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SZENE ❚ FRANKFURT ❚ COMMUNITY

Foto: mk
Ausgebrummt
Doch keine Bear- and Leatherdays 2009
Andreas Peppe war 2007 der letzte Mr Bär
Rhein-Main; wie schon 2008 können auch 2009
die Bear- and Leatherdays nicht stattfinden

Bis Anfang Dezember sah alles Location, dem Musiklokal im Party aus dem gesamten Bundes- nicht gefunden. "Sollte der Süd-
noch ganz gut aus: die Bear- and Südbahnhof: mehr als 400 Gäste gebiet und halb Europa kom- bahnhof bis 2010 umgebaut sein
Leatherdays, die zuletzt 2007 waren demnach nicht zugelassen men." Die Suche nach einer ge- - und die Hoffnung ist inzwi-
stattfanden, sollten Anfang April - davon betroffen waren Partys eigneten Location für 800 Gäste schen groß - werden wir auch
2009 ihr Revival erleben. Dann wie der Club78, Xtremeties und gestaltete sich schwieriger als gerne wieder im Südbahnhof
kam das Aus: "die Location, in eben auch die Bear- and Leather- erwartet: "Wir waren sogar be- veranstalten. Auch werden wir
der die Party 2009 stattfinden days. "Wir hatten in der Regel reit, auf die übliche Bühnenshow für 2010 nach alternativen Loca-
sollte, ging Anfang Dezember weit über 800 Besucher" meint und Live-Musik zu verzichten tions suchen. Natürlich denken
Konkurs" heißt es in der im Janu- Manfred zum gab-Magazin. und wollten sogar in zwei Loca- wir auch über neue Konzepte
ar herausgegebenen offiziellen "Wenn wir weiterhin im Süd- tions gleichzeitig feiern" meint nach" meint Manfred. Als Tipp
Pressemitteilung des Vereins. bahnhof veranstalten, müssten Manfred. Ein für Samstagabends empfiehlt der Verein die "Bear
Die Probleme begannen im weit über die Hälfte der Besu- genügend großer, bezahlbarer Lounge" im Luckys jeden ersten
Jahr 2007 mit den bau- und cher draußen bleiben. Das ist und technisch gut ausgerüsteter Samstag im Monat - die Party
brandschutzrechtlichen Auflagen sicher keine sinnvolle Regelung, Ort wurde nach der Pleite der wird tatkräftig von den Rhein-
für die ursprüngliche Beardays- zumal die Besucher unserer Alternativlocation für 2009 indes Main-Bären unterstützt. (bjö)

Treppauf, treppab
Saunawerk wird 5
Eiskristalle in der Sauna? Keine Angst: hier ist nicht die Heizung
Fotos: Saunawerk

ausgefallen, aber betritt man nach kurzem Klingeln den Eingangsbe-


reich des Saunawerk, steht man erst mal in einer schnuckeligen
Winterlandschaft. Wechselnde Deko ist ein bisschen das Stecken-
pferd von Betreiber Michael Stumpf, der im August 2004 die kurz
zuvor neu eröffnete Sauna als Betreiber übernahm. "Ich kam damals
gerade von einem längeren Auslandsaufenthalt zurück und hatte eigent-
lich gar nicht vor, den Betrieb übernehmen und länger in Deutsch-
land zu bleiben" erzählt er. Offensichtlich hat er sich aber richtig
entschieden, denn in diesem Jahr feiert das Saunawerk den fünften
Geburtstag. Spannend ist der Rundgang treppauf und treppab durch
die labyrinthartigen Gänge auf drei Ebenen mit den verschiedenen
Saunen, Räumen, Nischen und Etagen - zusammen rund 750qm, die
im Laufe der Jahre immer wieder leicht verändert wurden. Selbst ein
Unfall wie der Brand der 100-Grad-Sauna konnte genutzt werden,
um der Dampfsauna einen neuen, größeren Platz zu verschaffen. nutzen können" erzählt Michael. Der Schaumraum lässt sich gut
Dazu kommen ein Tepidarium, eine Trockensauna, ein Hamam, ein beim 5-jährigen Jubiläum einweihen, das im Februar mit einer Party,
ausgedehnter Ruhebereich mit Großbildleinwand und 14 Kabinen, Buffet, Verlosungen und weiteren Specials gefeiert wird. (bjö)
Solarium, eine Open-Air-Terrasse (dort wird im Sommer sogar
gegrillt), die Bar und als besonderes Special ein 11 Meter langes Saunawerk, Eschersheimer Landstr. 88, Frankfurt. Täglich ab 12 Uhr, Mo - Do bis 3, Fr, Sa + So
Schwimmbecken samt Whirlpool. "Ab Februar werden wir zusätz- durchgehend geöffnet. Eintritt 15 EUR, wechselnde Ermäßigungen wie Partner- oder Singletag,
lich eine Schaum-Area eröffnen, die wir auch als zweite Dampfsauna 5er-Karten etc. Große Geburtstagsfeier am Sa, 7.2. mit vielen Specials.

