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23.1.1944

NIKOLAI

EELOZ.VETOFF

GEISSEL GOTTES.

Arbeitszimmer des Diktators aer U.D.3.3.R.

sein Sekretär.

Stalin und

Stalin:

Ist die

Proklamation schon abgeschrieben?

Der Sekretär: Jawohl, Genosse Stalin, sie ist fertig, _

Stalin:

Der Sekretär:

Stalin:

Der Sekretär:

Stalin:

Und es genügt, sie nur zu unterschreiben.

So! Und der Patriarch?

Der Greis, er wartet

Im Nebenzimmer, um sofort zu kommen,

Wenn Du es wünschst.

S'ist recht! Laß ihn herein.

Wie Du befiehlst, Genosse!

Also los!

(Der Sekretär mit einer Verbeugung ab. Stalin

greift nach der Proklamation und murmelt sich

den Text unter die Nase.)

Stalin:

Wir Würdenträger der rechtgläubigen Kirche

Erklären vor der ganzen Christenheit,

Daß unsere Kirche ihren hohen Segen

Dem Herrscher unsrer Heimat Übermittelt,

Und bei aera Allraächt'gen um Beistand bittet,

Für seinen Sieg über aen bösen Feind.

/Vir sind bereit mit allen unseren Kräften

Zu unterstützen die Sowietregierung

In ihren Kampfe gegen die Faschisten. Und alle Priester, die sich weigern würden,

Dem graßen Kampfe willig beizustehen,

Sie werden alle exkommuniziert,

Und unterfallen alle unserem Fluche.

Anathema dem finstren Russenfeinde,

Der gegen die Regierung unsrer Heimat

Den Kampf aufnimmt und ihrem Werke schadet

Denn Stalins Feind ist auch des Himmels Feind.

(Stalin unterbricht das Lesen und lacht.)

Stalin:

3ehr Sut! Ob sie das unterschreiben werden?

Doch übrigens es gibt nur eine Wahl -

Entweder unterzeichnen oder sterben.

(Es erscheint der Sekretär mit dem Pat

riarchen. Der Sekretär ab.)

Der Patriarch: (Die Hände zum Segen ausstreckend)

Gott segne Dich, Du großer Herrscher Rußlands!

Stalin! (nüchtern) Wir sind allein, laß dieses Schauspiel, Alter!

Ich habe dich hierher zu mir befohlen,

Um jetzt mit Dir geschäftlich zu verhandeln.

Hier dies Papier! Nimm, lies es, Alter, durch.

Ich will, daß es gleich unterzeichnet werde

Von Dir und allen Leitern deiner Kirche.

Du weißt es gut, ich fordere Gehorsam.

Und solltet ihr die Unterschrift verweigern,

Dann>

weißt Du selbst, was dann geschehen

wird.

Der Patriarch: (würdig) Gebieter, Deine Drohungen sind zwecklos,

Denn wünschenswert erscheint uns unser Tod.

Er würde uns von unsrer Qual befreien.

•Stalin:

ver

j-atriarch:

Und wenn wir dennoch dir Gehorsam leisten,

So haben wir dazu ganz andre Gründe,

Wir, die wir Gott allein zu dienen pflegen.

Erlaubst Du mir, das Brieflein durchzulesen?

Ich nabe dich dazu nierner bestellt.

wie cu cerlernst!

CEr liest das Schieiben)

Geliebtes Rußland! Alles,

Was hier geschrieben, könnte ich aufcch selbst

Von mir aus sagen. Alles, das entspricht

Der Einstellung der ortodoxen Kirche,

Denn Stalins Feinde sind auch Feinde Gottes.

Es ist mein eigner aufrichtiger Wunsch,

Unter den Brief aie Unterschrift zu geben.

Stalin: (lachend) 3'ist recht! Dein eigener aufrichtiger Wunsch

Der Patriarch:

Befreit dich von sehr unbequemen Folgen.

Gott sieht mein Herz! Ich bin ein kranker Greis

Und hänge nicht an eitlen Lebensgütern.

