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Liebe

Leser,

Liebe Leser, wer Politik für junge Leute macht kommt an ihr nicht vorbei. Sie ist eben

wer Politik für junge Leute macht kommt an ihr nicht vorbei. Sie ist eben eine Institution. Die Rede ist von der Shell-Jugenstudie. Die diesjährige Aus- gabe »Jugend2000« liefert erneut Fakten, Fakten, Fakten. Und weil wir an unsere Leser denken, ha- ben wir kurzerhand die neue Studie zum Aufhän- ger für unser Schwerpunktthema in dieser Ausga- be gemacht. Neben Jugendarbeitslosigkeit und Ju- gendgewalt, gehen wir der Frage nach, ob die Ju- gend politikverdrossen oder nicht eher die Politik jugendverdrossen ist. Unser Schwerpunktthema Jugendpolitik findet Ihr ab Seite 7. Die Sommersaison ist eingeläutet und die Ur- laubswelle rollt in voller Breite auf den Süden Eu- ropas und alle sonstigen warmen Länder auf un- serem Erdball zu. Ob Kampftrinken auf Mallorca, Surfen vor Ha- wai, Biken durch die Sahara oder Paragliden in Ve- nezuela, Hauptsache es gibt Fun und Action satt. Alles ist möglich, alles wird organisiert, all inclusive. Immer auf der Suche nach dem Kick. Doch nicht an jeden Kick erinnert man sich später gerne zurück:

Eine Geiselnahme auf den Philippinen soll es dann doch wieder nicht sein. Da darf sich der Reisever- anstalter schon auf die Regress- und Reiseminde- rungsklagen freuen. Für manchen gehört die »klei- ne Klage danach« schon zum jährlichen Ritual. So zu sagen eine Verlängerung der Urlaubsfreuden vor Gericht. »Ob Mückenstich oder zu warmes Bier – 10 Prozent Minderung sollten da doch schon drin sein«, empfindet mancher. Um die Reisegewohn- heiten der Deutschen geht es ab Seite 4. Ich wünsche Euch einen schönen Sommeran- fang und wenn es auf Reisen geht: Wie wäre es mit einer Reportage für DIE ENTSCHEIDUNG? Wir je- denfalls bleiben dran.

Euer
Euer

Urban Windelen

Wir je- denfalls bleiben dran. Euer Urban Windelen Gefährliches Fernweh Rund um den Globus jetten die

Gefährliches Fernweh Rund um den Globus jetten die reiselustigen Deutschen und fliegen dabei gedankenlos in Kri- senregionen oder treten in geschichtliche und so- ziale Fettnäpfchen. von Andrea Ullrich

Seite 4

Online studieren:

Jenseits von Zeit und Raum Unter www.vhb.org öffnet sich die Hochschule der Zukunft. Virtuell wird morgen studiert. von Thomas Silberhorn

Seite 23

wird morgen studiert. von Thomas Silberhorn Seite 23 Was Schröder verschweigt Die Konjunktur schenkt uns einen
wird morgen studiert. von Thomas Silberhorn Seite 23 Was Schröder verschweigt Die Konjunktur schenkt uns einen

Was Schröder verschweigt Die Konjunktur schenkt uns einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Das ist erfeulich, aber ein Verdienst der Schröder- Regierung ist es nicht. von Thomas Goppel

Seite 26

Schwerpunktthema

Bücher

Karneval in Kolumbien von Kristin Vorpahl

Public Affairs 2000 von Bernd Buschhausen

News

Hierzulande

Aktiv

Gastkommentar von Jutta Wagemann

Momente

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impressum

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Bundesvorstand Junge Union Deutschlands, Inselstraße 1b, 10179 Berlin Tel. (0 30) 27 87 87-0, Fax (0 30) 27 87 87- 20, Email: ju@junge-union.de, Homepage: http://www.junge-union.de

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DIE ENTSCHEIDUNG, Inselstraße 1b, 10179 Berlin Tel. (0 30) 27 87 87-0, Fax (0 30) 27 87 87- 20, Email: die@entscheidung.de, Homepage: http://www.entscheidung.de

Redaktioneller Beirat:

Michael Hahn (Bundesgeschaftsführer), Catrin Hannken (Mitglied im Bundesvorstand) Harald Schmitt (Mitglied im Bundesvorstand)

Chefredakteur: Urban Windelen

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Titelfoto und grafische Beratung:

Frank Ossenbrink

Bildnachweis:

JU-Archiv, UBG.

Beratung: Frank Ossenbrink Bildnachweis: JU-Archiv, UBG. Neue Antworten gefragt Die Augen vieler Kommentatoren und

Neue

Antworten

gefragt

Die Augen vieler Kommentatoren und Bericht- erstatter waren auf das Landtagswahlergebnis in Nordrhein-Westfalen gerichtet. Bundespolitische Signale hat man erwartet. Nach einem harten Wahlkampf und einer im Zuge der Parteispenden- affäre notwendig gewordenen Aufholjagd, hat die »Neue CDU im Westen« zwar ihr Wahlergebnis von 1995 im wesentlichen gehalten, ihr Wahlziel aber verfehlt. Die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit dem Rot-Grünen Filz konnte die CDU nicht in Stimmen für sich umwandeln. Nach der CDU-Spendenaffäre brachte der Essener CDU- Bundesparteitag eine positive Stimmungswende. Auch die kämpferische Unterstützung der CDU- Bundesvorsitzenden Angela Merkel war eine große Hilfe. Die NRW-CDU unter der Führung von Jür- gen Rüttgers sowie die Junge Union haben mit großem Engagement gekämpft. Offenkundig war die Zeit zwischen Aufklärung, Neuanfang und Landtagswahl zu knapp, um den eingetretenen Vertrauensverlust zu beheben. Die ersten Analysen zeigen auf, dass SPD und Grü- ne im wesentlichen bei den jungen Wählern zwi- schen 18 und 30 Jahren verloren haben. Die FDP hingegen hat in diesem Feld ihre entscheidenden Pluspunkte geholt. Das muss auch der Union für die Zukunft deutlich machen: Wahlen gewinnt man mit den Jungen. – Und zwar mit denen, die zur Wahl ge- hen. Für die Politik muss die ständig sinkende Wahl- beteiligung ein alarmierendes Zeichen sein. Wir dür- fen nicht aus wahlstrategischen Gründen auf eine geringe Wahlbeteiligung hoffen. Wir müssen ver- stärkt durch eine glaubwürdige, an der Sache orien- tierte Politik das Vertrauen der Wähler gewinnen. Dieser Auftrag gilt nicht nur in Wahlkämpfen. Die kommenden zwei Jahre bis zur Bundestags- wahl ist Sachpolitik gefragt. Deutschland braucht ei- ne bessere Regierung. Eine, die es kann. Die Union muss jetzt wieder in den Wettbewerb der Ideen ein- steigen. Treten wir in Vorlage. Die Junge Union wird antreiben. Wir bleiben am Ball.

Die Junge Union wird antreiben. Wir bleiben am Ball. Hildegard Müller Bundesvorsitzende der Jungen Union

Hildegard Müller Bundesvorsitzende der Jungen Union Deutschlands

Die Deutschen und ihre Reiselust

GefährlichesGefährliches

S ommer, Sonne, Strand, Meer und Palmen – das sind die Ingredienzien, aus denen nach der landläufigen Meinung

ein Urlaub bestehen muss. 25 Grad Celsius und wolkenloser Himmel gehören heute schon fast zum Pauschalpaket, eben- so ein gut Teil Entertainment und eine Prise Exotik – genau die Menge Fremdes, die man ertragen kann, ohne den heimi- schen Lebensstil aufgeben zu müssen. Ein Hotel, das einfache Zimmer vermietet, ist den meisten deutschen Urlaubern schon lange nicht mehr gut genug. Suiten müssen es sein, je nach Standard und Geldbeutel mit einem oder zwei Schlaf- zimmern, einem oder zwei Bädern, Balkon, Küche trotz Voll- pension, Kabelfernsehen und Telefon. Unterhalb dieses Stan- dards wird man bei den großen Reiseveranstaltern nichts fin- den, damit geben sich nur noch Rucksacktouristen oder be- scheidene Seniorengruppen zufrieden. Außerdem müssen Hotel und Urlaubsort ein unermessliches Angebot an Sport und Unterhaltung liefern. »Never a dull moment« – Ruhe und Ausspannen im Urlaub, wie langweilig! Um das alles noch im bezahlbaren Rahmen zu halten, müs- sen die Ferienparadiese häufig Landschaftsschutz zurück stel- len und Personal zu Niedriglöhnen beschäftigen. Das können sich heutzutage fast nur Entwicklungsländer leisten, denen es noch an den gesetzlichen Rahmenbedingungen fehlt, die hier- zulande Bezahlungsstandards garantieren und Verschande-

Die Deutschen gehören noch im- mer zu den reiselustigsten Völkern der Welt. Doch in Zeiten etwas dünnerer Geldbeutel und eines stetig fallenden Euro haben Ziele in Ländern Konjunktur, die mit Niedriglöhnen und Raubbau an der Natur die Preise drücken kön- nen. Eventuelle Risiken nehmen die Touristen dabei in Kauf. Dass ungenügende Information über Reiseziele fatale Folgen haben kann, bezeugte aktuell das philip- pinische Geiseldrama. Aber selbst wenn es nicht zum Äußersten kommt – »Urlaub« heißt nicht immer »eitel Sonnenschein«.

FernwehFernweh

lung der Urlaubsorte verhindern. Besonders Schwellenländer wie Mexiko, Thailand oder viele Inselstaaten können hier die geforderte In- frastruktur liefern, den Service jedoch konkur- renzlos preiswert anbieten. Andere, wirklich ar- me Länder, wie etwa die Dominikanische Repu- blik, vernachlässigen die eigene Bevölkerung, um den Touristen von der Realität abgeschot- tete Scheinparadiese offerieren zu können. Und gerade diese Scheinwelten sind es, die die Eu- ropäer glauben machen, sie könnten, wo immer sie hinfahren, die Geborgenheit der EU unter Palmen vorfinden. Wohl kaum jemand macht sich ernsthaft Gedanken über das enorme Kon- fliktpotential, das sich außerhalb von Robinson und Disney aufstaut.

Tropische Gärten und viel zu viel Haut

Das beginnt schon bei scheinbar harmlosen Dingen wie dem Wasserverbrauch. Da werden etwa in den atlantischen Sahel-Staaten giganti- sche Ferienanlagen buchstäblich in den Sand gesetzt – schließlich hat der Veranstalter nir- gends eine derartige »Schönwetter«-Garantie

ANDREA ULLRICH

wie in der Wüste. Innerhalb der Mauern wünschen Herr Hinz und Frau Kunz aus Deutschland sich aber einen tropischen Garten. Also wird in der nächsten Oase gegen ein paar Dollars das ohnehin knappe Wasser angezapft und in rauhen Mengen zum Rasensprenger gefördert, während auf den Fel- dern rationiert werden muss. Das tägliche »Duschrecht« der Touristen tut ein Übriges. Damit nicht genug. Herr Hinz und Frau Kunz wollen braun werden, am besten streifenlos. Also legt man sich, möglichst knapp bekleidet, an den Strand, denkt nicht ei- nen Moment daran, ob man vielleicht gegen landestypische Sitten verstößt und belustigt sich zudem über die »ver- mummten« Einheimischen in den moslemisch geprägten Staaten. Mit rasch übergeworfenem, offenem Hemd und Strandshorts geht man danach die Moschee aus dem sech- zehnten Jahrhundert besichtigen und empört sich ansch- ließend, wenn man nicht hinein gelassen wird und radika- lisierte Kämpfer »gegen die westliche Unmoral« immer mehr Unterstützung finden. Doch so unerträglich das touri- stische Benehmen vieler reicher »Erstweltler« auch sein mag – die ärmeren Staaten schlucken es und all die daraus folgenden Probleme, denn sie sind auf den Tourismus als Geldquelle angewiesen. Für viele Länder ist das Geschäft rund um die Reise die einzige Möglichkeit, im Dienstlei-

aktuell

stungssektor Fuß zu fassen, denn nicht jeder hat Computerexperten für den Export nach Deutschland zur Verfügung.

Risiken werden ignoriert

Nun ist es noch bis zu einem gewissen Grade nachzuvollziehen, dass es viele Urlauber viel- leicht gar nicht bemerken, welchen Schaden

ren im Fernsehen ihren Schrecken – man ist sie von der Playstation ohnehin gewöhnt. Das mit den Unruhen kann folglich so schlimm nicht sein! Wenn dann zum fünften Mal in zwei Jahren Mo- torradtouristen im Jemen entführt werden, fällt das hierzulande kaum mehr auf. Nach den bluti- gen Attentaten auf Touristen hatte Ägypten kei- nesfalls große Einbußen in der Reisebranche zu

kei- nesfalls große Einbußen in der Reisebranche zu verzeichnen. In Indonesien bekämpfen sich Chri- sten und
kei- nesfalls große Einbußen in der Reisebranche zu verzeichnen. In Indonesien bekämpfen sich Chri- sten und

verzeichnen. In Indonesien bekämpfen sich Chri- sten und Moslems bis aufs Blut – die Buchungen gehen dennoch nicht zurück.

Erst denken, dann reisen

Thailand galt – wenn man nicht gerade das min- derjährige Vergnügen suchte – als sicheres Ur- laubsland. Was Familie Wallert auf Sipadan pas- siert ist, mag die tragische Ausnahme gewesen sein. Auch dem Reiseveranstalter kann man in diesem Fall keinen Vorwurf machen. Es wäre je- doch wünschenswert, wenn unser reiselustiges Volk dieses Verbrechen zum Anlass nehmen wür- de, allgemein etwas mehr über Rechte, Pflichten und Gefahren im Gastland nachzudenken – dem Ansehen des deutschen Touristen in der Welt könnte es bestimmt nicht schaden.

Das Reisen ist der Deutschen Lust. Wer erst denkt und dann bucht, hat mehr davon.

sie anrichten. Rücksichtnahme ist nicht mo- dern hierzulande, viele haben sie vermutlich schlicht verlernt. Bedenklich wird die Angele- genheit jedoch dann, wenn nicht einmal Ge- fahren für das eigene Wohlergehen ernst ge- nommen werden. Jedes Jahr fangen sich dut- zende Fernreisende Krankheiten wie Malaria oder Hepatitis ein. Dabei wäre es ein Leichtes, das zu vermeiden – Impfungen und Prophyla- xe sind ohne größere Mühen für jedermann zu haben, und die Medien starten jedes Jahr aufs Neue Informationskampagnen. Dennoch scheint es sogar Berufsreisenden zuweilen nicht möglich, »Gelbfieber« und »Gelbsucht« auseinander zu halten, wie der traurige Fall je- nes Frankfurter Kameramanns beweist, der sich mit Gelbsucht-Impfung in Nigeria gut ge- wappnet glaubte und schließlich in Deutsch- land am Gelbfieber starb.

