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Institut für Baustatik und Stahlbau Stahlbau III Stabilitätsprobleme im Stahlbau Skriptum zur Vorlesung Jürgen Priebe
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Institut für Baustatik und Stahlbau Stahlbau III Stabilitätsprobleme im Stahlbau Skriptum zur Vorlesung Jürgen Priebe

Institut für Baustatik und Stahlbau

Stahlbau III

Stabilitätsprobleme im Stahlbau

Skriptum zur Vorlesung

Jürgen Priebe

WS 2009 / 2010

Februar 2010

I

Inhaltsverzeichnis

1 Überblick

1

1.1 Stabilitätsprobleme mit Gleichgewichtsverzweigung

 

1

1.1.1 Knicken (Stab, Rahmen, Bogen)

 

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1

1.1.2 Biegedrillknicken (Kippen)

 

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2

1.1.3 Beulen (Platten, Schalen) .

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3

1.1.4 Gesamtstabilität (Stab, Balken, Rahmen, Bogen)

 

3

1.2 Stabilitätsprobleme ohne Gleichgewichtsverzweigung

 

4

1.2.1 Durchschlagprobleme (Stabwerke, Schalen

 

4

1.2.2 Traglastproblem (alle Tragwerke)

 

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4

1.2.3 Kippproblem mit wirklichkeitsnaher Belastung

 

4

1.3 Spannungsprobleme

 

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5

1.3.1 Planmäßig außermittiger Druck

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5

Biegung .

1.3.2 .

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5

1.4 Unterschied zwischen Stabilitätsproblem und Spannungsproblem

 

6

1.5 Beurteilung von Stabilitätsproblemen

 

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6

2 Beulen

9

2.1 Das Ausbeulen von Steg und Gurt

 

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9

2.1.1 Herleitung der Beuldifferentialgleichung

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9

2.1.2 Lösung für einen Sonderfall

 

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12

2.1.3 Vergleich zwischen Knickstab und Platte

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14

2.1.4 Zusammengesetzte Beanspruchungen

 

17

2.1.5 Beulfelder mit Aussteifungen

 

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17

2.1.6 Steifigkeit der Steifen .

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19

2.1.7 Bezeichnung der Beulfelder

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19

2.1.8 Tragsicherheit der beulgefährdeten Bleche

 

20

2.1.9 Nachweis

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22

2.1.10 Dreiseitig gelagerte Platten

 

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23

2.1.11 Beulfelder mit knickstabähnlichem Verhalten

 

24

2.1.12 Gedrungene Beulfelder ohne Beulsicherheitsnachweis

 

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25

2.2 Vollwandige Stäbe mit planmäßig mittigem Druck

 

27

2.2.1 Querschnittsformen

 

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27

2.2.2 Querschnitt mit gedrungenen Querschnittsteilen

 

27

2.2.3 Querschnitt mit schlanken Querschnittsteilen

 

27

3 Torsion

31

3.1 Übersicht

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31

3.1.1 Definitionen

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31

3.1.2 Querschnittsarten .

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32

3.2 Wölbkraftfreie Torsion

 

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33

3.2.1 Bedingungen

 

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33

3.2.2 Gesuchte Größen

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33

3.2.3 Differentialgleichung der wölbkraftfreien Torsion und Verdrehung ϑ

 

34

3.2.4 Ergebnisse der wölbkraftfreien Torsion dickwandiger Querschnitte , , , usw.

 

35

3.2.5 Ergebnisse der wölbkraftfreien Torsion offener dünnwandiger Querschnitte

 

40

3.2.6 Ergebnisse der wölbkraftfreien Torsion geschlossener dünnwandiger Querschnitte 45

46

3.3 Wölbkrafttorsion

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II

 

3.3.1 Bedingungen

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47

3.3.2 Gesuchte Grössen .

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47

3.3.3 Differentialgleichung der Wölbkrafttorsion, Verdrehung ϑ und Schnittkräfte

 

47

3.3.4 Spannungen aus Wölbkrafttorsion

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53

3.3.5 Wölbwiderstand und Schubmittelpunkt

 

54

 

3.4

Nochmals Wölbnormalspannungen und Analogie zum Balkenbiegeproblem

 

59

4

Stabilitätsprobleme der Stäbe

 

60

4.1 Elastisches Biegeknicken von Stäben und Stabwerken

 

60

 

4.1.1 Kragarm und Einfeldträger .

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60

4.1.2 Einfeldstab mit Vorausbiegung

 

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67

4.1.3 Einfeldstab auf elastischer Bettung .

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68

4.1.4 Einfeldstab mit konstanter Querbelastung

 

