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Dienstag, 30. Oktober 2012 / Nr. 252

Sport jour nal

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Er predigt Respekt und lebt ihn auch

Fussball Claudio Carbone führt den FC Rotkreuz seit zwei Jahren. Ein schwieriges Problem verlangt von ihm alles ab. Für seine Lösung hat er aber schon ein Drehbuch.

MaRCo MoRosoLi marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Claudio Carbone sitzt mit Anzug und Krawatte im Vereinslokal des FC Rot- kreuz. Er habe sich nicht wegen des Interviews in Schale geworfen, sagt der 43-Jährige schon fast entschuldigend. Vielmehr sei er direkt aus dem Geschäft in der Nähe von Baden nach Rotkreuz gefahren. «Während der Saison bin ich fast täglich auf dem Fussballplatz anzu- treffen», sagt Carbone. Er danke dafür auch «seiner verständnisvollen Frau», welche ihn oft an die Spiele begleite.

Ein halbes Jahrhundert im Verein

Der Funktionär ist seit 25 Jahren mit dem FC Rotkreuz eng verbunden. Er war seine Einstiegshilfe, um das Leben in der Schweiz zu meistern. Carbone ist wohl in Zug geboren, aber bis er 16 Jahre alt war, lebte er die meiste Zeit bei seinen Grosseltern in Grassano in der italienischen Provinz Matera. Sein Vater arbeitete derweil in der Schweiz. «Ein Secondo-Schicksal eben», sagt Car- bone. Als Teenager ist er dann aber endgültig in der Schweiz angekommen und hat sich im Kanton Zug niederge- lassen. Seit zwei Wochen hat er auch den roten Pass.

FC Rotkreuz

VErEin mo. Der Verein hat derzeit rund 400 Mitglieder. 220 bis 250 davon sind Nachwuchsspieler. Rot- kreuz spielt in der 3. Liga und liegt unter dem Strich. Carbone und sein Vorstand wollen mit eigenen Spie- lern zum Erfolg kommen. Die Ak- teure sollen mit dem Verein ver- wurzelt sein. Neben der 3.-Liga- Mannschaft hat Rotkreuz noch Teams in der 4. und in der 5. Liga. Hinzu kommen eine Senioren- und eine Veteranenmannschaft. Mittel- fristig will der Verein in der 2. Liga spielen. Die Qualifikation für die Aufstiegsrunde schafften die Rot- kreuzer erstmals in ihrer Vereins- geschichte in der Saison 2005/06. In der vergangenen Spielzeit konn- ten die Rotkreuzer den Ligaerhalt erst in letzter Sekunde realisieren.

«Es war für mich damals nicht leicht. Ich konnte fast kein Wort Deutsch», sagt der Rotkreuz-Obmann. Auch im Berufs- leben musste er direkt ins kalte Wasser springen: «In meinem Lernbetrieb konn- te keiner Italienisch.» Da war Lernen angesagt, um sich überhaupt verständi- gen zu können. «Durch den Fussball konnte ich mich in die Gesellschaft in der Schweiz einleben», sagt Carbone. Auf dem Fussballplatz komme ein jeder mit den verschiedensten Schichten zu- sammen. Das viel verwendete Wort für diesen Vorgang «Integration» mag Car- bone in diesem Zusammenhang aber nicht besonders. Auch heute haben viele der rund 400 Vereinsmitglieder aller Jahrgänge ihre Wurzeln im Ausland. Sie stammen aus 19 Nationen.

Engagement als Dank an den Klub

Sein Engagement beim FC Rotkreuz sieht der Geschäftsführer einer Firma mit 15 Angestellten, welche mit Indus- trieelektronik handelt, als seinen Beitrag, dem Verein etwas zurückzugeben. «Der Verein hat mir geholfen, mein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken», sagt Carbone. Dafür sei er dankbar. Wohl auch deshalb ist er heute noch – bei den Veteranen des FC Rotkreuz – auf dem Rasen aktiv, obwohl «meine Knie das eigentlich nicht mehr mitmachen».

auch am Jodelkonzert anzutreffen

Er schätzt dabei das Gesellige hinter- her. Dank dem Fussball habe er sich einen Freundeskreis erschlossen. Das Wandern zwischen Italien und der Schweiz hat sich auch auf das Weltbild des Rotkreuzer Präsidenten ausgewirkt:

«Ich habe aus den beiden Kulturen meine eigene gemacht», sagt er. Er fühlt sich inzwischen selbst an einem Jodler- anlass wohl. Das mag auch daher rüh- ren, dass seine Frau aus dem Toggen- burg kommt. Carbone ist auch zielstre- big, hat sich die Karriereleiter emporgearbeitet, sich laufend weiter- gebildet: «Ich liebe Herausforderungen.» Im Berufsleben wie im Umfeld des FC Rotkreuz.

