druck).

11

Hippokrates, Über die Lebensweise, I.35–36 (Ausgabe durch R. Joly und S. Byl, Hippocrate. Du régime, Berlin, Akademie Verlag, [CMG I, 2, 4], 1984, insbesondere 156, 19–21).

12

Dazu Georg Wöhrle, Studien zur Theorie der antiken Gesundheitslehre, Stuttgart, Steiner Verlag, Hermes Einzelschriften 56, 1990.

13

Dazu Vf., Diocles of Carystus. A Collection of the Fragments with Translation and Commentary. Vol. 1: Text and Translation, Leiden, Brill (Studies in Ancient Medicine 22), 2000; Vol. 2: Commentary. Lei- den, Brill (Studies in Ancient Medicine 23), 2001.

14

Dazu Vf., Divination, Prognosis, Prophylaxis: the Hippocratic work “On Dreams” (De victu 4) and its Near Eastern background, in: H.F.J. Horstmanshoff, M. Stol (Hg.), Magic and Rationality in Ancient Near Eastern and Graeco-Roman Medicine, Leiden, Brill, Studies in Ancient Medicine 27, 2004, 193–

195.

15

Dazu G.E.R. Lloyd, Scholarship, authority and argument in Galen’s Quod animi mores, in: P. Manuli,

M. Vegetti (Hg.), Le opere psichologiche di Galeno, Neapel, Bibliopolis, 1988, 11–42: R.J. Hankinson,

Galen’s anatomy of the soul, Phronesis 36, 1991, 197–233.

3322

Context, Bd. II, Amsterdam – Atlanta, Rodopi, 1995, 447–459. Wiedergedruckt in: Vf., Medicine and Philosophy (wie Anm. 5), Kap. 6.

17 Zur aristotelischen Auffassung vom Verhältnis zwischen Seele und Körper s. Vf., Aristotle’s psycho- physiological account of the soul-body relationship , in: J.P. Wright, P. Potter (Hrsg.), Psyche and Soma. Physicians and Metaphysicians on the Mind-Body Problem, Oxford, Oxford University Press, 2000, 57–77 (mit weiteren Literaturangaben).

18 Aristoteles, Über die Seele 403 a 29–b 1.

19 Aristoteles, Über die Seele 415 b 15.

20 Aristoteles, Über die Seele 424 a 32; 417 a 8.

21 Aristoteles, Über die Seele 407 b 27–408 a 30.

22 Dazu C. Kahn, Sensation and consciousness in Aristotle’s psychology, Archiv für Geschichte der Philo- sophie 48, 1966, 43–81, wiedergedruckt in: J. Barnes, M. Schofield, R. Sorabji, (Hg.), Articles on Aristotle, Band 4, Psychology and Aesthetics, London, Duckworth, 1979, 1–31.

23 Aristoteles, Nikomachische Ethik 1177 a 13–17; 1177 b 27–31; 1179 a 27–28.

24 Aristoteles, Über die Zeugung der Lebewesen 736 b 28.

25 [Hippokrates], Uber die Heilige Krankheit (wie Anm. 8), 16.1, 17.1 u. 6.

26 Dazu C.R.S. Harris, The Heart and the Vascular System in Ancient Greek Medicine, Oxford, Oxford University Press, 1973.

27 Dazu E. Clarke, Aristotelian concepts of the form and function of the brain’, Bulletin of the History of Medicine 37, 1963, 1–14.

28 Dazu Vf., Hart en hersenen, bloed en pneuma, Hippocrates, Aristoteles en Diocles over de localisering van cognitieve processen, Gewina 18, 1995, 214–229. Wiedergedruckt in englischer Übersetzung in Vf., Medicine and Philosophy (wie Anm. 5), Kap. 5); P. Manuli u. M. Vegetti, Cuore, sangue, cervello:

biologia e antropologia nel pensiero antico, Mailand, 1977.

