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Original erschienen in: Schön, S., Ebner, M. (2012). Der große Lehrmittelreport. Was war, was ist, was kommt.

In: Schule Aktiv!, Ausgabe 12/12, S. 22-27. Lehrmittelreport: Was war, was ist, was kommt Martin Ebner und Sandra Schön Lern- und Lehrmaterialien unterliegen einem ständigen Wandel. So gibt es inhaltliche Änderungen und Korrekturen: Noch wird in einigen Physikbüchern Pluto zu den Planeten im Sonnensystem gezählt. Von einem Lehrmittel der Gegenwart erwarten wir uns, dass Pluto darin ein Zwergplanet ist und nicht mehr als Planet angeführt wird . Aber wie stellen wir uns ganz konkret das Lehrmittel der Zukunft vor? Spontan denken wohl viele an ein gedrucktes Lehrbuch – ob es das sein wird, ist dabei nicht sicher. Einige Blicke zurück „Nehmt Eure Schieferntafel und schreibt, was ich Euch diktiere.“ – Vielen älteren Erwachsenen ist diese Aufforderung aus der eigenen Schulzeit vertraut. Die kleinen Schreibtafeln und auch das große Pendant, die schwarze Wandtafel, waren in den letzten 200 Jahren in vielen Schulen wesentliche Arbeits- und Lehrmittel. Auch die Gestaltung von Tafelbildern ist heute noch Teil der Ausbildung von LehrerInnen. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Einführung der Wandtafel vor langer Zeit mit großer Sorge gesehen wurde und PädagogInnen sogar zunächst mit Berufsverbot gedroht wurde (siehe Wagner 2004). Die Schultafeln waren zwischenzeitlich grün und sind heute oft weiß und werden mit Filzstiften beschrieben. Sie sind dabei – in welcher Form auch immer – universell verwendbar und einfach in der Handhabe. LehrerInnen und SchülerInnen können hier schnell und unkompliziert schreiben, konstruieren, notieren oder zeichnen. Ähnlich ist das gedruckte Schulbuch Teil des Schulalltags. Bereits 1658 erschien das „Orbis sensualium pictus“ von Comenius, welches die Welt in Bildern erklärte und als Sprachlernbuch für Deutsch und Latein gedacht war. Nachdrucke von diesem vermutlich ersten Schulbuch stehen heute in vielen Bücherregalen. „Der Kinderfreund“ des Aufklärers und Pädagogen Friedrich von Rochow ist ein weiteres bekanntes Schulbuch, es erschien erstmalig 1776 und stellte in zahlreichen Auflagen über viele Jahrzehnte ein Grundstock von Lehrtexten dar, der neben Schulgebeten auch zahlreiches naturwissenschaftliche Wissen in kurzen Texten, u.a. in Gesprächsform, enthielt. Abbildungen enthält das Buch natürlich nur wenige.

Evt. als Abbildung verwenden: https://play.google.com/books/reader? id=4htMAAAAYAAJ&printsec=frontcover&output=reader&authuser=0&hl=de&pg=GBS.PA177 (ein Scan einer Kinderfreund-Ausgabe!)

