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Nr. 1 27. Dezember 2012 Seite 24 D ie Ta lkshowgäste 2012 D Die ie

Nr. 1 27. Dezember 2012

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L'INVITATION AU VOYAGE - LE LOUVRE - AUF LOUISVUITTON.COM

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S Seit eit 3 35 5 J Jahren ahren f fliegt liegt d die ie
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Nr. 1 In dieser Ausgabe

CORBIS; ESA / NASA; GETTY; NASA

6

Harald Martenstein bezahlt zwar seine Stromrechnung, versteht aber nicht, wieso

8

Heitere Flicken und Tiere machen uns glücklich

10

Unsere neue Fotokolumnistin heißt Brigitte Lacombe

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U-Bahn-Sitzbezüge haben es nicht leicht, also bitte nicht

auslachen. Wir widmen ihnen eine Deutschlandkarte

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Mit Boris Beckers eigenwilligem Deutsch müssen wir leben. Warum, erklärt die Gesellschaftskritik

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Titel: Der Soundtrack der Menschheit

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Unsere Infografik zeigt: Wer war 2012 Gast in welcher

Talkshow?

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Das kranke Kind stirbt: Erlösung und ein schwerer Abschied. Eine Reportage von Erwin Koch

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Der Traum des Regisseurs Ang Lee wurde wahr

38

Das Internet – gar nicht so virtuell, wie alle meinen

44

Der Lederrock hat jetzt Stil

45

Endlich Führerschein! Von A nach B

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Der Käse schmilzt im Wochenmarkt

49

Liebe ist, den anderen Schnee räumen zu lassen. Schmidbauers Antwort auf die großen Fragen der Liebe

54

Esther Vilar wurde Schriftstellerin – ihre Rettung

TITELFOTOS
TITELFOTOS

Und so sieht unser Zeichner Ahoi Polloi die Welt

6

Harald Martenstein

Über wahnsinnige Stromrechnungen

6 Harald Martenstein Über wahnsinnige Stromrechnungen Ich habe meine Stromrechnung angeschaut. Auf der Stromrechnung

Ich habe meine Stromrechnung angeschaut. Auf der Stromrechnung steht, dass ich eine »§19 StromNEV- Umlage« zahlen muss. Sie steigt am 1. Januar von 0,151 Cent je Kilowattstunde auf 0,329 Cent. Mit anderen Worten, sie verdoppeln die. Mit der Umlage wird die »Befreiung stromintensiver Unternehmen von Netzent- gelten« finanziert. Ich habe mich gefragt, warum sie die Netzentgelte nicht einfach senken, für diese Unterneh- men, und das nötige Geld von den Steuern nehmen, die ich sowieso bezahle. Wenn sie damit nicht hinkommen, könnten sie irgendeine Steuer erhöhen, die es schon gibt. Das passiert eh dauernd. Offenbar zahle ich ebenfalls etwas, das sie »KWK- G-Umlage« nennen. Die KWK-G-Umlage steigt am 1. Ja- nuar von 0,002 auf 0,126 Cent. Das ist reichlich. Sie för- dern damit die »ressourcenschonende gleichzeitige Er- zeugung von Strom und Wärme«, also, das kriegen auch die Stromerzeuger. Ich bin durchaus ein Anhänger der Ressourcenschonung. Natur, Öko, Erzeugung, immer gern. Aber wenn sie schon die §19 StromNEV-Umlage haben, warum schlagen sie dann nicht in Gottes Namen 0,126 Cent auf ihre §19 StromNEV-Umlage drauf? Muss es dann noch extra die KWK-G-Umlage geben? Als ich tiefer in die Materie eingestiegen bin, habe ich die EEG-Umlage entdeckt. Sie steigt am 1. Januar von 3,592 Cent auf 5,227 Cent. Wieso eigentlich nicht auf 5,23 Cent? Das ist doch einfacher zu rechnen als 5,227. Auf die 0,003 Cent kommt es doch auch nicht mehr an. Mit der EEG-Umlage wird die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien gefördert, aber nur, sofern die er- neuerbaren Energien nicht zufällig Wärme erzeugen. Eine erneuerbare Energie, die nebenbei auch Wärme erzeugt, ist ein Fall für die KWK-G-Umlage.

Als ich dann die Offshore-Haftungsumlage entdeckt habe, bin ich ausgeflippt. Die Offshore-Haftungsumlage wird am 1. Januar neu eingeführt, es sind 0,25 Cent. Sie soll »Risiken der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz« absichern. Aber Wind, in drei Teufels Namen, ist doch eine erneuerbare Energie! Erneuerbarer geht es doch überhaupt nicht! Wenn man die EEG-Um- lage hat, zur Förderung von erneuerbaren Energien, und die KWK-G-Umlage, auch zur Förderung dieser Sache, und die §19 StromNEV-Umlage, zur Förderung von Un- ternehmen, die ein Risiko eingehen, ohne Risiko geht ja im Leben fast gar nichts, warum denn dann noch eine Spezial-Risiko-Öko-Windsteuer? Ich habe nichts gegen die 0,25 Cent, meinetwegen, nehmt, nehmt, nehmt, aber warum noch eine Steuer? Und warum wird eigentlich die Zündholzsteuer nicht endlich wieder eingeführt? Die konnte man wenigstens gut aussprechen. Das Zündholz erzeugt ebenfalls nebenbei Wärme, und wenn Wind ist, geht es aus, zumindest das Risiko besteht. Schließlich habe ich entdeckt, dass sie, neben der Umsatzsteuer und der Konzessionsabgabe, was immer das sein mag, auch noch 2,05 Cent Stromsteuer erheben. Es gibt eine Stromsteuer! Schon immer! Man hätte das alles, als geistig normaler Mensch, mit der Stromsteuer regeln können. Zurzeit lese ich zufällig wieder einmal Sigmund Freud. Dieses Land befindet sich in der Hand von Feti- schisten. Es gibt Leute, die Strapse tragen und einander auspeitschen, das finde ich tausendmal nachvollziehbarer, als sich in überheizten Büros sabbernd diese Steuern aus- zudenken. Ich zitiere aus der Literatur: »Jeder Gegenstand kann zum Fetisch werden. Es werden eigene Begrifflich- keiten für spezielle Fetische entwickelt. Mehrfach-Fetische sind nicht ungewöhnlich.«

Illustration Fengel Zu hören unter www.zeit.de/audio

www.zenith-watches.com/felixbaumgartner MISSION AN DEN RAND DES WELTRAUMS Felix Baumgartner, der mit seinem Sprung aus

www.zenith-watches.com/felixbaumgartner

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MISSION AN DEN RAND DES WELTRAUMS

Felix Baumgartner, der mit seinem Sprung aus der Stratosphäre während der Red-Bull-Stratos-Mission drei neue Rekorde aufgestellt hat

Red-Bull-Stratos-Mission drei neue Rekorde aufgestellt hat EL PRIMERO STRATOS Die erste Uhr, die nahe dem Weltraum

EL PRIMERO STRATOS

Die erste Uhr, die nahe dem Weltraum die Schallmauer durchbricht

drei neue Rekorde aufgestellt hat EL PRIMERO STRATOS Die erste Uhr, die nahe dem Weltraum die

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Heiter

BAOBAB BOOKS; MACON & LESQUOY; ELLSWORTH KELLY / CAHIERS D’ART; PRÊTÀLOUER; CARAVAN; PATRICK KERTI

FOTOS

bis

glücklich

CARAVAN; PATRICK KERTI FOTOS bis glücklich Schöne, lustige Konsumwelt! Flicken in Form eines

Schöne, lustige Konsumwelt! Flicken in Form eines Paradies- vogels. Es gibt auch Fenchelknollen, Bier- gläser und Hummer (von Macon & Lesquoy)

Bier- gläser und Hummer (von Macon & Lesquoy) Diesem Hasen geht es einfach fabelhaft. So steht

Diesem Hasen geht es einfach fabelhaft. So steht es in dem mit japanischen Holz- schnitten illustrierten Kinderbuch »Der weise Hase Isopo« (Baobab Books)

ICH MUSSTE IN EINEM SCHLAUCHBOOT SCHLAFEN, ICH SCHWÖRE ES

Eine heitere Reise zu den traurigsten Hotels Europas im Buch »Herzbrechhotel« von Franz Adrian Wenzl und Conny Habbel (Orange Press)

von Franz Adrian Wenzl und Conny Habbel (Orange Press) Die Kunstzeitschrift »Cahiers d’Art« erscheint nach
von Franz Adrian Wenzl und Conny Habbel (Orange Press) Die Kunstzeitschrift »Cahiers d’Art« erscheint nach

Die Kunstzeitschrift »Cahiers d’Art« erscheint nach

40-jähriger

Unterbrechung wieder:

Mit echter Kunst zum Herausnehmen

Unterbrechung wieder: Mit echter Kunst zum Herausnehmen Während die Tochter im Kindergarten ist, kann man heimlich

Während die Tochter im Kindergarten ist, kann man heimlich mit ihrem reizendenn Teeservice von Caravan Style spielen

Die Taschen aus alten Lkw-Planen sind fast verschwunden. Jetzt gibt es Sofas aus alten Schläuchen:

Das Kerti

Jetzt gibt es Sofas aus alten Schläuchen: Das Kerti Gut auszusehen, ohne viel Geld auszugeben, ist

Gut auszusehen, ohne viel Geld auszugeben, ist eine Berliner Spezialität. Bei Prêt-à-Louer gibt es schöne Kleider, die man sich ausleihen kann, wie dieses von Alexis Mabille

10 Fakten über die einzigartige Kraft der Genossenschaft: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

10 Fakten über die einzigartige Kraft der Genossenschaft:

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Jeder fünfte Deutsche ist Mitglied bei den Volksbanken Raiffeisenbanken. Ich zum Beispiel.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken sind „mitgliederverpflichtet“, denn die Förderung ihrer Mitglieder steht im Zentrum ihrer Interessen.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken gehören ihren Mitgliedern. Zum Beispiel mir.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken sind mit über 1.100 Banken, mehr als 13.000 Bank- stellen und rund 19.400 Geldautomaten in allen Regionen Deutschlands zu Hause.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken sind demokratisch, denn wo es langgeht, entscheiden ihre Mitglieder. Ich zum Beispiel.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken haben allein im Jahr 2010 rund 140 Mio. Euro für soziale und gemeinnützige Zwecke gespendet.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken zahlten 2011 in Deutschland knapp 1,8 Mrd. Euro Steuern.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken fördern den Nachwuchs und bilden jährlich 4.000 junge Menschen aus.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken haben noch nie auch nur einen Euro Staatshilfe benötigt.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken haben über 30 Mio. zufriedene Kunden in Deutschland. Mich zum Beispiel.

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Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

Wir machen den Weg frei.

Wie Sie von der Kraft der Genossenschaft profitieren können und wie sich unsere 160.000 Mitarbeiter täglich dafür einsetzen, Ihre Ziele zu verwirklichen, erfahren Sie auf kraft-der-genossenschaft.de

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Wir machen den Weg frei. Gemeinsammit den Spezialisten der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken: DZ BANK, WGZ BANK, Bausparkasse Schwäbisch Hall, DG Hyp, DZ PRIVATBANK , easyCredit, Münchener Hyp, R+V Versicherung, Union Investment, VR LEASING, WL Bank.

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Brigitte Lacombe: Der Moment

10 Brigitte Lacombe: Der Moment Im Huxinting-Teehaus, Shanghai, 1993 Wann immer ich in Shanghai bin, gehe

Im Huxinting-Teehaus, Shanghai, 1993

Wann immer ich in Shanghai bin, gehe ich in dieses Tee- haus, das älteste und berühmteste der Stadt. Es hat sich seit meinem ersten Besuch im Jahr 1975 nicht verändert, was in China selten ist. Während ich auf meinen Tee wartete, betrachtete ich diese Männer und versuchte mir

vorzustellen, wer sie sind. Es war wie in den fünfziger oder vielleicht sogar den vierziger Jahren. Ob sie sich wohl jeden Tag hier trafen? Und mit einem Mal drehten sie sich alle um und sahen mich an. Das war der Moment.

Die französische Fotografin Brigitte Lacombe, 62, ist neun Monate im Jahr auf Reisen. Hier erzählt sie von den Momenten, die ihr in Erinnerung bleiben werden

Testsieger kommen von Bosch.

Ausgezeichnet durch Stiftung Warentest: Bosch ist Deutschlands einziger Dreifach-Testsieger bei Wäschepflege-Geräten.

