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Für meinen Vater

iii

Oberjurassische Korallenriffe
von Nordostfrankreich (Lothringen) und
Südwestdeutschland

Von der Universität Stuttgart zur Erlangung des Grades eines Doktor der
Naturwissenschaften (Dr. rer. nat) genehmigte Abhandlung

Vorgelegt von Dipl.-Geol. Ralf Laternser aus Stuttgart

Hauptberichter: PD Dr. M. Krautter


Erstberichter : Prof. Dr. R.R. Leinfelder
Mündliche Prüfung: 20.10.2000

Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Stuttgart

2000
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Kurzfassung

Korallenriffe gehören zu den komplexesten und faszinierendsten Ökosystemen in der Erdgeschichte. Die
palökologische Interpretation oberjurassischer Korallenriffe auf der Grundlage einer genauen Faziesanalyse und
dem Vergleich mit heutigen Riffumwelten erwies sich in der vorliegenden Arbeit als hervorragend geeignet zur
Rekonstruktion der naturräumlichen Gegebenheiten zur Zeit ihrer Ablagerung.

Der Obere Jura zählt im Bezug auf das Vorkommen von Korallenriffen zu den bedeutendsten Zeitabschnitten in der
Erdgeschichte. Im Bereich des ausgedehnten nördlichen Tethysschelfes bildeten sich in dieser Epoche unter
gegebenen Bedingungen weitverbreitet Riffkorallen führende Ablagerungen und Riffkörper. Vergleichende
Untersuchungen der Fazies, der Faunenzusammensetzung und des Aufbaus dieser Riffkörper und die daraus
folgernde palökologische Interpretation bilden den inhaltlichen Schwerpunkt dieser Arbeit. Die untersuchten
Ablagerungen befinden sich in Nordostfrankreich (Lothringen) und Südwestdeutschland (Isteiner Klotz im
Markgräfler Land und Arnegg auf der Schwäbische Alb).

Im allen untersuchten Ablagerungsräumen sind Verflachungsabfolgen ausgebildet, die durch die Abfolge von
Korallenfaunen und Riffkörpern gekennzeichnet sind. Die Verflachung des Meeres wird durch das einsetzende
Wachstum von Riffkorallen und Korallenriffen und im weiteren Verlauf durch die stattfindende Diversifikation der
Korallenfauna und der Rifftypen angezeigt. Während die großflächig verbreiteten, oxfordischen Abfolgen von
Lothringen und des Isteiner Klotzes auf ausgedehnten, morphologisch wenig gegliederten Rampenbereichen
abgelagert wurden, handelt es sich bei der Abfolge von Arnegg um ein vergleichsweise kleinräumiges
Korallenvorkommen im Bereich einer submarinen Untiefe aus dem Kimmeridgeium. Unabhängig der strukturellen
und zeitlichen Unterschiede der einzelnen Ablagerungsräume ermöglicht der fazielle Vergleich der drei
Riffvorkommen die Erkennung der steuernden Faktoren der Riffbildung. Die maßgeblich das Riffwachstum
steuernden physikalisch-chemischen Faktoren sind Licht, Sedimentation, Sauerstoff, Temperatur, Nährstoffe und
Salinität. Untergeordnet steuern die Topographie des Meeresbodens, das Substrat und die Lage im Schelfprofil das
Riffwachstum.

Für den Vergleich von Riffkörpern und der daraus folgernden palökologischen Bewertung der oberjurassischen
Riffumwelten erwies sich die Erarbeitung einer Riffklassifikation als zwingend notwendig, die sich auf genau
definierte, objektive Faunen- und Riffmerkmale gründet. Die Grundlage dieser Klassifikation bilden die ökologisch
besonders aussagekräftigen Merkmale Grundmasse, Art und Gehalt an Riffbildnern, Riffgröße und Rifform, die zur
Definition von Rifftypen führen. Die Voraussetzung der Riffklassifikation ist eine genaue Begriffsbestimmung von
Rifforganismen, Korallenwuchstypen und -formen.

Ausgangspunkt für die palökologische Bewertung der untersuchten oberjurassischen Abfolgen sind umfangreiche
Korallenfaunenbestimmungen. Zur Umgehung der taxonomischen und systematischen Unstimmigkeiten, welche für
die oberjurassische Korallenfauna bestehen, wurde versucht für die Abgrenzung von Arten und Gattungen
ökologisch gesteuerte oder auf innerartliche Varianz beruhende Skelettmerkmale auszuschließen. Dies führte in der
Regel zu einer Verringerung der Anzahl der Taxa in den einzelnen Riffkörpern. Die Erkennung und Erfassung
tatsächlicher ökologischer Riffstadien ermöglichte eine Verfeinerung der palökologischen Bewertung und eine
Verminderung des Einflusses der geologischen Zeitdimension auf die palökologische Interpretation.
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Die palökologische Bewertung der untersuchten oberjurassischen Riffumwelten beruht grundlegend auf der
Interpretation einzelner Korallentaxa. Darauf aufbauend, lassen sich die Umweltbedingungen einzelner Riffkörper,
Riffbereiche oder Riffregionen aus der Zusammensetzung, sowie der räumlichen und zeitlichen Verteilung der
Korallenfauna herausarbeiten. Die Wuchsform und die Verteilung verschiedener Korallentaxa und
Korallenassoziationen lassen unter anderem Rückschlüsse auf die Bathymetrie, die Wasserenergie und die
Sedimentationsbedingungen zu. Es zeigt sich, daß die einwirkenden, das Riffwachstum steuernden Faktoren hierbei
in unterschiedlichster Weise zusammenwirken, mit örtlich und zeitlich wechselhaftem Einfluß. Unter anderem
konnten bei Aplosmilia semisulcata und Dendraraea racemosa besondere morphologische Anpassungen an erhöhte
Wasserenergie ermittelt werden. Neben den, das Riffwachstum bestimmenden Hauptriffbildnern, unterstützen die
weiteren autochtonen Rifforganismen die palökologische Bewertung.
Zum anderen erwiesen sich die Merkmale Riffgrundmasse, Riffgröße und Rifform als wichtige Indikatoren der
palökologischen Rahmenbedingungen. Die Art der Riffgrundmasse dokumentiert insbesondere die Stärke der
einwirkenden Wasserenergie sowie die topographischen Gegebenheiten des Ablagerungsbereiches. Für die
Ausbildung der Riffgröße und Rifform ließ sich eine Abhängigkeit von der Bathymetrie, der submarinen
Topographie, der Lage im Schelfprofil und dem Angebot von geeignetem Siedlungssubstrat ermitteln.

Die palökologische Interpretation der einzelnen Riffkörper, Riffumwelten und Riffabfolgen läßt schließlich eine
Erkennung des zeitlichen und räumlichen Einflusses der Umweltfaktoren und der Änderung derselben in den
einzelnen Ablagerungsräumen zu. Daraus folgernd ist ein Vergleich der einzelnen Ablagerungsräume möglich. In
allen drei Aufschlußregionen spiegelt die zeitliche Abfolge der Riffauna, der Korallenwuchstypen und der Rifftypen
eine Verflachung der Ablagerungsräume wieder. Nach dem Einsetzen von Korallen- und Korallenriffwachstum am
Übergang vom dysphotischen in den euphotischen Tiefenbereich, kommt es im Zuge der Verflachung der
Ablagerungsräume aufgrund der Zunahme der Lichteinstrahlung und der Wassertemperatur zu einer Diversifikation
der Korallenfauna und Korallenrifftypen. Bei einer kontinuierlichen, nur auf der Abnahme der Wassertiefe
beruhenden Veränderung der Umweltverhältnisse ist der allmähliche Einsatz des Wachstums von Riffkorallen
innerhalb einer Kieselschwamm-Mikrobolith-Riffassoziation festzustellen die bei fortschreitender Verflachung in
eine Korallen-Riffassoziation übergeht. Der abrupte Einsatz von Korallenriffwachstum in Lothringen und im
Bereich des Isteiner Klotzes erwies sich von der Einwirkung von weiteren, von der Wassertiefe unabhängigen
Umweltfaktoren abhängig. In diesen beiden Ablagerungsbereichen kommt es in einem reliefschwachen
Ablagerungsraum und deutlich innerhalb des euphotischen Tiefenbereiches aufgrund nachlassenden
Sedimentstresses zum Einsatz von Korallenriffwachstum unter Bildung vergleichbarer Microsoleniden-
Riesenbiostrome. In Arnegg werden Kieselschwämme und mikrobielle Krusten bereits in lichtarmen, euphotischen
Meeresbereichen durch die Einwirkung reliefbedingten, grobklastischen Sedimentstresses von Korallen als
Hauptriffbildner verdrängt. Mit zunehmender Verflachung der Ablagerungsräume kommt es aufgrund hoher
Sedimentationsraten, und in den weiträumigen Ablagerungsräumen von Lothringen und des Isteiner Klotzes
zusätzlich eingeschränkter Wasserzirkulation, zum Rückgang und schließlich zum Ende des Wachstums von
Korallen und Korallenriffen. Im Bereich des Isteiner Klotzes konnte am Ende der Verflachungsabfolge das
Auftauchen weiter Bereiche des Ablagerungsraumes über den Meeresspiegel nachgewiesen werden.

Der Einsatz von Korallen- und Korallenriffwachstum steht schließlich im Zusammenhang mit überregionalen
Meerespiegelschwankungen. Im Bereich von Lothringen und des Isteiner Klotzes ist das Auftreten von Riffkörpern
an einen transgressiven Meeresspiegel und die damit verbundene herabgesetzte Hintergrundsedimentation
gebunden. Das starke Ansteigen der Sedimentationsraten im Verlauf des folgenden Meeresspiegelhochstandes führt
in der Folge zu einer durchgängigen Verflachung der Ablagerungsräume und schließlich zur Abtötung von
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Korallenwachstum. Die vergleichsweise kleinräumige Riffbildung im Bereich von Arnegg ist durch eine erhöhte,
geschützte Reliefposition begründet. In dieser Lage entzieht sich das Riffwachstum dem Einfluß der, durch
Meeresspiegelschwankungen gesteuerten, allgemeinen Sedimentationsbedingungen - deshalb bleibt, ungeachtet des
für diesen Abschnitt des Kimmeridgiums angenommenen Meeresspiegelhochstandes mit allgemein hohen
Sedimentationsraten, im Bereich des Arnnegger Plattformriffes Korallenriffwachstum über lange Zeit möglich.
Aufgrund zunehmendem Reliefausgleichs und ansteigenden Sedimentationsraten kommt es schließlich zum
Absterben des Riffwachstums.
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Inhaltsverzeichniss
1 EINLEITUNG..................................................................................................................................................... 4
1.1 Zielsetzung..................................................................................................................................................4
1.2 Arbeitsmethoden und Analytik ...................................................................................................................5
1.3 Paläogeographische und paläoklimatologische Rahmenbedingungen im Oberjura....................................7
1.4 Allgemeine Übersicht über die Verbreitung und die Zusammensetzung oberjurassischer Riffe ...............9
1.5 Regionale Geologie der Arbeitsgebiete.....................................................................................................10
1.5.1 Ostfrankreich/Lothringen............................................................................................................10
1.5.2 Südbaden/ Isteiner Klotz.............................................................................................................13
1.5.3 Schwäbische Alb.........................................................................................................................15
2 AUFSCHLUSSBESCHREIBUNG.................................................................................................................20
2.1 Lothringen.................................................................................................................................................20
2.1.1 Foug ............................................................................................................................................20
2.1.2 Lay St. Remy ..............................................................................................................................21
2.1.3 Pagny sur Meuse .........................................................................................................................22
2.1.4 Sorcy Gare ..................................................................................................................................22
2.1.5 Euville.........................................................................................................................................23
2.1.6 Lerouville....................................................................................................................................25
2.1.7 Boncourt sur Meuse ....................................................................................................................26
2.1.8 Aprèmont la Forêt .......................................................................................................................27
2.1.9 Senonville ...................................................................................................................................28
2.1.10 Haudainville................................................................................................................................28
2.1.11 Dieue...........................................................................................................................................29
2.1.12 Rognontal und Marnetal (Doulaincourt, Froncles, Rochers sur Rognon)...................................29
2.2 Isteiner Klotz.............................................................................................................................................30
2.2.1 Istein ...........................................................................................................................................31
2.2.2 Kandern.......................................................................................................................................32
2.2.3 Kleinkems ...................................................................................................................................33
2.3 Schwäbische Alb/Arnegg..........................................................................................................................33
2.3.1 Strukturelle Übersicht über den Aufbau des Riffkomplexes.......................................................34
2.3.2 Übersicht über die einzelnen Fazieseinheiten .............................................................................35

3 AUFSTELLUNG VON RIFFTYPEN UND BESCHREIBUNG DER RIFFKÖRPER ............................41


3.1 Allgemeines zur Klassifikation von Riffen ...............................................................................................41
3.2 Kriterien für die Aufstellung von Rifftypen..............................................................................................41
3.3 Benennung der Riffaziestypen ..................................................................................................................45
3.4 Definition der Korallenwuchsformen........................................................................................................47
3.5 Beschreibung der Riffkörper von Lothringen ...........................................................................................48
3.5.1 Foug ............................................................................................................................................48
3.5.2 Euville.........................................................................................................................................51
3.5.3 Pagny sur Meuse .........................................................................................................................68
3.5.4 Lerouville....................................................................................................................................73
3.5.5 Rognontal....................................................................................................................................75
3.5.6 Doulaincourt ...............................................................................................................................76
3.6 Beschreibung der Riffkörper des Isteiner Klotzes ....................................................................................77
3.7 Beschreibung der Riffkörper von Arnegg.................................................................................................83
2

4 KOMPONENTEN, KLASTISCHE FAZIESTYPEN UND SYNSEDIMENTÄRE GEFÜGE ................91


4.1 Komponenten............................................................................................................................................91
4.1.1 Tuberoide....................................................................................................................................91
4.1.2 Peloide ........................................................................................................................................91
4.1.3 Intraklasten..................................................................................................................................92
4.1.4 Onkoide.......................................................................................................................................92
4.1.5 Cortoide ......................................................................................................................................93
4.1.6 Ooide...........................................................................................................................................94
4.2 Faziestypen ...............................................................................................................................................94
4.2.1 Schlammige Faziestypen ............................................................................................................94
4.2.2 Bioklastische Faziestypen ...........................................................................................................95
4.2.3 Cortoidische, onkoidische und oolithische Faziestypen............................................................101
4.2.4 Intraklastische Faziestypen .......................................................................................................107
4.3 Riffhohlräume .........................................................................................................................................109
4.4 Hartgründe ..............................................................................................................................................109

5 RIFFORGANISMEN: BESCHREIBUNG, ÖKOLOGIE UND AUFTRETEN ......................................111


5.1 Definition von Rifforganismen, auftretenden Riffbildnern und Riffbildnerassoziationen......................111
5.2 Hauptriffbildner ......................................................................................................................................111
5.2.1 Riffkorallen...............................................................................................................................111
5.2.2 Mikrobielle Krusten (Mikrobolithe) .........................................................................................117
5.2.3 Kieselschwämme ......................................................................................................................120
5.3 Nebenriffbildner, Riffbesiedler und Riffbewohner .................................................................................121
5.3.1 Muscheln (ohne Austern)..........................................................................................................121
5.3.2 Austern......................................................................................................................................122
5.3.3 Gastropoden ..............................................................................................................................122
5.3.4 Brachiopoden ............................................................................................................................122
5.3.5 Echinodermen ...........................................................................................................................123
5.3.6 Polychaeten...............................................................................................................................123
5.3.7 Kalkschwämme.........................................................................................................................124
5.3.8 Solenoporaceen.........................................................................................................................125
5.3.9 Mikroinkrustierer ......................................................................................................................126
5.3.10 weitere Riffbewohner................................................................................................................129
5.3.11 Riffabbauer ...............................................................................................................................129
5.3.12 Weitere Organismen .................................................................................................................132

6 AUFBAU UND ÖKOLOGIE VON RIFFEN SOWIE STEUERNDE FAKTOREN DER RIFFBILDUNG
UND DES RIFFWACHSTUMS...................................................................................................................134
6.1 Allgemeine Riffdefinition .......................................................................................................................134
6.2 Struktureller Aufbau der bearbeiteten Korallenriffe und Korallenriffkomplexe.....................................134
6.3 Übersicht über die steuernden Faktoren der Riffentwicklung.................................................................135
6.4 Beschreibung und Bewertung des Einflusses physikalisch-chemischer Faktoren in den untersuchten
Riffkörpern..............................................................................................................................................135
6.4.1 Licht (und Bathymetrie)............................................................................................................135
6.4.2 Sedimentation ...........................................................................................................................138
6.4.3 Wasserenergie ...........................................................................................................................140
6.4.4 Sauerstoffgehalt des Meerwassers ............................................................................................141
6.4.5 Wassertemperatur .....................................................................................................................142
6.4.6 Nährstoffe .................................................................................................................................143
3

6.4.7 Salinität .....................................................................................................................................144


6.4.8 Weitere Faktoren.......................................................................................................................145
6.5 Beschreibung und Bewertung des Einflusses biologischer Faktoren in den untersuchten Riffkörpern ..147
6.5.1 Biologische Grundlagen der Riffbildung und der Faunenverteilung ........................................147
6.5.2 Aussagekraft der Faunenzusammensetzung von Riffen ...........................................................148

7 BESCHREIBUNG UND ÖKOLOGISCHE BEWERTUNG DER KORALLENWUCHSTYPEN UND


KORALLENARTEN ....................................................................................................................................151
7.1 Beobachtete Trends der Verteilung von Korallenwuchsformen im Bezug auf einzelne Faktoren 151
7.2 Diskussion der einzelnen Korallenwuchstypen.......................................................................................152
7.2.1 Fladige Wuchstypen..................................................................................................................152
7.2.2 Massige bis kugelförmige Wuchstypen ....................................................................................154
7.2.3 Unregelmäßiger Wuchstyp ......................................................................................................155
7.2.4 Ästige Korallenwuchstypen ......................................................................................................155
7.2.5 Fächerförmige Wuchstyp und Einzelkorallen...........................................................................158
7.3 Ökologie und Verbreitung wichtiger Korallentaxa .................................................................................158

8 AUFBAU, VERTEILUNG UND ÖKOLOGIE DER RIFFTYPEN..........................................................170


8.1 Ökologische Aussagekraft der Riffgröße................................................................................................170
8.2 Beschreibung, Ökologie und Verbreitung einzelner Rifftypen ...............................................................170
8.2.1 Bioherme...................................................................................................................................170
8.2.2 Biostrome..................................................................................................................................173
8.2.3 Dickichte...................................................................................................................................175
8.2.4 Sondertypen ..............................................................................................................................178
8.3 Wachstumsraten von Riffkörpern 178

9 BEWERTUNG DER STEUERNDEN FAKTOREN UND VERLAUF DER RIFFENTWICKLUNG


DER EINZELNEN RIFFKÖRPER UND DER EINZELNEN REGIONEN..........................................180
9.1 Lothringen...............................................................................................................................................180
9.1.1 Foug ..........................................................................................................................................180
9.1.2 Euville.......................................................................................................................................182
9.1.3 Pagny sur Meuse .......................................................................................................................186
9.1.4 Sorcy Gare ................................................................................................................................188
9.1.5 Lerouville..................................................................................................................................189
9.1.6 Aprèmont la Forêt .....................................................................................................................190
9.1.7 Boncourt, Senonville und Dieue ...............................................................................................191
9.1.8 Haudainville..............................................................................................................................192
9.1.9 Rognontal..................................................................................................................................192
9.1.10 Übersicht über die Riffentwicklung in Lothringen ...................................................................193
9.2 Isteiner Klotz...........................................................................................................................................197
9.3 Schwäbische Alb/Arnegg........................................................................................................................202
10 MEERESSPIEGELSCHWANKUNGEN....................................................................................................209
11 ZUSAMMENFASSUNG...............................................................................................................................213
12 DANKSAGUNG ............................................................................................................................................217
13 LITERATUR .................................................................................................................................................218

14 TAFELN .....................................................................................................................................................228
ANHANG (Abbildungsverzeichnis und Tabellen) ...........................................................................................253
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1 Einleitung

1.1 Zielsetzung

Im Oberjura sind riffbildende, scleractine Korallen die vorherrschenden, das Riffwachstum bestimmenden Riffbildner
in flachen Meeresbereichen. Diese ökologische Schlüsselstellung macht Korallen zu hervorragenden
Zeigerorganismen für die, die Riffentwicklung steuernden, physikalisch-chemischen und biologischen
Umweltfaktoren. Dies begründet den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit auf die Erfassung und palökologischen
Bewertung dieser Riffbildner. Für die umfassende ökologische Bewertung der oberjurassischen Riffumwelt ist es
hierbei unerläßlich alle weiteren Rifforganismen und die assoziierten klastischen Faziestypen in die Beurteilung mit
einzubeziehen. Die Grundlage für die Diskussion der steuernden Faktoren bildet die genaue örtliche Erfassung und
ökologische Bewertung von Riffgemeinschaften, Rifftypen und Faziesausbildung und der anschließende regionale
und überregionale Vergleich. Die vergleichende, palökologische Bewertung dreier oberjurassischer
Ablagerungsräume ermöglicht hierbei die Erkennung der kontrollierenden biotischen und abiotischen Faktoren der
Riffentwicklung. Die Untersuchungen wurden zum einen in den benachbarten, strukturell und faziell vergleichbaren,
mitteloxfordischen Korallenriffvorkommen von Lothringen in Nordostfrankreich und des „Isteiner Klotzes“
(Südliches Rheintal, Baden-Württemberg) vorgenommen. Zum anderen wurde das, von den oxfordischen Bereichen
zeitlich und strukturell abweichende, dem Oberen Kimmeridgium zugehörige Riffvorkommen von Arnegg
(Schwäbische Alb, Baden-Württemberg) bearbeitet. Das weitgehende Fehlen von umfassenden, modernen
Faziesbeschreibungen, palökologischen Bearbeitungen und Korallenfaunenbestimmungen (v.a. Lothringen, Isteiner
Klotz) erforderte eine grundlegende Neubearbeitung der untersuchten Vorkommen unter diesen Aspekten. Der
Schwerpunkt lag hierbei auf der genauen Untersuchung von korallenführenden Riffstrukturen und der Bestimmung
der Korallenfaunen. Die Erfassung aller weiteren Rifforganismen und der allochtonen Faziestypen unterstützt hierbei
die palökologische Bewertung entscheidend. Ein großes Problem bei der Beschreibung der Riffkörper stellt die von
unterschiedlich gehandhabte Klassifikation von Rifftypen und die abweichenden taxonomische Zuordnungen
innerhalb der Korallenfauna durch verschiedene Bearbeiter dar. Als Grundlage für die Vergleichbarkeit der einzelnen
Riffkörper und Riffvorkommen wurde in der vorliegenden Arbeit eine genaue Definition von Rifftypen anhand
diagnostisch eindeutiger Kriterien erarbeitet. Diese Kriterien sind Art und Gehalt an Riffbildnern, Rifform,
Riffausmaße und Grundmasse. Das taxonomische Durcheinander im Bezug auf die oberjurassische Korallenfauna
stellte sich als grundlegendes Problem für die Erfassung und die palökologische Bewertung und Vergleich der
einzelnen Riffkörper und Riffvorkommen heraus. Als Hauptgrund hierfür sind Fehlzuordnungen aufgrund von
Altersstadien, ökologische Variabilität der typische Merkmale und Merkmalskombinationen und
Mehrfachbeschreibungen. Zum Ausgleich der taxonomischen Unterschiede wurden sämtliche Korallen selbst
bestimmt. Vorhandene Fremdbestimmungen wurden nicht übernommen. Zusätzlich wurde anhand genauer
Vergleiche der untersuchten Kolonien und der vorhandenen Bestimmungsliteratur nach bester Möglichkeit Synonyme
ermittelt und entsprechende Arten und Gattungen im Rahmen dieser Arbeit klar kenntlich zusammengefaßt.
Aus dem gewonnen Datenmaterial lassen sich schließlich übergeordnete, kontrollierende Faktoren der sequentiellen
Entwicklung ermitteln. Insbesondere die ermittelte Zusammensetzung und Verteilung von Riffkörpern in den
untersuchten Abfolgen verspricht die Erkennung von steuernden Einflüssen, die beispielsweise auf den Einfluß von
Meeresspiegelschwankungen oder klimatischen Faktoren zurückgehen
Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des 1996 abgeschlossenen Schwerpunktprogramms „Biogene
Sedimentation am Tethys-Nordrand“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) begonnen. Im Rahmen dieses
Programms wurde versucht, die steuernden Faktoren der Entwicklung von biogenen Sedimenten in Raum und Zeit in
diesem Bereich zu erfassen. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der Untersuchung von rifführenden Schelfablagerungen
und der taxonomischen und palökologischen Untersuchung der am Riffaufbau beteiligten Organismen (vgl.
LEINFELDER et al. 1993a, b; WERNER et al. 1994, KRAUTTER 1995, NOSE 1995, SCHMID 1996).
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1.2 Arbeitsmethoden und Analytik

Bestimmung der Korallenfauna

Bestimmungsliteratur: ALLOITEAU 1952; GEYER 1953; BEAUVAIS 1964; KOBY 1904-1905; RONIEWICZ 1966; TURNŠEK 1966, 1972,
1975, 1997; LATHUILIÉRE 1989; ROSENDAHL 1985; ERRENST 1990a, b; LAUXMANN 1991a, b; GEISTER & LATHUILIÉRE 1991;
BERTLING 1993.

Insgesamt wurden etwa 2500 Korallenindividuen oder Korallenbruchstücke, wenn möglich auf Artniveau, bestimmt.
Hierbei bedingen die geologischen Aufschlußverhältnisse Bearbeitungen vertikaler Riffschnitte, im Gegensatz zu
heutigen Riffuntersuchungen mit flächigen oder linenhaften Untersuchungsflächen (vgl. PERRIN et al. 1995). Mit
Ausnahme einiger, nur teilweise flächenhaft beprobbarer Riffe (LPA 1, LEU II 4, LEU I 2, 4, 6) wurden fast
sämtliche bestimmte Korallen aus dem anstehenden Gestein entnommen. Falls die flächenhafte Beprobung nicht
möglich war, wurden eindeutig einzelnen Riffkörpern zuzuordnende Leseproben verwendet. Die Bestimmung der
Korallenfauna wurde zu etwa gleichen Teilen makro- und mikroskopisch an angeschliffenen Handstücken oder direkt
im Aufschluß durchgeführt. Kleinräumige Riffkörper wurden (abhängig von den Aufschlußverhältnissen) auf ganzer
Fläche bearbeitet und beprobt. An größeren Riffkörpern wurden an besonders geeigneten 1 m2 großen
Aufschlußflächen Auszählungen der Korallenfauna durchgeführt. Bei linienhaften seitlichen Beprobungen wurde
möglichst versucht anhand geologischer Strukturen (v. a. Diskontinuitätsflächen) zeitgleiche Niveaus zu erfassen.
Ansonsten wurden die Volumenanteile und Zusammensetzung der Rifforganismen, unter Einbezug vieler Teilaspekte
(Geländeansicht, spätere Bestimmungen, einfachere Bestimmbarkeit einzelner Arten) abgeschätzt. Insgesamt sind alle
Bestimmungs- und Auszählungsergebnisse mit der Einschränkung der tatsächlichen fossilen Überlieferung einzelner
Korallen bzw. des Riffgefüges, der Repräsentativität der Auszählflächen sowie schließlich der menschlichen
Fehlerquote bei der Bestimmung zu betrachten. Bei großvolumigen Riffkörpern wurden möglichst umfangreiche,
seitliche und vertikale Bestimmungen durchgeführt, zur möglichst umfangreichen Erfassung örtlicher Änderungen
von Gefüge und Zusammensetzung. Im Gelände nicht exakt bestimmbare Korallenkolonien (und die
Zusammensetzung der Grundmasse) wurden in der Regel in Form von Anschliffen weiter bearbeitet. Nur in
besonders problematischen Fällen wurden auch Dünnschliffe angefertigt. Sowohl in den Anschliffen als auch an den
Steinbruchwänden lagen meist Schnittlagen vor, körperlich vorliegende Korallen sind eher die Ausnahme. Selbst die
in einer tonig-mergeligen Matrix eingebetteten Korallenstöcke der Korallenmergel (Foug, Istein) konnten aufgrund
konkretionärer Kalkabscheidung um die Korallenstöcke, der tonigen Grundmasse sowie ihrem festen Gerüstverband
meist nur schwer direkt bestimmt bzw. herausgelöst werden.
Die Bestimmung der Korallenfauna ist mit vielen Schwierigkeiten behaftet (vgl. Kap. 4.2.1). Nicht eindeutig
abgrenzbare Arten innerhalb einer Gattung werden stets nur auf Gattungsniveau bestimmt. Bei vielen microsoleniden
Korallen ist es aufgrund meist kleinflächiger und schlecht erhaltener Kolonieflächen oft schwierig die Anordnung und
Struktur der Kelche zur Unterscheidung verschiedener Gattungen (z.B. Microsolena/Dimorpharaea) oder Arten
durchzuführen. Eine eindeutige Gattungs- oder Artzuordnung ist in diesen Fällen oft nicht möglich, so daß die
entsprechenden Kolonien lediglich auf Gattungsniveau oder als „microsolenide Korallen“ bestimmt wurden.
Zusätzlich erschwert die meist fehlende körperliche Probenbeschaffenheit die Bestimmung. Ästige Korallen sind in
den durchgeführten Faunenbestimmungen aufgrund ihres hohen Fragmentierungspotentials als Bruchstücke
überproportional, in Form von vollständigen Kolonien unterproportional repräsentiert (v.a. Calamophylliopsis,
untergeordnet Stylosmilia, Enalhelia, Thecosmilia). Besonders charakteristische, leicht bestimmbare Gattungen sind
Isastrea, Dendraraea, Calamophylliopsis, Stylosmilia, Thamnasteria, Aplosmilia, Rhibidogyra, Enallhelia.

Isotopen

An cidaroiden Seeigelstacheln wurden Messungen der stabilen Kohlenstoff- und Sauerstoffisotopen durchgeführt. Bei
dieser Methode nutzt man die Tatsache, daß die Isotopen in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren in
unterschiedlichem Verhältnis zueinander in Organismenhartteile eingebaut werden. Mittels eines Massenspek-
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trometers wird jeweils das Verhältnis zwischen schweren und leichten Isotopen (13C/12C bzw. 18O/16O), relativ zu
einem internationalen Standard (PDB-Standard, vgl. JOACHIMSKI 1991) bestimmt. Die Abweichung vom
Standardwert wird als δ13 C bzw. δ18 O-Wert ausgedrückt. Bei einem positiven δ-Wert ist das schwere Isotop
relativ zum Standard (der gleich Null gesetzt wird) angereichert. Das Verhältnis der Sauerstoffisotopen (18O/16
O) ist in Karbonaten vom δ18O des Wassers und der Bildungstemperatur abhängig und eignet sich deshalb für
Paläotemperatur-Bestimmungen (JOACHIMSKI 1991). OBERHÄNSLI (1984) befaßt sich speziell mit deren
Anwendung im Bereich der Palökologie. Bei 16,5° steht ein Kalzit mit δ18O = 0‰ (PDB) im Gleichgewicht mit
Wasser (SMOW = heutige Sauerstoffisotopenzusammensetzung des Meerwassers). Bei sich erhöhenden
Wassertemperaturen wird bei der Kalzitfällung vermehrt das leichtere Isotop eingebaut, d.h. der δ18O-Wert des
Minerals wird kleiner. Eine δ18O-Abnahme von 1‰ entspricht einer Temperaturzunahme von etwa 4° C
(OBERHÄNSLI 1984). Da es bei hoher Evaporation zur Anreicherung von 18O im Meerwasser kommt, eignet sich δ18O
auch als Anzeiger hoher Salzkonzentrationen im Meerwasser (JOACHIMSKI 1991). Hierbei entspricht ein
Salinitätsanstieg von 1‰ einer δ18O-Zunahme von 0,25%. Für Zeiten ohne Polvereisungen wie dem Oberjura (vgl.
LEINFELDER 1994b) werden, im Vergleich zu heutigen Werten, geringere Sauerstoffisotopenwerte angenommen. In
randmarinen Bereichen sind durch die erhöhte Evaporation, sowie durch den Zufluß meteorischer Wässer stärkere
Abweichungen der Isotopenwerte zu erwarten (JOACHIMSKI 1991). Die Isotopenmessungen wurden um
organismenspezifische Fraktionierungen auszuschließen, aus Stacheln cidaroider Seeigeln gewonnen, die wie alle
Seeigelstacheln die gleiche Isotopenzusammensetzung wie anorganisch ausgefällte Karbonate aufweisen. Hierauf
verweisen BILL et al. (1995), die vergleichbare Isotopenmessungen ausschließlich an cidaroiden Seeigelstacheln der,
den Korallenmergeln von Istein und Lothringen faziell vergleichbaren, oxfordischen Liesberg-Schichten des
Schweizer Juras durchführten. Die gewonnenen Werte (Tab. 4) stellen aufgrund der frühen diagenetischen
Zementation von Echinodermenstereomen die frühesten diagenetischen Bedingungen an der Sedimentoberfläche dar
(opt. cit.). Die Isotopenmessungen wurden an der Universität Erlangen durch Herrn Dr. M. Joachimski durchgeführt.

Karbonatgehalte

Dies Bestimmung des Gesamtkarbonatgehaltes (s. Tab. 5) erfolgte anhand pulverisierten Probenmaterials in einer
modifizierten „Karbonatbombe“, die eine direkte Ablesung des Gesamtkarbonatgehaltes ermöglicht (vgl. MÜLLER &
GASTNER 1971). Der Meßfehler liegt nach Herstellerangabe („Mini-Bombe“) bei ungefähr 1%.

Verwendete Abkürzungen für die einzelnen Aufschlußbereiche und Riffkörper

Zur Vereinfachung der Ansprache und der Übersicht über die Vielzahl der untersuchten Riffkörper in den einzelnen
Aufschlüssen und Aufschlußregionen wird bei der Riffbenennung jeder Region ein Buchstaben (Lothringen (L),
Isteiner Klotz (I), Schwäbische Alb/Arnegg (A) als Ortskennung zugeordnet. In Lothringen werden zur
Unterscheidung der Aufschlußpunkte an die Ortskennung folgend zwei den jeweiligen Aufschlußpunkt
charakterisierende Buchstaben angefügt (z.B. EU = Euville; LEU = Lothringen Euville). Der stratigraphische
Riffkomplex von Arnegg zeigt einen komplexen Aufbau aus seitlich und zeitlich wechselnden Faziestypen,
Riffkörpern und Riffbildnerassoziationen in Verbindung mit einem ausgeprägten Relief. Für die Gewährleistung einer
möglichst guten Übersicht werden deshalb drei durch ihre Zusammensetzung an Riffbildnern gekennzeichnete
Fazieseinheiten ausgeschieden, die zeitlich aufeinander folgen:

Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazieseinheit (im Folgenden auch „Schwammfazies“ oder AS)

Kieselschwamm-Mikrobolith-Korallen-Fazieseinheit (im Folgenden auch „Mischfazies“ oder AM)

Korallen-Fazieseinheit (im Folgenden auch „Korallenfazies“ oder kurz AK)


7

Zusammen mit der Ortskennung (A = Arnegg) ergeben sich für die einzelnen Fazieseinheiten die Bezeichnungen
AS, AM und AK. Innerhalb der jeweiligen Fazieseinheiten erwies es sich als sinnvoll, im Bezug auf das
Gesteinsgefüge einheitliche, isochrone Untereinheiten (AM, AK) abzugrenzen und diese in zeitlicher Abfolge
fortlaufend zu nummerieren (AM I, AM II, AM III, AK I, AK II). Die Riffkörper innerhalb der einzelnen
Aufschlüsse, Aufschlußbereiche oder Fazieseinheiten, werden entsprechend ihrer zeitlichen Abfolge
durchnummeriert (LEU I 1, LEU I 2 usw.). Gleichartige Riffkörper in gleicher stratigraphischer Position werden
weiter durch römische Ziffern (z.B. AK II 2 I, AK II 2 II) unterschieden. Sukzessionen der Riffbildnerfauna
innerhalb einzelner Riffkörper äußern sich einer vertikalen Abfolge vom Gefüge her unterscheidender
Riffabschnitte. Diese Riffabschnitte werden vom Liegenden ins Hangende mit Kleinbuchstaben in alphabetischer
Folge versehen (z.B. LEU II 3 a, LEU II 3 b). Zusätzlich vorhandene seitliche Zonierungen innerhalb einzelner
Riffabschnitte werden durchnummeriert (z.B. LEU II 3 a1, LEU II 3 a2).
Da die Auflistung der Korallenzusammensetzung einzelner Riffkörper in der Riffbeschreibung (Kap. 3.5) aus
gründen der Übersichtlichkeit auf der Gattungsebene erfolgt, wird zur Übersicht über die vorhandene Artenvielfalt
das Auftreten mehrerer Arten einer Gattung durch das (typographisch hochgestellte) Anfügen der Artenzahl an den
Gattungsnamen dargestellt (z.B. Microsolena2 ).

1.3 Paläogeographische und paläoklimatologische Rahmenbedingungen im Oberjura

Meeresspiegelstände im Oberjura

Im Verlauf eines eustatischen Meeresspiegelanstieges 2. Ordnung, einsetzend am Ende der Trias und fortschreitend
bis zum Ende des Jura (PONSOT & VAIL 1991), begann im Mittleren Jura in großen Teilen des heutigen Europas
aufgrund einsetzender Krustendehnung das Aufbrechen Pangäas mit der Öffnung des Zentralatlantiks und der
westlichen Tethys (ZIEGLER 1990). Die anhaltende Krustendehnung führte insbesondere in Mittel-, Ost- und
Südeuropa zur weiteren Absenkung der Kruste und einer großflächigen Änderung der Paläogeographie und
Paläoozeanographie durch fortschreitende marine Transgression. Die weltweite Transgression und der damit
verbundene hohe Meeresspiegel (bis 150 m über heutigem Niveau) führte bei strukturell geeigneten, flachgeneigten
passiven Kontinentalrändern (z.B. Tethys-Nordschelf) zur Bildung großflächiger flachmariner, karbonatischer
Schelfflächen (LEINFELDER et al. 1996). PONSOT & VAIL (1991) und LEINFELDER (1993) nennen eine
Haupttransgression zur Zeit des Mitteloxfordiums, am Beginn eines allgemeinen Meeresspiegelhochstandes des
Oberjuras. Dieser Hochstand wird weiter überlagert von niederfrequenten Meerespiegelschwankungen 3. Ordnung
(Oberes Oxfordium, Mittleres- und Oberes Kimmeridgium (vgl. u.a. GYGI 1986, LEINFELDER 1993A). Der
Nettoanstieg des Meeresspiegels betrug dabei etwa 25-30 m, der maximale Meeresspiegelstand im Oberjura wird mit
der Grenze Kimmeridgium/Tithonium gleichgesetzt. Die Vergrößerung der Ozeanfläche führte gleichzeitig zu einem
zunehmend ausgeglicheneren Klima (LEINFELDER 1994b).

Paläogeographie des mitteleuropäischen Oberjuras

Zu Beginn des Oberjuras wird im Bereich des Tethys-Nordschelfs der südliche, mediterrane Ablagerungsraum durch die
Heraushebung der Mitteldeutschen Festlandsschwelle vom nördlichen, borealen Meeresbereich getrennt. Im Osten begrenzt
das Böhmische Massiv den marinen Ablagerungsraum. Im Bereich von Süddeutschland „verschwand“ das vindelizische
Land, verbunden mit einer großflächigen Öffnung zur zentralen Tethys (vgl. ZIEGLER 1990).

Oxfordium

Die oxfordischen Gesteine von Lothringen und Istein wurden auf einem zusammenhängenden Schelfmeerbereich
abgelagert. Der Einsatz von Korallenwachstum bezeugt die Ausbildung einer flachmarinen Karbonatplattform im
8

Laufe des Mitteloxfordiums (LEINFELDER et al. 1996). Die nächsten Festländer waren im N (ca. 100-150 km) das
Rheinisch-Ardennische Massiv, im S das französische Zentralmassiv. Nach S bis SE erfolgt der Übergang in die
Sedimente des Schweizer Juras, die nach S bis SE in Schelfhangablagerungen und schließlich pelagische Faziestypen
(Helvetisches Becken, Quintner Kalk) übergehen. Im Mittel- bis Oberoxfordium sind im Bereich des Französischen
und des Schweizer Juragebirges häufig und großflächig Korallenkalke ausgebildet (BOLLIGER & BURRI 1970).
Pflanzenfunde und kleinräumige Kohlebildungen innerhalb der Gesteine des nordostfranzösischen- und
schweizerischen Mittel- bis Oberoxfordiums bezeugen zahlreiche kleine Inseln (BARALE 1981, GYGI 1969). Im NW
von Lothringen folgen im Mitteloxfordium korallenriffhaltige Ablagerungen des nordwestlichen Pariser Beckens und
Englands mit randmarinen Faziesräumen in den nördlichsten Bereichen. In benachbarten Norddeutschland wird ein
Küstenbereich durch flachmarine, oolithische, später brackische, stark festländisch beeinflußte Sedimente
dokumentiert, im Oberoxfordium sind jedoch auch Korallenriffe ausgebildet (BERTLING 1993a). Im E von Lothringen
befindet sich der tiefermarine Ablagerungsraum des schwäbisch-fränkischen Juras mit kalkig-mergeligen und
schwammfaziellen Gesteinen.

Abb. 1: Paläogeographie des Oberjuras von Westeuropa (nach INSALACO et al. 1997)

Kimmeridgium

Im Laufe des Kimmeridgiums sind im Bereich von Frankreich und der Schweiz flachmarine Karbonate, teilweise mit
kleineren Riffkörpern, entwickelt. Im Bereich von England sind flachmarine (Osmington Oolithe) bis tiefermarine
(Kimmeridge Clay), im Bereich von Norddeutschland flach- bis randmarine Ablagerungsräume vorhanden. Im Bereich
des Schwäbischen Juras herrscht weiter eine tiefermarine Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazies vor Im Verlauf des
Oberen Kimmeridgium treten v.a. im Ostteil fleckenhaft korallenhaltige Flachwassersedimente hinzu. Im nordöstlich
benachbarten fränkischen Jura, erfolgt der Einsatz von Korallenwachstum etwas früher als im schwäbischen Oberjura
(Mitteloxfordium bis Untertithonium; MEYER 1977, SELG & WAGENPLAST 1990). Das Wachstum von Riffkorallen
beginnt hier im südlichen Bereich des Ablagerungsraumes unter Bedeckung immer größerer Areale. Nach S gehen die
Sedimente des schwäbisch-fränkischen Juras allmählich in die pelagische Fazies des Helvetikums (Quintner-Kalk) über.

Klimatische Verhältnisse

Das weltweite Wachstum von Korallenriffen im Oberjura ist, entsprechend heutiger Riffe, allgemein Anzeiger für
warme, tropische bis subtropisches Meere von großer Ausdehnung (DELFAUD 1979, LEINFELDER 1994b, LETHIERS
9

1998). Unterstrichen wird dieser Befund durch die große Verbreitung von faziell heutigen tropischen Bereichen
vergleichbaren karbonatischen Flachwassersedimenten, insbesondere auch von Korallenriffen (Korallenriffe im
Oberjura bis ungefähr 50° nördliche und 60° südliche Breite; LEINFELDER pers. Mittlg.). BILL et al. (1995) vermuten
Wassertemperaturen für den Oberjura , die bis 10° C über den heutigen liegen. Insbesondere der im Vergleich zu
heute bis 150 m höhere Meeresspiegel fördert ein warmes, ausgeglichenes Weltklima ohne polare Vereisung und mit
Warmwassereinfluß bis in Paläobreiten von über 40° (STANLEY 1989, LEINFELDER 1994b). Eine Rekonstruktion des
oberjurassischen Klimas führt LEINFELDER (1993a) durch. LETHIERS (1998) stellt die oberjurassischen Sedimente des
nordfranzösischen Ablagerungsbereiches in nördliche Breiten zwischen 30 und 35°. Die Riffbereiche von Istein und
Arnegg befanden sich, entsprechend der heutigen geographischen Lage, wenig südlich des nordfranzösischen
Ablagerungsbereiches (vgl. ZIEGLER 1990). Neben der weiten Verbreitung von Korallenriffen bezeugt die Mischung
biogeographischer Faunenprovinzen (z.B. boreale und tethydische Ammonitenfaunen) und das Vorkommen typisch
arider Landfloren (STANLEY 1989; vgl. Kap. 4.3.13) das Vorhandensein eines ausgeglichenen warm-ariden Klimas.
Für das Oxfordium und Kimmeridgium wird für große Teile des zentralen Mitteleuropas weitgehend arides, z.T.
monsunales Klima angenommen (BARALE 1981, WEISSERT & MOHR 1996, HALLAM 1993). GYGI & PERSOZ (1986),
LEINFELDER (1993b) und NOSE (1995) und PITTET & DUPRAZ (1995) weisen auf teilweise humidere Verhältnisse hin.
Die verbreitete Ablagerung von tonigen Sedimenten im Kimmeridge (u.a. Kimmeridge-Clay in England,
Zementmergel der Schwäbischen Alb) ist ebenfalls im Zusammenhang mit klimatischen Änderungen (zunehmend
humides Klima nach POMEROL et al. 1980 und DUGUE 1987) zu sehen.

1.4 Allgemeine Übersicht über die Verbreitung und die Zusammensetzung oberjurassischer Riffe

Der Obere Jura zählt in Bezug auf das Vorhandensein von Riffen zu den bedeutendsten Zeitabschnitten der
Erdgeschichte. Nach TURNŠEK (1997) zeigen oberjurassische Riffgemeinschaften bis zum Ende des Kimmeridgiums
durchgehend gute Bedingungen für Riffwachstum an. Riffe entstanden v. a. auf dem passiven Tethys-Nordschelf,
aber auch entlang der Riftzonen des Protoatlantiks und dessen randlicher Ausläufer (z.B. Zentralportugal, N-
Deutschland, S-England), vereinzelt auch im pazifischen Bereich (S-Argentinien, Japan; LEINFELDER et al. 1994). Es
treten neben Korallen v.a. mikrobielle Matten und Kieselschwämme als Hauptriffbildner auf (LEINFELDER 1994b,
LEINFELDER et al. 1994, NOSE 1995, INSALACO 1996b, KRAUTTER 1997, STANLEY 1997; vgl. Kap. 4.2). Flache
Meeresbereiche werden entsprechend heutigen Verhältnissen von Korallen als Hauptriffbildner dominiert, während
tiefere Bereiche von Schwämmen geprägt werden. Mikrobielle Krusten sind durchgehend verbreitet. Selten sind
Solenoporaceen (HELM & SCHÜLKE 1998, NOSE 1995), Austern (GEISTER & LATHUILIÉRE 1991, SCHMID 1992) und
Brachiopoden (z.B. Lacunosa-“Stotzen“ der Schwäbischen Alb; LEINFELDER et al. 1996) als Riffbildner zu
beobachten. Sämtliche Riffbildner treten je nach Umweltbedingungen in wechselnden Assoziationen, Sukzessionen
oder auch monospezifisch auf.
Riffbildende Korallen gediehen im Oberjura, entsprechend heutiger Vorkommen, v.a. in warmen tropischen Flach-
meerbereichen äquatornaher Breiten. Oberjurassische Riffvorkommen im heutigen England, in Norddeutschland oder
in Chile zeigen, bei einer geographischen Verbreitung von ungefähr bis 50° nördlicher und 60° südlicher Breite, eine
deutliche größere Entfernung zum Äquator als heutige Riffe (s.u.). Die für den Oberjura ermittelten klimatischen und
chemisch-physikalischen Rahmenbedingungen des Riffwachstum sind, gestützt durch palökologische und fazielle
Befunde, mit denjenigen heutiger Riffumwelten vergleichbar, es bestehen jedoch bemerkenswerte Unterschiede
(LEINFELDER et al. 1994, 1996; NOSE 1995; vgl. Kap. 6).
Riffbildende Korallen erreichten, nach einer Austerbephase (~ 4-10 Ma) an der Grenze Trias/Jura und einer
folgenden, starken adaptiven Radiation, im Oberjura mit ungefähr 150 Gattungen (BEAUVAIS et al. 1980) und 600
Arten (GEYER 1957) ihre erste Blütezeit. Die Armut an Korallen und Riffstrukturen im frühen Unterjura ist
vermutlich durch das weitgehende Fehlen von Riffbildnern und die geringen, stark siliziklastisch beeinflußten
10

Schelfflächen begründet (LEINFELDER 1994b). Im Mittleren Jura nimmt das Riffwachstum offensichtlich aufgrund
der Zunahme geeigneter Schelfflächen und der fortschreitenden Entwicklung der Riffkorallen deutlich zu (BEAUVAIS
et al. 1980, GEISTER 1989). Im Oxfordium und Kimmeridgium setzt bei allgemein hohen Meeresspiegel und der
damit verbundenen Bildung ausgedehnter Schelfflächen großflächig Riffwachstum ein (LEINFELDER et al. 1996).
Aufgrund der, im Vergleich zu heutigen Situation, größeren Meeresfläche und dem damit verbundenen
ausgeglicheneren und wärmeren Klima, erreichte die geographische und polwärtige Ausdehnung von Korallenriffen
hierbei größere Werte als heute. Das Aufbrechen von Pangäa (Öffnung des Protoatlantiks) am Ende der Trias und die
damit ermöglichte erdumspannende Zirkulation begünstigte zusätzlich die starke Ausbreitung von Riffkorallen
(STANLEY 1991). Der mit dem steigenden Meeresspiegel verbundene Rückgang der Festlandflächen und die schwache
tektonische Aktivität des passiven nördlichen Tethysschelfes bedingten schließlich einen, das Riffwachstum
begünstigenden, generellen Rückgang der Sedimentationsraten. Es lassen sich, entsprechend heutigem Riffprovinz-
ialismus, drei oberjurassische Riffprovinzen rekonstruieren: nordtethydische, südtethydische und asiatische Provinz.
Eine Übersicht über die Verteilung oberjurassischer Rifftypen geben LEINFELDER (1994b), LEINFELDER et al. 1996
und INSALACO et al. (1997). Für weitere Korallenriffvorkommen des Tethys-Nordrandes sei exemplarisch auf
folgende Arbeiten verwiesen: Schwäbisch-Fränkischer Jura: BARTHEL et al. (1971), MEYER (1977), KEUPP et al.
1990, BRACHERT 1992; Iberische Halbinsel: ROSENDAHL (1985), ERRENST (1990a, b), LEINFELDER (1994a), NOSE
(1995); Französischer Jura: BERNIER (1984), MEGNIEN et al. (1970), FOOKES (1995) Schweizer Jura: PÜMPIN &
WOLTERSDORF (1965), GYGI (1969, 1992); Norddeutschland: BERTLING (1993a), England: HALLAM (1975) SUN &
WRIGHT (1998); Polen: RONIEWICZ (1966), MATYSZKIEWICZ (1993); Balkan: TURNŠEK (1972, 1997); Rumänien:
HERMANN (1994) und Tschechien ELIAS & ELIASOVA (1984).

1.5 Regionale Geologie der Arbeitsgebiete

1.5.1 Ostfrankreich/Lothringen

Erforschungsgeschichte

Erste grundlegende Arbeiten zur Stratigraphie und Fazies der mitteloxfordischen Schichten von Lothringen aus dem
letzten Jahrhundert und der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts sind von BUVIGNIER (1852), WOHLGEMUTH (1883),
CORROY (1931) und HOFFET (1933) zu nennen. Nachfolgend sind in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts fazielle
und stratigraphische Untersuchungen der historischen Stufen „Oxfordien“, „Argovien“, „Glypticien“, „Lusitanien“
und „Séquanien inferieure“ der Region Meuse von MAUBEUGE (1951, 1953) und LAUGIER (1957) erwähnenswert (s.u.).

Historische lithostratigraphische Einheiten


Bezeichnung
sublithographische Kalke
„Sequanien“ "Oolithe de la Lamotte"
sublithograph. Kalke mit Mergellagen und Lumachellen

„Rauracien“ sublithographische Kalke


oolithische Kalke und Riffe
graublaue Kalke mit Korallen, oolithische Kalke, Echin. kalke
„Argovien“
und sublithographische Kalke

"Terrain à Chailles"
„Oxfordien
kieselige Kalke und sandige Mergel

Abb. 2: Historische Gliederung des Oxfordiums in Lothringen in die lithostratigraphische Pseudostufen „Oxfordien", „Argovien",
„Rauracien" und „Sequanien" (nach BEAUVAIS 1964 und HILLY & HAGUENAUER 1979).
11

Die historischen Stufennamen stehen hierbei für fazielle Ausbildungen der heutigen Oxfordium-Stufe (genaue
Erläuterung bei BEAUVAIS 1964; vgl. Abb. 2). Eine fazielle, stratigraphische und paläogeographische Übersicht über
den gesamten korallenführenden Oberjura des Östlichen Pariser Beckens (und die angrenzenden Gebiete der
Nordschweiz und Württemberg), unter Berücksichtigung der Korallenfauna, gibt BEAUVAIS (1964). Eine regionale
Übersicht gegen HILLY & HAGUENAUER (1979) sowie GEISTER & LATHUILIÉRE (1991) mit örtlichen Aufschluß-
und Faziesbeschreibungen. ENAY & BOULLIER (1981) führten anhand von Ammonitenfaunen eine stratigraphische
Einordnung der mitteloxfordischen Gesteine entlang des Meusetals durch (vgl. Abb. 5). Die oxfordische
Korallenfauna von Lothringen im Bereich des Meusetales wurde schon früh, insbesondere durch die ausführliche
Bearbeitung der Fauna von St. Mihiel durch MICHELIN (1840-1843), beschrieben. Erst BEAUVAIS (1964) beschreibt
und bearbeitet nachfolgend im Rahmen einer überregionalen Bearbeitung des Oberen Juras die Korallenfauna im
Bereich von St. Mihiel bis Verdun teilweise wieder, u.a. auch schon unter palökologischen Gesichtspunkten. GEISTER
& LATHUILIÉRE (1991) geben eine fazielle Übersicht verbunden mit palökologischen Interpretationen der
oxfordischen Korallenvorkommen im Bereich des Meusetales (Raum um Commercy) mit eigenen örtlichen
Korallenfaunenbestimmungen.

Übersicht der oxfordischen Ablagerungen von Nordost-Frankreich

Zu Beginn des Oxfordiums lagerten sich in Ostfrankreich tonige Gesteine und Mergel ab, die Argilles de Woëvre
oder Woëvre-Formation (vgl. GYGI 1969, 1986; ENAY et al. 1980; vgl. Abb. 5). In Lothringen liegt die Basis des
Oxfordiums im jüngeren Teil der Argilles de Woëvre, die hier eine bis zu 170 m mächtige, tonig-mergelige
Schichtfolge aufbauen, mit nach oben zunehmender Einschaltung von Kalkbänken (GEISTER & LATHUILIÉRE 1991).
Die Mächtigkeit nimmt von Norden (Ardennen) nach Süden (Lothringen) zu. Im Hangenden folgen dann im Laufe
des Unteren Oxfordium die Argilles à Chailles, eine 15-40 m mächtige, gebankte Wechselfolge aus knolligen, oft
leicht sandigen und muschelreichen Kalken und grauen, leicht sandigen Tonen und Mergeln. Die Kalke enthalten eine
reiche Mollusken- und Ammonitenfauna sowie bereichs- und lagenweise eine große Anzahl von konkretionären
Kieselknollen. In NE (Ardennen) sind die Argilles à Chailles durch kieselsäurereiche Kalke vertreten. Nach Süden
zeigen sich vermehrt kondensierte Ablagerungen oder Schichtlücken (BEAUVAIS 1964). Im Süden Frankreichs, von
der Region Poitou in Südwestfrankreich bis an das Marnetal in Ostfrankreich, fehlen die Gesteine des
Unteroxfordium allgemein. Die Schichten des Oxfordiums setzen hier heterochron mit flachmariner Fazies auf einer
callovo-oxfordischen Diskontinuitätsfläche ein. Im Französischen- und im westlichen Schweizer Jura ist das Untere
Oxfordium stark reduziert oder fehlt gänzlich. Im Grenzbereich Unteres/Mittleres Oxfordium findet sich in Ost- und
Südfrankreich eine Ommisionsfläche mit großer regionaler Ausdehnung (POMEROL et al. 1980, GABILLY et al. 1985).
Diese Fläche grenzt im Bereich zwischen den Ardennen im N und dem Marnetal im S, tiefmarine,
kieselknollenführende und ammonitenhaltige Gesteine im Liegenden von korallenfaziellen oder anderen
flachmarineren Gesteinen im Hangenden ab. Das Alter des Liegenden ist heterochron, von ältestem Plicatilis-Chron
im N (Ardennen) bis ins jüngere Plicatilis-Chron nach Süden (ENAY & BOULLIER 1981). Im Bereich des Meusetals
folgen die korallenfaziellen und rifführenden Ablagerungen der „Formation récifale de Lorraine“ („Lothringer
Korallenriff-Formation“; s.u.), die im Bereich der Ardennen vergleichsweise geringmächtig ausgebildet sind und nur
bereichsweise Riffbildung aufweisen (BEAUVAIS 1964, BERTLING & INSALACO 1998). Im SE, im Bereich südlich der
Vogesen und des nördlichen Französischen Juras folgen im Mitteloxfordium, ähnlich der Abfolge von Lothringen,
korallenfazielle Gesteine mit der Aufeinanderfolge zweier strukturell und kompositionell unterschiedlicher
Riffniveaus (BEAUVAIS 1964; s.u.). Daran südlich anschließend findet der Übergang in die flachmarinen,
mitteloxfordischen Ablagerungen des Schweizer Juras statt. Weiter im Süden, in der Bourgogne (mit der Hauptstadt
Dijon), sind im Mitteloxfordium tiefermarine Schwammkalke und mikritisch-mergelige Kalke in enger Nachbarschaft
ausgebildet. Örtlich sind Korallenkalke entwickelt (MEGNIEN et al. 1970, DEBRAND-PASSARD et al. 1980). Das
Mitteloxford wird großräumig von Diskontinuitätsflächen abgeschlossen (ENAY & BOULLIER 1981). Im folgenden
12

Oberoxfordium zeigt sich ein allgemeiner Zuwachs an mikritischem Sediment, mit z.T. bioklastischer, oolithischer
oder onkolithischer Ausprägung. Nur örtlich ist noch Korallen- oder Riffwachstum zu beobachten (DEBRAND-
PASSARD et al. 1980, LATHUILIÉRE mündl. Mittlg.).

Regionale Übersicht der oxfordischen Ablagerungen von Lothringen

Der französische Teil des Untersuchungssgebiets liegt im NE Frankreichs in der Region Lorraine (Departements Meuse,
Haute Marne; vgl. Abb. 9), strukturell zugehörig zum Schichtstufenland des Pariser Beckens. Im Bereich einer
Schichtstufe (Côte de Meuse) und der westlich folgenden Schichtfläche streichen großflächig oberjurassische Kalke des
Oxfordiums aus. Der Grenzbereich Callovium/Oxfordium liegt im jüngsten Teil der Woëvre-Formation (vgl. Abb. 3 u.
5). Die klastische Woëvre-Formation zeigt Schüttungsrichtungen aus N, belegt durch nach Süden abnehmende
Mächtigkeiten. Im Laufe des Unteren Oxfordiums folgen die ammonitenführenden Argilles á Chailles (s.o.). In Nord- und
Ostlothringen folgen auf die Argilles à Chailles Eisenoolithe (Oolithe ferrungineuse), Mergel und mergelige Kalke
(Calcaires d´Ornes), mit der allgemeinen Zunahme des Kalkgehaltes nach Süden hin. Im S folgt, getrennt durch eine
regionale Diskontinuitätsfläche, die „Formation récifale de Lorraine“ (Lothringer Riff-Formation), die aus zwei faziell und
strukturell unterschiedliche Riffeinheiten zusammengesetzt ist (Debrand-Passard et al. 1980, GEISTER & LATHUILIÉRE
1991). In der vorliegenden Arbeit wird für korallenführenden Kalke des Oxfordiums im Bereich der

Abb. 3: Schematische Faziesverteilung der oxfordischen Meuse-Formation entlang des Meusetals zwischen Foug- und
Haudainville.
Departements Meuse (Dieue, Foug, Haudainville, Lay St. Martin, Lerouville, Pagny sur Meuse, St. Mihiel, Sorcy)
und Meurthe-et Moselle (Euville, Aprèmont la Forêt, Senonville, Boncourt), aufgrund des vorwiegenden Austriches
der Formation im Bereich des Meusetals, der Name Meuse-Formation eingeführt. Die Basis der Formation bilden die
ammonitenführenden Argilles á Chailles. Die Obergrenze der Formation ist uneinheitlich und wird durch das Einsetzen
gebankter, mikritischer bis onkoidischer Faziestypen ohne Korallenführung definiert. Eine ausführliche Beschreibung der
geographischen Verbreitung und der Lithologie der Meuse-Formation erfolgt in den Kapitel 2 und 3. Die untere rund 8-9 m
mächtige Einheit („Complexe récifal inférieur” bzw. „Unterer Riffkomplex”, in der Folge kurz URK bezeichnet) setzt mit
großflächigen tonig-mergeligen, später kalkigen, biostromalen Korallenriffen ein. Es folgt, örtlich getrennt durch bis zu 20
13

m mächtige linsenförmige Crinonoidensande, der „Complexe récifal supérieur“ („Oberer Riffkomplex”, in der Folge kurz
als ORK bezeichnet). Die 10-25 m mächtigen Ablagerungen des ORK von Lothringen weisen eine deutlich fleckenhafte
Verteilung von Faziestypen und Riffkörpern in seitlicher und zeitlicher Abfolge auf. In den Bereichen zwischen Verdun
und St. Mihiel bzw. St. Mihiel und Commercy sind mikritdominierte Kalke (z.B. Calcaire de Criëue bei Sorcy Gare)
vorhanden, die teilweise Ammoniten aufweisen. Diese mikritische Fazies läßt regional eine Anordnung in drei SW-NE
verlaufende Zonen erkennen (vgl. GEISTER & LATHUILIÉRE 1991). In der Umgebung von St. Mihiel zeigen die
Korallenkalke besonders große Mächtigkeiten bis 40m (BEAUVAIS 1964). Die jüngsten Gesteine des ORK sind örtlich
(Rognon-/Marnetal, Bereich St. Mihiel) oolithisch-onkoidisch ausgebildet. Im Bereich nördlich von Chaumont (Marnetal)
erfolgt der Übergang von flachmarinen, korallenhaltigen in tiefmarine Faziesbereiche (HILLY & HAGUENAUER 1979,
GEISTER & LATHUILIÉRE 1991). Abgeschlossen wird die Riffentwicklung durch mehrere Dekameter mikritischer Kalke,
mit örtlich biodetritischen oder oolithischen Lagen sowie u.a. Diceraten und Nerineen. Die Grenze zum Oberoxfordium
bildet bereichsweise ein Hartgrund (ENAY & BOULLIER 1981). Die Mächtigkeit der gesamten Formation beträgt zwischen
100 bis 150 m (opt. cit.).

Stratigraphie

In Lothringen liegt, bezeugt durch Ammonitenfaunen, die Basis des Oxfordiums im jüngsten Teil der Argilles de Woëvre
(GEISTER & LATHUILIÉRE 1991). Die anschließenden Argilles à Chailles beinhalten die Grenze
Unteroxfordium/Mitteloxfordium (Abb. 3 u. 5 ). In den jüngsten Abschnitten der Argilles à Chailles sind Ammonitenfaunen
enthalten, die nach ENAY & BOUILLIER (1981) typisch für das früheste Plicatilis-Chron des Mittleren Oxfordiums sind. Die
Obergrenze der Argilles à Chailles kann hierbei auf das Antecedens-Subchron innerhalb des Plicatilis-Chrons eingeengt
werden. Aufgrund dieser Verhältnisse ist der, der Diskontinuitätsfläche nachfolgende, Einsatz der korallenhaltigen Gesteine
der Meuse-Formation im den zeitlichen Verlauf des Plicatilis-Chrons bis in das unterste Transversarium-Chron anzusetzen.
Die orthostratigraphische Einordnung der Meuse-Formation wird durch das weitgehende Fehlen von Ammoniten in den
flachmarinen Korallenkalken erschwert. In den mikritisch dominierten Bereichen innerhalb des Riffkomplexes (z.B.
Calcaire de Criëue) und in die Formation abschließenden mikritischen Kalken (vgl. Kap. 4.2.1) sind Ammoniten jedoch
verbreitet und zeigen allgemein das Transversarium-Chron als Ablagerungszeitraum an. Ammonitenfunde direkt über den,
die mikritischen Kalke örtlich überlagernden Diskontiniutätsflächen, dokumentieren bereits das Bifurcatus-Chron
(Oberoxfordium) als Ablagerungszeitraum (ENAY & BOULLIER 1981).

1.5.2 Südbaden/Isteiner Klotz

Erforschungsgeschichte

Unter wenigen Arbeiten über die oberjurassischen („Oxfordium“, „Rauracien“ und „Sequanien“; vgl. Abb. 2)
Gesteine des Isteiner Klotzes sind die grundlegenden Beschreibungen von Stratigraphie und Fazies von MIEG (1895)
und HUG (1897) zu erwähnen. Vor allem HUG (1897) veröffentlichte umfassende Fossillisten und -beschreibungen.
Nach kürzeren Beschreibungen, meist im Rahmen von geologischen Kartierungen (SAUER 1952, WITTMANN 1952,
SCHNARRENBERGER 1985) beschreibt letztmals KABELAC (1955) die Faziesabfolge und Lithologie der Korallenkalke
des Isteiner Klotzes umfassender.

Geologischer Überblick des Isteiner Oberjuras

Bei dem heute geographisch isolierten Oberjura-Vorkommen des Isteiner Klotzes im südlichen Rheintal handelt es
sich um eine 170 km2 große Grabenbruchscholle an der Ostschulter des Oberrheintalgrabens (Abb. 11). Die ältesten
14

Abb. 4: Stratigraphie und Faziesabfolge der Istein-Formation am Isteiner Klotz (Baden-Württemberg, Markgräfler Land).
A : historische Einteilung; B: Einteilung in dieser Arbeit.

Gesteine stellen unteroxfordische Tonmergel-Mergel-Wechselfolgen, die sogenannten Pholadomyen-Mergel (nach


Pholadomya exaltata), die faziell und stratigraphisch den Argilles à Chailles des Schweizer und Nordostfranzösischen
Oberjuras ähneln (vgl. HUG 1897, KABELAC 1955, SCHAD et al. 1955; vgl. Abb. 4). Charakteristisch sind Lagen und
Horizonte von konkretionären „Kalkknollen“ (KABELAC 1955). Mit scharfer Grenze folgen im Hangenden dann
großflächig verbreitete, korallenfazielle Gesteine. Diese beginnen durchgehend mit 4-6 m mächtigen, mergeligen
Korallenbiostromen, den „Thamnastreen-Mergeln“ (nach Thamnasteria arachnoides HUG 1897, die heute zur Gattung
Fungiastrea eingeordnet wird – deshalb im Folgenden als Korallenmergel bezeichnet), die im Laufe der Ablagerung
zunehmend in kalkige Riffgesteine des Korallenkalks übergehen („Thamnastreen-Kalk“ nach HUG 1897; im Folgenden als
Korallenkalk bezeichnet). Der ca. 40 m mächtige Korallenkalk zeigt im zeitlichen Verlauf der Ablagerung einen Übergang
von großflächigen Korallenkalken in zunehmend uneinheitlichere, kleinräumige Riffkörper (KABELAC 1955).
Abgeschlossen wird die jurassische Folge des Isteiner Klotzes von dichten mikritischen Kalken („Brachiopodenkalke“ nach
HUG (1897); „Splitterkalke“ nach KABELAC (1955). In der vorliegenden Arbeit wird für die korallenführenden Kalke im
Bereich des Isteiner Klotzes der Name Istein-Formation eingeführt. Die Basis der Formation bilden die
ammonitenführenden Pholadomyen-Mergel. Die Obergrenze der Formation ist uneinheitlich und wird durch das Einsetzen
gebankter, mikritischer bis onkoidischer Faziestypen ohne Korallenführung definiert. Die Hangendgrenze ist bereichsweise
als deutliche Diskontinuitätsfläche ausgebildet (vgl. Kap. 2.2.3). Eine ausführliche Beschreibung des Ausstriches und der
Lithologie der Istein-Formation erfolgt in den Kapitel 2 und 3 dieser Arbeit.

Stratigraphie (Abb. 4 u. 5): Funde von Cardioceras cordatum in den basalen, Kieselknollen führenden Pholadomyen-
Mergeln durch HUG (1897) stellen diese Gesteine in das obere Unteroxfordium (Abb. 4). Die genaue orthostratigraphische
Einordnung der hangenden Korallenkalke ist durch das fast vollständige Fehlen geeigneter Leitfossilien schwierig. Vor
allem aufgrund der Position über den Pholadomyen-Mergeln und vereinzelten Funde von Perisphincten (KABELAC 1955)
werden sie in das untere bis obere Mitteloxfordium gestellt. Für die mikritischen Abschnitte direkt im Hangenden der
Korallenkalke ist eventuell schon ein oberoxfordisches Alter denkbar („Sequanien“ nach HUG 1897; vgl. auch KABELAC
(1955)). Die Gesteine sind im Bezug auf Stratigraphie und Faziesabfolge den unter- bis mitteloxfordischen Gesteinen des
benachbarten Schweizer und Französischen Oberjuras ähnlich (vgl. GYGI 1969). Vergleichbare Gesteine in „Raurazischer
Fazies“ finden sich 20 km S im Bereich der Blauenkette des nördlichen Schweizer Jura (BITTERLI 1945).
15

Abb. 5: Stratigraphische Übersicht und Vergleich der oxfordischen Korallenfazies von Lothringen und des Isteiner Klotzes.

1.5.3 Schwäbische Alb

Erforschungsgeschichte

Grundlegende Arbeiten über den gesamten Schwäbischen Jura stammen von QUENSTEDT (1843, 1855-1858) und OPEL
(1856-1858). Neben weiteren Übersichtsarbeiten folgten vermehrt Arbeiten die sich auf die oberjurassischen Schichten
beschränkten. Nach BERCKHEIMER (1919) führte ROLL (1931) eine grundlegende Bearbeitung und Gliederung des
Schwäbischen Oberjuras durch. Die Stratigraphie und Faziesverteilung des Schwäbischen Oberjuras ist Gegenstand vieler
folgender Arbeiten (u.a. ALDINGER 1945, HUMMEL 1960, HILLER 1964b). GWINNER (1962, 1976) gibt eine umfassende
Übersicht über den damaligen Kenntnisstand der Forschung. WAGENPLAST (1970) führte eine umfassende ökologisch-
fazielle Untersuchung der „Bank- und Schwammfazies“ durch. GEYER & GWINNER (1984) bieten eine umfassende
Beschreibung des gesamten Schichtfolge des Schwäbischen Juras. Neuere Arbeiten zur Schwammfazies stammen von
KEUPP et al. (1990) und KOCH (1994 in LEINFELDER et al. 1994). SELG & WAGENPLAST (1990) geben eine allgemeine
Übersicht über Faziesräume und Ökologie des Oberjuras der Schwäbischen Alb. In jüngster Zeit erarbeitete SCHWEIGERT
(1993a, b; 1996b) mit Ammonitenfaunen ein hochauflösende biostratigraphische Gliederung des Oberen Kimmeridgiums.
Korallenfazies: Erste und grundlegende Beschreibungen der Korallenfauna des Schwäbischen Oberjuras stammen aus dem
letzten Jahrhundert, von GOLDFUSS (1826-1833), QUENSTEDT (1843, 1855-1858) und BECKER & MILASCHEWITSCH (1875-
76). GEYER (1954) führte in der Folge eine umfassende systematische Bearbeitung der Korallenfauna durch, die in jüngster
Zeit von LAUXMANN (1991) einer teilweisen Revision unterzogen wurde. Die Zahl der insgesamt beschriebenen Arten
beziffert GEYER (1954) mit 150 für den gesamten Schwäbischen Jura. Erwähnenswert ist, das alle diese Arbeiten zur
Korallenfauna des Schwäbischen Oberjuras auf der Grundlage von Sammlungsmaterial durchgeführt wurden. PAULSEN
(1963) bearbeitete den Arnegger Riffkomplex erstmals grundlegend. Der Schwerpunkt lag hierbei vor allem auf
sedimentologischen und strukturellen, aber auch auf faunistischen und ökologischen Gesichtspunkten der Riffauna. Eine
Zusammenstellung und Beschreibung weiterer Riffbesiedler und Riffbewohner der Korallenriffe des schwäbischen
Oberjuras ist bei LAUXMANN (1991) und LAUXMANN et al. (1992) nachzulesen.
16

Abb. 6: Verbreitung des Oberjuras im Bereich der Schwäbische Alb mit Lage des Arnegger Aufschlußbereichs

Allgemeine Übersicht der Faziesverteilung und Faziesabfolge des Schwäbischen Oberjuras

Die Gesteine des Schwäbischen Jura sind im Bereich der heutigen Schwäbischen Alb, einem ungefähr 180 km in SW-
NE-Richtung langgestreckten Mittelgebirge, erhalten (Abb. 6). Während die Gesteine des Unteren und des Mittleren
Juras am Steilabfall (dem sogenannten Albtrauf) des Mittelgebirges nach NW nur einen vergleichsweise schmalen
Ausstrich zeigen, nehmen oberjurassische Gesteine einen Großteil der Gesamtfläche des Mittelgebirges von
annäherungsweise 5000 km2 ein. Die karbonatischen Gesteine des Schwäbischen Oberjuras lagerten sich im Bereich
des Tethys-Nordschelf in Form von Kalken bis Mergeln auf einer, im wesentlichen nach S mit insgesamt wenigen
Grad einfallenden Karbonatrampe ab (SELG & WAGENPLAST 1990, BRACHERT 1992, LEINFELDER et al. 1994). Die
Abfolge ist aufgebaut aus einem seitlichen und zeitlichen Wechsel von gebankten, ammonitenreichen Kalk-Mergel-
Wechselfolgen („Bankfazies“) und massigen Riffkalken („Massenkalkfazies“). Nach anfänglich einheitlicher
Bankfazies zu Beginn des Oberjuras bildeten sich im Unteren Oxfordium, in Wassertiefen unterhalb der
Sturmwetterwellenbasis, örtlich erste Kieselschwamm-Mikrobolith-Riffkörper („Lochenfazies“), die sich
anschließend allmählich über die Fläche des Schwäbischen Juras ausbreiteten (KRAUTTER, mündl. Mittlg.). Im
Mittleren und Oberen Kimmeridgium erreichten die Kieselschwamm-Mikrobolith-Riffkörper schließlich ihre größte
Ausdehnung und die riffreie Bankfazies wurde auf wenige Bereiche zurückgedrängt. Nach einem deutlichen
Rückgang der Kieselschwamm-Mikrobolith-Riffe im jüngsten Kimmeridgium kam es v.a. im östlichen Teil des
Schwäbischen Juras im Zuge der Verflachung des Ablagerungsraumes weitverbreitet zum Einsetzen von
Korallenwachstum und bereichsweise zur Bildung bioklastischer Faziestypen (GEYER & GWINNER 1991,
SCHWEIGERT 1996). Die historische Gliederung mit der Verbindung Lithostratigraphie und Chronostraigraphie erwies
sich biostratigraphisch als unstimmig und wurde deshalb in neuerer Zeit durch eine rein lithostratigraphische
Gliederung ersetzt (vgl. SCHWEIGERT 1995, Abb. 7). Die Sedimentation beginnt im Oxfordium mit mergeligen
Ablagerungen (Impressamergel-Formation), die im Laufe der Stufe immer kalkiger wird (Wohlgeschichtete Kalk-
Formation). Im höheren Bifurcatus-Chron des Oberoxfordiums setzt bereichsweise, im Bimammatum-Chron
weitverbreitet, das Wachstum von Kieselschwamm-Mikrobolith-Boundstones (Lochen-Schwammkalk-Formation)
auf einem Schwellenbereich mit herabgesetzten Sedimentationsraten ein (KRAUTTER 1995, SCHWEIGERT 1995). Dies
leitet die folgende fazielle Zweiteilung des Ablagerungsraumes in eine klastische Bankfazies und riffartige
Massenkalkfazies bzw. Massenkalk-Formation ein. Die erhöhten Sedimentationsraten der Massenkalke führen im
Laufe der Zeit zu ausgeprägten Reliefunterschieden mit einer zunehmend kuppenförmiger Topographie des
Ablagerungsraumes. Innerhalb der Massenkalk-Formation wird weiter in eine Obere- und Untere Massenkalk-
17

Formation unterschieden (vgl. SCHWEIGERT 1996). Das Kimmeridgium setzt mit der kalkmergelreichen
Lacunosamergel-Formation ein, gefolgt von kalkigen Formationen (Untere- und Obere Felsenkalk-Formation), die
über den gesamten Ausstrich der Schwäbischen Alb flächenmäßig immer mehr von Massenkalken zurückgedrängt
werden (s.o.). KOCH et al. (1994) weisen auf einen, zumindest örtlich hohen Anteil von Kalksanden am Aufbau dieser
oberjurassischen Massenkalke hin und vermuten flachere Ablagerungstiefen des inneren Rampenbereiches. GWINNER
(1962) gibt für die Zeit der größten flächenhaften Ausdehnung der Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazies maximale
submarine Höhenunterschiede von 120 m, TEMMLER (1967) von 150 m an. Im Oberen Kimmeridgium geht die
Verbreitung der Massenkalke wieder zurück und es folgen lithofaziell uneinheitliche Ablagerungen eines immer
flacheren Ablagerungsraumes (WAGENPLAST 1970, LEINFELDER et al. 1993), mit vielfältigen seitlichen und vertikalen

Abb. 7: Stratigraphie und schematische Faziesverteilung des älteren Kimmeridgiums und des jüngsten Tithonium des schwäb-
ischen Oberjuras.(verändert nach SCHWEIGERT 1996).

Faziesübergängen (vgl. SCHWEIGERT 1996; Abb. 7). Diese Faziesverzahnungen führten aufgrund der historisch
vorwiegend lithostratigraphisch begründeten zeitlichen Zuordnung der einzelnen Vorkommen zu erheblicher
Konfusion bei der räumlichen Rekonstruktion der Ablagerungsräume (vgl. SCHWEIGERT 1995, 1996b).
Flächenmässig herrschen hier die Gesteine der Liegenden Bankkalk-Formation und der Zementmergel-Formation
vor, mit kleinräumigeren Faziesbereichen der Massenkalk-, Brenztaltrümmerkalk-, Hattingen- und Nusplingen-
Formation (SCHWEIGERT 1995; s.u.). Innerhalb der einzelnen Formationen treten verbreitet Riffkorallen auf
(„Korallenfazies“), Riffkörper fehlen jedoch weitgehend (s.u.). Die Liegende Bankkalk-Formation besteht aus
kalkigen Sedimenten, mit eingeschalteten mergeligen Lagen und bioklastischen, oft grobklastischen Faziestypen. Die
Formation zeigt ihre größte flächenhaften Verbreitung in den jüngeren Abschnitten des Kimmeridgiums. An der
Basis der Formation sind über weite Bereiche des Schwäbischen Juras brekziöse Horizonte ausgebildet (SCHREINER
1961, GWINNER 1962b, SELG & WAGENPLAST 1990, KOCH et al. 1994). Die Zementmergel-Formation besteht aus
Mergeln und mergeligen Kalken und zeigt eine im Laufe der Sedimentation zunehmende Flächenausdehnung (vgl.
SCHWEIGERT 1995). Die Zementmergel-Formation ist meist fossilarm und enthält, abgesehen von randlichen
Faziesausbildungen, nur bereichsweise eine niederdiverse Fauna. Zum Teil bestehen Verzahnungen mit
bioklastischen Kalken (u.a. Brenztaltrümmerkalk- und Hattinger Trümmerkalk-Formation) oder Massenkalken bzw.
der Massenkalk-Formation (GEYER & GWINNER 1991, SCHMID-KAHLER 1989, SCHWEIGERT 1995). Bereichsweise
sind äußerst feinkörnige Kalke (Nusplingen-Formation) mit gravitativen Sedimenten (turbiditische Kalke, Debrite)
und einer teils terrestrischen Fauna und Flora ausgebildet (DIETL et al. 1996, SCHWEIGERT et al. 1996). Über längere
18

Zeiträume wurden örtlich bioklastische, leicht ooidische Pack- bis Grainstones abgelagert (Brenztaltrümmeroolith,
Hattinger Oolith), die am Ende der Stufe ihre größte Ausdehnung zeigen (SCHLÜSSENER 1987, SCHWEIGERT 1996). In
der hangenden untertithonischen Hangende Bankkalk-Formation herrschen gebankte, fossilarme Kalke vor. Teilweise
ist eine Massenkalkfazies ausgebildet. Im Bereich der mittleren Schwäbischen Alb (Wittlingen bei Bad Urach) sind
örtlich bioklastische Korallenkalke vorhanden (SCHWEIGERT 1996).

Korallenfauna des Schwäbischen Oberjura

Überreste von Korallen und Korallenriffen finden sich vor allem im östlichen Teil des Schwäbischen Juras (Abb. 8).
Bei den Riffkorallen führenden Sedimenten handelt es sich meist um mehr oder weniger ausgedehnte
Riffschuttkörper, weniger um kleinere Biostrome und Riffknollen mit schlammiger bis bioklastischer Matrix (GEYER
1953, SCHWEIZER-KLEMP 1982, LAUXMANN 1991). Ausnahmsweise sind auch größere Riffkomplexe (Arnegg)
ausgebildet (PAULSEN 1964). Die vorherrschenden bioklastischen Sedimente stellen nach LAUXMANN (1991a, 1992)
einzelne Schüttungskörper im Umfeld der eigentlichen Riffkalke dar. Derartige allochtone Schüttungen reichen z.T.
bis weit in die benachbarte Zementmergel-Fazies hinein (SCHNEIDER 1957), wobei es zeitweise zur Ansiedlung einer
autochtonen Korallenfauna in Form lockerer Biostrome oder kleiner Bioherme kam (REIFF 1988, GEYER & GWINNER
1991, LAUXMANN 1991a, 1992). Die Zusammensetzung der Korallenvergesellschaftungen und der Aufbau der
Riffkörper weisen große örtliche Unterschiede auf. Die bioklastischen Bereiche zeigen Korallenvergesellschaftungen
mit der Vorherrschaft von massigen und fladigen Kolonien; dendroide, phaceloide und solitäre Formen kennzeichnen
schlammige Bereiche (GEYER 1953, LAUXMANN 1991). Zwischen den beiden Faziestypen sind vielfältige Übergänge
ausgebildet. Die Korallenkalke von Arnegg stellen den einzigen (aufgeschlossenen) größeren Riffkomplex im
Bereich des Schwäbischen Oberjuras dar. Der Riffkomplex ist zusammengesetzt aus meist kleinvolumigen Bound-
stones in vorherrschend klastischen Faziestypen, die seitlich in mikritische Kalke übergehen (PAULSEN 1964,
LEINFELDER et al. 1994). Grundlage für die räumlich begrenzte Ausbildung der Arnegger Korallenriffgesteine ist eine

Abb. 8: Räumliche Verbreitung korallenfazieller Gesteine des Oberjuras der Schwäbischen Alb (grau) im Verlauf des Oberen
Kimmeridgiums (A) und des Untertithoniums (B). (nach SCHWEIZER-KLEMP 1982; verändert nach SCHWEIGERT
(mündl. Mittlg.).

untermeerische, durch biohermales Wachstum der liegenden Schwammfazies (Mikrobolith-Kieselschwamm-


Riffassoziation) entstandene Untiefe. Aufgrund der lithologischen und faunistischen Unterschiede zu den
umgebenden feinkörnigen Sedimenten der Liegende Bankkalk-Formation und der Massenkalk-Formation
(Beschreibung beider Formationen u.a. bei SCHWEIGERT 1995) ist es sinnvoll die Gesteine die korallenführenden
Gesteine des Arnegger Riffkomplexes als eigenständige Arnegg-Formation auszugliedern. Die Arnegg-Formation
wird von den liegenden Massenkalk-Formation durch den Einsatz von kolonialen Korallen abgegrenzt. Der seitliche
19

und vertikale Übergang der grobklastischen Gesteine der Arnegg-Formation in die matrixgestützten Gesteinen der
Liegende Bankkalk-Formation ist unscharf und wird durch das Verschwinden von Kieselschwämmen und Korallen
angezeigt. Ein genau Beschreibung der Verbreitung, der Lithologie und des Fauneninhaltes erfolgt in den Kapiteln
2.3 und 3.7. Der Riffkomplex von Arnegg zeigt, bei einer Grundfläche von ungefähr 1 km2, eine zeitliche Abfolge
verschiedener Riffbildner-Assoziationen, die eine Verflachung des Ablagerungsraumes dokumentieren (PAULSEN
1964). Die liegende Mikrobolith-Kieselschwamm-Riffassoziation geht über eine Mikrobolith-Kieselschwamm-
Korallen-Riffassoziation in eine Korallen-Riffassoziation über (vgl. Abb. 12; Taf. 9). Trotz des hohen Anteil an
riffbildenden Organismen besteht der weitaus größte Teil des Riffvolumens der korallenführenden Faziesbereiche aus
allochtonem Riffschutt, der mit fortschreitender Verflachung des Ablagerungsbereiches matrixärmer wird (PAULSEN
1964). Bemerkenswert ist die häufig hervorragende körperliche Erhaltung kieselig vorliegender Kolonien im
Schwäbischen Oberjura (z.B. Nattheimer Korallenfauna), die eine die Bearbeitung der Korallenfauna begünstigt. Die
Arnegger Korallenfauna ist jedoch ausschließlich kalkig überliefert.
Stratigraphie (vgl. Abb. 7): Bis auf zwei tithonische Korallenvorkommen im Bereich der mittleren Schwäbischen
Alb (Sirchingen, Wittlingen; vgl. Abb. 8), ergab sich anhand von Ammonitenfaunen für die überwiegende Zahl der
Korallenvorkommen des Schwäbischen Juras das Oberkimmeridgium als Ablagerungszeitraum (SCHWEIGERT mündl.
Mittl.). Die Arnegger Korallenkalke können aufgrund historischer Ammonitenfunde ins Oberkimmeridgium datiert
werden (opt. cit.) In der Schwammfazies (entspricht der Kieselschwamm-Mikrobolith-Riffassoziation) von Arnegg
wurde unterhalb der markanten, von Brekzien unterlagerten Diskontinuitätsfläche (Steinbruch Ia; vgl. Kap. 2.3, Abb.
113; Taf. 10) Virgalithacoceras albulum gefunden, eine Leitform der Setatum-Subchrons (SCHWEIGERT mündl.
Mittl.). Aus „schuttreicher, plattiger Fazies“ im Bereich der Mischfazies (Korallen-Kieselschwamm-Mikrobolith-
Riffassoziation) stammt Lithacoceras cf. ulmense (BERKHEMER 1929 in PAULSEN 1964) eine Leitform des Unteren
Oberkimmeridgiums (Beckeri-Chron, Ulmense-Subchron; SCHWEIGERT mündl. Mittlg.). Dies bedeutet für die
hangende Korallen-Riffassoziation ein jüngeres Ablagerungsalter. Ein dem Riffkomplex von Arnegg entsprechendes
Alter ergab sich z.B. auch für die Korallenvorkommen der östlichen Alb bei Nattheim und Gerstetten (SCHWEIGERT
mündl. Mittlg.). SZABO (1998) beschreibt Aspidoceras exgr. Iphiceroides aus einem Bioherm (AM II 3 I) der
Kieselschwamm-Mikrobolith-Korallen-Fazieseinheit. „Grobe Schuttbänke“ und „Brekzien“, wie sie in den unteren
Teilen der Mischfazies des Arnegger Korallenvorkommens auftreten (vgl. PAULSEN 1964), sind im Bereich des
Schwäbischen Oberjuras im untersten Teil der Hangenden Bankkalk-Formation charakteristisch und weitverbreitet
(vgl. GWINNER 1961, SELG & WAGENPLAST 1990; vgl. Kap. 4.2.4) und können deshalb als Leithorizonte für
weiträumige zeitlichen Korrelationen genutzt werden.
20

2 Aufschlußbeschreibung

2.1 Lothringen

Regionale Aufschlußübersicht (vgl. Abb. 9): Die untersuchten Aufschlüsse befinden sich hauptsächlich im zentralen Bereich von
Lothringen in den Departements Meuse und Meurthe et Moselle, von Verdun im Norden dem Meusetal folgend bis nach Foug (10
km westlich von Toul). Ein weiterer Aufschlußbereich befindet sich 60 km südwestlich im Tal der Rognon und der Marne im
Departement Haute Marne, etwa 20 km nördlich von Chaumont. Bei allen Aufschlußpunkten handelt es sich um künstliche
Aufschlüsse (Steinbrüche, Straßeneinschnitte, Mülldeponien) mit meist senkrechten Aufschlußwänden von wenigen Metern bis
einigen Dekametern Höhe. Für das Lothringer Arbeitsgebiet liegt geologisches Kartenmaterial im Maßstab 1: 50000 vor. Diese
Karten unterscheiden nur grob zwischen Formationen, ohne ihre fazielle Gliederung in Untereinheiten zu berücksichtigen. Für einige
der Hauptaufschlüsse oder Teile davon (Euville, Lerouville, Foug, Pagny sur Meuse) liegen kurze Übersichtsbeschreibungen (GEISTER
& LATHUILIÉRE 1991) vor. Neben den überwiegend stillgelegten Steinbrüchen wurden auch im Abbau befindliche bearbeitet (Pagny
sur Meuse, Euville II) oder, den Möglichkeiten entsprechend, kurz besucht (Sorcy II, Haudainville). Der Schwerpunkt der
Untersuchungen lag in den großräumigen Steinbrüchen (Euville, Foug, Pagny sur Meuse, Lerouville, Rognontal), die umfassenden
Einblicke in Faziesausbildung und -entwicklung bei guten Aufschlußverhältnissen bieten. Die Aufschlußverhältnisse sind, abgesehen
von den „normalen“ Beeinträchtigungen wie Verwitterung oder der Unerreichbarkeit einzelner Aufschlußbereiche, allgemein gut. In
den noch in Abbautätigkeit befindlichen Steinbrüchen wurde die räumliche Erfassung der Riffgefüge durch den fortschreitenden
Abbau teilweise begünstigt (Pagny sur Meuse). Kleinere Aufschlüsse (Aprêmont la Forêt, Commercy, Dieue, Bonville, Sorcy,
Froncles, Doulaincourt) ergänzen das Datenmaterial zur räumlichen Erfassung des Paläoablagerungsraumes.

Abb. 9: Geographische Lage des Arbeitsgebiets (A) und regionale Übersicht von Nordost-Frankreich (B). Die Aufschlußregion
ist dunkelgrau unterlegt, die Departements sind kursiv gedruckt.

2.1.1 Foug
(s. Taf. 1)

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß liegt 30 km westlich von Nancy an der Rue Nationale 4, zwischen den
Autobahnanschlüssen Foug und Pagny sur Meuse. Am Einschnitt der Autobahntrasse in die Schichtstufe der Côtes de Meuse
(Meuse-Schichtstufe) sind auf einer Länge von fast 3 km und maximalen Aufschlußhöhen bis ungefähr 20 m beidseitig
mitteloxfordische Gesteine aufgeschlossen. Nach den jüngsten Abschnitten der Argilles a Chailles folgt der Untere Riffkomplex
der Lothringer Rifformation (vgl. Kap. 1.5.1.). Die Schichten fallen mit ungefähr 6-8° nach Westen ein. Ermöglicht durch das
leichte Einfallen der Schichten sowie die Begehbarkeit der Hangterassen konnte der Aufschluß über die gesamte seitliche und
zeitliche Erstreckung bearbeitet werden.

Gesamtübersicht: Von der ältesten aufgeschlossenen Formation, den Argilles à Chailles, sind im Profil maximal 12
m aufgeschlossen. Es handelt sich um eine Wechselfolge aus ammonitenführenden Kalksteinbänken und kalkigen
Tonsteinbänken im Dezimeterbereich. Die Kalkbänke beinhalten Schalen und Bruchstücke einer arten- und
individuenreichen Molluskenfauna. Teilweise sind die Bänke in einzelne, voneinander getrennte kieselige
Kalkknollen („Chailles“) aufgelöst. Die Ammonitenfauna weist Vertreter des Plicatilis-Chrons auf (GEISTER &
LATHUILIÉRE 1991). Es treten in- und epifaunale Muscheln (u.a. Pholadomya sp., Pleuromya sp., Goniomya,
21

Plicatula, Modiolus, Austern (Gryphaea, Lopha, Nanogyra, Exogyra) und Gastropoden auf. Zudem sind
Brachiopoden, Serpeln sowie Bruchstücke von Seeigeln und Crinoiden verbreitet. Häufig zeigen die Biogene
Verkieselungen. Es handelt sich allgemein um Bioklast-Wackestones mit geringem bis mittleren Komponentenanteil.
Vor allem die mächtigeren Kalkbänke beinhalten teilweise einen erhöhten Schuttgehalt, der zum Banktop zunimmt.
Bioturbation ist v.a. in den oberen Bankbereichen verbreitet. Zum Teil sind auch vollständig durchwühlte Bänke
eingeschaltet. Abgeschlossen werden die Argilles à Chailles von einem Hartgrund, der von einem geschlossenen,
seitlich durchhaltenden, monospezifischen Austernbiostrom (mit der Art Deltoideum delta; s. Taf. 11) bedeckt wird.
Im Hangenden folgten die korallenführenden Gesteine des RK (s. Taf. 1). Die Basis dieser Formation bilden 300-380
cm mächtige, mergelig-tonige Korallen-Platestones, die „Marnes à Polypiers“ (im Folgenden als Korallenmergel
bezeichnet). Diese Platestones bauen ein, den gesamten Aufschluß durchhaltendes, artenarmes
Microsolenidenbiostrom (LFO 1; vgl. Kap. 2.1.1) aus fladigen Kolonien in mergeliger, schwach bioklastischer
Grundmasse auf. Das mergelige Microsoleniden-Riesenbiostrom geht kontinuierlich in ein schuttreiches
Microsoleniden-Riesenbiostrom (LFO 2; vgl. Kap. 2.1.1), den Calcaire à Polypiers (im Folgenden als Korallenkalk
bezeichnet), über. Die Korallen-Platestones zeigen vermehrt ein freies Gefüge bei mittleren, im Laufe der Ablagerung
ansteigenden Artenzahlen und weniger ausgeprägten Dominanzen. Die Dachfläche des Korallen-Biostromes weist ein
Relief von ungefähr 1 m auf, gebildet aus erhabenen Korallenbereichen und eingesenkten bioklastischen Bereichen.
Die biostromale Fazies wird von 1-2 m mächtigen, korallenführenden Bioklast-Wackestones abgeschlossen. Am Top
dieses Schichtgliedes ist ein aufschlußweit durchhaltender, ebener Hartgrund ausgebildet. Diese Diskontinuitätsfläche
wird überlagert von undeutlich gebankten, anfänglich ooidischen- bis onkoidischen, korallenführenden Wacke-
/Packstones, die rasch in Ooid-Onkoid-Packstones überleiten (s. Taf. 1). Diese Gesteine weisen eine reiche
Mollusken- und Inkrustiererfauna auf. Austern (u.a. Exogyra, Gryphaea), Muscheln (u.a. Ctenostreum, pectinide
Muscheln, Chlamys, Entolium, Trichites) und Gastropoden (v.a. Pleurotomarien, Nerineen, Pseudomelania
heddingtonensis) sind häufig. Weiter vorhanden sind terebratulide und thecideidinide Brachiopoden sowie Serpeln,
Kalkschwämme, Seeigelstacheln, Crinoidenbruchstücke, Bryozoen, mikrobielle Krusten, Vinelloidea,
Everticyclammina, Bacinella, Lithocodium und Tubiphytes. Die Mächtigkeit dieser Ablagerungen (bis zur
Geländeoberkante) beträgt ungefähr 6-7 m.
Stratigraphie (vgl. Abb. 5): Individuenreiche Ammonitenfaunen in den jüngsten Bereichen der liegenden Argilles a
Chailles sind charakteristisch für das Plicatilis-Chron des jüngsten Mitteloxfordiums (ENAY & BOULLIER 1981,
GEISTER & LATHUILIÉRE 1991). Die korallenführenden Gesteine im Hangenden sind somit jünger und setzen
wahrscheinlich im Verlauf des Plicatilis-Chrons, eventuell erst im jüngeren Transversarium-Chron ein.

2.1.2 Lay St. Remy

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß von St. Remy liegt 500 m vom Ortsausgang von Pagny sur Meuse in Richtung Foug. Es
handelt sich um einen kleinräumigen, stark verwachsenen Steinbruch, dessen Schichten direkt über den onkolithischen Kalken des
Aufschlußbereiches von Foug folgen. Trotz seiner Kleinräumigkeit ist der Aufschluß wichtig im Bezug auf die Abfolge der einzelnen
Faziestypen im Gebiet von Foug bis Pagny sur Meuse, insbesondere dem Übergang von URK zu ORK in diesem Bereich.

Gesamtübersicht: Es handelt sich um 6 m durchgehend korallenführende Bioklast-Wacke-/Floatstones, mit


feindetritischer Grundmasse bei geringem ruditischen Anteil, v.a. in Form von Korallenbruchstücken. Die
Komponentenverteilung ist gleichmäßig bei allgemein schlechter Sortierung. Den arenitischen Anteil bilden in der
Hauptsache Bruchstücke von Mollusken und Korallen sowie Echinodermen. Die Klasten sind gut gerundet, selten
cortoidisch. Als Biomorpha sind besonders große Muscheln (Ctenostreum, Trichites, pectinide Muscheln) und
Austern (Gryphaea, Nanogyra) charakteristisch. Vollständige Korallenkolonien sind vereinzelt. Dominierend sind
dickfladige bis massige, zweitrangig unregelmäßige bis aufstrebende Wuchstypen. Die fladigen Wuchstypen zeigen
häufig eine tellerförmige Wuchsform bei Durchmessern bis 40 cm. Es herrschen microsolenide Korallengattungen
(Microsolena, Actinaraea, Comoseris, Synastrea) vor, daneben sind Isastrea und Pseudocoenia vorhanden.
Zusätzlich sind wenige Bruchstücke von Calamophylliopsis anzutreffen. Die Anordnung der flächigen Korallen ist
22

parallel zur Schichtung. Als Substrat für die Korallenansiedlung dienen zahlreiche große Molluskenschalen. Die Korallen
zeigen eine mittlere Zerbohrungsrate (besonders häufig in den Randbereichen) verursacht durch Bohrschwämme.

2.1.3 Pagny sur Meuse


(vgl. Abb. 27; Taf. 4, 5)

Aufschlußbeschreibung: Der im Abbau befindliche Steinbruch der Firma Rhone-Poulenc liegt an der D 39 1 km SW der Rue
Nationale 4 Toul - St. Dizier-Ausfahrt Pagny sur Meuse in Richtung St. Germain sur Meuse. Der Steinbruch gliedert sich in drei
Sohlen mit Aufschlußlängen bis etwa 1000 m bei einer aufgeschlossenen Schichtfolge von ungefähr 60 m. Riffkörper finden sich
nur auf der untersten Sohle, wo auf einer Basisfläche von ungefähr 600 x 600 m ein großflächiger Riffkörper angeschnitten ist. Der
räumliche Aufbau des Riffkörpers konnte im Laufe des ständig fortschreitenden Gesteinsabbaus verfolgt werden, was sowohl ein
horizontalen als auch vertikalen Querschnitt durch den Riffkörper ermöglichte. 500 m hinter der Haupteinfahrt im weiteren Verlauf
der D 39 sind, im Bereich von Verladegleisen, mehrere Kleinriffe aufgeschlossen (Steinbruch Pagny sur Meuse II; s. Taf. 5), die
faziell den oberen Riffbereichen des Hauptsteinbruches entsprechen.

Stratigraphie: Die Gesteine werden aufgrund von Ammonitenfunden aus dem ältesten Oberoxfordium (ENAY &
BOUILLIER 1981) in den obersten Steinbruchabschnitten und eng benachbarten Vorkommen (Bereich Foug mit unter-
bis mitteloxfordischem Alter; vgl. Kap. 2.1.1) ins mittlere Mitteloxfordium, und hier faziell in den ORK gestellt.

Gesamtübersicht (Abb. 27; Taf. 4): Die Aufschlußbasis des Steinbruches wurde zu Beginn der Untersuchung von einem
großflächigen, in der Gesamtansicht kuppelförmigen Riffkörper (LPA 1; vgl. Kap. 3.6.1) gebildet, der seitlich in
molluskenreiche, mit zunehmendem Riffabstand korallenfreie Mud- bis Wackestones übergeht. Das im Zentralteil bis etwa
13 m mächtige, massige Riffgefüge löst sich zum Hangenden in kleinere Riffkörper (Riff 2-5; vgl. Kap. 3.6.1) unterschied-
lichster Zusammensetzung auf, die von korallen-, mollusken- und solenoporaceenführenden Mud- bis Wackestones
(Floatstones) umgeben sind. Im Hangenden folgen gastropodenreiche, onkoidische bis ooidische Kalke und schlammige
Gesteine (vgl. Kap. 4.2.3), mit einzelnen kleinräumigen Kanalsedimenten. Die Schichtlagerung der nichtrezifalen
Faziestypen ist horizontal. Gegen Ende der Bearbeitung sind aufgrund des fortschreitenden Gesteinsabbaus nur noch örtlich
randliche Riffteile aufgeschlossen.

2.1.4 Sorcy Gare

Aufschlußbeschreibung: Im Bereich von Sorcy Gare wurden zwei Steinbrüche bearbeitet. Die beiden Aufschlüsse liegen 5 km
östlich von Commercy zwischen den Ortschaften Sorcy St. Martin, Vertuzey und Troussey am Bahnhof von Sorcy (Sorcy Gare).
Steinbruch I zeigt eine Basislänge von 150 m bei einer Mächtigkeit bis 6 m. Dieser kleinräumige aufgelassene Steinbruch folgt
direkt rechts hinter einer Bahnüberführung der D 36 in Richtung Vertuzey nach 200 m an der Zufahrtstraße zum Kalkwerk von
Sorcy. Der Steinbruch II liegt, weithin sichtbar an den ausgedehnten hellweisen Abraumhalden, oberhalb von Sorcy Gare und
dem Kalkwerk. Die Zufahrt erfolgt an Steinbruch I vorbei über das Kalkwerk. Es handelt sich um den sehr großräumigen, im
Abbau befindlichen Steinbruch des Kalkwerkes. Auf fünf Steinbruchsohlen von insgesamt 30-40 m stehen korallen- bis
rifführende mikritische Kalke auf Ausstrichbreiten von jeweils mehreren 100 m an.
Bemerkung: Da nur eine zeitlich und räumlich eingeschränkte Zugangsberechtigung für den Steinbruch bestand konnte nur eine
ausführliche Übersichtsbegehung, jedoch mit umfangreicher Probennahme, durchgeführt werden.

Übersicht Steinbruch I: Der gesamte Aufschluß wird von korallenführenden, molluskenreichen, cortoidischen bis
ooidisch-onkoidischen, bioklastischen Wacke- bis Packstones aufgebaut, mit im Laufe der einzelnen Einheiten
steigendem Mikritanteil. Floatstones sind örtlich verbreitet. Das Gestein ist mehr oder weniger deutlich gebankt
(Meterbereich) bei unregelmäßig-lagiger Textur und in etwa horizontaler Lagerung. Der Anteil der verschiedenen
Klasten- und Gefügetypen schwankt im Dezimeter- bis Meterbereich. Bei den Onkoiden handelt es sich um Algen-
Foraminiferen-Onkoide von 0,5 bis 2,5 mm Durchmesser bei teilweise ooidischen Anfangsstadien. Die Onkoide
weisen bei mäßiger Sortierung nur teilweise etwas höhere Anteile am Komponentenspektrum auf und zeigen
Bioklasten aus dem umgebenden Faziesbereich als Kerne. Korallen sind vereinzelt bis verbreitet und bilden
bereichsweise kleine lockere Korallenansammlungen, fehlen aber auch über mehrere Quadratmeter der
Aufschlußwände. Es herrschen fladige bis dickfladige, seltener massige Korallen vor. Ihr Anteil liegt bei 0-15 Vol%.
Die Artenvielfalt der Korallenfauna ist mit 20 Arten hoch. Am zahlreichsten sind microsolenide Korallen
(Actinaraea, Microsolena, Comoseris, Fungiastrea). Weitere Korallengattungen sind Isastrea, Clausastrea,
23

Mesomorpha und Pseudocoenia. Die massigen Wuchstypen stellen in der Regel microsolenide Korallen und
Pseudocoenia. Als einzige vollständig erhaltene ästige Koralle tritt in den obersten Aufschlußbereichen Dendraraea
mit flachem, schwach aufstrebendem Wuchs auf. Andere ästige Korallen (Calamophylliopsis, Stylina, Thecosmilia)
zeigen sich nur als Bruchstücke verbreitet. Die Korallen und v.a. die ästigen Korallenstücke sind häufig von
unregelmäßigen thrombolithischen Krusten bewachsen. Gastropoden (u.a. Nerineen) und Lituoliden sind häufig,
tuberoidische Klasten und Bio-Lumps sind selten. Als Epizoen sind v.a. pectinide Muscheln, Austern, Serpeln,
Bryozoen und Kalkschwämme verbreitet. Nubecullariide Foraminiferen, Tubiphytes und Lithocodium sind
bereichsweise vorhanden. Bohrorganismen sind meist Bohrmuscheln. Troglotella ist vereinzelt. In den jüngsten
Bereichen sind dickschalige Trichites und große Exemplare von Gryphaea dilatata häufig.

Übersicht Steinbruch II: Der gesamte Steinbruch wird in den unteren Bereichen von korallenführenden mikritischen
Kalken eingenommen die einzelne Riffniveaus aufweisen. Es handelt sich v.a. um meterdick gebankte, bioklastische
bis cortoidisch-onkoidische Mud- bis Wackestones (Floatstones), die z.T. sehr molluskenreich sind. Es zeigen sich
über eine Mächtigkeit von etwa 15 m stark korallenführende Faziestypen mit zahlreichen Korallenansammlungen,
Klein- bis Mittelriffen. Die Korallenführung nimmt zum Hangenden erst zu, um folgend in molluskenführende
Mudstones überzugehen. Es zeigen sich Korallenvolumenanteile bis 30 % für einzelne Bereiche bei
durchschnittlichen Gehalten zwischen 5 und 15 %. Die Korallenfauna ist artenreich und vielgestaltig. Es sind die
verschiedensten Wuchstypen bei stark wechselnder Verteilung ausgebildet. Besonders zahlreich sind fladige bis
massige Wuchstypen, die häufig Übergänge in unregelmäßigem Wuchs aufweisen. Bei den fladigen Korallen ist
viellappiger Wuchs verbreitet. Die Korallen liegen in den unteren Teilen von Korallenansammlungen und Riffkörpern
mit ihren Basisflächen meist parallel oder mit geringer Neigung zur Horizontalen, während nach oben die Anordnung
immer uneinheitlicher wird. Zahlreich finden sich v.a. dickfladige bis massige Isastreen, die vereinzelt auch
unregelmäßigen Wuchs aufweisen. Microsolenide Korallen sowohl mit thamnasteroider als auch mäandroider
Kelchanordnung sind verbreitet bis häufig. Größere, lockere Geäste von Dendraraea und Aplosmilia sind verbreitet
bis häufig. Calamophylliopsis, Goniocora und Stylosmilia sind als vollständige Einzelstöcke vereinzelt, als
Bruchstücke häufig. Außerdem ist Montlivaltia verbreitet bis häufig. Nach maximalen Korallenanteil am
Gesteinsvolumen nimmt die Korallendichte deutlich auf 5-10 % ab bei jedoch größeren maximalen
Koloniedurchmessern massiver Kolonien (Stylina bis 80 cm, Isastrea bis 60 cm). Mikrobielle Krusten kommen
häufig vor; besonders auffällig sind dicke polsterförmige Aufwüchse von lagigen Thrombolithen auf massiven
Korallenkolonien.

