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WIENER

GEOGRAPHISCHE

STUDIEN

Herausgegeben von Professor Dr. Hermann Leiter

20

Gedruckt mit Unterstützung durch das Österreich-Institut

Österreichs Wesen und Schicksal, verwurzelt in seiner geographischen Lage

Von

Prof. Dr. Hugo Hassinger

Vorstand des Geographischen Institutes der Universität Wien

 

1949

VERLAG

FREYTAG.

BERN

DT

und ARTARIA •

WIEN

VII

WIENER

GEOGRAPHISCHE

STUDIEN

Herausgegeben

von

Professor

20

Dr.

Hermann

Leiter

Gedruckt mit Unterstützung durch das Österreich-Institut

Österreichs Wesen und Schicksal, verwurzelt in seiner geographischen Lage

Von

Prof. Dr. Hugo Hassinger

Vorstand des Geographischen Institutes der Universität Wien

V E R L A G

F R E Y T A G . B E R N D T

1949

u n d

A R T A R I A

W I E N

V

I

I

Druck: Adolf Holzhausens Nfg.,Wien

Vorwort.

Wegleitend war für die Darstellung der Versuch, Geographie und Geschichte unseres Landes in engere kausale Wechselbeziehung zu setzen in der Absicht, den Bildungswert der geographischen Betrachtungsweise und ihre Bedeutung für die Erkenntnis der Zusammenhänge der Erscheinungen im Leben der Staaten und Völker zu erweisen und damit auch der Erziehung der heranwach senden Generation zu Staats- und Weltbürgern zu dienen.

1. Österreich — ein Kleineuropa.

Österreich gilt oft schlechthin als der Ostalpenstaat. Wohl ist der überwiegende Teil seiner Staatsfläche Alpenland, wohl sind die Begriffe: alpine Landschaft, alpines Volkstum aus dem Wesen Österreichs nicht wegzudenken, aber dieses erschöpft sich keines wegs mit seinem Verhältnis zu den Alpen. Eine bevölkerungsstati stische Berechnung belehrt uns darüber, daß in den Alpen sogar weniger Österreicher wohnen als außerhalb von ihnen. Der Bevölkerungsschwerpunkt des Staates liegt im Donauland und in den Beckenlandschaften am Ostsaum der Alpen zwischen Wien und Graz. Dazu kommt die Bevölkerung des Norddonaulandes auf dem Sockel der Böhmischen Masse, den wir als Mühl- und Waldviertel bezeichnen, die sogar stellenweise in das Moldaubecken übergrei fen, und die des östlich anschließenden Weinviertels und March- feldes. Doch mehr als die Zahl wiegt die Art der Menschen. Das Do nauland und die Großstadt Wien haben ihre Menschen anders geformt als das Alpenland, und verschiedenartige Lagebeziehungen der einzelnen Alpenländer haben deren Bewohner sehr verschie denen historischen Erlebnissen ausgesetzt. Sind auch die größten Schicksalslinien von Volk und Staat einheitlich geblieben, so hat sich doch im einzelnen das geschichtliche Bewußtsein, das sich aus den besonderen Erlebnissen der Landeszugehörigen entwickelte, in den Alpenländern sehr lebendig erhalten. Man kann geradezu von einem vorarlbergischen, tirolischen, steirischen, kärtnerischen Landespatriotismus sprechen. Diese geistige Einstellung bildet auch die Grundlage für den österreichischen Föderalismus, für die bun desstaatliche Verfassung Österreichs. Sein Volk gleicht also nicht einem einfarbigen Blumenstrauß, sondern vielmehr einem färben-

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bunten Gebinde. Wie seine Landschaften gegensätzlich sind — man denke an das Hochalpenland und die Steppenlandschaft um den Neusiedlersee —, wie die Spannweite der Lagebeziehungen seiner Teilgebiete eine beträchtliche ist — man denke an die Schweizer und südwestdeutschen Beziehungen Vorarlbergs, an die italieni schen und bayrischen Tirols, an die bayrischen Salzburgs und

Oberösterreichs, die böhmischen und mährischen des Norddonau landes, an die slowenischen und ungarischen der östlichen Becken, an die adriatischen Kärntens —, so mannigfaltig ist auch die Wesensart ihrer Menschen nach Temperament und Begabung, wenn es auch unzweifelhaft einen Grundton des österreichischen Wesens

gibt.

Naturverbundenheit

und

Natürlichkeit,

Sinnenfreude

und

Gemütlichkeit

und

eine

überdurchschnittliche

musikalische

Be

gabung haben sich in ihm zusammengefunden. Aus dieser Mannig faltigkeit von Natur und Mensch erwächst die Vielgestalt österrei chischer Kultur, und hierin wurzelt die Stärke Österreichs. Doch müssen sich die Österreicher dieses Vorteiles auch bewußt sein und ihn mit starkem Willen restlos zu nützen verstehen. Man kann nicht an Österreich denken, man kann sein Wesen nicht erkennen, wenn man nicht gleichzeitig an Mitteleuropa, diesen Kernraum unseres Kontinentes, denkt, sich der Wesenheit dieses mittleren Erdteilraumes bewußt ist und seine Funktionen beachtet. Ist das heutige Österreich auch nur mehr ein Torso des einsti gen Großstaates gleichen Namens, der Alpen-, Sudeten-, Karpaten- und Karstländer, also im wesentlichen das ganze südöstliche Mit teleuropa umfaßte, so besitzt es doch noch die Schlüsselstellung jenes Gesamtraumes um Wien und reicht an die Pforten der Sude ten-, Karpaten- und Karstländer mehr oder weniger weit heran, ja beherrscht ihre wechselseitigen Verbindungslinien zum guten Teil. Größtenteils auf der südöstlichen Abdachung unseres Erd teiles, die sich gegen das Schwarze Meer richtet, gelegen, greift es doch auch auf die nordwestliche, also über die europäische Haupt wasserscheide im rheinischen Vorarlberg, über. Freilich war es dem österreichischen Donaustaat nicht vergönnt, völlig auszurei fen und sich durch die Angliederung Bayerns in den Besitz des ganzen oberen Donaugebietes und der Übergänge von diesem zum Rheingebiet zu setzen und mit den vorderösterreichischen Besitzun gen in Südwestdeutschland völlig zu verwachsen. Es teilt den Vor zug der Brückenstellung zwischen dem Einzugsgebiet der deutschen Meere und dem des Pontus mit der Tschechoslowakei. Es ist dieser jedoch durch die engeren adriatischen Beziehungen im Lagewert trotz dem noch mangelnden Anschluß an das atlantische Wasser straßennetz, der zu beheben ist, überlegen. Der Adriahafen Triest

hat die Wurzeln seiner Kraft in den Beziehungen zu Österreich. Hätte Tirol seine historische Schlüsselstellung an den Zentralalpen pässen und die Einheit seines Volkstums durch die Angliederung Südtirols zurückgewonnen, so hätte Österreich seine Funktion als Bindeglied zwischen den Meeren des Nordens und des Südens, die ihm auch jetzt schon zukommt, noch verstärkt. Es müßten ihm auch besondere Rechte für die Benützung des Triestiner Hafens eingeräumt werden. Freilich erst der Ausbau des europäischen Wasserstraßennetzes, der Kanalverbindungen Rhein—Donau, der Donau mit der Elbe, Oder und Weichsel, der Donau mit der Adria, würde Österreich vollends die ihm verliehenen Naturgegeben heiten nützen lassen und es zur vollendeten Beherrschung seiner mitteleuropäischen Stellung führen und es zu Mitteleuropas wich tigster Klammer werden lassen. Doch auch jetzt schon ist es ein Kernstück des Erdteiles und wie geschaffen dazu, ein Stück Ver

aus

mittlungseuropa

der Charakteristik der Wesenheit Mitteleuropas klarwerden, die keineswegs so durchsichtig ist wie die anderer Teilgebiete Europas, eine Tatsache, die auch in der schwankenden Abgrenzung dieses Erdraumes in geographischen Fachkreisen ihren Niederschlag findet. Dieses Mitteleuropa genießt nicht den Vorteil der Meer- umschlungenheit wie die Halbinseln Europas, aber es erfährt auch nicht die Nachteile der großen Meerferne wie die eintönige Raum weite Osteuropas. Es ist ihm wohl die Möglichkeit der Anteilnahme am Seeverkehr zugemessen, aber nicht die der Seebeherrschung, da die Zugänge zu den Nebenmeeren, die seinen Körper bespülen, vom Ozean her sich in der Hand stärkerer Seemächte befinden. Wo sich die Breite des Kontinentes auf 1200 bis 900 km verringert, greift Mitteleuropa quer durch ihn von der Adria zur Nord- und Ostsee durch und verknotet die europäischen westöstlichen Durch

gangswege mit den nordsüdlichen. Das bedeutet eine außerordent liche Bevorzugung in den Zeiten des friedlichen Handelsverkehres, aber eine gefährliche Lage zu Zeiten kriegerischer Verwicklungen, die für Mitteleuropa eine Flanken- und Rückenbedrohung zu brin gen vermögen.

abzugeben.

Was

das

bedeutet,

soll

uns

auch

res

gangslandschaft und Knotenstellung zu machen. Kein Kern gebiet eines anderen Erdteiles vermag sich darin mit dem mittel europäischen zu messen. Ist es schon für dieses von höchster Bedeutung, daß sich in seiner mittleren Breitenlage ein Tiefland gürtel vom Atlantischen Ozean und der Nordsee bis in den Osten des Erdteiles erstreckt und hier die ganze Kontinentbreite zwischen

Nicht

wenig

hat

jedoch

die

Relief

gestaltung

unse

zu

einer

Durch

Erdteiles

dazu

beigetragen,

Mitteleuropa

Eis- und Schwarzmeer füllt, so daß der westöstliche Landverkehr kaum merkliche Wasserscheiden zwischen den einzelnen Fluß

systemen zu überschreiten hat, so ist es für die Durchgängigkeit im Wasserverkehr in der Südost-Nordwest-Richtung nicht minder

wichtig, daß die zur Nord- und Ostsee gehenden Flüsse in dieser Richtung parallel geschaltet sind und ein tiefes Eindringen in das Binnenland gestatten. Im Zuge der Urstromtäler ist ihre Verbin

dung durch Schiffahrtskanäle möglich. Überdies läßt sich aus den z. T. nur von einer Hügellandschaft umgebenen Quellgebieten jener der Nordwestabdachung Mitteleuropas folgenden Flüsse der Über gang über niedere Bodenschwellen zu den gegenständig geschal teten Flußgebieten der Südostabdachung, also zur Donau, zum Dnjestr und Dnjepr vollziehen. In Europa sind also in Nordwest- Südost-Richtung verlaufende Wasserstraßen von der Natur gerade zu vorgezeichnet. Dazu kommt, daß auch die südosteuropäische Halbinsel ebenfalls in dieser Richtung dank ihrer Reliefanordnung, ihrer Beckenreihen und Flußtäler (Morawa—Wardar, bzw. Ma- ritza) besonders durchgängig ist. Es öffnen sich also auch zur Ägäis und zum europäisch-kleinasiatischen Brückenkopf am Bosporus Pforten aus dem mittleren Donaubecken. Für Österreich aber ist es von besonderer Bedeutung, daß seine Schlagader, die Donau, dem Korridor des nördlichen Alpenvorlandes folgt. Auch dieses erstreckt sich über nur schwach betonte Wasserscheiden vom Rhonegebiet zum Oberrhein und zur oberen Donau. Bei Wien spaltet es sich einerseits nordostwärts in das Marchbecken—Karpatenvorland, andererseits südostwärts in das innerkarpatische Doppelbecken auf. Dieses aber hat zwei Hauptausgänge: die Pforte des Eisernen Tores, durch die der Strom in die Walachische Tiefebene übertritt, ehe er sich ins Schwarze Meer ergießt, und die schon erwähnten, zum Ägäischen Meer hinleitenden Beckenreihen und Flußtäler.

Zwischen

schen Tieflandgürtel und dem Alpenvorlandkorridor aber vermit teln zahlreiche Lücken und Pässe der deutschen Mittelgebirgs- schwelle meridionale Durchgänge. Selbst Europas höchstes Ge birge, die Alpen, ist dank seiner schöngegliederten Längs- und Quertalsysteme, seiner zahlreichen Pässe und einer Nordost-Süd west gerichteten Beckenflucht (Wiener Becken—Klagenfurter Bek- ken) hervorragend gangbar, und der östliche, gegen das mittlere Donaubecken abfallende Alpenbruchrand wirkt als Leitlinie des Meridionalverkehres zwischen Wien und der Adria. Unter den

Verkehrsschnittpunkten Mitteleuropas aber ist einer der vornehm sten Wien, wo die gegeneinander geöffneten Alpen-, Sudeten-,

Karst- und Karpatenländer durch die im zerbrochenen alpin- karpatischen Gebirgsbogen entstandenen Pforten miteinander in

dem

großen

französisch-norddeutsch-polnisch-sarmati-

Verbindung stehen, wo sich die vorgeschichtliche Bernsteinstraße (Ostsee—Adria) mit der uralten Völkerstraße der Donau kreuzt

und

zusammenstrahlen. Welcher Gegensatz zwischen diesem Mittel europa und dem wüstenhaften Kerngebiet Australiens, dem toten innerasiatischen Raum, dem tropischen Urwalddickicht des inne ren Südamerika, dem durch Wüsten, Urwald und Stromschnellen mehr oder minder isolierten Innerafrika! Nur das Innere Nord amerikas zeigt eine gewisse Verknotung transkontinentaler Durch

gangswege zu Wasser und zu Land. Der doppelte meridionale Sperrgürtel der pazifischen Kordilleren und des Felsengebirges mit den von ihnen eingeschlossenen Trockengebieten ist wohl an meh reren Stellen verkehrsdurchlässig, aber er läßt doch nicht jenen Grad der Aufgeschlossenheit und Wegsamkeit aufkommen, wie er Mitteleuropa zu eigen ist.

