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Seminar Wahl File closed - Am Anfang war das Word 04 Galeria Historika 08 Modularisierung

Seminar

Wahl

File closed - Am Anfang war das Word

04

Galeria Historika

08

Modularisierung am Historischen Seminar

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Die langen Winterabende

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Der weihnachtliche Ratsticker

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Wahlhalla

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Wir für euch

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Unipolitik

Zeitgeschehen

Eigelbweiße Wände braucht das Land

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Staatsbürgerschaftsrecht

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Das Herz schlägt links

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Anthills of the Savannah

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Historie

Sport

Revitalisierung: Mutter des Grundgesetzes

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Hanebüchene Forderungen der FIFA

22

 

Die nächste Frau ist immer die schwerste

23

Stürmer für Hitler

25

Unterhaltung

Feujetong

Stephans Erste Regel

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Headshot!

35

Extreme Hollywood Verdumming?

27

Wer eigentlich ist Dschingis Khan?

38

Hänsel und Gretel 2000

28

Tagebuch des Autokraten

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Unreales Halbleben der Quaker

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Nichts als die Wahrheit

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Von bunten Bildern, dem Himmel auf Erden

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Götterdämmerung

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Querulanten: Mattias Adolph, Michael Aschenbach, Ingo Baasch, Dirk Bollhöffner, Peter Ceglarek, Frau Colberg, Papa Frings, Steffi Gelhaar, Ricarda Giesen, Stefan Glienke, Urban Heisig, Holger Lehmann, Jojo Schack-Steffehagen, Elke Schobelt, Andrea Siebert, Dennis Storjohann, Sabine Welß.

Special Support: Max Reinhardt, Philipp Claussen, Verena Uka, Jan Kreidler, Stefan Frings, Arnd Brüne, Lt. Hugo und sein Spaacher, Valve Soft- ware, der Ofen und Aaaaaaaaadriiiiaaaaaaaaaaan!!!!!!!!!!.

Vorwort

Prolegomenon

Willkommen. Willkommen in der Wunderwelt der neuen Fachschaftszeitung am Historischen Seminar der Theodor-Lessing-Universität Hanno- ver. Willkommen zur Erstausgabe des AVALIST. Die Fachschaftszeitung am Historischen Semi- nar hat eine sehr lange Geschichte, die in der letzten Ausgabe, dem „HistorikAs Guide to the Galaxy“, schon ausführlich beleuchtet wurde. Seit 1977 hat sie eine Reihe von unzähligen inhaltlichen und layouttechnischen Änderungen erfahren, teils schleichend und unbemerkt, teils plötzlich und deutlich. Manche dieser Änderun- gen hatten zwingende Gründe, wie zum Beispiel das Ersetzen von Schere und Kleber durch Com- puter, oder was man damals dafür hielt, andere waren ein- fach frei und logische Folgen der Mentalitätsänderungen inner- halb der Redaktionen. Doch eine Veränderung springt dem geneigten Betrach- ter der seminarinternen Journa- lismushistorie direkt ins Auge:

gen unterstützten Wohlfahrtsputsch die Redak-

tion übernahmen und sich ans Volk wandten. Und

das sagte

über ihre Interessen hinaus das bereitzustellen, von dem sie glaubten, daß die von ihnen gelieb- ten Leserinnen und Leser es sich wünschen könn- ten. So entstand der AVALIST, die Sonne ging auf und hoffentlich hatte Ozeanien nie Krieg mit Eurasien Viele Dinge haben sich geändert, einige nicht und andere werden die nächsten zwei Ausgaben nicht unverändert über- stehen, gleichwohl das Layout des AVALIST hoffentlich den Eindruck erweckt, durch seine Perfektion die Würde erreicht zu haben, für künftige Generationen in Stein gemeißelt zu werden. Das Prinzip der freien Mit- arbeit ist unverändert geblieben, so daß wir an dieser Stelle, und auch das ist ja schon beinahe eine Tradition der PARALYSE, freundlich um die Einsen- dung möglichst zahlreicher Artikel bitten möchten. Die kleine Kolumne, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, gerade jetzt hoffentlich das Vergnügen haben zu lesen, hat unverkennbar dieselbe Funktion wie ihre Namensschwester aus der ver- blichenen PARALYSE, nämlich die Leser über alle interessanten Entwicklungen in und um den AVALIST zu informieren, die sonst in den unendlichen Weiten des redaktionsinternen Universums verloren gehen würden, was vor allem deshalb schade wäre, weil sich der AVALIST vor allem durch eins von allen anderen Ihnen bekann- ten Magazinen abzuheben versucht: Die Nähe und Familiarität der Redaktion zur Leserschaft. Also, auch wenn dieses Prolegomenon etwas abstrakt geraten ist, so werden die Nachfolger an die Tra- dition der vorherigen Exemplare anknüpfen und versuchen, Ihnen das Flair und Gefühl der Redak- tion zu vermitteln. Und nun wünsche ich viel Vergnügen mit dieser ersten Ausgabe des AVA-

LIST.

Ralf Raths

P.S. Aaaaaaaadriiiiaaaaaaan!!!

nichts. Also entschieden sie sich,

Aaaaaaaadriiiiaaaaaaan!!! nichts. Also entschieden sie sich, Gemeint ist selbstverständlich die Metamorphose vom

Gemeint ist selbstverständlich die Metamorphose vom MAULWURF zur PARALYSE im Jahre 1995. Diese Metamorphose hatte benannte inhaltliche Gründe, und der Name kam nicht von ungefähr. Die Bezeichnung PARALYSE erwuchs aus der damaligen Situation, die wohl äußerst stagnativer, destruktiver und resignativer Natur war, und sie war ursprünglich gedacht als Übergangsbezeichnung bis zur Verän- derung eben jener andeutungsweise beschriebener Situation. Doch getreu den Mechanismen aus „1984“ hatte Ozeanien nie Krieg mit Eurasien, und der MAULWURF war schon immer die PARALYSE Nichtsdestoweniger gab es eine kleine Schar von Jungspunden, die, vormals von der alten Redaktion gnadenlos zwangsrekrutiert, die schlei- chende technische und kreative Oryktogenie im Zentralkomitee des Zentralorgans am Seminar bemerkten, in einem von biologischen Sachzwän-

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Seminar

File closed: Am Anfang war das Word

von Ralf Raths

Nun ist es also doch passiert. Gleichwohl wir seit langen Monaten, und damit einher- gehend auch mehreren Ausgaben, ange-

droht, oder in Aussicht gestellt hatten, je nach Sichtweise, sowohl Namen als auch Konzept, Layout und Aufbau der ja wohl hoffentlich von allen heißgeliebten Fachschafts- zeitung PARALYSE radikal zu ändern, hat wohl niemand tatsächlich daran geglaubt, daß wir selbiges tatsächlich auch in die Tat umsetzen würden. Nun ist aber genau dieses geschehen, zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels wird schon wieder am Layout des AVALISTgewer- kelt. Na ja, manche Dinge ändern sich nie, genau jetzt sitzen die Techniker am Netzwerk und fluchen über die PCs, ganz wie in seligen Paralysezeiten. Aber trotzdem, im großen und ganzen gibt es jetzt nun doch eine neue Zei- tung. Was das genau bedeutet, warum sich Dinge wie ver- änderten, und wie wir in Zukunft zu arbeiten gedenken, genau das möchte der Autor der verehrten Leserschaft nahebringen. Sichtbarstes Zeichen der Veränderung ist natürlich die Umbenennung, und das dazugehörige Anekdötchen ist rasch erzählt. Als wir einstmals darum baten, mit den kreativen Ergüssen unseres Publikums betreffs der Namensänderung überschüttet zu werden, erhielten wir genau einen Vorschlag, der, freundlich formuliert, nicht genau dem entsprach, was die schlagwortartige Verkür- zung von Inhalt und Konzept der angedachten, bis dato nur im Geiste existierenden Fachschaftszeitung hätte lei-

sten sollen. Also entschieden wir uns nach zwei Zwischen- ausgaben, der „bitte Namen einsetzen“ und dem „HistorikA’s Guide to the Galaxy“, die praktisch den warmen Entzug von der PARALYSE darstellten, unsere Gehirne hochzufahren und selbst mal kreativ zu werden. Wir überlegten also, wie bereits gesagt, welchen Bedeutungsinhalt wir trans- portieren wollten, und auch wenn der Autor der verehr- ten Leserschaft die genauen Gedankengänge zu ersparen gedenkt, so sei doch nicht verschwiegen, daß die Eck- punkte diverser Überlegungen irgendwo um Tod, Wahn- sinn und Spritzgebäck kreisten. Neben diversen zumin- dest interessanten Geistesblitzen, wie zum Beispiel die „StudentIsche BeobachterIn“ oder die durch traditionalisti- sche Sentimentalität entstandene „ Doktrin“, kamen wir auch auf zivilere Varianten. Die eher an die Kreativitäts- art einer Orientierungsstufe aus Pinneberg gemahnenden Moorsoldaten“ fanden aber ebensowenig Gehör wie die etwas morbideren, aber nur unwesentlich ansprechen- deren „ Moorleichen“. Doppeltitel waren kurzzeitig hoch im Kurs, aber weder „Hysterie und Agonie“ noch „ Alt und

fixiert“ schafften den Sprung auf das Titelblatt, letztere Variante wurde gar von der Erfinderin erst heute abend, Monate nach der großen Kreativsitzung, verschämt unter das Volk gebracht. Als wir uns dann entschieden, von der technischen Unkreativität diverser Programme mit the- saurischen Fähigkeiten Gebrauch zu machen, waren wir gerade auf dem Themenstrang „Wechsel“ angelangt, da wir der festen Überzeugung waren, daß das, was diese Zei- tung am meisten definiert, die Tatsache ist, daß die Redak- tion relativ abrupt einen Generationenwechsel mit ver- blüffend gründlicher Gesinnungsumorientierung durch- gemacht hat. Als wir dieses Schlagwort dann auch flugs in die LexiRom-Mühle warfen, spuckte diese unter anderem den Begriff „Avalist“ aus, von dem jemand unbeschwert brüllte: „Hey, klingt das nicht prima?“, was ein einhel- liges „Yo, prima!“ zur Folge hatte. Da sich der Begriff auch noch in einem Themenbereich bewegte, den alle favorisierten, und da auch alle des Suchens müde waren, war „Avalist“ binnen Sekunden akzeptiert. Die wörtliche Bedeutung war nämlich „Bürge für einen Wechsel“. Ver- geistigt, wie wir alle sind, dachten wir natürlich, das sei politisch, geistig und/oder moralisch gemeint. Daß es sich dabei um profane pekuniäre Dimensionen handelte, ging uns allen erst später auf. Egal, der „Avalist“ hatte bereits unsere Herzen erobert Der Grübler wurde an einem nebligen Septembermor- gen um fünf Uhr früh im Welfengarten auf mehrheitli- chen Beschluß des Redaktionsexekutivrates erschossen. In Ablehnung jedweder Götzenverehrung oder spieleri- schen Verniedlichungstendenzen des Fachschaftsblattes wurde auf die Einführung eines neuen Maskottchens ver- zichtet. Intern übernimmt diese Rolle weiterhin der Chef- layouter. Die grundlegendste interne Änderung, welche die ver- ehrte Leserschaft eher unbewußt, wenn überhaupt, wahr- nehmen wird, ist der veränderte Aufbau. Im Regelfall, zumindest seit der journalistischen Bewußtwerdung des Autors, war eine PARALYSE nach einem flexiblen Kon- zept aufgebaut. Wenn man eine Ausgabe von vorne nach hinten gelesen hat, so wurde man mit sanfter Hand durch selbige geführt. Einem salbenden, vorbereitendem Pro- legomenon folgte ein das Interesse weckender Hauptar- tikel, gefolgt von Artikeln von hoher moralischer, politi- scher oder sozialer Priorität. Damit das Gehirn nicht über- strapaziert wurde, waren diese Juwelen versetzt mit leich- terer Kost, heitere Zwischenspiele entspannten Augen, Zwerchfell und Denkerstirn. Das ganze wurde abgeschlos- sen durch ein beruhigendes, inhaltlich anregendes, aber

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nicht zu aufregendes Abschlußplädoyer, das dem Leser die Gesamtheit der Ausgabe noch einmal salbungsvoll vor Augen führte. Die Leser bezeichneten das Ganze als „unorganisierte Scheiße“. Gut. Danke. Wir sind ja lern- fähig. Fürderhin sind die Artikel in thematischen Blök- ken organisiert. Einem konservierten Prolegomenon folgt gegebenenfalls eine aktuelle Titelstory. Daraufhin folgen die Blöcke Seminar, Unipolitik, Zeitgeschehen, Historie, Ausland, Sport und das abermals konservierte Feujetong. Die beliebten, aber chaotischen Festschriften und Spar- ten gehen in diesen Blöcken auf, werden aber ihren eige- nen Charakter durchaus beibehalten, es reduziert sich auf eine Frage der Übersichtlichkeit durch Layouttechnik. Weitere Layoutspielereien sind unübersehbar. Der altehrwürdige Paralyse-Schriftsatz wurde zugunsten einer schnittigen Serifenschriftart ersetzt, die Seitenzahlen zentriert. Das Dogma der päpstlichen Zweispaltigkeit wurde aufgegeben, wir entscheiden von Fall zu Fall, in welchen Spaltenaufbau die Seite gepreßt wird. Tja, die ewiggestrigen Dauermeckerer können sich jetzt die Hände reiben. OBWOHL wir fanden, daß die Side- gags durchaus ein tragfähiges Konzept waren, das für viel Belustigung sorgte und das der PARALYSE vor allem ein sehr individuelles Charisma verpaßte, haben wir es zu großen Teilen aufgegeben. Im AVALIST ist es vielmehr so, daß wir erwarten, daß die geschätzten Autoren und Autorinnen das Bildmaterial selbst mitliefern, am besten bereits um Bildunterschriften ergänzt. Sollte das nicht der Fall sein, so werden wir diesen Arbeitsschritt über- nehmen, die Sidegags werden nur dann auftauchen, wenn

über- nehmen, die Sidegags werden nur dann auftauchen, wenn 5 Seminar es inhaltlich paßt und nicht

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Seminar

es inhaltlich paßt und nicht ausdrücklich verboten ist. Mit den Überschriften verhält es sich ähnlich, nur untrag- bare Überschriften werden ersetzt. Die Recht(s?)schreibung des AVALIST ist nicht verein- heitlicht. Die Artikel werden nach alter oder neuer Recht- schreibung gesetzt, nach Gusto des Menschen, der den Artikel verfaßte, muß jedoch innerhalb des Machwerks konsequent sein. Lob und Tadel für die künstlerische (?), inhaltliche (?) und technische (!) Gestaltung bitte gesammelt an die Adresse von Jörg Koopmann, welcher da fürderhin das Cover unter seine Fittiche genommen hat. Der Redaktionsschluß ist ohne Ausnahme, unwider- ruflich und mit süffisantem Grinsen durchgesetzt immer

FREITAGS 12.00 Uhr! Nada discussiona. Freitag

ach

ja, das Prinzip der Layoutwochenenden bleibt bestehen, der AVALIST erscheint ebenfalls jeweils zu Beginn und Abschluß eines Semsters bzw. zum Jahresende. Und was bleibt gleich?

Der AVALIST will auch weiterhin das öffentli-

che Forum am Historischen Seminar blei-

ben. Die Redaktion ist zwar das Team von

Bekloppten, das den ganzen Kram layoutet, korrigiert, ordnet und verlegt, aber auch weiterhin freut uns nichts mehr, als Artikel von außerhalb zu erhalten, wie in dieser Ausgabe gleich mehrfach geschehen, dafür herz- lichen Dank. Aber wenn die Ausgaben dicker und inter- essanter werden sollen, ist auch der AVALIST auf eure Mitarbeit angewiesen, wie schon vormals die PARALYSE. Tja, manche Dinge ändern sich eben nie.

der AVALIST auf eure Mitarbeit angewiesen, wie schon vormals die PARALYSE . Tja, manche Dinge ändern

Seminar

Modularisierung am Historischen Seminar

für den StudentInnenrat Geschichte von Verena Uka

am Historischen Seminar in Hanno- ver müssen wir uns inzwischen die Frage stellen, ob die Modularisierung

des Studienganges, also die Verwirklichung des Bache- lor–Masterprogramms, noch aufzuhalten ist. Inzwischen gibt es immer mehr Universitäten in Deutschland, die aus den unterschiedlichsten Gründen und in diversesten Fächern Modellstudiengänge durchführen. Die aufgrund der knappen Haushaltsmittel und der Drittmittelpoli- tik heraufbeschworene Konkurrenzsituation zwischen den Hochschulen verstärkt diese Tendenz. So sahen sich auch die Dozierenden in unseren heiligen Hallen (und nicht nur hier, sondern in vielen Fachbereichen der Theodor-Lessing-Universität Hannover) unter Zug- zwang. Nicht nur sie, sondern auch die aktiven Studie- renden befürchten, daß uns irgendwann ein Modell auf- gedrückt wird, daß den jetzigen Charakter unseres Stu- diums rücksichtslos erstickt. Was nun? Ein Gegenmodell muß her, daß die Beson- derheiten des Historischen Seminars aufnimmt und nicht zerstört. Der eventuelle Schaden soll so gering wie mög- lich gehalten werden und so steht noch eine Menge Arbeit bevor. Inzwischen hat sich ein paritätisch (!) besetztes Gre- mium konstituiert, das versucht ein passendes Modell zu entwickeln. Einmal im Monat werden Kenntnisse und Vorschläge ausgetauscht und diskutiert. Nach der stu- dentischen Vollversammlung (die mit etwa 25 Leuten mal wieder außerordentlich bescheiden besucht war) hat eine AG zu arbeiten begonnen. In diesem Rahmen soll die Möglichkeit bestehen, sich zu informieren, Mei- nungen zu bilden und die Sitzungen vorzubereiten. Um eine breitere Basis für dieses außerordentlich schwie- rige und umstrittene Thema zu finden (schließlich geht es in diesem Zusammenhang auch um mehr Klausuren, mündliche Prüfungen, Benotungen und Strukturierung), sollten möglichst viele Studierende mitdiskutieren und sich eine eigene Meinung bilden, die sie später auch arti- kulieren können. Grundsätzlich birgt die Modularisierung unseres Stu- dienganges sowohl Chancen als auch Gefahren. Merk- würdig, kaum ein/e Studierende/r wird etwas dagegen einzuwenden haben, daß unsere Studienleistungen auch im Ausland anerkannt werden. Endlich fällt die nervige Umrechnerei weg, der Wechsel zwischen den Studien- orten wird einfacher und nach einem Auslandsaufent- halt kann problemlos wieder eingestiegen werden, ohne Scheine oder Prüfungen wiederholen zu müssen. Bei der Durchsicht der Modellstudiengänge jedoch, ergibt sich

Auch

erste Konfusion. Unterschiedlicher können diese eigent- lich nicht sein, denn sie heißen zwar alle gleich, aber es verbergen sich dahinter grundverschiedene Ansätze. Wie sich hier eine gegenseitige Verrechenbarkeit erge- ben soll, bleibt schleierhaft. „In Modulen werden laut der HRK-Empfehlung zum Thema, Stoffgebiete zu thematisch und zeitlich abge- rundeten, in sich verschlossenen und abprüfbaren Einhei- ten zusammengefaßt.“, (Hochschulrektorenkonferenz, Barbara M-L Steiger, Stichwort „Modularisierung“, Okto- ber 1998). Mal ganz davon abgesehen, wie jemand über Abprüfbarkeit, also über Klausuren etc. denkt, diese Vorgabe widerspricht sich grundsätzlich mit den Prinzi- pien der Geschichtswissenschaft. Meiner Meinung nach zeichnet sich das Studium eben dadurch aus, daß ich lerne, kritisch zu Fragen und niemals Wissen einfach hinzunehmen. Noch nie habe ich eine Frage allumfas- send beantwortet bekommen, denn diese Antworten gibt es nicht. Warum soll das ein Modularisierungsmo- dell vorgaukeln? In dieses System paßt ein Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften eigentlich gar nicht rein. Für mich regt sich mehr und mehr der Verdacht, daß es sowieso eher für die naturwissenschaftlichen Fächer konzipiert ist, in denen sich das Abfragen von Wissen vermutlich einfacher gestaltet.

dieser Artikel soll keine ausgego- rene Reflexion über die Problematik beinhalten, sondern lediglich darauf

aufmerksam machen, daß sich in Zukunft auch hier bei uns am Historischen Seminar eine Menge ändern wird und daß es endlich Zeit wird, an diesen Veränderungen aktiv mitzuarbeiten. Je mehr Studierende sich zu diesem Thema infor- mieren und hoffentlich auch mitarbeiten, desto breiter kann die Diskussion um eine Umstrukturierung geführt werden. Nur so können möglichst viele Wünsche beach- tet werden und später auch eine Umsetzung finden. Zur Zeit müssen sich die studentischen VertreterInnen in den entsprechenden Gremien mal wieder ein Meinungs-

bild über die Vorstellungen der Studierenden zusam- menreimen und noch dazu unter dem Legitimations- zwang, nur eine verschwindende Minderheit zu vertre- ten. Also Leute, Arsch hoch!

Doch

Die AG „Modularisierung“ trifft sich zweiwöchig Donnerstags um 17h in A 106. Die Sitzungen werden per Aushang bekanntgegeben.

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Seminar

Ratsticker Seminar Das Winterprogramm geht weiter: Am 06.01.2000 findet ein Afrika-Abend statt, am 13.01.2000 gibt es dann
Ratsticker

Seminar Ratsticker Das Winterprogramm geht weiter: Am 06.01.2000 findet ein Afrika-Abend statt, am 13.01.2000 gibt es

Das Winterprogramm geht weiter: Am 06.01.2000 findet ein Afrika-Abend statt, am 13.01.2000 gibt es dann den schon legendären Bierverherrlichungsabend, an dem natürlich wieder das Bier des Semesters gewählt werden wird, und am 20.01.2000 veranstalten wir noch einen Spieleabend. Die kulturellen Abende
Semesters gewählt werden wird, und am 20.01.2000 veranstalten wir noch einen Spieleabend. Die an dem natürlich wieder das Bier des kulturellen Abende finden alle im HistorikA-Café statt, kulturellen Abende finden alle im HistorikA-Café statt, Beginn wird noch ausgehängt.

Donnerstage

Auslandsstudium

Am 08.12.1999 gab es eine Informationsveranstaltung zum Thema „Studieren im Ausland“. Dazu referierten einige Dozierende, die Auslandsprogramme betreuen, und einige Studierende, die schon einmal im Ausland studiert haben. Leider scheint es am Historischen Seminar kaum StudentInnen zu geben, die so etwas interessiert, denn obwohl im Laufe des Studiums ziemlich viele ins Ausland wollen und z.T. auch gehen, waren gerade einmal vier Studierende da.

