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Seminararbeit Thema: „Die Wissensgesellschaft – Anspruch und Wirklichkeit“

Peter Ganzleben – MatNr. 109198

Seminararbeit, Thema „Die Wissensgesellschaft – Anspruch und Wirklichkeit“

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Inhaltsverzeichnis

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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung

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Der Begriff „Wissensgesellschaft“

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3.1 Erster Teil „Wissen“

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3.2 Zweiter Teil „Gesellschaft“

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Wie erkennt man eine Wissensgesellschaft?

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4.1 Ansprüche an die Wissensgesellschaft

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4.2 Die Wirklichkeit

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Schlussfolgerung und Ausblick

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Literaturverzeichnis

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Ehrenwörtliche Erklärung

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Seminararbeit, Thema „Die Wissensgesellschaft – Anspruch und Wirklichkeit“

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Einleitung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Die Wissensgesellschaft - Anspruch und Wirklichkeit“. Zur Annäherung an den Begriff werden zunächst seine Bestandteile erläutert. Die Bestandteile einer Gesellschaft werden am Beispiel von Deutschland näher betrachtet. Im zweiten Teil wird der Frage nachgegangen welche Ansprüche an die Wissensgesellschaft aus Sicht einiger gesellschaftlicher Komponenten gestellt werden. Den beschriebenen Ansprüchen werden Fakten aus der Wirklichkeit in Deutschland gegenüber gestellt. Am Ende soll die Frage: “Werden die Ansprüche an ein Wissensgesellschaft heute bereits erfüllt?” beantwortet werden.

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3 Der Begriff „Wissensgesellschaft“

Zunächst wird der Begriff Wissensgesellschaft in seinen Bestandteilen näher betrachtet. Es werden Definitionen für die Begriffe „Wissen“ und „Gesellschaft“ aufgezeigt. So wird zunächst vergegenwärtigt, auf welcher Basis Ansprüche an eine Wissensgesellschaft gestellt werden könnten.

Wie der Begriff „Wissensgesellschaft“ schon selbst nahe legt, wird eine Gesellschaft in der Wissens als Basis angesehen wird umschrieben. Aber was für eine Gesellschaft wird hier angesprochen? Welches Wissen wird auf welcher Basis gesellschaftlich genutzt oder gebildet?

3.1 Erster Teil „Wissen“

Der Begriff Wissen wird heute oft als eine Herleitung über die Begriffe Daten und Informationen beschrieben. So sind Daten eine Ansammlung von Zeichen mit einer zugehörigen Syntax. Daten die mit Bedeutungen verbunden sind, werden zu Informationen. Kann eine Information von jemandem genutzt werden, so wird aus Information Wissen. (Cleve, 2010, S. 7) Wobei diese Umschreibung vor allem für das explizite Wissen gültig ist. Nur für jedermann zugängliche Informationen können auch von jedem genutzt werden und so den Rohstoff oder die Grundlage in einer Gesellschaft bilden. Der Sinn für und die Pflege von Gemeingut müssen folglich in einer Wissensgesellschaft gegenüber Privateigentum und Warenbeziehungen überwiegen. (Gorz, 2001, S. 2)

Aber auch die Bedeutung des impliziten Wissens ist heutzutage erkannt und muss bei der Betrachtung einer möglichen Wissensgesellschaft herangezogen werden. Es ist wohl eine der großen neuen Herausforderungen, das implizite Wissen speicherbar und zugänglich für andere zu machen, es in explizites Wissen zu verwandeln. Dies ist sicher nur eingeschränkt möglich, da sich Talente oder Begabungen nicht von den Menschen trennen lassen. Am ehesten können Erfahrungen und erlernte Techniken mit anderen geteilt werden. Hierzu müsste aber in der Breite der Gesellschaftsschichten die Bereitschaft existieren, gesammelte Erfahrungen Preis zu geben und damit mögliche Vorteile aufzugeben. Das setzt voraus, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen sich weiterentwickeln. Eine sogenannte Ellenbogengesellschaft wäre dafür ganz und gar nicht geeignet.

