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Die AEIOU-Signatur des Kaisers Friedrich III

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Bei den Studien der symbolischen Vokalreihen IAU, IAΩ, αεηιουω beziehungsweise ΑΕΗΙΟΥΩ 1 war mir aufgefallen 2 , dass der Habsburger Kaiser Friedrich III. (HRR) (1415-1493) ab 1452 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, eine solche Vokalreihe als persönliche Signatur führte.

Der 21-jährige Friedrich wurde am 9. September 1436 am Heiligen Grab in Jerusalem durch den Prior des Franziskanerklosters (Der Schlag zum miles Christi „von herrn albrechten von Neiperg“) zum Grabesritter geschlagen.

Das geheimnisvolle Motto A.E.I.O.U., soll er in etwa zur Zeit der Pilgerreise angenommen haben, vielleicht auch mit der Deutung als Anagramm des Namens Jehova. Die Pilgerreise dauerte etwa 7-8 Monaten, wobei der Aufenthalt im heiligen Land auf maximal 2 Wochen und in Jerusalem auf etwa eine Woche begrenzt war und führte wohl auch über Zypern.

Zu den Pilger gehörten Aristokraten aus vielen Ländern - Wettiner, Habsburger, bayer. und pfälz. Wittelsbacher, Zollern, Fs.en aus den Häusern Braunschweig, Hessen, Württemberg, Pommern, Mecklenburg, Kleve, Geldern, Anhalt und Schlesien 3 .

Die Ritter führten das fünffache Jerusalemkreuz, das Friedrich dann zur Grundlage seines Monogramms machte. So besteht vielleicht doch eine innere Beziehung zwischen den ,vocales`, den funff puestaben und den AEIOU- bzw. FIHMF-Monogrammen 4

Allem Anschein nach war AEIOU aber keine Staatsdevise, sondern ein persönliches mystisches Monogramm. Der eigentliche Wahlspruch des Herrschers sei Felix oblivio, „das Glück liegt im Vergessen“ gewesen.

Durch Zufall wissen wir, dass die AEIOU-Devise auch von zwei Äbtissinnen aus Mecklenburg für ein Siegel verwendet worden ist 5 . Die erste Äbtissin war Anna (1390- † 1467), Äbtissin in Kloster Ribnitz 1423-1467 6 . Sie verwendete das AEIOU-Sigel - ein kleines, rundes Siegel mit einem Schilde mit einem Stierkopfe und im Rande, statt der Umschrift, mit den Buchstaben AEIOV- für zwei Urkunden datiert auf 1452 und 1467. Die zweite Äbtissin war Herzogin Elisabeth (1449– 1506), Äbtissin von Ribnitz, 7 war ihre Nachfolgerin, die das gleiche Siegel für zwei Urkunden datiert auf 1469 und 1482 verwendete.

Der Berichterstatter Georg Christian Friedrich Lisch meint dazu:

„Es möchte wohl schwer sein, zu enträthseln, welchen Sinn die Aebtissin Hedwig in diese Buchstaben gelegt hat. Das aber scheint sicher zu sein, daß die Wahl dieser Buchstaben durch den Kaiser Friederich III. veranlaßt worden sei.“

Tatsache ist jedoch, dass ein Siegel mit einem (heidnischen ?) Stierkopf sehr ungewöhnlich gewesen sein muss. Normalerweise ist der Stierkopf ein religiöses Zeichen, das auch für den phönizischen Alfa-Buchstaben zugrunde gelegt worden ist. Es wäre der erste Buchstabe der AEIOU-Reihe.

