You are on page 1of 24

C 20935 F

Heft 1 / 69. Jahrgang Hartung / Lenzing 3801 n. St.


Impressum
Die NORDISCHE ZEITUNG ist
die Stimme des Artglaubens. Sie wird
von der Artgemeinschaft – Germani-
sche Glaubens-Gemeinschaft we-
sensgemäßer Lebensgestaltung e.V.,
Postfach 55709, 22567 Hamburg, her-
ausgegeben und verlegt und er-
scheint vierteljährlich.
Die Stimme des Artglaubens Menschen unserer Art, die Beiträge
zur Entwicklung nordischer An-
schauungen auf religiösem, weltan-
Im Einsatz für schaulichem, kulturellem, erzieheri-
schem, gemeinschaftsbildendem,
 Lebensschutz, insbesondere Überleben unserer Art künstlerischem und wissenschaftli-
chem Gebiet geben wollen, steht sie
 Erhaltung des nordischen Kulturerbes und Förderung einer wesens- zur Verfügung.
gemäßen Kultur Dabei müssen namentlich gekenn-
zeichnete Beiträge nicht in jedem
 Verwirklichung einer sinnerfüllten Lebensgestaltung Falle mit der Auffassung der Schrift-
leitung oder der Leitung der Artge-
meinschaft übereinstimmen.
Schriftleiter und verantwortlich für
den Inhalt, soweit Beiträge nament-
lich nicht gekennzeichnet sind: Jür-
gen Rieger, Auguste-Baur-Str. 22,
22587 Hamburg. Namentlich ge-
kennzeichnete Artikel verantworten
Inhaltsverzeichnis die Verfasser.
Zahlungen auf das Konto: Die Artge-
meinschaft, Postbankkonto 5 28 51-
104 Berlin (BLZ 100 100 10). Aus
dem postalischen Ausland: unter
Til sigrs – Kampf und Sieg als Sinn und Aufgabe in der Religion Angabe des DM-Betrages mit Aus-
landspostüberweisung oder Scheck,
D.A.R. Sokoll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 spesenfrei für den Empfänger.
Die von der Artgemeinschaft – Ger-
manische Glaubensgemeinschaft we-
Artglaube und Geld – wie paßt das zusammen? sensgemäßer Lebensgestaltung e.V.
verwendete Form der Irminsul ist re-
Dr. Wielant Hopfner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 gisterrechtlich geschützt und darf nur
von Mitgliedern der Artgemein-
schaft verwendet werden.
Unseren jungen Gefährten Wir setzen an den Beginn unserer
Der Zug der Kimbern und Teutonen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Jahreszählung nicht die Geburt eines
Christus, von dem niemand weiß, ob
und ggf. wann er geboren wurde, son-
dern die Hochblüte des Gestirnhei-
Unseren jüngsten Gefährten – ligtums Stonehenge.
Das Märchen von Boris im Glück – J. R. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Bezugsgebühr 28,– DM jährlich, für
Mitglieder und Förderer im Jahres-
beitrag enthalten. Bestellungen für
nur ein Jahr gelten als automatisch
um ein weiteres Jahr verlängert,
Neues vom alten Feind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 wenn nicht bis zum 31. 12. gekündigt
wird. Wenn innerhalb eines Jahres
bestellt wird, werden die bereits er-
schienenen Hefte nachgeliefert; die
Bestellungen gelten immer für ein
Kalenderjahr.
Heidenspaß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Beilagenhinweis: Einer Teilauflage liegen Mitteilungen der Leitung und Einladung zum Gemeinschaftstag bei.

Umschlagbild: Goldbrakteat um 900 n.d.Zw. von Stenstugu, Gotland


iegen kann nur, wer kämpft. Das

S hört sich zu lapidar an, um als


Weisheit zu gelten, doch wird ge-
Til sigr+
rade diese Offensichtlichkeit gerne
übersehen. Im Leben bekommt man, Kampf und Sieg als Sinn und Aufgabe in der
jenseits des Kindesalters, wenig ge- germanischen Religion.
schenkt, d.h. man muß vieles erwerben.
Ja, wir sind fröhlich und siegesgewiß.
In unseren germanischen Landen ist die Ernst Jünger (109)
Anschauung beheimatet, für den eige-
nen Lebensunterhalt zu arbeiten, und len, eine Idee haben, die umgesetzt wer- Menschsein gerne den höheren Stellen-
nicht auf anderer Leute Kosten zu le- den soll. So verstanden ist der Kampf wert gegenüber unseren tierischen
ben. Dies ist keineswegs in allen Kultu- jene Arbeit, die wir leisten müssen, et- Grundfesten ein. Das Natürliche, das
ren natürlich, herrscht doch in einigen was Feinstoffliches, Ätherisches in der Vormenschliche und seine Elemente in
vorzugsweise die Umschichtung materi- grobstofflichen Welt Form annehmen uns, dürfen nicht unsere Feinde sein.
eller Werte vor, statt daß man bemüht zu lassen. Kampf ist gestalterische und Wer dagegen anrennt – wie etwa das
ist, neues zu schaffen oder neues zu er- schöpferische Arbeit, die notwendig ist, Christentum, das sich (insonderheit in
ringen. Dabei ist der Kampf aber kei- einen subjektiven Gedanken in objek- Form des Katholizismus) durch die
neswegs an den Gewinn materiellen tive Form zu überführen. Feindschaft zum Natürlichen maßgeb-
Gutes geknüpft. – Bei den germani- Wir kämpfen darüber hinaus aber auch, lich definiert –, macht sein Leben zu
schen Völkern werden Arbeit und weil wir zum Kampfe geboren sind! einer absurden Donquixoterie.
Kampf hochgeschätzt. So konnten auch Charles Darwin war es, der erstmals be-
Tugenden wie Fleiß und Mut – in heiße- hauptete (und wissenschaftlich nachzu- Ein Kampf findet jedoch nur zwischen
ren, träger machenden Gebieten weisen suchte), daß das Leben Kampf K ä m p f e r n statt, d.h. zwischen sol-
belächelt – besonders im Norden Euro- sei. Die grausame Indifferenz von Um- chen Menschen, die auch w i r k l i c h
pas zu ihrer hervorragenden Stellung welt und Artgenossen, die mit dem In- zum Kampfe antreten. „Wer kämpft,
gelangen. Menschen, die den Kampf dividuum im „Kampfe ums Dasein“ kann verlieren, wer nicht kämpft, hat
aufnehmen, die bereit sind, den Wider- standen, schockierte seine Zeitgenos- schon verloren“, sagt ein bekanntes Zi-
nissen entgegenzutreten, die Mühe und sen, die – noch christlich-allzuchristlich tat des Kommunisten Berthold Brecht.
Gefahr nicht scheuen, werden von uns geprägt – das „Ideal“bild einer paradie- Geringe Chancen sind k e i n Garant
als Helden und bedeutende Menschen sischen Eintracht aller Lebewesen vor für das Nichterringen eines Sieges;
verehrt. „Alles große steht im Sturm“, Augen hatten, in dem Löwe und Lamm durch Entmutigung hervorgerufenes
ist eine Aussage, die nicht einer medi- friedlich beisammen liegen. Diese Aufgeben dagegen schon! Wie oft in der
terranen Landschaft entstammen Fremdvorstellung jedoch mußte wei- Geschichte der Menschheit hat eine
k a n n . Die Idee der Bewährung im chen, weil sie der Natur entgegensteht. kleine e n t s c h l o s s e n e Minderheit
Kampf setzt einen bestimmten Men- Sie verkehrt – wie so vieles, das aus den den Sieg über die träge Masse errungen!
schentyp als Träger voraus. Im beschau- Wüstenregionen zu uns herüberweht – Wir sollten uns vor Augen halten, daß
lichen Umfeld einer palmumstandenen die natürlichen Gegebenheiten des zwar nicht alles Kleine groß wird, daß
Oase baute ein solcher Gedanke wahr- Nordens in ihr Gegenteil. aber umgekehrt alles Große einmal
lich auf Sand. Oswald Spengler meint klein war. Viele große Töchter und
über unsere Menschenart: „Die nordi- Der Drang zum Sieg durch Kampf ist si- Söhne unseres Volkes wären mit einer
sche Landschaft hat den Menschen- cherlich ein urtümlicher, ein archai- „Ach, das wird ja doch nichts“-Einstel-
schlag in ihr durch die Schwere der Le- scher, der aus ferner zurückliegenden lung niemals in die Geschichte eingetre-
bensbedingungen, die Kälte, die bestän- Tagen der Menschheitsentwicklung ten; oder wie Spengler es ausdrückt:
dige Lebens n o t zu harten Rassen ge- stammt, und uns bisweilen an diese er- „Alle großen Erfindungen und Unter-
schmiedet, mit einem bis aufs äußerste innert. Dies ist für uns nicht immer an- nehmungen stammen aus der Freude
geschärften Geist, mit der kalten Glut genehm, denn Triebe und Verhaltens- starker Menschen am S i e g “3.
einer unbändigen Leidenschaft im muster werden mit zunehmender Zivili-
Kämpfen, Wagen, Vorwärtsdrängen“1. sierung, die zu einem Großteil auf Un- Entweder gewinnt eine Seite den
terdrückung und Umleitung natürlicher Kampf, oder eine Pattsituation der Par-
Doch da auch in unseren Breitengraden Triebe beruht, als die Ordnung störend teien ist die Folge. Dies muß nicht nega-
Anschauungen und Werte vorherr- empfunden2. Der Überlebenstrieb soll tiv sein. So zeigt der nordische Schöp-
schen, die originär einer konträren im Kampf die Überlegenheit des Indivi- fungsmythos ein Beispiel hierfür: im
Landschaft zugehörig sind, mag das duums beweisen, denn der Mensch Anfang griff die wilde Feuershitze hin-
Verhältnis des Nordeuropäers zu strebt naturgemäß nach Überwindung aus in die Kälte des Raumes und wurde
Kampf und Sieg ein gebrochenes sein. der Widerstände. Durch das Weiterle- von der Kraft des Eises gebremst. Zwi-
Vorstellungen etwa eines paradiesi- ben des Tüchtigeren verehrt also die schen diesen beiden Extremen entstand
schen Friedenszustandes, der nach dem Natur das Siegreiche. die Welt, die uns umgibt: Midgard.
Leben kommen und nach Wüstenmy- Der Mensch ist freilich mehr als ein Denn wenn Feuer (These) und Eis (An-
then früher geherrscht haben soll, pro- Tier, doch steht das, worum er das Tier tithese) zusammentreffen, gehen sie
pagiert einen uns fremden „Ideal“- überragt, auf der Grundlage der tieri- eine Synthese ein: Wasser! Die Ozeane
zustand. Dieser aber steht im Wider- schen Biologie. Die Veranlagung zu der Welt ebenso wie das Wasser unseres
spruch zu den natürlichen Gegebenhei- seelischen Eigenschaften ist in noch Körpers sind geschmolzenes Eis. Wenn
ten; Kampf setzt n i c h t Blutrünstigkeit nicht genau erforschtem Umfange als die Sonne nicht wäre, könnte nichts auf
voraus, sondern in erster Linie die Be- P o t e n t i a l der Möglichkeiten in bio- der Erde leben, weil wir der Kälte des
reitschaft zur fatalismuslosen Ausein- logisch begrenzten Sozietäten ebenfalls Weltenraumes hilflos ausgeliefert
andersetzung mit den natürlichen Zu- genetisch vorgegeben. Da das, was wir wären. – Im Jahreslauf erleben wir den
ständen, die den Menschen umgeben. als menschlich empfinden, oft im Wi- Zusammenprall und das Ringen dieser
Warum kämpfen wir? Wir kämpfen derspruch zu unserem tierischen Erbe beiden Kräfte in den Extremen Sommer
selbstverständlich, weil wir siegen wol- steht (weil es die Überwindung des- und Winter im Widerstreit der Jahres-
len, weil wir etwas verwirklichen wol- selben darstellt), räumen wir dem zeiten.

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 1


Es gibt e i n e n besonderen Kampf, der Kampf gegen andere Menschen als Teil bens, erhöbe dies den Sieg zur Aufgabe
alle anderen überragt. Einen Kampf der Natur zeigen, daß die Natur selbst des Lebens.
von kosmischer Bedeutung. Dies ist der Kampf i s t ! Der ewige Wechsel, das Die Tatsache, daß nach einem Kampf
große Kampf zwischen dem Lebens- ständige Ringen von Tag und Nacht, das bereits der nächste, womöglich schwe-
und dem Todesprinzip (Eros und Tha- fortwährende Fließen von Leben in rere wartet, darf uns nicht entmutigen.
natos), das ewige Ringen von Stirb und Tod und von Tod zurück ins Leben stellt Der Natur ist das Aufgeben fremd. So
Werde. Dieser Urkampf, in dem wir den Urkampf des Universums dar, das treiben Samenkörner auch an den uns
tagtäglich stehen, der immer im kleinen ewig neue und ewig alte Stirb und unpassendst erscheinenden Stellen Blü-
um uns ist, wurde und wird für uns durch Werde. ten, die jedoch nicht selten fruchtbar
den Sonnenlauf verkörpert. Dieser Wechsel zwischen den konträren sind! Beklagt sich der Baum, daß ihm
Gemeinhin kann die Verehrung der Polen bildet den Spannungsbogen der der Kampf mit Klima und Jahreszeiten
Sonne als der wohl älteste Naturkult Natur. Jeder Stillstand – auch ein Still- zu anstrengend ist? Oder ist er gar de-
überhaupt bezeichnet werden. Unter stand auf Seiten des Lebens – bedeutete primiert, wenn wieder ein neuer Winter
den ältesten Symbolen nicht nur der In- Tod: hörte die Erde auf sich zu drehen, kommt? Sehnt er sich womöglich einen
dogermanen sondern fast der ganzen könnte weder die Sonnen- noch die ,ewigen Frühling‘ herbei?
Menschheit finden wir die Sonne, nicht Schattenseite überleben. Im W e c h s e l Kein Wolf wartet, bis ihm das Lamm ins
selten mit mehr als nur einem Symbol liegt das Geheimnis des Ausgleichs. Maul springt, und keine Kuh, bis ihr das
bedacht: Kreis, Spirale, Hakenkreuz, Gras in den Pansen wächst. Beide müs-
Der Sinn des Kampfes ist ein Messen sen etwas t u n , um weiterzuleben.
Radkreuz usw. sind die universellsten
der Kräfte. Folglich soll d e r den „Kampf ums Dasein“ ist keine blutige
Zeichen.
Kampf gewinnen, dessen Kräfte denen Schlachterei, Kampf ist ein – in richtiger
Besonders der Kampf zwischen Som- seines Gegners ü b e r l e g e n sind. Hier
mer und Winter, der sich im Frühling Weise verstanden – spirituelles Erlebnis
geht es gar nicht einmal hauptsächlich im Messen mit Gegner oder Umwelt
zugunsten der Sonne, im Herbst zu um physische Qualitäten, also um die
ihren ungunsten entscheidet, fand Ein- oder – vielleicht ist dies die edelste Form
Vorherrschaft der größeren Muskeln – mit sich selbst. Kampf muß nicht nur
gang in unsere frühesten Mythen. Der oder vielleicht des brutaleren Auftre-
den feindlichen Elementen der Natur um den Erhalt des eigenen Leibes ge-
tens. Im Gegenteil: oftmals mag die führt werden, auch nicht nur um andere,
noch recht schutzlos ausgelieferte frühe eigentliche Stärke – oder um einen bes-
Mensch war im sonnigen Sommer weni- schwächere Mitglieder der eigenen So-
ser passenden Begriff zu benutzen: die zietät, der eigenen Rasse, des eigenen
ger gefährdet als im eisigen Winter, sein „Tauglichkeit“ (Darwin) – eher im Sub-
Leben zu verlieren. Die Sonne wurde Volkes, der eigenen Familie; Kampf will
tilen liegen. Tauglicher ist häufig, der auch um Ideen geführt werden, um My-
und wird mit Heil, mit Fülle, mit L e - klüger ist, der schneller lernt, der mehr
b e n gleichgesetzt. Ihre Ankunft be- then, um Geist. – Kampf ist allgegen-
weiß, der weiter denkt. I h m muß in wärtig, und die Belohnung des Erfolges
deutet den Sieg über die Winterthursen der heutigen Welt der Sieg gehören.
und wurde entsprechend gefeiert. heißt Sieg. Kampf ist täglich da: in uns,
Eine gute Strategie war schon immer, um uns, mit uns, gegen uns. Wer sich in
Der in der Natur beobachtete Daseins- dem Gegner mindestens einen Schritt ihm nicht bewährt, wird nicht in die Zu-
kampf fand in den germanischen Göt- voraus zu sein. Wenn die Chance zum kunft schreiten. – Es gibt zwar in einzel-
tersagen seinen Niederschlag und seine Sieg kommt, muß sie ergriffen werden, nen Auseinandersetzungen, a b e r
kulturelle Umformung in den Mythen, doch lehrt die Erfahrung, daß sich nach niemals im kosmischen Ur-
die ja die Seelensprache der germani- solchermaßen erfolgreicher Anstren- k a m p f , einen Endsieg. Nie werden
schen Völker sind. Auch hier, auf my- gung des Kampfes der Sieg dem Kämp- entweder das Leben oder der Tod den
thisch-religiöser Ebene, finden wir... fer nicht als Plateau darbietet, sondern ewigen Sieg davontragen. – Von
den Kampf! Unsere Götter thronen kei- im Gegenteil in seiner Verteidigung Howard Ph. Lovecraft stammt der Aus-
neswegs in entferntem Paradiesesfrie- womöglich noch größeren Kampfein- spruch, daß eines Tages selbst der Tod
den, sondern auch sie unterwerfen sich satz fordert, als in seiner Erringung. noch sterben werde! Der Tod des Todes
den ewigen Gesetzen des Kampfes. Ob Die Frage, ob sich dies alles lohnt, ist für ist zugleich die Wiedergeburt des Le-
zwischen Asen und Wanen oder zwi- einen mit dem Kampf Konfrontierten bens. – K e i n Schatten währt ewig!
schen Göttern und Riesen oder Feuer nicht unberechtigt. Manche mögen sie Kein Schatten k ö n n t e es, weil dies
und Eis... unsere Götter stehen im Le- verneinen. Dies mag daran liegen, daß gar nicht in den Grenzen des Natur-
ben an unserer Seite. Kein steriler die Antwortenden zu träge sind, daß sie möglichen liegt. – Nichts – mit Aus-
„Himmel“ bildet die Kulisse ihrer Herr- fürchten zu versagen, daß sie nichts ha- nahme des Wandels – hat auch nur das
schaft, sie sind vielmehr Teil der Natur, ben, wofür es sich zu kämpfen lohnt P o t e n t i a l unsterblich oder ewig dau-
ganz wie wir. Sie sind uns nahe, weil sie oder daß ihnen das Bewußtsein für die- ernd zu sein.
dem handelnden „Prinzip Kampf“ und sen Aspekt der Realität, vielleicht auf- Wie im makrokosmischen so auch im
nicht dem dulderischen „Prinzip Hoff- grund einer denaturierten Lebensweise, mikrokosmischen: unsere Vorfahren, so
nung“ verpflichtet sind. schlicht fehlt. – Die Frage wird aber ob- wird von allen Quellen übereinstim-
Eine solche mythische Sichtweise baut solet, wenn man den Kampf als den mend berichtet, zogen freudig und mu-
auf dem harmonischen, aber keines- S i n n d e s L e b e n s betrachtet (oder tig in den Kampf. Warum? Weil sie
wegs naiv-schwärmerischen Verhältnis zumindest als notwendigen Bestandteil Kenntnis um die Natur der Dinge hat-
zur Natur auf, zu der sich der Heide des Sinns des Lebens). Dies, wie gesagt, ten, weil sie wußten, daß nichts ewig en-
nicht in Widerspruch setzt, sondern in nicht so sehr als pubertäres Kräftemes- den k a n n , daß sich alles im Wandel
der er einen gesunden Zustand erblickt, sen verstanden, sondern als Akt der Be- und Wechsel befindet. Seinem eigenen
dessen Grenzen durchaus überwunden freiung und des Aufwärtsstrebens. – Leben im Kampfe ein wahrscheinliches
werden dürfen, zu dem aber keine Muß denn das Leben nicht jeden Tag Ende zu setzen, konnte sie deshalb nicht
grundlegende Gegnerschaft besteht. auf’s neue errungen werden? Aller- beunruhigen, weil sie ihres Ruhmes und
Aus der Naturbeobachtung ist dem dings! – Aber wann hat man eigentlich ihres Verdienstes, erworben durch eh-
Menschen der tägliche Kampf ums Da- das Leben in der Hand wie einen Ge- renvollen Kampf um den Sieg, sicher
sein von Anbeginn des Heraufdäm- genstand, der fortan der eigenen wil- sein konnten: ebenso wie die Sonne am
merns seines Verstandes bekannt. lentlichen Kontrolle untersteht? Nie! – nächsten Tag wieder aufginge, erstün-
Kampf gegen Widrigkeiten der Natur, Wäre also der Kampf der Sinn des Le- den sie selbst wieder zu neuem Leben.