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3.2 Zweiter Teil „Gesellschaft“

„Gesellschaft bezeichnet eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammenleben oder die an einer gemeinsamen Aufgabe zusammenarbeiten. Eine Gesellschaft kann sehr viele Menschen

umfassen – man spricht sogar von der Weltgesellschaft und meint damit alle Menschen –, sie

Die Gesellschaft eines Staates besteht

aus der Gesamtheit der Menschen, die in einer bestimmten Ordnung und auf einem begrenzten Gebiet zusammenleben.“ (Kammer & Bartsch, 2004) Eine Gesellschaft kann demnach in unterschiedlichen Größenordnungen betrachtet werden. Zunächst soll in dieser Arbeit auf die Gesellschaft in Deutschland eingegangen werden. Da ich in Deutschland lebe und so direkt die Einflüssen dieser Gesellschaft auf die Individuen in Ihr und auf die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten täglich erlebe. Aber auch auf die Weltgesellschaft möchte ich im weiteren Verlauf eingehen.

Welche Aspekte einer Gesellschaft können Aufschlüsse über das Vorhandensein einer sogenannten Wissensgesellschaft geben?

Dafür muss man sich zunächst anschauen wie die Gesellschaft aufgebaut ist. Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einer umgestürzten Pyramide. Bereits heute leben in Deutschland mehr 65 jährige oder ältere Menschen als 15 jährige und jüngere. Die Geburtenrate und die Zahl der Eheschließungen sinken, was einen Einfluss auf die Haushaltsgrößen hat. Deren Größen nehmen kontinuierlich ab. Haushalte mit mehr als 5 Personen sind heute äußerst selten vorzufinden. Dagegen wächst die Zahl der Einpersonenhaushalte ständig, vor allem in Großstädten. (Statistisches Bundesamt Deutschland, 2009) Diese Überalterung wird ein zunehmend größeres Problem, da Renten nicht mehr von den Erwerbstätigen getragen werden können und für die Pflege der Älteren nicht genügend Personal zur Verfügung steht.

Im deutschen Grundgesetzt ist verankert, dass Deutschland ein Sozialstaat ist. Die Bürger Deutschlands haben somit ein Recht auf Beihilfen in Fällen der sozialen Not und Ausgleichszahlungen, wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, wenn Kinder zur Welt kommen oder nicht genügend Geld für den erhalt einer Wohnung zur Verfügung steht. So ist in Deutschland ein soziales Netz gespannt in dem jeder aufgefangen werden kann.

Die staatliche Struktur in Deutschland ist im Grundgesetz ebenfalls festgelegt. Es herrscht eine freiheitliche demokratische Grundordnung (vgl. Art. 21 II GG) in der nach Willen des Volkes, ohne Anwendung von Gewalt regiert werden kann.

Jedes in Deutschland lebende Kind mit einer deutschen Staatsbürgerschaft hat die Pflicht zum Schulbesuch. Es gibt unterschiedliche Schulformen, in denen jeder die Möglichkeiten zur Bildung findet, unabhängig von seiner Abstammung oder gesellschaftlichen Situation. Außerdem kann jeder, bei entsprechender Qualifikation, weiterführende Ausbildungen wahrnehmen, ob es sich dabei um ein Studium oder Berufsausbildung handelt. Es wird niemandem verwehrt sich selbst, nach eigenen Wünschen Fortzubilden.

Schon durch die Beschäftigungsstruktur in Deutschland ist davon auszugehen das eine zunehmende Verstädterung stattgefunden hat. Aus den ländlichen Gebieten wanderten und

kann auch nur einige wenige Menschen

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wandern die Einwohner immer mehr in die Städte ab. So leben 85% der Bevölkerung in Deutschland in Städten. (www.wissen.de)

Durch einen Rundfunkstaatsvertrag ist das Rundfunkrecht festgelegt, wodurch finanziell durch die Bevölkerung getragen laut Rundfunkgebührenstaatsvertag, jedem Bundesbürger das Recht auf Information ermöglicht wird. Die unabhängigen öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten müssen jeden Bundesbürger nach dem Sendeauftrag mit Nachrichten und Bildungsprogrammen versorgen. Außerdem kann jeder Bürger das Internet nutzen, öffentliche Einrichtungen bieten kostenlose Zugänge. Nach der ARD-ZDF-Onlinestudie 2010 nutzen 69,4 Prozent der Bevölkerung in Deutschland das Internet wenigstens gelegentlich. (ARD/ZDF Medienkommission, 2010)

Aus den vorhergehenden Ausführungen ergeben sich fünf Sichten, die politische, die soziale, die ökonomische, die kulturelle und die kommunikative. Diese Sichten werden in den folgenden Kapiteln näher untersucht.

