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ETJROPAISCHESPARLAMtrNT Petitionsausschuss 19.0t.2009 ARBEITSDOKUMENT
ETJROPAISCHESPARLAMtrNT
Petitionsausschuss
19.0t.2009
ARBEITSDOKUMENT
zumThema,,AngeblichdiskriminierendeundwillktirlicheMaßnahmenvon
InstanzenderKinder- und Jugendhilfein bestimmtenMitgliedstaatenund
insbesonderederJugendämterin Deutschland"
Petitionsausschuss
MarcinLibicki, Vorsitzender
PE418.136v01-00
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1. EINLEITT]NG Beim PetitionsausschussdesEuropäischenParlamentsist eine sehrgroßeZa}dvonPetitionen und
1. EINLEITT]NG
Beim PetitionsausschussdesEuropäischenParlamentsist eine sehrgroßeZa}dvonPetitionen
und Untersttitzungsschreibeneingegangen,die angeblichdiskriminierendeund willkürliche
Maßnahmenvon Instanzender Kinder-'und Jugendhilfein bestimmtenMitgliedstaatenund
insbesondereder Jugendämterin Deutschlandbetreffen.Letüere stehenim Mittelpunkt
unsererAusführungen.'
Diese Petitionenlassensich besondersschwer beurteilen,weil jeder einzelneFall größtes
Fingerspitzengefühlerfordert. Selbstwenn ganzkonkreteVorwürfe erhobenwerden,kann der
AusschussaufgrundmangelnderInforniationen von anderenBeteiligten keine absoluten
Schlussfolgerungenziehen.Von größterWichtigkeit ist daherfür alle Petentendie
Erkenntnis,dassder Petitionsausschusskein Ersatzflir die zuständigenRechtsprechungs-und
Normenkontrollorganeseinkann. Er kann auchdenUmfang desvon denPetenten
dargelegtenProblemsnicht genaueinschätzenund dahernicht von einem systembedingten
Versagensprechen.Andererseitsist festzuhalten,dassdie Arbeitsweiseder Jugendämter
tatsächlichvon vielen europiüschenBürgern mit großerSorgebetrachtetwird und dasssich
daherdie zuständigenBehördenauf nationaler,regionalerund kommunaler Ebene - darunter
-
auch die zuständigenBundestagsausschüsse
auseinandersetzenmüssen.
dringendmit dieserThematik
Der Petitionsausschussbefasstsich entsprechendseinerGeschäftsordnungmit
Angelegenheiten,die in die Tätigkeitsbereicheder EuropäischenUnion fallen. Seine
Zuständigkeitenbeziehensich daherauf die BestimmungendesVerhags, die die Grundrechte
der Bürger Europasbetreffen,auf mögliche Fiille von Diskriminierung ausGründender
Nationalität, Herkunft oder Spracheund auf die Auslegungder Anwendung von EU-
Rechtsaktendurch die einzelstaatlichenBehörden.Dabei ist stetszu beachten,dassallein der
EuropäischeGerichtshofbefugt ist, in diesenAngelegenheitenverbindliche Entscheidungen
über die Auslegwrg desGemeinschaftsrechtszu treffen.
Fernermussder Petitionsausschussberücksichtigen,dasssich die Petentenzum Teil deshalb
in so gtoßerZüil an ihn gewandthaben,weil sie von denzuständigendeutschenBehörden
keine zufriedenstellendenErklärungen erhielten.Nur in einemder Fälle, die der Ausschuss
bisher bearbeitethat, sprachendie zustlindigendeutschenBehördendem Petenteneine
ftirmliche Entschuldigungwegen diskriminierender Maßnahmengegensein Kind aus.
UnterschiedlicheKategorienvon Petitionen
Die Petentenhabensich teils einzeln an den Ausschussgewandtund teils durch ihre
Unterschrift organisierteKampagnenunterstützt,bei denenoft vehementeProtestegegendas
Systemder Jugendlimtervorgebrachtwerden.
Eine großeGruppevon Petitionenbetrifft präziseund spezifischeVorwärfe gegendie
t Im Jahre2008 gingen 34 neue Petitionen ein, die die Jugendämterbetafen. Darüber hinaus erhielt der
Ausschuss jedoch seit 2006nebenEinzelpetitionenauchHundertevon Schreibenzu konkretenFällen,die er
7rparzrr Kennbrisgenommenhat, auf die er aber ausVerfahrensgründenaish singehenkonnte.Darausergibt
sichdieBedeutungdesvorliegendenDokuments.
