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Mittwoch, den 20. Juni 2007 WIRTSCHAFT 85

Mittwoch, den 20. Juni 2007

WIRTSCHAFT

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Virtuelles Theater im Cyberhelm

Fortis will die Nr. 1 im Private Banking sein

US-Flugzeugbauer kann bei Aufträgen punkten

Bei Waagner-Biro gibt es Spezialisten

ABN Amro-Übernahme im Fokus des

Das Rennen von Airbus und Boeing

für Bühnensteuerung.

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Interviews mit Gilbert Mittler.

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in Le Bourget geht weiter.

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Hedge-Fonds arbeiten an Verhaltenskodex

London. Nach zunehmender Kri- tik arbeiten Europas führende Hedge-Fonds an einer Selbstre- gulierung der Branche. Sir An- drew Large, ehemaliger Vize- Chef der Bank of England, solle eine Untersuchung zu freiwilli- gen Verpflichtungen der Branche leiten, berichtete die „Financial Times“ am Dienstag. Ein Brief mit der Aufforderung zur Mitar- beit sei an 35 europäische Fonds verschickt worden. Mit diesem „Code of Practice“ wollen die Hedge-Fonds der Kritik, der sie seit längerem ausgesetzt sind, den Wind aus den Segeln neh- men. In London wird allerdings nicht erwartet, dass dieser sehr weit reicht und die deutschen Bemühungen um einen freiwilli- gen Verhaltenskodex („code of conduct“) der Branche befriedigt. Das Bundesfinanzministerium be- grüßte hingegen die Pläne der 13 größten britischen Hedge-Fonds zu einer Selbstregulierung. (dpa)

Yahoo-Chef Semel zurückgetreten

Sunnyvale. Der Internet-Riese Yahoo zieht nach andauernder Schwäche im Konkurrenzkampf mit Google die Reißleine: Kon- zernchef Terry Semel ist nach sechs Jahren zurückgetreten und wird von Mitgründer Jerry Yang (38) abgelöst. Der 64-jährige Se- mel, eine frühere Hollywood- Filmstudio-Größe, stand unter massivem Beschuss der eigenen Aktionäre und vieler Internet- fachleute. Er fand kein Gegenmit-

tel, um den Siegeszug des lukrati- veren und schneller wachsenden

Internet-Suchmaschinenbetrei-

bers Google zu stoppen. Semel, der bisher in Personalunion Kon- zern- und Verwaltungsratschef war, bleibe Vorsitzender des Verwaltungsrates, teilte Yahoo am Montag nach Börsenschluss in Sunnyvale mit. (dpa)

ING will türkische Bank Oyak übernehmen

Amsterdam. Die niederländische Bank ING will im schnell wach- senden türkischen Markt Fuß fassen. Zu diesem Zweck will das Institut für rund zwei Milliarden Euro in bar die Bank Oyak über- nehmen. Die ING-Wettbewerber Dexia und Fortis sind bereits in der Türkei aktiv. Der Preis werde vollständig eigenfinan- ziert, teilte ING am Dienstag in Amsterdam mit. Die Transaktion soll vorbehaltlich der erforderli- chen Genehmigungen im zweiten Halbjahr 2007 abgeschlossen werden. Auf das laufende Aktien- rückkaufprogramm wirke sich der Erwerb nicht aus. Die 1984 gegründete Oyak habe in der Türkei einen Marktanteil von rund drei Prozent. Sie beschäf- tige 5 581 Mitarbeiter in 360 Zweigstellen und gehöre zu den zehn führenden Instituten des Landes. (DJN)

Asien investiert in den Ausbau der Infrastruktur

Urbanisierung als Chance

Anleger können über Fonds am Wachstum auf dem größten Kontinent teilhaben

VON NINO MEESE

Am Dienstag lud Fortis Investments (FI) zum „Asia Seminar“ in die Ab- tei Neumünster ein, um die Zu- kunftschancen der asiatischen Märkte zu diskutieren. Wird der Asien-Boom weiter anhalten? Wie und in welchen Bereichen können Investoren an dem rapiden Wachs- tum teilhaben? Berücksichtigt man die starke Urbanisierung auf dem größten Kontinent, scheinen vor al- lem Investitionen in Infrastruktur und Immobilien vielversprechend.

Derzeit findet weltweit eine bei- spiellose Migration in die Städte statt. Studien gehen davon aus, dass in diesem Jahrhundert erst- mals die Hälfte der Weltbevölke- rung in Städten leben wird. Beson- ders stark vollzieht sich diese Ur- banisierung dabei auf dem derzeit boomenden Kontinent Asien. Momentan leben weltweit rund 784 Millionen Menschen in Groß- städten mit jeweils mindestens einer Million Einwohner. Eine UBS-Studie besagt, dass der Anteil Asiens bereits heute 53 Prozent ausmacht. „Wir gehen davon aus, dass der asiatische Anteil dauer- haft auf 65 Prozent anwachsen wird. So rechnet das ,Chinese Na- tional Statistics Bureau‘ damit, dass allein in China bis 2050 jedes Jahr eine Stadt von der Größe Londons hinzukommen wird“, er- klärte Emmy Labovitch, Produkt- spezialistin bei Fortis Invest- ments. So beeindruckend die Prognose für China auch sein mag, die starke Urbanisierung beschränkt sich nicht auf das Reich der Mitte. So entstehen in ganz Asien zahlreiche und vor allem qualitativ sehr hochwertige Neubauten. Der Bau- Boom betrifft dabei alle Bereiche, angefangen bei Wohngebäuden über Büro- und Industriekom- plexe bis hin zum Einzelhandel mit großen „Einkaufstempeln“, die von der wachsenden Mittelschicht und dem damit verbundenen hö- heren Konsumpotenzial profitie-

dem damit verbundenen hö- heren Konsumpotenzial profitie- Die Skyline von Schanghai zeugt von der rasanten

Die Skyline von Schanghai zeugt von der rasanten Entwicklung im asiatischen Immobilienmarkt.