2 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


Nicht nur dem Sieg der Sonne als Zu- sagt Jünger, „Als Erste im Kampf zu ste- einmal in einer solchen Lage, denkt man
schauer beiwohnen, sondern vielmehr hen: das halten wir noch immer für eine viel zu sehr über Geld nach, legt einen
die Sonne s e i n , die im Triumph ihrer Ehre, der nur die Besten würdig sind“5. Teil seines Gehirns mit „Geldbeschaf-
ständigen Neugeburt und des damit ver- D.A.R. Sokoll fungsfragen“ lahm, vergeudet Zeit und
bundenen ewig-täglichen Neusieges je- schöpferischen Schwung, ganz abgese-
nen Marsch antritt, dem wir, sozusagen hen davon, daß Geldsorgen unser „Stre-
Anmerkungen:
als ,Abglanz‘ ihres Sieges, unser Leben ben nach Freiheit von fremdem Zwang“
1 Spengler 44.
verdanken, d a s ist germanische Art. – so gebietet es nämlich unser Sittenge-
2 Ernst Jünger schildert dies in seinen Kampferfah-
Nicht aus der Ferne steril begucken, rungen aus dem Ersten Weltkriege so: wenn das setz (Küre 3) – stark beeinträchtigt.
sondern uns als Teil des Ganzen be- Blut nach zeitlich begrenzter Herrschaft wieder
trachten und empfinden, s o entspricht den Rückzug antritt, wenn der Blutdurst des ar-
chaischen in uns gestillt ist, wenn „Blut geflossen
Was aber soll man tun?
es unserer Art. Und so verstanden ist [ist], sei es eigener Wunde entströmend oder das
der Kampf eine spirituelles Erfahrung! Wir alle haben Träume, je jünger wir
des anderen, so sinken die Nebel vor seinen [des
Kämpfers] Augen. Er starrt um sich, ein Nacht- sind, desto mehr. Tief in uns fühlen wir,
Ernst Jünger schreibt in Der Kampf als wandler, aus drückenden Träumen erwacht. Der daß wir eine Aufgabe erfüllen wollen,
inneres Erlebnis: „Alle Ziele sind ver- ungeheuerliche Traum, den die Tierheit in ihm ge- die aus dieser Welt vielleicht einen
gänglich, nur die Bewegung ist ewig, träumt in Erinnerung an Zeiten, wo sich der
schöneren Ort für uns und die Gemein-
Mensch in stets bedrohten Horden durch wüste
und sie bringt unaufhörlich herrliche Steppen kämpfte, verraucht und läßt ihn zurück, schaft, der wir zugehören, machen kann.
und unbarmherzige Schauspiele hervor. entsetzt, geblendet von dem Ungeahnten in der ei- Und wenn Sie unser eben erwähntes Sit-
[...] wer in diesem Krieg nur die Vernei- genen Brust, erschöpft durch riesenhafte Ver-
tengesetz anschauen, dann zieht sich
nung, nur das eigene Leiden und nicht schwendung von Willen und brutaler Kraft“ (Jün-
ger 9). dieses Ideal wie ein roter Faden durch
die Bejahung, die höhere Bewegung 3 Spengler 51. die dort niedergelegten Sätze.
empfand, der hat ihn als Sklave erlebt. 4 Jünger 113 f.
Der hat kein inneres, sondern nur ein Dennoch, die alltägliche Gleichförmig-
5 Jünger 108 f.
äußeres Erlebnis gehabt“4. keit, die Wirklichkeit, welche wir leben
müssen, erstickt nach und nach unsere
Teil des Ganzen zu sein heißt, Teil des Schrifttum: Wünsche. Wir werden unsicher und fan-
ewig sich wiederholenden Kampfes zu Jünger, Ernst: Der Kampf als inneres Erlebnis. Berlin: gen an zu glauben, wir könnten uns da-
sein. Heidnisch zu leben heißt, diesen Mittler & Sohn, 1925.
von nicht mehr befreien – und so wer-
Spengler, Oswald: Der Mensch und die Technik: Bei-
Kampf zu bejahen. Stolz hineinzu- trag zu einer Philosophie des Lebens. München: keln wir halt weiter und finden uns da-
schreiten ist germanische Sitte, denn, so Beck, 1931. mit ab, daß wir den Platz an der Sonne
nicht erreichen werden – obwohl er uns
gebührt!
Diese gebückte Haltung ist eindeutig
falsch, und es entspricht auch ganz und
gar nicht nordischem Wesen, sich in

Artglaube und Geld – wie eine „Opferrolle“ einzufügen und faule


Kompromisse einzugehen. Im Gegen-
teil, das „Streben nach Freiheit von
fremdem Zwang und Unbeugsamkeit
paßt da+ zusammen? im Kampf für ein Leben nach eigener
Art und eigenem Gesetz“. Küre 3 des
Sittengesetzes beschreibt sehr richtig
unsere tatsächliche innere Einstellung.
rstaunlicherweise wird in unseren sind, Geld sei nur der „Gegenwert für

E Kreisen so gut wie nie über Geld ge-


sprochen. Die meisten tun so, als
hätten sie genug davon und üben vor-
eine Leistung“ – gewissermaßen „eine
andere Form von Energie“ – und wenn
Sie glauben, Geld sei ein ganz gutes Mit-
Diese durchzusetzen sollten wir frühzei-
tig anfangen, denn ehe wir uns verse-
hen, ist das Leben an uns vorbeigegan-
gen. Was also ist zu tun? Was hält uns
nehme Zurückhaltung bei diesem tel zum Erreichen eines Ziels – sollten
ab, unseren Traum zu leben?
Thema, und manchmal komme ich mir wir uns einmal etwas näher mit diesem
vor, als sei ich hier der einzige Arme. Medium befassen, von dem wir alle viel Zunächst einmal ist es die weit verbrei-
Das stimmt aber nicht – und weil es so zu wenig haben. tete Unkenntnis über das Wesen von
schön ist, „heiße Eisen“ anzufassen, Geld.
wollen wir uns heute einmal mit „Geld“ Was hält uns davon ab, das
beschäftigen. Von wem können wir über
Leben zu führen, von dem wir Geld etwas lernen?
Im Grunde genommen geht es um die
Frage: „Verdirbt Geld den Charakter?“
träumen?
Die meisten von uns leben in einer Um-
Oder anders ausgedrückt: „Kann ein Geld, schlicht und einfach Geld. Dabei welt, die Wohlstand nicht gerade för-
materieller Wert wie „Geld“ einen gei- kommt Geld nicht etwa zufällig in unser dert. Die deutschen Nachkriegs-Regie-
stigen Wert wie unsere Weltanschauung Leben – es ist „planbar“, denn erfolgrei- rungen gingen mit schlechtem Beispiel
stören, zerstören – oder gar ergänzen che Menschen, ganz gleich auf welchem voran und verschuldeten uns jedes Jahr
und fördern?“ Die Frage werden wir Gebiet, haben fast immer auch die mehr. Um die daraus erwachsenen Zin-
nicht beantworten können, ohne unser Fähigkeit, Geld zusammenzutragen sen zahlen zu können, wurden die 49
Sittengesetz zur Hand zu nehmen, und oder einfach „fließen“ zu lassen. Steuer-Arten, die sie uns direkt oder in-
ich werde mir erlauben, gelegentlich Andererseits sollte man die Bedeutung direkt abpressen, ständig erhöht. Die
darauf zu verweisen. Fangen wir also an: von Geld nicht überbetonen, denn Geld Rentner wurden schon vor einiger Zeit
Wenn Sie immer schon glaubten, Geld kann uns auch davon abhalten, unsere betrogen. Statt ihre Beiträge während
sei etwas Schlechtes, dann sollten Sie Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Es des Berufslebens gewinnbringend anzu-
jetzt nicht mehr weiterlesen, ebenso, ist doch leider so, daß Geld immer dann legen und dann zur Zahlung der Rente
wenn Sie meinen, Geld sei das höchste am wichtigsten wird, wenn es an allen zu verwenden – so, wie die Schweiz das
aller Dinge. Wenn Sie aber der Ansicht Ecken und Kanten fehlt. Ist man erst schon seit Jahrzehnten macht – haben

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 3


alle seit 1945 amtierenden Regierungen zu einer Zeit, als westdeutsche Politiker hatte ihr das Foto eines Haus-Klingel-
diese Milliardenbeträge einfach „ausge- die Einheit schon längst nachhaltig ver- schildes vorgelegt, auf dem neun aus-
geben“. Schöne Sachen haben sie sich raten hatten. Egon Bahr, langjähriger ländische Namen standen und nur noch
dafür gekauft, hunderte von Milliarden SPD-Sicherheitsexperte mosaischen ein deutscher. In einem juristischen
DM haben sie uns feindlich eingestell- Glaubens, geht mit den westdeutschen Gutachten für einen Nachrichtendienst
ten Personen und Mächten gegeben. Bundeskanzlern hart ins Gericht. Er hatte sie geschrieben: „Keine Beden-
Und vielleicht gaben sie unser Geld schreibt wörtlich und unwidersprochen ken. Das Foto können Sie veröffentli-
auch dafür aus, daß eben diese Feinde im „Allgäuer Anzeigenblatt“ vom chen.“ Die deutsche Justiz sieht das an-
unsere Städte verbrannten, unsere Kul- 28.10.1996: „Praktisch alle westdeut- ders, hält das abgedruckte Klingelschild
tur vernichteten und in einem noch schen Bundeskanzler waren zuvor In- für „Volksverhetzung“.
heute fortgesetzten Umerziehungs- und formanten der CIA.“
Weiter:
Diffamierungsprogramm unser Innen-
Von unseren Regierungen, gleich wel-
leben zu zerstören versuchen. Wahr- Ein Anwalt stellt vor Gericht für seinen
cher Farbe und Zusammensetzung, ist
scheinlich werden unsere Feinde bald Mandanten einen Beweisantrag. Der
also nicht nur in Bezug auf Geld nichts
mit Rechnungen ankommen über die Antrag wird von einem böswilligen
zu erwarten.
Kosten der Bomben, die sie auf Dres- Staatsanwalt als „Zweifel an den offen-
den, Hamburg und Berlin warfen – und Was ist mit den Schriftstellern los, kann kundigen Wahrheiten“ ausgelegt. Der
deutsche Regierungen werden bezah- man von ihnen etwas über Geld lernen? Anwalt wird deswegen mit einem Straf-
len, denn es ist für diese bekanntlich be- verfahren überzogen.
Bei Preisverleihungen mit Lobpreisun-
quemer, den eigenen Landsleuten Geld gen und Preisgeldern sitzen sie in der er- Das kommt uns doch irgendwie be-
abzunehmen, als den Feinden Wider- sten Reihe. Man könnte also meinen, kannt vor, das hatten wir doch schon
stand zu leisten. Das wäre zwar ihre daß von ihnen wenigstens etwas über mal vor 350 Jahren. Da wurden die Ver-
Pflicht, aber sehen wir uns doch die der- das Scheffeln von Geld zu lernen wäre. teidiger der Hexen doch auch gleich mit
zeitigen Politiker mal an: Von diesen Aber nein, mit markigen Worten vertei- verbrannt...
Dienstwagen-Inhabern und Regie- digen sie die „Freiheit des Wortes in der
rungsvillen-Bewohnern können wir Die bundesdeutsche Schriftsteller-
westlichen Wertegemeinschaft“ – die
wirklich nichts erwarten! Schickeria kümmert die Verfolgung der
Hohlheit dieser Worthülsen erkennen
Andersdenkenden hierzulande nicht.
Vor einiger Zeit haben sie den deut- sie nicht. Es geht ihnen auch gar nicht
Es interessiert auch nicht das Schicksal
schen Rentnern dann auch etwas Schö- um die Freiheit der Gedanken, der For-
ihrer in den deutschen Gefängnissen
nes gegeben, und sie nennen es „Gene- schung und der Lehre. Ihre Sorge gilt
einsitzenden – weil heimattreuen –
rationenvertrag“. Die Renten seien „si- der Aufrechterhaltung der in diesem
Schriftsteller-Kollegen. Die meisten
cher“, hieß es, was für die der Politiker Staat installierten „offenkundigen
von ihnen sind darauf hereingefallen,
zutrifft, nicht aber für uns Normalbür- Wahrheiten“, von denen Professor
daß die vollmundig im Grundgesetz ver-
ger. Unsere Renten sollen von der näch- Theodor Eschenburg von der Univer-
kündete „Meinungsfreiheit“ auch für
sten jungen Generation bezahlt werden. sität Tübingen sagte, daß z.B. das Be-
sie gelte.
Dabei müssen aber die Jungen die Ren- zweifeln der „deutschen Kriegsschuld“
ten für die Kinderlosen aufbringen, die das Fundament der BRD angreife. Es Aber vielleicht können wir von der
sich einen höheren Lebenßtandard we- gibt für die Herrschenden viele solche Presse, die ja sooo frei ist, etwas über
gen Kinderlosigkeit gönnen konnten. „offenkundige Wahrheiten“. Wehe, es Geld lernen. Das scheint leider auch
Ob sie dies auf Dauer tun werden? Und läßt jemand Zweifel an diesen „offen- nicht der Fall zu sein, denn jene Redak-
was tun diese Politiker für die junge Ge- kundigen Wahrheiten“, den tönernen teure, die nicht direkt im Sold unserer
neration? Füssen dieses Staates, erkennen. Mit Feinde stehen, haben sich auf
drakonischen Strafen werden seine Bonn/Berliner Hofberichterstattung
Frühzeitig versuchen sie, unseren Kin- verlegt. Fein säuberlich berichten sie
Karriere, sein Ruf, sein Vermögen und
der beizubringen, daß der Weg zum uns aus jenen Höhen, in denen die Poli-
seine Familie zerstört. Der Zweifel an
Herzen unserer Feinde durch deren tiker schweben. Was dieser und jener
diesen „offenkundigen Wahrheiten“ ist
Anus geht, einen Weg, den sie selbst oft denken würde, wenn dieser und jener
inzwischen lebensgefährlich geworden.
und gerne zu kriechen pflegen. Schon das gesagt haben täte, erfahren wir da.
Der ehemalige Münsteraner Fachhoch-
dreißig mal soll unser skandalumwitter- Man hat den Eindruck,daß es es hierzu-
schulprofessor Werner Pfeifenberger
ter Bundespräsident in Israel gewesen lande nur noch eine einzige Zeitung mit
wurde von der politischen Justiz am
sein. Was er dort wohl gemacht hat? verschiedenen Titelköpfen gibt, wenn
13.5. dieses Jahres in den Tod getrieben.
Und sein Verhältnis zum Geld? Hat er es um brisante Themen geht. Lediglich
Er hatte vor fünf (!) Jahren einen Arti-
sich diese Reisen etwa auch von der die Lokalteile sind noch ein wenig un-
kel verfaßt, in dem er die Feindschaft
West-LB bezahlen lassen? Das wäre terschiedlich gestaltet. Viele Artikel
zwischen Internationalismus und Natio-
schlimm genug. Oder hat er sie aus eige- sind bis auf Punkt und Komma gleich.
nalismus beschrieb. Das brachte ihm
ner Tasche bezahlt? Das würde immer- Und die Einhaltung der „Political Cor-
jetzt einen Prozeßtermin ein. Da er aus
hin einen tiefen Rückschluß auf seine rectness“ wird mit rattenhafter Wut
vielen Beobachtungen wußte, daß seine
Vorlieben und damit auf seine geistige überwacht. Nur, wenn mal einer kommt
abweichende Meinung keine Möglich-
Verfassung erlauben. wie der Jörg Haider, dann schnattern sie
keit haben würde, gehört zu werden,
Mit den Bundeskanzlern ist das auch so ferner die Medien ihn zur „Unperson“ aufgeregter herum als die Hühner. Mit
eine Sache. Einer, der recht lange am stempeln würden, wollte er den Termin Argumenten sich auseinander zu set-
Ruder war, hatte eine bemerkenswerte nicht wahrnehmen. Er hat dafür ein Zei- zen, haben sie nicht gelernt, es ist ihnen
Beziehung zum Geld. Diese hat ihm chen gesetzt, in welchem Maße Anders- auch zuwider. Linke Ideologie und In-
auch den Spitznamen „Bimbeskanzler“ denkende in diesem Staat drangsaliert doktrination sind ihr Geschäft: Denkt
eingebracht, obwohl er doch so gerne werden. ein Deutscher „deutsch“, ist er ein
als „Kanzler der Einheit“ in die Ge- „Neonazi“, geht ihm das Wohl des eige-
Ein anderes Beispiel:
schichte eingegangen wäre. Aber das nen Volkes zu Herzen, ist er ein „Alt-
wäre halt auch wieder eine Unwahrheit Gegen eine Anwältin wird derzeit ein nazi“. Hat er was gegen das Eindringen
gewesen, denn die Einheit haben mu- Gerichtsverfahren wegen „Volksver- fremder Völkerscharen, ist er ein „Aus-
tige Deutsche in der DDR erzwungen hetzung“ eröffnet. Ihre „Straftat“: Man länderfeind“, gar ein „Rassist“. Fordert