Dienstage

des Studiums ziemlich viele ins Ausland wollen und z.T. auch gehen, waren gerade einmal vier Studierende
des Studiums ziemlich viele ins Ausland wollen und z.T. auch gehen, waren gerade einmal vier Studierende

Am Dienstag den 11.01.2000 veranstaltet der StudentInnenrat Geschichte einen Informationsabend zum den 11.01.2000 veranstaltet der StudentInnenrat Geschichte Thema „ Stipendien “. Auch hier werden wieder einige Thema „Stipendien“. Auch hier werden wieder einige Dozierende referieren, die StipendiantInnen betreuen, und einige Studierende, die ein Stipendium bekommen haben. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Stattfinden wird das Ganze wieder im HistorikA-Café, Beginn wird noch plakatiert.

wieder im HistorikA-Café, Beginn wird noch plakatiert. Wahlen Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt.
wieder im HistorikA-Café, Beginn wird noch plakatiert. Wahlen Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt.
Wahlen Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt. Auch wenn wir nach dem basisdemokratischen

Wahlen

Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt. Auch wenn wir nach dem basisdemokratischen

Wahlen Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt. Auch wenn wir nach dem basisdemokratischen
Wahlen Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt. Auch wenn wir nach dem basisdemokratischen
Wahlen Vom 25.-28. Januar 2000 finden wieder Wahlen statt. Auch wenn wir nach dem basisdemokratischen

Prinzip arbeiten, bei dem sich jede/r zu jeder Zeit beteiligen kann, können wir die Wahlen leider nicht abschaffen. Deswegen: Geht wählen, wählt StudentInnenrat Geschichte. Für Senat, Konzil und Fakultät empfehlen wir eine basisdemokratische Liste zu wählen. Darüber hinaus wird wieder einmal über das Semesterticket abgestimmt.

Café-Kollektiv Es gibt ein neues Café-Kollektiv, bestehend aus: Michael Reisner, Gerald Lieske, Arnd Brüne, Stephan
Café-Kollektiv Es gibt ein neues Café-Kollektiv, bestehend aus: Michael Reisner, Gerald Lieske, Arnd Brüne, Stephan

Café-Kollektiv

Es gibt ein neues Café-Kollektiv, bestehend aus: Michael Reisner, Gerald Lieske, Arnd Brüne, Stephan Glienke, Ricarda Giesen, Dennis Storjohann, Stefanie Bartz, Peter Ceglarek und Nadine Ziegler. Es soll wieder eine Tassenaussortieraktion geben, dazu wird ein neues Regal angeschafft werden, das vor der Theke stehen wird und auf dem die Privatassen dann ausgelagert werden. Desweiteren wurde auf der Café-VV beschlossen, daß keine Café-Tassen mehr ohne Pfand herausgegeben werden und daß Thekenschichten zwar freies Trinken, aber kein freies Essen mehr haben. Sobald die Finanzlage es zuläßt, wird es auch wieder Gebäck und Zeitungen geben.

aber kein freies Essen mehr haben. Sobald die Finanzlage es zuläßt, wird es auch wieder Gebäck
aber kein freies Essen mehr haben. Sobald die Finanzlage es zuläßt, wird es auch wieder Gebäck
zuläßt, wird es auch wieder Gebäck und Zeitungen geben. Credit-Points Eine Arbeitsgruppe, die sich mit der
zuläßt, wird es auch wieder Gebäck und Zeitungen geben. Credit-Points Eine Arbeitsgruppe, die sich mit der
zuläßt, wird es auch wieder Gebäck und Zeitungen geben. Credit-Points Eine Arbeitsgruppe, die sich mit der
zuläßt, wird es auch wieder Gebäck und Zeitungen geben. Credit-Points Eine Arbeitsgruppe, die sich mit der

Credit-Points

Eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Einführung des Credit-Point Systems befasst, hat sich gebildet. Da acht Personen aber nicht die so oft zitierte studentische Basis repräsentieren können, werden noch dringend Studierende gesucht, die sich an der Umstrukturierung unseres Studiums aktiv beteiligen. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen, Termin und Ort hängen aus.

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Wahl

Wahl 8

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Wahl

17.11.1999 Themen- schwerpunkt Vorlesungsver- zeichnis 18.11.1999 Film-Abend 24.11.1999 Themen- schwerpunkt
17.11.1999 Themen-
schwerpunkt Vorlesungsver-
zeichnis
18.11.1999 Film-Abend
24.11.1999 Themen-
schwerpunkt Credit-Point-
System
25.11.1999 Spiele-Abend
02.12.1999
Feuerzangen-
bowle
07.12.1999
Informa-
tionen zum Stu-
dium im Ausland
16.12.1999 Film-
Abend
06.01.2000 Afrika-
Abend
11.01.2000 Wie
bekomme ich ein
Stipendium?
13.01.2000 Bier-
verherrlichungs-
abend
20.01.2000 Spiele-
Abend

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Wahl

Wahlhalla

Die Basisdemokratische Liste StudentInnenrat Geschichte sieht sich als eine Interessenvertretung der Studierenden am Historischen Seminar der Theodor-Lessing-Universität Hannover. Es entspricht unserer Überzeugung, daß eine demokratische Politikentwicklung nur mit der Teilnahmemöglichkeit aller Betroffe- nen gewährleistet werden kann. Aus dieser Erwägung sehen wir Wahlen zu repräsentativen Gremien nicht als geeignetes Mittel zur Durchsetzung unserer Ziele. Da uns das NHG jedoch zu Wahlen zwingt, haben wir uns das folgende Programm gegeben:

I. Basisdemokratie Wir treten ein für eine basisdemokratische Selbstverwaltung der Studierenden, für die Umsetzung der offenen Fachschaftsarbeit. Ein Fachschaftsrat muß jedem/jeder Studierenden unabhängig von politischer Erfahrung, Alter und Mitarbeitsdauer die Möglichkeit bieten, seine/ihre Wünsche, Vorschläge, Forderun- gen und Meinungen im Rat offen einzubringen, gleichberechtigt mitarbeiten und mitbestimmen zu können (einzige Ausnahme siehe II.). Diese Mitarbeit abhängig zu machen von einem offiziellen Mandat, von einer Probezeit oder von anderen Begrenzungen, lehnen wir ab. Die Ergebnisse dieser Ratsarbeit sollen durch Delegierte mit einem imperativen Mandat des jeweiligen Rates in den Fachschaftenarbeitskreis (FSAK) als ein koordinierendes Gremium getragen werden. Andere Mandatsformen, wie das Gewissens- mandat, entsprechen nicht der Basisdemokratie und werden von uns deshalb abgelehnt.

II. Umgang mit basisfeindlichen Strukturen Wir lehnen es ab, mit basisfeindlichen, sprich parlamentarischen Gruppen (wie z.B. RCDS, LHG, Liste Leibniz, Studforum) in ihren Strukturen zusammenzuarbeiten (gewählte Fachräte, StuPa), da wir diesen Strukturen damit Gewicht verliehen und so die Basisdemokratie schädigten. Wir lehnen es weiterhin ab, diesen Gruppen die Möglichkeit zu geben, die Basisdemokratie aktiv zu unterminieren, indem sie unsere Strukturen unterwandern und ausnutzen. Offen anti-basisdemokratischen Studierenden verweigern wir die Mitarbeit in unseren Strukturen. Trotzdem scheuen wir uns nicht, uns inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen.

III. Im Moore Der Schwerpunkt unserer politischen Arbeit liegt auf dem Historischen Seminar und seinen Studierenden. Somit stehen wir den Studierenden für alle Fragen zur Verfügung. Die studentischen Interessen werden von uns durch die aktive Mitarbeit in den verschiedenen Gremien wahrgenommen. Wir nutzen das Mitspracherecht der Studierenden in der Vorstandssitzung und der geimeinsamen Besprechung, in denen zum Beispiel über das Vorlesungsverzeichnis, Strukturierung des Studiums, Haushaltsfragen und Stellenbesetzung entschieden wird. Zu diesen Themen nehmen wir auch das studentische Stimmrecht im Fachbereichsrat wahr. Desweiteren nutzen wir unsere Einflußmöglichkeit in diversen Kommissionen, wie z.B. der Credit-Point- Kommission, die eine Neustrukturierung des Geschichtsstudiums in Hannover vorbereitet. Wir organisie- ren Informationsabende, z.B. zu den Themen studieren im Ausland, Stipendien sowie zum BAFöG. Nicht zu vergessen die Ersi-Wochen, die vom StudentInnenrat Geschichte mit dem Ziel veranstaltet werden, den neuen Studierenden am Historischen Seminar einen guten Start ins Studium zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit anderen Gruppen planen und realisieren wir die kulturellen Donnerstag-Abende (Filmabend, Cocktailabend, Spieleabend, Afrika-Abend, Bierverherrlichungsabend usw.). Unseren Fach- schaftsraum stellen wir dem HistorikA-Café zur Verfügung, um den Studierenden einen Raum zum lesen, entspannen, arbeiten und nicht zuletzt zur politischen Diskussion zu bieten. Dadurch wollen wir die Anonymität am Historischen Seminar aufbrechen. Wir unterstützen ein regelmäßiges Erscheinen der Fachschaftszeitung und arbeiten eng mit ihr zusammen. Wir stehen mit den Dozierenden in einem konstruktiven Dialog, um unserer Vermittlungsfunktion zwischen Lehrenden und Studierenden zu ent- sprechen.

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Wahl

IV. Hochschulpolitik und Gesellschaftskritik Wir wenden uns gegen die dem kapitalistischen System innewohnende Meinung, Hochschulen seien nur Ausbildungsstätten zur Reproduktion von Arbeitskräften. Die Möglichkeit zur Entwicklung zum freien, selbstbestimmten, kritischen Menschen sehen wir als Aufgabe der Hochschulen. Hochschulpolitik muß zwangsläufig auch Gesellschaftskritik beinhalten und ist daher eines unserer zentralen Themen.

V. Gegen ökonomistische Hochschulstrukturen Wir bekämpfen neue, nur auf Ökonomisierung und pure Effizienz abzielende Strukturveränderungen. Im Sinne der Gesellschaftskritik und unserer Meinung von Hochschulen lehnen wir Entwicklungen wie Hochschulräte, Spezialisierung und Konkurrenzdenken ab.

VI. Demokratisierung der Hochschulen Da die Universität nicht im luftleeren Raum schwebt, sondern Universitäten und Gesellschaft in Wechsel- wirkung miteinander stehen, fordern wir das allgemeinpolitische Mandat. Wir treten dafür ein, die Demokratisierung der Hochschulen umzusetzen. Wir fordern die paritätische Besetzung der akademischen Gremien. Wir bekämpfen jeden Versuch, die bereits erreichte Mitbestim- mung der Studierenden, und allgemein die demokratische Selbstkontrolle der Hochschulen, wieder zu vermindern und in fremde Hände zu übertragen (Hochschulräte, Abbau von Gremien).

VII. Emanzipatorische linke Politik Gegen Diskriminierung Wir treten dafür ein, jedwede Diskriminierung zu beenden und alle Menschen gleichberechtigt zu behandeln. Ein in unseren Augen besonders wichtiger Punkt ist der Kampf gegen den Rassismus. Wir treten dafür ein, diese immer noch besonders stark verbreitete Form der Diskriminierung offensiv zu bekämpfen, insbesondere, da sie in den letzten Jahren, oftmals in verschleierter Form, einen starken Aufschwung erhält. Internationale Solidarität Wir treten ein für eine Solidarität mit Gruppen, die linke und humanitäre Ziele vertreten, und versuchen, solche Gruppen und Projekte im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Aus diesem Grund führen wir z.B. Soli-Wochen im HistorikA-Café durch. Antinationalismus und Antifaschismus Wir lehnen nationalistische Weltanschauungen und Politik in allen ihren Formen ab. Wir treten ein gegen jede Form von Faschismustendenzen, gegen offen zur Schau getragene genauso wie gegen eine zunehmende Akzeptanz in der Gesellschaft. Als Signal gegen die erstarkende Rechte und Geschichts- klitterung fordern wir, die Universität nach einem Menschen zu benennen, der von antisemitischen, rechtsextremistischen Studenten verfolgt, von der Uni vertrieben und dann eines der ersten Opfer der Nationalsozialisten im Ausland wurde; wir fordern den Namen „Theodor-Lessing-Universität Hannover“. Soziale Gleichheit und Gerechtigkeit Wir treten ein für soziale Gleichheit in der Gesellschaft, für die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit, wenn diese Gleichheit nicht gegeben ist. Wir wenden uns gegen den Rückzug des Staates aus seinem sozialen Aufgabenbereich, gegen die Zunahme der sozialen Kälte und die Akzeptanz des krassen Gefälles in der Gesellschaft. Aus diesem Grund organisieren wir z.B. die Ersi-Wochen und stellen die Räumlichkeiten für das HistorikA-Café zur Verfügung, um die Anonymität am Seminar aufzubrechen. Außerdem sprechen wir uns gegen jegliche Form von Studiengebühren (auch in Form eines Verwaltungskostenbeitrages) aus.

Damit wir auch weiterhin unsere politische Arbeit fortsetzen können, ist es nötig, die offiziellen Gremien auszuhebeln. Dazu müssen wir die Wahlen gewinnen. Deshalb:

Geht wählen!

Wählt Basisdemokratische Liste StudentInnenrat Geschichte

Ständiger Sitzungstermin: Mittwoch, 18.00 Uhr c.t., Im Moore 21, HistorikA-Café.

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Wahl

Wahl 12

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Unipolitik

Eigelbweiße Wände braucht das Land!

von Antje Sonntag

Sicher ist die Information an keinem,

zumindest wenn eines seiner

Fächer am Schneiderberg gelehrt

wird, vorübergegangen. Der Schneiderberg soll gestrichen werden, zumindest seine Wände. Vielleicht war sogar jemand auf einer der zwei Vollversammlungen der letzten beiden Wochen. Ich persönlich hielt meine Kaffeetasse für gehaltvol- ler und erachtete es als wenig sinnvoll, mich an einer solchen Diskussion zu beteiligen. Nachdem ich gestern allerdings ein DIN A 4 Blatt voller Realsatire in der Hand hielt, durchfuhr mich ein sich steigerndes Zucken in den Fingern, dem ich nur durch einen Artikel Abhilfe leisten kann. Schon das erste Infoblatt zum Thema Wandmalereien erregte mein Gemüt. Sollte ich nun in erster Linie lachen oder mich ärgern? „Sau- bermann Schätzel schmiert an unseren Wänden herum!“, so war der Titel. Gestrichen werden sollte wegen der angekün- digten Evaluation, so hatte es der Präsi angewiesen. Empört über das „Nicht-in-Kenntnis-Setzen“ der Studierenden gingen diese, oder solche, die sich für eine repräsentative Gruppe halten, auf die Barrikaden. Hier ein kleiner Leckerbissen ihrer Empörung: „Eigelbweiße Wände sollen unseren Augen schmeicheln, und kein Graffiti soll gewissen sauberen Gesin- nungen Ansätze von Autonomie vor Augen halten. Damit der alte Zustand nicht wieder hergestellt werden kann, soll mit Anti-Graffiti-Schutz gepinselt werden. Schneller Studieren im Schneiderberg, die Hygiene ist wieder hergestellt!“ Mal ganz abgesehen davon, daß ich immer noch versuche, mir die Farbe „Eigelbweiß“ vorzustellen, habe ich noch nie eine Anti-Graf- fiti-Farbe gesehen, die ein Graffiti abgehalten hätte, aber wer weiß das schon. Noch weniger will mir einleuchten, daß die eher naiv anmutenden, an Schulwände erinnernden Wand- malereien Autonomie ausdrücken sollen. Sicherlich sind sie ein Zeitzeugnis, aber kein politisch autonomer Ausdruck der am Schneiderberg Studierenden, ich bezweifele sogar, daß sie dies je gewesen sind. Auch die Assoziation zwischen Ver- schulung und Verkürzung des Studiums mit einer „eigelbwei- ßen“ Wand halte ich für sehr schwer hinkend. Doch das ist Geschmackssache und über Geschmack läßt sich ja bekannt- lich im Grunde auch streiten. Haben sich die Dozenten zu diesem Zeitpunkt noch einer Diskussion gestellt, hat die Argu- mentation der wenigen, agierenden Studierenden diese Dis- kussion von vorne herein zunichte gemacht. Das Feindbild war aufgebaut und es wurde wieder Zeit, die eigene Person zu profilieren. Ist erstmal die pubertäre Trotzhaltung einge- nommen, kann auch ein Dozent mit Engelszunge nicht dage- gen an, und sind es mehrere, verstärkt dies nur das Gefühl einer Bedrohung. Sicher sind Dozenten keine Engel, das sehe ich wohl ein, doch die meisten handeln wenigstens nach den Prinzipien der Vernunft, was man von den Studierenden eher

weniger behaupten kann, zumindest von den Verantwortli- chen der besagten Flugblätter und VVen. Wen wundert es da, daß die Studierenden in punkto Mitbestimmung nicht mehr ernst genommen werden. Wahrscheinlich reibt sich Präsident Schätzel gerade die Hände, weil er genau auf einen solchen Verlauf seiner ange- ordneten Malaktion gehofft hat, denn er bietet ideale Argu- mente zur Schließung des Schneiderberges, der ihm sowieso schon lange Zeit ein Dorn im Auge ist. Aber kommen wir nun zur Eskalationsstufe zwei. Mit einer Woche zum Nachdenken, hat man nun eine neue VV anbe- raumt und ein neues Flugblatt geschrieben. Wer nun meint, daß das erste Flugblatt vielleicht in der Hitze des Gefechts und in der Kürze der Zeit in unausgereifter Form geschrieben wurde, und daß das nächste demnach fundierter und ausge- reifter sein müßte, der hat weit gefehlt. Nun zum Stück Realsatire, welches mich im Gegensatz zum ersten nicht mehr verwirrte, sondern meine Lachmuskeln

stark strapazierte. Hier nur ein paar ausgewählte Sahnestücke aus dem Text: „Kreutzberger, Vester und Schäfer wissen, wo der sozialdarwinistische Strudel dieser Gesellschaft hin- strömt. (Ahh!) So wie für die Brave New Expo die Innenstadt

),soll nun auch der Schnei-

als Lebensraum „bereinigt“ wird, (

derberg weißgestrichen und kahlschlagsaniert werden. ( ) Vielmehr soll uns durch die Entfernung der Wandbilder das Bewußtsein über eine eigenständige politische Identität als

Studierende genommen werden. Die Bilder im Schneiderberg

stehen für das, worum es immer ging. Selbstbestimmung für

) Erfrieren

möglich zu halten und formulieren zu können, (

wegen dieser Fassaden diesen Winter weniger Obdachlose? Werden deshalb keine SozialhilfeempfängerInnen mehr zur

Wir erleben eine konserva-

tive Revolution. (

Zwangsarbeit herangezogen? (

Drängen sich da nicht Assoziationen zur

Bücherverbrennung auf? Leugnen gesellschaftlicher Realität durch Vernichtung ihrer Dokumentation.“ Fast möchte ich diese Zitate kommentarlos im Raum stehen lassen, denn eigentlich sprechen sie für sich, doch ein Fazit muß ich noch daraus ziehen: Falls es sich hier nicht viel- leicht um den Streich eines unter Verfolgungswahn leidenden Kommilitonen handelt, und diese Lösung drängt sich gera- dezu auf, sollte überlegt werden, ob das Streichen einer Wand unsere politische Selbstbestimmung derart beschneidet, daß wir unsere Meinung nicht mehr auf andere Weise darlegen können. Denn sollte es wirklich so sein, müssen wir uns ernst- haft Gedanken über unsere berufliche Zukunft machen. Viel- leicht geht es in Wirklichkeit jedoch gar nicht um die Wand und ihre Malereien, sondern darum, sich politisch zu definie- ren und neu zu diskutieren. Dann kann ich ruhigen Gewissens fordern: Eigelbweiße Wände braucht das Land!

)

)

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Unipolitik

Das Herz schlägt links

von Ralf Raths

ich so aus meinem Fenster schaue, so erblicke ich eine graue, kalte, nasse Welt, die mich glücklich sein läßt,

mit einem dampfenden Kaffee im heimeligen Schein meines

Winter

+ Rechner + (Zeitung – Frist) = Wahlartikel! Ach du Nun, es hilft ja doch nichts. Mit unaufhaltsamen Schrit-

ten nähert sich nicht nur das wohl am meisten überschätzte und forcierte Nichtereignis der jüngeren Geschichte, das Millennium, das gar keines ist, sondern auch die alljähr- liche Wahl der universitären Gremien, respektive derer

Besetzer (hihihi

Eigentlich ist das ein Thema, welches

meine Person eigentlich nichts mehr angehen sollte, da

Monitors sitzen zu dürfen. Aber moooment mal

Wenn

Erste Gesetz, daß die Schwierigkeit der Nestbeschmut- zung im reziproken Verhältnis zur Stärke der Verflechtung mit jenem Neste steht, was bedeutet, daß ich angenehm befreit aufwarten kann. Die politische Lage der Universität als eine solche zu bezeichnen, ist erst mal ein Euphemismus. Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß es sich bei der sogenann- ten Politik an der Universität größtenteils um einen fröhli- chen Kindergarten sich selbst überschätzender Egomanen mit falsch fokussiertem Weltblick handelt. Wenn man, wie es die große Politik als derzeitige Trendsportart vorzuge- ben versucht, die politischen Gruppierungen anhand ihrer inhaltlichen und formalen Schweinereien zu packen versu- chen sollte, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Natürlich muß man sich auch über- legen, ob man das überhaupt will. All unsere geschätzten Leser, die schon die PARALYSE regelmäßig rezipierten, werden sich an den Artikel zu der The- matik „AusländerInnenreferat“ erinnern, in dem ich meinen explizit so bezeich- neten subjektiven Eindruck der Ver- flechtung zwischen verschiedenen poli- tischen Gruppierungen aufzudecken ver- suchte (vergleiche PARALYSE, Jahrgang 5, Ausgabe 15, Seite 25-27, „Menschli- ches, Allzumenschliches oder: Subjektives Meinungsbild zur (Un-)Menschlichkeit der Politik“, von Der Warentester). Natürlich hörte ich aus zweiter Hand wieder mal tapfere Stellungnahmen einiger der ent- sprechenden Personen, doch wie immer wurden diese auf Beschimpfungen und Meckereien darüber reduziert, daß der Artikel schlecht und haltlos sei. Solcherlei Bunkermut ist man ja gewohnt, ich persönlich finde ihn in etwa so interessant wie die Dis- kussion über die DIN für staatliche Blumenbeete. Gleich- wohl hatte dieser Artikel nun aber zwei sehr viel direk- tere Reaktionen zur Folge. Zum einen die erboste Tirade eines Mitglieds einer der genannten Fraktionen, wie lüg- nerisch und feige der Artikel doch sei, wie schlecht, ama- teurhaft und faschistisch die Ideen, wie dumm und unfähig der Autor. Aber selbst das war noch relativ leicht zu ver- kraften, da es in universitärem Umfeld stattfand (Prost!). Zum anderen jedoch wurde ich dann bei einer Gelegenheit plötzlich mitten in der Stadt quer über die Straße beleidigt und beschimpft. Erzählt mir, was ihr wollt, tut so hart, wie

).

beschimpft. Erzählt mir, was ihr wollt, tut so hart, wie ). Christdemokratischer Ringelpiez: RCDS übt sich