Ländergruppen

die

Verbindungswege

der

vier

genannten

Die

physische

Eigenart

Mitteleuropas

wird

be

stimmt durch das Nebeneinander von Tiefländern, Mittel- und Hochgebirgen, durch den raschen Wechsel der Reliefenergie auf engem Raum, desgleichen der Gesteine, der Bodenarten und der regionalen Klimaverhältnisse. Mit den Höhen und Tiefen wechselt aber auch die Pflanzendecke, wechseln die Wirtschaftsformen. Das ergibt eine Kleinkammerung der Landschaftsblöcke, ein unver gleichliches Landschaftsmosaik, wie es sich kaum anderswo auf der Erde wiederholt. Ist dieses Mitteleuropa auch ozeanfremd, so ist es doch meerverbunden infolge des tiefen Eindringens der Nebenmeere in den Festlandkörper und der reichen Entwicklung der nach diesen entwässernden Flußnetze. Die Flachlandzonen vermitteln zwar meerischen atmosphärischen Einflüssen den Zu tritt in den Kontinentalkörper, doch umgekehrt fehlt darum auch nicht die Möglichkeit des Westwärtsdrängens kontinentaler Ein flüsse. Das südöstliche Mitteleuropa steht schon im Zeichen des gemäßigten pannonischen und pontischen Kontinentalklimas, und auch in Nordostmitteleuropa kämpfen kontinentale Kräfte mit den ozeanischen. Darin liegt geradezu der tiefere Sinn des mitteleuro päischen Wesens. Jene physisch-geographischen Tatsachen wirken sich aber auch biologisch aus in der Eigenart und Verbreitung der Pflanzen- und Tierwelt, nicht zuletzt aber auch in der der Völker und ihrer Kulturen und in jenen Völkerbewegungen, die so sehr zur Formung des geschichtlichen Erlebnisses, namentlich des süd östlichen Mitteleuropa, beigetragen haben. So ist Mitteleuropa als Ganzes besehen ein Kampfplatz der ozeanischen und kontinentalen Kräfte in der Luft und auf der Erde, wo Pflanzen, Tiere, Menschen und deren Kulturen im Widerstreit zu einander stehen, aber auch miteinander darauf angewiesen sind,

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den Ausgleich zu suchen, so daß man dieses Mitteleuropa ebenso als einen europäischen Ausgleichsraum bezeichnen könnte. Ein mehr oder minder breiter Grenzsaum zwischen West- und Ostkultur hat sich im Wandel der Zeit hier bald west-, bald ostwärts geschoben.

Mitteleuropa ist also dualistisch in seiner Wesenheit. Es erstreckt sich über die beiden europäischen Hauptabdachungen, die atlantisch-baltische und die mediterran-pontische. Es ist zwei gesichtig und blickt ebenso auf das Weltmeer hinaus wie hinein in die Tiefe des eurasischen Kontinentes, in dessen Steppenweite. Es war ursprünglich in seinem Westteil geschlossenes Waldland, im Ostteil aber Waldsteppe. Wohl sind auch noch hier die Gebirge waldumkränzt, aber die trockenen Beckenräume im Regenschatten hatten nur lockeren Baumbestand, und sie sind unter menschlichem Kultureinfluß nur noch steppenhafter geworden. Dieser Verzah nung von Wald und Steppe entspricht eine Ineinanderschiebung von verschiedenartigem Volkstum und verschiedener Kulturfor men. Innerasiatische Wüstensteppen finden auf europäischem Boden ihre Fortsetzung in Wiesensteppen und diese im südöst lichen Mitteleuropa in Waldsteppen. Dieser Steppengürtel war die Wanderbahn von Nomadenvölkern. Ihm sind die Hun nen, Awaren, Madjaren, Mongolen gefolgt, und auch die Kriegs züge der Türken haben sich aus Kleinasien durch die waldfreien Beckensteppen nordwestwärts bewegt. Das hat anthropologisch

und

kulturell

tiefe

Spuren

im

Völkerbild

Südosteuropas

hinter

lassen und seine Kulturkontinuität durch den Wechsel von Zerstö rung und Wiederaufbau öfters unterbrochen. Im Mittelalter haben die Deutschen im Zuge ihrer Ostkolonisation namentlich die Wald gebirge rodend besetzt und hier den Bergbau erschlossen, während in den offenen älteren Siedlungsgebieten Slawen oder Madjaren, dagegen in ostkarpatischen Waldgebirgen Rumänen siedelten. Ost mitteleuropa wurde so zum Mosaik der Kleinvölker und deutscher Volkssplitter, zum Mischungsgebiet von West- und Ostkultur. Nach den Türkenkriegen setzte in den kriegsverwüsteten Landstrichen eine zweite Kolonisation ein, die deutsche und slawische Sprach inseln in bunter Mischung schuf. Sprach- und Staatsgrenzen sind hier kaum in Einklang zu bringen, und daraus erwuchsen volks- und staatspolitische Probleme. Im klar gegliederten westlichen Eu ropa füllen Nationalstaaten die Naturräume, hier im Osten aber überschneiden sich Staats-, Völker-, Kultur-und Wirtschaf tsgrenzen nicht selten wechselseitig und allenthalben stößt man auf die Pro bleme der völkischen „Minderheiten", denn es leben oder lebten vor der großen Umsiedlung namentlich deutsche Volksgruppen inmitten von Völkern anderer Sprache und Kultur. Dieses Gebiet einer

spezifisch ostmitteleuropäischen politischen Problematik erfordert einen besonderen politischen Baustil. Er kann nicht etwa aus dem Westen oder aus dem Osten Europas entlehnt werden, sondern er muß der Natur, Geschichte und Kultur dieser Übergangslandschaft entsprechen. Das Gewaltmittel der Umsiedlung hat allerdings hier in der letzten Zeit die völkischen Siedlungsverhältnisse vereinfacht. Seinerzeit mußte das größere Österreich, der Vielvölkerstaat der österreichisch-ungarischen Monarchie, um die Lösung dieser Pro bleme ringen, und sie sind von ihm auf seine Nachfolger- und Erb staaten übergegangen, auf Kleinösterreich, die Tschechoslowakei, auf Ungarn, Jugoslawien, auf Rumänien, Polen und Italien. Wie das kleine Ostmarkgebiet, das Ostarrichi des 10. Jahrhunderts, hatte sich auch die aus ihm hervorgegangene Donaumonarchie als südöstlicher Grenzwächter der abendländisen Kultur bewährt. Je ner Großstaat stützte sich auf die Bollwerke der Alpen, des Karstes, der böhmischen Randgebirge und der Karpaten und bot mit seinen natürlich und kulturell verschiedenartigen Landschaftsblöcken die Möglichkeit zu einer wunderbaren wechselseitigen Ergänzung. Die ser wirtschafts- und verkehrsharmonisch gestaltete Staat erwies sich aber im Zeitalter des Nationalismus durch sein Vielvölkerleben doch als disharmonisch, nachdem es ihm durch Jahrhunderte gelun gen war, Spannungen an der deutsch-slawisch-romanischen Sprach- und Kulturgrenze auszugleichen und so der Befriedung Europas zu dienen. Ehe jedoch die Ausgleichsformel zwischen den national bewußt gewordenen, nach Autonomie strebenden Völkern und Volksgruppen gefunden, ehe der neue politische Baustil dieses Rau mes entworfen war, zerbrach sein politischer Verband im ersten Weltkrieg. Die Deutschösterreicher hatten die politische Führung in diesem Staat innegehabt und den nichtdeutschen Völkern der Donaumonarchie viele, in ihrer Wurzel deutsche, aber in ihrer Zu- prägung übernationale, also österreichisch gewordene Kulturwerte vermittelt. Dadurch wurde das einseitige Kulturgefälle, das zwischen dem West- und Ostflügel des Staates besonders nach der Befreiung der Ostteile von der jahrhundertelangen türkischen Herrschaft bestanden hatte, wesentlich vermindert und die Grenze zwischen abendländischer Kultur und den Ostkulturen im Raum der Donaumonarchie ostwärts zurückgeschoben. Wien spielte dabei die führende Rolle. Als geistiger Strahlungspunkt, als Zentrum österreichischer Kunst und österreichischen Lebensstiles, als poli tischer Verwaltungsmittelpunkt, von dem der Wiederaufbau des Kulturlebens nach den Türkenkriegen durch Kolonisation des mitt leren Donaubeckens und Errichtung der Organisation der Militär grenzen ausgegangen war, hat es eine oft unterschätzte Leistung im Dienste seiner europäischen Sendung vollbracht.

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Unter der Nachwirkung dieser großen Tradition stehtauch die Hauptstadt des kleinen Österreich. Noch immer hält der Kleinstaat die Berührung mit Slawen, Romanen und Madjaren aufrecht und noch schließt er Splitter jener Völker ein. Kraft seiner Lagebezie hungen zum Südosten und nahe dem Grenzsaum der westlichen und östlichen Kulturwelt Europas gelegen, bleibt ihm auch ferner hin die Aufgabe der Kulturvermittlung gewahrt. Zwar vermag er dabei nicht mehr politische Kräfte einzusetzen, doch sich auf eine in Jahrhunderten gesammelte Tradition, auf ein starkes Einfüh lungsvermögen in die Wesensart anderer Völker und auf das Wis sen um sie und ihre Länder zu stützen. Österreich wurde gleich sam ein Januskopf verliehen. Mit ihm blickt es sowohl nach dem Westen wie nach dem Osten Europas und besorgt zwischen diesen beiden Kulturwelten die geistige Vermittlung. Freilich ist Wien heute nur die Hauptstadt eines verarmten kleinen, kriegsverwü steten Staates, aber noch immer wirkt die Tradition nach, daß hier jahrhundertelang die Residenz der römisch-deutschen Kaiser macht und der Mittelpunkt eines übernationalen Großreiches war. Davon künden nicht nur Bauten, Museen und Archive, sondern es leben auch noch Nachkommen der Familien, die selbst in ihrer Ge schichte die Überlieferung dieser großen Zeit hochhalten und in ihrer kulturellen Einstellung auch etwas vom Gedankengut jener Zeit übernommen haben. Hier wurde wahrhaft europäische Politik gemacht, und wahrhaft europäische Kulturbeziehungen wurden hier angeknüpft. Auch heute noch gibt es hier Menschen, zu deren Familientradition es gehört, europäisch zu denken, der kleinen Fläche zum Trotz, die die heutigen Staatsgrenzen umspannen. Europäisch war dieser Großstaat in bezug auf sein landschaftliches Gefüge. Hatte er doch Anteil an vier großen Gebirgssystemen des Kontinentes mit den mannigfaltigsten landschaftlichen Erscheinun gen ihres Reliefs und ihrer Gesteine. Hier gab es fruchtbare Strom ebenen, aber auch Steppenländer und Karsteinöden, riesige Wald gebiete, Ackerlandschaften und sonniges Weinhügelland, dazu den klimatischen Abstand zwischen der Eisregion der Hochalpen und dem mediterranen Klima, zwischen den von Feuchtigkeit triefen den Wäldern und Alpenmatten, die von ozeanischen Westwinden überstrichen wurden, und dem trockenen pannonischen Klimaraum mit ärmlichem Gewässernetz und abflußlosen Seen. Diese Mannig faltigkeit der klimatischen Erscheinungen setzte sich in die natür liche Pflanzendecke und auch in die verschiedenartige Physiogno mie der Landwirtschaftsfläche um. Die Mannigfaltigkeit des geo logischen Baues aber äußerte sich auch im Reichtum der Boden schätze. Es gab Erz- und Salzlager in reichem Ausmaß und auch Erdölquellen sowie Bausteine von jeglicher Art. Was Europa an

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Naturerscheinungen zu bieten hatte, war zumindest in Proben in diesem Kleineuropa vorhanden und dasselbe kann von seinen kul turgeographischen Erscheinungen gesagt werden. Wurden doch hier rund ein Dutzend verschiedener Sprachen gesprochen und alle großen Völkergruppen Europas, die Germanen, Romanen und Sla wen und audi die ugro-finnischen Madjaren waren auf einem ehe mals illyrisch-keltischen Volksboden durch verschiedene Völker und Stämme vertreten. Durch die Mannigfaltigkeit dieser Volkskul turen erhielt die Kulturlandschaft der Donaumonarchie ein in Eu ropa ganz einzigartiges Gepräge. Von diesem natürlichen Reichtum ist aus Kleinösterreich vieles verschwunden, aber noch immer ist sein landschaftlicher Reichtum überraschend. Durch den Osten der Monarchie lief die westöstliche Geistes grenze unseres Erdteiles, ausgeprägt einerseits durch den Gebrauch der lateinischen und der deutschen, auf der anderen Seite durch jenen der kyrillischen Schrift. Dementsprechend war auch die Gliederung seiner christlichen Kirchen. Vorwiegend waren Anhän ger der römisch-katholischen Kirche vertreten, aber auch solche der griechisch-unierten, bzw. griechisch-orthodoxen und der armenisch katholischen. Anhänger verschiedener protestantischer Sekten mischten sich darunter, Juden westlicher und östlicher Prägung und audi Mohammedaner. Zeigten doch Städte und Dörfer Bosniens und der Herzegowina teilweise Ausschnitte aus dem Leben des Orients. Hier war wahrhaft Europa in seinen Hauptelementen zu einer staatlichen und wirtschaftlichen Lebensgemeinschaft verbun den. Dieses Großösterreich war nicht nur nach den vielseitigen Lagebeziehungen, sondern auch nach seinem historischen Erlebnis und durch sein natürliches und kulturelles Gefüge ein Repräsen tant Europas. Wechselseitig sich wirtschaftlich ergänzend, vereinig ten sich die Länder harmonisch zur Ganzheit des Staates. Keineswegs entsprach aber in neuerer Zeit das Verhältnis der Völker zueinander einer Harmonie. Ihr friedliches Zusammenleben im Zeitalter des patriarchalischen Absolutismus machte in der Zeit der national-demokratischen Entwicklung dem Streben nach natio naler Autonomie Platz und heftigen Fehden der nationalistischen Parteien. Österreich hätte den Beruf gehabt, das allerdings äußerst schwierige Problem eines Vielvölkerstaates zu lösen und ein Bei spiel für ein künftiges Paneuropa zu geben. Doch trotz hoffnungs voller Ansätze zu einer solchen Politik gelang es nicht rechtzeitig, die Formen des Überganges vom patriardialischen zum demokrati schen Völkerbund zu finden und einen Bundesstaat auf nationaler Grundlage zu schaffen. Von Nachbarstaaten geförderte irredentisti- sdie Bewegungen und die starre Haltung der eigenen politischen Parteien lösten Kräfte aus, die sich im ersten Weltkrieg vereinigten,