GUT (1,7) GUT (1,8) Zusammen mit zwei Bosch WAS 28443 weiteren Geräten Im Test: Bosch
GUT (1,7)
GUT (1,8)
Zusammen
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Bosch WAS 28443
weiteren
Geräten
Im
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Waschmaschinen
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(Frontlader
mit
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12 Deutschlandkarte: Sitzbezüge in U-Bahnen Bochum, Gelsenkirchen, Herne Dortmund Bielefeld Hamburg Hannover
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Deutschlandkarte:
Sitzbezüge in U-Bahnen
Bochum,
Gelsenkirchen,
Herne
Dortmund
Bielefeld
Hamburg
Hannover
Essen,
Mülheim
Berlin
Duisburg
Frankfurt
Düsseldorf
Nürnberg
Köln
Stuttgart
Bonn
Muster der Sitze in U-Bahnen. Gibt es in einer Stadt mehrere
Muster, wird das dargestellt, das am häufigsten vorkommt
München
RECHERCHE
INGA KRIEGER

Stoffe, mit denen U-Bahn-Sitze bezogen sind, gehören nicht zu den allerschönsten. Häme wäre aber unange- bracht. Es ist die Angst vor dem Schmutz und vor dem Edding, die Verkehrsbetriebe vor einfarbigen Sitzbezügen zurückschrecken lässt. Offenbar gibt es zwei Tricks, mit denen sie sich vor Vandalentum in ihren Bahnen schützen wollen: Eher im Norden gestalten sie die Sitze so, als wären die Edding-Benutzer schon längst da gewesen (in Dort- mund: als hätten Raucher schon mal ihre Zigarettenkip-

pen auf dem Sitz ausgedrückt). Unerforscht ist, ob das die Aggressivität der Vandalen nicht noch steigert, weil sie sich um ihre Aufgabe gebracht sehen. Im eher wohlhabenderen Süden gestaltet man die Sitze hingegen in freundlichem Blau, so, als sei man nicht in der U-Bahn, sondern in einer Volksbank-Filiale, in der man sich ja auch zu benehmen weiß. Nur Frankfurt, mittendrin gelegen, versucht eine Mischform aus Graffiti und Bankfilialenteppich. Und das sieht mal wirklich blöd aus.

Von Matthias Stolz Illustration Jörg Block

Wo durch

blitzt

Berg Winterspass

und Tal?

INF PHOTO

FOTO

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Über das Tw ittern Eine Gesellschaftskritik

PHOTO FOTO 13 Über das Tw ittern Eine Gesellschaftskritik Boris Becker: Jüngstes Opfer dieser ewigen Bessertwitterei

Boris Becker: Jüngstes Opfer dieser ewigen Bessertwitterei

Glaube niemand, die Internet-Barba- ren seien Kulturbarbaren. Ihre Barba- rei ist vielmehr entgegengesetzter Art und weit fürchterlicher. Es sind Kul- turpedanten. Kein Verstoß gegen Tra- dition und Regel entgeht ihnen. Neu- lich fand sich auf Twitter folgender possierlicher Eintrag, dem viele ähn- lich possierliche Tweets folgen sollten:

»Boris Becker @Becker_Boris Großer Bewunderer von An- gela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als sie Friedensnobel- preis gewonnen hat.« Daraufhin erhob sich im Netz jener Sturm der Entrüstung, der dort anders, aber nicht netter heißt. Die Vorwürfe: schwere Sach- und Grammatikfehler. Falsche Zuord- nung des Preises und/oder anmaßen- de Identifizierung Europas mit Deutschland in Tateinheit mit fal- scher Tempuswahl und/oder falsch eingesetzter Konjunktion. Was die überschlaue Netzge- meinde indes verschwieg, war der nicht unerhebliche Umstand, dass sie sehr wohl verstanden hatte, was Boris Becker hatte sagen wollen. Mit anderen Worten: Der Kommunikati- onsakt war durchaus geglückt, ver- lief aber nicht in den Formen, die der Kultur- und Sprachpedant für angemessen hält. Die Ausdruckswei- se von Bum-Bum-Becker (so der sei-

nerzeit von Bild vergebene Kosena- me) zeigte die charmante Unschärfe des frühkindlichen Spracherwerbs, und es ist eigentlich schwer einzuse- hen, warum das, was wir bei den kleinen Rackern so herzig finden, bei einem Mann wie Boris Becker weni- ger entzückend sein soll. Es ist doch so: Manche wer- den Lehrer und sind extrem fit in Grammatik und in politischem Zeit- geschehen, andere werden Tennis- profis und sind extrem fit auf dem Platz. Dürfen sich beide im Internet nur jeweils mit dem zeigen, was sie am besten können? Und wie sollte das bei Bum-Bum-Becker aussehen, der nun einmal schon lange nicht mehr balla balla macht? Dürfte er nur noch Videos alter Spiele zeigen? Und müsste seine Gegenwartsleis- tung auf diesem und allen anderen Gebieten verbergen? Wer ist über- haupt im Internet der oberste Platz- wart, der solche und andere Regeln aufstellen könnte? Nun, wir kennen natürlich den Platzwart im Netz, er beherrscht nur eben leidlich das Deutsche und höchstens ausnahmsweise das Ten- nisspiel. Es ist der sogenannte User, früher nannte man ihn den Mann von der Straße. Er hat an Macht nicht verloren – und auch nicht an hämischer Schadenfreude.

Von Jens Jessen

WINTERLICHTBLICK # 7

Schadenfreude. Von Jens Jessen WINTERLICHTBLICK # 7 Jetzt Winter- eMagazine downloaden! www.bayern.by
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DIE ERDE IST EINE SCHEIBE

14 DIE ERDE IST EINE SCHEIBE Die Bedienungsanleitung: Sicherheitshalber wurde ein Tonabnehmer mit passender Nadel

Die Bedienungsanleitung:

Sicherheitshalber wurde ein Tonabnehmer mit passender Nadel beigelegt

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Diese Schallplatte verlässt bald das Sonnensystem, an Bord der Voyager 1. Wir zeigen auf den folgenden Seiten, was sie der Galaxie über uns erzählt

Bord der Voyager 1. Wir zeigen auf den folgenden Seiten, was sie der Galaxie über uns

Von Jürgen von Rutenberg

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Diese Fotos fliegen durchs All:

Da ist zunächst mal der irre Planet, von dem die Botschaften stammen

FOTOS DIESE UND VORHERIGE SEITE NASA
FOTOS DIESE UND VORHERIGE SEITE
NASA

Der Durchbruch naht. Anfang Dezember meldete die Nasa: »Die Raumsonde Voyager 1 hat eine neue Region am äußeren Rand des Sonnensystems erreicht«, deren Ei- genschaften seien »anders als erwartet«. »Wir bekommen jetzt einen Vorgeschmack davon, wie es außerhalb des Sonnensystems sein wird«, erklärte Ed Stone, der oberste Wissenschaftler des Voyager-Projekts. »Nur noch einige Monate« seien es nun noch bis zu dem Moment, in dem zum ersten Mal ein menschengemachtes Ding das Son- nensystem verlässt. Seit 35 Jahren ist die Voyager unterwegs. An Bord hat sie, neben allerlei Messgeräten, ein Geschenk für die Außerirdischen, die diese Raumsonde eines fernen Tages entdecken könnten: eine goldene Schallplatte. Es ist ein praktisch unzerstörbares Best-of-Album der Menschheit. 115 Bilder sind darauf, Grüße an die unbekannten Empfänger in 56 Sprachen (inklusive der Sprache der Wale), eine 12 Minuten lange Geräuschcolla- ge zum Thema »Evolution« dokumentiert unter anderem

den Blubbersound der Ursuppe, Meeresrauschen, einen Kuss, Herzklopfen, Lachen. Und schließlich 90 Minuten Musik. Dieses »Mixtape für die Götter«, wie es die New York Times einmal nannte, wird bis in alle Ewigkeit fest- halten, wer wir sind oder, vielmehr, was das mal für Wesen waren, die vor Hunderten Millionen von Jahren auf dem Planeten Erde gelebt haben. Denn die Voyager wird noch eine ganze Weile unterwegs sein, bevor sie – theoretisch – auf dem Radarschirm einer anderen Zivilisation auf- tauchen könnte. Weiterfliegen könnte sie nach den Be- rechnungen der Nasa, wenn nichts dazwischenkommt:

eine Milliarde Jahre lang. Es wirkt wie der Plot einer durchgeknallten Sci- ence-Fiction-Komödie aus den Siebzigern oder, was un- gefähr dasselbe ist, wie eine bekiffte Hippiefantasie: Da fliegt tatsächlich eine goldene Schallplatte durchs All, vollgepackt mit bunten Bildern und irren Klängen, alles in kurzer Zeit zusammengestellt von einer kleinen Grup- pe smarter Leute, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort

JON LOMBERG 3; F.D. DRAKE

FOTOS

Wenn man bei null anfangen muss, sind erst mal die Zahlen wichtig, in Punkten, binär und in Ziffern: Grundkurs Mathe für Außerirdische

binär und in Ziffern: Grundkurs Mathe für Außerirdische Die DNA-Struktur soll sagen: Wir wussten, dass sie
binär und in Ziffern: Grundkurs Mathe für Außerirdische Die DNA-Struktur soll sagen: Wir wussten, dass sie

Die DNA-Struktur soll sagen: Wir wussten, dass sie die Grundlage unseres Lebens ist – aber nicht, ob das im ganzen Universum so ist

auf dem richtigen Planeten waren. Moment, es sind sogar zwei goldene Schallplatten: je eine an Bord der identi- schen Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2, die im Herbst 1977 mit Titan-Raketen auf ihre endlosen Reisen geschickt wurden, auf zwei unterschiedlichen Kursen. »Meine Bilanz als Plattenproduzent ist verhee- rend«, sagt Timothy Ferris, 68. Er war Anfang 30, als sein Freund Carl Sagan ihn bat, eine Schallplatte für Außer- irdische zusammenzustellen. »Ich habe in meinem Leben nur zwei Platten produziert«, sagt Ferris, den wir telefo- nisch in San Francisco erreichen. »Beide wurden sofort mit Raketen von der Erde geschossen, so weit weg wie möglich – nicht gerade die Resonanz, die man sich nor- malerweise wünschen würde.« Ferris, der als junger Mann Redakteur der Musik- zeitschrift Rolling Stone war und heute ein renommierter Wissenschaftsautor ist, kann sich das Tiefstapeln leisten. Er weiß, dass er mit seinen beiden goldenen Schallplatten Superhits für die Ewigkeit geschaffen hat, und das ganz

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Der Moment der Befruchtung einer Eizelle, markiert als »Sekunde null«. Dazu auch gleich die Symbole für »weiblich« und »männlich«

auch gleich die Symbole für »weiblich« und »männlich« Was aus dem Moment der Befruchtung in ein
auch gleich die Symbole für »weiblich« und »männlich« Was aus dem Moment der Befruchtung in ein

Was aus dem Moment der Befruchtung in ein paar Millionen Sekunden entsteht. Nebenbei wird das Lesen von Größenangaben gelehrt

auf die Schnelle. Denn auf die Idee, den beiden Voyager- Sonden eine kulturelle Botschaft mit auf den Weg zu ge- ben, kam die Menschheit reichlich spät. »Die Leute bei der Nasa sind Ingenieure«, sagt Ferris im Telefongespräch, »unglaublich gut in dem, was sie machen, aber gar nicht interessiert an Dingen, die sie überflüssig finden.« Erst nach einer hartnäckigen Intervention des Astronomen und Bestsellerautors Carl Sagan wurde die kosmische Fla- schenpost in das Projekt aufgenommen. Sagan trommelte seine Leute zusammen, die innerhalb von zwei Monaten die Menschheit in Bild und Ton auf den Punkt bringen sollten. (Über das Projekt schrieb er dann gleich den nächsten Bestseller, Murmurs of Earth, auf Deutsch Si- gnale der Erde, beide längst vergriffen). Auf der Suche nach einem maximal robusten Datenträger entschied sich das Komitee schnell gegen Festplatten und Magnetbänder – und für die gute alte Langspielplatte. Eine LP für die nächsten 1 000 000 000 Jahre: Mehr Retro geht nicht. »Diese Entscheidung würde

Keine Angst, die Machete braucht dieses Wesen nur für die Arbeit. Gut zu erkennen:

Augen, Nase, Zähne, Mund, Hände

Arbeit. Gut zu erkennen: Augen, Nase, Zähne, Mund, Hände ich heute noch genauso fällen«, sagt Ferris.

ich heute noch genauso fällen«, sagt Ferris. Die LP sei ein- fach »die verlässlichste Technologie, die es gibt«, da sich auf ihr die kostbaren Informationen mechanisch eingra- vieren lassen. Im Prinzip haben das schon die Steinzeit- menschen in ihren Höhlen so gemacht. Um im All zu bestehen, wurde die Scheibe natürlich nicht aus Vinyl gemacht, sondern aus Kupfer, das mit einer schützenden Goldschicht überzogen wurde. »Am Anfang war uns gar nicht klar, dass man auf Schallplatten auch Bilder speichern kann«, sagt Ferris, zu- erst hätten sie nur an die musikalische Botschaft gedacht. Nun ging es also darum, die LP so sinnvoll wie möglich mit Klängen und Bildern zu füllen. Bildbände wurden herbeigeschafft, Sagan und Ferris baten eine Handvoll Musikforscher um ihre Vorschläge, Spezialisten wie der Künstler Jon Lomberg wurden ins Team geholt. Er hatte kurz zuvor einen Essay geschrieben über Kunst, außer- irdische Geschöpfe und das Wesen der Schönheit, in dem er, biologisch-philosophisch fundiert, Thesen über eine

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Eine Tänzerin aus Bali. Die Menschen lieben offenbar komplizierte Kopfbedeckungen. Aber was wollen uns eigentlich diese Hände sagen?