4 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


er, daß deutsche Politik die Interessen len es auch nicht wahrhaben, man hat es uns in Wirklichkeit ein Hintertürchen
des eigenen Landes zu vertreten hat, ist ihnen nach Art einer Gehirnwäsche auf. Im Unterbewußtsein warten wir ge-
er ein „Rechtradikaler“, ein „Unbelehr- ausgetrieben. Vernunft ist auch von da- radezu auf ein Hemmnis, das uns von
barer“, ein „Unverbesserlicher“, ein her hierzulande „rechtsextremistisch“. der Umsetzung unseres eigentlichen
„Reaktionär“, ein „Faschist“, ein „Re- Auch in der Schule lernen wir nicht Zieles abhält. Und weil wir auf das Hin-
vanchist“, und wie die Standard-Aus- „Wie werde ich mit Anstand wohlha- dernis warten und auch schon mit dem
drücke unserer Feinde und ihrer Hel- bend“ oder „Wie kann ich glücklich le- Rückzug liebäugeln, bleibt unser not-
fershelfer auch lauten mögen. Sie be- ben“. Wir lernen statt dessen, daß alle wendiges Handeln auf der Strecke.
greifen nicht, daß man als „Rechter“ ja Menschen „gleich“ sind, daß wir unsere
nicht geboren wird. Man wird es erst, „Feinde lieben“ sollen, und daß es Optimismus oder
wenn man sich eine Weile die Dumm- nichts Schöneres gibt als eine multikri-
köpfe und Verräter unter den Politikern Selbstvertrauen – was ist
minelle Gesellschaft. Das Allensbacher
in den Parlamenten anschaut, und er- Meinungsforschungs-Institut hat in ei- besser?
kennt, was diese bisher diesem Land, ner Befragung über Erziehungsziele bei Wir wissen alle, daß das Leben nicht nur
diesem Volk angetan haben. Wenn die der Bevölkerung aber ganz andere Spit- aus einer Symphonie von schönen und
Frankfurter Oberbürgermeisterin zenziele ermittelt: „Höflichkeit“ stand hellen Noten besteht, sondern auch aus
Roth, von der CDU, per Erlaß verfügt, an erster Stelle, gefolgt von gutem Be- dunklen und tiefen Noten. Viele begeg-
daß von zwei Erzieherinnen mit glei- nehmen und Gewissenhaftigkeit bei der nen diesen unerfreulichen Seiten mit
cher Qualifikation, die Ausländerin der Arbeit. Den Schulen scheint das gleich- „Optimismus“. Das ist an sich gar nicht
Deutschen vorgezogen werden muß – gültig zu sein. Auch dort lernen wir über schlecht, nur darf man Optimismus
dann entsteht daraus Rechtsradikalis- Geld nichts. Erst jetzt werden zaghafte nicht mit „Selbstvertrauen“ verwech-
mus. Wenn in der Grundschule des Versuche gemacht, Schulkindern über- seln. Optimismus läßt uns vor allem die
Frankfurter Bahnhofsviertels von 180 haupt ein Verhältnis zum Geld zu ver- positiven Seiten einer Sache sehen.
Schülern noch ein einziger Deutscher ist mitteln. Denn: Die „Schuldnerberatung Wenn er aber alleine steht und nicht mit
– dann entsteht daraus Rechtsradikalis- Aachen“ hat alarmiert festgestellt, daß weiteren Eigenschaften verbunden
mus. Wenn ausländische Schülerban- die Schuldner immer jünger werden. In wird, bewegt Optimismus wenig.
den deutsche Schüler bedrohen, verprü- zwei Grundschulen will sie daher 60
geln, erpressen und ausrauben, und Selbstvertrauen ist etwas ganz anderes.
Kindern einen gewissen Durchblick in
trotzdem auf der Schule bleiben dürfen Es gibt uns die Gewißheit, auch mit den
Sachen Geld ermöglichen. Das Vorha-
– dann entsteht daraus Rechtsradikalis- unerfreulichen Dingen umgehen zu
ben heißt „Kids und Knete“, das erste
mus. Wenn bei einer Schlägerei zwi- können. Wer selbstbewußt ist, braucht
Wort ist amerikanisch, das zweite jid-
schen einem Deutschen und einem Aus- schwierige Situationen nicht zu fürch-
disch – was soll man dazu sagen.
länder der Ausländer behauptet, der ten. Selbstbewußt ist derjenige, der auf-
Bei unseren Eltern müssen wir leider grund seiner eigenen Vergangenheit
Deutsche habe ihn rassistisch be- feststellen, daß sie meist auch nur wenig
schimpft, und dann automatisch für die weiß, daß er sich auf sich selbst verlas-
Geld zur Verfügung hatten. Ratschläge, sen kann. Er wird sich durch nichts auf-
Justiz klar ist, wer bei der Schlägerei das die bei uns zu Wohlstand führen, sind
Opfer, wer der Täter ist – dann entsteht halten lassen, denn er weiß, daß er mit
von ihnen eher dürftig oder gar nicht zu allen Widrigkeiten fertig werden wird.
daraus Rechtsradikalismus. Wieviele erwarten gewesen. Sie haben zwar
tausend weitere Beispiele soll ich noch Er hat es sich ja oft schon selbst bewie-
„durchgehalten“, das zerstörte Land sen. Und weil das so ist, sollten wir un-
bringen? wieder aufgebaut und immer auf Wohl- ser Selbstbewußtsein aufbauen und
Können wir von den Sportlern, ehedem stand gehofft; aber Hoffen allein reicht pflegen. Daher haben wir in unserem
Vorbilder für die deutsche Nation, et- nicht aus. Sittengesetz einen ganzen Absatz dem
was bezüglich Geld lernen? Sie wissen So leben wir in einer Umwelt, die uns „Selbstbewußtsein“ gewidmet (Küre 4).
hervorragend, wie man sportliches nicht helfen kann, uns nicht helfen will Dort ist vom „Stolz auf die eigene Lei-
Können in Millionenbeträge umsetzt. oder uns zum grossen Teil feindlich ge- stung“ die Rede, von der „Selbstach-
Ihre Trainer helfen ihnen dabei. Diese genübersteht. Was tun wir also? tung“, der „Selbstbejahung“ und der
glauben aber daran, man müßte nur die „Selbstsicherheit“.
teuersten Sportler weltweit einkaufen, Wir nehmen unser Schicksal
das gäbe dann schon eine „National- in die eigene Hand !
mannschaft“. Und so tragen dann auch
Was hat das mit „Geld“
Neger, Türken, Indonesier und Mulat- Die Optimisten unter uns sagen so- zu tun?
ten die bundesdeutschen Farben, so daß gleich „Es wird schon wieder einmal
Geld ist für den Aufbau unseres Selbst-
deutscher Nachwuchs nicht zum Zuge besser werden“. Sie erwarten, daß sich
bewußtseins sehr wichtig. Es läßt wenig
kommt. Den Text der Nationalhymne alles schon irgendwie richten wird.
Raum für ungerechtfertigten Optimis-
zu kennen, halten sie für überflüssig. Doch nichts geschieht, wenn wir nur
mus; unsere Kontostände lassen sich
Und Tore schiessen können sie auch hoffen. Hoffnung ist in unserer Situa-
klar ablesen, für Schönrednereien ist da
nicht mehr. Und so hielten ihnen nach tion ein intellektuelles Beruhigungsmit-
kein Platz. Wenn man also sein Selbst-
dem Spiel gegen Portugal eine Gruppe tel, ein genialer Selbstbetrug. Nebenbei:
bewußtsein aufbauen will, muß man
von Zuschauern ein Plakat entgegen, Auf wen oder was hoffen diese Kame- seine Finanzen zu einem Beweis ma-
auf dem stand: „Wir sind Deutsche – Ihr raden eigentlich? Auf ein gnädiges chen, daß einen nichts beim Erreichen
nicht!“ Schicksal? Auf die Götter? Diese sind eines Zieles aufhalten kann – das hört
doch keine kosmischen Babysitter, die sich einfach an und ist doch äusserst
Daß ein gesundes Nationalbewußtsein,
uns dafür belohnen, untätig herumge- schwierig zu bewerkstelligen.
ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ein
sessen zu sein. Der alte Spruch gilt nach
Wissen um die Schicksalsgemeinschaft, Umgedreht dürfen wir keinesfalls zulas-
wie vor:
der man angehört, und ein tief im In- sen, daß unsere finanzielle Situation un-
nern schlummerndes Rassebewustsein „Toren und Narren hoffen und harren“. ser Selbstvertrauen lähmt, denn ohne
zum Erfolg einer Mannschaft gehören – Es reicht auch nicht, das Eine oder An- Selbstvertrauen leben wir nur eine Mi-
das wissen die bundesdeutschen Sport- dere nur „zu versuchen“. Denn wenn nimalexistenz. Wir erfahren nie, was al-
ler und ihre Funktionäre nicht. Sie wol- wir etwas „versuchen“, dann halten wir les in uns steckt, wir gehen keine Wag-

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 5


nisse ein, wir wachsen nicht als Person, hat. „Selbstbeherrschung und Gelas- Tätigkeit, die ihm nicht gefiel. Aber weil
wir tun nicht das, wozu wir eigentlich in senheit sowie Sachlichkeit“, in Küre 10 wir Geldmangel haben, bleiben wir bei
der Lage wären, wir schöpfen unsere unseres Sittengesetzes erwähnt, sind be- unserer Tätigkeit, die uns nicht freut –
wahren Möglichkeiten nicht aus. Und sonders beim Umgang mit Geld gefor- und verdienen damit zu wenig Geld.
am Ende müssen wir erkennen: dert. Wir werden das noch sehen. Auf den Punkt gebracht:
„Ein Mensch ohne Selbstvertrauen tut Zu 4.) Mit dem „Sinn unseres Lebens“ „Wer den ganzen Tag dumpf vor sich
nichts, hat nichts, ist nichts.“ beschäftigt sich unsere Gemeinschaft, hin arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu ver-
Ein Blick auf unser Konto muß uns be- die AG-GGG, schon seit fast 100 Jah- dienen“.
weisen, daß Geld eine Unterstützung in ren, und die entstandenen Fragen sind Sehen wir uns doch mal um:
unserem Leben ist. Das Konto muß uns noch längst nicht alle beantwortet. Aber
ein beachtlicher Fortschritt ist nicht zu Viele Menschen taumeln ziemlich plan-
ein Gefühl der Sicherheit in unsere ei- los durchs Leben, sie versuchen, so ir-
genen Fähigkeiten geben, es darf nicht übersehen, und wir können mit einigem
Stolz sagen, daß derzeit die Akzente in- gendwie durch den Tag zu kommen. Die
gegen uns arbeiten, sondern muß dies Arbeitswoche ist für sie eine unlieb-
für uns tun. nerhalb des nordeuropäischen Heiden-
tums hier bei uns in der AG-GGG ge- same Unterbrechung zwischen zwei
Fragen wir uns doch mal „Wie war denn setzt werden. Vor allem hat die AG- Wochenenden. Sie arbeiten natürlich,
der Kontostand vor 10 Jahren, wie ist er GGG etwas, was das moderne Heiden- um Geld zu verdienen – aber sie arbei-
jetzt?“ Solche Zahlen sind meist sehr tum andernorts bisher noch gar nicht ten nicht, um eine „Erfüllung“ zu fin-
ernüchternd, treffen aber den Punkt. entwickeln konnte: Es ist die „Konti- den. Sie erkennen weder ihre Begabun-
Wenn wir so weitermachen wie bisher, nuität der Weltsicht“ seit Gründung vor gen noch die Gelegenheiten, diese Be-
werden wir in 10 Jahren ungefähr dies- einem Jahrhundert. Und wenn wir den gabungen einzusetzen. Hier müssen wir
selben Zahlen haben wie jetzt, und in zeitlichen Rahmen noch etwas grösser anfangen:
den darauffolgenden Jahren ebenso. fassen, dann können wir sagen, daß Wir müssen uns genügend Zeit nehmen
Wenn wir aber andere Ergebnisse ha- auch unsere ferneren Ahnen nicht an- um herauszufinden, wer wir sind, woran
ben wollen, müssen wir etwas tun, näm- ders dachten und handelten, wie wir es wir Freude haben, was unsere Stärken,
lich: heute tun. Sicherlich wurden zu anderen was Schwächen sind. Die Zeit für diese
Zeiten manche Dinge anders gewichtet Erkenntnis müssen wir uns unbedingt
Neue Wege gehen – aber Sprünge in der Entwicklung un- nehmen. Wer sich diese Zeit nicht
serer Religion und Weltanschauung nimmt, vergeudet sein Leben.
Der Anfang dazu sind unsere Gedan- gibt es bei uns nicht.
ken. Denn: Und wenn wir unsere Veranlagungen
Was der AG-GGG an wichtigen Ein- erkannt haben, müssen wir daraus
Die bisher geübte Art zu denken hat uns richtungen m.E. noch fehlt, und hier Fähigkeiten entwickeln, die wir einset-
zu dem gemacht, was wir heute sind. möchte ich mich an die Leitung der AG- zen wollen. Denn nur wenn wir etwas
Wenn wir uns nicht mit neuen Gedan- GGG wenden, sind eine eigene Schule tun, was uns mit Leidenschaft und Be-
ken beschäftigen, werden wir nicht dort- und eine eigene Bank – im Zeitalter des geisterung erfüllt, sind wir wirklich gut.
hin gelangen, wo wir gerne wären. Computers eher leicht erreichbare Ja, und Sie werden es nicht glauben –
„Wer heute nur immer das tut, was er Ziele. Eine Schule, an der wir unsere dann fließt Geld wie von allein in unser
gestern auch schon getan hat, der bleibt Führungskräfte ausbilden, eine Bank, Leben.
auch morgen das, was er heute schon mit der wir uns grössere Mengen an
ist!“ Geld für unsere Unternehmungen be-
schaffen. Damit sind wir wieder beim Ein wenig Planung ist
Fangen wir mit den „Geld“ angelangt. notwendig
„wichtigen Fünf“ an. Die fünf wichtigen Bereiche unseres Viele planen ihren Urlaub gründlicher
Lebens hängen sehr eng miteinander als ihr Leben. Es gibt aber nur zwei
Man kann das Leben vereinfacht in fünf zusammen. Sie entsprechen, verein- Möglichkeiten:
Bereiche einteilen: facht gesagt, den fünf Fingern an einer
1.) Gesundheit, Entweder wir planen unser Leben, oder
Hand. Ist ein Finger davon beschädigt, andere verplanen es. Nun sagen manche
2.) Beziehungen, leidet die Funktionsfähigkeit der von uns:
3.) Gefühle, ganzen Hand. Deshalb ist es notwendig,
4.) Suche nach dem Sinn des Lebens, daß alle fünf Bereiche miteinander in „Je mehr ich plane, desto härter trifft
5.) Geld. Einklang stehen, oder anders ausge- mich das Schicksal, wenn es mal nicht so
drückt: Wir müssen in jedem der fünf kommt, wie ich eigentlich will. Darum
Alle Bereiche sind gleichermassen plane ich nicht mehr“. Eine menschlich
wichtig. Bereiche sehr gute Leistungen erzielen.
Haben wir z.B. „Geldsorgen“, werfen verständliche, aber nutzlose Einstel-
Zu 1.) Über Gesundheit müssen wir diese einen Schatten auf die anderen lung, denn das Schicksal wird sich davon
nicht reden, sich gesund zu halten ist vier Bereiche. Denn Geld ist für ein Le- kaum beeindrucken lassen.
selbstverständliche Aufgabe eines je- ben im Gleichgewicht heutzutage – im Andere verzweifeln, weil ihre Pläne nie
den von uns. Deshalb ist auch das „Stre- Gegensatz zu früheren Zeiten – leider Wirklichkeit werden, obwohl sie selbst
ben nach Gesundheit, Schönheit und sehr wichtig. Den meisten von uns aber sehr diszipliniert vorgehen. Sie machen
Wohlgeratenheit an Leib und Seele“ mangelt es an Geld. Wir haben keine einen schweren Fehler, denn sie versäu-
eine Forderung unseres Sittengesetzes Geldmaschine, im Gegenteil, wir sind men es, Träume, Ziele, Werte und Stra-
(Küre 6), denn es ist einfach vernünftig. häufig das ganze Leben lang eine Geld- tegien miteinander zu verbinden.
Zu 2.) Beziehungen zu guten, zuverläs- maschine für andere. Eigentlich sind wir Damit sind wir beim Fundament unse-
sigen Freunden sind im Leben wie das in einem Teufelskreis: res Handelns angelangt. Als wohlerzo-
Salz in der Suppe. Aber das ist erst et- Viele von uns gehen einer Tätigkeit gene Menschen haben wir gelernt, daß
was später unser Thema. nach, die uns keinen richtigen Spaß man eiserne Disziplin üben muß, wenn
Zu 3.) Wer seine Gefühle nicht be- (mehr) macht, weil wir damit nicht ge- man etwas erreichen will. Aber nie-
herrscht, verliert den Grund, Dinge zu nug Geld verdienen. Doch noch nie hat mand hat uns gesagt, daß wir auf einem
verwirklichen, die er sich vorgenommen jemand richtig Geld verdient mit einer Bein allein nicht gut stehen können. Wir