71

4.1.5 Spannungs- und Stabilitätsprobleme bei Stabwerken

 

74

4.1.6 Spannungsproblem mit Gleicgewichtsverzweigung

 

74

 

4.2 Elastisches Biegedrillknicken von Stäben

 

75

 

4.2.1 Längskraftbelastete Stäbe

 

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75

4.2.2 Quer zur Stabachse belastete Stäbe und Stäbe mit Endmomenten .

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83

4.2.3 Längs- und querbelastete Stäbe

 

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88

1

1 Überblick

1.1 Stabilitätsprobleme mit Gleichgewichtsverzweigung

1.1.1 Knicken (Stab, Rahmen, Bogen)

a) Biegeknicken

P P v
P
P
v

z.B. beim Stab:

P=M M y y S P=S z z ⊥ z-z Achse ⊥ y-y Achse
P=M
M
y
y
S
P=S
z
z
⊥ z-z Achse
⊥ y-y Achse

P Hook’scher

P ki

Werkstoff Baustahl Verzweigungspunkt v, v y z
Werkstoff
Baustahl
Verzweigungspunkt
v, v
y
z

Knickprobleme mit planmäßigen Biegemomenten

Zimmermann-Stab

P P v
P
P
v
P P v
P
P
v

P ki

P Verzweigungspunkt
P
Verzweigungspunkt

v

Das Kriterium von Klöppel / Lie 1 gibt Aufschluss, ob ein Verzweigungsproblem oder ein Span- nungsproblem vorliegt.

b) Biegedrillknicken

zentrisch gedrückter Stab

P

P

ein Span- nungsproblem vorliegt. b) Biegedrillknicken zentrisch gedrückter Stab P P M P=S z y 1
ein Span- nungsproblem vorliegt. b) Biegedrillknicken zentrisch gedrückter Stab P P M P=S z y 1
M P=S z
M
P=S
z

y

2

exzentrisch gedrückter Stab

P P P
P
P
P
M y S z
M
y
S
z

c) Drillknicken

P

P

gedrückter Stab P P P M y S z c) Drillknicken P P P ki P
gedrückter Stab P P P M y S z c) Drillknicken P P P ki P

P ki

P Verzweigungspunkt
P
Verzweigungspunkt
y P=M=S z
y
P=M=S
z

P - ϑ - Kurve ähnlich wie beim Biegedrillknicken, wird selten maßgebend.

1.1.2 Biegedrillknicken (Kippen)

q Q P P M 1 M 2 P
q
Q
P
P
M 1
M 2
P

z.B. beim Balken:

y z
y
z
P,M,Q,q Verzweigungspunkt
P,M,Q,q
Verzweigungspunkt

3

1.1.3 Beulen (Platten, Schalen)

z.B. Platte:

a)

1

3 1.1.3 Beulen (Platten, Schalen) z.B. Platte: a) 1 1 v b) 1 v 1 pi

1

3 1.1.3 Beulen (Platten, Schalen) z.B. Platte: a) 1 1 v b) 1 v 1 pi
v b)
v
b)
1 v
1
v

1

pi

( )

pi

b) a) c) Verzweigungspunkt
b)
a)
c)
Verzweigungspunkt

v

überkritische Tragfähigkeit möglich:

Laststeigerung bei geringen verformungen

Flansche: c) dreiseitig gelagerte Platten auf Druck beansprucht 1.1.4 Gesamtstabilität (Stab, Balken, Rahmen, Bogen)
Flansche:
c)
dreiseitig gelagerte Platten
auf Druck beansprucht
1.1.4
Gesamtstabilität (Stab, Balken, Rahmen, Bogen)
q Q P M
q
Q
P
M

keine Querschnittstreue wie beim Kippproblem

z.B.:

Q P M keine Querschnittstreue wie beim Kippproblem z.B.: P,M,Q,q Verzweigungspunkt Bei der Gesamtstabilität wird
P,M,Q,q Verzweigungspunkt
P,M,Q,q
Verzweigungspunkt

Bei der Gesamtstabilität wird die Voraussetzung der Querschnittstreue aufgegeben.

