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Klausuraufgaben BWL II

LEISTUNGSPROZESS

Was verstehen Sie unter dem Begriff und den Zielsetzungen des Leistungsprozesses?

Unter dem Begriff des Leistungsprozesses versteht man die Beschaffung und Kombination von
Produktionsfaktoren zur Erzeugung und zum Absatz von Produkten, wobei eine Wertschöpfung
entsteht.
Das Sachziel Wertschöpfung sind absatzfähige Produkte, wobei die Leistungen die Kosten
überragen.
Dieses Sachziel wird durch die Formalziele Produktivität, Wirtschaftlichkeit und Rentabilität
erreicht.

Erläutern Sie bitte die Einbettung des Leistungsprozesses in den Markt anhand einer
Skizze.

Beginn Zeitverbrauch Ende

Produktions-
faktoren Produkte
Beschaffungs Leistungs- Absatzmarkt
markt bewertete Kosten prozess bewertete Leistungen

Ausgaben Einnahmen

Mehrwert
Realgüter
Nominalgüter

Welche Begriffe werden für die sechs Phasen des Leistungsprozesses verwendet?

Finanzierung, Investitionen, Personal, Beschaffung, Produktion, Absatz

Wie würden Sie - jeweils in einem Satz – die Aufgaben der sechs Phasen beschreiben?

Finanzierung: Es müssen Geldmittel und Kapital für die anderen Phasen des
Leistungsprozesses beschafft werden.
Investition: Ein Teil der Geldmittel wird in Betriebsmittel und Anlagen investiert, um die
Produktion zu gewährleisten.
Personal: Bereitstellung von und Umgang mit Personal, das den Leistungsprozess
gestaltet.
Beschaffung: Werkstoffe und Materialen werden angeschafft, welche in den
Produktionsprozess eingehen.
Produktion: Durch die Produktion werden die Werkstoffe und Materialien unter
Verwendung der Betriebsmittel und Anlagen be- und verarbeitet, um Produkte
für den Absatzmarkt herzustellen.
Absatz: In der Phase des Absatzes werden die erstellten Produkte durch den Vertrieb
und durch das Marketing den Kunden auf dem Absatzmarkt zum Kauf
angeboten.
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PRODUKTIONSTYPEN

Welche Begriffe werden für die drei Grundformen der Produktionstypen verwendet?

- auftragsorientierte Einzelfertigung Typ 1


- gemischte Serienfertigung Typ 2
- marktorientierte Massenfertigung Typ 3

Anhand welcher Merkmale und Ausprägungen werden die drei Produktionstypen


gekennzeichnet?

TYP 1 TYP 2 TYP 3


Absatzweg Direkt gemischt Indirekt
Wiederholbarkeit Selten wechselnd Ständig
Spezifikation Individuell optional standardisiert
Disposition Nach Bedarf gemischt Nach Verbrauch
Bevorratung Material Komponenten Produkte
Organisation Werkstattfertigung Gruppenfertigung Linienfertigung

PRODUKTIONSPROGRAMM

Welche Formen des Produktionsprogramms kennen Sie und was versteht man
darunter?

Langfristig: Festlegung des Produktionsfeldes (Branche)


(Kleinwagen, LKW, Mittelklasse)
Abschätzung des Marktvolumens und des Marktanteils
Langfristig (10 bis 50 Jahre)
Mittelfristig: Festlegung des Produktsortiments
(2 oder 4-Türer, Motorstärke mit Kraftstoff, welche Ausführung)
( 5 bis 10 Jahre) => strategisch
Kurzfristig: Festlegung des Produktionsprogramms im engeren Sinne
Nach Art, Menge und Termine der Produkte
(1 bis 12 Monate) => operativ

MATERIALWIRTSCHAFT

Welche Güterarten werden unter dem Begriff „Material“ zusammengefasst?

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Handelswaren.


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Welche Beispiele würden Sie für diese Güterarten bei einem Betrieb nennen, der
a)Möbel herstellt?

Rohstoffe Holz
Hilfsstoffe Schrauben, Dübel, Leim
Betriebsstoffe Strom
Handelsware Matratze für das herstellte Bett

b)Kleider herstellt?