29 Dazu A. Harrington, Medicine, Mind and the Double Brain. A Study in Nineteenth-Century Thought, Princeton, Princeton University Press, 1989.

30 Dazu H. von Staden, Herophilus. The Art of Medicine in Early Alexandria, Cambridge, Cambridge Uni- versity Press, 1989. F. Solmsen, Greek philosophy and the discovery of the nerves, Museum Helveti- cum 18, 1961, 151–167 und 169–197.

31 Dazu T.L. Tieleman, Galen on the seat of the intellect: anatomical experiment and philosophical tra- dition, in: C.J. Tuplin, T.E. Rihll (Hg.), Science and Mathematics in Ancient Greek Culture, Oxford, Oxford University Press, 2001, 256–273.

32 Zum griechischen Pneuma-Begriff: G. Verbeke, L’évolution de la doctrine du pneuma, Paris/Louvain 1945. G. Freudenthal, Aristotle’s Theory of Material Substance: Heat and Pneuma, Form and Soul, Oxford: Oxford University Press, 1995. A.L. Peck, The connate pneuma, an essential factor in Aris- totle’s solutions to the problems of reproduction and sensation, in: E.A. Underwood (Hg.), Science, Medicine and History. Essays on the evolution of scientific thought and medical practice written in honour of Ch. Singer, Vol. I, Oxford, Oxford University Press, 1953, 111–121. F. Solmsen, The vital heat, the inborn pneuma and the aether, Journal of Hellenic Studies 77, 1957, 119–123.

3333

34 Dazu Vf., Aristoteles über die Melancholie, Mnemosyne 43, 1990, 33–72. Wiedergedruckt in englischer Übersetzung in Vf., Medicine and Philosophy (wie Anm. 5), Kap. 5.

35 Aristoteles, Problemata physica XXX.1, 953 a 10–14, Übersetzung Hellmut Flashar, Berlin, Akademie Verlag (Aristoteles Werke in deutscher Übersetzung, Band 19), 1962, 250.

36 Dazu H. Flashar, Melancholie und Melancholiker in den medizinischen Theorien der Antike, Berlin, De Gruyter, 1966. W. Müri, Melancholie und schwarze Galle, Museum Helveticum 10, 1953, 21–38. J. Pigaud, Aristote. L’homme de génie et la mélancolie, Paris, 1988.

37 Dazu H. Tellenbach, Melancholie, Heidelberg, 1961.

38 Aristoteles, Problemata physica XXX.1, 954 a 38–b 3 und 955 a 36–39, Übersetzung Hellmut Flashar (wie Anm. 35), 253 und 256.

39 S. dazu R. Klibansky, Erwin Panofsky, F. Saxl, Saturn und Melancholie. Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst, Frankfurt a.M., 1990 (deutsche, überar- beitete Übersetzung der 1964 in Edinburgh erschienen englischen Ausgabe Saturn and Melancholy. Stu- dies in the History of Natural Philosophy, Medicine, Religion and Art).

40 Zur Bedeutung des Philoponos s. R. Sorabji (Hg.), Philoponus and the Rejection of Aristotelian Science, London, Duckworth, 1987.

41 Philoponos, Kommentar zu Aristoteles Über die Seele, Ausgabe von M. Hayduck, Berlin (Commenta- ria in Aristotelem Graeca, Band 15), 1897, 50, 24–26. Zur Interpretation dieser Stelle sowie zu Philo- ponos’ Ansichten über die Rolle körperlicher Faktore im geistigen Funktionieren s. Vf., Philoponus. On Aristotle On the Soul 1.1–2, London, Duckworth (The Ancient Commentators on Aristotle), 2005, 4–5 und 133–135 sowie Philoponus. On Aristotle On the Soul 1.3–5, London, Duckworth (The Ancient Commentators on Aristotle), 2006, 1–3, 137–138 und 142.