Christdemokratischer Ringelpiez: RCDS übt sich in Säulendiagrammen.

ich seit Beginn des Semesters von allen wie auch immer gearteten Funktionen der studentischen Politik, speziell innerhalb des StudentInnenrates Geschichte, zurückgetreten bin, ein Schritt, der wohl auf allgemeine Freude gestoßen sein muß, da meine Person nicht mal als Füllmaterial für die traditionell dünn besetzte Wahlliste gewünscht wurde. Da das aber zumindest in meinen Augen bedeutet, daß ich irgendwas richtig gemacht haben muß, und da die jähr- liche Wahl ja dazu dient, die Stimme abzugeben, auch und gerade weil man dann nichts mehr in Richtung Politik unternehmen muß, teils auch nicht mehr darf, lasse ich es mir nicht nehmen, meinen Blick über die politische Lage der Nation, Verzeihung, der Universität schweifen zu lassen. Darüber hinaus besagt ja das Lafontainesche

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Unipolitik

ihr möchtet: So etwas geht einem normal empfindlichen Menschen schon mal ein, zwei Tage nahe. Natürlich haben sich diese Personen elegant selbst disqualifiziert, indem sie exakt das angeprangerte Verhalten an den Tag legten, aber ein düsteres Gefühl hat es mir schon beschert. Tja, wer jetzt auf zwischenmenschliches Kompromißgerede hofft, hat verloren, man härtet ja auch ab. (Huupps, war das jetzt faschistisch?) Also, dann wollen wir mal. Ganz rechts außen finden wir die universitär-parla- mentarische Vertretung der Burschenschaften, die Liste Leibniz. Über diesen Verein kann ich eigentlich zum größ- ten Teil nur aus der Theorie sprechen, aber bei diesen zweidimensionalen Abziehbildern von politisch Interessier- ten reicht das auch schon. Die Burschenschaften sind ein äußerst komplexes Gebilde, das aber auf einem gewissen Wertekanon basiert. Die Unterordnung der Frau gehört in diesen ebenso, wie eine konservative Weltsicht in bezug auf Begriffe wie Volk und Nation, darüber hinaus die Ver- herrlichung von Männlichkeitskult und Gewaltausübung. Daß das Ganze einen gefährlichen, rechten Brei bildet, ist glaube ich jedem halbwegs politisch interessierten Studi klar. Daß die politische Vertretung dieser Gruppen aber hilflos ist, wenn sie ihr gegenüber nicht unter den Tisch trinken oder prügeln kann, ist auch logisch. Unvergessen der armselige Auftritt, als einige schneidige Gestalten mit blondem Kurzhaarschnitt, kantigem Kinn und adretter Klei- dung (nichts gegen diesen Stil, aber sie nutzten ihn offen- sichtlich als Uniform, und das war höchst albern) äußerst subtil die Rätedemokratie mit ihren eigenen Waffen schla- gen wollten, und pfiffig wie zwei Pfund Brot einen eige- nen AStA in der FSR-VV (sic!) zur Wahl stellten. Höhepunkt war dabei die offensichtlich als solche widerwillig mitge-

Familie, Senioren

“ (sic!!!) zuständig sein sollte, und behende

und Frauen

auf Fragen reagierte; na ja, sobald sie vom Führer, Pardon, Anführer der Gruppe ausreichend souffliert worden war. Selbstmurmelnd haben diese Politprofis nur lautes Geläch- ter geerntet. Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß die Burschis gefährliche Gruppen sind, ihre politische Vertre- tung aber doch eher ein hirnamputiertes Cabaret. Daher nur ein Kreuz. In engem Schulterschluß direkt daneben rangiert der RCDS, der Ring Christlich Demokratischer Studenten. Natürlich, so betonen sie immer wieder, sind sie kein uni- versitärer Ableger der CDU/CSU. Natürlich, so betone ich jetzt mal, wissen wir das alle besser. Der RCDS ist ein Sammelbecken für seltsame Personen, die seltsame Werte teilen oder auch nicht. Ihr Wahlprogramm gibt eigentlich nie besonders viel Aufschluß, außer darüber, daß der AStA als verschwörerisch-verschwenderischer Zeckenverein mit- samt der gesamten Rätedemokratie zerschlagen gehört. Das Ganze wird dann angereichert mit breiigen Allgemeinplät- zen wie besserer Bildung und Gleichberechtigung, und zum guten Schluß kommt ein Schuß schrebergärtlicher Kame- radschaft („Wir fahren in den Heidepark“ – grins!) und all- gemeinverträgliche Hirnlosigkeiten, die Volxnähe simulie-

schleifte Quotenfrau, die künftig für „

simulie- schleifte Quotenfrau, die künftig für „ ren sollen, dazu. Schön auch, daß sie sich nicht

ren sollen, dazu. Schön auch, daß sie sich nicht entblödet haben, die AStA-Aktion in der FSR-VV abzuk upfern. Hm. Also, was man den RCDS- Leuten zugute

halten kann, ist, daß sie nicht richtig rechts sind, sondern vor allem mit dem

Konservativis-

mus kokettieren,

und dieses Ver- halten ist im Prinzip sehr verbreitet. Nichtsdestoweniger sind viele Sachen doch sehr bedenklich, beispielsweise daß einer der führenden Köpfe des Trupps Ansichten zum Thema „Doppelte Staatsbürgerschaft“ vertrat, die mehr als nur latent neofaschistisch sind. Unterschätzt sie nicht! Der RCDS gehört nun mal in die rechte Ecke. Ach ja, und der parlamentarische Ansatz ist für die Uni schlichtweg unge- eignet. Die RCDS-Truppe definiert sich eigentlich vor allem über die Abgrenzung zu den Linken, und das ist keine besondere Leistung. Da sie aber teilweise weniger dumpf- backig sind, als es die LL ist, kriegen sie zwei Kreuze. Dann kommt erst mal gar nichts. Es gibt keine Gruppie- rung an der Universität, die sich explizit der Mitte zuord- nen würde, aber ich denke, als Star der Position halb- rechts dürfen in diesem Spiel Die Ingen – Gesunder Men- schenverstand gelten. Diese Liste der Ingenieure hat wohl am ehesten die Klage für mutwillige Täuschung verdient. Ursprünglich entstanden als Trotzreaktion gegen ein ein- gebildetes Autoritätsverhalten und eine nicht existente Ideologiedoktrin des AStA, hat sich diese Liste einem legiti- matorischen Politikverständnis („Wir haben 8.000 Studen- ten!“) verschrieben, das nur und ausschließlich an den welt- lichen Bedürfnissen der Studierenden („Wir haben 80.000 Studenten!“) orientiert, und sich frei von jeder Vision oder Ideologie um Sachen wie Rechner und Räume für Studie- rende („Wir haben 800.000 Studenten!“) kümmert. Nach

fröhlichem Ränkespiel, Wortklaubereien, mutwilligen oder auf Dummheit basierenden Betrügereien und mehreren unbekümmerten Kursänderungen hat sich dieser Verein letztlich aus dem großen Monolithen GeFaLi gelöst, um seine eigene Nicht-Politik zu betreiben. Wer also seine Stimme abgeben möchte, an eine politische Gruppierung, die garantiert keine politische Arbeit macht, sollte sein Kreuz hier machen. Wegen des nihilistisch-ironischen Ansatzes gibt es zwei Kreuze. Für uns HistorikA natürlich besonders interessant, und in der artikelinneren Logik als halblinks jetzt sowieso an

und in der artikelinneren Logik als halblinks jetzt sowieso an LL-Kandidaten stellen sich vor. Mit Leibniz

LL-Kandidaten stellen sich vor. Mit Leibniz zu AStA.

und in der artikelinneren Logik als halblinks jetzt sowieso an LL-Kandidaten stellen sich vor. Mit Leibniz
und in der artikelinneren Logik als halblinks jetzt sowieso an LL-Kandidaten stellen sich vor. Mit Leibniz

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Unipolitik

der Reihe, ist der als eigene Liste antretende StudentInnenrat Geschichte. Eigentlich ein netter Verein freundlicher junger Menschen, die im Regelfall einen vernünftigen Ansatz ver- folgen, den man am ehesten als links-liberal bezeichnen könnte, wenn der Begriff nicht so muffig vorbelastet wäre. Vor (eigentlich gar nicht so) langer Zeit noch als Paragra- phenreiter verschrien, hatte sich der Rat zu einer sinn- entleerten Reproduktionsmaschinerie marxistisch ange- hauchter Formulierungshülsen gemausert, die permanent, pedantisch und fleißig die Weltrevolution und die internationale Solidarität im Auge hatte, dabei natürlich selten ein nicht durch diese Linse blickendes Auge auf alltägliche Probleme werfen konnte. Das Großreinema- chen durch realistischere, aber eben doch nicht so politisch ent- seelte Menschen, wie sie

Gruppen gemein ist entweder das oftmals alberne, sinnent- leerte Kokettieren mit linken Symbolkatalogen, oder aber das verbitterte Politikverständnis des Übermenschen in Form des die Wahrheit mit Löffeln fressenden Marxisten/ Kommunisten/Sozialisten was auch immer. Das ewige Dis- kutieren über diese beiden Verständnisse, die ich als Bunte Linke und Graue Linke definieren würde, einerseits, und das ewige Diskutieren untereinander andererseits, verhindern, daß diese irgend etwas auf den Kreis kriegen. Die ehema- lige Vorzeigefraktion der Grauen Linken, Phoenix, hat (laut eigener Aussage eines Ex-Mitglieds) teilweise keinen Stand- punkt zu konkreten Themen formulieren können, weil sie bei der Aussage „Diese Milch ist sauer“, die Milch in den Kontext der agrarischen Produktionsverhältnisse revolu- tionärer Kühe des Trikont einordnen wollen und „sauer“ im Liebknechtschen Sinne von Macht diskutieren würden. Den Bunten Linken geht das zwar auf den Geist, jedoch beschränkt sich dort Politik auf das Tragen von abgenudel- ten Symbolen, das Runterleiern von uralten Aktionismen und ganz allgemein das kindische Kokettieren mit links- alternativen Entwürfen. Von Politik keine Spur. Und das endlose Gelaber scheint immanent links zu sein, die Bunten tun es ebenso. Da sie aber einen liebenswerteren Entwurf als die meisten anderen bieten, kriegen sie immer noch je knackige drei Kreuze. Es gibt sicher auch zu dieser Wahl wieder viele wei- tere Gruppen, die sich wählen lassen wollen, um Politik zu machen. Tja, Politik? Laut Luhmann das „Fällen kol- lektiv bindender Entscheidungen“. Laut Lexikon „berech- nendes, auf Durchsetzung bestimmter Ziele gerichtetes Verhalten“. Wenn man die beiden Aussagen kombiniert, und dann noch den Begriff Wertesystem einfügt, so erhält man „Politik: Ein berechnendes, auf Durchsetzung bestimmter Ziele, die sich aus einem Wertesystem spei- sen, ausgerichtetes Fällen kollektiv bindender Entschei- dungen:“ Und wo können Studis das in der universitären Welt schon leisten? In ihren eigenen Gremien, der FSR-VV

und dem FSAK? Die Entscheidungen dort betreffen doch nur die Entscheidenden selbst! Niemand hört darauf, nie- manden interessiert es noch. Das StuPa ist wenig mehr als eine Wärmehalle für Politikspieler. Wenn ich jetzt und hier proklamiere, daß ich zum Wohle der Welt Kaiser dersel- ben bin, ist das ungefähr genausoviel Politik. Politik muß durchgesetzt werde, wie auch immer, ob auf der Basis von Konflikt oder Konsens. Den studentischen Gremien ist das unmöglich. Und in den universitären Gremien sind sie doch auch nur Dekoration. Auch dort können sie nur maulend einwirken, nicht aber ernstlich Politik betreiben.

Fazit? Auch wenn den Studierenden

die Politik an der Uni verwehrt

Auch wenn den Studierenden die Politik an der Uni verwehrt Die Bunte Linke. Referat für emanzipatorische

Die Bunte Linke. Referat für emanzipatorische Menstruation.

bei den Ingen zu finden sind, blieb dann auch nicht lange aus, der Generationenkonflikt löste sich biologisch. Da lacht der Historiker, und der Politologe wundert sich. Das einzige, was man dem Rat heutzutage vorwerfen kann, ist zu großer Enthusiasmus. Die Idee, daß das, was der Rat tut, sei Politik zu betreiben, wird zu ernst genommen. Der Rat kümmert sich um wichtige Sachen, aber er macht keine Politik. Aber da das ein allgemeineres Problem ist, auf das noch einzugehen sein wird, gibt es für meinen persönli- chen Favoriten satte vier Kreuze! Tja, dann kommt noch das, was LL und RCDS gerne als die Linken bezeichnen. In welcher Konstellation die GeFaLi, die Internationale Liste, Phoenix und wie sie alle heißen oder nicht heißen oder nicht mehr heißen antreten, ist zum Zeitpunkt des Schreiben dieses Artikel noch nicht klar. Die Zeiten, in denen es im Prinzip zwei große Blöcke im linken universitären Spektrum gab, scheinen vorbei, und ich will sie auch nicht wieder aufrollen. Den linken

und ich will sie auch nicht wieder aufrollen. Den linken bleiben wird, so ist doch ihr
und ich will sie auch nicht wieder aufrollen. Den linken bleiben wird, so ist doch ihr

bleiben wird, so ist doch ihr

selbstverwaltendes und ordnendes Eingreifen und Einset- zen in vielen Belangen sinnvoll, und das völlige Ausbleiben studentischer Mitsprache kann in niemandes Interesse auf unserer Seite des Bildungskrieges liegen. Also wählt. Was? Na, das steht doch weiter oben

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Zeitgeschehen

Wofür brauchen wir ein neues Staatsbürgerschaftsrecht?

von Max Reinhardt

Bisher war die Staatsbürgerschaft nach

dem ius sanguinis (Recht des

Blutes) auch an diejenigen verge-

ben worden, welche die deutsche Staatsbürgerschaft nicht verlangt haben. Die Paßvergabe nach dem reinen Abstam- mungsprinzip folgte Prinzipien der Ausschließung von Mit- bürgern ausländischer Herkunft, und dieses war auch so gewollt. Das alte Staatsbürgerschaftsrecht hatte somit völ- kischen Charakter. Dieses Recht wurde zwar über die Ein- bürgerungsmöglichkeit nach §§ 8 ff RuStAG durchbrochen, hatte aber einen Ausnahmecharakter. Die bisherige Regelung sah vor, daß nach der erleichterten Einbürgerung gemäß §§ 85 jungen Ausländern zwischen 16 und 23 Jahren mit min- destens 15-jährigem Aufenthaltsrecht die Staatsbürgerschaft verliehen wurde, allerdings unter Vermeidung einer doppel- ten Staatsbürgerschaft. Es ist richtig, daß hier schon die Kon- sequenzen gezogen worden waren, um der Realität zu ent- sprechen. Jedoch waren diese Regelungen bei weitem nicht

ausreichend, da die vom ius sanguinis abweichende Rege- lung auch die eingebürgerten Ausländer eben als Ausnahme betrachtete.

Die nun von der Regierung getroffene Regelung des Opti- onsmodells hat, so ist zu hoffen, die Schärfe aus der Unter- schriftenkampagne der CDU/CSU genommen. Diese Kampa- gne hat dazu geführt, daß einige an den Ständen danach gefragt haben, wo sie denn gegen Ausländer unterschreiben könnten. Das völkische Denken in Teilen der CDU/CSU ist Gegenstand ihrer Politik, mit der sie in Hessen sogar die Wahl gewannen. Diesen Umstand bedenkend, muß es frag- würdig erscheinen, daß die neue Regierung aus SPD/Bündnis 90/Grüne hierauf mit einer Abschwächung des Gesetzent- wurfs reagiert hat und die doppelte Staatsbürgerschaft wei- terhin als nicht wünschenswert sieht. Dieses lag sicherlich auch an den Mehrheitsverhältnissen im Bundesrat durch die Wahlniederlage in Hessen.

Das Optionsmodell sieht vor, erwachsene Aus- länder nach acht, statt nach 15 Jahren, einzubürgern. In Deutschland geborene

Kinder erwerben künftig mit der Geburt die deutsche Staats- bürgerschaft. Sie müssen sich allerdings bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres entscheiden (Option), wenn sie bei der Geburt noch eine andere Staatsbürgerschaft erworben haben. Voraussetzung für den Erwerb durch das ius soli (Recht des Bodens) ist, daß ein Elternteil seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und eine Aufenthaltsberechtigung oder seit drei Jahren eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis besitzt. Kindern bis zu zehn Jahren wird dieselbe Regelung mit Inkrafttreten des Gesetzes zugestanden.

Hierbei enthält das Gesetz einen Ausnahmekatalog, der erhebliche Nachteile politischer, wirtschaftlicher oder sozi- aler Art verhindern soll. Damit kann die doppelte Staats- bürgerschaft in Ausnahmefällen erhalten bleiben. Das Opti- onsmodell schafft zumindest eine gleiche Rechtsposition, die vielen Ausländern zuzustehen hat. Sie haben 1995 einen Steuerbeitrag von 100 Milliarden geleistet und nur staatliche Leistungen in Höhe von 70 Milliarden erhalten. Dieses finan- zielle Argument kann nicht allein die Einbürgerung begrün- den. Darüber hinaus muß deutlich werden, daß Ausländer gerade wegen ihrer kulturellen Unterschiede eine Bereiche- rung sind. Erstens, meine ich, gibt es nicht die deutsche Kultur, und zweitens eben auch nicht die türkische, griechi- sche oder jugoslawische. Die Übergänge sind fließend und die Kulturen ergänzen und bereichern sich. Von einem Kampf der Kulturen zu sprechen, ist Zynismus. Das würde abge- schlossene, in sich homogene Kulturen voraussetzen, die es nicht gibt. Daher ist das vom GG geforderte Assimilations- prinzip kritisch zu sehen. In welcher Weise sollen sich Aus- länder assimilieren, und vor allem, welches ist das Assimilati- onsziel? Die Bundesregierung spricht von einer mit der Geset- zesänderung zu vollziehenden Integrationsförderung. Aber Integration kann nicht nur die Verpflichtung zum Erlernen der deutschen Sprache sein, sondern muß vor allen Dingen die Anerkennung der Ausländer zum Ziel haben und dieses nicht nur in rhetorischen Akten, sondern auch durch deren Umsetzung. Integration bedeutet „die gesellschaftliche und politische Eingliederung von Personen oder Bevölkerungsgruppen, die sich beispielsweise durch ihre ethnische Zugehörigkeit, Reli- gion, Sprache unterscheiden“ (Schubert/Klein, Das Politikle- xikon, 1997). Diese müssen, wie es im GG steht, aber auch einen Schutz genießen, der ihnen nicht von Politikern durch Unterschriftenaktionen oder, in den frühen 90er Jahren, durch Begriffe wie „Das Boot ist voll“ oder „Ausländerstrom“ wieder genommen wird. Durch derartige politische Propa- ganda werden alle Ausländer bzw. ausländischen Mitbürger diskriminiert und zum Ziel von Gewaltübergriffen. Das kann Integration nicht bedeuten, denn dieselben Politiker fordern diese Integration im Zusammenhang mit ihrer Unterschrif- tenkampagne. Integration muß vielmehr einhergehen mit dem Loslösen von einer urdeutschen Wertegemeinschaft und der Öffnung hin zu einem weiterreichendem Verständnis von Werten oder Moral. Die Abschottung gegenüber anderen Kulturen muß in den Köpfen beendet werden und zu einem friedlichem Zusammenleben, geprägt von Interesse und Tole- ranz, führen und darf eben nicht die eigene Kultur überhö- hen, die, wie oben schon erwähnt, schon nicht homogen ist.

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Zeitgeschehen

Anthills of the Savannah

von Philipp Claussen

Obwohl

der folgende Text den Roman „Termitenhügel in der Savanne“ von Chinua Achebe erörtern

soll, muß ich etwas über die jüngste Geschichte Nigerias erzählen. Dieses halte ich für unentbehrlich, da die Geschichte Nigerias für das Verstehen des Romans sehr wichtig ist. Für etwaige Fehlinformationen oder zu starke Vereinfachungen entschuldige ich mich im Voraus, mit der Bitte, mich darüber aufzuklären. Nigeria spielte schon immer eine gewichtige Rolle in den Geschicken Westafrikas. Nach der Unabhängigkeitser- klärung am 1. Oktober 1960 entwickelte sich Nigeria schnell zur politisch, wirtschaftlich und militärisch stärksten Macht in Westafrika. Da aber die Grenzziehung die Briten vollzo- gen, entstanden dadurch mehrere Konflikte. Das großflä- chige Staatsgebiet wurde von ca. 430 verschiedenen Volks- gruppen bewohnt, wobei die Haussa und Fulani im Norden, die Yoruba im Westen und die Igbo im Osten die größten

Gruppen sind. Um Konflikten vorzubeugen, wurden vier regionale Verwaltungen mit jeweiligen Parteien eingerich- tet. Die stärkste Partei waren die Northerners (natürlich im Norden), die die Regierung dominierten. Bereits 1964 gab es die erste große Krise bei den Wahlen des noch jungen Staates, da ein Manipulationsverdacht seitens der Nother- ners bestand. Daher riefen die anderen Parteien zum Wahl- boykott auf. Ein Jahr später brachen die ersten gewalttäti- gen Unruhen aus; Anfang 1966 putschten Armeeoffiziere der Igbo die zivile Regierung und ermordeten die Premier- minister und Minister der nördlichen und westlichen Regio- nen. Diese Regierung hielt sich aber nicht sehr lange und wurde von der Armee der Haussa geputscht. Kurz darauf begann ein Völkermord an den im Norden lebenden Igbos, die dann in Massen nach Osten flüchteten. Dort begannen diese aber, an der haussaischen Minderheit Racheakte zu verüben. Die daraus resultierenden Verhandlungen erbrach- ten aber keine Fortschritte. Nach nur kurzer Zeit prokla- mierte der von den Igbo geförderte Lieut. Col. Ojukwu die Sezession der östlichen Regierung und rief die Republik von Biafra aus. Daraufhin entbrannte ein heftiger Krieg zwi- schen biafrischen und nigerianischen Streitkräften, der mit einer Niederlage Biafras Anfang 1970 endete. Biafra wurde wieder in den Staat eingegliedert. Der darauffolgende Mili- tärherrscher verzichtete auf einen groß angelegten Rache- feldzug zugunsten einer einigermaßen friedlichen Politik und verhinderte weitere kriegerische Auseinandersetzun- gen und drohenden Völkermord. Es blieb aber eine unde- mokratische, hart durchgreifende Militärdiktatur. Zwischen 1979 und 1983 folgten im Wechsel Militär- herrschaften und zivile Regierungen. Diese aber verstrick-

ten sich wie alle vorhergehenden Regierungen in Korrup- tion und Mißwirtschaft. Die trotz allem 1983 demokratisch gewählte Regierung wurde kurz nach der Wahl gewaltsam

geputscht und von einer Militärregierung ersetzt, die aber

1993 allgemeine Wahlen ausrief. Die neue, gewählte Zivilre-

gierung hielt sich jedoch nicht lange, da nach einem erneu- tem Putsch kurz nach der Wahl von neuem eine Periode der Militärdiktatur folgte. Der regierende General Sani Abacha errichtete ein bis dato nicht in Nigeria gesehenes, durch Korruption, Miß- und Vetternwirtschaft gekennzeichnetes Terrorregime, das sich bis Abachas Tod im Frühjahr 1998 halten konnte. Sein Nachfolger Abukar regierte das Land vorübergehend bis zur Wahl im Mai dieses Jahres. Als Sieger dieser Wahl ging der Ex-General Olusegun Obasanjo hervor, der bereits als Militärherrscher das Land von 1976 bis 1979 regierte, in einer Zeit, in der die Wirtschaft am besten flo- rierte. Als einziger Militärdiktator in der Geschichte des Landes trat er freiwillig zurück, um das Feld einer zivilen

Regierung zu räumen.

