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Anleitung zur Fehlerrechnung

Grundsatzlich¨ ist jedes Meßergebnis mit einem Fehler behaftet. Das ge- messene Ergebnis weicht vom idealen, wahren Ergebnis ab. Es wird unterschieden zwischen Fehlern, die systematischer oder zuf alli-¨ ger Art sind. Dieser Unterschied soll anhand eines Beispiels der Langen-¨ messung mit einem Maßstab erklart¨ werden. Messung einer Lange¨ mit einem Maßstab:

Ein zuf¨alliger Fehler ware:¨

Ein systematischer Fehler ware:¨

Beschrankte¨

(Paralaxenfehler)

Ablesegenauigkeit

Messung mit fehlerbehaftetem

Maßstab (der z.B. eine zu kleine Langeneinteilung¨ besitzt)

Systematische Fehler haben eine bestimmte Große¨ und ein bestimmtes Vorzeichen. Sie konnen¨ also bei Kenntnis dieses Fehlers korrigiert werden.

Zuf alliger¨ Fehler: Werden bei einer Messung samtliche¨ Korrekturen an- gebracht und alle systematischen Fehler ausgeschaltet, so wird das Meß- ergebnis infolge unubersehbarer,¨ st orender¨ Einflusse¨ und wegen der Un- zulanglichkeit¨ der subjektiven Beobachtung dennoch in einer Weise vom wahren Wert abweichen, die einer rein zuf alliger¨ Streuung entspricht und auf die nur die Gesetze der Statistik anwendbar sind. Bei einer einzel- nen Messung kann nicht angegeben werden, wie ihr Ergebnis vom wah- ren Wert abweicht. Lediglich bei sehr vielen Messungen derselben Gr oße¨ konnen¨ Aussagen uber¨ den wahrscheinlichen Wert der Gr oße¨ gemacht und damit Ruckschl¨ usse¨ auf die Fehler bei den einzelnen Messungen ge- zogen werden.

1 Berechnung des zufalligen¨ metische Mittel

Als Resultat einer Meßreihe, welche die Einzelwerte l 1 , l 2 , l 3 ,

Fehlers durch arith-

, l n , enthalt,¨

¯

wird das arithmetische Mittel l angegeben zu:

¯

l = 1

n

n

i

= 1

1

l i = n ( l 1 + l 2 +

+

l n )

(1)

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Die Standardabweichung

2 Die Standardabweichung

Bei genugend¨

ergibt sich eine Normalverteilung in Form der Gauß’schen Fehlerkurve:

großer Anzahl von Meßwerten ein und derselben Messung

Haeufigkeit der l−Werte l Messwerte l
Haeufigkeit der
l−Werte
l Messwerte l

Charakteristisch f ur¨ diese Kurve ist die Breite 2 σ zwischen den beiden

Wendepunkten der Kurve. Die Gaußsche Fehlerkurve ist dort auf 1/ l abgefallen. Man nennt σ (halbe Breite) die Standardabweichung. Unter der Voraussetzung vieler Messungen (großes n ) gilt f ur¨ die Standardab- weichung:

σ = ±

1

n 1

n

i

= 1

( l i

¯

l ) 2

(2)

Die Standardabweichung berucksichtigt¨ jedoch nicht, daß mit wachsen- der Zahl der Messungen die Differenz zwischen Mittelwert und ,,wahrem Wert“ kleiner wird.

2.1 Der mittlere quadratische Fehler

Je großer¨ die Zahl der Messungen, desto vertrauensw urdiger¨ ist der arith- metische Mittelwert. Dieser Tatsache wird Rechnung getragen, wenn man als Maß f ur¨ die Zuverlassigkeit¨ der Messung nicht die Standardabwei- chung σ , sondern den sogenannten mittleren statistischen Fehler σ m ver- wendet (Standardabweichung des Mittelwertes) ,

n =

σ

1

n ( n 1 )

n

i

= 1

( l i

¯

l ) 2 .

σ m =

Dieser ist abhangig¨

von der Anzahl der Einzelmessungen.

(3)

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3 Absoluter und relativer Fehler

Addiert man den absoluten Fehler zur mittleren quadratischen Abwei- chung, so erhalt¨ man das Ergebnis der Meßreihe:

¯

l ± l oder l 1 ± l

¯

l

l = σ m

(Ergebnis einer Meßreihe)

(4)

( l = absoluter Fehler)

(5)

¯

Den Quotienten aus absoluten Fehler l und Mittelwert l bezeichnet man

als relativen Fehler.

rel. Fehler = l

¯

l

Prozentangabe: l · 100 %

¯

l

(6)

4 Fehlerfortpflanzung

In vielen Fallen¨ ist die gesuchte Große¨ nicht direkt meßar, sondern muß mit Hilfe von zuganglichen¨ Großen¨ indirekt bestimmt werden. Der mittle- re quadratische Fehler der gesuchten Große¨ A l aßt¨ sich aus den mittleren

Fehlern der direkt gemessenen Großen¨ U , V , mein (absoluter Fehler)

berechnen. Es gilt allge-

Spezialf alle:¨

1. A = U m

A =

±

U A U 2 + V A V 2 +

,,Potenz“

(7)

Gemessen wird U mit ± U als absoluten Fehler. Dann gilt f ur¨ den relativen Fehler

(8)

A

A

±| m | U

U

=

2.

A = U · V , oder A = U / V

,,Produkt oder Division“

A

A

=

± U 2 + V

U

V

2

3. A = U + V , oder A = U V

,,Summe oder Differenz“

A = ± (U ) 2 + (V ) 2

(9)

(10)

12

Fehlerfortpflanzung

Fur¨ Produkte und Quotienten ist daher das Rechnen mit den relativen Fehlern, f ur¨ Summen und Differenzen das Rechnen mit den absoluten Fehlern bequemer. Auch wenn die einzelnen Gr oßen¨ U , V nur einmal gemessen werden, sollte dennoch der Fehler f ur¨ A nach der Fehlerfort- pflanzung berechnet werden. In diesem Fall sind f ur¨ die Fehler sinnvolle Abschatzungen¨ einzusetzen (z.B. die Ablesegenauigkeit der Meßinstru- mente).