2.1.5 Euville
(vgl. Abb. 10, 20; Taf. 2,3)

Aufschlußbeschreibung: Die Steinbrüche von Euville („Les Carrières d`Euville“) liegen 4 km östlich von Commercy und 1 km
nördlich von Euville. Zu erreichen ist der Aufschlußbereich über eine Abzweigung der D 8 nach N in Richtung „Les Carrières“
kurz hinter dem nördlichen Ortsausgang von Euville in Richtung Vignot. Auf einer Fläche von etwa 1 km2 findet sich ein
Steinbruchkomplex mit mehreren, meist stillgelegten Teilbrüchen (Steinbruchbereiche I-II; vgl. Abb. 10) in denen der Pierre
d`Euville (entspricht dem Crinoidensandkalk) als Baustein gebrochen wurde und wird. An meist senkrechten Wänden sind vom
Liegenden zum Hangenden Gesteine des Unteren Riffkomplexes, Crinoiden-Grainstones (=Pierre d`Euville), Gesteine des ORK,
mikritische Kalke und Onkoid-Rudstones aufgeschlossen. Es sind insgesamt mindestens 13 Riffkörper aufgeschlossen (vgl. Abb 42).

Stratigraphie: Der Fund von Perisphinctes (Dichotomoceras) bifurcatoides (det. SCHWEIGERT) in den, die Gesteine
des ORK überlagernden, molluskenführenden Mudstones, spricht für ein mitteloxfordisches Alter der liegenden
Korallenkalke im Bereich der Transversarium-Zone und tieferen Bifurcatus-Zone.

Gesamtübersicht: Gesteine des URK sind im Steinbruch Euville I in zwei kleinräumigen Aufschlußbereichen von
höchstens 2 m Mächtigkeit aufgeschlossen. Es handelt sich um korallenführende und molluskenreiche Wacke (Pack-)
bis Floatstones mit undeutlich lagiger Schichtung. Als Bioklasten finden sich Bruchstücke von Mollusken, Crinoiden,
24

von ästigen und fladigen Korallen und Seeigelstacheln. Fladige bis dünnfladige Korallen sind allgemein verbreitet, sie
bilden jedoch keine größeren Boundstones aus. Es handelt es sich um Kolonien mit Durchmessern von einigen
Zentimetern bis maximal 2 Dezimetern, die entsprechend der Schichtung eingeregelt sind. Das Artenspektrum
beinhaltet in erster Linie microsolenide Korallen (Microsolena, Dimorpharaea, Fungiastrea, ?Synastrea), zweitrangig
Pseudocoenia, Thamnasteria, Isastrea sowie Bruchstücke von Stylosmilia und Calamophylliopsis. Die Gesteine des
URK werden zum großflächig von einem durchgehenden, ebenmäßigen Hartgrund abgeschlossen. In Steinbruch I (vgl.
Abb. 20; Taf. 2) bildet dieser Hartgrund die gesamte, schwach kuppelförmige Sohlfläche des Steinbruches. Unterhalb
des mächtigsten Bereichs des hangenden Crinoidensandkörpers (s.u.) steigt die Hartgrundfläche hier mit 20-30°
kuppelförmig an. In Steinbruch 1a sind an der Grenze zu den hangenden Crinoiden-Grainstones örtlich geschlossene
Korallenboundstones mit bereichsweise tischförmigen, erosiven Relief am Top zu beobachten.

Abb. 10: Übersicht über den Steinbruchkomplex von Euville mit den Steinbruchbereichen I, Ia, II und III.

Im Hangenden des Hartgrunds folgen grobarenitische Crinoiden-Grainstones (vgl. Kap. 4.2.2; Abb. 20; Taf. 2) die
fast ausschließlich aus Bruchstücken von Crinoiden (Pentacrinites) bestehen. Die Crinoiden-Grainstones bilden einen
allseitig durch Hartgründe begrenzten, seitlich auskeilenden Sedimentkörper von massigem Gefüge. Es ist eine
weitständige Bankung im Meterbereich (2-4 m) ausgebildet, die parallel zur Oberfläche des Sedimentkörpers verläuft.
Bankintern ist ein massiges bis schräggeschichtetes Gefüge ausgebildet und man erkennt ebene, z.T. leicht
trogförmige Schrägschichtungskörper (4-22°) mit wechselnder Orientierung der Schrägschichtungsflächen von N
über E nach SE (die meist völlig glattflächigen Aufschlußwände ermöglichten nur 27 Messungen). Im Bereich von
Steinbruch I sind die Crinoiden-Grainstones auf ungefähr 300 m in E-W- und 200 m N-S-Richtung aufgeschlossen. In
Steinbruch II auf 400 m in O-W- und 600 m in N-S-Richtung. In der Übersicht ist über den gesamten
Steinbruchkomplex von Euville der Zentralbereich eines durchgehenden, ungefähr von SW-NE verlaufenden, 8-15 m
mächtigen Crinoiden-Dünenkörpers sanftwelliger Dachfläche aufgeschlossen. In N-S-Richtung nimmt in Steinbruch I
die Mächtigkeit der Crinoiden-Grainstones auf einer Strecke von 200 m von 12 auf 3 m ab. Im Bereich von
Steinbruch II (Abb. 24; Taf. 3) ist in dieser Richtung gleichbleibende Mächtigkeiten über 10 m zu beobachten sind. In
Steinbruch I zeigen die der Crinoiden-Grainstones im Bereich einer kuppigen Kulmination im E-W-Schnitt eine
maximale Mächtigkeit von 12 m. Nach E und W nehmen die Mächtigkeiten 5 bzw. auf 7 m ab. Im östlichsten Bereich
des Aufschlußbereiches von Euville I, hin zum zentralen Bereich des Crinoidensandkörpers, geht die Dachfläche der
Crinoidensandkalke in annähernd horizontale Ausrichtung über. In Steinbruch II sind höchstens 8 m
Crinoidensandkalke aufgeschlossen. Die direkte Basis ist hier nicht zugänglich. Im östlichen Aufschlußteil nimmt die
Mächtigkeit ab, bei einem Gefälle der Dachfläche von 10-14°. Im südlichen Teil von Steinbruch II zeigen die
Crinoidensandkalke in etwa gleichbleibende Mächtigkeit bis etwa 15 m. Es ist hier ein weitspanniges, sanftwelliges
Relief von rund 4 m ausgebildet, bei Neigungen der Dachfläche von ungefähr 5-8°. Nach GEISTER & LATHUILIÉRE
(1991) ergaben Bohrungen für den gesamten Sedimentkörper eine Erstreckung von ungefähr 2,5 km in E-W-Richtung
und 600 m in N-S-Richtung, bei einer Mächtigkeit von 4-20 m. Die Dachfläche des Crinoidensandkörpers wird
durchgehend von einem, von Bohrmuscheln angebohrten, ebenen Hartgrund gebildet. In Steinbruch II, am Übergang
vom Zentralbereich zum Ostabfall des Crinoidensandkörpers, überlagern diesen Hartgrund bioklastische Crinoiden-
25

Cortoid-Packstones. Es handelt sich hierbei um im Durchmesser deka- bis hektametergroße, dünenförmige


Sedimentkörper bis zu 6 m Mächtigkeit (vgl. Kap. 4.2.3), die ein Paläorelief von mehreren Metern bildeten. Über
dem Hartgrund folgen im gesamten Aufschlußbereich korallenfazielle Gesteine mit einzelnen kleinen bis
mittelgroßen Riffkörpern (vgl. Kap. 2.1.5). Die Riffkörper sind vorwiegend über den paläotopographisch höchsten
Bereichen der liegenden Düne entwickelt (vgl. Kap. 3.5.3). Flächenmäßig werden diese hangenden Ablagerungen von
schlammdominierten bioklastischen, teilweise cortoidischen bis onkoidischen Faziestypen (Wacke-/Pack-
/Floatstones) in seitlichem und vertikalen Wechsel beherrscht. Abseits der Kulmination und in reliefschwachen
Bereichen dominieren die feinklastischen Faziestypen. Hierbei sind, je nach topographischer Lage und Exposition,
deutliche Unterschiede in der Faziesausbildung, sowohl von Riffen als auch von riffreien Bereichen beobachtbar. Im
Laufe der Riffentwicklung progradieren kleinere Riffkörper auf flacher geneigte Geländebereiche (0-10°). Dabei
bieten sich am West- und Ostabfall verschiedene Verhältnisse dar. Während im Westteil der Barre (Euville I: Riff 1-
6; vgl. Kap. 3.5.3; Abb. 20) die Riffkörper in Hanglage nach W gerichtet sind, zeigt sich im Ostteil (Euville II: Riff 1-
5; vgl. Kap. 3.5.3) eine vielgerichtete Expostition der Riffkörper und außerdem die Lage auf Kulminationen. Der
zentrale, ungefähr horizontale Bereich des Crinoidensandkörpers (zwischen Euville I und II) ist durchgehend ohne
Riffbildungen. Abgeschlossen wird die Riffentwicklung durch dezimetergebanke, molluskenführenden Mudstones
auf, die als jüngste aufgeschlossene Ablagerungen, undeutlich gebankte, dasycladaceenhaltige Lituoliden-Onkoid-
Rudstones (Floatstones) folgen. Die nichtrezifalen Faziestypen zeigen, abgesehen von einzelnen korallenreichen
Lagen, insgesamt einen nach oben abnehmenden Gehalt an Korallen und Korallenbruch.

2.1.6 Lerouville
(vgl. Abb. 27, 29 u. 30; Taf. 6)

Aufschlußbeschreibung: 5 km nordwestlich von Commercy an der D 964 liegt Lerouville. Südwestlich der Ortschaft erstrecken
sich ausgedehnte aufgelassene Steinbrüche, die einst der Ausbeutung von Crinoidensandkalken bzw. Crinoiden-Grainstones
(Pierre du Lerouville - entspricht petrographisch dem Pierre d` Euville) dienten. Die senkrechten Steinbruchwände ziehen sich in
SW-NE- Richtung auf einer Länge von 1,5 km beiderseits der D 31 entlang in Richtung St. Aubin. Im zentralen Teil, entlang der D
31, weisen die Crinoidensande eine weitgehend einheitliche Mächtigkeit zwischen 10-15 m auf, bei fehlendem oder
weitgespannten (Dekameterbereich) wellig-buckligem Relief der Dachfläche. Die gefundenen Riffkörper beschränken sich auf nur
einen Bereich des Steinbruchkomplexes von etwa 300 m seitlicher Erstreckung. Dieser untersuchte Steinbruchbereich liegt
südöstlich der D 31 in Richtung St. Aubin, kurz vor dem Ortsausgang von Lerouville. Man biegt vor dem örtlichen Fußballplatz auf
einen Feldweg und folgt diesem halbrechts zur ungefähr N-S verlaufenden Aufschlußwand. Die Aufschlußhöhe beträgt 15-20 m.
Überlagert werden die Crinoidensandkörper hier von biostromalen, bioklastischen bis cortoidisch-onkoidischen Gesteinen des
ORK. Die Biostrome bildeten sich dabei nur in den topographisch höchsten Dünenbereichen aus.

Stratigraphie: Aufgrund der Faziesausbildung und der Lage im Hangenden eines Crinoidensandkörpers werden die
korallenführenden Gesteine im Bereich von Lerouville dem ORK von zugeordnet und somit dem unteren bis
mittleren Mitteloxfordium (vgl. Kap. 1.5.1).

Gesamtübersicht (vgl. Abb. 27; Taf. 6): Die Basis der Crinoiden-Grainstones wird durch einen durchgehenden
ebenenflächigen Hartgrund mit weitgespannten, flachkuppigen Relief gebildet. Im topographisch höchsten, zentralen
Aufschlußteil ist die Hartgrundfläche großwellig, mit Abständen von 30 m bei Reliefunterschieden bis 3 m. Seitlich
nimmt das Relief rasch ab. Dabei zeigt sich nach N ein Übergang in annähernd horizontale, im S in bis zu 17°
geneigte Flächen. Nach SW ist auf 100 m Entfernung eine deutliche Mächtigkeitsabnahme auf etwa die Hälfte zu
beobachten. Der Crinoidensandkalk ist einförmig und zeigt undeutliche, weitständige Diskontinuitätsflächen, die in
etwa parallel zum abschließenden Hartgrund verlaufen. Schrägschichtung ist nur örtlich und undeutlich erkennbar. In
den jüngeren Bereichen sind dünne, seitlich nur kurz durchhaltende Lagen von Bivalvenschalen vorhanden.
Im Aufschlußbereich folgen über dem Crinoidensandkalk korallenführende Crinoiden-Korallen-Bioklast-Pack-/Rudstones
mit mehreren im zentralen Aufschlußbereich ausgebildeten mikrobolithischen Korallen-Biostromen (LLE 1; Kap. 2.1.6).
Hierbei ist aufschlußweit eine vertikale Zweiteilung in eine untere korallenreiche bis biostromale und eine obere
bioklastische Untereinheit festzustellen. Der untere Bereich schwankt zwischen 1 m mächtigen, korallenführenden
bioklastischen Faziestypen nördlich des zentralen Aufschlußbereichs und biostromalen Platestones (LLE 1) im
26

zentralen Bereich (s. Taf. 6). Die Mächtigkeit (20 cm - 4 m) und das Gefüge der einzelnen Biostrome schwanken
seitlich stark, mit der größten Mächtigkeit in den topographisch höchsten Bereichen. Die obere bioklastische
Untereinheit zeigt ebenfalls eine deutlich ausgebildete seitliche Mächtigkeits- und Faziesveränderlichkeit. Im
nördlichen Bereich sind reine Crinoiden-Bioklast-Pack- bis Wackestones aufgeschlossen. Im zentralen Bereich ist
vermehrte Korallenführung (bis etwa 10-15 Vol.%) zu beobachten. Im Hangenden folgen teilweise korallenführende,
cortoidische bis onkoidische Faziestypen. Nördlich der höchsten Dünenerhebung liegen muschel- und austernreiche,
örtlich peloidische Cortoid-Onkoid-Float –bis Rudstones bis bioklastische Cortoid-Floatstones vor. Nach S sind
Cortoid-Bioklast-Wacke-/Floatstones, gastropodenreiche, onkoidische Lituoliden-Cortoid-Float-/Rudstones und
gastropodenreiche Lituoliden-Onkoid-Floatstones bis lituolidenführende Wacke-/Floatstones entwickelt. Im zentralen
und südöstlichen Bereich des Aufschlußes sind örtlich Korallenansammlungen bis hin zu schlammigen Kleinriffen
mit arten- und formenreicher Korallenfauna vorhanden. Bereichsweise sind hier Bivalvenschillagen und
Schalenansammlungen, sowie kleinvolumige Crinoiden-Packstones anzutreffen. Nach oben verschwinden allgemein
die Rindenkörner. Bis zur Aufschlußoberkante sind abschließend 3 m Platestones (schwach bioklastisches Isastrea-
Großbiostrom LLE 2; (vgl. Kap. 2.1.6; Abb. 27, 30; Taf. 6) zu beobachten.
An den Aufschlußwänden des südwestlichen Steinbruchareals westlich der D 31 (entspricht dem südwestlichen
Dünenbereich) zeigen die, den zunehmend geringmächtigeren Crinoidensandkalk überlagernden Faziestypen, keine
Korallenführung. In zentralen Bereichen dieses Steinbruchareals, wo ein direkter Zugang nicht möglich ist, bleibt die
Korallenführung bzw. Korallenriffbildung unklar.

2.1.7 Boncourt sur Meuse


(s. Taf. 6)

Aufschlußbeschreibung Der Aufschluß liegt etwa 1 km nördlich von Lerouville nördlich der Meuse bei der Ortschaft Boncourt
sur Meuse. 500 m vom Ortsausgang in Richtung Commercy geht 200 m nach einem Bahnübergang ein Feldweg nach links (N)
und führt nach 300 m zum aufgelassenem Steinbruch (heute Tontaubenschießplatz). Die Aufschlußbasis bilden Cortoid-Wacke-
/Floatstones die noch dem URK zuzuordnen sind. Darüber folgen Crinoiden-Grainstones, die von onkoidischen bis mikritische
Kalken überlagert werden. Der Aufschluß befindet sich in Verlängerung der Längsachse des Crinoidensandkörpers von Lerouville
und entspricht deshalb entweder ihren nördlichsten Ausläufern oder einem vorgelagerten selbständigen Dünenkörper.

Gesamtübersicht: Die liegenden, mindestens 6 m mächtigen onkoidischen Molluskenschalen-Cortoid-Wacke-


/Rudstones (vgl. Kap. 4.2.3) zeigen ein massig-lagiges Gefüge mit einzelnen unscharfen, großwelligen Bankfugen.
Bivalvenschalen sind häufig. Es folgen in der Häufigkeit Bruchstücke von Korallen, Echinodermen und Gastropoden.
Lituolide Foraminiferen sind verbreitet. Die Mehrzahl der schlecht sortierten Komponenten zeigt cortoidische Säume.
Onkoidische Hüllen unterschiedlichster Mächtigkeit (bis 3 mm) kommen vor. Die Onkoidhüllen werden von
nubeculariiden Foraminiferen dominiert, zweitrangig von Mikroben oder Serpeln. Der Klastenanteil nimmt zur
annähernd horizontalen Topfläche deutlich zu. Die folgenden ungefähr 6-7 m mächtigen. Crinoiden-Grainstones (vgl.
Kap. 4.2.2) sind massig und dickgebankt (1-3 m). Sie zeigen grobkörnige Lagen mit Schrägschichtung und feinkörnige
Lagen mit Horizontallamination sowie einige dünne Lagen mit Austern- und Molluskenschalen. Im unteren Bereich sind
vereinzelt Crinoidenwurzelstöcke auszumachen. Die Dachfläche der Crinoidensandkalke ist horizontal bis sanft geneigt
(nach NE) und wird von einem ebenflächigen Hartgrund gebildet. Darüber setzen mikritische und bivalvenschalenreiche
Cortoid-Crinoiden-Onkoid-Wacke-/Pack-/Floatstones bis Cortoid-Onkoid-Floatstones (vgl. Kap. 4.2.3) bis 4,5 m
Mächtigkeit ein. Die Schalen und Schalenbruchstücke bilden, im zeitlichen Verlauf zunehmend, 5-10 cm mächtige
Lagen. Als Bioklasten sind v.a. Korallen (u.a. Calamophylliopsis, microsoleniden Korallen), Crinoiden, Seeigelstacheln
und Gastropoden vertreten. Zum Hangenden steigt der Komponentenanteil der Onkoide bis auf 30 % an. Es handelt sich
um Foraminiferen-Algen-Onkoide mit Durchmessern von 2-9 mm bei einem Mittel von 5-8 mm. Auffallend ist hierbei
daß die Onkoidkerne am häufigsten von Korallenbruchstücken gebildet werden. Darüber folgen, nach einem
geringmächtigen Übergangsbereich, bis zum Aufschlußtop 5 m mitteldick- bis dickgebankte, molluskenführende
Mudstones (vgl. Kap. 4.2.1). Bemerkenswert ist der Fund von Dichotomoceras bifurcatoides 2 m über der Basis der
Mudstones. Außerdem vorzufinden ist Pseudomelania heddingtonensis. Thalassinoides ist verbreitet.
27

2.1.8 Aprêmont la Forêt

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß liegt an der D 907, 1,5 km nördlich vom Ortsausgang Aprêmont la Forêt in Richtung St.
Mihiel (vgl. Abb. 9). Die Länge des Aufschlußes beträgt ungefähr 500 m, die maximale Aufschlußhöhe ungefähr 25-30 m.
Stratigraphie: Aufgrund der Ähnlichkeit von Fauna und Fazies zu anderen Aufschlüssen (Sorcy Gare) ist eine Einordnung in den
ORK und damit ins Mittlere Oxfordium wahrscheinlich.

Gesamtübersicht: Zuunterst zeigen sich undeutlich dezimeter- bis metergebankte, korallenführende, cortoidische bis
leicht onkoidische Bioklast-Wacke-/Packstones (Floatstones). Nach oben erfolgt ein Übergang in schlammige,
lituolidenführende cortoidische bis schwach onkoidische Bioklast-Wacke-/Packstones. Diese werden nach oben
klastenärmer und der Anteil von Rindenkörnern nimmt um schätzungsweise 40-80 % zu. Das Top des Aufschlußes
bilden onkoidische Cortoid-Lituoliden-Bioklast-Wacke-/Packstones (Floatstones) und schließlich Calamophylliopsis-
Kleindickichten. Bei den Onkoiden handelt es sich vorwiegend um Algen-Onkoide (2-10 mm), die häufig die
Beteiligung nubeculariider Foraminiferen aufweisen, seltener auch von Bacinella und Lithocodium. Weiter sind nur
einseitig umkrustete Komponenten (Halbonkoide), wenige Bio-Lumps sowie nicht umhüllte Bioklasten (v.a. von
Echinodermen) erwähnenswert. Ooide treten nur vereinzelt auf und zeigen oft Übergänge in Onkoide. Peloide sind
häufig, mit Durchmessern die in der Regel deutlich unter 1 mm liegen. Es handelt sich wohl meist um vollständig
mikritisierte Bioklasten. Ein gewisser Anteil an Bohrchips und Kotpillen ist zu vermuten. Das Bioklastenspektrum
besteht v.a. aus angerundeten bis gut gerundeten Mollusken-, Echinodermen- und Korallenbruchstücken, die
gleichzeitig auch als Kerne der Rindenkörner dienen.
Kurze Beschreibung der Rifforganismen und Riffkörper: Im unteren Aufschlußbereich (etwa 15 m über der
Aufschlußbasis) finden sich meist massive Korallen (v.a. microsolenide Korallen Thamnasteria) mit wenigen
Bruchstücken von Calamophylliopsis. In der Mehrheit sind fladige bis dickfladige, nach oben vermehrt massige
Formen zu beobachten. Die fladigen Wuchstypen zeigen meist ebene Oberflächen, tellerförmige Wuchsformen sind
seltener. In den jüngeren Aufschlußteilen sind Calamophylliopsis-Stöcke horizontgebunden zunehmend häufig.
Auffallend sind einzelne dünne, splittrige-mergelige Lagen an der Basis. Es finden sich sowohl einzelne in
Wachstumsstellung erhaltene Calamophylliopsis-Stöcke bis 35 cm Durchmesser als auch lockere, 2-3 m seitlich
durchhaltende Calamophylliopsis-Stylosmilia-Kleindickichte. Die Dickichte zeigen einen hohen Anteil an
Grundmasse (80-85 %). Im Bereich der Dickichte sind fladige bis massige Korallen (Isastrea, Fungiastrea,
microsolenide Korallen, Comoseris, Mesomorpha, Stylina, Pseudocoenia, Clausastrea) verbreitet. Fungiastrea
erreicht hierbei maximale Durchmesser bis 50 cm. Im obersten Aufschlußbereich sind zusätzlich dezimetergroße
Ansammlungen massiver Korallen zu beobachten, bei gleichzeitig steigender Zahl von Arten und Wuchsformen. Es
handelt sich u.a. um Kolonien der Gattungen Isastrea, Microsolena, Thamnasteria und Pseudocoenia. Bruchstücke
finden sich nur vereinzelt. Im gesamten Aufschlußbereich sind mikrobiellen Krusten, gebunden an Korallen,
allgemein verbreitet. Ihr Wachstum beschränkt sich im unteren Bereich auf klumpige Thrombolithe in Hohlräumen
(Bohrkavernen und geschützte Bereiche). In den oberen Bereichen steigt der Anteil und die Diversität der Krusten-
gefüge und es sind vermehrt strukturarme bis lagige Thrombolithe als Aufwüchse an Korallen zu beobachten. Die
Korallen sind außerdem von Austern, Muscheln und Bryozoen besiedelt. Kalkschwämme, thecideidinide
Brachiopoden und Lithocodium sind verbreitet. Innerhalb von thrombolithischen Krusten sind Terebella und
nubeculariide Foraminiferen festzustellen. Die Zerbohrungsrate der Korallen ist gering bis hoch, meist gering bis
mittel. Es treten Bohrschwämme und Bohrmuscheln in uneinheitlichen Anteilen auf. Anbohrungen durch
Foraminiferen (Troglotella) und Mikroorganismen in Korallen sind vereinzelt zu beobachten. Mikrobielle Krusten
zeigen sehr geringe Zerbohrungsraten (meist durch Bohrschwämme).
Weitere Fauna: Vollständige Exemplare von Nerineen und anderen Gastropoden sowie deren Bruchstücke sind
verbreitet bis häufig. Dasselbe gilt für die zahl- und artenreiche Muschelfauna (Camponectes, Chlamys, Ctenostreum,
Entolium, Lucina, Myophorella, pectinide Muscheln, Plagiostoma, Acromytila, Trichites) und Austern (Gryphaea
dilatata, Lopha, Praeexogyra, Nanogyra). Im Laufe der Ablagerung sind vermehrt Pseudocyclaminen enthalten,
welche die Fazies zunehmend charakterisieren (Cortoid-Lituoliden-Bioklast-Pack-/Floatstones), zum Aufschlußtop
28

hin jedoch wieder verschwinden. Echinodermenbruchstücke sind stets häufig, besonders cidaroide Seeigelstacheln.
Innerhalb von Gastropodengehäuse hat sich teilweise Bacinella angesiedelt.

2.1.9 Senonville
(s. Taf. 6)

Aufschlußbeschreibung: Man folgt der D 901 von St. Mihiel 10 km nach Vigneulles (NE) und zweigt bei Varvinay nach rechts
(W) auf die D 162 in Richtung Lamorville (vgl. Abb. 9). Nach 1,2 km folgt die Abzweigung der D 162 a nach Senonville. Direkt
am SE des Ortes folgt der aufgelassene Steinbruch. Es stehen auf einer Aufschlußlänge von 400 m Crinoiden-Grainstones sowie
überlagernde mikritische und onkoidische Kalke an.

Gesamtübersicht: Die gesamte Aufschlußbasis bildet ein mindestens 9 m mächtiger Crinoidendünenkörper. Das
Gestein entspricht faziell und texturell weitgehend den Crinoiden-Grainstones von Lerouville und Euville. Es ist eine
Bankung von mehreren Metern Mächtigkeit ausgebildet, mit bereichsweise erkennbarer bankinterner
Schrägschichtung bis Horizontallamination. Dünne (3-6 cm), lockere Austernlagen sind vereinzelt vorhanden. Die
Dachfläche bildet ein ebenflächiger Hartgrund mit geringem, sehr weitgespannten Relief (0-4°). Auf der Dachfläche
folgen 10-15 cm Bioklast-Cortoid-Onkoid-Rudstones (vgl. Kap. 4.2.3), die trotz des allgemeinen Fehlens von
Korallen bemerkenswerterweise zahlreiche Korallenbruchstücke beinhalten. Im Hangenden folgen etwa 8 m gebankte
(30-120 cm), molluskenführende Mudstones. Neben dem verbreiteten Auftreten des Gastropoden Pseudomelania
heddingtonensis zeigen perisphinctide Ammoniten ein große Verbreitung. Sicher bestimmt werden konnten
Dichotomoceras bifurcatoides, Ochetoceras raixense und Tarameliceras proscaphites (det. alle SCHWEIGERT).
Perisphinctiden zeigen dabei vereinzelt Gehäusedurchmesser bis 35 cm. Großwüchsigen Formen von
Dichotomoceras sind charakteristisch für den unteren Teil der Bifurcatus-Zone (ENAY & BOULLIER 1981). Muscheln
sind mit infaunalen (Protocardia sp., Pleuromya sp., Pholadomya sp.) bis semiinfaunalen (Pinna lancelota) Formen
vertreten. Als jüngste Gesteine sind örtlich onkoidische Floatstones aufgeschlossen.

2.1.10 Haudainville
(s. Taf. 7)

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß liegt an der D 964, 2 km südlich von Haudainville an der Auffahrt zur A 4. Der
Aufschluß gewährt auf 300-400 m, entlang einer Auffahrtsschleife zur Autobahn, beidseitig Einblick in liegende
Crinoidensandkalke und die überlagernde Korallenfazies des ORK, die wiederum von bioklastischen Kalken überlagert sind. Der
Aufschluß konnte aufgrund einer begrenzten Zugangsberechtigung nur vergleichsweise kurzzeitig untersucht werden.

Gesamtübersicht: Die Basis des Aufschlußes bilden mindestens 4 m massige cortoidische Crinoden-Bioklast-
Packstones, mit einzelnen kleinwüchsigen fladigen Korallen, die örtlich Schrägschichtung (nach SW bis NE nach
GEISTER & LATHUILIÉRE 1991) aufweisen. Nach einer meist scharfen Diskontinuitätsfläche zeigt sich über eine
Mächtigkeit von ungefähr 1 m das vereinzelte Einsetzen von fladigen bis massigen microsoleniden (u.a. Fungiastrea,
Synastrea) und mäandroiden Korallen (Comoseris). In manchen Bereichen ist sofortiges Einsetzen von sehr lockeren
Stylosmilia-Kolonien zu sehen. Ab 1 m ist ein großflächiger Korallenhorizont mit fleckig verteilten Korallen und
Korallenansammlungen ausgebildet. Es dominieren dickfladige Isastreen bis 40 cm (s. Taf. 11) und kleinwüchsige
Calamophylliopsis-Stöcke (bis 50 cm), sowie pseudoramose Thamnasteria-Kolonien. Die Thamnasteria-Stöcke
zeigen dabei steil bis senkrecht aufstrebenden phaceloiden Wuchs bei intern nicht umhüllenden Wachstum (s. Taf.
11). Diese untersten Bereiche sind außerdem lituolidenreich und enthalten die Lithocodium-Bacinella-Assoziation.
Der erste durchgehende Korallenhorizont zeigt ein scharfes erosives Top, kennzeichnet durch gekappte ästige
Kolonien (Thamnasteria concinna). Auffällig ist der häufig kegelförmige Längsschnitt der ästigen Kolonien. Örtlich
weisen pseudoramose Kolonien von Thamnasteria concinna Pallisadenwuchs auf (vgl. Kap. 7.2.4) oder zeigen
seitliche Übergänge in fladiges Wachstum. Insgesamt sind fünf entsprechende Korallenhorizonte vorhanden
(BEAUVAIS 1985, GEISTER & LATHUILIÉRE 1991). Die folgenden Einheiten zeigen zunehmend größervolumige
Thamnasteria-Pillarstones bei einzelnen Stockhöhen bis 130 cm (s. Taf. 7). Teilweise sind die Kolonien erosiv
29

gekappt. Meist folgen auf die Thamnasteria-Pioniersukzession Pillarstones (Calamophylliopsis, Aplosmilia,


Stylosmilia, Cladophyllia) bis Domestones (u.a. Heliocoenia, Stylina, Comoseris, Allocoenia, Convexastrea,
Meandrophyllia, Pseudocoenia, Aplosmilia, Dendraraea). Das Korallenwachstum ist durch fladige bis massige
Korallen gekennzeichnet (v.a. Fungiastrea; weiter: Synastrea, Isastrea, Comoseris, Mesomorpha). Innerhalb der
Riffkörper sind einzelne erosive Flächen zu beobachten, die meist Faziestypen verschiedenen Gefüges voneinander
trennen. Thamnasteria tritt hier mit fladigen bis fladig-viellappigen, oft inkrustierenden Wuchsformen auf, die häufig
ästige Korallenstöcke bewachsen. Die Verteilung der Korallen ist ungeregelt. Die Korallen sind fladig bis massig und
erreichen teilweise Durchmesser bis 80 cm. Der Schlammgehalt der Grundmasse wächst stetig bis hin zu
Wackestones (Mudstones). Strukturarme bis klumpige thrombolithische Krusten sind an ästigen Korallen, und mit
ansteigendem Schlammgehalt, häufig. Hierbei ist meist Terebella mit den Krusten assoziiert. Lithocodium und
Bacinella sind verbreitet, in den jüngsten Riffabschnitten ist Solenopora vorhanden. Weiter erwähnenswert sind
cidaroide Seeigel, Gastropoden, Lituoliden, Terebrateln sowie tuberoidische Bioklasten. Das Riffwachstum wird von
mehren Metern Echinodermen-Bioklast-Packstones abgeschlossen, die das Relief ausgleichen. In den untersten
Bereichen treten wenige massige Korallenkolonien auf.

2.1.11 Dieue

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß liegt in Nähe der Bundesstraße D 964, 10 km südlich von Verdun (vgl. Abb. 9). 500 m
vor dem Ortsausgang Richtung St. Mihiel ist links (östlich) ein kleiner (3-12 m/50 m) aufgelassener Steinbruch vorhanden in
welchem Crinoidensandkalke gebrochen wurden. Die Crinoidensandkalke werden im Hangenden von korallenführenden Kalken
überlagert.

Gesamtübersicht: Es sind 9 m dickgebankte Crinoiden-Grainstones (vgl. Kap. 4.2.2) ausgeschlossen, welche die
Randbereiche einer großräumigen Sandkörpers darstellen. Die Neigung beträgt in den paläotopographisch höchsten
Bereichen zwischen 10-15° und bis 23° an den nach SW geneigten Flanken. Die jüngsten Teile zeigen einen hohen
Anteil an cortoidischen Hüllen, vielen kleine (Nanogyra nana und einige größere Austern (Gryphaea dilatata). Über
dem, durch einen welligen (etwa 50 cm Reliefunterschied) Hartgrund abgeschlossenen Sandkörper folgen vermehrt
schlammreiche Kalke. Direkt auf dem Hartgrund sind linsenförmige Gesteinskörper von wenigen Metern
Durchmesser ausgebildet, bei denen es sich wahrscheinlich um kleine linsenförmige Riffkörper handelt. Darüber ist
eine 0,6-1 m mächtige Bank (Cortoid-Crinoiden-Wacke-/Packstone) ausgebildet. Es folgen korallenreiche Kalke mit
hauptsächlich massigen (u.a. Isastrea, Microsolena, Fungiastrea, Comoseris), ästigen (Calamophylliopsis) und
pseudoramosen Korallenkolonien (Thamnasteria concinna) in cortoidischen Wackestones. Das Korallenwachstum
(insbesondere ästiger Korallen) wiederholt sich horizontweise.

2.1.12 Rognontal und Marnetal (Doulaincourt, Froncles, Rochers sur Rognon)


(s. Taf. 7)

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß von Rochers sur Rognon liegt ungefähr 70 km SSW des Hauptarbeitsgebietes, 20 km
nördlich von Chaumont (Département Haute Marne) an der Rognon, einem Nebenfluß der Marne (Abb. 9). Hier sind entlang der D
67 nach Doulaincourt korallenführende, ooidische bis onkoidische Kalke („Oolithe de Doulaincourt“) auf 5 km Länge
aufgeschlossen. Bei Rochers sur Rognon stehen die Kalke mit 20 m Mächtigkeit an und beinhalten örtlich Bioherme. 4 km weiter
Im N sind, vor und nach der Ortschaft Doulaincourt, entlang der D 67 die gleichen Faziestypen mit einzelnen Riffknollen
aufgeschlossen. Ein weiterer Aufschluß befindet sich bei Froncles les Buxieres im Marnetal.
Stratigraphie: Nach DEBRAND-PASSARD (1980) gehören die Gesteine in die Transversarium-Zone des Mittleren Oxfordiums.
Eindeutige biostratigraphische Anzeiger für ein mitteloxfordisches Alter fehlen jedoch.

Gesamtübersicht: In allen untersuchten Aufschlüssen zeigen sich massige, korallenführende ooidische Onkoid-
Floatstones (vgl. Kap. 4.2.3; Taf. 7) mit weitständiger Bankung im Meterbereich in söhliger Lagerung. Die schlecht
sortierten Onkoide weisen Durchmesser von wenigen Millimetern (Algenonkoide) bis einigen Zentimetern
(Bacinella-Onkoide; vgl. Kap. 4.1.4; s. Taf. 7) auf. Vor allem in Doulaincourt treten zahlreiche dickästige, seltener
30

massige Solenoporaceen (Solenopora jurassica, Solenopora helvetica, Solenopora cayeuxiformis; s. Taf.7) auf.
Häufig sind Nerineen, großwüchsige Diceraten sowie weitere Mollusken (u.a. Trichites) zu beobachten. Sowohl
Onkoide als auch Biogene zeigen fast durchgehend einen starken Inkrustation durch Mikroorganismen (Bacinella,
Lithocodium, Thaumatoporella, Koskinobullina, Tubiphytes, mikrobielle Krusten), häufig auch Epizoen
(Kalkschwämme, Serpeln, Bryozoen, Neuropora). Die Korallen weisen meist ebene, schichtparallel angeordnete
Basisflächen auf und sind meist regellos im Sediment angeordnet. Bereichsweise sind seitlich 20-50 m durchhaltende,
lockere Lagen aus vereinzelten, teilweise voluminösen Korallenkolonien zu beobachten. Als Substrat für die Korallen
dienen hierbei insbesondere Molluskenschalen (u.a. Diceras, Nerinea). Verbreitet sind fladige bis unregelmäßige,
häufig aufstrebende Korallen, hauptsächlich von microsolenidem Bautyp (v.a. Synastrea, ?Microsolena). Die
Korallen zeigen unspezifischen, geringen bis mittleren Zerbohrungsgrad, zum überwiegenden Teil von lithophagen
Bohrmuscheln, teilweise auch durch Troglotella. Die größten Dichte von Anbohrungen ist in den äußeren, jüngsten
Kolonieteilen festzustellen. Es sind einzelne linsenförmige Kleinbioherme (LRO 1, Rochers sur Rognon; vgl. Abb.
31) und kleinere Korallenansammlungen bis hin zu Knollenriffen (LRO 2, Doulaincourt) entwickelt (vgl. Kap. 3.6.3).
Weitere Hauptriffbildner sind Solenoporaceen, mikrobielle Krusten und Mikroinkrustierer.

2.2 Isteiner Klotz


(s. Taf. 7 u. 8)

bersicht über die Aufschlußregion (s.u.): Als „Isteiner Klotz“ wird im geologischen Sprachgebrauch eine, durch
tektonische Störungsflächen abgegrenzte, aus oberjurassischen Gesteinen bestehende Grabenbruchscholle im Bereich
des südlichen Rheingrabens bezeichnet (vgl. z.B. GEYER & GWINNER 1991) Eigentlich bezeichnet dieser Begriff
jedoch den steil aufragenden, topographisch markanten „Felskörper“ im Bereich der Orte Istein und Kleinkems (der
vor der Begradigung des Rheines unmittelbar eine Rheinschlinge überragte). Das Isteiner Juravorkommen setzt sich
aus den morphologischen Untereinheiten des Isteiner Klotzes, der Hohen Schule und des Behlen zusammen.
Hauptuntersuchungsgebiet war der Bereich des morphologischen Isteiner Klotzes (s.o.), wo sich die Hauptaufschlüsse
der Untersuchung (Istein I und Istein II) im Bereich des Ortes Istein befinden. Weitere Aufschlüsse sind bei südlich
von Kleinkems und im Bereich des Höhenzugs des Behlen bei Kandern bearbeitet worden.

Abb. 11: Geographische Übersicht über die Aufschlußregion des "Isteiner Klotzes" im südlichen Rheintal (Baden-Württemberg,
Markgräfler Land)
31

2.2.1 Istein
(vgl. Abb. 11; Taf. 8, 9)

Aufschlußübersicht und Aufschlußbeschreibung: Der Ort Istein liegt östlich des Rheins, 10 km nördlich von Basel, im Bereich
einer alten Rheinschlinge. Die meisten Aufschlüsse liegen, vom namensgebenden Felssporn des Isteiner Klotzes mit seiner Kapelle im
N, bis zum Südhang des Schafbergs zwischen Istein und Efringen-Kirchen im S, entlang des orographisch rechten Prallhanges der
verlassenen Flußschlinge. Der größte Aufschluß im Bereich des Ortes Istein ist der seit einiger Zeit stillgelegte Steinbruch der Firma
Breisgau Zement (Steinbruch I) direkt über dem Ort. Dort sind auf mehreren Steinbruchsohlen die ältesten Abschnitte der Korallen-
Mergel, der gesamte Korallenkalk und überlagernde mikritisch-onkoidische Gesteine aufgeschlossen. An der Auffahrt zur zweiten
Steinbruchsohle (direkt am südlichen Ortsausgang von Istein) und dem benachbarten Tunnelportal der Bahnstrecke Freiburg-Basel
sind gut aufgeschlossene Anschnitte des jüngsten Korallenkalkes einsehbar. Im nördlichen Bereich am Isteiner Klotzenfelsen (Istein
Ib) sind großflächig die unteren und mittleren Bereiche des Korallenkalkes zugänglich. Ungefähr 1,5 km entfernt vom Ort Istein
(Bereich zwischen Istein, Efringen-Kirchen und Huttingen) ist ein zweiter großflächiger, sich derzeit im Abbau befindlicher
Steinbruch (Istein II) vorhanden, der über drei Sohlen die gesamte korallenführende Abfolge erschließt.

Gesamtübersicht: Die ältesten aufgeschlossenen, jurassischen Schichten sind die jüngsten Abschnitte der
Korallenmergel (vgl. Kap. 1.5.2; Taf. 8). In Istein I und II sind lediglich jeweils nur die jüngsten 1-2 m der
Korallenmergel aufgeschlossen, die nach KABELAC (1955) totale Mächtigkeiten bis 5 m aufweisen. Es handelt sich
um graue bis dunkelgraue, teilweise schwach sandige und mikrobolithische Korallen-Platestones, die ein
großflächiges biostromales Gefüge (IS 1, vgl. Kap. 2.2) zeigen. Im Hangenden folgt, nach morphologisch
hervorwitternder, welliger (in der großräumigen Übersicht söhliger) Grenzfläche, der riffartige Korallenkalk. Bei
vertikal fließenden Übergängen läßt sich der Korallenkalk aufgrund von Fazies- und Gefügeunterschieden in 3
Untereinheiten aufgliedern (vgl. Abb. 4). Der älteste Untere Korallenkalk zeigt schwach mergelige und sandige,
mikrobolithische Korallen-Platestones, die ein Großbiostrom aufbauen (IS 2, vgl. Kap. 3.7; Taf. 8). Diese Untereinheit
ist in Istein I und II aufgeschlossen. Nach oben nimmt der siliziklastische Anteil stetig ab, um zwischen ungefähr 6
und 8 m über der Riffbasis auf ca. 2-3 % abzusinken (KABELAC 1955 und eigene Messungen; vgl. Tab. 5). Im
Hangenden folgt mit 15 bis 20 m Mächtigkeit der in allen Aufschlußbereichen aufgeschlossene flächenriffartige
Mittlere Korallenkalk (IS 3, vgl. Kap. 3.7; s. Taf. 8). Im zeitlichen Verlauf dieser Untereinheit ist eine langsame
Auflockerung der Koloniedichte, verbunden mit einer Diversifizierung der Korallenfauna und der Korallen-
wuchstypen zu beobachten. Als weitere Hauptriffbildner treten zusätzlich mikrobielle Krusten auf. Es handelt sich um
ein bioklastisches Korallen-Mikrobolith-Flächenriff (Plate-, Dome- bis Mixstones), daß sich gegen Ende der Einheit
vermehrt in kleinräumigere Korallenboundstones auflöst. Im Verlauf der Ablagerung bildet sich zunehmend eine
weitgespannte sanftwellige Topographie des Riffläche von mehreren Metern aus. Der Wechsel zum Oberen
Korallenkalk ist gekennzeichnet durch die Auflösung der einheitlichen Korallenverteilung des Mittleren
Korallenkalkes in einen Wechsel von Korallen-Boundstones und vorherrschenden korallenfreien bis
korallenführenden Wacke- bis Mudstones. Bei bis ungefähr 10 m Mächtigkeit sind Korallen-Mikrobolith
Kleindickichte (IS 5; s. Taf. 9) oder Normaldickichte (IS 4; vgl. Kap. 3.7) in unregelmäßiger seitlicher Verteilung
ausgebildet. Gleichlaufend zu dieser Entwicklung ist eine weitere Erhöhung der Artenzahl und des Formenreichtums
von Korallen zu beobachten. Als Rifforganismen treten bereichsweise auch Solenoporaceen auf. Einzelne Dickichte
erreichen Durchmesser von etwa 50 m bei vertikal durchgehendem Pillarstonegefüge von ungefähr 5-7 m.
Weitständige Bankfugen bezeugen bereichsweise eine weitere Vergrößerung der welligen Topographie des
Ablagerungsbereiches, die sich jedoch unabhängig von Korallenwachstum ausbildet (vgl. Kap. 3.2; s. Taf. 8).
Innerhalb der Riffgesteine des Mittleren und Oberen Korallenkalkes sind isolierte, dünnlagig-geschichtete,
horizontale Hohlraumsedimente zu beobachten (s. Taf. 9) mit örtlich wechselnder Faziesausbildung. Es sind
grünliche bis bräunliche, mergelige bis teilweise kalkige Sedimente (z.T. mit Seeigelstacheln) ausgebildet sowie
eisenoxidreiche Sedimente. Örtlich sind horizontale Lagen radiaxalen Kalzits zu beobachten, überlagert von dünnen
Lagen feinkörnigen Sediments. Über dem Oberen Korallenkalk ist über weite Bereiche eine deutliche
32

Diskontinuitätsfläche mit erosivem Relief ausgebildet, die örtlich durch eisenoxidische bis intraklastische Sedimente
überlagert wird (vgl. Kap.2.2.3). Das Riffwachstum wird beendet von schlammigen onkoidischen Faziestypen, die
nach oben zunehmend dezimetergebankt sind. Teilweise sind vereinzelte Korallenbruchstücke oder dickfladige
Korallen zu sehen. Es handelt sich um schwach bioklastische bis mikrobolithische Onkoid-Intraklast-Lituoliden-
Floatstones (vgl. Kap. 4.2.3). Bereichsweise sind lituolide Foraminiferen (Ammobaculites) häufig; es treten weiter
Textularia, Egerella und nubeculariide Foraminiferen auf. Bei den Korallenbruchstücken handelt es sich meist um
ästige Wuchstypen (Calamophylliopsis, Dermoseris, Stylosmilia). Auf den Korallenästen, und teilweise auch
scheinbar frei im Sediment, ist Bacinella verbreitet. Im mikroskopischen Bereich sind innerhalb des makroskopisch
mikritischen Sediments häufig wolkig-schlierige Strukturen erkennbar, die auf das Vorhandensein mikrobieller
Krusten bzw. Filme hindeuten, die das Sediment durch- bzw. überziehen. Örtlich sind terebratulide Brachiopoden
häufig; Gastropoden (Pleurotomaria sp., Trochus sp.) und Bruchstücke sowie größere Aggregate von Serpeln sind
verbreitet. Eine umfassende Auflistung der Fauna gibt HUG (1897), der u.a. noch einzelne Funde von Diceras und
von Cephalopoden (Persiphinctes chavattensis) nennt. Bei stetig ansteigendem Gehalt an Onkoiden gehen diese
Gesteine schließlich im zeitlichen Verlauf schließlich korallenfreie, mikritische Faziestypen über, die örtlich
kleinräumige (einige dm), muldenförmige bis kanalisierte Sedimentkörper aufweisen. Dieses Schichtglied wird
aufgrund seines scherbigen Bruches von KABELAC (1955) als „Splitterkalk“ bezeichnet. HUG (1897) spricht aufgrund
des örtlich erhöhten Anteils von Brachiopoden vom „Brachiopodenkalk“.

2.2.2 Kandern (SKA)

Aufschlußbeschreibung: Der Aufschluß liegt westlich der L 134 ungefähr 2 km von Kandern in Richtung Hammerstein (Abb. 11).
Es handelt es sich um einen aufgelassenen Steinbruch von ungefähr 250 m Basislänge und einer maximaler Höhe von ungefähr 30
m. Ein Großteil des Steinbruchs wird heute vom Ernst-Mach-Institut für Ballistik eingenommen. Stratigraphie: Die untersuchten
Gesteine gehören lithologisch in die mittleren bis jüngsten Bereichen des Korallenkalkes.

Gesamtübersicht: Die gesamte Schichtfolge zeigt meist massige, weniger lagige bis undeutlich geschichtete, mikritische
bis schwach bioklastische Korallen-Plate- bis Mixstones im Wechsel mit korallenführenden Bioklast-Wackestones. Die
Korallen sind meist frei im Sediment verteilt und bauen bereichsweise fleckenartige Ansammlungen oder Knollenriffe bis 2
m Durchmesser auf, wobei der Anteil der Korallen pro m2 Aufschlußfläche 10-40 % beträgt. Einzelne Schichtfugen
bezeugen ein flachwelliges Paläorelief von bis zu 3 m. Direkt über diesen Diskontinuitätsflächen ist die Ausbildung von
Riffgerüsten und ein vergleichsweise starkes Korallenwachstum (v.a. von ästigen Wuchstypen) zu beobachten. Bei den
massiven Korallen dominieren microsolenide Skelettypen (Microsolena, Dimorpharaea?, Fungiastrea, Synastrea) mit
Anteilen von 60-90 % am gesamten Korallenvolumen. Weiter vertreten sind Thamnasteria, Isastrea, Dendraraea,
Calamophylliopsis, Dermoseris und die solitäre Montlivaltia. Calamophylliopsis und Stylosmilia treten nur als Bruchstücke
auf. Die Korallenfauna wird von dünn- bis dickfladigen Wuchsformen dominiert. Massige, unregelmäßige bis aufstrebende
Formen sind verbreitet und besonders in größervolumigen Boundstones häufig. Bereichsweise sind bei Microsolena
Übergänge von massig-unregelmäßigem Wuchs in ramosen Wuchs zu beobachten. Juvenile Korallenkolonien mit wenigen
cm Durchmesser zeigen allgemein massige, abgerundete Formen. Die fladigen Korallenkolonien weisen fladige bis
tellerförmige Wuchsformen auf, bei oft unregelmäßige Oberseiten. Fladig-viellappiger Wuchs ist verbreitet, z.T. sind auch
diskusförmige Kolonien ausgebildet. Die Kolonien sind meist parallel zur Schichtung angeordnet, zeigen aber verbreitet
auch eine winklige bis im Extremfall senkrechte Ausrichtung, die bereichsweise sogar vorherrschen kann. Die massige
Wuchsformen sind oft durch getreppte Ränder („rugged margins“) gekennzeichnet. Die Größenverteilung der Korallen-
kolonien weist Durchmesser von wenigen cm bis 50 cm auf, mit einem deutlichen Maximum zwischen 13 und 32 cm.
Untergeordnet treten thrombolithische Krusten, oft mit nubeculariiden Foraminiferen assoziiert, als Aufwüchse an den
Oberseiten der Korallen auf. Die Korallen sind häufig von Mikroinkrustierern besiedelt, die meist jedoch nur dünne
Überzüge bilden. Hier sind v.a. Serpeln und Bryozoen („Berenicea“, Stomatopora) häufig. Bacinella und Lithocodium
können als durchgehender Bewuchs an Korallenoberseiten auftreten. Auffällig ist hierbei die stärkere Inkrustation der
zahlreichen Bruchstücke von ästigen Korallen. Mollusken, v.a. Muscheln und Austern und zweitrangig Gastropoden (u.a.
33

Nerineen, Pleurotomarien) sind, meist als Bruchstücke, häufig. Seeigel (Paracidaris, Hemicidaris) und Crinoiden
sind durch zahlreiche Bruchstücke, sowie einzelne Crinoidenwurzeln dokumentiert und örtlich zum Teil angereichert
Schließlich treten wenige Bruchstücke von Kalkschwämmen und Neuropora auf. Außerdem finden sich verbreitet
planktische Foraminiferen (v.a. Lenticulina, Textularia). Der Grad der Zerbohrung durch Bohrorganismen
(Bohrmuscheln und Bohrschwämme zu etwa gleichen Anteilen) schwankt von gering bis stark, liegt aber meist bei
mäßig bis mittelstark. Ein zeitlicher oder gattungsbezogener Trend ist, mit Ausnahme der vergleichsweise stark
zerbohrten Microsolenen, nicht auszumachen.

2.2.3 Kleinkems
(vgl. Taf 9)

Aufschlußbeschreibung: Bei dem Aufschluß handelt es sich um einen, erst kürzlich aufgelassenen Steinbruch der Firma
Breisgauer Zement am Westabfall des Isteiner Klotzes zum Rhein hin, der 500 m südlich der Ortschaft Kleinkems an der L 137
liegt (Abb. 11). Der Steinbruch zeigt eine Basislänge von ungefähr 800 m. Bis auf die untersten Bereich ist der gesamte
Korallenkalk in einer Mächtigkeit von ungefähr 30 m aufgeschlossen, gefolgt von mikritischen bis onkoidischen Faziestypen. Es
wurden in Kleinkems nur die obersten Bereiche des Korallenkalkes am Übergang zu den hangenden Faziestypen bearbeitet.

Gesamtübersicht: Der oberste Korallenkalk zeigt im untersuchten Aufschlußbereich lockere Korallenansammlungen


und Kleindickichte. Wenig über dem Abschluß der Riffgesteine ist eine gut ausgebildete Diskontinuitätsfläche zu
beobachten. Diese Fläche ist z.T. über mehrere Dekameter durchgängig zu verfolgen bei einem deutlichen Relief bis
teilweise 70° Gefälle. Die Diskontiniuitätsfläche wird von feindetritischen bis intraklastischen Gesteine überlagert.
Bereichsweise sind geringmächtige horizontale Algenlaminite zu beobachten, die durch einzelne intraklastische
Lagen getrennt sind (vgl. Kap. 2.2.3, 4.2.4; Taf. 9). Laminierte, mit bräunlichem, eisenoxidischen Sediment verfüllte,
linsenförmige „Spaltenfüllungen“ sind, bei söhliger Lagerung, horizontunabhängig im liegenden Korallenkalk zu
beobachten.

2.3 Schwäbische Alb/Arnegg

Beschreibung des Aufschlußbereiches (vgl. Abb. 12-14; Taf. 10, 11): Der Aufschlußbereich befindet sich ungefähr 15
km SW von Ulm, dem Blautal folgend, bei der Ortschaft Arnegg. Kurz nach dem südlichen Ortsausgang in Richtung
Dietingen (an der K 7378) sind zuerst rechts (Steinbruch Ia 200 m von der K 7378) und dann links (Steinbruch II
direkt an der K 7378) zwei aufgelassenen Steinbrüche vorhanden. Der (Haupt-)Steinbruch Ia zeigt, bei einer Basislänge
von 350 m und einer maximalen Aufschlußhöhe von ungefähr 50 m, alle korallenführenden Fazieseinheiten (s.u.).
Oberhalb von Steinbruch Ia befindet sich 100 m westlich der stark zugewachsene Steinbruchteil Ib. Hier sind
mikrobolith- und kieselschwammführende bis korallenführende Gesteine auf einer Aufschlußlänge von 250 m und einer
Höhe bis 10 m aufgeschlossen. Weitere kleinere Aufschlußpunkte (Ic, Id, Ie, If, Ig) befinden sich im Umfeld von
Steinbruch Ia und Ib. Steinbruch Ic und Id liegen im Bereich der Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazieseinheit (s.u.); die
Aufschlußpunkte Ie, If und Ig im Bereich korallenführender Gesteine. 100 m südlich der Einfahrt zu Steinbruch Ia weiter
in Richtung Dietingen befindet sich direkt links (östlich) der K 7378 Steinbruch II mit der gesamten Abfolge aller
Riffeinheiten (von der Kieselschwamm-Mikrobolith- bis zur Korallenriffazies). Bei etwa 55 m Aufschlußhöhe, beträgt
die Aufschlußbasis rund 200 m.

2.3.1 Strukturelle Übersicht über den Aufbau des Riffkomplexes

Struktur und Geometrie


(vgl. Abb. 13)

Die Korallenkalke von Arnegg stellen einen zusammenhängenden Riffkomplex von schätzungsweise 1 km Durchmesser
dar mit einer zeitlichen Abfolge verschiedener Riffbildnerassoziationen (s.u.). Insgesamt zeigt der Riffkomplex im
34

Laufe seiner Entwicklung eine unregelmäßig-kuppelförmige Form mit Höhendifferenzen zeitgleicher Gesteine (s.u.)
von ungefähr 20-40 m. PAULSEN (1962) nennt 470 m ü. NN. als erbohrte Tiefenlage für den Grenzbereichs Obere
Felsenkalke/Liegende Bankkalke in der Aue des Blautals, repräsentiert durch brekziöse Gesteine. Da diese Grenze
in Form einer von Brekzien gesäumten Diskontinuitätsfläche in Steinbruch Ia auf ungefähr auf 525 m ü. NN.
ausstreicht (vgl. Abb. 15), ergibt dies ein initiales Paläorelief von mindestens 55 m zu Beginn der Ablagerung der
Korallenkalke. Berücksichtigt man das Auftreten der älteren Kieselschwamm-Mikrobolith-Korallen-Fazieseinheit
(s.u.) in Steinbruch Ib, so ist sogar ein Paläorelief um 100 m wahrscheinlich. In Steinbruch II entspricht die
Höhenlage der Grenzfläche (s. Taf. 10) in etwa der von Steinbruch Ia. Über die gesamte Ablagerungszeit ist für die
korallenhaltigen Gesteine eine allgemeine Faziesverteilung mit radialer Anordnung riffschuttdominierter
Hangsedimente im Bezug zu einem (nur teilweise aufgeschlossenen) zentralen Bereich des Riffkomplexes zu
beobachten. Hierbei erfolgte die stärkste Schüttung, gekennzeichnet durch die größten Sedimentmächtigkeiten, in
nördliche Richtung. Es läßt sich somit ein in der Aufsicht unregelmäßig-rundlicher bis ovaler Grundriß des
Riffkomplexes mit Durchmessern von ungefähr 800 m in N-S-Richtung und 600 m in E-W-Richtung
wiederherstellen (Abb. 12). Diese Beobachtung wird eingeschränkt durch die heutige Überdeckung der Riff-
sedimente im W und SW des Riffkomplexes durch jüngere Sedimente. Es gibt jedoch keine Anhaltspunkte für eine
ausgedehntere Erstreckung der Riffgesteine in diese Richtungen (vgl. auch PAULSEN 1962; Abb. 12). Im Laufe der
Ablagerungsgeschichte progradieren die Riffsedimente nach außen und bedecken eine immer größere Fläche.

Abb. 12: Aufsicht des Arnegger Riffvorkommens mit Lage der einzelnen Teilaufschlüssen (nach PAULSEN 1964)

Schichtabfolge und Schichtlagerung


(Abb. 15, 16)

In vertikaler Folge lassen sich im Bezug auf Riffbildnerassoziationen und fazielle Ausbildung 3 Fazieseinheiten,
benannt nach den vorhandenen Hauptriffbildnern (vgl. Kap. 3.2; Abb. 13; Taf. 10), ausscheiden. Es folgen vom
Liegenden zum Hangenden: Die Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazieseinheit („Schwammfazies“ nach PAULSEN
(1964) oder kurz AS), die Kieselschwamm-Mikrobolith-Korallen-Fazieseinheit („Mischfazies „ nach PAULSEN
(1964) oder kurz AM) und die Korallen-Fazieseinheit („Korallenfazies“ nach PAULSEN (1964) oder kurz AK). Der
35

Schwerpunkt der Untersuchungen wurde weitgehend auf die korallenführenden Fazieseinheiten gelegt.
Die Kieselschwamm-Mikrobolith-Korallen-Fazieseinheit zeigt in Steinbruch Ia 25-30 m absolute Mächtigkeit, während die
Korallen-Fazieseinheit mindestens 30-35 m aufweist. In Steinbruch II beträgt die Mächtigkeit der Einheiten 25 und 20 m.
Aufgrund fazieller und struktureller Unterschiede werden die einzelnen Fazieseinheiten in vertikaler Folge weiter, jeweils
vom Liegenden ins Hangende, in Faziesuntereinheiten untergliedert (z.B. AK I, AK II). Die kuppenförmige Ausbildung des
Riffkomplexes bedingt eine räumliche Abfolge in einen Zentralbereich und einen oberen, mittleren und unteren
Hangbereich. Es ist ein nach unten konkaves, nach oben konvexes ausgebildet. Nach wenig geneigter bis örtlich annähernd
söhliger Schichtlagerung im Zentralbereich zeigt sich eine deutliche Steigerung des Schichtfallens im oberen Hangbereich,
der in einen mittleren Hangbereich übergeht. Das daran hangabwärts anschließende Abnehmen des Schichtfallens zeigt den
Übergang in den flachgeneigten unteren Hangbereich an. In der Aufschlußsituation von Steinbruch Ia sind die allgemein
größten Hangneigungen in östliche Richtung ausgebildet. Gegen N nehmen die Werte ab. Im nordgerichteten Hangbereich
zeigt sich hierbei im zeitlichen Verlauf eine Abnahme des Schichtfallens. Im Bereich der jüngsten Korallenfazies (AK II)
ist im zentralen Bereich des Riffkomplexes (Aufschlußbereich von Steinbruch Ib) eine kleinräumige Topographie mit
Schichtfallen in nord- bis südöstliche Richtung überliefert. Die mit 0-14° im allgemein geringsten Hangneigungen innerhalb
des Arnnegger Riffkomplexes sind in zentralen Bereichen des Riffkomplexes (AM III) vorhanden. Die allgemein höchsten
Werte sind in den ältesten Teilen des mittleren, nach E gerichteten Hangbereich zu beobachten (AM I). Höchstwerte des
Schichtfallens von bis zu 50° sind kleinräumig bei, den Riffkörper AM II 3 I (s. Kap. 2.3.2; Taf. 10) überlagernden,
Riffschuttbänken zu beobachten. Diese maximalen Hangneigungen werden wahrscheinlich durch die zusätzliche
„diagenetische Versteilung“ des Schichtfallens aufgrund der differentiellen Kompaktion von massigen, schnell verhärten
Riffkörpern auf der einen und überlagernden Schuttbänken auf der anderen Seite, verstärkt (vgl. SCHROEDER & PURSER
1986). In Steinbruch II (vgl. Abb. 14; Taf. 10) zeigen die korallenführenden Schichten in den vorliegenden
Aufschlußgegebenheiten ein durchwegs nach N bis NE gerichtetes Schichtfallen mit Beträgen zwischen 5 bis 25 (41)°. Die
höchsten Fallbeträge (s.o.) repräsentieren ein, dem allgemeinen Fallen übergeordnetes, kleinräumiges Relief im Bereich
über einer Diskordanzfläche (Grenze AM I/AM II; s.o.). Die Sedimentmächtigkeiten nehmen hier vom Zentralbereich über
den mittleren Riffhang zum unteren Hangbereich hin zu. Vor allem in der Korallenfazies zeigen sich ab dem mittleren
Hangbereich deutlich nach distal ansteigende Bankmächtigkeiten.

2.3.2 Übersicht über die einzelnen Fazieseinheiten


(vgl. Abb. 13)
Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazieseinheit (AS)

Die ältesten Bereiche des Riffkomplexes werden einheitlich von der riffartigen Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazieseinheit
gebildet. Diese Fazieseinheit ist in Steinbruch II (10 m Mächtigkeit; s. Taf. 11) und Steinbruch Ib (5 m Mächtigkeit)
sichtbar und besteht aus grauen bis gelblichen Kalksteinen mit massiger, teilweise lagiger Struktur und unregelmäßigen und
weitständigen Gesteinsfugen. Riffbildner sind mikrobielle Krusten und Kieselschwämme in wechselnden Anteilen. Es
zeigen sich sowohl lithistide als auch hexactinellide Schwämme. Hexactinellide Typen verlieren mit abnehmendem Alter
ihre Vorherrschaft bei den Kieselschwämmen und werden zunehmend von lithistiden Typen abgelöst. Vom Volumen
dominieren thrombolithische, klumpige bis peloidale Krusten; untergeordnet sind stromatolithische Krusten (peloidale bis
agglutinierende Gefügetypen) verbreitet. Die Kieselschwämme zeigen v.a. dünnfladige bis fladige, untergeordnet auch
becherförmige Wuchsformen. Meist ist die Orientierung parallel zum Paläohang, häufig aber auch winklig bis z.T.
senkrecht dazu. Die Grundmasse der Gesteine wird von schwach bioklastischen, spiculithischen Wackestones gebildet.

Kieselschwamm-Mikrobolith-Korallen-Fazieseinheit (AM)

Der Beginn der ungefähr 25-30 m mächtigen Fazieseinheit wird durch das Erscheinen von ersten Korallenkolonien definiert
(s. Taf.11). Vertikal ist eine deutliche Änderung der Faziesverteilung und der Riffbildnergemeinschaften zu beobachten
bei einem steigenden Volumenanteil klastischer Komponenten. Die Korallenzahl steigt im Laufe der Einheit deutlich an. Die
36

Steinbruch Ib

AK II 1

Abb. 13: Übersicht der Hauptaufschlußwand (Steinbruch I und Ib) von Arnegg mit Lage der einzelnen Fazieseinheiten und Riffkörper. Das Schichtfallen zeigt die geringsten Werte im zentralen Bereich des
Plattformriffes, steigt dann zum mittleren Hangbereich an und verringert sich schließlich zu dessen unteren Bereich hin. Die höchsten Fallbeträge treten örtlich im Bereich von Riffkörpern auf (vl. Kap.
2.3.2). Von der Kieselschwamm-Korallen-Mikrobolith-Fazieseinheit sind der randliche Zentralbereich und der mittlere Hangbereich aufgeschlossen, von der Korallen-Fazieseinheit der gesamte mittlere
Hang (vgl. Kap. 2.3.1). Das Auftreten der Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazieseinheit (AS) in den topographisch höchsten Abschnitten des Aufschlußbereiches (Steinbruch Ib) stellt die seichtesten
Bereiche des kuppenförmigen Paläoreliefs des Meeresbodens vor dem Einsetzen des Wachstums von Riffkorallen dar.
37

Artenzahl nimmt hierbei von geringen auf mittlere Werte zu. Die Beteiligung von mikrobiellen Krusten zeigt
wechselnde Anteile und bleibt weitgehend auf die ältesten Abschnitte und auf Riffkörper beschränkt, wo sie jedoch
hohe Volumenanteile einnehmen. Bei den Schwämmen ersetzen die Lithistiden Typen im Laufe der Zeit die
hexactinelliden Typen. In der seitlichen Übersicht ist ein deutlicher Unterschied in Gehalt und Zusammensetzung der
Rifforganismen zwischen Riffkörpern und umgebenden klastischen Sedimenten festzustellen, wobei v.a. Korallen und
lithistide Korallen die klastischen Bereiche dominieren. Die Fazieseinheit läßt sich aufgrund der Faziesausbildung vertikal
in drei Faziesuntereinheiten (AM I-III) gliedern (vgl. Abb 13). Nach einem einheitlichen, schlammigen biostromalen
Riffkörper (Faziesuntereinheit AM I = Riff AM I 1; s. Taf. 11), folgen die von bioklastischen Sedimenten geprägten
Faziesuntereinheiten AM II und AM III mit einzelnen biostromalen bis biohermalen Riffkörpern (AM II 3 I und 2 II). Der
Bioklastenanteil innerhalb dieser Untereinheiten steigt im Laufe der Ablagerung von spiculithischen Bioklast-Peloid-
Wackestones zu Bioklast-Packstones hin an, verbunden mit der Zunahme riffreier Flächen. Vor allem in den
Hangbereichen herrschen bioklastische Sedimente vor. Häufig sind gröberklastische, teilweise tuberoidische Komponenten,
die Float- bis Rudstonegefüge aufbauen. Eine durchgängige seitliche Abfolge von Faziesuntereinheit AM III, vom
zentralem Bereich des Riffkomplexes bis hin zu den unteren Bereichen des mittleren Hanges, ist in Steinbruch Ia aufge-
schlossen. Von Faziesuntereinheit AM I und AM II sind ausschließlich mittlere Hangbereiche angeschnitten. Der Bereich
des äußeren Riffhanges aller Fazieseinheiten ist in Steinbruch II sichtbar.

Abb. 14: Übersichtsskizze von Steinbruch II in Arnegg (AS= Schwammfazies; AM= Mischfazies; AK: Korallenfazies; B:
Schuttstromablagerungen (intraklastsische und tuberolithische Grainstones).

Faziesuntereinheit AM I als die älteste korallenführende Faziesuntereinheit zeigt durchgehend riffartiges


Boundstonegefüge (Riff AM I 1; vgl. Kap. 2.3.2) aufgebaut aus mikrobiellen Krusten und Kieselschwämmen. Im
Laufe der Ablagerung nimmt der Korallenanteil zu (korallenführende Mikrobolith-Kieselschwamm-Boundstones bis
Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen-Boundstones). Die Grundmasse ist schlammig-peloidal bis bioklastisch-
spiculithisch mit teilweise hohem Anteil an Tuberoiden (Wackestones bis Floatstones). In den jüngsten Bereichen
sind bei östlicher bis nordöstlicher Schüttungsrichtung bereichsweise brekziöse, stark tuberoidische bis intraklastische
Rudstones (vgl. Kap. 4.2.4) entwickelt. Den Abschluß markiert eine deutliche Diskontinuitätsfläche, welche die Grenze zur
hangenden Faziesuntereinheit AM II darstellt. Die Fläche zeigt ein kleinräumiges Relief (Steinbruch Ia und II; s. Taf. 10)
mit Fallbeträgen von 5-41°, in der Aufschlußübersicht zwischen 18-25°.
Faziesuntereinheit AM II folgt, bei einer Mächtigkeit von 10-12 m, über der liegenden Diskordanzfläche (s.o.). In
stark bioklastischen Wacke- bis Packstones ist ein, im Vergleich zur liegenden Untereinheit AM I, stark erhöhter
Anteil an Korallenkolonien zu beobachten. In mittlerer Hangposition zeigt sich in den älteren Bereichen die örtliche
Ausbildung von Biostromen (AM II 2 I-III; vgl. Kap. 3.8), in den mittleren Bereichen von Biohermen (AM II 3 I und
38

II; vgl. Kap. 2.3.2; Taf. 10). Im unteren Hangbereich (Steinbruch II) sind kleinräumige (1-3 m Durchmesser)
Korallen-Mikrobolith-Rasen entwickelt. Die Häufigkeit und Zusammensetzung der Riffbildner in den jüngeren
Abschnitten AM II und AM III zeigt deutliche Unterschiede zwischen Riffkörpern und bioklastischer Schuttfazies.
Bei fast durchgehender Vorherrschaft von microsoleniden Korallen als Riffbildner (Ausnahme AM II 4), sinkt
innerhalb der klastischen Faziestypen der Anteil der Kieselschwämme deutlich und mikrobielle Krusten
verschwinden fast ganz. Geringmächtige Biostrome (AM II 2 I-III) innerhalb schuttdominierter Hangbereiche zeigen
einen erhöhten Gehalt an Riffbildnern, v.a. microsoleniden Korallen und lithistiden Schwämmen Als
charakteristisches Faunenelement sind weiter auf Korallen siedelnde Chaetetiden verbreitet (s. Taf. 11). Innerhalb der
Bioherme AM II 3 I und II zeigt sich ein hoher Gehalt an allen drei Hauptriffbildnern. In den schuttreichen
Faziesflächen dominieren bei Korallen durchgehend fladige Wuchstypen. In den Biohermen dominieren fladige
Wuchstypen, gefolgt von massigen oder unregelmäßigen und selten ästigen Wuchstypen. Innerhalb der Bioherme ist
eine deutliche Sukzession von Riffbildnern mit der Zunahme von fladigen Kieselschwämmen und thrombolithischen
und stromatolithischen Krusten festzustellen. Innerhalb der Bioherme AM II 3 zeigt sich der höchste Anteil von
Kieselschwämmen und mikrobiellen Krusten im Rahmen der Mischfazies (s.o.). Thrombolithische Krusten sind
innerhalb der bioklastischen Fazies nur als Aufwüchse in geschützten Hohlräumen kleinerer Korallenansammlungen
festzustellen. In den jüngsten zentralen Bereichen der Mischfazies zeigen sich z.T. massige, grobklastische bis
tuberoidische Float-/Rudstones mit teilweise hoher Dichte fladiger Korallen. Der Zentralbereich weist einen
Durchmesser von mindestens 300 m auf (Distanz Aufschlußbereich I und Ib; vgl. Abb. 12). Der räumliche
Zusammenhang mit Sedimenten in Steinbruch Ib ergibt sich durch entsprechende Faunenassoziationen, Faziestypen,
Gesteinsgefüge, Sedimentgefüge und Schichtlagerungsverhältnisse. Es kommt jedoch nicht zur Ausbildung von
Riffkörpern. In der Häufigkeit folgen lithistide Kieselschwämme. Mikrobielle Krusten sind als kleinräumige
Aufwüchse verbreitet. Vollständige Korallenkolonien sind einzeln und in Ansammlungen verbreitet bis häufig (5-30
%/m2). Es handelt sich um meist dünnfladige, seltener fladige oder massige Wuchstypen oder Mischformen. Die
Anordnung im Gestein ist meist parallel zur Riffbasis (60-80 % der Kolonien), häufig auch schräg, vereinzelt auch
senkrecht. Teilweise sind wellenförmige oder zerbrochen-geknickte Exemplare feststellbar. Es herrschen
zahlenmäßig juvenile Kolonien mit Durchmessern von 5-15 cm vor, größere Exemplare erreichen meist 15-30 cm,
selten mehr. Eine dünnfladige Kolonie weist ausnahmsweise einen Durchmesser von 120 cm auf. Es konnten
Microsolena?, Dimorpharaea, Actinaraea, Latusastrea?, Microsolena, Isastrea, Thamnasteria und Synastrea? ge-
funden werden. Bruchstücke ästiger und solitärer Korallen sind häufig. Besonders zahlreich und charakteristisch sind
umgestürzte Exemplare von Latiphyllia. Desweiteren sind Gonicora, Latomeandra, Calamophylliopsis, Dermosmilia,
Thecosmilia, Montlivaltia, Enalhelia? und Goniocora zu beobachten. Selten vorhandene vollständige Schwämme
weisen meist fladig-tellerförmigen, seltener röhrenförmigen Wuchs auf bei deutlicher Dominanz der lithistiden
Skelettypen. Die fladigen Kieselschwämme zeigen alle Anordnungen bis hin zur senkrechten Ausrichtung der
Flächen. Die röhrenförmigen Exemplare sind liegend überliefert. Mikrobielle Krusten sind nur lokal als dünne fetzige
Aufwüchse, v.a. an ästigen Korallen und Schwämmen feststellbar. Teilweise inkrustieren fladige Chaetetiden bis 25
cm Durchmesser die Korallen. Während die Korallenbruchstücke meist vergleichsweise grob und schlecht gerundet
sind, sind die Bruchstücke von Kieselschwämmen und mikrobiellen Krusten kleiner und meist gerundet bis gut
gerundet. Im Hangenden folgt ein linsenförmiges, massiges kieselschwammführendes Thrombolith-Bioherm (AM II
4, vgl. Kap. 2.3.2; Abb. 13; Taf. 10). Auffällig sind größere stromatolithisch bis sparitisch gefüllte Hohlräume. Die
seitliche Erstreckung ist aufgrund der eingeschränkten Aufschlußbedingungen unklar, beträgt, bei linsenförmigem
Umriß, wahrscheinlich aber mehrere Dekameter. Krustenreiche Faziestypen in Steinbruch Ib scheinen die seitliche
Äquivalente dieses Riffkörpers darzustellen (vgl. Kap.2.3.2). In den untersten Bereichen (Steinbruch II) sind
außerdem Kieselknollen bis 6 cm vorhanden.
Faziesuntereinheit AM III wird von bioklastischen Faziestypen dominiert und zeigt außer kleineren Boundstones in
Form örtlicher Korallenansammlungen keine Riffkörper. Es eine seitliche Zweiteilung in einen korallenreicheren,
grobklastisch-ruditischen Zentralbereich bis oberen Hangbereich (Aufschlußsituation Steinbruch Ia und Ib) und
39

bioklastisch-arenitischen mittleren Hangbereich (Aufschlußsituation Steinbruch Ia) beobachtbar. Der zentrale, 3-4 m
mächtige, Bereich (s. Taf. 10) wird aus einer Abfolge meterdicker kieselschwammführender Korallen-Rudstones
(Boundstones) gebildet. In Steinbruch Ia zeigen sich von Korallenbruchstücken dominierte Rudstones, die nach oben
zunehmend fladige Korallen (v.a. die microsoleniden Gattungen Dimorpharaea, Actinaraea, Synastrea? sowie
Fungiastrea, Thamnasteria, Isastrea, Enalhelia und Calamophylliopsis zeigen (vgl. Tab. 1), die teilweise
kleinvolumige Boundstones aufbauen. Häufig sind Bruchstücke von Thecosmilia und Latiphyllia. Am Übergang zum
mittleren Hangbereich gehen die Ablagerungen des Zentralbereichs in dezimeter- bis meterdick gebankte
bioklastische, im oberen Hangbereich teilweise tuberoidische, Pack-/Floatstones über. Diese Gesteine halten als
deutlich abgesetzte massig-dickgebankte Einheit den gesamten mittleren Hangbereich durch. Diese Sedimente zeigen
einen hohen Gehalt an Riffbildnerbruchstücken bei jedoch nur geringem Vorhandensein von vollständigen
Exemplaren. Örtlich sind kleinere Korallenansammlungen und -lagen mit offenem bis verbundenem Gefüge
entwickelt. Im Bereich direkt über den Biohermen AM II 4 ist, in einem Bereich mit annähernd söhliger Lagerung
lokal ein bioklastisches Latomeandra-Kleindickicht (s.Taf.12) ausgebildet. Zum unteren Hangbereich hin nimmt die
Klastengröße deutlich ab (Bioklast-Packstones).
Im Südteil von Steinbruch Ib sind dickgebankte, leicht nach SSE fallende Korallen-Float-/Rudstones aufgeschlossen.
Es ist ein hoher Anteil (etwa 20-40 %), vorwiegend großer Korallenbruchstücke und vereinzelter fladiger Korallen
enthalten. Kleine Korallenansammlungen sind vereinzelt. Die Korallenfauna besteht aus Actinaraea, Synastrea,
Fungiastrea?, Microsolena?, Isastrea, Convexastrea, Latomeandra, Microphyllia, Latiphyllia und Thecosmilia.
Fladige lithistide Kieselschwämme sind verbreitet, Aufwüchse von Chaetetiden vereinzelt. Auffällig sind einzelne
große Bruchstücke (bis 12 cm) mikrobieller Krusten (Tuberoide).
Das gesamten Gesteine des zentralen Riffbereiches (Steinbruch Ia) sind durchsetzt von feinen Rissen bzw. Klüften,
die dem Gestein eine feinbrockige, schwach zerrüttete Struktur geben. Für das Auflösen des ursprünglichen
Gesteinsgefüges durch feine Risse sind gravitative Bewegungen am Hang, eventuell verbunden mit tektonische
Ereignissen denkbar (vgl. Kap. 4.2.4).

Korallen-Fazieseinheit (AK)

Die Ablagerungen der Korallenfazies sind v.a. in Steinbruch Ia und I b sowohl in der vertikaler als auch seitlicher
Erstreckung aufgeschlossen. Gesteine der Korallenfazies sind weiter in den Aufschlußbereichen Ie bis Ig sowie
Steinbruch II anzutreffen (vgl. Abb. 13, 14). Die Korallen-Fazieseinheit zeigt eine scharfe lithologische und
faunistische Abgrenzung von der liegenden Mischfazies. Die Korallen-Fazieseinheit wird von bioklastischen Kalken
dominiert. Die Riffbildnerfauna ist von massigen Korallen geprägt. Andere Rifforganismen haben, abgesehen von
bereichsweise häufigen lithistiden Kieselschwämmen, kleinvolumigen Aufwüchsen mikrobieller Krusten und
Chaetetiden, keinen nennenswerten Anteil am Aufbau von Riffgefügen. Es lassen sich zwei stark von bioklastischen
Faziestypen dominierte Faziesuntereinheiten abtrennen: eine untere von biostromalen Riffkörpern gekennzeichnete
(AK I) und eine oberen von kleineren Fleckenriffen und Riffknollen gekennzeichnete Einheit (AK II). AK I zeigt im
Bereich von Steinbruch Ia Bioklast-Packstones (Wacke-/Floatstones) des mittleren Hangbereichs (NE-Exposition)
mit eingeschalteten, übereinander „gestapelten“ Korallen-Biostromen (AK I 1; Abb. 13; Taf. 10). In Steinbruch Ic sind
innerhalb von, mit 15° nach N fallenden, dickbankigen, bioklastischen Faziestypen linsenförmige Kleinbiostrome von
wenigen Metern Basisdurchmesser und einigen Dezimetern Mächtigkeit entwickelt. In Steinbruch II sind
mikritreiche, korallenführende Ablagerungen in Ost-Exposition ausgebildet. Die höchsten Bereiche des mittleren
Hanges und der zentrale Bereich des Riffkomplexes dieser Fazieseinheit sind keinem Aufschlußbereich
aufgeschlossen bzw. sind nicht mehr vorhanden. Im zeitlichen Verlauf ist gegen Ende der Riffentwicklung eine
allgemeine Steigerung des Schlammanteils und eine Abnahme des Korallen- und Boundstoneanteils festzustellen
Faziesuntereinheit AK I zeigt, bei einer Mächtigkeit von etwa 20 m, durchgehend dickgebankte (bis 220 cm)
korallenführende Bioklast-Packstones (Wackestones) bis biostromale Korallen-Boundstones (Riff AK I 1; vgl. Kap.
40

2.3.2; Tab. 10, 11). Das Domestonegefüge ist geschlossen. Die Anzahl der Arten ist mittelhoch (vgl. Kap. 6.2.5). Im
mittleren Hangbereich, bei Schichtfallen von 15-25° zeigt sich eine vertikale „Stapelung“ gleichartiger Biostrome
(AK I 1). Die Biostrome folgen senkrecht, unterbrochen durch bioklastische Sedimente, meist wenige Dezimeter bis 2
m übereinander und weisen Boundstonegefüge bis ungefähr 2,5 m Mächtigkeit auf. Zu den oberen Teilen des
mittleren Hanges hin sind vertikal durchgehende Boundstones von mehreren Metern ausgebildet, bei gleichzeitig
maximalen Korallengrößen (bis über 1 m). Die Mächtigkeit, der vertikale Abstand, die Zahl der Biostrome und die Größe
der Korallen nimmt, bis hin zur seitlichen Auflösung des biostromalen Gefüges, zum äußeren Hangbereich hin deutlich ab.
Die distalsten Biostrome zeigen Mächtigkeiten von 40 cm, aufgebaut aus nur 1-2 Korallengenerationen (s. Taf. 11). Die
Korallenfauna besteht aus großwüchsigen, massigen Korallen deren größte Durchmesser in etwa parallel zum Hang
angeordnet sind. Die bioklastischen Gesteine zeigen weitgehend einheitliches Gefüge und Klastenspektrum (bei meist
starker Rekristallisation). Sehr häufig sind Crinoidenbruchstücke, gefolgt von Muschel-, Seeigel- und Korallen-
klasten. Bruchstücke von Austern, Serpeln und weiteren Organismen sind verbreitet, z.T. auch häufig. In den jüngsten
Abschnitten sind Wacke-/Packstones mit hohem Kalkschlammanteil festzustellen. Den Abschluß bilden örtlich
mitteldickgebankte, korallen- (Thecosmilia, Montlivaltia, Microsolena, Actinaraea) und lithistidenführende Wacke-
bis Floatstones, die reich an Muscheln, Gastropoden und Brachiopoden sind.
Faziesuntereinheit AK II folgt nach einer schwachen Winkeldiskordanz, die durch eine geringen Verlagerung der
Schüttungsrichtung nach E ( 4-8°) angezeigt wird. Der Übergang aus Fazieseinheit AK I ist verbunden mit der
Auflösung großflächigerer Biostrome (s.o.) in zunehmend kleinräumige Riffkörper oder Korallenansammlungen. Es
herrschen bioklastische Gesteine (Bioklast-Wacke-/Pack-/Floatstones (Rudstones) vor, die teilweise mit Korallenan-
sammlungen, Kleinbiostromen und Riffknollen (Riffe AK II 1 und 2; vgl. Kap. 2.3.2) verzahnen auf die sich das
autochtone Riffwachstum konzentriert. Im oberen Bereich des mittleren Hanges (Steinbruch I) ist ein zeitlich
durchhaltendes, örtliches Häufigkeitsmaxima kleinräumiger Korallenansammlungen und Korallenboundstones zu
beobachten (AK II 1), ohne das es jedoch zur Bildung eines größeren Riffgefüges kommt. Die insgesamt jedoch zu
geringen Boundstoneanteile für die Klassifikation als Riffkörper aufweisen (vgl. Kap. 3.2). Die Korallenfauna zeigt
mittlere Artenzahlen und eine weitgehend einheitliche Zusammensetzung aus ausnahmslos massiven Kolonien.
Die jüngsten vorhandenen Sedimente sind korallenführende Bioklast-Wacke-/Packstones mit kleineren Korallen-
ansammlungen und einzelnen Latomeandra-Kleindickichten (Riff AK II 2; s. Taf. 11). Im Überblick sind geringe
Korallenanteile festzustellen (< 5 Vol.% vollständige Kolonien). Die Kleindickichte sind von den obersten bis zu den
untersten Bereichen des mittleren Hanges angeordnet. Ein kleinräumiges Relief vom oberen Hangbereich bis hin zum
zentralen Riffbereich wird durch kleinräumige Änderungen von Schüttungsrichtung (SE bis NE) und Schichtneigung
(0-25°) bezeugt (Steinbruch Ib). Die bioklastischen Sedimente setzten sich, nach der Häufigkeit geordnet, aus
Fragmenten von Echinodermen, Korallen, Muscheln, Austern, Gastropoden, Brachiopoden, Serpeln, Tubiphytes,
Kalkschwämmen und vereinzelt Intraklasten zusammen. Mollusken und Brachiopoden sind v.a. im älteren Teil
bereichsweise häufig. Bei den enthaltenen, oft stark rekristallisierten Korallen, handelt es sich meist um fladige bis
dickfladige Wuchstypen, weniger um ästige oder solitäre Formen. Die fladigen Wuchstypen sind meist in etwa
parallel zur Sedimentoberfläche eingeregelt, schräg angeordnete Kolonien sind verbreitet, steil zur Schichtung
ausgerichtete Kolonien vereinzelt. Riffbesiedler sind v.a. Muscheln, Austern, Echinodermen und Serpeln. PAULSEN
(1964) beschreibt aus diesem Bereich außerdem „ei- bis kopfgroße“ Chaetetiden. Innerhalb der Riffkörper konnte
verbreitet Lithocodium und vereinzelt Bacinella gefunden werden (s. Taf. 11). Die zentralen, jüngsten Ablagerungen
des Riffkomplexes sind nicht aufgeschlossen. Das Vorhandensein von einem oder mehreren zentralen Riffkörpern
(als potentielle Riffschuttlieferanten) bleiben somit ungewiß. In Steinbruch II zeigt die jüngste Korallenfazies einen
zunehmenden Anteil an mikritischem Sediment. Vollständige Korallenkolonien (Fungiastrea, Comoseris) kommen
nur vereinzelt vor.
41

3 Aufstellung von Rifftypen und Beschreibung der Riffkörper

3.1 Allgemeines zur Klassifikation von Riffen

Rezente Korallenriffe werden heute ohne feste Regeln durch die Verknüpfung unterschiedlichster Merkmale typisiert, so
daß der Vergleich einzelner wissenschaftlicher Arbeiten schwierig ist (Diskussion bei LONGMANN 1981). Die Benennung
ist dabei meist abhängig vom jeweiligen Arbeitsansatz und Forschungsschwerpunkt. Eine Untergliederung findet
insbesondere im Bezug auf die innere Zusammensetzung (z.B. Riffbildnervergesellschaftung, vorherrschende Riffbildner,
Grundmasse), die äußeren Form (z.B. Bioherm, Pfeilerriff, Netzriff), die Größe (z.B. Fleckenriff, Riffknollen), die
strukturelle Position (z.B. Saumriffe, Schelfrandriffe, Plattformriffe) oder den Umweltraum (z.B. Lagunenriff) statt. Hierbei
wechselt die Gewichtung einzelner Merkmale je nach Autor, Arbeitsansatz und Bearbeitungsmaßstab. Genaue
Größenangaben fehlen häufig völlig (vgl. SCHUHMACHER 1991, GEISTER 1983, GUILCHER 1988, SOROKIN 1995, VERON
1995, DIAZ et al. 1996). Ein gute Übersicht über moderne Rifftypen in der Karibik gibt GEISTER (1983), über Riffe
allgemein JAMES & BOURQUE (1992).
Bei der Form von Riffen wird, gründend auf der Klassifikation von CUMINGS (1932), allgemein in Bioherme und
Biostrome unterschieden (vgl. LINK 1975, JAMES & BOURGUE 1992). Viele Autoren verknüpfen die Definition
dieser beiden Grundrifftypen weiter mit inneren Merkmalen, was im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht
übernommen wird. Während Bioherme erhabene massige Riffkörper mit einem deutlichen Relief über dem
umgebenden Sedimentspiegel darstellen, zeigen Biostrome als flächige Riffkörper ein schwaches Relief. Hierbei
bestehen durchgehende vertikale Übergänge beider Typen sowie einige bemerkenswerte Sonderfälle (s.u.).
Für die Benennung oberjurassischer Riffe bestehen ebenfalls uneinheitliche Verhältnisse. So werden die von
Kieselschwämmen und Mikrobolithen dominierten Riffe der Schwäbischen Alb als „Schwammriffe“ (SELG &
WAGENPLAST 1995), „Schwammstotzen“ (GEYER & GWINNER 1991), „Algen-Schwamm-Bioherme“ (GWINNER
1971, LANG 1989) oder „Mikrobolith-Kieselschwamm-Riffe“ (SCHMID 1996) bezeichnet. Im Gegensatz zur
rezenten Rifforschung, die sich größtenteils auf Korallenriffe konzentriert, treten in fossilen Riffkörpern viele
verschiedene Assoziationen von Riffbildnern auf, so daß hier eine genauere Typisierung der Riffkörper erforder-
lich ist. Erst in jüngster Zeit wurden detaillierte ökologische Bearbeitungen oberjurassischer Riffe (LEINFELDER
1994b, NOSE 1995, SCHMID 1996, INSALACO 1996b, HERMANN 1996, KRAUTTER 1997, PITTET & DUPRAZ 1995,
DUPRAZ & STRASSER 1999) durchgeführt.

3.2 Kriterien für die Aufstellung von Rifftypen

Grundlegende Anforderungen an eine Klassifikation sind Übersichtlichkeit, leichte Anwendbarkeit einerseits


und eine hohe Aussagekraft in Bezug auf die ökologische Bewertung sowie den Vergleich von Riffen
andererseits. Die hier vorliegende Klassifikation wurde grundsätzlich für von Korallen dominierte Riffe
(Korallenriffe im weitesten Sinne) mit ihrer großen Formenvielfalt erarbeitet. Sie ist prinzipiell jedoch auch auf
von Kieselschwämmen oder Mikroben beherrschte Riffkörper anwendbar. Die Klassifikationen bezieht sich auf räumlich,
morphologisch und gefügemäßig klar abgrenzbare Riffkörper mit den Grundtypen Bioherm, Biostrom und Dickicht. Die
Benennung der Rifftypen lehnt sich grundsätzlich an vergleichbare Arbeiten (NOSE 1995, INSALACO 1996b, INSALACO et
al. 1997) mit der Einteilung der Rifftypen nach Riffbildnern, Rifform sowie Art und Anteil der Matrix an (vgl. Abb. 15).
NOSE (1995) beschreibt und klassifiziert beispielsweise Riffe des Iberischen Oberjura vor allem im Bezug auf die
vorhandenen Rifforganismen. Neben Riffkorallen und mikrobiellen Krusten treten im Flachwasser dabei als riffbildende
Makroorganismen weiter Stromatoporen, Chaetetiden und Solenoporaceen auf. Von grundlegender Wichtigkeit für die
Klassifikation von Riffen sind in dieser Arbeit vor allem die Riffausmaße (vgl. Abb. 16; s.u.). Weitere, besonders
kennzeichnende Merkmale von Riffen werden teilweise mit berücksichtigt (s.u.). Dies führt zwar teilweise zu
42

„Wortungetümen“, steht jedoch in direktem Bezug zu den ökologischen und physikalischen Umweltbedingungen zur Zeit
der Riffbildung und ist deshalb sinnvoll. Die erarbeitete Klassifizierung von Rifftypen bildet, neben dem hohen
beschreibenden Gehalt, die Grundlage für die Bewertung und den anschließenden regionalen bis überregionalen Vergleich
der steuernden Faktoren der Riffbildung. Aus diesem Zusammenhang kann es außerhalb der eigentlichen Riffklassifikation
teilweise hilfreich sein weitere, insbesondere topographische Verhältnisse in die Riffbennenung mit einzubeziehen (vgl.
Abb.17; s.u.). Die Artenzahl als beschreibendes Charakteristika von Riffen ist aufgrund der Abhängigkeit von der Riffgröße
sowie weiteren Faktoren wenig geeignet für die Beschreibung von Riffen (vgl. Kap. 6.5.2). Zudem werden Begriffe wie
„niederdivers“ oder „hochdivers“ in vergleichbaren Arbeiten meist nicht eindeutig definiert und sind somit für Vergleiche
ungeeignet. Die Klassifikation stößt bei sukzessionalen Änderungen der Riffzusammensetzung innerhalb einheitlicher
geologischer Riffkörper an ihre Grenzen. In diesen Fällen werden die einzelne Rifftypenbezeichnungen verbunden (z.B.
mikrobolithisches Korallen-Biostrom bis Korallen-Mikrobolith-Korallen-Mikrobolith-Bioherm).

Abb. 15: Klassifikation von oberjurassischen Riffen nach den Anteilen an den drei Hauptriffbildnern Korallen, Kieselschwämme
und mikrobielle Krusten, sowie des Bioklastengehalts der Riffgrundmasse.

Art und Gehalt an Riffbildnern

Die Abgrenzung von Riffkörpern und klastischen Faziesarealen ist häufig nur schwer nach objektiven Kriterien
durchführbar und beruht hauptsächlich auf der subjektiven Bewertung der riffbildenden Eigenschaft der vorhandenen
Rifforganismen. So werden nach der am häufigsten verwendeten Gefügeklassifikation für Riffkörpern von EMBRY &
KLOVAN (1971) Riffkörper einfach als „Wachstumsgefüge von kalzifizierenden Organismen in situ und in
Lebensstellung“ klassifiziert. Vor allem bei freien Riffgefügen und zunehmendem Matrixgehalt ist die Abgrenzung
zu klastischen Faziestypen meist jedoch problematisch (z.B. Mudmounts; vgl. Kap. 8.2.4). In den untersuchten
Riffkörpern konnten Riffbildneranteile von (5)15-60 Vol% am Gesamtgesteinsvolumen beobachtet werden. Hierbei
stellen die niedrigsten Werte (5%) einen Grenzfall der Riffbildung dar (LEU II 1c), bei dem die Benennung als Riff
aufgrund ökologischer Kriterien dennoch gerechtfertigt scheint (vgl. Kap. 9.1.2).
43

Die Nennung der Riffbildner bildet die Grundlage der Riffbeschreibung. Die Reihenfolge der Riffbildner innerhalb
der Rifftypenbenennung entspricht ihrem verhältnismäßigen Volumenanteil im Riffkörper (Korallen-Mikrobolith-
Bioherm; vgl. Abb. 15). Nebenriffbildner, die 5 bis 15 % Volumenanteil besitzen werden den Riffbildnern in der
Beschreibung vorangestellt (austernführendes Korallen-Bioherm). Viele Organismen (z.B. Muscheln, Austern,
verschiedene Epizoen) sind häufige Rifforganismen, werden aber aufgrund ihres in der Regel geringen
Volumenanteils (<5 %) für die Klassifikation meist nicht berücksichtigt. Korallen treten in den meisten Riffkörpern
(v.a. in Lothringen und Istein sowie der Korallenfazies von Arnegg) als ökologisch dominante Artengruppe auf, die
allgemein die Riffbildung einleitet und die Umwelt aller anderen Arten stark beeinflußt. Es wird in diesen
Aufschlußbereichen deshalb allgemein vereinfachend von Korallenriffen gesprochen. Werden Korallenriffe von
wenigen (bis zu 3) Gattungen oder Familien dominiert die den trophischen Kern (80 %) der autochthonen
Rifforganismen bilden, so ersetzen Gattungs- bzw. Familienname den Überbegriff Koralle (Isastrea-Pseudocoenia-
Mittelbioherm, Microsoleniden-Riesenbiostrom, Calamophylliopsis-Kleindickicht). Diese Erweiterung der
Klassifikation erweist sich sinnvoll in Hinsicht auf die ökologische Aussagekraft der Riffbenennung. Bei
Kieselschwämmen und mikrobiellen Krusten als Riffbildnern wird nur beim ausschließlichen Auftreten eines Gitter-
bzw. Gefügetyps die Klassifikation weiter untergliedert (z.B. Korallen-Thrombolith-Mittelbioherm, Lithistiden-
Korallen-Mittelbiostrom).

Form und Ausmaße

Die Erfassung der Form und Ausmaße von Riffkörpern im Aufschluß trägt grundlegend zur Klassifizierung und
Unterscheidung bei (vgl. Abb. 16). Das Ausmaß ist ein wichtiges beschreibendes und ökologisch aussagekräftiges Merkmal
von Riffkörpern (vgl. Kap.6.5.2). In der vorliegenden Arbeit werden Ansammlungen von Riffbildnern erst ab bestimmten
Durchmessern als Riffkörper bezeichnet (s.u.). Die Grundfläche der untersuchten Riffe kann von wenigen
Quadratdezimetern (LRO 2) bis hin zu vielen Quadratkilometern (LFO 1) betragen. Aufgrund der meist zweidimensionalen
Aufschlußsituationen ist die Flächenerstreckung der Riffkörper meist nur grob oder durch den Vergleich mit benachbarten
Riffkörpern oder Aufschlüssen abschätzbar. In einigen Fällen (z.B. LEU 2, 8, 9) wären z.B. „saumriffartige“ (in der
Aufschlußsituation jedoch nicht nachweisbare) Längserstreckungen entlang von submarinen Dünenkämmen denkbar.
Die äußere Form betreffend wird bei den untersuchten Riffkörpern zwischen den zwei Grundtypen Bioherm und Biostrom
unterschieden. Die Unterscheidung beider Grundtypen in dieser Arbeit ist, unabhängig vom inneren Aufbau, nur auf die
Beschreibung der äußeren Form beschränkt. Ein Ausnahme sind Dickichte bei deren Ansprache das Interngefüge aus
vorherrschend ästigen Korallenstöcken den Ausschlag gibt (genaue Erläuterung s.u.). Die Klassifikation ist oft schwierig,
da im Aufschluß sichtbare, scheinbar einheitliche stratigraphische Riffkörper (vgl. Kap. 6.1) aus mehreren zeitlich
aufeinander folgenden strukturellen Riffstadien (z. B. biostromale oder biohermale Riffstadien) aufgebaut sein können
(s.u.). Bei größervolumigen Riffkörpern (Mittel- und Großriffe), die größere (geologische) Zeitintervalle verkörpern oder
die deutliche zeitliche Gefügeänderungen aufweisen, ist es zweckmäßig zeitlich überschaubare, ökologisch oder strukturell
abgrenzbare Riffstadien auszugliedern, die erst eine sinnvolle ökologische Bewertung ermöglichen. Die Erkennung
mehrerer zeitlicher Riffstadien ist gerade in fossilen Riffkörpern gut durchführbar. Stratigraphische Riffkörper, die in
verschiedene, zeitlich aufeinander folgende ökologische Riffkörper aufgegliedert werden können, sind in den untersuchten
Riffabfolgen häufig. Hierbei bestehen problematische Sonderfälle. So zeigt der Riffkörper LPA 1 bei einheitlichem
Riffgefüge im Aufschluß eine Mächtigkeit von bis zu 14 m. In der Aufschlußübersicht ist im Laufe der
Riffentwicklung scheinbar die strukturelle Ausbildung eines deutlichen biohermalen Reliefs zu erkennen.
Detailuntersuchungen belegen jedoch ein zeitlich gleichbleibendes tatsächliches (ökologisches) Relief der lebenden
Riffgemeinschaft von etwa 1-2 m. Ähnlich schwierig ist die Klassifikation vergleichsweise dünner, biostromaler
ökologischer Riffkörper auf einem vorgefundenen aufragenden, „biohermalen“ Untergrund (z.B. Riff AM I 1 des Arnegger
Riffkomplexes; vgl. Kap. 8.2.2). Für Kleinriffe, die ein vergleichsweise „überschaubares“ Zeitintervall umfassen, ist es
44

wenig sinnvoll einzelne strukturelle Riffstadien abzutrennen. Hier wird in Primär- und Folgegesellschaften unterschieden
(vgl. Kap. 6.5). Bioherme, Biostrome und Dickichte werden weiter nach ihrem Volumen bzw. ihrer
Flächenausdehnung untergliedert (Abb. 16 ). So können zum Beispiel Riffe mit ähnlicher Faunenzusammensetzung
abweichende Form aufweisen. Als Biostrome werden in dieser Arbeit, in Anlehnung an die Definition von GEISTER
(1983), flächige, tafelförmige Riffkörper mit mehreren Korallengenerationen und mit im Verhältnis zur Mächtigkeit
großer seitlicher Erstreckung bezeichnet. Das Relief der Biostromoberfläche und zum umgebenden Sedimentspiegel
ist im allgemeinen gering und beträgt einige Zentimeter bis wenige Dezimeter; bei großer seitlicher Erstreckung sind
1-2 m möglich (z.B. Riff LFO 1). In dieser Arbeit wird für Biostrome zur eindeutigen Abgrenzung von
Korallenansammlungen eine seitliche Erstreckung von mindestens 1 m festgelegt. Bezogen auf die seitliche
Ausdehnung wird unterschieden in Kleinbiostrome (1-10 m), Mittelbiostrome (10-100 m), Großbiostrome 100-
1000 m und Riesenbiostrome (>1000 m).
Als Bioherme werden in dieser Arbeit linsenförmige bis massige, zur Wachstumszeit erhabene Riffkörper mit
deutlichem Relief über dem Meeresboden bezeichnet. Das Relief der untersuchten Riffkörper zum umgebenden
Sedimentspiegel kann, je nach Riffgröße, wenige Dezimeter bis mehrere Dekameter betragen. Bioherme werden in
der vorliegenden Arbeit ab einem Mindestdurchmesser von 1 m von Korallenansammlungen unterschieden. Nach den
maximalen Durchmessern wird anschließend in Knollen-, Klein-, Mittel- und Großbioherme unterschieden. Für
Knollen-Bioherme wird ein Basisdurchmesser von 0,5-2 m, für Kleinbioherme von 2-5 m und für Mittelbioherme
zwischen 10-50 m festgelegt. Als Großbioherme werden alle biohermalen Riffkörper mit Basisdurchmessern größer als 50
m bezeichnet.
Als Dickichte werden alle Korallenriffkörper benannt, die volumenmässig von ästigen Korallenkolonien
dominiert werden (>70 Vol.%). Im Gegensatz zu den sich rein auf die äußere Form beziehenden Begriffe
Bioherm und Biostrom, bezieht sich die Bezeichnung Dickicht auf das innere Riffgefüge. Von der Form und den
Ausmaßen entsprechen insbesondere Klein- und Mitteldickichte zwar häufig Biohermen, aufgrund der hohen
beschreibenden und ökologischen Aussagekraft des für Dickichte kennzeichnenden Pillarstonegefüges (vgl.
Kap. 7.2.4) ist es jedoch sinnvoll diese Riffklasse auszuscheiden. Riffdickichte zeigen im Allgemeinen einen
punktförmigen bis flächigen Grundriß; durch den erhabenen Wuchs der ästigen Kolonien ist ein deutliches
Relief zum umgebenden, riffreien Meeresgrund vorhanden. Abhängig vom maximalen Riffdurchmesser wird
unterscheiden in Kleindickichte (1-10 m), Dickichte (10-100 m) und Großdickichte (> 100 m).

Riffknollen 1-2 m
Bioherme Mittelbioherme 10-50 m Großbioherme >50 m
Kleinbioherme 2-10 m
Großbiostrome 100-1000 m
Biostrome Kleinbiostrome 1-10 m Mittelbiostrome 10- 100 m
Riesenbiostrome >1000 m

Dickichte Kleindickichte 1-10 m Mitteldickichte 10-100 m Großdickichte 100-1000 m

Abb. 16: Größeneinteilung der Grundrifftypen nach dem maximalen Basisdurchmesser.

Ein problematischer Sonderfall der Klassifikation von Riffkörpern ist das großflächig ausgebildete, einheitliche
riffartige Boundstonegefüge (IS 3) des Mittleren Korallenkalkes in der Aufschlußregion des Isteiner Klotzes, daß
keine deutlich abgrenzbaren Riffkörper erkennen läßt. Das Riffgestein zeigt kleinräumige Wechsel von Plate-, Dome-
und Mixstonegefügen. Die regional durchgehend verbreiteten Boundstones (>100 km2 ?) bilden im Verlauf der
Ablagerung eine sanft kuppige Dachfläche aus, die ein Relief bis ungefähr 3 m zeigt (vgl. Kap. 2.2.1). In Anbetracht
des, im Verhältnis zur seitlichen Erstreckung geringen oberflächlichen Reliefs und des reliefunabhängigen,
einheitlichen Gefüges wird von einem Flächenriff gesprochen.
45

Riffgrundmasse

Die Grundmasse ist v.a. bei fossilen Riffkörpern ein wichtiger Indikator für die während der Riffbildung herr-
schenden physikalisch-chemischen Umweltbedingungen und deshalb von hohem beschreibenden Wert. Die
Korngröße, Kornverteilung, Chemismus und Textur geben Auskunft über die Faktoren Wasserenergie,
Sedimentation, Nährstoffgehalt und Klima. Definitionsgemäß zeigen schlammige Riffe einen Klastengehalt bis
10 %, schwach bioklastische zwischen 10 und 20 % und bioklastische Riffe zwischen 20 und 50 % in der
Grundmasse. Überschreiten die Schlamm- bzw. Bioklastanteile 70 % des Riffvolumens wird in Schlamm- bzw.
Schuttriffe unterschieden (s. Abb. 15).

Relief

Die Bildung, das Gefüge und die Zusammensetzung von Riffen sind entscheidend vom der Topographie und
Neigung des Untergrundes abhängig (vgl. Kap. 6.4.8). Es kann zwischen reliefgebundenen und nicht relief-
gebundenen Riffen unterschieden werden. In manchen Zusammenhängen ist es sinnvoll, die topographische
Lage in die Rifftypisierung einfließen zu lassen („Kuppenbiostrom“, „Hangbiostrom“).

Abb. 17: Übersicht über Grundrifftypen sowie größen- und reliefabhängige Untertypen und Sondertypen.

Besondere Merkmale

Besondere Merkmale von Riffen sind beispielsweise großvolumige Hohlräume (z.B. Riff AM II 4) oder die in der
Aufsicht netzförmige Anordnung von Korallen im bioklastischen Microsoleniden-Riesenbiostrom LFO 2 (vgl. Kap.
3.5.1). Diese Merkmale werden teilweise zur Rifftypisierung oder Riffbeschreibung herangezogen (z.B. kavernöses,
kieselschwammführendes Thrombolith-Mittelbioherm AM II 4 oder Netzbiostrom; vgl. Abb. 17).