Das derzeitige Problem der Regierung ist, daß

nur noch wenige profilierte Politiker aus

der Vergangenheit existieren; die meisten

sind bereits verstorben (teilweise auch durch Gewalteinfluß während der Terrorregimes) oder zu alt, um diese Lauf- bahn weiter zu verfolgen. Die demokratische Erfahrung des Volkes ist auch sehr gering, da es seit der Unabhängigkeit

1960 mit Ausnahme von zehn Jahren vom Militär regiert

wurde. Außerdem ist unter anderem in den 16 vorangegan- genen Jahren durch die persönliche Bereicherung der Gene- rale die nigerianische Wirtschaft derart niedergegangen, daß es trotz gewaltiger Ressourcen schwierig sein wird, ein funktionierendes Wirtschaftssystem aufzubauen. Nach der Wahl hoben die Vereinten Nationen alle damals bestehen- den Sanktionen auf und Nigeria wurde wieder in den Com- monwealth aufgenommen, aus dem es nach der Ermordung des Schriftstellers und Bürgerrechtlers Ken Karo-Wiwa aus- geschlossen wurde. Einer der wichtigsten Faktoren in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Nigerias sind die Ölmultis. Nigeria ist ein Staat mit einem der größten Erdölvorkommen überhaupt, mit extrem hoher Ölqualität. Bereits vor der Unabhängigkeit wurden ausschließlich Förderlizenzen an britische Unter- nehmen erteilt. Dadurch sicherte sich die Shell/BP-Company große Flächen von Ölfeldern. Nach der Unabhängigkeit exi- stierten keine staatlichen Ölfirmen, es gab lediglich eine Besteuerung der Gewinne und Lizenzgebühren seitens der nigerianischen Regierung. Erst nach dem Biafrakrieg ent- wickelte sich die Ölwirtschaft zum dominierenden Faktor in der Wirtschaft Nigerias. Seit 1971 ist Nigeria auch Mit-

18

Zeitgeschehen

glied der OPEC. Durch die zunehmende staatliche Beteili- gung (NNPC = Nigerian National Petroleum Corporation) entstand eine Abhängigkeit vom Ölpreis, da über 90% der Einnahmen vom Erdöl resultieren. Daher verschlechterte sich nach den großen Ölkrisen die Verhandlungsposition des Staates gegenüber den transnationalen Ölkonzernen. Eine stärkere Abhängigkeit Nigerias war die Folge. Durch die Korruption und das Wirtschaften in die eigene Tasche sowie eine ungleiche Verteilung von ökonomischer und politischer Macht in der Militärherrschaft (Klientelismus) folgten eine starke Verarmung weiter Bevölkerungsschichten und eine auffällige soziale Ungleichheit. Ken Saro-Wiwa, Leiter der „Movement for the Ogoui People“ (MOSOP), kämpfte mit dieser NGO seit 1992 gegen den sogenannten „environmen- tal terrorism“ von Shell im Ogouni-Gebiet im Südosten von Nigeria. Während der darauffolgenden Jahre wurden die Mitglieder verfolgt und verhaftet. Auch Ken Saro-Wiwa wurde verhaftet und trotz internationaler Proteste zum Tode verurteilt. Im Nigerdelta verursachen Ölmultis wie Shell ungeheure Umweltverschmutzungen und gefährden dadurch die Bevölkerung. Um solche Konzerne nicht zu ver- prellen, werden Gegner des Ökoterrors von der Regierung

verfolgt. Es ist recht unwahrscheinlich, daß in den nächsten Jahren trotz ziviler Regierung sich daran etwas ändern wird. Shell beurteilte übrigens selber Nigeria als den „schlechte- sten public relation Albtraum“ (1997) des Konzerns.

In diesem Nigeria hat auch Chinua Achebe gelebt,

einer der bedeutendsten und bekanntesten

Schriftsteller Afrikas. Er wurde als Albert Chinu-

alumogu Achebe am 16.11.1930 in Ogidi, Ost-Nigeria, gebo- ren. Nach einem Studium der Literatur und der Nachrich- tentechnik an den Unis in Ibadan und London arbeitete er zunächst für den staatlichen nigerianischen Rundfunk; diese Karriere aber endete abrupt mit dem Biafrakrieg. Nach dem Bürgerkrieg bekam er eine Stelle an der Univer- sität von Nigeria. Bald darauf mußte er aber ins Exil in die USA gehen, da er für das autoritäre System zu unbequem wurde. Dort war er zwischen 1972 und 1989 Professor für Englisch an verschiedenen Universitäten. Außerdem ist er der Gründer verschiedener Vereinigungen und Zeitschrif- ten, wie der African Writer’s Series (1962), Okike – An African Journal of New Writing (1971) und der Association of Nigerian Authors (1981) zur Unterstützung und Förderung von nige-

rianischen Schriftstellern. Heute lebt er in den USA, ist seit einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselt. Achebe schrieb bis dato 21 Romane, Kurzgeschichten und Gedichtsammlungen. Bereits 1958 erschien sein erster Roman, Okonkwo oder Das Alte stürzt (org.: Things fall apart), was auch bis heute sein bekanntestes Buch ist. Damit ist erstmals ein afrikanischer Autor in die Weltöffentlichkeit getreten. Es handelt von dem Eindringen der Briten in Afrika und dem daraus resultierenden Einfluß der europäischen Kultur auf seine eigene, die Igbo-Kultur, mit dessen Zerstö- rung. Es handelte von der Vergangenheit. Der Roman „Termitenhügel in der Savanne“ (org.: „ Anthills of the Savannah“) aus dem Jahre 1987 dagegen spielt in der

Gegenwart. Das Buch portraitiert ein modernes, unabhän- giges, post-koloniales (in diesem Falle auch neo-koloniales) und urbanes Afrika. Der Name des fiktiven Staates lautet Kanga, aber der Leser merkt schnell, daß damit Nigeria gemeint ist. Es handelt von drei Personen, die alle als Ich- Erzähler auftreten. Zum einen sind da Chris, der Informa- tionsminister, Ikem, der Chefredakteur der Tageszeitung „Gazette“ und Beatrice, die oberste Beamtin. Des weiteren

existiert noch ein unbekannter Ich-Erzähler. Die drei genann- ten Personen beobachten zum einen besorgt, zum ande- ren unterwürfig die Entwicklung des durch einen Putsch an die Macht gekommenen Militärdiktators Sam, der mit der Zeit immer größenwahnsinniger wird und seine ohne- hin eher bescheidenen Führungsqualitäten lassen im Laufe der Handlung stark nach. Die drei Hauptpersonen und Sam kennen sich noch aus ihrer Jugend und können daher die Entwicklung aus der Nähe beobachten. Im Zuge einer Dür- rekatastrophe in einer entfernten Region kommen von dort Bittsteller, die aber vom Diktator nicht ernst genommen werden. Daraus entwickelt sich ein militärischer Wider- stand, der die Militärregierung mit einem Putsch stürzt. Dabei versuchen die drei Hauptdarsteller, die schon früh- zeitig die Gefahr/Erlösung erkennen, sich außer Gefahr zu bringen.

Chinua Achebe beschreibt in seinem

Roman eine komplexe und viel-

schichtige Situation in dem Mili-

tärregime eines sogenannten Starken Mannes (Big Man). Dabei wird auch die Gesellschaft und die Kultur, die typi- scherweise so eine Gesellschaft umgibt, meiner Ansicht nach treffend charakterisiert: politische Korruption, die sozialen und ökonomischen Klassen, Geschlechterregelun- gen und Beziehungen, europäische Werte unter der Elite sowie die Lücke zwischen der politischen und intellektuel- len Elite und der breiten Bevölkerung. Auch Achebe, den man mit dem unbequemen Intellektuellen Ikem verglei- chen könnte, kann sich nicht aus seiner Rolle lösen. In allen seinen Romanen ist die Hauptperson ein rebellischer Cha- rakter, der aber den Frauen gegenüber eher herablassend und machohaft gegenübertritt. Beatrice spielt in dieser Erzählung auch eine etwas untergeordnete Rolle. Auch

wenn Chinua Achebe mit der Zeit ein desillusionierter und zynischer Mann geworden ist, verliert er aber nicht die Hoffnung und bietet Visionen für Nigeria, einem Land, das viel Potenzial besitzt, aber nie dazu in der Lage war, etwas daraus zu machen. Achebe war der erste erfolgreiche Schriftsteller, der einen wirklichen afrikanischen Stil entwickelte. Zuvor haben entweder Europäer über Afrika geschrieben oder Afrika- ner einen europäischen Stil kopiert. Achebe schreibt über seine eigene Familie und die eigene Kultur in einer poeti- schen Art und Weise, welche die Tradition seiner Lands- leute reflektiert. Achebe ermöglicht einem Europäer oder einem Amerikaner einen Einblick in seine Gesellschaft, führt ihn in das Herz seiner Kultur und zeigt das, was von Europäern angerichtet wurde.

19

Historie

Revitalisierung:

Mutter des Grundgesetzes

Um der Gleichberechtigung

auch in dieser Sparte

Einlaß zu gewähren, habe

ich es mir zum Konzept gemacht, abwechselnd einen Mann und eine Frau

zu revitalisieren. Eine gute Idee eigent- lich, wäre da nicht ein entscheidendes Problem: Da, wie wir wissen, die Debatte um Gleichberechtigung noch nicht sehr lange thematisiert wird, gestaltet es sich schwierig, eine histo- rische Person weiblichen Geschlechts zu finden. In allen Überblicksbänden wimmelt es nur so von Helden, Märty-

rern, Königen

beliebig fortsetzen, allerdings ledig- lich für das männliche Geschlecht und nicht umgekehrt. Also lehnte ich mich zurück, um in den Wirren meines Gedächtnisses nach einer entsprechenden Person zu kramen. Antigone vielleicht? Diese war zwar eindeutig eine Märtyrerin und mit Sicherheit einer ausführli- chen Erwähnung in dieser Zeitung wert, leider aber nie wirklich exi- stent. Anders Eva Peron und Jean D´Arc, doch hier kam mir die Jahrhun- dertwoche eines einschlägig bekann- ten Fernsehsenders zuvor (Obwohl es wohl kaum jemanden gab, der nach der ersten Werbeunterbrechung immer noch die Kraft hat, das mangelnde Singtalent Antonio Ban- deras weiter auf seine Gehörmuschel wirken zu lassen). In diesem Sinne ging ich weiter meinen mehr und mehr abschweifenden Gedanken nach, deren innerer Blick schließlich bei meiner alten Schule haften blieb, der „Elisa- beth-Selbert-Schule“. Ein Blick in die Weiten des Internets offenbarte mir nicht nur eine Vielzahl von Schulen mit besagtem Namen, sondern lieferte mir auch einige Informationen, aus denen sich ergab, daß Elisabeth Selbert gera- dezu die ideale Person für einen sol- chen Artikel darstellt.

Diese Reihe läßt sich

von Antje Sonntag

Am 22. September 1896 wurde Elisabeth Rohde als zweite von vier Töchtern des Justizoberwachtmeisters Georg Rohde und seiner Frau Elisabeth in Kassel geboren. Auch zu dieser Zeit war ein Mitspracherecht der Frauen noch nicht aktuell. Zur Kaiserzeit durf-

der Frauen noch nicht aktuell. Zur Kaiserzeit durf- ten sie weder wählen, noch sich in einer

ten sie weder wählen, noch sich in einer Partei engagieren oder organisie- ren. Zwar war Philipp Scheidemann, der ebenfalls aus Kassel stammte, schon ein Begriff, der Einfluß seiner Partei war jedoch unbedeutend. Ungewöhn- lich für diese Zeit ist ebenso, daß Elisa- beth zunächst die Volks- und dann die Mittelschule besuchte und im Anschluß sogar auf einer Höheren Handelsschule unterrichtet wurde. Von Anfang an stand für sie fest, daß sie ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen wollte und nicht, wie üblich, den Standardberuf Hausfrau und Mutter ausüben wollte.

20

Zunächst arbeitete sie als Auslands- korrespondentin und war im Anschluß Postbeamtenanwärterin im Telegra- phendienst. Doch ein Ereignis eröffnete ihr neue Wege: das Ausrufen der freien deutschen Republik am 09. November 1918 durch Philipp Scheidemann. Mit diesem wurde auch das Frauen- wahlrecht durchgesetzt. Zu dieser Zeit lernt Elisabeth Rohde den gelern- ten Schriftsetzer Adam Selbert kennen, ein engagierter Sozialdemo- krat. Dieser ermutigte sie, die Sit- zungen seiner Partei zu besuchen, um sich ein eigenes Bild machen zu können. Für Elisabeth war schon nach kurzer Zeit klar, daß die Argu- mente der SPD auch ihre waren, so entschloß sie sich, noch 1918 in die SPD einzutreten. Als Elisabeth Rohde und Adam Sel- bert 1920 heirateten, warb sie bereits vehement für die Wahrnehmung des Frauenwahlrechts. In ihrer Ehe, und selbst nach der Geburt der beiden Söhne Gerhart (1921) und Herbert (1922) setzte Elisabeth ihre außerge- wöhnliche Laufbahn fort. Als externe Schülerin legte sie 1926, also mit 30 Jahren, das Abitur ab und durch die Unterstützung ihres Mannes und der Verwandten begann sie kurz darauf mit dem Studium der Rechtswissen- schaften in Marburg und Göttingen. Schon nach sechs Semestern legte sie das erste juristische Staatsexamen ab und verzichtete zunächst auf die dar- auffolgende Referendarstelle, um ihre Promotion zum Thema „Zerrüttung als Ehescheidungsgrund“ zu schreiben. Die Brisanz des Themas und gerade die Mei- nung, die Elisabeth Selbert unter juri- stischen und ethischen Gesichtspunk- ten vertritt, zeugen von dem unerschüt- terlichen Mut auch gegen den Strom schwimmen zu können, sofern man sich einer Sache sicher ist. Elisabeth Selbert wollte das Schuldprinzip der Eheschei-

Historie

dung in § 1568 BGB in ein Zerrüttungs- prinzip umwandeln, um so einen wür- digeren Austritt aus der Ehe zu ermög- lichen. Sie mußte noch bis zum Jahre 1977 warten, bis ein verändertes Schei- dungsrecht nach dem Zerrüttungsprin- zip in Kraft trat. Doch der Titel „Dr. jur.“ gab ihr schon damals Recht. Als einzige Frau der damals 350 Jura- Studenten (insgesamt waren es drei Frauen) schafft sie diesen Abschluß, und als letzte Frau gelingt es ihr noch zu Beginn des Nazi-Regimes 1934 zur Anwaltschaft zugelassen zu werden. Diesen Umstand hatte sie lediglich einer glücklichen Fügung zu verdanken:

Der zuständige Oberlandesgerichtsprä- sident, ein hoher SS-Führer, hatte sich zu dieser Zeit von zwei Senatspräsi- denten vertreten lassen, die Elisabeth Selbert schon aus der Referendarzeit kannten. Eine glückliche Fügung, die der Familie einiges an Ärger ersparte, denn Adam Selbert wurde 1933 aus seinem Beamtendienst entlassen und vorübergehend in Schutzhaft genom- men. Später verbrachte er sogar einige Zeit im Konzentrationslager. Als er ent- lassen wurde, bekam Adam nicht mehr als 128 DM im Monat zur Unterstüt- zung. Elisabeth war nun diejenige, die sozusagen für die Brötchen zu sorgen hatte. Mit finanzieller Hilfe aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis eröff- nete sie eine Kanzlei, in der sie schon kurz darauf viel Arbeit bekam, da viele männliche Juristen in den Kriegsdienst eingezogen wurden. Zwölf Jahre lang führte sie ein eher unpolitisches Leben, von der Gestapo ständig beobachtet und mit Arbeit überschüttet, fand sie kaum Zeit für Politik. Politische Aktivitäten beschränkten sich zu dieser Zeit – Kassel hatte kaum einen erwähnenswerten Wider- stand – auf kleinere Aktionen, wie die Herauszögerung von Sonderge- richten und ähnlichem. 1943 mußte Elisabeth zunächst ihre Kanzlei auf- geben, da sie durch einen der größ- ten Bombenangriffe dieser Zeit voll- kommen zerstört wurde. 1945 erwacht die politische Eli- sabeth Selbert wieder zu neuem Leben. Als SPD-Mitglied mit ihrer

Erfahrung wird sie händeringend gebraucht, ja verpflichtet. Doch gezwungen werden mußte sie dazu nicht. Ihr Einsatz wird besonders deut- lich, betrachtet man die Umstände unter denen sie an der konstituieren- den Versammlung der SPD in Kassel teilnimmt: Ohne Passierschein wandert sie heimlich zwei Tage lang vom ca. 50 km entfernten Melsungen, ihrem der- zeitigen Wohnort, nach Kassel. 1946 wird Elisabeth in die verfassungsge- bende Versammlung nach Wiesbaden entsandt und in den Parteivorstand gewählt. Ihre Arbeit und ihr Einsatz für die Rechte der Frauen geht weiter. Den Höhepunkt ihres politischen Schaffens erreicht sie durch die Berufung in den Parlamentarischen Rat (1948). Zusam- men mit Frederike Nadig (SPD), Helene Wessel (Zentrum) und Dr. h.c. Helene Weber (CDU) wird sie eine der vier „Mütter“ des Grundgesetzes, neben den 61 Vätern des Grundgesetzes. Da versteht es sich von selbst, daß sie gerade für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingetreten ist. Wäh- rend die CDU für Absatz zwei des Arti- kels drei des Grundgesetzes den Satz:

„Gleiches muß gleich, Ungleiches kann verschieden behandelt werden“, vor- schlägt, fordert Elisabeth Selbert den Satz: „Männer und Frauen sind gleich- berechtigt.“ Damit stößt sie auf harten Widerstand, selbst unter den Frauen des Parlamentarischen Rates findet sie keine Unterstützung, die CDU befürch- tet gar ein Rechtschaos. Am 5.10.1948

wird der Satz im Ausschuß für Grundsatzfragen abgelehnt und am 03.12.1948 schließlich auch im Haupt- ausschuß. Aber Elisabeth Selbert läßt sich nicht entmutigen. Vom Rat ent-

täuscht, reist sie durch die junge Repu- blik und begeistert überall Frauen und Männer für ihren Vorschlag. Sie gibt nicht auf, bis schließlich derart viele Protestbriefe in Bonn eintreffen, daß dem Parlamentarischen Rat quasi keine andere Möglichkeit bleibt. Am 18. Januar 1949 wird der Vorschlag von Elisabeth Selbert angenommen. Arti- kel drei Absatz zwei des Grundgeset- zes lautet seitdem: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

„Die Sternstunde ihres

Lebens“ war dieser

Tag für Elisabeth Sel-

bert. Bis 1958 war sie in der Politik noch aktiv, zog sich aber mehr und mehr zurück, um sich schließlich ganz ihrer Anwaltspraxis zu widmen. Bis zu ihrem 87. Lebensjahr arbeitete Elisabeth Sel- bert in ihrer Praxis. 1956 bekam sie das Bundesverdienstkreuz, und 1983 wurde zum ersten Mal eine Journalistin mit dem Elisabeth-Selbert-Preis ausge- zeichnet. Ihr Mann starb schon 1965 nach langer Krankheit, als Elisabeth Selbert am 09. Juni 1986 in Kassel starb, hatte sie ihn mehr als zwei Jahr- zehnte überlebt. Leider wurde sie nie ins Bundesverfassungsgericht berufen.

Heute kennt kaum noch jemand ihren Namen.

berufen. Heute kennt kaum noch jemand ihren Namen. Elisabeth Selbert wurde am 22. September 1896 geboren

Elisabeth Selbert wurde am 22. September 1896 geboren und starb kurz vor ihrem 90. Geburts- tag am 9. Juni 1986.

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Sport

Hanebüchene Forderungen der FIFA

von Jan Kreidler

Mitte Oktober trafen sich zirka 25 96-Fans mit dem Leiter des Sport- und Bäderamtes der Stadt Hannover, Fritz Lotze, im Haus der Jugend. Gegenstand des Vortrages waren die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, welche die Stadt Hannover derzeit im Niedersachsen- stadion vornimmt und plant auszufüh- ren.