Auch heute noch gehören Schulbücher zum Schulalltag: Oft für jedes einzelne Fach dienen sie als farbig gedruckte persönliche Unterlage. Während die Tafel oft nur eine Art Hilfsmittel darstellt, ist das Schulbuch dabei auch wesentlicher Bestandteil der Unterrichtsplanung und -durchführung: Schulbuchinhalte und -aufgaben gestalten als „heimlicher Lehrplan“ das Curriculum des Schulalltags. Neben Tafel und Buch gibt es eine Reihe von Lehrmitteln, inbesondere elektronische Geräte, die in den letzten Jahrzehnten den Unterricht mitgestalteten. Der Einsatz von elektronischen Geräten ist dabei eine vergleichsweise junge Entwicklung der letzten 50 Jahre. Tageslichtprojektoren eroberten die Klassenzimmer um 1960 herum, ebenso wie Dia- und seltener Epiprojektoren. Anstatt an der Tafel zu schreiben oder Anschauungsmaterialien, beispielsweise ausgestopfte Tiere oder Landkarten zu zeigen, wurden zunehmend Unterrichtsmaterialien an die Wand projiziert. Wenn ältere LeserInnen an ihre eigene Schulzeit denken, werden ihnen noch etliche weitere Lehrmittel und Hilfsmittel in Erinnerung kommen, die heutigen SchülerInnen unbekannt sind, u.a. Kontaktkopien bzw. Matrizendruck, Kassetten oder Rechenschieber. In der 1980er Jahren erfolgte die breite Einführung von Fernsehgeräten und Videoabspielgeräten in Klassenzimmer. Mit Ende des 20. Jahrhunderts beginnt nun der Computer und auch das Internet Einzug zu halten. Lehr- und Lernmaterialien sind zuerst noch auf CD-ROMs, danach direkt über das Web beziehbar. Mit dem Wechsel in das 21. Jahrhundert gewinnt die Technologisierung im Klassenzimmer, aber vor allem im Alltag von SchülerInnen und LehrerInnen an Fahrt: Die Entwicklung von Mobiltelefonen bis hin zu den heutigen Smartphones, der Touchscreen-Technologie und auch von Tablets und E-Readern verändern den Umgang mit Dokumenten und Inhalten. Im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung und der enorm wachsenden Verkaufszahlen von Tablets und Smartphones hat dies selbstverständlich Auswirkungen auf den Markt der Lehrmittel und der Lernmaterialien. Technologie- und Lehrmitteleinsatz an österreichischen Schulen Dennoch stellt sich das Bildungssystem, und hier allen voran die Schulen, nur langsam um. So finden wir heute eine Situation vor, bei der die infrastrukturelle Ausstattung von Unterrichtsräumen nur in den seltensten Fällen dem Stand der Technik entspricht. Weiterhin, so wird in einem Lehrbuchartikel zum Einsatz von Technologien zum Lernen und Lehren an Schulen festgestellt (Babic u.a., 2011), besteht die typische Grundausstattung eines Klassenzimmers in einer Kreidetafel und einem Tageslichtprojektor, die durch Geräte aus dem schulischen Medienpool, z.B. Videorekorder, Beamer, Laptop oder CD-Player, erweitert werden kann. Während im Primarschulbereich oft einzelne Computer im Klassenzimmer stehen, werden Computer in den höheren Klassen meist in Form von „Computerräumen“ eingesetzt. Darüberhinaus sind das Schulbuch und Kopien bzw. Ausdrucke von Arbeitsblättern im Einsatz und stellen wesentliches Lehrmaterial dar. Genaue Zahlen zu den verwendeten Technologien und Lehrmitteln an österreichischen Schulen sind – beispielsweise in den Publikationen des BMUKK – nicht recherchierbar. Vermutlich ist sie jedoch mit dem deutschen Nachbarn vergleichbar, hier ergab im Jahr 2011 bei einer Lehrerbefragung, dass mehr als 90 Prozent der Schulen an, min. einen Beamer zu besitzen, etwa 90 Prozent verfügen über einen Computer und rund 62 Prozent über ein interaktives Whiteboard (vgl. Statista 2012).

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/180288/umfrage/ausstattung-von-schulen-mitelektronischen-lehrmitteln/ Es ist absehbar, dass herkömmliche Projektoren Zug um Zug durch den Lehrer-Laptop und Beamer ersetzt werden (müssen), und auch das Vorführen von Videos nach und nach von dieser digitalen Kombination aus erfolgt. Die zunehmende Digitalisierung der Lehrmaterialien wird auch durch die (oft private) Ausstattung der LehrerInnen und ihre Vorbereitung und Gestaltung von Arbeitsblättern und anderen Unterrichtsmaterialien am Computer unterstützt. Dass auch SchülerInnen Internetanschluss für Recherche- und Kommunikationszwecke zur Verfügung gestellt wird erscheint zweckmäßig und zeitgemäß, auch wenn akzeptable Umsetzungen nicht trivial sind. Aktuelle Entwicklungen Verschiedene aktuelle Entwicklungen geben Anlass, sich mit zukünftigen Entwicklungen zu beschäftigen. Auf Seite der Lernenden ist die stark zunehmende Ausstattung mit Mobilgeräten zu nennen. So nimmt beispielsweise der Anteil der SchülerInnen die über ein Smartphone verfügen rapide zu, laut der aktuellen JIM-Studie verfügt etwa die Hälfte der 12- bis 19-jährigen über ein solches Gerät. Auf Seiten der Hersteller sind die Digitalisierung und Veränderungen beim Druck aufzuzeigen: Unter E-Books zum Beispiel sollten wir nicht nur die Digitalisierung des klassischen Buches sehen, sondern im Sinne eines „Living Books“ die Erweiterung des Textes mit interaktiven Elementen oder auch die Anreicherung mit Videos. Die rasante Entwicklung des US-Marktes mit den Berichten von Amazon im Mai 2011, dass bereits mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft werden untermauert die Notwendigkeit. Gleichzeitig entstehen auch neue Geschäftsmodelle. Print-OnDemand-Verlage erlauben es heute jedem sein persönliches Buch zu veröffentlichen und bieten die zur Verfügungstellung von E-Books gleich im Paket an. Andere Verlage lassen mit E-Book-Flatrates aufhorchen, indem man für einen bestimmten Betrag aus einem Pool an Büchern sich diese ausleihen kann. Amazon startet derzeit ebenfalls ein solches Ausleihmodell. Darüber hinaus ermuntern neue Webtechnologien die Endbenutzer Inhalte online zu erstellen, zur Verfügung zu stellen und selbst wiederzuverwenden. Unter dem Schlagwort Web 2.0 (oder