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um die Donaumonarchie von innen her aufzurollen. Sie brach annähernd an den Grenzen der Volksgebiete in mehrere Stücke. Doch wurde unklugerweise von den Siegermächten nicht ein mal der Versuch unternommen, wenigstens die wirtschaftliche Ein heit des südöstlichen Mitteleuropas zu retten und auf diese Weise die Bildung eines Staatenbundes zu erleichtern. Unsdiarfe Grenz ziehungen vererbten das Nationalitätsproblem auf Österreich-Un garns Nachfolgerstaaten. Der Ausgang des zweiten Weltkrieges schuf zwei Europa tei lende Machtkomplexe, die im Widerspruch zur Mitteleuropaidee im Bereiche des neutral sein wollenden Österreich aneinandergrenzen. Wird Österreich unter diesen Umständen als Kernstüdc Mitteleuro pas dessen vermittelnde Aufgabe fortzusetzen vermögen? Von der Antwort auf diese bange Frage hängt nicht nur die Zukunft Öster reichs, sondern die von ganz Europa ab. Für das übernationale Römisch-Deutsche Reich und für den Vielvölkerstaat des Kaiser tums Österreich, bzw. die österreichisch-ungarische Monarchie war Wien in seiner Lage die gegebene Hauptstadt. Freilich für das kleine Österreich liegt es exzentrisch, aber trotzdem ist Wien auch jetzt Österreichs Haupt und nicht sein Anhängsel oder gar sein Wasserkopf, wie es manchmal geringschätzig bezeichnet wurde. Österreich wäre ohne Wien und das Wiener Becken im wesentlichen ein Alpenstaat, der wohl wegen seiner landschaftlichen Schönheiten geeignet wäre, ein Treffpunkt Europas zu werden, aber nicht eine europäische Kulturaufgabe zu übernehmen. Der Besitz der Schlüs selstellung Wiens ist also für Österreich ein Aktivum und die Vor aussetzung seiner kulturellen Mission. Auch jene, die in den letzten Jahren Wien als zweite Hauptstadt Deutschlands priesen, haben es nicht selten verkannt. In Wirklichkeit hatte es im Schatten Berlins zu stehen und sich ausschließlich seiner Rolle als deutsche Grenz stadt bewußt zu sein, also lediglich einen Reichsgau unter vielen zu bilden. Was es aber als österreichische und damit auch als euro päische Stadt dem deutschen Volk als Vermittler und Verknüpfer, als Brücke zur Welt zu bieten vermocht hätte, was es ihm zumin dest an Erfahrung, Einsidit und Einfühlungsvermögen in die poli tischen, völkischen und kulturellen Verhältnisse des Südostens und für die Gestaltung der Beziehungen des deutschen Volkes und Staates zu den Südostvölkern (sowie zu den in diesen eingekapselten Volksdeutschen Gruppen) hätte zur Verfügung stellen können, blieb zum Teil ungenützt, weil vielfach unverstanden und geringgeschätzt. Der Verkehr des Reiches mit dem Südosten geschah gelegentlich über den Kopf Wiens hinweg und nicht immer in Formen und mit Methoden, die die Südostvölker seelisch zu gewinnen verstanden, sondern eher ihren Widerstand auslösen mußten.

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Österreich

steht

jetzt

vor

einer

schwierigen

Wiederaufbau

arbeit. Es hat seine Vermittlungsaufgabe nicht nur aus Eigen interesse, sondern auch aus europäisdien Rücksichten zu verfolgen. Gestalt, Gefüge und Wesen der Landschaften des Staatsraumes, physische und geistige Kräfte seiner Bewohner, das Kräftespiel zwischen Natur und Mensch, das Werden seiner Kulturlandschaft wollen erforscht sein, um diese Erkenntnisse für Wiederaufbau und Höherentwicklung des Lebensraumes einsetzen zu können. Dabei fällt der Geographie eine wesentliche Aufgabe zu. Sie kann vieles dazu beitragen, Tatsachenkomplexe zu klären, die in ihnen herrschenden ursächlichen Zusammenhänge aufzudecken und Nutz

anwendungen des Erkannten den Weg zu weisen. Nur durch Selbsterkenntnis kann eine der Eigenart des Staates Rechnung

erdharmonische Ordnung für Volk und Land erzielt

tragende,

werden.

2. Das Werden von Österreichs Volksgefüge und Kulturlandschaft.

Österreichs Eigenart bleibt unverständlich, wenn sie nicht auch auf jene Wurzeln hin untersucht wird, die zutiefst seinen Lage beziehungen entsprießen. Einige Beispiele mögen zeigen, wie schon in der straßenlosen Vorzeit, in der jede künstliche Beeinflussung von Völker- und Kulturbewegungen ausgeschlossen war, diese stets bestimmten Naturlinien des heute österreichischen Raumes folgten. Unter dem Einfluß dieser Bewegungen fügte sidi Stein um Stein zum heutigen Volkstumsbild und reifte die Kulturlandschaft zu ihrer Vermittlungsfunktion heran. Diese wenig bekannten Tat sachenreihen verdienen ausführlichere Behandlung, schon deshalb, damit wir uns bewußt werden, daß in Zeiten, wo der Wille von Einzelpersönlichkeiten im gesdiichtlichen Leben maßgebend war, schon eine richtungweisende Tradition bestand, die das instinktive oder verstandesmäßige Erfassen und Auswerten der österreichischen Lagebeziehungen erleichterte. Die altsteinzeitlichen Jäger des Wald viertels, der Wachau und die Bewohner der alpinen Höhlen vermoch ten noch keinen wesentlichen Einfluß auf die Naturlandschaft zu nehmen. Erst der Ackerbau und die Viehzucht der jüngeren Stein zeit brachten Ansätze zur Bildung einer Kulturlandschaft, doch vorerst bezeichnenderweise nur in den halboffenen Waldsteppen gebieten des pannonischen Klimaraumes, besonders in den bevor zugten Lößgebieten der Hügellandschaft des Weinviertels, des Marchbeckens und der Becken am Alpenostrand, während der Alpenraum noch fast menschenleer blieb bis auf einige Ufer der

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Voralpenseen mit ihren Pfahlbauten. Die frühreife Donau kultur, getragen von einem niditindogermanischen, wahrschein lich in Vorderasien wurzelnden Volkstum, erstreckte sich aus dem Südosten durch das mittlere Donaubecken bis ins Alpenvorland und unterhielt hier Verbindungen gegen Westen und zum Rhein gebiet. Umgekehrt drangen westeuropäische Kulturelemente aus der Schweiz bis nach Ungarn vor (Glockenbecherkultur), und aus Mitteldeutschland reichte die Kultur der Schnurkeramiker über Böhmen und Mähren ins Alpenvorland herein. Auch nor dische Kulturelemente berührten sich mit der Donaukultur. So finden wir hier schon die Grundzüge des natürlichen Verkehrs- gefüges Österreichs gegeben, eine der Donau folgende Wander bahn in der Riditung Südost-Nordwest und umgekehrt. Wir sehen auch schon Rhein- und Donauland engstens miteinander

verknüpft.

laufende Wanderbahnen, die aus dem Elbe- und Marchbecken über die südlichen Senken der Böhmischen Masse in den Donau raum führen. Es kommt schon damals im Südosten Österreichs zu einer Berührung, Überdeckung und Vermischung der Kul turen. Dieser Vorgang wiederholt sich in der Metallzeit. Doch be ginnt nun auch die Erschließung des Alpenraumes, denn seit der Bronzezeit faßt der Bergbau in Teilen der Ostalpenländer Fuß. Wiederum sind es zwei meridional gerichtete Kulturströme, die durch Böhmen und Mähren gehen, die aber nun durch die Quer täler der Ostalpen in diese selbst eintreten (Höttingerkultur des Unterinntales, Aunjetitzer und Lausitzer Kultur der östlichsten Alpenländer). In der Grauwackenzone der Ostalpen entwickelt sich ein bis an die Schwelle der historischen Zeit blühender Kupferberg bau, und in der älteren Eisenzeit erweisen audi die alpinen Salz lager ihre Anziehungskraft. Hallstatt wird zum alpinen Kultur zentrum. Wahrscheinlich wurden auch damals sdion die beiden

Erzberge von Eisenerz und Hüttenberg in Abbau genommen. Illy risches Volkstum ist Träger dieser Kultur. Schon damals erweist sich der Alpenraum als konservatives Beharrungs- und Rückzugs gebiet. Während sich am Alpensaum eine jüngere Eisenkultur in der La-Tene-Periode ausbildet und ihre keltischen Träger hier und im benachbarten pannonischen Becken das Kulturbild bestimmen, behaupten sich innerhalb der Alpen die Formen der Hallstattkultur und Teile des illyrischen Volkstums. Das Unterinntal, die Täler Südtirols und die Oststeiermark sind Beispiele hiefür. Die Alpen festung bewahrt wie heute altertümliche Lebensformen. Natur gegebene Verkehrslinien, wie die NW—SO verlaufende der Donau oder die dem Marchbecken und dem Ostalpenrand folgende Meri- dionallinie, die sich bei Wien mit der Donau überkreuzt und die

Ferner

erkennen

wir

in

meridionaler

Richtung

ver

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eine Parallele in Oberösterreich hat, sind Vorläufer von Verkehrs linien der Gegenwart, ebenso die Quertäler und die Längstalfluch- ten der Ostalpen. Das südöstliche Österreich erweist sich aber schon damals als ein Berührungs- und Durchmischungsraum von Völkern und Kulturen. Für die Entwicklung der österreichischenKulturland- schaff ist die Feststellung wichtig, daß, gleichviel ob es sich um rhätisches oder keltisch-illyrisches Volkstum handelt, die Grund züge der alpinen Bauernkultur an der Schwelle der geschichtlichen Zeit bereits zur Ausbildung gekommen sind: Viehzucht, Milchwirt schaft und die Nutzung des Waldes treten in Erscheinung. So sind die Ansätze einer Alpwirtschaft bereits vorhanden. Man verar beitet die abgebauten Erze und das Salz. In keltischer Zeit dehnt sich der Bergbau auch über die Hohen Tauern aus, wo die Tauris- ker Goldbergwerke betreiben. Schafherden liefern Wolle, aus der grobe Stoffe hergestellt werden. Die Alpenbevölkerung hat sich bis in entlegene Talwinkel ausgebreitet, und der Saum- und Tragtier verkehr verknüpft diese über zahlreiche Pässe. Dieses Zusammen wachsen früher isolierter Siedlungsräume drückt sich in der kelti schen Zeit auch politisch in der Entstehung des norischen König reiches aus, das sich um den kärntnerischen Mittelpunkt Noreia bildet. Die Längstäler der Alpen mit ihren Quertalzugängen sind aber auch die Leitlinien der Wanderwege westkeltischer Ostwan derer geworden, die sich über die illyrische Bevölkerung Südwest- pannoniens schoben und donauabwärts zogen, ja, eine neue Heimat suchend, teilweise bis Kleinasien gelangten. In ruhigeren Zeiten vollzieht sich auf diesen Wegen eine Handelsverbindung zwischen dem westeuropäischen Keltentum und dem mittleren und unteren Donauraum, aber auch mit den stammverwandten Bewohnern Oberitaliens und dem keltischen Bojerreich in Böhmen. Die von Natur aus so gut erschlossenen Ostalpen erweisen sich dabei mehr als Vermittler denn als Hindernis. Immer mehr zeichnen sich also die heutigen Verkehrsfunktionen Österreichs ab, und sie erfahren in der römischen Zeit eine weitere Ausgestaltung. Als gegen Ende des zweiten vorchristlidien Jahrhunderts ger manische Zimbern und Teutonen aus dem mittleren Donauraum in die Ostalpentäler kommen und versuchen, nach Oberitalien durchzustoßen, kommt es zum ersten Zusammenstoß mit den Rö mern bei Noreia. Germanischer Druck auf das keltische Land macht sich in der Folgezeit nun auch vom Westen und Norden her be merkbar, und es kommt zu Rückwanderungen von Westkelten und Bojern durch das heutige Österreich. War dieser bedrohte ost- norische Raum schon längere Zeit ein römisches Schutzgebiet ge wesen, so schließt er sich nun dem römischen Reich bis zur Donau-