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4 Wie erkennt man eine Wissensgesellschaft?

Die Eigenschaften einer Gesellschaft, wie Sie in der quartären Phase auftreten, werden oft als die Rahmenbedingung für eine funktionierende Wissensgesellschaft herangezogen. Welche Stufen muss eine Gesellschaft durchlaufen um die quartäre Phase zu erreichen? Aus der Geschichte verschiedener Länder werden heute primäre, sekundäre und tertiäre Sektoren beschrieben. Ein Gesellschaft die vor allem Konsumgüter erzeugt, die in erster Linie aus der Landwirtschaft und Tierhaltung resultieren, befindet sich in der primären Phase. Die Menschen leben vor allem direkt von den Produkten die ihre tägliche Arbeit erzeugt. Oft wird das Erzeugte selbst konsumiert. Diese Produkte werden nicht-dauerhafte Konsumgüter genannt. Wandelt sich die Art der am meisten hergestellten Produkte, hin zu Gütern die immer wieder verwendet werden können, wie zum Beispiel Autos, Schmuck, Kleidung etc. dann hat die Gesellschaft die sekundäre Phase erreicht. Man spricht dann auch von einer Industriegesellschaft, da immer mehr Konsumgüter in immer größeren Stückzahlen industriell gefertigt werden. Eine Gesellschaft in der die Menschen auf Grund von Zeitmangel angebotene Dienstleistungen nicht mehr nutzen können und wo auf Grund dessen eine Sättigung mit Dienstleistungen eintritt, ist in der tertiären Phase angekommen. Steht das Wissen und die Ideen und auch das gemeinsame, gleichzeitige Verfügen über diese im Mittelpunkt, ist die quartäre Phase erreicht. (Graf, 2002, S. 29)

Eine Wissensgesellschaft ist in ihrer Entwicklung von der Landwirtschaft über die Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft, in einem Stadium wo das Wissen und die Ideen als Treiber und Grundlage aller Gesellschaftlichen Prozesse dienen. Es lassen sich 4 Kennzeichen einer quartären Gesellschaft, die nicht allein durch ökonomische Veränderungen gekennzeichnet sind, bestimmen. Zuerst die gestiegene Bedeutung von Ideen und Wissen. Auf Grund dessen findet eine Umgestaltung der wirtschaftlichen Austauschprozesse statt. Außerdem entstehen neue Modelle der Leistungserbringung. Am Ende sind diese Veränderungen ein Auslöser für eine gesellschaftliche Transformation. Die politischen und wirtschaftlichen Prozesse, aber auch die Prozesse die zu einem umweltbewussteren Handeln führen werden effektiver und effizienter. Neu geschaffene Freiräume im gesellschaftlichen Zusammenleben und eine zunehmend globalere Perspektive ermöglichen eine neue kulturelle Vielfältigkeit und individuell eigenständige Entwicklungen. (Graf, 2002, S. 30)

In den vorhergehenden Kapiteln wurden fünf Sichten identifiziert, zu denen in den folgenden Kapiteln zunächst die Ansprüche formuliert werden. Im Anschluss wird die aktuelle Lage dargestellt.

4.1 Ansprüche an die Wissensgesellschaft

Welche Ansprüche werden an eine Wissensgesellschaft gestellt? Diese Frage kann im Rahmen dieser Arbeit nicht vollumfänglich beantwortet werden. Sämtliche Aspekte einer Gesellschaft könnten als Standpunkt für eine Betrachtung dienen. Im Folgenden sollen die Ansprüche an die Wissensgesellschaft einiger dieser Blickrichtungen beleuchtet werden.