Carbones schwierige Entscheidung

Einer solchen stand er auch kürzlich gegenüber, als es bei einem Viertliga- Spiel der zweiten Mannschaft des FC Rotkreuz gegen den SC Steinhausen zu einem Handgemenge zwischen Spielern und dem Publikum kam (wir berichte- ten). Die Streithähne sind mittlerweile aus dem Verein ausgeschlossen worden. «Es war ein schwieriges Problem, welches wir lösen mussten», sagt Car- bone. Er redet nicht mehr gerne über die ganze Sache, sagt aber: «Der Ruf des FC Rotkreuz wird durch solche Taten beschmutzt. Es ist schlimm, was da passiert ist», sagt der gebürtige Ita- liener. Er und der Vorstand – «wir sind

Der FC-Rotkreuz- Präsident Claudio Carbone glaubt, dass die erste Mannschaft des Vereins den Ligaerhalt schaffen wird.

Bild Stefan Kaiser

des Vereins den Ligaerhalt schaffen wird. Bild Stefan Kaiser ein gutes Team» – hätten die Sache

ein gutes Team» – hätten die Sache so schnell wie möglich aus der Welt ge- schafft. «Wir dulden keine Disziplinlo- sigkeiten», sagt Carbone. Es wohne dem Vereinsgedanken geradezu inne, dass man sich gegenseitig respektiere und helfe. Erstaunlich ist auch, wie schnell der Verein reagierte. Der Präsident er- klärt die offensive Vorgehensweise in dieser Sache: «Wir haben das Problem erkannt, eingegrenzt und dann einer Lösung zugeführt.»

Disziplin wird grossgeschrieben

Dabei hat auch ein vorgeschriebenes Drehbuch geholfen, welches die Ver- einsführung im Vereinsmagazin «Frei- stoss» in der Septemberausgabe publik

gemacht hat. Dort steht unter anderem:

«Wir sind ein lokal verankerter Fussball- verein. Unsere Vereinsmitglieder gehen respektvoll und aufrichtig miteinander um. Der Teamgeist ist unsere Stärke.» Ebenfalls wird dem Leitspruch «in unse- ren Unterschieden vereint» nachgelebt. Und ein paar Zeilen weiter des obge- nannten Statuts steht: «Disziplin ist ein Wert, welchen wir auch durch härtere Massnahmen fördern.»

Treffen unter Gleichgesinnten

Die Vereinsführung habe deshalb ge- wusst, wie im besagten Fall vorzugehen sei, sagt Carbone. Als Massnahme für eine Deeskalation sieht der Rotkreuzer Vereinsobmann auch die Treffen mit

Vorstandsmitgliedern des Gegners. Sie finden seit einiger Zeit statt. «Bei dieser Gelegenheit kann man sich sehr gut mit den Exponenten der gegnerischen Mannschaft austauschen.»

Gespräche sind ein guter anfang

Die Erfahrungen damit seien gut, sagt Carbone. Dass der Rotkreuz-Präsident damit nicht alle Probleme aus der Welt schaffen kann, dessen ist er sich vollauf bewusst. Doch die Rückmeldungen sei- en durchwegs positiv, sodass diese Art des Kennenlernens unter Gleichgesinn- ten wohl bald institutionalisiert wird. Auch diese seien eine Massnahme, um den Respekt gegenüber dem Gegner zu zeigen und ihn auch zu leben.

Den Schritt nach vorne knapp verspielt

VollEyball Der VBC stein- hausen verpasst vor eigenem anhang einen möglichen sieg. immerhin bleibt ein Punkt bei den Zugerinnen.

Mit den Gästen aus dem Liechtenstein bot sich dem VBC Steinhausen am Samstag die Gelegenheit, in der Tabel- le weiter nach oben zu klettern. Galina, nur einen Punkt vor Steinhausen, hatte aber dasselbe Ziel und konnte am Ende das Glück auf seine Seite zwingen. Den besseren Start erwischte ganz klar das Heimteam: Gleich von Anfang an zwang Steinhausen seinen Gegne- rinnen das eigene Spiel auf. Galina gelang nicht viel, während Steinhausen ohne Druck ein variantenreiches An- griffsspiel und eine solide Verteidigung zeigte. Vor allem aber die starken Ser- vices brachten die Gäste in Schwierig- keiten und liessen es nicht zu, die

Dominanz von Steinhausen zu gefähr- den (25:19). Ein Blick auf das Kader von Galina, gespickt mit ausländischen Spie- lerinnen, liess aber vermuten, dass dies noch nicht alles war und sich der VBC im zweiten Spielabschnitt auf mehr Gegenwehr einstellen musste.