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linie freiwillig an und wird zur Operationsbasis für die römische Eroberung Westungarns. Germanische Markomannen und Quaden sind von Norden her bis an die Donaulinie vorgedrungen, wo sie nun den Römern gegenüberstehen. Vorerst erweist sich diese poli tische, militärische und kulturelle Grenze als ein Riegel des euro päischen Nord-Südverkehres, doch lockert er sich bald, da sich in friedlichen Zeiten der römische Einfluß auch ins Norddonauland ausbreitet. Es beginnt sich auf der sogenannten Bernsteinstraße ein Handelsverkehr mit den Ostseeländern zu entwickeln, der vom Donauübergang bei Carnuntum südostwärts am Alpenrand und dann diagonal durdi die Alpen nach Aquileia geleitet wird. Das Verkehrskreuz des Wiener Beckens tritt so mehr und mehr in Er

scheinung. Mit sicherem Blick haben die Römer den Gegensatz zwischen Alpenland und den halboffenen Beckenräumen östlich von ihnen erfaßt und die Grenze zwischen ihren Provinzen Noricum und Pannonien an den Wienerwald und Ostalpenrand gelegt. Nordtirol und Vorarlberg aber schlugen sie zu ihrer Provinz Rhätien, die im wesentlichen dem Einzugsgebiet des alpinen Rheins, der Etsch und des oberen Inn entsprach. Die österreichische Kulturlandschaft er fährt nun inner- und außerhalb der Alpen ihre Ausgestaltung durch Rodungen, ferner durch Straßenbauten und die Errichtung von Kastellen am Donauufer, sowie durch die Ausbildung des Städtewesens. Städte wurden die Träger der Romanisierung, doch setzt sich diese in der Landbevölkerung nicht überall durch. Am stärksten wirkte das sprachliche Erbe in dem Italien verbundenen tirolisch-vorarlbergischen Raum nach, wo sidi Reste der Rhäto- romanen lange erhielten, ja im Engadin und in Südtirol noch heute leben. Als die von Natur aus am meisten gefährdeten Abschnitte der Nordgrenze des römischen Reiches erwiesen sich die breite Pforte des Marchbeckens gegenüber dem Wiener Becken und der Ausgang des alpinen Rheintales gegen das Bodenseeland. Dort gelang es den Markomannen in der Zeit des Kaisers Marc Aurel, in der zwei ten Hälfte des 2. Jahrhunderts, eine Bresche zu schlagen und auf dem alpinen Diagonalweg bis Oberitalien vorzustoßen. Durch das Tor des alpinen Rheins aber drangen im 3. Jahrhundert Aleman nen in die Alpen vor. Nochmals vernarbten diese Wunden des Grenzzuges, und es festigten die politischen und militärischen Reformen Diokletians das Reich und seine Grenzen. Doch ver mochte dieser Kaiser auf die Dauer nicht, der Christianisierung der Donau- und Alpenlandschaften zu wehren. Hier hält das Christen tum seit Beginn des 4. Jahrhunderts seinen Einzug. Letzten Endes wurde aber über das Schicksal der Donaugrenze durch die Unruhe

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entschieden, die unter den germanischen Stämmen des östlichen Europa infolge des westwärts gerichteten Vordringens der Hunnen seit 375 entstanden war. Von der Ostflanke her wurde die west römische Reichsgrenze aufgerollt und dadurch abermals ihre alte Wunde im Wiener Becken aufgerissen. Markomannen und Goten

drangen hier von Norden ein und letztere überdies durch die Täler der Mur und Drau von Osten. Nun werden germanische Hilfstrup

pen der Römer südlich der Donau angesiedelt und auch die Ale mannen setzen sich nach einem neuerlichen Durchbruch im Rhein tal im Alpenraum fest. Wohl gelingt nochmals die Herstellung der römischen Provinz Ufernoricum, aber die Donaustraße hört nicht auf, ein Durchzugsgebiet der Hunnen und germanischen Stämme zu sein. Besonders nach dem Tode Attilas (453) fluten Rugier, Go ten, Heruler über den jetzigen österreichischen Boden hinweg.

Vorübergehend gelingt es den Rugiern, im Bereiche des heutigen Niederösterreich, mit Krems als Herrschersitz, ein Reich zu grün den, dem jedoch Odoaker ein Ende bereitete. Ufernoricum wird von seiner romanisch-christlichen Provinzialbevölkerung im wesent lichen geräumt, und damit verfällt seine Stadtkultur. Im Westen aber greift das Ostgotenreidi quer durch die Ostalpen, und an der Etsch-Brenner-Linie hinterläßt es in Tirol nicht unwesentliche Spu ren. Die nordsüdlichen Wege durch die Alpen beschreiten seit 568 die Langobarden, nachdem sie bereits gegen Ende; des 5. Jahrhun derts durch das Marchbecken in Österreich eingebrochen waren und hier Rugier und Heruler unterworfen hatten. Zahlreiche lango- bardische Bodenfunde beweisen ihre Anwesenheit im östlichen Niederösterreich und Burgenland jedoch noch bis ins ausgehende 6. Jahrhundert, ein Beweis dafür, daß wohl jedes Volk, das hier nur episodisch wohnte und herrschte, doch nicht restlos verschwand, sondern nachwirkende Spuren hinterlassen hat. Die Langobarden erreichen durch Kärnten die oberitalienische Ebene und verriegeln von dort das Etschtal bei Trient, um ihr neues oberitalienisches Herrschaftsgebiet zu schützen. Die letzte und für die Besiedlung der Ostalpen entscheidende Völkerwelle, die b a j u- warische, drang jetzt auf Nord-Süd-Wegen, wohl zum Teil aus Böhmen kommend, ins Donauland und in die Quertäler der Ost alpen in breiter Front zwischen Nordtirol und der Enns ein. Diese bayrische Volksflut quoll auch über den Brenner auf die Südab dachung der Alpen über, ferner durch die Niederen Tauern nach Kärnten und ins obere Drautal. Es war das entscheidende

E r e i g n i s

tenTeilesvonösterreich.

stört, denn noch hatte sich die Wanderbewegung des östlichen Europa nicht erschöpft. Seit Mitte des 6. Jahrhunderts drängten

f ü r

d i e

Vo l k s t u m s e n t w i c k l u n g

Doch

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es

d e s

g r ö ß - unge

keineswegs

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aus der pannonischen Steppe ural-altaische Awaren und mit ihnen slawische Völkerschaften heran. Infolge der Anlage des alpinen Ta-1 netzes erfuhr nun die bayrische Nord-Süd-Bewegung einen schwe ren Flankenstoß aus dem Osten. Schon Ende des 6. Jahrhunderts kämpften Bayern im Pustertal mit den Slawen und später im Alpenvorland in der Gegend von Melk. Es war die Kulturaufgabe des bayrischen Stammes, die Missio nierung der Alpenslawen in den folgenden Jahrhunderten mit Hilfe voralpiner und alpiner Klöster vorzunehmen und das teilweise nur locker besiedelte slawische Land friedlich einzudeutsdien. Reste der Germanen hatten sich ja wohl auch im ehemaligen Marko mannenland und südlich der Donau im Gebiete des heutigen Nie derösterreich, Steiermark und Kärnten erhalten, ja selbst noch Romanen sind in Salzburg und im westlichen Oberösterreich aus Ortsnamen nachzuweisen. So ist es an dieser Drehscheibe des europäischen Durchzugsverkehres zu einer Uberschiditung von ver- schiedenaltrigen Völkern und Kulturen gekommen, von Illyrern, Kelten, Romanen, Germanen mannigfadier Stammeszugehörigkeit und Slawen, aber in diesem vielgestaltigen Bluterbe setzte sich doch das bajuwarische Wesen als gewichtigstes Element durch. Viel einfacher vollzog sich die Schichtung im westlichen Öster reich, im alten, zum Teil romanisierten Rhäterland, wo sich die alemannische Volksdecke über den älteren Untergrund breitete. Wer das vielgestaltige Leben des donauländischen und nordost- alpenländischen Österreich und auch so manchen Unterschied seines Volkstums gegenüber dem des bayrischen Kernlandes an der obe ren Donau verstehen will, wird auf dieses Bluterbe nidit vergessen dürfen, das, abgesehen von späteren Ereignissen, die Menschen dieses österreichischen Raumes kraft seiner Lagebeziehung geformt

hat.

Rodungen erweiterten die Kulturlandschaft in römisdier Zeit

Weinbau. Abwanderung

der Romanen, Rückgang des Städtewesens, kriegerische Verwüstun gen und verminderte Intensität der Bodenbewirtschaftung mußten in der Zeit der Völkerwanderung in den regenfeuchten Gebieten das Wiederaufkommen des Waldes fördern. Diese natürliche Wiederbewaldung betraf aber das pannonische Klimagebiet jeden falls in geringerem Ausmaß als das alpine und das mehr atlantisch beeinflußte des nordwestlichen Alpenvorlandes. Die Kerne der Sied lungsräume bewahrten dort zweifellos ihre Kontinuität. Kloster gründungen der bayrischen Agilolfinger begünstigten neuerliche Rodungen im Alpenvorland. Bis an die Traisen hin reidite, wie der Name Herzogenburg lehrt, der Besitz der bayrischen Herzoge, die jedoch die Oberhoheit der Franken anerkennen mußten. Deren

und

bereicherten

sie

durch

Obst-

und

19

kriegerische Macht unter dem großen Karl entriß den Awaren das östliche Niederösterreich und Westpannonien. Wiederum war das Donautal zum Heerweg geworden. Bis an die Raab, ja bis an das „Frankengebirge" (Fruska gora) im Drau-Save-Land ging der frän kische Stoß. Ihm folgte die bäuerliche, wohl auch jetzt großenteils durch Bayern bestrittene Kolonisation. Die Markenorganisation im alpin-karpatischen Grenzraum schien die Sicherheit dieses neu gewonnenen Raumes zu verbürgen, nachdem Karl der Große die awarische Macht ausgelösdit hatte, aber trotzdem fiel zu Anfang des 10. Jahrhunderts, als die karolingische Herrschaft im Abstieg begriffen war, dieser Markeiigürtel dem madjarischen Ansturm zum Opfer. Wiederum war das Alpenvorland Wander- und Heerweg geworden. Bis in das Sdiweizer Mittelland drangen die Reiter schwärme aus dem Osten vor, aber auf dem Lechfeld erreichte sie

955 ihr Schicksal, und zäher Grenzkampf schob in den folgenden

Jahrzehnten etappenweise die eigene Grenze über die Enns, über die Melk, die Traisen, über die Wiener Pforte und endlich bis an die March-Leitha-Linie vor und drängte die madjarisdie Einfluß zone zurück. Die deutsch-madjarische Sprachgrenze griff noch weiter nach Osten aus. 976 war diese neue Ostmark dem frän kischen Geschlecht der Babenberger zu Lehen gegeben worden und

996 nennt eine Urkunde zum erstenmal „Ostarrichi" — Österreich.

Diesem in einem Vorhof Pannoniens, an der alpinkarpatischen Fuge verankerten Ostland war eine europäische Schlüsselstellung zugefallen. Diese Stellung wurde dadurch befestigt, daß sich die Kolonisation durch Rodung des nördlichen Grenzwaldes auch in das schütter slawisch besiedelte Norddonaugebiet bis über die Thaya ausdehnte. Dabei wurden wohl audi Nester von Germanennach kommen angetroffen. Auch der alpine Grenzwald südlich der Donau gegen die karantanische Mark wurde aufgelockert und in die Ko lonisation einbezogen, insbesondere in der Grazer Bucht des pan- nonischen Tieflandes. Es entstehen im Kolonisationsgebiet des pan- nonisdi beeinflußten Raumes Anger- und Straßendörfer mit mittel deutschen Gehöften, im Gegensatz zu den Haufendörfern und den bajuwarischen Einzelhöfen des Alpenvorlandes westlich der St. Pöltner Pforte und der Wachau. Dieses Zusammenfallen von Natur- und Kulturgrenzen ist hier kein zufälliges. Es ist raum- und zeitbedingt. Die kulturgeographischen Lagebeziehungen dieses Österreich gestalteten sich günstig, denn die Christianisierung der Alpenslawen hatte rasche Fortschritte gemadit und audi im böhmi schen Staat Wenzels des Heiligen im Norden, im ungarischen Staat Stephans des Heiligen im Osten hatte sich das abendländische Christentum durchgesetzt. Im unteren Donaugebiet aber breitete sich das byzantinische Christentum, sowie die materielle Kultur der

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oströmischen Kaiserstadt aus. So waren Österreichs Nachbarräume allseits kulturell reifer geworden und die kulturzerstörenden Völ kerbewegungen waren zum Stillstand gebracht. Besonders aber wirkte sich die kulturelle Funktion der Donaustraße und des Alpen ostrandes im Kreuzzugzeitalter aus. Der österreichische Vorposten Deutschlands im mittleren Donauland, am Schnittpunkt der Straßen, die von Frankreich über das kulturell frühreife Rhein gebiet nach Byzanz und in den Orient, von Italien ins Donauland und nach dem rasch aufblühenden Böhmen führten, gelegen, bildete nun die Brücke zwischen den Flügelstellungen des europäischen Kulturbereiches. Österreich erlebte dabei selbst eine erstaunliche Kulturblüte. Der Babenbergerhof zu Wien mit seiner Pflege des Minnegesanges und des höfischen Epos wurde literarisch geradezu führend in deutschen Landen. Auf diesem Boden reifte das ger manische Heldenepos der Nibelungen, dieses Symbol der Rhein- Donau-Ostlandverbundenheit im Glanzlicht der großen Erlebnisse der Kreuzzugfahrten durch die sonnigen Rebengaue des Donau landes. Von dem Babenbergerhof in Österreich aber konnte Deutsch lands größter Minnesänger, Herr Walther von der Vogelweide, be richten, er habe hier singen und sagen gelernt. Auch das Alpenland Tirol nahm teil an der engen Verbundenheit mit dem germanischen Sagenkreis des Gotenhelden Dietrich von Bern und an der hohen Entwicklung des Minnesanges. Österreich durfte sich nun zum erstenmal als europäischer Mittler zwischen West und Ost, zwischen Abend- und Morgenland betätigen. Es blieb dieser Aufgabe treu, bis die Türkei die griechische Kaiserstadt am Bosporus und die ganze südosteuropäische Halbinsel eroberte. Die Südostvölker ver fielen für Jahrhunderte einer kulturellen Erstarrung nach dem Zu sammenbruch ihres byzantinischen Kulturhinterlandes. Es wurde ein Riegel, der den Südosten vom Abendland sonderte, quer über die mittlere Donau geschoben. Welcher Gegensatz zwischen der kulturverknüpfenden Mission des österreichischen Donaulandes im Hochmittelalter, als es noch inmitten zweier Kulturfronten lag, und seiner kulturellen Sackgassenstellung bei Anbruch der neuen Zeit, als der türkische Orient hinter Preßburg begann! Jetzt galt es in Österreich, abermals zum Kampf anzutreten für das Abendland und seine Werte! Wiederum wird jetzt das wechselnde Lageschick sal von Ostösterreich offenbar und der Gegensatz seiner Erlebnisse zu der ruhigeren Entwicklung, die den westlichen Ländern des heutigen Staates vergönnt war. Volkstums- und Kulturformen nahmen unter dem Einfluß dieser verschiedenen Lagebeziehungen eine eigenartige Entwicklung. Dort im alemannischen Vorarlberg ist reinblütiges Alemannentum nur im spät gerodeten Bregenzer wald vorhanden, während im Süden des Landes die alemannische