Rohstoffe Stoff, Denim (wird veredelt durch Waschverfahren)


Hilfsstoffe Knöpfe, Nieten, Reisverschluss
Betriebsstoffe Strom, Benzin
Handelsware Gürtel

c)Computer herstellt?

Rohstoffe Plastik für das Gehäuse


Hilfsstoffe Schrauben
Betriebsstoffe Schmieröl für Machinen
Handelswaren Monitore

Welche Teilaufgaben umfasst der Aufgabenbereich der Materialwirtschaft?

Material-
- Disposition
- Beschaffung
- Prüfung
- Lagerung
- Transport
- Entsorgung

Welche Prinzipien der Materialdisposition kennen Sie und wie würden Sie diese
erläutern?

Verbrauchsorientierte Materialdisposition:
- gekennzeichnet durch die Vorratshaltung von Gütern
- Güter werden im eigenen Betrieb auf Abruf gelagert, um sie bei Bedarf sofort griffbereit
zu haben
- Diese Güter sind auf dem Markt nicht sofort beschaffbar
- Güter, deren Bedarf absehbar ist
- Güter, die nur im Einzelfall benötigt werden
- Qualität des Gutes darf durch Lagerhaltung nicht abnehmen
- Günstig und einfach zu steuern
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Bedarfsorientierte Materialdisposition:
- erforderliches Material wird fallweise bei entsprechendem Bedarf beschafft
- Materialien müssen kurzfristig beschaffbar sein
- Bei unvorhersehbarem und nicht planbarem Materialbedarf
- Teuer und komplex zu steuern
Produktionssynchrone Materialdisposition:
- benötigte Materialien werden zum Termin, an dem be- bzw. verarbeitet werden soll,
geliefert
- Lieferanten sind fest an den Liefertermin gebunden
- Lagerhaltung: nur kleine Reserven für Fälle von Lieferschwierigkeiten
- Teuer und relativ einfach zu steuern

Welche Lagerhaltungsmotive kennen Sie und wir würden Sie diese erläutern?

Ausgleichsfunktion:
- sichert die Überbrückung von Mengen- und Zeitdifferenzen zwischen Beschaffung und
Fertigung
- es wird mehr eingekauft als nötig (Reserven), für Fälle von Lieferschwierigkeiten bzw.
falschen Lieferungen
Sicherheitsfunktion:
- es werden vorsichtsbedingte Pufferbestände aufgebaut, um eventuellen
Versorgungsengpässen vorzubeugen
Vorsichtsfunktion:
- der Verbrauch ist unsicher bzw. unbekannt
- die Lieferbereitschaft ist sicher
Spekulationsfunktion:
- Preisentwicklung ist unsicher, Lagerbestände werden bei günstigen Preisen aufgestockt
Wertschöpfungsfunktion:
- z.B. bei Weinen, da sie durch längere Lagerung an Wert gewinnen

Definieren Sie den Begriff Beschaffungsprogramm

Festlegung der zu beschaffenen Güter (Material) nach Art, Menge und zeitlicher Reihenfolge je
nach Produktionsprogramm und Fertigungstiefe, d.h. Anteil der Zulieferungen zu
Eigenfertigung.

Langfristig: Beschaffungsfeld (Definition des Beschaffungsmarktes)


Mittelfristig: Beschaffungssortiment ( Definition der Lieferanten)
Kurzfristig: Beschaffungsprogramm i.e.S. (Definition der Bestellungen im Detail)
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ORGANISATIONSTYPEN

Welche Begriffe werden für die vier Organisationstypen der Fertigung verwendet?

Baustellenfertigung, Werkstattfertigung, Gruppenfertigung, Linienfertigung

Durch welche Merkmale werden diese vier Organisationstypen gekennzeichnet?