4

1.2 Stabilitätsprobleme ohne Gleichgewichtsverzweigung

1.2.1 Durchschlagprobleme (Stabwerke, Schalen

P h h
P
h
h

q

1.2.1 Durchschlagprobleme (Stabwerke, Schalen P h h q P P max P=0 v h 2h 1.2.2

P

1.2.1 Durchschlagprobleme (Stabwerke, Schalen P h h q P P max P=0 v h 2h 1.2.2
P max P=0 v h 2h
P
max
P=0
v
h
2h

1.2.2 Traglastproblem (alle Tragwerke)

Werkstoff- und / oder geometriebedingte Stabilitätsprobleme z.B. exzentrisch gedrückter Stab aus Baustahl

P P v 0 v
P
P
v 0
v
P M=S z
P
M=S
z

y

P P ki plastisch f y P Tr P F elastisch v v 0
P
P
ki
plastisch
f
y
P
Tr
P
F
elastisch
v
v 0

1.2.3 Kippproblem mit wirklichkeitsnaher Belastung

Q q
Q
q
P P ki plastisch f y P Tr P F elastisch v v 0 1.2.3 Kippproblem
y
y
z
z

Q,q

P P ki plastisch f y P Tr P F elastisch v v 0 1.2.3 Kippproblem
P P ki plastisch f y P Tr P F elastisch v v 0 1.2.3 Kippproblem
P P ki plastisch f y P Tr P F elastisch v v 0 1.2.3 Kippproblem

5

1.3 Spannungsprobleme

Vorausgesetzt wird Hook’scher Werkstoff

1.3.1

a)

b)

Planmäßig außermittiger Druck

Last auf einer Hauptachse (Annahme: seitliches Ausweichen sei ausgeschlossen)

P P v 0 v P ki (Biegeknicken)
P
P
v 0
v
P ki
(Biegeknicken)
P M S
P
M
S

z

y

P

Mögliche Lagen der Biegedrillknicklast v v 0
Mögliche Lagen der
Biegedrillknicklast
v
v 0

Theorie II. Ordnung

Last außerhalb der Hauptachse P M y S z
Last außerhalb der Hauptachse
P
M
y
S
z

P ki (Biegedrillknicken oder Biegeknicken)

P

y S z P ki (Biegedrillknicken oder Biegeknicken) P 1.3.2 Biegung Q q v a) Hook’scher
1.3.2 Biegung Q q v
1.3.2
Biegung
Q
q
v

a) Hook’scher Werkstoff

b) Baustahl

Q,q a) b)
Q,q
a)
b)

v

Theorie I. Ordnung

6

1.4 Unterschied zwischen Stabilitätsproblem und Spannungsproblem

Für eine Last gibt es beim Stabilitätsproblem mehrere Gleichgewichtslagen, d.h das Problem ist „mehrdeutig“. Beim Spannungsproblem ist dies nicht der Fall 1

P P v v
P
P
v
v

Das Gleichgewicht kann sein:

nicht der Fall 1 P P v v Das Gleichgewicht kann sein: stabil labil Eine kleine

stabil

der Fall 1 P P v v Das Gleichgewicht kann sein: stabil labil Eine kleine Störung

labil

Eine kleine Störung bewirkt eine Auslenkung und

labil Eine kleine Störung bewirkt eine Auslenkung und Rückkehr in die Ausgangs- lage Aufsuchen einer Gleich-

Rückkehr in die Ausgangs- lage

bewirkt eine Auslenkung und Rückkehr in die Ausgangs- lage Aufsuchen einer Gleich- gewichtslage, die entfernt oder

Aufsuchen einer Gleich- gewichtslage, die entfernt oder nicht vorhanden ist

Gleich- gewichtslage, die entfernt oder nicht vorhanden ist indifferent Verharren in der unmittel- bar benachbarten

indifferent

die entfernt oder nicht vorhanden ist indifferent Verharren in der unmittel- bar benachbarten Gleich-

Verharren in der unmittel- bar benachbarten Gleich- gewichtslage

Am Verzweigungspunkt wird, vom stabilen Gleichgewicht her kommend, das Gleichgewicht zum ersten Mal indifferent.

1.5 Beurteilung von Stabilitätsproblemen

Die Beurteilung von Stabilitätsproblemen ist nicht allein mit Hilfe der Verzweigungslast, oder all- gemeiner, der kritischen Last möglich. Es muss vielmehr gefragt werden, wie sieht die ganze Last-

Verformungskurve aus, was kann durch Imperfektionen oder Störungen (z.B. Verbiegungen, Exzentrizi- täten, Materialimperfektionen), ungleiche Lasteintragungen und ungenaue Erfassbarkeit der Randbedin- gungen geschehen. Es ist jedoch nicht die theoretische kritische Last von Bedeutung, sondern die „Traglast“ und das Last- Verformungsverhalten nach Erreichen der Traglast. Diese Traglast ist die maximal erreichbare Last unter Berücksichtigung von baupraktischen Imperfektionen. Je nach Stabilitätsproblem und Schlankheit der Bauglieder kann die Traglast unter oder auch über der kritischen Last liegen, im letzten Fall spricht man von überkritischer Tragfähigkeit