steinhausen gerät in rücklage

In der Tat hatten sich die Liechten- steinerinnen in der Satzpause gut erholt. Zu gut für das Heimteam, denn dieses wurde zu Satzbeginn quasi überrollt. Gleich mit acht Punkten geriet man in Rücklage, und auch nach einer Aufhol- jagd mit umkämpften Spielzügen konn- te der VBC seine Gegnerinnen nicht mehr einholen (12:25). Vor allem die gegnerische Zuspielerin machte dem Heimteam durch ihre schnellen Spiel- kombinationen und ihre solide Vertei- digung das Leben schwer. Trotz des klaren Satzresultates trat der VBC im dritten Abschnitt aber wieder selbst- bewusst auf. Man besann sich auf sein eigenes Spiel, und die Partie war wieder ausgeglichener, auf beiden Seiten gab

es druckvolle Angriffe und gute Block- arbeit. Eine Serviceserie der heimischen Zuspielerin Natascha Gantner verschaff- te den Zugerinnen gegen Ende des Spielabschnitts aber den nötigen Vor- sprung, und der Sieg des dritten Satzes ging schliesslich an Steinhausen (25:20). Nur noch ein Satz trennte den VBC von drei wichtigen Punkten und einem Schritt nach vorne in der Tabelle. Gali- na gab sich allerdings nicht so schnell geschlagen, und erneut wurde den Zu- schauern eine umkämpfte Partie gezeigt. Bis zur Satzmitte waren die Teams punktemässig immer etwa gleichauf, in der entscheidenden Endphase konnten sich die Gäste dann aber noch steigern, womit der VBC wieder über fünf Sätze musste (19:25).

im letzten satz ohne Chance

Im fünften Satz gelang den Steinhau- serinnen gar nichts mehr, viele Eigen- fehler und ein druckvolles Spiel von Galina führten zur Niederlage und somit nur zu einem Punkt (7:15). Steinhausen liegt nun weiterhin auf Rang 7, einen

Punkt vor Jona und neu zwei Punkte hinter Galina.

und nun ein weiteres Derby

Die Steinhauserinnen haben bereits am kommenden Wochenende die Ge- legenheit, auf Punktejagd zu gehen. Es steht das Zentralschweizer Derby gegen den FC Luzern bevor. Die Luzernerinnen haben in der laufenden Meisterschaft bisher zehn Punkte geholt.

CLauDia HoFstEttER

sport@zugerzeitung.ch

VBC Steinhausen - VBC Galina 2:3 (25:19, 12:25, 25:20, 19:25, 7:15)

Steinhausen: Gantner, Meili, Radulovic M., Hofstetter, Radulovic D., Nietlispach, Eiholzer, Milicic, Glauser. – Bemerkungen: Steinhausen ohne Preston (beruflich im Ausland) und ohne Betschart (Einsatz Worldtour Beachvolleyball in Thailand). NLB-Resultate: Steinhausen - Galina 2:3 (25:19, 12:25, 25:20, 19:25, 7:15). Volley Lugano - Luzern 0:3. Volleya Obwalden - Glaronia 3:1. Aadorf - Jona 3:0.

Tabelle: 1. Aadorf 6 Spiele/17 Punkte. 2. Volleya Ob- walden 6/12. 3. Volley Lugano 6/11. 4. FC Luzern 6/10. 5. Glaronia 6/9. 6. Galina 6/7. 7. VBC Steinhausen 6/5 (442:534). 8. Jona 6/1.

Es wird eine Runde angehängt

Fussball mo. Die Zuger Fussball- klubs in der 2. Liga interregional und in der 3. Liga kämpften am vergan- genen Wochenende ungewollt nicht um Punkte. Alle Partien mussten wegen unbespielbaren Terrains ab- gesagt werden. Grund: Regen und Schnee bis in die Niederungen. Das geplante Zuger Derby zwischen dem FC Ägeri und Baar findet nun am 14. November um 20 Uhr statt. Die 3.-Liga-Spiele Ebikon - Steinhau- sen, Sins - Hünenberg, Rotkreuz - Adligenswil, Ibach II - Menzingen und SC Cham II - Meggen werden am kommenden Wochenende nach- geholt. Am Wochenende hätte die letzte Runde im laufenden Jahr aus- getragen werden sollen.

sC Cham muss ins Tessin

Morgen tritt der SC Cham (1. Liga Classic) zum Nachholspiel gegen das Team Ticino an (20.15 Uhr, Cornare- do, Lugano). Siegen die Ennetseer, lösen sie Zug 94 als Leader ab.