Baustellenfertigung: Die Betriebsmittel, das Personal sowie Material und Baugruppen werden
zum Objekt transportiert. Das zu produzierende Objekt verlässt die
Baustelle, wenn überhaupt, erst nach Fertigstellung
(Bsp. Bauindustrie und Schiffsbau)
Werkstattfertigung: Die Betriebsmittel sind gleichartig. Die Fertigung wird in einzelnen
Werkstätten, die entweder nach Funktion oder Verrichtung räumlich
zusammengefasst sind, aufgeteilt (z.B. alle Drehmaschinen zur
Dreherei). Die Objekte werden losweise je nach Bearbeitung von einer
Werkstatt zur nächsten transportiert oder durchlaufen eine Werkstatt
mehrfach.
(Bsp. Maschinenbau und Textilbranche)
Gruppenfertigung: Die Betriebsmittel werden zur Komplettbearbeitung einer Teilefamilie
räumlich und organisatorisch zu einer Gruppe zusammengefasst
(autonome Fertigungsinsel). Die Objekte werden in der Gruppe
weitergegeben.
(Bsp. Personenfahrzeug und Maschinenbau)
Linienfertigung: Die Betriebsmittel zur Fertigung einer Teileart werden
arbeitsvorgangsweise in einer Linie aufgestellt und als Fließband oder
Transferstrasse verkettet. Die Objekte fließen zwangsläufig stückweise
über die Station in einem vorgegebenen Takt.
(Bsp. Konsumgüterindustrie)

PRODUKTIONS- UND KOSTENTHEORIE

Was versteht man a) unter Produktionsisoquanten und b) unter Kostenisoquanten?

Produktionsisoquante: geometrischer Ort aller Faktorkombinationen, die zu gleicher


Ausbringungsmenge führen
Kostenisoquante: geometrischer Ort aller Faktorkombinationen, die zu gleichen
Kosten führen.

FIXE UND VARIABLE KOSTEN

Nennen Sie jeweils 2 Beispiele für Produktionsfaktoren mit fixen und variablen Kosten.

Fixe Kosten: technische Anlagen und Maschinen, indirekte Arbeitskosten


Variable Kosten: Material, direkte Arbeitskosten
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Welche Verläufe weisen Gesamt-, Durchschnitts- und Grenzkosten jeweils auf.
Skizzieren Sie diese bitte jeweils in einem Diagramm am Beispiel von absolut fixen
Kosten bzw. proportionalen Kosten. Geben Sie dabei die korrekten
Achsenbezeichnungen an.

Absolut fixe Kosten Proportionale Kosten

K Gesamtkosten K Gesamtkosten

x x
D D
Durchschnittkosten Durchschnittkosten

x
x
G G
Grenzkosten Grenzkosten

x x

Wie werden Durchschnitts- und Grenzkosten ermittelt und was bedeuten diese in der
Praxis?

Grenzkosten: Man erhält die Grenzkosten als erste Ableitung der Gesamtkosten K
nach der Ausbringungsmenge x. K´ = dK / dx
Sie sind der Zuwachs der Gesamtkosten K, der durch die
Produktion der jeweils letzten Ausbringungseinheit verursacht wird.
Durchschnittskosten: Die Durchschnittskosten ist der Quotient aus Kosten und Menge.
D=K / x
Je größer die zu produzierende Menge, desto niedriger fallen die
Durchschnittskosten pro Stück aus.
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ERTRAGSFUNKTION UND KOSTENFUNKTION

Wie sehen der Gesamtertrag, Durchschnittsertrag und Grenzertrag bei der


Ertragsfunktion von Typ A aus? (Skizze)

Produktionsfunktion Typ A

m
m´ I II III IV
e
m - Gesamtertrag

e - Durchschnittsertrag

r1 Faktoreinsatzmenge
m´ - Grenzertrag

Beschreiben Sie den Verlauf der Kurve in den 4 Phasen. (Tabelle)

Phase Gesamtertrag Durchschnittsertrag Grenzertrag Endpunkt der


m e m´ Phase
I Progressiv Steigend Positiv, steigend Wendepunkt
steigend bis Max. m´= Max.
II Degressiv Steigend bis Max. Positiv, e = Max.
steigend fallend e = m´
III Degressiv Fallend Positiv, m = Max.
steigend bis fallend bis Null m´= 0
Max
IV fallend fallend Negativ, fallend
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Erläutern Sie die ertragsgesetzliche Kostenfunktion vom Typ A (wobei angenommen
werden soll, dass KEINE FIXEN KOSTEN vorliegen) anhand folgender Fragen:

a) welche Verläufe weisen Gesamt-, Durchschnitts- und Grenzkosten auf ?


Skizzieren Sie diese bitte.

K - Gesamtkosten

K I II III IV
k

K´- Grenzkosten

k - Durchschnittkosten

b) welche Phasen unterscheidet man? Kennzeichnen Sie die Phasen in der Skizze
und fassen Sie die Merkmale der verschiedenen Phasen in einem tabellarischem
Schema zusammen.

