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Eine Beilage der Wochenzeitung WOZ Nr. 38 20 . September 2012 - • • •
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ILLUSTRATIONEN: PHILIP SCHAUFELBERGER

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Laptops, Tablets und Smartphones verschaffen uns mit einem Klick Zugang zum grössten Wissensspeicher der Welt. Sie verändern unser Lehren und Lernen. Doch führt das auch zu mehr Chancengleichheit?

Wissensspeicher der Welt. Sie verändern unser Lehren und Lernen. Doch führt das auch zu mehr Chancengleichheit?
Wissensspeicher der Welt. Sie verändern unser Lehren und Lernen. Doch führt das auch zu mehr Chancengleichheit?
Wissensspeicher der Welt. Sie verändern unser Lehren und Lernen. Doch führt das auch zu mehr Chancengleichheit?
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Wissensspeicher der Welt. Sie verändern unser Lehren und Lernen. Doch führt das auch zu mehr Chancengleichheit?
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Wissensspeicher der Welt. Sie verändern unser Lehren und Lernen. Doch führt das auch zu mehr Chancengleichheit?

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Digital Native oder digital naiv?

Medienpädagogin Petra Grell über Strategien im pädagogischen Um gang mit den neuen Medien .

Seite 4

Kein Punkt für die «Piramide»

Wenn der Leh re r m e h r a n s iP ad gl aub t al s sei n e Sch ü lerlnnen . Ein e Rep o rtage.

Seiten 7-11

Im Reich des Apfels

Wer auf mobiles Lernen setzt, hat es schwer, den Kos m os des Softwaregiganten zu verlassen .

Seite 11

Mal mit, mal völlig ohne

98 Prozent der Jugendlicheh besitzen ei n Handy- abe r jed e Lehrk r aft stellt eige ne Regeln für den Um gang damit auf.

Seite 12

Wissen ist im Kopf

Wer ständig vom Neuen Lernen spricht, sollte sich an ein paar alte Weisheiten erinnern.

Seiten 15-17

Kaputte Kisten

Was passiert, wenn man Hunderttausenden Schül e rinn en einen Lapt op gibt ?

Seiten 19-20

Digitale Panik

Manfred Spitzer s Buch «Digitale Demenz» macht Eltern Angst vor der Zukunft.

Seite 21

Tausche Deutsch gegen Spanisch

Das Internet ma chts m öglich , Sprachlehrerin und -schülerin in einer Person zu sein.

Seite 21

Das Sofa als Hörsaal

Das Studium an d er Fernunive r si t ät i m de utsch en Hagen ist kein Zucker schlecken .

Seite 23

Wenn Sie weitere Exemplare dieser Beilage wünschen , dann m elden Sie sich bitte bei der WOZ unter Tel. 044 448 14 14 oder bei woz@woz.ch .

Die Revolution macht nicht vor der Schule halt

Nie war es einfacher, sich Wissen anzueignen- so scheint es auf den ersten Blick. Von einem Computer oder einem Handy aus lässt sich flugs das gesammelte Weltwissen im Internet anzapfen. So steht in praktisch jedem Haushalt der Schweiz ein Computer, 95 Prozent verfügen über einen Internetanschluss. Und bereits in der sechsten !<lasse besitzen fast alle I<inder ein Handy. Schon Dreikäsehochs googeln Wörter oder lassen sich über YouTube erklären, wie etwas funktioniert. Die digitale Revolution hat einen fundamentalen Wandel eingeleitet, der auch vor den Bildungsinstitutionen nicht haltmacht. Noch überwiegen Handyverbote, doch scheinen sie oft weniger der Ordnung im I<lassen- zimmer geschuldet als der Machterhaltung - eine pädagogische Bankrotterklärung, finden viele Medienpädagoglnnen. Zugleich wird bemängelt, dass kaum eine pädagogische Hochschule den angehenden Lehrerinnen das technische und didaktische Rüstzeug vermittelt, um Smartphone oder iPad sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Tatsächlich? Mittlerweile sind durchaus Pionierinnen am Werk, die Smartboards, iPads und iPhones ins Klassenzimmer holen und sie als Werkzeuge zum Lernen im Unterricht ausprobieren. Pädagogische Hochschulen unterstützen sie dabei. Die Projekte verweisen auch auf Ambivalenzen, die mit dem Einsatz digitaler Geräte im I<lassenzimmer auftauchen. So ist etwa der IT-Gigant Apple drauf und dran, sich im Bildungsbereich eine monopolähnliche Marktstellung aufzubauen. Immer deutlicher wird auch, dass ein himmelweiter Unterschied besteht zwischen dem überall und jederzeit verfügbaren Wissen im Internet und seiner Nutzung andererseits. Das zeigen insbesondere westliche Initiativen in den Entwicklungsländern: Der Glaube, allein mit dem Zugang zu digitalen Geräten und Internet könne man Kinder aus der Bildungsmisere herausholen, hat sich als vollkommen naiv entpuppt. Die versammelten Beiträge dieser Bildungsbeilage zu mobilem Lernen machen deshalb vor allem eines deutlich: Die Informationsgesellschaft ist mehr denn je auf Wissensvermittlerinnen angewiesen. Denn nur wer gelernt hat, kritisch mit digitalen Technologien und Wissensschätzen umzugehen, kann effizient durch die Informationsflut navigieren und vermag sich selbstständig darin zu orientieren. Die Illustrationen zu dieser·Bildungsbeilage stammen von Philip Schaufelherger (31), der als freischaffender Illustrator und Cerniezeichner in Zürich arbeitet. 2010 erhielt Schaufelherger den « Gender & Diversity»-Preis der Hochschule Luzern für seinen Reportagecernie «Hier. Dort. Diese Strasse », seine Abschlussarbeit im Studienbereich IllUStratiOn.

DANIEL STERN UND FRANZISKA MEISTER

IMPRESSUM Eine Beilage der Wochenzeitung WOZ N r. 38 vom 20. Se ptember 2012

Re d a ktion : Franziska M eister, Daniel Stern Bildre daktion: Andreas Bodmer Abschlu ss: Arm in Büttner Layout: Marcel Bamert, Alina Günter, Franziska Meyer Korre ktorat: WOZ-Korrektorat Inserate: Roger Baldinger, Stephan Müller, Roger Odermatt Verla g : Genossenschaft infolink Adresse: WOZ Die Wochenzeitung, Hardturmstrasse 66, 8031 Zürich. Telefon 0 44 448 14 14, www.woz.ch.

4 WOZ Bildung 20. September 2 0 12

MOBILES LERNEN

4 WOZ Bildung 20. September 2 0 12 • • MOBILES LERNEN • 1r • •
4 WOZ Bildung 20. September 2 0 12 • • MOBILES LERNEN • 1r • •

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Die deutsche Medienpädagogin Petra Grell warnt: Auch wer mit digitalen Medien aufwächst - die sogenannten Digital Natives -,ist mitunter digital naiv. Und wer den Sprung in die digitale Welt scheut, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Gefragt sind neue Bildungsstrategien.

INTERVIEW: FRANZISKA MEISTER

WOZ: Frau Grell, «lebenslanges Lernen» ist eines der grossen Schlagworte unserer Zeit. Di- gitale Medien sollen uns das versüssen - wie se- hen Sie das? Petra Grell: Mit den digitalen Medien er- öffnen sich tatsächlich neue Möglichkeiten. Wir haben in grösserem Umfang Zugriff auf Informa- tionen und Wissen, und wir können in Gruppen kommunizieren. Doch die Heilsvorstellung, dass durch das Web 2.0 alle an unserer Gesellschaft partizipieren, ist eine Illusion. Auch der grosse E-Learning-Hype hat sich wieder etwas abge- schwächt. Ebenso gibt es eher populärwissen- schaftliche Stimmen, die Untergangsstimmung verbreiten mit der Sorge, durch die neue Ent- wicklung würde die gesamte Kulturgesellschaft zusa mmenbrechen. Doch Tatsache i st: Die Be- deutung, die der digitale Wandel für unsere Kul- tur hat, wird heute noch erheblich unterschätzt.

Sie meinen, wir stecken mitten in einer kulturel- len Revolution? Die Veränderungen sind enorm, gerade wenn wir von mobilen Geräten wie Smartphones ausgehen. Mit ihnen wird das Internet allzeit ver- fügbar. Egal wo - mir steht eine gigantische In- formationsquelle zur Verfügung. Das war früher anders: Man musste den Weg in die Bibliothek oder zu einem Experten finden, was alles mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden war. Jetzt kann man immer sofort auf dieses Wissen zugreifen. Und man kann sich jederzeit mit ande- ren darüber austauschen, man kann seine Sicht der Dinge ausdrücken. Und manche nutzen es intensiv im Alltag. Schon mit dem Aufkommen der Handys und den SMS konnten wir beobach- ten, wie gerade Jugendliche dieses ständige In- Kontakt-Sein begeistert aufgegriffen haben.

Und wo liegt das Problem? Die Notwendigkeit, sich in diesem Umfeld zu orientieren, wird immer grösser. Denn die Informationen, die mir immer und überall zur Verfügung stehen, sind nicht per se richtig, an- gemessen oder gut. Und wenn ich nicht über die entsprechenden Strategien verfüge, finde ich die Information, die ich suche, vielleicht auch gar nicht. Das heisst, all diese digitalen Medien eröff- nen nicht nur Möglichkeiten, sondern machen es auch notwendig, dass man mit ihnen angemes- sen umgehen kann . Und hier gibt es erhebliche Unterschiede in den jüngeren Generationen:

Nicht alle _verfügen über die notwendigen Kom- petenzen, sich in diesem Netz zu orientieren.

Dann sind die sogenannten Digital Natives also ein Mythos?

Das mit den Digital Natives stimmt so tat- sächlich nicht, das belegen verschiedene Studien. Wer mit digitalen Medien aufwächst, ist nicht zwingend digital kompetent, sondern vielleicht auch nur digital naiv. Kinder und Jugendliche brauchen dringend Unterstützung, um die Kom- petenzen zu entwickeln, die notwendig sind, um sich in einer digital geprägten Kultur bewegen zu können. Das ist eine grosse Herausforderung, zumal wir nicht davon ausgehen können, dass das pädagogische Fachpersonal, also die etwas ältere Generation, über diese Kompetenzen ver- fügt.

Sind die fehlenden Expertinnen und Experten nicht einfach ein Generationenproblem? Hätten Sie mich das vor ein paar Jahren ge- fragt, hätte ich das bejaht. Ich dachte lange, dass sich das Problem mit den nachfolgenden Gene- rationen auflöst. Das glaube ich jetzt nicht mehr.

Was macht Sie so skeptisch? Die Medienbildung, die Medienpädagogik und auch die Mediendidaktik werden viel zu we- nig in die pädagogische Ausbildung integriert. Dort fristen sie immer noch ein Nischendasein - als handelte es sich um blosse Nebenkompe- tenzen. Das spiegelt in keiner Weise die Tatsa- che, dass wir heute in einer digital und medial geprägten Kultur leben.

heute in einer digital und medial geprägten Kultur leben. Petra Grell. Gibt es denn überhaupt konkrete

Petra Grell.

Gibt es denn überhaupt konkrete mediendidak- tische Ansätze für die Schule? Die gibt es - aber viele dieser Ansätze sind leider noch nicht in den pädagogischen Hoch- schulen, geschweige denn im Klassenzimmer angekommen. Im sogenannt situierten Lernen etwa knüpft man an konkrete komplexe Pro- blemsituationen aus dem Lebensalltag der Ler- nenden an. Und auch forschendes Lernen lässt sich mit digitalen Medien - als Werkzeug in den Händen der Lernenden - komplex umsetzen.