6 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


brauchen in dieser Welt vier Beine, Sie deten Unfällen u. a. Ereignissen, für die Wer die Schuld hat, hat die Macht! Des-
haben diese gerade kennengelernt: wir gar nicht verantwortlich sein kön- halb wollen wir vorsichtig mit Schuldzu-
nen). weisungen sein, denn wir haben gern
Träume, Ziele, Werte und Ganz gleich was uns zustößt, für unsere selbst die Macht über unser Leben.
Strategien „Reaktion auf jegliches Ereignis“ sind Das gilt auch für die Vergangenheit.
wir in jedem Fall verantwortlich. Wie Haben wir in der Vergangenheit Fehler
Diese vier müssen wir miteinander in wir auf ein Ereignis reagieren, ist unge- begangen, ziehen wir unweigerlich die
Einklang bringen – wenn wir unglaubli- heuer wichtig. Folgen auf uns. „Wer das eine Ende des
che Kräfte entfalten wollen. Sehen wir Ein Beispiel: Stockes aufhebt, hebt auch das andere
uns das mal im Einzelnen an: Stellen Sie sich bitte eine Traube vor. auf“. Diese Erkenntnis sollte uns veran-
Unser „Träume“ sind Vorstellungen Was kommt heraus, wenn ich sie lang- lassen, noch verantwortlicher zu leben
von dem, was uns glücklich machen sam, aber stetig auspresse? Traubensaft als bisher.
würde. Leider erfordern die meisten natürlich, den ich trinken kann. Und Unsere Reaktionen auf die Fehler in
Geld. wenn ich sie an die Wand werfe oder auf der Vergangenheit wirken sich ständig
Aus unseren Träumen müssen wir sie drauftrete? Wieder Traubensaft, auf den nächsten Augenblick aus. Da-
„Ziele“ formen. Um diese zu erreichen, den ich diesmal aber nicht nutzen kann. her entsteht die Frage:
müssen wir Entscheidungen treffen und Dies soll zeigen, wie wichtig unser Tun,
unser „Umgang mit einer Sache“ ist. „Wollen wir Macht über den nächsten
uns festlegen. Tun wir das nicht, bleibt Augenblick gewinnen oder sollen un-
alles nur ein Traum. Aber nicht nur für unser Tun sind wir sere Fehler in der Vergangenheit und
verantwortlich, wir sind vor allem ver- deren Folgen Macht über unseren näch-
Träume und Ziele wiederum müssen im
antwortlich für unsere „innere Einstel- sten Augenblick haben?“
Einklang mit unseren „Werten“ stehen,
lung zu den Geschehnissen“, unsere Re-
sonst treten wir auf der Stelle. Beachten Wenn wir Verantwortung übernehmen,
aktionen darauf, unsere Sicht der
wir: Unsere Werte sind eine Auswahl ist die Macht bei uns.
Dinge. Zu streiten, nur weil der andere
von Möglichkeiten. In der Kindheit
damit angefangen hat, ist sinnlos. Aber „Macht zu wollen und sich ihrer mit Be-
wird diese Wahl vorab von unseren El-
sich zu fragen, ob der Angriff nicht viel- dacht zu bedienen“ ist übrigens eine
tern und unserer Umgebung getroffen,
leicht eine Reaktion auf unser vorheri- Forderung unseres Sittengesetzes
deren Werte wir zunächst übernehmen
ges schlechtes Verhalten war, bringt (Küre 8), auch von daher sollte sich für
(müssen). Als Erwachsene gewinnen
möglicherweise ein Ergebnis. Im Engli- uns eigentlich nicht die Frage stellen:
wir nach und nach die Freiheit, uns für
schen heißt Verantwortung „responsi- Wollen wir Amboß oder Hammer sein –
dieses oder jenes als „für uns wertvoll“
bility“. Darin stecken response (Ant- frei nach Goethe.
zu entscheiden.
wort) und ability (Geschicklichkeit).
Wenn Träume, Ziele und Werte übe- Demnach bedeutet Verantwortung:
reinstimmen, müssen wir noch „Strate- „Antworte mit Geschicklichkeit.“ Das
Die Zukunft
gien“ entwickeln, um erfolgreich zu kann man sich merken. Wenn wir sie gestalten wollen – es bleibt
sein. Erfolg zu haben bedeutet, das zu Viele Menschen schieben Verantwor- uns für ein menschenwürdiges Leben
bekommen, was man will. (Zum Unter- tung von sich. Drei Gründe hören wir gar nichts anderes übrig, als dies zu tun
schied: „Glücklich“ zu sein heißt, das zu immer wieder, warum Menschen nicht – müssen wir uns über unsere persönli-
mögen, was man bekommen hat). Erst verantwortlich sein wollen: che Vergangenheit im Klaren sein:
wenn wir uns bewußt entscheiden, von
welchen Werten wir uns auf dem Weg „Die Gene sind schuld, die Eltern sind Wir verändern uns ständig in sehr klei-
zu unseren Zielen leiten lassen, haben schuld, die Umwelt ist schuld“. nen, unmerklichen Schritten. Im All-
wir Kontrolle über unser Leben. Das stimmt aber so nicht. Wir haben tagsgetriebe nehmen wir diese nicht
zwar keinen Einfluß auf die drei ge- wahr. Wenn wir sie uns aber einmal be-
„Kontrolle über unser Leben“, das mag nannten Faktoren, aber was wir trotz wußt machen, wenn wir einmal feststel-
dem einen oder anderen freiheitlich ge- unseres noch so verkorksten Chromo- len, wo wir vor zehn Jahren waren und
sinnten Menschen gar nicht passen. Es somensatzes, trotz unserer leidgeprüf- wo wir jetzt stehen, dann stellen wir die
ist aber dennoch so: ten Eltern, trotz unserer miserablen Veränderung fest. Und damit erkennen
Wenn wir unser Leben nicht fest in die Umwelt machen, liegt voll in unserer wir die Bedeutung einer Vision für die
eigene Hand nehmen, sind wir in der Verantwortung. Zukunft. An diese Vision zu glauben,
Hand der anderen. Es ist zwar menschlich, die Schuld für ihre Verwirklichung beständig anzu-
Es genügt nicht, um die Dinge irgend et- Etwas auf andere zu schieben, wir ver- streben, mit aller Kraft und Energie
was zu wissen. Heute gilt nicht mehr gessen aber das Entscheidende dabei: daran zu arbeiten – das ist das Geheim-
„Wissen ist Macht“, sondern es gilt: nis des Erfolgs.
„Angewandtes Wissen bringt Macht“. Wem wir die Schuld geben, Unsere Vision gibt uns zudem eine
dem geben wir auch die gehörige Menge Selbstbewußtsein zur
Wie ist das mit der Macht! Bewältigung der Probleme, die auf uns
zukommen. Denn immer wenn wir glau-
Verantwortung ? ben, ein Problem sei von aussen verur-
Das ist zunächst schwer zu verstehen.
Wenn wir mit Geld richtig umgehen Schauen wir uns das genauer an: sacht, ist genau dieser Gedanke das ei-
wollen, müssen wir vorher erkannt ha- Es ist verführerisch, anderen die Schuld gentliche Problem. Wann immer wir die
ben, daß wir für unser Tun verantwort- zu geben, denn dann stehen wir wieder „Umstände“ oder „andere Menschen“
lich sind. Nicht der Staat, nicht die Um- gut da. Die Firma ist schuld, ich kann beschuldigen, geben wir Macht ab. Nör-
stände, nicht unser Partner, nicht unsere mich nicht entfalten, mein Partner ist geln und klagen bestätigt nur unsere
Erziehung, nicht unsere Gesundheit, schuld, meine Gesundheit ist schuld.... Schwäche.
nicht unsere finanzielle Situation: Fassen wir zusammen:
Wollen wir etwa, daß die Firma, der
Wir sind für unser Tun verantwortlich. Partner, unsere Gesundheit Macht über Wohlstand erreichen wir nicht, indem
(Bitte nicht verwechseln mit Schicksals- uns haben? Uns nötigen, etwas zu tun, wir Problemen ausweichen. Anders
schlägen, Naturereignissen, unverschul- was wir gar nicht wollen? ausgedrückt:

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 7


Wer mehr Geld haben will, sollte sich Ein Beispiel: stehen. Dazu müssen wir die richtigen
schleunigst nach einer längeren Liste Rudi Mickrig und Egon Emsig arbeiten Fragen an unser Inneres stellen. Insge-
von Problemen umsehen. in der gleichen Firma. Rudi Mickrig tut samt müssen wir unser persönliches
brav seine Arbeit in seiner Abteilung. Universum erweitern. Denken wir stets
daran, daß wir älter werden. Wenn wir
Probleme löst man, indem Er interessiert sich nur für diese. Egon
älter werden, bereuen wir nicht die Feh-
man Fragen stellt Emsig macht sich unterdessen Gedan-
ken über die Richtung, in die seine ler in unserer Jugend. Wir bereuen bit-
Die Qualität unserer Fragen bestimmt Firma geht, über die Kundenbindung, terlich nur eines:
die Qualität unseres Lebens. Ständig über neue Verkaufsmöglichkeiten der Die Dinge, die wir nicht getan haben.
befinden wir uns in einem inneren Dia- Produkte. Er unterhält Beziehungen zu Wenn wir mehr Geld haben wollen,
log, ständig wirft unser Gehirn Fragen anderen Abteilungen, denkt darüber genügt es nicht, „ein wenig mehr zu
auf, die wir uns selbst beantworten. nach, was die Mitbewerber machen, tun“. Wir überschätzen meist, was wir in
Wenn wir uns fragen: „Werde ich das überlegt, warum die Nicht-Kunden bei einem Jahr tun können und unterschät-
schaffen?“, schliessen wir die Möglich- seiner Firma nicht kaufen. Seine Ge- zen, was wir in zehn Jahren tun können.
keit ein, auch zu versagen. Wegen dieser danken werden Worte, seine Worte Es reicht nicht, die Einsicht zu haben,
falschen Fragestellung bleibt ein werden Werke, er vergrössert seinen daß sich in unserem Leben etwas än-
Restzweifel bestehen. Die bessere Einfluß, indem er seine naturgegebenen dern muß. Es reicht auch nicht, lösungs-
Frage ist: „Wie werde ich das schaffen?“ Möglichkeiten ausschöpft und mehr bezogen zu handeln und sich dabei im-
Verantwortung übernimmt – er wird er- mer neuerer Techniken zu bedienen.
Diese Frage schließt das Scheitern aus,
folgreich. Erfolgreich sein heißt, der Be- Wir müssen zusätzlich noch unsere
sie läßt nur Überlegungen zu, wie ein
ste zu sein, der man mit seiner Veranla- Weltsicht überdenken und darauf ach-
Problem gelöst werden muss. Also soll-
gung sein kann. Wenn man alles gibt, ist ten, die Welt nicht nur als einen
ten wir nicht so sehr nach dem „Warum“
man am lebendigsten. Dschungel zu sehen, in dem jeder gegen
fragen, sondern vielmehr nach dem
„Wie“. Das „Wie“ sucht nach Lösun- jeden kämpft. Das ist deswegen wichtig,
gen, das „Warum“ nach Entschuldigun- Ziehen wir eine weil es nicht „eine“ Realität gibt, son-
gen. Wir finden immer, was wir suchen. Zwischenbilanz dern immer nur „die Realität, die wir
Wer Entschuldigungen sucht, wird wahrnehmen“. So gibt es eine „Brille“,
diese finden. Er wird Verantwortung Die meisten Menschen sind geradezu durch die wir Geld als ein Mittel sehen,
von sich weisen und damit „Macht“ ab- leichtsinnig, wenn es um Geld geht. Wo mit dem man Gier produziert, Kriege
geben. Er wird zu den Verlierern hätten sie den Umgang mit Geld auch auslöst, Einsamkeit erzielt. Uns muß
gehören. lernen können? Wir haben gesehen, daß klar werden, daß dies nur eine von vie-
es kein Unterrichtsfach dafür gibt. Die len Betrachtungsweisen ist. Denn man
Wenn wir uns fragen: „Wer ist schuld?“ heutige Gesellschaft regt zum Überkon- kann Geld auch durch eine andere
suchen wir insgeheim nach Ausreden. sum an, jammert aber gleichzeitig über Brille sehen, und dann erscheint es als
Und wenn wir sagen: „Du bist schuld“, Geldmangel. Sprüche wie „am Ende Mittel zum Erreichen besserer Lebens-
nehmen wir Raum für Veränderungen meines Geldes war noch viel Monat bedingungen oder zur Verbreitung von
weg. Schuldfragen führen uns letztlich übrig“ sind beliebt. Sätze wie „Geld hat Bildung und Wissen oder zur Rettung
immer in die Vergangenheit. So interes- man, darüber spricht man nicht“, und unserer Menschenart. Damit soll deut-
sant diese auch sein mag – wir benötigen „Geld ist nicht das Wichtigste“ dienen lich werden:
unsere Energie für das „Jetzt“. Daher vor allem zur Selbsttäuschung. Denn
müssen sich unsere Fragen darauf kon- Geld ist sehr wohl wichtig. Wenn wir zu Eine negative Sichtweise wird Geld
zentrieren, was wir „jetzt“ tun können, wenig davon haben, wird es so wichtig, wohl kaum zu uns heranziehen, die po-
um erfolgreicher zu sein. daß es einen viel zu hohen Stellenwert in sitive tut das ganz sicher.
Wer sich der besseren Fragestellung be- unseren Gedanken und unserem Leben
dient, wer nach dem „Wie“ fragt, steigt einnimmt, so daß wir einen viel zu gros- Konstant lernen und wachsen
in etwas ein, das unsere Ahnen „Kühn- sen Teil unseres Lebens der Jagd nach – der Weg zum Erfolg
heit“ nannten. Mit der Frage „Wie“ dem Geld opfern müssen.
wird er seinen „persönlichen Lebensbe- Was immer wir mit Geld anfangen, zeigt Schon sehr früh setzt bei uns Menschen
reich“ erweitern (müssen), um zu Lö- sich in der Zukunft – das gilt im übrigen der Vorgang des Lernens ein. Zunächst
sungen zu gelangen. Er wird mit der Er- für alle unsere Taten, von denen die klu- sind es die Eltern, die weniger durch
weiterung seines Lebensbereiches gen unser Leben begleiten und uns er- ihre Gebote und Verbote uns etwas bei-
gleichzeitig mehr Macht gewinnen. freuen, ebenso wie die unklugen uns bringen, als durch ihr vorgelebtes Bei-
verfolgen, plagen oder gar quälen. spiel. Als Kleinkind hören wir für jedes
Wenn man erfolgreich sein will, müssen „Ja“ ungefähr siebzehnmal ein „Nein“.
die nächsten Fragen dann heissen: Deshalb ist es so wichtig, die volle Ver- Das ist enttäuschend. Auch später,
antwortung für sein Leben anzustreben wenn wir voll dem Einfluß der Medien
„Was kann ich, was weiß ich, welche
und auch zu übernehmen, denn ohne ausgesetzt sind, hören wir rund 80 Pro-
Möglichkeiten habe ich?“ Von den
Verantwortung zu leben heißt, sich zent negative Meldungen. Das ist von
Antworten hängt unser taktisches Vor-
selbst zum kraftlosen Opfer zu degra- den Medien und ihren unsichtbaren
gehen ab. Unser Ziel ist inzwischen klar,
dieren und nach den Vorschriften zu le- Drahtziehern auch so beabsichtigt,
aber wie wir dahin gelangen, ist unter-
ben, die andere für uns schreiben. Dies denn negative Meldungen verhindern
schiedlich.
widerspricht in höchstem Masse der Na- den Aufbau unseres Selbstwertgefühls.
Diese Erörterung sollte zeigen: tur unserer nordischen Menschenart. Unsere Feinde sind ausserordentlich in-
Die Fragen unseres inneren Dialogs be- Wenn wir erfolgreich sein wollen, müs- teressiert daran, daß es in Deutschland
stimmen, in welche Richtung wir gehen. sen wir unsere Bequemlichkeit, unsere nur ja nicht zu einer solchen Hochstim-
Sie lassen den Bereich unseres Lebens, „Filzpantoffelzone“ verlassen. Wir mung in unserem Volk kommt, wie das
den wir kontrollieren, schrumpfen oder müssen Schwierigkeiten als Gelegen- ab Mitte der dreissiger bis Anfang der
wachsen. Diesen „Kontrollbereich“ zu heit zum Wachsen verstehen und versu- vierziger Jahre, trotz weltweiter Hetze
erweitern, muß unser vordringliches chen, eine Lage herzustellen, in der und trotz Kriegserklärungen von 42
Streben sein. diese Schwierigkeiten nicht mehr ent- Staaten gegen Deutschland, der Fall

