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Standespolitik

Schule für die Selbstverwaltung:

AS-Akademie zu Gast in Koblenz

In einem zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang will die Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Pra- xismanagement (AS) ihre Teilnehmer für Aufgaben in der Berufspolitik und der Selbstverwaltung qualifizieren. Themen wie Freiberuflichkeit, Arbeits- und Sozialrecht, Gesundheits- politik und -ökonomie bis hin zu Europarecht und Rhetorik stehen auf dem breitgefächerten Lehrplan. Die Akademie steht unter Schirmherrschaft von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung. Die Kassen- zahnärztliche Vereinigung (KZV) Rheinland-Pfalz ist eine von 15 Trägerorganisationen.

Ende Oktober trafen sich die Teilnehmer des mittlerweile siebten Studienganges nun in Koblenz. Zu Gast in den Räumen der KZV Rheinland-Pfalz fand bei idealem Lernwetter – leichter Herbstnebel – der zweite Vorlesungsblock des zweiten Semes- ters statt.

der zweite Vorlesungsblock des zweiten Semes- ters statt. Dr. Michael Reinhard, stellvertretender KZV-Vorsitzender

Dr. Michael Reinhard, stellvertretender KZV-Vorsitzender (links), empfing den siebten Akademie-Studiengang um Prof. Dr. Burkhard Tiemann in Koblenz. Foto: Becker

Schwierige Materie verständlich erklärt

Eine übersichtliche und gut strukturierte Darstellung von ju- ristischen Themen, unterfüttert mit ausgewählten Beispielen für ein besseres Verständnis der schwierigen Materie, ist das Steckenpferd von Prof. Dr. Susanne Tiemann. Das stellte sie in ihrer Vorlesung zum Verwaltungsrecht eindrücklich unter Beweis. Es entwickelte sich daraus einmal mehr eine kurz- weilige Veranstaltung über die Unterschiede zwischen mittel- barer und unmittelbarer Staatsverwaltung, über Amtshaftung und Staatsaufsicht sowie die Unterschiede zwischen Körper- schaften und Anstalten des öffentlichen Rechts. Die Bedeu-

36 November/Dezember 2012

KZV aktuell

tung der Selbstverwaltung bis hin zu den Staatsprinzipien des Artikels 20 des Grundgesetzes wurden ebenso behandelt. Die Zeit reichte angesichts der regen Teilnahme und Diskussion kaum aus, alle Facetten zu beleuchten.

Den Schwerpunkt des ersten Vorlesungstages bestritt Dr. Michael Reinhard, stellvertretender Vorsitzender der KZV Rheinland-Pfalz. Er referierte zu den Wirtschaftlichkeitsprü- fungen nach § 106 SGB V und der Vorstellung des Prüfverfah- rens der KZV Rheinland-Pfalz – ein sehr interessantes und für jeden Zahnarzt relevantes Thema. Dr. Reinhard, als Zahnarzt mit Mathematikstudium prädestiniert für dieses analytische Thema, gab einen umfassenden Über- und Einblick in die Feinheiten der Prüfungssystematik.

Der anschließende kollegiale Abend, diesmal in einer Guts- schänke in Winningen, ist eine feste Größe am ersten Abend der AS-Studienblöcke. In lockerer Runde werden Erfahrungen aus den verschiedenen KZV-Bereichen ausgetauscht, Kon- takte geknüpft und gefestigt. Diese Begegnungen sind es, die die Teilnahme am AS-Studiengang weiter aufwerten.

Klippen des Arbeitsrechts

Der mit 13 Unterrichtsstunden gewohnt komplexe zweite Studientag startete mit einer Vorlesung zur Sozialpolitik von Prof. Dr. Susanne Tiemann. Sie spannte einen Bogen von der Definition der Sozialpolitik über den historischen Ursprung der Sozialgesetzgebung unter Bismarck und dessen Kaiser- licher Botschaft bis zum aktuellen Geschehen in der Sozial- politik sowie den bisher insgesamt 16 Kostendämpfungsge- setzen von 1978 bis heute.

Hochinteressant gestaltete sich der Vortrag von Diplom- Betriebswirt Jürgen Brämer zum Arbeitsrecht, der unter anderem darüber informierte, dass ein Ausbildungsverhältnis gleichzeitig ein Erziehungsverhältnis bedeutet und ab Aus- schreibung einer offenen Stelle eine vorvertragliche Sorg- faltspflicht entsteht. Die Strukturierung eines Bewerbungs- gesprächs, mit den juristischen Klippen und Fallstricken wie Fragen nach Gesundheitszustand oder Konfession, Alter und Familienplanung (Stichwort Diskriminierung) bis zu Mutter- schutz und Urlaubsrecht boten ausreichend Diskussionsstoff. Auch hier ließen rege Gespräche die Zeit sehr schnell ver- gehen. Alles in allem war es eine sehr informative und lehr- reiche Vorlesung des Arbeitsrechtlers Brämer.