Urlaub trotz Terror und Tod

Sind die medizinischen Risiken einmal aus- geräumt, heißt das noch lange nicht, dass die Reise ins Unbekannte dadurch sicher werden muss. Viele europäische Urlauber sehen Frie- den und Wohlstand unserer Breiten als derart selbstverständliches Gut, dass Warnungen vor politischer Instabilität in anderen Regionen oft nicht ernst genommen werden. Kriege verlie-

6 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

Schwerpunktthema:

JugendpolitikJugendpolitik

6/2000 Schwerpunktthema: Jugendpolitik Jugendpolitik ◆ Fun-Faktor Null? von Dietmar Schulte Seite 8 ◆ Mehr
◆ Fun-Faktor Null? von Dietmar Schulte Seite 8 ◆ Mehr Schein als Sein von Georg
◆ Fun-Faktor Null?
von Dietmar Schulte
Seite 8
◆ Mehr Schein als Sein
von Georg Milde
Seite 10
◆ Generation @
von Andreas Scheuer
Seite 12
◆ Ganz unten. Leben auf der Straße
von Jan-H. Klaps
Seite 14
◆ Jugendgewalt entgegentreten
von Philipp Mißfelder
Seite 16

Fun-Faktor

Fun-Faktor

DIETMAR SCHULTE

Null?

Null?

Fun- Faktor DIETMAR SCHULTE N u l l ? N u l l ? Die Generation

Die Generation 21 ist von Politik nicht begeistert

Immer weniger Jugendliche interessieren sich für Politik und sind bereit sich politisch zu engagieren. Eine kürzlich erschienene Untersuchung belegt dies nochmals nachdrücklich. »Jugend2000« heißt sie und ist die 13. Jugendstudie, die von der Deutschen Shell AG finanziert wurde.

D ie Shell-Studien sind mit die wichtigsten Umfragen auf dem großen Markt der (Jugend-) Studien. Sie sind re-

präsentativ angelegt und erheben gleichzeitig noch qualita- tive Befunde, die eine Nahsicht auf einzelne Jugendgruppen bietet. Einflussnahme kann dem weltweit agierenden Mine- ralölkonzern nicht vorgeworfen werden, so dass man sich mit den aus Sicht der JU recht unterschiedlichen Ergebnis- sen auseinandersetzen muss.

Entschlossen und realistisch

Die Autoren kommen zu einem insgesamt positiven Gesamt- ergebnis. Die Zuversicht in die eigene und die gesellschaftliche Zukunft ist im Vergleich zu 1997 gewachsen. Dennoch besteht die junge Generation nicht aus »unbekümmerten Optimi- sten«, sondern die Mehrheit hat die Herausforderungen einer modernen und globalisierten Gesellschaft erkannt. Die befragten 15 bis 24-jährigen besitzen trotz der positi- veren Einstellung als noch vor drei Jahren einen klaren Blick für die Probleme in unserer Gesellschaft. Prof. Fuchs-Hein- ritz, einer der vier Verfasser der Studie, beschreibt dies so:

»Relativ zuversichtlich und überzeugt von der eigenen Lei- stungsfähigkeit, versuchen sie mehrheitlich, aktiv ihre Le-

bensperspektive vorzubereiten. Sie sind insgesamt weder verängstigt noch leichtsinnig unbekümmert, sondern ent- schlossen, die Herausforderungen – die sie realistisch vor sich sehen – zu meistern.«

Positive Signale für JU

Auf der anderen Seite zeigt die Shell-Studie deutlich, dass es ein »Weiter so« in der deutschen Politik nicht geben darf, denn dadurch würden die Jugendlichen nur weiter vom po- litischen Engagement abgeschreckt. Das politische Interesse der 15 bis 24-jährigen sank von 57% (1991) auf 43% (1999). Mit weiterer Differenzierung der Großgruppe lassen sich in- teressante Unterschiede festmachen. So sind Jungen (50%) stärker an Politik interessiert als Mädchen (37%) und west- deutsche Jugendliche (45%) stärker als ostdeutsche (35%). Dabei lagen die Ostdeutschen mit 50% in 1997 noch deutlich vor den Westdeutschen. Diese Entscheidung beruht bei der Mehrzahl der Jugendli- chen aber nicht auf Überzeugung, sondern auf schlichtem Desinteresse. Die Umfrage, die Mitte 1999 durchgeführt wur- de, gibt aber auch positive Signale für die JU, denn 1996 be- zeichneten sich 15,4% der 15 bis 24-jährigen der CDU als na-

hestehend, drei Jahre später waren es bereits 23,5%. Bei der SPD stiegen die Werte nur von 20,0% auf 21,3%. Dra- matische Einbrüche erlitten die Grü- nen, denn die Gruppe der ihnen nahe- stehenden Jugendlichen hat sich von 21,6% auf 11,4% fast halbiert. Zu die- sen Ergebnissen sagt Arthur Fischer, fe- derführender Autor von »Jugend 2000«:

»Das politische Desinteresse hängt zum einen damit zusammen, dass Jugendli- che mit dem Begriff Politik eine Land- schaft von Parteien, Gremien und poli- tischen Ritualen verbinden, der sie we- nig Vertrauen entgegenbringen. Zum anderen empfinden Jugendliche die ritualisierte Betriebsamkeit der Politi- ker als wenig relevant und ohne Bezug zum wirklichen Leben.«

Jugendverdrossene Politik?

Daher trägt die Aussage »die Jugend von heute ist politikverdrossen« nicht, denn dies ist meist nur die Legitimation für das Einigeln in Parteistrukturen und dient zur Rechtfertigung für Nichtstun. In der JU herrscht aber Klarheit darü- ber, dass wir auch und gerade auf die desinteressierten Jugendlichen zugehen und das Gespräch suchen müssen. Die- se Gruppe ist für uns (noch) nicht verlo- ren, wir können sie für uns gewinnen, wenn es uns gelingt ihnen die Bedeu- tung, die Politik für ihr Leben hat, zu ver- deutlichen. Dies war auch Thema der letzten JU-Bundesvorstandssitzung im April auf der Arthur Fischer, der die

Shell-Jugendstudien seit 1981 betreut, mit JUlern diskutierte. Mit den Shell- Studien werde keine Meinungsforschung betrieben. Vielmehr werden verhaltens- relevante Einstellungen auf psychologi- scher Ebene untersucht, erklärt Fischer. Weiter führt er aus: »Die Jugend ist schon in der Zukunft angekommen.«

Familie im Kommen

Dabei spielen Ideologien und starre Wertvorstellungen keine dominieren- de Rolle mehr. Die große Mehrheit wünscht sich später eine eigene Familie und will sich bemühen Familienleben und Beruf in Einklang zu bringen. Aber auch in ihrer jetzigen Lebenssituation spielt die Familie eine zentrale Rolle. Dort finden Jugendliche Rückhalt, Ver- lässlichkeit und Geborgenheit. Entspre- chend sind die Eltern für die Jugendli- chen wichtige Vertrauenspersonen und die Distanz zwischen ihnen ist kleiner geworden. Im Bereich Familienpolitik sieht sich die Junge Union durch die Untersuchung bestätigt und die Dis- kussionen auf dem Deutschlandtag vor gut einem halben Jahr haben deutlich gemacht, wie nah wir an der jungen Generation dran sind.

Angst aus Unkenntnis

Zum ersten Mal wurden auch auslän- dische Jugendliche mit in die Befragun- gen einbezogen. Dabei fällt zunächst auf, dass der häufigste Kontakt zwischen deutschen und ausländischen Jugendli- chen (in absteigender Reihenfolge der Häufigkeit) an Hochschulen, Schulen, in der Berufsausbildung und im Berufs- leben stattfindet, in der Freizeit dagegen kaum. Mehr als 2/3 Drittel aller deut- schen Jugendlichen geben an über- haupt keinen (22,0%) oder wenig häu- figen (46,9%) Kontakt mit ausländi- schen Jugendlichen zu haben. In Ost- deutschland liegt der Wert bei 90%. Dies führt dazu, dass in der Studie häu- fig nur von dem Verhältnis zwischen westdeutschen Jugendlichen und aus- ländischen gesprochen werden kann, da in Ostdeutschland so wenig auslän- dische Jugendliche leben, dass repräsen- tative Werte mit den gegebenen Erhe- bungsmethoden nicht ermittelt werden konnten. Interessant ist der Zusammen- hang zwischen der Ansicht/dem Vorur-

jugendpolitik

teil, dass in Deutschland zu viele Aus- länder leben und der Häufigkeit der Kon- takte mit Ausländern. Je weniger Kon- takt deutsche 15 bis 24-Jährige zu Aus- ländern haben, desto höher ist die Zu- stimmung, dass zu viele Ausländer in

höher ist die Zu- stimmung, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben. Nach unterschiedli- chen Lebenswelten

Deutschland leben. Nach unterschiedli- chen Lebenswelten befragt, identifizie- ren sowohl ausländische als auch deut- sche Jugendliche »Religion« und »Fami- lie«, als Bereiche, die unterschiedlich ge- lebt würden. Prof. Richard Münchmeier, bei »Jugend 2000« für den Teil über Ausländer und Deutsche verantwort- lich, fasst die Ergebnisse so zusammen:

»Die viel beklagte und v. a. den Türken und einigen weiteren Ausländer- und Flüchtlingsgruppen zugeschriebene Un- willigkeit zur Anpassung an die deut- schen Lebensweisen scheint damit zu- mindest für die hier untersuchten Grup- pen von Jugendlichen nicht zuzutreffen. Vielmehr kommt in manchen Problemen wohl eher das unterschiedlich große Spannungsverhältnis zwischen Jungs- ein und Ausländersein zum Tragen.«

Junge Partei werden

Nachdem die letzte Shell-Studie ans Licht brachte, dass die Krise der Er- wachsenenwelt nun auch die Jugend- lichen erreicht habe und die jetzige, die negative Entwicklung des politischen Interesses noch deutlicher zeichnet, sollte die Junge Union noch stärker junge Menschen ansprechen und sie zur Mitarbeit ermutigen, so dass es in der nächsten Shell-Studie heißen könn- te: »Die Jugendlichen gewinnen das Vertrauen in die Politik zurück. Vor allem die CDU wird zur »jungen Par- tei«, sowohl was ihre Mitglieder als auch ihre Wähler angeht.«

jugendpolitik

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland sind arbeitslos, davon 1,4 Millionen in den Neuen Bundesländern. Wenn sich die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Monat um 159.000 Personen verringerte, so liegt dies an verschiedenen Faktoren – nicht jedoch an der Wirtschaftspolitik der rot-grünen Bundesregierung. Die ENTSCHEIDUNG betrachtet ein zentrales Problem des bundesdeutschen Arbeitsmarktes: die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

SCHEIN

als

GEORG MILDE

Mehr

SEIN

Jugendarbeitslosigkeit. SCHEIN als GEORG MILDE Mehr SEIN J ugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden oder nach

J ugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden oder nach der Ausbildung nicht übernommen werden, gab es früher

wie heute. Besorgniserregend ist jedoch die Zahl der unter 25-Jährigen, die im Jahr 2000 arbeitslos gemeldet sind: Im Westen liegt die Quote bei 9 Prozent, im Osten bei 18 Prozent. Das sind rund 420.000 junge Leute, denen das berufliche »Durchstarten« verwehrt wird, und von denen sich 88.000 schon vor ihrem 20. Geburtstag regelmäßig beim Arbeitsamt melden müssen.

»Jump« verringert Jugendarbeitslosigkeit nur kurzfristig

Ohne Abschluss in die Arbeitslosigkeit

Wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) »Jump« weiterhin lautstark anpreist, so verschweigt er dabei, dass sein Projekt sich in vielen Fällen als kontraproduktive Konkurrenz zu den Förderprogrammen der Länder erwiesen hat. Und er ignoriert die Tatsache, dass die Klassenstärken vieler Ober- stufenzentren in Ostdeutschland halbiert wurden, da die Jugendlichen mit Blick auf eine Bezahlung im Rahmen des Sofortprogramms der Bundesregierung häufig ihre Schullauf- bahn abbrachen. Das böse Erwachen: Nach dem Auslaufen der Maßnahme finden sich die Jugendlichen dann ohne Be- rufsabschluss in der Arbeitslosigkeit wieder.

Keine Verbesserungen

Um diese hohen Zahlen zu verringern, hat die rot-grüne Bundesregierung das Sofortprogramm »Jump« ins Leben ge- rufen. Doch statt den erwarteten Verbesserungen ist gerade in den Neuen Bundesländern das Gegenteil eingetreten: Im Ver- gleich zum Frühjahr des vergangenen Jahres erhöhte sich der Anteil der arbeitslosen Jugendlichen um 14,2 Prozent. Am Beispiel des Landes Brandenburg zeigt sich: Von den mehr als 10.000 jugendlichen »Jump«-Teilnehmern wurden letztend- lich weniger als 2,5 Prozent in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. In den alten Bundesländern lag die Quote zwar höher, jedoch können auch 15,2 Prozent nicht als durchschla- gender Erfolg bezeichnet werden, wenn dagegen fast 20 Pro- zent ihre Teilnahme am Sofortprogramm abbrachen.

Probleme lösen, nicht zudecken

Experten warnen davor, »Jump«-Absolventen im soge- nannten zweiten Arbeitsmarkt unterzubringen. Dazu Horst Seehofer (CSU), stellvertretender Vorsitzender der Unions- fraktion im Deutschen Bundestag im Gespräch mit der ENT- SCHEIDUNG: »Unser oberstes Ziel muss es sein, Jugendliche in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.« Es könne keine Lösung sein, junge Leute in Maßnahmen von zweifelhafter Wirkung auf dem zweiten Arbeitsmarkt zu beschäftigen. »Langfristig werden dadurch die strukturellen Probleme nicht gelöst, sondern zugedeckt. Zudem werden in dem Programm der Bundesregierung unverhältnismäßig viele Mittel einge- setzt«, so Seehofer. Stattdessen müssten die strukturellen Probleme auf dem Arbeitsmarkt gelöst und die wirtschaftli- chen Rahmenbedingungen verbessert werden.

die wirtschaftli- chen Rahmenbedingungen verbessert werden. Doch wegweisende Konzept sind in die- ser Hinsicht nicht zu

Doch wegweisende Konzept sind in die- ser Hinsicht nicht zu erkennen: Gerade in

Bereichen, in denen am ehesten neue Stel- len geschaffen werden könnten (Mittel-

stand, Existenzgründer

Bundeskanzler insbesondere das Bundes- wirtschaftsministerium unter Führung des

blass agierenden Ministers Werner Müller einen Großteil der Schuld an fehlenden Perspektiven und der

gegen Markt und Arbeitsbedarf gerichteten Politik. Dabei hängt die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ge- rade von gut qualifizierten Arbeitnehmern ab. Und wer die Chance zu einer guten Ausbildung hatte, ist später am ehe- sten vor Arbeitslosigkeit geschützt. Denn bereits in den kom- menden zehn Jahren wird der Bedarf an Personen ohne an- geschlossene Ausbildung drastisch bis auf zehn Prozent aller Erwerbstätigen sinken.