42 Philoponos, Kommentar zu Aristoteles Über die Seele (wie Anm. 41), 183, 30–34 Hayduck.

43 Philoponos, Kommentar zu Aristoteles Über die Seele (wie Anm. 41), 51, 31–32 Hayduck.

44 Dazu T.J. Tracy, Physiological Theory (wie Anm. 10).

45 Zu diesem Spannungsverhältnis im aristotelischen Denken s. Vf., Aristotle’s psycho-physiological account of the soul-body relationship (wie Anm. 17), 76–77.

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SScchhrriifftteennvveerrzzeeiicchhnniiss

Bücher

(2008) Nemesius of Emesa. On the Nature of Man, Liverpool, Liverpool University Press (Translated Texts for Historians) (in Zusammenarbeit mit R.W. Sharples), 2008, (im Druck). (2006a) Philoponus. On Aristotle On the Soul 1.3–5, London, Duckworth (The Ancient Commentators on Aristotle), 2006, 218 pp. (2005a) Medicine and Philosophy in Classical Antiquity. Doctors and Philosophers on Nature, Soul, Health and Disease, Cambridge, Cambridge University Press, 2005, 404 pp. (2005b) Philoponus. On Aristotle On the Soul 1.1–2, London, Duckworth (The Ancient Commentators on Aristotle), 2005, 221 pp. (2003a) Aristoteles over het geheugen, de slaap en de droom, Groningen, Historische Uitgeverij, 2003, 108 pp. (2001a) Diocles of Carystus. A Collection of the Fragments with Translation and Commentary. Vol. 2, Com- mentary. Leiden, Brill (Studies in Ancient Medicine 23), 2001, xlii + 489 pp. (2001b) Aristoteles. Over melancholie, Groningen, Historische Uitgeverij, 2001, 42 pp. (2000a) Diocles of Carystus. A Collection of the Fragments with Translation and Commentary. Vol. 1, Text and Translation. Leiden, Brill (Studies in Ancient Medicine 22), 2000, xxxiv + 497 pp. (1994a) Aristoteles. De insomniis. De divinatione per somnum, Berlin, Akademie Verlag, (Aristoteles. Wer- ke in deutscher Übersetzung, Band 14/III), 1994, 396 pp.

Herausgegebene Bücher

(2005c) Hippocrates in Context, edited by P.J. van der Eijk. Leiden, Brill (Studies in Ancient Medicine 31), 2005, 521 pp. [neben der herausgeberischen Tätigkeit enthält der Band eine von PJvdE verfasste Preface (pp. ix–xvi)] (1999a) Ancient Histories of Medicine. Essays in Medical Doxography and Historiography in Classical Anti- quity, edited by P.J. van der Eijk. Leiden, Brill (Studies in Ancient Medicine 20) 1999, viii + 537 pp. [neben der herausgeberischen Gestaltung des Buches enthält der Band auch drei von PJvdE verfaßten Kapitel,

• ‘Historical awareness, historiography and doxography in Greek and Roman medicine’ (pp. 1–31)

• ‘The Anonymus Parisinus and the doctrines of the “ancients”’ (pp. 295–331)

• ‘Antiquarianism and criticism, Forms and functions of medical doxography in Methodism (Soranus and

Caelius Aurelianus)’ (pp. 397–452). (1995a) Ancient Medicine in its Socio-Cultural Context, edited by P.J. van der Eijk, H.F.J. Horstmanshoff and P.H. Schrijvers, Amsterdam – Atlanta, Rodopi, 2 Bände, 1995, xxiii + 637 pp. (Clio Medica / The Wellcome Institute Series in the History of Medicine, Band 28–29) [neben der der herausgeberischen Gestaltung des Buches enthält der Band eine von PJvdE verfaßte ‘Preface’ (pp. ix-xi) und einen Aufsatz,

• ‘Aristotle on “distinguished physicians” and on the medical significance of dreams’(Vol. 2, pp. 447–459).