1 Teilweise werden auch einige Stabilitätsprobleme ohne Gleichgewichtsverzweigung in der Praxis als Spannungsprobleme bezeichnet. Hierbei wird nur ein Teil der Last-Verformungskurve ins Auge gefasst, also z.B. der abfallende Ast nicht mehr berücksichtigt. Beispiel: Exzentisch gedrückter Stab aus Baustahl

7

• Beispiel Knicken und Biegedrillknicken

P P P v f y P k Knickkurve ki p v Traglastkurve u
P
P
P
v
f y
P
k
Knickkurve ki
p
v
Traglastkurve u

• Beispiel Plattenbeulen

f y k Beulkurve pi p Traglastkurve u überkritische Tragfähigkeit
f y
k
Beulkurve pi
p
Traglastkurve u
überkritische
Tragfähigkeit

• Beispiel Schalenbeulen f y k p Beulkurve si Traglastkurve u
• Beispiel Schalenbeulen
f y
k
p
Beulkurve si
Traglastkurve u

Traglast < Knicklast

Traglast Beullast

Traglast Beullast

Aus den Beispielen ist zu ersehen, dass große Unterschiede zwischen der maßgebenden Traglast und der Verzweigungslast vorhanden sein können. Bezöge man die Tragfähigkeit auf die Verzweigungslast, dann müssten unterschiedliche „Sicherheitsfaktoren“ verwendet werden 1 .

1 Dies war beispielsweise in der alten DIN 4114 und der DASt-Ri. 012 so.

8

Die Ermittlung der kritischen Last ist demnach nur eine Teilhilfe bei der Beurteilung von Stabilitätspro- blemen. Wichtig ist auch, dass die Übersetzung der Konstruktion in ein zu berechnendes System richtig erfolgt. So können falsch angesetzte Randbedingungen einen großen Einfluss auf die rechnerische Versagenslast haben:

P

P

Einfluss auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2:
Einfluss auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2:
Einfluss auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2:

=

P

Einfluss auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2:
Einfluss auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2:

P

auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2: P
auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2: P

P

auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2: P
auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2: P
auf die rechnerische Versagenslast haben: P P = P P P Grenzfall 1: Grenzfall 2: P

Grenzfall 1:

Grenzfall 2:

P =

ki

2

EI

l

2

P =2,04

ki

2

EI

l

2

9

2 Beulen

2.1 Das Ausbeulen von Steg und Gurt

Ideal ebene Platten, die durch Druck oder Schub beansprucht werden, können vor Erreichen der Materi- alfestigkeit ausbeulen.

können vor Erreichen der Materi- alfestigkeit ausbeulen. Abbildung 2.1: Platte mit allgemeiner Beanspruchung in

Abbildung 2.1: Platte mit allgemeiner Beanspruchung in Plattenebene

Wie beim Knickstab gilt auch hier der Grundsatz, je schlanker die Platte ist, desto früher beult sie aus.

je schlanker die Platte ist, desto früher beult sie aus. Abbildung 2.2: Eulerkurve für Platten 2.1.1

Abbildung 2.2: Eulerkurve für Platten

2.1.1 Herleitung der Beuldifferentialgleichung

Für querbelastete Platten gilt die Kirchhoff’sche Plattengleichung

E · 1 · t 3 2 ) · 4 w

12

(1 µ

x 4

+ 2 · 4 w

x 2

y 2 + 4 w y 4

= p

Gleichgewichtsbedingung

Summe aller Vertikalkräfte am Plattenelement ist Null

Eine Querbelastung p ist im Grundzustand nicht vorhanden. Sie ergibt sich jedoch aus Abtriebskräften im ausgebogenen Nachbarzustand.

10

10 Die Abtriebskräfte können am infinitesimalen Element aus den Scheibenkräften gewonnen werden. Abbildung 2.3:

Die Abtriebskräfte können am infinitesimalen Element aus den Scheibenkräften gewonnen werden.