8 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


war. Denn wenn wir heute selbstbewußt Geld und Risiko wohnte Umgebung verlassen müssen.
genug wären, dann könnten wir Ener- Wachstum liegt aber nun mal ausser-
gien freisetzen, die das Gesindel und das Von der ersten Minute unseres Lebens halb unserer „Filzpantoffel-Zone“. Ge-
andere Pack schlagartig hinwegfegen an lernen wir durch Nachahmung. Kein hen wir also heraus aus unserer Be-
würden. Und deswegen reden sie uns Buch, kein Studium beeinflußt uns so quemlichkeit, ersetzen wir jedes gelöste
ständig Schuldgefühle ein, erzeugen in stark, wie der Umgang mit Menschen, Problem durch ein neues, grösseres.
uns vom Kindergarten bis zum Alters- die uns umgeben – mit denen wir uns Wachsen wir!
heim Minderwertigkeitsgefühle, zwin- umgeben. Umgeben wir uns mit Men-
gen uns finanziell in die Knie, stellen uns schen, die besser sind als wir, werden wir
wachsen. Tun wir das mit Menschen, die
Macht Geld glücklich?
Kriecher und Verräter als leuchtende
Vorbilder dar. schlechter sind als wir, werden wir nicht Glück, für das man nichts getan hat, fin-
von der Stelle kommen. Anders ausge- det sich nur selten bei uns ein, Lottoge-
Es ist ausserordentlich wichtig, daß wir drückt: „Wer mit Hunden ins Bett geht, winne haben wir nicht jede Woche. Es
diesem Negativ-Trend entgegensteuern wacht mit Flöhen auf.“ gibt aber noch eine andere Form von
und zumindest das Bild von uns selbst Glück, ein Glück, dem wir sehr wohl auf
geraderücken. Wir können das auch Von guten Vorbildern lernen wir, daß
man Geduld haben muss. Wie z.B. ein die Sprünge helfen können. Es klopft
recht unbefangen tun – im Gegensatz zu bei allen Menschen an in Form von „Ge-
Politikern wie Scharping, Schröder und Winzer, der einen Reben-Steckling in
die Erde setzt und vier Jahre lang pfle- legenheiten“. Auf diese Art Glück müs-
Fischer, denn wir haben nicht am Über- sen wir vorbereitet sein, gute Gelegen-
fall der westlichen „Wertegemein- gen muß, ohne daß sich ein Nutzen er-
gibt. Der Winzer weiß in dieser Zeit heiten müssen wir erkennen können.
schaft“ auf Serbien teilgenommen, Dazu müssen wir aber den Kopf frei ha-
keine 30 000 radioaktiv strahlenden Ur- nicht, ob der Steckling überhaupt mal
eine Traube hervorbringen wird, aber er ben, denn wenn wir ständig auf der Jagd
angeschosse auf dieses Land abgefeu- nach Geld sind, um unsere Schulden be-
ert, keine Kriegsverbrechen an der ser- hat Vertrauen und verläßt ihn nicht.
Erst im vierten Jahr bildet die Pflanze zahlen zu können, werden wir die guten
bischen Zivilbevölkerung verübt – von Gelegenheiten, die uns das Leben bie-
den Bonnern und ihren Medien zynisch eine Blüte aus, die zur Traube wird.
tet, nicht wahrnehmen.
„Kollateralschäden“ genannt. Und wir Vertrauen in eine als gut erkannte Sa-
gehören nicht zu den Verrätern am ei- che zu haben – das ist das Entschei- Also brauchen wir zuerst einen ausge-
genen Volk. dende. Sich nicht entmutigen lassen. glichenen Haushalt, eine gewisse
Langfristig denken, Wagnisse eingehen Menge erworbenes und erspartes Kapi-
Streben wir ruhig und zielgerichtet nach – das müssen wir lernen, indem wir es tal. Jetzt können wir uns auf die Suche
den Erfolgen, von denen wir jetzt noch üben. nach guten Gelegenheiten machen,
träumen, bauen wir unser Selbstbe- aber dazu bedarf es etlicher Vorberei-
wußtsein systematisch auf. Selbstbe- tungen, und dann müssen wir lernen,
wußtsein ist kein Zufall. Wir können nie Was ist das eigentlich, ein uns schnell zu entscheiden, denn Glück
genug davon haben. Ob wir stehenblei- Wagnis? verschwendet seine Zeit nicht mit Men-
ben oder weitermachen – alles hängt schen, die unvorbereitet oder entschei-
von unserem Selbstbewußtsein ab. Wir Alles, was sich wirklich lohnt, ängstigt
dungsschwach sind.
denken häufig, daß wir aus Bequemlich- einen zunächst. Wäre das nicht der Fall,
dann sollten wir das als Hinweis auffas- Gute Gelegenheiten rasen schnell an
keit oder aufgrund einer gewissen Sätti- uns vorbei. Wir müssen uns deswegen
gung den nächsten Schritt in unserem sen, daß der Schritt, den wir tun wollen,
für uns wohl eine Nummer zu klein ist. nicht nur darin üben, diese Gelegenhei-
Leben nicht gesetzt haben. Das stimmt ten zu erkennen, wir müssen auch ler-
nicht. Richtig ist, daß wir die Bequem- Es könnte aber auch sein, daß wir mit ei-
ner Aufgabe hart kämpfen, unsere nen, uns schnell zu entscheiden. Denn
lichkeit nur vorgeschoben haben. In gute Gelegenheiten warten nicht auf
Wahrheit haben wir nicht an unseren Angst überwinden – und keiner beach-
tet das. Deshalb sollten wir uns nicht an langsame Menschen.
Erfolg geglaubt. Und das müssen wir
unter allen Umständen ändern. anderen messen, sondern nur an dem, Und wenn wir ein wenig Kapital ange-
was wir selbst erreichen können. Wir spart haben, unsere Entscheidungskraft
selbst sind die „Meßlatte“ für unsere gestärkt haben und unser Erkenntnis-
Wie wird man Wagnisbereitschaft. vermögen für gute Gelegenheiten geübt
selbstbewußter? Wagen wir also etwas, wir sind ja haben, dann können wir auf die Suche
zunächst noch weit unten und vom Fuß- nach guten Gelegenheiten gehen.
Indem man sich seine Erfolge – und boden können wir nicht fallen! Wenn Glück muß man also „vorbereiten“,
seien sie noch so klein – ab und zu vor wir unsere Angst, zu verlieren, nicht man muß ihm „entgegengehen“.
Augen führt, sich daran erinnert, not- überwinden, werden wir niemals gewin-
falls diese aufschreibt. Einen gesunden nen. Und vergessen wir nicht, daß es viel
Stolz auf eigene Leistungen sollte man riskanter sein kann, den Weg, den wir
Warum bin ich nicht „reich“?
haben. Fallen einem keine ein, dann hat gerade gehen, weiterzugehen, als nach Einige Dinge haben Menschen, die kein
man zu wenig Selbstbewußtsein. neuen Möglichkeiten zu suchen und Geld haben, gemeinsam. Sie halten sich
Unser Selbstwertgefühl entscheidet, diese auszuprobieren. Unser bisheriger – wohl unbewußt – an bestimmte
wie hoch unsere Erwartungen sind. Un- Weg muß nicht sicherer sein, nur weil er Grundsätze, um kein Vermögen aufzu-
sere Erwartungen bestimmen, was wir uns vertrauter ist. Es gibt auf diesem bauen.
bekommen werden. Wir sehen es doch Planeten eben keine Sicherheiten, es Der erste dieser Grundsätze ist, daß sie
immer wieder: Menschen mit geringem gibt nur „Gelegenheiten“. Reichtum nie klar definieren. Dabei ist
Selbstwertgefühl beschützen sich selbst, Ganz klar gibt es für jedes Wagnis einen das Leben wie ein Versandhaus. Es gibt
indem sie kein Wagnis eingehen. Das Preis. Aber dieser Preis ist viel geringer uns genau das, was wir wollen. Nur,
entspricht allerdings gar nicht unserem als der Preis für bequemes Untätigsein. beim Versandhaus bestellen wir nicht
Wesen, und deswegen steht, wie schon Wenn wir wollen, daß sich die Dinge für „irgend etwas Nettes“, sondern geben
erwähnt, in Küre 4 unseres Sittengeset- uns ändern, müssen wir uns ändern. Än- klar unseren Auftrag. Vom Leben er-
zes etwas über die Selbstachtung, derung bedeutet aber immer, ein Wag- warten wir aber „irgendwann eine
Selbstbejahung und Selbstsicherheit. nis einzugehen, weil wir unsere ge- Menge Geld“.

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 9


So geht das aber nicht. Deshalb brau- immer wir in Richtung auf das Ziel halb schliessen Sie, so oft Sie Zeit ha-
chen wir eine genaue Zahl, was Reich- schauen, ist das Problem. Hätten wir ben, die Augen. Stellen Sie sich Ihr Ziel
tum für uns persönlich bedeutet. Also uns vorgenommen, am Jahresende in allen Einzelheiten vor, und prüfen
legen wir uns fest, geben wir uns eine 10 000,– DM mehr zu besitzen, dann Sie, wie Sie sich dabei fühlen. Wenn Sie
Summe vor, die wir in einer bestimmten würden die 200,– DM uns den Blick zufrieden sind, dann lohnt es sich, nie-
Zeit erreichen wollen. Solange wir diese darauf nicht verdecken. Blickkontakt mals aufzugeben. Andernfalls sollten
Zahl nicht festgelegt haben, kann das auf unser Ziel ist aber das Wichtigste. Sie sich ein neues Ziel suchen.
Leben das Geld nicht an uns los- Denn immer, wenn wir unser Ziel nicht Auf dem Weg zu unserem Ziel müssen
schicken. Und jetzt kommt etwas sehr sehen, entstehen Zweifel und Angst. wir bereit sein, stets mehr als 100 Pro-
wichtiges: Wir müssen also dafür sorgen, das wir zent zu leisten. Nehmen wir an, Sie
uns in unseren Problemen nicht verlie- möchten Gewichtheber werden und
Wir müssen nicht nur die genaue Zahl
ren, daß Probleme immer relativ klein wollen Ihre Muskeln stählen und heben
wissen, wir müssen diese Zahl auch auf-
sind im Vergleich zum Ziel. die Hantel zehnmal. Welche der zehn
schreiben und sie dann in Bilder um-
wandeln. Es ist erstaunlich, aber unser Noch ein Wort zur Größe des Ziels, das Anstrengungen ist die wichtigste? Die
Unterbewußtsein kann mit Zahlen und wir uns vornehmen wollen. 100,– DM erste? Die zehnte? Nein! Die elfte ist es.
Worten nichts anfangen, es reagiert vor mehr zu haben ist auch jedem Bettler Warum?
allem auf Bilder. Und weil wir unser möglich, 10 Millionen mehr zu haben ist Viele Menschen wollen bei einer Sache
Unterbewußtsein als Verbündeten für uns auch zunächst völlig unerreich- 100% gut sein und erreichen gerade mal
brauchen, um Wohlstand anzuhäufen, bar. Also müssen wir unser Ziel mit un- 80%. Wir aber sollten mehr als 100%
müssen wir ihm Bilder geben. Ein Bei- seren Möglichkeiten in Einklang brin- gut sein wollen, dann werden wir viel-
spiel: gen. Aber bitte das Ziel immer ein we- leicht 90 % oder gar tatsächlich 100%
nig grösser nehmen, denn grosse Ziele erreichen. Mehr als 100% geben zu wol-
Denken wir mal an ein Auto. Sehen wir
erweitern unsere Wahrnehmung von len, heißt nämlich „Wachstum“. Nun
da etwa die Buchstaben A, U, T, O vor
Gelegenheiten. Sie veranlassen uns vor liegt es aber in der menschlichen Natur,
unserem geistigen Auge? Bestimmt
allem, uns für mehr Dinge zu interessie- Ausreden und Entschuldigungen zu su-
nicht. Wir sehen ein mehr oder weniger
ren und zusätzliche Möglichkeiten zum chen. Die beiden gefährlichsten sind:
schönes, mehr oder weniger teures
Erreichen des Ziels aufzuspüren.
Kraftfahrzeug. Was ist der einfachste „Ich bin mit dem zufrieden, was ich
Weg, um zu einem schönen Auto zu Wenn wir einen gewissen Wohlstand er- habe“ und „Wenn ich alles geben
kommen, womit nicht gesagt sein soll, reichen wollen, reicht es nicht, nur ei- würde, wäre ich bestimmt der Beste“.
daß der Lebenssinn in diesem Ziel serne Disziplin aufzubringen. Wir müs-
steckt. Besorgen wir uns ein gutes Bild sen vor allem unser Unterbewußtsein Hinter beiden versteckt sich nichts an-
von unserem Wunsch-Fahrzeug, zum Verbündeten haben. Jedesmal, deres als Selbstbetrug, Angst und man-
schauen wir es tagtäglich und so oft wie wenn wir unser Ziel betrachten, muß es gelndes Selbstwertgefühl. Freilich, Zu-
möglich an. Schliessen wir nach dem Be- uns schmerzen, noch nicht viel weiter friedenheit ist ein hohes Gut. Zufrie-
trachten für einen Augenblick die Au- gekommen zu sein. denheit macht uns glücklich, und wer
gen. Jedesmal, wenn wir es uns ange- mit dem, was er hat, zufrieden ist, möge
Wenn wir also das Ziel klar definiert ha- sich durch mich keinesfalls verunsi-
schaut haben, wird sich das Bild in unse-
ben, darauf geachtet haben, daß das chern lassen. Ich wende mich ja beson-
rem Unterbewußtsein verfestigen. Un-
Ziel auch groß genug ist, wenn wir ein ders an jene, die nicht zufrieden sind,
ser Denken, Streben und Handeln wird
Bild vom Ziel hergestellt haben und die- und an jene jungen Menschen, die noch
sich unbewußt, aber stark auf das Auto
ses immer bei uns haben, wenn wir also auf das Glück warten.
richten – wir werden es schneller besit-
unser Unterbewußtsein zum Verbünde-
zen, als wir jetzt noch glauben mögen. Wann aber sind wir „richtig glücklich“?
ten haben, dann müssen wir uns nur
Bleiben wir noch ein wenig bei unserem noch über unser Durchhaltevermögen Die Antwort ist: Wenn wir im Einklang
Unterbewußtsein. Wenn wir „gut klar werden. Man kann sich dabei kurz mit unserer menschlichen Natur leben.
drauf“ sind, neigen wir dazu, unsere fassen: „Wir geben nie, nie, nie, nie Und es liegt tief in der Natur unserer
Ziele zu vergrössern. Hat uns die De- auf.“ Das ist alles. Menschenart, zu wachsen und erfolg-
pression erwischt, versuchen wir, unsere reich zu sein. Also liegt unser Glück, un-
Wir Menschen neigen dazu, uns Gren- sere Zufriedenheit unter anderem in
Ziele herunter zu schrauben. Unser Un-
zen zu setzen. Wenn wir uns Grenzen unserem geistigen – aber auch materiel-
terbewußtsein arbeitet aber nach Dauer
setzen, werden wir diese auch erreichen, len Wachstum und seiner Entwicklung.
und Häufigkeit. Deshalb ist es schlecht,
unser Ziel wird aber jenseits der Gren-
ständig seine Ziele zu verändern. Las- Wir, die wir nach dem „Mehr“ schielen,
zen sein und damit unerreichbar blei-
sen wir unser Fernziel möglichst lange sollten uns also nicht damit ausreden,
ben. Also darf es nichts geben, was uns
auf unser Unterbewußtsein einwirken, daß wir auch in Zukunft mit dem zufrie-
aufhält. Martin Luthers „Grenze“ war
verändern wir es möglichst gar nicht. den wären, was wir schon haben, denn
nicht die Katholische Kirche mit ihren
Dazu gehört aber, daß unser Ziel auch das widerspricht unserem artspezifi-
Verfolgungen, es waren seine Freunde,
groß genug sein muß, denn nur grössere schen Bedürfnis nach Wachstum und
die ihm Zweifel einredeten und Unsi-
Ziele braucht man nicht zu verändern, Entwicklung. Wir sind ein Teil der Na-
cherheit brachten. Trotzdem ließ er sich
wenn man in Schwierigkeiten gerät. tur, und in der Natur wächst alles, so-
nicht aufhalten.
Ein Beispiel: lange es lebt. Wer aufhört zu wachsen,
Das Wichtigste zum Thema Ziel aber beginnt zu sterben.
Stellen wir uns vor, wir wollen am Jah- ist: Wollen wir das gewählte Ziel über-
resende 100,-DM mehr besitzen als haupt? Nehmen wir an, Sie haben als Mit der anderen Ausrede, „Wenn ich al-
jetzt. Ein arg bescheidenes Ziel, den- Ziel ein Haus mit einem Garten ge- les geben würde, wäre ich der Beste“, ist
noch richten wir unser Augenmerk auf wählt. Haben Sie auch daran gedacht, es ähnlich. Was wäre denn, wenn der
dieses Ziel. Eines Tages flattert uns eine daß es viel Arbeit und Kosten bringt, Betreffende trotzdem keinen Erfolg
Rechnung über 200,-DM ins Haus. Das das Haus zu erhalten, den Garten zu hätte? Genau davor hat er nämlich
Problem ist nun grösser als das Ziel, es pflegen? Vielleicht gehen Sie einen har- Angst. Also gilt:
verdeckt uns gewissermassen den Blick ten Weg, nur um dann festzustellen, daß Wer alles gibt, nimmt sich die letzte
auf das Ziel. Alles, was wir sehen, wenn das Ziel Sie gar nicht befriedigt. Des- Ausrede und muß Erfolg haben.