Vermittelt mobiles Lernen Kindern und Jugend- lichen so auch Kompetenzen, die der herkömm- liche Unterricht nicht vermitteln kann? Ja, auf jeden Fall. Gerade was den kom- petenten Umgang mit digitalen Medien betrifft. Im Rahmen eines Projekts erleben die Kinder und Jugendlichen digitale Medien als ganz selbstverständliches Werkzeug zum Erarbeiten und Präsentieren von Ergebnissen. Und sie ler- nen, digitale Medien dazu zu nutzen, sich als hand el nd e Menschen die Welt anzueignen . Es geht also auch um die Fähigkeit, teilnehmen zu können an der Gesellschaft. Das sind Kom- petenzen, die immer notwendiger werden, um sich als Persönlichkeit entfalten zu können: auf Information zugreifen, kommunizieren, mitbe- stimmen zu können.

Wie ist das bei Erwachsenen, die sich nur mit analogen Medien auskennen?Vermögen sie sich in einer immer stärker digital geprägten Welt überhaupt noch selbstbestimmt zu bewegen? Es besteht tatsächlich die grosse Gefahr, dass diese Leute abgehängt werden. Denn wenn man seine Strategien zur Informationsbeschaf- fung und zur Kommunikation in vordigitalen Zeiten entwickelt hat, dann sieht man erst mal keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Ich halte es für wichtig und absolut notwendig, für solche Leute immer wieder Bildungsangebote zur Verfügung zu stellen.

Und wie wollen Sie ausgerechnet älteren Men- schen, die das Berufsleben hinter sich haben, digitale Welten schmackhaft machen? Wir wissen aus Alltagsbeobachtungen, dass gerade die Grosseherngeneration dann an- fängt, sich mit digitalen Medien und dem Inter- net zu beschäftigen , wenn sie zum Beispiel mit ihren Enkeln per Skype kommunizieren kann. Dann entsteht nicht nur Interesse, sondern das Ganze bekommt für sie auch eine Bedeutung. Solche Möglichkeitsräume nicht nur für Gross- eitern zu schaffen, sondern dafür zu sorgen, dass kein Mensch von der digitalen Kultur ab- geschnit ten b leibt , halte ich für gan z wichtig . Es geht nicht darum, Computerkurse anzubieten - das sind reine Trockenübungen. Es geht darum, für konkrete lebensumweltliehe Situationen und Interessenlagen Angebote zu kreieren, wo jede und jeder seinen eigenen Zugang entwickeln kann, um sich die digitale Welt zu erschliessen. Das hat viel mit sozialer Gerechtigkeit zu tun.

Petra Grell (44} ist Erziehungswissenschaftlerin und Professorin für Medien und lebenslanges Lernen an der Universität Pot sdam . Sie lehrt und forscht zur Didaktik mit digitalen Medien.

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DAS IPAD IM UNTERRICHT

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Mathematik, Geografie , Sexualkunde: In Affoltern am Albis unterrichtet ein Sekundarlehrer mit iPads. Seine Euphorie für die pädagogischen Einsatzmöglichkeiten des Tablet-Computers wird allerdings von unerwarteter Seite gebremst: von den Schülerlnnen.

VON FRANZISKA MEISTER

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«Oh, die erste grosse Liebe ist in der Mathema- tik gelandet - ich hab sie schon überall gesucht.» In den Schulbänken der Sekundarklasse 2c in Affoltern am Albis wird gekichert, Lehrer Peter Mathis verschiebt derweil mit dem Zeigefinger das falsch abgelegte Dokument vorne auf der elektronischen Wandtafel, dem sogenannten Smartboard, in den Menschenkunde-Ordner. Die schwarze Wandtafel dahinter wirkt mit ihrem eisernen Schwammhalter und dem über- dimensionierten Lineal aus weissem Plastik wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Lehrer Peter Mathis setzt in seinem Schul- zimmer auf digitale Medien. Das Smartboard dient n icht allein als interaktive Wandtafel, es präsentiert auch Filme, Fotos, Schulbuch- oder Internetseiten. Steuern lässt es sich per Finger- tipp von einem iPad aus. Seit einem Jahr setzt Mathis die Tablet-Computer der Firma Apple in seinem Unterricht ein. Mittlerweile steht jeder Schülerin und jedem Schüler ein iPad zur Ver- fügung. Die Mathestunde hat begonnen. Mathis turnt mit seiner Klasse in schwindelerregendem Pingpong durch die verschiedenen Darstel- lungsformen von Teilen eines Ganzen: dezimal, prozentual oder als Bruch. Dazu blendet er auf dem Smartboard immer neue Aufgaben ein und schreibt die Lösungen, die ihm die Schülerinnen zurufen, mit einem dicken roten Stift direkt

auf das Smartboard. Das neue Mathebuch und die zugehörigen Arbeitsblätter hat er in seinen Computer eingescannt, so steht ihm alles elek- tronisch zur Verfügung.

Dem iPad gehört die Zukunft

Am nächsten Tag .wird die

2c eine Prüfung

schreiben. Zur Vorbereitung sollen sie zu Hause noch ein Arbeitsblatt lösen und in der Dropbox ablegen, dem vir-

tuellen Ordner im Internet. Darin stellt der Lehrer Unterrichtsmate- rialien, Aufgabenblätter und auch Lösungen bereit. Die Schülerinnen ihrerseits geben dort ihre Haus- aufgaben ab. Alles funktioniert elektronisch und ohne Papier.

Für Peter Mathis gehört die Zukunft des Unterrichts dem digitalen Lernen und dem iPad im Besonderen. Dabei steht Mathis selbst kurz

vor der Pensionierung. «Ich will mich als Leh- rer im Unterricht nicht zu lange mit der Technik herumschlagen», sagt er. «Das iPad ist intui- tiv benutzbar. Die Schüler lernen den Umgang damit , indem sie einfach ausprobieren.» Zudem seien die Tablets sofort einsetzbar, das lästige Warten, bis alle ihren Computer hochgefahren haben und start-

«Wenn wir etwas nachschauen wollen, geht das viel rascher als mit dem Compi.»

Ein Schüler

bereit sind, entfällt. Das gefällt auch den Schülerinnen. «Wenn wir etwas nachschauen wollen, geht das viel rascher als mit dem Compi», sagt ein Junge, «mit dem iPad sind wir mit einem Klick im

Internet.» Klassische Computer, ist Peter Mathis überzeugt, werden innerhalb der nächsten zehn Jah- re wieder aus den Schulen ver- schwinden. «Es ist viel billiger, jeden Schüler, jede Schülerin mit einem iPad auszurüsten, als in jedes Schulzimmer zwei bis vier Computer zu stellen, wie es das aktuelle Budget zulässt.» Die Pflege der ganzen Infra- struktur mit Comput erraum und Server entfalle, den Support könne man al s Lehrer weitgehend selbst leisten.

Auf dem Smartboard er- scheint jetzt eine Art Zeichentrick- film, den Mathis von seinem iPad aus abspielt: Kugeln mit Brüchen, Dezimal- und Prozentzahlen tan- zen auf und ab. «Ich habe euch ein neues App, das Spiel <Numberline >, auf das iPad geladen », sagt Mathis und demonstriert, wies funktioniert: Die verschiedenen Kugeln müssen möglichst schnell in die richtige Reihenfolge gebracht werden. «Das könnt ihr jetzt glefch mal testen und schau- en, welches Level ihr erreichen könnt.»

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Zumindest wenn man wie Peter Mathis - da s b et on e n sein e Schüle rinnen immer wie - der - Hobby und Beruf miteinander vermählt

Ausserdem können die Schülerinnen mit ein paar Klicks das gesammelte Weltwissen aus dem Internet anzapfen. «Hier lege ich sehr viel Wert auf einen kritischen Umgang mit der Info- flut im Netz», sagt Mathis. Wenn seine Schüler- Innen im Internet arbeiten, verlangt er, dass sie stets mindestens zwei Informationsquellen angeben. Ausserd em dürfen sie ihre Texte nicht einfach im Copy-paste-Verfahren zusammen- basteln. «Ich habe ein Verfahren, mit dem ich

herausfinden kann, ob sie ihre Sätze selber for- muliert haben.» Zum Beispiel, wenn die Schülerinnen Vorträge im Fach Geografie zusammenstellen. Das ist nach dem Mittagessen aber noch nicht gefragt. Die Klasse 2b beschäftigt sich in der ersten Nachmittagsstunde mit Urvölkern im 21. Jahrhundert. Peter Mathis kündigt an, drei Dokumentarfilme über das halb-

nomadische Hirtenvolk der Hirn- ba in Namibia zeigen zu wollen - «drei Filme mit drei unterschied- lichen Botschaften ». Mit einem Klick auf sein iPad startet Mathis den ersten Film, und das Smart- board wird zur Kinoleinwand. Im An schluss bleibt nur .noch wenig

Zeit für die Schülerinnen, um auf dem iPad in «Pages», einem Textverarbeitungsprogramm für mobile Geräte, Stichworte zu den unterschiedlichen Präsentationen der Himba zu notieren. Zu Hause sollen sie das ergänzen, auch mit eigenen Recherchen im Internet. «Der dritte Film ist von mir », verrät Mathis , während ihm die Schülerinnen der 2b ihre Hän- de zum Abschied hinstrecken und zur nächsten Unterrichtsstunde davontrotten. In seinem Wei- terbildungsurlaub hat er Naturvölker in Afrika besucht und sich mit den Widersprüchen zwi- schen traditioneller Lebensweise und wachsen- den Touristenströmen auseinandergesetzt. Bis Ende des Jahres will er dazu einen Buchbeitrag schreiben. Für mobile Geräte.

Begrüssung die Hand zu drücken. «Heute dre- hen wir ein kleine s Filmchen », beginnt Pet er Mathis die Doppelstund e Sexualkunde. «In der letzten Stunde gings ums Küssen . Was kommt jetzt ?» Verlegene s Kichern in den Bänken. Ein Vorwitziger ruft: «Geschlechtsverkehr !», doch der Lehrer schaut weiter in die Runde, aus der kaum jemand seinen Blick erwidert, bis dann schliesslich ein Mädchen etwas nuschelt, das Mathis dankbar aufgreift. «Ja, die erste grosse Liebe », er öffnet das falsch platzierte Dokument vom Morgen auf dem Smartboard. «Was macht man denn da ?»