Element aus den Scheibenkräften gewonnen werden. Abbildung 2.3: Infinitesimales Element mit σ x · t =

Abbildung 2.3: Infinitesimales Element

mit

σ x · t

= N x

σ y · t = N y

τ xy · t = N xy

N x σ y · t = N y τ x y · t = N

Abbildung 2.4: Abtriebskräfte im Schnitt in x -Richtung

Unter der Voraussetzung kleiner Winkel ist

P N x dxdy = N x dy w N x dy + N x dxdy · w

x

x

x

+ 2 w

x 2


dx

11

P N x dxdy

P N x

N x dy 2 w dx N x dxdy w

x

x 2

x

N x

2 w N x w

x 2

x

x

analog

P N y

P N xy

P N yx

N y

− N y

2 w N y w

2 w − ∂ N y ∂ w
2 w − ∂ N y ∂ w
2 w − ∂ N y ∂ w

y 2

y

y

N xy

N yx

2 w

N xy

w

x y

x

y

2 w

N yx

w

x y y x

p = p N x + p N y + p N xy + p N yx

Aus x = 0 ergibt sich mit cos w 1

x

N x

x

+

N yx

y

=

0

Aus y = 0 ergibt sich entsprechend

N y

y

+

N xy

x

=

0

Damit ergibt sich p zu

= N x

=

t · σ x

x 2

2 w

x 2

2 w

p

+ 2 · N xy

2 w

2 ∂ 2 w ∂ x 2 2 w p + 2 · N x y

2 w

x y + N y y 2

2 w

2 w

x y +σ y y 2

+ 2 ·τ xy

Die Beulgleichung, die angibt, dass der ausgebogene Nachbarzustand als Gleichgewichtszustand neben dem Grundzustand bei ungeänderter Last existiert, lautet somit

E · 1 · t 3 2 ) · 4 w

12

(1 µ

x 4

+ 2 · 4 w

x 2

y 2 + 4 w

y 4

= t · σ x

2 w

x 2

wobei σ x und σ y Druckspannungen sind und

K

=

E · 1 · t 3

12 (1 µ 2 )

der Plattenfaktor ist.

+ 2 ·τ xy

2 w

2 w

x y +σ y y 2

12

Der Übergang zum Stab ergibt

oder

· 1 · t 3 · 4 w

E

12

x 4 = t ·σ x

2 w

x 2

EIw + Pw = 0

2.1.2 Lösung für einen Sonderfall

Betrachtet wird der Sonderfall, dass nur Spannungen σ x = const. vorhanden sind.

dass nur Spannungen σ x = const. vorhanden sind. Ansatz w ( x , y )

Ansatz

w

(x , y )

=

mit

m

=

n

=

A mn · sin mπ x · sin nπ y

a b

Anzahl der Wellen in x Richtung

Anzahl der Wellen in y Richtung

Der Ansatz erfüllt die Differentialgleichung und die Randbedingungen. Randbedingungen sind

w = 0 w = 0 w = 0

für

x = 0 , x = a,

y = 0 , y = b

für

x = 0 , x = a,

y = 0 , y = b

für

x = 0 , x = a,

y = 0, y = b

Die Differentialgleichung lautet dann

A mn mπ

a

4 + 2 mπ

a

2 · n π 2 + n π

b

b

= σ x ·

t

k

und daraus

· A mn mπ

a

2 · sin mπ x · sin n π y

a

b

4 · sin mπ x · sin nπ y

a

b

A mn mπ

a

2 + nπ

b

2 2

σ x ·

t · mπ

k

a

2 = 0

13

Triviale Lösung A mn =

Beulbedingung [ ]

=

σ pi

=

oder mit

a

 

=

b

σ pi

=

σ pi

=

0

nicht ausgebogene Lage 1

0

K

t

α

ausgebogene Lage 2

π 2 m

a

2 + n

b

2 2

m

a

2

m

α

+ n 2

m

k

α 2 ·

·

π 2 · E · t 2

12 · (1 µ 2 )b 2

σ e

σ e kann als Eulerknickspannung eines Stabes gedeutet werden, der 1 cm breit ist, die Länge b hat und auf Druck belastet ist.

cm breit ist, die Länge b hat und auf Druck belastet ist. σ e = σ

σ e =

σ e =

π 2 · E · I

b 2 · 1 · t π 2 · E · 1 · t 3

12 · (1 µ 2 )b 2 · 1 · t

Es geht also nicht die Länge a ein wie beim Stab, sondern erfreulicherweise die Breite b . Der Wert k ist von den Variablen m und n abhängig. Sie sind also so zu wählen, daß k und somit σ pi ein Minimum wird. Es muss sein n = 1

k

 

m

somit

 

k min

und

 

σ pi

= 0 2 m

α

+ m α α

α

1

m

2 = 0

=

m

α +

α

m 2 = 4

= 4 ·

π 2 · E · t

2

12 · (1