24 FEBRUAR 2009
Pionier der Altenpflege für
Lesben und Schwule
Walter Curcovic-Paul gestorben

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Der Frankfurter Pionier der Altenpflege für Lesben und Schwule,
Walter Curcovic-Paul, ist Anfang Januar an einem Herzinfarkt gestor- @
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ben. Er war verpartnert mit seinem Freund Ante. Curcovic-Paul I>8@:IH ).%+.&()%)%%
arbeitete in der Altenpflege und war von 1990 bis 2003 Leiter des K:G<zCHI><I:@DB7>I>8@:IH:G=tAIA>8=
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Alten- und Pflegeheims der Heilandsgemeinde in Bornheim. Sein
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eigener ambulanter Pflegedienst "LWP" musste Mitte 2007 Konkurs 9:C;G:>HI66IH68=H:CHDL>:9>:HI69I;G6C@;JGI6BB6>CJC996HA6C9=:HH:C#

anmelden, Anfang 2008 schied er im Streit mit den neuen Besitzern ItCO:G;gVcXZhXV8Vgdi^;DID9db^c^`BZciodh@DCO:EI$<:HI6AIJC<lll#hjg[VXZ#YZ

aus dem Unternehmen aus. Seine Maxime war "Pflegedienst gegen


die Stoppuhr" - in dieser Beziehung war er ein beinahe unerbitt-
licher Kämpfer für eine menschlichere Pflegepraxis versorgungs-
bedürftiger älterer Patienten, was sich angesichts der angespannten
finanziellen Lage des Gesundheitswesens als schwierige Aufgabe
mit beinah unüberwindbaren Problemen erwies. Dennoch setzte er
unter anderem als Mitglied der Gruppe "Die Würde des Menschen
ist unantastbar" gegen den Widerstand der Pflegekassen ein Sofort-
hilfeprogramm durch, mit dem - einzigartig in der Bundesrepublik -
die Stadt Frankfurt Demenzprojekte besonders fördert. Auch als
Schwuler war Walter Curcovic-Paul engagiert, zum Beispiel im Vor-
stand des Frankfurter LSKH. Populär in der Frankfurter Community
war er hauptsächlich durch sein Projekt "Altenpflegayheim", das
sich 1999 bundesweit erstmals mit der Frage nach angemessener
Pflege von Lesben, Schwulen und Transgender im Alter auseinander
setzte. Als erste Generation von Homosexuellen, die selbst Wegbe-
reiter der Schwulenbewegung waren und nicht ihr Leben lang ver-
steckt leben, lag es nun wiederum erneut an ihnen, die Emanzipa-
tionsarbeit für Lesben und Schwule im Alter - und damit den eigenen
Lebensabend - zu erarbeiten. "Wir gestalten unser Alter selbst" war
demnach auch das Motto des Projekts "Altenpflegayheim", das
professionell mit einer Bedarfanalyse und gefördert von lokalen
Politikern startete. Neben inhaltlichen Unstimmigkeiten (noch im
September 2008 schrieb Curcovic-Paul "Es besteht eine große Kluft
zwischen den lesbisch-schwulen Generationen. Es zeigte sich auch,
dass die meisten Initiatoren des Vereins eine zu idealisierte Vorstel-
lung zu diesem Projekt in die Diskussion warfen. Ob eine Pflege-
einrichtung für Homosexuelle und Transgender in Frankfurt ge-
wünscht und befürwortet wird, ist immer noch fraglich.") und
besonders die schwierige Suche nach einem geeigneten Gebäude
oder Grundstück ließen das Projekt letztendlich im Herbst 2008
scheitern - der Verein löste sich zunächst auf. "Für die Aktiven hat
sich die Sache einfach zu lange hingezogen. Am Ende hatten wir
immer weniger Mitglieder," erzählt Curcovic-Paul im Oktober 2008
dem gab-Magazin. Auch wenn das "Altenpflegayheim" nicht vollendet
werden konnte: ohne seine Vorarbeit wären viele bundesweite
Projekte, wie zuletzt der Wohnbereich hauptsächlich für Homosexu-
elle in Pflegeheim der Reha-West in Rödelheim, der bis Ende 2009
fertig gestellt wird, nicht möglich gewesen. Ein einflussreicher,
innovativer, kämpferischer und deswegen nicht immer einfacher
Ideengeber war Walter Curcovic-Paul. Im Alter von 51 Jahren wurde
er am 19. Januar 2009 in Frankfurt beerdigt. (bjö)

FEBRUAR 2009 25