Gut für das Selbstvertrauen

hat. Seit 25 Jahr en arb eitet er b ereit s m it Pro - dukten von Apple im Unterricht und auch mit der Firma selb st zu sammen : Er gehört zu den so genannten «Apple Distingui shed Educators», vor einem Jahr hat ihm der Konzern sogar den Titel ·«Apple Professional Developen> verlie- hen - alles im Zeichen der weltweiten Bildungs- offensive des Konzerns (vgl. «Ein Apfel in jedes

Kinderherz », Seite 11 ). Mathi s zeigt andern Leh- rerinnen, wie sie iPads im Unterricht einsetzen

bildet ganze Schulhäu ser im Um-

gang mit den Geräten aus. Und er gibt freimütig zu , dass er sich von Konzernen abhängig macht , wenn er mobiles Lernen im Unterricht einfüh- ren will. Vielen Lehrpersonen gehe es genauso mit den obligatorischen Lehrmitteln. Peter Mathis begutachtet immer wieder neue Programme für mobile Geräte, kurz Apps genannt , für den Unterricht. «Es geht darum, den richtigen Mix für das Schulzimmer zu fin- den.» «Numberline» etwa sei ein gutes Beispiel:

einfach gebaut, sofort verständlich und den Denkprozess anregend, weil man, ohne grosse Hürden zu überwinden, rasch ein paar Level im Spiel schaffen könne. Das stachle den Ehrgeiz an, und der Trainingseffekt sei enorm. In der 2c sind mittlerweile alle über ihr iPad gebeugt. Manche ziehen den Zeigefinger über den Bildschirm - sie spielen «Number- line ». Andere tippen etwas ins iPad. Ob sie die Hausaufgaben abschreiben oder mit einem Klas- senkollegen am Chatten sind, bleibt dabei offen. «Allzu spannend war das also nicht », kommen - tiert einer auf dem Weg nach draussen.

können , und

Die Klasse ist kaum zu aktivieren, und so spielt Mathis nach wenigen Minuten eine Fernsehsen- dung für Jugendliche zum Thema

«Geometrie ein: eine Art Talkshow mit sze- nischen Einblendungen, Anrufen

ins Studio und betont locker und cool auftretenden Expertinnen . Und dann sind die Schüler- Innen der 2c dran. Einen ersten Flirt sollen sie inszenieren und

mit dem iPad filmen -

auf dem iPad? Das ist doch mit Hand und Zirkel sinnvoller.»

Ein Schüler

-

zu dritt.

Plötzlich ist der Tumult gross. Ein . Junge setzt dem Lehrer wortreich auseinander, weshalb er so etwas unmöglich tun könne. Ein Mäd- chen fragt: «Dürfen wir auch nach· drau ss en in den Hof gehen?» - «Lieber nicht », sagt Mathis, «sonst kommt noch ein Lehrer und nimmt euch das iPad weg.» Das Schulreglement verbietet den Schülerinnen, sich ohne explizites Einverständnis auf dem Areal mit Handys und anderen mobilen Geräten gegenseitig zu foto - grafieren oder zu filmen. Peter Mathis gibt seinen Schülerinnen noch ein paar kurze Tipps, wie sie das iPad als Filmkamera einsetzen können, und entlässt sie dann mit dem Hinweis, es sei Vertrauenssache, dass die Filme nicht rausgehen würden. Er wer- de sie am Ende der Stunde alle auf seinen Com- puter laden und in den iPads löschen. «Meine Erfahrung ist, dass sie viel seriöser arbeiten, wenn sie sich beim Rollenspiel filmen, als wenn sie direkt vor der Klasse spielen», sagt Mathis, als sich das Klassenzimmer geleert hat. «Gerade in solchen Situationen ist das iPad ein pädagogisch wertvolles Instrument.» Für die Jugendlichen sei es schon schwierig genug, eine Stimmung ausdrücken und dazu vielleicht so- gar über ihren Schatten springen zu müssen. «Das iPad ist unkompliziert und sofort einsatz- bereit - man sieht gleich, wie die Szene heraus- gekommen ist, kann sie mit ein paar Klicks ver- ändern oder nochmals drehen.» Laut Mathis hilft das iPad den Jugendlichen, Selbstvertrauen aufzubauen. Kurz vor den Sommerferien hat die Eupho- rie von Peter Mathis allerdings einen gehörigen Dämpfer erfahren. Parallel zum Ersinnen einer Flirtgeschichte erzählen zwei Jungs von einer Nachrichten-App, über die sich einige Schüler- Innen während der Prüfung über die Re sultate ausgetauscht hätten. «Der Lehrer war fuchsteu- fel swild, als er dahintergekommen i st .» Peter Mathis spricht von eine·m Vertrau- ensbruch, der ihn masslos enttäuscht habe. Aber verhindern lasse sich so etwas kaum. Da half auch das siebenseitige Reglement zum Umgang mit dem iPad nicht, das Mathis vor einem Jahr

Leidgeprüfte iPad-Geprüfte

Tatsächlich teilen längst nicht alle die Begeiste- rung ihres Lehrers für den iPad-Unterricht. Vor allem die Mathematik sei zu Beginn des letzten Schuljahrs zu kurz gekommen, weil sie erst·mal das iPad hätten kennenlernen müssen, sagt ein grosser, schlaksiger Bursche in der Pause. Die andern Klassen seien im Schulstoff bereits viel weiter gewesen. «Herr Mathis wollte uns auch Geometrie auf dem iPad beibringen », sagt ein anderer. «Dabei ist es doch viel sinnvoller, das von Hand und mit dem Zirkel zu machen.» Al s ein Mädchen Prüfungen auf dem iPad erwähnt, reden plötzlich alle durcheinander. «Wir hatten mehr Tests al s die andern Klassen »;

«der

Sexualkunde mit dem iPad

Das kam so : Mitte Juli nahm Peter Mathis an einer Apple-Konferenz in Irland teil. 240 Men- schen aus der ganzen Welt waren dabei. «Es ging darum, dass man neu für das iPad auch _Bü- cher schreiben und via Apple-Store publizieren kann .» In den Sommerferien reiste er gleich an die nächste von Apple gesponserte -

Wochen-

Lehrer

macht

sie

häufiger,

weil er viel weniger Aufwand hat mit dem Korrigieren »; «dabei ist «Wir sind froh,

die automatische Benotung voll müssen wir die

scheisse: Schreibt man ein Wort Tests nicht mehr falsch, wird die ganze Antwort als auf dem iPad

falsch gewertet.» Wer etwa «Pira- mide» statt «Pyramide» schreibt, kriegt keinen Pun'kt, auch wenn er die ge suchte geometrische Form richtig erkannt hat.

machen.»

Eine Schülerin

«<rgendwann

gilt

es

ernst

mit der Recht schreibung », k ontert Peter Mathis beim Gespräc h in der Mittagspause. «Immerhin müssen sie schon bald ihre ersten Bewerbungen für eine Lehrstel- le ve r sch ick en .» Als Lehre r, so betont er, habe er heute vor allem die Aufgabe, die Jugendlichen fü r ein leben slan ges Lern en vorzub ereiten . «Mit dem iPad lässt sich lustvoll lernen.»

Weiterbildung

einen

kurs, in dem man lernte, mit den

neuen

Werkzeugen

umzugehen,

die der Konzern für die Entwick-

lung interaktiver Lehrbücher

entwickelt hatte. «Ich arbeite mit sechs Lehrern aus England, Irland, Schottland, Mexiko und Austra- lien an eineni Buch, das sich an junge Lehrer richtet und ihnen mit Anleitungen und Beispielen zeigt, wie man das iPad im Un- terricht einset zen kann », sagt Mathi s. Ende des Jahres soll es auf «iTunes U», der Bildungsplattform von Apple, veröffentlicht werden. In der Zwischenzeit sind erneut die Schü- lerinnen der 2c ins Klassenzimmer geströmt und drängen sich um ihren Lehrer, um ihm zur

au sge arb eitet hat und von Schülerinnen und El- tern unterzeichnen liess. «Ich finde, der Lehrer kann nicht von uns erwarten, dass wir nichts Unerlaubtes tun wäh- r end de r Schul s tunde , wenn wir ein iPad mit all

.

diesen Möglichkeiten vor uns haben», sagt ein w eite rer Schüle r. «Wir k önnen jederzeit in s In- ternet, um etwas nachzu schauen. Dabei werfen wir vielleicht halt auch noch einen Blick in ein YouTub e-Video.» Und einmal hätten sie bei einer Prüfung im Fach Men sch und Umwelt einfach alles im Internet oder in den Unterlagen, die in d er Dropbox lagen , nachgeschaut.

Die

Affä re

endet e

schliesslich

vo r

d er

Schulleitung. «Weil wir gespickt haben , dürfen

wir das iPad bis zu den Herbstferien eigentlich

nicht m ehr gebrauchen », sagt ein Schüle r, der gerade damit beschäftigt ist, die erste Aufnahme der Flirtszene zu beschneiden. «Nur noch aus-

nahm s w eise.» Vermi ss en sie e s?

reihum . «Nicht so stark - wegen der Test, sagt ein Mädchen, die andern nicken. «Wir sind froh, müssen wir die nicht mehr auf dem iPad machen.»

Schult er zucken

Es gibt kein Zurück

Und nach den Ferien? «Ich weiss nicht, ob das gut kommt», sagt ein Junge nachden k lich. «Mit dem iPad kann man einfach viel zu viel machen.

APPLE

dem iPad kann man einfach viel zu viel machen. • APPLE • 1n • 1n •

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iPad kann man einfach viel zu viel machen. • APPLE • 1n • 1n • e

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viel zu viel machen. • APPLE • 1n • 1n • e • 1n 11 Und

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Und es macht auch Spass. Aber ob es für d en Un- terricht wirklich etwas bringt, ob es auch einen Lerneffekt hat, da bin ich mir nicht so sich er.» Ein Zurück ins analoge Klassen zimmer ist für Peter Mathis unvor stellbar. Auch h eute wird der Lehrer noch bis spät in die Nacht vor dem Computer sitzen, um mit seinen internati- onalen Teamkollegen auf einer virtuellen Aus- tauschplattform am Buch für «iTunes U» wei- terzuarbeiten . «Ich bin schon sehr viel im Netz unterwegs und hole mir Inputs und Ideen, auch aus der Community der Apple Developer, sagt e r. «Es läuft immer- viel. Pro Abend b in ic h zwei bis vier Stunden an der Arbeit - Stunden vorbe- reiten, Kontakte pflegen.»

erz

Alles funktioniert, alles ist intuitiv benutzbar, alles ist kompatibel - in einem geschlossenen System, das ein einziger Konzern kontrolliert.

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VON FRANZISKA MEISTER

De r US -am e r ik ani sc h e IT-Kon zern Apple i st da - bei, den Bildungsmarkt zu erobern - von der Universität bis zum Kindergarten. Die Offensive geht weit über die Bildungsplattform «iTunes U» und die wachsende Zahl an für den Unterricht ma ssges chneiderten Apps hinau s: Apple will den gesamten Unterricht digitalisieren. Und in diesem Zug die eigenen mobilen Geräte - Mac- Book, iPad, iPod Touch und iPhone - in jedes Klassenzimmer und Kinderherz tragen. Die Schweiz ist nicht nur das Land mit der höchsten iPhone-Dichte weltweit, hierzulande hat Apple auch an den Schulen einen Marktan- teil von über siebzig Prozent. Eine wachsende Zahl an Lehrerinnen lässt sich

vom guish ed

Professional Developerver- pflichten und trägt den Unter- richt mit iPad, iPod und iPhone in

Bereits heute ist allerdings klar: Wer auf m obiles Lernen setzt, kommt um Apple nicht herum - und kaum wieder aus dem System

heraus. Dafür

Rundumangebot von Hardware, Software und mediendidaktischem Input, bei dem alles un- tereinander und aufeinander abgestimmt ist. «Andere Anbieter wie Android sind bei Support- lösungen viel weniger bildungsorientiert», sagt Claudia Fischer von der Pädagogischen Hoch- schule der Fachhochschule Nordwestschweiz

sorgt der Kon zern mit seinem

(FHNW), Leiterin des Projekts «my-pad.ch», an dem sich mittlerweile 29 Schulen vom Kinder-

garten bis in die Sekundarstufe beteiligen. «Das ist auch das grosse Dilemma: Man

Selbstredend

funktioniert das alles nur auf Apple-Geräten.

begibt sich in die Abhängigkeit von einer einzigen Firma.» Für das im Frühling 2 0 11 von der FHNW initiierte Projekt wollte Fischer sowohl iPads als

Kon ze rn

als «Apple Di stin-

und

«Apple

Educators»

weitere Schulen (vgl. Reportage auf Seite 7). Auch in sogenannten «Regional Training Centers», von denen es mittlerweile bereits acht gibt, können sich Lehrerinnen im Umgang mit Apple-Programmen und -Geräten weiterbilden. Und mit «tea chdiffer ent .ch » betreibt Apple eine Plattform für iPad-Schulen und -Pro- jekte, auf der sich Lehrerinnen online zu den versch ieden en Einsatzm öglichkeiten von m obi- len Gerä ten für d en Unterricht weite rbilden und

austau schen können .