D aher brachte die CDU/CSU-Fraktion im vergangenen Monat den Antrag »Ausbildung, Qualifizierung und Ar-

beit für junge Menschen« in den Bundestag ein, in der die Bundesregierung zu zahlreichen konkreten Initiativen auf-

gefordert wird. Zum einen sollen durch eine stärker an der Praxis orientierte Schulausbildung möglichst alle Schüler die Ausbildungsfähigkeit für ihren ange- strebten Beruf erreichen. Dazu müssen Schulen mit einem hohen Anteil nicht deutschsprachiger Kinder personell und

finanziell besser ausgestattet werden. Eine besondere Förderung ist hinsichtlich lernschwäche- rer Schüler notwendig – bisher sind jährlich 10 bis 15 Prozent eines Schulentlassungsjahrganges nicht in der Lage, sich für einen Beruf zu qualifizieren. Eine Möglichkeit sieht die CDU/ CSU-Fraktion im verstärkten Angebot von teilqualifizierten Ausbildungsgängen. Zum anderen muss die Bildungsberatung intensiviert werden, um den jungen Leuten eine Perspektive aufzuzeigen. Dazu zählt auch die Vermittlung des Grundsat- zes, dass für eine von der Allgemeinheit empfangenen Lei- stung auch eine Gegenleistung erbracht werden muss. Wenn diese Kenntnis sozialpädagogisch nicht vermittelt werden kann, ist in Zukunft über eine mögliche Kürzung oder Strei- chung der staatlichen Unterstützung nachzudenken.

) trägt neben dem

Arbeitslosigkeit in Deutschland*

Arbeitslose

3.986.355

– Frauenanteil

1.858.987

(46,6%)

– Arbeiteranteil

2.501.933

(62,8%)

– Jüngere unter 25

420.393

(10,5%)

davon unter 20

88.187

– 55 Jahre und älter

873.162

(21,9%)

– Langzeitarbeitslose

1.412.100

(35,4%)

– Schwerbehinderte

187.576

( 4,7%)

– Teilzeitarbeitssuchende

349.144

( 8,8%)

– Ausländer

489.232

(12,3%)

*Bundesanstalt für Arbeit, Stand Mai 2000

Ausbildung im Verbund

Eine zentraler Bestandteil der Unions-Forderungen liegt in der Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit der Betriebe. Un- ternehmen, die sich bisher aus inhaltlichen, organisatorischen, personellen oder finanziellen Gründen nicht in der Lage sahen, sich an der Ausbildung zu beteiligen, können durch verstärk- te Möglichkeiten einer »Ausbildung im Verbund« zur Schaf- fung neuer Ausbildungsplätze gebracht werden. Dabei soll auch die bisher geringe Beteiligung ausländischer Selbständi- ger an der Berufsausbildung erhöht werden. Doch zuvor gilt es für die Bundesregierung, die Schaffung neuer Ausbildungs- berufe sowie die Aktualisierung bestehender Berufe voranzu- treiben. Ein Vorbild dafür ist die Regierung Kohl, die alleine zwischen 1997 und 1998 75 Berufe modernisierte und 34 neue Ausbildungsberufe ermöglichte.

jugendpolitik

Jugendarbeit neu ausrichten

Generation

@@

12 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

ANDREASANDREAS SCHEUERSCHEUER

»D iese heutige Jugend ist von Grund aus verdorben, sie ist

böse, gottlos und faul. Sie wird nie mehr so werden wie die Jugend vor- her, und es wird ihr niemals gelin- gen, unsere Kultur zu erhalten.« Jetzt könnte man meinen, dass diese Mei- nung irgendwo in einer Unterhaltung älterer Menschen in der Gegenwart ausgetauscht wurde. Es scheint, dass nicht nur die Jugend von heute, son- dern auch die babylonische Jugend et- wa 3000 v. Chr. ein ähnliches Image, dokumentiert durch diese Inschrift, in- ne hatte. Die Ausgangslage hat sich an- scheinend nicht geändert.

Jugend heute

Der Vergleich der Jugend mit einem Capital-Future-Aktienfonds, der größe- ren Schwankungen in den Verände- rungsprozessen unterworfen ist, mit ei- nem National-Aktienfonds unserer Ge- sellschaft, in dem die ganze Bandbreite verschiedenster Schichten und Grup- pen vertreten ist und der sich dadurch weniger heftig und schnell wandelt, sollte die größere Veränderungsfreu- digkeit der Jugend im Zusammenhang mit der ganzen Gesellschaft aufzeigen. Die Entwicklungslinie der 68er-Gene- ration über die Null-Bock- oder No- future-Generation hin zur Generation heute ist dabei sehr verschieden. Die Generationen X, Y und @ haben andere Rahmenbedingungen wie die Jugend vorher. Die Geburtsjahrgänge zwischen 1978 und 1988 (Generation Y/Genera- tion @) finden den Run auf die neuen Technologien vor, gehen Fun-Sportar- ten nach und sind ein hoher Wirtschafts- faktor durch deren Kaufkraft. Durch die fehlenden gemeinsamen Leitbilder und das inhomogene Gruppenverhal- ten wird es zunehmend schwieriger, die Jugendlichen einheitlich zu be- trachten, denn sie sind mobiler und fle- xibler. Die Konsumorientierung und die Event-Kultur dokumentieren eine lebensbejahende und wirtschaftsorien- tierte Grundeinstellung.

Schwierigkeiten der Jugendarbeit

Da die Jugendlichen eine inhomo- gene Gruppe darstellen, wird Jugend- arbeit immer vielschichtiger. Durch die Dynamik zwischen den einzelnen

jugendpolitik

Durch die Dynamik zwischen den einzelnen jugendpolitik zu sein und sie müssen junge Men- schen motivieren,

zu sein und sie müssen junge Men- schen motivieren, begeistern und den Jungen Betätigungsfelder geben. Die junge Generation kann durch Tätigkeit in Vereinen, Verbänden oder Projekten wertvolle Erfahrungen sammeln, be- rufs- und bewerbungswichtige Schlüs- selqualifikationen erwerben, wobei Spaß in einer ereignisreichen Freizeit- gestaltung hinzukommt.

Umsetzung eines Gesellschaftskonzeptes

Das Konzept, das innerhalb der CSU

und JU Bayern schon seit längerem dis- kutiert und vorangebracht wird, hat jetzt auch die SPD für sich entdeckt, wobei Anspruch und Wirklichkeit maßlos auseinanderklaffen. Die rot- grüne Bundesregierung behindert zum einen mit steuerlichen Maßnahmen und rechtlichen Sanktionen bürgerli- ches oder ehrenamtliches Engage- ment. Auf der anderen Seite versuchen kommunale SPD-Politiker den ehren- amtlich Aktiven brav auf die Schulter zu klopfen und bei Jahreshauptver- sammlung zahlreiche Lobeshymnen auszusprechen. Die gespaltene Zunge von Schröder, Eichel und Co. ist ein

@

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 13

Hohn für jeden jungen Menschen, der

Interesse für eine Gemeinschaft zeigt

und behindert die Heranbildung von

Nachwuchs zum Zusammenhalt der

sozialen Netzwerke.

Andreas Scheuer, JU-Deutschlandrat,

Mitglied der CSU-Grundsatzkommission

Jugendgruppen gibt es viele Reibungspunkte unter- einander. Jugendarbeit ist weniger eine Angelegen- heit der großen Politik, denn die Realität vor Ort ist entscheidend. Jugend »einzuordnen« geht heute nicht (mehr). Deshalb ist die Aktivität der kleinen Einheiten gefordert. Das Image der Jugend wird nicht dadurch verbessert, dass in der Kommunalpresse über die Zerstörung eines Jugendtreffs lang und breit be- richtet wird. Die Jugendlichen reagieren viel sensi- bler, aber auch heftiger auf Dinge, die als störend empfunden werden. Die Kontaktaufnahme zu den verschiedenen Gruppen, das Prestigedenken unter- einander, die fragmentierte Jugendkultur machen es schwer in der Jugendarbeit eine gemeinsame Basis zu finden. Jedoch ist Jugend nur das kleinere Abbild der größeren Einheit Gesellschaft.

Aktive Bürgergesellschaft setzt früher an

Hierbei geht es um ein modernes Gesellschaftskon- zept, woran jedes Mitglied der Gesellschaft beteiligt ist und keine »Gemeinschaftsduselei« darstellt, sondern welches die soziale Netzwerke sichern sollte. Der 2- Satz besteht zum einen aus der Verantwortung für sich selbst, also Eigenverantwortung, Selbstverwirkli- chung, Wettbewerb und Leistung, und zum anderen aus der Übernahme von Verantwortung für andere, d.h. Solidarität, Engagement, Gemeinschaft und Subsi- diarität. Die Aktive Bürgergesellschaft definiert sich

Innerhalb einer Gesellschaft sind Veränderungsprozesse, an welchen die Jugend teilnimmt, Realität. Es stellt sich die Frage, ob die Jugendarbeit von heute auf die Bedürfnisse richtig eingestellt ist oder ob neue Alternativen angeboten werden können. Das »Take-off-Konzept« der letzten Monate ist die »Aktive Bürgergesellschaft«. Man versucht dabei, auf die Jugend nicht erst in Problembereichen zuzugehen, sondern schon vorher junge Menschen für bürgerliches Engagement zu motivieren.

aus der aktiven Teilnahme der Bürger an der Gesell- schaft/Gemeinschaft durch Engagement. Die Verbin- dung zur Jugend wird daraus hergestellt, dass die heu- tige Jugend zielstrebig und optimistisch ist und Know- how in neuen Technologien besitzt. Das Zutrauen von Fähigkeiten der Jüngeren durch die Älteren passiert zu wenig, so dass Vereine, Verbände, Projekte oder Ak- tionen Gefahr laufen nur noch »glatzköpfige« oder »grauhaarige« Aktive (Ausspruch eines Vereinsvor- sitzenden) zu haben. Gemeinschaften müssen sich er- neuern, um weiterhin Eckpfeiler unserer Gesellschaft

jugendpolitik

Vielen dürfte der Name der seit über sechs Jahren bestehenden Hilfsorganisation »OFF-ROAD-KIDS e.V.« unbekannt sein. Wer von uns befasst sich schon mit einem Milieu, das wir nur von der Frage kennen: »Haste mal ne Mark für mich?«. Eventuell haben wir den Film über die Christiane F. gesehen und uns über den Überlebens- kampf betroffen gezeigt. Doch ansonsten ist es still um ein Thema, dass in unserer Gesellschaft tabuisiert wird. Straßenkinder gibt es nicht – laut Gesetz hat jedes Kind ein Zuhause.

JAN-H. KLAPS

D och die Realität ist anders: 1.500 bis 2.500 Minderjährige ab dem 13. Lebensjahr, die pro Jahr länger als zwei Wo-

chen auf der Straße zubringen. Um zu überleben betteln sie, gehen auf den Strich und begehen Diebstähle – schnell folgt der Drogenkonsum. Oft kommen sie aus ländlichen Regio- nen und gelangen über Hannover nach Berlin.

»Off-Road-Kids«

Zum Ende des Jahres 1993 gründete der LEO-Club Do- naueschingen das Straßenkinder-Hilfswerk »OFF-ROAD- KIDS e.V.« (im Internet: www.offroadkids.de), dem weitere in sozialen Bereichen tätige Clubs hilfreich folgten, wie Li- ons-, Rotary- und Rotaract-Clubs. Der Name des Hilfsvereins ist ein Wortspiel aus dem Englischen. Er steht für Kinder und Jugendliche, die den Weg von der Straße finden sollen. Ziel des Hilfswerkes ist, Heranwachsende gezielt zu unter- stützen, die von der Obdachlosigkeit bedroht sind, auf der Straße leben oder lebten. Oft haben die obdachlosen Jugend- lichen den Wunsch und nicht selten auch die Überzeugung, von der Straße wegzukommen. Es fehlt ihnen aber zumeist an der dazu nötigen Eigeninitiative und den Lösungsansät- zen. Hier setzt der Verein an.

Arbeitsweise

Mittlerweile kümmern sich fünf Straßenhelfer um die Ziel- gruppe. Je zwei arbeiten hauptsächlich in Berlin und Hanno- ver. Sie arbeiten aber vor allem ortsungebunden innerhalb Deutschlands. Diese Arbeitsweise setzt eine hohe Mobilität und Erreichbarkeit der Mitarbeiter voraus. Um eine kontinu- ierliche Betreuung der Kinder zu erzielen, strebt das Hilfs- werk eine Zusammenarbeit mit lokal arbeitenden Institutio- nen und Projekten an – soweit vorhanden. Die Straßensozialarbeiter suchen den direkten Kontakt mit Straßenkindern. Sie suchen die Aufenthaltsorte der Kinder auf: Bahnhöfe, leerstehende Häuser, Szenetreffpunkte und andere bekannte Treffpunkte. Den Heranwachsenden wird die Hilfe nicht aufgedrängt, sondern angeboten. Ist der Kon- takt nicht gewünscht oder soll er abgebrochen werden, so un- terliegt das allein der Initiative der Angesprochenen. Wenn die Jugendlichen die helfende Hand ergreifen, die ihnen ge- reicht wird, beginnt die eigentliche Arbeit der Mitarbeiter. Sie

Leben Leben auf auf

der der

Ganz Ganz

unten unten ! !

Straße Straße

Hilfe für Straßenkinder!

14 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

jugendpolitik

versuchen Einblick in die Biographie des Kindes zu bekom- men, wie hat es vor seiner »Flucht auf die Straße« gelebt, gibt es Verhaltensauffälligkeiten, wie ist die momentane Überle- bensstrategie. Diese Punkte dienen der gemeinsamen Suche nach Zukunftsperspektiven für den Jugendlichen. Besonders intensiv ist die Suche nach Lösungsansetzen im Familien- und Bekanntenkreis des Angesprochenen. Ist hier keine Hilfe zu finden, wird nach geeigneten Einrichtungen der Jugendhilfe Ausschau gehalten, welche Unterbringung kann als sinnvoll in Betracht gezogen werden. Favorisiert der Obdachlose eine Perspektive, nimmt der Straßenarbeiter nötige Kontakt auf und begleitet das Kind auf seinem Weg.

Eigene Wohn- und Integrationsprojekte

Sollten sich für das heimatlose Kind keine Lösung abzeich- nen, so besteht die Möglichkeit, ihm Unterkunft in von »OFF- ROAD-KIDS e.V.« unterhaltenen und unterstützten Wohn- und Integrationsprojekten einen Lebensraum zu bieten, wenn die vorhandenen Kapazitäten dies erlauben. Sitz dieser Projekte ist Bad Dürrheim im Schwarzwald. Unabhängig da- von, ob das Straßenkind den Kontakt sofort, später oder zunächst nicht beenden möchte, wird ihm eine gebührenfreie Notruf- und Kontakttelefonnummer gegeben, damit ihm der Kontakt zu den Straßenhelfern jederzeit möglich ist. Stark drogenabhängigen Jugendlichen, die therapiewillig sind, kann das Hilfswerk durch die Vermittlung von Entgif- tungs- und anschließenden Therapieplätzen helfen. Hierfür konnte in Zusammenarbeit mit den »Ruppiner Kliniken« in Neuruppin ein ausbaufähiges und übertragbares Modell für die kurzfristige Entgiftung minderjähriger Drogenabhängiger entwickelt werden. Von Januar 1998 bis Mai 1999 wurden im Rahmen dieses Projektes 88 Minderjährige im Alter von 13 bis 17 Jahren vor allem vom »Bahnhof Zoologischer Garten« nach Neuruppin zur Entgiftung gebracht. Dies ist ein wesentlicher Schritt, um schon in der Anfangsphase eine »Drogenkarriere« zu beenden und den Betroffenen zu helfen, sich frühzeitig in die Gesellschaft zu integrieren und nach einer abgeschlosse- nen Schulausbildung einen Arbeitsplatz zu finden!