Aus politischer Sicht ist zu hinterfragen in wie weit die politische Struktur, mit Ihren Wertvorstellungen der heutigen Zeit, aus den Nachkriegsjahren entstanden ist. Kann eine

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solche Struktur noch in einer Wissensgesellschaft bestand haben? Wenn die Bürger nur durch Wissensaneignung und -generierung Chancen auf ein erfülltes Leben haben, dann wird deren Interesse an einer politischen Vertretung sich grundlegend ändern. Gerade die Werte der Parteien müssten sich den neuen Gegebenheiten anpassen. In wie weit ist eine Aufteilung der Welt in Nationen noch sinnvoll, wenn der wichtigste Rohstoff keine Bodenschätze, keine materiellen Produkte sondern immaterielles Wissen darstellt. Ein gut das frei beweglich ist und keine nationalen Grenzen unterliegt. Darauf müsste die Außenpolitik der Nationen eingehen. Allerdings müssen die Wissensarbeiter auch Nahrung zu sich nehmen und werden sehr wahrscheinlich auch in Zukunft Kleidung am Leib tragen. Bezugnehmend auf die neuen IuK Technologien sind mit völlig neuen staatlichen institutionellen Formen zu rechnen. Die Erreichbarkeit der staatlichen Einrichtungen muss den neuen Kommunikationsformen angepasst werden.

Die soziale Ungleichheit, kann jeder einzelne nur durch eine gute Ausbildung überwinden. Daraus ergibt sich ein Anspruch auf eine entsprechende, für jedermann zugängliche Ausbildung. Nur so können sich die Menschen die Werkzeuge aneignen, um in einer Wissensgesellschaft lebensfähig zu sein. Damit dürfen keine immensen Kosten verbunden sein, sonst könnten sich Wissenseliten bilden, die im Arbeitsmarkt die lukrativsten Arbeitsplätze einnehmen. Bürger die auf Grund Ihrer finanziellen Situation nicht die Chance auf Bildung nutzen können, wären in einem Arbeitsmarkt der auf dem Produktionsgut Wissen beruht, kaum nützlich. Diese Bürger könnten dann nur weniger lukrative Aufgaben übernehmen, was deren Kindern wieder die Chancen auf ausreichende Bildung verwehrt. Jeder sollte die Möglichkeiten erhalten, unabhängig von seiner sozialen Situation, sich die Techniken aneignen zu können die für ein lebenslanges Lernen notwendig sind. Keiner darf in seiner menschlichen Selbstentwicklung behindert werden.

In wie weit kann der Kapitalismus mit all seinen Wertvorstellungen noch grundlegende Basis für eine Wissenswirtschaft sein, in der Wissen als Produkt ausgetauscht wird? Ökonomisch gesehen rückt das Wissen als Produktionsgut in den Vordergrund und damit auch das Humankapital in der Gesellschaft. Es muss vermehrt auf die Wünsche und Bedürfnisse der „Wissensträger“ oder „Wissensgeneratoren“ eingegangen werden. Da ohne deren Arbeit keine Produkte entstehen könnten. Des Weiteren müssten sich die Absatztechniken ändern. Wissen kann nicht als stoffliches Gut in abgezählten Stückzahlen verkauft werden. Bereits heute ist eine „Wissenspiraterie“ zu beobachten, Beispiel Wikileaks. Wenn das Wissen einmal in digitaler Form vorliegt ist nur durch Verschlüsselung und Kopierschutz einer weltweiten freien Verbreitung entgegenzuwirken. So entsteht ein Konkurrenzkampf zwischen den wissensgenerierenden Wirtschaftsgesellschaften und den „Wissenspiraten“.

Kulturelle Ansprüche sind in einer Wissensgesellschaft schwer auszumachen, da Kunst schaffende und Wissen schaffende scheinbar nicht wirklich zu vereinen sind. (Gohlke, 2002) Die Wissensgesellschaft wird Wissen als Teil einer Kultur verstanden in der die menschliche Selbstentwicklung im Mittelpunkt steht. (Gorz, 2001, S. 30)Eine Wissensgesellschaft ist demnach als Kulturgesellschaft zu verstehen. Es werden sich neue Kunstformen, die neue IuK Technologien nutzen, herausbilden. Es gibt gestalterische Aufgaben, die bei der Erstellung der neuen Medien erfüllt werden müssen. Darauf bezogen muss sich die kulturelle Bildung anpassen.