«Wir wollten nichts geschenkt»

Bei Appl e Schwei z w i rd auf d ie eigen e Web site ver wiesen - da s «Educatio n Team » gibt keine Interviews - und betont, dass die Apple-Lehrer- Innen und -Tr ain in g-Center s unabh ängig von

Apple funktionierten .

auch Tablets anderer Firmen, die mit dem Betriebssystem Android laufen, verwenden. Das scheiterte daran, dass es technisch nicht möglich war, eine kontrollierte Lernumgebung für Kinder zu erstellen. «Wir haben aber dar- auf geachtet, keinerlei Verpflich- tungen gegenüber Apple oder andern Anbie- tern einzugehen », betont Fisc h e r: «Wir w ollten nichts gesch enkt und n ichts ge sponsert. » Bei «m y-pad .ch » stehen nicht die Tablet s an sic h i m Foku s, so nd ern da s ko op erative Le r- n en . «Es b rau cht zuers t didakti sche Kon z epte, bevor man Kindern solche Geräte überlässt», sagt die Projektleiterin. Die FHNW unterstützt die Lehrerinnen mit didaktischen Unterrichts- ideen und -materialien, die Schülerinnen schrei- ben in Medientagebüchern, wie sie mit den iPads arbeit en und was sie davon halten . Erst e Umfragen unter den Kindern hab en gezeigt, so

Claudia Fischer, da ss sie vor allem vier Dinge an den Geräten schätzen: Man kann sie überall hin mitnehmen, sie sind sofort betriebsbereit, lassen sich einfach mit den Fingern bedienen, und man kann auf ihnen in kleinen Häppchen lernen. Die einfache und intuitive Handhabung der iPads habe sogar bislang technikresistente Lehrerinnen zu überzeugen vermocht, sagt Fi- scher. Sie, die früher selbst als Lehrerin tätig war, ist überzeugt: «Diese mobilen Geräte besitzen ein grossesPotenzial für den Unterricht.» Gerade wenn es um offene Formen wie kooperatives Ler- nen gehe, bei dem der Frontalunterricht in den Hintergrund trete und die Lehrerin vermehrt als Coach unterwegs sei und die Kinder beim selbst- gesteuerten Lernen begleite. «Ich glaube, das ist die Zukunft des Lebrens und Lernens.»

Alles ist gratis

Gleichzeitig dürfte es nicht einfacher werden, sich dem Dunstkreis von Apple zu entziehen. Zumal das Weiterbildungsangebot, mit dem der Konzern Lehrerin~en an sich bindet, verlockend ist: Für «Apple Distinguished Educator- und als solcher kann man sich jederzeit auf der Web- site von Apple bewerben - sind die in der ganzen Welt stattfindenden Kurse grati s. Zu bezahlen ist einzig der Flug, Apple kümmert sich um den Res t . Auch die all ermei s ten Apps im «iTune s U» sind kostenlos, inklusive der interaktiven Lehr- bücher, die man seit diesem Jahr mit Apple-Soft- ware selber erstellen und auf der Plattform zur Verfügung stellen kann, sobald man sich dazu eine Liz enz de s Kon z ern s be sorgt hat . Selbstredend funktioniert das alles aus- schliesslich auf Apple- Geräten. So können ni cht nur technisch und rechtlich komplizierte Ab- gleiche mit Betriebssystemen von andern Anbie- tern vermieden werden, die Kontrolle von Apple bleibt auch allumfassend und lückenlos.

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HANDYS IM UNTERRICHT

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Das Handy ist unter Kindern und Jugendlichen mittlerweile so verbreitet, dass auch die Volksschulen nicht umhinkommen, sich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Erste Erfahrungen zeigen: Richtig eingesetzt kann das Handy im Unterricht eine Bereicherung sein.

VON JAN JIRAT •

Seit Jahren leite ich Skilager für Primarschü- lerlnnen. Dabei gilt der Grundsatz: Das Handy bleibt zu Hause! Diese Vorgabe stösst zuneh- mend auf Widerstand - und zwar bei Kindern und Eltern gleichermassen. «Ich will wissen,im Unterricht eine Bereicherung sein. VON JAN JIRAT • direkteren - sind das Handy im Speziellen

direkteren - sind das Handy im Speziellen und mobiles Lernen im Allgemeinen momentan und in absehbarer Zukunft kein Thema, wie eine Nachfrage der WOZ ergab. So sind zwischen den Polen «völliges Handyverbot» und «Integration

!

wie es meinem Kind geht», sagen die Eltern, und die Kinder wiederholen den Satz dankbar, denn auch sie wollen das

von Handys in den Unterricht» in der Schweizer Volksschule alle möglichen Vari- anten anzutreffen.

Bis her hat keine andere Schule die Handynutzung so aus- geprägt in den Schulunterricht integriert wie die Projektschule Goldau im Kanton Schwyz. Sieb- zehn Schülerinnen einer fünften Primarklasse hatten dort iPhones

als Unterrichtswerkzeug erhalten. Jedes Kind hatte fortan einen Foto- apparat, ein Diktiergerät, einen Kompass, ein Lexikon, ein Wörter- buch und einen Taschenrechner in einem Gerät vereint zur Hand. Was bedeutet das für den Unterricht? «Die Haupterke nntni s i st simp el: Es i st machbar», bilanziert Beat Döbeli Honegger, der das Projekt ins Leben gerufen hat. Der Dozent vom Institut für Medien und Schule der Pädago- gischen Hochschule Schwyz (PHZ) hält fest: «Die von Kritikern im Vorfeld geäusserten Befürch- tungen wie Verschuldung, Porno- und Gewalt- konsum oder Suchtpotenzial sind nicht einge- treten. Weder ist ein Chaos ausgebrochen, noch sind die Kinder einsam, gewalttätig oder dick geworden.» Zugleich sei klar: «Nur aufgrund des Geräts lernt niemand besser.» Computer und Internet seien genauso wie Wandtafel oder Hellraumprojektor keine Selbstläufer, so Dö- beli Honegger. Es gehe bei alten wi e b ei neuen Medien darum, dass sie von den Lehrpersonen

Fotoapparat, Diktiergerät, I<ompass, Lexikon in einem: Was bedeutet das für den Unterricht?

Handy dabeihaben, wenn auch meist aus anderen Gründen. Das Handy i st aus der Le- benswelt von Kindern und Jugend- lichen nicht mehr wegzudenken. Wie handyvernarrt die Schweizer Jugend ist, belegt auch die Statis-

tik: Gernäss dem aktuellen For- schungsbericht «Handygebrauch der Schweizer Jugend», den die Zürcher Hochschule für Ange- wandte Wis sen schaften (ZHAW) publiziert hat, besitzen 98 Prozent der Jugend- lichen in der Schweiz ein Handy. Wobei der An- teil an Smartphones, also an Mobiltelefonen mit Computerfunktionen und Internetzugang, bei 47 Prozent liegt. Im Mittel erhalten die Jugend- lichen ihr erstes Handy mit elfeinhalb Jahren.

Das iPhone ist kein Selbstläufer

Vor diesem Hintergrund st ellt sich die Frage, wie die Volksschulen mit dem Thema Handy- nutzung umgehen. Vorweg: Bis anhin stellt jede Lehrperson ihre eigenen «Handyregeln» auf. Eine gewisse Orientierung bieten allen- tans Schulhausordnungen oder Merkblätter der kantonalen Bildungsdepartemente; eine ein- heitliche pädagogische Strategie aber existiert nicht. Auf nationaler Ebene - bei der Schweize- rischen Konferenz der kantonalen Erziehungs-

kompetent eingesetzt werden. Was ihn freut:

«Alle Beteiligten - der Klassenlehrer, die Schul- leitung, die Eltern und die Kinder - waren mit dem Projektverlauf zufrieden und würden wie- der mitmachen.»

Nicht immer muss das Handy an sein

«So wie früher jede s Kind eine Schiefertafel und später ein Schulheft in der Tasche mittrug, wird es in Zukunft ein internetfähiges Arbeitsinstru- ment sein», sagt Daniel Süss, Medienpsychologe an der ZHAW. Das eröffnet ganz neue Möglich- keiten. «Wurde früher stundenlang telefoniert, um sich Hausaufgaben von Schulkollegen erklä- ren zu lassen , so werden heute die Fragen und Ergebnisse via Smartphone fotografiert und im Chat b es proch en », so Süss . «Solche Teamarbeit ::

kann man auch im Unterricht selbst bewusst einsetzen für die Vernetzung beim gemein- ·· samen Lernen und Problemlösen, auch über die Schulklassengrenzen hinaus.» Für den Medienpsychologen gibt es aber klare Grenzen der Handynutzung im Unterricht. Für Kinder sei es wichtig zu lernen, sich ganz auf eine Aufgabe einzulassen und nicht permanent mit Multilasking die Aufmerksamkeit zu streu- en. Süss hält es deshalb. für berechtigt, Schul- zeiten fe stzulegen, «in denen die Handys au s- geschaltet sein müssen ». Der sinnvolle Umgang mit Handys sollte in der Medienbildung auf je- den Fall zum Schulstoff gehören . Auch ich muss mich daran gewöhnen , dass das Handy wohl schon im nächsten Skilager dazugehört. «Wieso soll ich mir das Skibillett in die Tasche stecken und es womöglich verlie- ren, wenn ich es auf meinem Handy speichern

kann ?», fragte

lerin. Ich blieb ihr eine Antwort schuldig. ·

mich im let zten Winter ein e Schü-

RE KLAM E

• UNIVERSITÄT turn LUZERN • tn _uzern Informations-Abend Mittwoch, 24. Oktober 2012 Theologie, Kultu r-
UNIVERSITÄT
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LUZERN
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Mittwoch, 24. Oktober 2012
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LERNEN IM ZEITALTER VON WEB 2.0

r • LERNEN IM ZEITALTER VON WEB 2.0 • 1ne • r1 15 Die neuen Technologien

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r • LERNEN IM ZEITALTER VON WEB 2.0 • 1ne • r1 15 Die neuen Technologien

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Die neuen Technologien würden das Lernen revolutionieren, heisst es allenthalben. Doch dabei geht so manche Weisheit verloren. Und manch neue Erkenntnis ist gar nicht so neu.

VON EDUARD KAESER

Das Web 2.0 entwickelt sich in Richtung einer egalitären, «flachen» Wissensgesellschaft, in der das traditionelle Expertinnenturn nicht mehr allein die Wissenshoheit beanspruchen kann. Mit Web 2.0 ist das weiterentwickelte Internet gemeint, bei dem theoretisch alle ihr Wissen an- deren über das Internet zugänglich machen kön- nen. Das hat natürlich Konsequenzen für unsere Vorstellungen von Lernen und Lehren. Seit ein paar Jahren erfüllt der Geist des Web 2.0 die Köpfe der «Digerati», der sich als neue Elite gebärdenden Verfechterinnen digi- taler Medien. Ginge es nach ihnen, müssten die alten Wissensbastionen geschleift und der Bil- dung für alle Tür und Tor geöffnet werden. Das Zauberwort lautet Interaktivität. Bereits kursiert eine neue Wunderpädagogik, das «Lernen 2.0». Um sie ranken sich Visionen einer Zukunft des Lernens im Netz, die man mit ein paar Triviali- täten beschweren sollte, damit sie nicht in den didaktischen Himmel wachsen.