Aufsätze und Buchbeiträge

(2007a) Rufus On Melancholy and its philosophical backgound , in: P. Pormann (Hrsg.), Rufus on Melan- choly, Tübingen, Mohr – Siebeck, (im Druck). (2007b) The role of medicine in the formation of early Greek philosophical thought , in: P. Curd, D. Graham (Hrsg.), Oxford Guide to Pre-Socratic Philosophy, Oxford, Oxford University Press, (im Druck). (2007c) Vom Nutzen und Nachteil der Medizinhistorie für das Leben. Form, Gehalt und Funktion der Medi- zingeschichtsschreibung in der Antike, in: T. Rütten (Hrsg.), Geschichte der Medizingeschichtsschrei- bung, Remscheid, gardez! Verlag, (im Druck).

3355

(2007d), Le rôle de la krasis physiologique dans le comportement humain selon Aristote et son interpréta- tion par Jean Philopon, in: V. Barras, T. Birchler, B. Maire (Hrsg.), Mélanges – Crases – Tempéraments. La chimie du vivant dans la médecine et la biologie anciennes, Lausanne, Université de Lausanne, (im Druck). (2007e), Les mouvements de la matière dans la génération des animaux selon Aristote in: V. Boudon-Millot, A. Guardasole, C. Magdelaine (eds.), La science médicale antique, nouveaux regards, Paris, Beauches- ne, (im Druck). (2007f) On Galen’s therapeutics, in: R.J. Hankinson (Hrsg.), The Cambridge Companion to Galen, Cam- bridge, Cambridge University Press, (im Druck). (2007g) ‘Aristotle! What a Thing for you to say!’ Galen’s engagement with Aristotle and Aristotelians, in:

C.J. Gill, J. Wilkins, T. Whitmarsh (Hrsg.), Galen and the World of Knowledge, Cambridge, CUP, (im Druck). (2006b), Quelques observations préliminaires sur les principes, les méthodes et la pratique de la thérapie médicale – Hippocrate, Dioclès, Galien , in: P. Boulhol, F. Gaide, M. Loubet (eds.), Guérisons du corps et de l’âme: approches pluridisciplinaires, Aix-en-Provence, 2006, 43–47. (2005d) Between the Hippocratics and the Alexandrians: Medicine, science and philosophy in the fourth cen- tury BCE, in: R.W. Sharples (Hrsg.), Philosophy and the Sciences in Antiquity, Aldershot, Ashgate, 2005,

72–109.