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Durch den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien ist davon auszugehen das die Kommunikation zwischen allen Mitgliedern einer Gesellschaft vereinfacht wird. Die Kommunikation zwischen politischer Elite, Experten und der Bürgerschaft wird direkter und effektiver. Auf Ebene der Weltgesellschaft ist ohne die neuen IuK Technologien keine direkte und unverzögerte Kommunikation denkbar. Eine Gefahr entsteht durch die Nutzung dieser Technologien. Die Betreibergesellschaften möchten natürlich Gewinne durch den Verkauf von Nutzungsrechten erzielen. Werden die Kosten für die Nutzung allerdings zu hoch, so das nur noch entsprechend vermögende Mitglieder der Gesellschaft diese Technologien nutzen können, entsteht eine mehrschichtige Gesellschaft. Die Menschen die sich keinen eigenen Internetzugang leisten können, sind auf kostenlose Angebote in öffentlichen Einrichtungen angewiesen.

4.2 Die Wirklichkeit

Im vorhergehenden Kapitel wurden Ansprüche an eine Wissensgesellschaft formuliert. Dagegen sollen im folgenden Kapitel aktuelle Realitäten gestellt werden.

Die derzeit, in Deutschland, regierenden Parteien und deren Programme sind zum größten Teil in den Nachkriegsjahren entstanden. Nur einige, wie die Grünen, sind später und unter damalig neuen Gesichtspunkten gegründet worden. Im letzten Jahr ist wieder eine neue Partei auf der politischen Bühne aufgetaucht, die Piratenpartei. Deren Programm ist vor allem durch die Nutzung der neuen IuK Technologien geprägt. Sie werden meist von bestimmten Gruppen unterstützt, die selbst Interesse an einer selbstbestimmten Nutzung der IuK Technologien haben. Der schnelle politische Erfolg dieser Partei macht deutlich, dass es in Deutschland bei den traditionelleren Parteien wie CDU/CSU, SPD, Die Linke usw. an Kenntnisnahme und Nutzungsvorstellung der neuen IuK Technologien mangelt. Deutschland ist Gründungsmitglied der Europäischen Union. Die Europäische Union macht es den Bürger der Mitgliedsstaaten einfacher in andere Länder zu reisen, den Wirtschaftsgesellschaften wird die Zusammenarbeit mit Gesellschaften anderer Mitgliedsstaaten vereinfacht. Ebenso ist der Handel zwischen den Mitgliedsstaaten einfacher. Es findet also eine gewisse Denationalisierung statt, indem die Grenzen aufgeweicht werden.

Die Zahl der Hochschulabsolventen ist seit dem Jahr 2000 stetig gestiegen. Im Jahr 2000 waren es noch 167261 Absolventen (im Erststudium), was einer Absolventenquote von 46,1 % entspricht (Anteil der Absolventen an der Bevölkerung des entsprechenden alters). Im Jahr 2009 ist die Zahl der Absolventen auf 265164 gestiegen, bei einer Absolventenquote von 70,9 %. (Statistisches Bundesamt, 2011) Aus diesen Zahlen ist abzulesen, dass es nicht schwieriger geworden ist eine Hochschulausbildung zu verwirklichen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, jedem der genügend Ehrgeiz aufbringt, kann in Deutschland eine Hochschule besuchen um sich so das nötige Rüstzeug, für ein Fortkommen in einer Wissensgesellschaft, anzueignen. Die neuen IuK Technologien selbst haben auch Einzug in den Bildungsbereich gehalten. Es entstehen neue Mischformen aus „alten“ Studienfächer und Fächern in denen die neuen Medien oder IuK Technologien behandelt werden. Zum Beispiel das Fach Wirtschaftsinformatik versucht eine Lücke zwischen den eher technischen Informatikern und

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den ökonomisch denkenden Wirtschaftswissenschaftlern zu schließen. Die Bildungsausgaben der privaten Haushalte hierzulande sind von rund acht Milliarden Euro im Jahr 2000 auf knapp 12 Milliarden Euro im Jahr 2008 stetig gestiegen. (Handelsblatt, 2010) Diese Zahl verdeutlicht eine Steigerung in der Bereitschaft der Bürger mehr in die Ausbildung des Nachwuchses zu investieren.