FOTOS YUTAKA NAGATA / UN PHOTO; DONNA GROSVENOR
FOTOS
YUTAKA NAGATA / UN PHOTO; DONNA GROSVENOR

kosmosweit gültige Wahrnehmung von Bildern und Mu- sik formulierte. Noch etwas qualifizierte Lomberg: Er hatte schon seit Jahren immer wieder versucht, die Welt »mit den Augen eines Außerirdischen« zu betrachten. Jetzt durfte er mitentscheiden, welche Bilder ein Außer- irdischer verstehen könnte und welche nicht. Aber wie erklärt man die Erde, wenn nichts als bekannt vorausgesetzt werden kann? Als gemeinsamer Nenner mit fernen Zivilisationen bietet sich die Natur- wissenschaft an: Die Gesetze der Physik gelten schließlich, soweit wir wissen, im ganzen Universum. Daraus folger- ten Jon Lomberg und seine Leute eine didaktische Abfol- ge: Das erste Bild, zum Warmwerden oder auch zum Ka- librieren des außerirdischen Monitors, ist ein einfacher Kreis, schwarz auf weiß. Das zweite Bild wiederholt den Lageplan des Sonnensystems, der auch schon außen auf der Platte eingraviert ist. Das soll den Betrachtern die Chance geben, etwaige Darstellungsprobleme mit ihrem Tastsinn auszugleichen. Danach werden die irdischen

JON LOMBERG; YUTAKA NAGATA / UN PHOTO; DICK SMITH; SOUTH AFRICAN TOURIST CORP.

FOTOS

Wer weiß, ob die Empfänger dieser Bilder überhaupt zweidimensionale Fotos verstehen? Lieber ein paar Silhouetten beilegen

Fotos verstehen? Lieber ein paar Silhouetten beilegen Viele Grüße aus dem US-Staat Maine! Die Felsen sind
Fotos verstehen? Lieber ein paar Silhouetten beilegen Viele Grüße aus dem US-Staat Maine! Die Felsen sind

Viele Grüße aus dem US-Staat Maine! Die Felsen sind härter als das Wasser, und windig ist es auf der Erde

Ziffern und Zählweisen vorgestellt, Moleküle, eine DNA- Struktur, die Zellteilung. In Bild Nummer 18 ist dann zum ersten Mal ein menschlicher Körper zu sehen, wenn auch in einer leicht gruseligen Skelettansicht, gefolgt von einer streng schematischen Darstellung der Zeugungs- organe und der Befruchtung einer Eizelle. Danach wollte das Bilderkomitee eigentlich – und endlich – ein sympa- thisches Foto eines menschlichen Paares zeigen: eines Mannes und einer schwangeren Frau, Händchen haltend. Allerdings waren beide nackt, das erschien der Nasa, die durch Mittel aus dem US-Kongress finanziert wird, poli- tisch zu riskant. Eine schwarze Silhouette musste reichen. Immerhin, als Nächstes ist eine stillende Mutter zu sehen. So geht es weiter, über Landschaftsbilder und Details aus der Natur hin zur technischen Zivilisation. Und spätestens dann, wenn ein Supermarkt zu sehen ist, eine Diesellok, ein Straßenkreuzer, bestätigt sich, was schon der ganz spezielle Farbton der Bilder an- deutet: Hier haben sich die siebziger Jahre verewigt.

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Die restliche Familie der Silhouettenfiguren:

Fünf Generationen im Mittleren Westen der USA, plus eingerahmte Vorfahren

im Mittleren Westen der USA, plus eingerahmte Vorfahren Dieses Foto aus Südafrika zeigt, wie friedlich verschiedene
im Mittleren Westen der USA, plus eingerahmte Vorfahren Dieses Foto aus Südafrika zeigt, wie friedlich verschiedene

Dieses Foto aus Südafrika zeigt, wie friedlich verschiedene Lebewesen koexistieren können – vorbildlich fürs ganze Universum

Gegen Ende werden eine Rakete und ein Astronaut ge- zeigt, ein Sonnenuntergang am Meer. Die Bildgeschichte der Menschheit gipfelt in den letzten zwei Fotos: ein Streichquartett, eine einzelne Geige. Und das war’s. Mehr wird von uns in ein paar Hundert Millionen Jahren, wenn die Sonne längst ver- glüht ist, nicht mehr zu sehen sein. Aber zum Glück gibt’s dann ja immer noch die Musik auf dieser Schallplatte. Zunächst hatte Ferris den Ex-Beatle John Lennon gebe- ten, die Musik zusammenzustellen. Der hatte aber gerade Ärger mit den US-Behörden und winkte ab, also musste Ferris selber ran. »Es heißt ja immer, dass große Musik eine universelle, zeitlose Sprache ist«, sagt Ferris. »Das wollten wir jetzt mal ausprobieren.« Dem Auswahlkomi- tee machte er zwei Vorgaben: »Lasst uns so viel verschiede- ne Musik wie möglich unterbringen. Und lasst uns eine tolle Platte machen, ohne Kompromisse.« Als die Musikforscher ihre Vorschläge für den ul- timativen Sampler eingereicht hatten, war schnell klar,

YUTAKA NAGATA / UN PHOTO; NAIC 2; NASA

FOTOS

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Da ist er wieder, dieser blaue Planet. Hier ist er von seltsamen roten Linien überzogen. Vielleicht haben die jungen Menschen die da hingekritzelt?

Vielleicht haben die jungen Menschen die da hingekritzelt? Lecken, Essen und Trinken auf einen Blick. Dieses
Vielleicht haben die jungen Menschen die da hingekritzelt? Lecken, Essen und Trinken auf einen Blick. Dieses

Lecken, Essen und Trinken auf einen Blick. Dieses Bild wurde eigens für die Voyager-Platte fotografiert. Tja, so sehen wir im All aus

dass eine normale LP mit je 27 Minuten Spielzeit pro Seite niemals ausreichen würde. Wie in jener Zeit üblich, wurde eine Ausweitung zum Doppel- oder Dreifachalbum erwogen, dann aber, wegen der Gewichtsbeschränkungen, schnell wieder verworfen. Stattdessen wurde einfach die Spieldauer der Platte verdoppelt, indem ihre Umdre- hungszahl halbiert wurde auf 16,66 pro Minute. Aus hitzigen Diskussionen – Debussy oder perua- nische Panflöten? Beatles oder australische Ureinwohner? – entstand eine in jeder Hinsicht fantastische Platte. Sie beginnt mit dem ersten Satz aus Johann Sebastian Bachs 2. Brandenburgischem Konzert. Bach war der eine Kom- ponist, auf den sich alle Musikberater sofort einigen konnten. »Wenn wir uns dann über andere Stücke strit- ten«, erinnert sich Ferris, »und mit der Auswahl nicht vo- rankamen, beruhigten wir uns damit, dass wir zur Not ja einfach nur ein paar Bach-Stücke nehmen könnten.« (Wogegen ein Biologe im Team zu Recht einwandte, dass eine reine Bach-Platte doch ziemliche »Angeberei« wäre.)

Weil die Hand für die kulturelle Entwicklung der Menschheit so wichtig ist, sieht man sie hier von außen und als Röntgenaufnahme

ist, sieht man sie hier von außen und als Röntgenaufnahme So weit haben wir es gebracht:
ist, sieht man sie hier von außen und als Röntgenaufnahme So weit haben wir es gebracht:

So weit haben wir es gebracht: Der Astronaut James McDivitt beim Weltraumspaziergang. Im Hintergrund noch mal der blaue Planet

Aber es sollten ja so viele Kulturen wie möglich auf der Golden Record zu hören sein. Und ein Wunder dieser wundersamen Platte besteht darin, dass sie nie nach Pro- porz oder politischer Korrektheit klingt, sondern nur nach aufregender Musik. Wenn der schreckliche Marke- tingbegriff »Weltmusik« jemals einen Sinn hatte, dann hier. Auf Bach folgten ein kurzes Gamelan-Stück aus Java, das selbst von fernen Sternen zu kommen scheint; der herzzerreißend schöne Gesang von Pygmäenmäd- chen im Regenwald des heutigen Kongo; treibende Beats aus dem Senegal; das melancholische Lied einer bulgari- schen Hirtin; die zauberhaft unheimlichen Falsettstim- men von Navajoindianern; eine aufwühlende Version der vielleicht ältesten erhaltenen Komposition der Mensch- heit, Fließende Ströme, vor über 2500 Jahren in China geschrieben. Louis Armstrongs Melancholy Blues ist da- bei und auch Chuck Berrys Johnny B. Goode. So viel musikalische Lebendigkeit zu einem so repräsentativen Anlass hat noch keine Olympia- oder WM-Eröffnungs-

PHILIP LONIAN; PHILIPS RECORDS

FOTOS

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Intelligente Lebewesen werden schon verstehen, dass wir nicht wirklich so viele Beine haben, sondern es hier um das Prinzip »Bewegung« geht

haben, sondern es hier um das Prinzip »Bewegung« geht In diesem Bild gipfelt die menschliche Kultur:
haben, sondern es hier um das Prinzip »Bewegung« geht In diesem Bild gipfelt die menschliche Kultur:

In diesem Bild gipfelt die menschliche Kultur:

So spielt man auf Erden Musik von Beethoven (und nicht etwa die von Chuck Berry)

feier auf Erden hinbekommen. Und leider ist diese Platte auch zu gut für diese Welt: Abgesehen von einer kurz- zeitig erhältlichen CD-ROM-Version (deren Sound Fer- ris furchtbar fand), gab es diese Kompilation nie zu kau- fen. Die beteiligten Plattenfirmen hatten nur das Abspielen jenseits der Erdatmosphäre erlaubt. Es blieb bei der streng limitierten Auflage von zwei Exemplaren, echte Sammlerstücke eben. »Der Zeitdruck, unter dem wir diese Platte zu- sammenstellen mussten, war im Nachhinein ein Segen«, sagt Ferris. »So konnten uns nicht so viele Leute in die Auswahl hineinreden.« Und ein paar Musikfanatiker konnten sich auf ihre Ohren, auf ihr Gefühl verlassen. In den beiden Stücken am Schluss der Platte erkannte DJ Ferris eine gemeinsame Stimmung von »kosmischer Ein- samkeit«: in Blind Willie Johnsons Ultra-Blues Dark Was The Night aus dem Jahr 1927 und in Beethovens Cavati- na aus seinem Streichquartett Nr. 13 in B-Dur. Dass die beiden Genies auf dieser Platte so selbstverständlich zu-

Geopythafibotonpolyhypotesaeder! bis 7. April 2013
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bis 7. April 2013
Genies auf dieser Platte so selbstverständlich zu- Geopythafibotonpolyhypotesaeder! bis 7. April 2013 www.matheliebe.li

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Stau – ob es so was auf anderen Planeten wohl auch gibt? Und wo wollen die alle hin? Foto aus Indien, aufgenommen zur Hauptverkehrszeit

alle hin? Foto aus Indien, aufgenommen zur Hauptverkehrszeit einandergefunden haben – allein das gehört zu den

einandergefunden haben – allein das gehört zu den Stern- stunden der Menschheit. Die Voyager 1, die mit 36 000 km/h durchs All rast, ist inzwischen 18 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Von dort aus betrachtet, ist die Sonne nicht viel mehr heller Stern. Noch funkt die Sonde ihre Messwerte brav zu den Menschen zurück. In zehn, fünfzehn Jahren wird damit Schluss sein, dann ist die letzte Elektrizität aufgebraucht, die Geräte werden abgeschaltet, und die Voyager wird als Geisterschiff weiterfliegen, immer ge- radeaus. Der einzige verbleibende Sinn ihrer Mission wird dann im Transport der goldenen Schallplatte liegen. In die Nähe des nächsten Sterns, womöglich eines weiteren Sonnensystems, könnte die Voyager in etwa 40 000 Jahren kommen. Er trägt den wenig verheißungs- vollen Namen AC+79 3888. Den bekannteren Stern Si- rius könnte sie in 296 000 Jahren erreichen. »Sobald man den Schritt macht vom Sonnensystem zur Galaxie«, sagt Ferris, »werden die Dimensionen unvorstellbar.«

Das muss so etwas wie die Weltregierung sein, denn dieses Gebäude ist gleich auf zwei Fotos zu sehen: Die Vereinten Nationen in New York

FOTOS UN PHOTO; YUTAKA NAGATA / UN PHOTO
FOTOS
UN PHOTO; YUTAKA NAGATA / UN PHOTO

Die Entdeckung der Bilder und Töne auf seiner Golden Record, eines fernen Tages, malt sich Ferris trotzdem ger- ne aus: »Man muss sich ja nur umgekehrt vorstellen, wie interessant wir so eine Botschaft fänden.« Dereinst, im Fall der Voyager, werde es bestimmt keine pompöse Zere- monie geben, in der das Fundstück der staunenden Alien- Öffentlichkeit präsentiert wird: »In hoch entwickelten Gesellschaften gibt es diese zentrale Kontrolle des Wissens nicht mehr. Je weiter eine Zivilisation ist, desto mehr ver- schwinden die Hohepriester.« Wahrscheinlicher sei es, dass irgendein Teenager seine Entdeckung über so etwas wie Twitter ins Netz stelle. Und das gelte auch andersherum: »Sollten wir je- mals Signale von einem anderen Stern empfangen, dann werden es nicht die Verlautbarungen einer Weltraumbe- hörde sein, sondern eher die Experimente irgendeiner Schüler-AG.« Wenn wir ganz viel Glück haben, schicken sie ja vielleicht auch ein paar Schnappschüsse mit und die Musik von ihrer letzten Party.

zeitmagazin

nr. 