10 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


Geld und Freundschaft Schwächen zu bekämpfen, suchen wir ihn nicht zu unserem anderen Geld. Wir
besser nach Lösungen dafür. geben ihn nie aus, er ist unsere eiserne
„Sage mir, mit wem Du umgehst, und Aber auch unsere Stärken wollen wir Reserve. Er übt auf unser Unterbe-
ich sage Dir, wer Du bist.“ Diesen alten nicht dem Zufall überlassen. Für unsere wußtsein vielfältige Reize aus, wodurch
Spruch kennt jeder, aber auch der Stärken suchen wir jemanden, der diese dieses an Wohlstand gewöhnt wird. An-
Spruch „Wenn es ums Geld geht, hört Talente fördert. Diesen Jemand suchen fangs werden wir Angst haben, den Tau-
die Freundschaft auf“ ist nicht unbe- wir als Freund zu gewinnen. sender zu verlieren oder gar bestohlen
kannt. Kann man sich auf diese Sprüche zu werden. Das wird unserem Unterbe-
verlassen? wußtsein sehr gut tun, denn es wird ihm
Wenn wir finanzielle Unabhängigkeit
Der Preis des Wohlstands sagen, daß man auf Geld gut aufpassen
erreichen wollen, mehr Geld also haben Wohlstand bekommen wir nicht ge- muss. Der Schein wird uns aber auch ein
müssen, ist es sehr wichtig, sich mit den schenkt. Über die Kosten dafür herr- „gutes Gefühl“ vermitteln, unser Un-
richtigen Menschen zu umgeben. Vor schen abenteuerliche Vorstellungen. terbewußtsein wird uns deshalb helfen,
allem sollten wir die Nähe zu Menschen Vom gesundheitlichen Ruin, der grau- mehr Geld zu beschaffen, weil es spürt,
suchen, die bisher schon erfolgreicher samen Vernachlässigung der Familie daß Geld uns zufrieden macht. Die mei-
waren als wir. Unsere Vorbilder sollten und der Mutation zum geldgierigen sten Vorgänge in unserem Körper ge-
all das erreicht haben, was wir erst er- Monster gibt es nichts, wofür das Stre- schehen unbewußt. Wer denkt schon
reichen wollen. Über sie sollten wir alles ben nach Wohlstand nicht verantwort- darüber nach, ob er jetzt einatmen oder
in Erfahrung bringen, was möglich ist. lich gemacht wird. ausatmen soll. Genauso steuert unser
Von ihnen sollten wir soviel wie möglich Unterbewußtsein die meisten unserer
Es schadet aber der Gesundheit eher, Taten. Es besorgt uns alles, wovon wir
lernen, ihre Erfahrungen uns zunutze kein Geld zu haben. Und chronische
machen, ihre Fehler vermeiden. Wenn tief überzeugt sind, daß es gut für uns ist.
Geldnot bringt eher Familien auseinan-
unser Vorbild eine noch lebende Person der als Wohlstand. Der Preis für Wohl-
ist, und es uns gelingt, eine persönliche stand allerdings ist die „Zeit“. Wir müs- Ratschläge von Freunden und
Bekanntschaft, gar eine Freundschaft sen etwas Zeit investieren, aber das ist Bekannten
aufzubauen, bringt uns das meist ein nichts im Vergleich dazu, wieviel Zeit
grosses Stück weiter. wir später gewinnen. Unsere Eltern haben es gut gemeint,
wenn sie gesagt haben: „Du sollst es ein-
Wir müssen uns zuerst genügend Zeit mal besser haben als wir“. Im Unterbe-
Schwächen und Stärken nehmen, um in uns hinein zu hören. Wir wußtsein – ohne es selbst zu bemerken –
Geldmangel läßt uns häufig nach „Ent- müssen uns unbedingt darüber klar wer- haben sie aber vielleicht gedacht: „Nicht
schuldigungen“ suchen, das haben wir den, wer wir sind, warum wir hier sind, allzuviel besser, sondern nur ein wenig.“
schon gehört. Geldmangel führt aber was der Sinn unseres Lebens ist. Aber Denn unser Erfolg könnte ja als Beweis
auch dazu, daß wir uns besonders auf hoffen Sie dabei nicht auf Antworten, ihres eigenen Versagens gewertet wer-
unsere Schwächen konzentrieren. Un- im Gegenteil, es werden wahrscheinlich den. Ratschläge sind immer mit Vor-
sere Schwächen werden uns aber keinen Fragen über Fragen entstehen. Seien sicht zu geniessen, denn oft wollen die
Wohlstand bescheren. Auch die Besei- Sie deswegen nicht besorgt, denn aus Ratgeber ganz unbewußt ihre eigene Si-
tigung unserer Schwächen bessert un- den Fragen bildet sich eine Ahnung tuation rechtfertigen. Ratschläge zeigen
sere Lage kaum. Wenn wir unsere vom eigenen Lebenssinn, und daraus oft den wunden Punkt, an dem der Rat-
Schwächen unter wirtschaftlichen Ge- gewinnen wir Kraft, Energie und Lei- gebende gescheitert ist. Wenn uns also
sichtspunkten betrachten, dann kostet denschaft. jemand den Rat gibt, nur ja kein Risiko
uns das Ankämpfen gegen eine einzugehen, dann hat er vermutlich sein
Schwäche viel Energie. Gelingt uns die Was denken wir über Geld eigenes Leben grausam eingeengt und
Beseitigung, haben wir doch nur selbst die nötigen Risiken nicht auf sich
„Durchschnitt“ erreicht. Wenn wir ver- Als Nächstes sollten wir unsere Gedan- genommen. Daher sollten wir uns mer-
zweifelt unsere Schwächen bekämpfen, ken überprüfen. Finden wir heraus, was ken, daß wir niemals den Rat eines
nehmen wir uns oft die Lebenslust und wir wirklich über Geld denken. Da Menschen annehmen – er kann der be-
jede Möglichkeit, Wohlstand zu errei- könnten Ansichten herauskommen wie ste Freund sein – ,wenn er nicht selbst
chen. Ein aussichtsloser Kampf verdirbt „Geld macht einsam, hochnäsig, arro- schon dort ist, wo wir noch hin wollen.
jeden Spaß. Betrachten wir dazu ein gant“ oder „Geld zerrinnt mir zwischen
den Fingern“ oder „Geld ist nicht alles“ Menschen, die es nicht selber geschafft
Beispiel: haben, haben kein Recht, uns Rat-
oder „Geld schafft Neider“ oder „Geld
Nehmen wir an, sie sind Tennisspieler macht faul und träge“. schläge zu geben. Und wir sollten ihnen
und haben eine gute Vorhand und eine auch nicht zuhören.
schwache Rückhand. Sie werden Ihre Wenn man schon einmal mehr Geld
Vorhand, wann immer es geht, einset- ausgegeben hat, als man wollte, wenn
zen. Das merkt natürlich Ihr Gegner man schon einmal sparen wollte, und es Realität – Meinung –
und er wird möglichst oft Ihre Rück- nicht getan hat, und wenn man sein Erfahrung – Glaube
hand anspielen. Jetzt üben Sie bewußt Konto überzogen hat, obwohl man
wußte, daß kein Geld darauf war – dann Viele Jahrhunderte lang mußten unsere
Ihre schwache Rückhand und erreichen Ahnen glauben, daß die Erde eine
gerade mal durchschnittliche Rück- wird es Zeit, den Umgang mit Geld zu
erlernen. Scheibe sei. Sie für eine Kugel zu halten,
hand-Leistungen. war lebensgefährlich. Vor kurzem noch
Besser wäre es gewesen, Sie hätten Ihre Die beste Vorbereitung für Wohlstand dachten wir, Pflanzen seien grün, bis
Stärke, Ihre Vorhand, noch mehr geübt ist, sich mit Geld wohlzufühlen. Dazu man erkannte, daß wir nur deshalb Far-
und zu wahrer Meisterschaft gebracht. muß man seinem Unterbewußtsein ein ben sehen, weil ein Gegenstand alle Far-
Dann hätten Sie die auf die Rückhand „Wohlstandsbewußtsein“ hinzufügen, ben des Lichtes schluckt bis auf dieje-
gespielten gegnerischen Bälle ggfs. um- man muß es an Wohlstand gewöhnen. nige, deren Wellenlänge wir gerade se-
laufen können und Ihre gewaltige Vor- Wie macht man das? hen. Nichts ist so, wie es sich dem Auge
hand einsetzen können. Für unser Le- Als Wichtigstes haben wir immer einen darstellt, eine objektive Realität gibt es
ben bedeutet das: Statt unsere Tausendmarkschein bei uns. Wir legen nicht. Zumindest können wir sie nicht

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 11


erkennen. Wir schaffen uns mit unseren ten, verändern wir unser Leben. Wir tigen Dingen beschäftigen, Rechnun-
Augen eine eigene Realität. Das, was müssen Überzeugungen entwickeln, die gen bezahlen – nur weil diese dringend
wir sehen, sieht nur so aus, wie wir es se- uns nicht hindern, sondern uns helfen, geworden sind. Wir sollten stets dran
hen. Eine Schlange sieht die Welt ganz das zu bekommen, was wir wollen. Das denken: Auf unserem Weg zu mehr
anders als wir, denn Schlangen sehen im entscheidende Kriterium für diese Wohlstand können wir mit Sicherheit
Infrarot-Bereich. Über die Dinge, die Überzeugungen muß sein: nur eines erwarten, nämlich „unerwar-
wir sehen oder erleben, bilden wir uns „Ist diese Meinung hilfreich auf dem tete Umstände“. Wer jetzt etwas ge-
eine eigene Meinung. Dies geschieht da- Weg zu meinem Ziel“. nießt, was er mit zukünftigen Verdien-
durch, daß wir aus einem Geschehen sten bezahlen will, vergißt, daß diese
Schlußfolgerungen ziehen. Es ist keine Schande, arm geboren zu Verdienste auch ausbleiben könnten.
sein. Es ist aber eine Schande, dies als
Wenn jemand beim Aktienkauf die äus- unwiderrufliches Schicksal hinzuneh- Also bauen wir unsere Schulden ab:
serst strengen Regeln der Börse verletzt men, nichts zu tun, seine Kinder in die- Listen wir zuerst alle unsere Schulden
hat und damit Verluste erlitten hat, sen Umständen heranwachsen zu lassen auf. Setzen wir einen Höchstbetrag fest,
dann wird er die Meinung haben: Ich und tatenlos zuzusehen, wie diese von den wir monatlich ausgeben dürfen und
hatte „Pech“ mit Aktien. Seine Mei- den Umständen ihre Prägung erfahren. niemals überschreiten werden. Fragen
nung wird er verfestigen, indem er nach Armut ist wie eine Krankheit, die chro- wir uns bei jeder Ausgabe: „Ist das wirk-
anderen Geschädigten sucht, diese fin- nisch wird und schwer zu überwinden lich nötig ?“ Zerreissen wir unsere Kre-
det und als Stützung seiner Meinung be- ist, wenn man sie einmal hinnimmt. Sie ditkarten. Vergessen wir nicht, es
wertet. Er leiht sich gewissermaßen die zerstört in uns das angeborene Streben kommt auf jede Mark bei den Ausgaben
Erfahrungen anderer aus. Seine Mei- nach Freiheit, raubt uns den Wunsch an. Setzen wir einen Mindestbetrag fest,
nung wird sich auf diese Weise verfesti- nach Freude an den besseren Dingen den wir monatlich verdienen müssen.
gen bis hin zum Glauben, stets Pech mit des Lebens und lähmt unsere persönli- Suchen wir nach neuen Verdienstquel-
Aktien zu haben. Ist ein Glaube erst ein- che Unternehmungslust. Zudem macht len. Zerstören wir uns nicht durch
mal entstanden, und werden die Augen sie uns hinnahmebereit für Ängste, Kri- Selbstvorwürfe und Selbstkritik.
vor den Realitäten fest verschlossen, tik und Schmerz. Das Christentum pre- Reden wir mit niemandem über unsere
wird keine objektive Bewertung eines digt „Armut“, sogar „Armut im Gei- Schulden, denn Hilfe kommt sowieso
Vorgangs mehr vorgenommen. ste“. Natürlich hält es sich selbst nicht nicht zu denen, die sie „brauchen“, son-
Wenn wir nun unser Ziel (größeren daran.Vielleicht ist es tatsächlich so, dern zu denen, die sie verdienen. Wenn
Wohlstand oder ganz einfach ausge- daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr wir von unseren Schulden erzählen, ern-
drückt „mehr Geld“) erreichen wollen, geht, als ein Reicher in den christlichen ten wir kein Geld, sondern immer nur
müssen wir überprüfen, ob unsere Mei- Himmel. Mitleid. Dieses verschlimmert unsere
nung über Geld unserem Ziel gegenü- In Walhall jedenfalls sitzen die Erfolg- Lage. Was wir brauchen, ist Respekt
ber nicht hinderlich ist. Wenn wir glau- reichen! und die „Ausstrahlung eines Gewin-
ben, „Geld verdirbt den Charakter“, ners“. Gewinner ziehen gute Gelegen-
heiten an, die sie nutzen können. Ge-
werden wir nicht zu mehr Geld kom- Schulden winner zeigen keine Zweifel.
men. Unser Unterbewußtsein wird uns
Dinge tun lassen, welche das Erreichen Drei von vier Haushalten in Deutsch- Das wichtigste aber ist:
des Ziels verhindern. Also müssen wir land haben Konsumschulden. Möbel, Machen wir in Zukunft nie mehr Kon-
die Überzeugungen unter die Lupe neh- Auto, Urlaub, Fernseher oder Wasch- sumschulden, und schaffen wir uns eine
men, die unserem Ziel nicht förderlich maschine bedeuten den Bundesbürgern Bargeldreserve an, die es uns ermög-
sind. „Geld verdirbt den Charakter“ ist viel. Man will sich etwas leisten, nicht als licht, in aussichtslosen Lagen wenigsten
eine solche, deren Abwegigkeit oft nicht Geizhals da stehen, „man gönnt sich ja ein halbes Jahr zu überleben. Ange-
erkannt wird. In Wirklichkeit gibt es un- sonst nichts“. In Wirklichkeit belohnt strebt werden sollen runde 50 000 DM
ter den Armen viel mehr Schufte als un- man sich für eine Arbeit, die man noch als Notreserve. Dieser Betrag darf nur
ter den Reichen, und die Vorstellung gar nicht geleistet hat – und wahrschein- als Allerletztes und im äussersten Not-
„ärmlich, reinlich und edel“ entspringt lich auch gar nicht leisten wird. Daher fall angerissen werden. Nicht die Höhe
Vorstellungen aus der Zeit der Roman- sind Konsumschulden dumm, energie- unsere Schulden erdrückt uns, sondern
tik, vorbereitet durch die christlichen raubend, zerstörerisch und enden oft in die vielen kleinen Probleme drum
Werte wie „Lobpreis der Armut“. Cha- einem Teufelskreis. Schulden entste- herum, wie z.B. unbezahlte Rechnun-
rakterstärke ist nicht eine Frage des hen, weil Verzicht auf etwas – auch gen. Deswegen dieser Notgroschen.
Geldes. Bei unseren Ahnen war das wenn wir uns das gar nicht leisten kön-
nen – für uns „Schmerz“ bedeutet. Sinnvoll ist Schuldenmachen, wenn wir
Streben nach Wohlstand völlig natür- uns mit langfristigen Krediten ein Ei-
lich, und Reichtum war gut. Daß man Schmerz aber möchten wir möglichst
vermeiden, Freude möchten wir statt genheim finanzieren. Die monatlichen
diesen auch mißbrauchen kann ist klar, Zins- und Tilgungsraten bleiben gleich,
– was kann man eigentlich nicht miß- dessen erleben. Also kaufen wir das
Auto, das schöne Kleid oder sonst et- so daß der finanzielle Druck mit jeder
brauchen? Gehaltserhöhung geringer wird. Die
was.
Zusammengefaßt: Ausgaben können teilweise von der
Wir wissen oder ahnen aber auch, daß Steuer abgesetzt werden, es gibt staatli-
Wir müssen unsere Meinungen über Konsumschulden „nicht gut“ sind. Ei- che Zuschüsse für Familien mit Kin-
Wohlstand, Geld, Reichtum auf ihre gentlich handeln wir gegen unsere „in- dern, so daß häufig die monatliche Ge-
Schädlichkeit hinsichtlich der Erreich- nere Stimme“. Das Handeln gegen die samtbelastung niedriger als die gegen-
barkeit unseres Zieles kritisch hinter- innere Stimme aber raubt uns Selbstbe- wärtig gezahlte Miete ist. Mieten sind
fragen – so heißt das auf gut Neudeutsch wußtsein. Niedriges Selbstbewußtsein aber unwiderruflich verloren, wohinge-
– und gegebenenfalls ändern. Verges- erschwert uns das Erreichen unseres gen nach 30 Jahren das Haus gewöhn-
sen wir dabei nicht: Ziels. lich schuldenfrei ist, uns Sicherheit gibt
Unser jetziges Leben ist ein Spiegelbild Wen Konsumschulden drücken, dem und unser Vermögen vermehrt hat. Der
unserer bisherigen Meinungen. Wenn fehlen Zeit und Gründe, seine Strategie Wertzuwachs liegt bei Einfamilienhäu-
wir diese verändern, tun wir andere für die Zukunft durchzusetzen. Statt sern im langfristigen Vergleich so hoch
Dinge, schaffen wir neue Gewohnhei- dessen muß er sich ständig mit unwich- wie bei Aktienvermögen.

12 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


Und jetzt fangen wir an zu gut. Aber doch nicht wenn man ein jun- nis unserer Meinungen und inneren
ger, erfolgshungriger Mensch ist oder Überzeugungen. Also fangen wir wie-
sparen auf dem Lebenshöhepunkt angelangt der an, unsere Situation zu analysieren:
Wenn Sie 5000 DM verdienen und 4000 ist! Geld und gute Gelegenheiten kommen
DM zum Leben brauchen, dann bleiben Wenn man hoch verschuldet ist, seine nicht zu den Bedürftigen, sondern zu
Ihnen noch 1000 DM übrig. Sie könnten bisherigen Überzeugungen überprüft den Fähigen. Eine Gehaltserhöhung er-
nun diese 1000 DM vollständig zum und geändert hat – und grosses Selbst- halten wir nicht, weil wir sie brauchen,
Schuldentilgen verwenden. Tun Sie das bewußtsein hat -, dann erkennt man, sondern weil wir sie verdienen. Wenn
nicht! Schuldenfrei zu sein vermittelt daß man gar keine andere Möglichkeit ich als Angestellter meinem Chef sage,
ein schönes Gefühl – aber nur für kurze hat, als Vollgas zu geben. Man spürt, daß ich die Gehaltserhöhung „brau-
Zeit. In Wirklichkeit hat man nichts. daß man mit der bisherigen Erwar- che“, weil ich doch ein Kind bekommen
Null. Wir sind wieder so weit, wie bei tungshaltung nichts erreichen wird. habe, deshalb eine größere Wohnung
unserer Geburt. Null zu haben ist aber Christlichen Menschen wird eingetrich- „brauche“, oder ein besseres Auto
für uns kein lohnenswertes Ziel, es ist tert, das Schönste, Größte, Beste, das „brauche“, um zur Arbeit zu kommen,
keine „Vision“, für die man kämpfen Himmelreich, sei im Jenseits zu erwar- wird er die Gehaltserhöhung wahr-
kann. ten. Wir hingegen erwarten vom Leben, scheinlich verweigern und überlegen,
Die ersten 50 000 DM zu haben ist schon jetzt, hier, heute all das. Wer vom Leben ob seine Firma diesen Angestellten
etwas ganz anderes. Oder die ersten viel erwartet, dem gibt das Leben auch überhaupt noch braucht.
100 000 DM usw. Entwickeln wir daher viel. Unsere Erwartungen bestimmen, Wenn wir eine Gehaltserhöhung wol-
ein Wohlstandsbewußtsein, indem wir was wir bekommen werden. Licht ist am len, erklären wir dem Chef, warum wir
jetzt, sofort, anfangen zu sparen. Des- wichtigsten, wenn die Nacht am dunkel- diese „verdienen“. Wir bereiten uns gut
halb nehmen wir von den erwähnten sten ist. vor und listen auf, welchen Nutzen die
1000 DM nur 500 DM zur Schuldentil- Und noch Eines: Firma von uns hat und welchen wir noch
gung und sparen die anderen 500 DM, zusätzlich der Firma bringen können.
Laufen Sie nicht mit verbissenem Ge-
ohne daß jemand etwas davon weiß. Ge- Wir stellen auch unsere besonderen
sicht herum.
gen Schulden anzurennen ist fast so, als Stärken dar. Denn wir wissen: Stärke
ob man die Dunkelheit abtragen wollte. Es ist ein Irrtum, zu glauben, man könne wird einfach besser bezahlt.
Deshalb ist diese 50:50-Regel so wich- nur glücklich sein, wenn man keine Sor-
Keinesfalls teilen wir unsere Zweifel
tig. Der beste Weg, Schulden zu beseiti- gen hat. Sorgen werden immer da sein
mit. Einem Zweifler folgt niemand. Ge-
gen, ist, Vermögen aufzubauen. Fangen und Sorgen haben auch ihr Gutes – wir
folgschaft hat derjenige, der unbeirrt
wir also an zu sparen, ohne daß wir erst können es nur manchmal nicht gleich
und stark auf sein Ziel zusteuert.
warten, bis wir mit unseren Schulden bei erkennen. Wenn wir uns einmal zu sehr
Null sind. Arbeiten wir an einem Ziel, vor der Zukunft ängstigen und zweifeln, Von unseren Rechten in der Firma re-
das uns aufbaut, Freude macht, sich ob wir alles schaffen, ob alles gut geht, den wir nur wenig. Wir lassen erkennen,
lohnt. sollten wir einen Augenblick innehal- daß es uns darum geht, was wir für den
ten. Denken wir dann ganz bewußt an Betrieb tun können, nicht, „was der Be-
Dinge, für die wir besonders dankbar trieb für uns tun kann“.
Halten wir Disziplin sind – denn Dankbarkeit ist das beste Ein Beispiel:
Wenn wir eine Kanne Kaffee nehmen, Mittel gegen Angst, Dankbarkeit
In Betrieben gibt es schon mal die Mög-
neigen und keine Tasse darunter halten, „überstrahlt“ mit ihrem Licht die Angst.
lichkeit zu bummeln, Zeitung zu lesen,
wird der Kaffee auf den Boden fliessen. Und wenn wir jetzt über unsere Sorgen die Frühstückspause „auszudehnen“.
Genauso ist es mit unseren Talenten. nachdenken, sehen diese ganz anders Man wird dann zwar auch für acht Stun-
Wir haben sie, wollen sie gebrauchen aus. Jetzt spornen sie uns an, unsere den bezahlt, arbeitet aber nur sechs
und vergeuden sie, weil wir uns nicht Fähigkeiten besser einzusetzen, schöp- Stunden.
„disziplinieren“. Ohne Disziplin ist je- ferisch zu handeln, erfinderisch zu wer-
Wenn Sie für acht Stunden bezahlt wer-
des Talent, jede gute Veranlagung ver- den.
den, arbeiten Sie lieber zehn Stunden.
schwendet. Wenn wir zu Wohlstand Und nehmen wir unsere Sorgen und uns Überraschen Sie die Menschen in Ihrer
kommen wollen, müssen wir an unse- selbst nicht zu ernst. Wir werden durch Umgebung. „Verdienen“ Sie sich mehr
rem Plan nicht nur ständig weiterbauen, unsere Sorgen nicht sterben, sie sind Geld. Es geht nicht darum, daß Ihre
sondern ihn auch mit eiserner Disziplin nichts anderes als ein Windhauch im Firma zuviel Leistung für zu wenig Geld
einhalten. Kosmos der Zeit. Denken wir an die von Ihnen erhält. Wer zuviel auf Spar-
Verschuldete Menschen kommen zu „Gelassenheit“, die unser Sittengesetz flamme kocht, dessen Feuer geht bald
verhängnisvollen Schlüssen. Sie fangen (in Küre 10) gebietet. ganz aus. Selbst wenn Ihr Arbeitgeber
an, nur noch Minimalziele anzusteuern. Ihren Einsatz nicht belohnen sollte, so
Sie verdrängen ihre Wünsche und beer- Der Weg zum Geld haben Sie doch etwas, was Sie immer
digen ihre Träume. Nach einiger Zeit weiterbringen wird: Die Arbeitsge-
betrügen sie sich selbst und tun so, als sei Wir bekommen genau das, was wir ver- wohnheiten der Erfolgreichen.
Bescheidenheit schon immer ihr Ziel dienen. Oder anders ausgedrückt:
gewesen. Sie beginnen, ein Schattenda- Wenn wir mehr verdienen würden, Schnelligkeit ist gefragt
sein zu führen, sich in der Dunkelheit zu dann hätten wir auch mehr. Unser Ein-
verstecken. Sie geben nicht zu, daß ihre kommen richtet sich ziemlich genau Erledigen Sie alles so schnell wie mög-
Schulden die Folgen ihrer falschen nach dem wirtschaftlichen Wert, den lich. Geben Sie Faxantworten in kürze-
Überzeugungen sind – „man gönnt sich wir in den Wirtschaftsmarkt einbringen. ster Zeit, rufen Sie sofort zurück, dul-
ja sonst nichts“ – und nicht deshalb ent- Dieser Markt liebt oder haßt uns nicht, den Sie kein „Auf die lange Bank schie-
standen sind, weil sie etwa kein Talent er bezahlt uns nur nach Wert. Wir sind ben“. Denken sie nicht daran, daß Ih-
zum Wohlhabendwerden hätten. Aus keine vom Glück verlassenen Genies, nen dann Fehler unterlaufen. Fehler
mangelndem Selbstbewußtsein senken gegen die sich die Umstände, die Eltern bringen Erfahrung, Erfahrung hilft uns,
sie ihre Ziele. Freilich, wenn man älter oder Vorgesetzten verschworen haben. „schnell“ die richtigen Entscheidungen
ist, steht einem Bescheidenheit ganz Unser heutiger Verdienst ist das Ergeb- zu treffen. Perfektion bedeutet „Läh-