Die Verteilung der Arbeitnehmer auf die Branchen ist im Jahr 2010 laut Statistischem Bundesamt wie folgt ausgeprägt. 73,8 % aller Arbeitnehmer sind im Dienstleistungssektor, bestehend aus öffentlichen und privaten Dienstleistern mit 31,9 % Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen mit 17,2 % sowie Handel, Gastgewerbe und Verkehr mit ca. 24,7 %, beschäftigt. 20,5 % im produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) und 5 % im Baugewerbe. Nur ca. 1,3 % sind in Land- und Forstwirtschaft, Fischerei beschäftigt. (Statistisches Bundesamt, 2011) Arbeitnehmer in abhängiger Vollzeitbeschäftigung, in Deutschland, arbeiteten im Jahr 2009 durchschnittlich 40,10 Stunden pro Woche (Franz & Lehndorff, 2010). Mit dieser Dominanz des Dienstleistungssektors ist klar, dass zumindest eine Dienstleistungsgesellschaft in Deutschland vorhanden ist. Gleichzeitig findet aber auch eine Kapitalisierung von Wissen statt. Die Wirtschaftsunternehmen versuchen alle Formen von Wissen - Kenntnisse, Fähigkeiten, Verfahren, aber auch Geschmack, Künste, Sinngebungsvermögen, Erfahrungen - einzuverleiben und als warenförmige Angebote zu vermarkten. (Gorz, 2001, S. 2f) Dem! Entgegengesetzt ! hat! sich! eine! Open! Source! Gemeinde! entwickelt,! in! der! ursprünglich! Software,! mittlerweile! aber! auch! andere! Gebiete! der! technologischen! Entwicklung,! in! neuen! gemeinschaftlichen! arbeitenden! Gruppen!entwickelt!werden.!Die se!Gemeinde!stellt ! ihr!erlangtes!Wissen, ! als!Gemeingut! der!gesamten! Menschheit!zur!Verfügung .

Die Ausgaben der Deutschen für Freizeit, Unterhaltung und Kultur sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, 2008 betrugen sie rund 125 Milliarden Euro. Davon sind die Deutschen rund 110 Millionen Mal ins Museum, rund 125 Millionen Mal ins Kino und rund 62 Millionen Mal ins Theater gegangen. (Handelsblatt, 2010)

Laut der ARD/ZDF Onlinestudie 2010 haben in dem Jahr 69,4 % der Deutschen einen Onlinezugang zumindest gelegentlich genutzt. Im Jahr 2006 waren es 59,5 %. Im Januar 2010 hatten, laut eurostat, 30,5 Einwohner von 100 in Deutschland eine Breitbandverbindung. (eurosat, 2011) Das ist eine Verdopplung der Breitbandzugänge seit Mitte 2006. Seit 2006 ist die Durchschnittliche Verweildauer von 116 Minuten (ca. 1,93 Stunden) auf 136 Minuten (ca. 2,26 Stunden) pro Tag im Jahr 2010 gestiegen. (ARD/ZDF Medienkommission, 2010) Diese Zahlen belegen einen stetigen Anstieg der Nutzung von Onlineinhalten und eine immer weiter voranschreitende Verbreitung der neuen IuK Technologien. Durch die neuen IuK Technologien sind Plattformen im Internet entstanden die jedem mit geringem technischen Aufwand ein potentiell weltweites Publikum erreichbar macht (Bsp. youtube.com). So sind künstlerische Veröffentlichungen sehr schnell, einem sehr breiten Publikum zugänglich zu machen. Allerdings birgt diese auf digitalem Wege veröffentlichte Kunst ebenfalls die Gefahr von ungewollten Kopien. Kunst die durch Urheberschutzgesetze geschützt sind, werden durch Anwälte vertreten. Man hört immer wieder den Begriff „Gratiskultur“, der meint das derzeit eine Jugend heranwächst die sich Ihre Musik und andere künstlerische Inhalte aus sogenannten filesharing-Netzwerken lädt. Dadurch gehen dem Künstler, sowie dessen Publikationshelfern Einnahmen verloren.

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5 Schlussfolgerung und Ausblick

In diesem Kapitel möchte ich die Ansprüche und Wirklichkeiten gegenüberstellen. Daraus lässt sich abschließend folgern, ob die Ansprüche erfüllt werden.