Unterstützung

Hilfreich unterstützt werden die Straßensozialarbeiter bei ihrer Arbeit von der »Deutschen Bahn AG« mit kostenlosen Zugfahrkarten und von »D2 Mannesmann« durch die Aus- stattung mit Funktelephonen. Von staatlicher Seite erhält der Verein leider keinerlei finanzielle Hilfe. Er wurde vom Finanzamt als mildtätigen Zwecken dienend anerkannt, so

daß er Spendenbestätigungen ausstellen darf. So lebt die In- itiative »OFF-ROAD-KIDS e.V.« ausschließlich mit dem En- gagement der Spender und Förderer. Helfen kann auch ge- rade die Junge Union durch Spendensammelaktionen. Je- der Ortsverband kann den Spendenwürfel bei dem Verein anfordern – in jeder Stückzahl, auch mit Spender-Aufdruck! Den könnt Ihr in den Geschäften vor Ort aufstellen oder mit Sammelbüchsen die Bürger direkt ansprechen. Christlich- konservativ zu denken und zu handeln bedeutet gerade auch, den schwächeren Mitmenschen in unserer Gesell-

schaft aktiv zu helfen!

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 15

jugendpolitik

Wer von amerikanischen Zuständen an deutschen Schulen spricht spielt auf die zunehmende Gewaltbereitschaft und -ausübung an deutschen Schulen an. Die Zwischenfälle in den USA, bei denen Schüler verletzt oder gar getötet werden, scheinen dabei als Vorbild zu dienen.

JugendgewaltJugendgewalt

entgegentretenentgegentreten

Schüler Union fordert Debatte über Jugendgewalt

16 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

jugendpolitik

D ieselbe Gefahr droht in Deutschland jedoch unterschätzt zu werden. Wer glaubt, Deutschland sei – zumindest an Schulen – eine stich- und schuss-

waffenfreie Zone, irrt leider. Der 15-Jährige in Meißen, der seine Lehrerin er- stach, oder der Amokläufer von Bad Reichenhall sprechen eine andere Sprache. Die bisherigen Maßstäbe werden ausgehebelt; die Täter werden jünger und le- ben in idyllischen Dörfern anstatt in Trabantenstädten oder sozialen Brenn- punkten. Sobald diese Vorfälle in den Medien Beachtung finden, herrscht ein kurzzeitiger Konsens, dass gehandelt werden müsse. Dabei bleibt es jedoch, es geschieht nur zu wenig. Sowohl präventive als auch restriktive Maßnahmen müssen bei der Bekämpfung einer verrohenden Schülergeneration einherge- hen. Die Schüler Union Deutschlands hat daher folgende Forderungen als Dis- kussionsanregung aufgestellt:

1. Der Umgang mit Erfolg und Misserfolg muss frühzeitig erlernt wer-

den. Es ist falsch, Grundschüler vor diesen Erfahrungen schützen zu wollen, in-

dem die Einführung von Schulnoten vom dritten Schuljahr nach hinten verlegt werden soll, wie von einigen Bildungspolitikern gefordert wird.

2. Auffälligkeiten im Jugendalter muss frühzeitig entgegengetreten wer-

den. Es ist fatal, dass fast die Hälfte aller Verfahren gegen kriminell gewordene

Jugendliche eingestellt wird, da sich aufgrund des Deliktes ein Verfahren nicht lohnt. Somit wird den Jugendlichen vermittelt, ihr Verhalten sei folgenlos und nicht verwerflich – der Beginn einer gefährlichen Spirale, da seitens des Staates keine Grenzen gesetzt werden.

3. Die Schule ist keine Erziehungsanstalt. Was früher Aufgabe der Familie

und ihres Umfeldes war, wird heute vermehrt von der Schule verlangt: Erzie- hung sowie die Vermittlung von Werten und gesellschaftlichen Grundregeln. Die Schule kann jedoch nicht auf etwas aufbauen, wo gar kein Fundament, d.h. kein Wertegerüst, vorhanden ist. Die Rolle der Familie muss folglich wieder in den Vordergrund gerückt werden.

4. Lehrern muss ein Handlungsspielraum gelassen werden. Nicht mehr

Strenge oder Disziplinierung steht hier im Vordergrund, sondern die Tatsache,

dass Lehrer heute in ihren Mitteln und Maßnahmen dermaßen beschränkt sind, dass bei Problemfällen eine notwendige Reaktion nicht möglich ist. Leidtragen- de sind letztendlich die Schüler, die in extremen Fällen nur noch aus der Klasse oder aus der Schule verwiesen werden können, weil der Entstehung des Kon- fliktes nicht entgegengetreten werden konnte.

5. Der Unterricht muss stärker auf Medieneinflüsse eingehen. In einer im-

mer stärker von den Medien geprägten Gesellschaft nehmen deren Einflüsse auf

Kinder und Jugendliche deutlich zu. Was fehlt, ist eine echte Verarbeitung des Erlebten aus Fernsehen, Videofilmen und Computerspielen. Ob dies in Form ei- nes Schulfaches »Medienerziehung« geschehen soll, muss noch diskutiert wer- den. Fest steht jedoch, dass hier ein erheblicher Handlungsbedarf besteht.

PHILIPPPHILIPP MISSFELDERMISSFELDER

6. Mobbing muss als Gewalt auf psychologischer Ebene erkannt werden.

Das sogenannte »Mobbing« ist heutzutage längst nicht mehr nur die eine oder andere unbedeutende Beleidigung. Wer nicht einer speziellen Gruppierung in- nerhalb der Klasse bzw. Schule angehört, muss mit Ausschluss aus der Gemein- schaft rechnen. Als Gründe hierfür werden häufig Umstände herangezogen, die der Betroffene selbst nicht beeinflussen kann (Aussehen, soziales Umfeld, Be- hinderungen körperlicher und geistiger Natur). Wer als Kind derartigem psy- chologischem Druck ausgesetzt wird, kann in der freien Persönlichkeitsentfal- tung massiv beeinflusst werden – bis hin zu der Gefahr, sich angestauten Frust zu einem späteren Zeitpunkt selber in Gewalt umzusetzen.

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 17

bücher

bücher Gesprochene Geschichte N iemand ist frei von seiner Geschich- te, auch nicht der Deutsche Bun-

Gesprochene Geschichte

N iemand ist frei von seiner Geschich- te, auch nicht der Deutsche Bun-

destag. In vielen Debatten wurde hier meist kontrovers über die NS-Vergan- genheit diskutiert. Der Bogen spannt sich von den ganz frühen Beiträgen kom- munistischer Abgeordneter, über Aden- auer und Brandt, bis hin zu der berühm- ten Rede Richard von Weizäckers zum achten Mai 1985 oder auch der umstrit- tenen Rede des damaligen Bundestags- präsidenten Philipp Jenninger. Immer stießen die Redeschlachten im Bundestag und auch außerparlamenta- risch eine Diskussion über Schuld, Ver- antwortung und Mitwisserschaft an, ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der

Vergangenheit. Der Soziologe Volker Du- biel hat diese Debatten analysiert. Für

Volker Du- biel hat diese Debatten analysiert. Für ihn sind sie politische und moralische Schlüsseltexte der

ihn sind sie politische und moralische Schlüsseltexte der Nachkriegsgeschichte. Das deutsche Parlament als der Gerichts- saal, in dem sich die junge deutsche De- mokratie bewähren musste. (vt)

Helmut Dubiel: Niemand ist frei von der Geschichte. Die nationalsozialistische Herrschaft in den Debatten des deutschen Bundestages, 304 S., Hanser Verlag, München 1999, 39,80 DM

Bundestages, 304 S., Hanser Verlag, München 1999, 39,80 DM Bilder der Entfremdung D as Bild ist

Bilder der Entfremdung

D as Bild ist ein hochpolitisches Me- dium. Gerade in den Jahren nach

dem zweiten Weltkrieg, als das Fernse- hen noch keine dominierende Rolle in

als das Fernse- hen noch keine dominierende Rolle in der Darstellung und Wahrnehmung von Ereignissen spielte,

der Darstellung und Wahrnehmung von Ereignissen spielte, war das Foto das einzige Medium, das visuelle Ein- drücke transportieren konnte. Ein neuer spannend geschriebener Band hat die Fotografie im sich teilen-

den Deutschland untersucht. Waren 1945 noch kaum Unterschiede in der Motivwahl und Darstellungsform zwi- schen den verschiedenen Besatzungs- zonen zu erkennen, ist 1953 dem Be- trachter in aller Regel sofort klar, ob das Bild in der Bundesrepublik oder in der DDR entstanden ist. Diese Ausein- anderentwicklung, die nicht nur die Fotografie, sondern zunehmend auch die Menschen in den beiden deutsche Staaten betraf, wird hier exemplarisch nachvollzogen. Sie zeigt, dass dich zumindest foto-

grafisch in den frühen fünfziger Jahren die Teilung bereits manifestiert hatte und die Bilder die Wahrnehmung der wirklichen Lebensumstände nachhal-

tig geprägt hat.

(vt)

Ludger Derenthal: Bilder der Trümmer- und Aufbaujahre. Fotografie im sich teilenden Deutschland. Ca. 360 S., Jonas Verlag, Marburg 1999, 88 DM

Deutschland. Ca. 360 S., Jonas Verlag, Marburg 1999, 88 DM Irreale Horrorvision E s ist alles

Irreale

Horrorvision

E s ist alles anders gekommen. Der So- zialismus hat gesiegt und nun sind

wir alle rot, unterdrückt und Ossis. Der Autor Christian von Ditfurth hat ein Ohne-Wende Horrorszenario entwor- fen, das seinesgleichen sucht. Helmut Kohl ist ins Ausland geflohen, Fischer und Geißler sitzen in der schweizer Emi- gration und bemühen sich um die ver- bliebenen demokratischen Kräfte. Fiktionale Geschichtsschreibung hat immer ihren ganz besonderen Reiz. Als Roman – wie hier – kann sie es sich leisten, auf viele historische Plausibi- litäten zu verzichten und sich ganz der Vision zu widmen. Ob die DDR die

und sich ganz der Vision zu widmen. Ob die DDR die Bundesrepublik jemals tatsächlich hät- te

Bundesrepublik jemals tatsächlich hät- te übernehmen können, ob die D-Mark tatsächlich DRD Mark hätte heißen sollen und ob es tatsächlich Pläne gab, Borussia Dortmund in Vorwärts Dort- mund umzutaufen, weil »Borussia« zu imperialistisch-preußisch klingt, ist eigentlich unerheblich. Es macht Spaß die politische Phantasie schwel- gen zu lassen und sich daran zu freuen, dass es glücklicherweise doch anders

gekommen ist.

(vt)

dass es glücklicherweise doch anders gekommen ist. (vt) Unmoderner Zeitgeist R ainer Haubrich ist unzeitgemäß.
dass es glücklicherweise doch anders gekommen ist. (vt) Unmoderner Zeitgeist R ainer Haubrich ist unzeitgemäß.

Unmoderner

Zeitgeist

R ainer Haubrich ist unzeitgemäß. Der Architekturkritiker der »Welt«

hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ge- bäude zu entdecken, die in ihrer Zeit als unmodern, dem architektonischen Zeitgeist widersprechend galten. Heute sind diese Bauwerke meist Beispiele für zeitloses Bauen und werden gerade wegen ihrer fehlenden Anbiederung an den Zeitgeschmack geschätzt. Zusammen mit dem Fotografen Frank Schwere hat Haubrich in Berlin 23 Ge- bäude entdeckt, die exemplarisch sind für ein Bauen, dass durch Zeitlosigkeit besticht. Dabei sind eine Reihe von Bauten auch im Ostteil der Stadt zu fin- den: Auch dort gab es mehr als Platten- bauten und das Ensemble der Zucker- bäckerbauten an der ehemaligen Sta- lin-Allee zählt heute mit Sicherheit zu den architektonisch interessantesten Punkten der Hauptstadt. Der reich bebilderte und hübsch aus- gestattete Band lebt vor allem von der un- gewöhnlichen Auswahl der besproche- nen Gebäude, die Ost und West genau- so mischen, wie Repräsentationsbauten und einfache Wohnhäuser. (vt)

Christian von Ditfurth: Die Mauer steht am Rhein. Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus. 258 S., Verlag Kiepenheuer & Witsch 1999

Rainer Haubrich, Frank Schwere:

Unzeitgemäß. Traditionelle Architektur in Berlin. Mit einem Vorwort von Wolf Jobst Siedler. Ca. 88 S., Berlin Edition 1999, 68 DM

bücher

Jobst Siedler. Ca. 88 S., Berlin Edition 1999, 68 DM bücher Bürger- gegen Arbeits- gesellschaft »E

Bürger- gegen Arbeits- gesellschaft

»E uropas Zukunft der Arbeit kann in Brasilien besichtigt werden.«

Derartig markige Aussagen sind für Wissenschaftler ungewöhnlich. Der be- rühmte Münchner Soziologe Ulrich Beck (»Die Risikogesellschaft«) hat sich in Vorbereitung auf die EXPO 2000 mit der Zukunft der Arbeit beschäftigt und ist zu einigen spannenden Thesen ge- langt: Es bringt nichts zu den »guten al- ten Zeiten« zurückzukehren zu wollen. Wir brauchen ein neues Gesellschafts-

modell, das die immer schlechter funk- tionierende Arbeitsgesellschaft ablösen kann. Unsere Zukunftschance ist für Beck die engagierte Bürgergesellschaft. Damit provoziert Beck Gesprächsbedarf, da »Bürgergesellschaft« zwar toll klingt, aber auch nur ein weiterer kommunita- ristischer Ansatz ist, der Bürgerbeteili- gung vor Delegation stellt. Ob – wie Beck behauptet – dieses Gesellschaftsmodell

das einzige ist, dass in diesem Jahrhun- dert Sozialstaat und Demokratie sichern

(vt)

kann, muss diskutiert werden.