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deutschenBehördenwegenDiskriminienrng nichtdeutscherEltern ausgeschiedenen binationalenEhen beim begleitetenUmgangmit
deutschenBehördenwegenDiskriminienrng nichtdeutscherEltern ausgeschiedenen
binationalenEhen beim begleitetenUmgangmit ihren Kindern. Die Petentenerklären,dass
sich dasProblem der Diskriminierung ausdenüblichen Verfahren der Jugendämterergibt, die
es für nichtdeutscheEltern schwierig oder gar unmöglich machen,denKontalt zum Kind zu
halten.Von Petenten,denenlediglich ein begleiteterUmgang gewtihrtwurde, wird besonders
heftig kritisiert, dassdie anwesendenVertreter desJugendamtsbei denTreffen mit den
Kindern regelmäßig darüber wachen, dassdas Elternteil mit dem Kind Deutsch spricht- Wenn
der Umgangsbegleiterdie von Elternteil und Kind gesprocheneSprachenicht versteht,wird
dasGesprächunterbrochenund,derVater oder die Mutter zum Gehenaufgefordert.Den
eingegangenenPetitionennachzu urteilen tritt eine solcheDiskriminierung besondersdann
auf, wenn ein Elternteil Potnischspricht,obwohl es in zahlreichenFällen auchum
Französischund andereSprachengeht.
Eine zweite Gruppevon Petitionenbetrifft Fälle, in denenKinder auf Beschlussdes
Jugendamtesvon denEltern getrenntwurden,weil dieseangeblichphysischoderpsychisch
nicht in der Lage sind, die Verantwortung für die Erziehung zu übernehmen.Natürlich kann
ein parlamentarischerAusschusswederdie betreffendenVorwtirfe verifizieren noch die
psychologischenoderpsychosozialenBegründungenfür die betreffendeEntscheidung
nachprüfen.Er kann lediglich feststellen,dassin denFällen, in denendie Petentendie
Begründungenanfochten,in Deutschlandoffenbar keine Lösung auf dem normalen
Verfahrenswegherbeigeführtwerdenkorurte.
Die dritte und größteGruppevon Petitionenbetrifft verschiedenePrahiken der Jugendämter,
die nachMeinung der Petentenimmer wieder gegendie Europäische
Menschenrechtskonventionund gegendie EU-Prinzipien der Achtung der Grundrechteund
der RechtedesKindes verstoßen,weshalbdie PetentendasEuropäischeParlamentersuchen,
einzugreifenund für die Abschaffung der Jugendämterzu sorgen.
Der Petitionsausschusshat diesePetitionenmehrmalsgemeinsammit den Petentensowie mit
Vertretem der EuropäischenKommission und der deutschenBehördenerörtert.Arn2z.März
2007 traf sich eine DelegationdesPetitionsausschusses,die von einigenPetentenbegleitet
wurde, mit Vertretern der deutschenBehördenin Berlin, daruntermit Dr. ReinhardWiesner
vom Bundesministeriumfür Familie, Senioten,Frauenund Jugendsowie AndreasHilliger
vom Ministerium für Bildung, Jugendund Sport desLandesBrandenburg.Letrtete räumten
ein, dassgewisseUnzulänglichkeitenbei einigenkomplizierten Einzelftillen nicht
auszuschließenseien.DiesesProblemwerdenun von denLandesregierungendurch eine
Verbesserungder Ausbiidung der Bea:ntenangegangen'
Bei dem Treffen mit dem Petitionsausschussan7. Juni 2007 gabendie deutschenBehörden
im Beiseinvon PetentenweitereErläuterungerrrnihrem Standpunkt.Gila Schindlervom
Bundesministeriumfür Familie, Senioren,Frauenund Jugendunterstrichdie Integrität des
deutschenFamilienrechtssystemsin Bezugauf die Rechteder Kinder und der Eltem
urabh?ingigvon derenNationalität, erkannte jedoch an,dassin einigenvon denPetenten
vorgebrachtenFällen die Beamtender JugendämtereinenMangel an Professionalität
erkennenließen.
