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Brustkrebs; Psychoonkologie; Brustzentrum; psychosozial

EINFüHRUNG: Durch die Einführung von Disease-Management-Programmen (DMP)


und die Gründung von zertifizierten Brustzentren gewinnt die psychoonkologische
Mitbehandlung von Brustkrebspatientinnen an Bedeutung. Das Ziel ist es,
psychosoziale Konzepte in die onkologische Behandlung zu integrieren und damit
eine ganzheitliche Patientenbetreuung zu fördern. FRAGESTELLUNG: Wie wird die
psychoonkologische bzw. psychosoziale Betreuung am universitären Brustzentrum
strukturell und inhaltlich umgesetzt und welche Erfahrungen liegen seit der Gründung
des Brustzentrums vor? ERGEBNISSE UND ERFAHRUNGEN: Von Oktober 2005
bis Dezember 2006 wurden 69 Patientinnen mit einem Mammakarzinom
psychoonkologisch behandelt. Durchschnittlich fanden drei Gespräche (Spanne: 1
bis 13) statt, wobei über die Hälfte der Frauen mehrere psychoonkologische
Gespräche in Anspruch nahmen, was für eine gute Akzeptanz bei den Patientinnen
spricht. Die am häufigsten eingesetzten Interventionen waren die patientengerechte
Informationsvermittlung zu Erkrankung, Therapieoptionen und Therapieverlauf,
emotionale Unterstützung sowie die Orientierung zu psychoonkologischen
Behandlungsmöglichkeiten. 27 % der Brustkrebspatientinnen hatten eine ICD-10-F-
Diagnose, wobei Angsterkrankungen am häufigsten auftraten. Zusätzlich zu den
Patientinnen mit Mammakarzinom wurden stationär behandelte Mitpatientinnen mit
gynäkologischen Tumoren psychoonkologisch betreut. SCHLUSSFOLGERUNG:
Frauen mit einer Brustkrebserkrankung weisen eine hohe psychische Belastung auf.
Die Mehrzahl von ihnen nimmt psychoonkologische Betreuungsangebote an. Diese
sollten neben der stationären Akutversorgung auch die psychoonkologische
Nachsorge beinhalten. Um die Schwelle der Inanspruchnahme psychoonkologischer
Unterstützungsangebote für die Patientinnen und ihre Angehörigen niedrig zu
gestalten, ist die Grundhaltung der psychoonkologisch Tätigen von großer Relevanz:
eine Brustkrebspatientin ist primär durch die Erkrankung und ihre Folgen psychisch
belastet, nicht psychisch gestört. Allerdings hat über ein Viertel der Patientinnen auch
eine psychiatrische Begleiterkrankung, die nicht in der kurzen Zeit der
Primärbehandlung therapierbar ist. Die Gewährleistung psychoonkologischer
Nachsorge ist deshalb von enormer Bedeutung, auch weil viele Patientinnen nicht
unmittelbar nach der Diagnose behandlungsbedürftige psychische Schwierigkeiten
haben, sondern diese erst im Zeitverlauf entwickeln. Patientinnen mit
gynäkologischen Tumoren weisen eine ähnlich hohe psychische Belastung auf, der
ebenfalls Rechnung getragen werden muss.