„Mitmachweb“) ist das Internet von heute zu einer schier endlosen Informationsressource angewachsen, und bildet die Basis für Lernmaterialien aller Art. Neben Weblogs, Wikis, Podcasts entstehen zunehmend auch Plattformen wo Lehrende ihre Unterlagen hochladen und andere ebenso verwenden können. Um die Nutzung und Weiterverwendung auch rechtlich unproblematisch zu gestalten, sind ihre Veröffentlichung als „offene Bildungsressourcen“ notwendig. INFO BOX „Offene Bildungsressourcen“ Offene Bildungsressourcen sind Materialien die kostenfrei zur Verfügung gestellt werden und zusätzlich ausdrücklich die Nutzung erlaubt ist. Durch die Verwendung von Lizenzvereinbarungen, wie z.B. einer Creative-Commons-Lizenz, können die Autoren gezielt festlegen, was mir ihren Materialien geschehen darf. Vom reinen Leserecht (Open Access) bis hin zu einem kompletten Modifikationsrecht zumeist verbunden mit einer Veröffentlichung unter gleichen Bedingungen sind alle Formen denkbar. Die Verwendung von Lizenzen ist dabei wesentlich um Bildungsressourcen für andere verwertbar zu machen, ansonsten kommt das wesentlich strengere Urheberrecht zu tragen dass eine Verwendung – auch im Schulunterricht – einschränkt oder verbietet. Die Bewegung der offenen Bildungsressourcen (Open Educational Resources) ist erstmals 2002 von der Unesco erwähnt worden. Seit dieser Zeit gibt es eine hohe Anzahl an unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen die sich dieser Bewegung anschließen. Allen voran sind dabei das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und die Open University UK zu erwähnen, die ein Vorreiterrolle einnehmen. In Österreich kann die TU Graz mit ihrer Open-Content-Strategie angeführt werden. Österreichische Vorzeigeprojekte sind hier auch die Angebote des TIBS Bildungsserver (http://tibs.at) sowie das „Lehrbuch für Lernen und Technologien“ (kurz L3T, http://l3t.eu). Lesetipp: Barbara Rossegger (Juli 2012). Konzept für Open Educational Resources im sekundären Bildungsbereich. BOD, Norderstedt, ISBN 978-3-8482-1543-0, 16,90 € bzw. frei zugänglich unter http://o3r.eu Wenn man heute also über Lehrmittel der Zukunft spricht, macht sich ein sehr breites Feld auf, welches von vielen verschieden Entscheidungsträgern maßgeblich beeinflusst wird. Neben den eigentlichen Akteuren, nämlich den Lehrenden und Lernenden, sind auch die Sichtweisen von Autoren, Gerätehersteller, Verlage, Bildungseinrichtungen und Bildungsbehörden von Interesse und Bestandteils des Systems. Lehrmittel der Zukunft Im Rahmen eines Expertentreffens wurde bei der Veranstaltung „L3T's Work“ (http://l3t.eu/zukunft) im Mai 2012 der Frage nachgegangen, welche Lern- und Lehrmaterialien es zukünftig geben wird: Welche Lehrmittel werden in Zukunft verwendet werden? Was erwartet Lehrende und Lernende? Werden E-Reader, Tablets und Smartphones eine entscheidende Rolle spielen und wird das klassische gedruckte Schulbuch bald Geschichte sein? Die Expertinnen und Experten aus dem dem deutschsprachigen Europa diskutierten und arbeiteten fast drei Tage lang mit unterschiedlichen Methoden und Zugängen und fanden dabei auch zu Aussagen, welche Entwicklungen in den nächsten fünf Jahren zu erwarten sind. *** INFO BOX: Lern- und Lehrmaterialien in den nächsten fünf Jahren a) Aus Sicht der Lernenden:

• • •

Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren von den Lernenden selbst adaptiert werden. Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren mehr vernetzt/kollaborativ/dezentral sein. Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren (be-)greifbarer sein (Haptik, dynamische 3D-Grafiken usw.)

b) Aus Sicht von Lehrenden: • Urheberrechtlich geschützte Lehrmaterialien werden in fünf Jahren für Lehrende unbrauchbar/uninteressant sein. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren wesentlich interaktiver, sozialer und vernetzter sein. • Lehrende werden in fünf Jahren viele Webdienste/Webservices parallel nutzen. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren vorwiegend von Lernenden erstellt. Dadurch wandelt sich die Rolle der Lehrenden zum Moderator. c) Aus Sicht von Bildungseinrichtungen • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren von Lernenden mitgestaltet. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren durch verschiedene Qualitätssicherungsstufen (Lehrende, Lernende, usw.) qualitativ besser werden. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren selbstverständlich digitalisiert und multimedial sein. d) Aus Sicht von Gerätehersteller • Augmented Reality wird in fünf Jahren ein Bestandteil des täglichen Lebens sein. • Content-Zugang von verschiedenen Geräten nimmt in fünf Jahren zu - Liquid Content • HTML 5 ist in fünf Jahren Standard e) Aus Sicht von AutorInnen • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren am Design gemessen. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren kein öffentliches Gut sein. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren vielfältigen, unübersichtlichen Qualitätsstandards genügen müssen. f) Aus Sicht von Verlagen • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren mehrheitlich medienneutral produziert werden. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren neue didaktische Erkenntnisse integrieren. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren cross-medial / multimedial sein. g) Aus Sicht von Bildungsbehörden • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren immer noch staatlich sehr stark kontrolliert werden. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren NICHT wegen Bildungsbehörden vielfältiger gestaltet, finanziert und vertrieben. • Lehr- und Lernmaterialien werden in fünf Jahren auf Lehrende treffen, denen digitale Kompetenz fehlt. Lesetipp: Ebner, Martin & Schön, Sandra (Oktober 2012). Die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien: Entwicklungen, Initiativen, Vorhersagen. BOD, Norderstedt, ISBN 978-3-8482-1543-0, 24,90 € bzw. frei zugänglich unter http://o3r.eu