Die erste Trivialität: Lernen heisst mitmachen, aber Mitmachen allein ist nicht Lernen. Das Netz fusioniere Homo faber, Homo ludens und Homo sapie~s, meint John Seely Brown, ehemaliger Forschungsdirektor von Xerox und Theoretiker des Lernens 2.0. Seine Devise: «Learning to be» statt «Learning about ». Das heisst , um etwas zu lernen, ist es viel wichtiger, Mitglied einer Gruppe zu sein, sich an einem Gespräch, einer Debatte, einer Praxis, einem Spiel zu beteiligen, als sich «Stoff» einzutrichtern. Diese Gewich-

beteiligen, als sich «Stoff» einzutrichtern. Diese Gewich- Eduard Kaeser Der 1948 geborene Physiker und Philosoph

Eduard Kaeser

Der 1948 geborene Physiker und Philosoph Eduard Kaeser hat bis im Sommer 2012 als Gym- nasiallehrer unterrichtet. Kaeser schreibt zu Themen rund um die Frage, was den Menschen im Zeitalter zunehmender technologischer Durchdringung von Lebenswelten ausmacht. Sein neustes Buch «Multikulturalismus revi- sited» ist soeben bei Schwabe in der Reihe «Re- ·

flexe» erschienen.

tung des Prozesses ist durchaus bedenkenswert, Verbund mit der Erinnerungstechnik des Goo- -

nur ist sie nicht neu. Sie ist gewissermassendie

Netzversion des alten Learning by Doing, also . In unserem Zeitalter konstanten Wandels habe

gle-Klicks das Memorieren überflüssig mache.

dessen, was schon längst in GestaJt von Praktika,

es keinen Sinn, einen Haufen Wissen anzusam-

Sprachlabors oder Lernwerkstätten zum schu- mein, das doch bald wieder veraltet sein wird. lischen Alltag gehört. Stattdessen sollte man sich permanent mit neu- Da wir Menschen in Gemeinschaften le- en Wissensmodulen ausstatten, die man nach ben, ist Lernen trivialerweise immer auch sozia- Erkenntnisstand auswechseln kann . «Kinder ::

les Lernen. Onlineforen können zweifellos ein müssen ihre Wissensbasis mehrmals in ihrem nützliches Lernwerkzeug abgeben. Via Internet Leben erneuern. Deshalb ist das Memorieren von ·· einen französischen Gesprächspartner oder eine ~ Fakten und Zahlen eine Zeitverschwendung.» äthiopische Gesprächspartnerin zu haben, kann Das ist eine Binsenwahrheit. Schon lange helfen, das Französisch aufzupolieren oder sich vor dem Internet haben Enzyklopädien, Atlanten

aus erster Hand geografisch -poli- tische Kenntnisse über Ostafrika

Nur

sollte man

und tabellarische Werke prälitera- rische Gedächtnistechniken wie das Auswendiglernen von Fakten und Zahlen an den Rand gedrängt.

Lernen braucht Gedächtnis,

zu verschaffen.

sich vor dem Fehlschluss hüten,

dass die Verbesserung des Lern- aber Gedächtnis- Fragwürdig ist die Updating-Phi-

werkzeugs allein schon das Ler- nen selbst verbessere.

Technologien

spielen hier natürlich ihr ganzes

Die

neuen

Verführungspotenzial

aus.

Aber

Ieistung allein

ist nicht Lernen.

lo sophie des Marktschreiers , die hier zum Ausdruck kommt: Wir haben neue Medien und Kultur- techniken, also brauchen wir die alten nicht mehr!

sie machen leicht vergessen, dass Autoren wie Don Tapscott

es immer noch die individuelle

scheinen eines nicht zu verstehen:

Initiative der Schülerin und des Praktisch alle Disziplinen haben

Schülers braucht, wie sehr man auch die kollek- ihre Basics, ihren Grundstock an Kenntnissen tiven Lernbedingungen verbessert. Larry Sanger, und Kompetenzen, auf dem man aufbaut und

den man nicht ständig erneuern kann. Wer kei- ne Vokabeln büffelt, lernt keine Sprache; wer nicht Rechenoperationen exerziert, lernt keine

einem traditionellen Klassenzimmer oder auf Mathematik. Aus dem Grundstock, das heisst einer Studientagung -, und es ist eine ganz an- aus dem Memorieren und Inte~nalisieren der dere Sache, etwas kreativ und kritisch für sich Basics, wächst überhaupt erst das Verstehen, un - selber durchzudenken.» sere Wahrnehmung der Bedeutung von Fakten und Daten - un se re ganze Kultiviertheit .

Mitbegründer von Wikipedia, hat das neulich auf den Punkt gebracht: «Es ist eine Sache, sich an einer Diskussion zu beteiligen - ob online, in

,

Die zweite Trivialität: Lernen braucht Gedächt- nis, aber Gedächtnisleistung allein ist nicht Ler- nen. Gewiss, das Internet ist ein riesiges, wach- sendes externes Gedächtnis, das uns von unnö- tiger Memotierarbeit entlastet. Inzwischen hat es die Grössenordnung von Zettabytes erreicht (1021 Bytes). Der kanadische Managementwissen schaft- ler und Publizist Don Tapscott feiert deshalb das Internet als neue «Quelle des Wissens», die im

~

Damit zusammen hängt eine dritte Trivialität:

Lernen heisst erfahren und sachkundig werden. Dieser Punkt verdient besondere Beachtung, weil er auf eine Neuinterpretation der Erfah- rung im Zeitalter des Web hinweist . Der US - amerikanische Computerwissenschaftler David Dalrymple schreibt: «Vor dem Internetzeitalter erforderten die meisten Berufe einen grossen Wissensbestand, der über Jahre oder gar Jahr-

-

• zehnte der Erfahrung angesammelt wurde. Aber jetzt kann jeder mit einem guten kritischen Denkvermögen

zehnte der Erfahrung angesammelt wurde. Aber jetzt kann jeder mit einem guten kritischen

Denkvermögen und der Fähigkeit, sich auf die wichtigen Informationen zu konzentrieren, die- se auf Wunsch aus dem Internet abrufen statt

früher eine Bezie hung zwi schen zwei Personen war - jener des Lehrers und jener des Schülers - wird nun zu einer Sache der Informationsüber- mittlung zwischen zwei humanen Apparaten. Natürlich geht es beim Lernen auch da-

rum . Aber da s Ent sch eidend e ist dabei, da ss die Lehrerin in p ersona für den Stoff ein steht, ihn glaubwürdig (nicht einmal in erster Linie wis- sen swürdig) macht. Genau das kennzeichnet ja die Lehrperson: Sie ist «expertus», das heisst, sie hat das Wissen selbst - man könnte sogar sagen:

am eigenen Leib - erfahren. Und diesen «Erfahrungs schatz» ver-

mittelt sie nur im Kontakt von Per- son zu Person. Wissen entsteht aus einem komplexen Prozess der Auswahl, Unterscheidung und Beurteilung von Information. Und die wich-

tigsten «Prozessoren» und «Fil- ter» in diesem Vorgang sind nach wie vor die menschlichen Einzel- wissenden. Gerade im Zeitalter der ausgelagerten, «entkörper- ten» Information sollten wir ver- mehrt die Informationsverarbeitung aus «ver- körperter », will sagen : individuell -persönlicher Perspektive würdigen. Aus die ser Perspektive erscheinen näm- lic~ die Zettabytes an Information zie:rp.lich irrelevant, denn entscheidend bei der mensch- lichen Informationsverarbeitung ist nicht die Menge, sondern die Bedeutung der Daten. Und hier spielt die ganze mentale Raffinerie von Aufmerksamkeit, Neugier, Staunen, Lösungsge- spür, intuitivem Urteil, Erinnern und Vergessen, Kreativität, Skepsis eine tragende und treibende Rolle - lauter individuelle Qualitäten also, die auf dem uralten Netzwerk unseres Gehirns basieren.

aus dem eigenen Gedächtnis (

).

Wie gut ein

Angestellter seine Aufmerksamkeit fokussieren kann, könnte, unter dem Strich betrachtet, wich- tiger sein als seine Sachkundigkeit.» In einem Punkt wird man kaum wider- sprechen wollen: Fokussieren, das Wissen-wo, ist im Netz zweifellos eine Schlüs- selkompetenz. Stutzig hingegen

macht einen die Bemerkung, dass dadurch die Sachkundigkeit se- kundär werde. Ist denn nicht gera- de Sachkundigkeit die Vorausset- zung dafür, dass man fokussieren kann, den Blick für die wichtigen Informationen hat?

Man

erhält

den Eindruck,

Wissen ist im Kopf (oder besser:

im I<örper). Das Netz weiss überhaupt nicht.

die ganze Frage des Wissens redu- ziere sich auf ein Managementpro- blem:Ich muss etwas nicht wissen, sondern nur über die geeigneten Suchtechniken verfügen, um dieses Wissen irgendwo im Labyrinth des Netzes abzurufen. Eine Wirtschaftslehrerin erzählte mir kürzlich, auf ihre Frage an eine Schülerin, was ein Saldo sei, habe diese mit der Gegenfrage geantwortet:

Darf ich auf meinem iPhone googeln? Eine sym- ptomatische Reaktion. Die Mobilität der modernen Gadgets (ver-) führt viele Menschen, nicht nur junge, dazu, sie zu internalisieren und zu einem Ersatz- oder Zu- satzorgan werden zu lassen . Ich brauche mein Gedächtnis nicht, ich habe ja Google. Das nährt die zeittypische Abspeichern-und-abrufen- Gesinnung. ,,_

,,

Sie führt zur vierten Trivialität: Lernen heisst nicht Information aufnehmen, sondern den Wert und die Bedeutung von Information erken- nen. Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda sprach einmal in einer Serie mit dem Titel «Ich habe einen Traum» davon, wie wunderbar es wäre, wenn er «den Schatz seiner Erfahrung, sein Wissen auf seine Söhne Lucas und Mattbias übertragen» könnte. «Einfach ein Modem neh- men, einen Adapter, und schon ginge ein Daten- fluss auf die ReiseMan mag von einer solchen Vision halten , was man will. In ihr artikuliert sich der didak- tische Traum der Lerntheoretiker im Web: Ler- nen heisst Datenflüsse auf Reisen schicken. Was

Bei aller aktueller Hervorhebung der Interak- tivität, des Kollektivs, des «Schwarms» sollte die Verbundenheit von Wissen und Person nicht ausser Acht gelassen werden. Die neuen Wissenstechnologien machen sich anheischig, selbst «wissend» zu werden. Der Homo solle sich gar nichts darauf einbilden, dass er sapiens sei, so der Tenor. Wissen könne auch die Maschine, wenn nicht sogar besser. Kern dieses Wissenskonzepts ist das Prin- zip der Delegierbarkeit. Delegieren kognitiver Arbeit nicht nur an fleissige anonyme Wiki- Arbeitsbienen («Crowdsourcing»), sondern auch an Maschinen. Das herkömmliche Expertenturn

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sieht sich ja heute sowohl von menschlichen Nichtexpertinnen als auch von nicht men schli- chen Experten herausgefordert. Der Herausforderung liegt das stillschwei-

gende Postulat zugrunde, m en schliche Kompe- tenz en - vo m Knüpfen der Schuhbändel bis zu m Lösen von komplexen mathematischen Proble-

m en - Hess en sich letztlich in einem Algorith-

mus ausbuchstabieren. Seit drei Jahrzehnten be- mühen sich «Wissen singenieure », den Expertin- nen ihr Wissen aus den Köpfen zu pressen und «Wi sse n sbasierten » künstlichen Expertinnen einzuimpfen. Mit begrenztem Erfolg. Edward Feigenbaum, einer der Pioniere auf diesem Gebiet, stellte schon in den achtziger Jahren entnervt fe st, da ss da s Wissen eines Ex- perten, einer Expertin oft «ungenau fe stgelegt oder unvollständig» ist, «Weil der Experte selbst nicht immer genau sagen kann, wie viel er über sein Fachgebiet weiss». Das wird so bleiben.