MEHR FREIHEIT Das Leben auch in Zukunft genießen – mit der besten Altersvorsorge für mich
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VVonon MMatthiasatthias SStolztolz

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(z. T. mehrfach besetzt)

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Als Sanne auf die Welt kommt, ist sie unheilbar krank, sie hat furchtbare Schmerzen. Ihre Eltern wollen, dass sie stirbt. Chronik eines Abschieds

Von

Erwin Koch

26 0 TAGE

Illustrationen Gregory Gilbert-Lodge

Die Frau sitzt in der Küche, ein Puzzle vor sich aus tau- send Teilen, daneben ein Stift, ein Blatt Papier, sie schaut auf die Uhr an ihrem Arm. Mach vorwärts, Sanne! Immer häufiger greift sie zum Stift und zeichnet kleine Kreuze aufs Papier, ein Kreuz für leichten Schmerz, zwei Kreuze für mittleren, drei für großen. Sanne! Der Name klingt wie Wind und Wolken, auf Bäume wird das Mädchen klettern, laut und wild, ihr Bettchen, frisch gemacht, ist apfelgrün, Sanne, auch dein Wickeltisch ne- benan, der Schrank, fast dein ganzes Zimmer, apfelgrün. Drei Kreuze. Jetzt weckt die Frau den Mann, Dordsestraat 33, zweiter Stock. Johan, es ist so weit. Mitten in der Nacht!, sagt der Mann, seit Tagen fiebrig. Die Hebamme bringt eine Gehilfin mit, Linda legt sich auf ihr Bett, sie schreit und presst, Johan hält ihre Hand. 4.47 Uhr: Sanne: dunkle Augen, Sommersprossen im Gesicht, 20. Januar, ein Samstag. Die Hebamme, das Mädchen im Arm, dreht sich weg. Was ist?, fragt Linda. Was ist? Kann sein, dass mit den Beinen etwas nicht ganz stimmt, sagt die Hebamme mit tiefer Stimme. Mit den Beinen? Mit der Haut an den Beinen. Mit der Haut?, fragt Linda. Sannes Beine sind so rot. Die Gehilfin legt das Kind auf ein weiches, warmes Tuch und deckt es zu, Sanne weint nicht: 2450 Gramm, fünfzig Zentimeter, Tag 1. Kurz vor sechs fährt der Krankenwagen vor, Linda legt sich auf die Bahre, die Hebamme trägt das Kind zu Johans Auto. Die Beine, sagt Johan, sehen aus wie verbrannt. Die Hebamme schweigt. Bleich liegt Linda M. im Scheper Ziekenhuis, Zimmer 4.66, Johan setzt sich neben die Frau und streichelt sie. Wie geht es ihr?, fragt sie. Sannes Beine. Was ist mit ihnen? Wie verbrannt. Jetzt leuchtet an der Wand ein Bildschirm auf, Sanne, in weißes Tuch geschlagen, liegt am anderen Ende des Hauses in einem kleinen Bett, die Augen weit, ihre Hände geballt. Ein schönes Kind, sagt Linda. Findest du nicht?, fragt sie. Zwei Ursachen sind möglich, sagt ein Arzt, entweder ist die Haut Ihres Kindes nicht fertig ausgebildet, oder aber, und das ist eher unwahrscheinlich, Sanne leidet an einer Erbkrankheit, EB genannt. So oder so, sagt der Arzt, wir schlagen vor, Sanne in die Universitätskinderklinik in Groningen zu bringen, dort sind die Experten, wenn nö- tig, im Fach der Hauttransplantation. Hauttransplantation! Vielleicht, flüstert eine Pflegerin, hat sie nur Klumpfüße. Klumpfüße kann man operieren, nicht wahr, Johan? Der Mann, lang und hager, wandert durch die Gänge des Krankenhauses, hinüber zu Sanne, jetzt sind auch ihre Arme rot.

28

Dann stehen Lindas Eltern im Zimmer 4.66 und versu- chen zu lächeln, Mama, Papa, zehn Geschenke tragen sie ans Bett ihrer Tochter, zehn Geschenke für die ersten zehn Tage der Enkelin, jedes in glänzendem Papier. Pack eins aus, sagt der Vater. Zwei kleine gelbe hölzerne Schuhe. Klumpfüße! Linda schluckt und heult. Pack noch eins aus, sagt die Mutter, jetzt erst recht. Um elf fährt Johan nach Hause, Dordsestraat 33, in seiner Bäckerei hängen, eine Überraschung der Angestellten, rosa Ballons, Kunden reichen dem Mann die Hand, Glückwunsch, Johan!, Glückwunsch an Linda!, wie schwer?, wie groß? Johan dreht sich um und fährt zurück ins Krankenhaus, Boermarkeweg 60, wieder eilt er durch die Gänge, zuerst zu Sanne, die jetzt schläft, dann zu Linda. Im Rollstuhl fährt er sie hinüber zum Kind, Sannes Beine, Sannes Arme stecken in weißen Binden, man habe, sagt die Pfle- gerin, der Tochter ein Mittel gegeben. Wozu? Wogegen? Darf ich sie streicheln?, fragt Linda. Die Pflegerin hebt Sanne langsam aus dem Bett, langsam legt sie sie auf ein Kissen, legt das Kissen auf Lindas Schoß. Diese Sommersprossen. Ihre Wimpern. Sie fahren doch mit nach Groningen?, fragt die Pflegerin. Zwölf Stunden alt, liegt Sanne M. im Krankenwagen, ge- polstert mit Watte und Stoff, besänftigt mit Paracetamol, eine Stunde nordwärts, A 28, Linda und Johan M., El- tern seit einem halben Tag, sitzen in der Küche ihres Hauses, zweiter Stock, unter sich die Bäckerei voller rosa Ballons, über sich das Kinderzimmer, apfelgrün, die Frau sieht die Stapel von rundem Zwieback, die Pakete voller rosa Streusel, bereit für die, die vielleicht kommen, um Sannes Geburt zu feiern. Ich sollte jetzt bei ihr sein. Du nützt ihr nichts, sagt Johan. Trotzdem. Du brauchst Ruhe. Am frühen Sonntagmorgen, Tag 2, fahren sie, begleitet von ihren Müttern und einer Freundin, nach Groningen, Universitair Medisch Centrum, nackt liegt das Kind in einem Kasten aus Kunststoff, dunkle rote Wunden an Beinen und Armen, Sanne wimmert. Große Schmerzen kann sie nicht haben, sagt die Pflege- rin, Morphium. Darf ich sie streicheln? Johan macht Fotos. Sie sitzen am Tisch ihrer Küche, Emmen, 21. Januar, je- mand läutet an der Tür, der Frauenarzt, ein Freund, er habe sich kundig gemacht, zumindest ein bisschen, nach allem, was er wisse, könnte Sanne sehr wohl an EB leiden, Epidermolysis bullosa, auch Blasenkrankheit genannt. Blasenkrankheit? Die Haut, sagt der Freund, besteht aus mehreren Schich- ten. Die sind miteinander verbunden. Fehlen diese Ver- bindungen, diese Eiweiße, entstehen Blasen und Wunden. Das kann man doch heilen? Johan, schmaler denn je, steht jetzt auf und schmeißt den Stuhl in die Ecke und rennt hinüber in sein Büro, setzt sich vor den Computer und tippt den Namen von Sannes

Sanne kann Kleidung nur mit der Naht nach außen tragen, sonst platzen die Blasen auf

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Jeden Tag neue Verbände, eigentlich nur möglich unter Narkose

Krankheit ein, seit 1999 wird die Epidermolysis bullosa (EB) nach Expertenkonsens in drei Hauptformen unter- teilt, EB simplex, EB junctionalis, EB dystrophica, die Krankheit wird umgangssprachlich auch als Schmetter- lingshaut bezeichnet, sie ist nicht ansteckend, schmälert nicht die Intelligenz, in der Mehrzahl der Fälle sterben die betroffenen Kinder im Lauf der ersten zwei Lebensjahre. Linda zersticht die rosa Ballons. Am Abend kommt die Hebamme und sieht nach Linda, sie setzen sich an den Tisch, wieder läutet es an der Tür, wieder der Freund, Lindas Frauenarzt, eigentlich, um ehr- lich zu sein, sei nichts anderes möglich als EB, sagt er, Sanne sei ein Schmetterlingskind. Dann verkaufen wir, weint Linda, die Bäckerei, das Haus, alles, und ziehen nach Amerika, dort kann man ihr helfen. Man kann ihr nicht helfen, Linda. Die Hebamme sagt mit rauchiger Stimme: Schwere EB ist mit dem Leben nicht vereinbar. Was redet die? Das Leben mit schwerer EB ist kein Leben, sagt die Heb- amme. Wenn das so ist, sagt Linda, Mutter seit zwei Tagen, wenn das so ist, dann. Wenn das so ist, dann soll Sanne nicht lange leiden. Ja, sagt Johan. Wenn das so ist. Mann und Frau weinen sich in den Schlaf, drei Stunden, vielleicht vier. Epidermolysis bullosa, eine genetisch bedingte Krankheit, zwar selten, höchstens zehn Kinder pro Jahr werden in den Niederlanden damit geboren. Das wissen wir längst, fährt Johan den Dermatologen an, Universitair Medisch Centrum Groningen, das wissen wir schon. Sagen Sie uns nur, welche Form sie hat, die leichte, die schwere? Die Frau dreht sich zum Mann, legt ihre Hand auf seinen Arm, Tag 3, Montagmorgen, 22. Januar. Die mittlere, sagt der Hautarzt. Die mittlere!, sagt Johan. Von der mittleren Form der schlimmste Subtypus, das Hallopeau-Siemens-Syndrom. Das heißt? Sie wollen es wissen? Ja. Sanne hat Blasen, ihr Leben lang, ständig neu, an den Bei- nen, an den Armen, vielleicht auch im Mund, in der Spei- seröhre, jeden zweiten Tag erhält sie neue Verbände, mög- lich nur unter Narkose, Haut, die sich gerade erst gebildet hat, reißt wieder auf, vielleicht verwachsen ihre Zehen, die Finger, sie bekommt Hautinfektionen, ihr Körper verkrus- tet, vernarbt. Dann, sehr wahrscheinlich, Hautkrebs. Nichts kann ihr helfen?, fragt Linda. Nur Morphium. Täglich? Der Arzt nickt. Solange sie lebt? Er schweigt. Das will ich nicht, weint Linda. Wir verlangen von Ihnen, sagt jetzt Johan, dass Sie Sanne sterben lassen. Dass Sie nichts tun, was Sannes Leben verlängert, ihre Qual, ihr Leiden.

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Und wehe, sagt Johan, lang und hager, und wehe, ich komme dahinter, dass Sie es tun. Sanne liegt in ihrem Kasten, sie wimmert, Linda beugt sich zum Kind und legt einen kleinen Bär aus Plüsch, den sie seit Stunden an ihrer Brust trägt, neben Sannes Gesicht. Damit sie weiß, wie ihre Mutter riecht. Dordsestraat 33, zweiter Stock, Milch abpumpen. Linda, es ist doch richtig, was wir denken? Ihr braucht Hilfe, sagt Lindas Mutter und ruft ihren Nef- fen an, Jurist beim Justizministerium in Amsterdam. Der nennt ihr eine Stiftung in Utrecht, Stichting Dilemma, die sich mit Fragen von Leben und Tod unheilbar kranker Säuglinge beschäftigt. Aber nennt, wenn ihr dort anruft, vorerst euren Namen nicht, sagt der Neffe. Kein Schlaf, wieder fahren sie nach Groningen, Tag 4, Lin- da beugt sich zu ihrem Kind und bettet ein Plüschbärchen, warm von ihrer Brust, neben Sannes Gesicht, stopft sich jenes, das sie am Vortag hinlegte, unter den Pullover, Diens- tag, 23. Januar. Ich möchte Sanne, sagt sie zur Pflegerin, ein paar Kleid- chen bringen. Besser nicht, sagt die Pflegerin, normale Kleider kann Ihr Kind nicht tragen, oder höchstens umgedreht, die Naht nach außen. Johan macht Fotos. Vielleicht die letzten, sagt er. Vielleicht, sagt sie. Hoffentlich, flüstert der Mann. Was, wenn man uns heute Nacht anruft und sagt, Sanne sei tot, was dann? Sanne! Wir möchten sie in unserer Nähe, wir wollen, dass sie nach Emmen kommt. Am 31. Januar, Tag 12, bringt der Krankenwagen Sanne M. ins Krankenhaus von Emmen, Zimmer 4.22, ein Ra- dio läuft, Linda sitzt neben dem Bett, Tag für Tag, manch- mal geht sie hinüber in den Nebenraum, kocht Kaffee und wartet, bis Johan aus der Bäckerei kommt, manchmal spielt sie Sanne eine CD vor, es fährt ein Züglein ins Träu- meland, hinter dem Steuer ein Elefant. Was können wir tun, dass sie stirbt? Rechtlich nichts, sagt die Stiftung Dilemma. Jeden zweiten Tag erhöhen die Pflegerinnen die Dosis, dann holen sie das Kind aus seinen Binden, manchmal schläft es, oft schreit es, rote blutige Wunden leuchten auf. Aber irgendwann, nehme ich an, werden Sie Ihr Kind mit nach Hause nehmen, sagt jemand und lächelt. Ich kann das nicht, Johan, ich kann sie nicht quälen, ich kann das nicht. Was Ihnen bleibt, ist Hoffnung, sagt Dilemma. Dass sie bald stirbt. Wie fühlt eine richtige Mutter? Lindas Frauenarzt, der Freund, sagt: Euren Maxi-Cosi, den Kinderwagen, den werdet ihr, um ehrlich zu sein, wahrscheinlich nie brauchen. Eine gute Nachricht, weint Johan. Linda zieht durch die Läden der Innenstadt, kauft naht- lose Kleidchen, näht ihrem Kind eine Decke aus weichs- tem Fleece. Irgendwann, vielleicht am Tag 14 oder 15, steht Johan an Sannes Bett, zwei Pflegerinnen nehmen ihr Blut ab, mit