Der Vertreter der EuropäischenKommission erklärtebei dieserZusammenlcunft,dasses sich
um einekomplexe FragedesnationalenRechtsmit potenzieller europäischerDimension
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handeleund dassbestimmtevon denPetentengeschildertePraktiken der Jugendäimter tatsächlichals diskriminierendesVerhalten
handeleund dassbestimmtevon denPetentengeschildertePraktiken der Jugendäimter
tatsächlichals diskriminierendesVerhalten seitensder betreffendenBeamtenangesehen
werden könnten.
2. RECIITLICHER
RAHMEN
Die RechtedesKindes sind festerBestandteildeseuropäischenRechts,wie ausArtikel 24 der
Europäschen Chartader Grundrechtehervorgeht.Überdies soll die am 1. Mär22005 in Kraft
getreteneneueBrüssel-Il-Verordnung insbesonderegewährleisten,dassnach einer
EhescheidungdasRecht desKindes auf Kontakt zu beidenEltemteilen gewahrtwird, auch
wenn diesein verschiedenenMitgliedstaatenleben.
Um der entstandenenSituation Rechnungnttragenund die europäischenund nationalen
Rechtsgrundlagenzu verdeutlichen,wurde in Zusammenarbeitmit der zuständigen
Fachabteilung(FachabteilungC - Bürgerrechteund Verfassungsfragen)ein interner
Informationsvermerküber Bestimmungenzur Regelungder Ausübung der elterlichen
Verantwortung in Deutschlanderarbeitet. I
3. DISKRIMINIERUNG
AUS GRI]NDEN
DER NATIONALITAT
Viele Petenten2gebenan, dassdasProblem der Diskriminierung ausGrtinden der Nationalität
eineFolge der Verfahrensweiseder deutschenJugendämtersei, die bei Trennungbinationaler
Ehen dennichtdeutschenEhepartnerdiskriminieren, indem sie ihm in Fällen, in denen
lediglich ein begleiteterUmgang gestattetwird, den Kontakt zum Kind erschwerenoder gar
unmöglich machen.Bei den Treffen wacheder Vertreter desJugendamtsdarüber,dassder
betreffendeElternteii mit dem Kind Deutschspricht. Falls dasKind oder der Elternteil eine
Spracheverwende,die der Umgangsbegleiternicht versteht,werde dasGespräch
rucksichtslos unterbrochen.
Außerdemdrohtendie BeamtendennichtdeutschenElternteilen an,dassdie Nichtbefolgung
ihrer Anordnungen ein Umgangsverbotzur Folge habenwerde,und in einigen Fällen seien
dieseDrohungentatsächlichwahrgemachtworden. Die Petentenerkläiren,dasJugendamt
begründeseineEntscheidungendamit, dasses ausfachlicher pädagogischerSicht nicht im
lnteressedesKindes liege, bei denTreffen mit den Vertretern desJugendamtseine
Fremdsprachezu verwenden.Für dasKind sei esfürderlich, seineDeutschkenntnissezu
entwickeln, da es in Deutschland aufivachseund dort zur Schule geheoder gehenwerde.
Die Petentenweisendarauf hin (und Fachleutebestätigendies), dassdie Sprachebeim
Umgang mit einem Elternteil, der mit dem Kind von Geburt an in seinerMuttersprache
kommuniziert hat, eine entscheidendeRolle spielt. Auf der Grundlageder Spracheentwickle
sich zwischendem Kind und dem nichtdeutschenEltenrteil eine emotionaleBindung, die
durch dasMedium dieserSpracheimmer weiter gefestigtwerde. Die Bindung zwischenKind
und Eltern sei daswichtigste Kriterium ftir das,,Kindeswohl". Hinter dem Wunsch, mit dem
t
BriefingNote,Januar2003(PE393.276).
2petirionen 3812006,71212006,71312006,848D006,84912006,1008/2006undandere.
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eigenenKind - auchbeim begleitetenUmgang - in der Muttersprachezu sprechen,stehe daher der Wunsch nach Aufrechterhaltung
eigenenKind - auchbeim begleitetenUmgang - in der Muttersprachezu sprechen,stehe
daher der Wunsch nach Aufrechterhaltung der emotionalen Bindung zum Kind.
Die Petentenunterstreichen,dassdasvom Jugendamt ,,verharmloste" Verbot der Verwendung
einer anderenSpracheals DeutschgravierendeFolgen habe.Es beeinträchtigedie Bindung
zwischen dem nichtdeutschenElternteil und dem Kind und könne ein gerichtlich verhängtes
Umgangsverbotzur Folge haben,wenn sich der Elternteil als,,ungehorsam"erweist.