**** Die Aussagen der Expertinnen und Experten für die nächsten fünf Jahre zeigen spannende Entwicklungen auf. So wird zum Beispiel davon ausgegangen, dass bei der fortschreitenden technischen Entwicklung urheberrechtlich geschützte Materialien immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden. Das Internet erlaubt Lehrenden und Lernenden aktiv Inhalte zu gestalten und sich einzubringen und dies ist mit den derzeit noch vorherrschenden starren Unterlagen nicht durchführbar bzw. zielführend. Kollaborative Lernformen verlangen Möglichkeiten, die durch das klassische Schulbuch nicht erfüllbar sind. Allen Vertretern gemeinsam ist die Forderung nach mehr Interaktivität und Multimedialität von Lehrbüchern, bis hin zur Integration von Augmented Reality oder haptischen Rückmeldemöglichkeiten. Autoren und Bildungseinrichtungen erwähnen Qualitätsaspekte als bedeutsam für die nächsten fünf Jahre. Selbstverständlich muss auch das Lehrbuch der Zukunft diesem Genüge tun, aber gerade für offene Bildungsressourcen die von Vielen verwendet und bearbeitet sind solche Qualitätsproblem nicht zu erwarten. Spannend ist auch die Rolle der Verlage, die sich laut den Expertinnen und Experten doch deutlich ändern wird müssen. Aus ihrer Sicht ist der Weg zur Crossmedialität bzw. zur Medienneutraliät schon vorgezeichnet. Damit steht Verlage durchaus vor einer großen Herausforderung, da die Erstellung solcher Materialien nicht deren derzeitiges Kerngebiet darstellt. Als unbeweglichste Gruppe wird die Bildungsbehörde gesehen, hier erwartet man wenig innovative Schritte. Selbst die Notwendigkeit der Kompetenzsteigerung bei zukünftigen Lehrenden wird von allen als sehr wichtig eingestuft, aber die Bestrebungen in diese Richtung werden wohl eher Probleme verursachen. Bei der Diskussion der Ergebnisse des Expertentreffens ist zu berücksichtigen, dass die Ergebnisse bildungssektorenübergreifend gedacht sind, aber für den Schulbereich mit der Schulbuchzulassung zwar eine Qualitätsüberprüfung vorgesehen ist, die aber auch eine Hürde für innovative, also auch radikale Entwicklungen wirkt. Der Markt der Lehrmittel scheint insgesamt so stark in Bewegung zu sein wie noch nie. Digitale Endgeräte genauso wie die Digitalisierung der Unterrichtsmaterialien werden den zukünftigen Lehrbetrieb maßgeblich beeinflussen und die Rolle des Schulbuchs in der gedruckten Form relativieren. Mit der Einführung technischer Geräte ist es dabei nicht getan, es geht darum alle Beteiligten zu involvieren und ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln. Gefordert ist hier, auch als wesentlicher Finanzier der Lehrmittel und Ausstattungen an Schulen, die Bildungspolitik. Impulse zu setzen oder einzelne Leuchtturmprojekte zu fördern ist dabei sicher zu wenig. Von einem Lehrmittel der Zukunft ist also zu erwarten, dass Pluto darin kein Planet mehr ist sondern nur noch als Zwergplanet geführt wird – bis Forscher/innen neue Erkenntnisse oder Definitionen haben. Zudem erwarten wir, dass durch die Digitalisierung neue Vertriebswege und die Etablierung von offenen Bildungsressourcen schnell voran geht und Schulbücher und Arbeitshefte nicht mehr im Wortsinne jahrelang auf dem Rücken unserer Kinder in die Schule getragen werden. Literaturverweise • Peter Babnik, Johannes Dorfinger, Martin Ebner, Klaus Meschede, Ursula Mulley, Marc Widmer (2011). Technologieeinsatz in der Schule - Zum Lernen und Lehren in der Primärund Sekundärstufe. In: Sandra Schön & Martin Ebner (Hrsg.), Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien, URL: http://l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/article/view/47 Wagner, Wolf-Rüdiger (2004). Medienkompetenz revisited. München: kopaed, S. 170,

verweist dabei auf Petrat, Gerhard (1979). Schulunterricht. München. Statista (2012). Anteil von Schulen in Deutschland nach Ausstattung mit elektronischen Lehrmitteln im Jahr 2011, URL: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/180288/umfrage/ausstattung-von-schulen-mitelektronischen-lehrmitteln/

Zu den Autoren: Dr. Sandra Schön ist Erziehungswissenschaftlerin und forscht bei der Salzburg Research Forschungsgesellschaft in der Abteilung “InnovationLab” zum Lernen und Arbeiten mit dem Web und welche zukünftigen Änderungen zu erwarten sind. Das gemeinsam mit Martin Ebner herausgegebene Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (http://l3t.eu) ist eines ihrer Lieblingsprojekte. Mehr hier: http://sandra-schoen.de Univ.-Doz. Dr. Martin Ebner ist Leiter der Abteilung Vernetztes Lernen an der Technischen Universität Graz und ist dort für sämtliche E-Learning-Belange zuständig. Weiters forscht und lehrt er als Medieninformatiker am Institut für Informationssysteme Computer Medien rund um technologiegestütztes Lernen. Was sind die nächsten Entwicklungen und welche Mehrwerte ergeben sich für die Bildung? – Diese Frage interessiert ihn aus Sicht eines Forschers als auch eines Praktikers. Er bloggt unter http://elearningblog.tugraz.at