Nadeln stechen sie in Sannes Haut, eine Blase wächst, sie versuchen es wieder, eine Blase wächst, Blase nach Blase, Sanne schreit und krümmt sich vor Schmerz, dann ste- chen sie ihr in den Kopf. Besser, sagt Dilemma am Telefon, ihr erzählt keinem, was ihr euch wünscht. Dordsestraat 33, im Erdgeschoss die Bäckerei, unter dem Dach ein leeres Zimmer, apfelgrün, Johan sitzt im Keller und hört seit einer Stunde laute Musik, supergirl, super- girl, Lindas Mutter sagt: Ihr braucht Hilfe, morgen schi- cke ich einen Arzt ins Haus. Was Sie wollen, wollen Sie aus Liebe zu Ihrem Kind. Was Sie sich wünschen, ist nicht falsch, sagt der Arzt, ein grauer Mann. Selbst Vögel, besorgtere Eltern könne man sich kaum denken, stießen ihre Jungen, wenn todkrank, aus dem Nest. So sei die Natur, sagt er, die Natur, von der der Mensch, fähig zur Moral, sich entfernt habe. Also sind wir nicht verrückt?, fragt Linda. Der Alte setzt sich neben die Frau aufs Sofa, sie legt ihren Kopf an seine Schulter und zittert vor Trauer. Johan verkauft den Maxi-Cosi. Der Mann und die Frau stehen im Zimmer 4.22, Scheper Ziekenhuis, Boermarkeweg 60, Emmen, ihr Kind Sanne, drei Wochen alt, schläft, Arme und Beine in weiße Binden gepackt, in seiner Nase ein Schlauch. Wenn jetzt ein Arzt käme, eine Spritze in der Hand, und sagte, er habe noch ein bisschen Gift darin. Ja. Ich auch. Aber Sie werden Ihr Kind doch irgendwann nach Hause nehmen, nicht wahr?, sagt eine Pflegerin und lächelt. Tag 34, Sanne reißt sich die Magensonde aus der Nase, ihr Gesicht blutet. Tag 71, Dienstag, 27. März, Linda und Johan M. fahren zur Kinderklinik in Groningen. Wir möchten, dass Sie das Leben unserer Tochter beenden! Dann komme ich ins Gefängnis, sagt der Chefarzt. Was können wir tun? Vielleicht nur dies: Sie schreiben auf, was Sie möchten und weshalb, ich bringe Ihren Brief zum Staatsanwalt und erkläre ihm, ich sei unter Umständen bereit, Sanne zu er- lösen, falls ich strafrechtlich dafür nicht verfolgt werde. Sie würden das tun? Ich würde es tun. Sie sitzen am Tisch in der Küche, Linda, ausgebildete Lehrerin, schreibt mit großen runden Lettern, sehr ge- ehrter Herr Staatsanwalt, unsere Tochter, geboren am 20. Januar, heißt Sanne Montag, 2. April, kurz nach zwölf fahren der Mann und die Frau ins Krankenhaus, Sanne liegt stumm auf einem Kissen, langsam tragen die Eltern ihr Kind ins Auto, lang- sam bringen sie es nach Hause, Dordsestraat 33, und zei- gen ihm die Bäckerei, das apfelgrüne Zimmer unter dem Dach, Sanne trinkt Milch aus der Flasche, Linda singt und summt, er gaat een treintje naar dromenland. Die dunklen Augen. Sanne bleibt drei Stunden, Tag 77. Der Staatsanwalt richtet aus, mit gutem Gewissen könne er nicht versichern, ein strafrechtliches Verfahren zu un- terlassen, falls er von aktiver Euthanasie an Neugeborenen erfahre, dennoch sei er bereit, sich mit Medizinern und

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Philosophen und Juristen zu treffen, um entsprechende Fragen zu bereden, am besten in Utrecht, dem Sitz der Stiftung Dilemma. Ohne uns?, schreit Johan. Uns hören die nicht an! Sie legt ihre Hand auf seinen Arm. Immer wieder holen sie das Kind nach Hause, zeigen ihm sein Zimmer, die Kleider, die es nie tragen wird, Linda leiht sich einen Maxi-Cosi und schiebt Sanne durch die Dordsestraat und redet mit den Menschen, die sich zum Kinderwagen bücken, was für ein hübsches Kind, wie geht es ihm überhaupt? Erzählt keinem, sagt Dilemma, was ihr denkt. Sanne bleibt nun jede zweite Nacht. Zieht ihr Linda die Windel zu eng, wachsen Blasen, reibt sich Sanne an stei- fem Tuch, platzen Blasen. Manchmal erstickt sie fast am eigenen Schleim, ihr Gesicht ist blau und gelb, dann steckt Linda einen Schlauch in Sannes Hals und saugt am anderen Ende, zieht das Kind ins Leben zurück. Vielleicht sollte ich – nein. Das geht nicht, sagt Johan. Wenn Sanne stirbt, dann ohne Angst, wenn sie stirbt, dann ganz ruhig. Beugt sich Linda über Sannes Bett, sagt sie hurra!, hurra!, manchmal lacht das Kind und wirbelt seine Arme in Lin- das Gesicht. Und wenn jetzt das Telefon schellte, Groningen am Ap- parat, der Staatsanwalt habe es sich anders überlegt, wir könnten, wenn wir möchten, Sanne sofort bringen? Johan fährt das Kind zurück ins Krankenhaus, man be- täubt es und wechselt seine Binden. In Utrecht reden sie seit Stunden, Philosophen, Juristen, Mediziner, es ist Mittwoch, 25. April, der hundertste Tag im Leben von Sanne M., und Linda schaut auf die Uhr, schaut zu Sanne, die plötzlich lacht und gurrt. Wenn jetzt? Sie schiebt ihr Kind nicht mehr durch die Straßen, Linda will nicht, dass jemand sieht, wie Sanne, zwar selten, plötzlich lacht und gurrt. Unser Leben, Johan, ist ein Doppelleben. Sanne hat Blasen auch im Mund, sie hat Hunger, kann nicht trinken, Sanne schreit und brüllt, Linda legt ihr Kind ins Bett, greift zum Staubsauger, stellt das Radio laut. Der Psychologe im Krankenhaus rät zur Gesprächstherapie. Ich spinne doch nicht, sagt Johan. Dilemma schickt eine Mail: Noch kein Entscheid in Ut- recht, weitere Sitzungen geplant. Der Mann sperrt sich in den Keller und hört laute Musik,

she’s my girl, my supergirl.

Eigentlich besteht kein Grund, Sanne noch länger hier- zubehalten, sagt der Arzt im Krankenhaus. Ich kann sie nicht verbinden, ich kann sie nicht quälen, weint Linda. Dafür gibt es den Pflegedienst. In Utrecht reden sie ein zweites Mal, Anfang Mai, Medi- ziner, Juristen, Philosophen. Linda sitzt auf dem Sofa, ihr Kind neben sich, sie schaut zur Uhr, das Telefon schellt, Linda erschrickt: der Entscheid. Wie geht es Sanne?, fragt ein Bekannter. Schlechter denn je, lügt Linda, vielleicht stirbt sie im Lauf der Nacht. Johan im Keller.

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Sannes Zehen sind jetzt verwachsen, ihre Füße rote schuppige Stümpfe. Tag 161, Linda und Johan holen Sanne nach Hause,

25. Juni, ein Montag, Sanne bleibt für immer, Linda

M., dünn und fahl, beginnt ein Tagebuch. Der Staatsanwalt richtet aus, selbst nach drei Gesprä- chen in Utrecht sei er, bei allem Verständnis, nicht bereit, die Gesetze der Niederlande zu missachten. Dordsestraat 33, zweiter Stock, Nacht.

Heute hörte ich ein Lied, Love will find a way, ich möchte, dass man das zu Sannes Begräbnis spielt. Und dieses Stück von Syb van der Ploeg, ze is niet van deze wereld, ze is niet van deze tijd, sie ist nicht von dieser Welt, sie ist nicht von dieser Zeit. Beugt sich Linda über Sannes Bett, sagt sie hurra, meine Kleine!, hurra, Prinzessin!, manchmal lacht

das Kind. Kommt Johan aus der Bäckerei, nimmt er Sanne auf den Arm, trägt sie durchs Haus und summt und streichelt ihr Haar. Sanne erschrickt und schreit, als Johan eine Schachtel Zigaretten aufreißt. Jeden Montag um 17 Uhr bringt er das Kind ins Krankenhaus zur Kontrolle, jeden zweiten Tag kommt der Pflegedienst und wechselt die Verbände, eine Stunde lang. Jetzt sind die Wunden grün und blau, sie stinken faul und süßlich, Pseudonomaden, sagt der Arzt, stäb- chenförmige Bakterien, leider antibiotikaresistent, dagegen hilft nur eins, Baden in Essiglösung. Sanne krümmt sich vor Schmerz. Ihr braucht Urlaub, sagt Lindas Mutter, fahrt weg, ich kümmere mich ums Kind, ich kann das. Und wenn Sanne stirbt? Dann darf sie das, wann immer sie will.

22. Juli, Sonntag, der Mann und die Frau reisen nach

Italien, einen Wohnwagen hinter sich, Tag 188. Was sind das für Leute, die in die Toskana reisen und ihr krankes Kind zu Hause lassen, was sind wir bloß für Eltern, Linda? Sie baden im Meer und versuchen zu lachen. Ich vermisse sie, sagt Johan. Nach einer Woche sind sie zurück. Mittwoch, 8. 8. 7.30 Uhr Du liegst wach im Bett. Papa ist bei der Arbeit. Du bekommst dein Fläsch- chen, 120 ml (plus 5 ml Paracetamol, 5 ml Morphin, 3 Tropfen Tramal). 8.45 Fläschchen 120 ml (plus 10 Para, 5 Morph, 5 Lora, 6 Tropfen Tramal). 9.15 Uhr Du schläfst auf deiner Decke. 9.45 Uhr Ein großer Schwall Milch schießt aus deinem Mund. Auch dringt Blut durch den Verband am linken Fuß. Sie wird bald sterben, Johan. Ich weiß. Die Dermatologin aus Groningen kommt nach Em- men, sie erschrickt, als sie Sanne sieht. Drückt sie eine Blase auf, wächst daneben eine neue. Sanne wird bald gehen, Johan, mach Fotos von ihr, mach ein Foto von Sanne und mir. Montag, 17. 9. 7 Uhr Wach. Fläschchen (10 Prom + 10 Morph + 10 Dorm + 10 Lactulose). 8 Uhr Du weinst furchtbar. Mama gibt dir 10 Morph extra mit einer Spritze in den Mund. 8.15 Uhr Fläschchen + Medi: 15 Morph + 15 Dorm + 10 Prom. 11 Uhr Ver- binden. Du schreist im Bad. Dein linker Fuß und

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34 Die Mutter muss Sanne Medikamente geben, um das Leiden zu lindern deine linke Hand sind

Die Mutter muss Sanne Medikamente geben, um das Leiden zu lindern

deine linke Hand sind grün. Beim Verbinden schläfst du ein. 13 Uhr Jetzt schläfst du. 17.15 Uhr Wach. Du liegst auf dem Tisch. Den Kopf hältst du schief, bist ganz weiß, deine Augen sind klein. 17.30 Uhr Fläschchen + 10 Morph + 10 Prom + 10 Dorm. Sobald du alles getrunken hast, fängst du an, deine Äuglein zu reiben. 17.45 Ins Bett. Du schläfst sofort. 22.15 Mama und Papa gehen ins Bett. Wir schauen noch bei dir vorbei. Als du uns siehst, beginnst du zu lachen und mit deinen Beinen zu stram- peln. Du bist hellwach. Wir heben dich aus deinem klei- nen Bett und setzen dich zu uns ins große. Wenn wir hiephiep sagen, wirfst du beide Arme in die Luft. Dieses Spiel spielen wir sicher zehn Mal. Es ist wunderbar! Da- nach geben wir dir noch ein Fläschchen mit 10 Morph + 10 Prom + 10 Dorm. Dann legen wir dich in dein Bett. Wir hoffen, du kannst schlafen – Tag 245. Ich glaube, jetzt will sie sterben. Am Samstagmorgen, 29. September, stößt Linda im Su- permarkt auf einen Bekannten, er ist Arzt und fragt nach Sanne, sie antwortet, mit Medikamenten sei das Kind kaum noch zu beruhigen. Der Bekannte sagt: Vielleicht hilft eine Morphinpumpe. Die versorgt sehr gleichmäßig, kein Auf, kein Ab. Ihr wisst, was das bedeutet?, fragt der Kinderarzt im Kran- kenhaus, es ist Montagmorgen, Tag 259. Sanne wird davon nicht sterben, sie wird wegdämmern, nur noch schlafen. Hoffentlich für immer, denkt Johan.