Erster Bauabschnitt Die Maßnahmen, die derzeit noch bis zum Beginn der EXPO vorge- nommen werden, wurden bereits in der letzten Ausgabe der NOTBREMSE umfassend beschrieben. Dennoch konnten einige Unklarheiten von Lotze beseitigt werden: Durch den Einbau diverser vom Unterring aus erreichbarer Verkaufsstände in den Oberring fallen nur wenige Sitzplätze (ca.40) weg. Desweiteren werden im ersten Bauabschnitt die Rampen, die neben dem A-Block in den Innen- raum führen, abgeflacht, da dies bau- rechtliche Bestimmungen vorschrei- ben. Aus veranstaltungstechnischen Vorschriften muß auch der Gang um den Unterring verbreitert werden. Dabei wird die Betondecke erneuert und darunterliegende, marode Lei- tungen ersetzt. Ende der Winterpause werden dann diese Baumaßnahmen abgeschlossen und der Unterring wieder nutzbar sein. Bis zur EXPO werden dann blockweise im Oberring die Holzbänke durch blaue Schalen- sitze ersetzt worden sein. Lotze wies darauf hin, daß sich die Bauarbeiten im Zeitplan befänden und die veran- schlagte Kostenobergrenze deutlich unterschritten werde. Zweiter Bauabschnitt Diese Maßnahmen sollen im Jahre 2001 oder 2002 beginnen und 2006 enden. Die Planungen sehen vor, die Eingangsbereiche und die Osttribüne (A-Block) komplett zu erneuern, d.h.

neu zu bauen. Derzeit wird noch beraten, ob das vorhandene Dach der Westtribüne verlängert, also auch den Unterring abdecken oder durch ein komplett neues ersetzt werden soll. Die Blöcke B und G sollen (derzeit) noch nicht überdacht werden. Nun sind also besonders die Fans in diesen Blöcken aufgefordert, massiv eine Überdachung ihrer Blöcke zu fordern, sofern sie es wünschen. Der Stim- mung im Stadion wäre dies sicherlich sehr förderlich. Für die WM-Bewer- bung als Spielort ist aber eine durch- gehende Bedachung nicht erforder- lich (ähnlich verhält es sich mit dem Münchner Olympiastadion). Warum, warum nur greift hier nicht die Regu- lierungswut der FIFA??? Die Kosten für diesen Bauab- schnitt, der auch dann in Angriff genommen werden soll, falls Deutsch- land nicht den Zuschlag für die WM 2006 erhalten sollte, betragen 71,5 Mio. DM. In diesem Zusammenhang sprach Lotze, der sich sehr für die Integration von Räumlichkeiten für Fans in das Stadion (wie in Bremen) und das Dortmunder Konzept für Variositze (komplett ausbaubare Sitz- schalen) aussprach, von „hanebüche- nen Forderungen der FIFA“, die ohne Vorwarnung die Mindestkapazität für WM-Stadien von 32.000 auf 40.000 Plätze heraufsetzte. Derzeit fehlen zur kompletten Finanzierung aber noch 37 Mio. DM. Finanziell gesichert ist hingegen die neue Flutlichtanlage und eine (even- tuell zwei) Videomatrixwand. Ausblick Für die Stadt stellt sich also das Problem, die fehlenden Millionen aufzutreiben. Lotze erwähnte dabei einen bestehenden Ratsauftrag der Stadt Hannover, der besagt, daß eine Stadionbetreibergesellschaft das Sta-

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dion professioneller vermarkten soll. Ähnliche Regelungen gibt es unter anderem in München (Olympiapark GmbH) oder Dortmund. Der Stadt könnten somit neue Einnahmen zufließen, die wieder in das Stadion investiert werden könnten. Es könnte also durchaus passieren, daß die Roten bald in der Continentale-Arena (oder der Gerhard-Schröder-Kampf- bahn, haha) kicken. Vergleichbares ist auch bei der EXPO-Arena (jetzt: Preus- sag-Arena) passiert. Unter diesem Aspekt wäre es also nur löblich, wenn sich ein potenter Sponsor oder ein spendabler Lottogewinner unter euch den Namen des Stadions kauft, könn- ten so doch der B- und G-Block über-

dacht werden

einer Gesellschaft kommt, wird die

Falls es zur Gründung

Stadt auch weiterhin Eigentümer des Stadions bleiben; daß Eilenriedesta- dion soll hingegen an 96 veräußert werden. Derzeit erhält die Stadt Hannover zwischen acht und zehn Prozent der Zuschauereinnahmen von 96 und bei Länderspielen vom DFB als „Miete“. Ein gut besuchtes Länderspiel spült somit 750.000 DM in die leeren Kassen der Stadt.

In den kommenden Wochen wird

sich das Sport- und Bäderamt

mit dem Fanprojekt zusam-

mensetzen, um über die Erweiterung von H 31 zu beraten. Die gesamte Veranstaltung erwies sich als sehr interessant, da Lotze die Sachverhalte kompetent und anschaulich vermitteln konnte. Erfreulich war dabei, daß Lotze von sich aus weitere Treffen anbot und ein Freund der bereits angespro- chenen Bremer und Dortmunder Lösung ist. Falls es ein weiteres

Treffen gibt, wäre eine höhere Beteiligung sicherlich wünschens- wert.

Sport

Die nächste Frau ist immer die schwerste

von Philip Köster

Durch meinen Nebenberuf als NOTBREMSE-Redakteur stoße ich immer mal wieder auf einfach geile Artikel. Dieser hier behandelt auf höchst amüsante Art und Weise den schwer faß- baren und schlecht erforschten Themenkomplex „Frauen und Fußball“. Den Artikel aus dem Arminia-Bielefeld-Fanzine „Um halb vier war die Welt noch in Ordnung“ möchte ich euch also nicht vorenthalten, er gehört zu meinen absoluten Lieblingen. Wenn ich doch auch bloß so eine Schreibe wie der geehrte Kol- lege hätte

Jan Kreidler

Amouröse Ve r s t r i c k u n g e n

kommen bisweilen

vor im Leben. Einmal

zu lange an der Theke gelehnt, schon schlingt dir eine Hübsche ihren Seidenschal um den Hals, und du mußt mit ihr plaudern. Zwei Stunden später betrachtet ihr gemein- sam deine Zierfischsammlung und wenn du Glück hast, ist sie am nächsten Morgen nicht über alle Berge und auf dem Toilettenspiegel steht auch mit Lippenstift nichts Fieses geschrieben. Sie liegt also neben dir und säuselt etwas von gemeinsam durch den Stadtpark spazieren,

Enten füttern, Kaffee trinken und ähnlichem in der Preis- klasse. Du nickst schlaftrunken, drehst dich noch mal zur

Seite und dann

tag war, ergo heute Sonntag ist und du einen dringenden auswärtigen Termin hast. Um 15 Uhr, läßt sich leider nicht verschieben, sogar das DSF ist da. Was nun tun? Noch ist

das junge Glück brüchig und will gefestigt werden, zudem hast du klugerweise am gestrigen Abend deine Leiden- schaft für das runde Leder verschwiegen, als sie auf den dezenten Hinweis, daß Albert Camus und Bert Brecht lei- denschaftliche Fußballfans waren, mit verständnislosem Achselzucken reagierte. Wie immer gibt es auch hier zwei Optionen, diplo- matisch oder brachial. Natürlich hat erstere Lösung ihre Reize, man vermeidet, daß die Dame von Panik getrieben und spärlich bekleidet aus der Wohnung flüchtet. Langfri- stig erweist sich jedoch der Holzhammer, das schmerzli- che Geständnis, das offene Bekenntnis: „Um 12 Uhr fährt der Sonderzug“, als die weisere Variante. Sie bewahrt dich vor demütigenden Situationen, wie sie einem Bekannten von mir passierte. Seine Obsession tapfer leugnend absol- vierte er einen ausgedehnten samstäglichen Besuch im Münsteraner Zoo, während seine Mannschaft im Bochu- mer Ruhrstadion kickte. Flamingos und Bergechsen anguk- ken, gar Futterpäckchen am Wildschweingehege ziehen,

fällt dir plötzlich ein, daß gestern Sams-

während hundert Kilometer weiter südlich die eigene Mannschaft um ein Pünktchen zittert, das Leben wartet so manches Mal mit harten Prüfungen. Und da wir gerade bei schmählichen Anekdoten sind, ein anderer wurde in Begleitung seiner Lebensabschnittsgefährtin auf der Straße von wildfremden Schnauzbärten gegrüßt, worauf ihn seine Freundin in die Seite puffte und fragte, woher er denn um Gottes Willen solches Gesindel kenne. Die ehrli- che Antwort „Die hingen vor Jahren mal in Essen neben mir am Zaun“ hätte, so steht zu vermuten, wohl kaum beziehungsverlängernd gewirkt. Derlei wird jeder schon mal erlebt haben, vielleicht nicht in dieser hochnotpeinli- chen Variante, aber ähnlich. Stellt sich doch die Frage, warum sind sie so, die Damen? Warum finden sie all das, was uns Samstag für Samstag in den Bann zieht, unsagbar bescheuert und kin- disch? Warum müssen wir Lindenstraße gucken, wenn gleichzeitig im WDR Erkenschwick und Rot-Weiß Essen ums Überleben in der immerhin dritten deutschen Liga kämpfen. Warum sagen Mädchen immer 1.FC Bayern und Münchengladbach und warum schwören sie Stein und Bein, daß Deutschland 1997 Weltmeister geworden ist? Warum erzählen sie uns, daß sie in der Straßenbahn wieder einmal ein paar Deppen mit komischen Vereins- mützen gesehen haben, von denen einer einen soooo, und dabei breiten sie die Arme ganz weit aus, fetten Hin- tern hatte, und vergessen, daß wir am nächsten Samstag ebensolche Mützen aufsetzen werden und ganz eventuell den soeben beschriebenen Herren in den Armen liegen werden? Keine Ahnung, keinen blassen Schimmer. Wobei ich durchaus verstehe, daß sie nicht teilhaben möchten an der schönsten aller möglichen Vergnügungen. Daß sie es nicht für eine persönliche Bereicherung halten, nach

Frauenfußball

Mittlerweile gibt es den offiziellen Frauenfußball schon seit fast dreißig Jahren. 1970 wurde das im Jahre 1955 ausgesprochene Verbot durch den DFB- Bundestag aufgehoben. Seitdem waren die Frauen nicht weniger erfolgreich als die Männer. Viermal wurden sie Europameister und einmal gewannen sie WM-Silber. Nachdem es ab 1991 eine Zwei-Grup- pen-Bundesliga (Nord, Süd) gegeben hatte wurde diese 1997/98 von einer eingleisigen Bundesliga abgelöst. Auch für die Frauen ist der Ball rund und dauert ein Spiel neunzig Minuten. Nach der neusten Statistik sind 774.382 Mitglieder des DFB weiblich.

23

Sport

einem Tor quer durch den Block geschmissen zu werden. Und daß sie durchaus darauf verzichten können, vom Bundesgrenzschutz liebevoll umringt durch eine fremde Stadt eskortiert zu werden. Es scheint, als nähme sich die holde Weiblichkeit zu Beginn einer jeden Liaison vor, den Angetrauten schon zur Vernunft zu bringen, ihn durch Fürsorge und periodisch wiederkehrende Sticheleien und Mahnungen dem fußbal- lerischen Unfug zu entfremden. Und da Frauen in Rän- keschmieden bisweilen eine beachtliche Passion entwik- keln, bemerkt der liebestaumelnde Galan das Fangnetz zu seinen Füßen allzu spät. Zufällig stehen dann immer sams- tags sogenannte unaufschiebbare Termine an: Antrittsbe- such bei den Eltern, die beste Freundin kennenlernen usw., und ehe man sich versieht, hat man drei, vier Spiele ver- paßt. Schon erinnert man sich nur noch schwammig an den Vornamen des iranischen Mittelstürmers, könnte einem

Hoffen wir also mit dem jungen Mann, daß er gute Freunde hat, die ihn da rausholen, die Freundin kräftig aus- schimpfen und ihn wieder auf den Pfad der Tugend zurück- führen. Wer allerdings zuvor durchs Leben gehuscht ist, ohne tragfähige freundschaftliche Beziehung zum eige- nen Geschlecht, der ist nur noch wenige Fußbreit vom Münsteraner Zoo entfernt.

Ursachenforschung. Warum also sind sie so? Wahrscheinlich ist es

Abermals

eine krude Mischung aus alledem. Oder wissenschaftlich ausgedrückt: 10% Abneigung gegen Bier und Jeanswe- sten mit Stickern, 15 % Verbitterung über samstags abwe- sende Lebensgefährten, 15 % Frust über ausgedehnte Live- übertragungen aus dem Haberland-Stadion und gleich- zeitig ausfallende TV-Romane, 10% allgemeine Abnei- gung gegen Ballspiele, weil jede Frau mindestens einmal in schwarzer Gymnastik- hose von einer johlenden Jungenmeute durchs Völ- kerballcarree gescheucht worden ist, und glatte 50% Prozent sind schließ- lich der immerwährende Neid der Damen auf „das

Stück Männerwelt“, wie es Elke Heidenreich einmal ausgedrückt hat. Fakt ist, daß Frauen auch ganz gerne enthemmt rum- schreien, sie haben nur leider selten Gelegenheit dazu, schließlich kommen die Chippendales nur alle paar Jahre vorbei. Frauen sind auch mit Leidenschaft obszön, wer einmal eines der sagenumwobenen „ D a m e n k r ä n z c h e n “ belauscht, dem fallen mit Garantie nach fünf Minu- ten die Ohren ab. Statt Bier saufen sie süßes Zeug aus Flaschen mit illustren Namen wie „Kirschbombe“ und anstelle schicke Schals mit Vereinsaufdruck zu tragen,

schmieren sie kryptische Namen auf ihre Schul- und Stu- diertaschen.

Alles das tun und machen sie und trotzdem ist

es nicht dasselbe. Obszön sein? Gerne,

aber nur mit den besten Freundinnen.

Sich besaufen? Immer doch, aber nur mit Likör. Scheiße aussehen? Yeah, aber immer mit dem Hintergedanken, daß es eventuell doch trendy aussieht. Dieses allge- genwärtige bedenkenschwere „Aber“ sorgt dafür, daß den Damen das Wesen des Fußballs ewig fremd bleiben wird.

den Damen das Wesen des Fußballs ewig fremd bleiben wird. Wozu denn noch in den Zoo

Wozu denn noch in den Zoo gehen?

fragenden Passanten nur noch schwer den Weg zum Sta- dion erklären. Bleibt die Frau nun am Ball, stehen die Chan- cen nicht schlecht, den wankenden Jüngling dem sporti- ven Vergnügen zu entfremden und auf die weibliche Sams- tagnachmittaggestaltung einzuschwören: Er wird Bekannt- schaft mit Brandon Walsh machen, seine Stammkneipe wird zukünftig auf den wenig wohlklingenden Namen „Shooters“ hören und in der Werbepause wird er für seine Herzensdame und deren Freundinnen Eßbares von der Pommesbude gegenüber holen. Die lümmeln sich derweil auf dem Kanapee und gucken dämlich. Liebe Leute, das sind Samstage, zäh wie ein Kaugummi und spannend wie eine Jahreshauptversammlung.

24

Unterhaltung

Stürmer für Hitler

von Jan Kreidler

In offiziellen Vereinschroniken wird das Vereinsle- ben im Nationalsozialismus oft totgeschwiegen oder in einigen wenigen Sätzen nivelliert (96

bildet mit seiner offiziellen Vereinschronik mal die Aus- nahme). Die unten genannten Buchautoren haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, den Fußball im Nationalso- zialismus näher zu beleuchten. Am Beispiel der National- mannschaft und der Gleichschaltung des DFB wird deut- lich gemacht, wie sehr die Nazis den Sport für ihre pro- pagandistischen Zwecke einzuspannen wußten. Das Para- debeispiel hierfür bilden die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die der Welt ein friedliebendes und tolerantes Deutschland vorgaukeln sollten. Besonders stark ist das Buch an den Stellen, an denen versucht wird, anhand von Einzelbeispielen, die Ausgren- zung und Ermordung von jüdischen Sportlern, die vor- schnelle Gleichschaltung einiger Vereine, den erzwunge- nen Zusammenschluß der deutschen und der österreichi- schen Nationalmannschaft sowie den Fußball während des Krieges darzustellen: So trafen sich während des Krie-

ges zwei ehemalige Spieler des HSV im KZ wieder, der eine als Aufseher, der andere als Häftling. Die Autoren sind immer wieder bemüht, durch Inter- views Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, welche die Eindrücke der Spieler von den politischen Geschehnis- sen wiedergeben sollen. Es ist dabei erschreckend, wie sehr manche Sportler die Augen vor den Entwicklungen in ihrem Verein verschlossen und sich „nur aufs Fußball- spielen konzentriert“ haben wollen. Das Buch ist wirklich ein Muß für jeden Historiker und Fußballfan, der sich für diese erste, umfassende, informa- tive und gut lesbare Aufarbeitung der Fußballgeschichte und der Sportpolitik im Dritten Reich interessiert.

Fischer/Lindner: Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwi- schen Fußball und Nationalsozialismus Verlag Die Werkstatt ISBN 3-89533-241-0 304 Seiten, zahlreiche Abbildungen Ca. 30 DM

Stephans Erste Regel

von Stephan Frings

Gleich vorweg: Wer den Film noch nicht

gesehen hat und noch sehen

möchte, möge auf das Lesen dieses

Artikels verzichten. Ich habe es geschafft, ich habe es überstanden, ich habe mir den Film „Fight Club“ angesehen. Leider war ich voreingenommen, denn einige Leute erzählten mir vorher davon, und sie erzählten mir, daß es der Kultfilm des Jahres sei und wahrscheinlich auch des ganzen Jahrtau- sends (Damit habe ich das Thema Millennium auch gleich abgehakt). Warum leider? Ganz einfach, denn meine Erwartungen an den Film waren dermaßen hoch, daß wahrscheinlich auch ein echter Tarantino in meinen Augen schlecht gewesen wäre. Aber gut, kommen wir einmal zu einer kleinen Auswertung:

Fangen wir mit der Story an. Sie ist neu, meiner Mei- nung nach zumindest, das heißt aber noch lange nicht, daß sie auch gut ist. Wenn ich einen Film über norwe- gische Kletterrosen machen würde, wäre die Story auch neu, der Film aber nicht unbedingt gut (ganz bestimmt sogar nicht). Es geht um einen Büroknecht, wie wir ihn

uns in den schlimmsten Alpträumen vorstellen. Ein Robo- ter, der jeden Tag acht Stunden im Büro verbringt und sich mit der Analyse von Autowracks beschäftigt. Das ein- zige, was ihn irgendwie auch nur im entferntesten inter- essant macht, ist die Tatsache, daß er nicht schlafen kann („Schlafes Bruder“ läßt grüßen). Zwischen seinen ganzen Flügen, quer durch die USA, geht er zu Selbsthilfegruppen von Todkranken, wo er seine Seele an dem Unglück ande- rer reiben kann. So weit so gut. Sie, lieber Leser, werden sich nun sicher fragen, was das mit dem „Fight Club“ zu tun hat. Richtig, das habe ich mich in der ersten halben Stunde auch gefragt. Dann endlich taucht Brad Pitt auf, was gleichbedeutend mit der Aussage für den Zuschauer ist: „Jetzt muß die Handlung beginnen!“. Tut sie auch, wenn am Anfang auch etwas zäh. Als besagter Roboter irgendwann nach Hause kommt, ist seine Ikea-Muster- Wohnung nur noch ein Trümmerfeld. Irgend jemand hat eine Bombe in seinem Zimmer gezündet. Wenn dem Zuschauer da ein kleines „Ah ja!“ über die Lippen kommt, kein Problem, nachher wird für Aufklärung gesorgt. Dieser Mann sitzt jetzt also auf der Straße. Gott sei Dank hat

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Unterhaltung

er im Flugzeug Brad Pitt kennengelernt, der anscheinend auch nicht ganz fit im Kopf ist. Diesen ruft er jetzt an und trifft sich mit ihm in einer Bar. Nachdem er sich endlich dazu durchgerungen hat, Brad zu fragen, ob er bei ihm einziehen kann, prügeln sich die beiden kurz. Damit ist letztendlich der Fight Club gegründet. Denn das tun sie auch noch öfter, und es kommen immer mehr Leute zu diesem Barkeller-Spektakel. Wenn sie sich jetzt fragen:

„Was ist eigentlich der Fight Club?“, dann muß die Ant- wort leider lauten: „Eine verschworene Gruppe Durchge- knallter, die sich am Abend irgendwo grundlos prügeln, um dann, laut Cinemaxx-Programm, gestärkt wieder in den Alltag zu gehen“. Daß das nachher ausufert, kann man sich denken und muß hier nicht erwähnt werden. Festzuhalten ist nur, daß die beiden Hauptdarsteller die

wie ein Güterzug in voller Fahrt erwischt. Wenn dem ein oder anderen dabei das Herz vor Schreck kurz ste- henbleibt, kein Problem, nach wenigen Sekunden dieser Infernovision springt die Handlung wieder zurück in den eigentlichen Rahmen. Die Kameraführung ist gut, man hat manchmal das Gefühl, selbst im Geschehen zu sein. Was die Schauspieler angeht, so denke ich, hat man in der Wahl der Besetzung zu diesem Film einen Glücks- griff getan, denn wer Brad Pitt in „12 Monkeys“ schon gut fand, wird von ihm hier begeistert sein. Und auch Edward Norton versteht es, seine Rolle als sich wandelnden Softie gut rüberzubringen. Besonders spektakulär ist der Film dennoch nicht, und die Spannungskurve macht zum Ende hin eine ganz böse Kurve nach unten ins Langweilige, wo sie auch etwas verbleibt, bevor sie sich langsam wieder nach oben arbeitet. Wer eine 104-minütige Fahrt auf der Ach- terbahn à la „Payback“ (o. ä.) erwartet, wird enttäuscht sein, wenn er für einige Minuten dann im tunnel of love Zwischenstopp ein- legt. Nicht, daß es besondere Romantik- Szenen in dem Film geben würde, viel mehr wird es dann so öde, als wäre man allein in besagtem Tunnel. Der wahre Knack- punkt ist jedoch die Realitätsnähe. Ein biß- chen Realismus muß schon sein, das ist OK, aber das, was dem Zuschauer in „Fight Club“ gezeigt wird, sprengt jegliche Grenzen. Wenn der Fight Club tagt, sprich, wenn sich die Leute wieder prü- geln, fließt das Blut in Strömen und Zähne fliegen öfter als die Kurierflüge von TWA. Gegen das immer öfter aufkom- mende Ekelgefühl, das sich im Zuschauer aufbaut, muß man ankämpfen. Und wenn der Film zum Ende kommt, und man meint, man hätte es überstanden, dann schießt sich Edward Norton noch eine Kugel in den Hals und damit dem Zuschauer genau in die Magengegend. Denn, oh Wunder, er überlebt es und läuft noch die letzten fünf Minuten mit aus dem Hals strömendem Blut herum. Fazit: Wer drauf steht, bitte sehr, aber ansonsten lohnt sich der Film nur deshalb, weil hier das Thema „Bewußt- seinsspaltung“ einen neueren Vertreter findet. Der Sound- track in „Matrix“-Manier kann sich jedoch hören lassen.

in „ Matrix “-Manier kann sich jedoch hören lassen. Mülltrennende Ethnoschnepfen auf dem Weg zum Fight

Mülltrennende Ethnoschnepfen auf dem Weg zum Fight Club.

absoluten Gegensätze sind. Man könnte auch sagen, daß sich der Charakter von Edward Norton wünscht, so wie der Charakter von Brad Pitt zu sein. Das beide ein und dieselbe Person sind, sorgt zwar für eine kleine Überra- schung, ist aber nicht wirklich neu. Der Fight Club spie- gelt immer mehr die Werte und Normen des Brad Pitt- Charakters wieder, was schließlich dafür Sorge trägt, daß der Fight Club nachher eine kleine Privatarmee ist, die groben Vandalismus betreibt und die halbe Stadt in Asche legt. Soweit zur Story. Die Specialeffects sind zwar spär- lich gesät, können sich aber sehen lassen. Wenn der arme Büromann sich im Flugzeug beim Landeanflug vorstellt, wie es wohl wäre, wenn sein Flugzeug mit einem anderen kollidiert, springt die Szene um in eben dieses Szenario, und zwar so schnell und heftig, daß es den Zuschauer

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Unterhaltung

Extreme Hollywood Verdumming?

von Soenke Obst

Hat an diesem Seminar eigentlich schon mal

jemand Xena, Hercules oder Sindbad ernst

genommen?