Fernerführen die Petentenaus,dassselbstAnträge entschlossenerEltern auf Durchführung
von Treffen bei einem zweisprachigenFamiliendienstabgelehntwurden, ebensoAnträge auf
EinschaltungeinerFachkraftmit entsprechendenSprachkenntnissenfür die Teilnahme an
Treffen zwischenElternteil und Kind. Die Jugendäimterbrächtendie verschiedenstenGründe
und Umstäindezuihrer Rechtfertigungvor, angefangenvon dem Vorwurf an die Eltern, dass
sie ihre fließendenDeutschkenntnissebeim Umgang mit dem Kind nicht nutzten,bis hin zu
der Erklärung, dassdie Amter nicht über die nötigen Voraussetzungenverfügten,um ein
Treffen mit dem Kind in der betreffenden Sprachezu ermöglichen.
Wie die Petentenaußerdemerklärten,hat UnnachgiebigkeitdesnichtdeutschenElternteils in
Extremfüllen die Aberkenmrngder elterlichenRechtezur Folge. Durch eine derart
,,unmenschliche" Vorgehensweisewürden die Rechteder Eltern und Kinder mit Füßen
getreten.Nach Aussageder Petentensetzendie Jugendämtermit harterHand durch, dassdie
Kinder deutschsprachigaufivachsen,und verstoßendabei,ohnezu zögern,gegenden
Grundsatzder Nichtdiskriminierung, was die Herkunft und Spracheanbelangt.Es seienalso
die Jugendämterund nicht die Eltern, die mit ihren EntscheidungendasKindeswohl
übergehen.
Andere Petentenlwiederum beschwerensich darüber,dassfür Kinder ausländischerFamilien,
die vorübergehendin Deutschlandleben,wederHaus- noch Fernunterrichtgestattetwerde,
was eineDiskriminienrng aus Gründender Nationalität darstelle.Im Europäischen
Forschungsraumwrirden mehr und besserausgebildeteForscherund anderehochqualifizierte
Fachleutebenötigt, die berufsbedingthäufig umziehenmüssenund nattirlich ihre Familien
mitnehmenmöchten.Da dasdeutscheSchulsystemdie pädagogischenBedrirfirisseihrer
Kinder nicht
befriedige,suchtensienach Bildungsalternativen;diesgelte jedoch als
rechtswidrig und habezur Folge, dassdasJugendamtdenEntzug der Kinder androhe.
4. ANGEBLICHE
PITYilSCH
ERZIEIIUNGSUIIFAIIIGKEIT
ODER PSYCHISCH BEDINGTE
VON ELTERN
Etliche Petentengebenan, dassdie Jugendäimterihnen die Kinder ohne Vorwarnung mit der
Begründungentzogenhätten,dassdie Eltern physischoderpsychischnicht in der Lage seien,
ihre Erziehungsverantwortung wahrzunehmen. Oft sttitzten die Behörden ihre Entscheidungen
nicht auf Fakten, sondernauf subjektive Eindrücke und Vorurteile. Dies werde besondersim
Falle von Krankheiten praltiziert, derenDiagnoseoderTherapiein der Fachwelt umstritten
sind. Dies geltez. B. für die Lyme-Krankheit @orreliose), dasAufrnerksamkeits-Defizit-
Syndrom (ADFD) oder daswissenschaftlich stark umstrittene Mänchausen-Stellvertreter-
I Petitionen47712007tnd744?007.
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Syndrom(MSbP) (bewusstherbeigeführteKrankheit). Auf dem internationalenSymposium ,,Deutsche Jugendämterund die
Syndrom(MSbP) (bewusstherbeigeführteKrankheit). Auf dem internationalenSymposium
,,Deutsche Jugendämterund die europäischeMenschenrechtskonvention"arn20-l2L Olctober
2007 nBarnbergl wurde eineReihe solcherFälle, die auch Gegenstandvon Petitionen
warerf, diskutiert.