Beitragssatzstabilität sticht kostendeckende Leistungserbringung

Den Höhepunkt des zweiten Tages gestaltete der Justiziar

der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Thomas

Muschallik. Er referierte zu den Grundlagen des Vertrags-

zahnarztrechts und der aktuellen Rechtsprechung. Sein Fazit:

Begründungen zu einem Gesetz sind fast wichtiger als der

Gesetzestext selbst. Der in der Rechtsprechung des Bundes-

sozialgerichts alles bestimmende Grundsatz der „Finanziellen

Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung“ heißt über-

setzt für uns Zahnärzte: Wir haben keinen Anspruch auf kos-

tendeckende Leistungserbringung. Ernüchternd, aber wahr!

Beschlossen wurde die Vortragsreihe durch Hartmut Thimm

von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank zum Thema

Finanzierung und Liquiditätssicherung in der freiberuflichen

Praxis.

Viele Absolventen früherer AS-Studiengänge halten untereinan-

der in der Vereinigung der Alumni Kontakt. Deren diesjähriges

Treffen fand erfreulicherweise im Rahmen des Koblenzer Stu-

dienblocks statt, so dass die Teilnehmer Gelegenheit hatten,

sich am Abend in geselliger Atmosphäre mit vielen Kollegen

und AS-Absolventen aus dem ganzen Bundesgebiet auszu-

tauschen.

Feminisierung auf der Tagesordnung

Mit einem für den Berufsstand aktuellen Thema begann Tag

drei des zweiten Vorlesungsblocks: die Herausforderungen

und Perspektiven der zahnärztlichen Berufsausübung im Zei-

chen der Feminisierung. Die Leiterin des Geschäftsbereiches

Kommunikation der Bayerischen Landeszahnärztekammer

(BLZK), Isolde M. Th. Kohl, präsentierte Ergebnisse einer von

der BLZK durchgeführten Studie. Alle in Bayern tätigen Zahn-

ärztinnen wurden angeschrieben. Mit einer Rücklaufquote

von 30,6 Prozent war die Befragung durchaus repräsentativ.

Ihre wichtigsten Ergebnisse: Zahnärztinnen haben vor allem

Hätten Sie’s gewusst? Zur Wirt
Hätten Sie’s
gewusst?
Zur Wirt

Zur Wirtschaftlichkeitsprüfung nach

§ 106 SGB V werden im Bereich der

KZV Rheinland-Pfalz in jedem Quartal bis zu 13.000

Einzelfälle aus zwei Prozent zufällig ausgewählter

Praxen im Auftrag der Prüfungsstelle von 44 sach-

verständigen Zahnärzten gesichtet.

von 44 sach- verständigen Zahnärzten gesichtet. Drei Tage konzentriertes Arbeiten im Zahnärztehaus Koblenz.

Drei Tage konzentriertes Arbeiten im Zahnärztehaus Koblenz. Foto: Menges

Schwierigkeiten, Selbstständigkeit und Familienplanung mit-

einander zu vereinbaren und sie sehen ihre Kinder wegen

ihres hohen Arbeitspensums in der Praxis besonderen Belas-

tungen ausgesetzt. Geeignete Krippenplätze und Betreuungs-

angebote fehlen vielerorts. Die lebhaften Diskussionen aller

Akademieteilnehmer über die Studienergebnisse zeigten, wie

sehr das Thema den Berufsstand bewegt.

Den Abschlussvortrag am Samstag hielt Prof. Dr. Wolfgang

Schwarzer, Professor für Sozialmedizin und Psychiatrie an

der Katholischen Hochschule in Köln. Er gab einen umfassen-

den Einblick in die Sozialmedizin inklusive ihrer historischen

Wurzeln. Genannt sei hier exemplarisch Rudolf Virchow, der

die Bedeutung von gesundheitspolitischen Maßnahmen für

die Volksgesundheit erkannte. So engagierte er sich für

grundlegende Hygienemaßnahmen, eine verantwortungsbe-

wusste Sozialpolitik, für die Schaffung kommunaler Kranken-

häuser, Parks und Kinderspielplätze. Ein äußerst interes-

santer Vortrag mit vertiefenden Dialogen zwischen Referent

und Akademieteilnehmern.

Das Fazit aus drei Tagen in Koblenz: Wissenserweiterung in

vielen Bereichen, verbunden mit einem herzlichen Dank an

die KZV Rheinland-Pfalz für die perfekte Organisation.

Dr. Ulrike Stern

dentTV – Magazin zu Ga
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bei der AS-Akademie

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