Dordsestraat 33, der Mann und die Frau tragen Sanne durchs Haus, sie setzen sich aufs Sofa, streicheln ihr Kind, schnuppern am Kind, atmen seinen Geruch, hurra!, hurra! Sanne lacht nicht mehr. Sie will gehen, Johan. Linda schreibt: Wir versuchen, jede Sekunde von dir in uns aufzunehmen. Endlich kommt der Kinderarzt und setzt eine Morphin- pumpe an Sannes Oberschenkel. Sanne ist einverstanden, sagt Linda. 2. Oktober, seit dem frühen Morgen ist Johan unterwegs, Tag 260, Linda erwacht gegen acht Uhr, alles ist ruhig im Haus, Sanne wimmert nicht. Sie schläft, vielleicht ist sie tot, wahrscheinlich ist sie tot. Leise schleicht Linda hinüber ins apfelgrüne Zimmer und beugt sich zum Kind, Sanne atmet, Linda beginnt zu schreien, dann schluchzt sie und hält sich am Bett fest. Linda, ihre Tochter im Arm, kaum schwerer als bei der Geburt, sitzt auf dem Sofa im zweiten Stock, Sannes Ge- sicht ist weiß und grau, ihre Augen sind geschlossen, die Wimpern verklebt, Linda zählt, wie oft sie atmet. Warte, Prinzessin, bis Papa hier ist. Johan kommt um 13 Uhr. Linda reicht ihm das Kind. Bei mir ist Sanne gekommen, bei dir soll sie gehen. 16.10 Uhr. Jetzt ziehen sie ihr ein Hemdchen an, auf der Brust eine Ente. Dann eine weiße Hose, die Naht nach innen.

zeitmagazin

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Ang Lee

Ich habe einen Traum

Ang Lee Ich habe einen Traum

»Mach einen Film!« Also gönnte ich mir keine Pause. Ich fing sofort mit dem nächsten Film an, das war Brokeback Moun- tain. Ich dachte, das wird ein kleiner Arthouse-Film, den kaum jemand sieht. Ich nahm den Job vor allem deshalb an, weil der Film ein kleines Budget hatte. An schwule Cowboys oder so etwas dachte ich gar nicht. Ich wollte einfach nur meinen nächsten Film drehen. Der Film war für meinen Vater, weil er mich zum ersten Mal ermutigt hatte, Filme zu machen. Und dann war es dieser Film, der mir die Liebe zum Filmemachen und zum Leben zurückgab.

Zeitpunkt schien er noch kerngesund. Zwei Wochen da- nach starb er. Nachdem er endlich zu mir gesagt hatte:

58, wurde in Taiwan geboren. Heute ist er US-Bürger und lebt im Bundesstaat New York. Für »Brokeback Mountain« erhielt er 2006 einen Regie-Oscar. Sein neuer Film »Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger« kommt in diesen Tagen ins Kino

Ang Lee

Zu hören unter www.zeit.de/audio

»Ich wollte immer meinen Vater stolz machen«

Familie nicht sehr hoch angesehen. Mein Vater sah zwar selbst ganz gern Filme an; aber er dachte auch, Filme zu machen, sei keine sehr vielversprechende Laufbahn. Meine besten Ideen kommen immer aus dem Nichts. Und manchmal muss ich ins Nichts gehen, da- mit sie zu mir kommen. Es ist nicht so, dass ich die Augen schließe und Bilder sehe. Die Bilder finden mich.

jetzt

dachte ich darüber nach, mit

dem Filmemachen aufzuhören. Denn ich fühlte mich

den, Lehrer oder gar Professor?« Und ich sagte: »Ich kann nicht mehr, ich will aufhören.« Darauf erwiderte er: »Mach weiter! Du musst deinen nächsten Film ma- chen! Du bist noch nicht alt. Du wärst ein schlechtes Beispiel für deine Kinder.« Das war das erste Mal überhaupt, dass mein Va- ter so etwas sagte. Und ich nahm es sehr ernst. Zu dem

Am Ende der Dreharbeiten habe ich mich manchmal selbst fast verloren. Ich verfluche den Film. Er ver-

»Willst du wer-

für Regie,

mich.

mich: Respektables

Zeit führt

Der Film

Foto Anatol Kotte

schwierige

fragte etwas

Hulk Alpträume.

eine Films.

Vater noch

ist dann des

Mein doch

Ich habe

Das Sklaven

am Ende

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

mich. The

ich. zum

schlingt Nach

ausgebrannt.

Ich werde

vielleicht

nicht

Mein Vater ist vor fünf Jahren gestorben. Nachdem er gestorben war, tauchte er nie wieder in meinen Träu- men auf. Wir hatten eine klare und beständige Bezie- hung, die ich heute immer noch in meinen Filmen fortschreibe. Auch in Life of Pi: Der Junge leidet da- runter, dass er sich von seinem Vater nicht verabschie- den konnte. Das habe ich so ähnlich auch erfahren. Ich war in New York, als mein Vater von uns ging. Er hatte einen Schlaganfall und starb innerhalb von 45 Minu- ten. Ich war an einem Flughafen und telefonierte mit ihm über das Handy. Er lag schon im Sterben. Aber mein Bruder sagt, als mein Vater meine Stimme am Telefon hörte, habe sich sein Gesicht entspannt. Trotz- dem, ich war nicht bei ihm. Ich wollte ihn immer stolz machen. Ich fürchte- te ihn. Ich hatte Angst, ihn zu enttäuschen. Das ist ein großer Teil meines Lebens. Immer noch. Lange Zeit wollte mein Vater nicht, dass ich Fil- me mache. Meine Eltern waren aus dem kommunisti- schen China nach Taiwan geflüchtet, beide hatten ihre Eltern verloren. Mein Vater wurde Schuldirektor. Auf-

uns in der

bei gesellschaft-

und wegen seines

war Entertainment

Erfahrungen

Hintergrunds

grund seiner

lichen

Auf- uns in der bei gesellschaft- und wegen seines war Entertainment Erfahrungen Hintergrunds grund seiner lichen

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39 WWWEGWEISER Wo steckt eigentlich dieses Internet, von dem man in letzter Zeit immer so viel

WWWEGWEISER

Wo steckt eigentlich dieses Internet, von dem man in letzter Zeit immer so viel hört? Der Künstler Peter Piller hat es an verschiedenen Orten aufgespürt

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FOTOS PETER PILLER, VG BILDKUNST, BONN 2012
FOTOS
PETER PILLER, VG BILDKUNST, BONN 2012

Peter Piller

wurde 1968 geboren. Der Künstler ist vor allem bekannt für seine Arbeit »Archiv Peter Piller«: Er sammelt dokumentarisches Fotomaterial, das er zu thematischen Serien wie »schießende Mädchen« oder »in Löcher blicken« zusammenfasst. Piller lebt in Hamburg und ist Professor für zeitgenössische Fotografie in Leipzig

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Der Lederrock wird erwachsen Eine Stilkritik

44 Der Lederrock wird erwachsen Eine Stilkritik Schwarzes Leder – endlich elegant. Rock von Haider Ackermann

Schwarzes Leder – endlich elegant. Rock von Haider Ackermann für 1359 Euro

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Der schwarze Lederrock war früher einmal etwas Knall- enges, das knapp unter dem Hintern endete. Das ver- schaffte ihm den Ruf von etwas allzu Erotischem. Diesen Herbst ist er in neuer Form zurückgekehrt in die große Mode: als Bleistiftrock. Er ist knielang und wurde von Christian Dior in den fünfziger Jahren entworfen – ohnehin eng, verjüngt er sich zum Saum noch weiter. Nun zeigt Derek Lam in seiner Herbstkollektion einen Bleistiftrock in schwarzem Nappaleder, und auch bei Valentino, Alexander Wang, Vers3ace, Fendi, Haider Ackermann und Calvin Klein wird Leder wiederentdeckt. Einfach zu tragen ist der Le- derrock allerdings nicht. Schwarzes Leder strahlt ja nicht nur Verruchtheit aus, sondern auch eine Rockerhaftigkeit, sodass man am besten einen Kontrast schafft und eine hochgeschlossene Bluse dazu trägt. Das Archaische besitzt Leder nicht von unge- fähr, es ist immerhin das älteste Material, in das Men- schen sich gekleidet haben. Lange bevor man gelernt hat, Fasern zu spinnen, zog man schon Tieren das Fell ab. Dabei wärmte Leder nicht nur, man glaubte auch, der Träger übernehme die Fähigkeiten des erlegten Tie- res. Leder macht stark: Diese Assoziation gibt es noch heute, weshalb es so gern von Motorradgangs und Pilo- ten getragen wird. Der Reiz des Leders in seiner neuen Ausprägung ist ein anderer. Denn es wird zu einem Kleidungsstück geschneidert, das bislang nicht gerade für große Freiheit stand. Schließlich ist der Bleistiftrock auch als Humpel- rock bekannt, der seiner Trägerin nur kleine Schritte er- laubt. Gerade deswegen passte er gut in die fünfziger Jahre, denn das war die Ära, in der die Kriegsheimkehrer ihre Frauen zurück an den Herd drängten. Oder eben als sexy Sekretärinnen einsetzten, die im Pencil-Skirt zum Diktat herbeitippelten. Nun jedoch ist der enge, lange Rock seinem ursprünglichen Kontext entfremdet, er wird gewissermaßen unter veränderten Bedingungen zurück in die Wildnis überführt. Es ist ein Segen, dass das Leder zur Frau zurück- findet. Denn leider sieht Leder an vielen Männern einfach unpassend aus. Man wird nicht zum Bären, nur indem man seine Haut anzieht. Das musste übrigens auch so mancher Steinzeitmensch erfahren.

Von Tillmann Prüfer Foto Peter Langer

Von A

Stephan Lebert fährt mit dem Volvo XC90 von Wolfratshausen nach Ebenhausen

nach B

Warum müssen sich Menschen eigentlich immer in die Augen schauen, wenn sie miteinander sprechen? Oder ge- nauer: Warum muss ich eigentlich immer die Menschen anschauen, wenn ich mit ihnen rede? Immer. Es geht um das Wort immer. Ich fahre mit dem Volvo XC90 eine be- sondere Strecke – vom bayerischen Städtchen Wolfrats- hausen ins bayerische Dörfchen Ebenhausen, alle beide im Münchner Süden gelegen –, die ich vor mehr als dreißig Jahren schon einmal fahren sollte. Heute sitzt meine kleine Familie im Auto, entspannte Frau, fröhliches Kind. Da- mals saß mein Fahrlehrer neben mir und hinten der Fahr- prüfer. Ich schwöre, ich habe verdrängt, wie sie aussahen. Ich darf ein klein wenig ausholen. Mir ist die Kompetenz zum Autofahren, wie so manch anderes auch, nicht in die Wiege gelegt worden. Ich hatte viele Fahr- stunden, sehr viele. Ich hatte eine Fahrprüfung und dann eine zweite, von der hier die Rede ist. Kurz bevor ich da- mals in Wolfratshausen losfuhr, raunte mir mein Fahr- lehrer zu, diesmal könne nichts schiefgehen, der Prüfer sei ganz außerordentlich nett, der habe praktisch noch nie jemanden durchfallen lassen. Diese Auskunft beruhigte mich nicht, da ich dem Satz »Es kann nichts schiefgehen« schon immer misstraut habe. Allerdings hätte mich vermutlich auch kein anderer Satz auf dieser Welt beruhigen können. Schweißnass tu- ckerte ich los. Ein paar Hundert Meter weiter stand ein Umleitungsschild, und ich blinkte nach rechts. Warum ich nach rechts blinke, fragte der freundliche Fahrprüfer, er habe doch gar nichts gesagt. Ja, und dann geschah es, ich drehte mich um, sah ihm in die Augen und sagte, ich täte das wegen des Umleitungsschilds. Ich sah seine Au- gen, aber nicht, dass wir in einer Kurve waren. Der Fahr- lehrer musste bremsen, sonst hätten wir die Friedhofs- mauer durchbrochen. So etwas durfte man damals nicht. Ich war durchgefallen. Man kann dunkle Ereignisse aus der Vergangen- heit überwinden. Diesmal gelingt die Strecke. Ich muss nur manchmal an damals denken. Und ich suche den Blickkontakt mit dem Kind auf dem Rücksitz, doch das klappt nicht. Im Rücken des Beifahrersitzes befindet sich im Volvo XC90 eine Mediaanlage, mit DVD-Player und Fernseher. Das Kind ist begeistert. Hätte der Fahrprüfer Fernsehen geschaut, hätte er nicht so blöde Fragen gestellt.

geschaut, hätte er nicht so blöde Fragen gestellt. Technische Daten Motorbauart: 5-Zylinder-Diesel- motor,

Technische Daten Motorbauart: 5-Zylinder-Diesel- motor, Leistung: 120 kW (163 PS), Beschleunigung (0–100 km/h): 11,8 s, Höchstgeschwindigkeit:

190 km/h, CO₂-Emission: 212 g/km, Durchschnitts- verbrauch: 8,1 Liter, Basispreis: 41 750 Euro

Stephan Lebert leitet das Investigativ- Ressort der ZEIT

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Wochenmarkt:

Ein Käsefondue an Silvester

46 Wochenmarkt: Ein Käsefondue an Silvester Käsefondue für 3 Personen 400 g Beaufort, 300 g Comté,
46 Wochenmarkt: Ein Käsefondue an Silvester Käsefondue für 3 Personen 400 g Beaufort, 300 g Comté,

Käsefondue für 3 Personen 400 g Beaufort, 300 g Comté, 200 g Tomme de Savoie, 200 ml Weißwein, 2 Knoblauchzehen (zerdrückt), etwas geriebene Muskatnuss, 20 ml Kirschwasser, 1 Messerspitze Maispulver oder Backpulver

Das Käsefondue enthält außer Käse und Schnaps nicht viel und ist deshalb für ein Silvesteressen gut geeignet: Sie als Gastgeber werden feststellen, dass die Hälfte Ihrer Gäs- te keine Kohlenhydrate mehr isst. »No carbs after dark!«, werden Ihre Gäste Sie anzischen, wenn Sie ihnen Ihre liebevoll selbst gebackenen Rosmarincracker zum Aperitif reichen wollen. Kohlenhydrate haben sich im Jahr 2012 so unmöglich gemacht wie Blackberrys. Kohlenhydrate machen dick. Blackberrys hat man nicht mehr, weil alle entscheidenden Apps darauf nicht funktionieren, aber mit diesen Themen kennen sich andere besser aus. Um die letzten drei bis fünf Kilo abzunehmen, die zwi- schen uns und dem Lebensglück stehen, schneiden wir zunächst den Käse – viel Käse – in Scheiben. Die werden in eine Schüssel fein gerieben. Man gibt Weißwein,

Knoblauchzehen sowie etwas Muskat dazu und lässt die Mischung eine Stunde marinieren. Dann wird das Ganze in einem Topf unter ständigem Rühren erhitzt, bis der Käse schmilzt. Schließlich kommt das Kirschwasser dazu. Mit Stärke oder Backpulver kann man für eine cremige Konsistenz sorgen, wenn das Fondue zu flüssig geworden ist. Das Rezept stammt aus den Kreuther Fonduestuben im Hotel Bachmair Weissach, einem der schönsten Gast- höfe von den schönen Gasthöfen am Tegernsee. Bei der Käsefondue-Diät muss man nicht hungern. Nord- koreanische Wissenschaftler werden ihre Wirksamkeit bald beweisen. Voraussetzung ist natürlich, dass man auf die Beilagen Kartoffeln, Nussbrot und Baguette verzichtet und stattdessen nur Schinken, Salami, Trauben oder di- rekt den Löffel ins Fondue tunkt.