Einer dieserFälle wurde an den EuropäiischenGerichtshoffür Menschenrechteverwiesen.3
Der Gerichtshofbefand einstimmig, dassein Verstoß gegenArtikel 8 @echt auf Achtung des
Privat- und Familienlebens)der EuropäischenMenschenrechtskonventionvorlag, und sprach
denBeschwerdeführerngemäßArtikel 4l der EMRK (GerechteEntschädigung)eine
Entschädigungfür den erlittenen immateriellen Schadensowie fi.ir Kosten und Auslagen zu.
Fernerwies er die deutschenBehördenan, der Familie unverzüglich die Kinder
zurückzugeben,doch können bislang nur zwei der siebenKinder wieder bei denEltern leben.
Einem der Kinder hatte dasJugendamtgesagt,dassdie Eltern tot seien;ein anderesbeging
späterSelbstmord.
Einer anderenFamilie hatte dasJugendamtzwei der Kinder entzogenrurdin Pflege gegeben.
Der Mutter wurde unterstellt,dassbei ihr MSbP vorliege, obwohl die Krankheit ihrer beiden
Söhne(Zöliakie bzw. Epilepsie) ?irztlichnachgewiesenwar.
Nach zweijährigem zähemRingenkonnten die Kinder zu ihren Eltern zurückkehren,doch
war einer der Söhnewäihrendder Pflege sexuellmissbrauchtworden.
ln ihrem Gutachtenzu diesemFall, der Gegenstandvon Petition 15112007war und beim
intemationalenSymposiumin Bambergzur Sprachekam, erklZirtedie australische
medizinischeAnthropölogin Dr. Helen Haylvard-Brown, dies sei einer der schwerstenFälle
einerftilschlichenMBP-Anschuldigung durch Behörden,die sie in ihrer zehnj?ihrigen
Forschungsarbeitüber diesesThema erlebt habe.
5. DIE EUROPAISCIü
MENSCHENRECHTSKOI{\{ENTION
UND DIE
GRI]NDRECHTSPRINZIPIEN
DER EU
Am größtenist die Gruppeder Petenten,die vortragen,dassdie deutschenJugendämterund
Sozialbehördendie ihnen vom StaatverlieheneMacht missbrauchenund gegendie Bürger-
und Menschenrechteverstoßen.Dies gelte nicht nur für den Umgang mit nichtdeutschen
Elternteilenbinationaler Kinder, die in Deutschlandleben,sondernauchfür den Umgang mit
im Ausland lebendenElternteilen bei grenzüberschreitendenSorge-und
Umgangsrechtsstreitigkeiten.Einige Beschwerdenbetreffen auch die Weigerung deutscher
Behörden,die VaterschafteinesausländischenVaters anzuerkennen.-
ZahheichePetenten5erkkiren, dassdasJugendamtüber eine grenzenloseMacht verfüge; dass
esoffiziell dem Schutzder Jugenddiene,in Wirklichkeit jedoch die Kinder alleinstehender
Mütter unter die Kontrolle desStaatesstelle,um sie im Sinne der deutschenVerwaltung zu
erziehen.Das Jugendamtsei eine Institution, die in keiner anderendemokratischenNation
t
Siehe:http://deutsche-jugendamt.blogspot.com/2007111/bamberg-declaration.html.
t
Mipetitionen, die unterPetition 38/2006undPetition 15112007registriertwurden.
'
HaasegegenDeutschland(IndividualbeschwerdeNr. I 1057/02).
4
Petition450/2006undandere.
t
,Betition der 10Eltem"; siedientealsMusterfür eineVielzahl von Petitionen.
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existiere.Es fungiere als ,,Wächteramt" und bewachedie Einhaltung deutscherWerte. Andere
existiere.Es fungiere als ,,Wächteramt" und bewachedie Einhaltung deutscherWerte.
Andere Petentenmachengeltend,dassdie Mitarbeiter desJugendamtsdie Stellung eines
einnehmen.Sie wirkten in allen Familienrechtsverfahrenmit und besäßen
,,drittenFlternteils"
mehr Rechteals
die Eltern selbst.Sie wtirden dem Richter Schutzmaßnahmenvorschlagen'
Sie sähensich alsHüter desdeutschenKindeswohls, wobei dasKindeswohl als dasWohl des
Kindes im Sinne der deutschenNation und der Schutzim Sinnevon Sicherheit (Schutz
deutscherWerte) verstandenwerdenmüsse.Sich gegenMitarbeiter dieserBehördezu stellen,
sei aussichtslosund bergeGefahr.Die Jugendämterwtirden denEltern permanent
unterschwelligmit dem Entzug desUmgangs-oder Sorgerechtsdrohenund hättendie Macht,
diesmit oder ohne Gerichtsentscheidungdurchzusetzen.