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 13


mung“. Wer perfekt sein will, hat Angst reicht nicht zu sagen, unsere Leistung man auch später noch, wenn man erst
vor Fehlern. Aussergewöhnliches aber sei besser – das sagen alle. Wenn wir das viel Geld hat. „Lebe jetzt, bezahle spä-
vollbringt nur der, der keine Angst vor tun, was alle tun, müssen wir unsere ter“ ist eine häufig gehörte Einstellung.
Fehlern hat. Kunden suchen. Wenn wir Experten Leider ist sie falsch, denn wohlhabend
Lernen Sie, Ihrer „inneren Stimme“ zu sind, kommen die Kunden zu uns. Und wird man nicht dadurch, daß man viel
vertrauen, Ihre Entscheidungen auf den hinsichtlich des Geldes gilt: verdient, sondern dadurch, daß man
ersten Impuls abzustimmen. Sie werden Wenn wir eine „allgemeine Zielgruppe“ Geld nicht ausgibt, es also behält.
Fehler machen, aber wenn 51% Ihrer anstreben, müssen wir mit unseren Prei- Die Hoffnung: „Wenn ich genug ver-
Entscheidungen richtig sind – dann wer- sen möglichst billig sein. Wenn wir uns diene, wird alles besser,“ ist ein Trug-
den Sie reich. auf eine kleine, aber „besondere Ziel- schluß. Wir brauchen fast immer soviel,
gruppe“ beschränken, können wir un- wie wir haben. „Warum soll ich jetzt
sere Leistung teuer anbieten. sparen, wenn ich später ohnehin im
Die „unbedeutenden Dinge“
Das Schwierigste dabei ist, eine Nische Geld schwimme,“ ist ein eben solcher
Es gibt sie nicht. Alles, was getan wer- zu finden – oder neu zu erfinden -, in der Trugschluß. Denn das Einkommen ver-
den muß, muß gut getan werden. Es man Experte sein kann. Hier kann man ändert unsere finanzielle Lage nicht!
muß nicht fehlerfrei getan sein, aber es keine für alle gültigen Regeln geben. Das ist zunächst schwer zu glauben. Tat-
muß aussergewöhnlich gut getan sein. Hat man aber die Nische entdeckt oder sache aber ist, daß zwei Faktoren trotz
Nur hervorragende Dinge prägen sich neu geschaffen, dann muß man wieder steigenden Einkommens gleichbleiben:
bei unseren Mitmenschen ein. bei sich selbst und seinem „Selbstbild“ die Prozente – und wir selbst. Wer mit
anfangen. Alle Entscheidungen, die dem, was er heute hat, nicht auskommt,
Wir machen uns man nun trifft, müssen so ausgerichtet wird auch nicht zurechtkommen, wenn
„unentbehrlich“ sein, daß man in einiger Zeit der Ex- er doppelt soviel verdient. Denn die
perte in seiner Nische ist, denn wir wer- Prozente ändern sich nicht. Wer heute
In jeder Firma gibt es Menschen, ohne den nicht eines Tages in der Zeitung le- 2000 DM verdient und 10 % davon
die „nichts geht“. Es sind die „Unent- sen, daß wir über Nacht zum Experten spart, legt 200 DM zur Seite. Die glei-
behrlichen“. So einer wollen wir wer- ernannt worden sind. Und da sich die chen 10 % von 25 000 DM zu sparen,
den. Nicht, daß wir alle Arbeit auf uns Dinge für uns ändern sollen, müssen wir also 2500 DM, ist wesentlich schwerer,
ziehen sollten, nein, die Verantwortung uns selbst zuerst ändern. Täglich müs- weil die Summe höher ist. Je größer die
wollen wir übernehmen. Damit erwei- sen wir an unserem Expertenstatus wei- Summe ist, desto schwerer wiegen die
tern wir unseren Einflußbereich. Daher terbauen, uns fortbilden, Zugangswege Prozente. Darum sollten wir so früh wie
melden wir uns freiwillig, wenn es an die suchen, Zielgruppen erschliessen, auf möglich mit dem Sparen anfangen,
Verteilung von Aufgaben, vor allem uns aufmerksam machen. Wenn die dann, wenn unser Einkommen noch
schwierigen oder unangenehmen Auf- Dinge für uns besser werden sollen, klein ist. Warum fällt uns das Sparen bei
gaben geht. Wir organisieren die Vor- müssen wir selbst zuerst besser werden. kleinem Einkommen leichter? Weil wir
haben, wir nehmen die innere Einstel- Experte wird man, indem man gleich am Menschen unsere Gewohnheiten, vor
lung an: „Die Firma bin ich!“ Anfang aufschreibt, welche Besonder- allem die schlechten, kaum ändern.
Andererseits delegieren wir Arbeiten, heiten man anzubieten hat. Dadurch Die hauptsächlichste Einstellung, wa-
die andere für uns erledigen können. zwingt man sich, jeden Nutzen auch aus rum wir nicht sparen sondern konsu-
Auch Autorität delegieren wir. So ma- der Sicht des Kunden zu durchdenken. mieren, ist: „Das brauche ich!“ Hier
chen wir uns, unsere Abteilung oder un- Ausserdem konzentriert man sich mehr wird verwechselt, was notwendige Aus-
sere Firma möglichst rasch „unentbehr- auf das Wesentliche. Man stellt viel- gaben und was Wünsche sind. „Das
lich“. leicht auch frühzeitig fest, daß einem brauche ich, das muß sein“, ist die
das Vorhaben nicht gefällt. So kann dümmste Rechtfertigung für eine
man umdenken und viel Zeit und Ener- unnötige Geldausgabe. Wir behaupten
Und dann bilden wir uns fort gie sparen. das nur, um uns zu rechtfertigen.
In unserer Entwicklung zum Menschen Das hört sich alles sehr schwierig an, ist Tatsächlich brauchen wir die wenigsten
mußte unser Gehirn zuerst „schnell rea- es aber nicht. Denn oft ist ein Experte Dinge wirklich.
gieren“ können. War Beute in Sicht, jemand, der von den Ahnungslosen
mußte man sofort losschlagen, bei Ge- dafür gehalten wird...
fahr sofort auf die Bäume klettern. Auf-
Erfolgreiche Menschen
Wenn man als Selbständiger oder Frei- sparen – und legen an
grund von Bewußtseinsveränderungen
berufler sein Geld verdient, muß man
wurden wir vom Nomaden zum Seßhaf- Gottlieb Daimler, Karl Benz, Robert
noch einige Dinge zusätzlich beachten.
ten. Wir hatten gelernt, daß man heute Bosch, Werner von Siemens, Ferdinand
Man darf niemals alles Geld, das man
säen und in einigen Monaten ernten Porsche, Adam Opel, Heinz Nixdorf,
verdient, wieder in die Firma stecken;
kann. Derzeit wissen wir, daß nach Ab- Josef Neckermann und die Aldi-Brüder
man muß neben der Firma Vermögen
schluß unserer Ausbildung der Wissen- haben Eines gemeinsam. Sie waren
aufbauen und damit das private Wohl-
serwerb erst so richtig anfängt. Jahre- sparsam, sparsam, sparsam. Sie haben
ergehen vom Erfolg der Firma unab-
langes Geldausgeben macht arm, jahre- weniger Geld ausgegeben, als sie ver-
hängig machen. Man muß sich selbst ein
langes Schokoladeessen macht fett und dienten – und sie haben klug investiert.
festes Gehalt zahlen, mit diesem Betrag
krank, jahrelanges Fernsehen macht Sparsamkeit allein war nicht verant-
monatlich auskommen, private und ge-
blöde, aber Fachliteraturlesen macht in wortlich für ihren Reichtum – sie war
schäftliche Finanzen streng voneinan-
recht kurzer Zeit „wissend“, und das aber eine Grundvoraussetzung dafür.
der trennen, Guthaben bilden durch
schlägt sich als höherer Verdienst nie- Nun könnte man sage: „Das ist nichts
Sparen. Das alles steigert die Beweg-
der. für mich, das will ich nicht, ich will jetzt
gründe für unsere Leistung.
Aber nicht nur fortbilden wollen wir leben.“ Dann muß man aber auch wis-
uns. Wir wollen „Experte für ein be- Sparen – wie macht man das sen, daß erfolgreiche Menschen immer
stimmtes Gebiet“ werden. Denn wenn bereit sind, Dinge zu tun, die erfolglose
wir tun, was alle tun, werden wir krie- Viele Menschen glauben, sparen sei alt- Menschen ablehnen würden. Das Pro-
gen, was alle haben: Zu wenig Geld. Es modisch. Andere denken, sparen kann blem war bereits Goethe bekannt. Er

14 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


schreibt: „Jeder will etwas sein, keiner Gespür für Geld zu schärfen, unsere will nun jeder wissen, wie die Firmen
will etwas werden.“ „Sparmuskeln“ zu entwickeln, unser heißen, bei denen wir uns mittels An-
Leider sparen die meisten Menschen Selbstbewußtsein zu vergrößern. Das teilscheinen einkaufen sollten. Ich bin
falsch. Sie bezahlen den Bäcker, den Beispiel soll uns zeigen, daß man den gerne bereit, diese zu nennen, muß al-
Metzger, die Bank, den Frisör. Wenn Faktor „Zeit“ richtig bewerten muß. lerdings nochmal darauf hinweisen, daß
noch etwas übrigbleibt, legen sie es auf Wenn wir mit 30 Jahren jeden Monat dies ein eigenes Thema ist, das hier in
die hohe Kante. Das ist grundfalsch. 400 DM sparen und richtig anlegen – da- diesem begrenzten Rahmen nicht be-
Richtig ist: mit ist eine Verzinsung von 12 % ge- handelt werden kann.
Zuerst bezahlt man sich selbst. Von sei- meint – haben wir mit 65 Jahren 2,1 Mil- Insgesamt muß man sagen: Aktien sind
nem Nettogehalt bucht man als Erstes lionen DM. Fangen wir erst mit 45 Jah- die Grundlage unseres derzeitigen
15 % auf ein eigenes Konto. Von den ren an zu sparen, dann müssen wir be- Wirtschaftssystems. Ob wir es wollen
restlichen 85% bezahlt man die anderen reits monatlich 2400 DM zurücklegen. oder nicht – ohne Anleger, die ihr Geld
Ausgaben. Die 15 % rührt man niemals Und wenn wir erst mit 55 Jahren anfan- zur Verfügung stellen, damit junge Fir-
für Konsumzwecke an, denn sie werden gen, brauchen wir monatlich 10000 DM, men neue Arbeitskräfte einstellen kön-
uns reich machen, wir können dieses um die 2,1 Millionen mit 65 zu errei- nen, oder alte Firmen wirtschaftlicher
spezielle Konto als unsere „goldene chen. Je früher wir mit dem Sparen an- arbeiten und höhere Löhne zahlen kön-
Gans“ betrachten. Und das Erstaun- fangen, desto ruhiger können wir es an- nen, würde die Welt, wie wir sie kennen,
lichste daran ist: gehen, desto weniger belastet uns die nicht mehr funktionieren. Daher sollten
Spar-Rate. auch wir einen Teil unseres ersparten
Mit den restlichen 85 % leben zu müs- Geldes in Anteilscheinen wertvoller
sen, bedeutet kaum einen Unterschied, Eigentlich sind wir Deutsche ja die
Weltmeister im Sparen. Nur im gewinn- Unternehmen anlegen, wobei wir – es
als wenn wir mit 100% wirtschaften. muß nochmals wiederholt werden – be-
bringenden Anlegen gehören wir zu den
Und weil wir nun schon so tüchtig ge- Letzten, denn über 30 Prozent des Er- reit sein müssen, alle Risiken und alle
worden sind, wie vorstehend beschrie- sparten haben wir auf dem mit höch- Vorteile zu tragen.
ben, erhalten wir von unserem Chef stens 2% verzinsten Sparbuch liegen. Jede Geld-Anlage sollte man unter fünf
auch mal eine „Gehaltserhöhung“. Was Derzeit bessert sich das ein wenig, die Gesichtspunkten betrachten:
machen wir damit? Wir nehmen minde- Deutschen haben die Aktien entdeckt.
stens 50% und legen diese auf unser Sicherheit, Bequemlichkeit, Verfügbar-
Aber mindestens 90 % der Börsianer keit, Rendite, Steuern. Nur Aktien und
„goldene Gans-Konto“, das Konto, das sind theorielose und emotionale Spie-
wir niemals zu Konsumzwecken angrei- Aktienfonds werden diesen genannten
ler, die über keine Strategie verfügen fünf Gesichtspunkten gerecht.
fen. Denn wir sind ja an unseren bishe- und deswegen viel Geld verlieren.
rigen geringeren Verdienst „gewöhnt“, Wer kein Unternehmer werden will,
und es macht uns nichts aus, gleichsam Otto Waalkes, der „Ausserfriesische“, oder wer nur kleinere Sparbeträge re-
nur eine halbe Gehaltserhöhung erhal- hat auf humorvolle Weise etwas sehr gelmässig anlegen will, für den sind Ak-
ten zu haben. Unser Unterbewußtsein richtiges festgestellt: tienfonds das Richtige. Betrachten wir
wird sich auch freuen, denn es sieht ja, „Arbeitgeben ist seliger denn Arbeit- hierbei einmal den Gesichtspunkt „Si-
daß wir mit Geld gut umgehen können, nehmen!“ cherheit“: Ein Fond hält viele verschie-
und auch unser Selbstbewußtsein wird dene Firmenanteile (Aktien), streut
Dem schließen wir uns an. Wenn wir
wachsen. also das Risiko.
mehr Geld haben wollen, dürfen wir
nicht die „Geldmaschine für Andere“ Auch mit der Bequemlichkeit ist es gut
Richtig anlegen sein. Wir müssen Unternehmer werden bestellt. Eine Gruppe von Bankfachleu-
– mit allen Risiken, aber auch allen Vor- ten arbeitet mit modernsten Hilfsmit-
Sparen allein reicht nicht, wir müssen teilen dieses Standes. Die eine Möglich- teln im Interesse des Anlegers. Aller-
das Ersparte auch sinnvoll anlegen. keit ist, Selbständiger zu werden – was dings muß man dafür mehr oder weni-
Dazu ist es hilfreich, sich die Gesetze den Vorteil hat, daß man nicht in die ger hohe Gebühren bezahlen.
der Geldvermehrung einmal anzu- Rentenversicherung einzahlen muß, Die Verfügbarkeit unseres Geldes und
schauen. Nehmen wir uns einmal vor, in von der man bei Erreichen der Alters- der damit erwirtschafteten Erträge ist
18 Monaten 26 000 DM zu besitzen. Das grenze wegen der Unfinanzierbarkeit täglich gegeben.
geht nur, wenn wir jeden Monat einen des Rentensystems doch viel weniger
bestimmten Betrag sparen und gleich- Die Rendite liegt meist bei mehr als
als das Eingezahlte zurückerhält. Aber 12 %.
zeitig uns nach neuen Geldquellen um- dazu braucht man eine besondere Aus-
sehen. Da neue Einnahmequellen bildung und/oder Kapital zum Start. Ein besonderes Kapitel sind die Steu-
zunächst viel Zeit erfordern, fangen wir ern. Fonds halten meist ihre Aktienbe-
nur mit kleinen Sparbeträgen an. Wir Die anderen kaufen sich eine Firma. stände mehr als ein Jahr. Damit sind die
sparen im ersten Monat zehn Pfennig, Leider haben wir zu wenig Geld für eine Gewinne meist steuerfrei. Verkauft
im zweiten zwanzig, im dritten 40, im ganze Firma, deshalb kaufen wir uns man seine Fond-Anteile aber innerhalb
vierten 80 usw. Vielleicht erscheint uns Anteile an einer oder mehreren Firmen. eines Jahres, dann unterliegen z.Zt.
das wegen der kleinen Beträge zunächst Wie gesagt, mit allen Risiken und Vor- noch die Gewinne voll der Einkommen-
als ein recht alberner Sparplan. Er hat es teilen. „Aktien“ nennt man diese An- steuer. Dasselbe gilt für gekaufte Ak-
aber in sich! Denn bereits im 16. Monat teile. Über Aktien zu sprechen wäre ein tien.
müssen wir 3276,80 DM und im 17. Mo- abendfüllendes eigenes Thema. Hier
nat 6553,60 DM auf unser Sparkonto nur soviel:
einzahlen. Nach 18 Monaten besitzen Es gibt etwa 50 000 Aktiengesellschaf-
Wir und die Banken
wir dann 26 004,30 DM – die wir nicht ten weltweit. Mit rund 80 von ihnen Die deutschen Banken sind einzigartig
hätten, wenn wir diesen Plan nicht an- kann man als Kleinanleger, wie wir es auf der Welt. Man kann bei ihnen fast al-
gefangen hätten. Zugegeben, ab dem sind, Geld verdienen. Die restlichen les bekommen, was mit Geld zu tun hat,
14. Monat ist es uns sehr schwer gefal- 49 920 können wir getrost vergessen, sie sie sind Universalbanken. Ihre Ange-
len, die Raten aufzubringen. Wir haben sind teilweise etwas für die Großanle- stellten behandeln uns mit ausgesuchter
aber ausreichend Zeit gehabt, uns neue ger, wie Banken und Versicherungen. Freundlichkeit, obwohl ein Interessen-
Verdienstquellen zu erschließen, unser Für uns sind sie ungeeignet. Natürlich konflikt zu den Kunden besteht: Ver-