(2004a) Divination, prognosis, prophylaxis: the Hippocratic work “On Dreams” (De victu 4) and its Near Eastern background, in: H.F.J. Horstmanshoff, M. Stol (Hrsg.), Magic and Rationality in Ancient Near Eastern and Graeco-Roman Medicine, Leiden, 2004, 187–218. (2004b) Introduction, in: H.F.J. Horstmanshoff, M. Stol (Hrsg.), Magic and Rationality in Ancient Near Eastern and Graeco-Roman Medicine, Leiden, 2004, 1–10. (2003b) Aristotle on cognition in sleep, in: T. Wiedemann and K. Dowden (Hrsg.), Sleep. Bari, Levante Edi- tori (Nottingham Classical Literature Series / Midlands Classical Series 8), 2003, 25–40. (2001c) La storiografia delle scienze e la tradizione dossografica, in: Scienza Antica (Enciclopedia Italia- na, Storia della Scienza, vol. 1), Rom, Istituto della Enciclopedia Italiana, 2001, 591–601. (2000b) Aristotle’s psycho-physiological account of the soul-body relationship , in: J.P. Wright, P. Potter (Hrsg.), Psyche and Soma. Physicians and Metaphysicians on the Mind-Body Problem, Oxford, Oxford University Press, 2000, 57–77. (1999b) Some methodological issues in collecting the fragments of Diocles of Carystus, in: A. Garzya (Hrsg.), I testi medici greci. Tradizione e ecdotica, Neapel, M. d’Auria Editore, 1999, 125–156. (1999c) The Methodism of Caelius Aurelianus: some epistemological issues , in: P. Mudry (Hrsg.), Le traité des Maladies Aiguës et des Maladies Chroniques de Caelius Aurelianus: Nouvelles Approches, Nantes, Institut Universitaire de France, 1999, 47–83. (1999d) Hippokratische Beiträge zur antiken Biologie, in: G. Wöhrle (Hrsg.), Geschichte der Mathematik und Naturwissenschaften in der Antike, Band 1, Biologie, Stuttgart, Steiner Verlag, 1999, 50–73. (1999e) The systematic status of therapy in the Hippocratic Corpus and in the works of Diocles of Carystus, in: I. Garofalo, D. Lami, D. Manetti, A. Roselli (Hrsg.), Aspetti della terapia nel Corpus Hippocraticum, Florence, Olschki, 1999, 389–404. (1999f) On Sterility (‘HA X’), a medical work by Aristotle?, The Classical Quarterly 49,1999, 490–502. (1999g) Helpen, of niet schaden. Enkele uitgangspunten van therapeutisch handelen in de klassieke Griek- se geneeskunde, Hermeneus 71, 1999, 66–71. (1998a) Quelques remarques sur la méthode doxographique de Caelius Aurélien, in: C. Deroux (Hrsg.), Mal- adie et maladies dans les textes latins antiques et médiévaux, Brüssel (Collection Latomus), 1998, 342–353. (1998b) Geschiedenis van de medische geschiedschrijving, Gewina 21, 1998, 252–253. (1997a) Towards a rhetoric of ancient scientific discourse: Some formal characteristics of Greek medical and philosophical texts (Hippocratic Corpus, Aristotle), in: E.J. Bakker (Hrsg.), Grammar as Interpretation. Greek Literature in its Linguistic Contexts (Mnemosyne Supplement No. 171), Leiden, Brill, 1997, 77–129. (1997b) The matter of mind: Aristotle on the biology of “psychic” processes and the bodily aspects of thin- king, in: W. Kullmann, S. Föllinger (Hrsg.), Aristotelische Biologie. Intentionen, Methoden, Ergebnisse, Stuttgart, Steiner Verlag (Philosophie der Antike, Band 6), 1997, 221–258.

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(1993c) De fragmenten van Diocles van Carystus. Een verslag van lopend onderzoek, Gewina 16, 1993,

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(1993d) A textual note on Galen, On the Powers of Foodstuffs I 1.3, The Classical Quarterly 43, 1993, 506–508. (1992a) Aristoteles als literair criticus, De Gids 155, 1992, 71–75. (1991a) Airs, Waters, Places and On the Sacred Disease: two different religiosities?, Hermes 119, 1991,

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(1990a) Aristoteles über die Melancholie, Mnemosyne 43, 1990, 33–72. (1990b) The “theology” of the Hippocratic treatise On the Sacred Disease, Apeiron 23, 1990, 87–119. (1989) Divine movement and human nature in Eudemian Ethics 8, 2, Hermes 117, 1989, 24–42. (1988a) Origenes’ Verteidigung des freien Willens in De oratione 6, 1–2, Vigiliae Christianae 42, 1988,

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(1987a) Aristotle and the wounding of Odysseus on Mount Parnassus (Poetics 1451 a 22–30), Mnemosyne 40, 1987, 140–143. (1986a) Aristotle, Poetics 1452 b 34–36, A discrepancy between wording and meaning?, Mnemosyne 39, 1986, 390–394.

Beiträge zu Lexika, Anthologien usw.