Viele Petentenbetonen,dassdasJugendamtim Falle binationalerPaarefolgende spezifische
Ziele verfolge:
.
JedesKind ist am verlassendesdeutschenGebietszu hindem.
.
Die Übertragung des alleinigen Sorgerechtshat sofort, die der elterlichen Sorge
mittelfristig auf dendeutschstämmigenElterntetl nt erfolgen.
.
Kinder sind vor der Pflege ihrer zweiten Kultur und Sprache nr bewahren.
Umgang und Kontal1 zum nichtdeutschen Elternteil sind mit demütigenden
Maßnahmen zu hindern. Die nationale ,,Säuberung" ist mit der Fortführung von
Uneinsichtigkeit
ist
der
ausländische
Rechtsverfahren sicherzustellen. Bei
Elternteil zu bedrohenund strafrechtlichzu belangen.
o
Unterhaltszahlungen sind in das deutsche Gebiet z\L holen. Ausstehende
Forderungen sind einzuziehen, wenn die Kinder groß sind, also wenn der
Rechtsanspruchder nichtdeutschenEltem auf ihre Kinder erloschenist.
.
Die vom Jugendamtüber sie erhobenenDaten und geführtenUnterlagen sind den
Eltem durch denDatenschutzzu verbergen-
Den Petentenzufolge ist dasJugendamteinepolitische Behörde,derenwillkürliche Macht
und Verflechtung mit der Justizbehördewedermit den Regeln desuniversell geltenden
Rechtesnoch mit den GrundfreiheitendesIndividuums vereinbarsind.Ihre
Handlungsprinzipien,die auf Einseitigkeit und Nationalismus beruhen,sind unvereinbarmit
dem europäischenGedankenund mit der Regel: ,,Bei allen Kinder betreffendenMaßnahmen
öffentlicher oder privater EinrichtungenmussdasWohl desKindes einevorrangige
Erwägungsein."
6.
Am2l.April
2008 begabensich eineMutter und ein Vater, derenKinder durch denanderen
Elternteil entführt worden waren, zustilnmen mit zahlreichen weiteren Eltern und Vertretern
internationalerVereine unter dem Slogan,,AccessDenied" (Umgang verweigert) auf einen
Protesftnarschvom EuropäischenParlamentin Brüsselzum Parlamentssitzin Straßburg,wo
sie am 21. Mai eintrafen.LaStraßburgtrafen sie sich mit Vertretem desEuropäischen
Parlamentsund übergabendem VorsitzendendesPetitionsausschusses,Marcin Libicki, 11206
Unterschriften zur Uitersttitzung der,,Accessdenied-Petition"l, in der die Petentengegendie
1 Petitionen519/2008,134612008undandere-
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Mlingel bei der Anwendung desFamilienrechtsnicht nur in Deutschland,sondernauch in anderenEU-Mitgliedstaatenwie Belgien,
Mlingel bei der Anwendung desFamilienrechtsnicht nur in Deutschland,sondernauch in
anderenEU-Mitgliedstaatenwie Belgien, Frankreichund denNiederlandenprotestierten.
Auch Petentenausder Schweizwaren dabei.
SCHLUSSF'OLGERI]NGEN
T]ND EMPFEHLUNGEN
Das vorliegendeDokument soll die Aufmerksamkeit auf einbedeutendesProblem lenken, auf
dasvor allem die nationalenBehördenreagierenmüssen.Die Verantwortung flir Fragendes
Kindeswohls liegt letztlich bei denMitgliedstaaten,die durch ihr politisches Systemund
durch die allen Bürgem zur Verfügung stehendengerichtlichenRechtsbehelfeüber die
nötigen Voraussetzungenverftigen.Auch die EuropäischeUnion hat Pflichten, die in den
Verträgenklar festgelegtsind und mit grundlegendenPrinzipien im Hinblick auf die Achtung
der Integrität der Person,darunternattirlich auchder hilfsbedürftigstenPersonen,
einhergehen.Die Mitgliedstaatenhabendie klare Verpflichtung, dafür zu sorgen,dassdie
Bärger EuropasohneFurcht vor Diskriminierung lebenkönnen, insbesondereohneFurcht vor
Diskriminierung durch ihre nationalen,regionalenoderkommunalenVerwaltungen.Dies
erfordert eine bessereAufsicht - auchdurch die gewähltenVertreter auf allen Ebenen - sowie
strengereSchutzmaßnahmenals derzeitvorhanden,was FragendesKindeswohls und den
potenziellenMissbrauchvon Kinderrechtenoder Rechtenund Pflichten der Eltem angeht.