Ulrich Beck: Schöne neue Arbeitswelt. Vision: Bürgergesellschaft. Die Buch- reihe zu den Themen der EXPO 2000, Bd. 2, 256 S., Campus Verlag, Frankfurt/Main 1999, 36 DM

Bd. 2, 256 S., Campus Verlag, Frankfurt/Main 1999, 36 DM Revolutionsväter A dorno, Horkheimer, Marcuse: Jedem,

Revolutionsväter

A dorno, Horkheimer, Marcuse: Jedem, der sich für Philosophie in- teressiert, sind diese geistigen Väter der sogenannten »Frankfur-

ter Schule« ein Begriff. Sie waren maßgeblich am Aufbau des berühmten Frankfurter »Institut für Sozialforschung« beteiligt, er- langten aber auch – vielleicht sogar vor allem – in den sechziger Jah- ren Berühmtheit, als die Studentenbewegung sich ihrer Theorien an- nahm und ikonengleich zu den intellektuellen Übervätern der späte- ren ‘68er Bewegung emporhoben. Eine jetzt erschienene Wirkungs- geschichte verdeutlicht die Ursachen für den erstaunlichen Aufstieg und bis heute ungebrochenen Erfolg einer Intellektuellengruppe. Die einzelnen Beiträge gehen hierbei weit über eine reine Personen- oder Institutsgeschichte hinaus: Sie zeigen das gesellschaftliche und intel- lektuelle Klima im Nachkriegsdeutschland auf, in dem eine solche Gruppe arbeiten und wachsen konnte. (vt)

Clemens Albrecht, Günther C. Behrmann, Michael Bock, Harald Homann, Friedrich H. Tenbruck: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. 649 S., Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999, 98,– DM.

649 S., Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999, 98,– DM. 18 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 DIE ENTSCHEIDUNG

ausland

I n Kolumbien, das hat vor kurzem eine Umfrage ergeben, sind die Menschen zu über 80 Prozent glücklich und opti- mistisch. Gerade die Küstenbewohner rühmen sich ihres un- getrübten Lebens und legen in Zeiten des Karnevals erst mal richtig los mit dem Glücklichsein. Vergessen die horrende Staatsverschuldung und den Bürgerkrieg. Wie überall im Land verkehren auch an der Küste Busse zwischen den Städten; die wichtigsten sind Santa Marta, Bar- ranquilla und Cartgena. Erstere hat auch so was wie einen Kar- neval, Cartagena nicht. Ich bin aber doch lieber nach Barran-

Durch Funk, Fernsehen und Schrift- journalismus kann der aufmerksame Weltbürger jedes Jahr die Ereignisse des Karnevals mitverfolgen. Derer gibt es vier Lokalitäten. Rio de Janeiro, Venedig, natürlich die Mardi Gra. in New Orleans und Köln. Aber es gibt auch weniger bekannte Karnevalsspektakel. So Kolumbien. Und hier in Barranquilla, einer häss- lichen Stadt an der Karibikküste des Landes in der es scheinbar nur Menschen, Industrie und einmal im Jahr vier Tage lang Karneval gibt.

Karneval

in

Kolumbien

quilla gefahren. Davor wurde ich von Bekannten immer wie- der eindringlich gewarnt, weil Ausländer zu den Lieblingsop- fern der Guerilleros gehören. Denn aus denen, so glauben sie, können sie kräftig Kapital schlagen, wenn es um’s Lösegeld geht. Nach einigen Wochen im Lande habe ich mich dann aber gefragt, was der ganze Schnickschnack mit dem Bürger- krieg überhaupt soll. Ganz kurz: Es gibt hier 20.000 Gueril- leros. Die leben weitverstreut und in verschiedenen Gruppen (ELN, FARC) in den Wäldern und im Gebirge. Der Großteil war noch nie in einer Stadt geschweige denn, kennt ein nor- males Leben. Das liegt daran, dass die Guerilla sich ihren Nachwuchs in den umliegenden Dörfern zusammenklaut.

Schwache Regierung

Dann gibt es noch die Regierung mit dem sympathischen, aber ziemlich schwächlichen Andrés Pastrana an der Spitze.

20 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

Die Regierung tut nach außen hin so, als ob sie alles gegen den Krieg und für die Entwicklung des Landes macht. Ansonsten verhandelt sie, wie schon 40 Jahre lang ihre Vor-

gängerinnen mit den Guerilleros. Dazu fährt man dann zum Bei- spiel nach Europa und setzt sich dort an einen Tisch. Und die FARC Vertreter sprechen dann auch gleich noch beim Papst vor. So als gäbe es nichts Erhebenderes für ein Volk, dass zu 98 Prozent der

katholischen Religion angehört und die Guerilla zum großen Teil für die Misere des Landes verantwortlich macht. Vielleicht hat der alte Kontinent da etwas falsch verstanden.

»Die Regierung tut nach außen hin so, als ob sie alles gegen den Krieg und für die Entwicklung des Landes macht.«

ausland

Die Guerilla ist nicht diejenige NGO, die sich für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes einsetzt oder auch nur annähernd daran denken würde, dass es Menschenrechte gibt. Andererseits sind Regierung und Pres- se an diesem Dilemma mitverantwort- lich. In Kolumbien ist es nichts Beson- deres, wenn die Guerillaanführer Inter- views geben und regelmäßig ihr Kon-

gierung untersteht natürlich die Armee, die ihr Bestes tut, den einzelnen Guer- rilla-Kämpfern auf die Schliche zu kom- men. Kräftige Unterstützung liefert im- mer mal wieder die USA, die am liebsten Pestizid-Bomber über die gepflegten Ma- rihuana- und Kokafelder schicken. Eine weitere Kampfgruppe sind die Paramilitärs, die glauben machen, für die Mittelklasse zu kämpfen und die

Nun weiß ich, dass »Operation Cobra« wirklich ein schlechter Film ist. Aber im Bus war es Mucksmäuschen stille, als irgendein unbekannter Schauspieler seine asiatischen Kampfkünste gegen- über Gegnern zum Besten gab. Dann doch lieber Karneval. Die Karnevalsparaden und das ganze Zeug haben mein norddeutsches Blut nicht sonderlich erhitzt. War wohl

Drei Monate Praktikum im Land der Kaffeebohne und des Kokablattes

terfei vor die Fernsehkameras halten, ohne dass auch nur eine staatliche Si- cherheitskraft darauf käme, die Schwer- verbrecher zu verhaften. Eine Neuauf- lage der Zerschlagung des Medellin- Kartells wäre dem Land zu wünschen und auch nicht zu weit hergeholt. Denn den Part der Drogenmafia haben die Guerilleros mittlerweile fast völlig ver- einnahmt. Die Guerilla, ursprünglich mit marxistischen Idealen angetreten, finanziert sich heute durch Narcotrafíco (Drogenhandel) und Lösegelder für ent- führte Persönlichkeiten. Die Zeiten, in denen sie gegen den Drogenhandel ge- kämpft haben, sind längst vorbei. Der Re-

KRISTIN VORPAHL

auch gut so, denn irgendjemand muss ja so was wie ein ausgleichendes Mo- ment verkörpern.
auch gut so, denn irgendjemand muss
ja so was wie ein ausgleichendes Mo-
ment verkörpern. Die Stadt war sowie-
so von feiernden Menschen begraben.
Da es kein richtiges Stadtzentrum gibt
und die Leute überall irgendwie woh-
nen und arbeiten oder auch beides
gleichzeitig, gab’s in jedem Vorgarten
ein Karnevalsgetöse.
Ganz toll kommt bei allen das jähr-
liche Sich-mit-Maismehl-Bewerfe an.
Alle haben dann graue oder weiße Haa-
re. In dieser Stadt ist alles geschmückt,
vom Auto bis zum Baum; und den
Menschen ergeht es nicht anders. Zum
Glück muss man aus Sparsamkeit oder
DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 21

vom Staat geduldet werden. Wie viel Dreck die schon am Stecken haben, mag keiner zugeben.

Neue Busse, alte Filme

Aber zurück zu den Bussen: In diesen schicken Gefährten habe ich mich näm- lich die ganze Zeit gefragt, wo die typi- schen Überlandbusse geblieben sind, die in Kolumbien überall in Miniatur an die seltenen Touristen verkauft werden. Statt Nostalgie also Klimaanlage, Ge- tränke und Videofilm. Den Kolumbia- nern, so wurde mir berichtet, gefallen vor allem die Reißer aus den Achtzi- gern. Karatetiger und der ganze Schrott.

schieden habe – will heißen Shirt mit Ausschnitt. In Ko- lumbien wie in allen erzkatholischen
schieden habe – will heißen Shirt mit Ausschnitt. In Ko-
lumbien wie in allen erzkatholischen spanischen Ex-Kolo-
nien ist es für Mädels jeden Alters nämlich an der Tages-
ordnung ordentlich Haut zu zeigen. Und das gestehe ich
den schönen Kolumbianerinnen auch gerne zu. Trotzdem
bin ich froh über meine weiten Hose, denn darin kann ich
meine Unbeweglichkeit gut kaschieren. Als Radiohead und
U2 verwöhnte Deutsche glaube ich zu träumen, als mir ein
paar englische Wortfetzen ins Gesicht knallen. Ahjaa. YM-
CA. Macht nix, ich versteh’ das als Chance. Die Kehrseite
der Medaille zeigt sich mal wieder in der Vorliebe der Ko-
Südländische Idylle, leergefegte Straßen, Berge von Ananas, doch: Karneval ist alles anders.
lumbianer für die wirklich schlechte Musik der Achtziger.
Und dann wird nichts ausgelassen. Oder anders gesagt, bei
den Liedern, die hier Karriere machten, hätte ich mich über
jeden CC Catch Knaller hochgradig gefreut. Zum Glück
war ich schon vorgewarnt, denn was die Radauschup-
pen zu bieten haben, findet sich hier auch in jeder privaten
CD-Sammlung wieder.
Schlaflose Tage
Und immer wieder Karnevals-Fröhlichkeit. Und das Schlim-
me an uns coolen Deutschen ist ja, dass uns so ein Spektakel
zuhause viel zu blöd wäre. Aber in der Fremde lässt man sich
gerne hinreißen. Absolut Wodka und Salsa geschädigt. Das
ganze Karnevalsspektakel dauert vier Tage, das kennen wir
ja. Dann wird Montag und Dienstag nicht gearbeitet, son-
dern einfach weitergefeiert. Ich frag mich, wie die das durch-
halten, da ich schon nach einer Nacht schlapp machen
möchte. Aber shakashakashaka, weiter geht’s gnadenlos auf
die Piste, auf die Straße, überall hin.

ausland

medien

Geldmangel nicht verdursten oder verhungern, denn die Ko- lumbianer nehmen solche Festlichkeiten nicht zum An- lass, in wohlbekannter deutscher Manier abzuzocken. Alles gut, alles schön, alles fröhlich, alles optimistisch. Für die Nacht, die hier für Partygänger so gegen 23 Uhr beginnt, und nicht – wie in Bogotá – durch eine Sperrstunde wesentlich verkürzt wird, ist Rumba angesagt. Eigentlich ist in Ko- lumbien am Wochenende überall Rumba (dt. Party, Fete). Kolumbianer feiern wie die Katalanen. Das Nette hier ist, dass der Eintritt immer gleich Getränke im Gegenwert beinhaltet. Für eine Bande von sechs Leuten heißt das dann meist ‘ne Buddle hartes Zeug und dazu was zum Mixen für die Softies.

www.vhb.org – so heißt die Adresse, unter der Bayern den internationalen Wettbewerb um den Rohstoff Geist aufnimmt. Die Virtuelle Hochschule Bayern (VHB) soll eine Plattform für die besten Online-Bildungsangebote werden. Studieren, wann und wo man will, lautet die Vision, die nun schrittweise in die Realität umgesetzt wird.

THOMAS SILBERHORN

Online studieren:

Jenseits von Raum und Zeit

I m Mai 2000 startet die Pilotphase der VHB mit Angeboten in den Fächern Ingenieurwissenschaften, Informatik, Medizin, Wirtschaft und Schlüsselqua- lifikationen. Eine Erweiterung auf die Fachbereiche Natur-, Geistes- sowie So- zialwissenschaften, Kunst, Architektur und Design, Recht und schließlich Er- ziehung ist in Vorbereitung.

Virtuelle Innovation

Die VHB wird das Rad nicht neu erfin- den. Nicht veränderte Lehrinhalte sind das Ziel, sondern eine innovative Form ihrer Darstellung und Vermittlung. Das virtuelle Lehrangebot wird die Erstaus- bildung an den Präsenzhochschulen er- gänzen, aber auch Angebote der Wei- terbildung umfassen. Dementsprechend wurde die VHB auch als Verbundein- richtung aller bayerischen Hochschulen errichtet. Der Freistaat Bayern stellt für die VHB, deren Koordinierungsstelle in Bamberg sitzt, im Rahmen der High- Tech-Offensive 22 Mio. Mark zur An- schubfinanzierung für die Jahre 2000 bis 2002 bereit. Weitere 6 Mio. Mark sind für den Virtuellen Campus in Hof vorgesehen, auf dem Online-Angebote weiterer Bildungsträger vermarktet wer- den. Schließlich stehen 12 Mio. Mark für die Virtuelle Berufsbildung zur Ver- fügung, die von der IHK Oberfranken in Bayreuth koordiniert wird. Für die VHB kann das allerdings nur ein Anfang sein, denn immerhin belau- fen sich die Kosten für nur einen virtu- ellen Studiengang auf fünf bis zehn Mio. Mark. Die Folgekosten werden teilweise sicher durch Vermarktung zu decken sein. Ein erheblicher Anteil wird

aber vor allem durch Einsparungen an den bestehenden Universitäten aufge- bracht werden müssen. Manche Vorle- sung und Übung, so ist zu erwarten, wird dann eben nur noch online zur Verfügung stehen. Auch in der Bildung kann Rationalisierung sinnvoll sein. Hieraus wird das Ausmaß erforderli- cher Veränderungen deutlich: Es müs- sen nicht nur die Lehrangebote wesent- lich besser aufeinander abgestimmt und miteinander vernetzt werden. Es bedarf auch einer Modularisierung der Lehr- inhalte und der Einführung von Cre- dit-Point-Systemen. Nicht zuletzt ist die – auch internationale – Anerkennung der Abschlüsse unabdingbar. Kurz- um: Online- und Direktstudium müs- sen kompatibel werden.

Attraktivitätssteigerung

Für Studierende eröffnen sich damit großartige Chancen. Bereits die Auslese und Transparenz von Online-Angebo- ten dürften dafür sorgen, dass multime- diale Lehrangebote das durchschnittli- che Qualitätsniveau der Lehre an deut- schen Präsenzhochschulen deutlich übertreffen. Die internationale Ausrich- tung der Studiengänge kann etwa durch ausländische Autoren oder bilinguale Kurse mit vergleichsweise geringem Auf- wand gesteigert werden. Und vor allem wird ein Studium unabhängig von Ort und Zeit den Nachteil geographischer Ab- geschiedenheit kompensieren und denje- nigen eine große Erleichterung bringen, die zusätzlich familiären, sozialen oder beruflichen Verpflichtungen nachkom- men müssen. e-Lehre bedeutet also ein spürbares Plus an Chancengleichheit.