Doch wohl eher nicht. Aber vielleicht lohnt es sich ja doch, sich mal damit zu beschäftigen. Nur darüber zu lachen, ist auf Dauer wenig sinnvoll. Zuerst einmal sollte erwähnt werden, daß diese Sen- dungen natürlich bei den bekannten Schmuddelsendern (also den beliebtesten Privaten) laufen. Und dummerweise machen sie auch einen Teil des Erfolgs der Programme aus. Die Sender legen Wert auf kassenträchtige und publikums- wirksame Serien, da ist für historische Genauigkeit kein Platz mehr. Würde Xena im Nachtprogramm ab 0.00 Uhr laufen, gäbe es keinen Grund sich aufzuregen. Zu dieser Zeit erwar- tet niemand mehr sinnvolle Sendungen, sondern nur noch Zeugs zum Ablachen oder Einschlafen. Doch genau das ist das Problem. Hercules und Co. laufen ausnahmslos am Wochenende in den Nachmittagsstunden. Zur besten Zeit, um Kinder und Jugendliche vor den Bildschirm zu locken. Warum ist Xena denn jetzt eigentlich so beliebt? Eine zum Guten bekehrte griechische Kriegerin zieht durch die Lande und verprügelt Leute; dies im Übrigen mittels asiatischer Kampfkünste. Ihre Waffe ist ein Eisenfrisbee, und bei jeder sich bietenden Gelegenheit testet sie die Boxen der Fernse- her mit ihrem Kampfquiek. Das restliche Konzept besteht aus Mythen, Zauberei, Göttern und kleinen Sidegags. Der wichtigste Erfolgsgarant ist aber wohl die Kostüm- wahl und die Besetzung der Nebenrollen und Statisten. Alles, was nicht altes Mütterchen oder trotteliger Dorf- bewohner ist, ist mit Hollywoodschönheiten besetzt, die dann ausschließlich mit zu engen Miedern oder Bikinis kostümiert sind. Und was ist das Erfolgsrezept von Hercu- les? Ein griechischer Halbgott läuft durch die Gegend und verprügelt Leute mittels asiatischer Kampfkünste. Bemerkenswert ist, daß er keine weiteren Waffen benö- tigt. Der Rest besteht aus Mythen, Zauberei, Göttern und kleinen Sidegags. Und der Erfolgsgarant? Sollte man sich jetzt wundern? Bikinis und Mieder! Worauf gründet sich der Erfolg von Sindbad? Nein, ein drittes Mal schreibe ich das nicht auf!!! Über Haudrauf oder Sexismus im Fernsehen könnte man sich jetzt auch aus- lassen, ich will aber auf einen anderen Punkt zu sprechen kommen. Mein Aufreger ist die Darstellung von Geschichte in Hollywoodproduktionen. In früheren Zeiten war die Verfälschung von Geschichte meist eine Ausnahme, die mit dramaturgischer Notwendig- keit erklärt wurde. Neuerdings scheint dies aber ein allge-

mein anerkanntes Mittel zu sein – ein grundsätzliches Ele- ment im Konzept der Produktionen. Man kann nun argumentieren, daß es bei Fantasy-Serien keinen Sinn macht auf, den Wahrheitsgehalt zu achten, da es in der Natur solcher Filme liegt, daß sie aus purer Phan- tasie bestehen. Dies ist ein nachvollziehbarer Standpunkt. Fragwürdig wird diese Sicht allerdings, wenn die fiktiven Gestalten plötzlich auf historische oder biblische Gestalten treffen, um die Story aufzuwerten. So trifft Xena in einer Folge z.B. auf David und Goliath (wobei sie ein alter Kumpel von Goliath ist), und in einer anderen Folge hat sie mit Gaius Julius Caesar zu tun. Auf die Problematik bei der Verbin- dung dieser Folgen brauche ich wohl nicht näher einzuge- hen. Wenn dann auch noch in der antiken Welt mit Spreng- stoffen und Bomben hantiert wird, kann einem wirklich schlecht werden. Der Mix aus Fiktion und Realität, Halb- wahrheiten und Sidegags wird gefährlich, wenn man noch- mal an die Zielgruppe dieser Sendungen zurückdenkt:

Kinder und Jugendliche. Wer nun, wie ich, als Geschichtsstudi am Sonntag neben seiner zehnjährigen Nichte vor der Kiste sitzt und sich anhört, welche Erkenntnisse und welches Wissen sie aus diesen Serien zieht, dem wird um die eigene Zukunft nicht

mehr bange, denn für Historiker scheint immer mehr Bedarf zu herrschen. So scheinen dann Goliath und Caesar in der glei- chen Zeit gelebt zu haben, Sprengstoffe gab es schon 5 0 0 v . C h r . , ebenso wie Fernrohre oder luftgepolsterte

0 0 v . C h r . , ebenso wie Fernrohre oder luftgepolsterte Sandalensoh- len.

Sandalensoh-

len. Gibt es wirklich keine Möglichkeit die besagten Serien so zu schreiben, daß sie keinen Schaden anrich- ten, oder hat es nur noch nie- manden inter- essiert?

Coitus et violencia.

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Unterhaltung

Hänsel und Gretel 2000

von Nadine Ziegler

Die Nachwuchsfilmemacher Daniel Myrick und Eduardo Sanchez fabrizierten diesen unge- wöhnlichen Film. Dazu schickten sie einfach

drei unbekannte Schauspieler, Heather Donahue, Michael Williams und Joshua Leonard, mit zwei Videokameras aus- gerüstet in die herbstlichen Wälder von Maryland, um sich gegenseitig beim Umherirren im Wald zu filmen. Die „Dokumentation“ fängt mit dem Beginn der Expedition an. Heather, Joshua und Michael wollen eine Dokumen- tation über die Hexe von Blair drehen und fahren dazu nach Burkittsville, um dort zunächst einige Leute zu inter- viewen und sich dann in die Wälder zu begeben, in denen die Hexe ihr Unwesen treiben soll. Je weiter sie in die Wälder eindringen, desto unheimlicher und gruseliger werden ihre Erlebnisse, nachts hören sie irgendwelche merkwürdigen Geräusche, vor ihrem Zelt finden sie maka- bere und bizarre Botschaften. Die Unruhe der Studenten steigert sich zu Angst und später, als dann endgültig klar

ist, daß sie sich verlaufen haben, die Karte der Umgebung verschwunden ist und irgendetwas in diesem Wald nicht stimmt, zu Panik. Dem Mythos nach begann die Aktivität der Hexe von Blair 1775 mit Elly Kedward, die der Hexerei beschuldigt wurde, weil sie einige Kinder in ihr Haus gelockt haben soll, um deren Blut zu bekommen. Einige Zeit später war dann die Hälfte der Kinder von Blair verschwunden. Die Bewohner der Stadt flohen. Danach wurde es lange still um die Hexe von Blair. 1868 verschwanden wieder einige Kinder, deren verstümmelte Leichen kurze Zeit später im Wald gefunden wurden. 1941, also wieder ein Jahrhundert

im Wald gefunden wurden. 1941, also wieder ein Jahrhundert Am Anfang war die Welt noch in

Am Anfang war die Welt noch in Ordnung

später, begann wieder eine Reihe mysteriöser Vorfälle, in deren Verlauf sieben weitere Kinder verschwanden. Die sieben Kinder sind später im Haus des Einsiedlers Rustin Parr gefunden worden, rituell ermordet und ebenfalls ver- stümmelt. Der Einsiedler hat nach eigener Aussage für den Geist einer alten Frau gearbeitet, die in den Wäldern in der Nähe seines Hauses wohnt. 1994 begaben sich dann die oben erwähnten Studen- ten in die Wälder, um ihre Dokumentation zu drehen. Unter den Leuten, die Heather und die anderen noch inter- viewen, bevor sie sich in den Wald begeben, ist auch eine alte Frau, die ihr Leben lang in Burkittsville gelebt hat und die behauptet, sie habe die Hexe gesehen; sie sei eine extrem behaarte Frau, eine Mischung zwischen Mensch und Tier. Nicht weit entfernt von der Stelle, an der die Drei ihr Auto abgestellt haben, tref- fen sie dann noch zwei Angler. Dies ist auch das letzte Lebens- zeichen, das es von Heather, Joshua und Michael gibt. Es wurde dann noch eine große Suchaktion gestartet, aber man fand weder Lebende noch Lei- chen. Ein Jahr später fand man das Filmmaterial, welches die Drei gedreht hatten. Die Bilder, welche die Studenten eingefangen haben, sind dann zu einem 75-minü- tigen Film zusammengestellt worden.

dann zu einem 75-minü- tigen Film zusammengestellt worden. Die aufkommende Unruhe steigerte sich später zu Panik.

Die aufkommende Unruhe steigerte sich später zu Panik.

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Unterhaltung

Soweit der Mythos, der, wie wir ja inzwischen alle wissen, völlig frei erfunden ist. Den große Erfolg, den „Blair witch project“ bisher hatte (40.000 Dollar Investiti- onskosten und allein in den USA 140 Millionen Einspieler- gebnis), ist wohl hauptsächlich der Tatsache zuzuschrei- ben, daß im Vorfeld der Mythos der Hexe von Blair und einige Filmausschnitte im Internet veröffentlicht worden sind. Das Besondere an dem Film ist, daß es aufgrund der Tatsache, daß er wie ein Dokumentarfilm aufgemacht ist, kein klassischer Horrorfilm mit vielen Special-Effects und großem technischen Aufwand ist, sondern daß einem in diesem Film der (fast) ganz alltägliche Horror gezeigt wird, wie ihn jeder schon einmal erlebt hat, wenn er/sie nachts mal merkwürdige Geräusche hört oder gehört hat. Dieser Effekt wird noch dadurch unterstützt, daß die Schauspieler für diesen Film mehr oder weniger sich selbst überlassen blieben, während sie sich selbst gefilmt haben. Gezwungenermaßen mußten sie dann auch entsprechend oft improvisieren. Auch die Angst, welche die Schauspie- ler haben, wirkt extrem echt, zumal die Drehbedingungen teilweise durch Schlaf- und Nahrungsentzug, sowie einige nicht abgesprochene nächtliche Attacken der restlichen Filmcrew, verschärft worden sind. Wenn man sich diesen Film ansehen will, sollte man sich vorher darüber im Klaren sein, daß „Blair witch pro- ject“ kein klassischer Unterhaltungsfilm ist, sondern ein als Dokumentarfilm aufgemachter „Horrorfilm“, der auf- grund der Tatsache, daß die Schauspieler selber drehen, natürlich keine vollendete Kameraführung hat, keine auf- wendigen Effekte enthält und keine großartig inszenier- ten Gruselszenen zu sehen sind. Was diesen Film interes- sant macht, ist vielmehr, die Außergewöhnlichkeit. „Blair witch project“ ist eben kein normaler „Hollywoodfilm“, der durch eine gute Story und technische Effekte begei- stert. Faszinierend ist vielmehr, daß die Geschichte des Films, der Mythos der Hexe von Blair und einige andere Details im Internet verbreitet worden sind, daß anson- sten in Amerika kaum Werbung für diesen Film gemacht worden ist und er trotzdem so erfolgreich war und ist. Vor allem die Tatsache, daß die meisten Amerikaner, die diesen Film gesehen haben, auf die Inszenierung und den Mythos hereingefallen sind und wirklich geglaubt haben, daß die Ereignisse genau so passiert sind. Wenn man sich den Film angesehen hat, kann man das auch durchaus nachvollziehen. Das, was man wirklich sieht, ist ja auch in gewisser Weise real, die Schauspieler haben das aufge- nommen, was sie gesehen haben. Sicher ist ein Großteil Inszenierung dabei, aber entscheidend ist, welche Bezüge man zu den Bildern, die man sieht, herstellt. Insofern ist es natürlich richtig, wenn man sagt, daß der Film einige Fas- zination dadurch verloren hat, daß inzwischen bekannt ist, daß es eben kein Dokumentarfilm ist, sondern eine Inszenierung. Dennoch fand ich den Film durchaus faszi- nierend, weil es eben mal ein völlig anderer Film ist, und es auch durchaus interessant ist, sich zu überlegen, daß so viele Leute auf diesen Film hereingefallen sind.

und es auch durchaus interessant ist, sich zu überlegen, daß so viele Leute auf diesen Film

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Unterhaltung

Unreales Halbleben der Quaker

von Ralf Raths

Angesichts der Tatsache, daß das

Fest der Hiebe mal

wieder unaufhaltsam

seine Schneise durch den Kalender auf unsere heutige Gegen- wart hin schlägt, widme ich mich, ganz im Sinne des Trends der vorweihnachtlichen Kaufempfehlungen, einer recht spe- ziellen Sparte der elektronischen Unterhaltungsmedien, den sogenannten EgoShootern, wobei mein Fokus auf ihrem Mul- tiplayercharakter liegen wird. Allen, die sich jetzt murmelnd und ratlos fragen, was das denn sei, oder die schon immer mal wissen wollten, was das denn für ein Blödsinn ist, über den alle mit so seltsam glänzenden Augen und Sabberfäden im Mundwinkel palavern, sei der Artikel „Headshot!“ auf der Seite 35 empfohlen, der sich mit dem Thema in allgemeiner Weise auseinandersetzt. So, für alle Interessierten gehen wir jetzt mal in medias res. Wir haben das Glück, diese Ausgabe zu einem besonde- ren Zeitpunkt zu erstellen. Zum einem sind die Titel, die ich jetzt unter anderem besprechen werde, noch nicht indiziert, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über Neujahr passieren wird. Zum anderen sind wir in der famosen Lage, vor einigen Tagen zwei topaktuelle Originalxemplare von „Quake 3 Arena“ aus dem Land der unbegrenzten Möglich- keiten erhalten zu haben, so daß wir ein begründetes Urteil über dessen Qualität abgeben können. Damit ist auch schon der erste Kombattant genannt, sein offizieller Erscheinungs- termin in Europa ist der 15. Dezember des Jahres, aber dem Start in Deutschland könnte ein Problem im Weg stehen. Das Programm sollte für den hiesigen Markt ursprünglich zwin- gend mit der Möglichkeit versehen sein, den Gorelevel herab- zusetzen. Allerdings weist zumindest die amerikanische Ver- sion diese Option nicht auf, es steht also in den Sternen, ob es hier nun erscheint. Nun, als Alternative, und ohne solche wäre dieser Artikel ja auch relativ sinnentleert, sei das in Deutsch- land bereits veröffentlichte und noch erhältliche „Unreal Tour- nament“ genannt. Und der schließlich letzte Kombattant, ist das bereits betagte, aber kontinuierlich um aktuelle AddOns erweiterte „Half-Life“ in seiner deutschen Variante. „Quake 3 Arena“ ist natürlich Titelverteidiger im Bereich der Multiplayer. Die Grafik der Reihe setzte stets Standards, die Spielvarianten waren mannigfaltig (Koth, Ctf, Pb etc.), die Extras sorgten für Abwechslung, der Support durch die Fan- gemeinde ununterbrochen und hochwertig, die KI spaßig, die Atmosphäre knackig. Und hält „Quake 3 Arena“ die Verspre- chen? Die Antwort muß lauten: Geht so. Detailliert bedeutet das, daß die Grafik wieder einmal Standards setzt. Sie ist ein- fach atemberaubend opulent, wenn die Rechenpower stimmt, und weist darüber hinaus echte Neuerungen auf, wie z.B. runde Architektur. Ein Torbogen hat künftig rund zu sein, und

nicht mehr vieleckig, denn „Quake 3 Arena“ hat es vorgemacht. Aber das Grundspiel fasziniert nur bedingt, weil es zu wenig Variationen an Karten, Waffen, Models, Spielmodi (besonders schmerzlich: nur einer!), Taktiken und Atmosphären gibt. Es läuft fast immer auf ein sehr schnelles, akrobatisches Turnen und Töten mit fantastischen Bildern, aber kaum Variationen hinaus. „Quake 3 Arena“ vermittelt dadurch ein beinahe sport- liches Spielgefühl, bei dem das rote Blut der Gegner kaum morbider ist, als eine rote Karte beim Fußball. Das diesbezügliche Gegenstück ist „Unreal Tournament“. Der Ableger des legendären „Unreal“ von Mitte 1998 ist im Gegensatz zu diesem grafisch extrem aufgebohrt worden (reicht aber nicht an „Quake 3 Arena“ heran), bietet eine nicht berauschende, aber solide KI, alleine vier Spielmodi im Grund- spiel, viele Waffen- und Levelvariationen, eine dichte Atmo- sphäre dank Grafik und Sound sowie einen Leveleditor und ein Menü für den Gorelevel! Gnihihi. Doch auch „Unreal Tour- nament“ ist für den anspruchsvollen Spieler zumindest proble- matisch, denn mehr noch als „Quake 3 Arena“ artet es schnell und regelmäßig in ein reines und vergleichsweise brutales Geballere auf engem oder engstem Raum aus, in dem mehr Glück als Können über Leben und Tod entscheidet. Bei „Unreal Tournament“ merkt man schon, daß es sich nicht um eine reine Sportveranstaltung handelt, es lebt geradzu von der halbreal- brutalen Atmosphäre und Heftigkeit. Gegenstück zu beiden ist „ Half-Life“. Von selbigem Spiel, das Ende 1998 erschien und auf der „Quake“-Engine basiert, gibt es kein exklusives Multiplay-spin-off, aber der Multiplay- ermodus ist durch viele sogenannte custom games erwei- terbar, die das eigentliche Multiplayergame in viele verschie- dene Variationen führen können, z.B. eine Anti-Terror-Variante (Counterstrike), eine spezielle Erweiterung für große Gruppen (Team Fortress) oder eine morbide Zweiter-Weltkrieg-Erweite- rung (War in Europe). Die Grafik ist zwar objektiv unrettbar veraltet, subjektiv reicht sie aber lange Meter aus und hat ihren eigenen, realistischen Stil. Die Waffen sind entweder extrem realistisch oder absolut abgefahren, nämlich auf Ali- entechnologie basierend. Die Bewegungen sind in normaler Geschwindigkeit programmiert. Das ergibt ein sehr seltsames Spielgefühl; da geht es wesentlich ruhiger vor sich, ist dabei aber nicht langweilig, sondern herausfordernder und span- nender. Kurz zusammengefaßt sind alle drei Spiele Meilensteine; die Wahl eines Siegers wäre Augenwischerei, da alle zu ver- schiedenen Kategorien gehören. „Quake 3 Arena“ ist die gerad- linige Sportvariante mit fulminanter Grafik, „Unreal Tourna- ment“ ist die brutale Actionvariante mit dichter Atmosphäre und „Half-Life“ eine Art Schach im Bereich der EgoShooter. Also gilt mal wieder: Wie es Euch gefällt!

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Unterhaltung

Nichts als die Wahrheit

Man stelle sich vor, Josef

Mengele wäre nicht

1979 bei einem Bade-

unfall in Brasilien ums Leben gekom- men, sondern er hätte sich freiwillig den deutschen Behörden gestellt. Genau auf diesem fiktiven Szena- rio basiert der Film von Roland Suso Richter. Der Anwalt Peter Rohm (gespielt von Kai Wiesinger) hat sich Jahre lang mit den Verbrechen des „Todesengels von Ausschwitz“ auseinandergesetzt. Eines Tages wird Rohm entführt und nach Argentinien verschleppt. Er trifft dort auf einen alten Mann, der sich als Dr. Josef Mengele ausgibt. Er über- zeugt Rohm von seiner Identität und kehrt mit ihm nach Deutschland zurück. Mengele drängt den jungen Anwalt, ihn vor Gericht zu vertreten. Er lehnt dies zunächst jedoch vehe- ment ab. Doch schließlich siegt seine Neugierde und der Wunsch eine Ant- wort auf die Frage des „Warum“ zu erhalten. Inszeniert wurde Mengeles Rück- kehr durch eine Gruppe von Alt- Faschisten, die sich vom „Auftritt“ des KZ-Arztes neuen Auftrieb für die „Aus- schwitz-Lüge“ erhofft haben. Durch diese als Rahmenhandlung eingefügte Thematik erhält der Film zusätzliche Brisanz. Im Mittelpunkt der Handlung stehen aber der eigentliche Prozess und vor allem auch die Gespräche zwi- schen Mengele und seinem Anwalt. Die Zweifel, die Rohm hat, diesen Mann zu verteidigen. Das eigene Unverständnis für die unmenschli- chen Taten dieser „Bestie“. Auf der anderen Seite der Versuch, eine juristische Argumentationslinie zu Mengeles Verteidigung aufzubauen („Mach ich es gut, bin ich ein schlech- ter Mensch, mach ich es schlecht, bin ich ein schlechter Anwalt“). Dieses

von Arnd Brüne

Dilemma scheint Rohm und auch seine Familie zu zerbrechen. Ein weiterer Teil, der um den Prozess herum aufgebauten Rah- menhandlung, beschäftigt sich mit der Verdrängung von persönlicher Schuld. Auf Hinweis von Mengele erfährt Rohm, dass seine eigene Mutter während der Nazidiktatur als Schwesternschülerin zwei Kinder ver- giftet hatte. Mengele selbst hält sich für unschuldig. Er gibt seine Taten zwar ungeschönt zu, doch er selbst sieht sich als „Erlöser“ der Menschen im Lager Ausschwitz vor den Demüti- gungen und Qualen durch die Nazis. Mit dieser perfiden Rechtfertigung seiner Verbrechen als humane, aktive Sterbehilfe, verteidigt sich Mengele vor Gericht. Sein Anwalt führt diese Argumentation fort. Er demütigt Zeit- zeugen, indem er ihr Überleben Men- gele zuschreibt. Im Verlauf des Prozes- ses steigert sich Rohm immer mehr in seine Verteidigungsstrategie hinein. Er verliert seine menschlichen Züge und ist nur noch Anwalt. Vor allem durch die Involvierung seiner Mutter wird ihm aber die Gefahr bewusst, die seine Vertei- digung birgt. So verurteilt er in seinem Schlussplädoyer vorbehaltlos die grausamen und unmenschlichen Verbrechen des Josef Mengele. Es fällt wirklich schwer eine Kritik oder Beurteilung dieses Films zu schreiben. Meiner Meinung nach, ist die Verknüpfung zwischen dem Pro- zess und seiner ganzen psychologi- schen Wirkung auf den Zuschauer und der Rahmenhandlung nicht immer gut gelungen. Ein Arzt, der im Auftrag eines geheimnisvollen Alt-Nazis versucht Mengele im Hochsicherheitstrakt umzubringen, weil dieser nicht wie gewünscht vor Gericht die

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weil dieser nicht wie gewünscht vor Gericht die 31 Perfide Rechtfertigung vor Gericht. „Auschwitz-Lüge“

Perfide Rechtfertigung vor Gericht.

„Auschwitz-Lüge“ vertritt, um dann später selbst von seinen Auftrag- gebern in die Luft gesprengt zu werden, wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. Hier wurde teilweise Action in den Film gemischt, ohne die er bestens ausgekommen wäre. Allein die schauspielerische Lei- stung eines Götz George als Josef Mengele macht diesen Film sehens- wert. Auch Kai Wiesinger weiß den Dualismus des Anwalts und des Men- schen Peter Rohm überzeugend rüber- zubringen. Sicherlich gibt auch die Möglich- keit der Fiktion nicht die Antwort auf die immerwährende Frage des „Warum“. „ Nichts als die Wahrheit“ gibt aber Anstoß, weiter über diese Frage nachzudenken. Und gerade dieser Ansatz erscheint mir in einem Land sehr wichtig zu sein, in dem zunehmend nur noch über Entschä- digungssummen für Zwangsarbeiter gefeilscht und Ausschwitz als „Moral- keule“ der internationalen Weltge- meinschaft angesehen wird. „Nichts als die Wahrheit“ ist ein sehenswerter Beitrag dazu, daß dieses Kapitel der deutschen Geschichte noch längst nicht als abge- schlossen zu bezeichnen ist.