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Oberschichte die romanisierten Rhäter aufsog (Montavon, Walgau). Haus- und Flurformen sind hier teilweise noch Erbstücke aus der rhätoromanischen Vergangenheit des Landes. Berg-, Fluß- und

Hochmittelalter

wurde hier romanisch gesprochen. In Tirol breitete sich das bajuwarische Volkselement von den nördlichen Landespforten über den Brenner, das Reschenscheideck und den Jaufen ins Eisack- und Etschgebiet und allmählich bis zur Salurner Klause aus. Diese Paßklammern hielten die Tiroler Graf schaft, das Land im Gebirge, zusammen. Als starke Individualität hatte es sich immer mehr vom bayrischen Herzogtum abgesondert. Auch Salzburgs geistliches Herrschaftsgebiet verklammerte die Tal gaue der Salzach mit dem Lungau an der oberen Mur zu einer Ein heit, und diese unterhielt die engsten Beziehungen mit dem tiroli schen Inngebiet und mit Oberösterreich, im Süden aber mit Kärnten (Radstädter Tauern, Katschberg) und Italien. Kärnten aber fand den natürlichen Mittelpunkt in seinem zentralen Becken und sein Gebirgsrahmen umspannte hier Deutsche und Alpenslawen (Win- dische). Doch die Lebens- und Schidcsalsgemeinschaft innerhalb dieses Landschaftsrahmens blieb so stark ausgeprägt, daß sich beide Volksgruppen als Kärntner fühlten und fühlen. Verkehrsbezie hungen mit der Obersteiermark und Österreich sind durch die dia gonale Becken- und Längstalflucht gegen Nordosten (Neumarkter und Obdächer Sattel), durch die Pforte von Tarvis gegen Südwesten nach Italien (Görz, Triest, Friaul, Venedig) gegeben. Das Längstal der Drau verknüpft Südtirol durch Kärnten mit der Südsteiermark und Ungarn, und nicht minder eng sind die Beziehungen über die

Karawankenpässe (Loiblpaß, Seebergersattel) mit Krain. Hier öff net sich die Adelsbergerpforte zur Adria. Steiermark, Kärnten und Krain bildeten (mit dem östlichen Niederösterreich) den Schutzgürtel der äußeren Alpenländer auf der ostalpinen Abdachung gegen das pannonische Steppenland, die Auffangstellungen gegen Angriffe, die aus jenem durch die Fluß täler der Raab, Mur, Drau und Save den inneren Alpenraum zu erreichen suchten. Dieser Schutzgürtel hatte schwer an seiner öst lichen Lage zu leiden und für seine Markstellung große Opfer zu

bringen. Kärnten und

Wehrhaftigkeit auch durch östliche Bergumwallungen begünstigt

und

Steiermark gegen Osten offen daliegt. Sie hat als Ostmark viel geleistet und gelitten. Nicht umsonst trägt sie bis heute ihren histo rischen Marknamen. Nur Wiener Becken und Marchfeld, also das östliche Vorfeld Wiens, haben ähnliche Opfer gebracht für die ruhige Entwicklung der Alpenländer. Zwar ging hier im Gebirgs-

Ortsnamen

erhalten

sie

lebendig,

und

noch

im

Krain

sind

von

Natur

aus

aber

in ihrer

die

bilden

daher

eine

innere

Verteidigungslinie,

während

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land der kulturelle Aufstieg langsamer vor sich als in dessen nörd lichem und südlichem Vorland, aber er blieb stetig, während im offenen Ostland ein kultureller Rückschlag dem anderen folgte bis zu den Kuruzzenkämpfen zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Das hat hier tiefe Spuren in Stadt und Land hinterlassen. Kein Wun der, daß an diesem Ostalpensaum sich ein deutliches Kulturgefälle vom alpinen Westflügel Österreichs gegen die pannonischen Vorhöfe der Alpen, zu denen man auch schon den östlichen Ausläufer des Alpenvorlandes, das Tullnerfeld, zählen darf, bemerkbar macht. Das zeigt sich besonders im bäuerlidien Wesen des Marchfeldes, des Wiener Beckens, im Burgenland und in der Oststeiermark und auch in der städtischen Wohnkultur dieses Grenzsaumes. Der Ort- schaftenbestand weist mehrfach durdi Wüstungen entstandene Lücken auf,, namentlich im östlichen Vorfeld von Wien und in der Brucker Pforte, dem Eingang zur Kleinen ungarischen Tiefebene. Hier im Grenzgebiet von Ostalpen und pannonischem Tiefland ent wickelte sich in der Türkenzeit geradezu eine Leeseite der abend ländischen Kulturbewegung. Diese Tatsache würde noch stärker in Erscheinung treten, wenn sich nicht in diesem Raum der Bestand der mächtigen, nicht be zwungenen Feste Wien ausgewirkt hätte, dieses Sammelpunktes von Kräften, die nicht nur den östlichen Reichsmarken, sondern auch einem großen Teil des östlichen Mitteleuropa entstammten. Ja es war eine Stadt, die als römisch-deutsche Kaiserresidenz das Gewicht einer europäischen Sdiirmherrschaft in die Waagschale werfen konnte und an ihren unvergänglichen Lagevorteilen ihre Kraft immer wieder auch nach schweren Krisen entzündete. Sie war stets bestrebt, aus einer völkischen, kulturellen und politischen Grenzlage herauszuwachsen und sich eine kulturelle wirtschaftliche und — wenn die einsetzbaren Kräfte an diesem Angelpunkte dazu reichten und Gegenkräfte sich nicht stärker erwiesen — auch eine politische Mittelpunktstellung zu sichern. Das gelang nach der zweiten Abweisung der Türken vor Wien 1683 in den folgenden, zur Eroberung Ungarns und der unteren Donauländer führenden Kämpfen, die den außerhalb des Reiches gelegenen Machtbereich des „Hauses österreidi" erweiterten. So bahnte sich eine neue euro päische Großmachtbildung im Südosten an, deren Grenzen sidi weit über die Reichsgrenzen ostwärts verschoben. Dadurch wurde auch die abendländische Kulturgrenze ostwärts gerückt. Ein Strom vorwiegend südwestdeutsdier, aber auch alpenländischer Koloni sten ergoß sich im Zuge einer vom kaiserlichen Hof geleiteten Or ganisation längs der Leitlinie der Donau nach dem Südosten, schuf blühende deutsche Volksgruppen in West- und Südungarn (Ofner- gebirge, Schwäbische Türkei, Batschka, Banat, später auch in Sla-

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wonien, Syrmien, Galizien, Bukowina), verstärkte das deutsche Bauern- und Bürgertum in Oberungarn und Siebenbürgen, belebte das Städtewesen des Südostens mit Zügen der Wiener Kultur, deren Ausstrahlungsbereich sich in Kunst und Wissenschaft, Handel und Verkehr und im gesamten Lebensstil bemerkbar madite. Eine österreichische Barockkultur entstand, die Wirtschafts harmonie des mittleren Donauraumes reifte unter dem das Ge werbe und den Verkehr fördernden Einfluß des Merkantilismus aus. Gemeinsames Schicksal in Krieg und Frieden verknüpfte die Völker des Donauraumes, und es erwuchs ein neues, österreichisches Staatsbewußtsein, dessen Hauptträger vorerst das kaiserliche Heer und die kaiserliche Beamtenschaft waren, das aber allmählich auch Bürger- und Bauernstand ergriff. Die politischen Vereinheitlichungs- bestrebungen der auf dem dualistischen Fundament von römisch- deutscher Kaiser- und habsburgischer Hausmacht beruhenden Län der des „Hauses Österreich" fanden in Maria Theresia und Josef IL eine glänzende Verkörperung. Eine „österreichische Kulturland schaft" entsteht und erfährt auch durch die angesichts der Auf lösung des Reiches in der napoleonischen Krise vollzogene Begrün dung des „Kaisertums Österreich" (1804), namentlich in der Zeit des Wiederaufbaues nach dem Wiener Kongreß (1815), ihre Ausge- gestaltung bis in das Zeitalter Franz Josephs I. Die eingeleitete politische Trennung von Deutschland wurde durch den Ausgang des Kampfes um die Vorherrsdiaft in Deutschland 1866 vollendet. In Gestalt der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie war das „Haus Österreich" umgebaut, aber in seine Fundamente waren auch schon die Keime für die 1918 vollzogene Auflösung des Vielvölker staates eingesenkt. Der rechtzeitige Umbau in einem Bundesstaat der Völker war versäumt worden, die völkischen zentrifugalen Kräfte der Nationalitäten gewannen die Oberhand über die zentri petalen staatlichen und wirtschaftlichen. Wiens geistige Strahlungs —

wirkung nach dem

Volksschule unter Maria Theresia aus, von hier kamen Künstler, Wissenschaftler, Beamte, Lehrer — hob die Volksbildung und das gesamte Kulturwesen des mittleren Donauraumes und auch seiner außerkarpatischen und dinarisdien Vorländer. Wien druckte die ersten Lehrbücher, Kalender, Zeitungen so mancher Nationalität, die nach der Befreiung von der türkischen Herrschaft in den geisti gen Bannkreis des Abendlandes zurückgekehrt war, aber Wien trug damit auch den Geist des völkischen Selbstbewußtseins, das nach politischer Autonomie strebte, in die Reihen der von ihm regierten Völker und ihrer Nachbarn. Es war der Vermittler eines mächtigen, diese nationalen Bestrebungen befruditenden Kulturstromes, der sich im Zuge des westöstlichen Kulturgefälles bewegte, aber all-

Osten hin

von hier

ging die Reform der

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mählich Gegenkräfte auslöste, die sich in politischer Hinsicht gegen Wien kehrten, namentlich durdi den Ausgang des ersten Weltkrie ges. Daß man in den Friedensverträgen nicht nur Völkern die Freiheit gab, sondern auch darüber hinaus ihre erdharmonisch gewordene Wirtschaf ts- und Verkehrsgemeinschaft zerriß und durch hohe Zollmauern die Teile des zerschlagenen wirtschaftlichen Groß betriebes trennte, das wirkte sich als zu spät erkannter schwerer Fehler aus. Extreme nationalistische Bestrebungen brandeten in diesem zerstückelten Mitteleuropa gegeneinander und Minderhei tenfragen schufen in ihm neue Konfliktstoffe. Wien hätte seine räum- und traditionsbedingte europäische Vermittlerrolle zum Heile der großen und der kleinen Völker Europas fortzusetzen vermocht, wenn außer- und innerhalb Österreichs die Geister mehr Einsicht in die Notwendigkeit einer durch geographische Voraussetzungen begünstigten Lösung der mitteleuropäischen Frage besessen und die Willenskräfte zu einer erdharmonischen Lösung des Problemes eines mitteleuropäischen Staatenbaustiles aufgebracht hätten. Der tiefere Sinn von Österreichs Wesen war aber weder in ihm selbst noch in seiner Umgebung lebendig genug, und er war viel zu wenig in das Bewußtsein der Verantwortungsträger eingegangen, ge schweige denn den Volksmassen bewußt geworden. So vermochte er sich im politischen Kräftespiel nicht entsprechend auszuwirken. Möge er doch beim jetzigen Neubau Europas in seiner Bedeutung besser erkannt werden! Wir sind an dem entscheidenden Zeitpunkt der lagebedingten Entbindung der österreichischen Kräfte bei unserer Darstellung der Entwicklung des Völker- und Kulturraumbildes Österreichs ange langt und dabei vorausgeeilt bis zur Gegenwart. Mit Absicht wurde dabei die Frühzeit ausführlicher behandelt, weil in ihr die für Kul turentwicklung und Völkerbewegung maßgebenden Naturbahnen ausgefahren und immer wieder benützt wurden. Es entstand da durch ein Erbe von Erfahrungstatsachen, eine Tradition der Men schen in ihrem Verhältnis zu ihrem Lebensraum, die sich auswirkte in der Zeit planmäßiger Volks- und Staatsraumgestaltung durch die politischen Führer. Mögen diese traditionellen Erfahrungen mehr instinktiv oder mehr intellektuell aufgenommen worden sein, sie waren da und verursachten einen wohl nicht zwangsläufigen, aber zweckmäßigen Ablauf der Politik in geographischen Bahnen. Wie sich1 das im einzelnen vollzog, wie die Vor- und Nachteile geographischer Verhältnisse, Lagewerte und Lagebeziehungen im Gang der geschichtlichen Ereignisse zum Ausdruck kamen, wie sie mehr oder minder von der politischen Führung beachtet oder ver- nadiläßigt wurden, möge das Nachfolgende zeigen.

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3. Das Ausreifen von Österreichs Eigenart und seiner Kulturlandschaft.