Hier stossen wir auf die fünfte, die fundamen- talste Trivialität: Wissen ist im Kopf (oder bes- ser: im Körper). Das Netz weiss überhaupt nicht. Es speichert Informationen. Information kann objektiviert, ausgelagert, gespeichert, verwaltet und insofern auch von einer Maschine verarbei- tet werden. Wissen braucht ein Subjekt, eine Per- son, in der sich Information anlagert. Und diese Anlagerung erfordert eine Fähigkeit, die heute paradoxerweise in dem Masse schwindet, in dem die Information wäch st: Aufmerksamkeit. Deshalb bedeutet Lernen heute zuallererst:

lernen, mit seiner Aufmerksamkeit sorgfältig zu hantieren; im immensen Angebot des Netzes sich sein eigenes Urteil bilden können; sich zum Connaisseur von Information entwickeln. Wenn der Vergleich vielleicht auch etwas weit hergeholt erscheint: Der Connaisseur fran- zösischer Weine ist nicht die Person, die sich durch möglichst viele Flasch en vom Norden bis zum Süden Frankreichs getrunken hat, sondern jene, die im riesigen Angebot der Chateaux, Ter- roirs, Rehsorten und Appellationen eine Ord- nung herzustellen gelernt hat, die ihr etwas sagt. Ihre Informationen über den Wein sind in ihr selber angelagert. Sie hat etwas über Wein an sich selbst erfahren. Und gerade das macht ihr Expertenturn aus, die Fähigkeit, andere etwas zu lehren. Und vor allem: Sie verantwortet ihr Wis- sen . Diese Verantwortung und Glaubwürdigkeit de s Wi ss ens spielt auch im Web 2.0 eine ~entra­ le Rolle . Sie si nd der Gold standard des Lebrens und Lernens.

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REKLAME

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Hochschuldidaktik und Studiengangsentwicklung

Die Hochschuldidaktik der Universität Bern hat im September ihr neues Kursprogramm veröffentlicht. Rund fünfzig praxisbezogene Kurse verteilen sich auf sechs Themenbereiche und sind offen für Teilnehmende von ausserhalb der Universität Bern. Angesprochen sind Lehrende an Hochschulen, höheren Fachschulen und der Weiterbildung . Besuchte Kurse werden angerechnet, falls der Weiter- bildungsabschluss «CAS Hochschullehre» angestrebt wird .

Studienangebote planen und optimieren: Im September 2013 startet der neue CAS «Str~tegie-.und Curriculums~ntwicklung in

der Lehre» für Verantwortliche von Modulen, Studiengängen oder Bildungsprogrammen. We1teres unter www.scl.umbe.ch Informationen: www hochschuldidaktik.umbe.ch, hd@zuw.unibe.ch, Tel. 031 631 55 32. Für Infos auf dem Smartphone: hdid.ch

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031 631 55 32. Für Infos auf dem Smartphone: hdid.ch b b UNIVERSITÄT BERN • Zentrum

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UNIVERSITÄT

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Zentrum für universitäre Weiterbildung ZUW

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EIN LAPTOP FÜR JEDES KIND

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Ein Laptop sei der Schlüssel zur Bildung und zur persönlichen Entwicklung, sind die Leute von der Stiftung One Laptop Per Child überzeugt. Sie hat bereits Hunderttausende Schülerinnen in Ländern wie Peru, Uruguay und Ruanda mit ihren günstigen Geräten ausgerüstet. Doch die Erfahrungen sind nicht überwältigend.

VON DANIEL STERN

-

Niebolas Negroponte ist ein Mann mit grossen Visionen: Anfang 20 05 verkündete der Wissen- schaftler des Massachusetts Institute of Techno- logy am Weltwirtschaftsforum in Davos, in nur wenigen Monaten den Prototyp eines Laptops

für Kinder vorzustellen , der gerade mal1 oo US - Dollar kosten soll. In nur wenigen Jahren sollten in Ländern wie Brasilien, China, Südafrika und Thailand bereits über hundert Millionen dieser Laptops völlig gratis an Schulkinder verteilt sein, um deren Bildungschancen zu erhöhen. Negroponte zeigte sich überzeu·gt, auf die- se Weise die Welt dramatisch verändern zu kön- nen. Hätten die Kinder erst einmal einen Laptop in den Händen, würden sie ganz von alleine dar- an arbeiten. Sie würden Englisch lernen, sich mit dem Weltwissen auf dem Internet vertraut machen und ihr Können im Umgang mit dem technischen Gerät auch ihren Kolleginnen und Eltern beibringen.

800 000 Stück in Peru

Doch ganz so schnell hat Niebolas Negroponte seine Ziele nicht verwirklicht: Laut der von ihm präsidierten Stiftung One Laptop Per Child (OLPC) sind inzwischen erst 2,4 Millionen Lap- tops der Eigenmarke XO ausgeliefert worden, zu einem Preis von derzeit 188 US-Dollar pro

Stück. Auf der Website der Hilfsorganisation werden die Erfahrungen mit den XC-Laptops in den höchsten Tönen beschrieben. Unabhängige Studien kommen allerdings zu weitaus skepti- scheren Schlüssen über den Nutzen des Lap- topeinsatzes in den entsprechenden Klassen- zimmern. Kürzlich hat die Interamerikanische Ent- wicklungsbank (IDB) eine Studie über die Erfah-

rungen in Peru veröffentlicht. Kein Land hat bis- lang mehr der XO -Laptops an seine Schulkinder verteilt als der Südamerikanisch e Staat: 8oo ooo Stück in fünf Jah-

ren. Das kostete die Regierung rund 200 Millionen US-Dollar, eingerechnet die Ausgaben für In- frastruktur, Software und Lehrer- Innenfortbildung.

allerdings

bessere Leistungen

im abstrakten

Denken und verarbeiteten schneller Informatio-

nen als Kinder ohne Laptop.

Und wenn er gestohlen wird?

Die Situation in vielen der untersuchten perua- nischen Schulen zeigt, dass es mit dem Verteilen der Computer nicht getan ist. Oft fehlte in den Klassenzimmern ein Stromanschluss. Auch wa- ren viele Lehrerinnen in abgelegenen Dörfern mit den Computern überfordert. Eine Weiterbild ung z um Ei n satz

der XC -Laptop s hatten sie nie erhalten. Fehlerhafte Software sorgte für zusätzliche Frustration, fehlende Internetanschlüsse in vielen Dörfern und Schulen verun- möglichten es, Updates herunter- zuladen.

Problematisch

ist

gernäss

In einem armen Dorf ist ein derart günstiger Laptop ein extrem teures Gerät.

Doch die Resultate sind gernäss IDB ernüchternd: In den 319 für die Studie untersuchten Schulen haben die Kinder weder bessere Mathematik- noch besse- re Sprachkenntnisse erworben als ihre Kameradinnen aus Schulen ohne Laptop, noch ist die Qualität des Unter- richts gesteigert worden . Die XC -Laptop s ver- mochten die Kinder auch nicht zu mehr Haus-

aufgaben zu motivieren. Dafür erreichten sie

der IDB-Studie ebenfalls, dass der 188-Dollar-Laptop in einem ar- men Dorf ein im Verhältnis zum Einkommen der Bevölkerung extrem teures Gerät ist . So weigerten sich viele Lehrerinnen, die Geräte ihren Schülerinnen mit nach Hause zu geben, aus Angst, sie könnten ka- puttgehen. Andererseits verbot rund ein Viertel

20 WOZ Bildung

20. September 2012

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der Eltern ihren Kindern, den Laptop nach Hau- se zu nehmen . Viele fürchteten , er könnte ge- stohlen werden, und sie müssten dann dafür haften. Grundsätzlicher ist die Kritik am OLPC- Projekt, die zum Beispiel Mark Warschauer äus- sert, Professor für Erziehungswissenschaft und

I Experte für digitales Lernen an der Universität von Kalifornien. In einem Artikel für das «Jour-

nal of International Affairs» schrieb er zusam- men mit der Wissenschaftlerin Morgan Ame s,

Reparatur oder aus anderen Gründen zeitweise unbenutzbar. In zwischen habe man mobile Re- paraturteams eingerichtet und informiere die Eltern besser über die Handhabung der Geräte, so Derndorfer.

XOs nichts für die Schweiz

Beat Döbeli Honegger ist Professor an der Päda- gogischen Hochschule Schwyz und ein Experte in der Anwendung von Computertechnologie im Schulzimmer. Auch er b efürwortet die Anwen- dung der XOs, er sitzt im Vorstand der Schweizer OLPC-Gruppe. Für den XO -Ein s atz in der Schweiz sei

.

das Projekt OLPC stehe für «eine lange Liste von utopischen Entwicklungsvorstel- lungen, die komplexe soziale Pro-

bleme mit simplen Lösungen aus der Welt schaffen wollen ». Wür- den die Gelder für die OLPC-Pro- gramme für etwas anderes ein- gesetzt - etwa die Errichtung von Schulhäusern oder die Einstellung von mehr Lehrerinnen -, so wären die Effekte wohl höher.

In Uruguay

waren schon nach

einem Jahr über 27 Prozent der Geräte

der Zug allerdings bereits abge- fahren : «Viele Sechstklässler ver- fügen heute bereits über Geräte, die wesentlich leistungsfähiger

sind.» ausser Betrieb. In seiner Funktion als Pro- fessor leitet Döbeli Honegger Pro-

Mark Warschauer und Mor- jekte an Volksschulen, bei denen

gan Ames schätzen die Kosten pro Kind für einen XC -Laptop und die nötige Infrastruktur auf 263 US - Dollar. Ruanda zum Beispiel gebe jährlich aber nur gerade 109 Dollar pro Kind für die Schul- bildung aus. Zudem gäbe es andere, kostengüns- tigere Mittel, Kinder zu Bildung zu verhelfen. So habe in Kenia ein Projekt zur Entwurmung aller Kinder, das nur einen.halben Dollar pro Kind kostete, die Beteiligung am Schulbesuch um vierzehn Prozent erhöht. Es gelte in jedem :: Land genau zu untersuchen, welcher Ansatz zur Verbesserung der Schulbildung sinnvoll sei. Ne- .· groponte habe dagegen eine «naive und techno- logielastige Sicht».