3.3 Benennung der Riffaziestypen

Aufgrund der äußerst vielfältigen Wuchsformen von Korallen und ihrer Beziehungen zueinander innerhalb eines
Riffgerüstes ist, abgesehen davon, daß häufig noch weitere Riffbildner an der Riffbildung beteiligt sind, eine
einfache, handhabbare Klassifikation sehr schwierig. Für fossile Riffgesteine wird heute meist auf Klassifikationen
von DUNHAM (1962) mit der Erweiterung durch EMBRY & KLOVAN (1971) zurückgegriffen. Unter dem Überbegriff
Boundstones (DUNHAM 1962) werden alle Faziestypen zusammengefaßt die organisch „verbunden“ sind, also alle
Riffgesteine im weitesten Sinn. EMBRY & KLOVAN (1971) unterscheiden weiter zwischen Framestones
(„Gerüstgestein“), Bindstones („Bindegestein“) und Bafflestones („Fanggestein“). Framestones stellen hierbei fest
verbundene Gerüste von Organismen dar, Bindstones bestehen aus flächigen Organismen die das Sediment zu
Lebzeiten „binden“ ohne eine Gerüst aufzubauen. Bafflestones zeigen aufrechte, stielförmige Organismen, die
Sediment aus der Wassersäule „abfangen“ und zur Ablagerung bringen. Allgemein ist zu bemerken das diese
Klassifikation morphologische Merkmale teilweise mit funktionsmorphologischen Interpretationen verbindet und
somit nicht einer rein beschreibenden Ansprache von Riffgefügen gerecht wird. Außerdem zeigte sich, daß diese
46

vergleichsweise grobe Klassifikation in drei Gefügetypen nicht der Vielfältigkeit der beobachteten Riffgefüge
entspricht. Konkret weisen die untersuchten Riffe (entsprechend rezenter Vorkommen; vgl. HILLIS-COLINVAUX 1986
und BEGON et al. 1997) häufig keine durchgehenden, sondern nur kleinräumige Gerüste auf. Bei diesem
matrixgestütztem Riffgefüge ist die häufig verwendete Bezeichnung Riffgerüst bzw. Framestone irreführend. Die
geologisch-palökologische Untersuchung von Riffkörpern bedingt hierbei, im weitgehenden Gegensatz zu heutigen
Riffuntersuchungen, eine weit stärke Beachtung der Riffgrundmasse - diesem Umstand wurde im Rahmen der
Rifftypisierung (vgl. Kap. 3.2) Rechnung getragen.

Abb. 18: Klassifikation von autochtonen Riffgefügen (verändert nach EMBRY & KLOVAN (1971) und INSALACO (1998)

Die Klassifizierung von Riffgefügen in dieser Arbeit lehnt sich neben EMBRY & KLOVAN (1971) an eine Erweiterung
der Klassifikation von Riffgefügen von INSALACO (1998) an, die gut auf die vorgefundenen Gefüge anwendbar ist
und sich mit einer selbst erarbeiteten Klassifikation von Rifftypen und Riffgefügen ergänzt. INSALACO (1998) bezieht
sich dabei sinnvollerweise auf rein beschreibende Begriffe, die auf Wuchsformen und ihren Bezug zur Horizontalen
begründet sind. Es wird unterschieden in Sheetstones („Blattgestein“), Platestones („Plattengestein), Domestones
(„Kuppelgestein“), Pillarstones („Pfeilergestein“) und Mixstones („Mischgestein“; vgl. Abb. 18). Die drei erstge-
nannten Gefügetypen beziehen sich auf geometrische Grundtypen des Korallenwuchses (dünnfladig, fladig bis
dickfladig, massiv bis kugelförmig; vgl. Kap. 3.4). Pillarstones beschreiben säulenförmige, ästige Korallen mit
aufstrebendem Wuchs. Mixstones beschreiben Mischverhältnisse dieser einförmigen Gefüge. Stark vom Grundtyp
abweichende Wuchsformen (z.B. viellappig-aufstrebend, horizontal-ramos) werden jedoch nicht erfaßt. Die
Gefügeklassifikation bezieht sich nach INSALACO (1998) hierbei auf Gefügeanteile des jeweilige Wuchstyps ab 60 %.
Aufgrund des verbreiteten Gefügewechsels innerhalb von Riffkörpern eignet sich die Gefügeklassifikation im
allgemeinen nicht für die Beschreibung von ganzen Riffkörpern. Eindeutige Zuordungen des Gefügetyps beziehen
sich folglich allgemein auf kleinere überschaubare Aufschlußflächen von wenige Quadratmeter oder einheitliche
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aufgebaute Riffkörper. Großräumigere seitliche Zonierungen oder vertikale Sukzessionen innerhalb von Riffkörpern
werden durch die Verbindung mehrerer Gefügetypen ausgedrückt (z.B. Korallen- Mix- bis Domestone). Die
Benennung von Riffgefügen nach INSALACO (1998) wurde ausschließlich auf das Gefüge und die Verteilung
riffbildender Korallen bezogen; sie läßt sich jedoch grundsätzlich auch auf Kieselschwämme anwenden. Die
Beschränkung auf die Erfassung des Gefüges riffbildender Korallen ist durch die überragende ökologische Wichtig-
keit dieser Organismengruppe für die Riffbildung in den untersuchten Vorkommen gerechtfertigt (vgl. Kap. 5.1,
5.2.1) und gewährleistet zusätzlich die Übersichtlichkeit der Terminologie. Problematisch ist jedoch die fehlende und
für ökologische Untersuchungen unabdingbare Berücksichtigung aller Riffbildner. So sind z.B. Mikrobolithe, die
häufig große Bedeutung oder Anteile an oberjurassischen Korallenriffe haben in der Klassifikation nicht
berücksichtigt. INSALACO (1998) weist lediglich darauf hin, daß das Korallengefüge durch sekundäre Inkrustierer
weiter gebunden werden kann. In dieser Arbeit werden weitere als Nebenriffbildner auftretende Organismen (vgl.
Kap. 5.1) bei der Benennung dem Gefügetyp vorangestellt (z.B. mikrobolithischer Korallen-Pillarstone) und
erscheinen gleichzeitig in der Benennung des Rifftyps (mikrobolithisches Korallen-Kleindickicht; vgl. Abb. 15). Die
Einteilung in einheitliche und durchgehende Riffgefüge (opt. cit.) entspricht zwar geologischen Anforderungen wird
aber der genauen räumlichen Abgrenzung von Riffkörpern im Rahmen dieser Arbeit nicht gerecht - Riffkörper
werden hier klar durch ihren Anteil an Korallen und/oder morphologischen Merkmalen von nicht riffartigen,
korallenführenden Faziestypen abgegrenzt und in Größenklassen eingeteilt (vgl. Kap. 3.2). Zur Unterscheidung von
Riffgerüsten mit sich berührenden oder voneinander durch Grundmasse getrennten Riffbildnern wird in der
vorliegenden Arbeit allgemein zwischen verbundenen und freien Riffgefügen unterschieden. Dies trägt dem meist
wechselnden Riffbildneranteil innerhalb von Riffen Rechnung.

3.4 Definition der Korallenwuchsformen


(vgl. Abb. 19)

Die äußere Wuchsform ist das auffälligste Merkmal fossiler Korallen. Die Ausbildung bzw. die Veränderlichkeit von
Ökomorphen hat die größte Aussagekraft im Bezug auf steuernde Faktoren der Riffentwicklung wie Lichtintensität,
Wasserenergie oder Sedimentation (GEISTER 1984, SOROKIN 1995; vgl. Kap. 5.2). Für eine genaue Bewertung und den
Vergleich der Ökologie von Korallen und damit von Riffen ist es deshalb zunächst unerläßlich die Korallen-
wuchsformen und v.a. ihre Veränderung innerhalb einzelner Arten möglichst genau zu definieren.
Grundsätzlich wird in dieser Arbeit in massive und ästige Korallenkolonien unterschieden. Massive Korallenkolonien
zeigen einen massigen, nichtästigen Wuchs mit stets flächiger Kelchanordnung, ästige einen langgestreckten,
säulenförmigen Wuchs. Die Aufstellung von Korallenwuchstypen bezieht sich auf ein rechtwinkliges dreiachsiges
Koordinatensystem. Da körperlich erhaltene Kolonien, sowie Anschnitte im Labor meist eine ungefähre
Radiärsymmetrie der Koloniequerschnitte ergaben (d 2 = d 3) ist zur Benennung des dreidimensionalen
Korallenwuchstyps deshalb in der Regel eine Schnittebene ausreichend. Diese Benennung anhand zweidimensionaler
Korallenlängsschnitte trägt zum einen den Bedingungen an fossilen Riffkörpern mit vorwiegend zweidimensionalen
Aufschlußverhältnissen (im Rahmen geologisch-paläontologischer Untersuchungen) Rechnung, zum anderen genügt die
Erfassung des Wuchstyps zur grundsätzlichen Bewertung der die Wuchsform beeinflussenden steuernden Faktoren des
Korallenwachstums. Die Wuchstypen sind 1) fladig, 2) massig, 3) kugelförmig, 4) unregelmäßig 5) ästig und 6)
fächerförmig. Der fladige Wuchstyp wird weiter noch in die drei Untertypen dünnfladig, fladig und dickfladig unterteilt.
Beim ästigen Wuchstyp wird zwischen dickästigen (Astdurchmesser >1 cm) und dünnästigen (Astdurchmesser > 1 cm)
Kolonien unterschieden. Sehr schwierig ist die Erfassung und Abschätzung des unregelmäßigen Wuchstyps (s.u.), der
meist im Querschnitt unsymmetrische und regellose (≠ 90°) Hauptwachstumsrichtungen aufweisen. Kleinere
Unregelmäßigkeiten und Abänderungen der Korallenform und Wachstumsrichtungen haben jedoch keinen Einfluß auf
den generellen Umriß und können deshalb vernachlässigt werden. Die massiven Wuchstypen zeigen häufig
Übergänge (z.T. innerhalb einer Kolonie); dies gilt jedoch nicht für ästige und fächerförmige Wuchstypen. Bei
48

entsprechend erhaltenen oder zersägten Kolonien können alle massiven Wuchstypen weiter nach dreidimensionalen
Wuchsformen (z.B. fladig-tellerförmig, fladig-inkrustierend, dickfladig-diskusförmig, massig-aufstrebend) unterschieden

Abb. 19: Geometrie der Korallenwuchstypen massiver Korallenkolonien: A) fladiger Wuchstyp; B) massiger Wuchstyp; C) kugeliger
Wuchstyp; D) unregelmäßiger Wuchstyp; E) ramoser Wuchstyp. Beispiele für oft subjektive Bezeichnung der
untergeordneten Wuchsformen. 2. Übergeordnete Strukturen zusammengesetzter Korallenkolonien.

werden. Der ästige Wuchstyp wird unterteilt in die ästige Wuchsform mit endständigen Kelchen und in die ramose
Wuchsform mit flächiger Kelchbedeckung. Die Wuchstypen fladig, massig, unregelmäßig und kugelförmig können
Übergänge in ramose Wuchsform zeigen, die Wuchstypen fladig, massig und kugelförmig können Übergänge in die
aufstrebende Wuchsform aufweisen.

3.5 Beschreibung der Riffkörper von Lothringen

3.5.1 Foug

Austern-Riesenbiostrom

Auf der ebenen Dachfläche der Argilles à Chailles folgt ein, den gesamten Aufschlußbereich durchhaltender,
sekundärer Hartgrund, bestehend aus einem bis 15 cm dicken mergeligen Austern-Riesenbiostrom (s. Taf. 1). Bei den
Austern handelt es sich durchgehend um stark abgeplattete Exemplare von Deltoideum delta. Die Austern sind
zweiklappig erhalten und siedeln direkt aufeinander. Die größten Schalen erreichen maximale Durchmesser von 29
cm. Die Grundmasse besteht aus dunkelgrauen, tonigen Mergel. Vor allem die Unterseiten zeigen einen Aufwuchs
von Epizoen. Es handelt sich hauptsächlich um verschiedene Serpeltypen, die bis 50 % der Oberfläche bedecken und
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im geringerem Maß um kleinwüchsige thecideidinide Brachiopoden und kleine Exemplaren von Nanogyra nana.
Zerbohrungen von Bohrmuscheln und ein dichtes Geflecht von Bohrschwammspuren (Entobia) sind häufig. Über
vergleichbare flächige Austernlagen an der Basis transgressiver und regressiver Sequenzen in der Oberkreide von
Alberta (Kanada) berichtet LINK (1975).

Mergelig-sandiges Microsoleniden-Riesenbiostrom LFO 1 ( Marnes à Polypiers bzw. Korallenmergel)


(vgl. Kap. 2.1.1; Abb. 44; Taf. 1)

Topographie des Untergrundes: Die ebene, annähernd horizontale Dachfläche des liegenden Austern-
Riesenbiostromes.
Rifform: Im Laufe des Riffwachstums zeigt die Dachfläche des Riesenbiostromes ein kleinwelliges Relief, daß zum
Ende der Einheit maximal etwa 1 m betragen kann. Die Mächtigkeit beträgt 350-440 cm, die seitliche Erstreckung
beträgt mindestens 2,5 km (bis zur Mülldeponie von Pagny sur Meuse; spricht somit für eine Flächenausdehnung von
minimal mehreren km2).
Riffaufbau und -gefüge: Direkt auf dem Austernbiostrom siedeln die ersten, fladigen bis dickfladigen
Korallenkolonien (s. Taf. 1), ausnahmslos den Gattungen Microsolena2 und Dimorpharaea zugehörig. Die
Besiedlung des Hartgrunds erfolgt nicht flächig, sondern örtlich, und erst 20 bis 30 cm im Hangenden bilden die
Korallen ein verbundenes Platestonegefüge. Nachdem die Pionierfauna aus kleineren Korallen mit Durchmessern bis
30 cm besteht, ist 60 cm über der Basis eine erste, seitlich weitgehend durchhaltende Lage mit größeren fladigen bis
dickfladigen Korallen ausgebildet. Nur örtlich sind dezimetergroße, korallenfreie bis korallenarme Bereiche und
Lagen (bei ungefähr 250-330 cm) festzustellen. Ansonsten herrscht ein verbundenes Gefüge vor. Bei 120 cm sind
innerhalb der folgenden Lage für das gesamte Biostrom maximale Korallendurchmesser von bis 120 cm zu
beobachten. Ansonsten herrschen Koloniedurchmesser von 10-30 cm vor. Kleinere Durchmesser sind selten, größere
Durchmesser sind meist lagenweise (bei 80, 180 und 320 cm) oder bereichsweise (Ansammlungen bis 150 cm im
Durchmesser) häufig. Die vertikale Größenverteilung der Korallenkolonien ist über die gesamte Aufschlußlänge etwa
einheitlich. Die Korallenfauna wird von microsolenide Korallen (Microsolena, Dimorpharaea) dominiert, welche die
Riffbildung einleiten. Im Laufe der Riffentwicklung treten neben Montlivaltia, nach oben zunehmend Actinaraea2,
Fungiastrea, Isastrea, Synastrea, Thecosmilia und Stylosmilia auf. Die Korallenformen sind allgemein fladig bis
dickfladig, meist mit teller- bis schüsselförmiger Ausformung. Nur die größten Korallenstöcke (v.a. Microsolena)
weisen dickfladig-massigen bis massigen Wuchstyp auf. Häufig ist, insbesondere bei Dimorpharaea aber auch bei
anderen microsoleniden Gattungen, die viellappige bis viellappig-aufstrebende Wuchsform. Die Ausrichtung der
Kolonien ist meist in etwa horizontal, innerhalb viellappiger Kolonien sind kleinräumige, schräg bis senkrecht
aufstrebende Wuchsrichtungen verbreitet. Einzelkorallen und ästige Korallen treten vereinzelt als Bruchstücke auf.
Riffbesiedler: Alle Korallen weisen einen Bewuchs von Epizoen, v.a. an den Unterseiten und in geschützten
Hohlräumen des Riffgerüstes, weniger an den Oberseiten auf. Am häufigsten sind pectinide Muscheln (Aequi-,
Radulo-, Eopecten) und Serpeln. Verbreitet bis häufig sind Chlamys, Entolium, Austern (N. nana, Lopha),
thecideidinide Brachiopoden und Bryozoen; Terebrateln sind verbreitet. Nubeculariide Foraminiferen sind vereinzelt
anzutreffen. Lithocodium ist in den ältesten Riffteilen selten, nimmt in der Häufigkeit im Laufe der Riffablagerung
aber merklich zu. Kleinvolumige mikrobielle Krusten sind sehr vereinzelt.
Riffbewohner: Vor allem Seeigel (Paracidaris florigemma, Glypticus hieroglyphus, Stomechinus perlatus; det.
BAUMEISTER) sind häufig. Crinoiden treten meist in Form von Bruchstücken auf, selten sind auch Wurzelstöcke
vorhanden. Direkte Hinweise auf wühlende Organismen fehlen; örtliche nestartige Anreicherung von Peloiden oder
Bioklasten deuten jedoch auf deren Vorhandensein hin. In den jüngsten Teilen (350 cm über Basis) ist vereinzelt
Chondrites festzustellen.
Riffabbauer: Meist geringe bis mittelstarke Zerbohrung, v.a. von Bohrmuscheln und untergeordnet Bohrschwämmen
sind zu beobachten. Die Bohrhohlräume sind auf die Kolonieoberseiten konzentriert.
50

Grundmasse: Die Grundmasse besteht aus einem dunkelgrauen, teilweise schwach dolomitischen und sandigen,
tonigem Mergel (s. Taf. 1). das Gestein ist reich an organischem Material und enthält verbreitet limonitisierten Pyrit.
Der Karbonatanteil beträgt 77-86 %. Der Bioklastanteil liegt bei schätzungsweise 5-15 % örtlichen Anreicherungen
bis 30 %. Im Bereich um die Korallenkörper ist eine konkretionäre Anreicherung von Kalk zu beobachten, so daß hier
mergelig-sandige Bioklast-Wackestones bis bioklastischer Mudstones vorliegen. Bemerkenswert sind
zentimetergroße Peloid-Wacke-/Packstones und örtliche sandig-dolomitische Bereiche. Anreicherungen von
Bioklasten (v.a. Seeigelstacheln) sind verbreitet. Bei ungefähr 350 cm ist eine 25 cm mächtige kalkige Bank mit bis
zu 30 % Bioklasten zu beobachten (Bioklast-Wacke-/Packstone).

Microsoleniden-Schutt-Riesenbiostrom LFO 2 („Calcaire à Polypiers“ oder „Korallenkalk“)


(vgl. Kap. 2.2.1, Abb. 44; Taf. 1)

Topographie des Untergrundes: Riff LFO 2 geht mit durchgehendem Gefüge aus liegendem Riff LFO 1 hervor.
Die „Grenze“ ist aufschlußweit etwa horizontal mit kleinräumigen wellig-buckligen Relief von 1-1,5 m (vgl. Taf 1).
Rifform: Im Lauf der Riffentwicklung zeigt sich eine zunehmende Auflösung der verbundenen Platestones in einen
seitlichen und vertikalen Wechsel aus bioklastischen und von Korallen dominierten Flächen (s.u.). In der Aufsicht
ergibt dies zeitweise eine fleckenhafte bzw. netzförmige Verteilung von korallenbedeckten Flächen („Netzbiostrom“).
Zeitweise ist, bei weiter erhöhtem Anteil bioklastischer Areale, die Auflösung einer zusammenhängenden
Korallendecke festzustellen. In den jüngsten Riffabschnitten zeigt sich eine Migration der Faziestypen in östliche
Richtung. Das Relief der Riffoberfläche während des Riffwachstums betrug wenige Dezimeter bis 1,5 m. Die
Topfläche ist ein horizontaler Hartgrund.
Riffaufbau und -gefüge: Der Übergang ist, bei durchgehendem Platestonegefüge, geprägt durch eine starke
Erhöhung v.a. des Karbonat-, aber auch des Bioklastengehaltes. Damit einhergehend ist ein, im Gelände gut
erkennbares, massigeres Gesteinsgefüge (verbunden mit dem Vorwittern der Einheit) und eine hellere, gelbliche
Gesteinsfärbung. Nach anfänglichen, meist verbundenen Platestones der unteren 100 cm, lockert der Korallenverbund
nach oben immer mehr auf. Zunehmend größere Bereiche (bezieht sich auf horizontale und vertikale
Aufschlußfläche) zeigen eine freies Platestonegefüge oder sind fast korallenfrei (bis 10 x 3 m Aufschlußfläche) bzw.
weisen nur vereinzelt Korallen auf bei seitlich oft scharfem Übergang in korallenhaltige Faziestypen. Über die
gesamte Aufschlußbreite ist ein kleinräumiger seitlicher Wechsel von korallenhaltigen und korallenfreien Faziestypen
zu beobachten bei nach oben zunehmendem Anteil der bioklastischer Faziestypen. Über die gesamte Aufschlußbreite
sind einzelne durchgehende, korallenreiche Lagen zu beobachten in denen große Korallenstöcke besonders häufig
sind und die verbundenen Großbiostromflächen entsprechen. Nach einer abschließenden biostromalen Korallenlage
löst sich das Platestonegefüge schnell auf und korallenführende Bioklast-Wacke-/Packstones folgen.
Der Korallenanteil schwankt zwischen 0 und 40 %/m2, liegt aber meist im Bereich von 20-30 %. Die Anzahl der
Arten beträgt mindestens 23. Es dominieren weiter microsolenide Korallen (Microsolena3, Dimorpharaea); in der
Häufigkeit folgen Actinaraea, Clausastrea, Cladophyllia, Comoseris, Dermoseris, Fungiastrea, Heliocoenia,
Isastrea, Meandraraea, Mesomorpha, Pseudocoenia, Stylina, Synastrea und Thamnasteria. Nach oben zeigt sich eine
deutliche relative Abnahme von microsoleniden Korallen bei entsprechender Zunahme der anderer Taxa (v.a.
Fungiastrea und Isastrea). Bei den Wuchsformen dominieren allgemein fladige Wuchstypen (70-90 % der Korallen),
gefolgt von massigen Typen. Mischformen sind verbreitet. Die fladigen Wuchstypen haben oft eingesenkte
Oberseiten, teilweise auch tellerförmigen Wuchs. Viellappig-aufstrebende Wuchsform ist häufig zu beobachten. Die
dünn bis dickfladigen Korallen zeigen fast durchweg punktförmige, zentrale bis subzentrale Anheftepunkte. Isastrea
bildet durchgehend fladige Wuchsformen aus. Heliocoenia und Stylina bilden in den jüngeren Riffabschnitten kleine
(5-8 cm) Kolonien von halbkugel- bis kugelförmigen Wuchs. Ramose Wuchstypen (Dendraraea) sind lagenweise
häufig. Die Korallendurchmesser liegen zwischen wenigen Zentimetern und 150 cm, wobei die meisten Kolonien 15-
30 cm aufweisen. Besonders großwüchsige, massige Korallen (ausschließlich Microsolena und Dimorpharaea) sind
51

in den ältesten Riffteilen entwickelt. Korallendurchmesser bis 120 sind im Laufe der Riffentwicklung immer wieder
lagenweise anzutreffen. Inkrustierender Wuchs (besonders durch Thamnasteria) ist vereinzelt bis verbreitet bei einer
Zunahme im Laufe des Riffwachstums. Mit Ausnahme einer geringmächtigen Lage, aufgebaut aus horizontal
wachsenden, abgeplatteten Ästen von Dendraraea (vgl. Taf. 1) sind ästige Korallen (Calamophylliopsis,
Placophyllia?, Stylosmilia, Thecosmilia) nur als Bruchstücke verbreitet. Liegende Montlivaltien sind vereinzelt
vorhanden. Die flächigen bis massigen Korallen sind meist horizontal, zweitrangig leicht schräg und selten steiler
geneigt angeordnet. Zerbrochene Kolonien sind selten. An den Übergängen zwischen bioklastischer Fazies und
Boundstonefazies bezeugt die Einregelung der Korallen ein kleinräumiges, welliges Relief bis ungefähr 1 m mit
eingesenkten bioklastischen Riffschuttbereichen zwischen erhöhten, von Korallen besiedelten Riffbereichen.
Riffbesiedler: Mollusken und Echiniden bestimmen die Makrofauna, weiter treten Serpeln, Brachiopoden,
mikrobielle Krusten, Crinoiden, Bryozoen und Mikrofossilien auf. Pectiniden (u.a. Radulopecten, Eopecten) und
Chlamys textoria sind häufig. Desweiteren sind Camponectes, Ctenostreum, Entolium, Plagiostoma, Pseudolimea
und Pterocardia zu beobachten. In den obersten Bereichen ist vermehrt Trichites mit Durchmessern bis 10 cm
Durchmesser verbreitet. Die Austern Exogyra, N. nana, Lopha und Gryphea dilatata sind verbreitet. Echinidenteile
sind häufig. Vor allem die Stacheln von P. florigemma, Glypticus hieroglypus und Rhabdocidaris sp. sind im
gesamten Riffbereich häufig. Weiter vorhanden sind Hemicidaris und Pseudodiadema. Steilglieder von Crinoiden
(Apoecrinus und Pentacrinus) sind verbreitet, Wurzelstöcke vereinzelt. Brachiopoden treten in Form inkrustierender
Thecideen und verbreiteten Terebrateln auf. Bryozoen und dünne, oft unregelmäßig aufstrebende thrombolithische
Krusten sind vereinzelt bis verbreitet und treten als kleinflächige Aufwüchse oder in Hohlräumen auf. Durchgehend
verbreitet bis häufig als Aufwuchs an Korallen, Mollusken oder in Form Bruchstücken ist Lithocodium. Mit zeitlich
zunehmender Häufigkeit ist Lithocodium mit Bacinella vergesellschaftet. Verbreitet bis häufig sind nubeculariiden
Foraminiferen und Bryozoen.
Riffabbauer: Bohrmuscheln und Bohrschwämme in wechselnden Anteilen befallen die Korallen unspezifisch bei
meist geringer bis mittlerer Häufigkeit. Es sind jedoch stets auch immer wieder gering bzw. stark zerbohrte Kolonien
vorhanden. Zerbohrungen von Troglotella sind vereinzelt.
Grundmasse: Bei der Matrix handelt es sich größtenteils um Bioklast-Wackestones die im oberen Bereich auch
zunehmend, örtliche Packstone- oder Floatstonegefüge aufweisen. Der Anteil an Bioklasten liegt bei 15-35 %, beim
Vorherrschen mittlerer Werte. Miliolide Foraminiferen sind in der Grundmasse allgemein verbreitet, textulariide
Foraminiferen (Textularia) sind selten.

3.5.2 Euville

Aufschlußbereich Euville I
(Übersicht Abb. 20; Taf. 2)

Microsoleniden-Fungiastrea-Schutt-Mittelbiostrom LEU I 1
(vgl. Kap. 2.15; Abb. 44; Taf. 2; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Der Riffkörper ist an der Westabdachung des Crinoidensandkörpers bei einer
Hangneigung von 14 bis 18° entwickelt (s. Taf. 3). Die unmittelbare Riffbasis ist nicht aufgeschlossen.
Rifform: Es zeigt sich ein linsenförmiger Längsschnitt bei einen Basisdurchmesser von 50 m und einer maximalen
Mächtigkeit von 4,5 m. Die Erstreckung des Riffkörpers in N-S-Richtung ist unklar. Möglicherweise liegt ein in N-S-
Richtung langgestreckter oder saumartiger Riffkörper vor.
Riffaufbau –und Riffgefüge: Das Gesteinsgefüge ist massig bis undeutlich lagig. Das Riffgefüge ist einheitlich und
zeigt meist freie bis geschlossene Platestones aus dünnfladigen bis dickfladigen Korallen. Insgesamt konnten, bei
zeitlich ansteigender Artenzahl, 19 Arten bestimmt werden. Dominante Gattungen sind microsolenide Korallen
(Microsolena3, Dimorpharaea) und Fungiastrea. Weiter treten auf Comoseris, Thamnasteria2, Convexastrea,
Isastrea, Pseudocoenia und Bruchstücke ästiger und Einzelkorallen (Dendraraea, Dermosmilia, Enallhelia,
52

Stylosmilia/Goniocora). In den artenärmeren unteren Bereichen dominieren microsolenide Korallen und Fungiastrea
klar. Verbreitet sind weiter Isastrea, Synastrea und Thamnasteria. Montlivaltia findet sich vereinzelt. Die jüngeren
Riffabschnitte zeigen zunehmend alle weiteren Gattungen, die den (nicht aufgeschlossenen) Übergang zum
hangenden Riff LEU I 2 einleiten.
Riffbesiedler: Häufig sind pectinide Muscheln, Austern (u.a. Nanogyra, Exogyra) und Serpeln. Bryozoen sind
verbreitet, Kalkschwämme selten. In den jüngsten Abschnitten sind vereinzelt Aufwüchse von thrombolithischen
Krusten. Am Übergang zu LEU I 2 ist Lithocodium vereinzelt.
Riffbewohner: Cidaroide Seeigelstacheln und Crinoidenbruchstücke sind häufig, Gastropoden vereinzelt.
Riffabbauer: Geringe Zerbohrungsraten, meist durch Bohrmuscheln, weniger durch Bohrschwämme.
Grundmasse: Die Grundmasse bilden cortoidische Bioklast-Wackestones und örtlich kleinvolumige Float- bis
Rudstones. Die cortoidische Umhüllung und der mikritischer Matrixanteil nimmt im Laufe der Ablagerung zu.

Schwach bioklastisches bis schlammiges Korallen-Mikrobolith-Großbioherm LEU I 2


(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 20, 44; Taf. 2; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Der Riffkörper setzt direkt auf der leicht konkaven Topographie (4-22°) von Riff
LEU I 1 ein bei gleichbleibend westlicher Hangexposition. Die östlichsten Riffausläufer erreichen gerade die
Kulmination des Crinoidensandkörpers, ohne auf den östlichen Abhang überzugreifen.
Rifform: Der Riffquerschnitt zeigt ein, zunehmend kuppelförmiges Bioherm von ungefähr 50 m Basisdurchmesser
und eine Mächtigkeit von 4-10 m. Eine Längserstreckung des Riffkörpers in N-S-Richtung, bzw. dem westlichen
Abhang des vorgegebenen Reliefs folgend ist denkbar.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gesteinsgefüge ist massig bis undeutlich lagig und hebt sich aufgrund seiner
„brockigen“ Verwitterung deutlich vom liegenden, einheitlich massigen Riffkörper ab. Das Riffgefüge zeigt
kleinräumig wechselnde, freie bis geschlossene Boundstones (etwa 25-40 % Volumenanteil), vorwiegend mit Plate-
bis Domestonegefüge. In den jüngeren Abschnitten ist vermehrt ein kleinräumige Änderung der Riffgefüge und
Riffbildnergemeinschaften zu beobachten. Die Artenzahl nimmt im Laufe der Riffentwicklung zu bei gleichzeitigen
Rückgang microsolenider Korallen. Der untere Riffteil wird von mikrobolithischen Boundstones mit mittlerer
Artenzahl aufgebaut. Die auftretenden Gattungen sind Actinaraea, Clausastrea, Calamophylliopsis, Cyathophora,
Dendraraea, Dimorpharaea, Fungiastrea, Isastrea, Microsolena, Montlivaltia, Pseudocoenia, Stylina, Stylosmilia,
Synastrea? und Thamnasteria. Sie zeigen meist fladige bis dickfladige Wuchsformen. Massige und unregelmäßig-
fladige Formen folgen in der Häufigkeit. Die Durchmesser liegen meist bei 1-3 dm mit maximalen Werten bis 60 cm
(Fungiastrea). Thrombolithische Krusten sind als örtliche Aufwüchse auf Korallen verbreitet bis örtlich häufig. Es
handelt sich um örtliche dünne bis unregelmäßig aufstrebende Aufwüchse an Korallen, die nur in geschützen
Hohlräumen des Riffgerüstes größere Volumen einnehmen. Der obere Riffteil zeigt einen starken Zuwachs an
mikrobiellen Krusten (Korallen-Mikrobolith-Boundstone), eine starke Variabilität der Korallenwuchstypen, eine
Erhöhung der Zahl der Korallenarten und eine vermehrt fleckenhafte Faziesverteilung innerhalb des Riffkörpers.
Örtlich sind kleinräumige Pillar- bis Mixstones entwickelt. es sind keine klaren Dominanzen ausgebildet;
bereichsweise dominiert Dendraraea. Die auftretenden Gattungen sind Actinaraea, Actinastrea, Allocoenia,
Axosmilia, Calamophylliopsis, Comoseris, Convexastrea Dendraraea, Dimorpharaea?, Enallhelia, Fungiastrea2,
Stylosmilia/Goniocora, Isastrea, Microsolena, Montlivaltia, Pseudocoenia, Stylina, Synastrea und Thamnasteria. Es
zeigt sich fast durchgehend eine Vorherrschaft unregelmäßiger bis massiger Wuchstypen, gefolgt von fladigen und
ramosen Kolonien. Ästige Kolonien sind vereinzelt. Nach oben nimmt der Gehalt massiger, kugelförmiger und
ästiger Wuchstypen zu. Dasselbe gilt für massive stylinide und mäandroide Korallen. Im westlichen Riffteil
dominieren ästige Korallenstöcke mit Dendraraea racemosa als vorherrschender Art. In diesem Bereich sind bei
microsoleniden Korallen auch teilweise aufstrebende Wuchsformen festzustellen. Die Korallendurchmesser zeigen
Werte von 5-55 cm. Der Korallenanteil liegt bei schätzungsweise 10-40 %/m2. Das Krustenwachstum ist stets an
Korallen gebunden, von begrenzten Aufwüchsen bis hin zu größeren, teilweise Korallen verbindenden Aufwüchsen.
53

Die höchsten Volumenanteile sind hierbei an ästige Korallen gebunden. Bei den Krusten handelt es sich meist um
klumpige bis strukturarme thrombolithische Krusten. Untergeordnet treten in verbliebenen Hohlräumen peloidale bis
agglutinierende, stromatolithische Krusten auf.

Abb. 20: Übersichtsskizze über Teilsteinbruch Euville 1 (Lothringen) mit Lage der Riffkörper LEU I 1-6.

Riffbewohner. Muscheln (v.a. pectinide Muscheln; Chlamys, Entolium, Ctenostreum) und Austern (v.a. N. nana,
Exogyra, Lopha) sind häufig bis sehr häufig. Serpeln, Bryozoen, Neuropora und Kalkschwämme sind, meist aber als
Bruchstücke erhalten. Örtlich sind zentimeterdicke Austern- oder Serpelinkrustationen um Korallen zu beobachten.
Nubeculariiden Foraminiferen sind verbreitet, Terebella ist selten im Bereich von Mikrobolithen vorhanden.
Gastropoden (u.a. Conotomaria sp., Pleurotomaria sp., Trochus sp.) sind häufig und artenreich. Seeigelstacheln sind
sehr häufig, terebratulide und thecideidinide Brachiopoden sind verbreitet. Vereinzelt ist Lithocodium oder seltener
Bacinella als Aufwuchs auf Korallen vorhanden. In den jüngsten Riffabschnitten sind lituolide Foraminiferen und
Grabspuren zu beobachten.
Riffabbauer: Bohrmuscheln, Bohrschwämme, Mikroorganismen, Bohrwürmer sowie Troglotella treten auf. Die
vorherrschenden Bohrmuscheln und Bohrwürmer zerbohren, bei wechselnden Anteilen, unspezifisch Korallen mit
meist geringen bis mittleren Beträgen. Stark zerbohrte Korallen sind, mit zunehmender Häufigkeit im Laufe der
Riffablagerung, vereinzelt bis verbreitet vorhanden. In den jüngsten Bereichen findet sich ausschließlich von
Bohrwürmern zerbohrte Comoseris-Kolonien. Mikrobielle Krusten zeigen keine bis sehr geringe Zerbohrung, meist
durch kleinwüchsige Bohrmuscheln. Die Spuren bohrender Mikroorganismen sind in Form von cortoidischen
Kornsäumen nahezu allgegenwärtig. In den jüngeren Riffteilen finden sich in randlichen Bereichen von Korallen
teilweise feine Bohrgänge von Mikroorganismen sowie von Troglotella.
Grundmasse: Cortoidische Bioklast-Wackestones bis Bioklast-Cortoid-Wackestones (Floatstones) herrschen vor. In
den jüngsten Bereichen sind diese teilweise leicht onkoidisch. Sehr selten sind in den obersten Bereichen Bio-Lumps
und fragliche Tuberoide festzustellen. Die Matrix ist anfangs feinarenitisch-siltig, wird aber im Laufe der
Riffablagerung schlammig-mikritisch. Miliolide und textulariide Foraminiferen sind häufig.

Schlammiges Korallen-Mikrobolith-Kleinbioherm LEU I 3


(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 20, 21, 44; Taf. 2; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Riffbasis ist nicht aufgeschlossen. Am wahrscheinlichsten ist eine Lage, direkt
auf oder wenig über den topographisch am tiefsten gelegenen, westlichsten Ausläufern von Riff LEU I 2. Die
Riffbasis weist ein Einfallen von schätzungsweise um die 20 ° auf.
Rifform: Bei einer Basislänge von 6 m und einer Mächtigkeit bis 3 m zeigt der Riffkörper einen linsenförmigen
54

Querschnitt. Eine Erstreckung in N-S-Richtung ist denkbar, aufgrund des geringen Riffvolumens jedoch unwahr-
scheinlich.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gesteinsgefüge ist massig. Es sind meist geschlossene Korallen-Mikrobolith-
Boundstones mit unterschiedlichem Gefüge und Zusammensetzung ausgebildet, die sich deutlich in sechs Bereiche
(a-f) aufgliedern. Nur die jüngste Einheit beschließt die Riffentwicklung einheitlich. Der Anteil von Korallen am
Riffvolumen beträgt 5-30 %, der von mikrobiellen Krusten 5-20 %.

Abb. 21: Skizze des schlammigen Korallen-Mikrobolith-Mittelbioherms LEU I 3 (Euville I) mit Riffabschnitten a-e (s. Taf. 2).

Riffeinheit 3a wird dominiert von Enalhelia sp. die monospezifische Pillarstones aufbaut. Riffeinheit 3b zeigt
hauptsächlich Platestones aus fladigen und inkrustierenden Korallen (Microsolena, Dimorpharaea, Actinaraea,
Thamnasteria, Enalhelia; s. Taf. 2), die steil mit 50 bis 90° eingeregelt sind. In Riffeinheit 3c herrschen ästige
Kolonien (Dendraraea, Enalhelia, Calamophylliopsis, Mitodendron, Donacosmilia, Thecosmilia) vor. Dünnfladige
bis massig-kugelförmige (Comoseris, Microsolena) und aufstrebende Wuchstypen (Microsolena), bis hin zu
Übergängen in ramosen Wuchs, sind verbreitet. Riffeinheit 3d zeigt überwiegend dünnfladige Wuchsformen mit
überwiegend viellappig-aufstrebender Wuchsform. Es dominiert Microsolena. Außerdem sind Fungiastrea,
Pseudocoenia, Dimorpharaea und Stylina zu beobachten, die allesamt mit 20 bis 50° in westliche Richtung geneigt
sind. Das Top von Riffeinheit wird von fladigen bis dickfladige Isastreen geprägt. Neben umgestürzten Montlivaltien,
sind Calamophylliopsis2 und Enalhelia bruchstückhaft anzutreffen. Riffeinheit 3e wird von fladigen bis dickfladigen
Wuchstypen (Mesomorpha, Microsolena2, Fungiastrea, Isastrea, Clausastrea, Thamnasteria) dominiert, gefolgt von
ästigen (Stylosmilia, Enalhelia) und massigen Formen (Pseudocoenia2, Stylina). Riffeinheit 3f überlagert zum
Abschluß der Riffentwicklung durchgehend die älteren Riffeinheiten. Die Basis wird von eine Lage microsolenider
Korallen (u.a. Microsolena) und Fungiastrea gebildet, die direkt auf der Topfläche der liegenden älteren
Riffoberfläche siedelt. Darauf folgt ein freies Platestonegefüge dominiert von dünn- bis dickfladigen (Actinaraea,
Comoseris, Fungiastrea, Mesomorpha, Microsolena und Thamnasteria) seltener massigen (Comoseris,
Pseudocoenia, Microsolena, Stylina) Korallenwuchstypen. Viellappige, aufstrebende und getreppte Formen sind
verbreitet. In den jüngsten Abschnitten zeigt Microsolena vereinzelt den Übergang zu ramosem Wuchs. Ab und zu
sind kleine Stöcke von Dermoseris und Calamophylliopsis sowie einzelnen Bruchstücke von Enalhelia zu
beobachten. Das Boundstonegefüge löst sich zum Top hin langsam auf.
Mikrobielle Krusten sind, stets gebunden an Korallen, durchgehend vorhanden. Sie bilden örtliche bis durchgehende
Aufwüchse an und zwischen Korallen (vgl. Taf. 2). Der dominierende Strukturtyp sind thrombolithische Krusten mit
massigem, unregelmäßigem bis polsterförmigen Wuchs. Strukturarme, aphanitische Typen sind vereinzelt.
Stromatolithische Krusten sind im gesamten Riffkörper verbreitet in sekundären Riffhohlräumen zu beobachten. Der
Anteil von Mikrobolithen am Riffgerüst ist im Handstückmaßstab meist um das zwei- bis dreifache geringer als das
55

Korallenvolumen. Ausnahme hier von sind Pillarstonegefüge in denen mikrobielle Krusten das Korallenvolumen
teilweise übertreffen.
Riffbewohner: Häufigste Organismen sind Serpeln und Austern (Exogyra, Liostrea). Sie siedeln, z.T. Aggregate
bildend, bevorzugt an Korallenunterseiten, verbreitet auch an Oberseiten. Es folgen Muscheln und Kalkschwämme.
Verbreitet sind Seeigelstacheln, Schnecken und Bryozoen. Innerhalb thrombolithischer Krusten ist Terebella
lapilloides verbreitet, bereichsweise auch häufig. Zudem ist örtlich die Bacinella-Lithocodium-Assoziation,
Placopsillina, nubeculariiden Foraminiferen und Tubiphytes festzustellen. 0,7 bis 1,6 cm breite, wenig gewundene
Grabspuren sind verbreitet.
Riffabbauer: Es treten Bohrmuscheln, Bohrschwämme, Mikroorganismen, Bohrwürmer sowie Troglotella auf.
Bohrmuscheln und -würmer zeigen wechselnde Verhältnisse und Bohrraten, wobei die Bohrschwämme insgesamt
leicht überwiegen. Die Zerbohrung von Korallen erfolgte unspezifisch, bei geringen bis sehr hohen Beträgen. Eng
benachbarte Kolonien gleicher und verschiedener Arten weisen stark unterschiedliche Zerbohrungsraten auf. An
ästige Korallen ist hauptsächlich Befall durch Bohrschwämme festzustellen. Im gesamten Riffkörper sind vereinzelt
Bohrwurmspuren beobachtbar (in Thamnasteria gracilis, Microsolena mosensis). Mikrobielle Krusten zeigen meist
keine bis sehr geringe Zerbohrungsraten durch Bohrschwämme und kleinwüchsige Bohrmuscheln. Troglotella ist
vereinzelt.
Grundmasse: Es herrschen bioklastische Mudstones vor. Örtlich sind Bioklast-Wackestones (Floatstones) und
kleinräumige Peloid-Packstones entwickelt. In Riffeinheit 3f sind lagenweise Crinoiden-Wackestones verbreitet.

Schlammiges Korallen-Mikrobolith-Kleinbioherm LEU I 4


(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 20, 44; Taf. 2; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Der Riffkörper befindet sich am unteren, mit 5-10° nach W-SW einfallenden
Hangbereich des liegenden Crinoidensandkörpers (vgl. Kap. 2.1.5). Die Crinoiden-Grainstones sind hier 3 m mächtig
und von 3,2 m gebankten, z.T. korallenführenden, cortoidischen Bioklast-Wackestones (Floatstones) überlagert. Der
Riffkörper setzt auf mitteldickgebankten, stark korallenführenden Floatstones bis Korallen-Platestones ein.
Rifform: Im Querschnitt zeigt sich ein symmetrischer, erst linsenförmiger, später kuppelförmiger Umriß bei einer
Basislänge von 12 m und einer Mächtigkeit bis 4,5 m. Da der Riffkörper im Aufschluß keine Längserstreckung in N-
S-Richtung zeigt (vgl. Kap. 2.1.5) läßt sich für Riff 1-3 auf ähnliche Verhältnisse schließen. Im gleichen Zuge deutet
die räumliche Begrenzung der Riffe LEU I 1 bis LEU I 3 in E-W-Richtung auf keine Erstreckung von Riff LEU I 4 in
diese Richtung.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gesteinsgefüge ist durchgehend massig. Es ist, bei durchgehendem
Boundstonegefüge, eine vertikaler Zweiteilung in Bezug auf die Gefügetypen, Riffbildner und
Artenzusammensetzung festzustellen. Einem 1-2 m mächtigen unteren Riffabschnitt (LEU I 4a) folgt ein 3-4 m
mächtiger oberer Riffabschnitt LEU I 4b. Der unter Riffabschnitt 4a wird, bei einem hohen Anteil an Grundmasse
(75-90 %), von Korallen als Riffbildnern dominiert; Mikrobolithe zeigen geringe Volumenanteile (0-5(10)%). Die
Korallenfauna setzt sich hauptsächlich aus dünn- bis dickfladigen (in Folge der Häufigkeit: Fungiastrea2, Isastrea,
microsolenide Korallen, Clausastrea) weniger massigen (Pseudocoenia, Microsolena2, Stylina, Synastrea2) Kolonien
zusammen, die Plate- bis Domestones aufbauen. Bei Fungiastrea und den microsoleniden Korallen ist aufstrebend-
viellappiger Wuchs verbreitet, ohne jedoch größere Riffvolumen einzunehmen. Korallenbruchstücke sind häufig;
wenig zerbrochene Exemplare (v.a. dünnfladige bis fladige Wuchstypen) sind verbreitet. Am äußersten Südrand des
Riffabschnittes ist 20 cm über der Riffbasis ein einzelner Aplosmilia-Stock (60 cm Durchmesser) vorhanden. Neben
der häufigen Dendraraea und vereinzeltem Stöcken von Dermoseris, Cladophyllia und Calamophylliopsis am
Übergang zum hangenden Riffabschnitt 4b (s.u.), sind ästige Korallen im unteren Riffteil meist nur bruchstückhaft
überliefert. Bei den mikrobiellen Riffbildnern handelt es sich ausschließlich um an Korallen gebundene
thrombolithische Krusten. Sie zeigen flächige bis fleckenhafte Aufwüchse in geschützen Hohlräumen. Nur örtlich
56

verbinden sie verschieden Korallenkolonien.


Das Einsetzen des oberen Riffabschnitt 4b ist, nach einem Mischbereich von wenigen Dezimetern v.a. an starken
Zunahme von ästigen Korallen (v.a. Dendraraea) und dem zunehmend vertikalen Riffwachstum festzumachen.
Zusätzlich ist eine allgemeine Erhöhung der Artenzahl und Formdiversität der Korallenfauna sowie ein erhöhter
Anteil und eine erhöhte Formenvielfalt mikrobieller Krusten zu beobachten. Ästige Korallen herrschen, abgesehen
von kleineren Flächen (bis einige dm2) volumenmässig vor. Hierbei werden 30-70 % des Riffvolumens von
Dendraraea-Stöcken bis 1,2 m Durchmesser eingenommen. Die Äste von Dendraraea zeigen meist stark
wechselhaften Verlauf, bereichsweise auch parallelen, sich z.T. berührenden Verlauf. Die Wuchsrichtung ist flach bis
vertikal. Die weiteren ästigen Korallen (Aplosmilia, Calamophylliopsis2, Dermosmilia, Stylosmilia,
Epistreptophyllum) stellen nur kleinere Stöcke (1,5-4dm) oder sind meist bruchstückhaft überliefert (Donacosmilia,
Enalhelia, Montlivaltia, Diplaraea, Mitodendron, Thecosmilia). Einige kleinere Stöcke sind umgestürzt. Flabellate
Korallen (Rhibidogyra) sind vereinzelt. Die Anwachspunkte der ästigen Korallen sind nicht an bestimmte Lagen
gebunden. Bei den massiven Kolonien überwiegen fladige bis dickfladige (Isastrea, Fungiastrea, microsolenide
Korallen, Thamnasteria), viellappige (Fungiastrea, microsolenide Korallen) und massig-unregelmäßige Wuchs-
formen (Microsolena). Massige bis kugelförmige (Stylina, Pseudocoenia, Actinastrea), inkrustierende (Thamnasteria,
Microsolena) und aufstrebende Wuchstypen (microsolenide Korallen) sind verbreitet. Vereinzelt sind Übergänge in
ramosen Wuchs (Microsolena, Stylina, Actinastrea) oder pilzförmig Wuchsformen entwickelt. Die Kolonie-
durchmesser liegen meist im Bereich von 1-3 dm. Isastrea und Fungiastrea zeigen häufig Durchmesser bis 5 dm,
während Pseudocoenia und Stylina durchgehend unter 1 dm bleiben. Die massiven Korallen sind in fleckenhaften
Korallenansammlungen oder einzeln angeordnet. Mit Ausnahme der massigen styliniden Korallen und Thamnasteria,
die meist andere Korallengattungen überwachsen, lassen sich ansonsten keine Regelhaftigkeiten im gegenseitigen
Aufwuchs erkennen. Örtliche Aufwüchse von Microsolena und massigen styliniden Kolonien an dickästigen Korallen
(va. Dendraraea) sind verbreitet.
Die mikrobiellen Krusten zeigen einen Anteil von ca. 20-30(50 %) am Riffbildnervolumen. Am größten ist der Anteil
im Bereich von Pillarstones und hoher Korallendichte. Es handelt sich meist um thrombolithische (bis teilweise
aphanitische und stromatolithische) Typen. Die klumpigen, teilweise strukturarmen Thrombolithe besiedeln die
Korallen durchgehend mit Mächtigkeiten bis mehreren Zentimetern und verbinden oft Korallenkolonien. Während
die Korallenunterseiten meist gleichförmiges Wachstum aufweisen zeigen die Oberseiten meist viellappig-
aufstrebendes Wachstum. Hohlräume des Korallengerüst sind häufig vollkommen mit mikrobiellen Krusten besiedelt.
An ästigen Korallen sind häufig länger durchhaltende, weniger häufig fleckenhafte Aufwüchse beobachtbar.
Besonders voluminöse Krustenaufwüchse sind an den Astgabelungspunkten entwickelt. Lagige Thrombolithe bilden
verbreitet polsterförmige Aufwüchse auf Korallen. Weniger häufig besiedeln, groblaminierte peloidale bis
agglutinierte Stromatolithe verbliebene Hohlräume im Korallen-Thrombolithgefüge. In Einzelfällen sind mikrobiellen
Krusten auf Muschelschalen aufgewachsen.
Riffbesiedler: Muscheln, Austern, Serpeln und Kalkschwämme sind allgemein verbreitet bis häufig. Terebratulide
und thecideidinide Brachiopoden sind verbreitet. Innerhalb von thrombolithischen Krusten ist, besonders im Bereich
ästiger Korallen, Terebella verbreitet bis häufig. Kleinwüchsige fladig inkrustierende Chaetetiden sind selten. Bei den
Mikrofossilien sind Bryozoen und nubeculariide Foraminiferen häufig; Tubiphytes, Bacinella und Lithocodium sind
verbreitet. Vereinzelt sind Eggerella und Epistomina anzutreffen.
Riffbewohner: Seeigel und Gastropoden sind verbreitet bis häufig. Im gesamten oberen Riffbereich sind verbreitet
0,6 bis 1,5 cm dicke, wenig gewundene Grabspuren vom Thalassinoides isp. festzustellen.
Riffabbauer: Bohrmuscheln und Bohrschwämme zeigen, bei meist mittleren Zerbohrungsraten, wechselnde Anteile.
Ästige Korallen zeigen vorwiegend Bohrschwammbefall. Häufig sind unregelmäßig begrenzte Hohlräume zu
beobachten. In der Regel weisen v.a. die größeren Bohrhohlräume eine Besiedlung mit mikrobiellen Krusten auf. Nur
vereinzelt zeigen Korallen (Microsolena) Bohrwurmspuren.
57

Grundmasse: Bioklast-Wackestones bilden die Grundmasse; in kleineren Bereichen wechselt hierbei die Korngröße
und der Klastenanteil (Float- bzw. Mudstones). Peloide sind verbreitet bis bereichsweise vorherrschend. Onkoide und
Cortoide sind vereinzelt. Die Matrix ist schlammig bis feinsiltig-feinarenitisch.

Korallen-Mikrobolith-Schlamm-Mittelbioherm LEU I 5
(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 20, 22, 44; Taf. 2; Tab 1)

Topographie des Untergrunds: Riff 5 befindet sich im unteren, flachgeneigten Hangbereich des
Crinoidensandkörpers, der an dieser Stelle 3-4,5 m mächtig ist und von 5 m dezimetergebankten Mud- bis Floatstones
überlagert wird. Die Riffbasis ist mulden- bzw. rinnenförmig (in diesem Fall mit W-E-Verlauf) und wird von
dezimetergebankten Mudstones gebildet (vgl. Taf. 2). LATHUILIÉRE (pers. Mittl.) ordnet das muldenförmige Relief
einem Gezeitenkanal zu.
Rifform: Der Riffkörper zeigt im vorhandenen N-S-Schnitt einen linsenförmigen, nach oben sich stufig
verjüngenden, Umriß. Die Riffbasis ist ebenflächig-konkav. Die maximale Mächtigkeit beträgt 4,5 m, der maximale
Riffdurchmesser 13 m (1,5 bis 2 m über der Riffbasis). Die obersten 2 m zeigen eine kuppelförmige Seitenansicht bei
einem Durchmesser bis 4 m. Eine Erstreckung des Riffkörpers in E-W-Richtung ist denkbar.
Riffaufbau und Riffgefüge: Bei insgesamt massigem Gefüge sind einzelne undeutliche, den gesamten
Riffquerschnitt durchhaltende, ungefähr horizontale Gesteinsfugen ausgebildet. Der Riffkörper zeigt insgesamt
uneinheitlich zusammengesetzte Korallen-Mikrobolith-Boundstones mit hohem Mikritanteil. Es ist eine unscharfe
seitliche Zonierung und eine deutliche vertikale Sukzession der Riffbildner zu beobachten. Den Einsatz des
Riffwachstums bildet über weite Bereiche der zentralen Basis eine Pionierfauna aus massiven Korallen (v.a.
microsoleniden Korallen) die randlich zunehmend von ästigen Kolonien abgelöst werden (Riffabschnitt 5a). Darauf
folgend beherrschen Korallen-Pillarstones das Riffgefüge (Riffabschnitt 5b), mit einem Anteil am Riffgefüge von
50-90 % (meist über 70 %). In die Pillarstones sind einzelne massive Korallen verschiedensten Wuchstyps sowie
Mix- und Domestones von meist wenigen Dezimetern Durchmesser eingeschaltet. Innerhalb von Riffabschnitt 5a
zeigt sich nur in den unteren Bereichen eine undeutliche seitliche Zonierung. Hierbei ist, im Bezug auf die ästigen
Kolonien, an der nördlichen Rifflanke eine artenreichere Korallengemeinschaft aus kleinvolumigeren Kolonien mit
engständigeren, häufig phaceloiden Korallenästen, ausgebildet. Mikrobolithe (v.a. Thrombolithe) zeigen große
Volumenanteile und sind an Korallen (besonders ästige Kolonien) gebunden. Stromatolithe sind verbreitet. Den
Abschluß der Riffentwicklung bildet ein großflächiger Bewuchs der gesamten Riffoberfläche mit Serpeln und
vereinzelten Kalkschwämmen.
Riffabschnitt 5a zeigt meist offene nur fleckenhaft verbundene Plate- bis Domestones mit unscharfer Obergrenze.
Die Basis des Riffkörpers wird an den Rändern von ästigen Korallen und einzelnen unregelmäßigen, fladigen bis
massigen Korallen (v.a. Actinaraea) gebildet. Im zentralen Riffbereich ist die Basis nicht aufgeschlossen. Ab 2-3 m
über der Basis nimmt der Anteil an ästigen Korallen merklich zu. Massige bis unregelmäßige sowie aufstrebende
Wuchsformen herrschen vor. Es sind Plate-, Dome- bis Mixstones mit vorwiegend massiven Kolonien (Actinaraea,
Isastrea, Fungiastrea, Microsolena, Stylina, Pseudocoenia) ausgebildet. Es dominieren Actinaraea und Isastrea.
Actinaraea zeigt teilweise aufstrebenden Wuchs. In der nördlichen Randzone sind ästige Kolonien (Aplosmilia,
Dendraraea, Mitodendron) dominierend. Thrombolithische Krusten sind als Aufwüchse an Korallen häufig.
Stromatolithische Krusten sind auf verbleibende Hohlräume beschränkt.
Riffabschnitt 5b zeigt eine artenreiche ästige Korallenfauna bei deutlicher Dominanz von Dendraraea und
bereichsweise Aplosmilia. Die weiteren ästigen Korallengattungen zeigen nur örtlich größere Stöcke bis 70 cm
Durchmesser (Stylosmilia). Meist sind kleinere Stöcke bis 20 cm (Stylosmilia, Calamophylliopsis stockesi,
Dermoseris, Dermosmilia) oder sind nur Bruchstücke (Proaplophyllia, Goniocora2, Cladophyllia, Enalhelia,
Stylosmilia, Aplosmilia, Dermosmilia, Donacosmilia, Mitodendron, Calamophylliopsis2, Thecosmilia und
Latomeandra) vorhanden. Mit Ausnahme einzelner Exemplare sind die beobachteten Einzelkorallen (Montlivaltia,
58

Axosmilia) umgestürzt überliefert. Die massiven Korallen zeigen eine hohe Artenzahl und einen großen Reichtum an
Wuchsformen. Den größten Anteil machen fladige bis dickfladige (microsolenide Korallen, Fungiastrea2, Isastrea,
Clausastrea), gefolgt von fladig-viellappigen bis unregelmäßigen Wuchsformen (microsolenide, Fungiastrea,
Thamnasteria). Bei fladigen Korallen sind oft tellerförmige, selten inkrustierende Wuchsformen zu beobachten.
Massige Korallen (v.a. Pseudocoenia9, Stylina, Microsolena4; weiter Actinaraea2, Actinastrea, Isastrea, Comoseris)
sind verbreitet bis häufig. Microsolena zeigt verbreitet massig-unregelmäßige und vereinzelt massig-aufstrebende bis
massig-ramose Wuchsform. Kugelförmige oder ramose Wuchstypen sind bei Stylina und Actinastrea verbreitet. Der
gegenseitige Bewuchs von Korallen ist weitgehend unspezifisch. Besonders häufig überwachsen Dendraraea,
Microsolena, Thamnasteria und Pseudocoenia andere Kolonien.
Der Nordrand des Riffkörpers zeigt eine höhere Korallendichte (10-20 %) als der Südteil (5-10 %) und einen
merklich höheren Gehalt und eine höhere Artenzahl von vollständigen ästigen Kolonien. Kolonien von Dendraraea,
Aplosmilia, Calamophylliopsis, Stylosmilia erreichen hier ihre maximale Größe und Häufigkeit. Bei Dendraraea fällt
eine im Vergleich zum Südrand höhere Astdichte und der phaceloide Wuchs einzelner Stöcke auf. Bereichsweise
setzt das Wachstum der Korallen (Dendraraea, Aplosmilia) direkt auf den, den Riffkörper durchziehenden,
Gesteinsfugen ein. Dendraraea zeigt im Südteil örtlich horizontal und parallel verlaufende Korallenäste; teilweise
schließen sich bis zu vier Korallenäste zu „floßartigen“ Einheiten zusammen (vgl. Kap. 7.3). Dieselbe Astanordung
zeigt sich auch in aufstrebender, „pallisadenartiger“ Anordnung (Pallisadenwuchs; 7.2.4). Bruchstücke von
Dendraraea zeigen die Fähigkeit zu regenerativem Wuchs (vgl. Kap. 7.2.4, 7.3). Mikrobielle Krusten sind
durchgehend vorhanden. Am größten ist der Anteil am Riffbildnervolumen im Bereich von Bafflestones und kleine
Korallen-Boundstones. Im Handstückbereich liegt ihr Anteil bei 10-50 %, wobei Anteile bis 30 % klar vorherrschen.
Es handelt sich meist um klumpige bis strukturarme, teilweise lagige Thrombolithe bis klumpig-schlierige Aphanite,
weniger häufig um mikritische, klumpige, agglutinierende bis peloidale Stromatolithe. Die Thrombolithe besiedeln
die Korallen fleckenhaft bis durchgehend bei unterschiedlichen Mächtigkeiten bis mehreren Zentimetern. Verbreitet
sind Krustenbrücken zwischen einzelnen Kolonien. An ästigen Korallen sind häufig länger durchhaltende, weniger
häufig fleckenhafte Aufwüchse von Mikrobolithen beobachtbar, mit unregelmäßiger, meist jedoch wenig
ausgeformter Oberfläche. Besonders voluminöse Krusten sind im Bereich von Astgabelungspunkten ästiger Korallen

Abb. 22: Übersichtskizze des schlammigen Dendraraea-Mikrobolith-Mittelbioherms LEU I 5 mit Verteilung der Korallenfauna

entwickelt. In Einzelfällen sind thrombolithische Krusten auf Muschelschalen aufgewachsen. Die strukturarmen
Thrombolithe und klumpig-schlierigen Aphanite zeigen alle Übergänge und sind nur schlecht voneinander zu trennen.
Innerhalb der thrombolithsche Krusten sind Röhren von Terebella lapilloides häufig. Teilweise nehmen,
groblaminierte peloidale bis agglutinierte Stromatolithe verbliebene Hohlräume im Korallen-Mikrobolithgefüge ein.
Zum Teil weisen peloidale bis klumpige Stromatolithe ein „fining upwards“ auf.
59

Riffbesiedler: Serpeln, Muscheln, Austern, Kalkschwämme und Terebella sind die häufigsten auftretenden
Inkrustierer. Serpeln und Austern können örtlich auf Korallen siedelnd größere Volumen aufweisen. Bemerkenswert
ist am Ende der Riffentwicklung der großflächige, geschlossene Bewuchs der abgestorbenen Riffoberfläche mit
Serpeln(vgl. Taf. 3). Bryozoen und Thecideen sind verbreitet. Vereinzelt sind dünne, inkrustierende Chaetetiden
(Ptychochaetetes globulosa) an ästigen Korallen aufgewachsen. Lithocodium und Bacinella sind verbreitet, bilden
aber keine größeren Inkrustationen.
Riffbewohner: Seeigelstacheln sind allgemein häufig, Gastropoden sind verbreitet.
Riffabbauer: Bohrmuscheln und Bohrschwämme herrschen, bei wechselnden Anteilen und meist mittleren
Zerbohrungsrate, vor. Ästige Korallen zeigen vorwiegend Bohrschwammbefall. Große, unregelmäßig begrenzte
Hohlräume sind häufig. Nur vereinzelt zeigen Korallen (Comoseris, Microsolena, Fungiastrea) Bohrwurmspuren.
Bohrmuschellöcher mit einem größeren Durchmesser als die zerbohrten (von mikrobiellen Krusten bewachsenen)
Korallenäste, dokumentieren Verhärtung dieser Krusten.
Grundmasse: Es herrschen Mudstones mit sehr geringem bis hohen Bioklastanteil vor. Örtlich sind bioklastenarme
Wackestones (Floatstones) entwickelt. Peloide sind verbreitet, bilden aber nur örtlich kleinräumige Wacke- bis
Packstones. Gelegentlich sind auch unregelmäßige tuberoidische Komponenten zu beobachten.

Calamophylliopsis-Thrombolith-Schlamm-Kleindickicht LEU I 6
(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 20, 44; Tab. 1)

Topographie des Untergrundes: Der Riffkörper liegt am südwestlichen Hangbereich im Bereich mit 10-15° Gefälle,
etwa bei einem Gefälleknick hin zu flacher geneigten Bereichen vom Dünenkamm weg.
Rifform: Der Riffquerschnitt ist gleichmäßig kuppelförmig bei einem Durchmesser von ungefähr 2 m.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Riffgefüge wird von durchgehend Calamophylliopsis-Pillarstones aufgebaut, die
von strukturarmen Thrombolithen bis schlierigen Aphaniten besiedelt bis sekundär verbunden sind. Die Art
Calamophylliopsis flabellum dominiert das Kleinbioherm nahezu monospezifisch. Nur unteren Bereich sind
vereinzelt fladige (Meandraraea edwardsi) bis aufstrebende (Heliocoenia variabilis) Korallen zu beobachten. Die
Calamophylliopsis-Stöcke zeigen Durchmesser von 40 bis 120 cm. Die größten Stöcke sind aufrecht wachsend an der
hangaufwärts gerichteten Rifflanke entwickelt. Hangabwärts nehmen die Stockdurchmesser ab (bis 50 cm). Die
Stöcke sind hier teilweise umgestürzt und werden sukzessiv mehrfach von kleineren Stöcken überwachsen. Die
mikrobiellen Krusten verbinden die Korallenäste in Form länger durchhaltender „Brücken“. Der Krustenanteil ist
aufgrund des sehr geringen Kontrastunterschiedes zur mikritischen Matrix jedoch nur schwer abzuschätzen
Riffbesiedler und Riffbewohner: Serpeln sind, gefolgt von Austern und Kalkschwämme, die häufigsten Inkrustierer
an den Korallenästen. Serpeln bilden gelegentlich auch größere Aggregate oder Inkrustationen. Innerhalb mikrobieller
Krusten findet sich häufig zusätzlich Terebella. Gastropoden, Muscheln, Thecideen und Seeigel sind allgemein
verbreitet. Gerade bis schwach gewundene Grabgänge (Thalassinoides isp.) sind verbreitet.
Riffabbauer: Insbesondere die ästigen Korallen zeigen überwiegend die Besiedlung durch Bohrschwämme (Entobia
glomerata). Größere Hohlräume sind selten. Bohrmuscheln sind vereinzelt festzustellen; z.T. übertrifft ihr
Durchmesser die Astdicke und bezeugt die frühe Verhärtung der astumhüllenden Krusten.
Grundmasse: Die Grundmasse besteht zum größten Teil aus Mudstones, die teilweise einen geringen Bioklastgehalt
aufweisen. Örtlich sind unregelmäßig begrenzte, kleinvolumige Peloid-Wackestones vorhanden.

3.6 Aufschlußbereich Euville II


(Abb. 23; Taf. 3)

Bioklastisches Korallen-Mittelbiostrom bis austernführendes, mikrobolithisches Korallen-Schlamm-


Mittelbiostrom LEU II 1
(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 23, 24, 44; Taf. 3; Tab. 1)

Topographie des Untergrundes: Das Biostrom bildete sich direkt auf der Kulmination einer ca. 6 m mächtigen
Cortoid-Crinoiden-Packstone-Düne (vgl. Kap. 2.1.5), die sich unmittelbar auf der liegenden Crinoidensand-
60

Riesendüne, am Übergang vom zentralen zum sanft abdachenden östlichen Dünenbereich bildete. Die Riffbasis fällt
mit 0-20° nach W und E ein, mit den höchsten Beträgen in östliche Richtung.

Abb. 23: Lage der Riffkörper LEU II 1-3 im Bereich von Steinbruch Euville II.

Rifform: Die einzelnen biostromalen Einheiten weisen Mächtigkeiten von 20 bis 200 cm auf bei einer seitlichen
Erstreckung von 20-40 m. Während die Riffeinheiten 1a und 1c riffweit in etwa einheitliche Mächtigkeiten aufweisen
zeigt Riffeinheit 1c nach E eine ansteigende Mächtigkeit auf (s.u.).
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gestein ist dickgebankt (0,8-4 m) mit einem Anstieg der Bankmächtigkeit im
zeitlichen Verlauf. Es ist vertikal kein durchgehendes biostromales Gefüge entwickelt, vielmehr handelt es sich um
eine in den unteren Bereichen teilweise von bioklastischen Lagen unterbrochene Abfolge biostromaler Riffkörper
(LEU II 1a-c; s.o.; Taf. 5) verschiedenen Gefüges und Zusammensetzung. Diese ortsfeste Abfolge einzelner
Biostromtypen entspricht trotz der zeitlichen Unterbrechungen einer sukzessionalen Entwicklung und wird deshalb
vereinfachend zusammen beschrieben. Das Korallengefüge besteht aus meist mikrobolithischen Platestones mit
freiem bis verbundenem Gefüge bei Korallenanteilen von 5-25 %. Im Laufe der Riffentwicklung lockert sich das
Korallengefüge zunehmend auf. Die Korallenfauna zeigt vorherrschend dünnfladige bis fladige, teilweise auch
unregelmäßig-fladige bis viellappige Wuchstypen. Nach oben nehmen dünnfladige Wuchstypen, bis hin zur völligen
Vorherrschaft, zu. Die fladigen Wuchstypen haben meist einen tellerförmigen Wuchs mit punktförmigen Anhefte-
punkten. In den unteren Bereichen überwiegt die direkte gegenseitige Besiedlung der einzelnen Kolonien, während
nach oben Molluskenschalen, Seeigelstacheln und Korallenbruchstücke als Hartsubstrate für die Ansiedlung von
Korallenlarven dienen. In gleicher Richtung ist eine allgemeine Zunahme der Koloniedurchmesser beobachtbar.
Das biostromale Korallenwachstum setzt an der Basis einer insgesamt 1,7 m mächtigen Einheit (Riffeinheit 1a) mit
einer lockeren Lage von sehr dünnfladigen Korallen (v.a. Synastrea, Microsolena, Actinaraea2, Pseudocoenia4,
weniger Fungiastrea und einzelnen Isastreen) innerhalb schwach onkoidischer Echinodermen-Cortoid-Packstones
ein. Die Korallen erreichen meist Durchmesser von 5-25 cm, höchstens 40 cm. Nach 10 cm mit nur schwacher
Korallenführung setzt ein seitlich und vertikal (30 cm) verbundenes biostromales Riffgefüge ein. Die Korallen zeigen
dünnfladige bis fladige Wuchstypen bei meist tellerförmiger Wuchsform und gegenseitigem punktförmigem
Aufwuchs. Die größeren Korallenkolonien sind stets parallel zur Schichtung angeordnet, die kleineren häufig schräg.
Nach oben lockert sich das Korallengefüge auf bei einem Wechsel von korallenfreien bis korallenführenden,
bioklastisch-cortoidischen Faziestypen (2-4 dm) und Korallenlagen (bis 2 dm). Die Zusammensetzung der
Korallenfauna bleibt unverändert bei starker Zunahme von Actinaraea und in geringerem Maße Isastrea. Außerdem
sind Bruchstücke von Calamophylliopsis enthalten.
Durch ein deutliche Bankfuge getrennt setzt über eine Mächtigkeit von 1,5 m durchgehendes biostromales
Riffwachstum ein (Riffeinheit 1b). Die Korallendichte im Laufe der Riffentwicklung ist wechselhaft (10-35%/m2).
Direkt über der basalen Fuge ist eine durchgehende, 5-50 cm mächtige, seitlich geschlossene Korallenlage, dominiert
61

von Actinaraea, Microsolena und Fungiastrea ausgebildet. Die Korallenwuchsform ist meist fladig-tellerförmig,
gefolgt von fladigen und viellappig-aufstrebenden Formen, bei Durchmessern von 5 bis 30 cm. Die
Kolonieseitenränder dünnen seitlich auffallend aus. In den jüngsten Bereichen dieser Lage sind massig-fladige bis
massig-unregelmäßige Wuchsformen verbreitet. 50 cm über der Basis ist eine erosive Diskontinuitätsfläche mit einer
60 cm breiten und 30 cm tiefen muldenförmigen, mit Packstones gefüllten Eintiefung vorhanden. Die Fläche zeigt
eine starke Besiedlung mit Korallen und markiert gleichzeitig den Beginn einer deutlichen Diversifikation der
Korallenfauna. Bemerkenswert ist die durchgehende Inkrustation der Eintiefung mit dünnfladigen Meandraraea-
Kolonien. Nach oben lockert sich das Riffgefüge zu einem freien Platestone auf. Es sind, mit nach oben ansteigender
Häufigkeit, Pseudocoenia2, Mesomorpha, Isastrea2, Clausastrea, Bruchstücke ästiger Korallen (Dermoseris,
Dermosmilia, Donacosmilia, Calamophylliopsis) und Einzelkorallen (Montlivaltia) vorhanden. Das Top dieses
Riffabschnittes bilden sehr dünnfladige, microsolenide Korallen. Sehr bemerkenswert ist der teilweise dünnfladige
Wuchstyp bestimmter Korallentaxa (besonders ungewöhnlich bei styliniden Korallen und Isastrea) und ihre
gegenseitigen Aufwuchsbeziehungen (s.u.). Makroskopisch einheitliche fladige „Korallenkolonien“ zeigen einen
„sandwichartigen“ inneren Aufbau aus styliniden Korallen an der Basis, flächig inkrustiert von microsoleniden
Korallen und v.a. Mesomorpha in wechselnder Reihenfolge. Insgesamt sind bis zu vier Korallenkolonien aufeinander
siedelnd zu beobachten (pseudofladige Korallenaggregate; vgl. Kap. 7.2.1). Innerhalb dieser Untereinheit nimmt der
Bioklastengehalt deutlich ab und es vollzieht sich ein Wechsel hin zu allgemein schlammgestützter Grundmasse. In
den obersten 50 cm sind mehrere wellige, mergelige Lagen (1-2 cm) ausgebildet die kleinwüchsige, kugelförmige
Kolonien von Mesomorpha (1 cm) und vielen Seeigelstacheln aufweisen.

Abb. 24: Übersichtsskizze von Riff LEU II 1 mit den Riffabschnitten a-c (vgl. Taf. 3, Bild 1)

Nach einer entsprechenden Mergelfuge (s.o.) folgt eine Wechsel des Riffgefüges. Bis zum Aufschlußtop zeigen sich
mikritdominierte, freie Sheetstones von mindestens 4 m Mächtigkeit (Riffeinheit 1c). Die Korallenfauna zeichnet
sich durch außergewöhnliche Dünnfladigkeit aus (z.T. nur 2 mm Mächtigkeit bei 40 cm Durchmesser; wohl durch
diagenetische Vorgänge verstärkt; s. Taf. 5). Die untersten 15 cm zeigen geringe Koloniedichten (5-15 Vol.%/m2) mit
62

sehr dünnfladigen (Pseudocoenia2) und fladigen Korallen (Isastrea). Der Korallenanteil steigt auf den folgenden 30
cm auf 10-30 Vol.%. Es herrschen tellerförmige bis schüsselförmige, randlich oft viellappige Wuchsformen vor (v.a.
Actinaraea; Microsolena). Massig-schüsselförmige (Actinaraea) und massig-halbkugelförmige Korallen
(Mesomorpha) sind vereinzelt. Ab 80 cm bis 2 m über der Riffbasis folgen sehr dünnfladige Kolonien
(Volumenanteil 5-10 %/m2) bei einer Dominanz von styliniden Korallen. Die Gattungen sind v.a. Pseudocoenia3;
weiter noch Cyathophora2, Fungiastrea, Microsolena, Actinaraea und Mesomorpha. Zusätzlich sind Bruchstücke von
Calamophylliopsis und Dermosmilia vorhanden. Nach einer unregelmäßig-welligen Bankfuge, folgt ab 2 m über der
Basis noch einmal eine durchgehende Korallenlage von 30 cm (Korallenanteil 5-15 %) mit vorherrschend fladigen bis
tellerförmigen, weniger fladig-unregelmäßigen bis massig aufstrebenden (Actinaraea) Wuchsformen. Zum
Aufschlußtop nimmt der Korallenanteil kontinuierlich auf wenige Prozent ab bei gleichzeitig deutlich zunehmenden
Koloniedurchmessern bis 130 cm.
Riffbesiedler: Austern sind die häufigsten Riffbesiedler. Es handelt sich Großteils um Liostrea sp., deren Häufigkeit
nach zum Hangenden jedoch deutlich abnimmt. Ihre Länge beträgt z.T. bis 7 cm. Die das Riffwachstum teilweise
einleitende und allgemein fördernde Funktion als Substrat für die Ansiedlung von Korallenlarven in Verbindung mit
einer großen Häufigkeit geben den Austern örtlich den Rang von Riffbildnern. Serpeln sind verbreitet; in Riffeinheit
1a sind sie an den Oberseiten von Korallen häufig. Pectinide Muscheln sind verbreitet, Bruchstücke von
Kalkschwämmen sind häufig. Thrombolithische Krusten sind innerhalb aller Riffabschnitte als kleinräumige
Aufwüchse oder innerhalb von geschützten Riffhohlräume vorhanden. An die Krusten gebunden treten nubeculariide
Foraminiferen auf, Tubiphytes ist vereinzelt. In Riffabschnitt 1b ist vereinzelt Bacinella, in den untersten 40 cm von
Riffabschnitt 1a ist örtlich Placopsillina als Bewuchs an Korallen anzutreffen.
Riffbewohner: Cidaroide Seeigel sind durch häufige Seeigelstacheln dokumentiert: Gastropoden sind verbreitet.
Riffabbauer: Die Zerbohrungsrate zeigt eine klare vertikale Verteilung. Während in den unteren beiden Einheiten
mittlere Bohrraten (bei etwa gleichem Anteil von Bohrschwämmen und Bohrmuscheln) vorherrschen, sind im
Riffabschnitt 1c mittlere bis hohe Werte, bei deutlichem Überwiegen von Bohrschwämmen, feststellbar. Kleine
unregelmäßige Bohrhohlräume sind häufig, teilweise sind massige Korallen fast vollständig ausgehöhlt bei
anschließender Besiedlung der Hohlräume durch mikrobielle Krusten. Bemerkenswert ist die ausschließliche
Zerbohrung von Comoseris durch Bohrwürmer sowie das seltene Auftreten von Troglotella im Riffabschnitt 1b.
Teilweise zeigen von anderen Korallen (Mesomorpha) überwachsene Kolonien eine rein sparitische Verfüllung der
Bohrlöcher als Hinweis auf prämortalen Überwuchs.
Grundmasse: Im Laufe der Riffentwicklung nimmt der Gehalt an Bioklasten ab. Nach Pack- bis Wackestonegefüge
in den älteren Einheiten 1a und 1b dominieren in den jüngsten Bereichen Mudstones. Teilweise sind einzelne gröbere
Lagen von wenigen Zentimetern bis einigen Dezimetern vorhanden. In Riffabschnitt 1a und 1c sind mehrere dünne
Lagen von Molluskenschalen eingeschaltet. Die meisten Bioklasten zeigen cortoidische Hüllen, bis hin zur
vollständigen Mikritisierung. Onkoide sind verbreitet. Es handelt sich meist um Algenonkoide unter Beteiligung
nubeculariider Foraminiferen. Örtlich sind Peloide häufig, bereichsweise (Riffabschnitt 1c) sind sie mit Tuberoiden
vergesellschaftet.

Schwach bioklastisches Isastrea-Pseudocoenia-Mittelbioherm LEU II 2


(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 23, 25, 44; Taf. 3; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Das Bioherm befindet sich am Westabfall der Cortoid-Crinoiden-Bioklast-Düne von
Steinbruch LEU II, ungefähr 70 m vom höchsten Punkt der Düne entfernt am Übergang zu söhliger Schichtlagerung.
Das Einfallen der, die Riffbasis bildenden Fläche, beträgt 6-9°.
Rifform: Der Riffkörper zeigt, bei ebener Basisfläche, im W-E-Schnitt 12 m Basisdurchmesser und eine Mächtigkeit
von ungefähr 5 m. Der untere Riffteil weist bis 3 m über der Basis einen symmetrischen, klotzigen Querschnitt auf.
Darüber verringert sich der Riffdurchmesser um 3-4 m (am Westrand). An der Westseite sind 50-70° steile, an der
Ostseite fast senkrechte Rifflanken ausgebildet. Die Dachfläche fällt mit 20° nach E ein.
63

Riffgefüge und Riffaufbau: Das Gesteinsgefüge ist massig. 3-4 m über der Basis ist eine unscharfe, durchgehende
Diskontinuitätsfläche ausgebildet, die das Riff in einen unteren und oberen Teil trennt (Riffabschnitt 2a und 2b). Der
untere Bereich zeigt eine seitliche Zonierung, mit im westlichen Teil vorherrschendem Pillarstonegefüge (Zone 2 a1)
von hoher Korallendichte, das zum Riffzentrum in einen uneinheitlichen Wechsel von meist verbundenen und
teilweise freien Boundstones übergeht (Zone 2 a2). Der obere Riffabschnitt 2b entspricht in Gefüge und
Zusammensetzung weitgehend der liegenden östlichen Zone 2 a2. Er zeigt jedoch insgesamt ein deutlich geringeres
Korallenvolumen, im Durchschnitt kleinere Koloniedurchmesser und eine geringere Artenzahl. Im Westteil sind
wenige ästige Korallen zu beobachten. In der Gesamtübersicht weist der westliche Riffteil im Bezug auf das
Korallenwachstum durchgehend eine höhere Dichte und Artenzahl auf.
Riffabschnitt 2 a1 zeigt eine Mächtigkeit von. 3 m. Riffzone 2 a1 wird insgesamt von Aplosmilia-Pillarstones
dominiert. Vor allem in den untersten randlichen Bereichen dominiert Aplosmilia große Bereiche, während sich nach
oben und zum Riffzentrum hin ein steigender Anteil an massiven Kolonien (v.a. Isastrea und Pseudocoenia) einstellt,
die auch kleinere Bereiche (bis ca. 1 m2) dominieren können. Die absolute Riffbasis bilden fladige bis massige
Microsoleniden (Actinaraea2, Microsolena), Pseudocoenia sowie Bruchstücke von Aplosmilia. Andere Gattungen
(Heliocoenia, Dermoseris, Dendraraea, Comoseris, Meandraraea, Pseudocoenia, Synastrea) sind immer wieder
eingestreut. Die Durchmesser dieser Kolonien erreichen selten über 15 cm. Die Aplosmilia-Stöcke zeigen
Durchmesser von 20-120 cm mit den größten Werten im Randbereich der Riffkörpers. Sie wachsen meist eng auf-
und nebeneinander oder zu den benachbarten Riffabschnitten und Riffzonen hin zunehmend in kleinen Gruppen bis
vereinzelt. Die meisten Stöcke sind aufrecht in Lebensstellung erhalten häufig auch leicht schräg bis schräg
angeordnet. Liegende (umgestürzte) Stöcke sind, bei wechselnden Orientierungen der Stocklängsachse verbreitet.
Vereinzelt sind umgestürzte Stöcke „kopfüber“ erhalten. Dies Astdichte ist meist hoch, teilweise verlaufen die Äste
auch etwas unregelmäßig. Manchmal sind massive Korallen als Siedlungsgrund von Aplosmilia erkennbar. Auffällig
ist der häufige Aufwuchs von kleineren meist massigen bis kugelförmigen, microsoleniden Korallen an größeren
massiven Kolonien, aber auch an ästigen Kolonien. Die ästigen Korallen zeigen hierbei teilweise den durchgehenden
Bewuchs fladiger Korallen an den Stockoberseiten.

Abb. 25: Übersichtsskizze von Riff LEU II 2 mit Verteilung der Korallenfauna (Steinbruch Euville II)

Riffzone 2 a2 wird von massiven, meist massigen, massig-aufstrebende bis kugelförmigen Kolonien beherrscht (v.a.
Stylina; weiter Comoseris, Actinaraea, Pseudocoenia, Microsolena, Heliocoenia, Meandrophyllia). Dickfladige
64

Formen (v.a. Isastrea und microsolenide Korallen) sind häufig; fladige (Meandraraea, Synastrea, Dimorpharaea?)
verbreitet. Ästige Formen sind gegen Riffzone 2 a1 hin verbreitet (v.a. Aplosmilia; weiter Dendraraea und
Bruchstücke von Calamophylliopsis und Enalhelia). Es dominieren Pseudocoenia und Isastrea, die durchgehend die
größten Koloniedurchmesser der massiven Wuchstypen zeigen (bis 70 cm). Bis auf die häufigen Aufwüchse von
kleineren microsoleniden Korallen (v.a. microsolenide Korallen und Comoseris), sind weitere Gattungen
volumenmäßig ohne Bedeutung und locker im Riffvolumen verteilt. Die Anordnung der Kolonien, insbesondere der
dickfladigen, ist etwa horizontal. Ästige Stöcke sind allgemein aufrecht bis leicht schräg überliefert. Örtlich sind
umgestürzte größer Stylina-Kolonien vorhanden. Es sind vielfältige Aufwuchsbeziehungen zu beobachten bei
allgemein fleckenhafter Boundstone-Verteilung. Besonders häufig siedelt Stylina auf microsolenide Korallenstöcken.
Riffabschnitt 2b zeigt fast durchgehend Domestones. Aplosmilia-Pillarstones sind nur an westlichen Riffrand
ausgebildet. Die höchste Korallendichte mit den größten Kolonien besteht in den ältesten Riffabschnitten
insbesondere im Westteil des Riffkörpers. Vor allem Pseudocoenia und Isastrea bilden hier Kolonien mit
Durchmessern bis 130 cm. Die massiven Kolonien sind meist massig bis kugelförmig und zeigen häufig
aufstrebenden Wuchs (v.a. Pseudocoenia4). Dickfladige Kolonien (v.a. Isastrea und fladige Korallen (v.a. Actinaraea
und Microsolena) sind verbreitet. Auffällig ist der häufige Bewuchs der Korallenstöcke mit kleinen Microsolena-
Kolonien. Ansonsten sind die Aufwuchsverhältnisse uneinheitlich. Zum Abschluß der Riffentwicklung sind
vergleichsweise großvolumige Pseudocoenia-Kolonien häufig.
Mikrobolithe zeigen nur örtlich höhere Anteile am Riffvolumen und sind meist nur als begrenzte Aufwüchse und in
geschützen Riffhohlräumen anzutreffen. Es handelt sich allgemein um thrombolithische Gefügetypen von
unregelmäßiger, meist aufstrebender Wuchsform. Größte Volumenanteile sie nur im Bereich von Pillarstones
festzustellen. Ihr Anteil liegt meist ungefähr zwischen 5-10, nur örtlich bis 25 Vol.%.
Riffbesiedler und Riffbewohner: Austern und Serpeln sind als Riffbesiedler häufig. Muscheln (v.a. pectinide
Muscheln) sind verbreitet; Gastropoden sind verbreitet bis vereinzelt. Zusätzlich treten terebratulide Brachiopoden
auf. Die Überlieferung von Muscheln, Seeigeln, Kalkschwämmen und Crinoiden ist meist bruchstückhaft, verbreitet
auch in Anreicherungen. Innerhalb von Mikrobolithen sind Terebella und nubeculariide Foraminiferen verbreitet.
Bacinella, Lithocodium und Cladocoropsis sind verbreitet bis vereinzelt, Bacinella oft bruchstückhaft.
Riffabbauer: Die Bioerosionsrate durch Bohrorganismen ist meist gering bis mittel; bei kleineren Kolonien örtlich
auch stark. Bohrmuscheln und Bohrschwämme zeigen in etwa gleiche Volumenanteile. Bei scheinbar zufälliger
Verteilung beschränken sie sich hauptsächlich auf Korallen. Ästige Kolonien zeigen vorwiegend
Bohrschwammbefall. Die Bohrspuren zeigen in den massiven Kolonien die größte Häufigkeit in den
oberflächennahen Koloniebereichen. Teilweise sind Kolonien jedoch völlig ausgehöhlt. Vereinzelt sind Würmer,
Troglotella und Pseudoplacopsillina als Bohrer zu beobachten. Nur örtlich zeigen thrombolithische Krusten eine
mittlere Zerbohrungsrate durch Bohrschwämme.
Grundmasse: Die Grundmasse wird vorwiegend von bioklastischen, mikritisch-siltigen Wackestones beherrscht. In
Riffzone 2 a1 und bereichsweise sind Floatstones (Rudstones) ausgebildet. Molluskenschalen und Korallen-
bruchstücke sind örtlich angereichert. Cortoide, Onkoide und Peloide sind verbreitet. Vereinzelt sind tuberoidähnliche
Klasten vorhanden.

Schlammiges molluskenreiches Korallen-Mikrobolith-Inkrustierer-Mittelbioherm LEU II 3


(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 20, 26, 44; Taf. 3; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Das Bioherm befindet sich im Bereich der Ostabdachung der liegenden Cortoid-
Crinoiden-Bioklast-Düne, ungefähr 100 m von der Dünenkulmination entfernt. Die Basis bilden dickgebankte
korallenführende Bioklast-Cortoid-Wackestones, die mit 5-10° nach ESE einfallen.
Rifform: Das Riff zeigt im E-W-Anschnitt eine massige, symmetrische Form mit einer 18 m breiten Basis. Der
Riffdurchmesser nimmt ab 4 m über der Riffbasis sprunghaft auf 11 m ab. Die Mächtigkeit beträgt 5,5-6,5 m. Die
65

Dachfläche fällt im Bezug zur Basis etwas versteilt mit ca. 20° in östliche Richtung ein. Eine Längserstreckung des
Riffkörpers in N-S-Richtung ist denkbar.
Riffgefüge und Riffaufbau: Der Riffkörper hat ein massiges Gesteinsgefüge mit einzelnen unregelmäßigen, über den
gesamten Riffkörper durchhaltenden, in etwa basisparallelen Fugen. Das Gefüge zeigt einen Wechsel von meist
freien, und darin fleckenhaft verteilten, verbundenen Boundstones (Plate-/Mix-/Domestones). Die verschiedenen
Riffbildner zeigen stark hierbei veränderliche Anteile. Die häufigsten Riffbildner sind Korallen, gefolgt von mikro-
biellen Krusten und örtlichen größervolumigen Aufwüchsen von Inkrustierern. Die Korallenfauna ist artenreich, die
Krustenfauna formenreich. Bei den Makroinkrustierern sind Austern, Muscheln und Serpeln, bei den
Mikroinkrustierern Bacinella und Lithocodium vorherrschend. Der Anteil der Grundmasse ist allgemein hoch und
liegt bei 75-90 Vol.%. Im unteren Riffabschnitt 3a ist eine Zonierung ausgebildet. Im Laufe der Riffentwicklung
(Riffabschnitt 3b) zeigt sich eine deutliche Abnahme des Riffbildneranteils (besonders der mikrobiellen Krusten und
Mikroinkrustierern), des totalen Korallenvolumens und der Korallengröße.
An der westlichen Rifflanke von Riffabschnitt 3a sind bis 3 m über die Riffbasis dichte Aplosmilia-Pillarstones (mit
eingestreuten massiven Korallen) entwickelt, welche die untere Rifflanke aufbauen (Riffzone 3 a1). In diesem
Bereich zeigt die Riffbasis einen seitlichen Übergang in riffwärts „anschwellende“ Bankfazies, die in unmittelbarer
Nachbarschaft zum Riffkörper mit einzelnen Aplosmilia-Stöcken (40 x 80 cm) in den Riffkörper überleitet. Die
Aplosmilia-Stöcke sind meist aufrecht bis teilweise leicht schräg wachsend bei Durchmessern bis 80 cm. Neben
Aplosmilia nimmt hier bereichsweise Dendraraea größer Bereiche ein. In diesem Bereich auftretende massive
Kolonien sind u.a. Comoseris und Thamnasteria. In Richtung zum Riffzentrum hin verschwinden die ästigen
Kolonien. In gleiche Richtung erscheinen Actinaraea, Actinastrea, Brachyseris, Aplosmilia, Calamophylliopsis2,
Comoseris, Dendraraea, Heliocoenia2, Stylina2, Isastrea2, Meandrophyllia, Microsolena2, Pseudocoenia2,
Stylosmilia, Synastrea, Thamnasteria und Mesomorpha. Die ästigen Korallen zeigen eine dünne, nicht durchgehende
Umkrustung durch thrombolithische Krusten mit örtlichen „Brückenstrukturen“. Zum Riffzentrum zeigen die
mikrobiellen Krusten eine erhöhte Formenvielfalt. Neben vorherrschend klumpig-thrombolithischen Krusten, sind
vereinzelt lagige oder strukturarme Thrombolithe sowie mikritische Stromatolithe vorhanden. Die thrombolithischen
Krusten sind massig bis fetzig, die stromatolithischen massig. Austern, aber auch Serpeln zeigen allgemein einen
hohen Anteil am Riffbildnervolumen (5-15, örtlich bis 25 %), mit teilweise zentimeterstarken Inkrustationen.
In Riffzone 3 a 2 zeigt sich nach dem überwiegenden Verschwinden von ästigen Korallenstöcken ab 3 m vom
westlichen Riffrand bis hin zum Ostrand ein in der Gesamtheit einheitliches Riffgefüge. Es sind freie und verbundene
Boundstones in wechselnder Verteilung und uneinheitlicher Zusammensetzung ausgebildet. Der Korallengehalt ist
uneinheitlich und liegt bei von 5-20 (30) %/m2. Freie Korallengefüge herrschen vor, durchsetzt von
Korallenansammlungen mit verbundenem Gefüge. Die hochdiverse Korallenfauna zeigt eine uneinheitliche
Verteilung bei äußerst formenreichen Wuchs. Es herrschen allgemein massige (Microsolena, Actinaraea,
Pseudocoenia, Comoseris, Comophyllia?, Isastrea) massig-unregelmäßige (Microsolena, Actinaraea, Heliocoenia)
massig-aufstrebende (Microsolena, Heliocoenia) und kugelförmige (Pseudocoenia, Heliocoenia, Dimorpharaea,
Microsolena, Diplocoenia, Comoseris, Meandrophyllia, Comophyllia?, Thamnasteria) Wuchsformen vor. Massig-
ramose bis ramose (Dendraraea, Dermoseris, Heliocoenia, Microsolena, Thamnasteria), fladige Formen (Isastrea,
Microsolena2, Mesomorpha, Pseudocoenia3, Synastrea, Actinaraea) und inkrustierende (Mesomorpha, Microsolena,
Clausastrea?, Actinaraea) Wuchsformen sind verbreitet. Vereinzelt sind ästige (Calamophylliopsis, Thecosmilia),
pseudoramose (Thamnasteria), flabellate (Rhibidogyra) und solitäre (Plesiosmilia, Montlivaltia, Axosmilia)
Wuchsformen vorhanden. Häufig zeigen die Seitenflächen massiger bis aufstrebender Korallen getreppte Ränder
(„rugged margins“; vgl. Kap. 7.2.2). Auffallend ist das sämtliche Wuchsformen auf engstem Raum nebeneinander
entwickelt sein können. Die Wuchsformen zeigen im Bezug auf die Koloniegröße ein deutlich Zweiteilung in klein-
wüchsige (bis 10 cm), einfache Wuchsformen und größere (> 10 cm), unregelmäßige bis zusammengesetzte
Wuchsformen. Mikrobielle Krusten haben einen Anteil von ca. 5-15 % am Riffbildnervolumen und sind stets an
Korallen gebunden. Ihre größten Anteil erreichen sie im Bereichen mit hoher Korallendichte wo sie die Korallen
66

verbinden. Ansonsten bilden sie gleichmächtige Überzüge bis unregelmäßig-lappige Aufwüchse. Häufig sind
thrombolithsche Krusten in geschützten Riffhohlräumen, insbesondere in großen Bohrkavernen (vgl. Kap. 5.2.2, 5.3.11). Es
handelt sich überwiegend um schlierig-krümmelige bis klumpige Thrombolithe. Sie zeigen teilweise Übergänge in lagige
Thrombolithe. Stromatolithe sind nur vereinzelt. Inkrustierende Organismen zeigen örtliche Volumenanteile von ca. 5-15
%. Besonders Austern (N. nana, Exogyra sp., Ostrea sp.), Muscheln (v.a. pectinide Muscheln) und Serpeln sind häufig.
Verbreitet sind Bacinella und Lithocodium. Neben flächigen Überzügen sind auch massige Aggregate (Serpeln, Austern,
Bacinella) verbreitet bis häufig. Serpeln und Lithocodium siedeln z.T. in Bohrhohlräumen. Vereinzelt treten Chaetetiden
(Ptychochaetetes) auf. Sie bilden, meist vergesellschaftet mit Mikroinkrustierern, flächige bis polsterförmige Aufwüchse an
Korallen. Der Durchmesser der Chaetetiden liegen meist unter 10 cm, erreichen aber in Ausnahmefällen 25 cm. Weiter zu
vertreten sind nubeculariide Foraminiferen, Bryozoen, Kalkschwämme und seltener Tubiphytes. Innerhalb der mikrobiellen
Krusten sind vereinzelt Röhren von Terebella zu beobachten.

Abb. 26: Übersichtsskizze Riff LEU II 3 mit der räumlichenVerteilung der dominierenden Korallenfauna und der Riffabschnitte
a1, a2 und b. D: Dendraraea, A: Actinaraea (vgl. Taf. 3 Bild 4)

Der obere Riffabschnitt 3b (ab ungefähr 4 m über der Riffbasis) zeigt zuunterst ein Riffzone 3 a2 entsprechendes
Gefüge bei jedoch etwas veränderter Zusammensetzung der Korallenfauna. Es ist ein Rückgang der Anzahl und der
maximalen Durchmesser besonders großer Korallenkolonien zu beobachten. Massive stylinide Korallenkolonien
nehmen in ihrem Anteil an der Korallenfauna merklich zu und überwiegen die Korallenfauna. Ästige Koralle fehlen
in diesem Riffabschnitt vollständig
Riffbewohner: Gastropoden sind häufig. Bemerkenswert ist das Vorhandensein einzelner Exemplare von Diceras im
zentralen Riffbereich. Außerdem sind Seeigelstacheln häufig; lituolide Foraminiferen (Everticyclammina) und
Grabspuren sind vereinzelt.
Riffabbauer: Die Zerbohrungsrate ist meist gering bis mittel, seltener stark, bei scheinbar zufälliger Verteilung. Sie
betrifft v.a. Korallen, kaum mikrobielle Krusten oder andere Organismen. Bohrmuscheln und Bohrschwämme
dominieren bei insgesamt stark wechselnden Anteilen. Häufig sind nur von einem Bohrorganismentyp befallene
Kolonien zu beobachten. Heliocoenia zeigt durchgehend geringe Zerbohrungsraten, meist von Bohrmuscheln.
Vereinzelt treten Würmer, Troglotella und Mikroorganismen als Bohrer auf.
Grundmasse: Die hellweiße, mikritisch-siltige Riffgrundmasse besteht vorwiegend aus onkoidischen Cortoid- bis
Bioklast-Wackestones mit schwankendem Komponentengehalt. Örtlich sind Pack- oder Floatstonegefüge entwickelt.
Algenonkoide sind verbreitet. Sie enthalten in den wenigen Hüllen nur selten Serpeln oder nubeculariide
Foraminiferen. Vereinzelt sind Bacinella-Onkoide entwickelt. Peloide sind verbreitet, örtlich auch häufig. Hin und
wieder sind unregelmäßige tuberoidische Klasten zu beobachten.
67

Schlammiges Korallen-Mikrobolith-Großbioherm LEU II 4


(vgl. Kap. 2.1.5; Abb. 44; Taf. 3; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Der Riffkörper befindet sich paläotopographisch auf einer kuppenförmigen
Kulmination, gebildtet aus seitlich auskeilenden Cortoid-Crinoiden-Packstones (vgl. Kap. 4.2.3; Taf. 3), die direkt
einer liegenden Crinoidensanddüne auflagern. Der Reliefunterschied zum umgebenden Ablagerungsraum beträgt
ungefähr 5-7 m.
Rifform: Die Riffgrundfläche zeigt zu Beginn einen Durchmesser von etwa 60 m, der im Laufe der Riffentwicklung
auf etwa 30 m abnimmt. Der Querschnitt des gesamten stratigraphischen Riffkörpers ist flach kuppelförmig bei einer
totalen Mächtigkeit von ca. 7-8 m. Im Laufe der ökologischen Riffentwicklung zeig sich anfangs ein älterer,
biostromaler, im Querschnitt linsenförmiger Riffabschnitt (4a) der im Zuge der Riffentwicklung von einem
kuppelförmigen, biohermalen Riffabschnitt (4b) gefolgt wird.
Riffgefüge und Riffaufbau: Das Gestein ist massig. Leseproben bezeugen wechselnde Boundstonegefüge (Korallen-
Mikrobolith-Plate- und Domestones). Die Platestones ähneln gefügemäßig denjenigen von Abschnitt c des
Riffkörpers LEU II 1 (s.o.). Es herrschen dünnfladige bis fladige Wuchstypen mit fladigen bis tellerförmigen
Wuchsformen vor. Am häufigsten sind Pseudocoenia, Thamnasteria und Mesomorpha. Es sind Riff LEU II 1
entsprechende, sandwichartige, pseudofladige Koralleneinheiten zu beobachten (vgl. Kap. 7.2.1). Der obere Riffteil
zeigt zunehmend dickfladige bis massige Korallen aber auch unregelmäßige, aufstrebende und kugelförmige
Kolonien. Bruchstücke ästiger Korallen sind verbreitet. Die Korallenfauna zeigt Actinaraea?, Actinastrea,
Calamophylliopsis, Comoseris, Complexastrea, Dimorpharaea, Fungiastrea, Isastrea, Clausastrea, Meandraraea?,
Meandrophyllia, Microsolena, Parepismilia, Cyathophora, Pseudocoenia2, Stylina, Stylosmilia, Synastrea,
Fungiastrea2, Thamnasteria und Parepismilia. Besonders häufig sind Isastrea2, Stylina, Thamnasteria und
microsolenide Korallen. Vereinzelt umwächst Thamnasteria microsolenide Korallen vollständig. Verbreitet dienen
Molluskenschalen als Siedlungsgrund für Korallen.
Mikrobielle Krusten zeigen wechselnde Volumenanteile bis meist ca. 20 %, kleinräumig auch bis ca. 30 %. In
Bereichen mit vorherrschend fladigen bis dünnfladigen Korallen, bilden thrombolithische Krusten kleinere
Aufwüchse. Teilweise überwachsen sie ganze Kolonien. Örtlich durchziehen griesig-peloidale stromatolithische
„Matten“ die feinkörnige Grundmasse.
Riffbesiedler: Austern, Kalkschwämme und Serpeln sind häufig zu beobachten. Muscheln treten verbreitet auf.
außerdem sind nubeculariide Foraminiferen, Lithocodium, Terebella, Subbdelloidina, Tubiphytes und Bacinella zu
beobachten. Rhaxen und Spicula von unklarer Herkunft sind in der mikritischen Grundmasse verbreitet.
Riffbewohner: Gastropoden und Seeigelstacheln sind häufig.
Riffabbauer: Bohrmuscheln und Bohrschwämme sind in unterschiedlichen Anteilen zu beobachten. Vereinzelt treten
Troglotella, Pseudoplacopsmilia und Mikroorganismen als Bohrer auf.
Grundmasse: Die Grundmasse besteht aus feinkörnigen Wackestones (Mudstones) mit örtlichen Bivalvenschalen-
Floatstones. Es dominieren Bioklasten. Cortoide und Onkoide sind vereinzelt.