Von Elisabeth Raether Fotos Jason Lowe

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BERLIN – DU (M) machst irgendwas mit Schauspiel und hilfst mir (W, 44, frankophil, Medienjob 9 to 5, aber à 08/15), eine bühnenreife Vorleserin zu werden. Daraus wird ein positiver Energieausgleich für uns beide.

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Same same but different kosmopolitischer Kultur, Musik und Kunst liebhabender Frankfurter/Main (Dr. med. Anfang 40) sucht Mann für jeden Tag und jede Situation mit ge- meinsamen Zukunftsvisionen. (BmB) ZA 107881 DIE ZEIT, 20079 Hamburg

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Ausgabe 3/2011

Welcher gutmütige Weihnachtsmann wünscht sich a wonderfulWindsbraut für immer oder ewig? No e-mail! ZA 59819 DIE ZEIT, 20079 Hamburg

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Die großen Fragen der Liebe Nr. 225

Darf sie auch mal Schnee räumen?

Seit Georg und Elinor eine Tochter haben, gibt es immer wieder Streit zwischen ihnen. Elinor sagt, dass Georg nur an sich denkt; Georg kontert, dass Elinor keine klare An- sage macht und sich nachher beklagt. Er erzählt gleich ein Beispiel. Die beiden leben in einem Haus auf dem Land. Bei Schneefall muss die Auffahrt geräumt werden, damit Susanne in den Kindergarten gebracht werden kann.

Wolfgang Schmidbauer:

Der scheinbar harmlose Streit verbirgt ein ernstes Pro- blem: den Kontrast zwischen Handlungsdialog und Ein- fühlungsdialog. Er macht sich oft erst in seiner ganzen Brisanz bemerkbar, wenn ein Kind in die Zweierbezie- hung kommt. Elinor erwartet, dass sich Georg in sie hineinversetzt und sich dafür interessiert, wie es ihr geht. Georg erwartet klare Ansagen und ein Dankeschön, wenn

Georg geht nach dem Frühstück hinaus und schaufelt, während Elinor dem Kind die warmen Socken und Stiefel anzieht. Nachher sagt Elinor vorwurfsvoll: »Du denkst nicht an mich. Ich würde auch gerne einmal schaufeln, die Bewegung an der frischen Luft täte mir gut, du könntest Susi anziehen!« – »Dir kann man es nicht recht machen«, sagt Georg beleidigt. »Warum hast du nichts gesagt?«

wieder eine Arbeit abgehakt ist. Wenn sich solche Szenen häufen, werden die Partner einander immer fremder. Georg sollte Elinor nicht ausschimpfen, weil sie nicht klar sagt, was sie will. Er müsste versuchen, den dunklen Kon- tinent ihrer Bedürfnisse zu erforschen. Elinor hingegen sollte die Kritik an seinem Aktionismus sorgsam in Lob für seine Tüchtigkeit verpacken.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch »Partnerschaft und Babykrise« ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen

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50

Stichfrage Nr. 20

Lösung Stichfrage: Rechte der Seite unten
Lösung
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Wer trägt dieses Tattoo?

A: Die Politikerin Agnieszka Malczak B: Der Unternehmer Hugh Hefner C: Der Koch Paul Bocuse

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FÜLLEN SIE DIE LEEREN FELDER DES QUADRATES SO AUS, DASS IN JEDER ZEILE, IN JEDER SPALTE UND IN JEDEM MIT STÄRKEREN LINIEN GEKENN ZEICHNETEN 3 × 3 KASTEN ALLE ZAHLEN VON 1 BIS 9 STEHEN

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Spiele

Lösung der Stichfrage: C – Diesen Hahn trägt Paul Bocuse auf dem linken Oberarm. Der französische Sternekoch ist für seine Bressehuhn-Gerichte bekannt

Um die Ecke gedacht Nr. 2152

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Waagerecht: 5 Wie wir, vorzugsweise feiernd, ins neue

Jahr schreiten – oder: Befindlichkeit vorm Katerfrühstück?

10 Das schmale oder die Schale: gleichermaßen gern ge-

griffen gegen Jahresende 13 Ist doch kein Weltuntergang, wenn der am Ende ist – im Schreibwarenregal wird’s einen Neuen geben 15 Das Ablegen vom Fehler kostet viel gute Vorsatzkraft, manchen ist das … schon zu schwer 19 Beim Allein-zu-Haus-Boy im Herzen, das Madl 20 Mancher wünscht sich einen Blick in die Zukunft – und, wenn er gut ausfiel, dazu bitte eine …! 21 Behagen reihenweise dem Spaßversteherkreise 23 Wo Sieg beginnt, rinnt ander-

wärts sie 24 Schwingt oft mit dort, wo das 35 waagerecht klappert 26 Sprichwörtlich: Kommt das … als Gaul, dann sei zum Reiten nicht zu faul! 28 Groß sind die … der Men- schen, klein ihre Pläne (Vauvenargues) 30 Wo das Vergnü- gen keine Kehrseite hat, folgt dem F- kein … 32 Mag mattgrüne Erinnerung an tierische Weidefreuden erhalten

33 Man bahnt ihr eisern Wege durch den Asphaltdschun-

gel 34 Je nachdem: eine herzliche Einheit oder ermüden- des Hickhack ewiglich 35 Fast runde Sache, wie Klee und Schornsteinfeger Symbol 38 Haben den schönsten Spaß, aber auch die größte Arbeit, angeblich 40 Ihr gilt Kraxlers Rückblick, Tauchers Vorfreude 41 In der Silvesternacht oft per Feuerwerk überstrahlt 42 Guter Vorsatz à la Wil- helm Busch: Ich hörte mal, dass man Verdruss womöglich streng … muss 43 Nur das wünscht uns der rückhaltlose Gönner 44 Glücksbringer, männliche Ausgabe 45 Win- terbottom, Toby, Pommeroy? Es ist immer der …!

46 Etwas …: selten kostenfrei, Grüße ausgenommen

Senkrecht: 1 Hatte Miltiades als Vorgänger, amtlich – hat keinen Nachfolger, zeitabschnittlich 2 Mischt sein Bäh unters allgemeine Oho 3 Ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration (Th. A. Edison) 4 Bei beinahe frühesten Neujahrsbegrüßern führend, der Knabe 5 Zu dem gibt’s Champagner, im alle Jahre wieder

meistbeachteten Dinner 6 Im Schatten des Glücks lauert er hintertücks 7 Silvesterdatum ist’s, Neujahrsdatum eben- so 8 Hervorragend geeignet für ausblickliche Zwecke 9 Kann, ausgespannt, ausspannen von der Festtagshektik 10 Böller, Bleigießen, Berliner – so ist’s … am Jahreswechsel

11 Sprichwörtlich: Ein … ist des anderen Lehrmeister 12

Verhält sich zum Stieren wie Wunderkerze zu Feuerwerk

14 Flapsige Faulenzerantwort auf die Frage: Was hängst du

… wie Luftschlange von gestriger Party? 16 Unterhal- tungsqualität im Kreise munterer Gäste 17 Ist im Fluss, wo

er Doubs oder Dordogne heißt 18 Es ist ein großes Glück, sein Glück zu … (Sprichwort) 22 Noch ein Glücksbringer, wenn auch selten allein 25 Links und rechts von seiner Pfalz, im Land mit Pfalz 27 Ergänzen die Vorhabenliste

um das, was man nicht müsste 29 Eins hat er sich verdient

30 Kassandradrama: Nie bewirkten die was 31 So sein

heißt Attraktivist in eigener Sache sein 34 Sprichwörtlich:

Das … lobt das Werk 35 Bedienungsanleitung fürs 10 waagerecht: … und Prosten! 36 Kommen so recht in Rei- he, geht das Jahr zu Neige 37 Glücklich allein ist die …, die liebt (Goethe) 39 Umso größer, je kleiner Zeitreserve

Lösung von Nr. 2150: Waagerecht 6 SEGMENT aus E-s-m-e-n-g-t 11 INTELLEKT 15 SCHLUSSAKKORD 18 ORKAN 20 »nach LUST und

Laune« 21 R-o-b-e umgestellt zu EBRO 22 reisen und »Kilometer REISSEN« 23 NEE = nein (nddt.), aus Sch-nee-wehe 24 Monte CARLO, Monaco 26 erstes europ. Porzellan in MEISSEN 28 DURCHKAEMMEN und durch Kämmen 31 CANNAE 32 ELKE aus K-l-e-e 33 ZULAUF

36

Socke und Denkmals SOCKEL 37 Turnübung und Schauspielers ROLLE 38 GARN auf Rolle 39 AACHEN an Belgien+Niederlande

41

GESINNUNGEN 42 MUT 43 NASE 45 NICHTS 46 GEISTREICH  Senkrecht 1 FEHLERLOS und ein »Fehler-Los« 2 Gebet »Vater

UNSER

« 3 MIKRO(-fon) 4 VEREINSAMT aus T-e-a-m-i-n-v-e-r-s 5 Schiffe und sich VERSENKEN 6 SCHNUEREN 7 GLUECKLICH

8 Ohr-, Meeres-MUSCHELN 9 EST = Osten (franz.) 10 TABLE = Tisch (engl., franz.) 12 ehem. Nationaltorwart TORE Svensson 13 LOS und los 14 TANTALUS 16 KOMMUNE 17 Tanz DISCO-fox, Song »Disco Pogo« 19 KENNEN 25 »Akzente setzen« und Sprach-AKZENT

27 SACHTE 29 AUGUST 30 MARGEN 34 Pippi LANG-strumpf 35 FANS 40 CURT Goetz, »Frauenarzt Dr. Prätorius« 44 ACH in ach-t

Lösung aus Nr. 52: Israel »Brudda Iz« Kamakawiwo ’ole (1959 bis 1997), an Adipositas leidender Sänger und Ukulele-Spieler aus Hawaii, stürmte 2010 mit »Over the Rainbow« die deutschen Charts – 13 Jahre nach seinem Tod

war Weiß verloren, weil auf 2.Sxe4 Sxe2+

3.Lxd4 dxe2 4.Sxe2 cxd4 5.Sc1 d3 6.Sb3 d2 7.Td1 De4 auch aufgeben

3.Kg2 f5! und auf 2.dxe4 Sxe2+! 3.Sxe2 Txd2 Schwarz jeweils den Springer gewönne. Weiß versuchte noch

Lösung aus Nr. 52: Mit welchem Zug gewann Schwarz? Nach 1

Zeilenweise: 8, 53, 273, 4641, 14941, 791873

Lösung aus Nr. 52:

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Schach

Lebensgeschichte

e4!

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aus Nr. 52: 52 Schach Lebensgeschichte e4! exd3 a b c d e f g h

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Vor Kurzem war ich wieder in Geyer, einem kleinen Erzgebirgsstädtchen, in das die Kriegs- wirren meine Familie mit mir als Baby bis zum Kriegsende verschlugen. Früher wurde dort Zinn- und Silberbergbau betrieben, doch heute ist Geyer wie aus der Zeit gefallen, dafür sind die Menschen umso freundlicher und offener – eine ältere Frau sang dem Fremden sofort und voller Inbrunst das Lied vom »Vuglbeerbaam« (Vogel- beerbaum) vor. Auf der Suche nach der verlore- nen Zeit kam ich ins Turmmuseum, ein liebens- werter Anachronismus mit einem Sammelsurium verschiedenster Dinge, die einen Ort und Zeit vergessen lassen. So rankt sich in der Turmspitze als Geschenk eines Bürgers eine 6,50 Meter lan- ge Pythonschlange empor, darunter stehen Zinnsoldaten aus dem Nachlass eines anderen Bürgers Wache, der »in der Fremde« zu Geld kam und sein ganzes Vermögen der Stadt und dem Turmmuseum vermachte. Doch besonders stolz ist man auf Karl Stülpner (1762 bis 1841), einen Wildschützen und Rebellen, auf den eine Kopfprämie ausgesetzt war und der in der Hun- gersnot den Armen mit gewildertem Fleisch und im Kampf gegen die Obrigkeit zur Seite stand und dessen Bild mit dem Spruch »Vergaß dei Haamit net« ich auch auf einer Hauswand pran- gen sah. Nun noch etwas Schach, diesmal von mir selber. Mit welcher Kombination kam ich als Schwarzer am Zug 1962 beim Internationalen Juniorenturnier in Bamberg gegen Karl-Heinz Bachmann in entscheidenden Vorteil?