Uruguay als Vorbild

Die Stiftung OLPC kann auf der ganzen Welt auf Unterstützerinnen zählen. Die Idee, mit einem

Laptop die Lernautonomie zu erhöhen, faszi-

den Kindern Handys, iPads oder iPods abgegeben werden. Letztlich geht es dabei um ähnliche Ziele wie beim OLPC-Projekt: Die Schülerinnen sollen die Geräte als Werkzeuge nutzen, um in Wiki- pedia etwas nachzuschlagen, eine Fotografie zu machen oder mit einem speziellen Programm Vokabeln zu büffeln. Die grundsätzliche Kritik von Warschau- er und Ames am Einsatz solcher Geräte kann Beat Döbeli Honegger durchaus nachvollziehen:

Warschauer und Ames argumentieren, dass die Computer von den sowieso schon Privilegierten besonders kreativ genutzt werden, während die am meisten marginalisierten Schülerinnen das Potenzial der Geräte nicht im gleichen Umfang zu nutzen wissen. «Mit dem Einsatz von Compu- tern öffnet sich die Schere zwischen guten und schlechten Schülerinnen», räumt Döbeli Honeg- ger ein, gibt aber zu bedenken: «Die Schule muss auch für die Schlauen da sein. Wenn Schlaue

niert . gerade in den westlichen Staaten viele. schlauer werden, dann ist das gut soEiner von ihnen ist Christoph Derndorfer, Vor-

sitzender

des

Österreichischen

OLPC-Vereins.

Beat Döbeli Honegger verweist auf einen weiteren Vorteil : «Ein Lehrer kann n icht gleich- zeitig auf zwanzig Schüler eingehen. Mit den Computern können die einen still arbeiten, wäh- rend der Lehrer den anderen Schülern etwas erklärt.» Ausserdem gibt sich Döbeli Honegger überzeugt, da ss der Einsatz der Computer auch medienpädagogisch wertvoll i st : «Die Ki nder merken, dass die Geräte nicht nur zum Spielen da sind .» Er vergleicht den Einzug des Compu - ters ins Schulzimmer mit dem Aufkommen der Taschenrechner - heute sei es «nur viel krasser». Die ~Lehrerinnen müssten sich fragen, was für Inhalte sie denn noch vermitteln,was die Kinder denn noch auswendig lernen sollen, wenn «je- des Kind Wikipedia und Google im Hosensack hat ».

Helikopteransatz ist gescheitert

Für Mark Warschauer und Morgan Ames ist klar:

Die Bildung zu verbessern, erfordert je· nach Ort und sozialer Situation eine jeweils andere Vorgehensweise. Der Einsatz von Computern muss wohlüberlegt sein. Die Geräte lassen sich, anders als Negroponte glaubt, nicht einfach per Helikopter flächendeckend an die Kinder vertei- len - in der Hoffnu1:1g, diese würden dann auch ohne fremde Hilfe herausfinden, wie sie damit lernen könnten. Die Realität hat den beiden Wissenschaft- lerinnen recht gegeben: So sind 2008 in der US- Stadt Birmingham 15 ooo XC -Laptops an die Schulkinder verteilt worden. Beim Start der Aktion hatte der Bürgermeister Larry Langford voller Überzeugung im Sinne Negropontes ver- kündet: «Wenn wir ihnen die XOs geben und sie dann machen lassen, werden sie uns über die Welt unterrichten .» Zwei Jahre später musste der Versuch abgebrochen werden: Viele Lap- tops waren schnell kaputtgegangen. Mehr noch:

Im Durchschnitt verwendeten die Kinder für Hausarbeiten und neues Lernen weniger Zeit als vorher. Dafür stieg ihre Präsenz in Onlinechat- rooms dramatisch an.

Derndorfer

Fehler» gemacht worden sind. Dennoch ist er . Lernen per Handy mit der Unesco

räumt ein, dass in Peru «gröbere

vom OLPC-Ansatz nach wie vor überzeugt: «Kin- D'ie Unesco will das mobile Lernen fördern. In der, die heute eingeschult werden, müssen doch der vom Mobiltelefonhersteller Nokia gespon- nach ihrer Schulzeit einfach mit Computern um- serten Serie von POP-Dokumentationen «Tur- gehen können. Das wird so nötig sein wie Lesen ning on mobile learning» stellt die Uno-Organi-

und Schreiben. Das wird auf der ganzen Welt zur sation Pilotprojekte in der ganzen Welt vor und Minimalanforderung.» . gibt sich überzeugt, dass Handys denjenigen

Derndorfer verweist auf Uruguay: Das

helfen können, die sonst kaum Zugang zu guter

Land hat flächendeckend XC -Laptops an alle Schulbildung hätten. Es sei falsch , dass Mobil - ScHülerinnen verteilt. Allerdings ist Uruguay telefone oft von den Schulen verbannt würden. nicht mit Peru zu vergleichen. Abgelegene, kaum Vielmehr müsse es darum gehen, diese Geräte zugängliche Gebiete wie in Peru gibt es in Uru- verantwortungsvoll einzusetzen. guay nicht. Das Land ist viel kleiner und wohl},la- Als Beispiel, wie Handys zu besserer bender. Uruguay hat sehr viel Geld in die Infra- Lese- und Schreibkompetenz führen können,

wird ein Projekt in Pakistan vorgestellt, wo nur

Schulen, aber auch in Gemeinschaftszentren gerade vierzig Prozent der Frauen lesen und

und Jugendhäusern gibt es inzwischen Inter- schreiben können. In der Provinz Pandschab hat

netzugang. Für die Fortbildung der Lehrerinnen

struktur für die Laptops investiert. In fast allen

die Unesco an 120 junge Frauen Mobiltelefone

' sei zudem eigens ein TV-Kanal aufgeschaltet verteilt. Nach einem Einführungskurs erhalten

worden, sagt Derndorfer. Dort würden Informa- die Frauen seither täglich Fragen per SMS. Die- tionssendungen zur Anwendung der Laptops se Fragen übertragen sie einerseits in ein Heft

laufen.

Dennoch gab es auch in Uruguay Rück- Die Unesco schreibt, dass die Teilnehmerinnen schläge. Ein Jahr nach der Einführung waren mit diesem einfachen und günstigen Vorgehen bereits 14,3 Prozent der XC- Computer voll- inzwischen viel besser lesen und schreiben ge - -

kommen defekt und 13,2 Prozent entweder in lernt hätten.

und antworten andererseits per SMS darauf.

Laut der Unesco sind weltweit inzwischen 5,9 Milliarden Handys im Umlauf. Selbst in Afri- ka verfüge die Mehrheit der Bewoh!lerinnen über ein Mobiltelefon. Mit SMS könnten sehr günstig Bildungsprojekte gestartet werden. In Ghana würden zum Beispiel von der staatlichen Kakaovermarktungsgesellschaft Tausende von Kakaolandwirtinnen auf neue Anbaumethoden aufmerksam gemacht und über den richtigen Umgang mit Schädlingen informiert. Im Senegal werde per SMS die lokale Sprache Wolof lesen und schreiben geübt. Die Unesco-Serie ist voll solcher Beispiele aus aller Welt. Allerdings, schränkt die Unesco selb st ein, ist auch bei den Handys die Ungleichheit nach wie vor gross: Während im Westen inzwischen Smartphones dominieren, mit denen auch ein relativ schneller Zugriff aufs Internet möglich ist, sind etwa in Afrika meist nur einfache Mo- delle verbreitet. Zudem zahle jemand in Afrika durchschnittlich 17 Prozent seines Monatsein- kommens für Handygebühren, in reicheren Län- dern seien es gerade mal1,5 Prozent. os

www.tinyurl .com/unesco-stene

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Sind Computer, Smartphone und Tablet «Lernverhinderungsmaschinen »? Ein neues Sachbuch bedient die Angst analoger Eltern vor den Gefahren der digitalen Welt für ihre Kinder.

VON FRANZISKA MEISTER

Eines kann man dem deutschen Psychiater und Gehirnforscher Manfred Spitzer nicht abspre- chen: Er ist ein brillanter Vermarkter seiner Thesen - ob in der eigenen Sendung «Geist und Gehirn» auf dem Bildungskanal des Bayrischen Rundfunks oder als Autor. Kaum liegt sein neus- tes Buch «Digitale Demenz: Wie wir un s und unsere Kinder um den Verstand bringen» in den Verkaufsregalen, führt es bereits die Bestseller- listen an. In deutschen Feuilletons und Inter- netforen wird heftigst darüber debattiert. Denn einmal mehr zeigt sich Spitzer mit steilen The- sen als Meister der Popularisierung. In «Digitale Demenz» verkündet er, Computer, Smartphone und Tablet taugten nicht zum Lernen - im Ge- genteil: Sie seien «Lernverhinderungsmaschi- nen », die dumm , dick und depre ssiv machten .

Missionarischer Eifer

Spitzer führt zahlreiche wissenschaftliche Stu- dien an - natürlich vor allem jene, die seine Überzeugung stützen - und scheut sich nicht zu polemisieren. Das kann , wenn es tatsächlich als Streitkunst daherkommt, durchaus zu frucht- baren Diskussionen und Erkenntnissen führen. Allein, beim Lesen von «Digitale Demenz» sieht man sich statt mit einer stringenten eher mit einer verschwörungstheoretischen Argumen- tation konfrontiert. Sie gipfelt unter anderem in der Behauptung, wer digitale Medien in der Volkss chule einsetze, fixe junge Menschen mit

SPRACHEN LERNEN IM INTERNET

einer gefährlichen Suchtdroge an . Die Lehrerin als Dealerin? Auch Eltern entgehen Spitzers missio- narisch-moralinsaurer Anklagerhetorik nicht. «Wenn Sie also wirklich wollen, dass Ihr Kind in der Schule schlechtere Leistungen erbringt und sich künftig weniger um Sie als auch um seine Freunde kümmert », so der Mahnfinger, «dan n schenken Sie ihm doch eine Spielkonsole! Sie leisten damit zugleich einen Beitrag zu mehr Gewalt in der realen Welt.» Mit geradezu sadisti- scher Lust bedient der Psychologe immer wieder die Ängste von analog aufgewachsenen Eltern, die mit der digitalen Welt ringen. «Computer- gestütztes Lernen gibt es insofern, als man sich durch Ballerspiele eine Aufmerksamkeitsstö- rung aneignen kann.» Fundament solcher Aussagen ist Spitzers umstrittene Überzeugung, das Gehirn funktio- niere wie ein Muskel und lasse sich entsprechend mit Lernen trainieren. Wird es hingegen nicht benutzt - etwa, weil man sich von Computern, Smartphones und andern Denkmaschinen die geistige Arbeit abnehmen lässt -, verkümmert es. Die Hirnforschung liefert durchaus Hinweise darauf, dass Kinder anders lernen als Erwach- sene und digitale Medien mitunter dazu führen können, dass Lernen nur noch oberflächlich er- folgt und das Gelernte zu wenig tief im Gehirn verankert wird. Etwa, wenn Erstklässlerinnen Buchstaben nicht mehr von Hand schreiben ler- nen und üben, sondern via Tastatur eintippen:

Autonomes Korrigieren

Weil die zusätzliche motorische Gedächtnisspur fehlt, sind die Kinder später schwächer im Lesen.

Leere Polemik

Doch braucht es deswegen gleich die digitale Ab- stinenz im Schulzimmer und zu Hause, wie sie Spitzer mit Verweis auf solche Studien predigt? Lässt sich aufgrund dieser Erkenntnisse nicht didaktisch gegensteuern ? Nein, wehrt Spitzer kategorisch ab - obwohl er sich als Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen an der Psychiatrischen Universitäts- klinik in Olm vor allem mit Neurodidaktik be- schäftigt. Medienkompetenz zu fördern, sei wir- kungslos: «Was würden Sie sagen, wenn jemand das Training von Alkoholkompetenz im Kinder- garten oder als Schulfach einführen würde ?» Mit seiner polemischen Abrechnung trägt Spitzer nichts bei zur tatsächlich eminent wich- tigen .Debatte rund um die Frage, wie Handy, In- ternet, iPod und iPad didaktisch sinnvoll zum Lernen einsetzbar sind. Schade.

iPad didaktisch sinnvoll zum Lernen einsetzbar sind. Schade. Manfred Spitzer : <<Digitale Demen z . Wie

Manfred Spitzer : <<Digitale Demen z . Wie wir uns und unsere Kinder

um den

Droemer Verlag. München 2012. 368 Seiten. Fr. 29.90.