Wir sehen an der Wende des 12. und 13. Jahrhunderts das babenbergische Österreich sich zusammenschließen und eine Wachs tumsspitze in südlicher Richtung vortreiben längs der naturbeding ten Leitlinie des Ostalpenrandes gegen die Adria. Zu dem Nabel strang, mit dem Österreich an der Donau und im Alpenvorland am kulturell fortgeschrittensten Teil des deutschen Mutterkörpers hing, am Oberrheingebiet mit seinen engen französisdien und italieni schen Beziehungen, war eine neue Beziehungslinie zu Italien am südlichen Ansatz des babenbergischen Territoriums gekommen. In nördlicher und östlicher Nachbarschaft zu diesem österreichischen Kristallisationskern hatten sich in Böhmen und Ungarn ebenfalls politische und kulturelle Kerngebiete entwickelt, befruchtet durch deutsche Kultur vom Westen, durch romanische vom Süden und byzantinische vom Osten. Je mehr diese gegeneinander geöffneten Länder ihre Beziehungen verdichteten, desto mehr wuchs auch das wechselseitige politische Interesse an ihrem Zusammenschluß. Die Wege zwischen ihnen vermittelte zum größten Teil die Schlüssel stellung Wien. Dieser europäische Angelpunkt konnte eine hohe politische Aktivität entfalten, wenn die Eigenkraft, vermehrt um die des Reiches, die der Nachbarn übertraf. Trotzdem ist es zu schematisch gesehen, wenn die Geopolitiker oft schlechtweg von „Kraftfeldern" sprechen und hier ein solches zu finden glauben. Wenn ihm die menschliche Kraftladung fehlt, dann wird ein „solches Kraftfeld" das politische Ziel kräftigerer Nachbarn und ein Spielball in ihrem Wettbewerb. Diesen jähen Wechsel zwischen dem Hammer- und Amboßschicksal hat das frühreife, blühende Österreich in dem dramatischen Geschehen um die Mitte des 13. Jahrhunderts zum erstenmal erfahren. 1192 war mit Österreich der Besitz der Traungauer in Ober österreich und Steiermark vereinigt worden und an der adriati schen Straße folgte die Festsetzung der neuen Landesherren in Unterkrain. So bedeutend war die politische und kulturelle Stel lung der Babenberger geworden, daß sie, obgleich schon 1156 durch das „Privilegium minus" ihre Rechte gemehrt worden waren, für ihr Herrschaftsgebiet den Rang eines Königreiches anstrebten, eine Vorrangstellung im Reich, die Kaiser Friedrich IL zu gewähren nicht abgeneigt war. Nicht nur darin zeigte sich die Verlagerung des Reichsschwerpunktes nach dem Südosten. Wiederum schienen von der Südostseite her das Reich und die abendländische Kultur bedroht, als sich 1241 die mongolisdie Flut nadi Ungarn ergoß und

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auch gegen Österreich, das seine verantwortungsvolle Markstellung wieder zu bewähren hatte, anzubranden drohte. Doch die Gefahr ging vorüber, aber Herzog Friedrich von Österreich, der „Streit bare", wurde indirekt ihr Opfer, als er im Kampf gegen Ungarn als letzter männlicher Sproß seines Hauses vor 700 Jahren an der Leitha fiel, in einem Streit, der aus Vereinbarungen über die ge meinsame österreidiische und ungarische Abwehr des Mongolen einfalles entstanden war. Wenige Jahre vorher hatte der Herzog dem Kaiser den Gehorsam aufgekündigt. Der Staufer zog die babenbergischen Lehen ein, erklärte Wien zur Hauptstadt, mußte sich aber bald wieder mit dem Babenberger aussöhnen, da er seiner als Rückhalt in seinem Zwiste mit dem Papste bedurfte. Doch der frühe Tod des großen Staufers (1250) stürzte das Reich in Wirren ähnlicher Art, wie sie Österreich nach dem Schlachtentod seines Herzogs erlebte. Österreich sah sich nun gleichzeitig der eigenen und der Reichskraft quellen verlustig. Sowohl Bayern, dem Öster reich seinerzeit entglitten war, als auch Böhmen und Ungarn mel deten sich als Anwärter auf seinen Besitz. Der ehrgeizige böhmische Pfemyslide Ottokar IL schien der aussichtsreichste Bewerber um das österreichische Land zu werden. Er schlug den ungarischen Mitbewerber, setzte sich in den Besitz von Österreich, Steiermark, Kärnten und von Krain und war sichtlich bestrebt, eine böhmisch- österreichische Hausmacht zwischen Riesengebirge und Adria auf zurichten mit dem Mittelpunkt Wien, und die deutsche Königs krone zu gewinnen. Doch die deutschen Kurfürsten zogen ihm den weniger mächtigen Grafen Rudolf von Habsburg vor, dessen Hausmacht im alpinen Oberrheingebiet lag. So erneuerte sich das von Kaiser Friedrich IL verfolgte Beginnen, Südwestdeutschland, wo der Sdiwerpunkt des Stauferbesitzes gewesen war, mit Öster reich zu seiner Hausmacht in anderer Form zu vereinigen. Wieder um wurde die Rhein—Donau-Linie die Achse der Territorial politik, deren Schwerpunkt sich nach Südosten verschoben hatte. Hier im Vorfeld der Schlüsselstellung Wiens entschied sich 1276 das Schicksal des Reiches und Österreichs, und es wurde der Grund für die Verbindung des habsburgischen Hauses mit beiden gelegt durch den Sieg Rudolfs über den Böhmenkönig. Die Belehnung von Rudolfs Söhnen mit Österreich, Steiermark und Krain, die Übergabe des Bindegliedes Kärnten in diesem Donau—Alpen- länder-Block an den verschwägerten Görzer Grafen lassen neben der Rhein—Donau-Linie die Donau—Adria-Linie in der Reichs- und österreichischen Politik in Erscheinung treten. Ebenso lag der Fortsetzung dieser Politik durch Heiratsverträge mit dem Pfemys- liden und Arpaden deutlich die Erwartung zugrunde, auch Böh men und Ungarn zu erwerben. Umgekehrt durften die Herrscher

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dieser beiden Reiche hoffen, sich früher oder später in Wien fest zusetzen. Das Problem Österreich—Böhmen—Ungarn verschwindet nun durch Jahrhunderte nicht mehr von der politischen Tagesordnung Europas. Es wird mit zäher Beharrlichkeit weiter verfolgt, beson ders von der langlebigen Dynastie der Habsburger, während die Familien der böhmischen und der ungarischen Gegenspieler wechseln. Den Arpaden folgen in Ungarn die Anjous, diesen Matthias Cor- vinus und die Jagelionen, in Böhmen den Pf emysliden die Luxem burger und die Jagelionen. Gerade der Umstand, daß der Wunsch, diesen Dreiländerblock vereinigt zu sehen, das Beständige in der politischen Erscheinungen Flucht und im Wechsel der Dynastien bleibt, beweist wohl die erdbestimmte Realität dieser Politik. Es wäre anachronistisch und schief, anzunehmen, ein Pfemysl Ottokar, ein Rudolf von Habsburg, ein Karl IV., ein Matthias Corvinus und ein Maximilian seien geopolitischen Konzepten ge folgt, doch zweifellos konnte keiner dieser Staatsmänner über sehen, welche Vorteile persönlicher und staatlicher Art der Ver einigung dieser drei Länderblöcke, die durch Jahrhunderte natür lichen Leitlinien folgende Beziehungen zueinander angebahnt hatten, zukam. Wenn uns auch begreiflicherweise die quellen mäßigen Belege über derlei Argumentationen fehlen, darf doch nicht die Beziehung zwischen den psychologischen Hintergründen von politischen Handlungen und den Raumtatsachen geleugnet werden, ein Zusammenhang, der eine geopolitisch bestimmte Handlungsweise vortäuschen könnte, der aber aus indirekten Zu sammenhängen zu verstehen ist. Wenn das Haus Habsburg in diesem Wettbewerb Sieger blieb, darf man das weder als reinen Zufall budien, noch darin eine Zwangsläufigkeit der Wirkung der Wiener Schlüsselstellung erblicken, sondern man muß in Rechnung stellen, daß sich das Haus Habsburg langlebiger erwies als seine benachbarten Herrschergeschlechter, daß es der dauerhafteste Träger der Königs-, bzw. Kaiserkrone blieb, also auch ein morali sches und materielles Gewicht mit den ihm zukommenden Würden in höherem Maße einzusetzen vermochte als andere Dynastien. Ge wiß ist aber dabei auch die Begünstigung der zentralen Stellung Wiens im dreiteiligen Gefüge des südöstlichen Mitteleuropa nicht zu unterschätzen. Schon 1437 schienen die Habsburger das Ziel er reicht zu haben, aber erst das Jahr 1526 krönte ihre politische Arbeit, die allerdings auch noch der Ergänzung durch große mili tärische Anstrengungen bei der Wiedereroberung Ungarns be durfte. Nun verschwand diese Frage für fast vier Jahrhunderte aus dem Erscheinungsbild der europäischen Politik. Hatte das frühmittelalterliche Hineinwachsen der südostdeutschen Kolonisa-

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tion in die pannonischen Vorhöfe die Wirksamkeit der Schlüssel stellung Wiens vorbereitet und den politischen Zusammenschluß Südostmitteleuropas angebahnt, so setzte nun ein Verschmelzungs prozeß ein, der zunächst durch eine Personalunion, dann durch eine Realunion eine neue Großmacht sdiuf, die über die Grenzen des Römisch-Deutschen Reiches weit hinausgriff und einen Viel völkerstaat zusammenfaßte. Trotz sprachlicher und kultureller innerer Gegensätze ist er aus dem gemeinsamen historischen Er lebnis der Völker in den Türkenkämpfen, aus ihrem ständigen Wirtschaftsverkehr und nicht zuletzt unter dem Einfluß staatlicher Erziehungsarbeit entstanden und hat ein neues Staatsbewußtsein entstehen lassen. Ein Großösterreich, das allerdings niemals das ungarische und böhmische Sonderbewußtsein ganz zu überwinden vermochte, war geboren und sein Volksgefüge erfuhr in dieser Zeit nicht unwesent liche räumliche, biologische und geistige Veränderungen. Sie trugen zur Eigenart dieses aus dem Reiche herausgewachsenen „Hauses Österreich" wesentlich bei. 1526—1918 ist die Zeit der österreichi schen Verselbständigung. Eine objektive Darstellung darf dabei nicht leugnen, daß auch noch nach 1804, dem Jahre der Begrün dung des Kaisertums Österreich, die Reichsidee auf österreichischer Grundlage fortgesetzt wurde, daß auch nach dem völligen Aus scheiden Österreichs aus dem Reich die jahrhundertelange Lebens und Schicksalsgemeinschaft des Römisdi-Deutschen Reiches, die Blutsverwandtschaft und die Sprach- und geistige Kulturgemein schaft mit Deutschland stark nachwirkten. Andererseits darf nicht übersehen werden, daß sich in dieser Periode die Individualität Österreichs und der Österreicher, auch der Deutsch-Österreicher, verstärkte und der Geist Österreichs trotz seiner Nationalitäten kämpfe ein übernationaler, europäischer wurde, worin er sich sehr wesentlich von dem des zweiten und dritten Reidies unter schied. In den Alpengauen, wo stammhaftes Wesen verwurzelt ist, vollzog sidi diese Wandlung in geringerem Ausmaß als in Wien und in den östlichen Reichsteilen. Die Einschätzung Wiens als ein europäisches Aktionszentrum zeigt sich auch in der Begehrtheit dieser Schlüsselstellung. Wien sah die Hussitenscharen vor seinem Donauübergang, öffnete Matthias Corvinus seine Tore, es wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden, 1529 und 1683 von den Türken bedroht. Im österreichischen Erbfolgekrieg wurde ver sucht, durch einen Vorstoß auf Wien im Alpenvorland eine Ent scheidung zu erzwingen. Napoleon nahte 1798 vom Süden durch die Alpen, er besetzte die Residenzstadt 1805 und 1809, vom Westen durch das Alpenvorland kommend. Angesichts der Stadt

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wurde mit ihm im Marchfeld um das Schicksal Österreichs, Deutschlands, Europas bei Aspern und Wagram gerungen. Noch 1866 wollte der preußische Vorstoß gegen Wien die deutsche Frage entscheiden. Diese kriegerisdien Handlungen im Umkreis Wiens haben die Kulturlandschaft Österreichs mehr oder minder ge troffen, vor allem ihre Bevölkerungssubstanz wiederholt direkt und indirekt verändert, was nicht wenig zur Gestaltung der öster reichischen Wesenheit in der zweiten Phase ihrer Entwicklung, also nach 1526, beitrug. Das bajuwarische Wesen Österreichs hatte im Mittelalter nur in geringem Ausmaß fränkische und schwäbische Zusätze (im Adel zur Zeit der Babenberger, bzw. der Habsburger) erfahren, aber die Kriege der neueren Zeit brachten große Bevölkerungs- und Sied lungsausfälle, Lücken, die mit Zuwanderern aus den Alpenländern, aber auch aus Oberdeutschland und aus fremdem Soldatenvolk gefüllt wurden. Vor den Türken geflohene Slawen zogen west wärts und siedelten sich in halbverödeten Dörfern des Burgen landes, des Wiener Beckens und des Marchfeldes an. In ersterem ist noch heute das Kroatische recht lebendig. Am Wiener Hof sammelten sich nach 1685 zahlreiche Adelige und ihr Anhang aus Italien, Spanien, den Niederlanden, aus Ungarn, Böhmen und Kroatien. Die Wiederbesiedlung des durch die Türken kriege verwüsteten Ungarn in einer großen zweiten südost deutschen Kolonisationsperiode brachte den Durchzug von Aus wanderern aus Vorderösterreich, Schwaben, der Pfalz und Lothrin gen durch Wien, das auch Wanderziel so vieler ober- und mittel- deutsdier Handwerksburschen war. Auch so manche Volksdeutsche Rückwanderer aus Ungarn, dem Banat, Siebenbürgen, Slawonien ließen sich in Wien als1 Gewerbetreibende nieder. Hatten im Hoch mittelalter ober- und niederdeutsche Kaufleute, Regensburger, Kölner, Flandrer ihren Sitz in Wien, so seit dem 18. Jahrhundert auch „türkische" Kaufleute, von denen aber die meisten nach ihrer Volkszugehörigkeit sich als Griechen, Serben und Armenier er wiesen. Jüdische Kaufleute wanderten besonders aus Böhmen, Mähren, Polen, Ungarn und der Türkei zu. Trotzdem wurde Wien kein Völkerbabel. Erstaunlidi war seine Assimilationskraft für Fremdvölkische. Es schmolz sie ein und machte sie dank seiner Kultur, seines Lebensstiles, kurz durch sein aus deutscher Wurzel erwachsenes, aber durch Vielvölkerberührung umgeformtes, öster reichisches Kulturwesen meist sdion in der zweiten Generation zu guten Wienern und Österreichern. Im 20. Jahrhundert verlor Wien an höfischer Anziehungskraft, gewann aber dafür viel an wirtschaftlicher. Die freizügig gewor dene bäuerlidie Bevölkerung strömte in die Städte und Fabriken.