Schlammige mikrobolithische Korallen-Mittelbiostrome LEU II 5I-III


(vgl. Kap. 2.1.5)

Topographie des Untergrunds: Die Riffkörper befinden sich im Umfeld von Riff LEU II 4 auf annähernd
horizontalen Untergrund. Stratigraphisch entsprechen die Riffkörper der Riffbasis von Riff LEU II 4.
Rifform: Flach linsenförmig mit einem Riffdurchmesser von ungefähr 15-40 m.
Riffgefüge und Riffaufbau: Die Riffkörper sind nicht direkt erreichbar, lassen aber ein lagiges Platestonegefüge
erkennen. Leseproben zeigen meist fladige, bis seltener massige Korallen in mikritischer Grundmasse, vergleichbar
den Riffen LEU-II 1 und LEU II 4. Die Fauna besteht u.a. aus Thamnasteria, Mesomorpha, Stylina, Pseudocoenia,
Comoseris, Isastrea, Clausastrea und Bruchstücke von Cladophyllia und Stylosmilia.
68

3.6.1 Pagny sur Meuse

Schlammiges Korallen-Mikrobolith-Großdickicht LPA 1


(vgl. Kap. 2.1.3; Abb. 27, 44 ; Taf. 4; Tab. 1)

Topographie des Untergrundes: Obwohl die direkte Riffbasis nirgends aufgeschlossen ist kann aufgrund von
riffinternen, seitlich durchhaltenden, horizontalen Gefügemerkmalen (Sturmlagen, Korallenlagen) und der allgemein
horizontalen Lagerung der riffumgebenden Sedimente eine insgesamt etwa horizontale Riffbasis über das gesamte
Riffwachstum angenommen werden.
Rifform: Die dreidimensionalen Aufschlußverhältnisse des Riffkörpers sprechen für einen in etwa
punktsymmetrischen Basisquerschnitt mit einem Durchmesser von ungefähr 400-600 m. Der stratigraphische
Riffkörper (vgl. Kap. 3.2) zeigt in den zentralen Bereichen ungefähr 12-14 m maximale Mächtigkeit und in den
randlichen Bereichen 1-2 m minimale Mächtigkeit. Die Erhebung des tatsächlichen, ökologischen Riffkörpers über
die Sedimentoberfläche war zu Anfang der Riffbildung gering und überstieg 1-2 m wohl nicht. Der zeitlich
durchhaltende seitliche Übergang in horizontale, gebankte Faziestypen sowie horizontale Lagen massiver Korallen
innerhalb des Riffkörpers belegen ein geringes Relief des ökologischen Riffkörpers über die umgebenden,
schlammigen Sedimentflächen während des Riffwachstums. Im Laufe des Riffwachstums verkleinert sich die
Riffläche und das Riffwachstum konzentriert sich zunehmend riffzentral. Dies wird durch die (mit Fortschreiten des
Steinbruchabbaus verfolgbare; vgl. Abb. 27) Abnahme der Riffläche im zeitlichen Verlauf der Ablagerung bezeugt.
Am Ende der Riffentwicklung löst sich das Großdickicht allmählich in fleckenhaft verteilte Kleindickichte,
Kleinbiostrome und Korallenlagen auf.
Riffgefüge und Riffaufbau: Das Gesteinsgefüge ist meist massig zeigt aber in den oberen Bereichen zunehmend
eine weitständige Bankung. Das Riffgefüge besteht zu größten Teil aus verbundenen Pillarstones. Verbreitet sind bis
mehrere Meter große, schlammreiche mit von geringer Korallendichte bei wechselndem Gefüge. Das Riffgefüge wird
hauptsächlich von vollständigen, sich in ursprünglicher Lebensstellung befindlichen, ästigen Korallen dominiert.
Vom Riffzentrum weg sind jedoch vermehrt auch umgestürzt Stöcke verbreitet. Es ist eine Zonierung in einen
Kernbereich mit vorwiegend verbundenen Riffgefüge und randlichere Bereiche mit größeren freien Riffgefügen und
mikritisch-bioklastischen Arealen zu beobachten. In den randlichen Riffbereichen sind innerhalb des Riffkörpers 8-9
seitlich durchhaltende Sturmlagen eingeschaltet, die ein weitspanniges Relief bis zu 1,5 m aufweisen. Diese
Diskontinuitätsflächen werden gegen das Riffzentrum teilweise unscharf und verschwinden teilweise vollständig. Die
Erosionsflächen werden von stark bioklastischen, bivalvenschalen- und crinoidenreichen Pack-, Grain- bis
Floatstones überlagert. Diese werden wiederum von massiven Korallen (Isastrea, microsolenide Korallen,
Thamnasteria) mit meist fladigen Wuchstypen besiedelt. Im Laufe der Riffentwicklung verkleinert sich die Riffläche
zunehmend zentripedal. In den jüngeren Riffabschnitten lockert sich das Riffgefüge zunehmend auf, bis hin zur
Auflösung in einzelne Mitteldickichte, Kleindickichte, Korallenansammlungen und Korallenlagen. Das
Korallenvolumen beträgt in den verbundenen Gefügen der älteren und zentralen Riffabschnitte ungefähr zwischen 0-
90 %/m2, liegt meist aber über 70 %. Die Korallenfauna ist hochdivers mit insgesamt mindestens 43 Arten. Dabei
wird der Riffkörper deutlich von ästigen und ramosen Wuchstypen dominiert. Die auftretenden Gattungen sind
Aulophyllia, Aplosmilia2, Calamophylliopsis2, Cladophyllia, Dermosmilia, Enalhelia, Gonicora, Mitodendron,
Placophyllia und Stylosmilia. Sie bilden im Riffkern großvolumige vertikal und seitlich durchgehende Pillarstones.
Es dominiert die phaceloide Aplosmilia semisulcata, die große Teile des Riffkerns nahezu monospezifisch aufbaut.
Größer Bereiche werden weiter von Stylosmilia und Cladophyllia und ramosen styliniden Korallen gebildet. Die
weiteren ästigen Gattungen sind ebenfalls häufig bis verbreitet, treten jedoch meist in kleinvolumigen Einheiten oder
als einzelne Stöcke auf. Die massiven Wuchstypen sind äußerst formen- und artenreich mit uneinheitlicher Verteilung
und wechselnden Vergesellschaftungen. Es sind, mit abnehmendem Volumenanteil, ramose (Stylina, Actinaraea,
Dendraraea, Dermoseris, Heliocoenia, Microsolena, Thamnasteria, Comoseris?), massig-kugelförmige (Actinaraea,
Adelocoenia, Allocoenia, Clausastrea, Isastrea, Comoseris2, Convexastrea, Fungiastrea, Heliocoenia, Isastrea,
69

Meandraraea, Meandrophyllia, Comoseris, Mesomorpha, Microsolena, Stylina, Synastrea, Thamnasteria und


unregelmäßige (Microsolena, Thamnasteria, Synastrea, Pseudocoenia5) Wuchstypen anzutreffen. Fladige
(Synastrea, Microsolena3, Isastrea2, Pseudocoenia, Fungiastrea, Thamnasteria, Meandraraea, Clausastrea) und
inkrustierende Wuchstypen (Thamnasteria, Microsolena) sind verbreitet, fächerförmige (Rhibidogyra) vereinzelt.
Übergänge in ramosen, unregelmäßigen oder aufstrebenden Wuchs sind häufig (Stylina, Thamnasteria,
Microsolena, Heliocoenia, Comoseris, Ettalonasteria). Die ansonsten formkonservative Isastrea zeigt öfters
dünnfladige bis unregelmäßige Wuchsformen. Auffällig ist das wellige bis sehr unregelmäßig fetzige Wachstum
von Thamnasteria. Besonders auffällig sind größere, schlammreiche Areale mit ramosen Styliniden (Stylina,
Heliocoenia) mit geringer Astdicke und stets unregelmäßiger Wuchsrichtung. Die massiven Korallen nehmen
allgemein nach außen und im Laufe der Riffentwicklung zu. Sie zeigen neben einer allgemein ungeregelten
fleckenhaften Verteilung im Riffkörper, eine Anreicherung in verschiedene Lagen und Horizonten, deren
Häufigkeit die im Laufe der Riffentwicklung zunimmt. Besonders auffällig sind während der gesamten
Riffentwicklung auftretende lockere, lagenweise Anreicherungen von sehr großen, massigen Korallen. Im oberen
Bereich scheinen auch einzelne von fladigen bis massiven Korallen aufgebaute Kleinbiostrome ausgebildet zu sein.
Diese Kolonien weisen, mit nach oben abnehmender Tendenz, maximale Durchmesser bis 150 cm auf. In den
unteren Riffbereichen wird eine entsprechende Lage von z.T. riesigen Kolonien von Convexastrea minima
dominiert. Besonders häufig tritt Thamnasteria inkrustierend auf, teilweise werden sogar „Kerne“ in Form von
anderen Korallen vollständig umwachsen (Rollkorallen; vgl. Kap. 7.2.2). Häufige Besiedler von ästigen und
ramosen Korallen sind massive stylinide Korallen, Microsolena und Thamnasteria. Die Oberflächen von ästigen
Korallenkolonien werden häufig von einer durchgehenden Lage fladiger Korallen besiedelt. Als Riffbildner treten
zweitrangig mikrobielle Krusten auf. Ihr Anteil ist aufgrund der makroskopisch einheitlichen Grundmasse schwer
abzuschätzen. Im Handstückbereich sind mikrobielle Krusten häufig, teilweise jedoch auch fehlend. Sie zeigen
innerhalb des Riffkörpers nur örtlich erkennbar größere, die Dickichtzwischenräume vollständig ausfüllende
Volumen. Es handelt sich zum Großteil um thrombolithische Krusten, meist klumpige Thrombolithe, örtlich auch
lagige Thrombolithe. Stromatolithische Krusten sind nur vereinzelt beobachtbar. Innerhalb des Riffkörpers sind
mikrobielle Krusten stets an Korallen gebunden. Brückenstrukturen mikrobieller Krusten zwischen Korallenästen
sind, v.a. bei sehr engständigen Anordnung der Korallenäste innerhalb einer Kolonie oder zwischen Kolonien (z.B.
Aplosmilia, Stylosmilia) häufig. Teilweise hüllen thrombolithische Krusten größere Teile ästiger Korallenkolonien
mit engständigen Kelchen vollständig ein. In den randlichen und jüngeren Riffbereichen werden massive Korallen
häufig von durchgehenden, lagigen Thrombolithpolstern bewachsen. Häufig sind unregelmäßige, mikritgefüllte
Hohlräume innerhalb der Krustenkörper. Stromatolithische Krusten sind vereinzelt bis verbreitet. Es handelt es
sich um strukturarme bis schwach peloidale Typen von begrenztem Volumen bei teilweise fließenden Übergängen
zu lagigen Thrombolithen. Ein bemerkenswerter Fall von Krustenwachstum ist ein Thrombolith-Kleinbioherm
(LPA T) das in den älteren, randlichen Bereichen der Riffoberfläche aufsitzt (vgl. Abb. 27). Es handelt sich um
einen kuppel- bis pfeilerförmigen stratigraphischen Riffkörper mit mindestens 3 m Basisdurchmesser und
mindestens 5 m Mächtigkeit. Der Riffkörper zeigt ein durchgehendes, dichtes Gefüge aus klumpigem Thrombolith
(95 Vol.%). Der ökologische Riffkörper wies wohl ein weit geringeres Relief von ungefähr 1 m auf. Das geringe
Hohlraumvolumen des Thrombolithriffes wird von Kalkschlamm eingenommen.
Riffbesiedler: Häufig sind Muscheln (u.a. pectinide Muscheln, Ctenostreum, Chlamys), Austern, Kalkschwämme und
Serpeln. Bryozoen und terebratulide Brachiopoden sind verbreitet. Kugelförmige Solenoporaceen bis 13 cm mit
umhüllenden Wuchs sind vereinzelt mit einer Häufigkeitszunahme im Laufe der Riffentwicklung. An mikrobielle
Krusten gebunden kommen v.a. Terebella sowie nubeculariide Foraminiferen und Tubiphytes vor. Bacinella und
Lithocodium treten zerstreut bis verbreitet auf.
Riffbewohner: Gastropoden (u.a. Bactroctyxsis sp., Pleurotomaria sp.) sind häufige Riffbewohner. Sie sind in allen
Riffbereichen vorzufinden, wobei ihr Anteil mit abnehmendem Riffbildneranteil ansteigt. Besonders hohe Anteile
70

Abb. 13: I) Räumliche Rekonstruktion des schlammigen Korallen-Mikrobolit-Großdickichtes LPA 1 in Pagny sur Meuse. Die Profilschnitte 1-3 entsprechen den einzelnen Abbauzuständen der
Aufschlußwand. 1 = Zentraler Riffbereich mit durchgehend verbundenem Korallengefüge; 2 + 3 = randliche Riffbereiche mit mehrfach durch Sturmlagen gekapptem Riffgefüge. Schwarze
Linien = erosive Sturmlagen; T= Thrombolith-Bioherm(LPA T). II) Schematische Übersicht des Aufschlußbereiches von Lerouville (s. Taf. 6) mit Lage der Riffkörper LLE 1 und LLE 2.
71

von Gastropoden zeigen sich lagen- oder bereichsweise. So treten beispielsweise in großvolumigen, vertikal oft
mehrere Meter durchhaltenden, bioklastischen Bereichen des Riffkörpers Gastropoden gehäuft auf. Durchgehend
häufig sind Seeigelstacheln (v.a. Paracidaris florigemma, Hemicidaris sp.). In mikritischen Bereichen sind
insbesondere in den jüngeren, aufgelockerten Riffbereichen verbreitet Grabspuren von Thalassinoides anzutreffen.
Riffabbauer: Die Zerbohrungsrate der Riffbildner ist gering bis stark bei kleinräumigem Wechsel. Insgesamt
herrschen geringe bis mittlere Zerbohrungsraten vor. Als Bohrorganismen treten v.a. Bohrmuscheln und
Bohrschwämme, zweitrangig Bohrwürmer, Troglotella und Mikroorganismen auf. Während die ästigen Korallen
hauptsächlich von Bohrschwämmen durchsetzt sind. Bohrschwämme treten in den dickästigen Korallen vorwiegend
randlich auf. Der Verlauf der Bohrgänge folgt allgemein meist mehr oder weniger der Längserstreckung der
Korallenäste. Die häufigste Typ hierbei ist Entobia glomerata. Massive Kolonien zeigen etwa gleiche Durchsätze von
Bohrmuscheln und Bohrschwämmen bei jedoch stark wechselnden Anteilen. Völlig zerbohrte massive Korallen sind
immer wieder zu beobachten. Weitere auftretende Bohrorganismentypen sind Troglotella, Bohrwürmer,
Mikroinkrustierer; größere Bohrkavernen sind verbreitet. Mikrobielle Krusten zeigen allgemein geringe
Zerbohrungsraten von Bohrschwämmen und Bohrmuscheln.
Grundmasse: Mudstones bis bioklastische, cortoidische oder onkoidische Wackestones (Floatstones) bilden die
Riffgrundmasse. Örtlich sind immer wieder dezimeter- bis metergroße bioklastische Faziesareale vorhanden.
Bereichsweise sind Muschelschalen häufig. Erosive Flächen die das Riffgefüge kappen werden großflächig von
Crinoiden-Packstones und schalenreichen Crinoiden-Bioklast-Floatstones überlagert. Die Erosionsflächen treten v.a.
in der randlichen Riffzone auf und wiederholen sich dort mehrfach. Örtlich sind z.T. tiefgreifende, taschenförmige,
mit bioklastischem Sediment verfüllte Eintiefungen auf diesen Flächen zu beobachten (Taf. 11).

Mikrobolithische Gonicora-Schlamm-Kleindickichte LPA 2


(vgl. Kap. 2.1.3; Abb. 28, 44; Taf. 5; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Das Riffwachstum setzt auf einem in der aufschlußweiten Übersicht horizontalen
Niveau ein. Die Riffabständen betragen mehrere Meter bis Dekameter. Im Laufe der Riffentwicklung finden erosive
Ereignisse statt. Bezeugt wird dies durch gekappte Korallenstöcke und die Wiederbesiedlung dieser Flächen durch
Korallenkolonien die örtlich ein kleinräumiges Relief nachzeichnen.
Rifform: Die Durchmesser der einzelnen Riffkörper erreichen bis 2,5 m, die Mächtigkeiten bis 2 m. Die Riffkörper
sind seitlich mehr oder weniger klar abgegrenzt.
Riffaufbau und Riffgefüge: Es ist ein massiges Gefüge ausgebildet, dominiert von Gonicora-Stöcken und
thrombolithischen Krusten. Der Korallenvolumen ist gering und beträgt zwischen ca. 10 und 15 %. Die Goniocora-
Stöcke bilden lockere Geäste und zeigen Durchmesser von 25 bis 140 cm. Die Riffkörper werden von Stöcken über
60 cm beherrscht. Nach dem Einsetzen des Korallenwachstums auf einem Niveau (s.o.) sind im Laufe des weiteren
Riffwachstums die Stockansatzpunkte uneinheitlich über das gesamte Riffvolumen verstreut. Örtlich sind kleinere
Calamophylliopsis2- und Cladophyllia-Stöcke bis 3 dm Durchmesser vergesellschaftet. Kugelförmige stylinide
Korallen (v.a. Pseudocoenia; weniger Stylina, Pseudocoenopsis) treten verbreitet in lockerer Verteilung frei im
Sediment auf. Im Umfeld der Riffkörper sind meist vereinzelt, untergeordnet auch in kleineren Ansammlungen,
microsolenide Korallen (v.a. Meandraraea und Microsolena; weiter Comoseris, Synastrea, Dermoseris) zu
beobachten. Vor allem massige, kugelförmige und fladige Wuchsformen sind häufig bei Durchmessern bis 40 cm.
Bemerkenswert ist das häufige Auftreten dünnfladiger bis fladiger Meandraraea-Kolonien. Die obigen Gattungen
werden häufig von kleinwüchsigen, massiven styliniden Korallen bewachsen. Außerdem sind Bruchstücke von
Enalhelia, Mitodendron, Aulophyllia? und Diplaraea vorhanden.
Der Wuchs von mikrobiellen Krusten ist an Korallen gebunden. Es handelt sich allgemein um Thrombolithe mit
meist klumpigem Gefüge. Die Krusten bilden teilweise voluminöse Überzüge an Korallenkolonien, örtlich auch nur
72

fleckenhafte Aufwüchse. Die eindeutige Unterscheidung von mikrobiellen Krusten und Riffgrundmasse ist im
Aufschluß sehr schwierig. Die Thrombolithe steuern insgesamt wohl die größten Volumenanteile als Riffbildner bei.
Riffbesiedler: Serpeln und Terebella sind häufig. Verbreitet sind pectinide und kleinwüchsige, glattschalige
Muscheln, nubeculariide Foraminiferen und Kalkschwämme. Tubiphytes, Lithocodium, Bacinella und Otonella treten
vereinzelt auf.
Riffbewohner: Gastropoden (v.a. Nerineen, Pleurotomarien) und lituolide Foraminiferen (Pseudocyclammina) sind
häufig. Cidaroide Seeigelstacheln (v.a. Paracidaris florigemma) und Grabspuren (Thalassinoides) sind häufig.
Vereinzelt sind winzige Krebstiere (Brachyura) anzutreffen.
Riffabbauer: Bohrmuscheln und Bohrschwämme weisen meist geringe, nur teilweise erhöhte Häufigkeiten auf. Die
ästigen Korallen zeigen vorwiegend Bohrschwammdurchsatz (in den diagenetisch gelösten Kolonievolumen
typischerweise als körperliche „Ausgüsse“ erhalten). Hierbei ist ein länger durchhaltender in etwa astparalleler
Verlauf der Bohrgänge von Entobia glomerata zu beobachten. Die thrombolithischen Krusten zeigen keine bis
geringe Zerbohrung durch Bohrschwämme.

Abb. 28: Skizze der Abfolge von Riffkörpern (LPA 2-5) und korallenreichen Horizonten im Hangenden des Aplosmilia-
Mikrobolith-Großdickichts von Pagny sur Meuse.

Grundmasse: Die Grundmasse ist schlammig und enthält häufig Rindenkörner und Peloide, weniger häufig
Bioklasten (Mudstones bis schwach bioklastische Onkoid-Cortoid-Wackestones (Floatstones).

Schlammiges Thrombolith-Korallen- bis Thrombolith-Knollenriff LPA 3I und 3II


(vgl. Kap. 2.1.3; Abb. 28, 44; Taf. 5; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Riffbasis ist horizontal.


Rifform: Massig, mit einer Basislänge von 2,50 m und Mächtigkeit von 1,5 m.
73

Riffaufbau und Riffgefüge: Riffkörper LPA 3I entspricht weitgehend dem älteren Abschnitt a von LPA 3II (s.u.)
und liegt 2 m im Liegenden desselben. Es treten zusätzlich auf Isastrea, Convexastrea, Isastrea und ramose stylinide
Korallen auf, während Plesiostylina fehlt. Weiter sind Bruchstücke von Cladophyllia zu beobachten. Riffkörper LPA
4II zeigt eine vertikale Untergliederung in basale Mikrobolith-Korallen-Boundstones (4II a) und einen
abschließenden Thrombolith-Boundstone (4II b).
Riffabschnitt R 4IIa enthält überwiegend kugelförmige (Pseudocoenia, Comoseris, Actinaraea, Synastrea,
Microsolena), massige (Microsolena), unregelmäßige (microsolenide Korallen, Stylina) und fladige (Plesiostylina,
Fungiastrea, Meandraraea) Korallenwuchstypen in weitgehend unregelmäßiger Verteilung und Häufigkeit.
Vereinzelt sind Bruchstücke von Calamophylliopsis vorhanden. Die Korallenfauna zeigt vielfältigen gegenseitigen
Überwuchs ohne erkennbare Sukzessionen. Fladige Wuchstypen sind z.T. senkrecht angeordnet. Mikrobolithe
überwiegen volumenmäßig den Korallenanteil. Es handelt sich um meist durchgehende bis örtlich großvolumige
Aufwüchse von thrombolithischen Krusten, die häufig auch ganze Kolonien verbinden. Säulige und polsterförmige
Umrisse sind häufig. Der Gefügetyp ist meist klumpig mit undeutlich lagigem Gefüge. Örtlich zeigen sich
strukturlose, aphanitische Lagen im Wechsel mit dem Sediment. Gegen Ende der Riffentwicklung verschwinden die
Korallen graduell und der Anteil thrombolithischer Krusten nimmt zu.
Riffabschnitt R 4IIb besteht durchgehend aus massigen Thrombolith-Boundstones bis 80 cm Mächtigkeit. Das
Interngefüge ist klumpig mit unregelmäßig lagigem Aufbau.
Riffbesiedler: Pectinide Muscheln, Austern und Serpeln sind in Riff 4I und Riffbereich 4IIa verbreitet. Vor allem
Terebella ist häufig den thrombolithischen Krusten assoziert. In Riffbereich 4 IIb haben Riffbesiedler (Terebella,
Serpeln, Kalkschwämme) nur geringe Anteile. Fraglich ist hier das Auftreten von Bacinella.
Riffabbauer: Es zeigen sich gering bis zu vollständig zerbohrte Kolonien in ungeregelter Verteilung.
Bohrschwämme herrschen vor, gefolgt von Bohrmuscheln.
Riffgrundmasse: Bioklast-Wackestones bis Mudstones. Mit der Zunahme von mikrobiellen Krusten nimmt der
Anteil der Grundmasse bis hin zu Werten < 5% (Riffabschnitt 4 IIb) ab.

Schwach mikrobolithisches Heliocoenia-Schlamm-Dickicht LPA 4


(vgl. Kap. 2.1.3; Abb. 44; Taf. 5; Tab. 1)

Dieser Rifftyp ist im hangenden von Riff LPA 4II ausgebildet, jedoch nicht direkt beprobbar. Augenscheinlich zeigt
sich eine erhöhte Häufigkeit bis Dominanz von ramosen Heliocoenia-Stöcken (als Fundproben im Umfeld des
Riffkörpers vorhanden). Die ramosen Korallenäste zeigen einen unregelmäßigen Verlauf mit geneigter bis vertikaler,
örtlich auch horizontaler Wachstumsrichtung und sehr weitständiger Astanordnung. Die Korallenäste zeigen örtlichen
Bewuchs durch thrombolithische Krusten. Gleichartige Heliocoenia-Pillarstones sind häufig innerhalb Riff LPA 1 zu
beobachten und nehmen dort teilweise größere Volumen ein. Die Grundmasse besteht aus bioklastenarmen Mud- bis
Wackestones mit einzelnen Gastropoden, Muscheln und Brachiopoden. Die Korallenäste zeigen Aufwüchse von
thrombolithischen Krusten - der Anteil am Riffgefüge ist aufgrund des geringen Farbkontrastes zur Riffgrundmasse
jedoch nur schwer abschätzbar. Die Korallenäste zeigen geringe Zerbohrung durch Entobia glomerata.

3.6.2 Lerouville

Stark bioklastisches und mikrobolithisches Microsoleniden-Mittelbiostrom LLE 1


(vgl. Kap. 2.1.6; Abb. 27, 29, 44; Taf.6; Tab. 1)

Topographie des Untergrundes: Der Riffkörper ist im zentralen höchsten Teil einer in diesem Bereich sanft
kuppelförmigen Erhebung des liegenden Crinoidensandkörpers (etwa 200 m Durchmesser bei Hangneigungen bis 8°)
ausgebildet. Das Korallenwachstum setzt wenige Dezimeter über der liegenden Dachfläche der Crinoidensand-
Riesendüne ein. In gleicher stratigraphischer Lage sind im Bereich kuppenförmiger Erhebungen der nach N
abfallenden Dachfläche weitere biostromale Riffkörper ausgebildet. Mit dem nach außen abnehmenden Relief ist eine
Übergang des Riffwachstums in Korallenrasen und vereinzeltes Korallenwachstum festzustellen.
74

Rifform: Das Biostrom zeigt, bedingt durch die Topographie des Untergrunds, im Längsschnitt einen wellenförmige
Umriß („Wellenbiostrom“; s. Taf. 6). Riffbasis und Rifftop sind unscharf ausgebildet mit allmählichen Aufbau und
Auflösung des verbundenen Platestonegefüges. Sowohl die Riffbasis, das Rifftop als auch die seitlichen Übergänge in
umgebende schuttreiche, korallenführende Pack-/Floatstones sind unscharf. Im gleichen stratigraphischen Niveau ist
im Bereich von. Im gleichen stratigraphischen Niveau und nördlich von Riffkörper LLE 1 sind im Bereich
sekundärer, kuppenförmiger Erhebungen der Dachfläche des liegenden Crinoidensandkörpers weitere (nicht
erreichbare) biostromalen Riffkörper ausgebildet (vgl. Kap. 2.1.6). Die Riffgröße nimmt hierbei mit zunehmender
Entfernung vom höchsten Bereich ab, bis schließlich nur noch geringmächtige Korallenrasen und vereinzeltes
Korallenwachstum zu beobachten sind.

Abb. 29: In der Seitenansicht wellige Anordnung microsolenider Korallen innerhalb des mikrobolithischen Microsoleniden-
Mittelbiostroms LLE 1 ("Wellenbiostrom", Lerouville; vgl. auch Tafel 6). Is: Isastrea.

Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gesteinsgefüge ist massig, bei durchgehendem Platestonegefüge. Es dominieren
microsolenide Korallen. Die Korallenbestimmung ist aufgrund des kompakten Gesteins und der starken
Umkristallisation äußerst schwierig und meistens unmöglich. Vollständige Kolonien oder größere Kolonieflächen
konnten nicht aus dem Gesteinsverband gelöst werden. GEISTER & LATHUILIÉRE (1991) bestimmten Meandraraea
und vermuten ein monospezifisches Meandraraea-Biostrom. Eigene Bestimmungen im zentralen Riffbereich an
schlecht erhaltenen Kolonien ergaben fragliche Zuordnungen zu Comoseris?, Meandraraea?, Synastrea? und
Actinaraea?. In den jüngsten Bereichen ist Isastrea verbreitet. Die Korallen zeigen fast einheitlich dünnfladigen,
selten fladigen Wuchstyp. Es sind überwiegend tellerförmige und fladige Wuchsformen ausgebildet. Randlich
viellappiger bis aufstrebend-viellappiger Wuchs ist verbreitet. In den jüngsten Bereichen sind, bei sich auflösendem
Riffgefüge, dünnfladig-tellerförmige Kolonien häufig, dickfladige (Isastrea) verbreitet. In diesem Bereich sind
gehäuft Calamophylliopsis-Bruchstücke sowie einige vollständige Stöcke dieser Gattung (bis 40 cm) feststellbar.
Riffbesiedler: Als Riffbesiedler treten v.a. pectinide Muscheln, Austern, Serpeln und Bryozoen auf. Verbreitet sind
Kalkschwämme, thecideidinide und terebratulide Brachiopoden sowie vereinzelte Stromatoporen. Thrombolithe sind
als Aufwüchse an Korallen verbreitet. Sie besiedeln hierbei meist geschützte Hohlräume (u.a. Bohrlöcher). Es handelt
sich um dünne bis massige, meist uneinheitlich dicke Aufwüchse. Meist sind den Krusten nubeculariide
Foraminiferen assoziert sowie vereinzelt Terebella, Lithocodium, Bacinella und Tubiphytes.
Riffabbauer: Die Zerbohrungsrate ist meist gering, z.T. mittelstark und zu den jüngsten Riffabschnitten hin
ansteigend. Stark zerbohrte Korallen sind vereinzelt. Der Anteil von Bohrmuscheln und Bohrschwämmen ist
wechselhaft. Auffallend ist die jeweilige Dominanz der einzelnen Bohrorganismentypen innerhalb einzelner
Korallenkolonien. Mikrobielle Krusten sind selten zerbohrt.
Grundmasse: Zum Teil cortoidische Crinoiden-Bioklast-Wacke-/Packstones (Floatstones) herrschen vor. Örtlich
sind einzelne tuberolithische Klasten vorzufinden. Der Bioklastenanteil nimmt im Laufe des Riffwachstums ab.
75

Pectinidenreiches bioklastisches Isastrea-Großbiostrom LLE 2


(vgl. Kap. 2.1.6; Abb. 27, 30, 44; Taf. 6; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Riffbasis wird, bei einer Neigung von 0-7°, von Cortoid-Bioklast-Packstones
gebildet, die zum Riffkörper hin in Bioklast-Wackestones übergehen.
Rifform: Die Riffmächtigkeit beträgt 2-3 m bei unscharfem Übergang in die liegenden und hangenden Faziestypen.
Bei einer Basislänge von ca. 200-250 m beträgt die Riffläche mindestens einige Hektar.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gestein ist massig-lagig und zeigt ein einheitliches, verbundenes Platestonegefüge
das sich zum Liegenden und Hangenden hin auflöst. Die Korallenfauna zeigt Allocoenia, Comoseris, Fungiastrea,
Heliocoenia?, Isastrea, Meandraraea, Mesomorpha, Microsolena2, Montlivaltia, Pseudocoenia, Stylina und
Synastrea. Volumenmäßig dominieren dickfladige Isastreen klar das Riffgefüge (vgl. Abb. 30 u. Taf. 6). Die weiteren
Korallengattungen sind uneinheitlich im Riffkörper verteilt ohne in größeren Bereichen zu dominieren. Der
Volumenanteil von Isastrea am Gesamtriffvolumen beträgt 20-35 %/m2. Es sind ausschließlich fladige bis dickfladige
Korallen zu beobachten die parallel zum Untergrund eingeregelt sind. Die Koloniedurchmesser liegen zwischen
wenigen und 90 cm, wobei Durchmesser über 30 cm überwiegend von Isastrea ausgebildet werden. Pseudocoenia
zeigt Durchmesser bis 30 cm. Isastrea zeigt in den jüngeren Bereichen oft Aufwüchse von gedrungenen Exemplaren
von Montlivaltia obonica.
Riffbewohner: Großwüchsige pectinide Muscheln sind häufig. Austern, Serpeln, Kalkschwämme und Bryozoen sind
verbreitet. Mikrobielle Krusten, Lithocodium und Eggerella sind vereinzelt.
Riffbewohner: Seeigelstacheln sind häufig (Pseudocidaris florigemma, Hemicidaris sp., Stomechinus perlatus),
Gastropoden verbreitet. An der Riffbasis sind bioturbate Strukturen häufig.
Riffabbauer: Die Zerbohrungsrate ist gering bis mittlelstark. Bei wechselnden Anteilen herrschen Bohrmuscheln
leicht vor. Isastrea zeigt die geringste Zerbohrungsrate. Verbreitet sind Bohrwurmspuren.
Grundmasse: Feinkörnige cortoidische Bioklast-Wackestones bilden die Grundmasse bei örtlich erhöhten Anteilen
von Bioklasten (Wacke- bis Floatstones). Teilweise sind Crinoidenbruchstücke vorherrschend.

Abb. 30: Ausschnitt des Riffgefüges des Isastrea-Großbiostroms LLE 2 in Lerouville. Skizze nach Tafel 6/Bild 7.

3.6.3 Rognontal

Onkoidisches Korallen–Inkrustierer-Mikrobolith-Kleinbioherm LRO 1


(vgl. Kap. 2.1.12; Abb. 31, 44; Taf. 7; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Riffbasis ist in der Aufschlußübersicht etwa horizontal mit einem
übergeordneten kleinräumigen Relief bis 30 cm.
Rifform: Der Riffkörper hat einen linsenförmigen Querschnitt mit 8 m Basislänge und einer Mächtigkeit bis 5m.
Riffgefüge und Riffaufbau: Das Gesteinsgefüge ist massig mit weitständigen Bankfugen. Das Riffgefüge zeigt meist
76

verbundene bis freie Boundstones (20-60 % Riffbildner/ 500 cm2), örtlich auch kleinere Pillarstones (30-40 %
Riffbildneranteil). Das Riffbildnervolumen nimmt im zeitlichem Verlauf ab. Es ist eine vertikale Zonierung mit intern
unregelmäßigen Verteilungsmustern der einzelnen Gefüge ausgebildet. Bei einem insgesamt einheitlichem Spektrum
der Riffbildner über das gesamte Riff betrachtet, schwankt die Verteilung und Zusammensetzung der Korallenfauna
vertikal und innerhalb kleinräumiger Untereinheiten. Wichtigste Riffbildner sind Korallen, gefolgt von mikrobiellen
Krusten und einer diversen Inkrustiererfauna, bestehend aus Bacinella, Lithocodium, Serpeln, Austern und
Solenoporaceen (u.a. Solenopora cayeuxiformis), untergeordnet Terebella, Bryozoen, Tubiphytes, Cayeuxia,
Chaetetiden, Stromatoporen (Dehornella incrustans, Cladocoropsis mirabilis), Thaumatoporella, Placopsillina,
Kalkschwämme, Neuropora und thecideidiniden Brachiopoden. Das Volumen von Korallen auf der einen,
mikrobiellen Krusten und der Inkrustiererfauna auf der anderen Seite, entspricht sich in etwa. Die Riffbildner zeigen
vielfältigste gegenseitige Überwuchsbeziehungen ohne bevorzugte Sukzessionen und Orientierungen. Die Korallen
stellen die Pionierfauna des Riffwachstums. Die Korallenwuchstypen sind vorwiegend massig bis kugelförmig
(Allocoenia?, Amphiastrea, Comoseris, Convexastrea, Cyathophora, Microsolena4, Meandrophyllia, Isastrea,
Stylina3, Synastrea, Pseudocoenia4) oder fladig bis dickfladig (Pseudocoenia, Thamnasteria2, Fungiastrea, Synastrea,
Isastrea, Microsolena, Actinaraea. Zweitrangig sind unregelmäßige, ästige, halbkugelförmige, fladig-aufstrebende
und ramose Korallenformen entwickelt (Stylina limbata). Vereinzelt sind pseudoramose, jedoch umgestürzte Kolonien
(microsolenide Korallen) zu beobachten. Bei der Verteilung der Korallenformen ist ein deutliche Zunahme von ästigen
sowie massigen bis kugelförmigen Korallen im Laufe des Riffwachstums zu beobachten. Die Koloniedurchmesser reichen
von 4 bis 80 cm, wobei ungefähr 70 % der Kolonien im Bereich um 8-25 cm liegen. Die Korallendurchmesser nehmen im
Durchschnitt nach oben ab, die maximalen Korallendurchmesser sind an der Basis zu entwickelt. Aufstrebende
Korallenwuchstypen zeigen ein vertikales Wachstum von 15-60 cm, ramose Formen von 10-20 cm. Ästige Korallenstöcke
(Calamophylliopsis, Donacosmilia, Dermoseris und Latomeandra) weisen Durchmesser von 15-35 cm auf. 40 % der
ästigen Korallen (v.a. Calamophylliopsis3)s sind umgestürzt. Die Inkrustiererfauna bewächst die Korallen großflächig bei
kleinräumig stark schwankenden Anteilen am Gesamtriffbildnervolumen von ca. 10-40 % im Handstückmaßstab. Dabei
zeigen sich sowohl dünne Überzüge einzelner Inkrustierer bis massige Aufwüchse hochdiverser Inkrustiererassoziationen.
Die größte Häufigkeit weisen mikrobielle Krusten, Bacinella und Solenoporaceen auf. Koralline Schwämme, Austern und
Muscheln sind allgemein verbreitet bei örtlich hohen Anteilen. Die Inkrustiererfauna „besetzt“ teilweise bis vollständig
durch Bioerosion zerstörte Korallenvolumen sekundär. Dies bedeutet daß der Volumenanteil der einzelnen Hauptriffbildner
in ein und demselben Riffabschnitt im zeitlichen Verlauf Schwankungen unterliegt.
Riffabbauer: Die Bioerosion durch Bohrorganismen zeigt geringe bis zu sehr hohen Werte, wobei mittlere Werte
vorherrschen. Der Anteil der einzelnen Bohrorganismen (v.a. Bohrmuscheln und Bohrschwämme, untergeordnet
Troglotella und Bohrwürmer) ist uneinheitlich, wobei Bohrschwämme insgesamt die höchste Beteiligung aufweisen. Die
höchsten Zerbohrungsraten zeigen ästige Korallen. Bei styliniden Korallen sind meist mittlere Werte zu beobachten.
Microsolenide Korallen weisen einen uneinheitlichen Zerbohrungsgrad auf, mit den sowohl niedrigsten als auch den
höchsten Raten.
Grundmasse: Es sind onkoidische, ooidische, cortoidische bis peloidale Wacke-/Pack- bis Floatstones vorhanden.
Nach oben nimmt der Gehalt an Rindenkörnern sowie an Komponenten allgemein ab und Wackestones bilden
vermehrt die Grundmasse. Erwähnenswert sind einzelne tuberoidische Klasten. Neben häufigen Foraminiferen (u.a.
Lenticulina, Textularia) sind Dasycladaceen-Bruchstücke bemerkenswert. Auffallend ist der, im Vergleich zu den allseitig
umgebenden Onkoid-Floatstones, deutlich geringere Anteil an Rindenkörnern (v.a. Onkoiden) innerhalb der Riffkörper.

3.6.4 Doulaincourt

Onkoidische, molluskenreiche Korallen-Solenoporaceen-Inkrustierer-Riffknollen LRO-2 I-III


(vgl. Kap. 2.1.12; Abb. 44; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Riffbasis ist in der Aufschlußübersicht horizontal bei schwach welliger bzw.
höckeriger, kleinräumiger Topographie.
77

Rifform: Die Riffkörper sind linsen- bis knollenförmig mit Basisdurchmessern von 80 bis 140 cm und Mächtigkeiten
bis 110 cm. Das Riffgefüge ist deutlich von den umgebenden Faziestypen abgegrenzt.
Riffgefüge und Riffaufbau: Es zeigt sich ein geschlossener Boundstones dominiert von Korallen, Solenoporaceen,
Inkrustierern und weniger mikrobiellen Krusten. Korallen und Solenoporaceen weisen eine wechselnde Verteilung in
den Riffkörpern auf, bei etwa gleichen Anteilen am Riffbildnervolumen (insgesamt 15-25 %). Es folgen Inkrustierer
(10-15 %). Der Korallenwuchs ist meist massig bis kugelförmig (Actinaraea, Comoseris, Convexastrea, Meandro-
phyllia, Synastrea, Stylina2) oder ästig (Calamophylliopsis stockesi). Unregelmäßiger Wuchs ist verbreitet,
pilzförmige Kolonien (Synastrea?) vereinzelt. Die ästigen Wuchsformen nehmen nach oben zu. Die Durchmesser
reichen bis 25 cm bei massiven und bis 30 cm bei ästigen Kolonien. Gegenseitiger Aufwuchs ist verbreitet. Meist
ästig-aufstrebende, weniger auch kleinere, massige bis kugelförmige Solenoporaceen sind häufig. Die
Solenoporaceenäste zeigen Durchmesser von 2-5cm und Wachstumsbandpaare bis 6,4 mm Mächtigkeit. Solenopo-
raceen und Korallen werden großflächig von inkrustierenden Organismen besiedelt. Es handelt sich v.a. um
Bacinella; weiter um Lithocodium, mikrobielle Krusten, Austern, Serpeln, pectinide Muscheln, Cayeuxia,
Thaumatoporella, Stromatoporen, Cladocoropsis mirabilis und Coscinophragma cribosum. Es zeigen sich dünne bis
viele cm mächtige Inkrustationen, die häufig größere Volumen einnehmen und dann ein verbundenes Gefüge
herstellen. Die Besiedlung sekundärer durch den Zerfall von v.a. Korallen entstandener Riffvolumen durch
Mikroinkrustierer ist verbreitet.

Abb. 31: Übersichtsskizze Riff LRO II in Rochers sur Rognon mit Verteilung der Korallenfauna

Riffbewohner: Innerhalb des Riffkörpers sind häufig nerineeide Gastropoden, Austern und lituolide Foraminiferen
zu beobachten. Trichites und Diceras sind (in Lebensstellung) verbreitet. Seeigelstacheln sind häüfig
Riffabbauer: Bohrorganismen zeigen geringe bis zu sehr hohen Häufigkeiten, wobei mittlere Werte vorherrschen.
Der Anteil der einzelnen Bohrorganismen (v.a. Bohrmuscheln und Bohrschwämme, untergeordnet Troglotella und
Bohrwürmer) ist uneinheitlich. Korallen zeigen geringe bis starke Zerbohrung. Die höchsten Zerbohrungsraten zeigen
ästige Korallen.. Teilweise sind nur noch Umrisse von Korallen erkennbar. Solenoporaceen sind wenig zerbohrt,
insbesondere durch Bohrschwämme.
Grundmasse: Die Grundmasse besteht aus cortoidischen, ooidischen bis peloidalen Onkoid-Floatstones.
Tuberoidische Klasten und Aggregatkörner sind vereinzelt. Häufig enthalten sind planktische Foraminiferen.

3.7 Beschreibung der Riffkörper des Isteiner Klotzes


78

Mergeliges Korallen-Großbiostrom IS 1 („Thamnastreen-Mergel“ oder Korallenmergel)


(vgl. Kap. 2.2.1; Abb. 44; Taf. 8; Tab. 1)

Topographie des Untergrundes: Die Riffbasisfläche ist nicht aufgeschlossen. WITTMANN (1952) beschreibt die
Grenze als „milimeterscharf“. Aufgrund der über alle Aufschlußbereiche allgemein horizontal verlaufenden äußeren
und inneren Struktur des Riffkörpers wird die Riffbasis als mehr oder weniger ebene horizontale Fläche größerer
Erstreckung angenommen (s.u.).
Rifform: In Istein I (im Bereich der Bahnverladung des Kalkwerkes Istein an der Betriebstankanlage) zeigt sich eng
benachbart zu Bereichen mit horizontaler Riffdachfläche (hangaufwärts), ein großwelliges, unregelmäßiges Relief dieser
Fläche (zur Rheinseite hin im Bereich über den Bahngleisen der Rheintallinie). Ursache dieses vermeintlichen
Paläoreliefs ist wahrscheinlich eine in diesem Bereich verlaufende tektonische Störungszone (vgl. auch Geologische
Spezialkarte von Baden: Blatt 8311 Lörrach), die zusätzlich von gravitativen Bewegungen im Hangbereich überlagert
wird. Eine Störung in diesem Bereich wird außerdem durch die starke Dolomitisierung der Gesteine wahrscheinlich.
Aufgrund der Ausbildung weitgehend gleichartiger Riffgefüge im gesamten Aufschlußgebiet (vgl. auch KABELAC 1955)
beträgt die Größe des Riffkörpers auf jeden Fall mehrere km2, so daß definitionsgemäß ein Riesenbiostrom vorliegt.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gestein ist massig-lagig. Es handelt sich durchgehend um Korallen-Boundstones
mit Platestonegefüge. Die meist fladigen, vereinzelt massigen Korallen zeigen eine meist ungefähr horizontale bis
leicht schräge Ausrichtung. Der fladige Wuchstyp ist sehr formenreich ausgebildet. Meist ist die Wuchsform
diskusförmig mit konvexen Unterseiten und nur leicht aufgewölbten Oberseiten (v.a. Isastrea), teilweise ist sie
gewellt bis unregelmäßig (microsolenide Korallen). Bei microsoleniden Korallen sind lappige Auswüchse und
eingesenkte Oberflächen verbreitet. Dimorpharaea zeigt häufig Anfangsstadien lappiger Auswüchse. Oft sind
massig-fladige Wuchsformen mit massigem Zentralteil und fladig ausdünnenden Rändern vorhanden. Actinaraea
zeigt häufig massigen Wuchstyp teilweise mit breit kegelförmiger Wuchsform. Vereinzelt sind pilzförmige
Microsolena-Kolonien zu beobachten. Die Koloniedurchmesser betragen vorwiegend 15-25 cm, Maximalwerte von
50 cm sind bei Isastrea ausgebildet. Die Koloniemächtigkeiten reichen bis 15 cm. Die bestimmten Gattungen sind
Dimorpharaea, Microsolena?, Actinaraea, Synastrea? und Isastrea. Bruchstücke von ästigen Korallen
(Stylosmilia/Gonicora) und Einzelkorallen (Diplaraea) sind verbreitet. Der Korallenanteil pro m2 beträgt
durchgehend 25-45 %.
Riffbesiedler: Vor allem pectinide Muscheln und Serpeln sind häufig. Geringmächtige, örtliche begrenzte
Aufwüchse von Bryozoen, Kalkschwämmen und nubeculariiden Foraminiferen sind verbreitet. Terebratulide
Brachiopoden und Tubiphytes sind vereinzelt. Thrombolithische Krusten siedeln ausschließlich in abgeschirmten
Riffhohlräumen. Innerhalb der mikrobiellen Krusten ist Terebella zu beobachten.
Riffbewohner: Seeigelstacheln (u.a. Paracidaris florigemma, Glypticus hieroglyphicus) und Bruchstücke von
Crinoiden sind häufig. In Istein II sind Grabgänge von 1,5 cm Durchmesser zu beobachten.
Riffabbauer: Es dominieren Bohrmuscheln bei meist geringen bis mittleren Zerbohrungsraten. Kleinere rundliche
Bohrlöcher (4 mm) sind wahrscheinlich von Bohrwürmern herrührend.
Riffgrundmasse: Die Grundmasse besteht aus dunkelgrauem, tonig-sandigen Mergel. Vom Gefüge handelt es sich
um Bioklast-Wackestones mit Bioklastenanteilen bis meist 20 %, die kleinräumig auch erhöht sein können. Die
dunkelgraue Grundmasse ist reich an organischem Material und weist framboidalen Pyrit auf.

Mergelig-schlammiges Korallen-Mikrobolith-Riesenbiostrom IS 2 (Unterer Korallenkalk, „ThamnastreenKalk“)


(vgl. Kap. 2.2.1; Abb. 44; Taf. 8; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Riff IS 2 geht ohne scharfe Gefügeabgrenzung aus dem liegendem Riff IS 1 hervor.
Die Basisgrenze wird v.a. durch eine starke Erhöhung Karbonatgehaltes (im Gelände durch deutliches Hervorwittern
sichtbar) angezeigt und verläuft in der Aufschlußübersicht in etwa horizontal. Der Übergang zum hangenden
79

mittleren Korallenkalk (Riff IS 3) ist unscharf ausgebildet und wird von der sprunghaften Abnahme des Tongehaltes
(Farbumschlag) und Änderungen in Korallenzusammensetzung und des Riffgefüges begleitet.
Rifform: Dieser Rifftyp wurde aus mehreren Aufschlüssen in der gesamten Aufschlußregion rekonstruiert. Es
wurden Aufschlüsse am Klotzenfelsen, in den Steinbrüchen Istein I und II sowie in Kandern bearbeitet um ein
möglichst umfassendes Bild dieses großflächigen Riffkörpers zu gewinnen. Alle Aufschlüsse zeigen ähnliche
Riffgefüge und Faunenzusammensetzungen. Die beobachteten Mächtigkeiten der Riffeinheit betragen ca. 6-9 m. Im
Laufe des Riffwachstum bildet sich zunehmend ein wellig-buckliges Relief der Riffoberfläche aus, mit
Reliefabständen von 15-40 m und einem Relief bis ca. 2,5 m.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gestein ist massig, die Farbe anfangs hellgrau, nach oben bei raschem Übergang
weiß-gelblich. Es handelt sich um weitgehend geschlossene, in den jüngsten Bereichen auch zunehmend geschlossene
Boundstones mit Platestonegefüge. Die Platestones zeigen in der seitlichen Übersicht häufig ein großwelliges Gefüge
(„Wellenbiostrom“; Taf. 6). Der Korallenanteil schwankt zwischen ca. 20 bis 50 %/m2, liegt in der Regel meist über
25 %. Nach meist hohen Korallendichten und verbundenem Gefüge entwickeln sich am Übergang zum hangenden
Riff IS 3 zunehmend freie Gefüge. Der Anteil an mikrobiellen Krusten ist allgemein hoch und liegt meist zwischen
10-65 % und übertrifft örtlich den Volumenanteil der Korallen. Der Anteil mikrobieller Krusten steigt dabei mit
zunehmender Korallendichte an.
Es dominieren microsolenide Korallen (Microsolena2, Dimorpharaea, Actinaraea2, Synastrea, Fungiastrea,
Pseudocoenia?), welche die gesamte autochtone Korallenfauna bilden. Die massiven Korallen zeigen meist dünnfladig-
fladigen (Istein II) örtlich jedoch auch fladigen bis dickfladigen Wuchstyp (Istein I). Die Wuchsformen sind meist
tellerförmig bis fladig, häufig fladig-wellig, viellappig bis viellappig-tellerförmig und zeigen die unterschiedlichste
Verteilung im Riffgefüge. Der Anteil tellerförmiger Wuchsformen ist in Riff 2b am höchsten. Die Orientierung der
Kolonien ist meist horizontal bis schwach geneigt, und zeigt in der Übersicht eine wellige Struktur. Oft wechselt mehrfach
die Wuchsrichtung bei microsoleniden Korallen innerhalb einer Kolonie oder es ist viellappiger Wuchs ausgebildet, der bei
aufstrebendem Wuchs zu größeren „monokolonialen“ Gerüsten (vgl. Kap. 7.2.1) führen kann. Entsprechende, fast
monospezifisch aus Dimorpharaea koechlini aufgebaute geschlossene Riffgefüge von großem Volumen (mindestens 12 m2
vertikale Aufschlußfläche) sind in Istein II ausgebildet (s. Taf. 6). Kleinvolumige Gefüge dieser Art sind häufig. Der
Korallenverband innerhalb des Riffgefüge ist aufgrund der Aufschlußbedingungen meist schwer zu beurteilen, so daß der
Anteil von gegenseitigem Überwuchs und „monokolonialen“ Gerüsten schwer voneinander abzugrenzen ist, zumal beide
Möglichkeiten nebeneinander verwirklicht sein können. Ästige Korallen (Calamophylliopsis, Dermosmilia, Enalhelia,
Thecosmilia, Stylosmilia) sind fast ausschließlich in Form von Bruchstücken überliefert. Dendraraea ist vereinzelt bis
verbreitet in Lebensstellung überliefert und zeigt wenige weitständige, abgeplattete Äste mit meist deutlich horizontaler
Komponente und oft unregelmäßigem Verlauf. Dermosmilia und Stylosmilia sind vereinzelt in Lebensstellung zu
beobachten. Montlivaltia ist meist umgestürzt vorzufinden, teilweise auch als Aufwuchs auf Dimorpharaea.
Bei den mikrobiellen Krusten handelt es sich um an Korallen gebundene Thrombolithe, die dünne Überzüge, oder
massige oder aufdringende bis säulige Wuchsformen zeigen. Die höchsten Volumenanteile sind in Bereichen hoher
Korallendichte festzustellen. Unregelmäßige Überzüge von aufstrebenden Wuchs und polsterförmige wolkig-
massigen Krustenformen herrschen vor und füllen häufig große Teile des korallenfreien Riffvolumens aus. An
Unterseiten wachsende Krusten sind verbreitet bis häufig und auffallend reich an stromatactisartigen Hohlräumen.
Die oft zur Grundmasse sehr kontrastarmen mikrobiellen Krusten sind häufig nur an assoziierten nubeculariiden
Foraminiferen und Terebella kenntlich. Verbreitet sind mikrobielle Krusten in Bohrhohlräumen zu beobachten.
Riffbesiedler: Serpeln sind häufig, pectinide Muscheln, Austern (u.a. Nanogyra nana, Lopha), Bryozoen und
Kalkschwämme verbreitet. Weiter verbreitet sind Neuropora und Brachiopoden (Terebrateln und Thecideen).
Lithocodium ist vereinzelt bis verbreitet, Bacinella und Tubiphytes sind selten.
Riffabbauer:. Die Zerbohrungsrate ist meist gering, nur örtlich mittelstark. Teilweise sind sehr stark zerbohrte
Korallen festzustellen. Die auftretenden Bohrorganismen sind v.a. Bohrmuscheln, weniger häufig Bohrschwämme.
Die mikrobiellen Krusten zeigen eine äußerst geringen Befall durch Bohrorganismen
80

Riffgrundmasse: Es handelt sich allgemein um mergelige Bioklast-Wackestones mit bereichsweise kleineren


Mudstonevolumen. Der Karbonatgehalt beträgt 94-95, 6 % mit zeitlichem Anstieg (eigene Messungen und KABELAC
1955) mit einer zeitlichen Abnahme des Ton- und Sandgehaltes im Laufe des Riffwachstums. Der Bioklastanteil zeigt
örtliche Schwankungen. Bereichsweise ist eine Dolomitisierung des Gesteins festzustellen.

Schwach bioklastisches Korallen-Mikrobolith-Flächenriff IS 3 (Mittlerer Korallenkalk)


(vgl. Kap. 2.2.1; Abb. 44; Taf. 9; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Das Flächenriff geht ohne scharfe Basisfläche aus dem liegendem Riff IS 2 hervor.
Rifform: Die Rifform ist flächig-biostromal mit zunehmender Ausbildung eines großräumigen wellig-kuppigen
Reliefs (wenige Meter bis Dekameter Reliefabstand) bis 3 m (vgl. Kap. 3.2). Die Gesamtmächtigkeit der gebildeten
Riffgesteine beträgt ungefähr 15-25 m.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gefüge besteht einheitlich aus Mixstones. Das Gestein zeigt ein vertikalen und
seitlichen Wechsel von freien und verbundenen Boundstonegefügen. Im zeitlichen Verlauf nimmt das Volumen
geschlossener Gefüge von deutlich ab. Auffallend ist das „brockig-zerrüttete“ Gefüge des Gesteins, resultierend aus
unregelmäßig verlaufenden, feinen Klüften und Rissen (s. Taf. 8). Diese Diskontinuitätsflächen durchsetzten das
Gestein unabhängig von Gefüge und Zusammensetzung und sind deshalb einem diagenetischen Ursprung
zuzuordnen. Als Riffbildner dominieren Korallen (15-40 Vol%/m2), gefolgt von thrombolithischen Krusten (ca. 10-
30 Vol%/m2).
Auftretende Korallengattungen sind Actinastrea, Mesomorpha, Calamophylliopsis, Cladophyllia, Comoseris,
Dendraraea, Dermoseris, Diplaraea, Dermosmilia, Dimorpharaea, Enalhelia, Fungiastrea, Isastrea, Thamna-
steria2, Microsolena2, Montlivaltia, Latomeandra, Stylina, Stylosmilia2, Synastrea2, Thecosmilia und Trocharaea?.
Die Wuchsformen sind äußerst vielgestaltig. Es herrschen fladige bis dickfladige Wuchstypen, gefolgt von
massigen Wuchstypen, vor. Unregelmäßige, kugelförmige, viellappige, ramose (u.a. Stylina) und ästige
Wuchstypen sind häufig bis verbreitet. Die Korallenfauna zeigt, bei in etwa gleicher Artenzahl, einen zunehmende
Übereinstimmung der Anteile der einzelnen Wuchstypen. Übergänge der einzelnen Wuchstypen sind häufig,
aufstrebender Wuchs nimmt mit der Zeit zu. Juvenile Kolonien (bis ca. 10 cm) zeigen meist „ideale“ dickfladige
bis massige Wuchsformen. Häufig sind massige bis fladige Wuchsformen (microsolenide Korallen, Fungiastrea)
mit randlicher Ausdünnung, unregelmäßigen Kolonieoberseiten oder viellappigem Wuchs ausgebildet. Die häufige
Thamnasteria zeigt meist fladig-welligen oder inkrustierenden Wuchs und ist örtlich dominierend. Die
Ausrichtung der größten Koloniedurchmesser ist meist horizontal bis schwach geneigt. Steiler geneigte Korallen
sind verbreitet, senkrecht angeordnete vereinzelt. Die Durchmesser der Korallen liegen meist im Bereich von 15-
35 cm, maximal bei 110 cm (Isastrea). Bei ästigen Wuchsformen ist mit der Zeit eine deutliche
Häufigkeitszunahme festzustellen. Das Wachstum ästiger Korallen, insbesondere von Stylosmilia, setzt erst
fleckenhaft, dann flächig ein. Stylosmilia, Calamophylliopsis und die ramosen Korallen sind häufig in
Lebensstellung erhalten. Häufig zu beobachten sind umgestürtzte kompakte Calamophylliopsis-Stöcke bis 40 cm.
Bis auf große Stylosmilia-Stöcke und Kleindickichte bis 2 m zeigen die Pillarstones meist Durchmesser von
einigen Dezimeter. Einzelkorallen sind sowohl liegend als auch in Lebensstellung verbreitet. Die räumliche
Verteilung der Wuchstypen ist uneinheitlich. Volumenmässig herrschen Platestones vor. Im Laufe der
Riffentwicklung und örtlich ist eine Zunahme (bis Dominanz) massiger, aufstrebender, unregelmäßiger, ästiger
und kugelförmiger Wuchstypen zu beobachten (Dome-, Pillar, Mixstones). Ramose Wuchstypen zeigen
durchgehend etwa gleiche Anteile. Im Verlauf der Riffentwicklung nimmt die Korallendichte auf 15-30 %/m2 ab,
örtlich sind höhere Dichten entwickelt. Auf diese Weise entsteht ein fleckenartiges Faziesmuster von
unterschiedlichen Riffassoziationen und Boundstonegefügen. Aufgrund des großflächigen seitlichen
Zusammenhangs und ihrer regionalen Gleichförmigkeit in den einzelnen Aufschlüssen werden diese Riffgesteine
einem Riffkörper gleichgesetzt. Mikrobielle Krusten sind sehr häufig und ihr Anteil an den Riffbildnern ist hoch. Es
handelt sich hierbei um klumpige, seltener strukturarme Thrombolithe mit Anteilen zwischen meist ca. 10-30 %,
81

kleinräumig auch bis ca. 50 %. Ihr Volumenanteil am Riffgefüge ist starken kleinräumigen Schwankungen
unterworfen, die stark vom Korallenanteil abhängen.
Riffbesiedler: Austern und Muscheln sind verbreitet bis häufig. Örtlich bilden Austern größere Boundstonevolumen.
Gastropoden sind im Laufe der Zeit zunehmend verbreitet, Terebrateln vereinzelt. Serpeln, Bryozoen, Neuropora,
Kalkschwämme und nubeculariide Foraminiferen sind verbreitet. Bemerkenswert sind örtlich geringvolumige
Aufwüchse von Lithocodium, Bacinella, Koskinobullina und Tubiphytes.
Riffabbauer:. Vor allem Bohrmuscheln, weniger Bohrschwämme durchsetzen die Korallen unspezifisch bei meist
geringer bis mittlerer Zerbohrungsrate. Es sind jedoch auch immer wieder nicht bis stark zerbohrte Kolonien
vorhanden. Der Anteil der Bohrschwämme und die Zerbohrungsrate nehmen im Laufe der Riffentwicklung deutlich
zu. Bohrwürmer und Troglotella sind vereinzelt. Mikrobielle Krusten zeigen wenige Zerbohrungen, v.a. in randlichen
Bereichen durch Bohrschwämme.

Schlammiges, mikrobolithisches Korallen-Dickicht IS 4 (Oberer Korallenkalk)


(vgl. Kap. 2.2; Abb. 44; Taf. 9; Tab. 1)

Aufschlußlage: Direkt am Südausgang des Hartberg-Eisenbahntunnels, 10 m oberhalb der Auffahrt zur zweiten
Sohle von Steinbruch Ia am südlichen Ortseingang von Istein. Das Gestein ist sehr stark angewittert.
Topographie des Untergrunds: Die Basis ist nicht aufgeschlossen. Der Untergrund ist, entsprechend der im Laufe
des Korallenkalkes sich ausbildenden sanftwelligen Topographie (vgl. Kap. 2.2.1), horizontal bis kleinkuppig.
Rifform: Es handelte sich ökologisch um ein flächiges Dickicht mit mindestens 50 m Basisdurchmesser das im Laufe
seines Wachstums einen gleichbleibenden Reliefunterschied zum umgebenden riffreien Meeresboden aufwies. Durch-
gehendes Korallenwachstum über längere Zeit führen zu einem stratigraphischen Riffkörper von mindestens 6-7 m
Mächtigkeit. Randlich ist auf wenige Meter ein Übergang in freie Mixstones zu beobachten. Zum Hangenden zeigt sich ein
Übergang in, von massiven Korallen dominierte, korallenführende Boundstones oder Mud-/Wackestones.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gestein ist massig. Das Riffgefüge wird von Pillarstones dominiert (s. Taf. 9) Es ist
eine zentrale Riffzone mit verbundenem Korallengefüge ausgebildet, die in eine randliche Riffzone mit zunehmend
aufgelockertem Korallengefüge und örtlichen Mix-/Domestones übergeht.
Die ästige Korallenfauna der zentralen Riffzone wird volumenmäßig von Stylosmilia michelini und Aplosmilia aspera
dominiert, weniger häufig ist Calamophylliopsis flabellum. Stylosmilia und Aplosmilia bilden im Aufschluß über
mehrere Meter vertikal durchgehende Pillarstones mit steil bis senkrecht aufstrebenden Korallenästen (s. Taf. 9). Es
ist hierbei ein unregelmäßiger, seitlicher Wechsel der Dominanz von Aplosmilia und Stylosmilia zu beobachten.
Örtlich zeigen die Stöcke eine durchgehend verbundenes Gefüge von mindestens 6 m. Aplosmilia weist
trichterförmige, Stylosmilia rundliche bis birnenförmige Stockumrisse auf. Teilweise sind bei großen Stylosmila-
Stöcken ein- bis mehrfache, knickartige Wachstumsänderungen zu beobachten, teilweise sind die Stöcke umgestürzt.
Stylosmilia2 und Aplosmilia zeigen Stockdurchmesser bis 110 cm, andere Gattungen (Calamophylliopsis stockesi,
Dendrarea, Dermoseris, Dermosmilia, Actinastrea, Thamnasteria) bis 50 cm. Bei den, zu den randlichen
Riffbereichen hin, insgesamt kleineren Stöcken ist Stylosmilia zahlen- und volumenmäßig am häufigsten. Besonders
auffällig ist hier der durchgehend geringe Durchmesser von Calamophylliopsis-Stöcken (bis 25 cm) bei
gedrungenem, rundlichem Umriß. Diese Kolonien sind zudem verbreitet umgestürzt. Die ästigen Korallen
Cladophyllia, Donacosmilia, Goniocora? sind lediglich als Bruchstücke anzutreffen. Massive Korallen sind verbreitet
und besonders in kleinvolumigen Mix-/ Domestones häufig. Diese Bereiche können, bei massigem bis linsenförmigen
Querschnitt, im Ausnahmefall bis 2,5 m im Durchmesser und 1,5 m Mächtigkeit aufweisen. Die Auftretenden
Gattungen sind Actinastrea, Comoseris, Fungiastrea, Isastrea, Heliocoenia, Thamnasteria, Microsolena,
Pseudocoenia2, Stylina und Synastrea. Die Wuchstypen sind vorwiegend massig, gefolgt von fladigen bis
dickfladigen, unregelmäßigen und kugelförmigen Typen. Die Koloniedurchmesser betragen meist 10-25 cm, teilweise
bis 60 cm (Microsolena). Übergänge in unregelmäßigen oder aufstrebenden Wuchs sind verbreitet bis häufig,
82

Übergänge in ramosen Wuchs (v.a. Thamnasteria; Pseudocoenia, Actinastrea, Microsolena) verbreitet. Vereinzelt
sind Axosmilia und Thecosmilia vorhanden.
Die randliche Riffzone zeigt einen zunehmende seitliche und zeitliche Auflösung des Pillarstonegefüges bei
gleichzeitiger Abnahme der Stockdurchmesser. Der Anteil massiver und ramoser Wuchsformen wächst ständig an,
bis er den von ästigen Korallen übertrifft. In den zentraleren Bereichen bilden ästige und massive Wuchstypen
Ansammlungen, die sich nach außen rasch auflösen und in Mix-/Domestones überleiten. Es dominieren nun massige,
unregelmäßige und kugelförmige Korallen. Ramose und fladige Formen sind häufig bis verbreitet. Ästige Korallen
fehlen, bis auf Bruchstücke. Die Korallenfauna entspricht (abgesehen von den ästigen Gattungen) dem
Zentralbereich. Hinzutreten Stylohelia, Amphiastrea und die solitäre Plesiosmilia. Häufig sind microsolenide und
stylinide Korallen (u.a. Heliocoenia, Stylina, Pseudocoenia) zu beobachten. Mäandroide Korallenkolonien (z.B.
Comoseris) sind verbreitet. Bereichsweise sind innerhalb der vorherrschenden Pillarstones größere Bereiche (mehrere
Quadratmeter Aufschlußfläche ) mit sehr unregelmäßigen bis lappig-fetzigen Kolonien von Thamnasteria concinna
vorhanden.
Der oberste Korallenkalk zeigt in Istein II großflächig einen Wechsel von korallenführenden Mudstones und
Korallen-Boundstones bestehend aus kleineren Korallenansammlungen, Kleinbiostromen, Riffknollen. Das
Riffgefüge zeigt nur örtlich geschlossene Boundstones, freies Gefüge herrscht vor. Der Korallenanteil in diesem
Bereich liegt bei 0-25 %/m2. Die Artenzusammensetzung ist hochdivers bei Dominanz massiver Korallentypen und
eingestreuten ästigen Kolonien oder Kleindickichten. Wenige durchhaltende Diskontinuitätsflächen und die
Orientierung Korallen zeichnen ein syndepositionales großwellig-kuppiges Relief von 3-4 m und Kuppenabständen
bis zu mehreren Dekametern nach, bei Hangneigungen bis 40°. Fladige bis fladig-unregelmäßigen Kolonien sind am
zahlreichsten (u.a. 2 Auszählflächen). Die Korallen sind häufig leicht gewellt und zeigen randlich eine deutliche
Ausdünnung. Viellappige, häufig aufstrebende Wuchsform sind verbreitet. Die massigen Korallen zeigen schüssel-
bis kegelförmige Wuchsformen mit häufig ebenen Oberseiten. Übergänge in fladigen Wuchs sind häufig. Die größten
Korallen sind, bei massigem Wuchstyp und horizontaler Kolonieausrichtung, an den höchst gelegenen Bereichen des
Relief entwickelt. Nur in den tiefsten und höchsten Bereichen diese Reliefs sind Stöcke von Stylosmilia,
Donacosmilia, Calamophylliopsis, Thecosmilia und pseudoramose Thamnasterien beobachtbar. Die ästigen
Korallenstöcke sind verbreitet umgestürzt (v.a. Calamophylliopsis), teilweise sogar kopfüber angeordnet
(Stylosmilia). Die Stockdurchmesser erreichen 10-90 cm.
Mikrobielle Krusten sind häufig, örtlich treten weitere Organismen (Solenoporaceen, Austern, Brachiopoden) in
größeren Volumen auf (vgl. auch KABELAC 1955). Das Wachstum mikrobieller Krusten ist durchgehend an Korallen
gebunden bei Anteilen von schätzungsweise 10 bis 30 %. Der Anteil an mikrobiellen Krusten ist aufgrund der
kontrastarmen stark umkristallisierten Grundmasse jedoch schwer zu bestimmen. Im Bereich lateral von Riff IS 4 ist
am Abschluß der Korallenkalke, im Bereich mikritdominierter Fazies, eine reliefierte, scharf ausgebildete
Diskontinuitätsfläche (Topographie bis 2 m) mit kleine Mulden bzw. Rinnen bis 50 cm Tiefe zu beobachten. An einer
vergleichbaren Diskontinuitätsfläche (Relief von 5-6 m) im obersten Korallenkalk in Steinbruch II, sind Lagen
massiger Korallen (u.a. Actinastrea, Comoseris) und gehäuft größere ästige Korallenstöcke anzutreffen. Örtlich sind
linsenförmige Crinoiden-Grainstones vorhanden. Im Bereich Istein II folgen über dem Korallenkalk Onkoid-
Floatstones.
Riffbesiedler: Muscheln (u.a. pectinide Muscheln, Plagiostoma, Trichites), Austern und Serpeln sind häufig,
Kalkschwämme, Bryozoen und thecideidiniden Brachiopoden verbreitet. Chaetetiden sind vereinzelt. Austern bilden
örtlich voluminöse Überzüge. Fleckenartige Aufwüchse von Lithocodium und Bacinella sind verbreitet, Tubiphytes
tritt vereinzelt auf.
Riffbewohner: Als Riffbewohner sind insbesondere Seeigel (u.a. Paracidaris florigemma, Hemicidaris) häufig,
kleinwüchsige Gastropoden sind verbreitet. Terebratulide Brachiopoden und Crinoidenbruchstücke sind häufig,
Trichites ist bereichsweise vorhanden.
83

Riffabbauer: Als Riffabbauer sind insbesondere Bohrmuscheln und Bohrschwämme, vereinzelt auch Troglotella und
Mikroorganismen vorzufinden. Die Zerbohrung des Riffbildner ist gering bis stark mit starken örtlichen
Unterschieden. Die ästigen Korallenkolonien zeigen allgemein eine meist geringe Zerbohrungsrate, vorwiegend durch
Bohrschwämme. Massive Kolonien zeigen hingegen wechselnde Zerbohrungsraten durch Bohrmuscheln und
Bohrschwämme, bei einem Überwiegen der Bohrschwämme. Stark zerbohrte, massive Korallenkolonien sind
vereinzelt. Solenoporaceen und mikrobielle Krusten zeigen nur teilweise kleinvolumige Zerbohrungen durch v.a.
Bohrmuscheln.
Grundmasse: Bioklastische Mudstones bis Bioklast-Wackestones (Floatstones) in kleinräumigem Wechsel
kennzeichnen die Riffgrundmasse. Örtlich sind lagen bis linsenförmige, bioklastreiche Faziestypen (Echinodermen-
Wacke-/Packstones; Muschelschalen-Austernschalen-Rudstones) ausgebildet. Peloide sind verbreitet örtlich auch
vorherrschend (Peloid-Wacke-/Packstones). Bereichsweise sind Onkoide zu beobachten.

3.8 Beschreibung der Riffkörper von Arnegg

Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen-Fazieseinheit

Schwach bioklastisches, tuberolithisches Kieselschwamm-Mikrobolith-Microsoleniden-Mittelbiostrom AM I 1


(vgl. Kap. 2.3.1; Abb. 13, 44; Tab. 1)

Topographie des Untergrund: Die Basis der korallenführenden Faziestypen bildet das kuppelförmige Relief der
liegenden Fazieseinheit. Der Riffkörper zeigt keine scharfe Basisbegrenzung sondern entwickelt sich allmählich aus
der liegenden Mikrobolith-Kieselschwamm-Riffassoziation.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Mittelbiostrom geht aus dem liegenden Mikrobolith-Kieselschwamm-Boundstones
durch das Einsetzen von riffbildenden Korallen vor. Das Gefüge ist der liegenden Mikrobolith-Kieselschwamm-
Fazieseinheit sehr ähnlich. Das Gestein zeigt massiges, verbundenes Boundstonegefüge mit intern lagigen
Absonderungsgefügen. Mikrobielle Krusten dominieren insgesamt als Hauptriffbildner (20-70 %/m2), gefolgt von
Kieselschwämmen und Korallen. Bei den Mikrobolithen dominieren Thrombolithe mit v.a. klumpig-peloidalen,
untergeordnet mit strukturarmen oder lagigen Typen. Die Wuchsformen sind massig-polsterförmig bis massig-
aufstrebend. Örtliche Stromatolithe sind meist peloidal und weisen häufig arenitische Komponenten auf (peloidaler
bis agglutinierender Stromatolith). Die Form der Stromatolithe ist meist massig-polsterförmig, seltener aufstrebend
bis säulig. Beide Krustentypen zeigen Übergänge und überwachsen sich sowohl gegenseitig als auch die anderen
Riffbildner. Bevorzugt dienen hier Kieselschwämme als Substrat. Häufig durchziehen sehr dünne, dicht-mikritische,
z.T. sehr unregelmäßige Säume das Sediment, die von mikrobiellen Filmen herrühren. Unterstützt wird dieser Befund
durch das häufige Auftreten stromatactisartiger Hohlräume direkt unterhalb dieser Mikritsäume. Die Entstehung
solcher Hohlräume wird durch das Auswaschen von unverfestigtem Sediment unter mikrobielle verfestigten Lagen
erklärt bei denen anschließend Material der Hohlraumdecke nachrieselt (vgl. PRATT 1982). MATYSZKIEWICZ (1993)
beschreibt vergleichbare Strukturen aus dem Oberjura von Südpolen. Rezent beschreiben MESSING et al. (1990)
stromatactisartige Hohlräume aus einem „Tiefwasser-Lithoherm“ in der Straße von Florida. Große sparitische
Hohlräume sind durch das Weglösen von Organismen (wohl v.a. primär aragonitische Korallen) zu erklären.
Zusätzlich können einige Hohlräume auf hangabwärts gerichtete, kriechende Sedimentbewegungen zurückgeführt
werden, wie sie häufig an karbonatischen Hangbereichen zu beobachten ist (CONIGLIO & DIX 1992, COLLINSON
1994). Hierfür sprechen auch die häufigen, verkippten bis inversen geopetalen Gefüge. Die Kieselschwämme zeigen
überwiegend fladige bis tellerförmige, untergeordnet becherförmigen Wuchs. Der Anteil von hexactinelliden und
lithistiden Kieselschwämme entspricht sich ungefähr. Die Kieselschwämme sind in allen möglichen Orientierungen
zu beobachten. Es ist meist eine parallele bis leicht schräge, teilweise auch senkrecht zur allgemeinen
Schichtlagerung angeordnete Orientierung der Schwammindividuen zu beobachten, die ein kleinräumiges Relief der
Paläohangfläche bezeugt. Röhrenförmige Kieselschwämme sind stets umgestürzt.
84

Die Erhaltung der Kieselschwämme ist unterschiedlich und reicht von vollständig erhaltenen Skeletten bis hin zu total
zersetzten Exemplaren, die sich lediglich als Umrisse im Sediment abzeichnen und deren Volumen durch mikrobielle
Krusten ersetzt wurde („Schwammumien“ nach FRITZ 1958). Der Anteil am Gesteinsvolumen pro m2 beträgt ca. 10-
20 %, an den Riffbildnern ca. 15-30 %. Kieselschwämme werden häufig von den anderen Riffbildnern überwachsen -
sie selbst bewachsen häufig mikrobielle Krusten, selten jedoch Korallen.
Korallen treten zu Beginn ihres Erscheinens vereinzelt mit allochtonen ästigen und solitären Wuchsformen
(Thecosmilia, Montlivaltia) und sehr dünnfladigen durchgehend thamnasteroiden Wuchstypen (Thamnasteria2,
Dimorpharaea, Actinaraea, Microsolena, Fungiastrea2) und Bruchstücken weiterer ästiger Korallengattungen
(Enalhelia, Calamophylliopsis) auf. Besonders Thecosmilia-Bruchstücke sind häufig. Dünnfladiger bis tellerförmiger
Wuchs ist allgemein verbreitet. Thamnasteria tritt in der Regel inkrustierend auf. Einige Thamnasteria-Kolonien
zeigen fladig-wellige Wuchsform. Es zeigen sich Durchmesser von 10 bis 30 cm, im Maximalfall 47 cm. Als Substrat
dienen dabei v.a. abgestorbene, verhärtete Kieselschwämme und mikrobielle Krusten. Die Ausrichtung der flächigen
Korallenkolonien ist uneinheitlich. Meist liegen sie in etwa parallel zur Paläohangoberfläche, häufig sind sie auch
entgegengesetzt geneigt oder teilweise senkrecht ausgerichtet, ein örtliches Kleinrelief der Riffoberfläche
nachzeichnend oder Sedimentbewegungen bezeugend. Die Korallen stellen 0-10 %/m2 des Riffbildnervolumens. Die
Kolonien weisen verbreitet einen dünnen bis unregelmäßigen Bewuchs von stromatolithischen bis seltener
thrombolithischen Krusten auf.
Wenige Meter seitlich zeigen sich im gleichen Niveau grobklastische, brekziöse Gesteine (Tuberoid-Intraklast-Float-
/Rudstones) mit einer ähnlichen Riffbildnerassoziation. Bei den massiven Korallen (microsolenide Korallen, Cyathophora)
sind vollständige Kolonien und kleinere Korallenbruchstücke häufig, wenig zerbrochene Kolonien sind verbreitet. Bruch-
stücke ästiger Korallen (Thecosmilia, Calamophylliopsis, Latiphyllia?) sowie liegende unzerbrochene Einzelkorallen
(Montlivaltia) sind verbreitet. Ihr Anteil an der Gesamtfauna ist mit Ausnahme von Thecosmilia jedoch gering. Montlivaltia
ist auf massiven Korallen aufwachsend auch in Lebensstellung erhalten. Zum Hangenden zeigt sich ein ansteigender Gehalt
an zunehmend gröberen Klasten. In der gleichen Richtung zeigen Korallen einen steigenden Anteil mit in den oberen
Bereichen vereinzelt auftretenden massigen Wuchstypen (Cyathophora).
Riffbesiedler: Riffbesiedler sind insbesondere Muscheln (v.a. Aequipecten, Plagiostoma) gefolgt von Brachiopoden
(u.a. Terebratula pectunoculoides); weniger häufig sind Austern (u.a. Nanogyra, Lopha) und Crinoiden (meist
Bruchstücke, z.T. auch Wurzelstöcke). Serpeln sind verbreitet, Bryozoen bilden teilweise durchgehende Inkrustationen
auf Korallen oder Schwämmen. Weiter sind Bruchstücke von Echinodermen, Neuropora, Kalkschwämmen und
thecideidiniden Brachiopoden vorzufinden. Terebella, Tubiphytes und nubeculariide Foraminiferen sind im Bereich der
mikrobieller Krusten häufig bis sehr häufig, in der Grundmasse oft auch bruchstückhaft überliefert. Tubiphytes besiedelt
Hartsubstrate häufig in Form knäuelförmiger Aggregate. Bemerkenswert ist das häufige, meist bruchstückhafte
Auftreten von Koskinobullina. In den jüngeren Bereichen wenige kleinwüchsige Chaetetiden (Pseudochaetetes) sowie
Lithocodium auf Korallenoberflächen siedelnd vorhanden.
Riffbewohner: Cidaroide Seeigelstachel sind häufig, Gastropoden sind verbreitet bis vereinzelt. Örtlich sind
unverzweigte Grabspuren bis 1,5 cm Durchmesser von Thalassinoides zu beobachten.
Riffabbauer: Es sind v.a. Bohrmuscheln, weniger Bohrschwämme, die Korallen und Kieselschwämme meist gering
bis mittelstark zerbohren. Korallen zeigen teils auch erhöhte Zerbohrungsraten durch Bohrschwämme.
Grundmasse: Die Grundmasse besteht, bei sehr unregelmäßigen und unscharfen Übergängen, aus mehr oder weniger
bioklastreichen, spiculithischen Wackestones mit lagigen bis unregelmäßigen verteilten Einschaltungen von Peloiden
und Tuberoiden. Allgemein häufig sind Foraminiferen (Lenticulina, Subdelloidina, Vinelloidea, Textularia, Bulbo-
phragium, Trocholina). Häufig sind unregelmäßige, stromatactisartige Sparithohlräume mit pelitischem bis arenit-
ischem Internsediment (s.o.). Zusätzlich sind auch Schirmporen im Schutze von Organismenskeletten zu beobachten.
Bioklastisches Lithistiden-Microsoleniden-Kleinbiostrom AM II 1
(vgl. Kap. 2.3.2; Abb. 13, 44; Tab. 1)
85

Topographie des Untergrunds: Mit 12-16° geneigte Oberfläche der liegenden Diskontinuitätsfläche die
Faziesuntereinheiten AM I und AM II voneinander trennt (vgl. Kap. 2.3.2).
Rifform: Aufgrund der eingeschränkten räumlichen Aufschlußverhältnisse lassen sich Riffdurchmesser von einigen
Metern bis vielleicht Dekametern vermuten. In Steinbruch II sind in diesem Bereich nur kleinere Ansammlungen und
Lagen von Korallen und Kieselschwämme ausgebildet. Die Mächtigkeit beträgt 1-2 dm.
Riffaufbau und Riffgefüge: Es handelt sich um vorwiegend geschlossene Kieselschwamm-Korallen-Platestones, die
vereinzelt auch umgestürzte Becherschwämme aufweisen. Der Riffbildneranteil beträgt ca. 20-40 % am Riffvolumen
bei etwa gleichem Anteil der Hauptriffbildner. Die Kieselschwämme zeigen fladige bis tellerförmige Wuchsform und
sind in etwa parallel zur Riffbasis angeordnet, vereinzelt auch schräg dazu. Die Korallen siedeln meist inkrustierend
auf Kieselschwämmen, z.T. aber auch direkt auf klastischen Sedimentflächen. Es dominieren microsolenide
Gattungen (Actinaraea, Dimorpharaea); weiter zu nennen ist Thamnasteria. Die Wuchsformen sind dünnfladig bis
fladig, selten dickfladig. Örtlich zeigen Kolonien (Actinaraea?) stapelförmigem, nichtumhüllenden Wuchs.
Latiphyllia-Bruchstücke sind vereinzelt.
Riffbesiedler: Vor allem Tubiphytes und örtliche Aufwüchse von mikrobiellen Krusten, Austern, Chaetetiden und
Bryozoen. Außerdem sind Bruchstücke von Terebella, Neuropora und Koskinobullina festzustellen.
Grundmasse: Die stark bioklastische Grundmasse wird von spiculithischen, tuberoidischen bis peloidalen
Komponenten dominiert (spiculithische Tuberoid-Peloid-Wacke-/Pack/-Floatstones). Als Bioklasten sind zusätzlich
Tubiphytes- und Terebella-Bruchstücke häufig.

Bioklastische, chaetetidenführende Microsoleniden-Lithistiden-Isastrea-Klein-/Mittelbiostrome AM II 2 I-III


(vgl. Kap. 2.3.2; Abb. 13, 44; Taf. 10; Tab. 1)

Topographie des Untergrund: 6-8 m über der Basis von Faziesuntereinheit AM II (Steinbruch Ia) treten in lockerer
vertikaler Abfolge mehrfach Riffkörper dieses Typs in mittlerer Hangposition auf. Die Biostrome bildeten sich auf
bioklastischem Untergrund bei Neigungen um 25°. Insgesamt sind mindestens drei gleichartige, durch dezimeterdicke
Schuttbänke getrennte Biostrome zu beobachten, die zum Zentrum des Riffkomplexes auskeilen. Hangabwärts
verschwinden die Riffkörper in der Steinbruchsohle oder unter Hangschutt und sind somit nicht zu verfolgen.
Rifform: Es handelt sich um im Querschnitt flach linsenförmige, biostromale Riffkörper mit Durchmessern von
ungefähr 5-10 m und Mächtigkeiten bis 40 cm.
Riffaufbau und Riffgefüge: Es sind durchgehend geschlossene Platestonegefüge ausgebildet. Der Riffbildneranteil
am Riffvolumen beträgt ungefähr 20-35 %. Bei den Riffbildnern dominieren Korallen (ca. 70 %) vor
Kieselschwämmen. In Riffhohlräumen sind örtlich mikrobielle Krusten vorhanden. Die Korallen sind, bei
Durchmessern von 25-35 cm, meist fladig bis dünnfladig mit teller- bis diskusförmigen sowie randlich getreppten
Wuchsformen. Vereinzelt sind auch massig-unregelmäßige Kolonien vorhanden. Es dominieren microsolenide
Korallen (Dimorpharaea, Actinaraea, Microsolena?, Fungiastrea). Die größten Exemplare stellt die Gattung Isastrea
(bis 25 cm Durchmesser). Die Korallen siedeln häufig auf größeren Bioklasten, teilweise auf Kieselschwämmen.
Bemerkenswert ist das meist randlich gehäufte an- bis zerbrechen der fladigen Korallen. Bruchstücke ästiger und
solitärer Korallen (Thecosmilia, Latiphyllia, Cladophyllia?, Montlivaltia) sind vereinzelt. Bei den Kieselschwämmen
dominieren fladige lithistide Formen, vereinzelt sind jedoch auch hexactinellide Exemplare festzustellen. Die
Schwämme siedeln auf Bioklasten und teilweise auf Korallen. Vereinzelt besiedeln auch hexactinellide Typen
Korallen.
Riffbesiedler: Bemerkenswert ist das Vorhandensein und die vergleichsweise große Häufigkeit von flächig
inkrustierenden Chaetetiden bis 27 cm Durchmesser und 4 cm Dicke. Kleinvolumige thrombolithische Krusten
besiedeln teilweise Hohlräume im Riffbildnergefüge. Die Thrombolithe zeigen häufig mit klastischem Material
gefüllte kleine Hohlräume. Verbreitet sind Aufwüchse von Austern, Serpeln, Tubiphytes und Bryozoen. Innerhalb der
mikrobiellen Krusten ist Terebella zu beobachten. Exemplare von Koskinobullina sind vereinzelt, Bruchstücke von
Neuropora und Kalkschwämmen sind verbreitet.
86

Riffbewohner: Bemerkenswert sind kleinwüchsige Exemplare von Trichites sp..


Riffabbauer: Teilweise sind Korallenkolonien sehr stark zerbohrt. Ansonsten zeigen sich mittlere Zerbohrungsraten
durch Bohrmuscheln, untergeordnet durch Bohrschwämme. Besonders kennzeichnend sind größere, unregelmäßige
Hohlräume, die häufig mit Sediment gefüllt oder von Serpeln besiedelt sind und vielleicht auf Bohrorganismen (vgl.
Kap. 5.3.11) zurückzuführen sind.
Grundmasse: Die Grundmasse besteht direkt um die Korallen aus teilweise peloidalen, spiculithischen Bioklast-
Wackestones (Floatstones). Diese kalkigen Faziestypen sind in eine grünliche, tonig-mergeligen Matrix eingebettet.
Diese Matrix scheint postdiagenetischen Ursprungs zu sein, da sie nur auf den Riffkörper begrenzt ist und sich in
ähnlichen Riffgefügetypen der Korallen-Fazieseinheit mehrfach wiederfindet.

Bioklastische Mikrobolith-Korallen-Kieselschwamm-Mittelbioherme AM II 3 I+II


(vgl. Kap. 2.3.2; Abb. 13, 32, 44; Taf. 10; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Riffkörper liegen im Bereich des mittleren Riffhanges. Die Riffbasen sind nur
unzureichend (Riff 3 I) oder gar nicht aufgeschlossen (Riff 3 II). Die umgebenden gebankten Gesteine und riffintern
ausgebildete Gesteinsfugen lassen eine Neigung der Riffbasen zwischen 10 und 15° nach NNE vermuten.
Rifform: Riff 3 I ist bis auf die untersten Bereiche im vollständigen Querschnitt aufgeschlossen. Von Riff II 2 sind
nur wenige Bereiche des mittleren Riffabschnittes und die obersten Bereiche zugänglich. Es zeigen sich
kuppelförmige Querschnitte mit einem Basisdurchmesser von ungefähr 10 m und Mächtigkeiten von ca. 7-9 m (Riff 3
I). Ein bereits zur Bildungszeit von Riff 3 I vorhandenes biohermales Relief bis ungefähr 5 m wird durch steil
einfallende, der nördlichen Rifflanke auflagernde Schuttbänke bezeugt.
Riffaufbau und Riffgefüge: Das Gesteinsgefüge ist allgemein massig mit einigen weitständigen Gesteinsfugen. Bis
auf die Basis von Riff 3 I sind bei beiden Riffkörpern ansonsten durchgehend Boundstones mit im Laufe der
Riffentwicklung wechselndem Gefüge zu beobachten. Die Riffbildner setzen sich aus mikrobiellen Krusten, Korallen
und Kieselschwämmen mit im Laufe der Riffentwicklung schwankenden Anteilen zusammen. Vor allem die
Korallen, aber auch die mikrobielle Krusten zeigen im Laufe der Riffentwicklung eine Diversifikation der
Wuchsformen. Riff 3 I zeigt eine vertikale Sukzession von Riffbildnerassoziationen. Die Riffbasis (Riffabschnitt 3 Ia)
bilden 2-3 m chaetetidenführende Korallen-Kieselschwamm-Platestones gefolgt von 5-6 m Korallen-Kieselschwamm-
Mikrobolith-Mixstones (Riffabschnitt 2 Ib).
Riffabschnitt 3 Ia: Fladige Korallen (Isastrea, Dimorpharaea, Actinaraea, Fungiastrea2, Microsolena, Synastrea)
dominieren mit ca. 60-80 % die Riffbildnerfauna. Es folgen Kieselschwämme und Bruchstücke von ästigen oder von
Einzelkorallen (Thecosmilia, Latiphyllia, Montlivaltia). Örtlich können alle Hauptriffbildner vorherrschen. Vereinzelt
bis verbreitet sind fladig-inkrustierende Aufwüchse von Chaetetiden (Pseudochaetetes) oder thrombolithischen
Krusten. Die thrombolithischen Krusten wachsen dabei nur in Riffhohlräumen. Die Korallen zeigen meist
Durchmesser bis 30 cm, selten bis 40 cm; die Schwämme bis 25 cm. Die Organismen sind überwiegend etwa parallel
zur Sedimentoberfläche eingeregelt. Bruchstücke aller Rifforganismen, v.a. von Kieselschwämmen, sind häufig. Der
Volumenanteil der Riffbildner liegt bei ca. 15-25 %/m2. Das Gefüge zeigt in den jüngsten Riffabschnitten meist freie,
weniger geschlossene, stark bioklastische Platestones, die zum Hangenden zunehmend geschlossene Gefüge
aufweisen.
Riffbereich 3 1b: In diesem Riffabschnitt herrschen in Bezug auf das Riffbildnervolumen mikrobielle Krusten in
vielen unterschiedlichen Gefügetypen vor, bei jedoch hohem Anteil von Korallen und Kieselschwämmen. Es sind
enge gegenseitige Wuchsbeziehungen aller Riffbildner und ein ungerichtetes Mixstonegefüge ausgebildet. Der Anteil
der einzelnen Krusten ist wechselhaft mit insgesamt größter Häufigkeit von Thrombolithen, gefolgt von
Stromatolithen und Aphaniten. Die Thrombolithe zeigen klumpiges bis strukturarmes Gefüge. Die Stromatolithe sind
meist strukturarm, seltener agglutinierend. Örtlich sind innerhalb und im Bereich der Stromatolithe ooidische
Komponenten (vgl. Kap. 2.3.2, 4) zu beobachten. Aphanite sind verbreitet, örtlich dominierend. Alle Gefügetypen
87

zeigen enge Wuchsbeziehungen bis Übergänge und bilden örtlich wohl größervolumige Einheiten mit nur
untergeordnet anderen Riffbildnern.
Korallen zeigen vorherrschend fladige oder unregelmäßige. Mit abnehmender Häufigkeit folgen dünnfladige,
massige, ästige Wuchsformen. Die beobachteten Gattungen sind Actinaraea, Calamophylliopsis, Convexastrea,
Dermoseris, Dimorpharaea, Diplaraea, Enalhelia, Fungiastrea2, Isastrea, Latomeandra, Microsolena, Montlivaltia,
Synastrea?, Thamnasteria und Thecosmilia. Die Durchmesser der massiven Kolonien liegen meist unter 1 dm, bei
uneinheitlicher, meist horizontaler bis schräger Orientierung. Fladige Kolonien sind häufig zerbrochen. Korallen
wachsen häufig auf Mikrobolithen oder werden von diesen wiederum überwachsen. Oft entstehen durch gegen-
seitigen Überwuchs kleine, mit Palisadenzementen ausgekleidete Hohlräume. Die jüngsten Bereiche zeigen wieder
eine Steigerung des arenitischen Schuttanteils und das Auftreten ästigen Korallen (Latomeandra).
Kieselschwämme sind, bei wechselnden Anteilen und guter Überlieferung, durchgehend vorzufinden. Hexactinellide
und lithistide Typen zeigen vergleichbare, örtlich jedoch wechselhaft Anteile. Der Wuchstyp ist durchgängig fladig.
Inkrustierende Exemplare sind häufig. Die Orientierung der Schwammindividuen ist entsprechend den Korallen (s.o.)
uneinheitlich. Riff 3 II zeigt in den obersten Bereichen ein massiges thrombolithisches Gefüge mit sehr lockeren

Abb. 32: Aufschlußskizze von Riff AM II 3 I und II im zentralen Teil von Steinbruch Ia (Arnegg)

Geästen von Enalhelia und sehr stark zersetzten, meist unkenntliche Korallen (Microsolena, Dermoseris?). Der
Krustenanteil an den Riffbildnern beträgt ca. 85-95 %. Bei den Schwämmen überwiegen die lithistiden Typen. Es
sind ausschließlich fladige bis tellerförmige Wuchstypen ausgebildet die meist allseitig von mikrobiellen Krusten
umgeben sind. Häufig treten unregelmäßig wellige, inkrustierende Wuchsformen auf.
Riffbesiedler und Riffbewohner: Innerhalb der Mikrobolithe (v.a. der Thrombolithe) ist Tubiphytes häufig. Es
folgen Terebella, Bryozoen, Neuropora, Kalkschwämme, Serpeln und Austern. In AM II 3 I nehmen Austern örtlich
größere Volumen ein. Pectinide Muschel und Brachiopoden sind verbreitet. Bemerkenswert sind großvolumige
Röhren eines vermeintlichen Polychaeten (vgl. Kap. 5.3.6). Koskinobullina ist häufig, Lithocodium ist vereinzelt zu
beobachten. Seeigelstacheln, Crinoidenbruchstücke und Gastropoden sind häufig. In der flankierenden
Riffschuttfazies von AM II 3 I zeigt sich Trichites. Die häufigen auftretenden Peloide sind wahrscheinlich
mikrobiellen Ursprungs (Autopeloide). Spicula, als Zerfallsprodukte von Kieselschwämmen, sind häufig.
Riffabbauer: Es zeigen sich niedere bis mittlere, vereinzelt auch höhere Zerbohrungsraten von Bohrmuscheln und
Bohrschwämmen bei etwa gleichen Anteilen. Am stärksten sind Korallen zerbohrt. Kieselschwämme zeigen nur
geringe Zerbohrungsraten, mikrobielle Krusten sehr geringe. Insgesamt steigt die Zerbohrung von Riffabschnitt 2 I zu
II 2 an bei intern uneinheitlicher Verteilung.
Grundmasse: Nach einer von klastischen Sedimenten gekennzeichneten Basis aus korallenführende Bioklast-
Packstones die zum Hangenden zunehmende Korallenführung aufweisen (aus korallenführende Bioklast-Packstones
88

bis stark bioklastische Korallen-Platestones), überwiegen ab ungefähr 2-3 m über der Biohermbasis (AM II 3 Ib)
Boundstonegefüge mit einzelnen größeren klastischen Volumen. Es sind, bei uneinheitlicher Verteilung, v.a.
spiculithische und tuberoilithische Peloid/Bioklast-Wacke-/Float- bis Rudstones verbreitet mit einem hohem Anteil
ruditischer Komponenten. Tuberoide sind verbreitet. Immer wieder eingestreut sind feinarenitische, ooidische
Komponenten. Verkippte Geopetalgefüge und drusige Hohlräume sind häufig.

Kavernöses, kieselschwammführendes Thrombolith-Mittelbioherm AM II 4


(Abb. 13, 44; Taf. 10, 11)

Topographie des Untergrunds: Die Riffbasis (im zentralen Teil des Riffkomplexes gelegen) ist in etwa horizontal
Rifform: Bei einer Basislänge von mindestens 15 m und einer Mächtigkeit von ungefähr 3 m zeigt der
stratigraphische Riffkörper einen massigen bis linsenförmigen Querschnitt. Die Grenze zum Liegenden ist scharf. Im
Liegenden sind kieselschwamm- und korallenführende Bioklastkalke mit einzelnen Ansammlungen von korallen und
Kieselschwämmen vorhanden. Die Hangendgrenze ist nicht zugänglich.
Riffaufbau und Riffaufbau: Das Gesteinsgefüge ist massig bei durchgehend verbundenem Boundstonegefüge. Als
Riffbildner dominieren mikrobielle Krusten, gefolgt von Kieselschwämmen. Es herrschen lagige bis strukturarme
Thrombolithe vor (80-95 %), die verbreitet Übergänge in mikritische bis peloidale Stromatolithe zeigen. Die
Wuchsform der thrombolithischen Krusten ist, nachgezeichnet durch Tubiphytes und eisenoxidische Säume sowie
leichte Farbunterschiede, derb aufdringend bis örtlich säulig bei unregelmäßiger Oberflächenstruktur. Krustenintern
sind kleinräumige, unregelmäßige, sparitisch gefüllte Hohlräume vorhanden. Innerhalb des massigen
Thrombolithgefüges sind größere, scharf begrenzte Hohlräume bis 23 cm Durchmesser vorhanden. Innerhalb der
Riffhohlräume sind agglutinierender Stromatolithe bis lagige Ooid-Peloid-Pack-/Grainstones (vgl. Kap. 4.2.3; s. Taf.
11) ausgebildet. Den Hohlraumcharakter beweisen neben den allseitigen, glattflächigen Faziesgrenzen und den
deutlichen Gefügeunterschieden, sedimentfreie sparitisch verfüllte „Kappen“ der Hohlraumsedimente (s. Taf. 11).
Neben Tubiphytes ist v.a. Terebella häufig mit den mikrobiellen Krusten vergesellschaftet.
Kieselschwämme zeigen geringe Anteile (5 %). Es überwiegen lithistide Schwämme, die tellerförmige bis fladige
Wuchsformen ausbilden und vollständig von Mikrobolithen umgeben sind. Teilweise sind nur die Umrisse der
Schwammindividuen zu beobachten. Die Ausrichtung der Schwammkörper ist uneinheitlich, oft annähernd senkrecht.

Korallen-Fazieseinheit

Bioklastische Isastrea-Microphyllia-Mittelbiostrome AK I 1
(vgl. Abb. 2.3.2; Abb. 13, 44; Taf. 10; Tab. 1)

Topographie des Untergrundes: Nach NNE geneigter Bereich des mittleren Hanges mit einem Schichtfallen
zwischen 28 und 12°.
Rifform: Von 1-2 m im oberen Teil des mittleren Hanges nach distal (Übergang zum unteren Hang) auf wenige
Dezimeter Mächtigkeit abnehmende biostromale Riffkörper. Die Basislänge beträgt mehrere Meter bis meist Dekameter.
Riffaufbau und Riffgefüge: Die Biostrome zeigen verbundenes Boundstonegefüge. Vor allem im oberen Teil des
mittleren Hanges ist durch die direkte „Stapelung“ einzelner ökologischer Biostrome zu einem stratigraphischen
Bioherm (vgl. Kap. 6.1) ein vertikal durchgehendes, verbundenes Korallengefüge von 15-20 m zu beobachten. Zu den
tiefer gelegenen Hangabschnitten hin zunehmend zeigen sich zum Hangenden der Biostrome abrupte Übergänge in
bioklastisch dominierte Faziestypen. Hangabwärts ist gleichfalls ein vermehrtes seitliches Auskeilen der Biostrome
zu beobachten (vgl. Taf. 11). Der Korallenanteil am Gesteinsvolumen liegt bei ca. 25-50 %. Die Zusammensetzung
der Biostrome ist niederdivers bei der Dominanz der beiden großkelchigen, ceroiden bzw. määndroiden Gattungen
Isastrea und Microphyllia. Diese beide Gattungen zeigen allgemein die größten Kolonien mit Durchmessern von 5-
120 cm beim Vorherrschen von Durchmessern zwischen 15 und 60 cm. Begleitend sind meist im Vergleich
kleinwüchsigere Korallen der Gattungen Cyathophora, Comoseris, Actinaraea, Pseudocoenia, Thamnasteria
89

Synastrea2 anzutreffen. Das Auftreten von Comophyllia ist fraglich. Bezogen auf die Wuchsform herrschen massige
bis halbkugelförmige vor. Fladige Wuchstypen sind untergeordnet ausgebildet und nur bei juvenilen Kolonien mit
kleineren Durchmessern häufig. Ästige Kolonien sind durch Bruchstücke vom Dermosmilia, Latomeandra, und
Thecosmilia vertreten. Die Größe der Kolonien zeigt im zentralen Teil des mittleren Hanges Höchstwerte und nimmt
nach außen hin ab. Die massigen Wuchsformen zeigen an der unteren Hemisphäre meist rundlich-bauchige
Hohlformen, welche Umrisse der überwachsenen, älteren Korallengeneration darstellen. Die Artenzahl und die
Abundanz der einzelnen Arten zeigt innerhalb der gesamten Faziesuntereinheit keine nennenswerten Abänderungen.
Riffbesiedler: Es sind insbesondere pectinide Muscheln, weniger Austern und Serpeln als Aufwüchse auf Korallen
festzustellen. In den jüngsten, topographisch höchsten Bereichen sind innerhalb kleinerer Korallenansammlungen
Aufwüchse von Lithocodium aggregatum und Pseudochaetetes polyporus zu beobachten.
Riffabbauer: Als Riffabbauer überwiegen Bohrmuscheln mit Anteilen von meist 70-90 % des zerbohrten Volumens,
gefolgt von Bohrschwämmen und vereinzelten Individuen von Troglotella. Die Zerbohrungsrate ist gering bis stark
bei meist geringen bis mittleren Werten. Die Bohrlöcher befinden sich vorwiegend in randlichen Koloniebereichen.
Grundmasse und klastische Faziestypen: Die Grundmasse der Biostrome entspricht den umgebenden
bioklastischen Faziestypen. Distale, geringmächtige Biostromabschnitte im unteren Abschnitt des mittleren Hanges
zeigen eine tonig-mergelige, grün-graue Grundmasse. In den umgebenden bioklastischen Faziestypen dominieren
vereinzelte fladige Korallen mit hangabwärts abnehmendem Anteil (ca. 0 bis 20 %/m2). Außerdem sind kleinere
Korallenansammlungen im Bereich von einigen Dezimeter Durchmesser verbreitet. Es herrschen microsolenide
Korallen vor, Isastrea und Microphyllia sind verbreitet. Die Wuchsformen der microsoleniden Korallen meist sind
fladig bis z.T. dünnfladig, oft verdicktem Zentralteil (diskusförmig). Isastrea und Microphyllia zeigen meist
dickfladige bis selten massige Wuchsformen. Auffällig ist die häufige Ausbildung ebener Kolonieoberseiten in den
bioklastischen Bereichen. Einzelkorallen (Montlivaltia) sind als Bruchstücke vereinzelt. Die bioklastischen
Sedimentkörper zeigen nach distal eine allgemeine Zunahme der Mächtigkeit.

Bioklastische Korallen-Kleinbiostrome bis Riffknollen AK II 1


(vgl. Kap. 2.3.2; Abb. 13, 44; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Im Bereich des mittleren Hanges mit Neigungen zwischen 4 und 13° nach NE. Rifform:
Die Basislänge der Kleinbiostrome überschreitet 2-3 m nicht. Die Riffknollen haben Durchmesser zwischen 0,5 und 1 m.
Riffgefüge und Riffaufbau: Die Riffkörper treten innerhalb einer Folge korallenführender, mitteldick- bis dickgebankter
Korallen-Float-, Packstones (Rudstones) auf Es ist ein kleinräumiger Wechsel von Einzelkolonien, Korallenlagen,
Korallenansammlungen bis maximal Kleinbiostromen/Riffknollen festzustellen. Nur örtlich ist gegenseitiger Aufwuchs
feststellbar. Bei mittlerer Diversität treten die Gattungen Microphyllia, Cyathophora, Actinaraea, Thamnasteria,
Microsolena2, Isastrea, Dimorpharaea und Meandrophyllia auf. Die Kolonien zeigen meist fladige bis massige, seltener
unregelmäßige Wuchstypen. Örtlich zeigt Thamnasteria concinna Übergänge in ramosen Wuchs. Massig-kugelförmige
Wuchsformen und gegenseitiger Bewuchs von Korallen sind häufig. Daraus resultierend zeigen die Kolonien häufig an der
Koloniebasis konkave Hohlformen welche die Umrisse der überwachsener Kolonien darstellen. Es ist eine deutliche
Zunahme der massigen Wuchsform mit ansteigendem Koloniealter festzustellen. Juvenile Kolonien (teilweise bis 1,5 cm
Durchmesser) zeigen fladig-diskusförmigen Wuchs und sind oft frei im Sediment anzutreffen. Bei diesen Kolonien handelt
sich meistens um microsolenide Korallen. Die Koloniedurchmesser liegen zwischen 1,5 cm und 80 cm, wobei 70-90 % der
Kolonien zwischen 8 und 40 cm liegen. Die massigen Kolonien zeigen überwiegend Durchmesser von 15-30 cm. Die
flächigen bis massigen Kolonien sind meist (insbesondere mit zunehmender Größe) parallel zur Bankung (entspricht etwa
der Paläohangfläche) angeordnet. Einzelkorallen (Montlivaltia, Diplaraea, Axosmilia?) und ästige Korallen (Dermosmilia,
Goniocora/ Stylosmilia, Latomeandra, Latyphyllia, Thecosmilia) sind als Bruchstücke oder umgestürzt vereinzelt zu
beobachten. Selten ist Montlivaltia ist in Lebensstellung anzutreffen.
Riffbesiedler und Riffbewohner: Besonders häufig sind pectinide Muscheln, Austern und Crinoidenbruchstücke.
Abgerundete Bruchstücke lithistider Schwämme sind verbreitet. Gastropoden und Brachiopoden sind verbreitet bis
90

örtlich häufig. Besonders charakteristisch sind große pectinide Muscheln bis 10 cm. Weiter zu erwähnen sind
Koskinobullina, Tubiphytes und Lithocodium.
Riffabbauer: Die Zerbohrungsrate ist meist gering bis mittelstark, teilweise auch stark. Bei den Bohrorganismen
herrschen Bohrmuscheln vor, örtlich sind auch Bohrschwämme häufig. Innerhalb von Korallenansammlungen und
Riffkörpern sind die Zerbohrungsraten erhöht und erreichen maximale Beträge. In bioklastischen Bereichen zeigt sich
eine vergleichsweise niedere Zerbohrungsrate der Korallenkolonien.
Grundmasse: Es sind meist stark rekristallisierte Bioklast-Pack-/Grainstones ausgebildet, die verbreitet auch
erhöhte Anteile an ruditischen Komponenten (Korallenklasten, Molluskenbruchstücke) zeigen (Bioklast-Float-
/Rudstones).

Bioklastische Latomeandra-Kleindickichte AK II 2 I und II


(vgl. Kap. 2.3.2; Abb. 13, 44; Taf. 11; Tab. 1)

Topographie des Untergrunds: Die Basis von Riff AK II 2 I ist im Bereich des oberen mittleren Hanges mit 22°
nach SE geneigt. In diesem Bereich zeigen sich aufgrund eines wellig-muldenförmiges Kleinreliefs kleinräumig
wechselnde Fallrichtungen. Riff AK II 2 II ist bei einem Einfallen ca. 17° in N-E-Richtung am Übergang vom
mittleren zum äußeren Hang angesiedelt.
Rifform: AK II 2 I zeigt 150 cm Basislänge bei 70 cm Mächtigkeit. AK II 2 II weist einen unregelmäßig
linsenförmigen Umriß mit 2 m Mächtigkeit und 2,5 m Basislänge auf. Beide Riffkörper zeigen allseitig einen
unscharfen Übergang in mitteldick- bis dickgebankte bioklastische Gesteine.
Riffaufbau und Riffgefüge: AK II 2 I: Innerhalb einer 1,5 m mächtigen massigen Schuttbank, bestehend aus
Korallen-Echinodermen-Bioklast-Floatstones, ist ein kleinräumiger monospezifischer Latomeandra-Pillarstone
entwickelt. Die Korallenäste zeigen Neigungswinkel von 0-90° im Bezug zum Untergrund bei phaceloidem Wuchs
und Durchmessern von 4-7 mm. Häufig ist eine flachwinklige bis parallele Orientierung der Korallenäste gegen das
Hangfallen zu beobachten. Der Anteil der Korallenäste am Gesamtriffvolumen beträgt 30-40 %. Unmittelbar
angrenzend sind korallenreiche Floatstones (5-10 % Korallenanteil) mit massigen bis kugelförmigen Kolonien von
Meandrophyllia, Cyathophora, Stylina und Synastrea bis 8 cm und dickfladigen microsoleniden Korallen und
Thamnasteria bis 25 cm Durchmesser.
AK II 2 II: Das stark rekristallisierte Gestein ist dickgebankt mit volumenmäßig vorherrschenden Latomeandra-
Pillarstones (60-90 %/m2) in bioklastischer Grundmasse. Die phaceloiden Stöcke sind randlich flach, zur Mitte hin
steil aufstrebend bei dichtständigem parallelem Astverlauf. Die sonstige (meist rekristallisierte) Korallenfauna besteht
v.a. aus fladigen (Synastrea, Thamnasteria) bis massigen (Cyathophora, Synastrea, Thamnasteria), weniger kugel-
förmigen (Stylina?) oder unregelmäßigen Wuchstypen (Synastrea). Auffällig sind fladig-wellige Kolonien
(Thamnasteria). Bruchstücke von Einzelkorallen und ästigen Korallen (Enalhelia, Mitodendron, Thecosmilia,
Axosmilia) sind verbreitet.
Riffbesiedler: Neben v.a. Mollusken, ist örtlicher Bewuchs von Lithocodium und Tubiphytes zu nennen. Weiter
vorhanden sind Bruchstücke von Koskinobullina und fragliche Aufwüchse von Bacinella. Seeigelstacheln und
Crinoidenbruchstücke sind verbreitet bis häufig. Teilweise sind geringvolumige Aufwüchse von thrombolithischen
Krusten an den Latomendra-Ästen vorhanden
Grundmasse: Zum Teil stark rekristallisierte Echinodermen-Korallen-Bioklast-Pack-/Floatstones mit lokalen
Bioklastanreicherungen (v.a. Korallen und Echinodermen). Im näheren Umfeld des Riffkörpers sind teilweise
senkrecht orientierte Geopetalgefüge zu beobachten.
91

4 Komponenten, klastische Faziestypen und synsedimentäre Gefüge

Allgemeines

Die Erfassung von Komponenten, klastischen Faziestypen und synsedimentären Gefügen innerhalb und in der Umgebung
von Riffkörpern unterstützt die ökologische Bewertung der einzelnen Riffkörper und Riffumwelten entscheidend. Die
Aufstellung von Faziestypen für riffreie Karbonate erfolgt nach der Gefügeklassifikation von DUNHAM (1962) und der
Erweiterung derselben durch EMBRY & KLOVAN (1972). In dieser Arbeit werden einzelne Komponententypen dem
Gefügetyp vorangestellt wenn sie ca. 20 % Anteil am Gesamtkomponentengehalt aufweisen (z.B. Onkoid-Floatstone).
Ausnahmen bilden hierfür besonders charakteristische Faziesfossilien (z.B. Korallen, Dasycladaceen, Ammoniten,
Gastropoden, Onkoide, Ooide) die dem Faziestyp mit der Nachsilbe „-führend“ vorangestellt sind. Ständige Übergänge im
Gefüge innerhalb eines Faziestyps bzw. Sedimentvolumens werden in seiner Benennung durch einen Schrägstrich getrennt
dargestellt (z.B. Wacke-/Floatstone). Faziestypen in die untergeordnet Übergänge stattfinden, werden in Klammern
angeschlossen (Bioklast-Wackestone (Floatstone). Bei der Aufstellung der Faziestypen wurde aus Gründen der
Übersichtlichkeit eine möglichst hohe Zusammenfassung gefügemäßig ähnlicher Typen zu Großfaziestypen durchgeführt.
Kleinräumige Faziesabweichungen innerhalb der einzelnen Hauptfaziestypen werden kurz beschrieben.