Phase Gesamtkosten Durchschnittskosten Grenzkosten Endpunkt der


K k K´ Phase
I Degressiv fallend Fallend bis Min. Wendepunkt
steigend K´= Min.
II Progressiv fallend steigend
steigend
III Progressiv Fallend bis Min. Steigend k = Min.
steigend K´ ≤ k k = K´
IV Progressiv steigend Steigend
steigend K´ ≥ k
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ZAHLENBEISPIELE

Zahlenbeispiel für fixe und variable Kosten


Eine Schokoladenfabrik , welche einen Verkaufspreis von 2 € pro Tafel Schokolade
erzielt, hat zur Produktion eine Anlage mit einer Kostenstruktur der nachfolgenden
Tabelle im Einsatz:

Fixe Kosten pro Monat Variable Kosten pro Tafel Kapazität pro Monat
160000 € 1,50 € 640000 Tafeln

a) Welche Gesamtkosten entstehen bei Vollauslastung pro Monat?

K = K(f) + K(v) * x
K(f) = 160000 K(v) = 1,50 x = 640000
K = 160000 + 1,50 * 640000 = 1120000

b) Welchen Gewinn erbringt die Anlage bei Vollauslastung pro Monat?

G=E-K
K = 1120000 E = 2 * x = 2 * 640000 = 1280000
G = 1280000 – 1120000 = 160000

c) Ab welcher Auslastung pro Monat wird ein Gewinn erwirtschaftet?

Gewinn = 0
E –K = 0
2 * x – (160000 + 1,50 * x) = 0
2x – 160000 – 1,5x = 0
0,5x – 160000 = 0
x = 320000

Zahlenbeispiel
In einer Kornbrennerei, welche für ihr Produkt einen Verkaufspreis von 10 € pro Liter
erzielt, hat zur Produktion 2 Anlagen mit den Kostenstrukturen der nachfolgenden
Tabelle zur Auswahl:

Anlagen Fixe Kosten Variable Kosten Kapazität


Anlage 1 60000 € 2€ 60000 Liter Korn
Anlage 2 90000 € 1€ 60000 Liter Korn

a) Welche Anlage ist bei einer Produktionsmenge von 20000 Litern pro Monat
kostengünstiger?

Anlage 1: K1 = K(f) + K(v) * 20000 = 60000 + 2 * 20000 = 100000


Anlage 2: K2 = K(f) + K(v) * 20000 = 90000 + 1 * 20000 = 110000

Bei einer Produktionsmenge von 20000 Litern pro Monat ist Anlage 1 kostengünstiger.
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b) Für welche Produktionsmenge pro Monat sind beide Anlagen kostenmäßig
gleichwertig?

K1 = K2 60000 + 2 * x = 90000 + 1 * x
x = 30000

Bei einer Produktionsmenge von 30000 Litern pro Monat sind beide Anlagen
kostenmäßig identisch.

c) Welche Gewinne erbringen beide Anlagen für eine Produktionsmenge von 40000
Litern pro Monat?

Anlage 1: K = K(f) + K(v) * x = 60000 + 2 * 40000 = 140000


E = 10 * 40000 = 400000
G = E – K = 400000 – 140000 = 260000
Anlage 2: K = K(f) + K(v) * x = 90000 + 1 * 40000 = 130000
E = 10 * 40000 = 400000
G = E – K = 400000 – 130000 = 270000

Bei einer Produktionsmenge von 40000 Litern pro Monat erbringt Anlage 1 einen
Gewinn von 260000 € und Anlage 2 einen Gewinn von 270000 €.

d) An welchen Produktionsmengen pro Monat werden bei beiden Anlagen Gewinne


erwirtschaftet?

Anlage1 : Gewinn = 0
E–K=0
10x – 60000 – 2x = 0
8x = 60000 x = 7500

Anlage2 : Gewinn = 0
E–K=0
10x – 90000 – x = 0
9x = 90000 x = 10000

Ab einer Produktionsmenge von mehr als 7500 wird bei Anlage1 Gewinn erwirtschaftet.
Ab einer Produktionsmenge von mehr als 10000 wird bei Anlage 2 Gewinn
erwirtschaftet.