30

Handwerker, Bau- und Industriearbeiter, Beamtenanwärter, An gehörige intellektueller Berufe suchten in Wien unterzukommen. Besonders stark war der Zuzug von Deutschen und Slawen aus Böhmen, Mähren, Schlesien, der Slowakei und Westungarn. Wien bekam aus den sudetendeutschen Gebieten so viele Zuwanderer, daß das mitteldeutsche Element namentlich im Kaufmannsstand und in der Beamtenschaft zu großer Bedeutung kam. Die Blut- mischung der Deutschösterreicher gewann dadurch ein besonderes Ausmaß, abgesehen von ihren nichtdeutschen Beimengungen. Hier liegt die Hauptwurzel des besonderen österreichischen Wesens mit seinem Reichtum an kulturellen Begabungen. Österreich besaß immer zwei völkische Berührungsflächen. Die eine an seinen Sprachgrenzen, wo Menschen deutscher und nichtdeutscher Sprache und Vertreter zweier Volkskulturen nebeneinander wohnten, viel fach auch eine Blutmischung eingingen und doppelsprachig wur den. Dabei war in vergangenen Jahrhunderten die Werbekraft des Deutschen die stärkere, während sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die nationale Bewegung bei den Nicht deutschen an der deutsch-tschechischen, deutsch-slowenischen, deutsch-madjarischen Sprachgrenze in gemischten Ehen die nicht- deutsche Sprache meist als die stärkere erwies und in der zweiten Generation schon als Muttersprache gebraucht wurde. Behauptete die deutsche Sprache im Handelsverkehr auch den Vorrang, so trat doch vielfach eine Umvolkung auf Kosten der Deutsch-Österrei cher ein. Die zweite Berührungsfläche zwischen den Deutsch-Österrei chern und den in sprachlicher und kultureller Hinsicht nichtdeut schen österreichischen Staatsbürgern bot sich in diesem Vielvölker staat in Wien und in bescheidenerem Ausmaß auch in den anderen großen Städten und Industrieorten. Hier erwies sidi die Assimila tionskraft des deutsch-österreichischen Kulturwesens und der deut schen Verkehrs- und Umgangssprache, die von den Nachkommen der nichtdeutschen Österreicher meist schon in der zweiten Gene ration als Muttersprache bei Volkszählungen angegeben wurde. Stets gab es also eine Gruppe von österreidiern, die in Umvolkung (nicht im staatlichen, aber im völkischen, sprachlichen, kulturellen Sinne) begriffen war, und diese Blutmischung hat nicht wenig zum Wesen und der Sonderart des österreidiers beigetragen. Am wenig sten von jener Umvolkung berührt wurden Oberösterreich und Salzburg. Sie drückt sich auch darin aus, daß es im deutschspra chigen Siedlungsgebiet Österreichs in Städten und Industrieorten und auf dem Lande an der Sprachgrenze viele nichtdeutsche Familiennamen gibt (bis über ein Viertel des Gesamtbestandes). Umgekehrt finden sich aber auch insbesondere bei Tschechen,

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Madjaren, Slowenen zahlreiche deutsche Familiennamen. In Graz, Klagenfurt, Villach trifft man bei Deutschsprachigen nicht selten slowenische Namen, in nieder- und oberösterreichischen Städten auch so manche tschechische. Sie fehlen auch in der Beamten schaft und im Gewerbestand der alpinen Städte Österreichs nicht ganz. In Innsbruck sind nicht wenige italienische oder rhätoroma- nische (ladinische) Familiennamen vertreten. Das sind Zeugnisse für die durch die natürliche Werbekraft österreichischer Kultur und österreichischen Lebensstiles bedingten Umvolkungen, sie sind aber nicht etwa Ergebnisse gewaltsamer Eindeutschung. Historisch unbestreitbar bleibt also die deutsche Wurzel der österreichischen Kultur, aber durch Österreichs Einbettung in fremde Volksgebiete und seine durch die geographische Lage be dingten historischen Erlebnisse hat sich seine Volkssubstanz nicht unwesentlich verändert. Das Profil des österreichertums zeigt als Ergebnis dieser Entwicklung ein Gepräge, das von der stärker be tonten Gleichartigkeit anderen Volkstums nicht unwesentlich ab sticht. Die Ausschläge von einer Mittellinie sind hier besonders zahlreich und stark. Höhen und Tiefen stehen in der Profillinie oft nebeneinander und erweisen die starke Individualisierung nach Charakter und Begabung. Viele Vorteile, manche Nachteile sind damit verbunden. Die große Anpassungsfähigkeit kommt dem Österreicher zugute, birgt aber auch manche Gefahren in sich. Die lagebedingte Eigenart Österreichs erscheint dann erst im rechten Licht, wenn man sie mit der anderer Kolonisationsgebiete vergleichend betraditet. Im Zuge der ostdeutschen Kolonisation des Mittelalters entstanden drei große halbinselförmige Vorsprünge des deutschen Sprachgebietes: im Nordosten Ostpreußen und die diesem vorgelagerten deutschen Sprachinseln des Balti kums, im mittleren Osten Schlesien und im Südosten Öster reich. Geographische Leitlinien dieser Wachstumsspitzen des deutschen Volkskörpers bildeten im ersten Fall der Verlauf des Ostseegebietes, im zweiten die Achse der Oderbucht des nord deutschen Tieflandes, im dritten das Alpenvorland und die Donau. Die Träger der Kolonisation aber waren im ersten Fall vornehm lich Niederdeutsche, im zweiten Mitteldeutsche, im dritten Ober deutsche. Vollzog sich im Nordosten das Kolonisationswerk zum Teil in kriegerischen Formen unter dem Einfluß des Deutschen Ritterordens in Gestalt von „Kreuzzügen" gegen die Heiden, so im zweiten und dritten Fall in friedlicher Weise.

Wald-,

Seen- und Moorgebietes lange Zeit urwüchsig, denn die Rodung

Überdies

fehlte auch hier ein Kulturhinterland. Ansatzstellen höherer Le-

Im

Ostseeland

erhielt

sich

die

ernste

Natur

vor

des

ging

unter

Naturwiderständen

und

langsam

sich.

32

bensformen waren nur die Hansestädte an der Küste und die Rittersitze. Mit diesem Gebiet ist die Entwicklung des branden burgisch-preußischen Staates aufs engste verknüpft. Wie Öster reich wuchs auch Preußen in andersvölkische Gebiete hinein, ja es trägt sogar einen nichtdeutschen Stammesnamen, doch besaß es nie einen übernationalen Charakter wie Österreich, obgleich es nach der Aufteilung Polens für einige Zeit ein mehrheitlich slawischer Staat geworden war. Dem südlicher gelegenen Schlesien wurde sdion eine etwas freundlichere Natur zuteil. Wohl ist es auch vorwiegend Wald land, aber auf fruchtbarem Lößboden war es halboffene Wald steppe, die schon in vorgeschichtlicher Zeit in Ackerland verwan delt wurde. Deutsche Bauern, Handwerker, Kaufleute und Berg leute brachten das Land zur Blüte. Die Piastenherzöge Schlesiens hatten sie berufen, und nach dem Willen dieser polnischen Fürsten vollzog sidi die Germanisierung des Landes. Freilich lernte es auch die Gefahr seiner östlichen Steppenverbundenheit kennen, denn im Karpatenvorland wälzten sich 1241 die mongolischen Reiter scharen heran, doch litt Schlesien in der Folgezeit nicht mehr wie Österreich unter den Angriffen aus dem Osten. In seiner Lage zwi schen dem polnischen und böhmisdien Kerngebiet erlangte es nicht die für Österreich kennzeichnende eigene politische Aktivität. Als das böhmische Luxemburger-Jagellonenerbe 1526 an die Habs burger übergegangen war, kam audi Schlesien an das Haus Öster reich. Es wurde sein Grenzland gegen die aufsteigende branden burgische, später preußische Macht, deren König Friedrich IL die Teilung Schlesiens erzwang, wobei Österreich nur dessen schmaler Südsaum verblieb. Schlesien erfuhr also das Schicksal eines Puffer gebietes, aber in vorteilhaftem Gegensatz zu seiner mangelnden politischen Aktivität stehen die hohen geistigen und wirtschaft lichen Leistungen des tüchtigen Schlesiertums. Das nordöstliche Ostseeland war der Mutterboden slawenver wandter indogermanischer Stämme, an die sich auch Esten ugro- finnischer Herkunft schlossen. Weiter gegen Westen und Süden aber wohnten durch viele Jahrhunderte Germanen. Dieses Ostland und in ihm Schlesien vermag also auf eine viel frühere germanische Vergangenheit zurückzublicken als das Gebiet des späteren Öster reich. Doch in diesem war seit unserer Zeitrechnung das germa nische Volkstum nie gänzlich verschwunden. Während jene beiden Spitzen des deutsen Kolonisationsgebietes im ostelbischen, erst in der Nachkarolingerzeit teilweise germanisierten Slawenland wur zeln, entstammt Österreich dem Lande des bayrischen Stammes, der sich südlich der Donau auf altem römischen Reichsboden niederließ. So wurde Österreichs Kulturlandschaft durch eine

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Hochkultur schon ein Jahrtausend vor jenem Zeitpunkt befruchtet, zu dem der Nordosten des heutigen Deutschland erst ins Licht der Geschichte trat. Österreichs Christentum ist 600 Jahre älter als das Schlesiens und 1000 Jahre älter als das Litauens. Unvergleichlich aber ist dieses Österreich gegenüber Schlesien und den Ostseegestaden durch seine vielgestaltige herrliche Natur begünstigt. Dank der kulturellen Frühreife seiner östlichen Wald steppengebiete, dank des hier waltenden sonnigen pannonischen Klimas wurde es ein liebliches und reiches Getreide-, Wein- und Obstland. Österreichs Gebirgsland aber erwies seinen Reichtum an Berg-, Holz- und Wasserschätzen und würzigen Viehweiden. Vor allem besaß Österreich jedoch einen Schatz in seiner Lage zu den Leitlinien europäischer Kulturbewegung, in seiner Zwischenlage zwischen Hochkulturgebieten des Mittelalters. Es konnte, gestützt auf die Alpen, zum abendländischen Bollwerk, aber auch in seiner Pfortenstellung zwischen einander zugewandten Landschafts blöcken an der Donaustraße zu einem politischen und kulturellen Kristallisationskern werden. In höherem Maße als in irgendeinem anderen Teil des Reiches wurde hier der Kultur- und Volksboden mehrschichtig, eben durch den bereits geschilderten mannigfachen Ablauf der geschichtlichen Ereignisse. Mehr als andeswo haben hier aber auch Angehörige verschiedener ober- und mitteldeutscher Stämme Anteil am Aufbau des Volkstums und Kulturwesens ge nommen. Hier haben sich aber auch viel mannigfaltigere fremd völkische Beziehungen angesponnen als an anderen Abschnitten der Reichsgrenze. Umgab doch ein Kontakthof von rhätoromani- schem, italienischem, slovenischem, kroatischem, madjarischem, deutschen Kern. Er sandte durch Eigenkraft und auch gestützt auf den kulturell fortgeschrittensten Teil des Römisch-Deutschen Reiches Kulturstrahlen aus aber blieb selbst durch die Blut mischung seiner Menschen und ihren Verkehr mit den andersar tigen Nachbarn von diesen nicht unbeeinflußt. Kein Teil des Rei ches war ja auch so lange wie Österreichs Hauptstadt Wien Sitz der römisch-deutschen Kaiser, die zugleich eine über die Ostgrenze des Reiches hinausgewachsene Hausmacht besaßen und als Träger einer wahrhaft europäischen Politik dazu beitrugen, hier ein über nationales Zentrum entstehen zu lassen. Es trug die Verantwor tung für einen großen Teil des Schicksals des Abendlandes. Das österreichertum ist im Zuge dieser Entwicklung vielseitiger, man möchte sagen europäischer in der Denkungsart seiner führenden Schichten geworden als der in anderen Teilens Mitteleuropas herr schende Geist. Andererseits ist doch die Masse des österreichertums seiner stammhaften Tradition, entsprechend der starken Boden verwurzelung seiner Alpenbauern, besonders in den abgelegenen

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Hochtälern, treu geblieben. Dabei hat es eine erstaunliche Fülle von mannigfaltigen, besonders jedoch von musischen Begabungen

hervorgebracht. Unter solchen Umständen mußte dieser Reichsteil etwas Be sonderes, Eigenständiges werden, und auf dem Mutterboden deut scher Volkskultur entwickelte sich namentlich seit dem 16. Jahr hundert die Blüte einer österreichischen Kultur, die nach glücklicher Abwehr der Türken erst recht zur vollen Entfaltung gelangte. Immer mehr formte sich aus dem Hause Österreich auf dem südöst lichen Reichsboden und im mittleren reichsfremden Donauland ein österreichischer Staat, der auch als Kaisertum Österreich der geistige Nachfolger des Römisch-Deutschen Reiches blieb und nach 1867 als österreichisch-ungarische Monarchie die Tradition des Reiches wenigstens im Südosten vertrat. Umwertungen der Lagebeziehun gen haben in dieser Reifezeit des österreichischen Staatsgedankens auf Österreichs politisches Schicksal nicht unwesentlichen Einfluß

genommen. Das Schwinden der Türkengefahr, gegen die in vorbildlicher Kolonisationsarbeit eine Militärgrenze errichtet worden war, minderte wohl den äußeren Zwang zum Zusammenschluß der Völker Österreichs in der Abwehr, aber der Friedenszustand ließ dann alle Vorzüge des erdharmonischen Baues der Donaumon archie mit der wechselseitigen wirtschaftlichen Hilfeleistung ihrer Teile voll in Erscheinung treten. Doch das Erwachen des Nationalis mus schuf Tendenzen zur politischen Autonomie der Völker und schwächte die verkehrsbedingte zentripetale Tendenz der periphe ren Teile Österreichs. Es entspannte manchen Gegensatz in seiner eigenen Häuslichkeit, der bei Nichtbestehen eines Donau staates den europäischen Frieden bedroht und belastet hätte. In dem Maße, als Österreich seine südwestdeutschen Vorposten (Vor derösterreich) aufgab, seine italienischen Stellungen räumte, ver stärkten sich seine Südostinteressen. Die österreichische Politik wurde, nachdem Österreichs Kaiser nicht mehr für das Römisch- Deutsche Reich verantwortlich war, minder universell. Sie blieb aber doch europäischen Ostfragen engstens verbunden und auch mitteleuropäisch eingestellt. Preußen hatte das zweite deutsche Reich gegründet nach dem politischen Sieg der kleindeutschen Idee. Österreichs Sonderstaatsbewufitsein wurde dadurch verstärkt, an dererseits entstand als Reaktion auf die verlorene politische Ge meinschaft aller Deutschen und aus Besorgnissen der Deutsch österreicher um ihre kulturelle Zukunft in dem mehrheitlich sla wisch gewordenen Österreich eine verstärkte deutsche Bewegung. Um Mißverständnissen zu begegnen, muß hier zwischen dem politischen Gemeinschaftsstreben und dem kulturellen