4.1 Komponenten

4.1.1 Tuberoide

Als Tuberoide werden rundliche bis unregelmäßig-lappige Zerfallsprodukte mikrobieller Krusten oder Schwämme
bezeichnet (FRITZ 1958, WAGENPLAST 1970). Tuberoide zeigen meist dichte, teilweise aber auch typisch
krustenartige Internstrukturen (WAGENPLAST 1990). Die Durchmesser sind wechselnd von ungefähr 0,2 mm bis über
1 cm. FRITZ (1958) trennt Tuberoide aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ihrer oft gesteinsbildenden Häufigkeit
innerhalb der schwammfaziellen Gesteine der Schwäbischen Alb von anderen Bioklasten ab. Denkbare Entstehungs-
mechanismen sind autoklastischer Zerfall von Krusten und Kieselschwämmen, Wasserbewegung (tiefgreifende
Sturmereignisse, Strömungen) sowie biologische Prozesse (Abweidung, mechanische Zerstörung durch Organismen).
Tuberoide sind in der Schwamm- und Mischfazies von Arnegg verbreitet bis häufig, ansonsten selten.

4.1.2 Peloide

Unter dem Begriff Peloide werden im Querschnitt rundliche bis eiförmige, mikritische Komponenten unterschiedlichster
Herkunft mit Durchmessern von 0,03-2 mm zusammengefaßt. Genetisch kann es sich dabei um mikritisierte Bioklasten,
Ooide u.ä. (sogenannte Bahamitpeloide nach GYGI 1969), Kotpillen verschiedenster Organismen (sogenannte Fäkalpeloide)
oder um mikrobiell gebildete Komponenten (Autopeloide, Mikropeloide) handeln. Die Ausgangskomponenten von
Bahamitpeloiden sind aufgrund der fehlenden Innenstrukturen nur selten eindeutig festzustellen. Kennzeichnend für
Bahamitpeloide sind innere und äußere Reliktstrukturen, benachbarte Komponenten mit unvollständiger Mikritisierung,
schlechte Sortierung und große Korngrößen (FLÜGEL 1982). Fäkalpeloide hingegen sind meist gut sortiert und zeigen
häufig diagnostische Internstrukturen (opt. cit.). Charakteristisch ist ein nestartiges Auftreten, z.B. in Grabgängen.
Autopeloide zeigen, bei geringen Korngrößen, überwiegend regelmäßig rundliche, unscharfe Umrisse bei allgemein
schlechter Sortierung (s. Taf. 11). Zudem treten Autopeloide häufig assoziiert mit mikrobiellen Krusten auf. Aufgrund der
wechselnden Korngröße und dem häufigen Vorkommen mit mikrobiellen Krusten werden Cyanobakterien und
heterotrophe Bakterien für ihre Bildung verantwortlich gemacht (ausführliche Diskussion bei REITNER 1993, SCHMID
1996). Das feinkörnig- krümelige Gefüge der Grundmasse bezeichnet FOOKES (1995) als mikropeloidal.
Peloide sind in allen untersuchten Bereichen verbreiteter bis häufiger, seltener dominierender Komponenten-
bestandteil. In klastischen Faziesbereichen sind, bei meist unterschiedlicher Häufigkeit, Bahamitpeloide verbreitet. In
92

Arnegg sind Bahamitpeloide v.a. in den bioklastischen Faziestypen der jüngeren Mischfazies (AM II) und der
gesamten Korallenfazies verbreitet bis häufig. In Lothringen und am Isteiner Klotz sind Bahamitpeloide mit
Ausnahme der Korallenmergel (LFO 1) vereinzelt bis teilweise verbreitet, in den jüngsten Bereichen des ORK von
Lothringen sind sie verbreitet. Es handelt sich hierbei mehrheitlich um mikritisierte Bioklasten. Einen Sonderfall von
Peloiden stellen in Lothringen 20-50 µm große, unregelmäßig geformte, dichte Partikel von hellweißer Farbe dar, die
als Bohrchips (vgl. Kap. 5.3.11) interpretiert werden. In den tonig bis mergeligen Riffkörpern (LFO 1, IS 1) und
mikritdominierten Faziestypen von Lothringen und Istein sind örtlich locker verteilte bis kleinräumig angereicherte
(Wacke- bis Packstonegefüge), rundliche bis eiförmige Peloide von etwa einheitlichem Durchmesser anzutreffen.
Trotz des Fehlens von Internstrukturen werden sie aufgrund der guten Rundung und einheitlichen Korngröße als
Fäkalpeloide klassifiziert. Autopeloide treten innerhalb stromatolithischer Krusten und frei in Riffhohlräumen der
jüngeren Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen-Fazieseinheit (AM III; vgl. Taf 11) auf. Sie zeigen charakteristisch
unscharfe Außenbegrenzungen bei mäßiger Sortierung. Mikropeloidale Bereiche in scheinbar krustenfreien
schlammigen Faziestypen (ORK Lothringen, Korallenkalk Isteiner Klotz) weisen auf ein Vorhandensein sowie die
Beteiligung mikrobieller Organismen für die Mikriterzeugung in diesen Bereichen hin.

4.1.3 Intraklasten

Intraklasten bilden sich hauptsächlich durch physikalische Aufarbeitung von zumindest teilweise verfestigtem
Sediment. Sie werden unterteilt in, aus dem gleichen Ablagerungsraum entstammende Intraklasten und, aus anderen
Ablagerungsbereichen herantransportierte, Extraklasten (FÜCHTBAUER 1988). Neben hydrodynamischen sind v.a.
katastrophale Prozesse (z.B. Stürme, tektonischer Schock, gravitativer Kollaps durch Hangübersteilung) an der
Bildung beteiligt (MULLINS & COOK 1986).
In der Mischfazies von Arnegg sind Intraklasten verbreitet bis häufig. Besonders zahlreich sind sie im Bereich von
Paläohängen als Ergebnis des gravitativen Kollapses von halbverfestigtem mikritischen Sedimenten bei zunehmender
Hangversteilung. Intraklasten in Form korngestützter, schlecht sortierter Rudstones treten im Umfeld der
Diskontinuitätsfläche innerhalb der Mikrobolih-Kieselschwamm-Korallen-Fazieseinheit (Grenze AM I/AM II; s. Taf.
10) gesteinsbildend auf (vgl. Kap. 4.2.4). In Lothringen und am Isteiner Klotz sind Intraklasten innerhalb mikritischer
Gesteine des ORK und des Korallenkalkes sehr selten.

4.1.4 Onkoide

Onkoidische Faziestypen sind in Lothringen und am Isteiner Klotz in mittel- bis flachmarinen Ablagerungsbereichen
verbreitet und bilden am Ende der Riffentwicklung großflächige Sedimentkörper. Innerhalb des ORK von Lothringen
sind Onkoide vereinzelt bis verbreitet. Großflächige onkolithische Faziestypen sind in Foug, Pagny sur Meuse und im
Rognontal zu beobachten.
Bei Onkoiden handelt es um sphäroidale bis unregelmäßig geformte karbonatische Komponenten, die durch
biologische und mechanische Anlagerung von CaCO3-Lagen um Kerne unterschiedlichster Art (z.B. Bioklasten)
gebildet werden (vgl. TUCKER & WRIGHT 1990). Die Hüllendicke beträgt meist zwischen 0,4 bis wenige mm, kann
aber auch mehrere Zentimeter bis sogar Dezimeter betragen. Die Lagen können v.a. unter Beteiligung von Bakterien,
Algen, Foraminiferen, Mikroproblematika sowie anderen inkrustierenden Organismen in verschiedensten
Mengenverhältnissen gebildet werden. Die Nomenklatur zur Benennung der verschiedenen Onkoid-Typen ist, v.a. im
Bezug auf die beteiligten Organismen, uneinheitlich (ausführlich Beschreibungen bei FLÜGEL 1982, FÜCHTBAUER
1988, SCHMID 1996). Onkoide, die ausschließlich aus mikroskopisch dichten Mikrithüllen aufgebaut sind, werden in
der Literatur häufig als spongiostromat bezeichnet; Onkoide mit sparitisch gefüllten Organismenhohlräumen
innerhalb der verschiedenen Lagen werden im gleichen Zuge als porostromat bezeichnet (FLÜGEL 1982). In der
93

vorliegenden Arbeit werde Onkoidtypen vereinfachend nach den beteiligten Organismen unterschieden (z.B. Algen-
Onkoid, Nubeculariiden-Bryozoen-Onkoid usw.). Fossile Onkoide sind zum überwiegenden Teil flachmarinen
Bereichen mit geringer Wasserenergie zuzuordnen. Bei Algen-Onkoiden ist Wasserbewegung nicht unbedingt
erforderlich, da für die allseitige Abscheidung der onkoidischen Hülle durch Algen und Bakterien Streulicht ausreicht
(vgl. LEINFELDER & HARTKOPF 1988). WRIGHT (1983) ordnet besonders dichte Algen-Onkoide mit konzentrischem
Lagenbau etwas erhöhter Wasserbewegung zu. Dasselbe gilt für Onkoide mit ooidischem Anfangsstadium. Bei
Mehrfachonkoiden kommt es aufgrund zeitweise nachlassender Wasserbewegung zu einer Unterbrechung der
Hüllenbildung und anschließender Fortsetzung der Abscheidung von CaCO3-Hüllen in anderer Orientierung.
DAHANAYAKE et al. (1976) ordnen Bacinella-Onkoide v.a. niederenergetischen, schlammigen Umwelten zu.
DAHANAYAKE (1978) sieht Bacinella-Onkoide als ortsfest. WERNER (1986) deutet Algen-Onkoide als Anpassung von
mikrobiellen Matten an Weichsubstrate. Nach PERYT (1983) und MASSE (1979) entwickeln sich Algen-Onkoide nur
unter geringen Sedimentationsraten und können teilweise transgressive Abschnitte, beziehungsweise kondensierte
Sequenzen kennzeichnen.
Gesteinsbildend treten Onkoide im Rognontal, dem korallenführenden Onkolith von Foug (vgl. Taf. 1) und die
Riffgesteine überlagernden onkolithischen Faziestypen (Pagny sur Meuse, Euville, Bonville, Istein) auf. In Senonville
sind eisenoxidisch imprägnierte Onkoide direkt auf der Dachfläche der Crinoidensand-Riesendüne in einem
Kondensationshorizont von wenigen cm anzutreffen. Außer im Rognontal werden die Onkoidhüllen volumenmässig
von Algen dominiert bei meist wechselndem Gehalt an Inkrustierern. Es treten v.a. nubeculariide Foraminiferen auf,
Serpeln und Bryozoen sind vereinzelt beteiligt. Im Rognontal sind bei ansteigendem Onkoiddurchmesser zusätzlich
Lithocodium und Bacinella häufig (vgl. Kap. 2.1.12, 4.2.3; Taf. 7). Vor allem in den großflächigen Vorkommen
(Foug, Euville, Rognontal) sind ooidische Anfangsstadien von Onkoiden allgemein verbreitet, die nach anfänglichem
Transport auf nachlassende Transportfähigkeit in Verbindung mit zunehmender Hüllendicke hinweisen (vgl. Kap.
4.1.4; Taf. 1). Mehrfachonkoide belegen hier zeitweilige Ruhephasen. Bacinella-Onkoide im Rognontal zeigen meist
niederenergetische, schlammige Umwelten an (vgl. Kap. 5.3.9).
In Arnegg sind Onkoide im Bereich der Mischfazies sehr selten. Es handelt sich um unregelmäßige Algen-Onkoide,
teilweise unter Beteiligung von Tubiphytes.

4.1.5 Cortoide

Cortoide entstehen durch die randliche Zerbohrung von karbonatischen Klasten aller Art durch Mikroorganismen
(autotrophe Cyanobakterien, eukaryotische Grün- und Rotalgen und heterotrophe Pilze; vgl. FLÜGEL 1982). Dies
führt zur Ausbildung eines dünnen, nach innen unscharf begrenzten, mikritischen Randsaumes aus mikroskopischen,
mikritfreien bis mikritgefüllten Bohrgängen. Bei weiter fortschreitender Mikritisierung zum Kornmittelpunkt hin wird
die ursprüngliche Struktur/Aufbau der Komponente zunehmend zerstört, bis schließlich durch die totale
Mikritisierung ein strukturloses Bahamit-Peloid entstanden ist. Da die Bohrtätigkeit von Mikroorganismen in
Flachmeerbereichen am stärksten ist (vgl. Kap. 5.3.11), werden Cortoide meist Flachmeerbereichen bis 20 m
Wassertiefe zugeordnet Nach GOLUBIC et al. (1975) ist die Cortoidbildung besonders lagunären Umwelten mit
wechselnder Wasserbewegung ausgeprägt. im Bereich von flachen Untiefen. LEINFELDER (1994) beschreibt Cortoide
in niederenergetischen Bereichen aus dem Ota-Kalk. Cortoide sind mit Ausnahme der mergeligen Korallenbiostrome
innerhalb des ORK von Lothringen und dem KK von Istein verbreitet. In Arnegg sind Cortoide innerhalb der
korallenführenden Fazieseinheiten durchgehend anzutreffen, mit im Laufe der Ablagerung stark steigender Häufigkeit
und Mikritisierung.
In Lothringen und am Isteiner Klotz weist die zeitlich ansteigende Häufigkeit von Cortoiden innerhalb der
Riffabfolgen auf einen flachmarinen, lagunären Ablagerungsbereich hin (s.o.). Verbreitete Übergänge in ooidische
Komponenten bzw. onkoidische Faziestypen sprechen für teilweise erhöhte Wasserbewegung. In Arnegg zeigt sich
94

als Hinweis auf die voranschreitende Verflachung in der zeitlichen Abfolge ein steigender Anteil an Cortoiden. Nach
einer Steigerung des Anteils am Komponentenspektrum im Verlauf der Mischfazies auf bis zu 20 %, nimmt der
Anteil in der Korallenfazies auf Kosten völlig mikritisierter Bahamitpeloide (s.o.) allgemein ab.

4.1.6 Ooide

Ausführliche Zusammenfassungen über die Entstehung und Ablagerungsbedingungen von Ooiden findet man bei
FLÜGEL (1982) oder KOLCKMANN (1992). Ooide weisen einen um einen Kern gebildeten, aus tangentialen oder radial
angeordneten CaCO3-Kristallen aufgebauten, ein- bis mehrfachen Lagenbau (Einfachooide, Normalooide) auf. In
heutigen marinen Ablagerungsräumen erfolgt die Ooidbildung in warmen Flachmeeren (z.B. Bahamas, Persischer
Golf) mit ständiger Wasserbewegung und hoher Karbonatsättigung (vgl. FLÜGEL 1982, LOREAU & PURSER 1973).
Für die Hüllenbildung stehen biochemische, physikalisch-chemische und mechanische Prozesse in der Diskussion.
Nach LOREAU (1973) und TUCKER & WRIGHT (1990) entstehen Tangentialooide durch dauerndes Aneinanderstoßen
der einzelnen Körner in hochenergetischen Bereichen. Die Korngröße ist in der Regel 2 mm, meist unter 1 mm.
Bemerkenswert ist die im Gegensatz zu heutigen Ooiden vorherrschende Ausbildung radialfaseriger Ooide im
fossilen Bereich, als deren Ursache auch Unterschiede im Meerwasserchemismus diskutiert werden. Ooide können
bei sich ändernden hydrodynamischen Verhältnissen Übergänge in Onkoide oder Cortoide zeigen.
In Lothringen treten Ooide meist untergeordnet in onkolithischen Faziestypen (Foug, Pagny sur Meuse, Sorcy Gare I,
Rognontal) auf und bilden dabei häufig die Anfangsstadien der Onkoide. Ansonsten sind sie nur vereinzelt (Euville II,
Lerouville) in onkoidischen bis cortoidischen Faziestypen eingeschwemmt. Übergänge aus Cortoiden und in Onkoide
sind häufig, vereinzelt sind auch Mehrfachooide feststellbar (Foug). Die Hüllen sind regelmäßig und mikritisch-dicht
ausgebildet. In Foug zeigt sich zusätzliche eine deutliche eisenoxidische Färbung. Einsetzendes Wachstum von
nubeculariiden Foraminiferen zeigt eine vorwiegend stationäre Lage und somit den Übergangsbereich zu
onkoidischen Hüllen an. Die Sortierung ist mäßig bis gut (Foug, Pagny sur Meuse) und die Korndurchmesser liegen
zwischen 0,1-2 mm bei einem Häufigkeitsmaxima im mittleren Größenbereich. In Rochers sur Rognon, Foug, Euville
und Sorcy Gare sind innerhalb der ooidischen Gesteine besonders Austern, Muscheln (u.a. Trichites sp.),
Gastropoden und lituolide Foraminiferen verbreitet bis häufig Diese Befunde entsprechen nach den Kriterien von
STRASSER (1986) den Onkoid-Typen 2 und 3 und somit einem Wechsel von geringerer und höherer Wasserenergie.
Typ 2 ist charakterisiert durch größere Ooide mit häufigen Übergängen in Onkoide, typisch für flachmarine bis
lagunäre Bereiche. Die Korngrößenverteilung, die relativ gute Sortierung sowie das Auftreten in Assoziation mit
dickschaligen Muscheln, Gastropoden, Echinodermen, großwüchsigen Foraminiferen und Dasycladaceen ist
charakteristisch für Ooid-Typ 3, die bezeichnend sind für höherenergetische Bereiche. Der Wechsel der
Ablagerungsbedingungen wird weiter durch die verbreiteten Übergänge in Onkoide und Cortoide, durch
Mehrfachonkoide, die teilweise mäßige Sortierung und die schlammige Grundmasse angezeigt. In Arnegg ist ein
besonderer Typ von radialfaserigen Ooiden mit peloidalen Kernen innerhalb von Riffhohlräumen zu beobachten. Bei
den peloidalen Kernen handelt es sich um mikrobiell innerhalb benachbarter Stromatolithe gebildete Autopeloide
(vgl. Kap. 4.1.2; Taf. 11). In den vor Sedimentation geschützen Riffhohlräumen konnten sich um diese Kerne
anschließend radialfasrige Zemente abscheiden.

4.2 Faziestypen
(Übersicht vgl. Abb. 34)

4.2.1 Schlammige Faziestypen

Molluskenführende Mudstones schließen die korallenführenden Faziestypen in Lothringen im Hangenden


flächendeckend ab (Euville, Pagny sur Meuse; vgl. Abb. 20, 27) oder verzahnen mit klein- bis großflächigen
Dickichten oder Riffknollen (Pagny sur Meuse, Sorcy Gare II; a). Kleinvolumige, stark tonige Mudstones sind in
Foug (LFO 1) zu beobachten. Im Bereich ohne Riffbildung im ORK von Lothringen (Senonville, Boncourt,
95

Lerouville; s. Taf. 6) folgen molluskenführende Mudstones 0,1-4 m mächtigen onkoidischen Faziestypen nach. Die
Gesteine sind grau-weiß und zeigen ein gute Bankung im Bereich von 10 bis 130 cm. Der Gehalt und die Artenzahl
von Mollusken oder Organismenbruchstücken ist allgemein gering. Charakteristisch ist eine individuenarme,
mitteldiverse Molluskenfauna, von meist infaunalen bis semiinfaunalen Muscheln und epifaunalen Gastropoden, die
überwiegend vollständig erhalten sind. Die Muschelfauna setzt sich u.a. zusammen aus Protocardia sp., Pinna
lanceolata, Pleuromya sp., Pholadomya sp. und Niacanella sp.. Gastropoden sind vereinzelt bis verbreitet vorhanden.
Charakteristisch ist insbesondere Pseudomelania heddingtonensis (s. Taf. 3) mit Gehäuselängen bis 16 cm
(„Pseudomelania-Kalke“). In Pagny sur Meuse und Sorcy Gare II sind zusätzlich Pleurotomaria sp. und Nerinea sp.
verbreitet. Ammoniten sind vereinzelt anzutreffen (eigene Funde in Boncourt, Euville, Senonville; Fund in Sorcy II
durch ENAY 1981). Während Perisphinctiden (Mikro- und Makrokonche von Dichotomoceras bifurcatoides,
Properisphinctes neglectus) in der gesamten Aufschlußregion auftreten, wurden Ochetoceras raixense und
Tarameliceras proscaphites ausschließlich in Senonville gefunden. Echinodermenbruchstücke (v.a. Seeigelstacheln)
sind verbreitet. In den jüngsten Bereichen sind außerdem bereichsweise (Euville, Pagny sur Meuse)
Serpelbruchstücke und Solenoporaceen häufig. Örtlich sind kleinere Bioherme (Euville) sowie Dickichte bis
Großdickichte (Lerouville, Haudainville, Pagny sur Meuse, Sorcy Gare II) ausgebildet, in deren Umfeld der Bioklast
Anteil erhöht ist. 10 cm lange Blattreste der Auricariacee Brachypyllum thuioides, einer Landpflanze, sind vereinzelt
in Euville anzutreffen. Gleichartige Funde sind aus St. Mihiel bekannt (vgl. CORROY 1927, BARALE 1981).
Grabspuren vom Typ Thalassinoides sind durchgehend anzutreffen. Es handelt sich dabei um einfache, 0,4-1,2 cm
dicke, Röhren von meist geradem Verlauf. Die Röhren zeigen örtlich Verdickungen und Verzweigungen im Bereich
um 70°. In Aprêmont la Forêt, Boncourt, Euville, Lerouville läßt sich der fließende Übergang der
molluskenführenden Mudstones aus Bioklast-Wackestones beobachten.
In Istein nimmt der Mikritanteil am Gesteinsvolumen gegen Ende des Riffwachstums deutlich zu. Es sind innerhalb
und außerhalb der Riffkörper des Oberen Korallenkalkes jedoch nur örtliche, vom Volumen her kleinräumige,
bioklastische bis onkoidische Mudstones zu beobachten. Sie verzahnen seitlich mit bioklastischen, cortoidischen
und onkoidischen Faziestypen.
Milieuinterpretation: Molluskenführende Mudstones kennzeichnen im ORK von Lothringen mikritdominierte Areale
einer geschützten lagunären Umwelt mit geringer Wasserbewegung und zumindest zeitweise starker feinkörniger
Sedimentation. Die seitliche Verzahnung der ältesten Abschnitte mit Korallenriffen mit typischen Anpassungen der
Korallenfauna (viele ästige, aufstrebende, massige bis kugelförmigem Korallenwuchstypen) unterstützt diese
Milieuinterpretation. Die Verzahnung mit Riffkörpern bezeugt zudem einen ständigen Wasseraustausch und normalmarine
Verhältnisse in diesen Zeitabschnitten. Mehrjähriges (16 Wachstumsbänderpaare) nichtumhüllendes Wachstum von
Solenoporaceen in Pagny sur Meuse spricht für entsprechend lang anhaltende Perioden mit geringerer Sedimentablagerung,
Semiinfaunale Mollusken (u.a. Pterocardia) und Grabgänge (Thalassinoides isp.) beweisen Weichsubstrat. Das
Verschwinden oder Nichtvorhandensein von Riffkörpern sowie die arten- und individuenarme Bodenfauna weisen auf
zunehmend eingeschränkte Bedingungen hin (hohe Sedimentationsraten, erhöhte Temperatur- und Salinitätswerte; vgl.
JAMES & KENDALL 1992) die Korallen- und Riffwachstum ausschließen. GONZALES (1996) ordnet diesen Faziestyp
eingeschränkten, geschützten Plattformbereichen zwischen 5-10 m Wassertiefe zu.

4.2.2 Bioklastische Faziestypen

Bioklast-Wackestones dominieren in den Ablagerungsbereichen von Lothringen und Istein den überwiegenden
Anteil der Grundmasse von Riffkörpern sowie die umgebenden riffreien Faziesbereiche. In Riffkörpern und in den
riffnahen Sedimenten sind die höchsten Bioklastenanteile festzustellen. Der Anteil, die Art und die Verteilung der
Bioklasten zeigt seitliche, vertikale und kleinräumige Änderungen. Örtliche Übergänge in von Zusammensetzung und
Gefüge benachbarte Faziestypen sind verbreitet (s.u.). Am zahlreichsten sind örtliche Übergänge in Bioklast-
Floatstones, es folgen Wechsel in bioklastische Mudstones, Bioklast-Packstones und Bioklast-Rudstones. Häufig
96

zu beobachten sind Anreicherungen bestimmter Bioklasten (z.B. Seeigelstacheln, Crinoidenbruchstücke,


Molluskenschalen, Foraminiferen) und Komponenten (Peloide, Cortoide, Onkoide). Als Komponenten sind v.a.
Bruchstücke von Riffbildnern, Echinodermen, Muscheln und Austern häufig. Vollständig erhaltene Biomorpha
(Korallen, Muscheln, Seeigel, Gastropoden) sind verbreitet. Neben Bioklasten sind hauptsächlich in Lothringen (an
Übergangsbereichen zu den entsprechenden Faziestypen) cortoidische bis teilweise onkoidische Komponenten
vorhanden. Peloidale Komponenten in Form von Bahamitpeloiden und „Bohrplättchen“ (vgl. Kap. 5.3.11) sind
verbreitet, in Form von Fäkalpeloiden jedoch nur selten eindeutig zu bestimmen. Innerhalb schlammreicher
Riffschuttbänke und -lagen ist in Lothringen oft eine zeitliche Abnahme des Bioklastanteils sowie der Korngröße zu
erkennen. Die höchsten Anteile (20-30 %) an Bioklasten in Lothringen und Istein sind dabei im Riesenbiostrom (LFO
2) und den Riffkörpern LEUI 1 und LLE 1 zu beobachten. Ansonsten sind Bioklastanteile von 10-20 % vorhanden.
Nach Abschluß des Riffwachstums in Lothringen und des Isteiner Klotzes ist ein allgemeiner Rückgang von
Bioklasten feststellbar. Bioklast-Wackestones zeigen im ORK von Lothringen und am Isteiner Klotz den vertikalen
Übergang in cortoidische bis onkoidische Wackestones oder auch Mudstones.
In Arnegg beherrschen Bioklast-Wackestones die Korallen-Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazieseinheit und sind auch
in der Korallenfazies verbreitet. Die Größe der Bioklasten liegt zum Großteil im arenitischen Bereich. Häufig sind
größere Bioklasten mit biogen vorgegebener „Korngröße“ eingestreut, die bis mehrere Zentimeter maximalen
Durchmesser aufweisen und lokal zu Bioklast-Floatstones, seltener Bioklast-Rudstones überleiten. Es handelt sich
bei diesen größeren Bioklasten meist um Bruchstücke von Riffbildnern, Mollusken und Echinodermen. Die
Bioklasten zeigen allgemein schwache bis gute Abrundung beim Vorherrschen mittlerer Werte. Anreicherungen
gleichartiger Bioklasten (Seeigelstacheln, Crinoidenbruchstücke, Muschelschalen) sind örtlich festzustellen. Der
Bioklastanteil ist im zentralen Bereich des Riffkomplexes und im mittleren Hangbereich in etwa gleich, nimmt aber
zum äußeren Hangbereich hin zunehmend ab. In der Korallen-Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazieseinheit sind
Rhaxen und Spicula von Kieselschwämmen sehr häufig (spiculithische Bioklast-Wackestones; s. Taf. 11). Auffällig
ist die hohe Anzahl an sparitisch verfüllten Hohlräumen, die z.T. mit Sediment gefüllt sind. Bioturbate Strukturen
sind in diesem Faziestyp anhand von unscharf begrenzten, nestartigen Inhomogenitäten zu vermuten. In der selben
Einheit sind, besonders im Bereich von Riffkörpern, groß- bis kleinräumige Übergänge in Bioklast-Tuberoid-
Floatstones verbreitet bis häufig. Vor allem im jüngsten Abschnitt AM I der Korallen-Mikrobolith-Kieselschwamm-
Fazieseinheit und weiter in deren Verlauf sind zudem strukturlose, gut gerundete Peloide verbreitet bis häufig. Im
Laufe der Ablagerung der klastischen Sedimente der Arnegg-Formation ist in den jüngsten Abschnitten der Korallen-
Mikrobolith-Kieselschwamm- und der Korallen-Fazieseinheit der Übergang in teilweise cortoidische bis
bahamitische, meist stark rekristallisierte, bioklastische Faziestypen zu beobachten. Im älteren Teil der Korallen-
Fazieseinheit sind Bioklast-Wackestones teilweise vorherrschend, ansonsten sind sie in dieser Einheit als
kleinvolumige Sedimentvolumen in korngestützten Faziestypen verbreitet.
Milieuinterpretation: Bioklast-Wackestones kennzeichnen in Lothringen und Istein mikritbestimmte
Sedimentationsbereiche geschützten, lagunären Charakters mit geringer Wasserenergie. Ein zunehmender Gehalt an
Bioklasten steht dabei direkt im Zusammenhang mit erhöhter Wasserbewegung, submariner Topographie (Euville,
Lerouville) oder biologischer Aktivität. Die vergleichsweise geringe Wasserenergie ist in flachmarinen
Lagunenbereichen durch die reibungsinduzierte Abschwächung der Gezeiten- und Wellenenergie auf einer
weitläufigen, flachgeneigten Rampe (vgl. WALKER & PLINT 1992; Kap. 6.4.3) und einem zusätzlich ausgeglichenen
Klima (vgl. Kap. 1.3) erklärbar. Vergleichsweise hohe Bioklastgehalte in tieferen Riffkörpern (LFO 2) sprechen für
einen erhöhten Welleneinfluß aufgrund einer offenen Schelfkonfiguration (vgl. JAMES & KENDALL 1992). Die
Häufigkeit dieses Faziestyps innerhalb und außerhalb der Riffkörper des ORK von Lothringen stellt einen Großteil
der Ablagerungen in niederenergetische, flachmarine lagunäre Ablagerungsräume. Das verbreitete Vorkommen von
Korallen und Korallenriffen bekräftigt den flachmarinen Charakter. Die Bioklasten konzentrieren sich, wie es für
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heutige lagunäre Umwelten kennzeichnend ist (vgl. GISCHLER 1994), meist auf Riffe und ihr näheres Umfeld als den
Bereichen höchster biologischer Produktivität. Örtliche kleinvolumige Bioklastanreicherungen sind das Ergebnis
biologischer Ereignisse (Bioerosion, Bioturbation) oder zufälliger Organismenanreicherungen. Einzelne, deutlich
abgegrenzte, bioklastreiche Lagen (z.B. LPA 1; vgl. Kap. 3.6.1) sind Anzeiger besonderer physikalischer Ereignisse
(Wellenbewegung, Stürme).
In Arnegg kann dieser Faziestyp durch die tiefe bathymetrische Position des Ablagerungsraumes und dem
Vorhandensein nur geringer Wasserenergie unterhalb der Sturmwetterwellenbasis erklärt werden. Das Auftreten
zusammen mit der vorhandenen typisch tiefermarinen Riffassoziation (vgl. Kap. 5) läßt eine Ablagerungstiefe von
mindestens 40-50 m vermuten. Es zeigt sich, entsprechend der Erhöhung der Wasserenergie bei zunehmender
Verflachung des Ablagerungsraumes, ein allgemeiner Anstieg des Bioklastanteils. Die Verteilung und Schüttung der
Bioklasten wird vom submarinen Relief gesteuert und erklärt die Unregelmäßigkeiten in der Verteilung, mit einer
allgemeinen Abnahme vom Zentrum des Riffkomplexes weg, als dem Bereich höchster biologischer Produktion und
Wasserenergie. Örtlich erhöhte Bioklastgehalte stehen in Zusammenhang mit erhöhter biologischer Aktivität oder
„Bioklastfallen“ in Form eines kleinräumigen Reliefs der Riffoberfläche (AM I 1). Die bereichsweise häufigen
Spicula werden hauptsächlich durch den postmortalen Zerfall der häufigen Kieselschwämme geliefert und durch
schwache Strömungen und Organismentätigkeit verstreut. Die große örtliche Häufigkeit von Tuberoiden liegt, neben
der Häufigkeit von mikrobiellen Krusten, wohl auch an der langsamen Verkalkung derselben (vgl. Kap. 5.2.2).

Schwach sandige, tonige bis mergelige Bioklast-Wackestones treten, bei dunkelgrauer Färbung, als Grundmasse in
den tiefmarinsten Riffkörpern von Lothringen (LFO 1; s. Taf. 1, 8) und Istein (IS 1 und 2) auf. Die Bioklasten sind
meist arenitisch. Örtlich sind kleinvolumige unregelmäßig begrenzte Bioklastanreicherungen oder Mudstonevolumen
ausgebildet. Eine autochtone Molluskenfauna im Weichsediment fehlt. Framboidaler Pyrit ist häufig, Chondrites ist
vereinzelt zu beobachten.
Milieuinterpretation: Das schlammige Sediment und der geringe Bioklastanteil sind Anzeiger für geringe
Wasserbewegung. Der starke Bewuchs der benachbarten Korallenkolonien mit Epizoen läßt den hohen
siliziklastischen Anteil als einen Konzentrationseffekt durch geringe Kalkschlammsedimentation deuten. GYGI (1986)
und TARASCONI (1998) nennen einen durchgehenden Eintrag von detritischem Ton vom Oxfordium bis zum
Mittelkimmeridgium. GYGI (1986) nennt Gezeitenströmungen und Stürme als Transportmechanismen für die Verteil-
ung des siliziklastischen Materials über weite Schelfflächen im Schweizer Oberjura. Bioklastanreicherungen können
meist auf wühlende Organismen zurückgeführt werden, framboidaler Pyrit weist auf anoxische, reduzierende
Bedingungen im Sediment unterhalb der Riffoberfläche hin.

Bioklast-Packstones beherrschen innerhalb der Arnegg-Formation meter- bis dezimeterdick gebankte


Gesteinskörper des mittleren Hangbereichs der Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen- und der Korallen-
Fazieseinheit (AM II, AM III, AK). Dabei zeigt sich eine Mächtigkeitszunahme hangabwärts. In Lothringen nimmt
der Faziestyp nur örtlich größere Volumen ein (Bioklastisches Microsoleniden-Riesenbiostrom in Foug;
Lerouville). Ansonsten sind nur kleinräumige Einschaltungen und Lagen in Bioklast-Wackestones zu beobachten.
Die Bioklastenspektrum ist meist vielfältig, häufig dominieren jedoch eine oder zwei Komponenten (Crinoiden-
Korallen-Packstones (s.u.); Bioklast-Tubiphytes-Packstones, AM II und AM III). Neben Bruchstücken der
jeweiligen, für den Ablagerungsbereich typischen Riffbildner sind v.a. Bruchstücke vom Echinodermen,
Mollusken und Serpeln häufig. Dazu treten Bruchstücke aller weiteren beobachteten Makro- und Mikroorganismen
mit stark veränderlichen Anteilen auf. In Arnegg beherrschen Bioklast-Packstones die Korallenfazies, v.a. in
Niveaus mit biostromalen Riffkörpern und großen Hangneigungen. Der Anteil an Bioklasten nimmt zu unteren
Hangbereichen hin ab. Mikritisierte Bioklasten in Form von Bahamitpeloiden sind hier häufig bis dominierend. Die
Sortierung ist wohl aufgrund biologischer Korngrößenvorgaben und kurzen Transports meist mäßig, bei der
98

Dominanz einzelner Komponententypen auch besser. Klein- bis großräumige oder zeitliche Übergänge in Bioklast-
Wackestones sind allgemein häufig. Übergänge in Bioklast-Floatstones treten kleinräumig auf. In allen
Aufschlußregionen ist der häufige Übergang in cortoidhaltige Faziestypen zu beobachten.
Milieuinterpretation: Bioklast-Packstones bezeugen bei großflächiger Verbreitung den dauerhaften Einfluß von
Wellenenergie im Wechsel mit ruhigen Episoden in denen der mikritische Anteil sedimentiert wird. Der hohe Gehalt an
Bioklasten ist das Ergebnis einer erhöhten biologischen Karbonatproduktion in zunehmend flacheren und wärmeren
Meerestiefen. In Arnegg wird die Bioklastentstehung zusätzlich durch das ausgeprägte Relief begünstigt. Die Erzeugung
von Bioklasten ist in den paläotopographisch höchsten Ablagerungsgbereichen (zentraler Bereich und oberer Hangbereich
des Arnegger Riffkomplexes) am stärksten und nimmt nach außen ab. Ein ansteigender Gehalt an Cortoiden weist auf eine
Zunahme der Wasserbewegung und eine weitere Verflachung hin (FLÜGEL 1982).

Bioklast-Floatstones sind v.a. an Riffe gebunden. In allen drei Untersuchungsgebieten sind sie als Riffgrundmasse und in der
näheren Umgebung von Riffkörpern häufig. Innerhalb der Riffkörper von Lothringen und Istein handelt es sich meist um
kleinräumige (Dezimeterbereich), innerhalb von vorherrschenden Wacke- bis Grainstones auftretende Lagen oder Areale von
Bioklast-Floatstones. Größervolumige, flächige Bioklast-Floatstones sind vereinzelt und bleiben auf Riffniveaus beschränkt.
Mit zunehmender Entfernung von den Riffkörpern nimmt die Zahl und die Größe der Klasten im Bereich von Lothringen und
Istein ab. Im Riffkomplex von Arnegg mit seinem ausgeprägtem submarinen Relief zeigen Bioklast-Floatstones im Gegensatz
zu den oxfordischen Riffbereichen eine weite Verbreitung und teilweise großes Volumen. Insbesondere in der Mischfazies
treten Bioklast-Floatstones (v.a. in Form tuberoidischer Bioklast-Floatstones bis Tuberoid-Bioklast-Floatstones (s.u.) verbreitet
auf. In der Korallenfazies sinkt der Anteil ruditischer Bioklasten deutlich, meist kleinräumige Bioklast-Floatstones sind jedoch
verbreitet. Bei den ruditischen Komponenten handelt es sich meist um Bruchstücke von Riffbildnern, weniger um andere
Riffbesiedler oder -bewohner. In Arnegg sind dies v.a. mikrobielle Krusten (Tuberoide), Kieselschwämme und Korallen. In
Lothringen und Istein herrschen Korallenbruchstücke vor (Korallen-Floatstones). Nach Riffbildnerklasten sind nachfolgend
Molluskenbruchstücke und Seeigelstacheln häufig. Besonders Muscheln und Austern zeigen lagenweise Anreicherungen
(Bivalven-Floatstones). Übergänge in Wackestones oder Packstones sind die Regel, in kleinräumige Rudstones selten.
Milieuinterpretation: In Lothringen und Istein charakterisieren kleinräumige Vorkommen dieses Faziestyps riffständige
oder riffnahe Bereiche und stehen meist in Zusammenhang mit der höchsten biologischer Produktivität und Aktivität in
diesen Bereichen. Der hohe Anteil von Floatstones innerhalb der Arnegg-Formation ist zum einen auf das starke und
flächige Wachstum von Riffbildnern und die hohe biologische Aktivität, zum anderen durch das ausgeprägte Reliefenergie
des Ablagerungsraumes erklärbar. In den flachmarineren Bereichen der Korallen-Fazieseinheit spielt außerdem die
Erhöhung der Wasserenergie eine wichtige Rolle.

Bioklast-Rudstones sind als kleinräumige Sedimentvolumen in Lothringen (ORK) und Arnegg (AM, AK) vereinzelt.
Während der Faziestyp in Lothringen selten ist und an Riffkörper und Riffniveaus gebunden ist, tritt er in Arnegg
durchgehend auf. Die ruditischen Komponenten sind in der Regel meist schlecht gerundete bis angerundete
Organismenbruchstücke, v.a. Riffbildner und Mollusken. Die Matrix besteht in Lothringen und der Mischfazies von
Arnegg in der Regel aus Wackestones, in der Korallenfazies von Arnegg auch aus Packstones.
Milieuinterpretation: Bioklast-Rudstones charakterisieren reliefstarke Hangbereiche und den Bereiche mit erhöhter
Wasserenergie. Das kleinvolumige Auftreten ordnet die Bioklast-Rudstones in der Regel den Bildungsbedingungen der
umgebenden Pack- und Floatstones unter. Sonderfälle sind tektonisch entstandene tuberoidsche Rudstones (s.u.) in der
Mischfazies von Arnegg oder sturmbedingte Anreicherungen von Bioklasten in Lothringen (s.u.).

Tuberoid-Floatstones sind in der Mikrobolith-Kieselschwamm- und Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen-


Fazieseinheit von Arnegg ausgebildet. Der Faziestyp kommt als Grundmasse von Riffkörpern oder in Form dick- bis
mitteldickgebankter Sedimentkörper vor. In der Faziesuntereinheit AM II zeigen Tuberoide vom zentralen Bereich
99

des Riffkomplexes weg eine deutlich Abnahme. Die Tuberoide zeigen meist Anteile von ca. 10-20 %, teilweise bis
ca. 40 %. Die Form ist kantig bis angerundet bei meist hoher Sphärizität. Mit abnehmender Korngröße steigt der
Rundungsgrad allgemein an. Die Korngrößen liegen zwischen ca. 1-2 mm und mehren cm. Hierbei ist mit vermehrt
kleineren Korngröße eine genaue genetische sowie die Trennung von Peloiden zunehmend erschwert bis schließlich
unmöglich. Die dichte bis schlierige, selten körnig bis feinpeloidal Internstruktur deutet v.a. auf die Herkunft von
mikrobiellen Krusten hin. Teilweise noch erkennbare stromatolithischem Gefüge sind verbreitet. Eindeutige Beweis
für die den Ursprung von Schwämmen wie sie FRITZ (1958) nennt fehlen allgemein, so daß der Begriff Tuberoid in
Arnegg sich nur auf Bruchstücke von mikrobiellen Krusten bezieht.
Milieuinterpretation: Tuberoide sind als Bruchstücke vom mikrobiellen Krusten das Ergebnis biologischer Aktivität
(u.a. Abweidung), erhöhter Wasserenergie oder autogenem Zerfall. Tuberoide sind im Bereich des Schwäbischen
Oberjuras charakteristisch für den Ablagerungsbereich der tiefmarinen Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazies (FRITZ
1958, WAGENPLAST 1972). Dies deutet auf den geringen Einfluß erhöhter Wasserenergie bei der Entstehung hin,
schließt den Einfluß von tiefmarinen Strömungen jedoch nicht gänzlich aus. Die große Menge an Tuberoiden in
Arnegg, liegt neben der Häufigkeit von mikrobiellen Krusten, wohl auch an der vergleichsweise langsamen
Verkalkung mikrobieller Krusten in tiefermarinen Bereichen und der damit verbundenen verhältnismäßig hohen
Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen (s.o.). Die Bildung von Tuberoiden wird in Arnegg außerdem durch
das ausgeprägte Relief und tektonische Ereignisse im Verlauf der Ablagerung begünstigt.

Crinoiden-Korallen-Packstones/Floatstones sind im ORK bei Lerouville (s. Taf. 6) entweder in Form 4-6 m
mächtiger, massiger bis dickgebankte Einheiten im Hangenden der Crinoiden-Grainstones oder als scharf begrenzte
Lagen bis Linsen über sturmbedingten Erosionsflächen innerhalb der Korallendickichte von Pagny sur Meuse
anzutreffen. Sie zeigen eine typische Zusammensetzung aus vorwiegend Crinoidenbruchstücken und Bruchstücken
ästigen Korallen (v.a. Stylosmilia, Calamophylliopsis). Die Crinoidenbruchstücke dominieren insgesamt, während der
Anteil der Korallenbruchstücke mit 5-40 % z.T. starken Schwankungen unterliegt. Zusätzlich sind Bruchstücke von
Mollusken (v.a. Austern und Muscheln), Seeigelstacheln und Serpeln verbreitet bis örtlich dominierend. Die
Muschelanreicherungen entsprechen im Gefüge typischen Sturmwellenkonzentrationen (FÜRSICH et al. 1992). Als
Makrofauna sind insbesondere im unteren und oberen Bereich einzelne dünnfladige bis fladige Korallen (v.a.
Synastrea, Isastrea) vorhanden. In Lerouville erfolgt seitlich ein Übergang in Microsoleniden-Biostrome (LLE 1).
Zum Hangenden zeigt sich meist ein Übergang in korallenführende Bioklast-Wackestones.
Milieuinterpretation: Dieser Faziestyp ist Anzeiger erhöhter Wellenenergie in Folge von Stürmen (Pagny sur
Meuse) oder Untiefen mit geänderten Strömungsverhältnissen aufgrund des Geländereliefs („Upwellingspirale“ nach
HALLOCK & SCHLAGER 1986; Lerouville). Nach den hochenergetischen Zeitabschnitten kommt es in ruhigeren
Episoden teilweise zur Ansiedlung von Korallen und zur Sedimentation von mikritischem Sediment.

Die örtliche Ablagerung von Bioklast-Grainstones innerhalb der Arnegg-Formation ist fraglich. Zum einen
erschwert die oft starke Umkristallisation des Gesteins eindeutige Befunde, zum anderen sind vermeintliche
Grainstonegefüge meist kleinvolumig und zeigen enge Nachbarschaft zu schlammhaltigen Gefügetypen, als Hinweis
auf eine diagenetischen Überprägung. Andererseits begünstigt die hohe Durchlässigkeit von Grainstones wiederum
eine frühe diagenetische Umwandlung.

Crinoiden-Grainstones finden sich, allseitig umgeben von korallenhaltigen Faziestypen, entlang der Meuse
zwischen Euville und Verdun (Boncourt, Dieue, Euville, Haudainville, Lerouville, Mécrin, Senonville) in Form von
hektar- bis quadratkilometergroßen Gesteinskörpern (Abb. 33). An der Basis und Oberfläche werden diese
Gesteinskörper durch Hartgründe begrenzt. Im Bereich der Steinbrüche von Euville ergaben Erkundungsbohrungen
eine Ausdehnung dieser Sandkörper von bis zu 2500 m Länge und 600 m Breite, bei maximalen Mächtigkeiten bis
100

20 m und einer Längserstreckung in N-S-Richtung (vgl. GEISTER & LATHUILIÉRE 1991). Im Aufschluß zeigen sich
massige, mehrere Meter mächtige Einheiten mit einer, zur Dachfläche des Sedimentkörpers parallelen,
weitständigen Bankung. In den Randbereichen des Crinoidensandkörpers von Euville ist ein Schichtfallen von 5-31°
zu beobachten, daß gegen die zentralen Bereiche (Bereich zwischen Steinbruchbereich I und II) in eine ungefähr
horizontale Ausrichtung übergeht. Die maximalen Hangneigungen sind an örtliche kuppenförmige Erhebungen der
Dachfläche gebunden (Euville I; vgl. Kap. 2.1.5; vgl. Abb. 20; Taf. 2). Die Bankeinheiten weisen intern meist
massiges Gefüge (begünstigt durch die glattflächigen Abbauflächen), örtlich auch planare Schrägschichtungskörper
auf. Die mit 3-28° einfallenden Schüttungsflächen zeigen Fallrichtungen nach E bis SE, untergeordnet nach S
und N. Im Bereich von Lerouville ist ein sich 1500 m von NE-SW erstreckender, langgestreckter
Crinoidensandkörper von vergleichbarem Ausmaß aufgeschlossen (s. Taf. 6). Kleinere Crinoidensandkörper
mit N-S verlaufenden Längsachsen finden sich im Meusetal zwischen St. Mihiel und Dieue, mit von W nach E
verlaufenden Längsachsen bei Mécrin und mit unregelmäßigem Grundriß bei Senonville (vgl. Abb 33). Das
gesamte Gestein besteht, bei einheitlichem Gefüge, fast ausschließlich aus Bruchstücken von Crinoiden (v.a.
Pentacrinus sp.; vgl. Taf. 6). Örtlich sind in den jüngsten Abschnitten Übergänge in cortoidische Packstones
zu beobachten. Die Crinoidenbruchstücke zeigen Durchmesser von 0, 5-2,2 mm, wobei die häufigsten Werte
zwischen 0,8-1,6 mm liegen. Die Sortierung ist allgemein gut, v.a. begründet durch die biologisch
vorgegebene Größe der anfallenden Crinoidenbruchstücke. Die Rundungsgrade und die Sphärizität der
Crinoidenbruchstücke sind uneinheitlich und reichen von nicht gerundet und geringer Sphärizität bis zu gut
gerundet mit hoher Sphärizität, bei einem Häufigkeitsmaxima der mittleren Werte. Anfangsstadien
cortoidischer Säume sind verbreitet, echte durchgehende cortoidische Rinden sind selten, bei jedoch in den
jüngsten Abschnitten zunehmendem Anteil. An den Korngrenzen sind verbreitet Drucksuturen zu beobachten.
Stacheln und Bruchstücke cidaroider Seeigel sind verbreitet, bereichsweise angereichert. Mit geringem Anteil
finden sich außerdem Bruchstücke von Austern, Muscheln, Gastropoden, Serpeln, Korallen sowie von
milioliden Foraminiferen (u.a. Lenticulina). An bankinternen Diskontinuitätsflächen sind fleckenhafte oder
flächige Ansammlungen von festsitzenden Muscheln, Austern und Korallen (u.a. Nanogyra nana, Lopha,
Gryphaea, Pseudocoenia) vorzufinden, die im Laufe der Ablagerung an Häufigkeit und Ausdehnung
zunehmen. Fladige Korallen treten, abgesehen von einer Ausnahme in den unteren Bereichen (Fungiastrea
arachnoides 2 m über Basis in Euville I), nur selten in den obersten Bereichen auf. Die Koloniedurchmesser
liegen bei 7-30 cm. Bioturbation ist nicht direkt zu beobachten, wegen der teilweisen Homogenisation größerer
Gesteinsvolumen jedoch nicht auszuschließen.
Milieuinterpretation: Das Grainstonegefüge, die bankinterne Schrägschichtung, die Ablagerung des Faziestyps in
Form unregelmäßiger, langgestreckter und zueinander ungefähr paralleler Gesteinskörper und das arten- und
individuenarme, marine Faunenspektrum sind Anzeiger für die Ablagerung als submarine Sandkörper in ständig
bewegten Wasser (BALL 1967, JENKYNS 1971, ALLEN 1984). Aufgrund der wechselhaften, schwach bipolaren
Verteilung des Einfallens der Schrägschichtungskörper ist eine gezeitengesteuerte Ablagerung im intertidalen Bereich
wahrscheinlich. Die Klassifikation submariner Sandkörper dieser Größe ist uneinheitlich. ALLEN (1980) schlägt bei
bidirektionalem Sedimenttransport den Terminus Sandwelle vor. BERNÉ et al. (1989) schlagen für heutige
strömungstransverse, tidale Sedimentkörper den in der vorliegenden Arbeit verwendeten Begriff (hydraulische)
Riesendünen vor. Hierbei können bei ungefähr gleicher Stärke der einzelnen Strömungen ortsfeste, symmetrische
Riesendünen mit nur oberflächlich bewegtem Sediment entstehen (ALLEN 1980, BURCHETTE et al. 1990). Die
Ortsfestigkeit der Riesendünen wird dabei durch rasche syntaxiale Zementation in den porösen Crinoidensanden
begünstigt (vgl. GOLDRING 1995). Regional ist als Basis und Top der Crinoidensand-Riesendünen eine
Hartgrundfläche mit teilweise kuppigen Relief zu beobachten. Die Hartgründe und das Grainstonegefüge bezeugen
eine Bildung unter sehr geringen Sedimentationsraten. Die zunehmende Annäherung beider Hartgrundflächen in
Richtung zu den Randbereichen der Crinoidensand-Riesendünen weist auf die Ablagerung der Crinoidensande im
101

Verlauf einer Mangelsedimentationsepisode hin (vgl. Kap. 91.10 und 10). Nach der gezeitengesteuerten Ablagerung
der Crinoidenklasten (vgl. Kap. 4.4) kommt es zur Ausbildung des abschließenden Hartgrundes und der
anschließenden Anbohrung durch Bohrmuscheln. In heutigen Meeren bedecken Riesendünen große Bereiche von
gezeitendominierten Flachmeerflächen (ALLEN 1984, DALRYMPLE 1992). Fossile Crinoidensandkörper mit ähnlichen
Ausmaßen beschreiben MINISK & RAKUS (1964) aus dem Unteren Jura der Hohen Tatra, NEUMEIER (1998) und
GONZALES (1996) aus dem Mittleren Jura des französischen Juragebirges. Großflächig verbreitete, unteroxfordische
Crinoidensandkalke des Mittleren Juras sind der Cornbrash in England und der Dalle Nacré im Juragebirge
(BEAUVAIS 1964). POMEROL (1974) und BURCHETTE et al. (1990) ordnen Crinoidensande der mittleren bis inneren
Karbonatrampe zu. NEUMEIER (1998) berichten von gezeitenbeeinflußten Crinoiden-Riesendünen im äußeren
Schelfbereich in größeren Meerestiefen von 100 bis 150 m und ROUX et al. (1988) beschreiben auf das ausgedehnte
Wachstum von Crinoiden in Wassertiefen von über 100 m. Ein Wachstum in diesen Tiefenbereichen oder am
Plattformrand ist im Bereich von Lothringen jedoch aufgrund des allseitigen Übergangs in flachmarine Faziestypen
auszuschließen. GONZALES (1996) ordnet schräggeschichtete Crinoidensande dem Übergang von tieferem zu
flacherem Wasser zwischen Schönwetter- und Sturmwetterwellenbasis mit Tiefen von 10-15 m zu und gibt Stürme
oder starke Tiden als Entstehungsmechanismen an. Rezente Crinoiden besiedeln Hartsubstrate und gedeihen in
normalsalinen, gut durchlüfteten Umwelten mit geringem Schwebstoffgehalt (vgl. Kap. 5.3.5). Der fast
ausschließliche Aufbau der Dünenkörper aus Crinoidenbruchstücken, die aufgrund ihres porösen Stereoms einen
hohen hydrodynamischen Auftrieb aufweisen (der bis zum doppelten Wert des Auftriebs von Quarzkörner und von
karbonatischen Sandkörnern erreichen kann (RUHRMANN 1971, NEUMEIER 1998)), lassen für die Ablagerung der
Crinoidensand-Riesendünen geringere Strömungsenergien als bei den rezenten, karbonatischen Analoga (Ooidbarren,
Riesendünen) annehmen (JENKYNS 1971, RUHRMANN 1971). Die Zerbrechlichkeit der Ossikel ermöglicht jedoch nur
kurze Transportweiten (NEUMEIER 1998). HALLEY et al. (1983) weisen darauf hin, daß auf flachmarinen Plattformen
die Sedimentquellen für Sandkörper sich stets in unmittelbarer Nähe befinden. Der geringe Anteil an benthischer
Besiedlung ist aufgrund der unstabilen Substrateigenschaften (JENKYNS 1971, SELLWOOD in READING 1989) typisch
für mobile submarine Dünen. Die Ausmaße der Crinoiden-Riesendünen, die relativ gute Sortierung der
Komponenten, daß für den Bewuchs mit Crinoiden ungeeignete instabilen Substrat und das Fehlen von
Crinoidenwurzeln sprechen für einen eine allochtone Ablagerung der Crinoidenbruchstücke nach kurzem Transport
aus den umgebenden flachmarinen Meeresbereichen durch küstenparallele Strömungen und/oder Gezeitenströmungen
(vgl. FÜCHTBAUER 1988). Zusammen mit der hohen Transportfähigkeit der Crinoidenbruchstücke und der
Mächtigkeit von bis zu 15 m sind als Ablagerungsraum etwas tiefere Ablagerungsbereiche zwischen Sturmwetter-
und Schönwetterwellenbasis wahrscheinlich. ALLEN (1980) beschreibt gezeitenbedingte, langestreckte Sandrücken
aus der Nordsee und den Bahamas, die zueinander parallele „Züge“ bilden. Zeitweise
Sedimentationsstillstandsphasen (mit einer Zunahme gegen Ende der Ablagerung) ermöglichten die kurzzeitige
Ansiedlung von benthischer Fauna, bei längerem Andauern auch selten von fladigen Korallen auf der
Dünenoberfläche. Das Fehlen von Korallenwachstum scheint ansonsten durch das unfeste, bewegliche
Crinoidensandsubstrat begründet (s.o.). Die Anordnung der Schrägschichtungsflächen (vgl. Kap. 2.1.5) spricht für
Strömungsrichtungen vornehmlich aus N bis W.

4.2.3 Cortoidische, onkoidische und oolithische Faziestypen

Cortoid- bis Onkoid-Bioklast-Wackestones/Packstones sind in Lothringen (Bonville, Euville, Foug, Aprêmont la


Forêt, Senonville und Lerouville) in Form von massigen bis undeutlich gebankten, intern lagigen Einheiten
anzutreffen. Charakteristisch ist das Auftreten im Liegenden und Hangenden der Crinoidensandkalke. Es zeigen sich
in der relativen Häufigkeit und der Verteilung von Cortoiden bis Onkoiden örtliche Schwankungen. Allgemein ist ein
im Verlauf der Ablagerung zunehmender Anteil an Onkoiden und mikritischer Grundmasse feststellbar. Es treten
102

cortoidische Bioklast-Wackestones, Cortoid-Bioklast-Onkoid-Wackestones bis cortoidische Onkoid-Wackestones


auf. Bemerkenswert sind onkoidische Cortoid-Crinoiden-Bioklast-Packstones, die als dünenförmige Sedimentkörper
abgelagert wurden (s.u.). Cortoide bilden sich aus Bioklasten aller Art. Übergangsstadien belegen den weitere
Entwicklung von Cortoiden in Onkoide oder seltener Ooide. Die onkoidischen Hüllen werden, bei ungefähr gleichen
Anteilen, von nubeculariiden Foraminiferen und von mikrobiellen Krusten gebildet. Die Mächtigkeit der Hüllen ist
gleichbleibend bis unregelmäßig und beträgt von 0,1-0,8 mm. Gelegentlich (URK Euville) ist einseitiger Bewuchs zu
beobachten. Meist zeigen die Onkoide rundliche bis eiförmige Gestalt. Bei mit zunehmender Größe nimmt die
Sphärizität ab. Teilweise sind die Anfangsstadien von Onkoiden ooidisch. Als nicht umhüllte Bioklastentypen sind
v.a. Echinodermenbruchstücke häufig aber auch andere Bioklasten sind verbreitet. Der Anteil an Bioklasten schwankt

Abb. 33: Verbreitung und Grundriß von Crinodensand-Riesendünen


entlang des Meusetals ( nach GOGUEL 1964).

von wenigen Einzelkomponenten bis bereichsweise ca. 40 %. In Euville sind selten organisch verkittete
Komponenten (Bio-Lumps) vorhanden. Teilweise sind kleinräumige, gröberklastische Lagen und Linsen mit
Floatstonegefüge eingeschaltet (v.a. Bruchstücke von Korallen und Mollusken). Der Rundungsgrad der bioklastischen
Ausgangskomponenten ist angerundet bis gerundet, die Sortierung ist mäßig bis gut. Als Biomorpha treten
vorwiegend Gastropoden, Muscheln (u.a. pectinide Muscheln, Chlamys textoria, Entolium) sowie Austern (Gryphaea
dilatata, Nanogyra nana, Lopha gregareaum) auf. Korallen sind örtlich vorhanden. In Arnegg sind cortoidische
Bioklast-Wackestones bis Cortoid-Bioklast-Wackestones im gesamten Hangbereich der jüngsten Mischfazies (AM
III) und der Korallenfazies verbreitet. Die Ansprache der Komponenten wird hier durch die häufig stark bis
vollständige Mikritisierung der Bioklasten zu (Bahamitpeloide) erschwert.
Milieuinterpretation: Cortoidische Komponenten dokumentieren im ORK vom Lothringen flache Untiefen oder
lagunäre Umwelten mit teilweise erhöhter Wasserbewegung. Verbreitete Übergänge in ooidische Komponenten bzw.
onkoidische Faziestypen, sowie die mikritische Matrix sprechen hierbei für wechselnde Wasserbewegung, die häufige
Makrofauna bezeugt überwiegend ruhendes Sediment. Innerhalb der Arnegg-Formation ist der im zeitlichen Verlauf
ansteigende Anteil an Cortoiden als Hinweis auf voranschreitende Verflachung und steigende Wasserenergie deutbar.
Cortoid-Crinoiden-Bioklast-Packstones sind im ORK von Lothringen zu beobachten. Sie bilden direkt über den
Crinoiden-Grainstones in Euville II meterdick gebankte (2-4 m), seitlich begrenzte, dünenförmige Sedimentkörper
103

von maximal mehreren ar Fläche (vgl. Kap. 2.1.5). In Haudainville bildet dieser Faziestyp die jüngsten Abschnitte
einer Riesendüne und beherrscht die ältesten Abschnitte folgender, korallenhaltiger Faziestypen. Im Bereich
Lerouville ist der Faziestyp im nördlichen Hangbereich im Hangenden der Crinoidensand-Riesendüne und im
Liegenden des Isastrea-Großbiostromes entwickelt (vgl. Kap. 2.1.6). Die teilweise cortoidisch umsäumten
Crinoidenbruchstücke (ca. 30-50 %) sind angerundet bis gerundet und zeigen eine meist gute Sortierung bei
Korngrößen zwischen 0,4-3 mm. Teilweise sind onkoidische Komponenten eingestreut. Es handelt sich allgemein um
Algenonkoide mit wenigen Hüllen und mit Korngrößen von 1-3 mm. Örtlich sind 3-25 cm dicke, schalenreiche Lagen
(Bivalven-Cortoid-Crinoiden-Float-/Rudstones) ausgebildet. Verbreitet sind cidaroide Seeigelstacheln. Zum
Hangenden zeigt sich bei abnehmendem Komponentengehalt (Wacke- bis Packstones) das Einsetzen von
Korallenwachstum (Euville, Lerouville, Haudainville).
Milieuinterpretation: Das überwiegend korngestützte Gefüge, der hohe Anteil cortoidischer Komponenten und die
Umrisse der Sedimentkörper sprechen für die Ablagerung des Faziestyps in Form submariner Dünen bei ständiger
Wasserbewegung. Die mikritische Matrix dokumentiert hierbei zeitweise auch geringere Wasserenergie. Die
räumliche Beschränkung des Faziestyps weist auf lokale Strömungsbedingungen hin, verursacht durch das liegende
Relief. Das weitgehende Fehlen von Makroorganismen bezeugt eine, durch lockeres Sediment instabile
Sedimentoberfläche (ALLEN 1980). Ruhigere Zeitabschnitte mit einer weitgehenden Festlegung des Sediments
werden durch ansteigenden Mikritanteil, lagenweise Besiedlung von Mollusken und das einsetzende Wachstum von
Korallen und Onkoiden dokumentiert.

Nerineen- und lituolidenführende Rindenkörner-Pack-/Floatstones (Rudstones) sind im Bereich des ORK von
Lothringen (Foug, Pagny sur Meuse, Sorcy Gare, Aprêmont la Forêt) und nach Abschluß der Riffentwicklung am
Isteiner Klotz anzutreffen. Der Faziestyp entwickelt sich durch den ansteigenden Gehalt an Onkoiden und
untergeordnet Ooiden aus bioklastischen, cortoidischen bis onkoidischen (Aprêmont la Forêt, Lerouville), und
schlammigen Faziestypen (Euville, Pagny sur Meuse). Örtlich (Foug, Senonville) setzt dieser Faziestyp direkt über
Hartgründen ein und schließt die Riffbildung ab (Isteiner Klotz). Das Gefüge ist allgemein regellos, teilweise ist eine
lagige Absonderung des Gesteins zu beobachten. Das Größenspektrum der Komponenten ist, bei kleinräumigen
Unterscheiden der Komponentenanteile, uneinheitlich. Die Onkoide zeigen Durchmesser von 1-8 mm bei einem
Häufigkeitsmaximum zwischen 1 bis 3 mm. Es handelt sich allgemein um Algen-Foraminiferen-Onkoide (vgl. Kap.
4.1.4). Bei steigendem Onkoiddurchmesser nimmt der Foraminiferengehalt zu. Die Kerne bilden meist sämtliche im
Ablagerungsbereich verfügbare Bioklasten, selten herrscht ein Typ vor (Boncourt nur Korallenbruchstücke). Die
Onkoide zeigen größtenteils mehrlagigen Aufbau mit totalen Hülldicken von 0,5-6 mm. Meist liegen die
Durchmesser im zwischen 1-2 mm. Mit zunehmender Größe zeigt sich eine abnehmende Sphärizität. Einfachonkoide
oder Onkoide mit wenigen dünnen Lagen sind verbreitet (Sorcy Gare II, Lerouville, Aprêmont la Forêt,
Haudainville). Normalooide sind die Ausnahme und mit Anteilen von 5-10 % an allen Komponenten meist
untergeordneter Bestandteil innerhalb onkoidischer Faziestypen. Allgemein sind mit zunehmender Größe von Ooiden
einzelne onkoidische Lagen, erkennbar an nubeculariiden Foraminiferen, eingeschaltet. Selten sind Onkoide in
lagenweise oder in kleinräumigen Bereichen vorherrschend. Ooide sind v.a. in Foug häufig (Onkoid-Ooid-Pack-
Floatstones; vgl. Tab. 6), in Euville verbreitet (ooidische-Onkoid-Bioklast-Wacke- bis Floatstones) und in Sorcy
Gare II vereinzelt. Der Durchmesser der Ooide erreicht Werte von 0,1-2,5 mm mit einem Maximum von 0,5-1,2 mm.
Die Ooidhüllen sind mehrlagig und erreichen in der Regel den einfachen bis doppelten Durchmesser des Kerns, bei
kugeliger bis elliptischer Ooidform. Teilweise zeigt sich eine bräunliche Färbung der Rindenkörner durch Eisenoxide
(Foug). Neben den Ooiden und Onkoiden findet man untergeordnet Bioklasten (5-10 %) von Muscheln, Austern,
Echinodermen (Seeigelstacheln, Pentacrinus sp.), die u.a. als Kerne zur Rindenkornbildung dienen. Geringmächtige
Muschel- und Austernpflaster (pectinide Muscheln, Chlamys textoria, Entolium, Nanogyra nana, Lopha gregareum)
sind in Foug häufig. Gastropoden (v.a. Nerinea) sind verbreitet, teilweise häufig. Örtlich (Euville, Lerouville, Istein
104

II) sind lituolidenführende Faziesausbildungen mit Everticyclammina oder Pseudocyclammina anzutreffen. Besonders
charakteristisch sind neerineenführende Faziestypen (Foug, Rognontal, Pagny sur Meuse, Sorcy Gare, Aprêmont la
Forêt). Örtlich (Foug, Sorcy Gare, Aprêmont la Forêt) ist Trichites sp. mit Durchmessern bis 14 cm verbreitet.
Miliolide Foraminiferen (Lenticulina sp., Nautiloculina sp.) und lituolide Foraminiferen sind allgemein verbreitet,
textulariide Foraminiferen (Textularia sp.) kommen vereinzelt vor. In Euville wurde eine Exemplar von Diceras sp.
und wenige Dasycladaceen-Bruchstücke festgestellt.
In den Aufschlüssen Foug, Sorcy Gare I und Aprêmont la Forêt sind Korallen allgemein verbreitet. Die Korallenfauna
ist niederdivers und wird von microsoleniden bis thamnasteroiden Formen (Actinaraea, Microsolena, Dimorpharaea,
Thamnasteria, Mesomorpha, Fungiastrea) beherrscht. Es folgen ceroide (Isastrea, Clausastrea), plocoide
(Pseudocoenia), mäandroide (Comoseris), ästige (Stylosmilia, Cladophyllia, Calamophylliopsis, Dermosmilia),
ramose (Dendraraea, Thecosmilia) und solitäre (Montlivaltia) Wuchsformen. Die ästigen Wuchsformen sind meist
als Bruchstücke überliefert. Mit ansteigendem Schlammanteil zeigen sich jedoch auch vollständige Stöcke (Aprêmont
la Forêt). Fladige bis dickfladige Korallen (v.a. Dimorpharaea, Microsolena, Fungiastrea, Thamnasteria) sind, bei
Durchmessern von 5 – 35 cm (meist bis 15 cm), häufig. Es folgen massige Korallen mit Durchmessern zwischen 10-
15 cm. Die Anordnung der Kolonien ist meist frei im Sediment. Örtlich sind dezimetergroße Ansammlungen oder
seitlich wenig durchhaltende, lockere Lagen von Korallen zu beobachten. Die Korallen liegen mit den Basisflächen
überwiegend parallel zur undeutlichen Bankung. Der Korallenanteil steigt allgemein mit Abnahme der Rindenkörnern
(und Klasten allgemein). Ein örtlicher Bewuchs von thrombolithischen Krusten, Serpeln, Austern, nubeculariiden
Foraminiferen, Bryozoen und thecideidiniden Brachiopoden in wechselnden Anteilen ist allgemein gegeben.
Lithocodium und Bacinella sind verbreitet, Tubiphytes ist vereinzelt.
Milieuinterpretation: Onkoidische Faziestypen stellen allgemein Ablagerungen des Flachwassers im Bereich
geschützter, innerer bis mittlerer Rampenbereiche dar (vgl. Kap. 4.1.4). GONZALES (1996) nennt für die Bildung
dieser Sedimente Wassertiefen von 5-15 m. Sphärische Formen und mikritische Hüllen zeigen hierbei höhere
Wasserenergie an (vgl. Kap. 4.1.4). Ebenso sprechen ooidische Anfangsstadien von Onkoiden für erhöhte
Wasserenergie. Mit der Erhöhung des Durchmessers sinkt die Transportfähigkeit der Ooide und weitere Organismen
treten zur Hüllenbildung hinzu (vgl. WRIGHT 1983, DAHANAYAKE 1983). Ein steigender Gehalt an mikritischer
Matrix geht einher mit geringerer Wasserenergie (Euville, Pagny sur Meuse, Boncourt, Senonville). Die
Sedimentationsrate muß hierbei jedoch meist gering gewesen sein, um das Wachstum von onkoidischen Hüllen zu
ermöglichen. Weitere Flachwasseranzeiger sind Korallen, Nerineen und Dasycladaceen (Euville). Besonders
Dasycladaceen wachsen im allgemeinen im intertidal in geschützten Lagunen (FLÜGEL 1982, TUCKER & WRIGHT
1990). Der nur vereinzelte Wuchs von Korallen ist wohl auf das unfeste Substrat und schwankende
Umweltbedingungen im Flachwasser zurückzuführen.

Mikrobolithische Onkoid-Intraklast-Lituoliden-Floatstones überlagern die Riffgesteine am Isteiner Klotz. Das


matrixgestützte Gestein setzt sich v.a. aus Onkoiden, Intraklasten und lituoliden Großforaminiferen zusammen,
weniger aus Intraklasten und Peloiden. Es handelt sich meist um mittelmäßig sortierte, angerundete Komponenten in
einem Größenbereich von 0, 1 bis 2 mm. Onkoide sind häufig. Teilweise ist erkennbar, daß die mikritische
Grundmasse von mikrobiellen Krusten durchzogen ist. Neben mikrobiellen Krusten sind hauptsächlich Bacinella und
nubeculariide Foraminiferen, weniger Lithocodium und Girvanella an der Onkoidbildung beteiligt (Bacinella-
Onkoide). Die Onkoide erreichen Durchmesser von 0,4 – 40 mm. Größere Onkoide (>0,6 mm) zeichnen sich durch
unregelmäßige, z.T. lappige Umrisse aus. Kleinere Onkoide (2-6 mm) sind in der Regel gleichmäßiger. Deutliche
Laminae sind nicht ausgebildet. Teilweise sind sparitische Bereiche innerhalb von Onkoidhüllen vorhanden. Als
Kerne dienen meist Molluskenreste. Neben Onkoiden sind auch wenige Bio-Lumps vorhanden, in denen Bioklasten
unter Beteiligung von Bacinella miteinander verbunden sind. Bei den verbreiteten, teilweise mikritisierten Bioklasten
handelt es sich im wesentlichen um Bruchstücke von Korallen (Dermoseris, Stylosmilia), Bivalven, Gastropoden,
105

Echinodermen und einigen Dasycladaceen. In den jüngsten Abschnitten des Faziestyps sind örtlich kleinräumige
Kanalablagerungen mit lagiger Sedimentfüllung ausgebildet.
Milieuinterpretation: Der Faziestyp weist aufgrund seines Komponentenspektrums auf eine peritidale Umwelt hin
(TUCKER & WRIGHT 1990). Die meist unregelmäßigen Bacinella-Onkoide sprechen für sehr geringe Hydrodynamik
und niedere Sedimentationsraten in einer ruhigen, geschützten lagunären Umwelt (vgl. Kap. 4.1.4). Ortsfest gebildete
Onkoide zeigen in diesem Zusammenhang in der Regel eine Asymmetrie der Hülle (GOLUBIC & FISCHER 1975). Die
häufige Assoziation der Onkoidkrusten mit höheren Algen und Foraminiferen zeigt, daß über gewisse Zeiträume
hinweg ruhige Verhältnisse geherrscht haben müssen (DAHANAYAKE 1983). Mikrobielle Matten überzogen das
Sediment großflächig und stabilisierten es dabei. Kleinere Onkoide und Intraklasten sprechen für eine geringe oder
nur zeitweise Wasserbewegung. Weitere Anzeiger für eine Ablagerung im flachen Intertidal ist das Vorhandensein
von lituoliden Großforaminiferen, Bio-Lumps, Dasycladaceen sowie von Gezeitenkanälen.

Molluskenführende Onkoid-Ooid-Inkrustierer-Floatstones sind im Süden des lothringer Arbeitsgebiets, im


Bereich der Täler der Marne und Rognon (Doulaincourt, Rochers sur Rognon, Froncles), aufgeschlossen. Es handelt
sich um korallenführende, weiße bis cremefarbene, massig-lagige bis undeutlich dickgebankte Gesteine, in die
einzelne, kleinräumige Boundstones eingelagert sind (vgl. Kap. 2.1.12; s. Taf. 7). Die Flächenausdehnung des
Faziestyps beläuft sich auf mindestens ca. 10 km2, bei einer aufgeschlossenen Mächtigkeit bis 15 m. Die Form der
Onkoide zeigt eine deutliche Abhängigkeit von der Korngröße (0,1-14 cm). Ab Durchmessern über ungefähr 0,3 cm
zeigen die Onkoide eine längliche, z.T. etwas unregelmäßige bis „erdnußförmige“ Gestalt (s. Taf. 7). Onkoide kleiner
etwa 0,3 cm zeigen meist kugelige bis eiförmige Gestalt. Die Onkoide bildeten sich um Bioklasten aller Art (v.a.
Molluskenfragmente) und weisen einen subsphärischen, gleichmäßigen Lagenbau auf. Das Anfangsstadium ist
hierbei häufig ooidisch ausgebildet. Die onkoidischen Hüllen sind überwiegend mikritisch-dicht und mikrobiellen
Ursprungs (Algenonkoide) bei teilweise geringer Beteiligung nubeculariider Foraminiferen (Algen-Foraminiferen-
Onkoide). Onkoide mit mittleren Größen von 0,3-3 cm weisen häufig unregelmäßigen, nur selten gleichmäßigen
Lagenbau auf; die Kerne bestehen in der Regel aus größeren Bioklasten. Es sind hier vermehrt Lithocodium und
Bacinella am Aufbau der Lagen beteiligt (Bacinella-Lithocodium-Algen-Onkoide; s. Taf. 7). Mit zunehmendem
Durchmesser sind verbreitet Mehrfachonkoide zu beobachten. Die größten Onkoide bis 14 cm besitzen neben
millimeter- bis zentimetergroßen bioklastischen Komponenten, vollständige Nerineen und Diceraten als Kerne. Sie
zeigen keinen oder nur schwach entwickelten Lagenbau, bei gleichbleibender Hüllendicke bis etwa 1,5 cm. Es
handelt sich allgemein um Bacinella-Onkoide, z.T. mit geringer Beteiligung von Lithocodium. Innerhalb der
Bacinella-Lithocodium-Hüllen sind stets unregelmäßig begrenzte, sparitisch verfüllte Hohlräume mit Durchmessern
bis 1,5 mm ausgebildet. Insgesamt zeigen Onkoide über 1 cm Durchmesser einen Anteil von etwa 10-20 % am
Gesamtonkoidvolumen. Die Verteilung der Onkoide im Gestein ist richtungslos bei schlammig-mikritischer
Grundmasse. Verbreitet bis häufig sind Peloide, Cortoide und Echinodermenbruchstücke (u.a. cidaroide
Seeigelstacheln) vorhanden. Örtlich sind wenige Bio-Lumps enthalten. Die teilweise oder vollständige Mikritisierung,
v.a. der kleineren Komponenten, ist verbreitet (Bahamitpeloide). Kennzeichnend für diesen Faziestyp ist das
durchgehende Auftreten von vereinzelten, halbkugelförmigen bis massigen oder kugelförmigen Korallenkolonien
(v.a. Comoseris (s. Taf. 12) Pseudocoenia, Amphiastrea, Stylina, Actinastrea). Die Korallen zeigen häufig postmortal
dünne, durchgehende Überzüge von Mikroinkrustierern. Allgemein verbreitet bis häufig sind Nerineen und Diceraten
(bis 12 cm), die bereichsweise rasenbildend auftreten. Neben den verbreiteten pectiniden Muscheln, vereinzelten
Exemplaren von Trichites und kleinen roten Muscheln, sind Austern (v.a. Nanogyra nana, Liostrea, Lopha)
vorhanden. Halbkugelförmige bis kugelförmige, meist aufstrebend-säulige Solenoporaceen (S. cayeuxiformis, S.
helvetica) mit Durchmessern von 1,5-7 cm sind häufig. Die inkrustierende Mikrofauna weist weiter Cayeuxia,
Tubiphytes, Eggerella, Epistomina, Thaumatoporella (s. Taf. 7), Coscinophragma cribosum, mikrobielle Krusten und
Bryozoen auf. Foraminiferen sind häufig (Pseudocyclammina, Lenticulina, Nautiloculina, Textularia, Trocholina,
106

Valvulina). Vereinzelt sind Dasycladaceen-Bruchstücke und Bio-Lumps enthalten. Zum Hangenden nimmt der
Gehalt an Onkoiden, Bioklasten und Biomorpha allmählich ab (Froncles, Rochers sur Rognon) und es folgen
bioklastische Onkoid-Wacke-/Floatstones mit abnehmendem Korallenanteil.
Milieuinterpretation: Onkoidische Faziestypen sind typische Ablagerungen des Flachwassers im Bereich der
mittleren bis inneren Rampe (WRIGHT 1983). Der Übergang von kleinen sphärischen Algen-Onkoiden (und Ooide) in
zunehmend größere, von Bacinella dominierte Onkoidtypen, bezeugt die abnehmende Transportfähigkeit der
Onkoide mit ansteigender Größe. Das Wachstum von Bacinella-Onkoiden ist generell an vergleichsweise geringe
Wasserenergie gebunden bei gleichzeitig hohen Wachstumsraten (PERYT 1981). Nach DAHANAYAKE et al. (1976),
DAHANAYAKE (1983) und WRIGHT (1983) ist dieser Onkoidtyp typisch für wenig bewegtes Wasser wie es z.B. in
geschützten Lagunenbereichen auftritt. PERYT (1981) weist auf die Toleranz von unstabilen Umweltverhältnissen
durch Bacinella hin. Die schlammige Matrix unterstreicht ebenfalls den niederenergetischen Charakter dieses
Faziestyps. Das Auftreten von Korallen und filtrierenden Organismen belegt eine ständige Wasserbewegung;
ooidische Anfangsstadien und Mehrfachonkoide zeigen wechselnde Wasserenergie an. Der Flachwassercharakter
wird durch die Vielzahl von ausgesprochen Flachwasserorganismen (u.a. Korallen, Solenoporaceen, Diceras,
Inkrustierer) belegt. Die vorherrschenden massigen bis kugelförmigen Korallenwuchstypen zeigen die größte
Häufigkeit in Meerestiefen geringer als 20 m und sind charakteristisch für ruhige, lagunäre Ablagerungsbereiche (vgl.
Kap. 7). Das Auftreten von Thaumatoporella und Cayeuxia in der mitteldiversen Bacinella-Lithocodium-Assoziation
ist nach SCHMID (1996) charakteristisch für Habitate mit nicht für alle Inkrustierer günstige Bedingungen. Dies steht
wahrscheinlich im Zusammenhang mit vergleichsweise geringer Wasserbewegung. Auch Bio-Lumps sind für eher
niederenergetisches Milieu mit nur sporadischen Sedimentbewegungen charakteristisch (TUCKER & WRIGHT 1990).
HILLY & HAGUENAUER (1979) ordnen die molluskenführende Onkoid-Ooid-Inkrustierer-Floatstones des Rognontals
plattformrandlichen Barrenkörpern zu. Als Grund hierfür nennen sie u.a. die unmittelbare Nachbarschaft zu
tiefmarinen Karbonaten im Marne- Tal. Die sedimentologischen Charakteristika entsprechen nach (HALLEY et al.
1983) nicht typischen Plattformrandsedimenten bzw. Sedimentkörpern. Eventuell ist die Nachbarschaft zu
tiefmarinen Kalken durch tektonische Störungen im Verlauf des Marnetal zu erklären.

Ooid-Peloid-Pack-/Grainstones treten innerhalb des kieselschwammführenden Thrombolith-Mittelbioherms (AM II


4) der jüngsten Mischfazies der Arnegg-Formation als lagige Füllungen von Riffhohlräumen auf. Typisch ist die enge
Nachbarschaft und der Übergang in stromatolithische Krusten. Die Ooide zeigen meist radial angeordnete
Kalzitnadeln und teilweise, wohl als Ergebnis von Umkristallisationsprozessen, feinsparitische bis mikritische Textur.
Die Sortierung ist meist mäßig bei Korngrößen von 0,3 – 1,3 mm (Häufigkeitsmaxima zwischen 0,3-0,6 mm). Meist
ist eine einfache Hülle aus radialfaserigen Kalzitnadeln ausgebildet, deren Mächtigkeit bis ungefähr das Doppelte des
Kerndurchmessers erreicht. Mehrere Hüllen sind nur bei Korngrößen über 0,5 mm festzustellen. Die Kerne sind
durchgehend feinpeloidal-mikritisch. Eine randliche Mikritisierung mit der Ausbildung mikrosparitscher Säume ist
verbreitet. Die Sphärizität ist bei den kleineren Korngrößen gut und wird mit ansteigendem Durchmesser geringer.
Peloide die in Größe und Gefüge den Ooidkernen entsprechen sind verbreitet. Das Gefüge ist korngestützt bei
weitgehend sparitischer Grundmasse. Aufgrund von örtlichen Resten mikritischer Matrix ist ein primäres
Packstonegefüge wahrscheinlich. Vom Aufbau entsprechende Ooide sind, zusammen mit feinkörnigen Peloiden, in
stromatolithischen Krusten enthalten. Neben Peloiden sind Tuberoide, die oft in Lagen angereichert sind, häufiger
Bestandteil des Faziestyps. Sie zeigen Durchmesser bis 3 mm bei allgemein hoher Sphärizität. Weiter erwähnenswert
sind wenige Algenonkoide bis 1,2 mm und häufig planktische Foraminiferen.
Milieuinterpretation: Die Peloide und Ooide können als in-situ-Bildungen innerhalb von Mikrobenmatten gedeutet
werden (GERDES & KRUMBEIN 1987, SCHMID 1996), die aufgrund von Strömungen innerhalb des riffinternen
Kavernensystems aus unverkalkten Mikrobenmatten ausgespült wurden und im Kavernenraum sedimentierten. Auch
die „freie“ Bildung der Ooide außerhalb von Mikrobenmatten ist denkbar. Neben der engen räumlichen
107

Nachbarschaft zu mikrobiellen Matten und dem Vorkommen entsprechender Komponenten innerhalb dieser Matten,
sprechen die unregelmäßige Form, die mäßige Sortierung und die einheitlich peloidalen Kerne für einen mikrobiellen
Ursprung. Sehr ähnliche Faziestypen („Peloid-Ooid-Stromatolithe“) in Kavernen von „Fungiiden-Biostromen“ und
„Korallen-Stromatolith-Biohermen“ des mittleren Rampenbereiches beschreibt HERMANN (1996) aus dem Oberjura
Rumäniens. SUN & WRIGHT (1989) beschreiben aus oberjurassischen Riffhohlräumen ebenfalls Peloide mit
euhedralen Rändern aus Kalzit. MACINTYRE (1984) beschreibt die Bildung von Peloiden in submarinen Höhlen der
Karibik (Belize Barriereriff).

4.2.4 Intraklastische Faziestypen

Intraklast-Tuberoid-Bioklast-Rudstones sind nur kleinräumig im ältesten, bis 25° geneigten Teil der Mischfazies
von Arnegg (Grenze AM I/ II in Steinbruch Ia und II; vgl. Kap. 2.3; s. Abb. 13, Taf. 10) im mittleren Hangbereich
aufgeschlossen. Die Sedimentkörper zeigen eine unregelmäßig-wellige Dachfläche und eine schwankende
Mächtigkeit von 2-3 m. Der Übergang zum Liegenden ist fließend. Die Hangendgrenze des Faziestyps ist meist
scharf ausgebildet, teilweise ist der Verlauf unscharf. Das Gestein ist massig und zeigt ein brekziöses Gefüge, daß
vorwiegend aus ruditischen Bruchstücken mikrobieller Krusten (Tuberoide), Kieselschwämmen und Intraklasten
zusammengesetzt ist. In Steinbruch II zeigt sich unter der Erosionsdiskordanz eine allgemein geringere Mächtigkeit,
einen geringeren Klastengehalt und eine geringere Klastengröße als in Steinbruch I a. Den größten Anteil an den
Klasten stellen Intraklasten, gefolgt von Tuberoiden und weiteren Bioklasten (v.a. von Kieselschwämmen). Tuberoide
und Intraklasten sind meist schlecht gerundet bis gerundet. Schwammbruchstücke zeigen häufig eine gute Rundung.
Die Sphärizität ist allgemein hoch. Es ist eine bimodale Kornverteilung ausgebildet, mit ruditischen Komponenten in
einer grobarenitischen Grundmasse. Die Korndurchmesser betragen bei den Intraklasten und Tuberoiden zwischen
wenigen Milimetern und 25 cm. Wahrscheinlich sind auch größere, intraklastische Sedimentkörper transportiert
worden. Innerhalb der groben Fraktion ist z.T. Coarsetail-Gradierung zu beobachten, während die Feinfraktion der
Grundmasse inverse Gradierung aufweist. Die jüngsten Abschnitte der Intraklast-Tuberoid-Bioklast-Rudstones direkt
unter der Diskordanzfläche zeigen kleinvolumige, taschenartige Strukturen, die mit gradierten Intraklast-Bioklast-
Grainstones „gefüllt“ sind (Taf. 10). Die Intraklasten weisen intern meist ein dichtes, mikritisches Gefüge auf.
Gekippte, bis z.T. inverse geopetale Hohlraumfüllungen sind verbreitet. Die Tuberoide zeigen meist eine dichte bis
feinpeloidale Internstruktur, stromatolithische Interngefüge sind vereinzelt. Häufig zeigen sie eine Imprägnierung
durch Eisenoxide. Vollständige Schwämme sowie dünnfladige und solitäre Korallen in allochtoner Lage sind häufig.
Ausnahmsweise sind auch massige Korallen (Cyathophora; vgl. Kap. 3.7) zu beobachten. Auffällig ist der erhöhte
Anteil von Korallen im Vergleich zur liegenden Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazieseinheit. Die vorwiegend fladigen
Rifforganismen sind meist parallel zur ehemaligen Sedimentoberfläche eingeregelt, verbreitet auch schräg und
seltener senkrecht dazu. Liegende Exemplare von röhrenförmigen Schwämmen und Einzelkorallen sind verbreitet
und zeigen häufig eine hangparallele Einregelung nach der Längsachse. Die Grundmasse bilden Bioklast-Wacke-
/Packstones. Sie zeigen Bruchstücke von Tubiphytes, Serpeln, Muscheln, Austern, Kieselschwämmen, Bryozoen,
Neuroporen und planktischen Foraminiferen.

Milieuinterpretation: Das Gefüge, die Morphologie und weiter Merkmale (verkippte Geopetalgefüge, Gehalt an
„exotischen“ Korallen; vgl. Kap. 9.3) sprechen für den Transport der einzelnen Komponenten oder auch größerer
Sedimentvolumen in Form eines Schuttstroms oder Slumps (vgl. FÜCHTBAUER 1988, STOW 1989). Derartige
Sedimentationsereignisse an karbonatischen Hängen sind verbreitet und werden u.a. vom LEINFELDER (1994) oder
MULLINS & COOK (1986) ausführlich beschrieben. Der kleinräumige Verbreitung in Steinbruch Ia spricht für den
kanalisierten Transport und Ablagerung im mittleren Hangbereich (vgl. Kap. 9.3) und späterer fächerförmiger
Ausbreitung im unteren Hangbereich (Steinbruch II). Als Auslöser kommen tektonische Ereignisse, Welleneinfluß
oder eine Übersteilung des Hanges in Betracht. Die strukturierte Oberfläche und die lobenartige Form des
108

Sedimentkörpers ist für Schuttstromablagerungen typisch (ENOS & MOORE 1983). Innerhalb von Schuttströmen
können auch bruchempfindliche Skelette den Transport überstehen, plattige Komponenten regeln sich meist parallel
zum Untergrund ein (TUCKER & WRIGHT 1990). Die gefügemäßige Einzigartigkeit im gesamtem Profil spricht für ein
„kurzzeitiges“, katastrophales Ereignis. Aufgrund des weitverbreiteten Vorkommens von grobklastischen bis
brekziösen Gesteinen im Grenzbereich Hangende Felsenkalke/Liegende Bankkalke („Grenzbrekzien“; vgl.
SCHMIERER 1902, ROLL 1931, GWINNER 1961, 1962, BLOOS 1967, ALDINGER 1968, SELG & WAGENPLAST 1991; vgl.
Kap. 2.3.2) sind keine örtlichen, sondern großräumig die Sedimentation beeinflussende tektonische Ereignisse als
auslösende Ursache anzunehmen. Das steile Hangprofil und die zunehmende Sedimentanhäufung im Zuge der, mit
der Verflachung des Ablagerungsraumes ansteigenden Karbonaterzeugung, sorgten zusätzlich für eine
Destabilisierung der Sedimente in diesem Bereich. Ein Sturmereignis ist aufgrund der vermutlichen Ablagerung im
tiefmarinen Bereich (tiefermarine Fauna aus vorwiegend Kieselschwämmen und fladigen microsoleniden Korallen;
Ablagerung direkt über der Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazieseinheit) wenig wahrscheinlich. Das gehäufte
Auftreten von Korallen und einzelner Flachwasserkorallen (Cyathophora) deuten jedoch auf den Transport von
Komponenten aus bathymetrisch flacheren Bereichen hin. Ein entsprechendes Auftreten exotischer Korallen
beschreibt SCHREINER (1961) aus ansonsten korallenfreien oberkimmeridgen Gesteinen des Hegaus.

lagunäre Faziestypen höherenergetische Faziestypen


molluskenführende Mudstones Cortoid-Onkoid-Bioklast-Wacke-/Packstones
bioklastische Mudstones ooidische-Onkoid-Bioklast-Wacke-/Floatstones
Bioklast-Wackestones Bioklast-Packstones
korallenführende Bioklast-Wackestones Bioklast-Tubiphytes-Packstones
cortoidische Bioklast-Wackestones onkoidische Cortoid-Crinoiden-Bioklast-Packstones
Cortoid-Bioklast-Wackestones Ooid-Peloid-Pack-/Grainstones
cortoidische Bioklast-Wackestones Crinoiden-Grainstones
Cortoid-Onkoid-Bioklast-Wacke-/Packstones Bioklast-Grainstones
Korallen-Floatstones Crinoiden-Korallen-Pack-/Floatstones
Bioklast-Floatstones nerineen- und lituolidenführende Rindenkörner-Pack-
mikrobolithische Onkoid-Intraklast-Lituoliden- /Floatstones (Rudstones)
Floatstones Onkoid-Ooid-Pack-/Floatstones
molluskenführende Onkoid-Ooid-Inkrustierer - Bivalven-Cortoid-Crinoiden-Float-/Rudstones
Floatstones Bioklast-Rudstones
ooidische-Onkoid-Bioklast-Wacke-/Floatstones

niederenergetische tiefermarine Faziestypen Faziestypen des Gezeitenbereichs


schwach sandige, tonige bis mergelige Bioklast- Algenlaminite
Wackestones
Tuberoid-Floatstones gravitativ abgelagerte Faziestypen
tuberoidische Bioklast-Floatstones Tuberoid-
gradierte Intraklast-Bioklast-Grainstones
Bioklast-Floatstones
Intraklast-Tuberoid-Bioklast-Rudstones
Bioklast-Wackestones
spiculitische Bioklast-Wackestones

Abb. 34: Zuordnung der einzelnen Faziestypen zu Faziesbereichen.

Intraklast-Floatstones

Im Hangenden der, die Korallenkalke des Isteiner Oberjuras überlagernden, onkoidisch-mikritischen Gesteine sind im
Bereich einer weiträumigen Diskontinuitätsfläche (vgl. Kap. 2.2.1, 2.2.3) intraklastische Gesteine entwickelt. Es
handelt sich meist um wenige Zentimeter bis mindestens 1,5 m mächtige, laminierte Intraklast-Floatstones. Die
Grundmasse besteht aus siltigen bis arenitischen Komponenten, die oft laminiert sind und einen geringen Anteil
siliziklastischen Materials (2 %) aufweisen. Die Intraklasten sind v.a. lagenweise angereichert bei Korndurchmessern
zwischen 5 mm und einigen Zentimetern. Teilweise sind rudistische Blöcke bis 40 cm vorhanden, deren Längsachse
109

teilweise senkrecht steht (Taf. 9). Diese Blöcke übertreffen die Gesamtmächtigkeit der laminierten Sedimente und
„spießen“ in die überlagernden Schichten „hinein“. Die Intraklasten zeigen verbreitet eine eisenoxidische
Imprägnation. Örtlich (Kleinkems) sind linsenförmige Schichtverdickungen bis 1,5 m zu beobachten. Hier sind neben
dem Wechsel von siltig-arenitischen Laminiten und intraklastischen Lagen auch deutliche Algenlaminite ausgebildet,
die gleichfalls intraklastische Lagen zeigen.
Milieuinterpretation: Die Intraklast-Floatstones charakterisieren Aufarbeitungshorizonte innerhalb sub- bis
supratidaler Umwelten (SHINN 1991, PRATT et al. 1994). Bei den Intraklasten handelt es sich um Material, daß
während erhöhter Wellentätigkeit (z.B. Stürme) und Springfluten aus dem umgebenden marinen Ablagerungsraum
erodiert wurde.

4.3 Riffhohlräume

Riffhohlräume nehmen in heutigen Riffen mit Anteilen von 30-75 % teilweise große Volumen ein (GISCHLER &
GINSBURG 1996). Diese geschützten Habitate tragen besonders zum Artenreichtum und zur Produktivität von
Riffkörpern bei, indem sie Siedlungsraum für Rifforganismen aller Art bieten. Zudem tragen sie oft eine erheblichen
Teil zur Konsolidation des Riffkörpers durch Zementationsvorgänge bei (vgl. WARME 1977). Riffhohlräume sind in
der Regel biologischen Ursprungs, wobei drei Hohlraumtypen unterschieden werden: Wachstums-, Gerüst- und
Bohrhohlräume. Die Besiedlung von Hohlräumen durch Organismen (Coelobiten) ist von verschieden abiotischen
und biotischen Faktoren abhängig. MARTINDALE (1992) beschreibt rezent eine Abhängigkeit von der Lichtintensität
und Wasserturbulenz. Der Artenreichtum ist hierbei an geringsten am Riffkamm und am höchsten im tiefen Vorriff.
Als Filtrierer und Detritusfresser sind Coelobiten von der Durchströmung ihres Habitats abhängig.
In dieser Arbeit bezieht sich der Begriff Riffhohlraum auf während des Riffwachstums vorhandene, mindestens nach
oben abgeschirmte, sedimentfreie Wachstumshohlräume. Besonders der flächige Wuchs von Rifforganismen
begünstigt die Entstehung von Hohlräumen. Mikrobolithe zeigen eine Tendenz zur Bildung von meist
kleinvolumigeren Hohlräumen. Auch Bohrorganismen schaffen eine Vielzahl von Hohlräume in Riffkörpern (vgl.
Kap. 5.3.11). Riffhohlräume werden in den untersuchten Riffkörpern meist im Laufe des Riffwachstums teilweise bis
vollständig durch Sediment oder Mikrobolithe ausgefüllt. Weitere Coelobiten sind Kalkschwämme, thecideidinide
Brachiopoden und Serpeln. Sedimentfreie Hohlräume sind selten und meist kleinvolumig. In den untersuchten
Riffkörpern zeigen Hohlräume ca. 0-30 % Anteil am Riffvolumen. Größervolumige Hohlräume sind im
kieselschwammführenden Thrombolith-Bioherm der Mischfazies von Arnegg (vgl. Kap. 3.8; Taf. 10, 11) ausgebildet.
Dies Hohlräume verdanken ihr großes Volumen neben den primären biologischen Prozessen wohl auch stetig
anhaltender Wasserströmung (vgl. Kap. 4.2.3). Riffhohlräume mit Ausmaßen wie sie LEINFELDER et al. (1994) und
BERTLING & INSALACO (1998) aus oberjurassischen Riffen beschreiben, konnten nicht beobachtet werden. In den
untersuchten Riffen konnte das größte Volumen an Riffhohlräumen in größeren Meerestiefen und bei gleichzeitig
geringem klastischen Streß beobachtet werden (LFO 1, AM I 1, AM II 3, AM II 4).

4.4 Hartgründe

Hartgründe bilden allgemein die Ansatzgründe für ausgedehntes Riffwachstum (s.u.).und sind v.a. im Bereich der
untersuchten oberjurassischen Gesteine der Lothringer Aufschlußregion großflächig ausgebildet. Im Bereich von
Foug werden die Grenzen Terrain à Chailles/Korallenmergel und Korallenkalk/onkolithische Kalke über die gesamte
Aufschlußbreite von Hartgründen gebildet (vgl. Kap. 2.1.1; Taf.1). Markante Hartgründe begrenzen auch allgemein
die Crinoidensand-Riesendünen im Hangenden und Liegenden (Abb. 20, 27; s. Taf. 1). In Euville zeigt die hangende
Hartgrundfläche starke Zerbohrung durch Bohrmuscheln. Dies bezeugt eine Lithifizierung und Nichtsedimentation
nach der Verhärtung (vgl. WILSON & PALMER 1975). Hartgründe sind Ausdruck von reduzierter Sedimentation oder
Erosion bei gleichzeitiger synsedimentärer Zementation unterhalb der Schönwetterwellenbasis (DEMICCO & HARDIE
110

1994). Sie entstehen häufig auf porösen Substraten, besonders auf karbonatischen Sanddünen verschiedener
Zusammensetzung (GOLDRING 1986, FÜRSICH et al. 1992). Entsprechend der Crinoidensand-Riesendünen von
Lothringen weisen karbonatische Sandkörper nach GOLDRING (1986) sehr häufig Hartgründe an Basis und Top auf.
Derselbe Autor weist auf die häufige Verbindung von Hartgründen und Echinodermensanden im Ordovizium hin, bei
denen die Echinodermenbruchstücke die Hartgrundbildung durch die rasche syntaxialer Zementation zusätzlich
begünstigen. Die Verbindung der Hartgrundbildung mit sehr geringer bis fehlender Sedimentation fördert die
Ansiedlung von Korallen und folglich die Bildung von Riffen allgemein (GONZALES 1996). Die meisten Hartgründe
stehen in Verbindung mit transgressiver Flutung oder Hochstandflutung bzw. Hochstandeinebnung. Andere
Hartgrundbildungen stehen im Zusammenhang der Verflachung des Ablagerungsraumes (vgl. FÜRSICH et al. 1992,
WILSON & PALMER 1992, COWAN & JAMES 1996). Die Meeresspiegeländerungen vollziehen sich dabei in
verschiedenen Ordnungen in einem regionalen bis globalen Maßstab (GABILLY et al. 1985, HAQ et al. 1987).
Während Zyklen bis zur 3. Ordnung vergleichsweise einfach erkannt werden können, sind Zyklen höherer Ordnung
oft schwer herauszuarbeiten (vgl. Kap. 10). GABILLY et al. (1985) scheiden für die mitteloxfordischen Ablagerungen
in Frankreich zwei überregionale Diskontinuitäten (Antecedens-/Tenuiserratum–Chron und Schilli-
/Stenocycloidesaus-Chron) aus, die mit vergleichsweise starken Meerespiegelschwankungen 3. Ordnung im
Zusammenhang stehen. Zusätzlich besteht jedoch regional eine große Häufigkeit regionaler Diskontinuitätsflächen
die auf Meerespiegelschwankungen niederer Ordnung zurückzuführen sind (opt. cit.).
Die großflächige Hartgrundbildung im Liegenden der Korallenmergel von Foug, mit der Abgrenzung zweier
bathymetrisch und ökologisch sehr unterschiedlicher Umwelträume, deutet auf ein längerfristiges überregionales
Ereignis niederer Ordnung hin. Die räumliche Nähe der einzelnen Crinoiden-Riesendünen (zumindest im
Hauptuntersuchungsgebiet im Bereich um Commercy) machen eine zeitgleiche Bildung sowohl dieser
Sedimentkörper als auch der zugehörigen Hartgründe wahrscheinlich und deuten auf den ebenfalls zumindest
regionalen Charakter der Hartgrundbildung hin.
111

5 Rifforganismen: Beschreibung, Ökologie und Auftreten

5.1 Definition von Rifforganismen, auftretenden Riffbildnern und Riffbildnerassoziationen

Als Rifforganismen werden in dieser Arbeit alle marinen Organismen bezeichnet, die innerhalb von Riffkörpern
auftreten. Die festsitzenden Rifforganismen werden nach ihrem Volumenanteil und ihrer Bedeutung für den Aufbau
eines Riffgefüges in Hauptriffbildner (>15 Vol%), Nebenriffbildner (15-5 Vol%) und Riffbesiedler (<5 Vol%)
unterschieden. Die Hauptriffbildner bilden die Grundlage des Riffwachstums und weisen Volumenanteile von
mindestens 15 % am gesamten Rifforganismenvolumen auf und können teilweise die gesamte Riffbildnerfauna
stellen. Die Nebenriffbildner tragen mit Volumenanteilen von 15 % bis 5 % an den Rifforganismen einen im
Vergleich zu den Riffbildnern untergeordneten Beitrag zur Riffbildung und der Karbonaterzeugung bei, können aber
örtlich größere Häufigkeiten im Riffgefüge aufweisen. Alle Hauptriffbildner können auch als Nebenriffbildner
auftreten, wogegen umgekehrt nur wenige typische Nebenriffbildner als Hauptriffbildner auftreten können (s.u.). Als
Riffbesiedler werden alle festsitzenden Organismen bezeichnet, die bei einem Volumenanteil bis 5 % an den
Rifforganismen, innerhalb eines Riffkörpers auf den Haupt- und Nebenriffbildnern siedeln und keinen nennenswerten
Anteil zum Aufbau des Riffgefüges beitragen. Riffbewohner sind benthisch vagile oder nektische Organismen die
innerhalb von Riffkörpern auftreten. Die folgende Beschreibung von Rifforganismen bezieht sich auf die in den
bearbeiteten Vorkommen beobachteten Rifforganismen.
In den untersuchten Aufschlußregionen treten Korallen, mikrobielle Krusten und Schwämme als Hauptriffbildner auf.
In flachmarinen Bereichen treten Korallen je nach den herrschenden Umweltbedingungen ausschließlich oder in
Assoziation mit anderen Hauptriffbildnern auf. Nur örtlich und in bestimmten Ausnahmesituation fehlen Korallen
oder treten stark zurückgedrängt auf. Bei den, von Korallen als Hauptriffbildner beherrschten Ablagerungsbereichen
von Lothringen und des Isteiner Klotzes, kann deshalb allgemein von Korallenriffen gesprochen werden. Dasselbe
gilt, mit Ausnahme einiger Riffkörper der Mischfazies (AM I 1, AM II 3, AM II 4), für den Arnegger Riffbereich. In
Lothringen und am Isteiner Klotz treten neben Korallen v.a. mikrobielle Krusten als Hauptriffbildner auf. Diese
Assoziation ist nach STANLEY (1997) charakteristisch für Korallenriffe des Oberjuras. In Lothringen können
mikrobielle Krusten vereinzelt fehlen bis volumenmäßig dominieren. Vereinzelt bilden sich unter speziellen
Verhältnissen „reine“ Korallen- oder Mikrobolithriffe. Schließlich können noch einzelne Taxa (Muscheln, Austern,
Serpeln, Solenoporaceen) oder Organismengruppen (z.B. Inkrustierer) sehr hohe Anteile, bis hin zu
Hauptriffbildnern, zeigen (vgl. Abb. 42). Koralline Schwämme und Stromatoporen sind im Vergleich zu anderen
korallenfaziellen Riffvorkommen des Oberjura (vgl. NOSE 1995, TURNŠEK 1997) ohne Bedeutung.
Im Bereich des Arnegger Riffkomplexes treten aufgrund der, im Vergleich zu den untersuchten oxfordischen
Riffvorkommen tiefmarineren Umweltverhältnissen in den ältesten Einheiten (Mikrobolith-Kieselschwamm-
und Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen-Fazieseinheit), zusätzlich Kieselschwämme als Hauptriffbildner auf.
In der Mischfazies ist eine Assoziation von Korallen, Kieselschwämmen und mikrobiellen Krusten entwickelt.
Hierbei ist, nach anfänglichem Rang der Korallen als Nebenriffbildner, eine deutliche Zunahme bis hin zur
Dominanz von im Laufe der Verflachung des Ablagerungsraumes zu beobachten. Die Korallenfazies von
Arnegg zeigt eine deutliche Vorherrschaft von Korallen und nur geringe örtliche Anteile von mikrobiellen
Krusten (vgl. Kap. 2.3.2, 3.8).

5.2 Hauptriffbildner

5.2.1 Riffkorallen

Allgemeine Beschreibung

Riffbildende scleractine Korallen (Steinkorallen) treten in der Erdgeschichte seit der Mittleren Trias auf. Erste
112

Riffbildungen unter Beteiligung von scleractinen Korallen beschreibt STANLEY (1981) aus der Oberen Trias. Heute
sind scleractine Korallen mit etwa 600-1000 Arten die bestimmenden Riffbildner in tropischen Flachmeerbereichen
(SOROKIN 1995, SCHUHMACHER 1976, BICK 1998). Riffkorallen werden systematisch innerhalb des Stammes
Cnidaria (Nesseltiere) zur Unterklasse Zooantharia und hierin zur Klasse Anthozoa (Blumentiere) eingeordnet. Es
handelt sich um festsitzende, wirbellose Organismen mit planktischem Larvenstadium. Ihre hervorragende Fähigkeit
und geologische Bedeutung liegt im Aufbau von Riffstrukturen unter bestimmten physikalischen, chemischen und
biologischen Rahmenbedingungen (s.u.). Die Fähigkeit zur Riffbildung ist begründet durch das Vermögen zur
klonalen Koloniebildung und der Bildung eines festen, kalkigen (aragonitischen) Skeletts in nährstoffarmen,
flachmarinen Umwelten. Diese Befähigung zur Riffbildung wird mit der an der Grenze Trias/Jura erstmals
auftretenden Symbiose von Korallen mit einzelligen, photoautotrophen Grünalgen (Zooxanthellen) gleichgesetzt (vgl.
LEINFELDER et al. 1996). Die autotrophe Energiegewinnung der Grünalgen (bei zusätzlicher Verwertung von
Produkten des Korallenstoffwechsel im kurzgeschlossenen Kreislauf Koralle-Grünalge) ermöglicht die für die
Riffbildung notwendige hohe Karbonaterzeugung. Zusätzlich können riffbildende Korallen mit zooplanktischem,
bakteriellem, detritischem und gelöstem organischen Material noch weitere Energiequellen nutzen (Polytrophie; vgl.
SOROKIN 1995). Das Wachstum riffbildender scleractiner Korallen ist an das Vorhandensein bestimmter abiotischer
(physikalisch-chemischer) Faktoren gebunden. Diesen Rahmenbedingungen untergeordnet ist der Einfluß biotischer
Umweltfaktoren. Die abiotischen Faktoren sind Lichtintensität, Wasserenergie, Temperatur, Nährstoff- und
Salzgehalt sowie Sedimentstreß (vgl. Kap. 6.4). Jeder dieser Faktoren für sich, und die möglichen Kombinationen der
Faktoren untereinander werden von Korallen nur innerhalb gewisser Toleranzbereiche akzeptiert. Biotische Faktoren
sind inner- und außerartliche Konkurrenz, Symbiosen, Antibiosen, Mutualismus oder Krankheiten. Die biotischen
Einflußfaktoren sind in heutigen lebenden Riffen umfassend und direkt beobachtbar und bewertbar (z.B.
Ausbleichung), während sie in fossilen Riffkörpern oft nur schwer oder gar nicht ermittelbar sind.