(2007e), Diocles of Carystus, in: New Dictionary of Scientific Biography, (im Druck). (2007f), Doxography, in: A. Grafton, G. Most, S. Settis (Hrsg.), The Classical Tradition, (im Druck). (2003c) Niederländische Übersetzung von [Hippokrates], De victu IV 86–88, in: Zoals de ouden droomden. Lustrumuitgave van het Collegium Classicum c.n. M.F., Leiden, 2003, 30–33. (2003d) Niederländische Übersetzung von Aristoteles, De insomniis 3, in: In Morpheus’armen. Dromen met Homerus, Plato en Ovidius, Amsterdam, 2003, 22–28. (1997e) Niederländische Übersetzung von [Hippokrates], Epidemiae I 11, in: Oude keizers, nieuwe kleren. Griekse en Latijnse vertalersvondsten, Amsterdam, 1997, Athenaeum Polak & van Gennep, 20. (1994d) Niederländische Übersetzung von Auszügen aus Aristoteles, in: J.L. Ackrill, Aristoteles. Niederlän- dische Übersetzung von Frits van der Blij und Philip van der Eijk, Groningen, 1994, Historische Uitge- verij, passim.

3377

(1993e) Niederländische Übersetzung von Auszügen aus Aristoteles’ De anima, in: F. Ankersmit, De histo- rische ervaring, Groningen, Historische Uitgeverij, 1993, 34–35, 40, 42, 45–46.

Sonstige herausgeberische Tätigkeiten

Studies in Ancient Medicine (Brill, Leiden). Studien zur Geschichte der Medizingeschichte und Medizingeschichtssschreibung (Gardez! Verlag, Rem- scheid). Aristoteles in Nederlandse vertaling (Historische Uitgeverij, Groningen). (1995b) De zetel van het verstand volgens de antieke geneeskunde en wijsbegeerte, Sonderheft der Zeitschrift Gewina (18/3), mit Beiträgen von P.J. van der Eijk, T.L. Tieleman, G.J. Lokhorst, herausgegeben und ein- geleitet von P.J. van der Eijk, Rotterdam, Erasmus Publishing, 1995, 50 pp. (1994a) J.L. Ackrill, Aristoteles. Niederländische Übersetzung von Frits van der Blij und Philip van der Eijk, herausgegeben von P.J. van der Eijk, Groningen, Historische Uitgeverij, 1994, 220 pp. (1992a) Poeticaliteit in de klassieke Griekse literatuur, Sonderheft der Zeitschrift De Gids (155, 60–80), mit Beiträgen von I.J.F. de Jong, C.M.J. Sicking, P.J. van der Eijk and D.M. Schenkeveld, herausgegeben und eingeleitet von P.J. van der Eijk, 1992.

Rezensionen

(2007g) H. Schlange-Schöningen, Die römische Gesellschaft bei Galen, in: Mediterraneo Antico, (im Druck). (2007h), Carolin M. Oser-Grote, Aristoteles und das Corpus Hippocraticum. Die Anatomie und Physiologie des Menschen, in: Gnomon, (im Druck). (2007i), J. Jouanna, Hippocrate. Maladie sacrée, in: Gnomon, (im Druck). (2006h), J. Godderis, Eed van Hippocrates. Historische beschouwingen inzake de opdracht en de begren- zingen van het medisch handelen, in: Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, (im Druck). (2006c) H. King (Hrsg.), Health in Antiquity, in: Bryn Mawr Classical Review, 2006 http://ccat.sas.upenn.edu/ bmcr/2006/2006-08-15.html . (2006d) G.E.R. Lloyd, Ancient Worlds, Modern Reflections. Philosophical Perspectives on Greek and Chi- nese Science and Culture, in: Metascience 15, 2006, 557–560. (2005e), G.E.R. Lloyd, In the Grip of Disease, in: The Classical Review 55, 2005, 493–495. (2004d), V. Nutton (Hrsg.), The Unknown Galen, in: Medical History 48, 2004, 146–147. (2004e), R. Lengen, Form und Funktion der aristotelischen Pragmatie, in: The Classical Review 54, 2004,

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(1991b) R. Hellweg, Stilistische Untersuchungen zu den Krankengeschichten der Epidemienbücher I und III des Corpus Hippocraticum, in: Mnemosyne 44, 1991, 196–198. (1990c) A. Meis Wörmer, El problema del mal en Orígenes, in: Vigiliae Christianae 44, 1990, 101–103. (1990d) N. van der Ben und J.M. Bremer (Hrsg.), Aristoteles. Poetica, in: Mnemosyne 43, 1990, 210–211.