Das Projekt wird indessen nur erfolg- reich sein können, wenn auch die rich- tigen Anreize für Lehrende und Ler- nende geschaffen werden. Für Profes- soren muss neben der Reputation, die ein weltweit abrufbarer Online-Kurs verschaffen kann, auch die Verwertung lukrativ sein, was im Hinblick auf den Urheberschutz im Internet noch offene Fragen aufwirft. Eine Schlüsselrolle wird dem akademischen Mittelbau zu-

Eine Schlüsselrolle wird dem akademischen Mittelbau zu- N ormalerweise zeichnen sich die Clubs dadurch aus, dass
Eine Schlüsselrolle wird dem akademischen Mittelbau zu- N ormalerweise zeichnen sich die Clubs dadurch aus, dass

N ormalerweise zeichnen sich die Clubs dadurch

aus, dass die Lautstärke der Musik im umgekehrten Ver- hältnis zur Lichtbestrahlung steht. Das Licht wird weni- ger, das Volumen mehr, viel mehr. Schwups wird aus ei- ner Bar eine Disco. Für den Mitteleuropäer, der sich zu- hause vom Mittelmaß abhe- ben will, in dem er coole südamerikanische Musik kennt, hört der Spaß mindestens nach dem fünften Salsa und dem vierten Marenga auf. Man kommt sich vor, wie Baby in Dir- ty Dancing, hat aber keine Lust, sich weiterhin doof anzu- stellen, wenn’s darum geht, kräftig das Becken beben zu las- sen. Da trink ich lieber Wodka mit Orangenpulvermix und freu mich, dass es ein absolut ausländischer Wodka ist. Für den kriegt der Staat nämlich Extra-Kohle in Form von Steu- ern. Also mehr als für Einheimischen. Und das ist in einem Land, in dem neuerdings 55 Prozent der Menschen in Armut leben, nicht zu verachten. Und der Staat braucht das Geld für Sozialprogramme. Fragt sich, was besser ist: Die bösen Impe- rialisten und den Staat zu unterstützen oder die einheimi- schen Schnapsbrenner. Aber das fällt mir erst jetzt ein.

schen Schnapsbrenner. Aber das fällt mir erst jetzt ein. kommen, der allein die intensive Be- treuung

kommen, der allein die intensive Be- treuung interaktiver Studiengänge si- cherstellen kann. Dazu sind eine um- fassende Qualifizierung und finanzielle Perspektiven unumgänglich.

D ie Studierenden hingegen müssen dazu befähigt werden, das Multi-

media-Angebot nicht nur passiv zu kon- sumieren, sondern aktiv zu nutzen. Das erfordert Medienkompetenz, Motiva- tion und Disziplin, oder anders ausge- drückt: Eigenverantwortung, die das auf der Freiheit von Forschung und Lehre beruhende deutsche Hochschulsystem ohnehin verlangt. Wer die Chancen der Virtuellen Hochschule Bayern eigen- verantwortlich wahrzunehmen weiß, wird für den internationalen Wettbe- werb gut gerüstet sein.

Thomas Silberhorn ist Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Union

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 23

Neben mir saß ein Typ, der beim Anblick der wogenden Frauenkörper immer wieder »eihhhhh, que rico« schrie. Das ganze im Winnetou-Sopran. Es wird eins, zwei und die Kolumbianer werden immer wilder. Das erste Mal übri- gens, dass ich mich für etwas freizügigere Kleidung ent-

22 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

medien

Global vernetzt – lokal aktiv

Public

2000 AffairsAffairs

InIn BerlinBerlin gehtgeht eses andersanders zu…zu…

Berlin Berlin geht geht es es anders anders zu… zu… BERND BUSCHHAUSEN …als im beschaulichen Bonn

BERND BUSCHHAUSEN

…als im beschaulichen Bonn
…als im beschaulichen Bonn

Mit dem Umzug zahlreicher Bonner Ministerien nach Berlin werden auch in der Lobbyarbeit die Karten neu gemischt: Der Regierungswechsel rückt die politischen Kommunikationswege wieder deutlicher ins Licht der Öffentlichkeit, neue Netzwerke für die Interessenvertretung von Unternehmen und Verbänden müssen aufgebaut werden.

von Unternehmen und Verbänden müssen aufgebaut werden. W ährend im beschaulichen Bonn die politische

W ährend im beschaulichen Bonn die politische Interessenvertre-

tung in nahezu geschlossenen Zirkeln ablief, stehen in Berlin die Lobbyisten und Unternehmensvertreter vor der Notwendigkeit, fernab ihrer angestamm- ten Industriestandorte und Einflussbe- reiche ihre Netzwerke neu zu definie- ren. Aufgrund der räumlichen Distanz Berlins zu den wichtigsten Industrie- standorten Deutschlands spielen exter- ne Politikberater dabei eine zunehmen- de Rolle und werden im größeren Um- fang auch die direkte Unternehmens- vertretung am neuen Regierungssitz ergänzen oder auch ersetzen. Parallel dazu ist eine deutliche Inter- nationalisierung der Interessenvertre- tung in der politischen Arena Berlins zu beobachten. Ähnlich wie in Brüssel, wo mittlerweile nahezu jedes internationa- le Großunternehmen ein Verbindungs-

24 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

büro unterhält, haben die sogenannten »Global Players« aus Übersee die Not- wendigkeit erkannt, neben ihrer wirt- schaftlichen Marktstrategie auch den politischen Markt in Deutschland stär- ker berücksichtigen zu müssen. In die- sem dynamischen Umfeld entdeckt man- che Kommunikationsagentur für sich den bisher in Deutschland wenig erschlosse- nen Markt der »Public Affairs«.

Politische Kommunikation in Berlin: Das neue Umfeld und Selbstverständnis

Public Affairs steht für die Schnittstel- le, in der sich die Belange eines Unter- nehmens, einer Institution mit den Be- langen der Politik treffen. Politische In- halte müssen über diese Schnittstellen hinweg kommuniziert werden, um ge- sellschaftliche Akzeptanz für Produkte, Maßnahmen oder Tätigkeiten zu schaf-

fen. Durch die Fokussierung auf die po- litische Arena unterscheidet sich Public Affairs von der herkömmlichen Öffent- lichkeitsarbeit eines Unternehmens. Wie jeder Umzug nicht nur ein Wech- sel des Ortes ist, sondern mit einem neuen Selbstverständnis einhergeht, so hat sich die Public Affairs-Beratung in Berlin von der PR als eigenständiges Be- ratungsgebiet emanzipiert. Auch hat sich der Charakter der poli- tischen Kommunikation seit dem Um- zug nach Berlin gewandelt. Während in Bonn der Direktkontakt aufgrund der Überschaubarkeit der Stadt leicht her- zustellen war, ist Berlin durch weitere Wege gekennzeichnet. Folglich hat sich die Zahl der Veranstaltungen, die Inte- ressenvertreter und Politiker zusammen- bringen sollen, vervielfacht. Und schließ- lich ist der Wettbewerb im Bereich Pu- blic Affairs härter geworden. Die großen

medien

PR-Agenturen bauen Politikberatungsbereiche auf, um ihre Kampagnen durch politische Elemente zu ergänzen. Die Ein- Mann-Kanzleien, geleitet von ehemals aktiven Politikern, ha- ben dabei häufig das Nachsehen, da Public Affairs über das ge- wohnte Lobbying – d.h. die Kontaktherstellung und -pflege zu Entscheidungsträgern – hinausgeht. Public Affairs-Beratung als Disziplin – im Deutschen wird häufig der Begriff »Politikberatung« genutzt – stammt aus dem anglo-amerikanischen Raum und umfasst neben der klassischen Interessenvertretung insbesondere den Transfer von Spezialwissen zwischen den verschiedenen Akteuren in der politischen Arena. Eine international tätige Public Af- fairs-Agentur prägt ihr Profil folglich an den Schnittstellen

Z wischen politischer Medienarbeit und Monito- ring jedoch liegt der Paragraphendschungel aus

Verordnungen, Regeln und Beschlüssen, die Partei- en, Parlamente, Ministerien und Behörden hervor- bringen. Die entsprechenden Gegenöffentlichkeiten in der Arena der politischen Akteure machen nicht nur durch parlamentarische Anfragen, Hearings oder öffentliche Reden auf sich aufmerksam. Vielmehr nutzen Politiker, Beamte und Institu- tionen ebenso wie Journalisten, pressure groups und NGOs Abseits von Normen, Gesetzen und Programmen die vielfältigen Kommunikations- kanäle einer differenzierten und technologisch

DieDie LobbyLobby amam Ball:BDJ-ChefBall:BDJ-Chef HenkelHenkel
DieDie LobbyLobby amam Ball:BDJ-ChefBall:BDJ-Chef HenkelHenkel
LobbyLobby amam Ball:BDJ-ChefBall:BDJ-Chef HenkelHenkel von Politik, Öffentlichkeit und Medien. Political

von Politik, Öffentlichkeit und Medien. Political Consulting, verstanden als Kommunikation mit verschiedenen politi- schen Teilöffentlichkeiten, unterscheidet sich vom klassi- schen Lobbyismus vor allem durch systematische und trans- parente Information.

hochentwickelten Gesellschaft. Effektive Kom- munikation braucht daher Experten, die sowohl branchenspezifisches Detailwissen einbringen kön- nen als auch die Spielregeln komplexer Öffent- lichkeiten effizient beherrschen.

Das Wirkungsfeld von Public Affairs:

Meinungsbildung durch Moderation und Kooperation

Ausblick: Public Affairs in Deutschland

In Deutschland werden die PA-Aufgaben nach wie vor vorwiegend durch Verbände wahrgenommen. Allerdings beauftragen immer mehr Unternehmen

spezialisierte PA-Agenturen mit der Entwicklung von Lobbying- und politischen Kommu-

nikationsstrategien, da sie sich angesichts der Vielfalt der Mitgliederinteressen im Verband ihr Spezialinteresse nicht hin- reichend repräsentiert sehen. Der exter- ne PA-Berater ermöglicht dabei dem Un- ternehmen eine stärker auf ihre Belange ausgerichtete Lobbying-Strategie.

In einer Zeit, in der ein einziger öffent- licher Auftritt eines Unternehmens die gesellschaft- liche und politische Akzeptanz seiner Produkte mit- bestimmt, wird die Betreuung der speziellen Be- dürfnisse und Interessen einzelner Akteure immer wichtiger. Folglich ist auch in Deutschland damit zu rechnen, dass die professionelle Public Affairs-Bera- tung hier immer stärker Fuß fassen wird.

Die sich verästelnden Entscheidungsstrukturen in der Po-

litik sind es schließlich, die das Selbstverständnis der PA- Agentur definieren: Gefragt ist nicht mehr der Lobbyist der alten Schule, der besten Kontakt zu »seinem«

Abgeordneten pflegt, sondern das Zusammen- führen von politischen Co-Entscheidern und das Moderieren von politischen Anliegen. Erst das sichert tatsächliche Wirkung und nachhal- tige Kommunikationsstrukturen. Die politische Dimension der Märkte bewegt sich im Span- nungsfeld zwischen Medieninteresse und Mei-

nungsführern, Gesetzgebung und pressure groups. Quellen politischer Entscheidungen bestehen aus Handlungsdruck in der Sache, der öffentlichen Diskussion oder aufgrund von Gegen-Lobbying. Zu dem Revier der PA-Spe- zialisten gehört insbesondere das Monitoring von politischen Prozessen, d.h. die Beobachtung und Analyse der Key Player und der notwendigen Entscheidungsprozesse, Interessenkon- flikte und -parallelitäten. Ausgehend von dem konkreten Handlungsbedarf des Kunden entwickelt der Politikberater strategische Konzeptionen und Allianzen für den Auftritt in der politischen Arena und der relevanten Öffentlichkeit.

»Auch in Deutschland ist damit zu rechnen, dass die professionelle Public Affairs-Beratung hier immer stärker Fuß fassen wird.«

Bernd Buschhausen ist Public Affairs Consultant bei ipse Communication-GPC Germany

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 25

aktuell

Was

Schröder

DR. THOMAS GOPPEL

verschweigt

Als großartigen Erfolg rot-grüner Politik

versuchte der Bundeskanzler in seiner

Regierungserklärung zur wirtschaft-

lichen Lage den jüngsten Rückgang

der Arbeitslosigkeit zu verkaufen.

Er hat damit unrecht.

Deutschland bei Wachstum und Arbeitsplätzen Schlusslicht in Europa

26 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

kopfzeile

E rstens schmückt er sich schon wieder einmal mit fremden

Federn, wie er es bereits 1998 getan hat, als er – noch nicht

Kanzler – die wirtschaftliche Erholung auf seine bloße Kan- didatur zurückführte. Diesmal sind es vor allem demogra- phische Faktoren und der Wechselkurs, die in der Arbeits- marktbilanz positiv zu Buche schlagen. Der »Rückgang der Arbeitslosigkeit ist nicht Schröders Verdienst.« (Die Welt, 10.5.2000) Zweitens sieht die Wirklichkeit deutlich weniger rosig aus, als Schröder glauben machen will. Deutschland gehört in punkto Wachstum und Beschäftigung nach wie vor zu den Schlusslichtern in Europa. »Zum gegenseitigen Schul- terklopfen besteht kein Anlass.« (BDI-Chef Henkel)

eine Steigerung der Zukunftsinvestitionen zu Lasten des Konsums, kein undifferenziertes Zu- sammenstreichen, eine Fortführung des Reformprogramms der unionsgeführten Bundesregierung in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, kein Zurückdrehen.

in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, kein Zurückdrehen. Deutschland Schlusslicht Was Schröder in seiner

Deutschland Schlusslicht

Was Schröder in seiner Regierungserklärung verschweigt: Deutschland ist bei Wachstum und Arbeitsplätzen Schlusslicht in Europa. War in der EU 1999 durchschnittlich ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent zu er- mitteln, so verzeichnete Deutschland unter Schröder gerade einmal 1,4 Prozent. Betrachtet man das Beschäftigungswachs- tum in 1999, so kam Deutschland auf schwache 0,2 Prozent. Die EU verzeich- nete hingegen immerhin 1,6 Prozent., Während 1999 europaweit die Arbeits- losigkeit um 0,8 Prozentpunkte gesenkt

werden konnte, tat sich in Deutschland

nichts. Die Bilanz: Deutschland 0 (Pro- zent-) Punkte. Im Februar 2000 (aktuellster Wert) waren nur 70.000 Personen mehr erwerbstä- tig als vor Jahresfrist. Hätten wir nur den eu- ropäischen Durchschnitt erreicht, so hätte über eine halbe Million neue Arbeitsplätze entste- hen müssen. Auch in diesem Jahr wird Deutschland deut- lich langsamer wachsen als die meisten Staaten der Europäischen Union.