Taxonomie

Die Korallentaxonomie beruht hauptsächlich auf dem Aufbau des Korallenskelett. Für eine eindeutige Artzuordnung
sind in heutigen Riffen oft die Untersuchung lebender Korallengewebe (SCHUMACHER 1976, PASCHKE 1972) oder
genetische Untersuchungen (vgl. VERON 1995) erforderlich. Aufgrund der Ausbildung von Ökomorphen und der
innerartlicher Veränderlichkeit der Kelchmerkmale (s.u.) ist die morphologische Artabgrenzung oft problematisch.
Bei fossilen Korallen ist die eindeutige Zuordnung einzelner Taxa außerdem durch oft mangelhafte körperliche
Überlieferung sowie uneinheitliche Bestimmungskriterien und taxonomische Zuordnungen durch verschiedene
Autoren problematisch bis teilweise unmöglich (ausführliche Diskussion bei LATHUILIÉRE 1988, 1996, ERRENST
1990a, b, BENTON 1994, RONIEWICZ & MORYCOWA 1993). Als auf Artniveau überrepräsentierte Gattungen erwiesen
sich bei den durchgeführten Korallenbestimmungen insbesondere die Gattungen Microsolena, Isastrea (vgl. Abb. 39),
Stylina und Pseudocoenia (vgl. Kap. 7.3). BERTLING (1995) schlägt deshalb z.B. eine hierarchische Abfolge von
makroskopischen Bestimmungsmerkmalen für die Bestimmung von Korallen vor. Großen Einfluß auf die
Bestimmungsergebnisse hat auch der zeitliche und räumliche Umfang der Bearbeitung. So sind höchste Artenzahlen
aus über längere Zeit und stark beprobten bzw. besammelten Vorkommen (z.B. Nattheim im Schwäbischen Oberjura
mit 130 Arten; Stramberk im Tschechischen Oberjura) mit 128 Arten; nach GEYER 1953) und von Fundorten mit
besonders gut erhaltener Korallenfauna (kieselig erhaltene Korallenfauna von Nattheim, Schwäbische Alb)
beschrieben. Die taxonomische Zuordnung fossiler Korallen gründet sich auf die Systematik von VAUGHAN &
WELLS (1943) und der Überarbeitung durch ALLOITEAU (1952). Einige Abänderungen dieser Systematik durch
RONIEWICZ (1976) sowie MORYCOWA & RONIEWICZ (1995) wurden berücksichtigt. Die Veränderlichkeit der äußeren
Wuchsform und der Kelchmerkmale innerhalb von Korallenarten als Reaktion auf sich ändernde ökologische
Parameter oder innerartlicher Varianz hat in der Vergangenheit oft zur fälschlichen oder mehrfachen Aufstellung
verschiedener Arten und Gattungen geführt (vgl. LAUXMANN 1991, 1992). VERON (1995) schätzt, daß von 1800
113

aufgestellten Arten fossiler Riffkorallen etwa nur 60 % gültig sind. Die inneren Merkmale (Kelchdurchmesser,
Kelchabstand, Septenzahl usw.) sind konstanter als die äußeren (Wuchsform) und deshalb für eine taxonomische
Bewertung weit geeigneter. Sowohl rezent als auch fossil ist jedoch eine innerartliche Veränderlichkeit von
Kelchdurchmessern und -abständen innerhalb von Kolonien und Arten verbreitet (FOSTER 1976, PFISTER 1977,
VERON 1995). So werden nach SCHUMACHER (1976) für die heutige Gattung Acropora bis zu 200 Arten ausgewiesen,
von denen nach VERON (1995) viele nicht aufrechtzuerhalten sind. In fossilen Korallenfaunen wurden in gleicher
Weise Ökomorphe oder verschiedene Entwicklungsstadien ein und derselben Art als neue Arten klassifiziert, obwohl
die für die Bestimmung relevanten Skelettmerkmale übereinstimmen. PFISTER (1977) hat für die oligozäne Koralle
Antiguastrea lucasinia einen Hauptmorphotyp und sieben Varietäten bestimmt, die sich sowohl in Wuchsform als
auch einzelnen Skelettmerkmalen voneinander abweichen. Die verschiedenen Varietäten unterschieden sich dabei v.a.
in Kelchdurchmesser, Kelchabstand und Kelcherhebung, alle anderen artypischen Merkmale blieben konstant.
Interessanterweise zeigen dabei fast alle Kolonien dieser Varietäten einzelne Kelche die dem Hauptmorphotyp
entsprechen. Ein Beispiel im Oberjura ist hierfür Thamnasteria concinna. Diese Korallenart ist sehr formveränderlich
und bildet fladige, massige, unregelmäßige sowie pseudoramose Ökomorphe aus (NOSE 1995), die früher mehreren
Arten zugeordnet wurden. Entsprechendes gilt für die leichte Veränderlichkeit der Kelchdurchmesser z.B. bei
Isastrea und Thamnasteria (vgl. Kap. 7.3; Abb. 40) oder alle formveränderliche Arten. LATHUILIÉRE (1996) vermutet
in diesem Zusammenhang das Vorhandensein von transgenen, hochveränderlichen Artengruppen (Spectra) mit
wechselnden Kelchanordungen.

Ökologie von Riffkorallen

Allgemeines

Die Autökologie von Riffkorallen wird von den einwirkenden abiotischen und biotischen Umwelteinflüssen (vgl.
Kap. 6.3) gesteuert. Ausführliche Übersichten über die Ökologie heutiger Korallen geben beispielsweise SOROKIN
(1995) und VERON (1995). Da Riffkorallen in Korallenriffen die Schlüsselorganismen für Riffbildung und
Riffwachstum darstellen, steht die Autökologie von Korallen in engem Zusammenhang mit diesen steuernden
Faktoren der Riffbildung. Aufgrund der festsitzenden Lebensweise, die kein aktives Ausweichen gegenüber
einwirkenden Umweltstreß ermöglicht, sind Korallen ideale Anzeiger der, zu ihrer Lebenszeit herrschenden örtlichen
Umweltbedingungen (eine ausführliche Übersicht über morphologische Anpassungen bei sessilen Organismen gibt
JACKSON (1979)). Als Reaktion auf einwirkende Umweltfaktoren wechseln Korallen sowohl in heutigen als auch in
fossilen Umwelten ihre Wuchsform (sog. Ökomorphe; s.u.) und ihre Vergesellschaftungen (vgl. VERON 1995, NOSE
1995; vgl. Kap. 7.1). Es ist hierbei zwischen opportunistischen Arten (r-Strategen) und spezialisierten Arten (K-
Strategen; vgl. TISCHLER 1975, ODUM 1991) zu unterscheiden. Die Opportunisten zeigen eine große Bandbreite im
Bezug auf die Duldung von Umweltbedingungen. Als besonders opportunistische und weitverbreitete Taxa erwiesen
sich in den untersuchten Vorkommen Isastrea, Thamnasteria, Microsolena, Fungiastrea und Actinaraea (vgl. Kap.
7.3; Abb. 41). Spezialisten oder K-Strategen hingegen sind auf einen vergleichsweise engen ökologischen Rahmen
beschränkt. Während rezente autökologische Untersuchungen auf sämtliche Adaptionen des lebenden Tieres
zurückgreifen können (z.B. Fortpflanzung, innerartliche Konkurrenz), bleibt die Bewertung der Ökologie fossiler
Arten zwangsläufig auf fossil überlieferte bzw. überlieferungsfähige Skelettmerkmale beschränkt (s.o.).
Skelettmerkmale die durch abiogene Umweltfaktoren (v.a. Lichtstärke, Sedimentation und Wasserenergie) beeinflußt
werden können (und in fossilen Riffen meist gut erhalten sind) sind Wuchsform, Wachstumsrate, Größe,
Skelettdichte und -struktur sowie Kelchparameter (s.u.). Im Bezug auf die Wuchsform sind in den untersuchten
oberjurassischen Korallenvorkommen formveränderliche (z.B. styliniden und microsoleniden Korallen) und
formkonservative Korallentypen (z.B. Isastrea, Fungiastrea, Meandrophyllia; die keine oder nur geringe
Wuchsänderungen auf einwirkende Umweltfaktoren zeigen) beobachtbar (vgl. Abb. 41). Entscheidend bei der
autökologischen Deutung von Riffkorallen ist die Abwägung des Einflusses der einzelnen Faktoren unter
114

gleichzeitiger Berücksichtigung vom artspezifisch uneinheitlicher Merkmalsausbildung oder Formkonservatismus.


Zusätzliche Bedeutung für die Abschätzung der Umweltverhältnisse hat die Ökologie vergesellschafteter Organismen
(z.B. Solenoporaceen, Kieselschwämme, Mikroinkrustierer). Biogene Faktoren die Aussagen über die Ökologie
fossiler Korallen erlauben, sind z.B. Bioerosion oder gegenseitige Wuchsbeziehungen. Übergeordnete Hinweise gibt
die zeitliche und räumliche Verteilung (z.B. Zonierungen, Sukzessionen, Seren) von Arten, Assoziationen und
Anpassungsmerkmalen (z.B. Wuchsformen). Gerade die zeitliche und räumliche Entwicklung von Riffgemein-
schaften ist an geologischen Profilen oft gut beobachtbar. Auf der Grundlage kleinräumiger Faunenbearbeitungen
können auf größere Gebiete zusammengefaßte Verteilungsmuster und Abundanzverhältnisse auf Umweltverhältnisse
und Umweltgradienten größerer Lebensräume (Biome) bezogen werden.
Gut geeignet für die Ermittlung der steuernden Faktoren des Wachstums fossiler Korallen und Korallenriffe sind
Habitate und Biome, die auf den vorherrschenden Einfluß von wenigen bis nur einzelnen abiotischen Faktoren
eingegrenzt werden können. Bestimmte abiotischen Faktoren sorgen für die Bevorteilung von Spezialisten (K-
Strategen; z.B. ästige Kolonien bei feinklastischem Sedimentstreß ) oder bei eurytopen oder formveränderlichen
Arten (z.B. Microsolena) für die Ausbildung spezieller Wuchstypen und -formen. Die Ermittlung von, an bestimmte
Faktoren angepaßte Spezialisten (vgl. Kap. 7.3, Abb. 41) oder Ökomorphen macht diese Taxa zu besonders
aussagekräftigen Indikatoren der jeweiligen Umweltverhältnisse.

Ökologische Aussagekraft und Bewertung der Korallenwuchsformen

In heutigen Riffbereichen sind bei riffbildenden Korallen verbreitet deutliche art- und gattungsübergreifende
Adaptionen der Wuchsform (Ökomorphen) festzustellen, die in direkten Bezug zu den einwirkenden physikalischen
Umweltfaktoren stehen (ABERHAN 1994, SOROKIN 1995, LEINFELDER et al. 1994b, 1996; vgl. Kap. 7.1; Abb. 37, 38).
Neben äußeren Faktoren beeinflussen innere, biologische Faktoren (z.B. Formkonservativismus, interspezifischer
Streß) die Wuchsform. Zur ökologischen Bewertung gilt es diese art- und gattungsspezifischen „inneren“ Faktoren
durch genaue und umfassende Artbestimmungen, von den „äußeren“ ökologischen Faktoren zu trennen. Die, die
Wuchsform von Korallen beeinflussenden Faktoren sind v.a. das Licht- und Nahrungsangebot, die Sedimentations-
bedingungen und die Wasserenergie. Hierbei können gleiche Wuchsformen durch verschiedene Umwelteinflüsse
hervorgerufen werden, die zudem noch gleichzeitig einwirken können. Eine ausführliche Erörterung der
Wuchsformen im Bezug auf die einwirkenden Faktoren findet in Kapitel 7.1 statt.

Ökologische Aussagekraft der Skelettstruktur und Kelchanordnung


(vgl. Abb. 35)

Die Bewertung der Ökologie von Korallen ist im fossilen Bereich neben der äußeren Form anhand des Skelettaufbaus und
der Skelettstruktur durchführbar. Hierbei sind beide Gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen. Allgemein begünstigen
große Kelchdurchmesser, zahlreiche Septen und flache Kelche aktive Sedimentenfernung (STAFFORD-SMITH 1993,
BERTLING 1995a). Eine entsprechende Ausbildung zeigen u.a. Isastrea und viele microsolenide Korallen. Endständige
Kelche sind nach STAFFORD-SMITH (1993) besonders geeignet für die Duldung von feinklastischem Streß und erklären gut
die Häufigkeit von ästigen Wuchsformen in den untersuchten sedimentgestressten Umwelten. Nach SOROKIN (1995) und
ANTHONY (1997) stellen große erhabene Kelche außerdem einen Vorteil für die aktive Sedimententfernung dar. Nach
WIJSMAN-BEST (1974) und BEAUVAIS (1985) sind plocoide Formen in rezenten Bereichen typisch für hohe
Sedimentationsraten. Diese Beobachtung deckt sich mit der großem Häufigkeit bis Dominanz von plocoiden Korallen in
den erhöhtem feinklastischem Streß ausgesetzten Riffen von Lothringen und des Isteiner Klotzes (vgl. Kap. 3.5 und 3.7)
Die von WIJSMAN-BEST (1974) beschriebene Dominanz von ceroiden und thamnasteroiden Korallen in gut durchlichtetem
Wasser in heutigen Riffumwelten ist in den untersuchten Riffbereichen nicht feststellbar. Nach LEINFELDER (1994) sind
septenreiche, mäandroide Kelchanordnungen besonders gut an hohen klastischen Streß angepaßt. Dies stimmt mit der
115

großen Häufigkeit entsprechender Taxa (v.a. Comoseris, Meandraraea, Meandrophyllia) in den schlammigen Umwelten
von Lothringen, des Isteiner Klotzes und den riffschuttreichen Bereichen des Arnegger Riffkomplexes überein (s. Kap. 3).
LEINFELDER (1994) stellt, basierend auf einer Bewertung von Wuchsform und Kelchparametern nach HUBBARD & POCOCK
(1972), einen potentiellen Sedimentationsindex (SAI-Index) für Korallen auf, der alle Merkmale gleichwertig gewichtet und
deshalb hohe Aussagekraft besitzt. Besonders hohen SAI-Index (> 150) und damit gut angepaßt an hohe
Sedimentationsraten sind alle ästigen, mäandroiden und thamnasteroide Wuchsformen. Bei Taxa die trotz niederer SAI-
Werte starken Sedimentstreß dulden (z.B. Isastrea), sind weiter fossil nicht überlieferbare Anpassungen wahrscheinlich
(vgl. Kap. 7.3). Eine höhere SAI-Bewertung der plocoiden Wuchsform in diesem Zusammenhang scheint aufgrund der
besonders großen Häufigkeit in schlammigen Umwelten und Rezentbefunden (s.o.) gerechtfertigt.

Lichtenergie
geringere

Lichtenergie
höhere

Wasserenergie
geringere

Wasserenergie
höhere
Sedimentation
feinkl.Stress
geringere
Sedimentation
feinkl.Stress
höhere
Sedimentation
grobkl.Stress
geringere
Sedimentation
grobkl.Stress
höhere
Umwelt-
faktoren
Skelett-
eigenschaften
große Kelche
viele Septen
hohe Wachstumsraten O O O
fladige Wuchsform O O
?
massige Wuchsform O O O O O
halbkugelförmig Wuchsform O O O O O
ästige Wuchsform O O O
ramos/aufstrebende Wuchsform O O O
mändroide Kelchanordnung O O
thamnasteroide Kelchanordnung O
plocoide Kelchanordnung O O
ceroide Kelchanordnung
starker Inkrustiererbewuchs O O O
hohe Bioerosionsraten O O O

Abb. 35: Bewertung des Einflußes der physikalisch-chemischen Umweltfaktoren auf die Ausbildung von Skelettmerkmalen bei
den untersuchten oberjurassischen Riffkorallen (beruhend auf den Riffbeobachtungen und Faunenbestimmungen; vgl.
Kap. 3.5 und Tab. 1).

Ökologische Aussagekraft der Wachstumsbänderung

Die Lichtabhängigkeit der Karbonaterzeugung äußert sich skelettal in einer Wachstumsbänderung. Diese Bänderung
ist sowohl bei heutigen als bei oberjurassischen scleractinen Korallen entwickelt (ALI 1984, INSALACO 1996a). Sie
beruht auf einer rhythmischen Änderung der Dichte der Skelettelemente innerhalb Bänder hoher („high density
bands“ oder kurz HDB) und geringer Dichte („low density bands“ oder kurz LDB). Wachstumsbänder geringer
Dichte sind offenbar an erhöhte Stoffwechselraten der endosymbiontischen Zooxanthellen in Zeiten erhöhter
Lichteinstrahlung (Sommerhalbjahr) zurückzuführen. Da Wachstumsbänderung jedoch auch in äquatornahen
Bereichen mit ausgeprägtem Tageszeitenklima auftritt, werden auch andere Ursachen (v.a. Reproduktionszyklen)
diskutiert. Zahlreiche Untersuchungen an heutigen Korallenkolonien zeigen einen ungefähr jährlichen Zyklus dieser
Bandpaare (GEISTER 1989, ALLISON et al. 1996). Diese Bewertung wird für fossile Korallen im allgemeinen
116

übernommen (INSALACO 1996a, LEINFELDER & NOSE 1997). Die Annahme einer jahreszeitlich bedingten
Wachstumsbänderung im Oberjura würde somit indirekt die vollzogene Symbiose Koralle-Grünalge beweisen. Der
jährliche Dickenzuwachs, repräsentiert durch ein Bandpaar, läßt somit bei rezenten und fossilen Riffkorallen die
jährlichen Zuwachsraten und die Lichtstärke ermitteln. Hierbei sind die jährlichen Zuwachsraten und das LDB/HDB-
Verhältnis rezenter Korallen im Durchschnitt und v.a. in den Maximalwerten deutlich höher als bei oberjurassischen
Formen (vgl. HIGHSMITH 1979, NOSE 1999). NOSE & LEINFELDER (1997) führen die geringeren Kalzifikationsraten
im Oberjura auf ein weniger effektives symbiotisches Verhältnis Koralle-Grünalge zurück. Die untersuchten
oberjurassischen Korallen zeigen, trotz der allgemeinen Umkristallisation des ursprünglich aragonitischen Skeletts,
teilweise eine mehr oder wenig deutliche Wachstumsbänderung (s. Tab. 3). Bei 61 (2,4%) aller untersuchten
Kolonien ist fossil eine deutliche Bänderung überliefert, die ausgewertet werden konnte - meist ist eine Bänderung
nicht, oder nur undeutlich feststellbar. Die jährlichen Zuwachsraten der oberjurassischen Korallen in Lothringen und
Istein betragen 1-13 mm. Diese Werte entsprechen in etwa denen anderer Untersuchungen an oberjurassischen
Korallen (ALI 1984, INSALACO 1996a, NOSE 1995). Meist liegen die Zuwachsraten bei 1-3 mm, nur in
Ausnahmefällen wurden bei ästigen oder pseudoramosen Korallen Werte über 10 mm (Thamnasteria, Aplosmilia)
gemessen (s.u.). Bei den eurybathen Formen (vgl. Abb. 38, 41) zeigen die Bandpaarmächtigkeiten von den tiefsten
bis zu den flachsten Ablagerungsräumen überwiegend geringe Änderungen für einzelne Gattungen und Arten. Die
selben Beobachtung machten SCHLICHTER & BRENDELBERGER (1998) bei der rezenten Art Mycedium elephantotus.
Dies kann als Hinweis auf beschränkte Verwertung der Lichtenergie durch diese Taxa bewertet werden und erklärt
die Verdrängung durch schneller wachsende Flachwasserformen mit höheren Stoffwechselraten. Bemerkenswerte
Ausnahme ist Thamnasteria concinna die in Flachwasser bis vierfach höhere Wachstumsraten aufweist, jedoch
verbunden mit dem sehr speziellen pseudoramosen Wuchs (vgl. Kap. 7.3). Das Auftreten einer rhythmischen
Wachstumsbänderung in den tiefsten oxfordischen Riffkörpern (LFO 1, IS 1) belegt für diese Habitate einen
deutlichen Lichteinfluß. In flachen Habitaten mit stärkerem Lichteinfluß sind insgesamt höhere Wachstumsraten
festzustellen, die sich jedoch überwiegend auf neu erscheinende Flachwasserarten beschränken. Das höchste
gemessene Alter erreicht eine Microsolena-Kolonie mit 63 Bandpaaren in den ältesten Teilen des bioklastischen
Microsoleniden-Riesenbiostromes (LFO 2) von Foug. Mächtigere Korallenkolonien in unmittelbarer Nachbarschaft
ohne erkennbare Bänderung lassen noch langlebigere Kolonien vermuten. So lassen 49 cm mächtige Kolonien von
Dimorpharaea im mergelig-sandigen Microsoleniden-Riesenbiostromes von Foug aufgrund ermittelter
Wachstumsraten dieser Art von 1,5-1,8 mm/a in diesem Riffkörper (vgl. Tab. 3), ein Alter dieser Kolonien von ca.
272 Jahren abschätzen. 80 cm mächtige Kolonien von Etallonasteria minima im schlammigem Aplosmilia-
Großdickicht von Pagny sur Meuse ergeben bei Bandpaarmächtigkeiten von 2-4 mm (Durchschnitt bei 2,7 mm)
Lebensspannen von 200-400 (296) Jahren. Die Bänderung wurde hier jedoch in den jüngsten Kolonieteilen, kurz vor
Absterben der Kolonien gemessen, so daß wahrscheinlich eher die geringeren Altersabschätzungen zutreffend sind.
Ungefähr 10 m durchhaltende Aplosmilia-Gerüste im gleichen Riffkörper mit Wachstumsraten von bis 13 mm
(Messungen von GEISTER & LATHUILIÉRE 1991), weisen auf eine minimale Wachstumsdauer von ca. 800 Jahren hin.
Die untersuchten Wachstumsbänder zeigen, als Hinweis auf jährliche Klimaschwankungen, teilweise schwache bis
deutliche Schwankungen der Bandmächtigkeiten innerhalb einzelner Kolonien (vgl. Tab. 3).

Riffkorallen als Riffbildner in den untersuchten Gebeiten

Da es sich in Lothringen und am Isteiner Klotz um einen flachmarinen Ablagerungsraum handelt, der von Korallen als
Riffbildnern dominiert wird, sind die vorhandenen Riffkörper durchwegs als Korallenriffe bezeichenbar. Entsprechendes
gilt für die Korallenfazies von Arnegg. Abgesehen von wenigen Ausnahmen (kavernöses kieselschwammführendes
Mikrobolith-Bioherm Arnegg, Austernbiostrom Foug, Mikrobolith-Fleckenriff Pagny sur Meuse) sind Korallen, bei
117

stark schwankenden Volumenanteilen von ca. 5 bis 70 %, in allen untersuchten Riffkörpern zu beobachten. Die
grundlegende Wichtigkeit und Fähigkeit oberjurassischer Korallen für die Riffbildung zeigt sich insbesondere in der
Einleitung des Riffwachstums und der durchgehenden Schaffung von sekundärem Siedlungsgrund für weitere
Rifforganismen, sowie im hohen Anteil an der Karbonaterzeugung durch Korallen in den untersuchten Riffkörpern.
Die Gebundenheit des Wachstums von riffbildenden Korallen an durchlichtete Meeresbereiche ist allgemein Anzeiger
von Meerestiefen flacher ca. 50 m (vgl. Kap. 6.4.1). Der Einsatz von Korallenwachstum im Zuge der Verflachung des
Ablagerungsraumes kann unterschiedlich erfolgen. Zum einen (Arnegg-Formation) zeigt sich in Riffkörpern ein
allmähliches Einsetzen von Korallenwachstum mit einer insgesamt zunehmenden Verdrängung der dominierenden
Riffbildner (Kieselschwämme und mikrobielle Krusten), zum anderen kommt es zur großflächigen Bildung rein
korallendominierter Riffe (Istein und Lothringen).

5.2.2 Mikrobielle Krusten (Mikrobolithe)

Allgemeine Beschreibung

Eine sehr ausführliche Beschreibung von Mikrobolithen und mikrobolithischen Riffkörpern gibt SCHMID (1996). Bei
den Mikroorganismen (oder Mikroben), die an der Bildung der Mikrobolithe beteiligt sind, handelt es sich
wahrscheinlich um autotrophe Cyanobakterien und/oder heterotrophe Bakterien (KENNARD & JAMES 1986, REITNER
1993, SCHMID 1996). Der Übergriff Mikrobolith umfaßt die Gefügetypen Thrombolith, Stromatolith und Aphanit
(Bezeichnung nach SCHMID 1996). Für die Klassifikation von Mikrobolithgefügen erwies sich die Kombination
sowohl makro- als auch mikrostrukturelle Gefügemerkmalen als sinnvoll (vgl. SCHMID 1996). Thrombolithe zeigen
immer eine peloidale Mikrostruktur, die jedoch bis zu einem gewissen Grad laminiert sein kann oder auch teilweise
eine dichte Mikrostruktur aufweist. Untersuchungen rezenter Riffhöhlen im Great Barrier Riff von REITNER (1993),
wiesen jurassischen Vorkommen vergleichbare Mikrobolithe thrombolithischen Gefüges auf. Auch die in-situ-
Bildung von Peloiden konnte von REITNER (1993) innerhalb oberflächlicher Mikrobenschleimen beobachtet werden.
Die Peloide sind hierbei beispielweise auf rundliche (coccoidale) bis unregelmäßige Bakterien zurückzuführen.
Stromatolithe sind durch eine sich wiederholende Abfolge von Laminae gekennzeichnet, deren Entstehung auf
flächige Mikrobenmatten zurückzuführen ist, die u.a. allochthone Sedimentpartikel binden. Die seltenen Aphanite
stellen Mikrobolithe mit makroskopisch strukturlosem Gefüge dar. Die dichte, mikritische Mikrostruktur von
Aphaniten erschwert die Unterscheidung zu allochthonem Kalkschlamm. Zwischen den einzelnen Mikrobolithtypen
bestehen fließende Übergänge. Oberjurassische Mikrobolithe sind im wesentlichen durch lagenfreies,
thrombolithische Gefüge gekennzeichnet. Zweitrangig treten stromatolithische Gefüge auf (SCHMID 1996).

Ökologie von Mikrobolithen

Oberjurassische Mikrobolithe sind im marinen Bereich eurybath und gedeihen vom Flachstwasser bis in die
aphotische Zone (GYGI 1992, DROMART et al. 1994, LEINFELDER et al. 1993b, 1996, SCHMID 1996). Bei den
Gefügetypen gibt es zwar gewisse bathymetrische Trends, aber gerade die häufigen Thrombolithe sind eindeutig
eurybath (SCHMID 1996). Stromatolithe sind im hoch- bis mittelenergetischen Flachwasser (entspricht ungefähr dem
Bereich der inneren Rampe) am häufigsten zu finden, was für eine relativ starke Abhängigkeit von guter
Durchlichtung spricht. Rezent sind im wesentlichen autotrophe Cyanobakterien an der Bildung von Stromatolithen
beteiligt (DÉFARGE et al. 1994). Aphanite haben ihre größte Verbreitung im niederenergetischen Tiefwasser, was u.a.
wohl auf die Empfindlichkeit gegenüber erhöhter Wasserenergie beruht (SCHMID 1996). Nach LEINFELDER (1993)
und SCHMID (1996) bevorzugen Mikrobenkrusten Habitate mit geringer Sedimentation. LEINFELDER et al. (1996)
weisen auf die Verbindung von erhöhtem Mikrobolithanteil in Riffen und transgressiven Meeresspiegelzuständen hin.
Etwas erhöhter feinklastischer Streß kann durch das Einbinden von Sedimentpartikel in verkalkende Schleime oder
eine ästige Wuchsform ausgeglichen werden. LEINFELDER (1993a) weist darauf hin, daß mikrobielle Krusten erhöhte
118

Nährstoffwerte tolerieren und in entsprechenden Umwelten aufgrund ihres starken Wachstums zur Grundlage der
Riffnahrungskette werden können. BICK (1998) weist auf die Fähigkeit heterotropher Bakterien hin, dem
zuströmenden Wasser organische Substanzen zu entnehmen und somit die schlechte Stickstoffversorgung in heutigen
Riffen wesentlich zu verbessern. In der Assoziation mit Korallen muß dies jedoch auf relativ nährstoffarme Bereiche
mit guter Sauerstoffversorgung eingeschränkt werden. Starkes Mikrobenwachstum in Verbindung mit Korallen ist
deshalb eher auf gering erhöhte, „mesotrophe“ Nährstoffgehalte zurückführbar (vgl. auch BERTLING & INSALACO
1998). NOSE & LEINFELDER (1997) weisen diesbezüglich auf die, im Vergleich zu heutigen Korallen, erhöhte
Toleranz oberjurassischer Korallen für leicht erhöhte Nährstoffkonzentrationen hin. Die Unterschiedlichkeit der
Beobachtungen im Bezug auf die Empfindlichkeit von mikrobiellen Organismen gegenüber Sedimentstreß (s.o.)
weist auf die fossil nicht überlieferbare Vielfältigkeit mikrobieller Organismen und Assoziationen hin, welche an der
Bildung von submarinen Krusten beteiligt sind (s.o.).
Das weitgehende Fehlen von weiteren Riffbildnern in reinen Thrombolithriffen des Iberischen Oberjuras wird von
(LEINFELDER et al. 1993b, SCHMID 1996) mit zumindest zeitweisen Sauerstoffmangelverhältnissen erklärt, die nur
mikrobielle Krusten tolerieren können. Mikrobielle Matten sind häufig assoziert mit nubeculariiden Foraminiferen
oder Terebella (vgl. Kap. 5.3)

Mikrobiellen Krusten als Riffbildner in den untersuchten Gebeiten

Innerhalb der korallendominierten Bereiche von Lothringen und des Isteiner Klotzes sind mikrobielle Krusten die
volumenmäßig zweitwichtigsten Riffbildner. Bei schwankenden Volumenanteilen zeigen sich in den untersuchten
Riffabfolgen Volumenanteile mikrobieller Krusten vom fast gänzlichem Fehlen bis hin zum nahezu monomikten
Vorkommen. SCHMID (1996) weist auf die Wichtigkeit von mikrobiellen Krusten für den Riffaufbau im Oberjura hin.
BURNE & MOORE (1987) geben eine Klassifikation von mikrobolithischen Riffgefügen. Mikrobielle Krusten können
das Korallenvolumen in Riffen v.a. örtlich, aber auch insgesamt übertreffen - ihr Wachstum bleibt jedoch fast ohne
Ausnahme an Korallen bzw. Riffkörpern gebunden. NOSE (1995) beschreibt Korallen-Mikrobolith-Riffe als häufigen
Rifftyp in flachmarinen Umwelten des Iberischen Oberjuras. Während sie als Hauptriffbildner größere Riffvolumen
einnehmen bis ganze Riffkörper aufbauen oder andere Riffbildner verbinden, treten Mikrobolithe als Nebenriffbildner
in Form fleckenhafter bis durchgehender Aufwüchse, besonders an Korallen und anderen Rifforganismen auf. Das
meist sekundäre Wachstum auf Korallen weist auf die zweitrangige Beteiligung an der Riffbildung hin. Nur selten
sind reine Thrombolithriffe (AM III) oder bereichsweise größere Thrombolithvolumen (LPA 3, 4; s. Taf. 4)
entwickelt. In flachmarinen Bereichen wird hierbei, in Konvergenz zu rezenten inkrustierende Rotalgen
(Corallinaceen), eine Festigung der primären Korallenverbands durch Mikrobenmatten vermutet, welche in heutigen
Riffen sehr wirkungsvoll das Riffgerüst stabilisieren und Sediment binden (vgl. LEINFELDER et al. 1996). Die im
Vergleich zu rezenten Corallinaceen geringeren Verkalkungs- und Wachstumsraten (s.u.) lassen für oberjurassische
mikrobielle Matten eine geringere Wirksamkeit für die Gerüststabilisierung vermuten. Hierfür sprechen v.a. durch
Sturmereignisse gekappte massige Thrombolithgefüge innerhalb von Riffkörpern (z.B. LPA 1), die im Vergleich zu
Bruchstücken anderer Hauptriffbildner große Häufigkeit von Krustenfetzen (Tuberoiden) in Arnegg und die
durchgehend beobachteten, sehr geringen Zerbohrungsraten. Auch in Lebensstellung überlieferte, sehr dünnästige
Korallenstöcke mit voluminösen Bewuchs durch mikrobielle Krusten (z.B. LPA 2) hätten einer raschen Verkalkung
der Mikroben statisch wohl nicht standhalten können. Eine wirksame Festigung des Riffgerüstes scheint daher erst
mit einer gewissen Verzögerung aufzutreten. CHAFETZ & BUCZYNKI (1992) weisen als mögliche Erklärung dieses
Sachverhalts darauf hin, daß bei mikrobiellen Krusten (die gleichzeitig Cyanobakterien als auch heterotrophe
Bakterien enthalten können) die Verkalkung durch heterotrophe Bakterien einige Millimeter bis Zentimeter unter der
Oberfläche stattfindet, während unverkalkte Cyanobakterien die Oberfläche bilden.
Eine Abschätzung der Wachstumsraten von mikrobiellen Krusten gibt SCHMID (1996). Für die Kieselschwamm-
Mikrobolith-Assoziation der Schwäbischen Alb nennt SCHMID (1996) Wachstumsraten von 55 Bubnoff (mm/1000 a).
119

Für Flachwasserriffe zeigen sich höhere Wachstumsraten mit (dem Wachstumsraten von Korallen vergleichbaren
Werten; vgl. Kap. 5.2.1) von 1-2 mm/a (=1000-2000 Bubnoff). Diese Steigerung der Wachstumsraten steht
wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem erhöhten Wachstumspotentials autotropher Cyanobakterien.
Während der Anteil von Mikrobolithen in schuttreichen Riffen (LFO 2, LEU I 1, LLE 1, AM II, AK I 1, AK II
2) gering ist oder sich auf geschützte Bereiche konzentriert, zeigen sich in schlammigen Umwelten (ORK
Lothringen, Korallenkalk Isteiner Klotz und der ältesten Mischfazies von Arnegg (AM I) meist sehr hohe
Anteile von Mikrobolithen. Grobklastischer Streß wird von mikrobiellen Krusten in den untersuchten
Vorkommen allgemein wenig toleriert. In schuttreichen Riffkörper treten mikrobielle Krusten deshalb immer im
Rang von Nebenriffbildnern oder auch als Riffbesiedler auf. So beschränken sich z.B. Mikrobolithe in der
Mischfazies (AM II 4) von Arnegg auf erhabene, biohermale Riffkörper und die zentralen Bereiche des
Riffkomplexes und meiden die flächenmäßig vorherrschenden, bioklastischen Sedimentflächen. Mikrobielle
Krusten scheinen eine weite Spannbreite im Bezug auf die Stärke feinklastischen Sedimentstresses zu tolerieren.
Dies ist v.a. auf das weite Spektrum verschiedenartiger mikrobieller Organismen zurückzuführen, die an der
Bildung mikrobieller Krusten beteiligt sind (s.o.). Die großen Volumenanteile von Mikrobolithen innerhalb der
Mikrobolith-Kieselschwamm-Riffassoziation von Arnegg deuten, entsprechend der Bewertung von SCHMID
(1996), auf eine Förderung des Wachstums durch geringen Sedimentstreß hin. Der hohe Volumenanteil
mikrobieller Krusten wird hierbei zusätzlich durch die symbiotische Beziehung von Kieselschwämmen und
mikrobiellen Krusten gefördert (KRAUTTER 1997). Der hohe Anteil von mikrobiellen Krusten in flachmarinen,
schlammigen Riffkörpern bezeugt andererseits eine gewisse Toleranz gegenüber erhöhtem feinklastischen
Sedimentstreß. Großvolumige Thrombolithe schließen in stark sedimentgestressten Umwelten sogar die
Riffbildung ab (Pagny sur Meuse; vgl. Kap. 2.1.3). Ein wichtige Rolle scheint hierbei der an feinkörnige
Sedimentpartikel gebundene, erhöhte Nährstoffeintrag zu spielen (s.o.), ebenso wie eingeschränkte
Umweltbedingungen (vgl. Kap. 6.4.7). Die Bewältigung feinklastischen Stresses scheint v.a. durch das Einbinden
von Sedimentpartikeln durch Mikrobenmatten begründet (s.o.; s. Taf. 11). Schließlich scheinen mikrobielle
Krusten eine wichtige Rolle bei der Sedimentanhäufung und -festlegung innerhalb von Riffkörper zu spielen.
Hierauf weisen undeutliche Lagen und Schlieren vermutlich mikrobiellen Ursprungs innerhalb schlammiger
Riffgrundmassen (AM I 1, LEU I 3-5; s. auch Taf. 11) oder Sedimentflächen hin. Das Einfangen von
feinklastischem Sediment aller Art durch Polysaccharidschleime sowie das Überziehen von Sedimentoberflächen
und das Umschließen von Biogenen durch selbige beschreibt REITNER (1993). GISCHLER (1994) beschreibt den
flächigen Bewuchs von feinkörnigem, lagunären Sedimentflächen durch organische Filme in heutigen Lagunen.
Derartige stabilisierende Mikrobenfilme auf Sedimentoberflächen sind auch aus hochenergetischen Umwelten mit mobilen
Substraten bekannt (TUCKER & WRIGHT 1990) und spielen deshalb vielleicht auch eine Rolle in schuttreichen Riffkörpern.
Neben dem Einfluß physikalisch-chemischer Faktoren, wird das Wachstum von mikrobiellen Krusten weiter biologisch
beeinflußt. Hier sind in erster Linie grasende Organismen (u.a. Seeigel, Gastropoden, Fische) zu nennen, die das Wachstum
von mikrobiellen Krusten stark beeinflussen können. Das fast vollständige Fehlen von mikrobiellen Krusten im
Microsoleniden-Riesenbiostrom LFO 1 kann möglicherweise durch die starke grasende Tätigkeit der in diesem Riffkörper
sehr häufigen Seeigeln verursacht sein (vgl. Kap. 5.3.5).
In Lothringen dominieren Thrombolithe von plumper, unregelmäßiger bis aufstrebender Form und klumpig-
peloidalen bis strukturarmen Interngefüge. Häufig sind, für Flachwasser typische, massige bis unregelmäßige
Aphanite festzustellen. Stromatolithe nehmen meist die verbleibenden Riffhohlräume ein.
In der Schwamm- und der Mischfazies von Arnegg herrschen massige, polsterförmige bis aufstrebende,
klumpig-peloidale Thrombolithe vor. Peloidale Stromatolithe sind jedoch häufig. Innerhalb von Riffhöhlen (AM
II 4) sind sehr dünnlagige, peloidale Stromatolithe kennzeichnend (s. Taf. 11).
120

5.2.3 Kieselschwämme

Allgemeines Beschreibung

Kieselschwämme sind festsitzende, meist marine Organismen, die rezent von tropischen Bereichen bis zu den
Polarregionen vorkommen. Wie die Schwämme allgemein, so stellt auch die Gruppe der Kieselschwämme keine
systematische Einheit dar, sondern umfaßt unterschiedlichen Taxa. Die beobachteten Kieselschwämme gehören
verschiedenen Ordnungen der Klasse Hexactinellida (Glasschwämme) und der Ordnung „Lithistida“ der Klasse
Demospongea (Gemeinschwämme) an. Eine ausführliche Beschreibung über Taxonomie, Physiologie und Ökologie gibt
KRAUTTER (1997). Während hexactinellide Kieselschwämme ein Skelett aus sechstrahligen Skleren besitzen, handelt es
sich bei lithistiden Schwämmen um eine polyphyletische Gruppe, die alle Kieselschwämme mit Desmen und starren Gerüst
umfaßt. Das Auftreten der einzelnen Kieselschwammtypen zeigt, bei grundsätzlich ähnlichen Ansprüchen, gewisse Trends
in Bezug auf einwirkende abiotische Faktoren an. So ergeben sich für hexactinellide Typen eher ruhige, tiefermarine und
aphotische Lebensräume, für lithistide Typen etwas „turbulentere“, flachere Umwelten bis hin zur unteren euphotischen
Zone (CREVELLO & HARRIS 1984, BRACHERT 1992b, KRAUTTER 1997).

Ökologie von Kieselschwämmen

Kieselschwämme sind im Oberjura typisch für tiefermarine, ruhige Ablagerungsräume der tiefen bis mittleren Rampe
(LEINFELDER et al. 1993, KRAUTTER 1997), wo sie weitverbreitet am Aufbau großflächiger Riffkörper sein können.
Kieselschwammriffe sind z.B. im Oxfordium und Kimmeridgium der Schwäbisch-Fränkischen Alb (SCHWEIZER 1987,
BRACHERT 1992, PISERA 1997), Ostfrankreich (GAILLARD 1983) oder Rumänien (HERMANN 1996) ausgebildet.
Großflächige Schwammbiostrome werden von KRAUTTER (1995) aus dem Oxfordium des Keltiberikums beschrieben. Die
steuernden abiotischen Faktoren für das Kieselschwammwachstum sind nach KRAUTTER (1997) Wasserenergie,
Temperatur, Sedimentationsrate, Sauerstoff- und Salzgehalt sowie Struktur des Substrates. Der wichtigste biotische Faktor
mit abnehmender Wassertiefe ist die zunehmende Dichte und Diversität von Raum- und Nahrungskonkurrenten.
Kieselschwämme als K-Strategen (vgl. KRAUTTER 1997) zeigen sich allgemein sehr empfindlich gegenüber sich plötzlich
ändernden Umweltfaktoren. Wichtigste einwirkende Faktoren sind hierbei erhöhte Wasserenergie, erhöhter feinklastischer
Streß oder starke Temperaturschwankungen. Lithistide und wenige hexactinellide Typen (Ordnung Lychniskosa) tolerieren
höhere Wasserenergie und können deshalb auch in flacheren Bereichen vorkommen. Hexactinellide Schwämme sind
vergleichsweise schlechte Filtrierer, können jedoch colloidales organisches Material aufnehmen (KRAUTTER 1997). Die
meisten demospongen Schwämme hingegen sind Filtrierer. Die Ostiengröße weißt hier auf Bakterien als hauptsächliche
Ernährungsquelle hin. Einige demosponge Schwämme können auch Bakterien in ihrem Mesohyl „beherbergen“, welche
die Ernährung gewährleisten (genaue Beschreibung bei KRAUTTER 1997). Die Ernährung der festsitzenden
Kieselschwämmen aus der umgebenden Wassersäule bedingt einen gewissen Wasseraustausch (z.B. durch Strömungen).
Die Stärke der Strömung ist ein wichtiger ökologischer Faktor bezüglich der Schwammverteilung. Hierbei ist in Umwelten
mit mäßigen Strömungsenergien vergleichsweise erhöhtes Wachstum von Kieselschwämmen festzustellen (KRAUTTER
1995), v.a. aufgrund einer optimalen Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Als Adaptionen an die Wasserenergie
können Kieselschwämme, entsprechend Korallen, Ökomorphe ausbilden (s.u.). Grundsätzlich behindert starker
feinklastischer Streß die Ansiedlung von Kieselschwämmen und macht sie damit zu Zeigerorganismen für geringe
Sedimentationsraten. Bereits bestehende Schwammpopulationen werden unter dem Einfluß von lang anhaltenden, hohen
Sedimenteinträgen stark geschädigt oder abgetötet (KRAUTTER 1997). In Bezug auf Nährstoff- und Sauerstoffgehalte sind
Kieselschwämme offenbar an oligotrophe Nährtstoffverhältnisse und gute Durchlüftung angepaßt. Teilweise können sie
jedoch auch Sauerstoffmangelbedingungen bewältigen (KRAUTTER 1995). Die Nahrung filtrierender Schwämme besteht
überwiegend aus planktischer, partikulärer organischer Substanz, die durch aktiven Geißelschlag in ein Kanalsystem
eingestrudelt wird. Besonders hexactinellide Schwämme sind an geringe Nährstoffgehalte tieferen Wassers angepaßt,
indem sie weitere Ernährungsstrategien anwenden (z.B. endosymbiontische Bakterien, Aufnahme gelöster
121

Nährstoffe; vgl. KRAUTTER 1995). Diese enge Bindung von Bakterien an Schwämme erklärt auch die typische
Assoziation mit Mikrobolithen (vgl. Kap. 5.2.2). Rezente demosponge Kieselschwämme benötigen im Vergleich
hierzu meist einen erhöhten Gehalt an partikulärer Nahrung, wie sie in flacheren Meeresbereichen vorzufinden ist.
Die Wuchsform der Kieselschwämme zeigt aufgrund einwirkender Streßfaktoren (v.a. Wasserenergie oder
Sedimentation) Anpassungen, die grundsätzlich mit denjenigen von Korallen übereinstimmen. Zu höherer
Wasserenergie hin wechselt der Wuchstyp von fladigen zu massigeren Formen. Bei hohem hydrodynamischen Streß
bilden manche Taxa heute inkrustierende Wuchstypen aus. Im Stillwasser werden hingegen röhren- bis
becherförmige Ökomorphe („Becherschwämme“) ausgebildet. Erhöhter feinklastischer Streß ruft vermehrt
massigeren bis röhrenförmigen Wuchs hervor. Es sind auch formkonservative Typen zu beobachten, die keine
Ökomorphe ausbilden und durch Vorhandensein oder Fehlen, Stärke und Änderungen der Wasserströmung oder der
Sedimentationsrate anzeigen (KRAUTTER 1995). Rezente hexactinellide Kieselschwämme meiden
Wassertemperaturen über 15°.

Beschreibung der Kieselschwämme als Riffbildner

Die zeitliche Abfolge der Riffbildnerassoziationen des Arnegger Riffkomplexes von einer Kieselschwamm-
Mikrobolith-Assoziation über Mischassoziationen zu einer reinen Korallen-Assoziation ist eindeutiges Anzeichen
einer allgemeinen Verflachung des Ablagerungsraumes (Kap. 1.4, 5.2.1). Entsprechende Abfolgen im Zuge von
Verflachungssequenzen sind charakteristisch im Oberen Jura (vgl. u.a. HERMANN 1996, LEINFELDER et al. 1994,
1996). Im Oberjura ist allgemein eine bathymetrische Trennung von Kieselschwämmen und Korallen zu beobachten
mit einem, der Mischfazies von Arnegg entsprechenden, weitgespannten Überlappungsbereich. Über entsprechende
bathymetrische Übergänge berichten u.a. GAILLARD (1983), ELIAS & ELIASOVA (1984), LEINFELDER et al. (1996).
Die Dominanz von Kieselschwämmen in den ältesten Einheiten des Arnegger Riffkomplexes kennzeichnet somit die
bathymetrisch tiefste Lage dieser Riffbildnerassoziation. Kieselschwämme treten in der Mikrobolith-Schwamm-
Fazieseinheit des Arnegger Riffkomplexes stets in typischer Assoziation (vgl. KRAUTTER 1995) mit mikrobiellen
Krusten auf. Hierbei siedeln die Kieselschwämme nicht direkt aufeinander, sondern werden durch mikrobielle
Krusten verbunden. Der Zwischenraum zwischen den einzelnen Individuen wird neben mikrobiellen Krusten von
Sediment eingenommen. Kieselschwämme leiten hierbei die Riffbildung mit der Schaffung von Siedlungsgrund für
weitere Rifforganismen grundlegend ein. Während hexactinellide und lithistide Formen in den obersten Abschnitten
der Mikrobolith-Kieselschwamm-Fazies in etwa gleiche Häufigkeiten besitzen, nimmt ihre Häufigkeit (besonders der
hexactinelliden Formen) mit zunehmender Verflachung und ansteigendem grobklastischen Sedimentstreß in der
Mischfazies stark ab. In Assoziation mit Korallen bleiben Kieselschwämme innerhalb der Arnegg-Formation auf
Riffkörper und kleiner Boundstones beschränkt, ihr Anteil nimmt mit zunehmender Entfernung von den
Boundstonebereichen und mit steigendem Bioklastengehalt rasch ab. Kieselschwämme zeigen häufig eine Besiedlung
durch mikrobielle Krusten und Inkrustierer (z.B. Serpeln, nubeculariide Foraminiferen).

5.3 Nebenriffbildner, Riffbesiedler und Riffbewohner

5.3.1 Muscheln (ohne Austern)

Muscheln sind häufige Besiedler von Riffkörpern in allen untersuchten Gebieten. Bei teilweise hoher Individuenzahl
und mittlerer bis hoher Diversität nehmen sie jedoch nie die Funktion von Riffbildnern ein. Bivalvenschalen spielen
jedoch v.a. in schlammigen Umwelten als Siedlungsgrund für Korallenlarven eine wichtige Rolle. In den
Riffbereichen herrschen epibyssate Formen vor, die locker verteilt auf Hartsubstraten siedeln und sich filtrierend
ernähren. Es handelt sich dabei v.a. um pectinide Muscheln, die direkt auf abgestorbenen Korallenoberseiten oder in
Riffhohlräumen siedeln. Es kommen hauptsächlich Chlamys textoria, Entolium, Ctenostreum, Camponectes und
Plagiostoma vor. Die nach WERNER (1986) lebend semiinfaunal im Sediment steckende dickschalige Trichites tritt,
122

bei Durchmessern bis 15 cm, häufig liegend in stark bioklastischen bis ooidisch-onkoidischen dominierten
Faziesflächen (LSG I, Onkolith Foug, AM II) auf. Teilweise tritt Trichites auch in schlammigen, lagunären Bereichen
von Lothringen und Südbaden auf. Auf lagunären Flächen im Rognontal ist Diceras häufig, ansonsten kommt diese
Form nur vereinzelt vor (LEU). Diceras kennzeichnet nach MEGNIEN et al. (1970) festes bis halbfestes Substrat und
ist typisch für Rückriffbereiche. Muscheln sind v.a. in den Riffkörpern von Lohringen verbreitet bis häufig. In
manchen Riffen (LEU II 3) zeigen einzelne Arten sogar sehr hohe Anteile. In den jüngsten, flachmarinsten
Riffkörpern zeigt sich jedoch ein Rückgang der Arten- und Individuenzahl. Nach Ende des Riffwachstums bilden in
Lothringen semiinfaunale Muscheln die häufigste Organismengruppe in fossilarmen Mudstones (vgl. Kap. 4.2.1).
Außerdem anzutreffen sind u.a. Protocardia sp., Pinna lanceolata und Pleuromya sp..

5.3.2 Austern

Austern sind meist inkrustierend, selten auch in liegender Lebensweise in allen Aufschlußbereichen verbreitet bis
häufig. Es treten u.a. Lopha gregaraea, Nanogyra nana, Gryphaea dilatata, Deltoideum delta, Ostrea und
Praeexogyra auf. Die opportunistischen, euryhaline Formen Praeexogyra pustulosa und Nanogyra nana (vgl.
FÜRSICH & WERNER 1986) sind besonders zu flacheren Tiefenbereichen hin häufig. MACHALSKI (1998) weist auf
einen steigenden Anteil von Nanogyra nana auf Kosten von Lopha bei ansteigenden Feinsedimentanteil hin. In den
flachsten Riffkörpern von Lothringen und Istein ist Praeexogyra pustulosa sehr häufig und baut örtlich größere
Riffvolumen auf. In Lothringen wird die Riffbildung durch ein monospezifisch aus plattigen Exemplaren von
Deltoideum delta aufgebautes Austernbiostrom eingeleitet. Abgeplattete Ökomorphe von Deltoideum delta sind nach
MACHALSKI (1998) charakteristisch für herabgesetzte bis fehlende Sedimentation.

5.3.3 Gastropoden

Gastropoden zeigen rezent die größte Häufigkeit in flachmarinen Bereichen und hierbei häufig im Bereich von Riffen.
Gastropoden sind in den untersuchten Riffen allgemein verbreitet, es ist jedoch eine steigende Häufigkeit mit der
Verflachung der einzelnen Ablagerungsbereiche festzustellen. Sie sind in der Individuenzahl hierbei deutlich den Muscheln
und Austern untergeordnet. Besonders zahlreich sind sie in onkoidisch-ooidischen und schlammigen Sedimenten des ORK
von Lothringen (LRO, LSG, LAF, Onkolith Foug). Hier sind besonders Nerineen sehr zahlreich. Gastropoden leben in
heutigen Riffen meist epifaunal und ernähren sich häufig grasend (VERON 1995), so daß eine Abweidung von mikrobiellen
Krusten in oberjurassischen Riffkörpern denkbar ist. Die häufigen Pleurotomarien sind im Oberjura typische Riffbewohner
(BERTLING & INSALACO 1998). Innerhalb der untersuchten flachmarinen Riffkörper des Oxfordiums ist v.a. Eucyclus
häufig. Nach GEYER & ROSENDAHL (1985), kennzeichnen Nerineen hochenergetische Milieus; sie sind aber durchaus auch
in niederenergetischen Bereichen lagunärer Umwelten verbreitet (z.B. lagunäre Bereiche des Ota-Kalk; vgl. LEINFELDER
1992). Innerhalb der Korallen-Großdickichte (LPA 1) sind vereinzelt bis zu 3 m im Durchmesser aufweisende
gastropodenreiche Rudstones zu beobachten. Charakteristisches Faunenelement der, den ORK von Lothringen
überlagernden, molluskenführenden Mudstones ist Pseudomelania heddingtonensis (s. Taf. 3), ein epibenthischer
Gastropode von bis zu 16 cm Länge. In Arnegg sind Gastropoden meist bruchstückhaft durchgehend verbreitet.

5.3.4 Brachiopoden

Häufig anzutreffen sind kleinwüchsige, inkrustierende thecideidinide Brachiopoden. Die systematische Stellung der
Theceideen innerhalb der Brachiopoden ist unklar, meist werden sie zur Ordnung Spiriferida (Gattung Rioultina)
gestellt (vgl. LEHMANN & HILLMER 1991). Sie treten besonders häufig in geschützten Hohlräumen auf. Die
Autökologie der Thecideen bezieht sich hauptsächlich auf Vergleiche mit Rezentformen (PAJAUD 1974). Rezente
Vertreter leben in warmen Meeren und bevorzugen Habitate, die keine oder nur eine schwache Durchlichtung
123

aufweisen. Habitate ohne jegliche Durchlichtung werden jedoch gemieden (opt. cit.). Dies ergibt im Analogschluß
auch für fossile Umwelten eine gewisse Lichtabhängigkeit. SCHMID (1996) bestätigt für thecideidinide Brachiopoden
des Iberischen Oberjuras die Beschränkung des Wachstums auf den Bereich der photischen Zone zwischen 20-150 m.
Die größten Häufigkeiten liegen hierbei in Korallenriffen der inneren und mittleren Rampe bei Wassertiefen bis zu 50
m. PAJAUD (1974) gibt optimale Wassertiefen von 40-50 m an. Thecideidinide Brachiopoden sind v.a. in den
Riffkörpern von Foug an Korallenunterseiten häufig. Terebratulide Brachiopoden sind allgemein verbreitet,
rhynchonellide Typen dagegen nur vereinzelt (Mischfazies Arnegg).

5.3.5 Echinodermen

In den untersuchten Korallenriffen und ihrer Umgebung sind Echinodermen überwiegend als Bruchstücke weit
verbreitet. Überreste von Seelilien (Crinoiden) und Seeigel (Echiniden) sind am häufigsten anzutreffen. Die Überreste
weiterer Echinodermenklassen und -unterklassen (Seesterne, Schlangensterne, Seegurken) sind seltener und aufgrund
ihres Zerfalls in feingliedrige Bruchstücke schwer zu quantifizieren. Echinodermen zeigen allgemein euhaline
Verhältnisse an. Echinodermenbruchstücke tragen einen hohen Anteil zur Bildung von Riffsediment bei. Besonders
bemerkenswert ist das gesteinsbildende Auftreten von Crinoidenbruchstücken (v.a. Stielgliedern; s. Taf. 6) in
Lothringen in Form mehrerer Quadratkilometer großer, bis 18 m mächtiger untermeerischer Riesendünen.
Reguläre Seeigel (v.a. Pseudocidaris) sind in allen untersuchten Riffen vorhanden, überwiegend bezeugt durch
Stacheln. Ganze Gehäuse sind nur vereinzelt zu beobachten. Nur ausnahmsweise sind in geschützten Riffhohlräumen
(LFO 1) Gehäuse im Verbund mit Stacheln erhalten (BAUMEISTER mündl. Mittl.). Seeigel leben auf dem Substrat und
nutzen Riffhohlräume zum Unterschlupf. In den initialen, tiefermarinen Microsoleniden-Riesenbiostromen (LFO 1
und 2; IST 1und 2) von Lothringen und Südbaden sind Glypticus hieroglyphus und cidaroide Seeigel (v.a.
Paracidaris florigemma, Rhabdocidaris) sehr häufig. Weiter zu beobachten ist Stomechinus perlatus. In den
flachermarinen Ablagerungsbereichen des ORK und des Korallenkalkes sind cidaroide Seeigel bzw. Seeigelstacheln
weiter häufig. In Arnegg sind cidaroide Seeigelstacheln allgemein verbreitet bis häufig. In der liegenden
Kieselschwamm-Mikrobolith-Fazies wurde ein vollständiges Exemplar von Hemicidaris crenularis vorgefunden.
Die funktionmorphologische Interpretation von Glypticus hieroglyphus weist auf eine Anpassung an das Leben auf
stark gegliederten Rifflächen hin, bei gleichzeitig zumindest teilweise erhöhter Wasserenergie (BAUMEISTER 1998).
Heutige Seeigel wie Arbacia lixula mit einem ähnlichen gekielten Laternentyp wie cidaroide Seeigel, ernähren sich
vorwiegend von inkrustierenden Organismen (Algen, Mikroben, Bryozoen; BAUMEISTER pers. Mittl.). Aufgrund ihrer
großen Häufigkeit in fast allen untersuchten Riffkörpern und ihrer Stellung als Abweider v.a. von lebendem
Riffbildnergewebe im Riffökosystem stellen Seeigel somit eine wichtige, die Zusammensetzung und Entwicklung des
gesamten Riffökosystems beeinflussende Gruppe von Riffbewohnern dar. SOROKIN (1995) weist auf die geringe
Anzahl von Seeigeln bei erhöhtem Wellenstreß in heutigen Riffen hin.
Die auf Hartsubstrat festsitzenden, gestielten Crinoiden filtrieren ihre Nahrung meist aus der bewegten Wassersäule.
Autochtone Überreste (Wurzelstöcke) von Crinoiden sind nur sehr selten innerhalb von Riffkörpern zu finden. Dies
legt eine Herkunft der sehr häufigen Crinoidenbruchstücke aus der unmittelbaren Umrahmung der Riffkörper nahe. Die fast
monomikte Zusammensetzung der großvolumigen Crinoiden-Grainstones in Lothringen, sowie die allgemeine Häufigkeit
innerhalb von Korallenriffkomplexen läßt auf eine große Häufigkeit und Verbreitung von Crinoiden schließen,
wahrscheinlich in Form ausgedehnter Rasen.

5.3.6 Polychaeten

Serpeln und Terebella lapilloides gehören zur Klasse der Polychaeten („Vielborster“) im Stamm Annelida
(Ringelwürmer). Beide Polychaeten leben als passive Filtrierer in festsitzenden, verschließbaren Röhren. Bei den
Serpeln handelt es sich um rezent und fossil weitverbreitete, euhaline und inkrustierende Würmer mit trichterförmiger
124

Tentakelkrone und kalzitischen Röhren, die Hartsubstrate besiedeln und typische sekundäre Riffbildner sind
(LEHMANN & HILLMER 1991, BIANCHI et al. 1996). Die taxonomische Einteilung erfolgt fossil anhand von
Röhrenquerschnitt und Röhrenverlauf, beides Merkmale mit geringer ökologischer Aussagekraft (BIANCHI et al.
1996). Die primär aus Kalzit aufgebauten Serpelwohnröhren sind im Arbeitsgebiet, bei wechselnder
Besiedlungsdichte und Zusammensetzung, meist an Organismenhartteile angeheftet. Serpeln stellen an ihren
Lebensraum geringe Ansprüche, sind gegenüber erhöhter Sedimentation jedoch sehr empfindlich (CIRILLI 1997). In
den untersuchten korallenhaltigen Gesteinen ist der lockere bis dichte Bewuchs der Unterseiten von Rifforganismen
zu beobachten. Als Reaktion auf die, im Vergleich zur Unterseite, kurzzeitige Entblößung des Skeletts zeigen
abgestorbene Oberseiten von Rifforganismen häufig eine deutlich geringere Inkrustation mit Serpelröhren. In Euville
enthalten einige Riffkörper (LEU I 5, LEU II 2) innerhalb der jüngsten Abschnitte des ORK besonders hohe Anteile
an Serpeln, bis hin zur totalen Inkrustation der schließlich abgestorbenen Riffkörper (LEU I 5; vgl. Kap. 3.5.2; Taf.
4). Dies kann auf Sauerstoffmangel bezogen werden, der durch die zunehmende Erwärmung und Übersalzung des
Wassers in sehr flachen Meerestiefen zu sehen ist (vgl. Kap. 9.1).
Terebella lapilloides (im Folgenden kurz Terebella) ist auf niederenergetische Bereiche beschränkt, agglutiniert ihre
Wohnröhre aus Sedimentpartikeln und tritt meist inkrustierend auf (SCHMID 1996). In den untersuchten Ablagerungen
ist Terebella stets an Riffkörper gebunden und tritt, sowohl in tieferen (Arnegg) als auch in flachsten Bereichen
(Lothringen), ausschließlich in Assoziation mit thrombolithischen Krusten auf, so daß eine mutualistische bis
symbiontische Beziehung mit Bakterien, wie sie CIRILLI (1997) für Serpuliden darstellt, zu vermuten ist. So könnten
verhärtende mikrobielle Krusten einerseits die Terebella-Röhren stabilisieren, während Terebella andererseits durch
seine Tentakelkrone die mikrobiellen Krusten vor Sedimentation „abschirmt“. Die verwandte rezente Gattung
Terebellides aus dem Schwarzen Meer ist an sauerstoffuntersättigtes Wasser gebunden und kommt in einer
Wassertiefe von 100 bis 200 m vor (BAÇESCO 1963). Nach LEINFELDER et al. (1993b) ist das Auftreten von
Terebella, bei gleichzeitig artenarmer Begleitfauna, Anzeiger für schwankenden O2-Gehalt. Terebella ist innerhalb
von thrombolithischen Krusten besonders in der Mischfazies von Arnegg aber auch innerhalb einzelner Riffkörper
des ORK von Lothringen häufig (LEU 4, 5) bis verbreitet. In Istein ist Terebella in den älteren mergeligen
Riffkörpern (IST 1, 2) und den hangenden onkoidischen Faziestypen verbreitet, sonst eher vereinzelt.
In Riffbereichen der unteren Mischfazies (AM II) von Arnegg sind innerhalb einzelner Bioherme (AM II 3 I und II)
mit sparitischen Blockzement gefüllte Röhren (Durchmesser zwischen 4 und 8 mm; Hohlraumdurchmesser zwischen
2 und 8 mm). zu beobachten. Längere, dem Röhrenverlauf parallele Anschnitte, sowie die häufige Füllung mit
geopetalem Sediment belegen hierbei den Röhrencharakter. Meist zeigen die stets runden Röhren eine ein- bis
mehrlagige Auskleidung der Wandung mit dichtem mikritischem Kalk, bei intern unscharfen Übergängen. Die
einzelnen Lagen sind dabei gleichmächtig mächtig und erreichen insgesamt höchstens den halben
Röhrendurchmesser. Öfters sind die Röhren auch ohne diese Auskleidung zu beobachten, deren offener
Hohlraumdurchmesser dann maximale Werte bis 5 mm erreicht. Der Verlauf der Röhren ist gerade (bis 3 cm) bis
gewunden. Als Verursacher dieser Röhre ist ein wurmartiger Organismus denkbar.

5.3.7 Kalkschwämme

Kalkschwämme treten heute meist in flacheren Meeresbereichen auf. Die Hauptverbreitung und höchste Artenzahl
liegt oberhalb 100 m Wassertiefe, meist flacher als 30 m. Demospongien mit kalkigem Basalskelett werden unter den
Sammelbegriffen „koralline Schwämme“ oder „Sclerospongien“ zusammengefaßt. Sie gehören zu verschiedenen
taxonomischen Gruppen und bilden nicht, wie früher angenommen, eine taxonomische Einheit (BOEHM et al. 1998).
Chaetetiden sind vorwiegend flachmarine, stenohaline Besiedler von kalkigen Hartsubstraten. Ihre größte
Verbreitung in der Erdgeschichte hatten diese Organismen im Oberjura wo sie bevorzugt Riffbereiche besiedelten
aber auch in ruhigen Bereichen z.T. unter der Sturmwetterwellenbasis vorkamen (vgl. FISCHER 1977, FEZER 1988,
CONOLLY et al. 1989). Chaetetiden bilden abhängig von den Umweltfaktoren Wasserenergie und Wassertiefe
125

Ökomorphe aus, was sie zu nützlichen Bioindikatoren macht. Hierbei sind dünnfladige bis massig-halbkugelförmige
Ökomorphe mehr in flachen und höherenergetischen Meeresbereichen vorhanden, während aufstrebende bis säulige
Typen niederenergetische tiefer Bereiche kennzeichnen. Chaetetiden weisen allgemein eine Bänderung auf, deren
Ursprung unsicher ist. CONOLLY et al. (1989) halten eine Symbiose mit zooxanthellaten Grünalgen für möglich. Dies
würde entsprechend der Bänderung von Korallen oder Solenoporaceen auf (vgl. Kap. 5) astronomische Ursachen der
Bänderung hinweisen und erklärt das gesteigerte Auftreten von Chaetetiden bei abnehmender Wassertiefe. Für
Stromatoporen gelten überwiegend dieselben Charakteristika (KERSHAW 1998).
Chaetetiden und v.a. Stromatoporen sind in den untersuchten oxfordischen Riffkörpern meist selten und fehlen häufig
völlig. Nur im Rognontal und den ältesten Bereichen der Mikrobolith-Kieselschwamm-Korallen-Fazieseinheit von
Arnegg besitzen sie größere Häufigkeiten und den Status von Nebenriffbildnern (vgl. Kap. 3.5, 3.8.) Ansonsten
zeigen sie die Wertigkeit von Riffbesiedlern (vgl. Kap. 5.1). Die Vergesellschaftung beider Organismengruppen
findet man lediglich im Rognontal, wo sie innerhalb von Riffkörpern örtlich auch häufig sind. Ansonsten wurden im
Bereich des ORK von Lothringen nur vereinzelt Chaetetiden in Riffkörpern angetroffen. Chaetetiden treten hier meist
als flächig inkrustierende Aufwüchse auf abgestorbenen Korallen auf. Nur im Rognontal sind halbkugelförmige
Ökomorphe entwickelt. Die Durchmesser der Chaetetiden liegen in Lothringen meist zwischen 5 und 10 cm und
erreichen selten bis 23 cm (Chaetetiden in Riff LEU II 3). In Arnegg sind Durchmessern von 10-40 cm ausgebildet.
Die Bänderung zeigt bei Chaetetiden (28 ausgewertete Exemplare) in Arnegg Werte von 1,5-2,2 mm, in Lothringen
1,5-2,8 mm und ist derjenigen der vergesellschafteten Riffkorallen vergleichbar. In den flachmarinen Umwelten von
Lothringen und des Isteiner Klotzes scheint v.a. hoher feinklastischer Streß die Seltenheit von korallinen Schwämmen
zu begründen. Die Häufigkeit in den vergleichsweise tiefmarinen Abschnitten der Mikrobolith-Kieselschwamm-
Korallen-Fazieseinheit (s.o.) läßt sich neben einem ausreichenden Lichtangebot in klarem Wasser auf eine Toleranz
gegenüber grobklastischem Streß und der schnellen Besiedlung von abgestorbenen Korallenkolonien schließen.
Chaetetiden sind oft mit anderen Flachwasserinkrustierern wie z.B. Lithocodium und Bacinella vergesellschaftet.

5.3.8 Solenoporaceen

Solenoporaceen sind heute ausgestorbene, im Oberjura jedoch typische Organismen flacher, tropischer
Meeresbereiche, die teilweise auch als Riffbildner auftreten können (NOSE 1995, HELM & SCHÜLKE 1998). Sie treten
sowohl in niedrig- als auch in hochenergetischen Bereichen auf (FEZER 1988) und zeigen massige bis säulige
Wuchsformen. Intern weisen Solenoporaceen einzelne feine, durch Querböden unterbrochene Röhren auf, die bedingt
durch verschiedene Skelettdichten in der Übersicht immer eine deutliche, rhythmische Bänderung zeigen. Der
Ursprung dieser Bänderung ist unklar, eine Wiedergabe astronomischer Zyklen ist wahrscheinlich (WRIGHT 1985).
Vor allem aufgrund des zellulären Aufbaus, der vergleichbaren rötlichen bis violetten Färbung und der Besiedlung
vergleichbarer Habitate werden Solenoporaceen heute meist den Rotalgen zugeordnet, und als Vorläufer der
Corallinaceen gehandelt (MOUSSAVIAN 1989). Inkrustierende Corallinaceen (Melobesien) leben heute bevorzugt in
Bereichen mit hoher bis höchster Wasserenergie, fehlen außerhalb von Fleckenriffen im lagunären Bereich jedoch
völlig (RÜTZLER & MACINTYRE 1982, SOROKIN 1995). HARLAND & TORRENS (1982) fordern für das Gedeihen von
Solenoporaceen eine geringe Wassertrübung. SCHMID (1995) betrachtet Solenoporaceen als anspruchslose
Organismen, die auch Bereiche besiedeln die ungünstig sind für das Wachstum von Korallen.
Solenoporaceen sind örtlich in Lothringen (Pagny sur Meuse, Sorcy Gare II, Rognontal) und dem Isteiner Klotz
(Istein; s. Taf. 9) zu finden. Vor allem Solenopora jurassica ist allgemein verbreitet. Das Auftreten von Solenopora
helvetica und Solenopora cayeuxiformis ist auf die Vorkommen im Rognontal beschränkt. In den flachsten und
schlammdominierten Abschnitten des ORK von Lothringen sind ausschließlich massig-knollige Ökomorphe bis 20
cm Durchmesser zu beobachten, die umhüllendes Wachstum zeigen. Insbesondere im Rognontal aber auch am
Isteiner Klotz sind, bei z.T. großer Häufigkeit (20 %/m2,), innerhalb von Riffkörpern und onkoidischen Faziestypen
aufstrebende bis säulige Ökomorphe mit Durchmessern bis 5 cm ausgebildet. Alle beobachteten Exemplare weisen
126

eine deutliche Bänderung auf. Die Bandmächtigkeiten betragen 1,5 bis 6,2 mm und liegen dabei meist über den
durchschnittlichen Wachstumsraten von Korallen, jedoch deutlich unterhalb der maximalen Korallenwerte von 11
mm/a. Die säulige Wuchsform weist auf geringe Wasserenergie und geringen feinklastischen Streß, das umhüllende
Wachstum auf zumindest zeitweise niedrige Nettosedimentationsraten hin. Umhüllendes Wachstum (vgl. Abb. 19)
bei gleichzeitig höchsten Wachstumsraten von 6,2 mm/a in Pagny sur Meuse ist Anzeiger dafür, daß hohe
Zuwachsraten keinen „Wettlauf“ mit der Sedimentanhäufung darstellen, sondern vielmehr günstige
Lebensbedingungen wiederspiegeln (v.a. Licht).

5.3.9 Mikroinkrustierer

Nach SCHMID (1996) und SCHMID & LEINFELDER (1996) handelt es sich bei dem inkrustierenden Mikroorganismus
Lithocodium aggregatum (im folgenden kurz Lithocodium; s. Taf. 11) um eine loftusiide Foraminifere, welche die
Foraminifere Troglotella inkrustans als Endokommensalen beherbergt (Lithocodium-Troglotella-Konsortium). Nach SCHMID
(1996) tritt Lithocodium in flachmarinen Karbonaten des Mesozoikums vorwiegend als Riffbesiedler, teilweise auch bindender
Organismus in Riffen (= Nebenriffbildner) auf. Die Vergesellschaftung mit typischen Flachwasserorganismen wie Korallen,
Stromatoporen oder Dasycladaceen zeigt, daß es sich bei Lithocodium um einen vollmarinen Flachwasserorganismus handelt
(LEINFELDER 1993b). Entsprechend beschreibt NOSE (1995) Lithocodium im Iberischen Oberjura aus sehr flachen
Meeresbereichen mit guter Durchlüftung und meist hoher Wasserbewegung. Lithocodium tritt sowohl in schuttreichen,
hochenergetischen Riffen (LEINFELDER 1992) als auch in lagunären Umwelt auf. Häufig ist der Organismus an der Bildung
von Onkoid-Hüllen beteiligt. Aufgrund des Auftretens in flachmarinen Bereichen, funktionsmorphologischen Kriterien und
Rezentvergleichen mit verwandten Arten vermutet SCHMID (1996) für die luftosiide Foraminifere die Symbiose mit
photoautotrophen Grünalgen. Lithocodium ist in allen untersuchten Korallenabfolgen vertreten. In den tiefmarinsten
Riffbereichen vomn Arnegg, an der Grenze zum euphotischen Bereich, fehlt der Organismus, erscheint jedoch bei
zunehmender Lichteinstrahlung vereinzelt. Mit fortschreitender Verflachung ist eine durchgängige Zunahme der Häufigkeit zu
beobachten. Das im Vergleich zu anderen oberjurassischen Riffvorkommen (s.o.) recht geringe Auftreten des Konsortiums in
den untersuchten Riffabfolgen (mit Ausnahme des Rognontales) weist auf die Empfindlichkeit von Lithocodium gegenüber
erhöhtem Sedimentstreß hin. In den korallenführenden Fazieseinheiten des Arnegger Riffkomplexes konnte Lithocodium
erstmalig für den Bereich des Schwäbischen Oberjuras nachgewiesen werden (vgl. LEINFELDER et al. 1994; s. Taf. 11).

Bei Bacinella irregularis (im Folgenden kurz Bacinella) handelt es sich um ein unregelmäßiges Maschenwerk aus
mikritischen Fäden und sparitischen Hohlräumen, daß typischerweise auf Organismenhartteilen inkrustierend in flachmarinen
Faziestypen des Oberjuras vertreten ist. Eine ausführliche Beschreibung Diskussion ist bei SENOWBARI-DARYAN (1984) und
SCHMID (1996) nachzulesen. Im Gegensatz zur fraglichen Systematik steht der eindeutige Wert von Bacinella als
bathymetrisches und fazielles Zeigerfossil (SCHMID 1996). Die Untersuchung der Häufigkeit von Bacinella in bathymetrisch
geeichten Verflachungsabfolgen des Iberischen Juras (NOSE 1995, SCHMID 1996) zeigt eine klare Korrelation von ansteigender
Häufigkeit mit abnehmender Wassertiefe. Typische Habitate sind flachmarin-lagunäre, schlammige Faziesbereiche aber auch
etwas höherenergetische Umwelten. Sehr häufig findet man Bacinella an Korallen und in Korallenriffen (NOSE 1995)
innerhalb dieser Faziesbereiche. Vielfach ist Bacinella auch innerhalb von Onkoid-Hüllen (Bacinella-Onkoide; s. Taf. 7)
anzutreffen und bezeugt dann geringe Wasserbewegung (DAHANAYAKE et al. 1976, NOSE 1995).
Bacinella tritt in meist geringer Häufigkeit in allen untersuchten korallendominierten Riffassoziationen auf. Sehr häufig kommt
der Organismus im Rognontal vor, wo er u.a. als Riffbildner auftritt. In Arnegg findet sich Bacinella vereinzelt im Bereich der
Korallenfazies (AK II; s. Taf. 11).

Tubiphytes morronensis (im Folgenden kurz Tubiphytes) ist ein im Oberjura weit verbreiteter, meist inkrustierender
Mikroorganismus, der auch häufig in Riffkörpern verschiedener Zusammensetzung und Tiefenbereiche vorkommt
(FLÜGEL 1978). Untersuchungen zeigen aufgrund des porzellanartigen, zweiteiligen Gehäuses und dessen Aufbaus
127

für Tubiphytes die Zugehörigkeit zu den milioliden Foraminiferen (SCHMID 1995). Tubiphytes bildet hierbei,
abhängig von den jeweiligen Umweltbedingungen, verschiedene Ökomorphe aus (SCHMID 1995, 1996). Eine
ausführliche Beschreibung und Deutung dieses Organismus gibt SCHMID (1995). Gleichzeitig wird eine
symbiontische Beziehung mit endosymbiontischen Algen oder Bakterien postuliert, welche die Bildung des äußeren
Gehäuses maßgeblich steuerten. Begründet wird dies unter anderem durch die mit abnehmender Wassertiefe
ansteigende Gehäusedicke der äußeren Schale als direkter Anzeiger der Lichtabhängigkeit der Gehäusebildung
(SCHMID 1995, LEINFELDER et al. 1996). Dies macht Tubiphytes zu einem geeigneten paläobathymetrischen Zeiger-
fossil. SCHMID (1995) erarbeitete in bathymetrisch bereits interpretierten Abfolgen anhand der statistischen Erfassung
der Hüllendicke von Tubiphytes sowie des Verhältnisses der Hüllendicke zum Durchmesser der Innenkammer eine
bathymetrische Eichkurve für jurassische Riffe. Das Verhältnis Gehäusedurchmesser/Innenkammer (vgl. SCHMID
1996) liegt in Arnegg zwischen 2,6 und 9,3 (34 gemessene Individuen). Die niedrigsten Werte (2,6-4,6) treten in der
Schwammfazies auf. In der Mischfazies konnten Verhältnisse von 3,7 bis 7 (ausnahmsweise bis 8,9) festgestellt
werden, mit den höchsten Beträgen in den jüngsten Abschnitten. Diese Werte sprechen nach SCHMID (1995) für eine
Verflachung des Ablagerungsraumes, im Bereich des mittleren bis an die Grenze zum inneren Rampenbereich. Die
wenigen zur Bearbeitung tauglichen Exemplare der Korallenfazies weisen jedoch geringe Verhältnisse von 3,2-3,8
auf. Dies und die oft stark schwankenden Werte in den älteren Riffabschnitten kann nach SCHMID (1995) als Hinweis
für nur örtlich geeignete Habitate und kleinräumige Wechsel der Durchlichtung (z.B. kryptische Habitate) angesehen
werden. Im ORK von Lothringen ist Tubiphytes vereinzelt zu beobachten. Es zeigen sich Gehäusedurchmesser von 9
bis 10, 7 mm (3 gemessene Exemplare). Diese Werte entsprechen nach SCHMID (1995) dem Bereich der inneren
Plattform. Tubiphytes ist hauptsächlich im Bereich der mittleren und äußeren Rampe verbreitet bis häufig, während in
flacheren Bereiche der inneren Rampe Tubiphytes meist selten ist. Die Ausrichtung der Längserstreckung in
Beziehung zu Substrat läßt nach SCHMID (1995) die Wasserenergie ihres Lebensraumes abschätzen. So zeigen
großflächig inkrustierende Einzelindividuen bis kompakte massige Aggregate eine höhere Wasserenergie an als
senkrecht zum Substrat ausgerichtete Einzelindividuen. Neben dem inkrustierenden Wuchs finden sich auch
verzweigte Formen oder aus mehreren Einzeltieren aufgebaute „Aggregate“ als Ökomorphe von Weichsubstraten.
Bei geringen Hüllendicken ist es teilweise problematisch Tubiphytes von nubeculariiden Foraminiferen zu
unterscheiden.
Während in Arnegg (v.a. in den tiefermarinen Abschnitten der Kieselschwamm-Korallen-Mikrobolith-Fazies; vgl.
Kap. 3.8) hohe Anteile an Tubiphytes zu beobachten sind, die teilweise fast bis zur Wertigkeit von Nebenriffbildnern
gehen können, zeigen die untersuchten flachmarinen, oxfordischen Korallenriffe nur einen vergleichsweise geringen
Anteil von Tubiphytes. In Arnegg ist Tubiphytes insbesondere in den ältesten und tiefsten Teilen der Mischfazies
häufig und nimmt mit fortschreitender Verflachung und dem damit verbundenen steigenden Riffschuttgehalt merklich
ab. Als Wuchsformen sind meist senkrecht zum Substrat ausgerichtete Ökomorphe entwickelt, die auf eher geringe
Hydrodynamik schließen lassen (vgl. SCHMID 1996). Massigere Formen sind vereinzelt. Größere auf Weichsubstrat
siedelnde Tubiphytes-Aggregate aus mehreren Individuen (s.o.) sind in den ältesten, mikritischen Bereichen der
Mischfazies (AM I) verbreitet, örtlich auch häufig. Im Rognontal treten derartige inkrustierend auf. In Lothringen ist
Tubiphytes im ORK nur sehr vereinzelt zu beobachten. Im des Rognontales ist Tubiphytes in Form von
inkrustierenden Aggregaten jedoch verbreitet. In Südbaden ist Tubiphytes, bei meist jedoch geringem Anteil, durch
die ganze Riffabfolgezu beobachten. Nach nur vereinzeltem Auftreten im ältesten Microsoleniden-Riesenbiostrom
LFO 1, ist der Organismus später verbreitet.

Die systematische Einordnung des inkrustierenden Mikroorganismus Koskinobullina socialis (im Folgenden kurz
Koskinobullina) ist ungewiß. Eine ausführliche Beschreibung geben CHERCHI & SCHROEDER (1985) und SCHMID
(1996). Koskinobullina wird teilweise den Algen, teilweise den Foraminiferen zugeordnet. In bathymetrisch geeichten
Abfolgen kommt Koskinobullina besonders verbreitet im Bereich der mittleren Rampe zwischen Schön- und
128

Sturmwetterwellenbasis und in flachmarinen, lagunären Umwelten vor (SCHMID 1996). Koskinobullina ist hier häufig
in riffständigen Mikrobenkrusten und als Aufwuchs auf gerüstbildenden Metazoen und Schwämmen anzutreffen.
Koskinobullina ist in der Mischfazies des Arnegger Riffkomplexes meist bruchstückhaft verbreitet (s. Taf. 11). Die
Häufigkeit nimmt mit steigendem Riffschuttanteil ab. Nur selten sind innerhalb von Riffkörpern Aufwüchse von
Koskinobullina an Korallen zu beobachten. Im Rognontal (LRO) tritt Koskinobullina vereinzelt innerhalb artenreicher
Inkrustiererassoziationen auf.

Die büschelige Wuchsform von Cayeuxia ist kennzeichnend für diese vermutliche Cyanobakterie. Eine genaue
Beschreibung ist bei LEINFELDER (1986) nachzulesen. Nach SCHMID (1996) ist sie häufig in lagunären Bereichen und
nur untergeordnet in der Riffazies aufzufinden. Cayeuxia ist ausschließlich in Lothringen innerhalb artenreicher
Mikroinkrustiererassoziationen entlang des Rognontal verbreitet.

Es handelt sich bei nubeculariiden Foraminiferen um inkrustierende, miliolide Foraminiferen häufig vertreten
durch die Gattung Vinelliodea (früher als Nubeculinella bezeichnet; vgl. SCHMID 1995). Im Dünnschliff sind die
einzelnen Gattungen schwer voneinander zu unterscheiden und werden in dieser Arbeit deshalb als nubeculariide
Foraminiferen zusammengefaßt. Besonders häufig treten nubeculariide Foraminiferen in den untersuchten
Vorkommen in mikrobiellen Matten und in Onkoidhüllen auf (SCHMID 1996). Hierbei ist eine mutualistische
Beziehung zwischen Foraminiferen und Mikroben denkbar. Nubeculariide Foraminiferen sind außerdem auf allen
möglichen Hartsubstraten inkrustierend anzutreffen.
In allen Aufschlußregionen sind nubeculariide Foraminiferen in den oben genannten Situationen verbreitet bis häufig.

Inkrustierer-Assoziationen

Die Bacinella-Lithocodium-Assoziation ist kennzeichnend für ruhige und geschützte Flachwasserbereiche im


gemäßigten Streßmilieu (LEINFELDER et al. 1996, SCHMID 1996). Bei ansteigender Wasserenergie und klastischem
Streß nimmt der Anteil von Bacinella im Vergleich zu Lithocodium bis hin zum Auflösen der Assoziation ab.
Innerhalb aller untersuchten Verflachungsabfolgen tritt Lithocodium im Zuge von Verflachungssequenzen. stets
früher (tiefer) auf als Bacinella. Auch in zunehmend schuttreicheren, höherenergetischeren Faziestypen oder
Riffkörpern (LFO 2, LSO I, LAF, LLE 1, LEU I 1, AK II 2) ist ausschließlich Lithocodium festzustellen. Bacinella
übertrifft in ruhigeren Bereichen mit geringerer Wasserbewegung und klastischem Streß hingegen Lithocodium bei
weitem an Verbreitung und Volumen, und kann z.T. (Rognontal) die Stellung eines Nebenriffbildners einnehmen.
Riffkörper, die etwa einen gleichen Anteil an beider Organismen besitzen, haben in Bezug auf die Umwelt-
bedingungen eine Mittelstellung.

Die Terebella-Tubiphytes-Assoziation ist für niederenergetische Umwelten der mittleren bis äußeren Rampe
kennzeichnend (SCHMID 1996). Die Assoziation tritt v.a. in thrombolithischen Krusten auf. SCHMID (1996) nennt
eingeschränkte Milieubedingungen, beziehungsweise schwankende Nährstoff-/Sauerstoffverhältnisse als Gründe für
die niedrig diverse Zusammensetzung der Assoziation. Diese Umweltverhältnisse erlauben meist keine Besiedlung
durch höhere Organismen oder weitere Mikroorganismen. Die Terebella-Tubiphytes-Assoziation ist ausschließlich in
der Schwamm- und Mischfazies von Arnegg ausgebildet. Allerdings sind in der Mischfazies durchhaltend andere
Mikroinkrustierer (Lithocodium, Koskinobullina) anzutreffen, so daß die Assoziation eher kleinräumige Verhältnisse
widerspiegelt. Das Auftreten der Terebella-Tubiphytes-Assoziation in der Mischfazies von Arnegg spricht für die
Ablagerung dieser Sedimente im Bereich der mittleren Rampe (SCHMID 1996). Das vereinzelte Vorkommen von
Lithocodium weist jedoch auf einen Übergang in flachere Abschnitte der Rampe hin.
129

Die Tubiphytes-Koskinobullina-Assoziation ist im Bereich der mittleren Rampe verbreitet (LEINFELDER et al. 1996,
SCHMID 1996). Typischerweise ist die Tubiphytes-Koskinobullina-Assoziation in der Mischfazies von Arnegg mit
vorherrschend microsoleniden Korallen und lithistiden Schwämmen anzutreffen. Koskinobullina tritt in diesem
Bereich, im Vergleich zu Tubiphytes, nur mit geringen Anteilen auf, ist jedoch das charakterisierende Element dieses
Tiefenbereiches (s. Taf. 11)

5.3.10 Weitere Riffbewohner

Aufgrund des fast völligen Fehlens fossiler Überreste vieler benthischer und nektischer Organismen ist es schwer, ihr
Vorhandensein und ihren möglichen Einfluß auf das oberjurassische Riffökosystem zu dokumentieren und zu
bewerten. SCHÄFER (1967) weist darauf hin, daß der überwiegende Anteil von marinen Rifforganismen fossil nicht
überliefert wird und die gut überlieferungsfähigen Gastropoden und Muscheln jedoch meist überbewertet werden.
Seltene Funde dieser Organismen oder ihrer Bruchstücke, die Zuordnung von Spuren und die Einbeziehung
gleichaltriger Fossilfundpunkte (s.u.) ermöglichen zumindest grundlegende Überlegungen über ihr Vorkommen und
die möglichen Einflüsse auf das Riffökosystem. Die untersuchten oberjurassischen Korallenriffbiome waren zum
einen sehr ausgedehnt (Riesenbiostrome) und zum anderen sehr kleinräumig (Kleinriffe) mit wechselndem Angebot
an Habitaten für Riffbewohner und Riffbesucher. Extrembeispiele sind zum einen Schuttriffe, die nur wenig
besiedelbare größere Hohlräume aufweisen, zum anderen die Riesenbiostrome und Großdickichte die reich an
besiedel- und besuchbaren Hohlräumen sind.

Fische

Fossile Überreste von Fischen sind im gesamten Untersuchungsgebiet in keinem Riff zu finden. Dies liegt u.a. auch
am weniger gut überlieferungsfähigen phosphatischem Skelett. Aufgrund des ausgeprägten Fischreichtums heutiger
Riffbereiche sowie oberjurassischer Fossilfunde (z.B. Nusplinger Plattenkalke; vgl. DIETL et al. 1997) sind Fische als
Riffbewohner und -besucher auch für oberjurassische Riffe anzunehmen. Echte Korallenfische haben heute eine so
enge Bindung an Korallen, daß sie in ihren Ernährungsgewohnheiten und Biotopansprüchen auf Korallen und
Korallenriffe angewiesen sind. Aufgrund der meist kleinvolumigen Riffkörper, der geringen evolutiven Anpassung
von Fischen an das noch „junge“ Korallenriffökosystem, war die Lebensweise von Fischen wohl weit weniger als
heute an Riffkörper gebunden. Feldversuche in heutigen Riffen zeigen jedoch, daß Korallen ohne die Abweidung von
Algen durch Fische von Rotalgen überwuchert würden (BICK 1998). Für fossile Riffe kann im Analogschluß
zumindest eine vergleichbare Funktion von Fischen angenommen werden.

Krebstiere

Die in heutigen Korallenriffgemeinschaften häufigen und ökologisch bedeutsamen Krebstiere sind in oberjuras-sischen
Riffen kaum nachzuweisen. Mit Ausnahme des Kopfschildes von Laeviprosopon (Brachyura oder Kurzschwanzkrebse) in
schlammigen Riffkörpern von Pagny sur Meuse, wurden in keinem der untersuchten Aufschlüsse fossile Überreste von
Krebstieren gefunden. Innerhalb mikritischer Riffareale im ORK von Lothringen tritt verbreitet die Grabspur
Thalassinoides auf, die einem Krebstier zugeordnet wird. Ob die Seltenheit nur das Ergebnis schlechten
Fossillisationspotentials der phosphatischen Hartteile ist bleibt unklar. SCHÄFER (1967) weist auf eine hohen Anteil von
Krebstieren in rezenten Riffen hin, die sich in der subfossilen Überlieferung jedoch nicht niederschlägt.

5.3.11 Riffabbauer

Als Riffabbauer werden alle Organismen zusammengefaßt, die das Volumen von Riffkörpern verringern. Die
Rate der Bioerosion steht im Zusammenhang zu Sedimentationsraten, Wasserdurchströmung und Wassertiefe
(W ARME 1975). Sie hat einen großen Einfluß auf die Riffbildung und kann, wenn sie die Kalzifikationsraten der
130

Riffbildner übersteigt, Riffbildung allgemein verhindern (MACINTYRE 1972). In heutigen Riffen ist eine sehr
hohe Zahl von Organismen und Organismengruppen als Riffabbauer direkt zu beobachten, mit der größten
Diversität in Rückriff- und Lagunenbereichen (P ERRY 1995). In den untersuchten Riffkörpern sind v.a.
Muscheln, Schwämme, weniger Würmer, Foraminiferen und Mikroorganismen als Riffabbauer zu beobachten.
Bioerosionsspuren vieler heutigen riffzerstörenden Organismengruppen, die auch fossil im unmittelbaren
Riffbereich nachzuweisen sind (z.B. Fische, Crustaceen, Seeigel) sind nicht festzustellen, eine Beteiligung ist
jedoch zu vermuten. In heutigen Riffen leben die meisten Bohrorganismen in toten Substraten. Bei allen
beobachteten Riffabbauern handelt es sich um bohrende (endolithische) Organismen, die chemisch, mechanisch
oder einer Mischung beider Strategien in Hartsubstrat eindringen und dabei mehr oder weniger charakteristische
Spuren hinterlassen. Bohrorganismen sind allgemein Filtrierer oder Detritusfresser und von der Wasser-
durchströmung ihres Habitats abhängig. B ERTLING (1997) weist auf den hohen Einfluß der Sedimentationsrate
hin und nennt eine Begünstigung der Zerbohrung von Totoberflächen bei niedriger, von lebenden Korallen bei
erhöhter Sedimentationsrate. Auch das Oberfläche-/Volumen-Verhältnis und die Dauer der Exposition von
Substraten steuert ebenfalls die Zerbohrungsrate. Massive Korallen werden deshalb stärker und diverser
zerbohrt als plattige und ästige Wuchsformen (P ERRY 1995), länger exponierte tote Kolonien stärker als rasch
zu sedimentierte (GOLDRING 1986). Die Riffabbau durch Bohrorganismen liefert einen hohen Beitrag zur
Herstellung von Feinsediment im Bereich von Riffkörpern. So sind in heutigen Riffkörpern teilweise bis mehr
als 90 % des Sand- und Siltanteils bioerosiven Ursprungs (FRIEDMANN 1983). In der vorliegenden Arbeit vier
Zerbohrungsraten unterschieden: 1) nicht zerbohrt, 2) schwach zerbohrt 3) mittelstark zerbohrt 4) stark zerbohrt.

Bohrmuscheln

Bohrmuscheln sind in heutigen Riffen sehr verbreitete Riffbesiedler oder Riffabbauer die große Riffvolumen (bis 20 %;
SOROKIN 1995) zerbohren (s. Taf. 12). Sie leben dabei sowohl in abgestorbenen (Bohrrichtung nach innen) als auch lebenden
(Bohrrichtung nach außen) Korallenkolonien. Die Bohrtätigkeit bei Muscheln beschränkt sich hauptsächlich auf drei Familien:
Pholadidae, Gastrochaenidae und Mytilidae (eine genaue taxonomische Übersicht über bohrende Muscheln gibt WARME
1975). Die Bohrmuscheln greifen mechanisch, chemisch oder mit einer Mischung beiden Strategien, meist kalkige
Hartsubstrate an. Der Bohrfortschritt beträgt dabei 2-4 mm/a. Die so geschaffenen Habitate dienen in flachen bis sehr flachen
bewegten Meeresbereichen, wo sie allgemein die größte Häufigkeit zeigen, den Tieren als Schutz und zur Erhöhung der
Standfestigkeit bei allgemein filtrierender Ernährung. Manche Formen lassen sich rezent von Korallen umwachsen
(SCHUHMACHER 1976). SOROKIN (1995) verbindet eine hohen Gehalt an Bohrmuscheln mit einem hohen Nährstoffangebot.
Beim mechanischen Ausstemmen der Bohrhöhlung produzieren Bohrorganismen kleine Gesteinsbruchstücke, sogenannte
Bohrchips (vgl. Kap. 4.1.2) Bohrmuscheln sind empfindlich gegen erhöhten feinklastischen Streß und sterben beim
Überschreiten kritischer Werte ab, während Korallen meist überleben (KLEEMANN 1994). So überwächst beispielsweise
Thamnasteria concinna in Riff LEU II 1 kolonieinterne Bohrmuscheln unter Ausbildung einer kuppigen Kolonieoberfläche.
Bohrmuscheln sind weitverbreitete Riffabbauer in allen Aufschlußregionen und sind in sämtlichen Riffkörpern vorhanden. Die
Zerbohrungsrate ist meist gering bis mittelstark und erreicht nur örtlich oder in einzelnen Kolonien hohe Werte. Mit
zunehmender Verflachung steigt in allen untersuchten Ablagerungsräumen, entsprechend Beobachtungen in heutigen
Riffumwelten (s.o.), die Häufigkeit von Bohrmuscheln insgesamt an.
Die untersuchten fladigen Korallenkolonien zeigen verbreitet eine Anhäufung von Bohrungen in den randlichen Bereichen.
Bei viellappig-aufstrebendem Wachstum zeigen die aufstrebenden Teile besonders starke Zerbohrung, wahrscheinlich
aufgrund des raschen Absterbens dieser Bereiche. Teilweise sind bei aufstrebendem fladigen bis viellappigen Wuchs nur die
obersten Abschnitte der Kolonieeinheiten zerbohrt. Dies weist auf eine postmortale Zerbohrung der Korallen hin (bei bereits
vollzogener Einbettung der unteren Kolonieteile ins Sediment). Häufig weisen kugelförmige Korallen nur in den ältesten
Kernbereichen der Kolonie eine Zerbohrung auf. Ausschließlich sparitisch verfüllte Bohrlöcher in Korallen die von
131

inkrustierenden Kolonien überwachsen wurden belegen eine prämortale Besiedelung (LEU II 1, 10). Mehrphasig verfüllte
Bohrmuschellöcher, belegen episodische Sedimentationsereignisse (Haudainville).

Bohrschwämme

Bohrschwämme (Demospongiae) sind neben Bohrmuscheln allgemein die häufigsten Riffabbauer in den
untersuchten oberjurassischen Riffvorkommen. Sie zeigen stark veränderliche, niedere bis sehr hohe
Durchsatzraten. Die weitaus meisten jurassischen Bohrschwämme werden aufgrund ähnlicher Merkmale der
rezenten Gattung Cliona zugeordnet, die in rein karbonatischen Substraten bohrt und ihre höchste Diversität im
intertidalen Bereich zeigt, jedoch auch in Tiefen bis 300 m vorkommt (WARME 1975, NOSE 1995, GOREAU &
HARTMANN 1963, P ERRY 1995). B ERTLING & INSALACO (1998) weisen darauf hin, daß Bohrschwämme eine,
heutigen Riffen vergleichbare ökologische Stellung erst im Kimmeridgium einnehmen. Die Benennung fossiler
Bohrschwammspuren erfolgt rein beschreibend nach Form und Größe der Bohrspuren und anhand der
Schwammspicula. Fossile Bohrschwammspuren bezeichnet BROMLEY (1970) gattungsübergreifend als Entobia.
Die einzelnen Bohrgangtypen zeigen meist einheitliche und charakteristische Formen, können sich teilweise
jedoch auch nach Alter, Art oder der Substratbeschaffenheit abwandeln (PERRY 1995). Bohrschwammspuren
zeigen meist eine charakteristisch perlenschnurartigen bis blasige Anordnung von kleinen Hohlräumen verbunden
durch dünnere Zugangskanäle. Einige rezente Bohrschwämme (Familie Adocidae) bohren große Höhlungen in
Korallenkolonien (BERTRAM 1936, WARME 1975). Vergleichbare Bohrkavernen sind in den untersuchten
oberjurassischen Gesteinen in Größen von wenigen Zentimetern bis 20 cm häufig. Teilweise handelt es sich bei
diesen Bohrkavernen sicher um die Zweitbesiedlung von bereits bestehenden Bohrhohlräumen (z.B.
Bohrmuscheln, Bohrwürmer u.a.) durch Bohrschwämme. Die angewandten Bohrmechanismen sind ein Wechsel
aus chemischer Lösung und dem mechanischen Herausbrechen von isolierten Kalkplättchen („Bohrchips“). Der
Anteil von Kalkplättchen erreicht dabei einen Anteil von bis zu 90 % des entfernten Materials, bei vertikalen
Bioerosionsraten von bis zu 1 m in 100 Jahren (WARME 1975). Ein starker riffabbauender und riffzerstörender
Effekt durch Bohrschwämme aufgrund der Schwächung von Korallenskeletten und der damit einhergehenden z.T.
stark erhöhten Anfälligkeit gegenüber erhöhter Wasserbewegung (z.B. Stürme) wie von GOREAU & HARTMANN
(1963) für heutige Riffbereiche beschrieben, spielt in den untersuchten Riffen keine große Rolle. Bohrschwämme
sind außerdem als Anzeiger von Änderungen einzelner Umweltbedingungen wie Wassertiefe und
Sedimentationsrate verwendbar. Die Häufigkeit von Bohrsschwammspuren und der prozentuale Anteil an der
Bohrfauna nehmen im fossilen Bereich, übereinstimmend mit rezenten Beobachtungen, von mittleren zu flacheren
Tiefenbereichen allgemein zu, mit den höchsten Werten in lagunären Bereichen (WARME 1975, PERRY 1995).
Teilweise tolerieren sie hohe Wasserenergie. Dabei zeigen Bohrschwämme die größte Häufigkeit und Diversität im
Subtital bis 30 m und hierbei innerhalb von Riffkörpern.
Vor allem in Lothringen und am Isteiner Klotz sind Bohrschwammspuren verbreitet, wenngleich bei geringen bis
mittleren Zerbohrungsraten. Das durch Bohrschwämme zerbohrte Volumen nimmt, bei allgemein unregelmäßiger
Verteilung, mit abnehmender Wassertiefe insgesamt zu. Die Bohrtätigkeit konzentriert sich dabei v.a. auf Korallen,
selten auf mikrobielle Matten oder andere Organismen. Besonders charakteristisch ist das Auftreten größerer Kavernen
und durchgehender randlicher Säume in Korallenstöcken aus einem Netzwerk von Kammern und Zugangskanälen
(Entobia glomerata (s. Taf. 5), Entobia dendritica) in diesem Tiefenbereich. Die häufig festzustellenden hohen
Zerbohrungsraten der oberflächennahen Kolonievolumen (z.B. bei ästigen Korallen) sind ebenso in heutigen Riffen
beobachtbar (vgl. PERRY 1995). Ästige Korallen weisen allgemein höhere Zerbohrungsraten durch Bohrschwämme auf
als massive Typen. Dies stimmt mit Beobachtungen in heutigen Riffen überein (vgl. BERTLING & INSALACO 1998). Die
bevorzugt aufstrebende bis senkrechte Erstreckung der Bohrkanäle sowie die perlenschnurartig aufgereihten Kammern
132

in Korallenästen können möglicherweise als Maß für das Höhenwachstum der Korallenäste herangezogen werden. Die
Abstände der Kammern liegen zwischen wenigen Millimetern und 1,6 cm. Die vergleichsweise starke Bohrtätigkeit von
Bohrschwämmen in Korallendickichten, v.a. in den Riffbereichen mit hoher Sedimentation (Pagny sur Meuse, Euville,
Sorcy, Istein) spricht für eine erhöhte Toleranz gegenüber zeitweise verstärkter Sedimentation. Die anteilige Zunahme
von Bohrschwämmen in heutigen, von hoher Sedimentation oder Verschmutzung beeinflußten Riffen (SOROKIN 1995),
stimmt mit dieser Beobachtung überein und zeigt außerdem eine gewisse Toleranz gegenüber einem an Sedimentpartikel
gebundenen erhöhtem Nährstoffgehalt. Eine artabhängige Bohrtätigkeit, wie sie PERRY (1995) in heutigen Riffkörpern
beschreibt, konnte nicht festgestellt werden. In mikrobiellen Krusten ist im Vergleich zu Korallen allgemein ein weitaus
geringerer Gehalt an Bohrschwammspuren festzustellen. Der Grund hierfür könnte in unverkalkten oberflächlichen
Mikrobenlagen liegen (vgl. Kap. 5.2.2). Die Bohrtätigkeit und -häufigkeit von Bohrschwämmen in mikrobiellen Krusten
ist durch die unregelmäßige Struktur und Form der mikrobiellen Matten, mit primären Hohlräumen und säuligem bis
unregelmäßigem Wachstum, zudem oft schwierig zu bewerten. Bohrorganismen im Gegenzug schaffen mit der Bildung
größerer Bohrkavernen oft Habitate, die häufig von mikrobiellen Krusten besiedelt werden können.

Weitere Bohrorganismen

Bohrwürmer sind heute häufige Bohrorganismen in Korallenriffen, vor allen in den anfänglichen
Zerbohrungstadien (H UTCHINGS & K IENE 1986). Endolithische Mikroorganismen, autotrophe Blaualgen,
eukaryotische Grün- und Rotalgen und heterotrophe Pilze durchbohren aktiv karbonatische Substrate
(LÜNING 1985, G LAUB 1994). Die Lichtstärke und die Kompensationstiefe der Algen (die Wassertiefe in der
Photosynthese = Respiration) setzt die Grenze für die vertikale Verteilung so, daß die Aktivität der
Mikrobohrer mit zunehmender Wassertiefe abnimmt. Erhöhte Mikrobohrraten sind bezeichnend für
Wassertiefen unter 15-20 m (G OLUBIC et al. 1975). Die Empfindlichkeit dieser Organismen gegenüber
erhöhter Wasserbewegung bedingt eine stärkere Mikrobohrtätigkeit in ruhigeren Umwelten. Eingeschränkte
Frischwasserzufuhr hemmt mikrobielle Zerbohrung (FÜCHTBAUER 1988). Bohrwurmspuren sind bis auf
initiale Riffkörper in allen Aufschlußregionen allgemein selten und beschränken sich oftmals auf nur eine
Korallenart. Mikrobohrer können ebenfalls Bohrchips ausbrechen und so zur Produktion von Feinsediment
beitragen (W ARME 1975). Mikrobohrspuren sind im ORK von Lothringen und im Mittleren bis Oberen
Korallenkalkes von Istein verbreitet.