Arbeiten zur allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft

(1994h) Niederländische Übersetzung (mit Nachwort) von: Hugo von Hofmannsthal, Die Rose und der Schreibtisch und andere Prosaschriften, Amsterdam: Athenaeum – Polak & Van Gennep, 1994, 151 pp. (in Zusammenarbeit mit B. Toussaint). (1993g) Niederländische Übersetzung (mit Anmerkungen und Nachwort) von: Rainer Maria Rilke, Das Flo- renzer Tagebuch, Nijmegen, Sun, 1993, 142 pp. (1993h) Niederländische Übersetzung (mit Einleitung) von: Hugo von Hofmannsthal, Drei kleine Betrach- tungen, in: De Revisor 20/4, 1993, 53–60. (1990e) Niederländische Übersetzung (mit Anmerkungen und Nachwort) von: Rainer Maria Rilke, Auguste Rodin, Nijmegen, Sun, 1990, 223 pp. (in Zusammenarbeit mit W. Bierman). (1988b) Niederländische Übersetzung (mit Anmerkungen und Nachwort) von: Rainer Maria Rilke, Briefe über Cézanne, Nijmegen, Sun, 1988, 94 pp. (1988c) ‘Rilkes kunstopvatting en Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge’, in: De Gids 151, 1988,

228–236.

(1988d) ‘Gottfried Benn en de crisis van het moderne ik’, in: Bzzletin 160, 1988, 60–65 (in Zusammenarbeit mit B. Toussaint). (1987b) ‘De spiegel van Georg Trakl’, in: Bzzletin 150, 1987, 62–68 (in Zusammenarbeit mit B. Toussaint). (1987c) ‘De romantiek is onsterfelijk’ (Rez. von: J.L. Goedegebuure, Romantische tradities in literatuur en literatuurwetenschap), in: Cultureel Supplement NRC Handelsblad 2–10–1987. (1986b) ‘De schizofrenie van de schrijver’, in: De Gids 149, 1986, 567–580.

Zur Vita von Prof. Dr. Philip van der Eijk Newcastle University/Great Britain

Prof. van der Eijk wurde 1962 im niederländischen Delft geboren. Er studier- te Klassische Philologie an der Universität Leiden, wo er 1991 mit einer Ar- beit zur aristotelischen Traumtheorie promoviert wurde. Im Jahr 1998 wurde er zum Professor für Gräzistik an der Universität Newcastle ernannt. Seit 2005 ist er dort Research Professor of Greek und leitet ein renommiertes Institut zur Erforschung der Geschichte der Medizin. Im Herbst 2006 war er als Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton berufen. Er ist Korrespondent der Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen. Zu den For- schungsschwerpunkten von Philip van der Eijk gehören insbesondere die aris- totelische Philosophie und die griechisch-römische Medizin. Auf beiden Ge- bieten hat er zahlreiche wichtige Publikationen in verschiedenen europäischen Sprachen vorgelegt. Besonders hervorzuheben ist die fast tausendseitige kom- mentierte und übersetzte Ausgabe der Fragmente des Diokles von Karystos, eines bedeutenden Arztes der griechischen Antike, der damals als ein zweiter Hippokrates galt.

Frühere Preisträger stehen auf der Homepage des Zentrums für Altertumswissenschaften der Universität Trier:

http://www.uni-trier.de/uni/fb2/philologie/tr_alter.htm

ISSN 1611-9754

Universität Trier D-54286 Trier · Universitätsring 15 · www.uni-trier.de

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