Darüberhinausrichtet sich die vorliegendeEmpfehlung nicht nur an eineneinzelnen
Mitgliedstaat, sondernan alle.
Es stehtvöllig außerZweifel, dass jede Petition, in der sich betroffeneEltern über deutsche
Jugendzimterbeschweren,einenpersönlichenAppell für Gerechtigkeitdarstelltund zugleich
Ausdruck tiefer Verzrveiflung ist. Es trifft auchzu, dassder Petitionsausschussderartige
Appelle von Eltem erhaltenhat, die dasGefühi haben,dassihnen insbesonderedie
Jugendämterdasverweigern, worauf sie Anspruch haben - darunter eine faire und
ausgewogeneBehandlungdurch die Beamten.Er hat keinerlei Schreibenvon Personen
erhalten,die eineandereEinschätzunghaben.Der Ausschusshat auchkeine Jugendäimter
aufgesucht,um die Sachverhaltevor Ort nachzuprüfen.Dies ist Aufgabe der deutschen
Behörden.
Unter diesenUmständenist esnicht angebracht,ein administrativesSystemeines
Mitgliedstaatszu kritisieren oderzu verurteilen.Ebensounangebrachtwäre es jedoch, sich
nicht der Tatsachezu stellen,dasses offenbar infolge von Diskriminierung aufgrund der
ethnischenZugehörigkeit,Nationalität oder Sprachezu sehrzahlreichenVerstößengegon
Elternrechtegekommenist, gegendie anscheinendnichts unternommenwurde. In fast allen
Fällen, mit denensich der Petitionsausschussbefassthat, wurden dadurchdie Interessendes
Kindes verletü
Überdiesscheinteseine
gängigePraxis zu sein,denEltern dasRecht zu
verweigern,mit ihren Kindern in der Muttersprachenr sprechen.Hinzu kommt, dassden
eingegangenenZeugenaussagenzufolge die BehOrdendie Auswirkungen dieserPraxis auf
dasKind und seineemotionaleStabilität herunterspielen.
o An alle Jugendämtermüssenklare Leitlinien und Anweisungenausgegebenwerden,
die sie an ihre Verantworhmg und an die Grundrechte der ihnen anverhauten Eltern
gnd Kinder erinnern. Sicherlich dtirfte die große Mehrheit der Jugendämterkeine
derartigen Anweisungen benötigen, da sie bereits nach diesen Grundsätzen arbeiten,
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doch offensichtlich gibt es auch einige Amter, die ausdrticklichauf ihre Pflichten gegenüberallen
doch offensichtlich gibt es auch einige Amter, die ausdrticklichauf ihre Pflichten
gegenüberallen Parteienhingewiesenwerdenmüssen.
o
Bei Elternbesuchenin einem institutionellen Umfeld sollten die betreffenden
Behördenalle Elternsprachenbedingungslosakzeptierenund tolerieren.
.
Alle Eltern sollten von den Jugendlimtern über ihr Recht auf Einspruch gegen
Entscheidungensowie darüberinformiert werden,unterwelchen Bedingungensie
Einspruch erhebenkönnen.
.
Alle Mitgliedstaatensollten auf nationalerund regionalerEbeneeine stärkere
demokratischebzw. parlamentarischeKontrolle der lnstanzender Kinder- und
Jugendhilfefürdern und damit den Brirgern Gelegenheitgeben,nfier vor Ort nach
wirksamen Lösungenzu suchen.
r
Es sollten aktive Maßnahmenzur Förderungeiner engerenbilateralen
Zusammenarbeit zwischen den Instanzen der Kinder- und Jugendhilfe der
Mitgtiedstaatenergriffen werden,um die Abstimmung und Verständigungzwischen
den zuständigenBeamtenzu fürdern und so einedem Wohle desKindes dienliche
Entscheidungsfindungder zustäindigenBehörden z:tLermöglichen.
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