1 Abraxas: “He who has His seat within the Seven Poles - ΑΕΗΙΟΥΩ,” in the Magical Papyri. Mead, G.R.S. (1906)

4 aeiov - Das 'Vokalspiel` Friedrichs III. von Österreich - Ursprung und Sinn einer Herrscherdevise von Roderick Schmidt (Herausgegeben von Fritz Wagner 55. Band 1973 Heft 2)

6 Tochter von Johann II. († 1416), Herzog zu Mecklenburg-Stargard, 1408 Herr zu Sternberg, Friedland, Fürstenberg und Lychen, ∞ Katharine (Wilheida) von Litauen

7 Tochter von Heinrich IV. zu Mecklenburg, (Heinrich der Dicke), und nicht Tochter (1467 † 1503) des Herzogs Heinrich III. von Meklenburg=Schwerin, wie im Jahrbuch aus 1856 angegeben.

Das AEIOU-Rätsel ist vielleicht lösbar, wenn wir die Münz- und Kleinodsammlung Friedrichs analysieren können. Friedrich hatte viele Schätze gehortet, die in 60 Kisten auf seinen verschiedenen Burgen verteilt waren. Vielleicht waren darunter auch Gedenkmünzen, die sich auf Vokalreihen beziehen und ihm auf der Jerusalem-Pilgerreise angeboten oder aufgefallen waren. Die Habsburger Münzsammlung ist sehr umfangreich, obwohl vieles erst nach Friedrich III erworben worden ist. In der KHM Bilddatenbank — KHM Bilddatenbank finde ich zum Beispiel

ein

Johann von Gmunden und versehen mit der Aufschrift: aeiov.

Unter „Münzen“ ist kein interessanter Fund auffindbar. Unter „Gemme“ finde ich jedoch auch Objekte mit Inschriften, u.a. eine „magische“ Gemme. Viele Objekte stammen aus der griechischen, bzw. römischen Zeit. Die Provenienz ist oft unbekannt.

Sonnen-Quadrant 8 aus dem Besitz Friedrichs III, datiert auf 1438, und zugeschrieben an:

Friedrichs III, datiert auf 1438, und zugeschrieben an: Fig. 2: Magische Gemme: Chnubis, der Sonnengott, Inv.-Nr.

Fig. 2: Magische Gemme: Chnubis, der Sonnengott, Inv.-Nr. ANSA_IXb_1220

Gemme: Chnubis, der Sonnengott, Inv.-Nr. ANSA_IXb_1220 Abbildung 1: Magische Gemme: Chnubis, der Sonnengott,

Abbildung 1: Magische Gemme: Chnubis, der Sonnengott, Inv.-Nr. ANSA_IXb_1220

Die Provenienz der Magischen Gemme 9 (Chnubis, der Sonnengott) ist jedoch bekannt 10 . Es handelt sich offensichtlich um einen Abrasax- oder Abraxas-Talisman, der jedoch nicht von Friedrich, sondern erst 1826 gekauft worden ist. In Wikipedia wird u.a. zu Abraxas dokumentiert 11 :

Mit

Basilides um das 2. Jahrhundert das Symbol des höchsten Urwesens, aus dem die fünf Urkräfte Geist, Wort, Vorsehung, Weisheit und Macht hervorgingen. Fünf Buchstaben für die Urkräfte sind natürlich schon ein erster vielversprechender Ansatz. Der Kult um Abraxas ist bis ins Mittelalter lebendig geblieben und fand in der Renaissance wieder viele Anhänger. Außerdem versinnbildlicht das Wort Abraxas die 7 Planeten, sowie die 7 Stufen zur Erleuchtung des Menschen. In der frühchristlichen Zeit soll er sogar gleichbedeutend gewesen sein mit „unser Vater“ und „Herr der Heerscharen“, was eine Gleichsetzung mit Mithras und Jahwe bedeutet. Die Abraxassteine mit diesem Wort oder auch mit dem Abbild des Wesens dienten als Amulette zum Schutz gegen negative Kräfte. In Hermann Hesses Roman Demian findet ein Abraxas-Amulett Erwähnung, ferner wird der Mythos „Abraxas“ kurz in seinem Zusammenhang erläutert.