Der Einzige, wem ich jetzt dienen möchte,

Ist Gott allein.

Stalin: (Höhnisch) 3o?llso will es Gott?

Der Patriarch:

Das ist ein recht bequemer Gott, mein Alter. Ich habe euch verfolgt und hingerichtet.

Für welche Taten ist denn Gott mir dankbar?

Für alle deine Taten, mein Gebieter,

Denn, wenn au auch die Kirche hast verfolgt,

Geschah es nur, um ihren Geist zu stählen.

Dank deiner Taten ist die Kirche stark.

Stalin: (düster) So meinst du wohl, daß meine Absicht war,

Der Kirche durch Verfolgungen zu dienen?

Der. Patriarch.:

Ich weiß sehr gut, - du hast es nicht gewünscht.

Doch wünschte dies das allerhöchste tfesen,

Von welchem du zum Herrscher auserlesen.

Und glaube mir, du könntest nichts vollbringen,

Was von dem Allerhöchsten nicht gewollt,

Denn nur von Gott kommt jede Macht, Gebieter!

Stalin: (Höhnisch) Und wenn die Macht sich richtet gegen Gott?

Der Patriarch:

Ja, selbst wenn dies so wäre, denn du bist

Ein Werkzeug nur in starken Händen. Gottes.

Stalin: (düster) Und wenn ich ihn nicht anerkenne? Wenn

Ich nur der dialektischen Methode

Zu dienen pflege, die so unbeirrbar

Der Patriarch:

Die Wirklichkeiten stets zu treffen weiß?

Auch deine dialektische Methode

Ist nur ein Schwert, das air von Gott gegeben.

Stalin: (interessiert)

Der Patriarch:

So starrsinnig bist du im Aberglauben!

Wer bin ich denn nach deiner Meinung, Alter?

Nur eine Geissei in aer Hand des Höchsten,

Und weiter nichts. Und unsere Ehrerbietung

Ist aufrichtig, sofern in dir wir preisen

Die Geissei des. Allmächtigen und Den,

Der durch dich wirken will.

Stalin: (gelangweilt) Es lohnt sich nicht

Die nutzlosen Gespräche fortzusetzen.

Und es genügt mir, daß dein Gott es will,

Daß du mir dienst. Ich bin damit zufrieden

Jetzt kannst Du gehn.

Der Patriarch: (mit einer Verbeugung)

Gott segne dich, Gebieter!

Der Patriarch : (ab)

Stalin:

(allein, nachdenklich)

Mich segnet er, mich, der ihn stets bekämpfte?

Zwar ist Religion ein Aberglauben,

Mit dessen Hilfe Plutokraten herrschen.

Doch, wenn nicht mehr die bürgerliehe Klasse

Der Glaubenskraft als Stütze sich bedient,

Wenn selbst der Herr des Proletariats

Sich dieser Stütze jetzt bedienen muß,

Kann man dann noch von Aberglauben reden?

(An die Tür wird geklopft) Stalin: (unzufrieden) Wer da, zu Teufel?

Der Sekretär:

Das bin ich, Genosse.

Ist dieser Pop gewillt zu unterschreiben?

Stalin: (nachdenklich)

Der Sekretär:

Er wird es tun, ganz freiwillig, denn er

Meint, daß auf mir des Gottes Segen ruht.

Des Gottes Segen? So?

Stalin: (unzufrieden) Er ist der Meinung,

Der Sekretär:

Daß gottgesandt ich bin und gottgesegnet.

Was? Gottgesandt? Das ist ja toll!

(er lacht)

Stalin: (drohend) Du lachst?

So glaubst du also nicht an meine Sendung?

Der Sekretär: (verständnislos)

Gesandter Gottes - Jossif Stalin? Ha!

Das ist ja köstlich!

Stalin:

Elender, Du höhnst?

Verhöhnst mich, Stalin?

Der Sekretär: (erschrocken)

Stalin:

Ich? Erlaube !

!

(die Fäuste ballend)

Fort!

( Der Sekretär weicht erschrocken zur Tür zurück)

Vorhang.