(FOTO: AP)

ren. „Der amerikanische Fast- Food-Konzern ,Kentucky Fried Chicken‘ beispielsweise eröffnet derzeit in Asien jeden Tag eine neue Filiale und zwar in sehr hochwertigen Immobilien“, so La- bovitch weiter. Bis dato hat der asiatische Im- mobilienmarkt im Vergleich zu seinem Pendant in Europa und den USA laut FI „underperformed“. Diese Situation liegt laut Labo- vitch vor allem im in der Vergan- genheit schweren Marktzugang begründet. „Der Markt in Asien ist noch sehr unterentwickelt, aber wir gehen davon aus, dass er sich langfristig dem in Europa annä- hern wird“, so die Produktspezia- listin. Während laut einer Studie in Europa bereits 51 Prozent des Marktes entwickelt sind, trifft dies in Asien nur auf rund sechs Pro- zent zu. Jedoch befinden sich in Asien 72 Prozent des Marktes in der Entwicklung während dieser Wert in Europa nur 15 Prozent beträgt. Zudem streicht Labovitch

heraus, dass der Immobilienmarkt bis dato noch recht günstig ist und im Vergleich zu Anleihen mit hö- heren Zinserträgen lockt.

Ausländische Investoren bislang kaum vertreten Bislang sind internationale Inves- toren im asiatischen Immobilien- markt noch unterrepräsentiert, doch geht FI davon aus, dass sich das bald ändern wird. „Wir glau- ben an die Entwicklung dieses Marktes und haben zu diesem Zweck den Fortis L Fund Real Estate Asia im vergangenen März aufgelegt“, sagte Labovitch. Im- mobilien würden eng mit dem Wirtschaftswachstum zusammen- hängen und somit stelle dieser Fonds eine gute Möglichkeit für Anleger dar, an Asiens Wirt- schaftswachstum teilzuhaben. Ähnlich sieht das auch die Fondsgesellschaft Invesco, die mit dem „Invesco Asia Infrastructure Fund“ am Ausbau der asiatischen Infrastruktur partizipieren will.

Der anhaltend starke Men- schenstrom in die Städte stellt die bereits existierende Infrastruktur vor Probleme. Um einen negati- ven Einfluss auf das Wirtschafts- wachstum zu verhindern, investie- ren die asiatischen Länder, allen voran China, enorme Summen in den Ausbau beziehungsweise in die Neuerrichtung von Transport- systemen, Wasser- und Stromzu- fuhr usw. So soll beispielsweise das U-Bahn-Netz von Peking bis 2010 von derzeit 54 Kilometer auf dann 273 Kilometer erweitert werden. Nach Schätzung der „Asian De- velopment Bank“ wird sich in den nächsten fünf Jahren das für den Ausbau der Infrastruktur bereitge- stellte Investitionsvolumen der asiatischen Staaten auf rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr belau- fen. Eine zunehmende Anzahl von Regierungen vertraut dabei auf die Zusammenarbeit mit der Privat- wirtschaft, was eine Beteiligung durch Anleger ermöglicht.

US-Senat nimmt Besteuerung von Hedgefonds ins Visier

Veräußerungsgewinne sollen üblicher Einkommensteuer von 35 Prozent unterliegen

Washington. Der Finanzausschuss des US-Senats hat die Besteuerung von Hedgefonds und Private-Equi- ty-Branche ins Visier genommen. Der in der vergangenen Woche eingebrachte Vorschlag des Aus- schuss-Vorsitzenden Max Baucus und seines Vorgängers Charles Grassley zur Besteuerung der bör- sennotierten Partnerships, die im Investmentmanagement tätig sind, dürfte aber lediglich der An-

fang gewesen sein, meinen Bran- chenkenner. Der Ausschuss prüfe bereits einen weiteren Vorschlag mit wesentlich größeren Auswir- kungen. Dieser sieht vor, dass die Veräu- ßerungsgewinne von Private- Equity-Gesellschaften der übli- chen Einkommensteuer unterlie- gen sollen. Damit würden die als „carried interest“ (Anteil an künf- tigen Erlösen der Gesellschaft) be-

zeichneten Gewinne von Mana- gern sämtlicher Private-Equity- Gesellschaften und Hedgefonds künftig als Einkommen mit 35 Pro- zent besteuert und nicht wie bis- her lediglich der Kapitalertrags- steuer von 15 Prozent unterliegen. Diese Erträge machen einen gro- ßen Teil der Vergütung der Mana- ger aus. Der von Baucus und Grassley eingebrachte Vorschlag sieht le-

diglich vor, dass die öffentlich no- tierten Partnerships Einkommen- steuern zahlen müssen, soweit sie Erlöse aus Finanzdienstleistungen wie Investmentberatung und Ver- mögensverwaltung erzielen. Die Erfolgsaussichten für diesen Vor- schlag sind noch offen, da viele Republikaner vor Steuererhöhun- gen zurückschrecken und die Branche ihre Lobbyarbeit bei den Politikern verstärkt hat. (dpa)