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Die VBZ-Thesen zur Frauenpolitik im öffentlichen Verkehr

1 die zukunft ist weiblich

Surfen mit dem wichtigsten gesellschaft- lichen Megatrend. Wer einem Trend folgt, ist oft immer etwas zu spät - oder Mitläufer. Darum surfen die VBZ auf dem vielleicht wichtigsten Trend unserer Zeit, statt ihm nur zu folgen. Dabei macht man Fehler, aber: wer auf einer Welle oder einem Trend surft, ist mit dabei, aktiv und lernt. Zum Beispiel, wie eine Welt tickt, die immer weiblicher wird - in Politik, Wirtschaft und immer mehr auch in der Arbeitswelt. Ob als Astronautin, Staatschefin, Finanzchefin, Pilotin, Tram- und Busfahrerin; Frauen stürmen die letzten Männerbastionen und die alten Männerseilschaften bröckeln.

2 Das Potenzial der Hälfte der Menschheit erst einmal wahrnehmen

«Man wird nicht als Frau geboren, man wird es», diese Erkenntnis von Simone des Beauvoir aus dem Jahre 1951 muss endlich in den Köpfen der öV-Manager ankommen. Die Welt des öffentlichen Verkehrs ist männlich dominiert – noch. Kein Wunder, denn bis in die 1970er Jahre waren Frauen hinter dem Lenkrad unerwünscht und in den handwerklich-technischen Berufen mangelt es bis heute an weiblichem Nachwuchs. Mittlerweile sind 45 Prozent auf dem Schweizer Arbeitsmarkt Frauen – die VBZ gehören mit gerade einmal 17 Prozent noch zu den Besten. Dabei nimmt die Erwerbsarbeit von Frauen immer mehr zu. Das ergibt 700'000-fache Frauen- power im VBZ-Land. Damit Zürich auch in Zukunft lebt, wo wir fahren, müssen wir dieses Potenzial besser ansprechen und für die Berufe bei den VBZ begeistern.

3 interessieren und interessant sein

Nur interessante Männer haben Chancen bei Frauen. Das gleiche gilt auch für Unternehmungen. Studien beweisen, dass für Arbeitnehmer- innen und Arbeitnehmer das Image eines Unternehmens zu den zehn wichtigsten Auswahlkriterien bei der Wahl des Arbeit- gebers zählen. Dumm nur, dass der

öffentliche Verkehr gemäss einem Gutach- ten des Verbands deutscher Verkehrsunter- nehmungen (VDV) nicht gerade als attraktiv gilt. Weil jedoch Arbeitssuchende auf starke Marken setzen, sind eine profes- sionelle Werbung und eine frische Unter- nehmenskommunikation wichtig, um das etwas angestaubte Image des öffentlichen Verkehrs endlich abzulegen. Und weil die Berufswahl von Männern und Frauen noch viel zu oft stereotypen Rollenbildern folgt, muss auch die Personalwerbung weiblicher werden. Wie das aussehen kann, lesen Sie in diesem Heft im Beitrag über die Personalgewinnungskampagne für Tram- führerinnen vom Herbst 2011.

4 Diversity schafft Spitzenleistungen

Gemischte Teams sind erfolgreicher als ein Einheitsbrei mit grauen Mäusen. Mehr als die Hälfte der fast 900'000 Fahrgäste der VBZ sind Frauen. Sie nutzen eine Dienstleistung, die von über 80 % Männern erbracht wird. Das passt nicht. Immerhin arbeiten bei den VBZ bereits heute in allen Berufsfeldern starke und selbstbewusste Frauen. Frauen bringen teilweise andere Kompetenzen als Männer mit, sie kommunizieren stark, agieren umsichtig und wirken ausgleichend. Darum ergänzen sich gemischte Teams besser und arbeiten effizienter.

5 It was a man's world

Es gibt keine Männerberufe mehr. Neue Vorbilder und Rollenmodelle entwickeln. Die Fahrberufe sind noch immer als Männer- berufe im Bewusstsein. Dabei ist ein Tram oder einen Bus zu lenken für Frauen und Männer gleichermassen anspruchsvoll. Physische Voraussetzungen sind längst passé. Und auch in den handwerklich- technischen Berufen und bei den Ingenieu- ren übernimmt Technik und Elektronik immer mehr die physisch belastenden Tätigkeiten. Immer mehr sind Köpfchen statt Muskeln gefragt.

6 Auf die Bildungsgewinnerinnen setzen

Frauen überzeugen mit ihren Fähigkeiten. Frauen sind hervorragend ausgebildet, haben zum Beispiel an den Universitäten die Männer überholt und abgehängt. Auch bei den Bewerbungen von Frauen für die Fahrberufe zeigt sich deren Qualifikationen. So sind die Bewerbungsdossiers von Frauen qualitativ doppelt so gut wie jene von Männern. Jede neunte Bewerberin ist für's Tramfahren geeignet, bei den Männern nur jeder Fünfundzwanzigste.

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7 Weg mit den Stützrädern

Selbstbewusste Frauen brauchen weder Quoten noch andere Krücken aus dem Repertoire der so genannten Frauen- förderung. Bei den VBZ haben sich über 300 Frauen durchgesetzt: auf den Baustellen, am Lenkrad, in den Werkstätten und in den zentralen Diensten sowieso. Diese starken Frauen brauchen keine paternalistischen «Stützrädli», sondern ganz einfach gleich lange Spiesse und Dialog auf Augenhöhe.

8 Gleich – aber wirklich gleich

Glaubwürdigkeit entsteht mit der konse- quenten Umsetzung im Alltag. Die VBZ und die ganze Branche können es sich nicht länger leisten, das Potenzial berufstätiger Frauen zu vernachlässigen. Darauf ist die Personalpolitik ausgerichtet:

Fair und gleich für alle, bezüglich Anstel- lung, Lohn, Karrierepfade, Ausbildung und Kompetenzentwicklung. Die VBZ stehen in der Verantwortung, eine Kultur, ein Klima und Verhältnisse zu schaffen, welche die konkrete Umsetzung der Personalpolitik auch ohne Quoten gewährleistet. Darum investieren die VBZ in eine Sozialberatung, die Anlaufstelle bei sexueller Belästigung ist (siehe S. 23), in die Schulung ihrer Führungskräfte und in Kulturentwicklung.

9 Work-Life-Balance schafft Kreativität und Engagement

Arbeitszeitmodelle sind der Schlüssel zum weiblichen Potenzial. Familienfreundlichkeit ist nach einer Studie aus Deutschland für über 70 Prozent wichtiger oder mindestens ebenso wichtig wie der Lohn und somit ein wichtiger Faktor der Arbeitgeberattraktivität. Weil die Mehrheit (57 %) der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz Teilzeit arbeitet, werden darauf ausgerichtete Arbeitszeitmodelle für die VBZ immer wichtiger. Hoffnungs- träger ist dabei die individuelle Dienst- planung, die bei voller Entfaltung ihrer Möglichkeiten viel Potenzial hat.

10 Diversity ist ein Marathon, kein 100 Meter Lauf

Echte Veränderungen in einer typischen Männerbranche brauchen Zeit. Wer in der Diversity seine Ziele erreichen will, braucht einen langen Atem. Das Auflösen jahrzehntealter Denkmuster und Rollenbilder braucht Zeit, permanentes Ansprechen und stetige Verbesserungen an den Rahmenbedingungen.