Kein Verdienst von Rot-Grün

Die Zahl der Arbeitslosen ist im April zwar endlich unter 4 Millionen gesunken. Ein Erfolg der Bundesregierung lässt sich daraus jedoch keineswegs ableiten, im Gegenteil: Entgegen den Verspre- chungen hat Schröder bis heute »den Durchbruch in der Be- schäftigungspolitik nicht geschafft.« (SZ, 10.5.2000) Berücksichtigt man, dass aus rein demographischen Grün- den pro Jahr ca. 200.000 Personen als Erwerbstätige oder Ar- beitsuchende ausscheiden, erscheint ein Rückgang der Ar- beitslosigkeit um 159.000 binnen Jahresfrist als wahrlich »bescheidene Job-Bilanz« (SZ, 26.4.2000) In Ostdeutschland ist die Beschäftigung sogar zurückge- gangen. Heute sind dort fast 55.000 Menschen mehr arbeits- los als noch vor einem Jahr. Auch die Euroschwäche hat zur Arbeitsmarkterholung beigetragen. Zunehmende Exporte geben positive Konjunk- turimpulse und verdecken damit momentan die beschäfti- gungspolitischen Defizite von Rot-Grün.

Euro-Schwäche signalisiert rot-grüne Defizite

Der Euro ist seit seiner Einführung um mehr als 20 % ge- fallen. Schröders Kommentar: »Wir müssen uns keine Sor- gen machen.« Der Außenwert des Euro werde sich der Kraft

der europäischen Volkswirtschaften angleichen. »Bis dahin lasst uns Freude daran haben, dass es unserer

Exportwirtschaft so gut geht.« Schröder unterschlägt das eigentliche Pro- blem: Deutschland als die größte europäi- sche Volkswirtschaft ist kraftlos! Die Investo- ren haben kein Vertrauen in die rot-grüne Politik und in die Eröffnung neuer Wachs- tums- und Beschäftigungspotenziale durch

diese Bundesregierung. Was Deutschland braucht, ist nicht das kurzfristige »Aufputschmittel« einer Währungsabwertung mit seiner langfristigen Nebenwir- kung Inflation. Was wir brauchen ist eine mutige Steuerreform, keine Trippelschritte – die Staatsquote ist unter Rot-Grün nicht gesunken, sondern auf knapp 49 % gestiegen –, eine Entlastung des Beschäftigungsmotors Mittelstand, kei- ne Benachteiligung gegenüber den Kapitalgesellschaften, eine Förderung der Existenzgründungen, keine Behinde- rung durch ein Scheinselbständigengesetz,

»Entgegen den Versprechungen hat Schröder bis heute

»den Durchbruch in der

Beschäftigungspolitik nicht geschafft.«

Dr. Thomas Goppel ist Generalsekretär der CSU

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 27

news

BUNDESWEHR

»Aktion

Mitsprache«

news BUNDESWEHR »Aktion Mitsprache« »W ie empfinden sie die derzeiti- ge Diskussion über die Zu- kunft

»W ie empfinden sie die derzeiti- ge Diskussion über die Zu-

kunft der Bundeswehr? Wie lange soll der Wehrdienst dauern? Wie kann der Wehrdienst attraktiver gemacht wer- den?« Solche und ähnliche Fragen stell- ten am 23. Mai viele JU-Kreisverbände Wehrdienstleistenden, Zeit- und Berufs- soldaten vor deutschen Kasernen. »Der Verteidigungsminister beschäf- tigt Honoratioren, wir fragen die Betrof- fenen«, machte JU-Chefin Hildegard

Müller deutlich. Dass die bundesweite »Aktion Mitsprache« gerade an diesem Tag von der Jungen Union vor deut- schen Kasernen durchgeführt wurde, war kein Zufall. An diesem Tag wurden auch die Ergebnisse der Wehrstruktur- kommission veröffentlicht. Die Kommis- sion unter der Leitung von Richard von Weizsäcker sei »fehlbesetzt«, so die Jun- ge Union. »Wir wollen unsere Solidarität mit den Soldaten deutlich machen«, er- klärt Hildegard Müller. »Die Interes- sen der jungen Soldaten und Wehr- pflichtigen werden kommen nicht zum Zuge. Das werden wir nicht zulassen!« Vertei- digungsminister Scharping. »Wenn der Minister schon nicht zu den Soldaten kommt, dann bringen wir die Mei- nung der Soldaten eben zum Minister«, so die Meinung der Jungen Union. Nach Angaben der durchführenden Kreisverbände stieß die »Aktion Mitsprache« auf reges Interesse bei den Soldaten. Die anony- men Fragebögen sollen später ausge- wertet und die Ergebnisse dem Vertei- digungsministerium zugeleitet werden. »Und das noch bevor der Verteidi- gungsminister seine Entscheidung be- kannt geben will. »Schließlich wollen wir, dass die Ideen und Anregungen der Betroffe- nen noch in den Entscheidungsprozess eingebunden werden können«, so Hil- degard Müller abschließend.

PARTEIREFORM

Demokratisierung statt Amerikanisierung

A ls »kraftvollen Schritt zur Erneue- rung der CDU« bezeichnete die

Vorsitzende der Jungen Union Deutsch- lands, Hildegard Müller, die Äußerun- gen des CDU Generalsekretärs Ruprecht Polenz MdB zur Urwahl der Kandidaten für öffentliche Ämter. Die JU-Chefin begrüßt, »das Aufgreifen dieser origi- nären Forderung der Jungen Union als Zeichen der Öffnung der Partei«. »Das stärkt die innerparteiliche De- mokratie und treibt auch die personel- le Erneuerung der Union voran,« so Müller. »Wir haben gefordert, dass die Partei den Mitgliedern wieder zurück gegeben werden muß. Dies ist nun ein erster wesentli- cher Schritt«, machte Müller deutlich. Die Vorschläge des SPD-General- sekretärs Franz Müntefering, »Prima-

ries« nach US-Vorbild durchzuführen, bezeichnete sie als »undurchdachte Effekthascherei«. »Es geht angesichts der wachsenden Nichtwähleranteile nicht um Show-Effekte, sondern um ein glaubwürdiges Angebot zur Mit- gestaltung. Unsere Politik braucht Demokratisierung statt Amerikanisie- rung und Lösungskompetenz statt

Luftblasen«, fordert die JU-Vorsitzen-

de abschließend.

Luftblasen«, fordert die JU-Vorsitzen- de abschließend. MACHTFAKTOR Wir sind wer E ine besondere Auszeichnung wurde

MACHTFAKTOR

Wir sind wer

E ine besondere Auszeichnung wurde dieser Tage der JU-Vorsitzenden Hil-

degard Müller zuteil. Das befindet die Il-

lustrierte Bunte. Die nämlich wählte die 133 mächtigsten Frauen Deutschlands. Eingerahmt von Angela Merkel (Platz 1) und Dagmar Schipanski (Platz 58) wähl-

te die eigens berufene Jury Hildegard Müller auf Platz 27 der mächtigsten 133 Frauen. Damit liegt sie weit vor der grü- nen Fraktionschefin Kerstin Müller (Platz 45) und dem vermeintlichen »Super- weib« Hera Lind (Platz 133). Erfolg hat einen Namen: Junge Union.

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2-farbig

hierzulande

SACHSEN-ANHALT

Fortbildungs-

offensive

Magdeburg. »Die Junge Union in Sachsen-An- halt fordert die Landesregierung auf, im Bereich der nebenberuflichen Weiterbildung eine For- bildungsoffensive zu starten«, so der stellvertre- tende Ju-Landesvorsitzende und wirtschafts- politischer Sprecher der JU, Markus Junge.

und wirtschafts- politischer Sprecher der JU, Markus Junge. »Es ist heute unumstritten, dass nur eine kontinuierliche

»Es ist heute unumstritten, dass nur eine kontinuierliche Weiterbildung und Weiterqua- lifizierung der Arbeitnehmer Arbeitsplätze si- chert. Auch haben nur Unternehmen mit best- qualifizierten und motivierten Mitarbeitern im internationalen Wettbewerb auf Dauer gute

Chancen.« Anstatt sich jedoch für zukunftswei- sende, arbeitsplatzerhaltende Maßnahmen ein- zusetzen, stellt die Landesregierung mit Rück- sicht auf die PDS, Gelder in dreistelliger Millio- nenhöhe für einen aussichtslosen dritten Ar- beitsmarkt zur Verfügung. Die Junge Union vertritt dagegen, dass gerade ihr Bundesland mit der höchsten Arbeitslosen- quote in Deutschland für berufsbegleitende Weiterbildung Angebote unterbreiten muss. Eine Forbildungsoffensive könnte im Bereich der Hochtechnologien langfristig die Arbeitslo- sigkeit mit bekämpfen helfen. Gefordert von der Landesregierung wird endlich einmal mit

Weitblick zu handeln.

30 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

BADEN-WÜRTTEMBERG

Im Rentenalter abgebrannt?

Baden-Baden (KA). Auf einem außerordentlichen Landestag in Baden-Baden bezieht die Junge Union Baden-Württemberg Posi- tion in der Rentenpolitik. Gleichzeitig bildet die Veranstaltung den Startschuss zu einer landesweiten Aktionsreihe unter dem Motto »Im Rentenalter abgebrannt ?«. An Informationsständen, auf Marktplätzen und Straßen sollen rund 30.000 Postkarten ver- teilt und so für ein besseres Rentenmodell geworben werden. »Die junge Union trage den jetzigen Generationenvertrag nicht länger mit, wenn die junge Generation trotz steigender Beiträge künftiger immer weiter sinkende Rentenleistungen befürchten müsse«, erklärte die JU-Landeschefin Edith Grupp. Wichtigster Punkt, so Dieter Meßmer als Leiter des Arbeitskrei- ses Rente der JU, sei demnach die Tragfähigkeit des neuen Mo- dels über das Jahr 2040 hinaus, da in diesen Jahren die demo- graphische Spitze erreicht werde. Zur Abstimmung stehen in Baden-Baden insgesamt vier Lö- sungsmöglichkeiten, die von umfangreichen Reformen innerhalb des geltenden Systems der umlagefinanzierten Rente über die Ein- führung eines Kapitaldeckungsverfahrens in verschienden Vari- anten bis hin zu einer steuerfinanzierten Grundrente reichen. Als Referenten nehmen der junge CDU-MdB und Rentenfachmann Andreas Storm, Prof. Dr. Schnabel von der Uni Mannheim und Dr. Knobloch vom sächsischen Sozialministerium teil. Neu an der Gestaltung des Landestages ist, dass nicht lediglich über ein vom Landesvorstand vorgelegtes Thesenpapier beraten wird, sondern die Teilnehmer zwischen vier vorgelegten Alternativen wählen können. An der Veranstaltung werden nicht nur die gewählten Delegierten, sondern alle JU-Mitglieder aus Baden-Württemberg diskussions- und abstimmungsberechtigt sein.

BAYERN

diskussions- und abstimmungsberechtigt sein. BAYERN Die strategische Ausrichtung der CSU und eine Verjüngung

Die strategische Ausrichtung der CSU und eine Verjüngung der Partei bei den Kom- munalwahlen 2002 standen im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen CSU-Chef Ed- mund Stoiber und den über 100 Kreisvorsitzenden der Jungen Union Bayern. Über vier Stunden diskutierte der Ministerpräsident mit der JU in München und sagte sei- ne Unterstützung für junge Kandidaten zu. Im Bild v.l.n.r.: Dr. Markus Söder MdL, Landesvorsitzender der JU-Bayern und Vorsitzender der CSU-Medienkommission, Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber MdL, rechts Georg Fahrenschon, Bezirksvor- sitzender der JU-Oberbayern und stellvertretender JU-Bundesvorsitzender.

JU-Oberbayern und stellvertretender JU-Bundesvorsitzender. SOEST Guten Anschluss erhalten Soest (DB). Um eine auch in

SOEST

Guten

Anschluss

erhalten

Soest (DB). Um eine auch in Zukunft akzeptable und annehmbare Situation im öffentlichen Personen Nahverkehr zu gewährleisten, fordert der Kreisver- band der Jungen Union Soest von der Bahn, die Bahnhöfe besser in die ein- zelnen Städte zu integrieren. Das heißt, die zumeist zentrale Lage muss besser ausgenutzt werden. Im einzelnen muss die Infrastruktur auf die Bahnhöfe ab- gestimmt werden, damit es möglich wird, von den Bahnhöfen schnell zu Fußgängerzonen oder Dienstleistungs- zentren zu gelangen. Des weiteren muss die Anbindung zu weiteren Fortbewegungsmöglichkei- ten verbessert werden. Das heißt, die Zusammenarbeit zwischen den Bus- betreibergesellschaften und der Deut- schen Bahn muss weiter verbessert werden. Gerade die kleineren Gemein- den im Kreisgebiet würden von einer Ausweitung der Verbindungen profitie- ren, auch und gerade vor dem Hinter- grund der Ökosteuer. Den Bürgern muss es ermöglicht werden ohne eigenes Au- tomobil schnell und sicher ins Ruhrge- biet, zu den heimischen Flughäfen oder zu den großen Umsteigebahnhöfen zu gelangen, um guten Anschluss an den Fernverkehr zu haben. Aus diesem Grund schlägt die Junge Union vor, die Taktfrequenz der Züge Richtung Hamm, Paderborn und Dortmund zu erhöhen und flexibler zu gestalten. Dies wür- de die Umsteigemöglichkeiten erhöhen und zur Attraktivität der Bahn einen er- heblichen Beitrag leisten.

aktiv

GÖPPINGEN

Erfolgreiche Bilanz

Göppingen (RW). Bei der Jahreshaupt- versammlung der Jungen Union Kreis- verband Göppingen wurde der 28jähri- ge Andreas Seehofer aus Eislingen ein- stimmig als Kreisvorsitzender bestätigt. Auf Antrag des Kreisvorstandes wur- de der Posten eines Internetreferenten im neuen Vorstand beschlossen und der erst 15jährige Steffen Höllinger aus Dürnau in dieses Amt gewählt. Die JU setzt damit ein Signal nach außen, da das Medium Internet zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Weißwurst und Web

Im Rechenschaftsbericht ging Andreas Seehofer auf die Arbeit der JU im ver- gangenen Geschäftsjahr ein, bei dem die Kommunalwahlen im Vordergrund stan- den. Zwölf Kandidaten der JU haben ein kommunalpolitisches Mandat erreicht.

der JU haben ein kommunalpolitisches Mandat erreicht. Weiter stand der Bezirkstag der JU Nord- württemberg, die

Weiter stand der Bezirkstag der JU Nord- württemberg, die Veranstaltungen zum Ausstieg aus der Kernenergie, der Weiß- wurstfrühschoppen am Tag der Deut- schen Einheit sowie Veranstaltungen und Themen der Kreispolitik an. Auch die Schaffung eines neuen Internetan- gebotes und der Aufbau des E-Mail-Ver- teilers sprach Seehofer lobend an.