5.3.12 Weitere Organismen

Meerespflanzen

In den flachsten Umwelten von Lothringen und Istein treten vereinzelt Bruchstücke von Dasycladaceen
(Wirtelalgen) auf, die in heutigen Meeren typisch für flachmarine, lagunäre Umweltbereiche mit eumarinen
Verhältnissen sind (DECASTRO 1997). Wirtelalgen treten vereinzelt im Hangenden der Riffkalke von Euville,
Pagny sur Meuse und Istein sowie im Rognontal auf. P AULSEN (1964) beschreibt Bruchstücke von Acicularia
aus der Korallenfazies von Arnegg. Das völlige Fehlen oder die Seltenheit von Dascycladaceenbruchstücken
läßt sich insbesondere auf eine erhöhte Hydrodynamik (Gezeiten, Stürme) beziehen. Das, erst dem
Riffwachstum nachfolgende, häufigere Auftreten von Dascycladaceenbruchstücken ist als Anzeiger von
nachlassender Wasserenergie wertbar. Möglicherweise sind höhere Anteile von Wirtelalgen, bedingt durch ihre
hohe Zerbrechlichkeit, in Form von mikritischem Sediment „maskiert“. Auch erhöhte Salinitätswerte, wie sie
für die flachsten Bereiche der untersuchten oxfordischen Abfolgen vermutet werden können, haben einen
negativen Einfluß auf das Wachstum von Dasycladaceen (vgl. Kap. 6.4.7).
133

Landpflanzen

In den Pseudomelania-Kalken von Euville finden sich vereinzelt Blätter der Auricariacee ( Brachyphyllum
moreauanum. Die Art ist im Oxfordium weit verbreitet. Sie findet sich im mittleren Oxfordium im Bereich des
Meusetals (St. Mihiel, Sommedieue, Verdun), dem Französischen Jura und der Haute Saône (BARALE 1981). Im
Departement Doubs (Pointe de Roide) im Juragebirge sind lokal kleine Kohlevorkommen ausgebildet, ebenso im
Oxford des Schweizer Juras (SELG & WAGENPLAST 1990). Allgemein zeigt die mitteloxfordische Flora von
Ostfrankreich vorherrschend Bennettitalen und Koniferen (opt. cit.). Im Kimmeridgium nimmt die Verbreitung
und Artenzahl von Pflanzen stark zu, Funde von Koniferen sind in im Bereich des schwäbisch-fränkischen Juras
aus Nusplingen, Kelheim und Eichstätt bekannt. Die Faunenzusammensetzung im europäischen Oberjura spricht
nach BARALE (1981) für ein arides Klima.
134

6 Aufbau und Ökologie von Riffen und steuernde Faktoren der Riffbildung und des Riffwachstums

6.1 Allgemeine Riffdefinition

Für die Definition von Riffen bestehen zahlreiche unterschiedliche Meinungen und Arbeitsansätze. Eine allgemein
anerkannte Definition besteht nicht (vgl. TWENHOFEL 1975). Die einzelnen Riffdefinitionen sind meist stark
abweichend und von den jeweiligen Arbeitsansätzen der Bearbeiter abhängig. In einigen grundlegenden Punkten
jedoch herrscht weitgehend Übereinstimmung. So werden Riffe in der geologisch-biologischen Wissenschaft
allgemein als ortsfeste, aufragende, wellenresistente, karbonatische Strukturen klassifiziert, die unter biologischer
Beteiligung entstehen (vgl. LOWENSTAM 1950, STODDARD 1969, DUNHAM 1970, HECKEL 1974, WILSON 1975,
TUCKER 1989, JAMES & BOURQUE 1992). Dabei wird dem biologischen Einfluß von den verschiedenen Autoren
unterschiedliches Gewicht beigemessen. GEISTER (1983) definiert den Begriff Riff hauptsächlich nach ökologischen
Gesichtspunkten und unterscheidet in strukturelle Riffe (im Bezug auf den inneren Aufbau) und topographische
„Riffe (im Bezug auf die äußere Form). TUCKER (1989) und SCOFFIN (1987) weisen auf die seitliche Beschränktheit
von Riffen hin. LOWENSTAM (1950) weist auf das mögliche Vorhandensein von mehreren ökologischen Riffstadien in
„stratigraphischen“ Riffkörpern hin. Unter stratigraphischen Riffkörpern werden hierbei, unter zusätzlicher
Berücksichtigung der Zeitdimension, über längere geologische Zeiträume abgelagerte, strukturell im Aufschluß
einheitliche Gesteinskörper bzw. Riffkörper, verstanden. Verschiedene Autoren (u.a. CUMMINGS 1932, HECKEL
1974) weisen auf die vielfältige Verwendung des Begriffs Riffs für sehr unterschiedliche Strukturen hin und führen
neue Bezeichnungen wie u.a. Bioherm, Biostrom oder Buildup ein. Schließlich ist zu bemerken, daß sich ein Großteil
der Rezent-Rifforschung und heutiger Riffbeschreibungen auf Korallenriffe im weitesten Sinne bezieht.
Definition: In der vorliegenden Arbeit sind Riffe bzw. Riffkörper durch mindestens zwei Generationen mehrerer
autochtoner Organismen gebildete, strukturell von umgebenden Faziestypen deutlich abgrenzbare, dreidimensionale
Sedimentkörper ab bestimmtem Volumen und Organismenanteil (vgl. Kap. 3.2). Eine Ausnahme bilden
Korallendickichte, die aufgrund des großen Kolonievolumens schon ab einer Korallengeneration als Riffkörpern
klassifiziert werden.

6.2 Innerer Aufbau der bearbeiteten Korallenriffe und Korallenriffkomplexe

In den untersuchten korallenführenden Gesteinen zeigen sich verschiedene Stufen der Verteilung von Korallen. Nach
einzeln angeordneten Kolonien können mehrere Korallenkolonien Korallenansammlungen aufbauen aus denen sich
schließlich Riffkörper zusammensetzen. Innerhalb der Riffkörper können die Korallen (unter der Beteiligung weiterer
Rifforganismen) oder Korallenansammlungen direkte Kontakte aufweisen (verbundenes Korallengefüge) und/oder
voneinander getrennt (freies Korallengefüge) sein. Die Korallengefüge innerhalb der einzelnen Rifftypen oder
Riffkörper ist häufig wechselhaft (vgl. Kap. 3.3). Oft sind nur örtlich geschlossene Gefüge ausgebildet. Durchgehend
geschlossene Gefüge sind in verschiedenen Korallenbiostromen (LFO 1, IS 1, AK I) und Korallendickichten (LPA 1;
IS 4) ausgebildet. Häufig führt erst die Beteiligung von mikrobiellen Krusten zu verbundenen Riffgefügen
(mikrobolithisch verbundenes Gefüge). In den meisten untersuchten Riffkörpern, insbesondere den Schlamm- und
Schuttriffen überwiegt meist die Grundmasse das Riffvolumen bei oft kleinräumigen verbundenen Korallengefügen
und örtlich wechselndem Korallenanteil. JAMES & BOURQUE (1992) und BEGON et al. (1997) weisen in diesem
Zusammenhang auf den fraktalen Charakter von heutigen Korallenriffen hin. HILLIS-COLINVAUX (1986) beschreiben
das Überwiegen klastischer Sedimente in heutigen Riffen, mit Anteilen von 75 bis 80 %. Aus zusammenhängenden,
zeitgleichen Riffkörpern und Riffsedimenten setzen sich, wie im Fall von Arnegg, schließlich Riffkomplexe
zusammen (HENSON 1975). Bei heutigen Riffkomplexen handelt es sich um die seitliche Abfolge zeitgleicher
Riffeinheiten, bestehend aus Riffhang, Vorriff, Riffkamm, Riffplatte und Rückriff bzw. Lagune (vgl. BENSON 1975,
HOPLEY & DAVIES 1986, GUILCHER 1988). Im Oberjura sind entsprechende Riffkomplexe scheinbar nur vereinzelt
135

klar ausgebildet (z.B. das Ota-Riff in Portugal, ELLIS et al. 1990, LEINFELDER 1992, 1994; Korallenriffe im Burgund,
MEGNIEN et al. 1970; Korallenriffe in Slowenien, TURNŠEK et al. 1981). Der klare Nachweis von durchhaltenden, den
Plattformrand säumenden Riffen, fehlt im fossilen Bereich weitgehend (vgl. JAMES 1983). Riffkomplexe und Riffe
können aufgrund des Vorhandenseins physikalischer Gradienten eine seitliche Zonierung aufweisen (DITLEV 1978,
MORRI et al. 1995). JAMES & BOURQUE (1992) unterscheiden in seitliche Energiezonierung und vertikale
Tiefenzonierung. Im Plattformbereich von Lothringen und des Isteiner Klotzes sind keine deutlichen
Energiezonierungen erkennbar. Nach BOLLIGER & BURRI (1970), GEISTER & LATHUILIÉRE (1991) und MEYER &
SCHMID-KAHLER (1989) zeigen die Riffablagerungen im Bereich des oberjurassischen Tethys-Nordrandes (Schweizer
Jura, Ostfranzösischer Jura, Fränkischer Jura) großräumige, meist unscharfe, fazielle Zonierungen. Eine klare
Zonierung besteht in der Regel jedoch nur im Bezug auf grundlegende Riffassoziationen („Schwammriffgürtel“ und
„Korallenriffgürtel“). Für die weitläufigen, flachmarinen Ablagerungsräume des ORK von Lothringen und des
Mittleren und Oberen Korallenkalkes des Isteiner Klotzes ist durch die Abschwächung von offenmarinen Einflüssen
über weite Zeiträume eine geringe Wasserenergie anzunehmen, welche die schwach ausgebildete Energiezonierung
erklärt. In der überregionalen Übersicht sind im Bereich des ORK von Lothringen unscharfe, großräumige
Zonierungen erkennbar (vgl. Kap. 1.5.1). Es zeigt sich hierbei eine Zunahme der Riffläche und der Mächtigkeit der
Riffabfolgen des ORK nach N (Bereich von St. Mihiel – Haudainville; vgl. Abb. 3) mit im Vergleich zu den
südlicheren Vorkommen (Region Commercy) verschiedenartigen Riff- und Faziestypen (vgl. Kap. 2.1.10). Zwischen
diesen rifführenden Bereichen finden sich mikritisch dominierte Faziesbereiche (vgl. Kap. 1.5.1). Am Übergang zu
den tiefermarinen Bereichen sind hierbei, im Gegensatz zur Annahme von vergleichsweise kleinräumigen,
plattformrandlichen Barrierekörpern durch GEISTER & LATHUILIÉRE (1991), weiträumige Verflachungszonen bzw.
Flachmeerzonen wahrscheinlich, die im Aufschlußmaßstab jedoch nicht erkennbar sind. Auch in lagunären
Riffkörpern von wenigen Metern Durchmessern kann aufgrund gerichteter physikalischer Faktoren eine Zonierung
entwickelt sein (DIAZ et al. 1996). Entsprechende Verhältnisse sind in Lothringen (Euville I und II) beobachtbar.
Beim Arnegger Riffkomplex ist die riffinterne Zonierung v.a. durch topographische Faktoren gesteuert (vgl. Kap.
6.4.8, 9.3). Der zum unteren Hangbereich hin ansteigende grobklastische Streß sowie die abnehmende Durchlichtung
und Wasserenergie zeigen in diese Richtung deutliche Auswirkungen auf die Bildung und das Wachstum von Riffen.
Der asymmetrische Aufbau des gesamten Riffkomplexes mit den mächtigsten Riffschuttkörpern in nördliche
Richtung dokumentiert vorherrschend nördlich gerichtete Strömungen.

6.3 Übersicht über die steuernden Faktoren der Riffentwicklung

Das Korallenriff-Ökosystem stellt eine sehr vielfältige Mischung von Arten dar, die untereinander und mit der
physikalisch-chemischen Umwelt in Beziehung stehen. Die physikalischen und chemischen Umweltfaktoren (v.a.
Sedimentation, Licht, Wasserenergie, Nährstoff- und Salzgehalt, Wassertemperatur; vgl. Kap. 6.4) stellen die
grundlegenden, steuernden Rahmenbedingungen für die Riffbildung und das Riffwachstum dar (Zusammenfassungen
bei GEISTER 1975, SCHUHMACHER 1991, LEINFELDER 1993 a, SOROKIN 1995, LEINFELDER et al.1996, VERON 1995).
In heutigen Riffkörpern laufen Wachstums-, Erosions-, Ablagerungs- und Diageneseprozesse gleichzeitig ab und
wirken in ihren Ergebnissen zusammen auf dessen Zusammensetzung, Entwicklung und Ausbildung. GEISTER (1975)
unterscheidet bei den, das Riffwachstum beeinflussenden Faktoren, in Hauptfaktoren von grundlegender Bedeutung
und Nebenfaktoren mit untergeordneter Bedeutung. Hierbei wird z.B. die Lichtenergie den Hauptfaktoren, der
Neigungswinkel des Substrats den Nebenfaktoren zugeordnet. Die Faktoren wirken dabei innerhalb bestimmter, von
den Korallen tolerierten Rahmenwerten, sowohl einzeln als auch in allen möglichen Kombinationen. Dies führt zu
einem äußerst komplexen Zusammenspiel der einzelnen Faktoren mit gegenseitiger Hemmung oder Verstärkung. Bei
der durchgeführten Bewertung der auf das Riffwachstum einwirkenden physikalisch-chemischen Faktoren stellte sich
heraus, daß nur die Betrachtung des Zusammenspiels aller die Riffbildung steuernden Faktoren zu einer genauen
136

Bewertung der physikalisch-chemischen Umwelt von Riffökosystemen führen. Die Faktoren zeigen weiter zyklische
(z.B. Gezeiten, Stürme, Jahreszeiten,), gerichtete (z.B. Verflachung des Ablagerungsraumes) oder zufällige (z.B.
Erdbeben) Veränderungen. Vor allem zyklische Ereignisse erwiesen sich in den untersuchten Riffumwelten von
entscheidender Bedeutung für das Riffwachstum und die Faunenzusammensetzung (vgl. Kap. 9). Während
niederfrequente, zyklisch wiederkehrende, katastrophale Ereignisse wie Stürme sich in den untersuchten Riffkörpern
oft deutlich in der sedimentären Überlieferung niederschlagen (entsprechende Verhältnisse in heutigen Riffumwelten
beschreibt SOROKIN 1995), sind hochfrequente Ereignisse (z.B. Gezeiten) nur anhand sedimentologischer Merkmale
im Riffumfeld (Crinoidensand-Riesendünen, Gezeitenkanäle; vgl. Kap. 4.2.1; 4.2.3) dokumentiert.
Den äußeren physikalisch-chemischen Faktoren untergeordnet sind die inneren biologischen Faktoren. Die
Komplexität des oft äußerst artenreichen Korallenriffökosystems macht es schwer, den Einfluß der einzelnen
biologischen Faktoren zu bewerten. Vor allem die Ökologie von Korallen als den steuernden Organismen der
Riffbildung und des Riffwachstums ist repräsentativ für das Korallenriffökosystem und kann deshalb als Grundlage
der Bewertung eines ansonsten weit komplexeren Lebensraumes dienen. Neben intra- und interspezifischen
Wechselwirkungen innerhalb der Korallenfauna haben weitere Riffbildner sowie Riffbewohner und Riffabbauer
Einfluß auf das Riffwachstum. Zusätzlich sind es auch evolutive Faktoren (z.B. vorhandene Riffbildner, Entstehung
oder Aussterben von Arten; vgl. LEINFELDER et al. 1996, LEINFELDER & NOSE 1999), welche die Bildung, den
Aufbau und das Wachstum von Korallenriffen beeinflussen.

6.4 Beschreibung und Bewertung des Einflusses physikalisch-chemischer Faktoren in den untersuchten
Riffkörpern

6.4.1 Licht (und Bathymetrie)

Während mit abnehmender Wassertiefe und damit ansteigender Durchlichtung der Einfluß der weiteren Faktoren
vorherrscht, stellt in tieferen Bereichen heutiger Meere v.a. das Licht den begrenzenden Umweltfaktor des
Riffwachstums dar (SOROKIN 1995). Für die Einteilung der Tiefenzonen wird in der vorliegenden Arbeit auf die
Klassifikation von BURCHETTE & WRIGHT (1992) zurückgegriffen die in einen inneren, mittleren und äußeren
Rampenbereich unterscheiden. Die innere Rampe bezieht sich auf den Bereich oberhalb der Küstenlinie bis zur
Schönwetterwellenbasis (10-20 m Wassertiefe nach TUCKER &WRIGHT (1990). Die mittlere Rampe befindet sich
zwischen der Schönwetterwellenbasis und der Sturmwetterwellenbasis (30-50 m nach TUCKER &WRIGHT (1990).
Unterhalb der Sturmwetterwellenbasis schließt sich der Bereich der äußeren Rampe an. Die herausragende Bedeutung
der Lichtstärke für das Wachstum von Korallenriffen ist durch die Symbiose mit photoautotrophen Grünalgen
(Zooxanthellen) begründet (vgl. Kap. 5.2.1) und beschränkt das Riffwachstum auf lichtdurchflutete (euphotische)
Meeresbereiche. Entsprechende Verhältnisse werden aufgrund des Vergleichs von Wuchsformen, von
Skelettmerkmalen und Isotopenzusammensetzungen weitgehend für oberjurassische Korallenriffe übernommen
(FLÜGEL 1994, STANLEY & SWART 1995, BRASIER 1995, LEINFELDER et al. 1996). Die Energieversorgung heutiger
Korallenpolypen durch autotrophe Energiegewinnung liegt dabei zwischen 80 % und 100 %, meist zwischen 95 und
100 % (BICK 1998). Aufgrund verschiedener Merkmale (v.a. geringeren Wachstumsraten) und ökologischer
Beobachtungen an fossilen Korallen wird für oberjurassische Korallen jedoch zumindest teilweise eine geringere
Effektivität dieser symbiotischen Beziehung vermutet (NOSE & LEINFELDER 1997; vgl. Kap. 5.2.1). Die geringeren
Wachstumsraten im Oberjura lassen sich auch durch eine Beeinträchtigung der Photosynthese von Grünalgen durch
erhöhte Nährstoffkonzentrationen des Meerwassers erklären (vgl. Kap. 6.4.6). Die einfallende Lichtmenge ist
zunächst abhängig von der geographischen Breite und dem Klima (vgl. GRIGG 1982). Die Lage der untersuchten
oberjurassischen Riffe zwischen ca. 30 und 35° nördlicher Breite (vgl. Kap. 1.3) weist auf saisonale Schwankungen
der Lichtenergie und damit des Korallenwachstums hin. Die, die Wassersäule durchstrahlende Lichtmenge, nimmt
137

allgemein mit steigender Wassertiefe ab. Die spektrale Zusammensetzung verschiebt sich hierbei zu blauen
Wellenlängen hin, welche die mit Korallen symbiontischen Grünalgen am besten verwerten (KINZIE et al. 1984). Die
einfallende Lichtmenge wird weiter durch örtliche bis regionale Faktoren (Wassertrübung, Relief, Exposition)
beeinflußt. Nach (VERON 1995) liegt der unterste Bereich der photischen Zone zwischen 120-50 m (dysphotischer
Bereich), je nach Wassertrübung und einfallender Lichtmenge. MORRI et al. (1995) nennen eine Wassertiefe von 100-
110 m ab der sich Riffstrukturen auflösen. JAMES & KENDALL (1992) geben 70 m als Grenze des Lichteinflusses ein.
In Bereichen flacher als ungefähr 20 m ist die Lichteinstrahlung allgemein ausreichend und nur kleinräumige
Beschattungen verändern die Lichtmenge (GOREAU & WELLS 1967, FRICKE & MEISCHNER1985, SOROKIN 1995).
LOYA (1972) beschreibt in heutigen Riffumwelten (Rotes Meer, Jamaika) bei klarem Wasser lichtstressfreie
Meeresbereiche bis in größere Tiefen von 30-40 m. Das Einsetzen von Korallenwachstum in der Mischfazies von
Arnegg deutet auf Wassertiefen im Bereich von ungefähr 70-40 m hin, ab denen eine ausreichende Lichtversorgung
für die symbiontische Grünalgen gewährleistet ist (s.o.). Die Häufigkeit von Kieselschwämmen und das damit
wahrscheinlich klare Wasser begünstigt das tiefe Eindringen von Licht in die Wassersäule auf die eher tieferen Werte
hin. Der vergleichsweise hohe Anteil bioklastischen Materials deuten zwar auf eher geringere Wassertiefen hin, kann
jedoch auf topographische Faktoren zurückgeführt werden. Das vereinzelte Auftreten von Flachwasseranzeigern wie
Lithocodium spricht für das bathymetrisch vergleichsweise tiefe Vorkommen dieses Organismenkonsortiums in
klarem Wasser (vgl. Kap. 5.3.9). Die zeitliche Abfolge der einzelnen Riffbildnerassoziationen zeigt allgemein eine
Verflachung des Arnegger Ablagerungsraumes an. Für die gesamte Mischfazies ist, begründet durch die Tiefenlage
des initialen Korallenwachstums und der allgemeinen Häufigkeit von Kieselschwämmen auch in den jüngsten,
topographisch höchsten Abschnitten, Lichtstreß in Meerestiefen deutlich unter 20 m Wassertiefe anzunehmen.
Innerhalb der Mischfazies zeigen allmähliche Änderungen der Riffbildneranteile und der Faziestypen eine
allmähliche Verflachung an. Auch die Dominanz microsolenider Korallen kann als Anzeiger für durchgehend größere
Meerestiefen, aber auch für hohen grobklastischen Streß angesehen werden (vgl. Kap.7.3; 8.2.2). Die Korallenfazies
bezeichnet im Rahmen des allgemeinen Verflachungstrends die geringsten Meerestiefen mit geringem Lichtstreß bis
hin zu guter Durchlichtung. Dementsprechend können auch hoher Bioklastengehalt, die Vermehrung massiger
Wuchsformen und das Vorkommen von Flachwasserinkrustierern interpretiert werden. Das Auftreten von
Kieselschwämmen (AK II) spricht jedoch für etwas tiefer Bereiche unterhalb 20 m.
Das Einsetzen des Riffwachstums im Oberjura von Lothringen und des Isteiner Klotzes mit reinen Korallenriffen in
Form mergelig-sandiger Microsoleniden-Riesenbiostrome (IST 1, LFO 1) stellt diese Korallenriffkörper in den
Tiefenbereich der inneren Rampe. Die hangenden Microsoleniden-Riesenbiostrome (IS 2, LFO 1) zeigen durch das
verbreitete Auftreten von Flachwasserorganismen und den hohen Bioklastengehalt eine fortschreitende Verflachung
an (vgl. Kap.9) . Unterschiede in Gefüge und Fauna sind v.a. durch die Unterschiede im Bezug auf die Lage im
Schelfprofil begründet (vgl. Kap. 9.2). Der durchgehende, gefügegleiche Übergang der kalkigen Riffe IS 2 und LFO
1 aus den liegenden mergeligen Riffkörpern kann einem plötzlichen Anstieg der Temperatur und damit verbunden der
Karbonatproduktion zugeordnet werden, bei nur unwesentlicher Änderung der Bathymetrie (vgl. Kap. 9.1.1). Die
Tiefenlage scheint ungefähr der Grenze zur lichtstressfreien Zone (s.o.) zu entsprechen, mit im Laufe der Zeit weiter
abnehmender Wassertiefe des Ablagerungsraumes. Eine Tiefenlage ohne Lichtstress, also flacher als 20 m (s.o.), ist
für ein Großteil der lagunären Ablagerungen des ORK von Lothringen und des Isteiner Klotzes mit insgesamt
hochdiverser Korallenfauna und/oder einer großen Häufigkeit bzw. Vielfalt von Riffkörpern anzunehmen (vgl. Abb.
42). Hierfür sprechen neben der artenreichen und formenreichen Korallenfauna, weitere Flachwasserorganismen
sowie typische Faziesmerkmale (z.B. Onkoide, Ooide). Die älteren Teile des mikrobolithischen Korallen-
Flächenriffes (IS 3) sind wahrscheinlich noch etwas tieferen Bereichen, entsprechend LFO 2, zuzuordnen (s.o.). Im
zeitlichen Verlauf schreitet die Verflachung der lagunären Umwelten weiter fort, bis hin zur vollständigen Abtötung
von Korallenwachstum aufgrund zunehmend eingeschränkter Bedingungen in sehr flachmarinen Umwelten. In Istein
wird die durchgehende Verflachung schließlich durch das bereichsweise Auftauchen des Ablagerungsraumes belegt.
138

6.4.2 Sedimentation

Die Sedimentation spielt eine entscheidende Rolle für das Wachstum und Absterben von Korallen und Korallenriffen.
Insbesondere durch erhöhte Konzentrationen von tonig-siltigen Korngrößen in der Wassersäule verursachter
feinklastischer Streß beeinflußt das Riffwachstum negativ, bis hin zum völligen Absterben des Riffwachstums (HEISS
1994, SOROKIN 1995, RIEGL & PILLER 1997; vgl. Kap. 9.1.10). Steigende Suspensionsfracht fördert hierbei bis zu
einem bestimmtem Wert das Riffwachstum, um es anschließend zu schädigen (SOROKIN 1995, BICK 1998). Der
Einfluß der Sedimentation auf rezente Korallenriffe wurde bislang wenig erforscht, insbesondere was
Sedimentationsraten sowie Dauer und Stärke der Sedimentationsereignisse betrifft. Abschätzungen der
Sedimentverteilung und Sedimenterzeugung heutiger karbonatischer Ablagerungsräume stammen u.a. von MILIMAN
& DROXLER (1996) oder JAMES & KENDALL (1992). MILIMAN & DROXLER 1996 geben Maximalwerte der
Karbonaterzeugung bis 10 kg/m2 und Durchschnittswerte von 1,5 kg/m2 an. Für fossile karbonatische
Ablagerungsräume existieren viele Abschätzungen von Sedimentationsraten und den ursächlichen
Steuerungsprozessen (HOPLEY & DAVIES 1986, STRASSER 1991, SCHLAGER 1992). Der Einfluß von Sedimentation
wird für viele oberjurassische Riffstrukturen beschrieben (ALI 1984, GEISTER & LATHUILIÉRE, BERTLING 1993a,
LEINFELDER 1994a, NOSE 1995). Hohe Sedimentationsraten und langandauernde Sedimentationsereignisse die das
Korallenwachstum beeinträchtigen, werden v.a. im fossilen Bereich, neben dem Licht, als wichtigster steuernder
Faktor des Riffwachstums betrachtet (BERTLING 1993, LEINFELDER 1994, NOSE 1995). Oberjurassische Korallen
scheinen jedoch eine im Vergleich den heutigen Verwandten allgemein erhöhte Toleranz gegenüber geringen
Sedimentationsraten besessen zu haben (NOSE & LEINFELDER 1997). In den untersuchten Riffbereichen kommt v.a.
der zeitlichen Abfolge der einzelnen Sedimentationsereignisse große Bedeutung zu. Innerhalb gewisser Rahmenwerte
der zeitlichen Dauer von Sedimentstreß und der Sedimentbedeckung von Kolonien ist das Wachstum von
Korallenriffen durchaus möglich. Steigende Frequenzen der Stressereignisse bis hin zu durchgehendem
Sedimentstreß führen schließlich zum Absterben von Riffen. Viele Korallen scheinen deshalb zeitweiligen
Sedimentstreß überstehen zu können. (STAFFORD-SMITH 1993) beschreibt in diesem Zusammenhang, daß heutige
Korallen mit wenig Sedimentbedeckung bei reduziertem Metabolismus einige Tage bedeckt überleben können. Bei
Sedimentationsraten, die sich in einem gewissen, von angepaßten Taxa tolerierten Rahmen hielten, konnten sich auch
in den untersuchten oberjurassischen Vorkommen Korallen ansiedeln und Riffkörper bilden. Die Empfindlichkeit
gegenüber Sedimentation bezieht sich zum einen auf feinkörniges, pelitisches Sediment das die Polypen schädigt
(„verklebt“) oder bedeckt, zum anderen auf gröberes Sediment mit hauptsächlich mechanischer Wirkung (HUBBARD
& POCOCK 1972, SOROKIN 1995). Erhöhter Sedimenteintrag erschwert außerdem die Ansiedlung von Planulalarven.
Sedimentstreß ist fossil und rezent v.a. an der Ausbildung bestimmter Ökomorphen von Rifforganismen (vgl. Kap. 7;
Abb. 37), der Rate von Inkrustation und Bioerosion sowie der Lithologie der Riffgrundmasse abschätzbar. Weitere
Anzeiger sind z.B. umhüllendes oder nichtumhüllendes Wachstum von Korallen (vgl. Kap. 7.1; Abb. 19).
Feinklastischer Streß beruht in der Regel auf zeitweiser Resuspendierung von mikritischem Material. Die
Aufwirbelung von Sediment ist nach SCHUHMACHER et al. (1995) gerade im Flachwasser am verbreitetsten. Geringe
Sedimentationsraten stehen hierbei im Zusammenhang mit Sedimentexport aus dem Riffbereich in Folge von
Sturmereignissen, die das Angebot an resuspendierbarem Sediment stark einschränken. Diese Bedingungen
beschreibt SOROKIN (1995) für heutige, sturmbeeinflußte Riffbereiche. Geringe Sedimentationsraten begünstigen
zudem die Festlegung mikritischen Sediments durch Überzüge mikrobieller Matten (vgl. Kap. 5.2.2). In der Folge
bedingen wieder ansteigende Sedimentationsraten Laufe der Riffbildung bei episodischen Resuspendierungs-
ereignisse wieder erhöhte Sedimentkonzentrationen in der Wassersäule.
Vor allem die Ausbildung von Sedimentstreß vermindernden Ökomorphen und die Häufigkeit angepaßter
Korallentaxa dienten in den untersuchten oxfordischen Riffkörpern als eindeutige Indikatoren für feinklastischen
Sedimentstreß. Für heutige stark sedimentgestressten Umwelten ist, entsprechend der obersten Bereiche des
139

Aplosmilia-Großdickichtes LPA 1, das Auftreten sehr großer Kolonien bei meist geringer Korallenbedeckung typisch
(CORTEZ & RISK 1985, JOHNSON & RISK 1987). Die vermutete Toleranz oberjurassischer Korallen gegenüber
feinklastischem Streß (s.o.) könnte den hohen Artenreichtum innerhalb schlammiger Riffumwelten erklären. Auch die
allgemein höchsten beobachteten Wachstumsraten von Korallen in den schlammigen, lagunären Bereichen sind als
Anpassung an längerfristig erhöhte feinklastische Sedimentation bewertbar. Entsprechende Beobachtungen aus
heutigen Riffumwelten beschreiben JONES & DESROCHERS (1992). Über allogene Sukzessionen von an erhöhten
Sedimentstreß angepaßten Korallenfaunen, kam es im Laufe der zeitlichen Riffabfolge schließlich zum allgemeinen
Absterben der Riffkörper. Hierzu trägt wohl auch die Sedimentablagerung aufgrund des Abfilterns von feinkörnigem
Sediment durch die Riffkörper selbst entscheidend bei. Die untersuchten Riffkörper der schlammdominierten
Riffbereiche von Lothringen und des Isteiner Klotzes dokumentieren somit die enge Verbindung von auf längere
Zeiträume bezogener Karbonaterzeugung bzw. Sedimentationsrate, mit der kurzzeitigen Folge und Stärke von
Sedimentationsereignissen. Die große Verbreitung von, im Bezug auf die Wuchsform wenig angepaßten Korallentaxa
in diesen schlammigen Umwelten weist auf länger anhaltende, günstige Rahmenbedingungen mit nur zeitweisen und
geringfügigen Sedimentationsereignissen hin und/oder auf eine allgemein hohe Toleranz oberjurassischer Korallen
gegenüber erhöhtem Sedimentstreß (vgl. Kap.6.4.2). Im Bereich des Rognontales ist in einer ruhigen, lagunären
Umwelten aufgrund geringen Sedimentationsstresses die Dominanz von massigen Kolonien zu beobachten (vgl. Kap.
9.1.9; Taf. 12).
Vor allem in den schlammdominierten, flachmarinen Riffbereichen von Lothringen und Istein steht das
vergleichsweise geringe Riffvolumen dem großen Volumen an karbonatischem Sediment gegenüber. Nach GISCHLER
(1994) weisen lagunäre Fleckenriffe mittlere Karbonaterzeugungssraten auf, bei einer Exportrate von 50 % in
umgebende Bereiche. FRIEDMANN (1983 in FÜCHTBAUER 1988) ordnet über 90 % des Silt- und Sandanteils in
heutigen Riffbereichen der Bioerosion in Riffen zu. In den, die Riffentwicklung abschließenden mikritischen bis
onkoidischen Kalken von Lothringen und des Isteiner Klotzes, fehlen Riffkörper allgemein und auch Dasycladaceen,
deren Zerfall in heutigen Riffumwelten einen Großteil mikritischer Karbonatpartikel bereitstellt, sind allgemein selten
zu beobachten. Dies läßt eine hohen Anteil von direkter Ausfällung an der Karbonaterzeugung vermuten. ROBBINS &
BLACKWELDER (1992) ermittelten für das direkte Ausfällen von Karbonatschlamm („Whitings“) auf der Bahama-
Plattform eine biologisch gesteuerte Ausflockung von CaC03 die durch Picoplankton und zelluläre Bestandteile im
Meerwasser ausgelöst wird. SHINN et al. (1989) nennen bei Whitings in heutigen tropischen Flachmeerbereichen
Karbonatbildungsraten bis 35g/m2/h. Hohe Raten von biologisch ausgelöster (s.o.), direkter Karbonatausfällung
würden ausgesprochen gut mit der Annahme höhere Nährstoffkonzentrationen in oberjurassischen Flachmeeren (vgl.
Kap. 6.4.6) in Einklang stehen. Auf die mikrobielle Beteiligung bei der Mikriterzeugung weist zusätzlich das häufig
krümelig-mikropeloidale Gefüge mikritischer Faziestypen hin (vgl. Kap. 5.2.2). LEES (1975) stellt die erhöhte
Karbonatschlammerzeugung und die Bildung von Ooiden außerdem in Zusammenhang mit erhöhten
Salzkonzentrationen im Meerwasser. Die Annahme von geringem feinklastischen Streß für einige Riffkörper (LFO 1,
IS 1; Fazieseinheit AM I) läßt sich durch biologische Faktoren wie starken Bewuchs durch Epizoen, das Auftreten
von hexactinelliden Kieselschwämmen und vorwiegend flächige Wuchsformen der Riffbildner begründen.
Die Beeinflussung des Korallenwachstums durch grobklastischen Streß (Silt- bis Kieskorngröße) wird in den
untersuchten Vorkommen durch die meist artenarmen Korallenassoziationen mit der Dominanz weniger angepaßter
Spezialisten angezeigt (vgl. Abb 44). Nach VERON (1995) tritt grobklastischer Streß entweder anhaltend im Bereich
starker Wasserenergie, oder zeitweise infolge von Stürmen oder gravitativer Sedimentumlagerung auf. Er kann
hierbei zur mechanischen Schädigung von Korallengewebe bis hin zur teilweisen oder vollständigen Bedeckung von
Kolonien führen. Durch dauernde Wasserbewegung bedingter grobklastischer Streß ist für die jüngere Korallenfazies
von Arnegg (AK I) und für schuttreiche Riffkörper (LFO 2, LEU I 1, LLE 1) des ORK von Lothringen anzunehmen.
Zeitweise erhöhter grobklastischer Streß im Verlauf von Sturmereignissen wird in den flachmarinen, lagunären
Bereichen von Lothringen und des Isteiner Klotzes durch arenitische Sturmsedimente bezeugt (vgl. Kap. 9). In den
140

Hangbereichen des Arnegger Riffkomplexes spielt die gravitative Sedimentumlagerung eine entscheidende Rolle und
kontrolliert die Bildung von Riffkörpern und die Zusammensetzung der Riffauna (vgl. Kap. 9.3). Die durchgehend
niederen bis mittleren Artenzahlen in Riffkörpern mit grobklastischem Streß deuten auf die geringe allgemeine
Toleranz oberjurassischer Korallen gegenüber diesem Faktor hin.

6.4.3 Wasserenergie

Die Wasserenergie der umgebenden Wassermassen hat großen Einfluß auf Riffstruktur, Riffwachstum,
Riffzusammensetzung, sowie die Wuchsform von Rifforganismen. Die hohe biologische Produktivität von Riffen ist
eng verbunden mit Wasseraustausch und Turbulenz der umgebenden Wassermassen, so daß ein Großteil des heutigen
Korallenriffwachstums in Meeresbereichen mit ständiger Wasserbewegung zu beobachten ist (vgl. SCHUHMACHER
1976, VERON 1995). Ab einer Tiefe flacher ungefähr 20 m ist die Wasserenergie (v.a. in Form von Wellenbewegung,
Stürmen und Gezeiten) der am stärksten das Riffwachstum kontrollierende Umweltfaktor, sie spielt jedoch auch in
tieferen Bereichen (v.a. durch Gezeiten und Strömungen) eine entscheidende Rolle. Hierbei ist die Wellenbewegung
mit kurzfristig wechselnden Änderungen verbunden, während es sich bei Gezeitenströmungen und Stürmen um
zunehmend längerfristigere, hydrodynamischen Ereignisse handelt. Für großräumige Meeresströmungen ist eine
dauerhafte, gleichgerichte Strömung kennzeichnend (HOPLEY & DAVIES 1986). Heutige Riffe weisen aufgrund der
sehr wirkungsvollen Gerüstbindung durch Corallinaceen allgemein eine höhere Widerstandskraft gegenüber erhöhter
Wasserenergie als oberjurassische Riffe auf (LEINFELDER et al. 1996). Dies erklärt das, in den untersuchten
Vorkommen festellbare, größere Volumen von Riffbildnern und Riffkörpern in ruhigeren Riffumwelten mit
geringerem hydrodynamischen Streß. Hochenergetische Riffkörper zeigen allgemein geringe Korallenanteile und
hohe Riffschuttanteile. Gute Anzeiger von geringer Wasserenergie sind die, im Vergleich zu massiven Kolonien
allgemein bruchempfindlicheren, ästigen Wuchstypen. Innerhalb dieser Gruppe läßt sich hinsichtlich Astdicke,
Skelettmerkmalen und Astausrichtung eine weiter Abstufung im Bezug auf die vorhanden Wasserenergie durchführen
(vgl. Kap. 7.2.4).
Im Fossilen läßt sich die hydrodynamische Energie an sedimentologischen Kriterien sowie an den Wuchsformen der
Rifforganismen beurteilen (vgl. LEINFELDER et al. 1996, Kap. 7.1). Vor allem flächig wachsende, fladig-
inkrustierende und massige Wuchsformen gelten in heutigen Riffbereichen als Anzeiger hoher Wasserenergie.
Entsprechende Verhältnisse lassen sich für oberjurassische Riffe nur selten beobachten (vgl. LEINFELDER 1992,
LEINFELDER et al. 1996 s.u). Nur in der Korallenfazies von Arnegg kann die Dominanz massiger Wuchsformen auf
die Einwirkung erhöhter Hydrodynamik bezogen werden (Riffkörper AK I 1, AK II 2; vgl. Kap. 9.3). Fladige
Wuchstypen in Bereich von Kuppenbiostromen des ORK von Lothringen scheinen, bei meist geringer Wasserenergie,
v.a. durch seitlichem Sedimenttransport begründet. Aufgrund ihrer Häufigkeit in durch erhöhten hydrodynamischen
Streß beeinflußten Riffkörpern (z.B. AK I 1, IS 2), scheinen v.a. die Gattungen Isastrea, Fungiastrea, Microphyllia
und nichtmeandroide, microsolenide Korallen an erhöhte Wasserenergie (und damit verbundenen grobklastischen
Streß) angepaßt zu sein (vgl. Abb 41). Weiter beobachtete Anpassungen sind gerichteter Astwuchs der ramosen Art
Dendraraea racemosa und der skelettversteifende Korallenastaufbau bei Aplosmilia (vgl. Kap. 7.2.4 u, 7.3).
Besonders hohe Wachstumsraten (und damit eine rasche Volumen- und Gewichtszunahme) scheinen einzelne Taxa
massiver Korallen bei hydrodynamischen Streß zu begünstigen. Dies gilt insbesondere beim Auftreten zeitweiser
Sturmereignisse (großwüchsige Kolonien von Isastrea, Pseudocoenia, Convexastrea in LPA 1, LEU II 2, AK I 1).
Der ständige Wasseraustausch durch Meeresströmungen zur Bildungszeit der Microsoleniden-Riesenbiostrome läßt
sich durch eine ungesäumte Rampenstruktur erklären (vgl. Kap. 6.4.8). Das Fehlen plattformrandlicher
Barrenstrukturen verbunden mit größeren Wassertiefen zur Bildungszeit machen hier einen ungebremsten Einfluß
von großräumigen Strömungen oder Gezeiten möglich (vgl. JAMES & KENDALL 1992; vgl. Kap. 9.2). Die fortlaufende
Verflachung des gesamten Ablagerungsraumes und die damit einhergehende reibungsbedingte Verminderung der
Wasserbewegung führt zu einem stetig abnehmenden Einfluß von Gezeiten und ozeanischen Strömungseinflüssen
141

(vgl. WALKER & PLINT 1992). Die undeutlich ausgebildete Zonierung der Ablagerungen des ORK von Lothringen
mit Faziesgürteln aus Crinoidensand-Riesendünen oder Bereichen verstärkter Riffbildung (vgl. Kap. 6.2; Abb. 3)
lassen dennoch auf eine großmaßstäbliche Energiezonierung schließen, es können örtlich jedoch auch strukturelle
Ursachen vorliegen. Seitliche Zonierungen wie sie für einige Riffkörper (z.B. LEU I 3; LEU II 2, 3),
Ablagerungsbereiche (z.B. Lothringen; vgl. Kap. 6.2) und Riffkomplexe (z.B. Arnegg) zu beobachten sind beruhen,
wie entsprechende Rezentbeobachtungen zeigen (vgl. ROSEN 1975, GEISTER 1977), auf gerichteten
hydrodynamischen Streß. Ursache sind in der Regel gezeiten- und windinduzierte Wellenbewegungen sowie
Strömungen (WOLANSKI et al. 1986, SOROKIN 1995).
Aufgrund der zunehmend vom offenen Meer abgeschirmten, lagunären Verhältnisse (s.o.) ist für die Riffkörper des
ORK von Lothringen und des Korallenkalkes des Isteiner Klotzes der Einfluß der Wasserenergie schließlich auf
abgeschwächte Gezeitenströmungen und Wellenbewegung einzuschränken. In Lothringen werden diese Einflüsse
durch örtliche topographische Faktoren weiter modifiziert. SOROKIN (1995) nennt für lagunäre Bereiche
Strömungswerte von 5-30 cm/s und ordnet die größten Turbulenzen den windseitigen Randbereichen zu, Vor allem
das großflächige Vorherrschen schlammiger Faziestypen in diesen Bereichen spricht für überwiegend geringe
Hydrodynamik, die nur bei einzelnen Sturmereignissen hohe, katastrophale Werte erreichte und dann großflächig
Riffgefüge zerstörte (Pagny sur Meuse (s. Taf. 4), Haudainville, Istein). Der sich im zeitlichen Verlauf vollziehende
Wechsel der Dominanz von massiven zu dickästigen und schließlich zu dünnästigen Wuchstypen, bezeugt eine
weitere stetige Verringerung der Wasserenergie. Die großflächige Beschädigung heutiger Korallenrifflächen durch
zyklonale Sturmereignisse, bei denen Wellentiefgänge von 10-15 m beobachtet werden beschreibt GUILCHER (1988).
BOURROUILH-LEJAN & TALANDIER (1995) sowie ANTHONY et al. (1996) weisen auf die entscheidende Rolle von
Sturmereignissen (v.a. Zyklonen) und Sturmsedimentation in heutigen flachmarinen Riffkörpern hin, mit dem
teilweisen bis vollständigen Absterben der Riffauna. Die durchschnittliche Regeneration der Riffkörper beträgt
hierbei 5-10 Jahre. Dabei werden von den Zyklonen ungefähr alle 3-10 Jahre die gleichen Bahnen verfolgt
(GUILCHER 1988). Beim Vergleich heutiger mit fossilen Riffen sind hierbei die höheren Wachstumsraten von
Korallen und das Vorhandensein rasch wachsender wirkungsvoller Riffbildner (Corallinaceen) in rezenten Riffen in
Betracht zu ziehen. Die Häufigkeit von erosiven Sturmflächen, verbunden mit direkt folgendem Korallen- bzw.
Riffwachstum zeigt v.a. für weite Bereiche des ORK von Lothringen sturmkontrolliertes Riffwachstum an. Die
Vielfalt an kleinräumigen Riffkörpern und Korallenvergesellschaftungen in den jüngsten und flachsten Bereichen des
ORK von Lothringen und des Korallenkalkes des Isteiner Klotzes entspricht den Beobachtungen von GISCHLER
(1994) in lagunären Fleckenriffzonen der heutigen Bahamas nach Sturmereignissen. Die sturmbedingte
Wasserenergie führten zur Erosion und zur Entfernung unverfestigten Weichsubstrats und begünstigt so für eine
gewisse Zeit die örtliche Ansiedlung und das Wachstum von Korallen. MILLIMAN & DROXLER (1996) weisen in
diesem Zusammenhang auf den hohen Sedimenttransport durch Stürme von Karbonatplattformen in tiefere Bereiche
hin. SCHLAGER (1992) weist auf die höchsten Werte des Sedimentabtranssportes auf Schelfflächen während
Meeresspiegelhochständen hin („Highstand Shedding“; vgl. Kap. 10).
Die große örtliche Veränderlichkeit von Rifftypen und Riffauna in den lagunären Bereichen von Lothringen und des
Isteiner Klotzes ist nach RIEGL & PILLER (1997) kennzeichnend für eine stark biologische Kontrolle des
Riffwachstums. Entsprechende Verhältnisse beschreibt SOROKIN (1995) für heutige breite Schelfflächen mit
reibungsbedingter Abschwächung der Tiden. Der durchgehende Korallenwuchs im Bereich des Korallen-
Mikrobolith-Flächenriffes IS 3 bezeugt großflächig günstige hydrodynamische Verhältnisse mit ständiger
Wasserbewegung für den Ablagerungsraum.

6.4.4 Sauerstoffgehalt

Der hohe Sauerstoffbedarf von Korallen ( vgl. SOROKIN 1995) erfordert eine gewisse Wasserbewegung. Die
142

Sauerstoffversorgung der Korallen erfolgt außerdem durch die photosynthetische Sauerstoffherstellung der
endosymbiontischen Zooxanthellen. Als Anzeiger niederer Sauerstoffgehalte dienen zum einen biologische
Merkmale (niedere Diversitäten in Verbindung mit bestimmten Zeigerorganismen, z.B. Terebella-Tubiphytes-
Assoziation; vgl. Kap. 5.3.9), zum anderen anorganische Anzeiger (framboidaler Pyrit, hohe Gehalte an organischer
Substanz; vgl. FÜCHTBAUER 1988). Aufgrund der ständigen Wasserbewegung in Flachmeerbereichen ist Sauerstoff in
heutigen Riffen nur in größeren Meerestiefen ein das Riffwachstum begrenzender Faktor (SOROKIN 1995), so daß
sich das gleichzeitige Vorkommen von Korallenriffen und Sauerstoffmangel weitgehend ausschließt. Für die jüngsten
und flachsten Rifflächen des ORK und des Isteiner Korallenkalkes mit geringster Wasserbewegung ergibt sich die
potentiell höchste Wahrscheinlichkeit von zumindest zeitweise geringeren Sauerstoffgehalten. Dies wird zusätzlich
durch erhöhte Wassertemperaturen gefördert (s.u.). Anzeichen von Sauerstoffmangelbedingungen während des
Wachstums den mergeligen Microsoleniden-Riesenbiostrome können, wegen Sauerstoffbedarfs von Riffkorallen, auf
das Riffinnere beschränkt werden. JENKYNS (1996) weist außerdem auf das Fehlen weiträumiger Sauerstoffmangel-
bedingungen im Mitteloxfordium hin. Für das Auftreten eines kieselschwammführenden Thrombolith-Mittelbioherms
(AM II 4) in Arnegg in höchster topographischer Lage kann ebenfalls Sauerstoffmangel vermutet werden. Vor allem
in tieferen Meeresbereichen mit eingeschränkter Wasserbewegung kann stabile Temperaturschichtung, bei
gleichzeitigem sauerstoffzehrenden Abbau organischen Materials, zu Mangelbedingungen führen (vgl. NOSE 1995).
Diese Bedingungen können regionale bis weltweite Ausmaße zeigen (vgl. SOUTHAM et al. 1982, LEINFELDER et al.
1994, 1996). Im Iberischen Oberjura beschreiben LEINFELDER et al. (1993b) und NOSE (1995) vergleichbare
thrombolithische Riffkörper, deren Entwicklung im Zusammenhang mit erniedrigten Sauerstoffgehalten gesehen
werden. Dies wird mit der allgemeinen klimatischen und paläoozeanographischen Situation (hoher Meeresspiegel,
ausgeglichenes Klima, eingeschränkte ozeanische Zirkulation) in Verbindung gebracht bei der dysaerobe Verhältnisse
insbesondere bei raschen Meeresspiegelanstiegen, teilweise bis in flache Rampenbereiche hinauf reichen können (vgl.
LEINFELDER et al. 1993a). Der wiederholte Wechsel von krusten- zu korallendominierten Gesteinen ist nach
LEINFELDER (1993a) auf Schwankungen des Sauerstoffgehaltes zurückzuführen, die mit höherfrequente
Meeresspiegelschwankungen (4. oder 5. Ordnung) in Verbindung zu bringen sind. Im Kimmeridge Clay
dokumentierte Sauerstoffschwankungen korrelieren nach OSCHMANN (1990) mit Milankovitch-Zyklen.

6.4.5 Wassertemperatur

Die Wassertemperatur hat entscheidenden Einfluß auf Stoffwechsel und Photosynthese in der symbiontischen
Beziehung Koralle-Grünalge. Die optimale Temperatur für Korallenwachstum liegt in heutigen Meeren zwischen 25-
27C°. Höchste Werte für Korallenwachstum sind 38° (Persischer Golf, GUILCHER 1988) und 10,6° (Zentralatlantik;
SCHUHMACHER 1991). Entsprechende Rahmenwerte werden allgemein für fossile scleractine Riffkorallen
übernommen. Die Wassertemperatur steigt in der Regel mit abnehmender Wassertiefe und abnehmender
geographischer Breite an. Für korallendominierte Bereiche und Riffkörper mit artenreicher Korallenfauna und/oder
hoher Diversität von Rifftypen und Riffgefügen sind Temperaturen im Bereich des Optimums (s.o.) anzunehmen.
Dies gilt insbesondere für weite Abschnitte des ORK von Lothringen und die mittleren und jüngsten Bereiches des
Korallenkalkes des Isteiner Klotzes (vgl. Abb. 46). Dies wird nicht oder nur wenig durch die paläogeographische
Lage der untersuchten Riffbereiche nördlich der Verbreitungsgrenze heutiger Korallenriffe eingeschränkt, da für den
Oberen Jura ein ausgeglichenes Treibhausklima anzunehmen ist (vgl. LEINFELDER 1994b; Kap. 1.3). Geringere
Wassertemperaturen sind allgemein für die tieferen Riffkörper und Riffbereiche (Kieselschwamm-Mikrobolith-
Korallen-Fazieseinheit, Microsoleniden-Riesenbiostrome) anzunehmen. Hierauf deuten v.a. die gemessenen,
vergleichsweise hohen δ18O-Werte von Seeigelstacheln in diesen Riffkörpern hin (vgl. Kap. 1.2; Tab. 4). Das
Auftreten etwas erniedrigten δ18O-Werte im Bereich der Mischfazies kann hierbei auf den Import von Seeigelstacheln
aus höher gelegenen, flacheren Meeresbereichen zurückgeführt werden (vgl. Kap. 6.4.8). Für die Riffabfolge von
Istein läßt sich (bei einer Temperaturabnahme um 4°C pro 1‰ δ18O-Abnahme; vgl. Kap. 1.2) eine Temperatur-
143

zunahme von ungefähr 11° C von den tiefsten Riffkörpern (IS 1 mit δ18O -2,60) zu den flachsten Riffbereichen (IST 4
mit δ18O -5,35) erkennen. Die vergleichsweise geringen Karbonatgehalte (vgl. Tab. 5) in den entsprechenden
Riffkörpern sind nach HALLOCK & SCHLAGER (1986) kennzeichnend für geringe Wassertemperaturen. Sprunghafte
Erhöhungen des Karbonatgehaltes (LFO 1/LFO 2 und IS 1/IS 2) können deshalb direkt mit einer sprunghaften
Temperaturzunahme in Zusammenhang gebracht werden. Hierbei sind vergleichsweise rasche vertikale
Temperaturunterschiede durch Sprungschichten in einer geschichteten Wassersäule denkbar (vgl. Kap. 9.2). Die
Ausbildung einer entsprechenden Wasserschichtung im Oxfordium vermutet GRUSZCZYNSKI (1998).
Mit zunehmender Verflachung sind ansteigende Wassertemperaturen wahrscheinlich (s.o.). Hinweis für
Temperaturstreß ist z.B. das Verschwinden von Korallen oder eine artenarme Fauna in flachmarinen Umwelten. Mit
einer Erhöhung der Wassertemperatur ist nach ODUM (1981) außerdem ein Rückgang des Sauerstoffgehaltes
verbunden. Entsprechende Verhältnisse sind v.a. in den flachsten, schlammdominierten Riffkörpern von Lothringen
und des Isteiner Klotzes zu beobachten. Die mehr distale Lage des Isteiner Ablagerungsraumes im Rampenprofil (vgl.
Kap. 9.2) begünstigt einen Wasseraustausch mit dem offenen Meer und somit vergleichsweise gleichbleibende
Temperaturen die fast über die gesamte Riffabfolge ein großflächiges Riffwachstum ermöglichen. In immer
proximaleren Bereichen flacher Schelfe und v.a. in weitläufigen lagunären Umwelten wie sie die Ablagerungen des
ORK von Lothringen darstellen, können große jahreszeitliche und räumliche Temperaturschwankungen auftreten
(vgl. GOREAU & WELLS 1967). In lagunären Bereichen sind auch kurzzeitige Temperaturschwankungen denkbar, die
erst mit ansteigender Häufigkeit und Dauer im Laufe der Verflachung sedimentär und faunistisch überliefert werden.
SOROKIN (1995) weist diesbezüglich darauf hin, daß kurzzeitige Temperaturschwankungen von Korallen meist
toleriert werden, mit zunehmender Dauer und Stärke die Mortalitätsrate jedoch stark ansteigt. Ab Temperaturen von
32° beginnen heutige Korallen ihre Zooxanthellen auszustoßen (Ausbleichung bzw. „bleaching“) bis hin zum
vollständigen Absterben ganzer Kolonien (opt. cit.). Auch die niedersten gemessenen Isotopenwerte in diesen
Sedimenten deuten auf erhöhte Temperaturen hin. Unterschiede bis 4‰ zwischen den tiefstem Microsoleniden-
Riesenbiostromen und lagunären Riffkörpern (LEU I 5) in Lothringen lassen einen Temperaturanstieg von ungefähr
16°C im Laufe der Riffabfolge ermitteln.

6.4.6 Nährstoffe

Korallenriffe gedeihen heute allgemein in oligotrophen Umwelten (VERON 1995). Der für die hohe Primärproduktion
im Vergleich zum umgebenden Meer nötige Nährstoffbedarf des Korallenriffökosystems wird zum großen Teil durch
den kurzgeschlossenen, symbiontischen Nährstoffkreislauf Koralle-Grünalge gewährleistet. Korallen zeigen hierbei
2,5 bis 5 mal höhere Kalzifikationsraten mit symbiontische Grünalgen (MUSCATINE et al. 1985). Neben der
vorherrschend photoautotrophen Energiegewinnung durch endosymbiontische Grünalgen zeigen Korallen zusätzlich
eine große Bandbreite an heterotrophen Ernährungsstrategien: es können sowohl Phytoplankton, Bakterien oder
organische Partikel als auch gelöste organische Stoffe aus dem Wasser aufgenommen werden (SOROKIN 1995).
LEINFELDER et al. (1996) vermuten für oberjurassische Korallen einen insgesamt erhöhten Anteil heterotropher
Ernährung (vgl. Kap. 6.4.6). Eine höhere Nährstoffkonzentration bedingt nach COWEN (1983) und BRASIER (1995)
wiederum eine geringere Effektivität der Photosynthese. Dies würde gleichzeitig die allgemein geringeren
Wachstumsraten oberjurassischer Korallen im Vergleich zu heutigen Kolonien und den verhältnismäßig erhöhten
Anteil heterotropher Ernährung erklären. Für das Wachstum unerläßliche feste und gelöste organische Nährstoffe und
die enthaltenen anorganischen Nährstoffe werden aufgrund der großen Absorptionsfläche von Riffkörpern aus der
Wassersäule abgefangen und mobilisiert. Anorganische Nährstoffe, (v.a. Stickstoff und Phosphor) begrenzen in
heutigen Riffökosystemen die organische Produktion und erfordern deshalb ein wirkungsvolles „Recycling“ der
Nährstoffe um den Verlust von Nährstoffen aus dem Riffsystem zu minimieren. Während an Plattformrändern oder in
offenen Schelfen der Auftrieb und Zustrom von nährstoffreichen Tiefenwasser das Riffwachstum fördert (BRANDON
1973), zeigen küstenferne und gleichzeitig flachmarine innere Plattformbereiche in heutigen Riffbereichen streng
144

oligotrophe Bedingungen ohne Riffwachstum (BICK 1998). Erstere Verhältnisse mit ausreichenden
Nährstoffbedingungen sind für die Microsoleniden-Riesenbiostrome sowie für den Unteren und Mittleren
Korallenkalk des Isteiner Klotzes und den gesamten Arnegger Riffkomplex denkbar. Auch der für oberjurassische
Microsoleniden angenommene erhöhte Anteil an heterotropher partikulärer Ernährung in tieferen, schlecht
durchlichteten Umwelten (s.o.) steht gut im Einklang mit hohem Nährstoffangebot im Bereich der Microsoleniden-
Riesenbiostrome. Heterotrophe Ernährung in großen Meerestiefen wird zusätzlich durch den erhöhten Gehalt an
Zooplankton und Bakterien in diesen Bereichen (vgl. SOROKIN 1995) begünstigt. Da verstärkte heterotrophe
Ernährung jedoch einen erhöhten Verbrauch von Sauerstoff nach sich zieht, ist zur Erhaltung des lebensnotwendigen
Sauerstoffniveaus für Korallen in diesen Bereichen ein ständiger Wasseraustausch erforderlich (SCHUMACHER 1976,
SOROKIN 1995).
Oligotrophe Verhältnisse sind, in Entsprechung zu heutigen Riffumwelten (s.o.), v.a. für die flachmarinen Umwelten
des ORK von Lothringen und den Oberen Korallenkalk des Isteiner Klotzes wahrscheinlich. Die Häufigkeit
mikrobieller Krusten in diesen Bereichen kann als Hinweis für ein erhöhtes Nährstoffangebot bewertet werden. BICK
(1998) weist in diesem Zusammenhang auf die Fähigkeit von heterotrophen Bakterien und Cyanobakterien hin, dem
zuströmenden Wasser organische Substanzen zu entnehmen. BERTLING & INSALACO (1998) vermuten vergleichbare
mesotrophe Nährstoffverhältnisse für küstennahe, mitteloxfordische Korallenriffe in Nordfrankreich (140 km
Entfernung).

6.4.7 Salinität

Die jüngsten, flachmarinen Riffgesteine von Lothringen und des Isteiner Klotzes (Pagny sur Meuse, Istein) zeigen
Anzeichen von erhöhten Salinitäten bzw. Salinitätsschwankungen. Änderungen der Salinität in flachmarinen
Ablagerungsräumen sind v.a. durch eingeschränkten Wasseraustausch begründet und stehen allgemein in Verbindung mit
erhöhten Wassertemperaturen (vgl. Kap. 6.4.5). Der Salzgehalt bei eingeschränktem Wasseraustausch liegt hierbei von der
durch Strömungen und Tiden gesteuerten Verweildauer des Wassers ab (BRANDON 1973). Am stärksten sind
Salinitätsschwankungen in sehr flachen Meeresbereichen (PURSER 1985, RIEGEL & PILLER 1997). GARRET et al. (1971)
ermittelten auf der Bahama-Plattform eine Wassertiefe von rund 10 m, die nötig ist für die Gewährleistung konstanter
Salinitätswerte. Die Änderungen des Salzgehaltes werden in Pagny sur Meuse faunistisch durch geringe Arten- und
Individuenzahlen und schließlich durch das Verschwinden der Korallfauna angezeigt. Heutige Korallen tolerieren abhängig
von der Korallenart sowie der Dauer und Intensität der Ereignisse gewisse Salinitätsschwankungen. Länger anhaltende oder
starke Salinitätsschwankungen werden jedoch nicht toleriert. Die beobachteten geringen Häufigkeiten von
Echinodermenbruchstücken oder anderen Organismen können durch zeitweise Schwankungen aber auch durch Allochtonie
begründet werden, verschwinden jedoch im Laufe der Ablagerung. Als Anzeiger hoher Salzkonzentrationen im
Meerwasser eignet sich der δ18O-Wert (JOACHIMSKI 1991) des Verhältnisses der stabilen Sauerstoffisotopen 18O/16O. Die
Evaporation für zur Anreicherung des 18O-Isotops im Meerwasser (vgl. Kap. 1.2). Hierbei entspricht ein Salinitätsanstieg
von 1‰ einer δ18O-Zunahme von 0,25%. Die 18O-Werte (vgl. Tab. 4) lassen für die flachmarinsten Riffkörper (LPA 5,
LEU I 5, LEU II 4, IS 5) und Ablagerungsbereiche (IST Splitterkalk) keine eindeutigen Hinweise auf eine erhöhte Salinität
erkennen. Die höchsten Wassertemperaturen (vgl. Kap. 6.4.5) machen hohe Verdunstungsraten jedoch sehr wahrscheinlich.
Außerdem läßt sich vermuten das die, den Isotopenmessungen als Grundlage dienenden, cidaroiden Seeigel eumarine
Zeiträume im Verlauf von Salinitätschwankungen wiederspiegeln. Nach SOROKIN (1995) sind Salinitätsschwankungen meist
nur relativ kurz und ohne größere Auswirkungen auf Fauna und Sedimentation. Die flachsten Riffkörper von Pagny sur Meuse
und ähnliche Riffkörper (Sorcy Gare II, Istein) können somit auf flachmarine Bereiche unter 10 m Wassertiefe eingeschränkt
werden. Zudem weist die vergleichsweise Häufigkeit von Amphiastrea piriformis in den das Riffwachstum zu Ende der
Riffentwicklung abschließenden Korallenpopulationen auf Schwankungen der Salinität hin. NOSE (1995) beschreibt im
Iberischen Oberjura das Wachstum von Amphiastrea-Fleckenriffen im Bereich wechselnder Salinität. Für den Arnegger
Riffkomplex liegen keinerlei Anzeichen für Salinitätsschwankungen vor und es ist von einem eumarinen Milieu auszugehen.
145

6.4.8 Weitere Faktoren

Submarines Relief

Das submarine Relief hat nur teilweise als steuernder Faktor Einfluß auf die Riffentwicklung und das Riffwachstum.
Während in bathymetrisch tieferen Bereichen an der Grenze zur euphotischen Zone die Topographie durch das im
Vergleich zur Umgebung frühere Erreichen der photischen Tiefenzone nur eine sekundäre Rolle spielt, kann in
flachmarinen Bereichen bei ausreichendem Lichtangebot ein vorhandenes Riff entscheidend zur Riffbildung
beitragen (GEISTER 1975). Erste Verhältnisse entsprechen der Situation in Arnegg. Letztere Verhältnisse sind v.a. in
der schlammigen, lagunären Riffbereichen von Lothringen und des Isteiner Klotzes anzutreffen. Die Topographie des
Untergrundes steuert nach PERRIN et al. (1995) Umweltfaktoren wie Sedimentation, Wasserenergie,
Strömungsverhältnisse und Lichteinstrahlung und beeinflußt dadurch die Ansiedlung von Korallen und
Rifforganismen entscheidend. Faktisch wird das Riffwachstum auf Erhebungen durch das Vorbeiführen von
bodenbezogenen Sedimentströmen begünstigt, so daß der Sedimentstreß auf Rifforganismen allgemein vermindert
wird. JAMES & MACINTYRE (1985 in TUCKER & WRIGHT 1990) weisen auf den großen Einfluß vorhandener
Erhebungen auf heutiges Riffwachstum hin. Entsprechende Verhältnisse beschreiben rezent MACINTYRE (1972) und
GEISTER (1983) aus der Karibik. Aus dem Oberjura beschreiben u.a. LEINFELDER et al. (1993a, b; Portugal, Ota-Riff),
SUN & WRIGHT (1998; Nordsee, Weald Basin) und BARIA et al. (1982; nordamerikanische Golfküste, Smackover-
Formation) vergleichbare Verhältnisse. In den untersuchten Riffbereichen ist vor allem die Entwicklung des Arnegger
Korallenriffkomplex an die vorgegebene Erhebung des Meeresgrundes im Bereich eines vormaligen
Kieselschwamm-Mikrobolith-Biohermes gebunden (vgl. Kap. 2.3). Hierbei haben, aufgrund der möglichen
Sedimentabführung in tiefere Hangbereiche, besonders günstige Bedingungen für Riff- und Korallenwachstum in den
zentralen, höchsten Bereichen und den reliefstarken, mittleren Hangbereichen des Riffkomplex vorgelegen (vgl. Kap.
9.3). In den älteren, bathymetrisch tieferen Einheiten des Arnegger Riffkomplexes verbesserte die erhabene Lage des
Zentralbereiches, im Vergleich zu den umgebenden Ablagerungsbereichen, durch das frühere Erreichen der
euphotischen Zone entscheidend das Lichtangebot und die Wasserturbulenz.
Im ORK von Lothringen ist die Riffbildung im Bereich des von Crinoidensand-Riesendünen geschaffenen
submarines Reliefs begünstigt (Euville, Lerouville, Haudainville, Dieue). In der Regel entwickelten sich die Riffe hier
nur an besonders reliefstarken, kleinräumigen Erhebungen der Dünenoberfläche (Euville). An manchen Örtlichkeiten
bliebt die Riffbildung völlig aus (Boncourt, Senonville; s. Taf. 6). Die Förderung von Riffwachstum im Bereich
dieser Untiefen ist an eine Erhöhung der Wasserenergie und Wasserturbulenz und damit verbunden einer örtlichen
Erhöhung des Sauerstoff- und Nährstoffangebotes (vgl. HALLOCK & SCHLAGER 1986) und dem Erzeugen günstiger
Sedimentationsbedingungen gebunden. Veränderte Strömungsbedingungen im Bereich der Dünenkörper sind durch
die von Schaffung lokaler Turbulenzen und dem Aufströmen von Wasser an diesen Untiefen begründbar. Die im
Vergleich zur Umgebung größere Nähe zum Meeresspiegel begünstigt außerdem den Einfluss windinduzierter
Wellen. Aus diesen Gründen beschränkt sich die Riffbildung im ORK von Lothringen zunächst auf die höchsten
Bereiche der Crinoidensand-Riesendünen, um sich dann im Zuge einer allgemeinen Verflachung des
Ablagerungsraumes seitlich auszudehnen. Diese Beobachtungen entsprechend weisen RIEGEL & PILLER (1997) auf
die Entwicklung von klar abgegrenzten, fleckig verteilten Niedrig-Relief-Gemeinschaften bis Einzelstöcken in
heutigen reliefarmen lagunären Umwelten hin. Die vorhandenen Faunengemeinschaften zeichnen sich durch meist
schwache riffinterne Gradienten aus und sind deshalb hauptsächlich biologisch kontrolliert.

Substrat

Als Grundlage für die Ansiedlung und das Wachstum von riffbildenden Korallen am Meeresboden ist neben dem
allgemeinen Vorhandensein der physikalischen Rahmenbedingungen, das Vorhandensein von Hartsubstrat als
Siedlungsgrund für die planktonisch verbreiteten Korallenlarven wichtig (WILSON & PALMER 1992). Geringe
146

Sedimentationsraten und poröses Sediment begünstigen die Ausbildung von Hartsubstraten oder eine rasche
Verhärtung des Meeresböden. Höhere Sedimentationsraten oder schlammige Sedimente begünstigen hingegen
unverfestigtes Substrat (GOLDRING 1986). Als Substrate für einzelne Korallen dienen verhärteter Meeresgrund oder
größere Hartteile und Bruchstücke von Organismen. Großflächiges Angebot von Hartsubstrat steht in den
untersuchten Bereichen im Zusammenhang mit übergeordneten transgressiven Ereignissen (regionale bis
überregionale Hartgründe an der Basis der Microsoleniden-Riesenbiostrome, regionale Hartgründe am Top der
Crinoidensand-Riesendünen; vgl. Kap. 4.4), erosiven Sturmereignissen (ORK von Lothringen, Oberer Korallenkalk von
Istein) und Erhebungen des Meeresbodens mit eingeschränkter Sedimentablagerung (LEU II 1, LLE 2, AM II 4).
Kleinere Hartsubstratflächen können in schlammigen Umwelten durch Bioklastenanreicherungen (z.B. LEU II 2) erklärt
werden. SOROKIN (1995) weist in diesem Zusammenhang auf die typisch fleckenhafte Riffverteilung in heutigen
lagunären Bereichen hin; GOREAU et al. (1991) betonen die Zufallskomponente bei der Bildung von Korallenriffen in
entsprechenden Umwelten. In klastischen Bereichen ist Riffwachstum an festgelegte, vor weiterer Sedimentation
geschützte Flächen gebunden (z.B. Misch- und Korallenfazies Arnegg). In Laufe der autogenen Sukzession dienen dann
gewebefreie oder lebende Korallenkörper sowie andere Rifforganismen (vgl. Kap. 6.5.1) als Siedlungsgrund.

Schelfprofil

Das Schelfprofil hat eine großen Einfluß auf die Gestaltung von Riffumwelten. Die Einteilung der Schelfmorphologie
erfolgt entsprechend BURCHETTE & WRIGHT (1992; vgl. Kap. 6.4.1). Die Verhältnisse in Lothringen und am Isteiner
Klotz entsprechen zu Beginn einer Rampe die im Laufe einer Meeresverflachung in eine ungesäumte Plattform übergeht.
BURCHETTE & WRIGHT (1992) weisen in diesem Zusammenhang auf das Vorherrschen von Karbonatrampen im
Oberjura hin. Karbonatplattformen sind flachmarine, Schelfbereiche die einen ausgeprägten Abfall zu tieferen
Meeresbereichen zeigen. Der Plattformsaum wird teilweise von Barriereriffen oder Sandkörpern gebildet die innere
Schelfbereiche vor erhöhter Hydrodynamik abschirmen. Karbonatrampen sind Karbonatplattformen die ein durchgehend
sanftes Einfallen (meist unter 1°) zeigen mit kontinuierlichen Übergang in tiefere Meeresbereiche (homoklinale Rampe;
Rezentbeispiel Südlicher Schelf des Persischen Golfes, vgl. FÜCHTBAUER 1988). Auf entsprechenden subhorizontalen
Rampenflächen im Bereich des nördlichen Tethysschelfes sind während der Zeit des Oberjuras v.a. biostromale
Riffkörper verbreitet (vgl. LEINFELDER et al. 1996). Ein Beispiel hierfür sind die beobachteten oxfordischen
Microsoleniden-Riesenbiostrome. Der Übergang in tiefere Meeresbereiche kann auch mit einer sprunghaften Versteilung
des Rampenprofils einhergehen (distal versteilte Rampe). Im Plattformstadium (ORK von Lothringen und Korallenkalk
des Isteiner Klotzes) gehen annähernd horizontale, flachmarine Ablagerungsräume küstennaher, proximaler
Ablagerungsbereiche über zentrale Plattformbereiche (Lothringen) in zunehmend küstenfernere, distalere
Ablagerungsbereiche (Bereich des Isteiner Klotzes; vgl. Kap. 9.2) über. Hierbei sind in den untersuchten Gebieten über
weite Bereiche keine deutlichen Unterschiede in der Bathymetrie feststellbar. Die Ausbildung von den Plattformrand
säumenden Barrierekörpern (Interpretation der onkoidischen Fazies im Bereich des Rognontals als Barrenkörper durch
GEISTER & LATHUILIÉRE 1990; vgl. Kap. 9.1.9) ist im Bereich des Lothringer Untersuchungsgebietes nicht nachweisbar.
Dasselbe scheint für von BOLLIGER & BURRI (1970) rekonstruierte säumende Sandkörper und seitlich durchhaltende
Barriereriffe im Schweizer Jura zu gelten (TAKACZ mündl. Mittl.). Die eingeschränkten Bedingungen in beiden
untersuchten oxfordischen Riffbereichen fordern jedoch eine gewisse Abschirmung vom offenmarinen Bereich. Hierfür
sind großräumige, in der Aufschlußsituation nicht erfassbare plattformrandliche Verflachungsbereiche denkbar, die eine
merkliche Abschirmung der Lagune vom offenen Meer bewirken. Der Korallenriffkomplex von Arnegg ist an eine
Untiefe im Bereich der mittleren und inneren Rampe gebunden (vgl. Kap. 6.4.8), die das Korallenwachstum an einer
im Vergleich zur Umgebung flachmarineren Umwelt ermöglicht (s.o.). Die Untiefe des Arnegger Riffkomplexes
bleibt im Laufe der Riffentwicklung durchgehend von tiefermarinen Meeresbereichen umgeben.
147

6.5 Beschreibung und Bewertung des Einflusses biologischer Faktoren in den untersuchten Riffkörpern

6.5.1 Biologische Grundlagen der Riffbildung und der Faunenverteilung

Zur Riffbildung sind festsitzende, karbonatausfällende Organismen, die Riffbildner (vgl. Kap. 5.1) nötig. Das
Wachstum v.a. der Hauptriffbildner und weiterer Rifforganismen, das Einfangen von riffremdem Sediment und die
Ausscheidung von Zementen in Hohlraümen sorgen für einen ständigen Zuwachs an Karbonatmasse. Diesem
Zuwachs an Karbonat im Riff stehen karbonatabbauende Faktoren wie Bioerosion, physikalische Erosion
(Wasserenergie) und Karbonatlösung entgegen. Zur Riffbildung kommt es folglich nur, wenn die Summe der
riffaufbauenden, karbonatanhäufenden Faktoren jene der riffzerstörenden, karbonatabauenden Faktoren überwiegt.
Als Grundlage für die Besiedlung des Meeresboden durch Korallen ist, neben den physikalischen und ökologischen
Rahmenbedingungen, das Vorhandensein von Hartsubstrat (Organismenskelette, Hartgründe, Klasten) als
Siedlungsgrund für die planktonischen Korallenlarven entscheidend (GEISTER 1983; vgl. Kap. 6.4.8). Die
palökologische Bewertung der bearbeiteten Riffauna (insbesondere der Korallen) basiert auf der Bestimmung von
Arten und Gattungen und darauf aufbauend auf der Erkennung von Assoziationen und Riffgemeinschaften. Der
Begriff Gemeinschaft beschreibt in dieser Arbeit, der allgemeinen Definition folgend, das gemeinsame Vorkommen
mehrerer Korallenarten, die über einen gewissen Zeitraum einen Lebensraum prägen und in einem
Abhängigkeitsgefüge zueinander stehen (vgl. TISCHLER 1975). An verschiedenen Lokalitäten oder in
unterschiedlichen stratigraphischen Niveaus auftretende Gemeinschaften mit gleicher oder ähnlicher
Zusammensetzung bezeichnet man weiter als Assoziationen. Für Gemeinschaften mit einmaligem Auftreten
beziehungsweise geringen Individuenzahlen wird der Begriff Vergesellschaftung verwendet (ausführliche
Erläuterung bei ABERHAN 1994). Die zeitliche Aufeinanderfolge der sich an einem Riffstandort ablösenden
Riffbildnergemeinschaften als Folge gerichteter Umweltveränderungen stellt sich in Form von Sukzessionen dar.
Ganze Sukzessionsabfolgen als gerichtete durchgehende Muster der Besiedlung eines Gebietes durch
aufeinanderfolgende Populationen werden als Sere bezeichnet (vgl. TISCHLER 1975, BEGON et al. 1997). Bei
autogenen Sukzessionen auf neu entstandenen Flächen spricht man von Primärsukzessionen. Hierbei sind besonders
für die Erstbesiedler der Primärsukzessionen die Ausgangsbedingungen sehr streßreich. Hauptgrund für den Fortlauf
von Sukzessionen ist die Veränderung des Habitats durch frühere Besiedler (sukzessionale Förderung), welche die
Einwanderung neuer Arten ermöglicht. Hierbei bilden K-Strategen („Spezialisten“ im weitesten Sinne) Merkmale
aus, die es ermöglichen länger in einer Sukzession zu überleben, während r-Strategen („Opportunisten“ im weitesten
Sinne) schlecht an eine sich ändernde Umwelt angepaßt sind, sich jedoch anderswo in frühen Sukzessionstadien
etablieren können (BEGON et al. 1997). Bei allogenen Sukzessionen beruht die Änderung der
Artenzusammensetzung auf dem Einfluß äußerer Faktoren (physikalisch-chemische und biologisch) und wirkt somit
auf bereits bestehende Sukzessionen ein. Als Klimaxgesesellschaft wird eine stabile Artenzusammensetzungen am
Ende einer Förderungssukzession bezeichnet. Das Vorhandensein von Klimaxgesellschaften ist jedoch umstritten
(vgl. BEGON et al. 1997). Die Ausbildung von Klimaxgesellschaften wird besser durch das Polyklimax-Konzept
beschrieben, daß die Ausbildung von verschiedenen abschließenden Gesellschaften mit den jeweils einwirkenden
allogen Faktoren verbindet und somit gegen die Ausbildung einer typischen Klimaxgesellschaft spricht. Bedingt
durch den geologischen Arbeitsansatz mit in der Regel vertikalen Riffanschnitten sind in den untersuchten
Riffkörpern besonders gut mehrere ökologische und strukturelle Riffstadien, die Sukzessionen entsprechen,
ermittelbar. Primärsukzessionen können auf Hartgründen, auf unbewegtem, mittel- bis grobklastischem Substrat und
auf erosiven Sturmflächen auftreten (vgl. Kap. 6.4.8). Riffkörper, die unter einheitlichen Bedingungen abgelagert
wurden oder nur kurzzeitig bestanden, zeigen keine oder nur schwach ausgebildete Sukzessionen (vgl. Abb. 43, 44).
In diesen Fällen entspricht die Primärgesellschaft der Klimaxgesellschaft. Neben der anfänglich allgemein
wirksamen sukzessionalen Förderung ist im Laufe der Riffentwicklung meist ein Übergang zu allogener Sukzession
beobachtbar. Vor allem in den lagunären Bereichen des ORK von Lothringen zeigen sich verbreitet Seren mit
148

Primärgesellschaften aus massiven und opportunistischen Taxa und Folgegesellschaften dominiert von ästigen und
spezialisierten Taxa. Die Wiederausbildung eines gleichartigen Rifftyps mit übereinstimmenden Assoziationen nach
dem Abtöten eines Riffkörpers durch ein kurzzeitiges Stressereigniss spricht für langfristig einheitliche
Umweltbedingungen - die Ausbildung eines im Bezug auf Gefüge und Assoziation andersartigen Riffkörpers für
langfristig wechselnde Umweltbedingungen. Der Übergang von einer hauptsächlich allogen in eine autogene
gesteuerte Sukzession ist beispielsweise bei Riffkörper AM II 3 I der Mischfazies von Arnegg zu beobachten. Hier
wird das Riffwachstum nach dem Entwachsen über den das Wachstum kontrollierenden bodennahen Sedimentstreß
zunehmend biologisch gesteuert (vgl. Kap. 9.3).

6.5.2 Aussagekraft der Faunenzusammensetzung von Riffen

Artenzahl und Diversität

Diversität als Überbegriff steht allgemein für die Vielfalt von Arten in einer Lebensgemeinschaft. Ausführliche
Zusammenfassungen geben TISCHLER (1975), ODUM (1983) und BEGON et al. (1997). Neben der Artenzahl oder dem
Artenreichtum wird auch die jeweilige Individuendichte (Abundanz) berücksichtigt und dient zur Beschreibung des
Lebensraumes im Hinblick auf Stressfaktoren und Milieustabilität (TISCHLER 1975, ODUM 1983). Diversitäten
werden auch in Form von aus Faunenanalysen errechneten Diversitätsindizes angegeben (z.B. Shannon-Weaver-
Index, vgl. BERTLING 1993a), die Faktoren wie die Probenzahl mit einbeziehen. TILMAN (1993), KAUFFMANN &
FAGERSTRÖM (1993) und BEGON et al.1997 weisen in diesem Zusammenhang auf die Steigerung der Diversität mit
steigender Habitats- und Probengröße hin. TISCHLER (1975) weist auf die zahlenmäßige Überbewertung von kleinen
Individuen bei Organismenzählungen und die Überbewertung von großen Organismen bei Abschätzungen von
Biomassen hin. Die Begriffe Diversität und Artenzahl werden dabei oft nicht klar unterscheidenden und oft synonym
verwendet. In der vorliegenden Arbeit beschreibt die Artenzahl die Anzahl der bestimmten Korallenarten. Der Begriff
Abundanz benennt die auf eine Flächen- oder Raumeinheit bezogene Individuenzahl einer Art. Die Ermittlung von
Abundanzen einzelner Korallenarten und ihre Verteilung in einzelnen Riffteilen, Riffkörpern oder Riffgebieten
können auf den Einfluß einwirkender Umweltfaktoren bezogen werden und sind somit von entscheidender Bedeutung
für die ökologische Bewertung der untersuchten Riffkörper. In dieser Arbeit wird im Bezug auf Riffkörper zwischen
artenarm (<10 Arten), mäßig artenreich (10-25 Arten) und artenreich (> 25 Arten) unterschieden. Hierbei
beeinflussen die fossile Überlieferung, Riffgröße, Probenzahl und die Aufschlußverhältnisse die ermittelten Werte
stark (s.o. und Kap. 5.2.1). Aufgrund des äußerst komplexen Zusammenwirken vielerlei Faktoren ist es schwierig,
Verallgemeinerungen über die Ursachen des Artenreichtums zu treffen (ausführliche Diskussion in BEGON et al.
1997). Zum einen werden hohe Artenzahlen bzw. Diversitäten teilweise als Anzeichen über längere Zeit stabiler
Umweltbedingungen bewertet, zum anderen werden gerade Störungen v.a. mittlerer Größe als Ursache hoher Werte
angesehen (intermediäre Störungshypothese; vgl. SOUSA 1984, ZIEGLER et al. 1997). LEINFELDER et al. (1996)
nennen als allgemeine Rahmenbedingungen für hochdiverse Korallenriffe im Oberjura niedere Sedimentationsraten,
normale Salinität, warmes Wasser und Durchlichtung. TILMAN (1993) sieht außerdem eine Erhöhung der Diversität
durch zunehmende Heterogenität des Substrats. TISCHLER (1975) weist auf ansteigende Diversitäten bei biologischer
Kontrolle hin. Die faunistische Unüberschaubarkeit artenreicher Ökosysteme erschwert die Ermittlung von
Diversitäten. Prinzipiell können jedoch auch einzelne Arten oder Taxa (z.B. Korallen) als geeignete Zeiger-
Organismen für ein weit komplexeres Ökosystem herangezogen werden (TISCHLER 1975, SOROKIN 1995, BICK
1998). Im Laufe der Existenz von Artenvergesellschaftungen kann die längere Konstanz von Umweltbedingungen
bzw. Umwelträumen oder Ökosystemen im Laufe der Evolution zu einer zunehmenden Spezialisierung von
Organismen oder Organismengruppen und somit einem Anstieg der Artenzahl führen. (BEGON et al.1997, ZIEGLER
1997). Dies würde bedeuten, daß mit abnehmenden Alter die Diversität der Korallenfauna in langanhaltend von
Riffwachstum geprägten erdgeschichtlichen Zeitabschnitten (Oxfordium bis Kimmeridgium) allgemein ansteigt.
149

LEU II2

AM 2-1
LEU I1

LEU I3

LEU I5

AK 1-1
LFO 1

LFO 2

LL 2

IS1

IS2
Korallenanzahl 164 180 37 37 87 282 156 20 108 53 64

Riffgefüge einheitlich x x x x x x x x

Riffgefüge x x x

Riffläche

Artenzahl 10 20 8 11 25 42 18 8 20 13 11

Shannon-Weaver- 0,6917 0,9738 0,9087 0,9965 1,3199 1,4743 1,0759 0,8326 1.0959 0,9512 0.6855

Simpson-Index 0.7347 0,8924 0,8488 0,8758 0.9378 0,9470 0,8905 0, 835 0,8215 0,8572 0,6924

Eveness 0,6917 0,8435 1,0062 0,9569 0,9221 0,9082 0,8571 0,922 0,8423 0,8539 0,6582

Abb. 36: Diversitätsindizes und Eveness für gleichförmige und ganzflächig beprobte Riffkörper.

Zu den allgemeinen Problemen bei der Bewertung von Diversitäten (s.o.) treten in fossilen Riffen noch weitere
Probleme hinzu, Zum Beispiel erschweren taxonomische Probleme (gerade bei oberjurassischen Korallen; vgl. Kap.
5.2.1), fehlende Überlieferung bzw. Erhaltung der Fauna und ungünstige Aufschlußverhältnisse häufig die Erfassung
der Fauna. Die hohe Artenzahl der schwäbischen Korallenfauna z.B. ist zum einen auf die Großflächigkeit und die
hohe Habitatsdiversität des Schwäbischen Juras zurückzuführen (vgl. Kap. 1.5.3), zum andern auch auf die häufig
außergewöhnlich gute Erhaltung (v.a. Verkieselung ) und die langjährige, intensive Sammeltätigkeit. Eine
umfassende Revision der schwäbischen Korallenfauna in neuerer Zeit steht jedoch noch aus. Die hohe Individuenzahl
der Gattungen Isastrea und Thamnasteria concinna in den oxfordischen Riffbereichen scheint durch die besonders
leichte Bestimmbarkeit beider Gattungen beeinflußt. Innerhalb der einzelnen vorgefundenen Gattungen sind viele, in
der verwendeten Bestimmungsliteratur (vgl. Kap. 1.4) bestehende Arten im Bezug auf die skelettalen
Bestimmungsmerkmale nicht genau voneinander abzugrenzen. Diese Arten sind entweder synonym dar oder sind auf
innerartliche Varianz zurückzuführen (vgl. Kap. 5.2.1). Um den verfälschenden Einfluß dieses Sachverhalts auf die
ökologische Interpretation möglichst zu vermeiden, wurde in dieser Arbeit in diesen Fällen eine Zusammenfassung
mehrerer, bezogen auf die Skelettmerkmale, vergleichbarer Arten auf Artenebene oder die Bestimmung auf Gattungs-
bzw. auch Familienebene angestrebt (vgl. Kap. 7.3). Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß die Untersuchung
vertikaler Aufschlußflächen, die eine geologische Zeitdimensionen verkörpern, meist eine Sukzession aus mehreren
ökologischer Riffstadien wiedergibt, obwohl es für die Ermittlung der Diversität zu einem bestimmten Zeitpunkt der
Riffentwicklung erforderlich wäre einzelne Riffstadien zu erfassen. Die Auswertung von kleinräumigen Auszähl-
flächen dokumentiert hingegen nur örtliche Verhältnisse. Es läßt sich zusammenfassend bemerken, daß die Erfassung
und Berechnung von Diversitäten fossiler Riffe aufgrund methodischer Unterschiede und der geologischen
Zeitdimension meist nur eingeschränkt mit Untersuchungen an rezenten Riffen bzw. Ökosystemen vergleichbar ist.
Die Berücksichtigung dieser Faktoren gibt der Bewertung gut erhaltener und gut bearbeitbarer faunistisch
einheitlicher (LFO 1, 2; LEU I 1; LLE 2; IS 1, 2; AK I 1) oder flächenmäßig und zeitlich erfassbarer Riffkörper (LEU
I 3, 5, 6; LEU II 2; LPA 2; AM II 1 und 2, AK II 2 und 3) die größte ökologische Aussagekraft (vgl. Abb. 39). Bei
150

nicht vollständig oder nur teilweise erfassbaren Riffkörpern ist nur eine vergleichsweise ungenaue und subjektive
ökologische Bewertung möglich, deren Einfluß durch möglichst detaillierte Bearbeitung und hohe Probenzahl
herabgesetzt werden kann. Hier erweisen sich bestimmte Zeigerarten als sehr hilfreich für die ökologische Deutung.

Dominanzen

Als Dominanz einer Art wird ihr Vorherrschen in einer Lebensgemeinschaft eines bestimmten Lebensraumes
bezeichnet. In der vorliegenden Arbeit bezieht sich der Dominanzgrad auf das von Korallen eingenommene Volumen
im Riffkörper (bei ästigen Korallen mit Sedimentvolumen zwischen den Ästen). Je nach dem Grad des Vorherrschens
unterscheidet man Eudominante (stark Vorherrschende), Dominante (Vorherrschende), Rezedente (Zurücktretende)
und Subrezedente (stark Zurücktretende). Herrschen mehrere Arten gleichermaßen vor, so besteht Kodominanz.
Allgemein tereten bei immer extremeren Stressbedingungen zahlenmäßig immer weniger dominante Arten auf, bis
hin zur Eudominanz weniger bis einzelner Arten. Nach SOROKIN (1995) sind innerhalb von flachen Riffbereichen
dominante Arten vermehrt zu flacheren Meeresbereichen hin zu beobachten.
Dominanzen (>20 % Anteil an der Gesamtindividuenzahl) sind in den untersuchten Riffkörpern häufig.
Eudominanzen (> 80 %) sind verbreitet (Abb. 44). Eudominanzen sind hierbei sowohl im den flachsten als auch in
den tiefsten Riffkörpern ausgebildet. An kleinräumigen, vollständig erfassbaren Riffkörpern sind die
Dominanzverhältnisse besonders gut ermittelbar. Bei großen Riffkörpern wird die Bearbeitung von
Aufschlußverhältnissen beeinträchtigt, die eine ganzflächige Untersuchung nicht zulassen. Die Dominanz von
einzelnen Taxa scheint zum einen auf eine besondere Spezialisierung gegenüber Streßfaktoren (z.B. ästige Korallen
bei feinklastischem Streß), zum anderen auf ausgeprägten Opportunismus (z.B. Isastrea) zu beruhen. Letzteres kann
durch verschiedene Zusammenhänge erklärt werden. Einerseits scheinen Opportunisten wechselhafte Bedingungen
bzw. die Änderung verschiedener Faktoren innerhalb von Riffkörpern dauerhafter zu überstehen, andererseits
scheinen sie das gleichzeitige Einwirken verschiedener Streßfaktoren am besten zu bewältigen. Aber auch in
Umwelten mit einem dominierenden Streßfaktor scheinen opportunistische Taxa häufig am besten angepaßt zu sein
(Microsoleniden-Riesenbiostrome, Isastrea-Großbiostrom, Isastrea-Microphyllia-Mittelbiostrome). Kleinriffe und
hier insbesondere Kleindickichte zeigen fast durchwegs deutliche Dominanzen einzelner Arten bis hin zu
monospezifischem Aufbau (z.B. Gonicora-Kleindickichte LPA 2). Dies ist v.a. in der Größe des Habitats, der
Kurzzeitigkeit des Riffwachstums und den kleinräumigen aber konstanten Umweltbedingungen begründet, die
Spezialisten begünstigen. Klar ausgebildete Dominanzen in Großbiostromen zeigen konstante Streßbedingungen
und/oder die Kontrolle durch einen Streßfaktor an (Microsoleniden-Riesenbiostrome). In flacheren Bereichen
scheinen Dominanzen durch die Duldung mehrerer, im zeitlichen Wechsel auf Riffkörper einwirkenden Faktoren
durch einzelne Gattungen begründet (Aplosmilia LPA 1, Isastrea LEU II 2; vgl. Kap. 7.3). Die Ausbildung von
seitlichen Zonierungen und vertikalen Sukzessionen wird ebenfalls durch Änderungen der Dominanzen als Ausdruck
von zeitlich und räumlich wechselnden Umweltbedingungen angezeigt. Das Fehlen oder die nur schwache
Ausbildung von Dominanzen kann am ehesten auf sich stark wechselnde Umweltbedingungen bezogen werden
(ZIEGLER et al. 1997). Hoher Artenreichtum wird oft im gleichem Zusammenhang gesehen (BEGON et al. 1997).
151

7 Beschreibung und ökologische Bewertung der Korallenwuchstypen und Korallenarten

7.1 Beobachtete Trends der Verteilung von Korallenwuchsformen im Bezug auf einzelne Faktoren

Lichteinstrahlung

Die zunehmende Abplattung der Kolonien zu tieferem Wasser hin (vgl. Abb. 38), wie sie in allen Aufschlußbereichen
zu beobachten ist, wird allgemein als Flächenerhöhung zum Ausgleich geringerer Durchlichtung in tieferem Wasser
(> 20-30 m) und damit verbundenen geringeren vertikalen Wachstumsraten angesehen (vgl. u.a. KÜHLMANN 1982,
SOROKIN 1995, GEISTER 1984, Kap. 7.2.1). Dies steht im direkten Zusammenhang zu der Symbiose von Korallen und
photoautotrophen Grünalgen. Im Laufe der Ablagerung kommt es in allen untersuchten Regionen allgemein zu einer
Zunahme von massigen bis halbkugelförmigen und schließlich ästigen und ramosen Wuchstypen. Dies ist in heutigen
Riffbereichen kennzeichnend für flachere Meeresbereiche mit steigenden Wachstumsraten aufgrund erhöhten
Lichtangebots. Derselbe Trend wird allgemein aus anderen oberjurassischen Verflachungsabfolgen beschrieben (vgl.
NOSE 1995, HERMANN 1996). Die Verbreitung der massigen bis kugelförmigen Wuchsformen ist in heutigen Riffen
hauptsächlich an Tiefen geringer als 20 m gebunden, während flächig-fladige Wuchstypen bis in Tiefen von 40 m am
häufigsten sind (GEISTER 1984, VERON 1986). HEAD 1980 (in SOROKIN 1995) beschreibt für sphärische Korallen
einen Anteil an der Gesamtkorallenfauna von 40 % in 40 m und 20 % in 2 m Wassertiefe, für ästige Korallen von 40
% in 26 m und 40 % in 2 m Wassertiefe. Ein entsprechender allgemeiner Trend ist in den untersuchten
oberjurassischen Verflachungsabfolgen festzustellen (Abb. 38). Ein ineffektiveres, symbiotisches Verhältnis Koralle-
Grünalge, wie es LEINFELDER et al. (1996) für einige oberjurassische Korallen vermuten oder erhöhte Nährstoff-
konzentrationen im Meerwasser (vgl. Kap. 7.2.1) könnten den im Vergleich zu heutigen Riffen durchgehend hohen
Anteil flächiger Korallen in vergleichsweise geringen Meerestiefen im Oberjura erklären (s.u.). Besonders geeignet
als bathymetrische Indikatoren sind formveränderliche eurybathe Taxa wie z.B. Microsolena, die bei Abnahme der
Meerestiefe vermehrt massigere Wuchstypen ausbilden (vgl. Abb. 38). Entsprechend beschreibt VERON (1995) für die
„extrem formveränderliche“ rezente Art Montastrea annularis einen zunehmenden Übergang von kugelförmigen
Korallen im Flachstwasser (1 m) hin zu plattigen Formen ab 30 m Wassertiefe. Teilweise sind in den untersuchten
Riffkörpern vom übergeordneten Trend abweichende Abwandlungen der Wuchsform entwickelt, die entweder
spezifische umweltunabhängige Eigenheiten (z.B. Formkonservatismus; vgl. Abb. 41) oder kleinräumige
Umweltbedingungen (z.B. einseitige Strömungsexposition von Riffen) wiederspiegeln.

Wasserenergie

Der einwirkende hydrodynamische Streß wird entscheidend von der Bathymetrie kontrolliert. Mit Verflachung des
Meeres steigt die Wasserenergie an und bewirkt insbesondere bei offener Schelfform eine vertikale Energiezonierung
(vgl. JAMES & BOURQUE 1992). Die Wasserenergie wird weiter durch topographisch-strukturelle und klimatische
Faktoren sowie großräumige ozeanische Strömungsverhältnisse beeinflußt (vgl. Kap. 6.4.3). Die Dominanz von
massigen Korallen in schuttreichen Riffkörpern (z.B. Isastrea-Microphyllia-Mittelbiostrome AK I 1) weist z.B. auf
erhöhte Wasserenergie hin. FROST et al. (1977) beschreiben entsprechend für heutige Riffkorallen bevorzugt massige
bis halbkugelförmige Wuchstypen bei steigender hydraulischer Energie (vgl. Abb. 35). Die große Häufigkeit
strömungsgünstiger, fladiger bis fladig-inkrustierender Wuchstypen wie in heutigen hochenergetischen Flach-
wasserbereichen (z.B. bei Pocillopora; JAMES & BOURQUE 1992), konnte in Euville (LEU II 1) und Lerouville (LLE
1) beobachtet werden. Ästige Korallen zeigen bei hoher Wasserenergie eine Astverkürzung, strömungsgünstige
Astquerschnitte, die Stabilität erhöhende Skelettstrukturen und orientierten Astwuchs (vgl. Kap. 7.2.4). In etwa
horizontal und zueinander parallel verlaufende Äste der ramosen Dendraraea racemosa im ORK von Lothringen
können ähnlich heutigen Korallen (Acropora palmata; vgl. VERON 1995; FROST et al. 1977; VGL. KAP. 7.3), als
strömungsgerichtetes Wachstum gedeutet werden hin.
152

Sedimentstreß
(vgl. Abb. 37)
Eine Anpassung an erhöhten feinklastischen Sedimentstreß stellen Wuchsformen mit wenig horizontalen Oberflächen,
insbesondere ästige und ramose Wuchsformen, aber auch andere Wuchstypen mit konvexen Oberflächen, dar (GREB et al.
1996; vgl. Abb. 37, 38). Diese Formen fördern gravitatives Abgleiten bis aktives Entfernen von Sedimentpartikeln von der
Kolonieoberfläche (BERTLING 1995a). Eine besondere Anpassung stellt nicht umhüllendes Wachstum dar, daß teilweise mit
getreppten Kolonieseitenflächen („rugged margins“; vgl. Abb.19; Taf. 7) verbunden ist (vgl. Kap. 7.2.2). Bei vorherrschend
seitlich gerichtetem feinklastischen Sedimenttransport als einwirkendem Stressfaktor scheinen fladige und einige massige
Wuchstypen (massig-diskusförmige, massige-kegelförmige) besonders günstig. Die geringe seitliche Querschnittsfläche
und der damit verbundene geringe hyraulische Widerstand bedingen ein vergleichsweise nur geringes Abfangen von
Sedimentpartikeln aus der vorbeiströmenden Wassersäule. Dies Eigenschaft wird durch dichtstehende Kolonien weiter
begünstigt (z.B. Riff LLE 1). Bei starker seitlicherVerfrachtung grobklastischem Sediments zeigen massige Kolonien die
höchste Stressresistenz (z.B. Riff AK I 1).

7.2 Diskussion der einzelnen Korallenwuchstypen


(Übersicht vgl. Abb. 22)

7.2.1 Fladige Wuchstypen

Der fladige Korallenwuchstyp ist in allen Aufschlußregionen bathymetrisch durchgehend in sämtlichen Rifftypen
ausgebildet In den bearbeiteten Verflachungsabfolgen tritt diese Wuchsform in den tiefmarinsten Rifftypen (Foug;
Isteiner Klotz IS 1, 2; Arnegg AM I) besonders häufig bis oft dominierend auf und wird allgemein als Anpassung an
geringe Lichtintensität gedeutet. Dieser Wuchstyp zeigt das günstigste Verhältnis Wachstumsdauer/Oberfläche, was
besonders in lichtarmen Meeresbereichen die Aufnahme von Lichtstrahlung maximiert. BRAITHWAITE (1973)
beschreibt „zerbrechliche, blattförmige, streng lichtorientierte Kolonien“ der rezenten Gattung Pachygyra an der
Grenze zur aphotischen Tiefenzone. RIEGL & PILLER (1997) berichten von vermehrt flächigem Wuchs heutiger
faviider Korallen bei abnehmender Lichtenergie. Der fladige Wuchs der, im Oberjura in diesem Tiefenbereich
dominierenden, microsoleniden Korallen macht für LEINFELDER et al. (1996) die Anpassung an eine verstärkt
heterotrophe Ernährung dieser Korallenfamilie in lichtarmen Meerestiefen denkbar. Gestützt wird dies durch den
Rezentvergleich mit Leptoseris fragilis, einer Koralle, die bis in Meerestiefen bis 470 m lebt. Leptoseris besitzt eine,
microsoleniden Korallen vergleichbare, perforierte Skelettstruktur mit Pennulae und Menianen an den
Septalseitenflächen, die einem, der heterotrophen Ernährung dienenden Gastrovaskularsystem als Stützskelett dient
(SCHLICHTER 1992, LATHUILIÉRE & GILL 1995, INSALACO 1996b). Leptoseris weist ebenfalls eine fladig-
tellerförmige Wuchsform auf, die funktionsmorphologisch einer erhöhten Aufnahmefläche von Nahrungspartikeln
zugeordnet werden kann. Häufig bis dominierend in hochenergetischen Bereichen heutiger Riffbereiche (v.a. am
Riffkamm), sind fladige bzw. fladig-inkrustierende Korallen (GOREAU & WELLS 1967, GEISTER 1984, VERON 1995).
Der ökologische Vorteil liegt im geringen Strömungswiderstand dieser Wuchsform bei größtmöglicher Anwachs-
bzw. Liegefläche (vgl. JACKSON 1979). Ähnliche Verhältnisse sind für einige Riffkörper in Lothringen (LEU II 1,
LLE 2) denkbar. Als Anpassung an erhöhte Wasserenergie (und seitlich einwirkenden Sedimentstreß) sind in diesem
Kuppenbiostrom dünnfladig-inkrustierende Kolonien von Pseudocoenia, einer Gattung, die ansonsten nur massig,
kugelförmig oder ramos auftritt, beobachtbar. Pseudocoenia inkrustiert in diesem Fall, im Wechsel mit anderen
Gattungen, z.T. mehrfach dünnfladige Kolonien unter Bildung vom intern lagig „gestapelten“, pseudofladigen
Korallenaggregaten (LEU II 1; vgl. Kap. 2.1.5).
Der fladige Wuchs scheint zudem aufgrund der stabilisierenden Funktion einer großen Koloniefläche das Leben auf
klastischen, unverfestigten Substraten zu begünstigen. Beispiel hierfür sind die Riffkörper LEU I 1, LFO 2, AM II 3.
Besonders gut dokumentiert ist diese Anpassung in der Mischfazies von Arnegg. Dort zeigen geringmächtige
bioklastische Riffkörper (AM II 1 und 2) und Faziestypen durchgehend fladige Wuchsformen, während
153

Mittelbioherme (AM II 3 I und II) in gleicher struktureller Lage einen hohen Anteil an anderen Wuchstypen der
gleichen Taxa aufweisen sobald sie dem grobklastischen Sedimentspiegel entwachsen sind. Im Zuge der
Verflachungsabfolgen nimmt das Verhältnis von Dickenwachstum zu seitlichem Wachstum, entsprechend den
heutigen Riffvorkommen (vgl. Kap. 7.1), bei fladigen Korallenwuchstypen deutlich zu, Gleichzeitig ist ein Rückgang
von fladigen Wuchstypen an der gesamten Korallenfauna festzustellen. Fladige Korallen sind meist der
vorherrschende bis dominierende Wuchstyp in biostromalen Riffkörpern (vgl. Kap. 8.2.2). Formkonservative
Korallen, die fast ausschließlich fladigen Wuchstyp zeigen, sind Isastrea und Fungiastrea (Abb. 41). Meist fladig
wachsen Microsolena, Actinaraea, Thamnasteria, Synastrea und Meandraraea.

Eigenschaft hydraul. physikal. Bewältigung Bewältigung passive Licht-


Bioerosions- Abweidungs Wachstums-
Widerstand Widerstand von von Sediment- absorbtions-
Wuchsform rate -exposition raten
fähigkeit fähigkeit grobkl. feinkl. Stress entfernung fläche
fladig ger-mi mi ho S ger-ho ger ger-ho ho ger-mi ho
massig ger-ho ho mi mi-ho mi ger-ho ho-mi ger-mi mi

kugelförmig ger-ho ho mi mi-ho mi-ho ger-ho mi ger-mi mi

unregelmäßig ger-ho mi mi ho mi ger-ho mi ger-mi mi-ho


ästig ger-(mi) ger ger ho ho ger ger ho ger
ramos ger-(mi) ger ger ho ho ger ger ho mi

Abb. 37: Funktionsmorphologische Interpretation und Wachstumsraten der einzelnen Korallenwuchstypen; ger=gering, mi=mittel, ho=hoch

Wuchsformen des fladigen Wuchstyps: Innerhalb der dünnfladigen bis fladigen Wuchsform deutet insbesondere teller-
bis schüsselförmiger Wuchs mit zentralem Anwachspunkt auf eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber erhöhter
Wasserenergie hin. Dies läßt sich aufgrund der geringen Kontaktfläche zum Substrat sowie der vergleichsweise großen
Angriffsfläche und dem erhöhten Auftrieb bei seitlicher Wasserbewegung begründen. Eine erhabene Lage über dem
Sediment kann hierbei durch das Vorhandensein einer Inkrustiererfauna an den Kolonieunterseiten nachgewiesen werden.
Dies erklärt das vorherrschende Auftreten teller- bis schüsselförmiger (s. Taf. 9), dünnfladiger bis fladiger Wuchsformen in
niederenergetischen Faziestypen (z.B. IS 3, bioklastische Wackestones im Umfeld der Riffkörper von Euville und
Lerouville). SCHLICHTER & BRENDELBERGER (1998) beschreiben für heutige Korallen entsprechend das häufigste Auftreten
von teller- bis schüsselförmigen Korallenkolonien in ruhigen, lagunären oder tiefmarinen Riffbereichen. Ein teilweises
Aufliegen auf dem Sediment ist hierbei aufgrund des Bewuchses der Kolonieunterseiten mit inkrustierenden Organismen
auszuschließen. Untergeordnet treten auch zentral verdickte, diskusförmige oder randlich verdickte Wuchsformen auf. Dies
kann als weitere lagestabilisierende Anpassung an unfestes Schuttsubstrat oder an erhöhte Wasserenergie (z.B. LFO 1, LLE
2) gedeutet werden. Die fladig-viellappige Wuchsform zeigt häufig örtliche bis kolonieweite, lappig-fladige Auswüchse mit
schräg aufstrebender Wuchsrichtung. Diese Auswüchse zweigen allgemein (mit einer vertikalen Komponente) schräg bis
z.T. senkrecht vom Korallenkörper ab. In der Fortentwicklung dieses Wuchses ist nachfolgend oft wieder ein zur
Ausgangskolonie in etwa paralleler Wuchs zu beobachten. Diese beiden Stadien: a) Ausbildung von aufstrebenden
Bereichen und b) Ausbildung großflächiger Kolonieflächen können sich mehrfach wiederholen und führen zum
stockwerksartigen, viellappig-aufstrebendem Wuchs (s. Taf. 9). Diese Wuchsform wird als Versuch zur Erhaltung
einer möglichst großer Kollektorfläche in der Wachstumskonkurrenz zu anderen Kolonien gedeutet (s.u.) und schafft
außerdem viel innere Riffoberfläche und geschützte Riffhohlräume. Möglicherweise haben auch einzelne
Sedimentationsereignisse einen starken Einfluß. Nach GREB et al. (1996) wächst Agaricia im flachen Wasser
„salatkopfförmig“, im tieferen Wasser legen sich die einzelnen „Blätter“ jedoch horizontal. Die allgemeine Neigung
der einzelnen Korallenlappen oder Koloniebereiche scheint demzufolge ein Anzeiger für die Stärke der Lichtstärke
zu sein. Vergleichbare Wuchsformen sind rezent u.a. bei Echinopora, Montipora, Acripora hyacinthus, Leptoseris
hawaiensis, Podabacia crustacea, Oxypora lacera und Agaricia entwickelt (vgl. ERHARDT & MOOSLEITNER 1995).
Echinopora wird sehr treffend auch als „Salatkoralle“ bezeichnet. Viellappiger Wuchs ist ausschließlich bei
154

microsoleniden Korallen, Fungiastrea und Synastrea zu beobachten. Viellappig-aufstrebender Wuchs nimmt in den
untersuchten Riffkörpern oft kleinere bis größere Volumen bis zu mehreren Metern Durchmesser ein. Häufig ist bei
viellappigem und viellappig-aufstrebendem Wuchs, v.a. bei immer großvolumigerem Auftreten keine Unterscheidung von
einzelnen Kolonien mehr möglich, so daß man von monokolonialen Gerüsten oder monokolonialen Boundstones sprechen
kann. Die Einkoloniegerüste zeigen Durchmesser von wenigen Dezimetern bis Metern und bilden örtlich auch ganze
Riffabschnitte bis Riffkörper (IS 2; vgl. Abb. 8; Taf. 8). Ob es bei diesen Einkoloniegerüsten wirklich zum seitlichen
Verwachsen von Kolonien kommt ist jedoch unklar. Die Vielgestaltigkeit des fladigen Korallenwuchses führt zu vielen, oft
nur schwer definierbaren, unregelmäßigen Wuchsformen. Bei allgemeiner Gültigkeit der grundlegenden kontrollierenden
Faktoren für fladiges Wachstum ist eine genaue ökologische Deutung oft schwierig. In flacheren Riffumwelten scheint v.a.
die Raumkonkurrenz zu anderen Korallentaxa eine gewisse Rolle zu spielen. Dies wird durch das flächige Be- oder
Überwachsen anderer Kolonien durch besonders opportunistische Taxa (Microsolena, Thamnasteria) angedeutet.