Unterhaltung

Von bunten Bildern, dem Himmel auf Erden und anderen Dingen

von Gunnar Meyer

So kurz vor Weihnachten kann es ja vorkommen,

dass eine oder einer der werten Leserinnen und

Leser noch eine Idee für ein Geschenk sucht.

Da bedrucktes Papier zu den besonders beliebten Gaben gehört, müsste man eigentlich kein weiteres Wort dar- über verlieren. Seltsamerweise werden aber Comics, die gleichermaßen aus Papier bestehen, weitestgehend igno- riert, was aber nicht weiter verwundert, wenn die kun- den- und leserfeindliche Politik der großen deutschen Comicverlage berücksichtigt wird. Generell gesagt sind alle Neuveröffentlichungen des letzten Jahres schlecht bis gar nicht lesbar – Ausnahmen bestätigen, wie so oft, die Regel. Für mich als überzeugtem Comicleser war das ver- gangene Jahr wieder vom Trend hin zu anglo-amerikani- schen Werken geprägt. Kaum der französischen Sprache mächtig, ganz Splitter, Carlsen und Ehapa ausgeliefert, haben nur wenige franko-belgische Comics den Weg in mein Regal gefunden. Veröffentlichungen wie Dragon-

ball und Sailormoon, neben haufenweise Übersetzungen amerikanischer Superheldenwerke, bieten nicht das gewünschte Niveau. Ich kann jetzt über die gute alte Zeit frohlocken, als noch jede Woche so viele ausgezeich- nete Werke den Markt überschwemmten, dass das Budget kaum ausreichte auch nur die wichtigsten Comics zu erstehen. Stattdessen werde ich einen kurzen Streifzug durch meine inzwischen recht umfangreiche Sammlung machen. Er soll zum kaufen, lesen oder, wie Eingangs erwähnt, zum verschenken animieren. Wenn man vor dem Regal steht fällt einem auf, dass immerhin eine gewisse Ordnung besteht. Die Comics sind in verschiedene Genrebereiche eingeordnet. Aus einigen dieser Genres habe ich Werke, die ich für besonders her- ausragend halte, ausgesucht und werde sie kurz vorstel- len.

Das Beste zuerst – die Geschichts- oder Histo- riencomics. Hier ist das Album „ Algerisches Tagebuch“ von Ferrandez hervorzuheben,

welches noch zwei Folgebände hat. Die Comics können aber durchaus für sich alleine gelesen werden, denn die Geschichten sind jeweils abgeschlossen und hängen sonst kaum zusammen. Im ersten Band geht es um die Erleb- nisse eines jungen Malers, der in die Ereignisse um die Durchdringung Algeriens und der Festigung der franzö- sischen Herrschaft in den 1830er Jahren gerät. Wegen der Liebe zu einem algerischen Mädchen wechselt er die Seiten und wird als Dolmetscher von den Arabern auf- genommen. Dort trifft er auch die historische Figur des Abd al-Kader. Der Comic besticht durch seine außerge-

wöhnlich guten Zeichnungen, seine direkte, nicht gekün-

stelte Sprache und durch seine Einbettung in den gründ- lich recherchierten Ereignisrahmen. Eine wirkliche Familiensaga, mit stärkerem Fortset- zungscharakter, die sich von 1854 bis 1950 (weitere Bände neben den fünf vorliegenden sind in Vorberei- tung) erstreckt, ist „Hopfen und Malz“ von Van Hamme und Vallès. Wie der Name schon verrät, geht es um die Geschichte einer belgischen Bierbrauerfamilie. Alles was eine Fackeln-im-Sturm-mäßige Story braucht ist da: Intri- gen, Verbrechen, Liebe, Bier, Reichtum, Sex, Kriege, Verrat, Glück und noch vieles mehr. Die etwas statischen Zeich- nungen sind gestochen scharf und man merkt die Bemü- hungen die jeweiligen Zeiten darzustellen, was durchaus sehr gut gelungen ist. Durch die nicht allzu persönliche Darstellungsweise, kaum Close-ups und andere Mittel, Per- sonen nahe zu bringen, bleibt man nah an der Geschichte und nicht nah an den Protagonisten des jeweiligen Bandes. Kurzum eine wirklich gelungene Saga.

Nun zu einem Genre, dem ich normalerweise

nichts abgewinnen kann, den japanischen

Mangas. Die einzige Reihe aus diesem

Bereich, die ich empfehlen kann, ist allerdings gleich ein Prunkstück der neunten Kunst. Die Rede ist von Tanakas Gon“, einem völlig sprachlosen Comic über einen kleinen Tyrannosaurus Rex. Gon ist das stärkste Tier und eigent- lich immer hungrig. Er lebt in völlig verschiedenen Welten und Zeiten auf unserem Planeten. Der erste Band, vier sind inzwischen „auf deutsch“ erschienen, spielt in Nord- amerika und in Afrika. Vier Episoden in denen Gon mit einigen Tieren zu tun hat, es gibt übrigens keine Men- schen, drehen sich um die Themen Essen, Jagen, Wohnen und Fliegen. Gon benutzt andere Tiere für seine Zwecke,

er ist dabei ein ziemliches Arschloch. Auf der Jagd setzt er sich auf den Rücken eines Löwen und verbeißt sich in ihn, damit der Löwe nicht schlapp macht und das Gnu fängt, welches Gon dann verspeist. Diese Comics machen Spaß und sehen gut aus. Teilweise sind sie in Farbe, der größte Part ist aber schwarz-weiß, ansonsten gelten die Manga Regeln: Viele Close-ups und Speedlines, alles wirkt höchst dynamisch. Im Gegensatz zu den meisten Vertre- tern dieses Genres sind die Zeichnungen aber sehr detail- liert, man könnte fast zoologische Studien betreiben, so gut sind die Tiere gezeichnet. Das nächste Genre gehört ebenfalls nicht zu meinen beliebtesten. Amerikanische Superhelden sind im Allge- meinen mit das Schlechteste was Comics zu bieten haben. Andere Meinungen werden nicht akzeptiert und wer doch widerspricht darf sein Leben lang nur noch Captain Ame- rica lesen. Eine leuchtende Ausnahme muss allerdings

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gemacht werden und die heißt Batman. Was wäre die Welt ohne solche Villains wie den Pinguin? Langweilig auf jeden Fall und wesentlich farbloser. Ein weniger bunter Batman ist Loebs und Sales „ Batman – The long Halloween“. Zwei Mafia-Kartelle drohen in einen Krieg zu rutschen, da ein irrer Killer immer Feiertags (auch Weihnachten) ein Opfer aus einer Familie heimsucht. Alle großen Villains (Poison Ivy, the Joker, the Scarecrow, Catwoman) kommen vor und die Geschichte von Harvey Dent alias Two Face wird nacher- zählt. Unser aller dunkler Rächer muss die Mordserie auf- klären, bevor es zum offenen Krieg mit zahllosen Opfern kommt. Neben dem klassischen Batmanfeeling kommt sehr stark das corleoneske Mafiagefühl auf. Die nüchter- nen atmosphärisch dichten Zeichnungen verstärken die Stimmung und die Geschichte noch. Dieser Comic ist das beste und brillanteste, was im Superheldenbereich dieses Jahr erschienen ist. Ein Thriller aus Europa ist Parras und Cothias „Ich komme vom Mars“. Der erste Erzählzyklus ist mit dem vier- ten Band abgeschlossen. David Rutherford behauptet er käme vom Mars, eine menschliche Kolonie sei dort eta-

bliert, doch alle, die an der Errichtung mitwirken, werden, nachdem sie ihren Auftrag erledigt haben, umgebracht. Warum dies so ist, klärt wohl erst der nächste Zyklus. Rutherford überlebt durch Geschick und Glück und findet sich auf der Erde in Frankreich wieder. Zahllose Attentate werden auf ihn verübt und er ist ständig auf der Flucht wobei seine Begleiter häufig den Tod finden und auch sonst einiges an Action stattfindet. Parras kann zwar für meinen Geschmack nicht so gut zeichnen, für eine Actiongeschichte reicht es aber lange noch und Cothias ist einer der besten Szenaristen, die es gibt. Spannend, intelligent und schnell ist dieser Comic mein persönlicher Favorit im Genre der Thriller.

„Das blaue Tagebuch“ ist völlig anders. Diese

schön gezeichnete Liebes- oder Bezie-

hungsgeschichte besticht durch Ruhe

und Melancholie. Letztere ist relativ häufig in französi- schen Werken zu finden, selten ist sie aber so ungekün- stelt wie in diesem Comic von Juillard. Louise ist eine hübsche junge Frau, die von zwei Männern, Armand und Victor, umworben wird. Die Metro, Cafés und Konzerte spielen eine Rolle, es ist also Paris, wie man es sich vorstellt. Louise stellte sich den Ablauf ihrer Beziehung bestimmt anders vor, als so wie sie es in Victors Tage- buch zu lesen bekam, aber das Leben geht weiter. Nüch- terne klare Linien, wenig Worte und eine langsame Hand- lung wirken perfekt zusammen und lassen einen die Geschichte begeistert lesen. Sehr romantisch und leider auch melancholisch, ein Comic für eine kleine Träne. Das Genre Western galt eigentlich als tot, ähnlich wie im Film. Meine Kindheitslektüre Bessy und Buffalo Bill war auf dem Niveau von schlechten Western und danach gab es kaum Versuche den Westen und seine Geschichten wieder auferstehen zu lassen. Aber wie der Film in den Neunzigern „Erbarmungslos“ hat, so gibt es im Comic

Der Stern der Wüste“. Dieser Comic ist für Nicht-Comicleser genauso interessant wie für Kenner. Desberg und Marini haben ein atmosphärisch dichtes zwei-bändiges Werk geschaf-

fen, welches einer der besten Comics der letzten Jahre ist. Matthew, der aus der Ich-Perspektive erzählt und wie Sean Connery aussieht, ist ein Beamter im Washingtoner Vertei- digungsministerium, als seine Frau und Tochter grausam ermordet werden, nimmt er die Spur der Mörder auf und gerät so in den Wilden Westen des Eisenbahnbaus. Großartige Bilder, wenige Worte und viele Westernklischees, mehr wünscht man sich nicht.

Im Genre der Science Fiction

Comics, in dem ich mich

überhaupt nicht auskenne,

sei nur „Nomad“ empfohlen. Der Comic ist zwar nicht so gut, die Story ist soweit ich mich erinnern kann sehr verworren bis unlogisch, aber von der Optik ist dieser Comic eine Perle. Jeder Grafiker und Innen- architekt, der was auf sich hält, sollte diese Dinger in der Vitrine stehen haben. Der Buchrücken ist schon so optimal, dass man auf der Proseccoschlürfstehparty fachsim- peln kann: „Ach, und Comics liest du auch. Aber selbstverständlich.“ Für diese Leute ist „Nomad“ genau richtig.

Diese Auswahl soll erst mal genügen. Alle diese Alben sind im Comicfachhandel oder teilweise bei Amazon zu bekommen.

Ferrandez, Jaques: Algerisches Tagebuch, Carlsen 1988, 19.80 DM Van Hamme, Jean und Vallès, Francis: Hopfen und Malz, comicplus+ 1994-1997, 16.90 DM Tanaka, Masashi: Gon, Edition Kunst des Comics 1994, 19.80 DM Loeb, Jeph und Sale, Tim: Batman – The long Halloween, DC 1998, 37.76 DM (Amazon), auf Deutsch bei Carlsen, aber noch nicht komplett Parras, Antonio und Cothias, Patrick: Ich komme vom Mars, comicplus+ 1996-1998, 16.90 DM (?) Juillard, André: Das blaue Tagebuch, Salleck Publi- cations 1994, 29.80 DM Desberg, Stephen und Marini, Enrico: Der Stern der Wüste, Ehapa 1997, 24.80 DM Savoia, Sylvain und Buchet, Philippe und Morvan, Jean-David und Chagnaud, Jean-Jacques Yves:

Nomad, Kult Editionen 1995-1998, keine Ahnung, was diese Comics kosten, aber mit Sicherheit teuer

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Unterhaltung

Unterhaltung

Götterdämmerung

von Nadine Ziegler

erfolgreicher Molekularbiologe, der aber ansonsten in seinem Leben nichts auf die Reihe bringt. Er begreift die Welt und die Menschen nur vom Stand- punkt der Wissenschaft aus; also ein äußerst rationaler, einsamer Mensch, der unglücklich und auf der Suche nach

etwas ist, das seinem Leben einen Sinn verleihen könnte. Seine Forschungen auf dem Gebiet der Molekularbiolo- gie ermöglichen es, den idealen Men- schen zu schaffen. Kurz gesagt geht es um Sex und Erfolg.

Die Gesellschaft steht kurz vor dem Abgrund, in der Phase, die einer Gesell-

schaft, wie Aldous Huxley sie in „Brave New World“ darstellt, unmittelbar vor- ausgeht. Bei der Suche nach der ratio- nellen Gewißheit alles Seienden sind die moralischen Werte vollkommen auf der Strecke geblieben. Das jedenfalls ist die Schlußfolge- rung, die man aus dem Roman „Ele- mentarteilchen“ von Michel Houellebecq ziehen kann. „Dieses Buch ist in erster Linie die Geschichte eines Mannes, der in der zweiten Hälfte des Zwan- zigsten Jahrhunderts gelebt und den größten Teil seines Lebens in Westeu- ropa verbracht hat – im allgemeinen allein, wenn auch ab und zu im Kon- takt mit anderen Menschen. Er hat in einer unseligen Zeit voller Wirren gelebt. Das Land, in dem er zur Welt kam, glitt langsam, aber unvermeid- lich in die Wirtschaftszone der halbar- men Länder ab; die Menschen seiner Generation waren häufig vom Elend bedroht und verbrachten darüber hinaus ihr Leben einsam und verbit- tert. Gefühle wie Liebe, Zärtlichkeit und Brüderlichkeit waren weitgehend verschwunden: in ihren zwischen- menschlichen Beziehungen erwiesen sich seine Zeitgenossen sehr häufig als gleichgültig oder sogar grausam.“ Soweit die Einleitung; in dem Roman geht es um das Leben von Michel und seinem Halbbruder Bruno. Ihre Mutter gehört der 68er Generation an; die sexuelle Selbstverwirklichung scheint das einzige Ziel zu sein, das sie hat. Ihre Kinder interessieren sie dabei herzlich wenig. So entwickelt sich Bruno zu einem sexbesessenen Mann mit fanatisch-verzweifelten Obsessionen. Ein psychisch gestörter Erotomane, der eigentlich nur die Liebe sucht, aber unfähig ist Liebe zu empfinden. Michel wird ein äußerst

hung zwischen Michel und seiner Jugendfreundin, welche die Vorstel-

lung hat, daß sie in jungen Jahren ihre große Liebe finden wird, eine klassi- sche Familie gründet und diese Bezie- hung bis zum Lebensende halten wird. Die Klischees, die Houllebecq von der heilen, heilen Welt einbaut, werden aber ziemlich schnell, konsequent und restlos zerstört.

Der Roman ist eine Abrech-

nung mit der kranken

westlichen Gesellschaft

In dem Roman gibt es keine

schönen Liebesszenen, keine

des 20. Jahrhunderts und kein Buch für Zartbesaitete. Ekelhafte, sexisti- sche, gewalttätige und zutiefst depri- mierende Szenen wechseln einander ab und es verwundert einen, wenn man beim Lesen mal auf eine harmo- nische, schöne Szene stößt. Der Autor nimmt die Gesellschaft dieses und der letzen Jahrzehnte unter die Lupe und was er zutage fördert, ist schockierend und verstörend. Das Buch ist prak- tisch ein gesellschaftlicher Rundum- schlag. Demokratieverständnis, Ethik und Moral, Politik, Technik (insbe- sondere die Gentechnik), Familie und

einiges mehr werden rücksichtslos als das entlarvt, was sie in der heutigen Zeit sind. Es ist ein Abgesang auf die menschliche Gesellschaft und auf die Menschheit an sich. Der Unter- gang der modernen Gesellschaft steht unmittelbar bevor, da die technischen Möglichkeiten immer besser und das (Über-)Leben zwar immer einfacher wird, aber das soziale Miteinander dabei vernachlässigt und die soziale Kälte immer größer werden. „Elementarteilchen“ ist das beste Buch, das ich in den letzten Monaten gelesen habe. Es ist sehr provokant und regt einen auch zum Nachden- ken an, also keine leichte Zwischen- durchlektüre, aber durchaus interes- sant.

Komik und kein Happy End.

Zu finden ist hingegen eine umfas- sende Gesellschaftskritik: Demokra- tie, Ethik und Moral, die 68er Bewe- gung usw. Houllebecq geht so weit, daß er die Menschen immer wieder auf eine Stufe mit den Tieren stellt, z.B. wenn er von hierarchischen Struk- turen beim Umgang Jugendlicher mit- einander ausgeht und Grausamkeiten gegen Schwächere als Rangordnungs- kämpfe postuliert. In der Gesellschaft, die Houllebecq skizziert, gibt es keine moralischen Werte mehr. Die Figuren des Romans scheinen psychisch krank zu sein, andererseits

versuchen sie ihr Leben zu leben, wie alle anderen auch. Bruno, der sein Glück in Nudistencamps und Swinger- Clubs sucht, und Michel, der praktisch eine Auszeit bezüglich seiner Arbeit nimmt, sind nicht in der Lage glück- lich zu werden. Wenn ihnen das Glück über den Weg läuft, sind sie unfähig dieses zu verwirklichen. Symptoma- tisch für diesen Roman ist eigentlich, daß keine der Figuren glücklich ist. Brunos und Michels Mutter fällt von einem Extrem ins nächste und auch die Frauen, welche die Beiden treffen, finden nie das wahre Glück. Auch einige Klischees werden auf- genommen. So zum Beispiel die Bezie-

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Feujetong

Headshot!

von Ralf Raths

Der AVALIST hat sich, wie auch vormals die mithin

entschwundene PARALYSE, das Ziel gesetzt, vor allem ein Forum zu bieten für die Interessen aller Studierenden, eigentlich sogar aller Rezipierenden dieses Pamphletes, und die Redaktion betont immer und immer wieder, daß das grundlegende Kriterium zur Aus- wahl eines Artikelsujets vorrangig das eigene, nachrangig das angenommene allgemeine Interesse sein sollte, und zuletzt, wenn überhaupt, die Überle- gung, ob die angedachte Idee den politi- schen und moralischen Wert, ein Thema zu sein, in den Augen der staatstragen- den Honoratioren überhaupt erreicht. In diesem Sinne konsequent, wende ich mich heute einem Thema zu, das gewis- sermaßen eine lose Verknüpfung zu einem meiner Artikel in einer der letz- ten Paralyseausgaben (vergleiche: PARA- LYSE, Jahrgang 5, Ausgabe 17, Seite 4-7, „Deine Frau ist ein dickes Nilpferd oder Leichter Leitfaden durch die kom- plizierte Welt der Phantasie“, von Der Warentester.) darstellt, und in seiner Art auf den ersten Blick sinnentleerter und moralisch verwerflicher kaum sein kann: Die Computerspiele im allge- meinen, und innerhalb derselben das sogenannte Genre der EgoShooter oder auch first-person-Shooter im speziel- len. Auch wenn die diesen Artikel mit Begeisterung Lesenden wohl entwe- der eh fröhliche Themafreaks oder kri- tiklose VerehrerInnen meiner Person (hüstel) sein werden, so werde ich doch den Versuch, der diesem Artikel als Motivation zu nicht unerheblichem Teil zu Grunde liegt, wagen, für die übrigen kurz zu umreißen, um was es eigent- lich bei diesem wuchernden Kult geht. Die sogenannten EgoShooter sind dem Bereich der Actionspiele am PC (mei- stens) oder der Konsole (selten) zugehö-

rig. Auch wenn die landläufige Benen- nung des Genres dessen Kritikern natür- lich die gleichermaßen unglaublich offenkundige wie unwitzige Steilvor- lage für auf ersterer aufbauende Sei-

tenhiebkomik liefert, so rührt sie prin- zipiell von einem zum Zeitpunkt der Entstehung revolutionären Spielprin-

zip her, nämlich der „Ich-Sicht“ (Ego in Verknüpfung mit flüssig program-

Shooter).