2.Le3, musste aber nach 2
2.Le3, musste aber nach 2

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Die ringellockige Kleine im rosa Satinkleidchen stampfte vor Wut

mit dem Fuß auf, weil sie nicht im Rampenlicht stand. Erst als die

Scheinwerfer auf sie gerichtet waren, intonierte sie mit verblüffend

tiefer Stimme einen Gassenhauer und führte ein Tänzchen auf. Ihr

Bühnendebüt war ein voller Erfolg. Die Eltern fühlten sich bestä- tigt, dass Schule nicht wirklich weiterbringt, Tanzunterricht und

Prinzessinnenkleider (die Mutter), Muskeltraining und Erfahrun- gen in der Halbwelt (der Vater) hingegen schon. Mit dreizehn Jah-

ren war Schluss mit dem Bildungsunfug, der sie nur von ihrer Ar- beit abhielt, mit der sie die Familie ernährte. Stattdessen lernte sie

das Leben, spielte, sang, tanzte und konnte angeblich drei Männer auf den Schultern tragen. Mit achtzehn heiratete sie heimlich einen

Bühnenpartner, bereute es aber schon nach wenigen Tagen und schloss den Gatten im Hotel ein, um auszugehen und nach ihrer

Fasson Spaß zu haben. Das Recht einer Frau auf ein lustvolles Leben wurde ihre Mission. In einer Zeit, in der der Widerspruch zwischen den gesellschaftlich hochgehaltenen Werten und der Le- benspraxis noch kaum diskutiert wurde, mehr als eine Provokation. Als sie dazu überging, sich die Rollen für ihre stilisierte »Persönlich- keit« auf den Leib zu schreiben, brachte ihr das umgehend einen aufsehenerregenden Prozess und zehn Tage Gefängnis ein. Aber was war das schon, wo doch die Kasse nur umso lauter klingelte! Und so nahm sie sich in den folgenden Stücken noch skandalträchtigerer Themen an. »Unsäglicher Schmutz«, wetterte die Kritik, aber das Publikum lag ihr zu Füßen. »Es geht nicht darum, was du machst, sondern wie!«, kommentierte sie ihren Erfolg. Dieses »Wie« sei hypnotisch, hieß es anderswo, denn mit ihren lasziv trägen Bewegungen mache sie eigentlich gar nichts. Ihr Gehirn muss jedoch umso flinker gearbeitet haben, um die treffsicheren Pointen zu liefern, mit denen die Nachwelt sie bis heute zitiert. »Ich habe die Geschichte selbst geschrieben«, sagte sie etwa, wobei ihre Geschichten sich mehr oder weniger alle glichen, denn immer ging es »um ein Mädchen, das seinen guten Ruf ver- loren und nie vermisst hat«. Wer war’s?

Logelei

Bei Pflanz & More gibt es gerade eine Rabatt-Aktion: Alle Preise sind runde Euro-Beträge, und wer mindestens drei Produkte kauft, muss das billigste nicht bezahlen. Einige Freunde unterhalten sich über ihre Schnäppchen. Fritz: »Ich habe für einen Pressluftrechen, eine Gieß-Liesel und einen Elektropflücker nur 17 Euro bezahlt.« Dorothee: »Und ich habe zwei Automatikkübel und ein Setzling-Set für 11 Euro bekommen.« Erwin: »Ein Elektropflücker, ein Sack Pflanzenstreu und eine Gieß-Liesel haben zusammen nur 24 Euro gekostet.« Kurt: »Ich habe einen Pressluftrechen, ein Setzling-Set und zwei Säcke Pflanzenstreu gekauft und 31 Euro bezahlt, aber das war dumm von mir: Wenn ich zwei separate Einkäufe gemacht hätte, hätte ich noch 5 Euro mehr sparen können.« Jasmin: »Stimmt, wenn man sich geschickt anstellt, kann man noch mehr Geld sparen. Ich wollte einen Automatikkübel und zwei Setzling-Sets kaufen. An der Kasse habe ich dann Jonas getroffen, der einen Sack Pflanzenstreu und zwei Gieß-Lieseln kaufen wollte. Vor dem Bezah- len haben wir ein Produkt getauscht; so haben wir zusammen 6 Euro weniger bezahlt, als wenn jeder seine eigenen Sachen bezahlt hätte.« Welcher Artikel kostet was?

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Spiele

TIM FRECCIA

WOLFGANG MÜLLER

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SEBASTIAN HERZOG

LEBENSGESCHICHTE

SCRABBLE

HELMUT PFLEGER

ZWEISTEIN

SCHACH

LOGELEI

Scrabble

Lösung aus Nr. 52: Blanca Gröbli-Canonica beendete die Partie mit dem Bingo RONDEAUS auf M6–M13
Lösung aus Nr. 52: Blanca Gröbli-Canonica beendete die Partie
mit dem Bingo RONDEAUS auf M6–M13

DREIFACHER WORTWERTbeendete die Partie mit dem Bingo RONDEAUS auf M6–M13 DOPPELTER WORTWERT DREIFACHER BUCHSTABENWERT DOPPELTER

DOPPELTER WORTWERTmit dem Bingo RONDEAUS auf M6–M13 DREIFACHER WORTWERT DREIFACHER BUCHSTABENWERT DOPPELTER BUCHSTABENWERT Die 13.

DREIFACHER BUCHSTABENWERTRONDEAUS auf M6–M13 DREIFACHER WORTWERT DOPPELTER WORTWERT DOPPELTER BUCHSTABENWERT Die 13. Auflage des ZEIT

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Die 13. Auflage des ZEIT-Scrabble- Turniers endete nur auf den ersten Blick mit einer Überraschung. Bislang war es mit Claudio Maniglio lediglich einer Person gelungen, die Veranstal- tung als Erstteilnehmer zu gewinnen. Nun hat sich Ulla Trappe in die Sie- gerliste des »Wimbledons der Scrab- ble-Szene« eingetragen. Zwar firmierte die Augsburgerin als »Frischling«, je- doch keineswegs als unbeschriebenes Blatt. Als amtierende deutsche Meiste- rin ging sie als Mitfavoritin an den Start. Im Endspiel bezwang sie den Champion von 2010, Jörg Diersen, eher knapp. Zuvor hatte sie Vorjahres- siegerin Manuela Hilgenkamp im Halbfinale entthront. Trappes Vor- sprung belief sich nach dem Hinspiel auf unglaubliche 270 Punkte. In der abgebildeten Situation zauberte sie ein Wort hervor, das für Erstaunen sorgte. Auch bei Hilgenkamp, die den Zug – zu Unrecht – anzweifelte. Mit welchem Begriff fuhr Trappe knapp 80 Punkte ein?

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Das war meine Rettung

Mit ihrem Buch »Der dressierte Mann« machte sich Esther Vilar viele Feinde – doch sie gab das Schreiben nicht auf

Vilar viele Feinde – doch sie gab das Schreiben nicht auf ZEITmagazin: Frau Vilar, in Ihrem

ZEITmagazin: Frau Vilar, in Ihrem Buch Der dressierte Mann, das 1971 erschien, vertraten Sie die These, nicht die Frauen, sondern die Männer seien das unterdrückte Geschlecht. So haben Sie Feministin- nen zur Weißglut gebracht. Esther Villar: Das kann man wohl sagen. Es gab Morddro- hungen, ich musste mit Polizeischutz zu Lesungen gehen, und Feministinnen attackierten mein Haus. Ich bin eher ein zurückhaltender Mensch und möch- te lieber anonym leben, aber dieses Buch hatte mich über Nacht bekannt gemacht. Die Leute erkannten mich auf der Straße und griffen mich an. ZM: Unvergesslich ist jene Fernsehsendung von 1975, in der Sie mit Alice Schwarzer diskutierten. Frau Schwarzer war wütend. EV: Ja, das hat mich auch erstaunt. ZM: Es brachte Sie nicht aus der Fassung? EV: Laut zu reagieren macht keinen Sinn. Bei nieman- dem. Ich hatte über mein Buch in vielen Ländern dis- kutiert, so hatte ich Routine im Ruhigbleiben. Ich explodiere mehr nach innen. ZM: Umreißen Sie für die Jüngeren noch einmal Ihre Po- sition in dieser Debatte! EV: Ich fand es nicht logisch, dass wir Frauen dauernd ein Geschlecht beschimpften, das sein ganzes Leben da- rauf ausrichtet, einen Beruf zu erlernen, um mit die- sem Beruf dann für uns und unsere Kinder zu sorgen. Da lief etwas falsch. Dabei sind es die Frauen, die über die Rollenmuster der Geschlechter entscheiden, denn bei ihnen liegt die Erziehung, die frühe Prä- gung. Es ging gegen meine Würde, dass wir Frauen uns zu Opfern stilisierten. ZM: Was Sie damals schrieben, klingt heute ziemlich dras- tisch: »Der Mann fühlt sich nur als Sklave geborgen. Er braucht die Frau, um sich zu unterwerfen.« Sehen Sie das immer noch so? EV: Ja, und das ist nur ein Beispiel für unsere Lust an der Unfreiheit – mein großes Thema. Wir tun alles, um

unsere Freiheit loszuwerden. Wenn eine Liebe endet, suchen wir die nächste, um uns darin aufzugeben. Wir machen lieber andere für uns verantwortlich. ZM: Ganz aktuell sind diese Probleme aber inzwischen nicht mehr. EV: Ein Teil hat sich erledigt, seit mehr Frauen berufstätig sind. Nur, unter diesen berufstätigen Frauen bin ich noch keiner begegnet, die bereit wäre, von ihrem Ge- halt, wie das Männer immer tun, ihren Partner und ihre Kinder zu ernähren. Ein Leben lang. Da erwartet man noch immer vom Mann 100 Prozent und von Frauen fast nichts. ZM: Alice Schwarzer hielt Sie für eine Verräterin. Dabei sahen Sie sich selbst als Feministin. EV: Ich habe nie dafür gekämpft, dass die Frauen an den Herd zurückkehren. Ich wollte Arbeitszeitmodelle einführen, die es beiden Geschlechtern erlauben, zu arbeiten und Zeit zum Leben zu haben. Kürzere Ar- beitszeiten, aber Arbeit für alle: Das wäre für beide Seiten das Beste. Nur dass die Männer, die darauf dressiert worden sind, zu arbeiten, das nicht sehen. Für die ist es eine Katastrophe. Aber dann müssen sie sich eben umgewöhnen. ZM: Sie gehen davon aus, dass die Arbeit ein Fluch ist, Kinder aber ein Vergnügen sind, während die Gesell- schaft in der Arbeit den Quell der Sinnstiftung sieht. EV: Na, Sie haben einen herrlichen Beruf, aber möchten Sie da draußen als Busfahrer jeden Tag dieselbe Linie sechsmal am Tag fahren? 80 Prozent der Arbeiten sind nicht angenehm. Und da habe ich Mitgefühl der Frauen für die andere Seite vermisst. ZM: Ihr Vater musste als deutscher Jude nach Buenos Aires emigrieren. Nun nannte Alice Schwarzer Sie wegen Ihrer Ansichten eine Faschistin. EV: Alice Schwarzer wusste nicht, wie sie mich sonst atta- ckieren konnte, da hat sie das Wort benutzt. Das war ein Unglück auch für sie selbst, nicht nur für mich. ZM: Sie haben das Thema dann aber sehr bald hinter sich gelassen. Warum? EV: Ich hatte alles gesagt und hatte den Eindruck, mich zu wiederholen. Ich habe dann ganz andere Sachen geschrieben, Romane, Novellen, Essays. Über Dummheit, über Religion. Neuerdings schreibe ich fast nur Bühnenstücke. Gerade wurde mein Stück Mr. & Mrs. Nobel in Wien uraufgeführt. ZM: Eigentlich waren Sie Ärztin. Wie wurden Sie über- haupt Schriftstellerin? EV: Als Ärztin bekam ich 1960 ein DAAD-Stipendium für Deutschland, jeden Monat 300 Mark. Wenig, aber ich musste ein Jahr lang nicht arbeiten. Das war meine Rettung, denn ich hatte zum ersten Mal im Leben Zeit zum Lesen. Danach war ich für die Medi- zin verdorben, ich wollte Schriftstellerin werden.

Esther Vilar,

77, wurde in Buenos Aires geboren. Sie studierte Medizin und arbeitete als Ärztin, bis sie 1960 mit einem Stipendium nach Deutschland kam und mit dem Schreiben begann. Esther Vilar lebte unter anderem in München, heute wohnt sie als Autorin in London

Das Gespräch führte Ijoma Mangold. Er gehört neben der Fotografin Herlinde Koelbl und dem Psychologen Louis Lewitan zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe

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