7.2.2 Massige bis kugelförmige Wuchstypen

Diese Wuchstypen zeigen in allen Aufschlußregionen eine klare Häufigkeitszunahme der Korallenfauna zu
geringeren Meerestiefen hin (vgl. Kap. 7.1, 8.2.1; Abb. 38) und sind in mittleren bis flachen Wassertiefen aller
Aufschlußbereiche allgemein verbreitet bis häufig. Diesen Verhältnissen entsprechen Beobachtungen in rezenten und
fossilen Riffbereichen (vgl. VERON 1995, LEINFELDER et al. 1996). Die Maximierung des Verhältnisses von
Oberfläche zu Volumen wird in den meisten rezenten und fossilen Riffen hauptsächlich als Anpassung an erhöhte
Wasserenergie gesehen (STAFFORD-SMITH 1993, BERTLING 1995a). Massige Wuchsformen sind rezent, entsprechend
den Verhältnissen in den flachmarinen Bereichen von Lothringen und des Isteiner Klotzes, jedoch auch häufig in
ruhigen und schlammigen, lagunären Umwelten anzutreffen (BRAITHWAITE 1973, GISCHLER 1994). In flachmarinen,
lagunären Bereichen von Lothringen und des Isteiner Klotzes zeigt sich innerhalb von Groß- und Mittelbiohermen
(LEU I 2; LEU II 2, 3, 4), Großbiostromen (IS 3), Dickichten (Sorcy Gare II) bis Großdickichten (LPA) sowie in
schlammigen bis bioklastischen Faziesbereichen (Isteiner Korallenkalk, Haudainville) die größte Häufigkeit massiger
bis kugelförmiger Korallen bis hin zur Dominanz (LEU II 2, 3). Der höchste Anteil an massigen bis kugelförmigen
Korallen ist hierbei allgemein in Biohermen festzustellen. Nach BERTLING (1995a) zeigt der massige Wuchstyp
allgemein eine hohe Duldung von erhöhtem Sedimentstress und begünstigt außerdem die Wachstumskonkurrenz bei
allgemein erhöhten Wachstumsraten von Riffkorallen in geringen Meerestiefen. Die konvexe Oberfläche begünstigt
außerdem eine geringere sedimentäre Anlagerung als auch die aktive Entfernung von Sedimentpartikeln. In Arnegg
sind massige Korallen innerhalb der Isastrea-Microphyllia-Mittelbiostrome (AK I 1) Indikatoren für die Einwirkung
von hoher Wasserenergie (vgl. Kap. 9.3) auf diese Riffkörper. Besonders große Kolonien über 50 cm Durchmesser in
diesen Riffkörpern bedeuten einen weiteren Standortvorteil bei erhöhter Wasserenergie (z.B. Stürme; vgl. Kap. 6.4.3;
Taf. 3,5; Tab. 1). Eine Sonderform des kugelförmig Wuchstyps sind kugelige „Korallenaggregate“ bei denen eine
Kolonie vollständig einen Kern, gebildet aus einer anderen Korallenart, schalig umwächst (s. Taf. 12). Den selben
Wuchstyp beschreibt SCHUHMACHER (1991) als „Rollkoralle“ aus heutigen zu Riffbereichen. Die Bildung vollzieht
sich durch das Rollen abgebrochener Korallenfragmente aufgrund einwirkender Wellenbewegung auf dem
Meeresboden. In ruhigen, aber schuttreichen Umwelten (AM II) ist dieser erhöhte Gehalt an massigen bis
kugelförmigen Korallen erst nach einem primären biostromalen Riffstadium mit der biohermalen Erhebung des
Riffkörpers über den Sedimentspiegel bzw. Bodenfrachtteppich festzustellen. In einigen schlammdominierten,
flachmarinen Riffkörpern (LEU I 3, 4; LPA 2, 3) zeigen kleinwüchsige juvenile, massige und kugelförmige Kolonien
eine große Anzahl, sind volumenmäßig jedoch von geringer Bedeutung. Diese kleinwüchsige Korallen stellen schnell
wachsende Opportunisten dar, deren weitere Entwicklung jedoch durch Streßereignisse beendet wird. Die größten
Durchmesser massiger Kolonien erreichen 130 cm in Lothringen (Convexastrea minima; LPA 1) und 100 cm in
Arnegg (Isastrea in AK I 1) auf (s. Taf. 4; Tab. 1).
155

Als häufige Wuchsformen des massigen Wuchstyps treten kegel- und brotlaibförmige Kolonien auf. Kegelförmige
Formen zeigen einen zentralen Anwachspunkt (vgl. Abb. 19; Tab. 9) und sind in verschiedenen tiefen bis mitteltiefen
Riffkörpern allgemein verbreitet. Teilweise ist die Kolonieoberfläche leicht eingesenkt. Aufgrund der kleinen
Anwachsfläche und dem hohen Strömungswiderstand zeigen sie geringere Wasserenergie an. Die im Rognontal
beobachtete ausgelängte, brotlaibförmige Wuchsform wird als Anpassung an gerichtete Wasserströmung gedeutet.
Bei massigen Kolonien ist z.T. umhüllender und nichtumhüllender Wuchs erkennbar (vgl. Abb. 19). Umhüllender
Wuchs zeigt hierbei geringe, nichtumhüllender Wuchs hohe Sedimentationsraten an (vgl. NOSE 1995). Massige bis
kugelförmige Korallen weisen vertikal häufig Übergänge in aufstrebenden, verbreitet in unregelmäßigen oder
aufstrebenden Wuchs auf. Dies steht v.a. im Zusammenhang mit der Änderung bestimmter abiotischen
Umweltfaktoren (Sedimentation, Wasserenergie). Seitlich weisen massige Kolonien z.T. mehrfach Übergänge in
fladige Koloniebereiche auf. Massiger bis kugelförmiger Wuchs ist häufig bei Microphyllia, Meandrophyllia,
Comoseris (s. Taf. 12), Stylina, Actinastrea, Amphiastrea, Allocoenia und Heliocoenia. Häufig massige Wuchsform
weisen Actinaraea, Microsolena und Synastrea auf.

7.2.3 Unregelmäßiger Wuchstyp

Dieser Wuchstyp ist sehr vielgestaltig und sowohl von der Wuchsform als auch von der ökologischen Aussagekraft schwer
zu definieren. Das Auftreten dieses Wuchstyps stimmt in etwa mit dem massiger oder kugelförmiger Wuchstypen überein
(s.o.) und deutet somit auf das Wachstum unter weitgehend entsprechenden Umweltbedingungen hin. Das ungerichtete
Wachstum weist auf sehr gute, das Wachstum allgemein nicht beschränkende Durchlichtung hin (SOROKIN 1995). Diese
Wuchsformen sind in Lothringen v.a. in, schlammigen, lagunären Riffen (ORK, Oberer Korallenkalk Isteiner Klotz) zu
beobachten. Da der unregelmäßige Wuchstyp sich häufig aus massigen bis halbkugelförmigen Anfangsstadien entwickelt,
zeigt er einen gewissen Wechsel der Umweltbedingungen an. Im weiteren Stadium zeigen sich häufig Ansätze bis
Übergänge in aufstrebenden bis ramosen Wuchs. Die steigende Auflösung des einheitlichen Korallenkörpers in einzelne,
vergleichsweise geringvolumige Ausläufer spricht für die Abnahme der Intensität der physikalischen Streßfaktoren (geringe
Wasserenergie, ausreichend Lichtenergie). Denkbar ist auch eine Zunahme des biologischen Stresses im Riffökosystem.
Vor allem der Bewuchs anderer Riffbildner durch unregelmäßig-fladige Kolonien (v.a. Thamnasteria) scheint auf die
Konkurrenz um Lebensraum zu beruhen.

7.2.4 Ästige Korallenwuchstypen

Der ästige Wuchstyp wird in die zwei Wuchsformen ramos und ästig aufgegliedert (s.u.), die grundsätzlich viele
Gemeinsamkeiten im Bezug auf Verbreitung und die ökologisch Aussagekraft zeigen. Der Anteil von ästigen Wuchstypen
an der gesamten Korallenfauna steigt in den untersuchten Riffabfolgen, entsprechend Beobachtungen in heutigen
Riffbereichen mit zunehmender Verflachung der Ablagerungsräume allgemein stark an (vgl. Kap. 7.1; Abb. 35 u. 43).
Größte Häufigkeiten bis Dominanzen zeigen sich in den lagunären, schlammigen Bereichen von Istein und Lothringen, wo
die Riffbildung durch z.T. sehr großflächige Dickichte abgeschlossen wird (vgl. Kap. 8.2.3, 9). Der steigende Anteil ästiger
Korallen in diesen Bereichen mit hohem feinklastischen Streß bezeugt für diese Wuchstypen die höchste Toleranz
gegenüber diesem Faktor (vgl. Kap. 8.2.3, 9.1; Abb. 37, 38). In Arnegg bilden vollständig erhaltene ästige Korallen (v.a.
Latomeandra; s. Taf. 12) nur geringe Anteile an der Korallenfauna bei örtlicher Ausbildung von Kleindickichten. (vgl. Kap.
9.3). Dies ist durch starken grobklastischen Streß und hohe Wasserenergien zur Wachstumszeit erklärbar. Allen ästigen
Korallen gemeinsam ist die vergleichsweise hohe Bruchempfindlichkeit sowie hohe Raten des Längenwachstums. Ästige
Korallenkolonien weisen hierbei mit 13 mm/a die höchsten jährlichen Zuwachsraten auf (vgl. Kap. 7.3). Dieses maximalen
Wachstumsraten können u.a. auf das optimales Lichtangebot in flachem Wasser zurückgeführt werden. Zunehmende
Astdicke, ovale Astquerschnitte, engständige Äste und eine kleine bzw. gedrungene Stockform erhöhen die strukturelle
Festigkeit der Kolonien (vgl. MATTHECK 1993) und zeigen innerhalb des ästigen Wuchstyps erhöhte Widerstandsfähigkeit
156

gegenüber hydrodynamischem Streß an (s.u.). Eine Erhöhung der Festigkeit scheint außerdem durch den Bewuchs und die
Verbindung der Korallenäste durch verkalkende mikrobielle Krusten stattzufinden (vgl. Kap. 5.2.2; s. Taf. 4). Hierauf
weisen u.a. vollständig erhaltene, umgestürtzte ästige Stöcke mit starkem Krustenbewuchs hin (z.B. LPA 1). Geringe
Wasserenergie wird durch dünnästige, locker angeordnete oder sich mit großem Winkel verzweigenden Korallenästen (z.B.
bei Gonicora in Riffkörper LPA 5 (s. Taf. 5) und Cladophyllia) angezeigt. Die hohe Bruchempfindlichkeit erklärt die hohe
Anzahl von Bruchstücken dieser dünnästigen Taxa im Riffbereich (s.u.). In diesem Zusammenhang bemerkt SCHÄFER
(1967), daß ästige Korallen aufgrund der erhöhten Bruchempfindlichkeit in subfossilen Riffen im Vergleich zu ihrem
wirklichen Volumenanteil am Riffkörper, häufig unterrepräsentiert sind.

Abb. 38: A) Ausbildung von Ökomorphen bei oberjurassischen Riffkorallen in Abhängigkeit von der Bathymetrie. I: Stark form-
veränderliche Gattungen; II: Formkonservativ fladige Gattungen; III: Übergeordneter Trend; IV: Ästige und ramose
Gattungen. B) Bathymetrische Verbreitung von Kelchanordnungen (I), Artenzahlen (II; n = niedrig, m = mittelhäufig,
h = häufig) Rifftypen (III) und Rifforganismen (IV).

Ramose Wuchsformen mit flächig die Astoberfläche bedeckenden Kelchen finden sich in Lothringen und Istein,
entsprechend rezenten Beobachtungen (vgl. SOROKIN 1995, Kap. 6.4) meist in flachmarinen Bereichen. Das Auftreten
in meist schlammigen Riffkörpern spiegelt hierbei geringe Wasserenergie und erhöhten feinklastischen Streß wider.
Nur Dendraraea ist auch in tieferen Bereichen (LFO 2, IS 2; Abb. 36) verbreitet. Nach STAFFORD-SMITH (1993)
begünstigen mittlere Sedimentationsraten ramosen Wuchs, nach SOROKIN (1995) sind bei gleichen Kalkbildungsraten
durch ramosen Wuchs größere Wachstumsraten möglich. Die beobachteten Korallen mit ramosem Wuchs beinhalten
auf der einen Seite konservativ ramose Gattungen (Dermoseris, Dendraraea) und auf der anderen Seite
formveränderliche Gattungen (Microsolena, Actinaraea, Stylina, Pseudocoenia, Heliocoenia), die Übergänge in
ramosen Wuchs aufweisen. Während rezent ramose Wuchstypen sowohl bei starken als auch bei niederen
157

Strömungsenergien auftreten (Acropora, Pocillopora), zeigen Übergänge von massigen zu ramosen Wuchs
(Pocillopora) mittlere Strömungsenergien an (FROST et al.1977). Entsprechende Übergänge sind v.a. in Lothringen
verbreitet. Die Bruchempfindlichkeit der ramosen Korallenäste kann durch verschiedene morphologische
Anpassungen vermindert werden (s.o.). Insbesondere Dendraraea (s. Taf. 3, 12) zeigt Anpassungen an erhöhte
Wasserenergie die heutigen ramosen Korallen vergleichbar sind (vgl. Kap. 7.3). Die hohe hydrodynamische
Widerstandskraft von ramosen Wuchsformen wird durch die vergleichsweise geringe Häufigkeit von Bruchstücken
dieses Wuchstyps in allen Aufschlußregionen bezeugt. Dies wird zusätzlich durch die beobachtete, meist randliche
Zerbohrung der massiven Äste unterstützt, die ein stabiles „Kerngerüst“ der Korallenäste hinterläßt. Subparalleles,
steil aufstrebendes Wachstum der Äste bei ramosen Korallen ist Anzeiger für erhöhten feinklastischen Streß.
Dichtstehende Äste und gedrungene Stockformen zeigen erhöhte Strömungsenergien an (s.o.). Allseitig flach bis
mittelsteil aufstrebende, ramose Korallenäste sind Anzeiger geringer Sedimentationsraten und Wasserenergie.
Eine Sonderform ramosen Wuchses ist das pseudoramose Wachstum (NOSE 1995, 1999). Bei dieser Wuchsstrategie
wächst die Korallenkolonie nicht flächig über den gesamten Korallenast, sondern nur am äußersten Astende. Dies
geschieht in Form lagenweise aufeinanderfolgender, nicht umhüllender, fladiger Einheiten (s. Taf. 12). Diese
Anpassung ist im gesamten Untersuchungsgebiet bei Thamnasteria concinna und Microsolena verwirklicht (vgl. Kap.
7.3). Pseudoramose Ökomorphen von Thamnasteria zeigen hierbei mit 11 mm/a die höchsten ermittelten jährlichen
Zuwachsraten aller untersuchten massiven Kolonien.
Ästige Wuchsformen sind rezent und fossil charakteristisch für flachmarine Umwelten (s.o.). Die hohe
Bruchempfindlichkeit, die hohen Wachstumsraten, die häufige Assoziation mit aufstrebenden und ramosen Korallen
sowie die meist mikritische Grundmasse in den untersuchten Vorkommen sprechen für das Wachstum in
niederenergetischen Umwelten mit erhöhtem feinklastischen Streß. Hierbei scheinen die hohen Wachstumsraten
weniger dem „Entkommen“ vor einem steigenden Sedimentspiegel zu dienen, sondern vielmehr um bodennah
konzentrierten Streßfaktoren (v.a. Suspensionsfracht) auszuweichen. Die günstigen Eigenschaften endständiger
Kelche zur Sedimententfernung spielt eine entscheidende Rolle bei der Duldung erhöhten feinklastischen Stresses
(vgl. Kap. 5.2.1). Ästige Korallen zeigen grundsätzlich eine große Empfindlichkeit gegenüber hoher Wasserenergie,
die jedoch innerhalb einer bestimmen Spannbreite durch bestimmte konstruktionelle Anpassungen modifiziert werden
kann (s.o.). Es kann zwischen dendroidem (ästig-verzweigendem) Astverlauf mit großem Knospungswinkel und
phaceloidem (ästig-gleichgerichtetem) Astverlauf mit kleinem Knospungswinkel unterschieden werden. In den
flachmarinen Umwelten von Lothringen ist mit abnehmender Wasserenergie eine zunehmende Häufigkeit von
dendroiden Formen und großen Knospungswinkeln zu beobachten, in Istein hingegen überwiegen phaceloide
Formen. Die sehr häufig bruchstückhafte Überlieferung spricht für ein Wachstum ästiger Korallen in geschützen
oder ruhigen Bereichen mit zeitweiser Erosion durch erhöhten hydrodynamischen Streß. Vollständige dünnästige
Kolonien sind allgemein charakteristisch für sehr niederenergetische Bereiche und werden schon, im Vergleich zu
dickästigeren Wuchsformen, bei vergleichsweise schwacher Erhöhung der Wasserenergie zerstört. Entsprechende
Beobachtungen in heutigen Riffen macht SCHÄFER (1967). Ganze Kolonien besonders bruchempfindlicher Taxa
(Calamophylliopsis flabellum, Thecosmilia, Goniocora, Stylosmilia) sind deshalb gut geeignete Anzeiger für
niederenergetische Riffumwelten (vgl. Kap. 7.3). Kleinvolumige ästige Kolonien mit engständigen Ästen und
gedrungener Form kann, entsprechend Rezentbeobachtungen im Roten Meer (SCHÄFER 1967), eine hohe
Widerstandskraft gegenüber hydrodynamischem Streß zugeordnet werden. Diese Kolonien bleiben oft auch
umgekippt als Einheit erhalten. Ästige Korallenstöcke zeigen als strukturelle Anpassungen an erhöhte
Wasserenergie große Astdurchmesser (z.B. Aplosmilia, Donacosmilia), ovale Astquerschnitte (Aplosmilia,
Dermosmilia), eine engständige Astanordnung oder festigende Längsstrukturen (z.B. Rippen und intracalincale
Röhren; vgl. Kap. 7.3; Taf. 2). Die Annäherung von Korallenästen kann bis zur Berührung der einzelnen Äste
gehen, die dann teilweise mehrfach palisadenförmig („Pallisadenwuchs“) in Reihen angeordnet sind. Diese
Astreihen verleihen den beteiligten Ästen eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber erhöhter Wasserenergie.
158

Eine Ausrichtung der „Korallenpallisaden“ gegen die vorherrschende Strömung kann als erheblicher
Stabilitätsgewinn gedeutet werden und ist gleichzeitig zur Ermittlung der Strömungsrichtung nutzbar.
Pallisadenwuchs wurde bei Thecosmilia trichotoma (IS 4) und Dendraraea racemosa (LEU I 5) beobachtet.
Aufwüchse von mikrobiellen Krusten an ästigen Korallen sind häufig und oft besonders voluminös ausgebildet, können
aber auch weitgehend fehlen. Die Ansiedlung mikrobieller Krusten wird allgemein durch den erhabenen Wuchs ästiger
Kolonien gefördert; Geringe Astabstände (z.B. Wachstum von mikrobiellen Krusten v.a. in Astgablungsbereichen)
begünstigen das Wachstum außerdem. Hierbei ist ein allmähliches „Nachrücken“ der mikrobiellen Krusten entsprechend
dem Astwachstum denkbar. Diese Art des nachrückenden Wachstums könnte in direktem Zusammenhang die geringe
Zerbohrungsrate von ästigen Korallen begründen. Eventuell stabilisieren mikrobielle Krusten durch die Bildung von
„Brückenstrukturen“ (s .Taf. 4) und durchgehenden Astverbindungen das Korallengeäst und erhöhen die
Widerstandsfähigkeit gegen mechanischen Streß (vgl. Kap. 5.2.2). Da derartige Krustenaufwüchse in den untersuchten
Riffbereichen jedoch selten mit höherenergetischen Faziesmerkmale verbunden sind und katastrophale Sturmereignisse
ästige Kolonien ohne Unterschied auf vorhandenen Krustenbewuchs kappen, scheint jedoch nur eine geringe festigende
Wirkung durch den Bewuchs von mikrobiellen Krusten stattgefunden zu haben. Der Anteil von ästigen Korallen an der
gesamten Korallenfauna steigt in den untersuchten Riffkörpern, von tieferen zu den flacheren Riffbereichen hin stark an.
In Lothringen und am Isteiner Klotz wird die Riffbildung durch z.T. sehr großflächige Dickichte (Pagny sur Meuse,
Sorcy Gare II, Istein) abgeschlossen. In Arnegg zeigen ästige Korallen keine charakteristische Verteilung bei allgemein
geringer Verbreitung. Monospezifisch von Latomeandra plicata gebildete Kleindickichte (AK II 2) bezeugen für diese
Art ein gewisse Duldung von grobklastischem Sedimentstreß und erhöhter Wasserenergie.

7.2.5 Fächerförmige Wuchstyp und Einzelkorallen

Dieser Wuchstyp zeigt die Anordnung von endständigen, voneinander nicht getrennten Kelchen auf einer Linie.
Fächerförmige Kolonien (Rhibidogyra) sind innerhalb flachmariner, schlammiger Bioherme des ORK vereinzelt.
Dies, die erhabenen Kelche und die hohe Septenzahl weisen auf eine hohe Toleranz gegenüber erhöhtem
feinklastischen Streß in flachmarinen Umwelten hin. Einzelkorallen sind selten bis verbreitet bei stets untergeordneter
Wichtigkeit für die Riffbildung.

7.3 Ökologie und Verbreitung wichtiger Korallentaxa


(vgl. Abb. 38, 41; Tab. 1)

Actinaraea ist in allen Aufschlußregionen verbreitet bis häufig und zeigt v.a. eine eurybathe Tiefenverteilung mit einer
Abnahme der Häufigkeit bei zunehmendem klastischen Streß. Das Wachstum von Actinaraea setzt erst im Laufe des
Wachstums der tiefmarinsten Microsoleniden-Biostrome ein und ist in den folgenden flacheren Riffkörpern verbreitet.
Besonders häufig ist Actinaraea im mittleren Teil der Mischfazies von Arnegg (AM II; s. Taf. 12). Der Wuchstyp ist meist
fladig bei vorwiegend dünn- bis dickfladiger Wuchsform. Tellerförmige Kolonien sind häufig. Aufstrebender Wuchs bis
hin zu ramosen Kolonieteilen (Actinaraea robusta, Actinaraea minima) ist in schlammigen Umwelten verbreitet und kann
als Anpassung an längerfristig erhöhten feinklastischem Streß gedeutet werden (vgl. Kap. 7.2.4). Actinaraea ist
insbesondere typisch für Pionierassoziationen von schlammreichen Biohermen und Dickichten des ORK von Lothringen
(LEU I 5, LEU II 2, 3) und tritt in der weiteren Sukzession dann verbreitet inkrustierend auf anderen Korallen auf.

Actinastrea (s. Taf. 12) ist im Lothringen kennzeichnend für sehr flachmarine Umweltbereiche und ist dort vereinzelt
bis verbreitet. Actinastrea zeigt eine hohe Toleranz gegenüber feinklastischem Streß, u.a. dokumentiert durch die
hohe Formveränderlichkeit und den vorwiegend kugelförmigem bis ramosem Wuchs. Die meist kleinvolumigen
Kolonien dokumentieren nur kurzzeitiges, opportunistisches Wachstum. Im Iberischen Jura beschreibt NOSE (1995)
Actinastrea in hochenergetischen Flachwasserbereichen.
159

Amphiastrea piriformis ist auf flachste, lagunäre Bereiche beschränkt. Im Bereich des Isteiner Klotzes tritt sie
horizontgebunden zum Abschluß des Korallenwachstums auf, im ORK von Lothringen in sehr flachmarinen
Riffkörpern (LPA 1). Die Kolonien sind allgemein locker verstreut auf schlammigen Sedimentflächen angesiedelt
und zeigen stets massigen Wuchstyp. Nach WERNER (1986) und NOSE (1995) ist Amphiastrea piriformis typisch für
bewegtes Flachwasser und toleriert Salinitätsschwankungen.

Aplosmilia (s. Taf. 4, 9) ist die charakteristische Koralle der jüngsten schlammdominierten Riffbereiche von Lothringen
und Istein. Aplosmilia scheint am besten an die zeitweilige Resuspension von feinklastischem Material und eine damit
gleichzeitig verbundene erhöhte Hydrodynamik angepaßt zu sein. Aplosmilia dominiert in den flachmarinen
Ablagerungen des ORK von Lothringen Riffkörper (LPA 1; s. Taf. 4; LSG II) mit entsprechenden Bedingungen. Sie ist
in nahezu allen Riffen dieser Bereiche mit großen, phaceloiden Stöcken zu beobachten. In Pagny sur Meuse dominiert
Aplosmilia 10 m mächtige, schlammige (stratigraphische) Riffkörper mit einem zusammenhängenden Volumen von
mindestens 600000 m3. Als Anzeiger von sehr günstigen Wachstumsbedingungen ist die, für alle untersuchten
Korallengattungen maximale, Wachstumsrate von bis zu 13 mm/ Jahr (nach GEISTER & LATHUILIÉRE 1991) zu
bewerten. Der direkte Aufwuchs als Pionierfauna an sturmbedingten Diskordanzflächen (Pagny sur Meuse, Sorcy
Gare II) wird ebenfalls durch hohe Wachstumsraten begünstigt. Aplosmilia-Äste weisen einen strömungsgünstigen,
flachovalen Astquerschnitt sowie dickästigen Wuchs zwischen 1,2 und 2,1 cm Durchmesser auf. Für eine zusätzliche
Versteifung der Korallenäste sorgt eine ausgeprägte Längsberippung und ein dazu paralleles intrathekales
Röhrensystem (s. Taf. 5). Dieses Konstruktionsprinzip erhöht nach GORDON (1989) die Bruchfestigkeit stabförmiger
Körper deutlich. Die hohe Stabilität von Aplosmilia spiegelt sich auch in der geringen Verbreitung von Bruchstücken
im gesamten Riffbereich und dem körperlichen Zusammenhalt umgekippter Stöcke wider. Dies wird teilweise sicher
durch astverbindende mikrobielle Krusten begünstigt. Das einseitige Auftreten von Aplosmilia in Randbereichen von
einzelnen Mittelbiohermen und Riffknollen (LEU I 4, LEU II 2, 3, LSO II) wird als Pionierbesiedlung gedeutet. Erst
das Wachstum von Aplosmilia ermöglicht hier durch eine kleinräumige Änderung der Umweltbedingungen
(Sedimentschatten, Strömungsschatten, Schaffung von Hartsubstrat) die nachfolgende Riffbildung durch Folge-
sukzessionen. Aplosmilia weist allgemein niedrige bis mittlere Zerbohrung hauptsächlich von Bohrschwämmen auf.

Calamophylliopsis ist in flachmarinen, lagunären Habitaten weitverbreitet. Zu größeren Wassertiefen hin sind sind
ausschließlich Bruchstücke zu beobachten. Calamophylliopsis flabellum ist in lagunären Riffkörpern zerstreut und
bildet dort örtlich auch monospezifische Dickichte. Ähnliche Riffkörper beschreiben WERNER (1986) und NOSE
(1995) aus dem Iberischen Oberjura. Die gedrungen Stöcke von Calamophylliopsis stockesi und Calamophylliopsis
moreauna sind bereichsweise verbreitet bis vereinzelt. Die meist bruchstückhafte Überlieferung von
Calamophylliopsis flabellum (s.Taf.6) bezeugt die hohe Empfindlichkeit gegen hydrodynamischen Streß. Die
phaceloide Wuchsform kann als Anpassung an erhöhte Sedimentationsraten gedeutet werden.

Convexastrea (Convexastrea semiradiata, Convexastrea meriani, Convexastrea minima) tritt in Lothringen


durchgehend, in Arnegg (Convexastrea sexradiata) von der Mischfazies (AM II) an auf. Convexastrea ist meist
selten, örtlich jedoch verbreitet. Bemerkenswert ist das vereinzelte Vorkommen von Convexastrea meriani in den
initialen Riffbildungen von Lothringen (LFO 1). Innerhalb des schlammigen Korallen-Mikrobolith-Großdickichtes
LPA 1 sind teilweise sehr großvolumige (bis 150 cm Durchmesser), massige Kolonien von Convexastrea minima
anzutreffen, die im Riff lagenweise angeordnet sind. Convexastrea ist weitgehend synonym den Gattungen
Adelocoenia (BEAUVAIS 1964) oder Solenocoenia (RONIEWICZ 1976). Über die Zuordnung zur jeweiligen Gattung
herrschen jedoch sehr uneinheitliche Ansichten.

Cyathophora ist in korallendominierten, flachmarinen Bereichen örtlich verbreitet (ORK Lothringen mit
Cyathophora faveolata) oder verbreitet bis häufig (Korallenfazies Arnegg; Cyathophora bourgueti, Cyathophora
160

sexradiata). In Arnegg zeigt Cyathophora in schuttreichen Riffkörpern und Riffsedimenten massige Kolonien.
Ausnahmsweise findet sich die Art wohl aufgrund des gravitativen Transports aus topographisch höheren,
flachmarineren Bereichen in den älteren, tiefermarinen Einheiten der Mischfazies (AM I). In Lothringen zeigen sich
dünnfladige bis fladige Kolonien von Cyathophora in schlammigen Biohermen (LEU I 2, LEU II 3) und Biostromen
(LEU II 1) des ORK. Verwechslungsmöglichkeiten und taxonomische Überschneidungen bestehen v.a. mit
Pseudocoenia.

Die ramose Dendraraea racemosa ist typischer, teilweise dominierender Faunenbestandteil der jüngsten schlam-
migen Riffkörper des ORK von Lothringen und des Korallenkalkes von Istein (vgl. Kap. 9; Taf. 1, 2, 12). In Istein ist
die Art in den Großbiostromen und Dickichten des gesamten Korallenkalkes verbreitet bis häufig, ohne dabei größere
durchgehende Riffvolumen aufzubauen. Ihr bathymetrisch tiefstes Auftreten ist in den mergeligen Microsoleniden-
Großbiostromen von Foug (LFO 2) und Istein (IS 2) zu beobachten, wo sie geringmächtige Horizonte dominiert. Im
Bereich von Euville dominiert Dendraraea schlammige Mittelbioherme (LEU I 4, 5). Der Wuchs von Dendraraea
zeigt Anpassungen an gerichtete oder erhöhte Strömung ähnlich heutigen ramosen Korallen (Acropora palmata; vgl.
FROST et al. und SOROKIN 1995). Weitere Anpassungen an erhöhte Wasserenergie sind abgeplattete Astquerschnitte,
eine flach geneigte bis horizontale Ausrichtung der Äste und die parallele Anlagerung einzelner Äste (Floß- bzw.
Pallisadenwuchs) zur Verminderung des Strömungswiderstandes und der gegenseitigen Festigung. Die Äste zeigen
parallel aufstrebende (phaceloide), unregelmäßige und horizontale Verläufe. Phaceloider Wuchs von Dendraraea
stellt hierbei, bei meist vergleichsweise weitständiger Astanordnung, eine Anpassung an hohe Sedimentationsraten
und niedere Wasserenergie dar. Bemerkenswert ist eine wenige Zentimeter mächtige Lage von abgeplatteten,
bodenparallelen Ästen von Dendraraea in den älteren Bereichen des Riesenbiostromes LFO 2. SOROKIN (1995)
beschreibt die gleiche Wuchsform bei rezenten ramosen Korallen als Anpassung an geringe Durchlichtung bei
geringer Sedimentation. Die rezent bei Acropora palmata beobachtete Fähigkeit zu regenerativem Wuchs von
Astbruchstücken ist bei Dendraraea ebenfalls zu beobachten (vgl. Kap. 3.5.3). Dieselbe Beobachtung macht
LATHUILIÉRE (1998).

Dimorpharaea weist eine eurybathe Tiefenverteilung auf. Das Wachstum setzt an der unteren bathymetrischen
Verbreitungsgrenze von Korallen ein. Dimorpharaea dominiert hierbei in Meerestiefen unterhalb der
Schönwetterwellenbasis biostromale Riffkörper (LFO 1, AM I 1, AM II 1,2). Dies weist auf einen geringen Licht-
bedarf, eventuell ermöglicht durch verstärkte heterotrophe Ernährung (vgl. Kap. 6.4.6) hin. Außerdem scheint die
Gattung vergleichsweise niedere Wassertemperaturen zu tolerieren (vgl. Kap. 9.1.1, 9.2). Die große Häufigkeit von
fladigen bis viellappig-aufstrebenden Wuchsformen ist Ausdruck des Bestrebens zur Ausbildung möglichst großer
horizontaler Kollektorflächen für Licht, aber auch für gelöste und partikuläre Nahrung. Die geringe Durchlichtung der
Habitate von Dimorpharaea wird durch die vorwiegend fladige Wuchsform dieser Gattung wahrscheinlich. Im
Bereich des Unteren Korallenkalkes von Istein sind möglicherweise großvolumige monokoloniale Dimorpharaea-
Gerüste von vielen bis hunderten von Kubikmetern entwickelt (vgl. Kap. 7.2.1; s. Taf. 8). Mit zunehmendem
klastischen Streß und zunehmender Verflachung des Meeres nimmt der Anteil von Dimorpharaea in Riffkörpern ab.
Ohne die Erhaltung größerer Kelchflächen ist die Unterscheidung von Microsolena (Dimorpharaea mit Zentralkelch
und konzentrisch angeordneten nachfolgenden Kelchreihen) nur sehr schwer möglich.

Die Seltenheit in den tiefsten Riffkörpern und das verbreitete bis häufige Auftreten in mittleltiefen bis flachen
Meeresbereichen zeigt für die Gattung Fungiastrea (s.Taf. 12) einen, im Vergleich zu den am tiefsten auftretenden
microsoleniden Korallengattungen (s.u.), erhöhten Lichtanspruch an. Das größte Häufigkeit ist hierbei in Riffkörpern
mittlerer Tiefenbereichen festzustellen. Das Vorkommen sowohl in bioklastischen als auch in schlammdominierten
Umwelten zeigt die durchgehend große Toleranz gegenüber klastischem Streß an. Vor allem in schutt-reichen
Riffkörpern ist sie microsoleniden Korallen assoziert, mit denen sie die Korallenfauna dann häufig dominiert. Der
161

FOUK KM
FOUG KK
FOUG ONK
SORCY G.I
SORCY G.II
EUVILLE
P. S/ MEUSE
LEROUVILL
A. LA FORÊT
HAUD.VILLE
ROGNONTA
ISTEIN KM
ISTEI KU
ISTEIN KK
ISTEIN KO
ARNEGG AM
ARNEGG AK
Actinastrea crasso-ramosa O O O O O O O
Actinaraea granulata O O O O O O
Actinaraea minuta O O ? O
Actinaraea sp. O O O O O O
Allocoenia trochiformis O O O O O O
Amphiastrea piriformis ? O O O
Aplosmilia aspera O O
Aplosmilia semisculata
Aplosmilia sp. O
Aulophyllia cylindrica ?
Axosmilia sp. O O O O
Brachyseris sp. O
Calamophylliopsis flabellum O O O O O O O O
Calamophylliopsis moreauna O O
Calamophylliopsis cervina O O
Calamophylliopsis stockesi O O O O O
Cladophyllia dichotoma O O O O O O O
Clausastrea parva O O O O O O O
Clausastrea pseudoconfluens O O
Comophyllia sp. O O
Comoseris baltovensis O
Comoseris minima O O O O O O O O O O
Comoseris sp. O O
Convexastrea meriani O O ? O O
Ettalonasteria minima O
Convexastrea semiradiata ? O
Convexastrea pseudoconfluens O
Convexastrea meriani O O O
Cyathophora faveolata O O O
Cyathophora sexradiata O O O O O O
Dendraraea racemosa O O O O O O O O O O O O
Dermoseris sp. O O O O O O
Dermosmilia crassa O O O O O O O
Dermosmilia laxata O O O O O
Dermosmilia simplex O O O O
Dimorpharaea expansa O O O O
Dimorpharaea koechlini O O O O O ? O ? O O O
Diplaraea arbuscula O
Diplaraea elegans O O
Diplocoenia sancti-mihieli O
Donacosmilia corallina O O ? O
Enalhelia sp. O O O O
Enalhelia elegans O
Epistreptophyllum sp. O O
Fungiastrea arachnoides O O O O O O O O O O O O O
Fungiastrea gilleroni O O O O O
Fungiastrea pseudoarachnoides O Q
Gonicora pumila O O O O O O O O ?
Gonicora annulata O O
Heliocoenia corallina O O O O O
Heliocoenia costulata O
Heliocoenia variabilis O O O O O
Isastrea O O O O
Isastrea gresslyi/bernensis/crassa/helianthoides O O O O O O O
Latiphyllia langi O
Latiphyllia suevica O O
Latomeandra fromentelli O O O
Latomeandra plicata O O
Meandraraea gressly O O O O O O
Meandrophyllia amedei 7 O
Meandrophyllia corrugata O O O O O O
Mesomorpha simonescu O O O O O O O O O
Microphyllia meandroides O
Microphyllia minima ? O
Microphyllia undans O
162

FOUK KM
FOUG KK
FOUG ONK
SORCY G.I
SORCY G.II
EUVILLE
P. S/ MEUSE
LEROUVILL
A. LA FORÊT
HAUD.VILLE
ROGNONTA
ISTEIN KM
ISTEI UKK
ISTEIN MKK
ISTEIN OKK
ARNEGG AM
ARNEGG AK
Microphyllia sp. ?
Microphyllia soemmeringi ? O O O
Microsolena .sp. O O O O O O O O O O O O O O O O O
Microsolena caesaris O O O O O O
Microsolena mosensis O O O O O O O O O ?
Microsolena ornata O O O O
Microsolena sinuata O O ? O
Microsolena thurmanni O O O O O O O O O O O O
Microsolena exigua O O O O O O O O O
Microsolena edwardsi O
Microsolena agariciformis O O
Microsolena fromentelli O O
Microsolena julii O O O
Microsolena tuberosa O ?
Mitodendron ogilvae O O O O
Montlivaltia sp O O O O O O O O O O
Parepismilia sp. O O
Placophyllia sp. O O O
Plesiosmilia compressa O O
Psammohelia gibbosa O
Pseudocoenia beskidena O O O O
Pseudocoenia cf. baltovensis O O ?
Pseudocoenia cf. slovenica O O O O
Pseudocoenia decepiens O
Pseudocoenia fallax O
Pseudocoenia fromentelli O O O O
Pseudocoenia hexaphyllia O O O
Pseudocoenia limbata O O O O
Pseudocoenia octonaria O O
Pseudocoenia radiensis O O ?
Pseudocoenia sp. O O
Pseudocoenia splendens O
Pseudocoenia suboctonis O
Pseudocoenopsis longisepta O O
Rhibidogyra flabellum O
Stylina decepiens O
Stylina deluci O
Stylina limbata O O O O
Stylina microcoenia O O ?
Stylina paviramosa O
Stylina sp.
Stylina stellata O
Stylina subramosa O O
Stylina tubulifera O O O O
Stylohelia conferta O O
Stylosmilia corallina O O O
Stylosmilia michelini O O O O O O O O O O O O ?
Synastrea delemonta O O O O O O O O
Synastrea dubia O O O O O
Synastrea multicincta O O O
Synastrea perroni O O
Synastrea sp. O O O O O O O O O O
Thamnasteria concinna O O O O O O O O O O O O
Thamnasteria gracilis ? O
Thamnasteria moreana O O O O O O O O O O O O O
Thecosmilia dichotoma/trichotoma O O O O O O O
Thecosmilia minuta O O
Thecosmilia occulata O
Trocharaea sp. O

Abb. 39: Korallentaxa der einzelnen Lokalitäten in Lothringen, der Subformationen des Isteiner Klotzes und
der korallenführenden Fazieseinheiten des Arnegger Aufschlußbereiches.
163

Formkonservativismus dieser Gattung mit durchgehend fladigem Wuchstyp weist in Zusammenhang mit den häufig
sedimentgestressten Habitaten auf das Vorhandensein von aktiven Reinigungsmechanismen zur Sedimententfernung
(vgl. Kap. 7.2.1) hin. Auf klastischem, unfesten Untergund ermöglicht der fladige Wuchstyp die Lagestabilisation der
Kolonien. Viellappig-aufstrebender Wuchs ist häufig und dient wahrscheinlich der Aufrechterhaltung einer möglichst
großen Kollektorfläche und dem Entwachsen über den Sedimentspiegel (vgl. Kap. 7.2.1). Die taxonomische
Zuordnung zu Fungiastrea oder Synastrea wird aufgrund vergleichbarer Merkmale von verschiedenen Autoren oft
uneinheitlich gehandhabt. Eine genaue Trennung der Gattungen ist jedoch meist möglich.

Heliocoenia tritt in Lothringen und am Isteiner Klotz mit drei Arten (Heliocoenia variabilis, Heliocoenia corallina,
Heliocoenia costulata) auf. Heliocoenia variabilis ist die häufigste Art und in beiden Aufschlußregionen
festzustellen. Die beiden anderen Arten konnten nur in Lothringen festgestellt werden. Heliocoenia ist allgemein auf
die flachsten, schlammigen Riffkörper und Riffbereiche beschränkt. Die Wuchstypen sind massig (Heliocoenia
variabilis, Heliocoenia costulata) bis ramos (Heliocoenia variabilis, Heliocoenia corallina) und begründen die
Toleranz gegenüber erhöhtem feinklastischem Streß. Die Koloniedurchmesser liegen häufig über 10-20 cm und gehen
bis 35 cm. Heliocoenia meidet klastische Bereiche und zeigt meist geringe bis mittlere Zerbohrungsraten.

Isastrea (s. Taf. 12) läßt neben den microsoleniden Korallen die größte bathymetrische und ökologische
Anpassungsfähigkeit erkennen. Bemerkenswert ist ihre große Verbreitung und Häufigkeit in allen Aufschluß-
regionen. Isastrea fehlt anfangs nur in den Korallengemeinschaften der initialen Microsoleniden-Biostrome, erscheint
aber nach „kurzer“ Zeit mit meist schnell ansteigender Abundanz. Dies kann auf einen Mindestanspruch an
Lichtintensität zurückgeführt werden. In Bereichen, in denen geringe Durchlichtung mit klastischem Streß verbunden
ist (AM II), scheint Isastrea jedoch zunehmend konkurrenzfähig. TAKACS (in Vorb.) beschreibt als Hinweis auf
geringen Lichtbedarf an fladigen Isastreen aus oxfordischen Microsoleniden-Riesenbiostromen der Nordschweiz
(Liesbergschichten) die Ausbildung von Kelchen an den, von der Lichteinstrahlung abgeschirmten,
Kolonieunterseiten (TAKACZ in Vorb.). Isastrea zeigt ebenso eine hohe Unempfindlichkeit gegenüber erhöhter
feinkörniger Sedimentation, angezeigt durch die große Verbreitung in den untersuchten flachmarinen und
schlammigen Riffumwelten des mittleren Oxfordiums. Das Auftreten von Isastrea in Flachstwasser beschreiben
ebenfalls HELM & SCHÜLKE 1998 aus dem norddeutschen Oberjura. In den schlammreichen jüngsten Riffbildungen
des ORK von Lothringen und des Isteiner Klotzes ist Isastrea selten bis häufig, teilweise auch dominierend (Isastrea-
Großbiostrom LLE 2, Styliniden-Isastrea-Mikrobolith-Mittelbioherm LEU II 2; s. Taf. 6). Sehr häufig ist Isastrea
außerdem im Mittleren Korallenkalk (IS 3) und in schuttreichen Biostromen der Mischfazies von Arnegg (AM II 2).
BERTLING (1993a) erklärt die hohe Toleranz gegenüber Sedimentation durch günstige Kelchparameter (große,
septenreiche und flachgründige Kelche; vgl. Abb. 35). Die fast durchgehend fladigen Wuchsformen der sehr
formkonservativen Gattung deuten auf aktive Reinigungsmechanismen (z.B. Schleimabsonderung) hin, die Isastrea
zu einer konkurrenzstarken Gattung in sedimentgestressten Umwelten machen. Der seltene Bewuchs durch
mikrobielle Krusten oder der geringe „Befall“ durch Bohrorganismen steht wohl ebenfalls im Zusammenhang mit
„reinigenden“ (endo- oder exogenen) Mechanismen. Die Korallenform von Isastrea ist, unabhängig von der
Bathymetrie, in Lothringen und Istein in der Regel fladig bis dickfladig, sehr selten massig. Teller- bzw. schüssel-
förmige Kolonien sind häufig. Eine massig-aufstrebende Wuchsform wurde nur einmal in den jüngsten schlamm-
dominierten Riffbildungen von Euville II beobachtet. Das Dickenwachstum erhöht sich in Lothringen und am Isteiner
Klotz mit fortschreitender Verflachung des Ablagerungsraumes, jedoch in weit geringerem Maße als bei anderen
eurybathen Gattungen. Die Isastrea-Microphyllia-Mittelbiostrome (AK I 1) der Korallenfazies von Arnegg zeigen im
Gegensatz zu allen anderen untersuchten Riffkörpern ausschließlich massige Wuchsformen (s. Taf. 11). Dies scheint
im direkten Zusammenhang mit erhöhtem klastischen Streß im Bereich dieser Riffkörper zu stehen. Eine
Wachstumsbänderung kann nur in Einzelfällen (LEU II 3, 2mm/a) beobachtet werden. Sie entspricht ungefähr
164

Messungen aus anderen Regionen (2-3 mm/a nach GEISTER 1989; 2,4-4,8 mm/a nach ALI (1984). Isastrea weist
häufig sehr voluminöse Kolonien auf. Schon im URK von Lothringen werden 110 cm Durchmesser erreicht, in
Arnegg (AK I 1) bis 130 cm (s. Tab. 1). Aufgrund ihrer Formkonstanz, der Faziesunabhängigkeit und der eurybathen
Verbreitung ist Isastrea meist eine schlechte Zeigergattung für das Einwirken und die Veränderung physikalischer
Umweltfaktoren. Die große Häufigkeit in Bereichen mit wechselndem Sedimentstreß und erhöhter Wasserenergie
(u.a. Stürme) macht Isastrea zu einem nutzbaren Anzeiger für entsprechende Verhältnisse. Die Bestimmung auf
Gattungsebene ist auch im Gelände meist unproblematisch und macht Isastrea mit zu der am einfachsten
bestimmbaren Gattung. Auf Artniveau (bei Isastrea gressly, Isastrea bernensis, Isastrea helianthoides; s.u.)hingegen
bestehen bei den für die Bestimmung wesentlichen Merkmalen (Kelchgröße und -abstand, Septenzahl)
Überlappungen, die eindeutige Zuordnungen häufig nicht ermöglichen. Dies macht die Bestimmung lediglich auf
Gattungsebene sinnvoll. Die Gattung Andemandastrea ist nach LATHUILIÉRE (1996) als Jugendstadium von Isastrea
zu betrachten. Die gute Bestimmbarkeit wird durch die meist geringe, selten mittelstarke Zerbohrungsrate begünstigt.

Abb. 40: Beträge und Vergleich der taxonomisch


maßgebenden skelettmerkmale Kelchdurchmesser
(*), Kelchabstand (**) und Septenzahl (vgl. Kap.
5.2.1) der bestehenden Arten der Gattung Isastrea
durch verschiedene Autoren. E= Errenst (1990a,
b); T= Turnsek (1997); B= Beauvais (1967); L=
(LAUXMANN 1991a).

Latiphyllia suevica ist auf die jüngsten Bereiche der Mischfazies von Arnegg beschränkt. Entsprechend
Rezentbeobachtungen an Korallen im Roten Meer (SCHÄFER 1967) können die kleinvolumige Kolonien von Latiphyllia
mit gedrängter Astanordnung und der kugel- bis eiförmige Stockumriß als Anpassung an erhöhten hydrodynamischem
Streß gedeutet werden. Nach BERTLING (1993a) läßt Latiphyllia eine große Fähigkeit zur Sedimententfernung vermuten.
Nach LATHUILIÉRE (1996) sind Latiphyllia, Montlivaltia und Thecosmilia Spectra einer genetischen Einheit.

Latomeandra bildet in bioklastischen Bereichen der Korallenfazies von Arnegg Kleindickichte (Latomeandra plicata
AK II 2; s. Taf. 12) oder tritt vereinzelt auf (Latomeandra plicata (AK), Latomeandra fromentelli (IS 3, Euville, LPA
1). Als Anpassung an zeitweiligen hydrodynamischen Streß können die dichtstehenden phaceloiden Äste und der
kompakte Stockumriss gedeutet werde, die auch einen Zusammenhalt umgestürzter Kolonien gewährleisten.

Meandrophyllia corrugata ist formkonservativ kugelförmig bis massig und ist kennzeichnend für flachmarine
Umwelten. In Lothringen tritt Meandrophyllia corrugata in flachsten Bereichen (LPA, LEU, LRO) mit zeitweiligem
feinklastischem Streß auf. In Arnegg wurden wenige Kolonien in der Korallenfazies vorgefunden. Die Gattung
Comophyllia entspricht von den Skelettmerkmalen her weitgehend Meandrophyllia (LAUXMANN 1991, TURNŠEK
1997) und wird entsprechend TURNŠEK (1997) zu Meandrophyllia einbezogen.

Mesomorpha stimmt in Kelchverteilung, Wuchs und Verbreitung fast völlig mit Thamnasteria concinna überein. Der
Unterschied besteht im unterbrochenen, z.T. nonconfluenten Septenverlauf im randlichen Kelchbereich. ERRENST
165

(1990a) beschreibt entsprechende Kolonien aus dem Iberischen Oberjura. Die Zuordnung zu einer eigenen Gattung ist
unklar. Eine enge Verwandtschaft zu Thamnasteria concinna, wenn nicht sogar genetische Entsprechung als
Spectrum (vgl. LATHUILIÉRE 1996) ist denkbar. RONIEWICZ & STANLEY (1998) beschreiben die Gattung Mesomorpha
aus flachmarinen Bereichen der Mittleren Trias.

Microphyllia (mit den Arten Microphyllia soemmeringi, Microphyllia brevialis) ist charakteristisches, dominierendes
Faunenelement bioklastreicher Biostrome und Schuttkalke des Hangbereich der Korallenfazies für Arnegg. Diese
Umwelten deuten auf eine gute Anpassung vom Microphyllia gegenüber bioklastischem Streß hin. Hierfür spricht
auch die meandroide Kelchanordnung, die hohe Septenzahl und die massig-polsterförmige Wuchsform (vgl. Kap.
5.2.1, 7.1). Die einzelnen Kolonien sind in der Regel in flächigen Domestones anzutreffen, weniger häufig sind
vereinzelt im Sediment angeordnete Kolonien zu beobachten. Die Koloniedurchmesser liegen meist im Bereich
zwischen 1und 5 dm. Im Rognontal wurde eine fragliche, schlecht erhaltene Kolonie von Microphyllia undans in
onkoidischen Faziestypen ermittelt.

Microsolena als Gattung zeigt über alle untersuchten Aufschlußregionen die größte Verbreitung und Formvielfalt.
Microsolena ist eine opportunistische, eurybathe Gattung, die in allen untersuchten Riffkörpern vorkommt (vgl. Abb. 38,
41). Das häufige Vorkommen in allen Umweltbereichen des euphotischen Meeresbereiches deutet auf eine große
Anpassungsfähigkeit an verschiedenste Umweltverhältnisse hin. In den tiefsten untersuchten Riffkörpern (LFO 1, IS
1) ist sie charakteristischer, häufig dominierender Faunenbestandteil. Ein vergleichbares Vorkommen von
Microsolena aus tiefmarinen Riffbereichen des Oberjuras beschreiben u.a. BENDUKIDZE (1977), ERRENST (1990a),
NOSE (1995) und INSALACO (1996b). Die durchgehend fladigen Wuchstypen in diesem Tiefenbereich können in
Zusammenhang mit geringer Durchlichtung interpretiert werden; denkbar ist auch ein Vorteil bei der für
oberjurassische Microsoleniden vermuteten erhöhten Rate heterotropher Ernährung (vgl. INSALACO 1996b,
LEINFELDER et al. 1996, 7.2.1). Die Koloniedurchmesser erreichen teilweise bis 110 cm, liegen meist zwischen 8-35
cm. Hierbei sind die größten beobachteten Durchmesser (und voluminösesten Kolonien) bezeichnenderweise in den
bathymetrisch tiefsten Riffkörpern von Lothringen (LFO 1) ausgebildet (vgl. Tab. 1). Microsolena ist auch in gut
durchlichteten Bereichen verbreitet bis häufig (ORK Lothringen; Korallenkalk Isteiner Klotz) und besiedelt dort bei
opportunistischer Lebensstrategie individuenreich Hartsubstrate, bei insgesamt jedoch geringem Volumenanteil und
kurzer Lebensdauer. Aufgrund des Vorkommens sowohl in schlammigen als auch in schuttreichen Riffkörpern
scheint Microsolena sowohl gewisse Beträge feinklastischen als auch grobklastischen Sedimentstresses zu tolerieren.
Bei stark erhöhter feinklastischer Sedimentation nimmt der Anteil und das Kolonievolumen von Microsolena deutlich
ab. Microsolena zeigt von allen untersuchten Korallengattungen die größte Formveränderlichkeit (vgl. auch NOSE
1995, LEINFELDER et al. 1996) bei einer deutlichen Abhängigkeit von der Bathymetrie (vgl. Abb 38). Zwar treten
durch alle Tiefenbereiche meist fladige Wuchstypen auf, mit der Abnahme der Wassertiefe läßt sich aber eine
deutliche Steigerung des Dickenwachstums und der Formvielfalt beobachten. Der fladige Wuchstyp wird v.a. durch
tellerförmige und fladige Wuchsformen vertreten. Dabei nimmt der Anteil fladiger Wuchsformen mit steigendem
Klastengehalt der Grundmasse zu, während in schlammigen Umwelten tellerförmige Kolonien vorherrschen. Ferner
zeigt Microsolena häufig die, weiter nur bei anderen microsoleniden Gattungen und Fungiastrea ausgebildete,
viellappige Wuchsform (vgl. Kap. 7.2.1). Als Anpassung an erhöhte Wasserenergie und erhöhte Kalkschlamm-
sedimentation tritt Microsolena verbreitet mit massig-kugelförmigem Wuchs auf. Bei Abnahme der Wasserenergie in
flachen Meeresbereichen sind stark unregelmäßige Wuchsformen mit dem teilweisen Übergangen in ramosen Wuchs
verbreitet. Vereinzelt ist pseudoramoser Wuchs entwickelt (LEU II 3). Microsolena tritt in flacheren Riffkörpern
häufig als kleinwüchsiger Bewuchs an den dominierenden Korallenstöcken auf. Die Bestimmung auf Gattungsebene
ist im Gelände aufgrund der Ähnlichkeit zu anderen mircrosoleniden Korallengattungen oft problematisch. Auf
Artniveau bestehen im Bezug auf die Bestimmungskriterien (Kelchgröße und -abstand, Septenzahl) starke
166

Überlappungen (bei Microsolena caesaris, Microsolena agariciformis, Microsolena mosensis, Microsolena


thurmanni, Microsolena julii) die eindeutigen Zuordnungen auf Artebene widersprechen. Dies macht die Bestimmung
lediglich auf Gattungsebene sinnvoll. Microsolena ist, je nach Erhaltungszustand, oft schwer von anderen
microsoleniden Gattungen (v.a. Dimorpharaea, Comoseris) unterscheidbar.

Als microsolenide Korallen werden in dieser Arbeit vereinfachend alle Gattungen der Familie Microsolenidae
bezeichnet. Der Familie gemeinsam ist das perforierte Skelett mit der Ausbildung von Pennulae („Balkönchen“) an
den Septalflächen. Die auftretenden Gattungen dieser Familie sind Actinaraea, Microsolena, Meandraraea,
Comoseris und Dimorpharaea. Die Vergleichbarkeit des Skelettbaus all dieser Gattungen weist nach LATHUILIÉRE
(1996) darauf hin, daß es sich bei den microsoleniden Korallen möglicherweise um Spectra einer biologischen Einheit
handeln könnte. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit, der Vielgestaltigkeit und der oft unvollständigen fossilen
Überlieferung sind die einzelnen Gattungen dieser Familie oft nicht exakt voneinander zu trennen und können
deshalb häufig lediglich als microsolenide Korallen bezeichnet werden. Bei mäandroider Kelchanordnung wird von
mäandroiden microsoleniden Korallen gesprochen. Durch die geringen erforderliche Kalzifikationsraten ermöglicht
das perforate Skelett zum einen ein im Vergleich zu anderen Taxa erhöhtes Wachstum dieser Korallenfamilie in
lichtschwachen Tiefenbereichen. Zum anderen weist es, bezogen auf die Konvergenz zur rezenten Gattung Leptoseris
(SCHLICHTER 1992; LEINFELDER 1992; Kap. 7.2.1), auf eine Anpassung an erhöhte heterotrophe Ernährung hin. Eng
verwand und von der Skelettstruktur ähnlich zu den microsoleniden Korallen sind die, zur selben Unterordnung
Microsolenina zugehörigen Gattungen Synastrea und Fungiastrea (vgl. MORYCOWA & RONIEWICZ (1995)).
Microsolenide Korallen zeigen in den untersuchten Abfolgen dominante bis eudominate Faunenanteile während des
Einsatzes und des Wachstums der tiefmarinsten Microsoleniden-Biostrome an der Grenze zur euphotischen Zone.
Diese Beobachtung deckt sich mit denen anderer oberjurassischer Riffvorkommen (vgl. MEYER 1977; LEINFELDER et
al. 1996; NOSE 1995; HERMANN 1996; INSALACO 1996b). SOROKIN (1995) nennt die, den microsoleniden Korallen
ähnlichen fungiiden Korallen als typische Pionierfauna heutiger Riffbereiche.

Pseudocoenia ist die häufigste Gattung unter den massiven, styliniden Korallen. Sie ist v.a. in Lothringen und Istein
verbreitet. In Arnegg ist sie nur vereinzelt vorhanden. Die bathymetrische Verbreitung ist weitgehend entsprechend
Stylina (s.u.), im Gegensatz zu dieser Gattung treten massige Kolonien von Pseudocoenia (u.a. P. fromentelli) früher
(tiefer) innerhalb von Verflachungsabfolgen auf (LFO 2, IS 2). Dies weist auf die Lichtstärke als wichtigen Faktor der
Verbreitung von Pseudocoenia hin, bei geringeren Ansprüchen als andere stylinide Korallen. Gleichzeitig ist durch
das verbreitete Vorkommen in bioklastischen Riffkörpern (P. fromentelli in LFO 2; LEU I 1) eine gewisse Toleranz
gegenüber grobklastischem Streß festzustellen. Pseudocoenia zeigt als meist rezedenter Faunenbestandteil über-
wiegend wenige Zentimeter bis 1-2 dm große, massige bis kugelförmige Wuchstypen. Bei hohem bis dominantem
Anteil an Riffkörpern sind größervolumige Kolonien von mehreren Dezimetern die Regel (LEU II 2, 3; s. Taf. 3). In
einigen schlammigen Riffkörpern (LEU II 2, 4; LPA 1) sind fladige Wuchstypen (P. radiensis, P. limbata)
ausgebildet. Äußerst dünnfladige Kolonien können hier bis 120 cm Durchmesser erreichen (Pagny sur Meuse).
Ramose Wuchsform konnte nur bei P. limbata beobachtet werden, eine Wachstumsbänderung konnte meist nicht
festgestellt werden. Nur im Falle einer unsicheren Zuordnung zur Gattung Pseudocoenia konnten in den jüngsten
Riffbereichen von Istein (IS 4) Bandmächtigkeiten bis 1,5 mm beobachtet werden. Cryptocoenia (BEAUVAIS 1964)
kann als synonym zu Pseudocoenia angesehen werden. Ähnlichkeiten bestehen außerdem mit Cyathophora.

Innerhalb der Gattung Stylina bestehen sehr viele Arten. Allein für die Epoche des Jura wurden mehr als 150 Arten
aufgestellt (LATHUILIÉRE 1989). Dies beruht auf die innerartliche Variabilität der diagnostischen Kelchabmessungen
(vgl. Kap. 5.2.1) oder auf die synonyme Mehrfachaufstellung von Arten durch verschiedene Autoren. Zwar werden
heute in der einschlägigen Bestimmungsliteratur weit weniger Arten berücksichtigt, die Artenzahl von Stylina im
167

Oberjura ist dennoch vergleichsweise hoch. Stylina ist in den bearbeiteten Vorkommen typisch für flachmarine, gut
durchlichtete Riffbereiche und ist in den entsprechenden Riffkörpern bei teilweise hoher Artenvielfalt allgemein
verbreitet. Das zerstreute Wachstum und die meist kleinvolumigen Kolonien innerhalb von Sekundärassoziationen
sind hierbei Anzeiger einer opportunistischen Lebensstrategie. In den tiefermarinen Riffkörpern fehlt Stylina völlig
(vgl. Abb. 38 u. 41). Der Anteil von Stylina sinkt mit zunehmendem grobklastischen Streß und ist am höchsten in
schlammigen Riffkörpern (ORK Lothringen; Mittlerer und Oberer Korallenkalk Istein). In Arnegg ist Stylina nur
vereinzelt in schuttreichen Umwelten der Mischfazies (AM II 4) und der Korallenfazies (AK II) anzutreffen. Die
Gattung Stylina ist in Lothringen auf biohermale Riffkörper und Dickichte konzentriert, kommt häufig auch
vereinzelt (LRP, LRO) vor. Stylina scheint allgemein an erhöhten feinklastischen Streß angepaßt zu sein, u.a. durch
die hohe Formveränderlichkeit mit der Ausbildung von kugelförmigen, unregelmäßigen, aufstrebenden bis ramosen
Ökomorphen. Kugelförmige und massige Typen herrschen hierbei vor. Vor allem juvenile Kolonien sind allgemein
kugelförmig. Ausnahmsweise ist bei S. tubulifera fladiger und fladig-inkrustierender Wuchs ausgebildet. Verbreitet
sind Aufwüchse an dickästigen Korallen festzustellen. In ruhigeren Ablagerungsbereichen nimmt Stylina deutlich an
Zahl und Größe zu. Stylina zeigt in der Regel mittlere Zerbohrungsraten, die wohl auch im Zusammenhang mit dem
erhöhten feinklastischen Streß stehen. Aufgrund schlechter Erhaltung (z.B. fehlende Columnella) kann es leicht zu
Verwechslungen v.a. mit Pseudocoenia, z.T. auch mit Allocoenia, Convexastrea und Heliocoenia kommen.

Stylosmilia und Goniocora sind in schlammigen Bereichen von Lothringen und des Isteiner Klotzes mit geringer
Wasserbewegung verbreitet bis sehr häufig. Sie bilden dort Kleindickichte (IS 5, LPA 2; s. Taf. 5) oder sind Bestandteil von
größeren Dickichten (v.a. Stylosmilia ; LPA 1, LSO II, IS 4). Während Stylosmilia vergleichsweise engständigen, parallelen
Astwuchs mit geringen Knospungswinkeln zeigt, bildet Goniocora lockere Kolonien mit sich im größerem Winkel
verzweigenden Ästen aus. Der gegenüber Wasserbewegung sehr empfindliche ausladende Wuchs von Goniocora macht
die Gattung innerhalb von Bereichen geringer Wasserenergie zum Anzeiger besonders geringer Hydrodynamik. Die höhere
Widerstandsfähigkeit von Stylosmilia beweisen z.B. vollständige Kolonien in umgekippter Lage. Hierbei scheint auch die
Stabilisierung der Kolonien durch verkalkende mikrobielle Krusten eine Rolle zu spielen (s.u.). Örtlich zeigen diese
Kolonien eine knickartige Wiederausrichtung des Astwachstums entsprechend des ursprünglichen Astwachstums (IS 4 u.
5). Die Korallenäste zeigen häufig eine Verbindung durch teilweise voluminöse Bewüchse thrombolithischer Krusten
(ORK Lothringen, Korallenkalk des Isteiner Klotzes). Da „geköpfte“ Kolonien trotz starkem mikrobiellem Bewuchs
verbreitet bis häufig sind und bruchstückhafte Überlieferung über weite Bereiche vorherrscht, scheint die Festigung durch
mikrobolithische Krusten zumindest teilweise nur wenig effektiv. Bruchstücke von Stylosmilia treten erstmals in den
jüngsten Bereichen der initialen Microsoleniden-Riesenbiostrome auf und sind wohl allochtoner Herkunft. In Arnegg sind
Bruchstücke von Stylosmilia oder Goniocora in der Mischfazies anzutreffen. Die bestimmten Exemplare von Stylosmilia
gehören mit der Ausnahme eines Dickichts (IS 4 mit S. corallina) zur Art S. michelini. Bei Gonicora sind die Arten G.
pumila und G. annulata festzustellen.

Bei der verbreiteten Gattung Synastrea sind bei den Arten S. subagaricites und S. delemonta auf der einen und S.
dubia und S. perroni auf der anderen Seite die für die Bestimmung wichtigen Skelettmerkmale weitgehend identisch.
In der vorliegenden Arbeit werden deshalb lediglich die Arten Synastrea subagaricites und Synastrea dubia
ausgeschieden. Synastrea zeigt über alle Tiefenbereiche meist fladigen Wuchstyp.

Für Thamnasteria existieren eine große Anzahl von Artenaufstellungen, die durch mehrfache Beschreibungen und
taxonomischen Fehlzuordungen erklärt werden können. So wird z.B. die für den Isteiner Bereich häufig beschriebene
T. arachnoides heute allgemein zur Gattung Fungiastrea gestellt. In dieser Arbeit wird zwischen T. concinna und T.
moreauna unterschieden. Die Arten T. gracilis, T. concinna und T. lobata sind sehr ähnlich und weisen weite
Überschneidungen der Kelchmerkmale auf (Kelchdurchmesser, Septenzahl). Es ist daher sinnvoll, entsprechend der
168

rezent zu beobachtenden innerartlichen Veränderlichkeit der Kelchdurchmesser (vgl. Kap. 5.2.1) diese Arten nicht zu
unterscheiden. Interessant in diesem Zusammenhang ist das im ältesten Bereich der Mischfazies von Arnegg
durchgehend Kolonien zu beobachten sind, deren Kelchmerkmale durchgehend T. lobata entsprechen. Dies weist auf
die umweltgesteuerte Veränderlichkeit der Kelchdurchmesser und die Ausbildung einzelner Spectra (vgl.
LATHUILIÉRE 1996) hin. T. moreauna wird entsprechend GEYER (1953) aus den häufig genannten Arten T. nicoleti, T.
coquandi und T. moreauna zusammengefaßt. Die weitaus am häufigsten auftretende Art der Gattung ist in Lothringen
und in Südbaden T. concinna mit etwa 90 % aller bestimmten Kolonien. In Arnegg zeigen beide Arten aber etwa
gleich Anteile. Thamnasteria zeigt eine eurybathe Verteilung, von den tiefsten Bereichen von Korallenwachstum bis
in flachste Umwelten (vgl. Abb 38). T. moreauna zeigt sich hierbei vereinzelt (LFO 1) oder verbreitet (AM I) in den
tiefmarinsten Riffkörpern und bleibt bei fortschreitender Verflachung vereinzelt. Während das Wachstum von T.
concinna in Arnegg gleichzeitig einsetzt, tritt diese Art in Lothringen erst später auf (LFO 2). T. concinna zeigt im
ostfranzösisch-südbadischen Bereich ansteigende Anteile mit zunehmender Verflachung. Dabei ist die Art v.a. in den
lagunären Umwelten von Lothringen häufig bis sehr häufig, in denjenigen des Isteiner Klotzes verbreitet bis häufig.
T. concinna ist äußerst formveränderlich (vgl. auch LEINFELDER et al. 1996). Zusammen mit dem häufigen
Vorkommen in verschiedensten Rifftypen weist dies auf r-selektives Wachstum hin. Dies bestätigen entsprechende
Beobachtungen von BERTLING (1993b) und INSALACO (1996b). Fladige Wuchstypen sind am häufigsten, oft tritt T.
concinna hierbei inkrustierend auf. Unregelmäßige, z.T. völlig chaotische Wuchstypen sind häufig (LPA 1, IS 4; s.
Taf. 5). Weiter sind massige bis kugelförmige Wuchstypen ausgebildet. Aufstrebender Wuchs (u.a. in Arnegg AK II)
ist verbreitet. T. concinna zeigt in Lothringen (Haudainville, Sommedieue, Pagny sur Meuse) und in Istein
pseudoramosen Wuchs. Aufgrund der mehrfach erhöhten Wachstumsrate gegenüber nichtästigen Kolonien der gleichen
stark formverändlich
formveränderlich
formkonservativ
erhöhter grobkl. Stress
erhöhter feinkl. Stress
erhöhte Wasserenergie
eurybath
Flachwasser
euryhalin
eurytherm
euryoxibiont

Actinaraea n n n n
Aplosmilia n n
Calamophylliopsis n
Comoseris n n n n ? ? ?
Dimorpharaea n n n
Fungiastrea n n n n n
Gonicora n n ? ? ?
Isastrea n n n n n
Meandraraea n n n
Microsolena n n n
Pseudocoenia n n n
Psc. fromentelli n n
Stylina n n
Synastrea n n
Thamnasteria n n n n n
Meandrophyllia n n
Montlivaltia n n
Amphiastrea n n n n n
Dendraraea n n n
Stylosmilia n n ? ? ?
Mesomorpha n n n n n
Heliocoenia n n n ? ? ?
Cyathophora n n n n n
Abb. 41: Morphologisches Veränderlichkeit, ökologische Toleranz und Verbreitung häufiger Korallengattungen.
169

Art (s.u.; Tab. 3), scheint der ökologische Vorteil pseudoramosen Wuchses in einer Erhöhung der senkrechten
Wachstumsrate zu liegen (vgl. auch NOSE 1999). Da Thamnasteria concinna bei hohem feinklastischen Streß nur
kurzlebige fladige Kolonien ausbildet, gleichzeitig in schuttreichen höherenergetischen Bereichen nur rezedent und
meist inkrustierend auftritt, scheint der pseudoramose Wuchs auf einer Zwischenregime aus etwas erhöhter
feinklastischer Sedimentation und Wasserenergie zu beruhen. Die höheren Wachstumsraten werden hierbei durch
eine Konzentration des Koloniewachstums auf eine kleinere Koloniefläche erreicht und durch gute
Lebensbedingungen (Licht, Wasserenergie) in flachen Meeresbereichen gefördert. Die pseudoramosen Kolonien
zeigen stets aufstrebendes „phaceloides“ Wachstum und einen im Verlauf des Wachstums zunehmenden
Astdurchmesser. Trotz maximal beobachteter Wachstumsraten von 11 mm/a scheinen die pseudoramosen Kolonien
bei ansteigendem feinklastischen Streß nicht mit ästigen Wuchstypen konkurrieren zu können (Haudainville).
Auffällig ist, daß innerhalb einer pseudoramosen Kolonie oder in enger Nachbarschaft fladiges bis massiges
Wachstum auftreten kann. Dies scheint auf zeitweise verringerte Sedimentationsraten hinzudeuten. STANLEY &
SWART (1995) vermuten aufgrund von Isotopenuntersuchungen für Thamnasteria das Nichtvorhandensein von
Endosymbionten. GEISTER (1989) nennt allgemein geringe konstante Wachstumsraten von 0,9-1 mm. ALI (1984)
nennt 0,9-1,6 mm für die Gattung. Tatsächlich konnte bei Thamnasteria, entsprechend anderen Untersuchungen (vgl.
NOSE 1995) mit 1,2 bis 11 mm die größte Veränderlichkeit im Bezug auf Wachstumsraten festgestellt werden. Die
große Verbreitung von T. concinna in flachmarinen Bereichen und die für massive Korallen beobachtete maximalen
Wachstumsraten (s.o.) sprechen im Gegenteil für eine besonders effektive Ausnutzung der Lichtenergie und damit für
die Symbiose mit Zooxanthellen. Bei T. concinna ist innerhalb der Kolonien häufig die oft mehrfache, im Anschnitt
seitlich durchhaltende bis örtlich begrenzte Unterbrechung des Wachstums (gekennzeichnet durch dünne Mikrit- oder
Mikroinkrustiererlagen) zu beobachten. Dieselbe Beobachtung machte BERTLING (1993a, b). Im Anschluß ist wieder
ein durchgehendes, flächiges Weiterwachsen der Kolonien festzustellen. Dies scheint das Ergebnis teilweisen
Absterbens der Korallengewebes mit anschließender Wiederbesiedlung zu sein. Dies kann z.B. auf zeitweise
Sedimentationsereignisse zurückgeführt werden, die das teilweise Absterben des Korallengewebes bedingen. Als
weitere Faktoren kommen auch andere Faktoren wie z.B. Krankheiten, Freßfeinde, UV-Strahlung in Frage. Bis auf
einen randlich perforierten Septenaufbau ist Mesomorpha bei vergleichbaren Habitatansprüchen und Wuchsformen
Thamnasteria sehr ähnlich. Möglicherweise handelt es sich entsprechend LATHUILIÉRE & GILL (1995) um Spectra
einer genetischen Einheit. Nach GEISTER (1989) ist Kobyastrea homöomorph zu Thamnasteria.

Kolonien von Thecosmilia sind v.a. in Arnegg häufig; am Isteiner Klotzes und in Lothringen sind sie verbreitet. Die
dickästigen Thecosmilien (T. dichotoma oder T. trichotoma) sind, unabhängig von der Bathymetrie, verbreitet und
somit eurybath. Da beide Arten meist als Bruchstücke zu beobachten sind, ist eine artliche Unterscheidung in der
Regel unmöglich. Möglicherweise handelt es sich um Spectra einer genetischen Einheit (vgl. LATHUILIÉRE 1996,
Kap. 5.2.1). Die größte Individuenzahl ist in tieferen Riffkörpern (Mischfazies Arnegg) festzustellen. In flachen
Bereichen (OKK Istein) ist T. di-/trichotoma örtlich verbreitet. Obwohl Thecosmilia eine stabilisierende
Längsberippung aufweist (s.o.), scheint sie sehr empfindlich gegenüber erhöhter Wasserenergie zu sein, was aus der
meist bruchstückhaften Überlieferung geschlossen werden kann. Vollständig überlieferte Thecosmilia-Stöcke können
somit als Anzeiger geringer Wasserbewegung gedeutet werden. Besonders häufig sind Bruchstücke von T. di-
/trichotoma in der Mischfazies von Arnegg (s. Taf. 11). In Istein sind Bruchstücke allgemein verbreitet. In den
jüngsten Dickichten nehmen vollständige Stöcke hier größere, z.T. zusammenhängende Volumen ein. In Lothringen
sind Bruchstücke von T. dichotoma/trichotoma vereinzelt. Zerbrochene Exemplare der dünnästigen T. minuta treten
meist vereinzelt bis verbreitet, örtlich (LEU I 5) auch häufig auf.
170

8 Aufbau, Verteilung und Ökologie der Rifftypen

8.1 Ökologische Aussagekraft der Riffgröße


(vgl. Abb. 43, 44)

Die Größe von Riffkörpern läßt insbesondere Aussagen über den räumlichen Einflußbereich der jeweils steuernden
Faktoren der Riffentwicklung zu. Kleine Riffkörper bezeugen hierbei ein örtliche günstiges Zusammenspiel der
Faktoren, während zunehmend größere Riffkörper großräumig günstige Umweltbedingungen wiederspiegeln (vgl.
Abb 43). Aufgrund dieser Tatsache zeigt sich in den untersuchten Vorkommen mit abnehmender Wassertiefe eine
übergeordnete Tendenz zur Verkleinerung von Riffen aufgrund der Erhöhung der Zahl der einwirkenden
Streßfaktoren. Diese Streßfaktoren sind erhöhte Wasserenergie, erhöhter fein- und grobklastischer Sedimentstreß,
Veränderungen der Salinität, biologischer Streß und v.a. eine höhere Frequenz der Stressereignisse. SOROKIN (1995)
und DIAZ et al. (1969) weisen auf die Häufigkeit und Vielgestaltigkeit von kleinräumigen Riffen in geschützten
lagunären Bereichen hin.
Die Artenzahl eines Habitats ist grundsätzlich an seinen Umfang gebunden (T ILMAN 1993, Kap. 6.5.2) mit
einem grundsätzlichen Anstieg bei zunehmender Größe. Tiefenabhängige physikalische Faktoren wie z.B.
Lichteinstrahlung beeinflußen die Diversität in vielfältigen Zusammenwirken weiter (vgl. Kap. 6.4.1; Abb. 44).
So sind in den untersuchten Riffabfolgen aufgrund der Habitatshetererogenität (LPA 1, IS 4) und den allgemein
guten Wachstumsbedingungen für Korallen in flachmarinen Großriffen hier die höchsten Artenzahlen
festzustellen. Die geringsten Artenzahlen treten in sehr kleinräumigen, flachmarinsten Kleindickichten (LPA 2,
IS 5) mit hohem physikalischen Streß auf. Die sehr großflächigen mergeligen Microsoleniden-Riesenbiostrome
zeigen aufgrund der, nur von wenigen spezialisierten Korallenarten tolerierbaren Umweltbedingungen am
unteren bathymetrischen Grenzbereich des Korallenwachstums, nur eine vergleichsweise geringe Artenvielfalt,
bei gleichzeitig hoher Habitatshomogenität. Mit zunehmender Verflachung des Ablagerungsraumes ist hier im
Verlauf der Ablagerung ein Anstieg der Artenzahl festzustellen.

8.2 Beschreibung, Ökologie und Verbreitung einzelner Rifftypen


(vgl. Abb. 42, 43, 44)

8.2.1 Bioherme

Biohermale Riffkörper sind ab dem Grenzbereich zur dysphotischen Zone (= Grenzbereich für Korallenwachstum,
vgl. Kap. 6.4.1) bis wenige Meter unter den Wasserspiegel in allen Tiefenbereichen entwickelt. Die beobachteten, auf
Werte unter 100 m begrenzten Riffdurchmesser bezeugen für die Bildung von Biohermen das örtlich begrenzte
Zusammenwirken von für Riffbildung und Riffwachstum günstigen Faktoren. In tieferen und mittleren Bereichen des
euphotischen Tiefenbereiches (vgl. Kap. 6.4.1) sind Bioherme nur vergleichsweise kleinräumig entwickelt (AM II 3).
In flacheren Bereichen (etwa < 20 m) ist die Biohermbildung anfangs noch deutlich an Untiefen gebunden (ORK von
Lothringen), löst sich in flachsten Bereichen, und bei immer kleinräumigeren Riffkörpern, jedoch von der Topographie
ab (ORK von Lothringen, Oberer Korallenkalk des Isteiner Klotzes). Im Zuge dieser Entwicklung zeigen Bioherme
stark wechselnde, von den örtlichen Umweltfaktoren gesteuerte Dimensionen, Artenzahlen und Zusammensetzungen.
Bioherme zeigen neben den das Riffwachstum kontrollierenden und dominierenden Korallen häufig einen hohen
Anteil an weiteren Riffbildnern und Nebenriffbildnern.
Das Wachstum von Biohermen scheint grundsätzlich an bestimmte Grenzwerte von Sedimentstreß gebunden. Bei
hohem grobklastischen Sedimentstreß bilden sich Biostrome aus (s. Kap. 4.2.2), bei steigendem feinklastischen Streß
entwickeln sich vermehrt Dickichte (s. Kap. 4.2.3). In den lagunären, schlammigen Umweltbereichen des ORK von
Lothringen sind Bioherme, von Riffknollen bis hin zu Mittelbiohermen, häufig. Die größten Bioherme sind hierbei an
171

Untiefen gebunden. Am Isteiner Klotz sind in lagunären Umwelten eher unscharf begrenzte Korallenansammlungen
vorhanden, die ein großflächiges Flächenriff bilden.
In Arnegg sind Klein- bis Mittelbioherme vereinzelt bis verbreitet bei allgemeiner Abnahme der Größe mit
Verflachung des Ablagerungsraumes. In den bathymetrisch tiefsten Bereichen zu Beginn der Korallenriffentwicklung
sind großflächige Mikrobolith-Kieselschwamm-Riffkörper ausgebildet. Bei diesen Riffkörpern bilden die
korallenführenden Riffabschnitte nur die jüngsten, im Vergleich zur liegenden biohermalen Kieselschwamm-
Mikrobolith-Riffassoziation („Massenkalk“; vgl. SCHWEIGERT 1997) geringmächtigen, „biostromalen“ Riffabschnitt.

Knollenriffe

Dieser Rifftyp zeigt kleinräumige, kurzzeitig günstige Umweltbedingungen an und steht von der Größe her
definitionsgemäß am Beginn der Riffbildung (vgl. Kap. 3.2). Knollenriffe entwickeln sich meist aus kleinräumigen
Korallenansammlungen mit häufig unscharfer Abgrenzung (s.u.). Die Erhebung über den Meeresgrund beträgt
definitionsgemäß nur wenige dm bis 2 m. Vom Volumen und Umriss her sind Kleindickichte entsprechender Größe
identisch. Klar abgegrenzte Riffknollen wurden nur im Rognontal (LRO 2) innerhalb einheitlicher ungegliederter
Ablagerungsräume beobachtet. Unscharf begrenzte Knollenriffe treten z.B. in der Korallenfazies (AK II) von Arnegg
auf. Der Begriff Knollenriff wird für heutige Riffbereiche häufig verwendet (WILSON 1975; DIAZ et al. 1996), im
fossilen Bereich findet er weniger Anwendung und wird meist ohne klare Unterscheidung für kleinere
Korallenansammlungen oder Riffkörper verwendet.

Kleinbioherme

Kleinbioherme sind in den lagunären Umwelten von Lothringen im Bereich von submarinen Erhebungen durch
liegende Dünenkörper (Euville, Haudainville; vgl. Abb. 20, 45; Taf. 2) verbreitet. In Arnegg treten Kleinbioherme im
mittleren Hangbereich der Mikrobolit-Kieselschwamm-Korallen-Fazieseinheit auf (AM II 3 II) auf. In Istein und
Arnegg treten innerhalb des Oberen Korallenkalkes bzw. der Korallenfazies (AK II) nur unscharf begrenzte,
individuenarme „kleinbiohermartige“ Korallenanreicherungen auf. Typisch für Kleinbioherme ist die zeitliche
Änderung des Riffaufbaus und der Faunenzusammensetzung. Es sind meist Korallensukzessionen von
vergleichsweise kurzlebigen Pioniergesellschaften, gefolgt von länger durchhaltenden Folgegesellschaften zu
beobachten. Die Folgegesellschaften weisen immer einen deutlichen Anteil an mikrobielle Krusten auf. In den
jüngsten schlammdominierten Bereichen des ORK von Lothringen (LPA 3,4, LSO II) schließen teilweise
Thrombolith-Boundstones die kleinbiohermale Riffentwicklung ab. Die beobachtete allgemeine Zunahme ästiger
Korallen im Laufe von kleinbiohermalen Sukzessionen wird durch allogene Einflüsse (feinklastischer Sedimentstreß),
in der Mischfazies von Arnegg auch durch endogene Faktoren (Erhebung der Riffkörper über den Sedimentspiegel)
gesteuert. In flachmarinen Bereichen (z.B. Euville) ist teilweise eine seitliche Riffzonierung als Anzeiger gerichteten
Umweltstresses ausgebildet (hierbei sind die Streßgradienten aufgrund der zweidimensionalen Aufschlußverhältnisse
jedoch meist nur ungefähr zu ermitteln). Die Zusammensetzung an Korallentaxa und Wuchsformen sowie die
Verteilung und der Anteil von Boundstonegefügen in Kleinbiohermen sind sehr uneinheitlich und scheinen deshalb
stark von örtlichen und/oder biologischen Faktoren beeinflußt zu sein. Die Artenzahl ist mittel bis hoch und nimmt
mit abnehmender Riffgröße und steigender Wassertiefe ab. Von den Ausmaßen Kleinbiohermen vergleichbar sind
wohl viele der rezent und fossil als Fleckenriff bezeichneten Riffkörper. Als Fleckenriffe bezeichnete Riffkörper
können jedoch auch größere Ausmaße haben (10-200 m: HUNTER & JONES 1996; 20 m: HELM & SCHÜLKE 1998).
Unter anderen beschreiben LEINFELDER (1994) und NOSE (1995) größenmäßig entsprechende Bioherme aus Spanien
und Portugal, FOOKES (1995) aus dem Französischen Jura. Es handelt sich hierbei meist um schlammige korallen-
und stromatoporenreiche Riffkörper des mittleren und äußeren Rampenbereiches. Ein Teil der sogenannten
„Riffstotzen“ (vgl. REIFF 1958; NOSE 1995) entsprechen wohl ebenfalls der Definition von Kleinriffen.
172
B i os tr om e B i ohe r m e Dic ki c ht e
Klein- Mittel- Groß- Klein- Mittel- Groß- Klein- Mittel- Groß-
biostrome biostrome biostrome Bioherme bioherme bioherme dickichte dickichte dickichte

Arnegg
bioklastisches bioklastische bioklastisches bioklastische bioklastisches stark
Lithistiden- chaet.führende Microsoleniden- Korallen- bis schwach bioklastsiche
Microsoleniden Microsoleniden- Kieselschwamm- Riffknollen bioklastisches Latomeandra-
-B. Isastrea- Mikrobolith-B. Mikrob.Korallen Kleindickichte
Lithistiden-B. -Kieselschw.-B.
AM II 1 AM II 2 I-III AM I 1 AK II 1 AM II-3 I AK II 2 I+II
bioklastische bioklastische bioklastisches
Korallen- Isastrea- bioklastisches
Kleinbiostrome Microphyllia- Mikrob.-
Biostrome Korallen-
Kieselschw.-B.
AK II 1 AK I 1 AM II 3 II
tuberolith. kavernöses
Microsoleniden- Thrombolith-
Kieselschwamm- Kieselschwamm-
Mikrobolith-B. B.
AM I 1 AM II 4

Lothringen
Microsoleniden- Austern-B. schlammiges Korallen- schwach Calamophylliops schlammige schlammiges
Fungiastrea- Korallen- Mikrobolith- bioklast. is –Mikrobolith - Helicoenia -D. Korallen-
Schutt- B. Mikrobolith-B.m Schlamm-B. bis schlammiges Schlamm-D. Mikrobolith-D.
Korallen-
Mikrobolith-B.
LEU-I 1 LFO A LEU I-3 LEU I 5 LEU I 2 LEU I 6 LPA 5 LPA 1
bioklastisches mergelig- schlammiges schwach schlammiges schlammige Korallen-
Korallen-B. sandiges Korallen- bioklast. mikrobolithische mikrobolithische Mikrobolith-D.
Microsoleniden- Mikrobolith-B. Isastrea- s Korallen-B. Gonicora-D.
Riesenbiostrom. Pseudocoenia-B.
LEU II 1 a+b LFO 1 LEU I-4 LEU II 2 LEU II 4 LPA 2 LSG II
netzförmiges schlammiges schlammiges Calamophylliopsis Korallen-
austernführendes biokla-stisches Thrombolith- molluskenreiches -Mikrobolith-D. Mikrob.-
Korallen- Microsoleniden- Korallen-B. Korallen- Kleinbioherme
Schlamm- B. Riesenbiostrom Mikrobolith- bis Klein-
Inkrustierer-B. /Mitteldickichte
LEU II I c LFO 2 LPA 3 LEU II 3 LLE LHA
schlammiges bioklastisches schlammiges Thrombolith-B. Thamnasteria-
mikrobolithisches Isastrea- B. Thrombolith- Mikrobolith-
Korallen–-B. Korallen B. Kleindickicht
LEU II 4 LLE 2 LPA 4 LPA T LHA
schlammig onkoidische Korallen-
mikrobolithsche molluskenreiche Mikrob.-
Korallen-B. Korallen- Kleinbioherme
Solenop.- bis Klein-
Inkrust.- /Mitteldickichte
Riffknollen
LEU II-5I-III LRO 2 LHA
stark bioklast. onkoidisches
Mikrobolithisches Kor.–
Microsol.-B. Inkrustierer-
Mikrobolith-B.
LLE 1 LRO 1

Isteiner Klotz
mergelig- solenop.führend schlammiges
sandiges es Goniocora- mikrobolithische
Korallen-Riesen- Schlamm- s Korallen-D.
B. Mikrobolith-D.
IS 1 IS 5 IS 4
mergelig-
schlammiges
Korallen-
Mikrob.-
Riesenbiostrom
IS 2
schwach
bioklast.
Korallen -
Mikrob.-
Flächenriff
IS 3

Abb. 42: Übersicht aller Riffkörper und Rifftypen der untersuchten Aufschlußbereiche
173

Mittelbioherme

Dieser Rifftyp tritt im ORK der Meuse-Formation und der Arnegg-Formation auf und ist dabei stets an submarine
Erhebungen gebunden (vgl. Abb 42). Während in Lothringen die Korallen-Mikrobolith-Riffassoziation vorherrscht,
sind in Arnegg zusätzlich noch Kieselschwämme maßgeblich am Aufbau beteiligt. Mittelbiostrome sind entweder auf
Kulminationen des Meeresbodens („Kuppenbioherme“, z.B. LEU II 4) oder in Hangbereichen (AM II 1 und 2; LEU I
2; LEU II 2, 3) angesiedelt. Bei den untersuchten Riffkörpern ist häufig die Entwicklung aus einem geringmächtigen
biostromalen Pionierstadium (z.B. LEU I 2, LEU II 4) zu beobachten. In der Folge ist meist eine deutliche Sukzession
von Korallenfaunen und die vertikale Änderung des Riffgefüges zu beobachten. Seitliche Zonierungen sind in
flacheren Meerestiefen häufig (LEU I 5, LEU II 2, 3) und fehlen in tiefmarinen Riffbereichen (AM II 3 I). Innerhalb
der Riffkörper ist die clusterartige Anordnung der Riffbildner verbreitet. Aufgrund allogener Stressfaktoren ist
allgemein eine Zunahme von massigen, kugelförmigen, unregelmäßigen und ästigen Korallen im Laufe der
Riffentwicklung festzustellen. Die flachmarinen Mittelbioherme von Lothringen sind durchgehend artenreich (vgl.
Abb 42). In Arnegg ändert sich im Laufe einer autogenen Sukzession bei mittleren Artenzahlen die Artenzusammen-
setzung nur wenig (vgl. Kap. 3.8). Der Vergleich mit anderen oberjurassischen Riffvorkommen ist aufgrund fehlender
oder uneinheitlicher Größenklassifikationen schwierig. Eine große Vielfalt von Mittelbiohermen größenmäßig
entsprechenden Riffkörpern beschreiben LEINFELDER (1994) und NOSE (1995) aus dem Iberischen Oberjura.

Großbioherme

Dieser biohermale Rifftyp mit einem Basisdurchmessern über 50 m ist nur im ORK von Lothringen zu beobachten.
Im Euville treten schlammige Korallen-Mikrobolith-Großbioherme reliefgebunden in Hang- (LEU I 2) bzw. in
Kuppenlage (LEU II 4) über den höchsten submarinen Erhebungen liegender Dünenkörper auf. Der Durchmesser der
Riffbasis wird dabei vom Durchmesser der liegenden Erhebung vorgegeben. Typisch ist die Entwicklung aus
biostromalen Pionierstadien (LEU I 1/LEU I 2 und LEU II 4).

8.2.2 Biostrome

Biostrome sind der charakteristische Korallenrifftyp in tieferen Meeresbereichen und bilden in den Aufschluß-
regionen die großflächigen initialen Riffbildungen der untersuchten Riffabfolgen. Mit fortschreitender Verflachung
sind in Lothringen und Arnegg vermehrt kleinflächigere biostromale Riffkörper mit deutlichem Bezug zur
Topographie des Untergrunds („Hangbiostrome“, „Kuppenbiostrome“; vgl. Kap. 3.2) entwickelt. In Istein gehen
tiefermarine Riesenbiostrome in flachermarine Flächenriffe über. Die weiträumigsten Biostrome zeigen sich in den
tiefmarinsten Bereichen der einzelnen Aufschlußregionen mit Ausdehnungen von mehreren bis vielleicht hunderten
von Quadratkilometern (Foug, Istein). Die absoluten Erstreckungen übertreffen hierbei alle vorhandenen
Aufschlußausmaße. Biostrome zeigen meist keine oder nur schwach ausgeprägte Sukzessionen und niedere bis
mittlere Artenzahlen (vgl. Abb. 44) bei meist fladigem Wuchstyp der Korallenfauna. Bereichsweise (AK I 1)
dominieren massig-kugelförmige Kolonien, ausnahmsweise treten ramose Wuchstypen (Dendraraea in LFO 2) auf.
Es sind schuttreiche und schlammige Grundmassen zu beobachten. Die das Riffwachstum in Lothringen und am
Isteiner Klotz einleitenden mergeligen Microsoleniden-Riesenbiostrome weisen einen deutlichen Ton- und Sandanteil
auf. Besonders in stark bioklastischen Faziesbereichen sind Riffkörper größeren Ausmaßes meist biostromal
ausgebildet. Diesen Beobachtungen entsprechend führen BOLLIGER & BURRI (1970) und NOSE (1995)
siliziklastischen Einfluß als wichtige Ursache für die Bildung von Biostromen an. Dies weist auf die Einschränkung
biohermalen Riffwachstums durch grobklastischen Streß hin. Schuttreiche Biostrome stehen im Zusammenhang mit
gravitativer Sedimentumlagerung in Hangbereichen (Arnegg) oder erhöhter Wellenbewegung (LLE 1, LEU I 1; vgl.
Kap. 9.3). Örtlich kann in Umwelten mit gravitativen Sedimenttransport auf längerfristig ruhenden Schuttflächen
biostromales in biohermales Riffwachstum übergehen (AM II 2). Schlammige Biostrome in flachmarinen Bereichen
174

entwickeln sich v.a. auf Untiefen mit im Vergleich zur Umgebung geringerer Sedimentablagerung (LEU II 1, LLE 2)
und zeigen meist mittlere Artenzahlen. Für diese Kuppenbiostrome zeichnet sich eine komplexe Abhängigkeit des
Riffwachstums von der Wasserenergie und vom einwirkenden feinklastischen Streß ab (vgl. Kap. 9.1; Abb. 44). Die
Riffläche wird dabei weitgehend von den Ausmaßen der liegenden Struktur und der damit verbundenen Änderung der
Umweltverhältnisse (z.B. Wassertiefe, Wasserenergie, Sedimentation) bestimmt. Besonders charakteristische
Korallentaxa in Biostromen sind microsolenide Korallen, Isastrea und Fungiastrea.
Der Anteil an mikrobiellen Krusten in Biostromen ist wechselhaft und hängt v.a. vom Bioklastanteil, aber auch von
biologischen Einflüssen ab (vgl. Kap. 5.2.2). Mit steigendem grobklastischen Streß sinkt der Anteil mikrobieller Krusten
allgemein.

Großriffe
Kleinriffe Mittelriffe
Großbiostrome Großdickichte Großbioherm
Durchlichtung gut gut bis mäßig gering gut gut
kein bis geringer
Topographie Einfluß starker Einfluß kein Einfluß kein Einfluß starker Einfluß
grobklastischer
gering gering gering gering gering
Streß
feinklastischer
hoch gering bis hoch gering bis mittel gering bis stark mittel
Streß
Wassertiefe flach bis sehr flach tief bis flach tief bis mitteltief flach tief bis mitteltief
mittel bis hoch;
Wassertemperatur häufig erhöht gering bis hoch gering mittel bis hoch mittel bis hoch
euhalin
Salinität teilw. hypersalin euhalin euhalin euhalin euhalin
meist gering, gering bis gering bis gering bis gering bis
Wasserbewegung z.T. katastrophal katastrophal mittelstark katastrophal katastrophal
einheitlich bis einheitlich bis
Wuchsformen vielfältig divers einheitlich einheitlich vielfältig
Riffbasis/ erosiv, Hartgrund,
erosiv, Riffschutt Riffschutt Hartgrund erosiv, Riffschutt Hartgrund
Siedlungsgrund
verbreitet bis gering bis
ästige Korallen dominierend verbreitet gering dominierend gering-verbreitet
Korallendichte gering bis mittel gering bis mittel hoch mittel bis hoch mittel
Korallen- gering bis hoch gering bis hoch
gering gering-hoch gering-mittel
wachstumsraten
Krustenanteil mittel bis hoch mittel bis hoch fehlend bis hoch fehlend bis hoch fehlend bis hoch
Umweltrahmen- kleinräumig
großräumig einheitlich zeitlich gleichbleibend großräumig einheitlich großräumig einheitlich großräumig einheitlich
bedingungen
zeitlich wechselnd bis wechselnd zeitlich gleichbleibend zeitlich gleichbleibend zeitlich gleichbleibend
Dominanzen ja schwach ja ja ja
monospezifisch bis mittel- bis
Diversität mitteldivers hochdivers niederdivers niederdivers niederdivers
meist vorhanden allgemein vorhanden
Sukzessionen allogen allogen und endogen fehlend fehlend fehlend
Zonierung fehlend häufig fehlend fehlend fehlend

Abb. 43: Umweltrahmenbedingungen und innere Merkmale der verschiedenen Größenklassen von Korallenriffen. Die Ein-
stufungen beziehen sich auf die allgemeinen, physikalisch-chemischen Rahmenbedingungen für das Wachstum riffbilden-
der Korallen (vgl. Kap. 6.3, 6.4).

Kleinbiostrome
Kleinbiostrome sind innerhalb korallenreicher, flachmariner Umwelten nur selten klar ausgebildet. Es bestehen z.T.
sich vielfach wiederholende, seitliche Übergänge in lockere Korallenansammlungen oder Korallenrasen, so daß eine
Abgrenzung einzelner Riffkörper oft schwierig ist. Kleinbiostrome bestehen meist aus wenigen Korallengenerationen
und zeigen geringe Artenzahlen und mittlere Kolonievolumen (vgl. Abb. 44). Dies weist auf kleinräumige, nur
kurzzeitig für Riffwachstum günstige Umweltbedingungen hin. Die Grundmasse reicht von Pack- bis Wackestones.
Deutlich ausgebildete Kleinbiostrome sind in der Korallenfazies von Arnegg (AK II 1) und im ORK von Lothringen
zu beobachten (jüngste Abschnitte LPA 1).
175

Mittelbiostrome

Dieser Rifftyp ist charakteristisch für topographisch gegliederte Ablagerungsräume (AK I 1, LEU II 1, LLE 1)
Euville, Lerouville; vgl. Abb. 44). In flachmarinen Bereichen bestimmen die Ausmaße der submarinen Erhebungen,
die Hangfläche und die Hanglage die Riffausdehnung. Im tiefermarinen Bereich unter gleichbleibenden
Umweltbedingungen entwickelt sich ein vertikal durchhaltendes einheitliches Gefüge und eine einheitliche
Faunenzusammensetzung (AK I 1). Kurzzeitige Streßereignisse (z.B. grobklastischer Streß) können hier zur
Beendigung des Riffwachstums in diesen Biostromen führen - anschließend bilden sich jedoch wieder gleichartige
Riffkörper aus. Änderungen der Umweltverhältnisse werden zum einen durch sukzessionale Änderungen der
Faunenzusammensetzung und des Gefüges angezeigt (LFO 1, 2, IS 1, 2, LEU II 1). Zum anderen kann biostromales
in biohermales Riffwachstum übergehen (AM II 3 I, LEU I 1/2, LEU II 4). Die jüngsten Bereiche von Riff LEU II 1
zeigen einen Schlammgehalt von schätzungsweise 90 %. Die durchgängige Korallenbedeckung durch sehr
dünnfladige Kolonien rechtfertigt in diesem Fall trotzdem die Klassifikation als mittelbiostromaler Riffkörper.

Großbiostrome/Riesenbiostrome

Dieser Rifftyp ist bezeichnend für tiefermarine Ablagerungsräume (vgl. Abb. 44) mit über größere Flächen
einheitlichen Umweltbedingungen und einer großflächigen Verfügbarkeit von Hartsubstrat (Hartgründe,
Austernlagen). Besonders charakteristisch sind die großflächigen, das Riffwachstum in Lothringen und am Isteiner
Klotz einleitenden mergeligen Microsoleniden-Riesenbiostrome (LFO 1, IS 1, IS 2). Einheitliches Platestonegefüge
und gleichbleibende Faunenzusammensetzungen dieser Riffkörper bezeugen über längere Zeit gleichbleibende
Bedingungen. Die vorherrschenden Stressfaktoren in diesen Tiefenbereichen sind Lichtmangel und niedere
Temperaturen. Rifftypen ähnlicher Zusammensetzung und Ausdehnung im Oberjura beschreiben z.B. ALI 1983;
INSALACO (1996b) und LEINFELDER et al. (1996). Die mergeligen Microsoleniden-Riesenbiostrome werden bei
abnehmender Wassertiefe in kontinuierlichen Übergang von zunehmend heterogenen Riffkörpern (LFO 2, IS 2)
abgelöst. Im Zuge dieser Verflachung des Ablagerungsraumes bilden die Riffoberflächen der Riffkörper LFO 2 und
IS 2 zunehmend ein sanftes, großwellig-kuppiges Relief bis ungefähr 2 m aus. Aufgrund des im Verhältnis zur
Flächenausdehnung geringen Höhenunterschiedes und des einheitlichen Korallengefüges ist die Typisierung als
Biostrom jedoch weiterhin gerechtfertigt. Schließlich kommt es zu einer Auflösung des verbundenen
Platestonegefüges. Dies beruht auf immer wechselhafteren Umweltbedingungen in Zusammenhang mit dem
steigenden Einfluß weiterer Umweltfaktoren durch die weitere Verflachung des Ablagerungsraumes. Die
Artenvielfalt von Korallen in Großbiostromen ist allgemein niedrig bis mittelhoch, bei einer Zunahme mit der
Verflachung des Ablagerungsraumes. Innerhalb der tiefmarinsten Großbiostrome von Lothringen und des Isteiner
Klotzes sind in der Grundmasse deutliche siliziklastische Ton- bis Sandanteile vorhanden (vgl. Kap. 9.1.1). Eine
großbiostromale Struktur ist für das korallenführende Mikrobolith-Kieselschwamm-Biostrom (AM I 1). Aufgrund des
kleinräumigen Aufschlußbereiches von wenigen Metern ist die ganze Erstreckung des Riffkörpers jedoch nicht zu
ermitteln. Nimmt man eine flächenhafte Ausdehnung dieses Riffkörpers über die gesamte Fläche des Arnegger
Riffkomplexes an und berücksichtigt dabei die vorgegebene kuppenförmige Topographie so könnte jedoch auch von
einem Großbioherm gesprochen werden.

8.2.3 Dickichte

Dickichte sind in allen Aufschlußregionen kennzeichnend für flachmarine Bereiche. Während sie in Lothringen und
am Isteiner Klotz schlammige Umwelten beherrschen, treten in Arnegg nur wenige Kleindickichte (AK II) in stark
bioklastischer Umwelt auf. In den schlammigen Bereichen sind v.a. Klein- bis Mitteldickichte häufig. Nur selten
erlauben über größere Bereiche einheitliche Umweltbedingungen die Ausbildung von Großdickichten (LPA 1). Im
Zuge nachlassender Wasserenergie und/oder gleichzeitig ansteigendem feinklastischen Streß zeigen sich in den
lagunären Bereichen zunehmend kleinräumigere Dickichte. Dickichte sind überwiegend Anzeiger geringer
176

Wasserenergie und/oder erhöhten feinklastischen Stresses und stehen im Verlauf der Verflachungsequenzen von
Lothringen und des Isteiner Klotz, am Ende der Riffentwicklung als die häufigsten Rifftypen in den flachmarinsten
Umwelten. In diesen Riffumwelten tritt zusätzlich Temperatur- und Salinitätsstreß auf. Die regellose Verteilung von
Dickichten im ORK von Lothringen spricht für eine vermehrt zufällige oder biologische Kontrolle der Riffverteilung
(vgl. RIEGL & PILLER 1998). Im Korallenkalk des Isteiner Klotzes wird das Wachstum von Dickichten durch ein
weitgespanntes, kuppenförmiges Relief beeinflußt (vgl. Kap. 3.7, 8.2.3).

Kleindickichte

Dieser Rifftyp ist in Lothringen und Istein typisch für die schlammigen, lagunären Ablagerungsbereiche (vgl. Abb.
42). Kleindickichte bilden sich hier entweder vereinzelt (LEU I 6, Lerouville) oder in vielfacher enger Nachbarschaft
auf strukturlosen Schlammflächen (LPA, Sorcy Gare II, Aprèmont la Forêt) oder im Bereich von Erhebungen (LEU I
6, IS 5). Vor allem im Pionierstadium ist ein geringer Betrag feinklastischen Sedimentstresses zur Ansiedlung der
Korallenlarven nötig (vgl. Kap. 6.4.8), der im weiteren Verlauf meist ansteigt, bestimmte Werte aber nicht
überschreiten darf. Kleindickichte setzen sich allgemein aus gegen mechanischen Streß empfindlichen dünnästigen
Arten (v.a. Stylosmilia, Goniocora; vgl. Kap. 7.3; Taf. 5, 9) zusammen. Hierbei ist häufig eine monospezifische
Zusammensetzung der Korallenfauna zu beobachten. Teilweise festigen großvolumige Bewüchse von mikrobiellen
Krusten das Boundstonegefüge von Kleindickichten (vgl. Kap. 5.2.2) und bezeugen gleichzeitig die Erhebung über
den umgebenden Sedimentspiegel. Massive, meist massige bis kugelförmige Kolonien im Umfeld von
Kleindickichten beinhalten vor allem feinklastischen Streß tolerierende, stylinide und mäandroide Korallen (vgl. Kap.
7.3; Abb. 38). In Arnegg sind im schuttgestressten Hangbereich der Misch- und Korallenfazies bioklastische
Latomeandra-Kleindickichte ausgebildet. Die in der Umgebung festzustellende Anhäufung massiver Korallen deutet
auf verminderten klastischen Streß im Bereich inaktiver Sedimentloben hin.

Mitteldickichte

Dieser Rifftyp findet sich in Lothringen (Sorcy Gare II) und am Isteiner Klotz (IS 4; vgl. Abb. 42; Taf. 9) in, von
feinklastischem Streß dominierten, lagunären Umwelten. Der hohe Anteil von dickästigen Korallen (v.a. Aplosmilia)
bezeugt, zumindest für den Beginn der Riffentwicklung, etwas erhöhte Wasserenergie. Dünnästige Arten siedeln
meist im Schutz dickästiger Formen oder innerhalb von Folgesukzessionen. Das Pillarstonegefüge ist seitlich meist
wechselhaft, und vorherrschend dichte Geäste wechseln mit lockereren Bereichen ab, bei jedoch in der Übersicht
einheitlichem Riffkörper. Aufgrund allgemein ansteigendem Sedimentstreß nur vergleichsweise kurzzeitig
bestehende, geringmächtige Mitteldickichte (Sorcy Gare II, IS 4) lassen oft eine allogene Sukzession von dickästigen
zu dünnästigen Korallen erkennen. Einzelne erosive Flächen belegen örtlich (Sorcy Gare II, Haudainville; s. Taf. 7)
den episodischen Einfluß von hochenergetischen, erosiven Ereignissen. Langzeitig durchhaltendes Dickichtwachstum
beweist längerfristig günstige Wachstumsbedingungen, die durch Selbstverstärkungsprozesse entscheidend beeinflußt
werden (vgl. Kap. 9.1.3). Massive und ramose Kolonien sind verbreitet bis örtlich auch dominierend. Kleinvolumige
Aufwüchse massiver Korallen auf ästigen Korallen sind verbreitet. Das gehäufte Auftreten von massiven Kolonien an
der Basis von Mitteldickichten bezeugt einen vergleichsweise geringen feinklastischen Streß zu Beginn des
Riffwachstums. Die massiven Kolonien werden im Lauf der Riffentwicklung bei steigender Sedimentationsrate dann
rasch von ästigen Kolonien verdrängt. Mitteldickichte bilden sich in den untersuchten Vorkommen auf annnähernd
horizontalen (ORK Lothringen) bis schwach reliefierten (Korallenkalk des Isteiner Klotzes) Sedimentflächen. Dies
deutet darauf hin, daß Strömungsunterschiede für die Riffbildung keine entscheidende Rolle zu spielen scheinen und
zufällige oder biologische Faktoren das Riffwachstum steuern. Häufig ist die seitliche und zeitliche Auflösung in
Kleindickichte zu beobachten (z.B. LSG II).
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LEUII 3

LEUII 4
LEU II

AMII 1

AMII 2

AK II

AK II
LEU I 1

LEU I 2

LEU I 3

LEU I 4

LEU I 5

LEU I 6