Das bedeutet im Klartext nicht weni- ger, als daß man mittels des Steuer- elements der malträtierten Rechenma- schine seine Figur, von der man im Regelfall selten mehr sieht, als den

ins Bild ragenden Lauf des aktuell favorisierten Gewehrtyps, durch eine dem Stand der Zeit ent s pr e c hend mehr oder weniger hübsch designte Welt laufen, sprin- gen und kriechen lassen kann. Das definiert erst mal ein Spiel als EgoS- hooter: Die Mög- lichkeit, eine virtu- elle Welt aus einer simuliert körperei- genen Perspektive zu erforschen. N a t ü r l i c h

mierten Actionabläufen (

)

schon Morgenluft wittert, eine link- semanzipatorische Kampfansage an den zensoristisch-faschistischen Bon- zenstaat BRD zu formulieren, sei beru- higend am politischen Nacken gekrault:

So einfach ist die Frage nicht zu beant- worten, doch dazu später mehr. Die lange Ahnenreihe der moder- nen EgoShooter zeichnet sich vor allem durch viererlei aus: Erstens das Setzen jeweils aktueller technischer Maßstäbe, zweitens das unverschämte Vorlegen einer absurddumpfen Story bei unglaublicher Folgebrutalität, drittens die Fähigkeit, wie kein zweites Genre, Virtualität zu simulieren, und viertens nichtendenwollendes Potential als Reizthema.

und viertens nichtendenwollendes Potential als Reizthema. kommtdieBezeich- Der kooperative „ Capture the flag

kommtdieBezeich-

Der kooperative „Capture the flag“-Modus fördert Teamgeist und

nung nicht von

schnelle Kommunikation.

irgendwo, sie basiert auf der Tatsache, daß das kom- plette Genre extrem actionbetont und lange Jahre schlicht und ergreifend brutal und gewalttätig war, letzteres sogar dergestalt, daß ich in diesem Artikel die Namen der technischen und spielerischen Meilensteine aus dieser Sparte unter Strafandrohung (Vernich- tung der kompletten Auflage, Geld-

strafe, Publikationsverbot, Freiheitsent-

zug

) nicht nennen darf. Wer hier

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Die EgoShooter haben die technischen Grenzen der Computerspielwelt (dieser Begriff schließt die Anteile der Kon- solen in der Tat mit ein, wenn auch noch mal betont werden muß, daß die EgoShooter ein beinahe PC-spezifisches Phänomen sind) stets nicht nur ver- schoben, sondern oftmals gleich zwei Blocks weit getreten. (Man denke nur an Fuchsenholz 3D oder Graf Brenn-

Sie). Die technischen Möglichkeiten der

Feujetong

jeweiligen Zeit wurden bis zum letz- ten genutzt, und somit eigentlich die Grenze erreicht. Da selbige sich bei Computern aber eh immer schneller

werdend verschiebt, und die Beliebtheit der Sparte ungeheuer groß war und ist, trugen die EgoShooter im besonderen Maße dazu bei, immer neue Standards der Technik zu definieren. Eine Zeit- schrift, die sich dem Softwaremarkt der spielerischen Art gewidmet hat, meinte beispielsweise in jüngster Zeit, daß einer der wichtigsten EgoShoo-

ter-Hersteller „

den Beschleuniger-

Chips zum Durchbruch verholfen und fast nebenbei das Spiel zum unverzicht- baren Bestandteil jedes zünftigen PC- Actionvergnügens gemacht hat.“ (Game- Star 12/99, Seite 63.) Das bedeutet in letzter Konsequenz nicht weniger,

als daß die Komponente Graphikkarte 100+x DM im PC bei Studenten daheim neben dem Schreibtisch unmittelbar auf jenes Genre zurückgeht, da heute

viel wegdiskutieren. Tatsächlich war es

lange Jahre so, daß die Geschichte sich, und das ist jetzt keine Übertreibung, beziehungsweise Untertreibung, auf das ewig wiederkehrende Schema von

M o n s t e r /

Fieslinge haben Stadt/Raumstation/ Gebäude/Planeten überfallen, und da du der einzige Überlebende bist, mußt du sie alle töten/umbringen/abmurksen/ killen“ reduzierte. Dank für solch epi- sche Geschichten war den Entwicklern stets sicher, zumindest aber ein Lacher von Seiten der Spieler. Löbliche Ausnah- men bildeten und bilden beispielsweise die Spiele „System Shock“ 1 und 2, sowie „Thief - The Dark Project “, welche es schaff- ten, neue interessante Aspekte, bei- spielsweise eine komplexe Geschichte,

charakterliche Entwicklung, Interak- tion mit anderen Personen oder aber eine Abkehr von exzessiver Gewalt zugunsten von Schleicherei und Heimlichkeit, zu integrieren. In Nor- malfall war es aber so, daß die Geschichte komplett vernachlässigt werden konnte, da der Spieler schlichterdings in irgen- deine Welt geworfen wurde, sich die erstbeste herumliegende Waffe schnappte (Brecheisen? Pistole? Faust? Kleinkram zum Start halt) und alles zerlegte, was lebendig war. Das war zwar immer mit

„ A l i e n s / M u t a n t e n /

Das war zwar immer mit „ A l i e n s / M u t

Ob Gewalt gegen Menschen oder Menschenähnliche ausge-

übt wird, ist oft Maßstab für die BPjS.

wesentlich mehr Programme diese Karten wie selbstverständlich nutzen. Wenn das nicht richtungweisend ist, weiß ich auch nicht mehr Der zweite Punkt ist derjenige, wel- cher zu einem nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen hat, daß das bespro- chene Genre in ungefähr den gleichen Ruf gekommen ist, wie ihn wohl auch eine drogenverherrlichende Emmanu- elle-Verfilmung mit Jean-Claude van Damme und den Teletubbies in den Hauptrollen abbekommen hätte:

Dumm wie Dosenbrot, dafür aber unge- schminkt brutal und schwer jugend- gefährdend. Da läßt sich jetzt bis auf den letzten Punkt aber auch nicht sooo

einer kleineren „Queste“ (hüstel) verbunden, die zum Beispiel das Finden eines Knopfes wäre, der einen Aufzug aktiviert, wel- cher zum nächsten Stockwerk führt, aber eigentlich war das nur ober- flächliches Beiwerk, denn das gewalt- tätige Überwinden endloser Scharen variierender Feinde war das Ziel. Sel- biges wurde von den Entwicklern mit soviel Pixelblut, Geschrei und platzen- den Körpern versehen, daß beispiels- weise LucasFilm bei der Verfilmung eines einzigen Spieles an den Kosten allein für Übungsmunition und Kunst-

Dabei

blut bankrott gegangen wäre

ist der diskutierte Punkt aber nicht so zu verstehen, daß die Spieler nun grunzend vor den Monitoren hängen

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und ausschließlich das Blut „so geil“ finden. Der actionbetonte Kampf war bei diesen Spielen das ausschlagge- bende, das Blut jedoch im Bezugssy- stem EgoShooter konsequenterweise nötig, um ein abgerundetes Bild von einer harten, kämpferischen Herausfor- derung zu generieren. Das Auflösen eines zwei Meter großen Mensch- Maschine-Hybriden mit DuraFlex-Ket- tensägen statt Armen wird etwas unglaubwürdig, wenn er in einer Wolke blauer Schmetterlinge verpufft. Ersetzt man aber das Monster durch etwas adäquat weniger realistisches, so wird der Abstraktionsgrad zu hoch, der EgoShooter ist dann keiner mehr. Der Vergleich zwischen Boxen und Schach ist meines Erachtens nach durchaus angemessen. Diese logische Begrün- dung innerhalb des Spielprinzip ändert jedoch nichts daran, daß das Endpro- dukt eine sportliche Metzgerübung ist,

die sich schon einige Kritikpunkte gefal- len lassen muß, wie der übernächste Punkt beweisen wird.

Zuvor jedoch einige

Worte zur vir-

tuellen Reali-

tät. Viele Spielprogramme generieren eine mittelbare Illusion von Interaktion und folgerichtig von virtueller Realität. Es gibt hochwertige Adventures und Rollenspiele, in denen man mit Dutzen- den oder Hunderten computergesteu- erten Figuren sprechen kann und die tausend benutzbare Gegenstände bein- halten, oder aber Strategiespiele, die auf Geheiß des Spielers eine komplexe soziale Struktur, ein diffizil konstru- iertes Reich oder verwirrende Intrigen simulieren. Aber keines dieser Spiel- systeme bietet eine so unmittelbare Illusion einer anderen Welt. Bitte, ver- ehrte Rezipierende, dies ist keine Quali- tätsaussage. Welche Faszination unter- stützenswerter und wertvoller, faszi- nierender oder nützlicher ist, will ich in diesem Artikel zu entscheiden mir nicht anmaßen. Ich mache nur darauf aufmerksam, daß die Art der Illusion eine andere, eine viel direktere ist. (Kri-

tiker nutzen diese Stelle gern, um die „primitive Reizung des Kleinhirns“ zu postulieren. Ich wäre mir da nicht so sicher. Die Vorgehensweisen der Spie-

ler bei diesen Spielen sind teilweise sehr komplexer Natur, und sie erfordern ohne Frage Übung und Talent, aber eben auch theoretisches Verstehen und Reflektieren. Sicher, eine Wirtschafts- simulation ist komplexer, aber ist sie „besser“? Nun, zurück zum Thema.) Die schnelle Bilderflut, eine fesselnde Soundkulisse, das teilweise hektische Vorgehen des Spielers, die absolut unmittelbaren Auswirkungen seiner Handlungen auf die simulierte Welt, die simple Thematik, die den Spielfluß nicht hemmt, zu einem bestimmt nicht unerheblichen Teil die Illusion von Macht, all das ergibt eine Faszination, die sogar Leute gefangennimmt, die eigentlich jede Form der Gewalt ableh- nen. Damit kommen wir zum letzten, zum interessantesten Punkt Grundgütiger, was wurde nicht schon alles zu diesem Thema verfaßt, postuliert, „wissenschaftlich festge- stellt“, gebrüllt und geschrieben. Arbei- ten wir uns mal von „contra“ zu „pro“ durch. Der schlimmste Vorwurf, der diesen Spielen wohl gemacht wurde, war, daß sie unmittelbar (sic!) für Ereignisse wie Littleton verantwortlich seien. Ich bin nun weder Medienwissen- schaftler, noch Psychologe oder Sozio- loge, doch sogar ich konnte die über- zogene Haltlosigkeit derartiger Vor- würfe erkennen, zu meiner großen Beruhigung wurden diese auch hef- tigst von ernster zu nehmenden Wis- senschaftlern gekontert. Nichtsdesto- weniger führt uns diese Polemik, die im Zuge ähnlich gearteter Ereignisse in einer Regelmäßigkeit vergleichbar mit Tag auf Nacht auftritt, zu einem schon ernsteren Punkt. Den EgoShootern wird oft vorgeworfen, sie würden durch ihren selbstverständlichen Umgang mit Gewalt die Hemmschwelle der Spieler herabsetzen. Das Problem bei dieser Aussage ist, daß sie schon vor langer Zeit zu einer Glaubensfrage mutiert ist. Meines Wissens nach gibt es keine im wissenschaftlichen Sinne ernsthaften Erhebungen und Untersuchungen zu diesem Thema, die einzigen Aussagen sind die von CSU-Politikern und über- kommenen 68er-Pädagogen als Arche- typen der einen Seite (seltsame Mischung), sowie jungen, profilierungs-

Feujetong

süchtigen Medienwissen- schaftlern und Informations- liberalen als Archetypen der anderen. Das wäre ja mehr amüsant als interessant, gäbe es da nicht vier bedeutende Buchstaben: BPjS, die Bun- desprüfstelle für jugendgefähr- dende Schriften, die crux des liberalen Spielers. Wenn diese Bundesbehörde entscheidet, daß etwas unsere Jugend gefährdet, so etwa durch die wie auch immer geartete Dar-

stellung extremer Gewalt oder exzessiver Sexualität ohne dramatische Not, so wird dieses Objekt, sei es Buch, Film, Spiel oder was auch immer der Jugend vorenthalten, indem es indiziert wird. Da die Jugend aber überall ist, wird das Objekt der Begierde komplett totgeschwiegen, wie zum Beispiel eine Reihe der Alben der Band Die Ärzte. Es darf in keiner Weise beworben, auch nicht lobend erwähnt werden. Und die bloße Erwähnung kann einem prak- tisch immer schon als Werbung aus- gelegt werden. Wenn man weiß, was man will, kann man es kaufen, aber das gestaltet sich als äußerst schwierig. Da die BPjS aber zum Schutze der Jugend arbeitet, und vieles, was sie verbietet, auch nach breitestem Konsens wegge- schlossen gehört, ist der Schlachtruf „ZENSUR“ fehl am Platze. Da aber wie- derum offensichtlich die Reihen der BPjS vornehmlich mit CSU-Wählern und 68er-Erzogenen gefüllt werden, ist sel- bige meiner Meinung nach übertrieben vorsichtig, und vieles von dem, was sie für jugendgefährdend hält, würde nicht mal einen schwindsüchtigen Dackel schneller atmen lassen. Die EgoShooter werden gehaßt und geliebt, sind aber auf jeden Fall Dauergast auf den Prüf-

steinen der BPjS. Tja, und nun? Der Trend geht in eine neue Richtung. Die Zeiten, in denen sich einsame Compihelden nächtens durch Scharen schleimiger Gegnerhor- den kämpften, laufen offenbar aus. Der Trend geht eindeutig in Richtung des sogenannten Multiplayings. Das bedeu- tet, das viele Bekloppte für ein paar Tage ihre Rechner zu einem lokalen Netzwerk koppeln (AVALIST?) oder sich

zu einem lokalen Netzwerk koppeln ( AVALIST ?) oder sich Die Taktik des Scharfschießens ist moralisch

Die Taktik des Scharfschießens ist moralisch verwerf- lich, aber effizient.

ins Internet einklinken, und sich dann Netzwerkgefechte liefern, in denen sie gegeneinander antreten. Dadurch tritt der sportliche Aspekt in den Vorder- grund, die neusten Programm-Stars der EgoShooter-Branche haben nicht umsonst den Zusatz tournament respek- tive arena in ihrem Titel. Das sollte eigentlich alle diejenigen beruhigen, die die Vereinsamung und in Konsequenz eine höhere Amokanfälligkeit bei Spie- lern dieser Spiele befürchten. Anderer- seits erlebt die Szene gerade das Auf- tauchen von sogenannten quake-kids, ein Terminus, der junge Leute, mei- stens unter 20, beschreibt, die ihr Geld in ihre Rechner buttern und sich high- end-Spieleperipherie leisten, um dann ununterbrochen für eben jene Turniere zu trainieren. Im Prinzip nichts anderes als die Äquivalente zu Hochleistungs- sportlern anderer Sportarten, aber daß bei diesen quake-kids tatsächlich die

soziale Intelligenz leidet, ist unbestrit- ten

Was meine Meinung ist? Ich

glaube, daß EgoShoo-

ter im Netzwerk ein

furchtbar spaßiger Zeitvertreib sein können, wenn man diese Tätigkeit mit Leuten ausübt, die man sympathisch findet. Ich glaube, daß diese Spiele sta- bilen Charakteren nicht mal an ihrer Hemmschwelle kratzen können, daß man aber auf das Spielverhalten von Kin- dern achten sollte. Ich glaube, daß Indi- zierungen von solchen Spielen zu 95% unnötig sind. Ich glaube, ich mach‘ jetzt einen Server auf, und schieß meinem

Graphiker den Kopf weg

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Feujetong

Wer eigentlich ist Dschingis Khan?

von Gunnar Meyer

Feujetong Wer eigentlich ist Dschingis Khan? von Gunnar Meyer Wenn man den aktuellen Milkaschokoweihnachtsmann betrachtet,

Wenn man den aktuellen Milkaschokoweihnachtsmann betrachtet, scheint er, zumindest im Bewusstsein der verantwortlichen Produzenten jener Alpen- firma, keinem Reiterheer aus dem fernen Osten zu entspringen, sondern aus den nördlichen Gefilden der Kinderbeglückung. Das Antlitz der klei- nen Leckerei erinnert ungemein an den Alptraum aller mittelalterlichen Gegner, wie er häufig auf Papier, Seide und in Stein oder Mosaiken abgebildet ist. Trotzdem, so freundlich lächelnd hat man ihn höchstens nach der Verspeisung dutzender Christenkinder erlebt. Wurde Dschin- gis Khan also von Milka unter Drogen gesetzt und als billiges östli- ches 630-Mark-Model den Schokoschnitzern vorgesetzt? Der Führer der Mongolen stellt also sein tagelang mühsam durch die Taiga geprügeltes Pony neben die lila Kühe des Milkavorstan- des, greift unter seinen Sattel und beißt noch einmal von seinem platt gerittenen Pausenfleisch ab. Er betritt die Alpenhütte. Urig wirkende Bergbewohner begrüßen den Mongolen, um ihn gleich mit einigen Millennium-Tafeln zu umgarnen und ihn zum Verspeisen derselben zu animieren. Nach dem Konsum, der Asiat konnte dem süßlich duftenden, braunen Kakaobalken nicht widerstehen, setzt er das debile Grinsen auf, welches ihn als Milkaschokoweih- nachtsmannschnitzvorlage qualifiziert. Sofort machen sich willige Helfer daran, ihn mit rotem Mantel, weißem Bart und lila Sack, samt Ball und Teddy, auszustaffieren, um die lila Horde der Schokoschnitzmei- ster nicht mehr länger warten zu lassen. Der Großkhan der Goldenen Horde 1 lässt alles über sich ergehen, denn es ward ihm mehr von der süßen Schokomasse versprochen, mit dessen Kraft er sein Volk zu neuen, größeren Eroberun- gen führen will. Die geschäftstüchtigen Verantwortlichen der Alpenfirma sind ebenfalls zufrieden, und Herr Suchard lässt sich zum Milkhan ausalpenhörnern. Und so kam Dschingis Khan in die Regale unserer Supermärkte. Wir warten gespannt auf das nächste Jahr, in der Hoffnung, dass Milkas Weih- nachtsmannserie großer Eroberer fortgesetzt wird. Viel- leicht genießen wir bald die schokoladene Form Napo- leons oder Hitlers, wie wir dann zweifellos feststellen werden, sind auch diese Feldherrn von innen hohl.

werden, sind auch diese Feldherrn von innen hohl. 1 Um präzise zu sein, war Dschingis' Sohn

1 Um präzise zu sein, war Dschingis' Sohn Ögedei der erste Großkhan der Mon- golen, und auch die Bezeichnung Goldene Horde trifft nur auf einen Nachfol- gestaat des Mongolenreiches zu, nämlich dem Khanat Kiptschak (Westsibirien und westliche russische Fürstentümer, 1229 bis Ende des 14. Jahrhunderts).

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Tagebuch des Autokraten und Weltkaisers

Liebes Tagebuch,

nichts auf der Welt kann einen Autokraten und Weltkaiser mehr erschüttern, als das Aufstehen zu wahrhaft unchristlichen Zeiten unterhalb der 10.00 Uhr-Grenze. Schlimmer noch ist es aber, dann auch noch in den ersten Minuten des Wachseins auf Menschen zu treffen, die fröhlich oder laut oder im schlimmsten Falle beides sind. Solches geschieht zum Beispiel an jedem Morgen eines Redaktionstreffens, das zu diesem unsäglichen Printwerk führt. Wohl nichts auf dieser Welt vermag mich mehr in Rage zu bringen, als noch vor meinem ersten Kaffee lustig umherhüpfende Chefredakteure, die einen permanent und unablässig an den Abgabeschluss für die einzurei- chenden Artikel erinnern. Das ist nicht nur Majestätsbeleidigung, sondern auch noch grob fahrlässig, unbe- dacht und vor allem gefährlich. In solchen Situationen der Angespanntheit könnte mein objektives Entschei- dungsvermögen stark beeinträchtigt werden. Das mag dem Chefredakteur nicht so bewusst sein, spätestens aber, wenn er am nächsten Tag mit 599.999.999 anderen Menschen der Erde verwiesen wird, könnte ihm däm- mern, dass er in letzter Zeit irgendetwas falsch gemacht hat. Falls nicht, kann er sich das ja auf dem langen Flug zum nächsten bewohnbaren Sonnensystem mal durch den Kopf gehen lassen. Früh aufstehen ist wahrscheinlich der wahre Grund allen Übels auf dieser Welt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Golfkrieg nur ausbrach, weil sich der Milchmann mal persönlich bei George Bush vorstellen wollte. Prinzipiell ein honoriges Ansinnen, morgens um 05.00 Uhr aber fatal. Charles Manson könnte demzu- folge wohl (kurz vor seinem Besuch auf dem Anwesen Roman Polanskis) vor seiner Tür einen Avon-Vertreter für Brecheisen angetroffen haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Charles Manson etwas verkauft hätte, wäre nach 10.00 Uhr ungleich größer gewesen, so musste Sharon Tate sterben. In den nächsten Tagen werde ich mal prüfen, ob Adolf Hitler einen Adjutanten hatte, der von Zeitzeugen als „in den Morgenstunden besonders fröhlich“ bezeichnet wurde, das würde wahrscheinlich die Fragen einiger Historiker beantworten. Vielleicht war er ja auch nur das Opfer eines Chefredakteurs einer Fachschaftszeitung wie gesagt, ich werde das prüfen und erwägen, ein allgemeines Gesetz gegen Belästigungen vor dem ersten Kaffee zu erlassen. Apropos Gesetze: Das erinnert mich daran, dass ich neuerlich die russische Enklave Brunskowskaya besucht habe, und mit Erstaunen feststellen musste, dass sich das russische Volk ziemlich schlecht um ihr neues Besitz- tum gekümmert hat. Am Bahnhof waren immer noch die Schilder mit der alten Bezeichnung „Braunschweig“ installiert und offensichtlich war keiner der Passanten des Russischen mächtig. Das Verhalten der Eingebore- nen bestätigte mich aber wiederum in meiner Entscheidung, diese Stadt zu verschenken. In ihrer maßlosen Arroganz haben sie doch tatsächlich in prahlerischer Manier direkt vor dem Bahnhof ihre neueste technische Errungenschaft in Form einer Dampflok zur Schau gestellt. Nicht nur, daß mich Angeberei schon immer ange- ekelt hat, allein die Rückständigkeit ihrer technologischen Entwicklung rechtfertigt meine Schenkung. Dar- über hinaus war der gesamte Bahnhofsvorplatz eine einzige Baustelle; ein dreister Versuch, der Welthauptstadt Hannover nachzueifern, der natürlich schon im Ansatz scheiterte. Die Größe des Platzes sowie der Baustelle war wirklich kümmerlich. Ich denke, ich werde meinen alten Plan demnächst aufgreifen, die gesamte Stadt auf LKW zu verladen und in die russische Steppe zu verfrachten Den Rest meiner Zeit verbrachte ich damit, dem allgemeinen Millennium-Wahn entgegenzutreten. Meine derzeitige Planung geht dahin, einfach die Jahreszahl um ein paar Jahre zurückzusetzen. Deswegen werde ich beschließen, dass dem Jahr 1999 das Jahr 1871 folgt. Um Verwirrungen zu vermeiden, insbesondere bei Geburtsdaten etc., werden alle betreffenden Ereignisse dieser Jahre umdatiert, beginnend mit dem Jahr 2000. War das Geburtsdatum einer Person also bisher der 30. August 1971, so hat er ab dem nächsten Jahr seinen Geburtstag mit 30. August 1842 anzugeben. Der vorhin schon erwähnte Golfkrieg fand demnach also 2120 statt. Da ich ja ein Menschenfreund bin, erlaube ich übergangsweise die doppelte Bezeichnung. Das sieht dann so aus, daß die beiden Daten einfach addiert werden. Der vorhin beschriebene Geburtstag wäre dann also 30. August 3813. Somit habe ich eine Lösung für das große Computerproblem gefunden. Da ab dem nächsten Jahr das Jahr 2000 bereits 1871 stattgefunden hat, und es damals noch keine Computer gab, konnte logischerweise auch kein Problem mit der Datierung entstehen, und ich habe die Welt gerettet. Mit diesem Wissen kann ich beruhigt schlafen gehen und hoffen, morgen nicht vor meinem ersten Kaffee auf den Chefredakteur zu treffen, falls doch, kann ich nicht garantieren, dass diese Zeitung noch in den Druck gelangt, bestenfalls ein paar Jahre später, wenn die Druckerei ihr neues Domizil irgendwo in einem anderen Sonnensystem gefunden hat.

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Hier sollte sich eine AVALIST-CD-ROM inklusive dem legendären Bonustrack „Aaaaaaaadri- iiaaaaaan!!!“ befinden. Ist diese CD-ROM ent- wendet oder beschädigt worden,fehlerhaft oder im falschen Format, so haben Sie wohl mal wieder Pech gehabt. Wie immer. Wenn Sie jedoch CD-ROMs total toll finden, so wenden sie sich bitte an die Redaktion (siehe unten).

so wenden sie sich bitte an die Redaktion (siehe unten). Redaktionstreffen und CD-ROM-Ausgabe jeden ersten Montag

Redaktionstreffen und CD-ROM-Ausgabe jeden ersten Montag des Monats im Hist-Café um 19.00 Uhr c.t. Nächstes Layoutwochenende nach Absprache. Aber wiederum im Hist-Café.

Die Redaktion

Chef: Ralf Raths Layout: Ole Fernholz Graphik: Jörg Koopmann Kreativ und Korrektur: Antje Sonntag, Soenke Obst, Nadine Ziegler, Gunnar Meyer

Herausgeber: Fachrat Geschichte am Historischen Seminar der Theodor-Lessing-Universität Hannover Druck: Copy Team Erscheint im Selbstverlag

Erstellung: 09.12. - 13.12.1999 Erste Auflage: 200