Verstand bringen .»

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Schwedischstunden gegen Deutschunterricht:Verschiedene Websites machen das Sprachenlernen einfach.

VON DANIEL STERN

Das Internet verbindet Milliarden Menschen, die Hunderte von verschiedenen Sprachen spre- chen. Was liegt da mehr auf der Hand, als Leute zusammenzubringen, die sich gegenseitig ihre Muttersprache beibringen? Websites, die genau da s anbieten , gibt es inzwischen viele. Je nach Ausge staltung bieten sie den Sprachlernenden zudem verschiedene Vokabeltrainingsprogram- me, Lernvideos und Übungstexte an. Eine der bekanntesten Websites auf dem Gebiet ist Busuu. Der Basisse rvice ist gratis, eine «Premium-Mitgliedschaft» kostet 85 Fran- ken im Jahr. Die Website ist personalisiert: Man loggt sich ein und hat dann einen Überblick über seine bisherigen Lernanstrengungen. Auch neue Aufgaben stehen bereit, eben so Texte von ande-

ren Lernenden, die korrigiert werden können. Die Seite bietet zudem Zugriff auf Chatrooms und verbindet Benutzerinnen miteinander. Einen ähnlichen Service bietet Babbel. Wie Busuu bietet die Website Apps an, mit denen man unterwegs vom Handy seinen Wortschatz aus- bauen kann. Der Zugriff auf die Lern-App schlägt für einen Monat mit drei Franken zu Buche. Während sich viele der Lernwebsites auf die gängigsten Sprachen konzentrieren, finden sich auf Livemocha sagenhafte 38 Sprachen, die gelernt werden können. Die Website basiert stark auf freiwilligen Mitarbeiterlnnen. Wer sich aktiv einbringt, kann sogenannte Tokens erwerben und diese virtuellen Münzen wiede- rum dazu benutzen , Angebote auf der Website

zu kaufen. Ansonsten können Tokens auch m it ganz realem Geld erstanden werden. Man kann auch autonom auf dem Internet Sprachlernpartnerinnen finden . Diverse Unis bieten solche Vermittlungsdienste gratis an . So kommt man mit Leuten in Kontakt, die etwas lernen wollen, was man selbst beherrscht, die eigene Muttersprache, und die einem gleichzei- tig selbst beim Erlernen einer anderen Sprache helfen können. Kommuniziert wird per E-Mail oder Skype. «Vollautonomes Lernen» heisst das bei der Humboldt-Universität Berlin.

www.busuu.co m I www.babbel. co m I www.livemocha.com I www.sprachenzentrum.hu-berlin.de/selbstlernzentruml vollautonomes-lernen-im-taodem

22 WOZ Bildung 20. September 2012

FERNUNIVERSITÄT HAGEN

WOZ Bildung 20. September 2012 • FERNUNIVERSITÄT HAGEN • a s e 1 orsaa •• enn
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• a s e 1 orsaa •• enn ene • 1r • nz1 Die grösste Universität
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Die grösste Universität im qeutschsprachigen Raum funktioniert über eine virtuelle Plattform im Internet. Mit den besonderen Lern- und Prüfungsformen, die das mit sich bringt, tun sich manche allerdings schwer.

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VON DANtEL STERN

Die Fernuniversität im deutschen Hagen exis- tiert seit 1975. Sie ist mit derzeit über So ooo eingeschriebenen Studentinnen zur grössten

Universität im deutschsprachigen Raum ange- wachsen. Unter ihnen sind auch Studierende aus der Schweiz, die teilweise von den Studien- zentren in Brig und Pfäffikon SZ betreut werden. Die Schweizer Studienzentren bieten auch eige- ne Studiengänge in Wirtschaft, Recht und Psy- chologie an. Allerdings braucht es als Voraus- setzung dafür eine Matura. Wer an der Fernuni

Hagen studieren will, braucht diese nicht, es genügt ein staatlich anerkannter Lehrabschluss und das Bestehen einer Eintrittsprüfung.

Für die Fernuniversität Hagen ist die ana- loge Paketpost immer noch ein zentraler Ver-

mittlungskanal: Von

aus verschickt sie vor jedem Semester Zehn-

inzwischen auch viele Präsenzuniversitäten an- wenden. Für jeden Kurs wird auf Moodle eine

eigene Website aufgeschaltet, auf der die Betei- ligten miteinander kommunizieren können. Die Dozierenden stellen etwa Fragen zum Lernstoff ins Netz, die Studierenden setzen ihre Antworten in das entspre-

ihrem

Logistikzentrum

>

tausende meist individuell zusammengestellte Pakete in über hundert Länder - kiloweise Bücher und Broschüren,

die sogenannten Studienbriefe. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, so Susanne Bossemeyer: «Die Studierenden haben in einer Befragung klar si- gnalisiert, dass sie die Dokumente weiterhin zugeschickt bekommen möchten.» Die meisten der Lernmate-

rialien sind jedoch auch pass- wortgeschützt als PDF-Dokument auf dem Server der Universität zu finden. Sie könnten also auch direkt am Computer, iPad oder Handy gelesen undbearbeitet werden.

Studieren an der Fernhochschule ist kein Zuckerschlecken.

chende Forum auf der Website . So gibt es je nach Kurs eine Vielzahl von Foren, in denen einzelne Fra- gen und Themen in schriftlicher

Form diskutiert werden. Die Struktur von Moodle ist offen: Auch die Studierenden kön- nen neue Foren gründen. Moodle kann von den Dozentinnen dar- über hinaus benutzt werden, um den Studentinnen Textdateien, Filmsequenzen und Bilder zur Verfügung zu stellen. Ausserdem besteht die Möglichkeit, dass sich Studierende via Moodle zu einem Live- chat verabreden. Auf Moodle finden zudem so- genannte virtuelle Seminare statt, bei denen in einem vorgegebenen Zeitrahmen ein Thema vertieft behandelt wird. Studierende können dabei zum Beispiel gemeinsam an einem Text arbeiten. Für die Fernuniversität Hagen ist das In- ternet ein zentrales Instrument der Wissensver- mittlung. Sogenannte Kick-off-Veranstaltungen für NeueinsteigerInnen zum Beispiel werden per Video aufgezeichnet und ins Netz gestellt. Mehr und mehr Vorlesungen sind online zu finden. Und in sogenannten Connect-Sitzungen können Studierende und Dozentinnen im Internet zeit- gleich miteinander kommunizieren.

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Als PDF oder mit der Post

Studieren an der Fernuni ist kein Zuckerschle- cken. «Achtzig Prozent der Studenten sind be- rufstätig», so Pressesprecherio Susanne Bosse- .· meyer. Im ersten Studienjahr entscheide sich in der Regel, ob man mit der Doppelbelastung klar- komme - fast jedeR Zweite in Hagen Eingeschrie- bene bricht das Studium in diesem Zeitraum ab.

Zentrale Internetplattform für

den Aus-

tausch zwischen den Dozierenden und den Stu-

dentinnen ist das Lernprogramm Moodle, das

Lernen gelegentlich zu Panikattacken zu führen:

Oft war aus den Fragen grosse Unsicherheit her- auszuspüren, ob man denn auch wirklich genug gelernt habe. An der Fernuni besteht auch die Mög- lichkeit der realen Begegnung. In jedem Modul wird ein zwei- bis dreitägiges Seminar angebo- ten. Die siebenstündige Zugfahrt dafür habe ich jedes Mal auf mich genommen. Auch wenn es meist nur um eine vertiefte Vorbereitung auf die Klausur ging. Und auch wenn das Unigelän- de, das an einer Autobahnausfahrt am Rande der Stadt liegt, den Charme eines Steueramts versprüht. Allerdings haben sich die dort ge - knüpften Kontakte als recht hilfreich erwiesen. Man merkt, dass andere in ähnlichen Situa- tionen stecken, lernt die Professorinnen und Assistenten kennen, geht abends mit ihnen ein Bier trinken. Drei Module habe ich an der Fernuni absol- viert. Dann reduzierte ich mein Jobpensum und ging an eine normale Uni - ein Schritt, den ich ohne den Umweg über die Fernuni wohl nicht gemacht hätte. An der Präsenzuni merkte ich dann schnell: Lernen ist auch ein sozialer Akt. Der viel häufigere Austausch mit Lernenden und Lehrenden macht nicht nur Spass, er schafft auch mehr Möglichkeiten, sich mit den Themen ver- tieft auseinanderzusetzen. Eine Anwesenheits- pflicht bräuchte es dazu allerdings nicht. os

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«Ist das prüfungsrelevant?» - ein Erfahrungsbericht

Lange Zeit war es für mich undenkbar, dass ich noch studiere. Doch als ich auf das Angebot der Fernuniversität Hagen stiess, dachte ich: «He, probiers einfach mal», und schrieb mich für das Fach Soziologie ein. Die Eintrittsschwelle ist tief:

D~e Studiengebühren sind niedrig, eine Matura ist nicht erforderlich, und vor allem: Man kann lernen, wo man will und wann man will. Auch das Studienpensum lässt sich frei wählen. Es spielt für die Fernuni keine Rolle, ob ich drei

oder sechs Jahre für einen Bachelorabschluss brauche. Ich lernte meist abends, nachdem mein Sohn zu Bett gegangen war. Hauptsächlich arbeitete ich die sogenannten Studienbriefe durch - dicke Stapel A4-Blätter. Das Gelesene fasste ich im Computer zusammen. Täglich zwei Stunden sowie einige freie Nachmittage- dieses Pensum hielt ich ein, und so schaffte ich pro Se- mester ein Modul. Notwendig sind zehn Module plus Abschlussarbeit. Daneben knüpfte ich auf der Internetplatt- form Moodle Kontakte zu anderen Studierenden (vgl. Haupttext). Tiefschürfende Diskussionen über soziologische Themen hab~n sich in den virtuellen Di skussionsforen allerdings nie er- geben. Die meistgestellte Frage war: «Ist das prüfungs relevant ?» Der Austausch auf Moodle schnellte vor allem im Vorfeld der Semester- prüfung hoch . Bei einigen schien das isolierte

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lange Reise für zwanzig Minuten

Das Bologna-System gilt auch an der Fernuni- versität. Jeweils zu Semesterende finden Prü- fungen statt und werden ECTS-Punkte verge- ben. Studierende aus der Schweiz können in der Regel die schriftlichen Prüfungen in den Studienzentren Brig und Pfäffikon oder an der Universität Bern ablegen. Schwieriger gestaltet sich bislang die Abnahme von mündlichen Prü- fungen. Wenn Dozentin und Proband dafür zu- sammenkommen müssen, bedeutet das oft eine stundenlange Anfahrt für eine vielleicht gerade mal zwanzigminütige Befragung. Die Fernuni Hagen bietet als Alternative dazu die Möglich- keit der Videokonferenz. Allerdings ist dieser Service nicht ganz billig - 250 Franken pro Prü- fung muss hinblättern, wer diese Variante wählt.

www.fernuni-hagen.de