Abraxas

(griechisch Ἀβρασάξ,

Ἀβράξας)

bezeichnete

der

ägyptische

8 Inschrift: "aeiov", Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer, Inv.-Nr. KK_166

9 Seite A: Der Sonnengott Chnubis, das von Strahlen und Nimbus umgebene Löwenhaupt über der in Form eines Achters gebildeten Windung des Schlangenleibes hoch aufgerichtet. Darunter Chnubis-Inschrift. Seite B: Drei S-Linien mit einem Querstrich, das Chnubis-Zeichen, darum Inschrift.

10 Rollin, Kunsthandel Paris; 1826 Kauf

11 Info aus Wikipedia: Abrasax

Solche Gemmen waren im Altertum oft mit Vokalreihen, insbesondere mit den religiösen Schlüsselsymbolen IAΩ und ΑΕΗΙΟΥΩ beschriftet, die sich beide auf Götternamen wie Jehovah, YHWH, Jupiter, usw. beziehen. Einige davon hatte ich bereits analysiert und dokumentiert 12 in einer Studie der englischsprachigen Handbüchern für die Gemmen des Altertums von C.W. King 13 .

Auch die graphische Symbole sind bedeutend. Auf der Gemme: Venus erhebt sich von einem Thron 14 wird der Thron wird von den Büsten des Sol und der Luna flankiert, über ihrem Haupte sind die sieben Sterne der Pleiaden angebracht. Sol und Luna sind dabei die kabbalistische Antipoden, die in den Hauptvokalen der Hauptriade IAΩ verschlüsselt sind. Die sieben Sterne vertreten die sieben Planeten beziehungsweise Vokale des griechischen Alphabets ΑΕΗΙΟΥΩ.

Ein direkter Beweis, dass Kaiser Friedrich III entsprechende Gemmen in seiner Sammlung erworben hatte sind nicht auffindbar, aber ähnliche Objekte befinden sich in der Sammlung der Habsburger Dynastie.

Sollte Friedrich jedoch eine Vokalreihe wie IAΩ und ΑΕΗΙΟΥΩ als eigenes Motto auserwählt haben, dann standen ihm im mittelalterlichen Alphabet der Latein-Buchstaben keine sieben Vokale zur Verfügung. Eine geeignete Umsetzung der griechischen Symbolik IAΩ und ΑΕΗΙΟΥΩ bildet jedoch die Mitte AEIOU, die aus ΑΕΗΙΟΥΩ lediglich den Buchstabe H (der griechische Vokal Eta, -> Æ) und den Buchstaben Ω weglässt.

In diesem Fall wäre AEIOU vergleichbar mit der Vokalreiche IAΩ (YHWH), die lediglich eine Triade aus der vollständigen Vokalhierarchie ΑΕΗΙΟΥΩ des Altertums darstellt.

Die Kommunizierbarkeit einer solchen Philosophie wäre für Friedrich sicherlich sehr begrenzt gewesen. Er hätte es wohl auch nicht mal in seinem Tagebuch oder Notizbuch riskiert. Ein Akronym ist für IAΩ nicht erforderlich. Die Symbolik ergibt sich aus den Götternamen (IU-piter, Dyaus, usw.) und deren zugehörigen Schöpfungslegenden der ersten androgynen Menschen, in dem die Vokale eine bedeutende Rolle spielen. Es sind die gleichen Vokale, die wir auch in den Ego- Pronomina 15 wie iau, ieu, iou aus den Alpinen Dialekten um der alten Schweizer Bischofsstadt Chur identifizieren können 16 . Andererseits wäre eine solche AEIOU-Reihe auch als heidnisches Symbol mit dem Stierkopf des Ribnitzer Siegels vereinbar gewesen.

Aus diesen Gründen ist ein Akronym für Friedrichs AEIOU-Signatur nicht erforderlich oder auch nicht sinnvoll, beziehungsweise irreführend. Die später hinzugefügten Varianten sind wohl tatsächlich als Notlösungen zu betrachten um das Volk zufrieden zu stellen.

14 Inv.-Nr. ANSA_IXb_635, Römisch, Mittlere Kaiserzeit 2. Jh. n. Chr.

15 Persönliche Pronomina der ersten Person Singular.