GESEKE

Volle Börse

Geseke (DB). Die JU-Bundesvorsitzen- de Hildegard Müller war zu Gast in Ge- seke. Im Beisein des CDU-Kreisvor- sitzenden Bernhard Schulte-Drüggelte (Möhnesee), des Geseker CDU-Chefs Hans-Josef Marx, des Geseker Vize-Bür- germeisters Robert Henneken, des JU- Kreisvorsitzenden Martin Topp (Werl) und des Geseker JU-Verantwortlichen Tassilo Nolte machte Hildegard Müller eingangs deutlich, wie bedeutend die Nachwuchsarbeit gerade für ihre Partei sei und wie stark sich die Jugend in jüngster Vergangenheit mit dem christ- lich-demokratischen Grundgedanken identifiziere. Aber auch Themen wie das Nord-Süd-Gefälle wurden disku- tiert. Hildegard Müller betonte, wie wichtig eine sinnvolle Auswertung der »Generationen-Bilanz« sei. Die Bunde- schefin der Jungen Union in der voll be- setzten Gösselbörse: »Alle Initiativen

in der voll be- setzten Gösselbörse: »Alle Initiativen und Investitionen nutzen sehr wenig, wenn nicht die

und Investitionen nutzen sehr wenig, wenn nicht die nachfolgenden Genera- tionen ganz konkret davon profitieren können«. In lockerer Runde diskutier- ten JU-Mitglieder aus Geseke und aus dem gesamten Kreisgebiet danach ge- meinsam mit Hildegard Müller, Werner Lohn und Martin Topp über aktuel- le Dinge aus der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, wobei es natürlich schwerpunktmäßig um die Belange des Nachwuchses ging.

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 31

aktiv

MÜNCHEN

Neuer Service aus Oberbayern für die mobile Generation

München (FvR). Die Junge Union Oberbayern bleibt bei der Nutzung neuer Technologien am Ball: Als erster bayerischer JU- Bezirksverband haben die Oberbayern ein WAP-Portal in Be- trieb genommen. Hier gibt es die Informationen und Nachrich-

DaDa stauntstaunt derder Gerhard…Gerhard…
DaDa stauntstaunt derder Gerhard…Gerhard…

ten der oberbayerischen JU jetzt auch zum Mitnehmen. »Die Mobilität des Inter- nets ist die nächste große Entwicklung im Bereich der Informations- und Kom- munikationstechnologie. Dabei sollte die Junge Union unbedingt an der Speer- spitze stehen und den Anschluß nicht verpassen«, freut sich der oberbayeri- sche JU-Vorsitzende Georg Fahrenschon über das neue WAP-Angebot.

Mobiles Infotainment

Das »JU Oberbayern W@P-Port@l« ist zwar vom Umfang her noch weit ent- fernt von dem Internet-Angebot des Be- zirksverbandes, aber ein erster Schritt zum mobilen Infotainment ist getan. Besitzer eines WAP-fähigen Mobiltele- fons (betreiberabhängig) können sich ab sofort unter http://wapmatic.de/juober- bayern auch unterwegs über die Junge Union Oberbayern informieren. Unver- ändert bleibt das Internet-Angebot un- ter http://www.junge-union.de/ober- bayern, das sich stetig wachsender Be-

liebtheit erfreut.

MÜNCHEN

Mit Schulungsreihe in die Offensive

München (FvR). Der JU-Bezirksverband Oberbayern bietet seinen Mitgliedern einen neuen Service: Von Juni bis Okto- ber 2000 veranstaltet der größte deutsche JU-Bezirksver- band insgesamt vier Seminare, die zusammen acht Tage dau- ern. Das Schulungsprogramm 2000 soll den Mitgliedern auf Orts- und Kreisebene das notwendige Rüstzeug für eine mo- derne Verbandsarbeit bringen.

Unterstützung vor Ort

Entwickelt hat das Programm die stellvertretende Bezirks- vorsitzende Birgit Schilhanneck, zugleich JU-Kreisvorsitzen- de in Fürstenfeldbruck: »Um unsere Mitglieder bei der Arbeit vor Ort noch besser zu unterstützen, haben wir ein Schu- lungskonzept ausgearbeitet, das die wichtigsten Aspekte der Arbeit vor Ort abdeckt und eine effektivere und erfolgreiche

32 DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000

Verbandsarbeit ermöglichen soll.« Neben der Ver- mittlung von theoretischem Hintergrundwissen stehen vor allem praktische Übungen und der Er- fahrungsaustausch im Hintergrund, unterstreicht Schilhanneck. Die Schulungsreihe ist in vier Blöcke aufgeteilt, in denen die Themen Präsentation und Moderation, Kassenführung, Presse- und Öffentlich- keitsarbeit sowie die schlagkräftige Ortsverbandsar- beit behandelt werden. Die Schulungsreihe ist Teil der Offensive »Oberbayern 21«, die der Bezirksverband zum Jahrtausendwechsel beschlossen hat. Die Offensive soll die Schlagkraft, Attraktivität und Modernität der Jungen Union in Oberbayern für das neue Jahr- tausend deutlich erhöhen.

in Oberbayern für das neue Jahr- tausend deutlich erhöhen. Coesfeld (CL). Die Möglichkeiten einer Ausweitung des

Coesfeld (CL). Die Möglichkeiten einer Ausweitung des Nachtbusangebotes auf Freitags hat jetzt die Junge Union des Kreises Coesfeld erörtert. Die JU kam dabei zu folgen- dem Ergebnis: Der Bedarf an Fahrgästen ist auch an Freita- gen gegeben; dies geht aus einer Studie hervor (96 Prozent der Fahrgäste wünschen sich einen Nachtbus auch an Frei- tagen) Seit der Einführung des Nachtbussystems im Kreis Coesfeld 1992 ging die Zahl der sogenannten Diskounfälle nachweislich zurück. Das St. Vincenz-Hospital in Coesfeld

COESFELD

Nachtbusse auch Freitag

registriert samstags weniger jugendliche Unfallopfer als freitags, wo der Nachtbus nicht verkehrt. Die Finanzierung ist das größte Problem: Hier muß die Stadt Münster, die als Oberzentrum massiv von den Gästen aus dem Umland pro- fitiert, mit einbezogen werden.

Sponsoring möglich

Desweiteren ist zu überlegen, inwieweit der Kreis Coesfeld, der jährlich Landeszuwendungen in Höhe von 1 Mio. Mark

für den ÖPNV erhält, das Nachtbussystem bezuschussen kann. Ein stilles Sponsoring durch Kinos, Diskotheken, Re- staurantbetriebe etc. sollte auch in Betracht gezogen werden. Desweiteren sollten die Kommunen jede Möglichkeit über- prüfen, die Nachtbusse auch freitags zu ermöglichen. Auch über eine Anhebung der Fahrpreise auf einigen Strecken

sollte nachgedacht werden.

aktiv

FULDA

Scientologie bekämpfen

Fulda (DG). Aufgerufen von der Kreis- und Stadt-JU in Fulda, demonstrierten über dreissig Jugendliche vor der Orangerie gegen eine Seminarveranstaltung des Scientologen Brüge- mann. Bei einer Podiumsdiskussion der JU zum Thema Scien-

mann. Bei einer Podiumsdiskussion der JU zum Thema Scien- tologie zwei Tage zuvor, warnte die bekannte

tologie zwei Tage zuvor, warnte die bekannte Scientologie- Gegnerin Renate Hartwig vor den Tarnmechanismen und der schleichenden Unterwanderung durch die Sekte. In diesem Zu- sammenhang kam auch das Seminar des Scientologen Brüg- gemann zur Sprache. Die Demonstranten konnten viele Se-

gemann zur Sprache. Die Demonstranten konnten viele Se- minarteilnehmer von der wahren Identität des Veranstalters

minarteilnehmer von der wahren Identität des Veranstalters überzeugen. Die Teinehmer, Ärzte und Heilpraktiker, hatten nicht erkannt, welche Organisation hinter der Veranstaltung stand. »Bei diesem Protest geht es nicht um weltan- schauliche oder religiöse Fragen«, so der Kreis- vorsitzende der JU, Swen Friedrich. »Wir dürfen aber nicht zusehen, wenn eine Organisation Men- schen wirtschaftlich und oft auch gesundheitlich ruiniert, geistig abhängig macjt, Familien zerstört und zudem versucht, Wirtschaftsunternehmen und Behörden, und hier wohl auch Mediziner, zu willfährigen Instrumenten ihrer Machtpläne zu machen«, so Friedrich weiter.

DIE ENTSCHEIDUNG 6/2000 33

aktiv

ORTENAU

Kreativ-

potenzial

nutzen

Ortenau (CS). Die CDU muss wieder ei- ne moderne Bürgerpartei werden. Das forderte die Landesvorsitzende der JU in Baden-Württemberg, Edith Grupp, bei der JU Ortenau. Es gelte, die wichti- gen Themen zu erkennen und aufzu- greifen, statt im eigenen Saft zu schmo- ren, sagte die Landeschefin, die zum Klausurwochenende der JU zu Gast war. »Eine neue Selbstverständlichkeit des Meinungsstreits« sei jetzt gefordert und die »Kritikfähigkeit in den Gremi- en muss wieder zunehmen«. Einen »neuen offenen Geist« forder- te das langjährige JU-Bundesvorstands- mitglied Albrecht Geier für die CDU. »Gewöhnen wir uns wieder daran, die Dinge beim Namen zu nennen«, sagte Geier, der ebenfalls zu dem Klausurwo- chenende eingeladen worden war. Er rief zur Stärkung des Bürgermutes ge- gen ein zunehmend hierarchisches Denken in der Gesellschaft auf. »Wenn wir dafür eintreten, werden wir als Par- tei auch wieder für die Bürger inte-

ressant«, so Geier.

tei auch wieder für die Bürger inte- ressant«, so Geier. LEVERKUSEN Pressejubiläum Leverkusen (tb). Das Jubiläum

LEVERKUSEN

Pressejubiläum

Leverkusen (tb). Das Jubiläum der POLITEIA, der Zeitschrift der JU Leverkusen, ist ein Grund zum Feiern. Die POLITEIA ist mit ihren 20 Jahren eine der ältesten regelmäßig er- scheinenden JU-Zeitungen in Deutschland. Ralf Brauksiepe, JU-Landesvorsitzender, dank- te dem Chefredakteur Michael Wilhelm und der gesamten Redaktion für deren Arbeit und wür- digte die Leverkusener Zeitung als ein Urgestein der Jungen Union in NRW. Die Zeitung POLITEIA ist einerseits Sprach- rohr der Jugend innerhalb der Union, anderer-

seits bewahrt die Redaktion auch ihre Unab- hängigkeit. Dieser offene kritische Ansatz ist für die Redaktion ein Ansatz für mehr Glaubwür-

digkeit ihrer Zeitung.

ein Ansatz für mehr Glaubwür- digkeit ihrer Zeitung. HERFORD/BERLIN Herford/Berlin (CS). Bundespolitik aus erster

HERFORD/BERLIN

für mehr Glaubwür- digkeit ihrer Zeitung. HERFORD/BERLIN Herford/Berlin (CS). Bundespolitik aus erster Hand erleb-

Herford/Berlin (CS). Bundespolitik aus erster Hand erleb- ten Mitglieder der Jungen Union aus dem Kreis Herford auf Einladung des heimischen Bun-

destagsabgeord-

neten Dr. Reinhard Göhner. Drei Tage besuchten die JUler die Bundes- hauptstadt Berlin.

gastkommentar

Merkels Verdienst und Bürde

D ie Wahl in Nordrhein-Westfalen hat der CDU zwei bittere Erkenntnisse verschafft: Die Krise der Partei

ist noch nicht überwunden, und die FDP ist als siche- rer Koalitionspartner verloren gegangen. Diese Situation ist die wahre Ausgangsbasis für die Arbeit der neuen Parteiführung in Berlin. Viele hatten prophezeit, dass es für Angela Merkel nicht einfach werde, die CDU wieder zu Erfolgen zu führen. Seit dem Wahlsonntag können sich die Skeptiker bestätigt fühlen.

FDP hat profitiert

Es war schon auffallend, wie sehr sich Parteichefin Merkel und Generalsekretär Ruprecht Polenz mit Schuld- zuweisungen an die Adresse Jürgen Rüttgers zurückhiel- ten. Nicht zu unrecht. Der Spitzenkandidat in Düsseldorf ist – ähnlich wie Volker Rühe in Schleswig-Holstein – ein Opfer der Spendenaffäre geworden. Für zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler hat der Spendenskandal der CDU bei der Wahl eine Rolle gespielt, so die Demoskopen. Während auf Bundesebene inzwischen häufig der Ein- druck entsteht, die Affäre sei bewältigt, haben die Wähler offenbar ein anderes Empfinden. Viele wollten die Union abstrafen – die FDP hat davon profitiert. Aber auch die erschreckend geringe Wahlbeteiligung hat ihre Ursache unter anderem in der Spendenaffäre. Sie hat die Politikverdrossenheit der Bürger erhöht und ihre schlechte Meinung über Politiker bestätigt. Für die- sen Schaden trägt die CDU die Verantwortung. Umso wichtiger ist es, dass Angela Merkel ihren hohen Grad an Glaubwürdigkeit erhält. Kann sie den Eindruck vermit- teln, ehrliche Politik zu machen, liegt darin sicherlich ei- ne Chance für die CDU.

Plumper Wahlkampf

So auffällig wie die fehlende Schuldzuweisung war je- doch auch das fehlende Lob für Jürgen Rüttgers. Volker Rühe konnte seine Niederlage noch ausschließlich der Spen- denaffäre anlasten. Rüttgers kann dies nicht. Von der Bild- Zeitung ließ sich der politische Profi wissentlich den Slogan »Kinder statt Inder« in den Mund legen – ein unverzeihli- cher Fehler. So plumper Wahlkampf, der sofort den Ruch der Ausländerfeindlichkeit bekam, kam bei vielen Stamm-

JUTTA WAGEMANN

wählern der Union nicht an. Und auch die neue Parteiführung distanzierte sich. Der Eiertanz, den Merkel und Polenz rund um »Kinder statt Inder« aufführ- ten, war sehenswert, aber nicht hilfreich für die CDU an Rhein und Ruhr.

Perspektive durch Merkel

Wenig erfreulich ist für die Union auch das Verhalten der FDP. Spitzen- kandidat Jürgen Möllemann öffnete sich deutlich zur SPD – und hatte Er- folg. Die SPD, nicht die CDU, ist jetzt in der komfortablen Lage, sich künftig den Koalitionspartner aussuchen zu können. Die CDU kann nur darauf bauen, dass die SPD sich alle Möglich- keiten vor den nächsten Landtagswah- len offen halten will. Das honorieren Wähler in der Regel nicht. Bis zu den nächsten Wahlen, in Baden-Württem- berg und Rheinland-Pfalz, haben jetzt alle Parteien ein dreiviertel Jahr Zeit, Politik zu machen. Keine schlechte Per- spektive für die CDU. Zurück zur Sachpo- litik will die neue Parteispitze – dazu hat sie jetzt ausreichend Gelegenheit. Mit konstruktiver Oppositionspolitik im Bund kann die Union punkten. Zudem steht in Baden-Württemberg ein ziem- lich sicherer Wahlsieg ins Haus. Es ist das Verdienst von Angela Mer- kel, dass die CDU diese Perspektive wieder hat. Es ist zugleich auch Mer- kels Bürde. Gehen die Wahlen verlo- ren, muss sie die Verantwortung über- nehmen. Dann wird sich zeigen, wie fest die Partei tatsächlich zu ihrer neu- en Vorsitzenden steht.

Jutta Wagemann ist Berliner Parlaments- korrespondentin der Badischen Zeitung