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stets unterschieden werden. Ersteres mußte in letzter Konsequenz zu einer irredentistischen Bewegung führen und war unvereinbar mit der österreichischen Idee eines übernationalen, auf den Ausgleich zwischen den Völkern Mitteleuropas eingestellten Staates. Die Ten denz des preußischen Zentralismus und Militarismus mit seiner geringen Kenntnis des Wesens Österreichs und der europäischen Südostverhältnisse mußte im Falle des Sieges jener Idee, nament lich wenn Gewalt bei ihrer Verwirklichung in Anwendung kam, zwangsläufig mit einem europäischen Konflikt enden. Bei dem

wünschenswerten

europas und einem politischen Zusammenschluß (nicht Anschluß) des zu einem Staatenbund der Völker Mitteleuropas geformten Österreich und des Deutschen Reiches wäre jenes der berufene

Führer gewesen, wenn es ihm gelungen wäre, sich rechtzeitig selbst in einen solchen Bundesstaat autonomer Nationen umzubilden. Der Ausbruch des Weltkrieges kam aber solchen Plänen zuvor und zertrümmerte die Donaumonarchie.

wirtschaftlichen

Zusammenschluß

Mittel

Die

kulturelle

gesamtdeutsche

Idee war durchaus verein

bar mit gutem staatstreuem österreichertum. Sie besaß drei Wur zeln. Erstens die Tatsache, daß schon im Österreich eines Walthers

von der Vogelweide und zur Zeit der österreichischen Formung des Nibelungenliedes ein gemeindeutsches Bewußtsein bestanden hatte, zweitens die Existenz einer neuhochdeutschen Schriftsprache, her vorgegangen aus dem Bedürfnis der kaiserlichen Kanzlei des Rö misch-Deutschen Reiches, in einem so mundartreichen Lande wie Deutschland ein gemeinsames Verständigungsmittel zu schaffen. Der herrliche Schatz von schöngeistigem und wissenschaftlichem Schrifttum, das in dieser Sprache entstand, wurde ein Gemeingut aller Deutschsprachigen, österreidi hat zu ihm hervorragende Bei

träge geliefert, aber aus ihm auch andererseits so wunderbare Anregungen empfangen. Die dritte Wurzel der gesamtdeutschen kulturellen Idee war gegeben durch die Bedeutung des bäuerlichen Vo l k s t u m s a l s M u t t e r b o d e n u n s e r e r K u l t u r, a b e r diese besitzt wie die aller deutschen Stämme einen gemeinsamen deutschen Nenner. Das bäuerliche Volkstum mit seinem Brauchtum in Hausbau, Wohnung, Tracht, Sage, Lied, Volkskunst hat zwar bei jedem Stamm, in jeder Landschaft seine Eigenart, aber überall scheint doch jener gemeindeutsche Nenner auf, unbeschadet der Kernhaftigkeit stammhaften, heimatverwurzelten Wesens. Das ist

die

in der Beeinflussung des Kulturwesens durch den Staat, in dem ein Volk, eine Volksgruppe lebt. Staaten sind jünger als Völker. Jener Mutterboden der Kultur war schon vorhanden, ehe die Orga nisation eines Staates reifte, und wenn dieser zerbrach, erhielt sich

eine

Komponente

unserer

Kultur.

Die

andere

ist

gegeben

Berichtigung

Auf Seite 33 sind nach Zeüe 18 von unten folgende Wörter einzufügen:

tschechischem, slowakischem und polnischem Volks tum seinen

das Volkstum auch unter fremder Herrschaft in seiner dem Mutter boden verwurzelten bäuerlichen Sdiidit. Das beweisen die Schick sale der Balkanländer unter türkischer, der Nationalitäten Ungarns unter madjarischer Herrschaft, das beweist das polnische Volk, das längere Zeit staatenlos war und dodi sein Volkstum und damit die Idee seiner Eigenständigkeit behauptete. Dort aber, wo sich frühzeitig eine starke staatliche Autorität einstellte und erhielt, kann die kulturelle Gestaltungskraft des Staates nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er ist es, der die Formen des städtischen Kulturlebens vorwiegend bestimmt, nament lich seine höheren Funktionen entscheidend beeinflußt und beson ders auf dem Wege des Unterrichts und der Volksbildung die gei stige Zuformung seiner Bevölkerung in seinem Sinne durchsetzt. Doch auch durch den Geist der Gesetzgebung, besonders auf dem Gebiete des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, als Förderer von Kunst und Wissenschaft vermag er einen tiefgreifenden kulturellen Einfluß zu nehmen. Diese Staatskultur kommt namentlich dort zum Ausdruck, wo die Bevölkerungsentwicklung noch keine

geschichtliche Tiefe erreicht, oder andererseits dort, wo die Techni sierung schon alte Lebensformen zersetzt und den bäuerlichen

wo

Volkstum und Staat seit Jahrhunderten zusammenfallen, nur eine Sprache gesprochen wird, hinter der die Mundarten völlig zurück treten, sind die Begriffe Volk und Staat restlos zur Deckung gekom men, und hier wird es auch gar nicht verstanden, daß es anders sein könnte. Im Völkergemisch Mitteleuropas dagegen mit sprachlicher und kultureller Durchmischung und Inselbildung der Bevölkerung, mit Überkreuzung von Volks- und Staatsgrenzen, sind die Ver hältnisse außerordentlich verwickelt. Hier stehen Volks- und Staats begriff meist nebeneinander, ja oft gegeneinander. Doch gibt es auch Mehrvölkerstaaten, wo sich die Staatsbürgerschaft zu einer einheitlichen Staatsidee bekennt, wie in der Schweiz, wo sich eine Demokratie noch vor dem Erwachen der politischen völkischen Bewegungen fest verwurzelt hatte und einer mehrsprachigen Be völkerung als gemeinsames Ideal gilt. Wer die Namen „französisch" oder „amerikanisch" ausspricht, sieht in diesen Begriffen Staat und Volkstum untrennbar vereint. Wer dagegen das Wort „deutsch" gebraucht, muß infolge einer geschichtlichen Entwicklung von ganz anderer Art stets betonen, ob es dem Staate oder dem Volkstum oder der Kultur gilt, die aus den beiden erwähnten Quellen ent sprungen ist, um Mißverständnisse zu vermeiden. Bildete doch das Römische Reich, das audi viele Nichtdeutsche umfaßte, nur einen Rahmen für viele deutsdie Volksgruppen und Staaten. Es hat — abgesehen von der Sdiaffung der gemeindeutschen Kanzlei-

Stand

fast

völlig

aufgelöst

hat.

In

reinen

Nationalstaaten,

37

spräche — durch Jahrhunderte kaum einen fühlbaren Einfluß auf die kulturelle Entwicklung genommen. Diese entwickelte sich orga nisch aus den deutschen Stämmen und Volksgruppen, und erst in den letzten Jahrhunderten haben die Staaten Preußen, Bayern und Österreich eine stärker formende Kulturkraft entwickelt, wobei letzteres aber, wie schon dargelegt, über die Reichsgrenzen hinaus

greifend

deutsdiem

in

eine

österreichische

zeitigte.

Kultur

auch

auf

sprachlich

Begriffe

nicht-

Boden

Unter

diesen

Umständen

die

entstehen

Staat,

der

zwischenstaatlidien

Diskussion

über

Volkstum, nationale Kultur ständig Mißverständnisse, die das zwischenstaatliche Leben belasten und Quellen politischer Konflikte werden können. Auch das Verhältnis von Deutschland und Öster reich ist im Spiegel der Weltmeinung solchen Mißverständnissen

ausgesetzt. Betrachten wir es sine ira et studio und ziehen wir einen volkstümlichen Vergleich, so dürfen wir in aller Offenheit sagen:

Österreich ist im Vaterhaus unter seinen Geschwistern aufge wachsen, ihm jedoch frühzeitig räumlich entwachsen und in einer andersartigen Umgebung verwurzelt worden. Es teilt mit den daheim gebliebenen Geschwistern viele teure Jugenderinnerungen und auch noch manches gemeinsame Schicksal aus reiferen Jahren. Noch hat es sich die Muttersprache und den Familiensinn bewahrt. Bei der Rückkehr zu den Verwandten aber wurde es sich jedoch erst so recht bewußt, daß ihm sein Lebensweg so manche Veränderung des Wesens gebracht hat, und auch manche seiner Eigensdiaften wurde von der Familie als fremdartig empfunden. Will es in Frieden und Freundschaft mit den nachbarlichen Blutsverwandten leben, so wird es seinen eigenen Hausstand führen müssen. Das ist das Ergebnis des letzten Jahrzehnts, Zittert auch noch die Erregung über manches Erlebte nach, so dürfen wir dodi nicht vergessen, daß Regierungssysteme und Staaten vergehen, Volkstum aber besteht und Kultur Ewigkeitswerte besitzt. Wir können stolz darauf und dankbar dafür sein, daß es uns vergönnt war, auf deutschem

Kulturboden

aufzuwachsen,

aber

auch

stolz

darauf,

ihn

zu

einem

österreichischen

gestaltet

zu

haben.

Wollen

wir

ihn harmonisch weiterbilden, so wird es nur in einem österreichi schen Staate und gleichzeitig in engstem Verbände mit den euro päischen Staaten, unter ihnen aber in besonders regem wirtschaft lichen und kulturellen Austausch mit unseren deutschen Bluts verwandten geschehen können. Damit stehen wir vor dem Ausblick in die Zukunft. Österreich ist sehr klein geworden, aber es hat doch im wesentlichen die Vor teile seiner Lage bewahrt. Es bedeutet kein Kraftfeld mehr in geopolitischem Sinne, wohl aber ein Bindeglied zwischen den Völkern und Kulturen Europas, als welches es noch immer beträcht-

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liehe wirtschaftliche und geistige Kräfte zu entfalten vermag. Doch nur unter der Voraussetzung, daß die Einsicht in die Veranlagung seines Lebensraumes in klarer Weise besteht, daß eine zweckbe wußte Raumplanung sie restlos zu nützen versucht. Getragen von einem starken Willen, wird diese Aufgabe zu lösen sein. An der geistigen und materiellen Austauschstelle unseres Erdteiles ver wurzelt, müssen wir uns hüten, uns an das Fremde zu verlieren, und wir müssen die der Landschaft und ihrer Geschichte harmo nische Eigenpersönlichkeit bewahren. Wir erfüllen dabei nicht nur eine Pflicht gegenüber unserem Staat und unserem Volk, sondern auch unserer Tradition gemäß gegenüber Europa. Wir werden unsere Schlüsselstellung in ihm auch nur dann behaupten können, wenn wir uns in seinem Staatensystem streng neutral verhalten. Doch unsere Zukunft liegt nicht allein bei uns. Vergessen wir nicht, was uns die Geschichte dieses Angelpunktes und seiner Lagebezie hungen schon in der Vergangenheit öfters gelehrt hat:

Er ist ebenso zu hoher Aktivität veranlagt wie, wenn kraftlos geworden, von Stärkeren umworben und bedroht. Wenn die im Jahre 1945 errichtete Rechtsordnung der Welt ihre Schuldigkeit erfüllt, wird Österreich auch soldie Gefahren überwinden. Wenn jene jedoch dem Schicksal des Völkerbundes verfallen sollte, so würde das auch das Ende Österreichs bedeuten. Es würde zwischen Puffern zerdrückt oder als kraftloses Anhängsel einem Nachbar gebiete angeschlossen werden; das wäre sein Ausgang. Wenn die Welt das geschehen ließe, hätte sie jedoch audi über Europas Niederbruch entschieden. Hoffen wir, daß die Einsicht in die Be deutung der raumverwurzelten Wesenheit Österreichs siegt und Mitteleuropa nidit seinen Inhalt und sein Wesen dadurch völlig verliert, daß es nur mehr ein Stück des Grenzsaumes zweier erd umspannender Geistes- und Machtbereiche bildet, deren Wirt- schafts- und Lebensideale weit auseinandergehen.

W I E N E R

G E O G R A P H I S C H E

S T U D I E N

Herausgegeben

von

Professor

Dr.

Hermann

Leiter

Heft 1—11 vergriffen Heft 12: Hans Slanar, Zur Kartographie und Morphologie des Donaudeltas

Heft

des Raumes von Strengberg in Niederösterreich Heft 14: Hugo Hassinger, Boden und Lage Wiens Heft 15: Leopold Kober, Wiener Landschaft Heft 12—15 sind im Touristik-Verlag, Wien I, Eschenbachgasse, erschienen Heft 16: Johann Solch, Das Semmeringgebiet Heft 17: Johann Solch, Albrecht Penck

Landeskunde

13:

Anton

Becker

und

Artur

Maria

Scheiber,

Zur

Heft 18: Fritz Hader, Extreme Witterungsabläufe und Wetterwendepunkte im Klima von Wien und ihre Beziehung zum Weltklima Helf 19: Johannes Krejci, Die Fournierindustrie Österreichs Heft 20: Hugo Hassinger, Österreichs Wesen und Schicksal, verwurzelt in seiner geographischen Lage.

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Vo r b e r e i t u n g :

Oskar Brendl, Die wirtschaftsgeographischen Grundlagen Ägyptens H. Brandl, Reisebeobachtungen in China

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Cornelia Kaltenböck, Fremdenverkehrswirtschaft der Wachau

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