Schaut man sich die, derzeit regierenden, Parteien in Deutschland an, erkennt man schnell, dass es sich immer noch um die Parteien aus den vorigen 2 Jahrhunderten handelt. Einige jüngere Parteien erscheinen auf der politischen Bühne, in deren Programmen werden aber immer nur Missstände aus den aktuell im öffentlichen Interesse befindlichen Sachständen behandelt. Beobachtet man diese parlamentarische Demokratie, kommen einem auch schnell Zweifel an der Kommunikationsfähigkeit der Parteien untereinander. Es sind sicher die meisten Interessen der Bevölkerung in irgendeiner Weise vertreten, aber Entscheidungen oder Abstimmungen dauern mitunter sehr lange. Und was neue IuK Technologien oder Wissen als Basisprodukt einer Gesellschaft angeht, steckt die Regierung in Deutschland meiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen.

Aus im vorigen Kapitel genannten Absolventenzahlen ist abzulesen, dass es in Deutschland nicht schwieriger geworden ist eine Hochschulausbildung zu verwirklichen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, jedem der genügend Ehrgeiz aufbringt, kann in Deutschland eine Hochschule besuchen um sich so das nötige Rüstzeug, für ein Fortkommen in einer Wissensgesellschaft, aneignen.

Die Wirtschaft in Deutschland ist mit fast drei viertel der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, ganz sicher im tertiären Sektor angekommen. Allerdings sind die Unternehmen immer noch dabei Wissens als Ware zu verstehen. Der Wissenskapitalismus, ist zwar Antreiber für Wissensarbeiter aber mit dem Ziel Wissens als Privateigentum zu generieren. In einer Wissensgesellschaft muss Wissen aber allen, möglichst gleichzeitig zur Verfügung stehen, nur so kann Wissen als Gemeingut fungieren und zur menschlichen Selbstentwicklung beitragen.

Wissen ist noch kein Gemeingut, durch Patente wird Wissen als Ware an Unternehmen gebunden. Es haben sich aber auch sogenannte Open Source-Gemeinschaften gefunden, in denen technische Entwicklungen entstehen, die dann allen Interessenten zur freien Verfügung stehen. Hierin sind erste Ansätze einer Wissenskultur zu erkennen, die Wissen als Gemeingut versteht. So sind kulturelle Veränderungen möglich.

Die Verbreitung von Onlinezugängen hat deutlich zugenommen. Daraus lässt sich schließen, dass die Kosten für die einkommensschwächere Bevölkerung nicht zu hoch sind. Es gibt auch Projekte die kostenlose Internetverbindungen für jeden ermöglichen wollen (Beispiel Freifunk Potsdam http://blog.freifunk-potsdam.de/), allerdings werden diese durch rechtliche Hürden behindert. Nur durch ein Flächendeckendes freies Onlineangebot können jedem Bürger die internetbasierten Kommunikationsformen zugänglich gemacht werden.

Zusammenfassend ist festzustellen das Deutschland bestimmt auf einem Weg in die Wissensgesellschaft ist, aber das Ziel noch lange nicht erreicht ist. Der zurzeit vorherrschende Wissenskapitalismus lässt keine freie Nutzung des Wissens zu. Er behindert dadurch die menschliche Selbstentwicklung und die Entwicklung einer Kulturgesellschaft, in der das

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Wissen als integrierter, frei zugänglicher Bestandteil ist. Bereits 1813 hat Thomas Jefferson in einem Brief an Isaac McPherson bemerkt, dass Ideen sich nicht dazu eignen im Besitz eines Einzelnen zu bleiben. Sobald man sie einem andern mitteilt, drängt sie sich in den Besitz des Anderen. Der Empfänger kann die Idee auch nicht zurückgeben. (Grassmuck, 2004, S. 53f) Teilt man seine Ideen deswegen nicht mit anderen, erfährt auch niemand von der eigenen geistigen Leistung. Welchen Wert hat dann solch eine Leistung? Wem sind Sie dann noch nütze?

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Literaturverzeichnis

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Ehrenwörtliche Erklärung

Ehrenwörtliche Erklärung

Ich erkläre hiermit ehrenwörtlich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig angefertigt habe. Die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht. Es wurden keine anderen als die angegebenen Quellen und Hinweise verwandt.

Potsdam, der 28.02.2011

Es wurden keine anderen als die angegebenen Quellen und Hinweise verwandt. Potsdam, der 28.02.2011 Unterschrift !

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