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 15


dient der Kunde viel, bekommt die Regelmäßig nachkaufen. Bei guten Ak- allem diejenigen, die wir dem Staat ab-
Bank wenig. Banken sind Firmen, und tien ist jeder Kurs ein „Kauf-Kurs“. geben müssen – wollen wir auf alle Fälle
diese wollen Gewinn machen. Die An- Stets das Risiko streuen, indem man aber selbst behalten. Über das Gebiet
gestellten müssen also zuerst das Inter- Wertpapiere aus verschiedenen Län- „Steuern“ sich fortzubilden ist für unser
esse der Bank, ihres Arbeitgebers ver- dern und aus verschiedenen Gewerben Ziel der „finanziellen Freiheit“ sehr
treten. kauft. wichtig. Deshalb studieren wir dieses in
Legen wir einen Tausender auf ein Heimarbeit sehr gründlich.
Sicherheit muß bei der erstmaligen
Sparbuch, gibt uns die Bank dafür 2 % Geldanlage immer das Wichtigste sein. Ein Auto ist so gut wie immer eine
Zinsen. Den Tausender verleiht die schlechte Investition. Oft unnötig, fast
Bank für 8 % weiter. Sie macht einen immer zu teuer. Wenn wir es denn schon
Gewinn von – na, wieviel? 6% ? Nein,
Finanzieller Schutz – haben müssen, dann sollten wir wissen,
300% ist ihr Gewinn! Und da liegt der finanzielle Sicherheit – daß jede 10 000 DM, die wir pro Jahr an
Interessenkonflikt: Alles, was wir ver- finanzielle Freiheit Anschaffungskosten, Benzin, Steuer,
dienen, kann die Bank nicht verdienen, Versicherung sparen, in 20 Jahren
Es gibt ganz allgemein zwei Wege zum 100000 DM sind. Deshalb sollten wir für
unser Gewinn schmälert die Gewinne Glück: Wir verringern unsere Wünsche
der Bank. den Autokauf nie mehr als zwei Mo-
oder wir vergrößern unsere Mittel. Im natsgehälter ausgeben. Was „die Ande-
Erinnern wir uns noch an den Vor- Alter ist es leichter, die Wünsche zu ver- ren“ darüber denken, wird unser Ge-
schlag, die AG-–GGG solle sich eine ringern. In der Jugend ist es besser, neue schäft nicht so sehr beeinflussen, wie wir
Schule und eine Bank zulegen? Es ist Mittel zu erschliessen. Wer weise ist, jetzt glauben. Aber unseren Wohlstand
verwunderlich, daß in unseren Reihen wird stets beides tun. wird das sehr stark beeinflussen.
noch keiner diese Idee hatte. Deshalb Telefonkosten kann man fast schlagar-
sind unsere Bankkaufleute gefordert, 1.) Finanzieller Schutz
Stellen wir zunächst das absolute Mini- tig halbieren: Bevor man jemanden an-
baldmöglichst eine Bank für das volks- ruft, notiert man sich stichpunktartig
treue Lager zu schaffen. mum fest, das wir unbedingt haben müs-
sen, um von einem „finanziellen das, worüber man sprechen will. Man
Für uns als Einzel-Anleger gilt: Schutz“ überhaupt reden zu können. plappert dann nicht lange, und wenn al-
Unser Geld legen wir bei Firmen an, die Dazu müssen wir wissen, wie hoch un- les gesagt ist, beendet man das Ge-
ihre Gewinne dann machen, wenn auch sere Lebenshaltungskosten sind. Diese spräch rasch.
wir Gewinne machen. Nur mit solchen Summe multiplizieren wir mit der Zahl 2.) Finanzielle Sicherheit
Firmen entsteht dann eine „Gewinner- der Monate, für die wir finanziellen Wenn wir unser erstes Ziel, den „finan-
Gewinner-Situation“. Ein Aktienfond Schutz haben möchten. Die daraus sich ziellen Schutz“ erreicht haben, können
erfüllt diese Bedingungen. Viele Anle- ergebende Summe ist das „absolute Mi- wir eine Krise wenigsten durchstehen.
ger formen einen grossen Anlagetopf. nimum“, das niemals vor Eintreten des Aber wenn der Notfall eintritt, müssen
Alles Geld fließt zu einer Depotbank, Ernstfalls angerührt werden darf. Wenn wir unser Geld aufbrauchen, sofern
die es verwaltet. Das Depot ist streng wir eine Firma besitzen, müssen wir nicht Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe
von der eigentlichen Bank getrennt, es diese Rechnung natürlich auch für die eintreten. Wirklich sicher sind wir erst,
bleibt in jedem Fall bestehen, selbst Firma anstellen. wenn wir von den Zinsen oder besser
wenn die Bank pleite gehen sollte. Jeder „Finanzieller Schutz“ ist ein Nahziel. Es noch Dividenden und Wertsteigerun-
Fond unterliegt den Richtlinien des Ka- muß schnell erreicht werden. gen aus Aktienvermögen leben können.
pitalanlagegesellschafts-Gesetzes und Also müssen wir feststellen, wie hoch
Ein Beispiel:
wird vom Bundesaufsichtsamt für das der Betrag ist, den wir brauchen, um le-
Kreditwesen regelmässig überprüft. Detlev Leichtfuß verdient 5000 DM. Er
ben zu können. Diesen Betrag multipli-
gibt davon 4750 DM aus. 250 DM
Ein Fond ist wie ein Tausendfüßler. zieren wir mit der Zahl „150“, dann er-
könnte er sparen. Finanziellen Schutz
Wenn ein Fuß abbricht, fällt das wegen halten wir die Höhe des Kapitals, das
braucht er für zehn Monate, somit also
der Vielzahl der Füße kaum ins Ge- wir haben müssen.
die Summe von 47 500 DM. Mit Sparra-
wicht. Um mit einem Fond zu gewinnen, ten von 250 DM muß er 16 Jahre und 10 Ein Beispiel:
muß man natürlich sein Geld einige Zeit Monate lang sparen, um diesen Schutz Die Familie braucht monatlich 4000
dabei belassen. Auch Krisenzeiten wird zu erreichen. DM zum Leben. 4000 x 150 = 600 000.
jeder Fond durchlaufen, ebenso wie je- Das ist der Betrag, den wir zur „finanzi-
des vom Anleger selbst gestaltete Ak- Heidi Fleißig verdient ebenfalls 5000
DM. Sie gibt aber nur 3500 DM aus, da- ellen Sicherheit“ haben müssen. Also
tien-Depot. Es hat sich aber gezeigt, müssen wir alles tun, um diesen Betrag
daß gute Aktien, die „richtigen“ eben, durch braucht sie nur 35 000 DM als fi-
nanziellen Schutz für 10 Monate. Bei ei- schnellstmöglich zu erreichen. Der Be-
sich nach jedem Kursrückgang wieder trag liegt wegen geringerer monatlicher
zu neuen Höchstwerten aufgeschwun- ner Sparrate von 1500 DM erreicht sie
ihr Ziel in nur zwei Jahren. Belastung natürlich niedriger, wenn wir
gen haben. nicht zur Miete, sondern im eigenen
Woran sollen wir sparen? An Steuern,
Einige Faustregeln für die Anlage in schuldenfreien Haus wohnen.
Auto und Telefon. Denn diese drei Be-
Wertpapieren:
reiche sind die Geldvernichter erster 3.) Finanzielle Freiheit
Nicht den gutgemeinten Tipps lieber Klasse. Vielleicht will der eine oder andere von
Mitmenschen vertrauen. Sieben Monate arbeiten wir für uns, uns bei der „finanziellen Sicherheit“,
Nicht ständig kaufen und verkaufen, fünf Monate für den deutschen Staat – der zweiten Stufe unseres Weges, auf-
denn „Hin und Her macht Taschen ob wir ihn lieben oder nicht. Hinsicht- hören. Kann er machen. Aber wenn er
leer“. lich der „Steuern“ gilt, daß wir unsere sich einen „Traum“ erfüllen will, z. B.
Steuererklärung unbedingt stets selbst eine Segeljacht kaufen will, muß er
In Kurs-Tälern gute Aktien oder Fond- erstellen. Steuerberater sollen deswe- seine goldene Gans dazu schlachten.
Anteile nachkaufen. gen nicht arbeitslos werden. Als sehr Die „finanzielle Sicherheit“ ist danach
Nicht ständig den Wert seiner Anlage nützliche Ratgeber und Helfer wollen wieder weg. Deshalb darf man auf die-
nachprüfen, denn wir berechnen ja auch wir sie gern in Anspruch nehmen. Den ser Stufe alle größeren Anschaffungen
nicht täglich den Wert unseres Hauses. Überblick über unsere Finanzen – vor nur per Ratenzahlung aus den Zinsen

16 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


kaufen, die wir monatlich von unserem nichts aus. Ein Irrtum. Alles, was wir kunden und Träume in Taten umsetzen
Kapital bekommen. tun, bringt uns dem Ziel näher oder ent- – das bringt Erfolg.
Fassen wir zusammen: fernt uns davon. Ein „Neutral“ gibt es Und wenn wir jetzt, nachdem wir eini-
Zuerst kümmern wir uns um „finanziel- nicht. ges wissen, noch mal einen Blick auf un-
len Schutz“. Hier gehen wir beim Spa- Was erfolgreiche Menschen von erfolg- ser Sittengesetz werfen, werden wir es
ren und Anlegen kein Risiko ein, hier losen unterscheidet, sind Zufriedenheit mit ganz anderen Augen betrachten.
nehmen wir auch geringere Renditen in und Bequemlicheit. Der Zufriedenheit Nicht trockene Sätze wie „Du darfst, Du
Kauf. 50 000 DM – oder mehr – lagern und der Bequemlichkeit dürfen wir nie sollst, Du mußt“ lesen wir da, sondern
wir in einem Bankschließfach, auf unterliegen. Eine bessere Welt wird es die Aufforderung:
einem Festgeldkonto oder noch besser nicht geben, solange wir nur davon träu-
men. Nicht: Hingehen, es versuchen und „Macht aus Eurem Leben ein Meister-
in einem altbewährten Fond.
auf Erfolg hoffen, sondern: Verantwor- stück!“
Dann schaffen wir uns „finanzielle Si-
cherheit“. 150 x monatlicher Geld-Ver- tung übernehmen, Möglichkeiten er- Dr. Wielant Hopfner
brauch war die Formel dafür. Diesen
Betrag legen wir anders an. Wir nehmen
dazu die 40-40-20 Formel. 40 % legen
wir risikoarm in Fonds an, weitere 40%
legen wir mit mittlerem Risiko ebenfalls
in Fonds an, und 20% legen wir risiko-
Unseren jungen Gefährten
reicher, aber niemals spekulativ, in Ak-
tien erster Qualität an.
Wenn wir „finanziellen Schutz“ und „fi-
nanzielle Sicherheit“ erreicht haben,
dann nehmen wir uns die „finanzielle
Freiheit“ vor. Hier gehen wir bei der
Der Zug der Kimbern
Geldanlage etwas größere Risiken ein,
erhalten dafür aber die Möglichkeit be-
achtlicher Gewinne. Wir legen unser
Geld, das wir zum Aufbau dieser dritten
und Teutonen
Stufe, also unserer „finanziellen Frei-
heit“ verwenden wollen, in Aktien erst- m Jahre 325 v.d.Ztr. begab sich der ihnen in den Weg stelle, werde erbar-
klassiger Unternehmungen an. Welche
das sind, kann ich, falls gewünscht, in ei-
ner eigenen Abhandlung mitteilen.
I griechische Gelehrte Pytheas auf
eine abenteuerliche Reise. Im Auf-
trag der Hafenstadt Massilia (Marseille)
mungslos niedergemacht. Nichts, so flü-
sterte man sich angstvoll zu, könne die
furchterregenden Barbaren hindern,
sollte er herausfinden, wo der Bernstein das Imperium Romanum und seine
Zu guter Letzt und das Zinn herkamen, die auf den rö- Hauptstadt Rom zu erobern und zu zer-
mischen Märkten hohe Preise erzielten. stören.
Fast alles, was wir bisher erörtert haben, Pytheas wandte sich nach Norden. Er
werden wir wieder vergessen. Damit segelte um Westeuropa herum in die Tatsächlich hatten um 120 v.d.Ztr. drei
aber wird unser Ziel wieder in die Ferne Nordsee. In Cornwall auf der Britischen germanische Stämme ihre Heimat ver-
rücken. Also müssen wir den Weg zum Insel fand er ergiebige Zinnminen, und lassen. Es waren die Kimbern und die
Ziel uns jeden Tag aufs Neue vor Augen von der Insel Abalus (Helgoland) Teutonen, die zwischen Nord- und Ost-
führen. Kurz wiederholt sind das fol- schrieb er in seinem Bericht: „Dort wird see gesessen hatten, und die Ambronen
gende Punkte: im Frühling reichlich Bernstein ange- von der Nordseeinsel Amrum. In zwei
spült, der ein Auswurf des gefrorenen gewaltigen Marschsäulen, insgesamt
Wir müsssen unsere bisherigen Meinun-
Meeres ist. Die Inselbewohner verwen- 300000 Menschen, hatten sie sich auf
gen über die Dinge prüfen und ggf. än-
den ihn zum Heizen, auch verkaufen sie den Weg nach Süden gemacht. Sie wa-
dern, wir müssen Schmerz mit der Vor-
ihn an die Teutonen, die ihnen auf dem ren aber nicht aus Kriegslust aufgebro-
stellung verbinden, das Ziel nicht zu er-
Festland am nächsten wohnen.“ Py- chen — sie suchten eine neue Heimat.
reichen, und Freude mit der Vorstel-
theas’ Bericht ist ein historisches Doku- Sturmfluten und zunehmende Ver-
lung, es zu schaffen. Wir müssen täglich
ment: Hier wird zum erstenmal der ödung ihrer Äcker hatten sie aus ihrer
unser Bestes geben, konstant lernen
Name eines germanischen Stammes ge- Heimat vertrieben; nur neues Sied-
und wachsen, 110% geben, der Beste
nannt. Historiker betrachten daher das lungsland konnte sie vor dem Hunger
sein, der man sein kann. Nie mehr mit
Jahr 325 v.d.Ztr. als den eigentlichen retten. So machten sie sich auf.
weniger zufrieden sein, als mit dem Be-
sten. Beginn der geschriebenen Aufzeich- Sie zogen zunächst nach Böhmen, wo
Wenn wir uns das täglich vor Augen hal- nungen über die Germanen. sie von den keltischen Bojern zurückge-
ten, betrachten wir jede Situation, jeden schlagen wurden. Durch Schlesien und
Rund 200 Jahre später, im Jahr 113 Mähren kamen sie in das Donaugebiet,
Menschen mit anderen Augen. Wir fra-
v.d.Ztr., versetzten eben diese Germa- von dort wanderten sie zu den Ostalpen
gen uns dann sofort: Wie trifft das auf
nen das gewaltige Imperium Romanum in die Heimat der keltischen Taurisker.
mich zu, wie kann ich sofort handeln,
zum erstenmal in Angst und Schrecken. Bei Noreia trafen die Kimbern zum
wie nutzt mir das beim Erreichen mei-
Kaufleute und Soldaten, die von der erstenmal auf die Legionen der Römer.
nes Ziels.
Nordgrenze des Imperiums in die
Wir wollen uns auch nicht allzu lange Hauptstadt am Tiber zurückkehrten, Als der Konsul Papirius Carbo ihnen
mit Problemen herumärgern. Unsere berichteten von zwei ungeheuren mitteilen ließ, daß die Taurisker unter
Augen richten wir immer wieder auf un- Marschsäulen, die sich von Norden seinem Schutz stünden, versprachen die
ser Ziel. Solange wir unser Ziel im Auge kommend auf die Grenzen zu beweg- Kimbern, friedlich abzuziehen. Sie
haben, kann keine Angst aufkommen. ten. Riesengroße Krieger, begleitet von suchten nichts als neues Siedlungsland.
Wir halten alles für wichtig. Viele glau- ihren Frauen und Kindern, befänden Carbo gab ihnen daraufhin einen Füh-
ben, ein wenig „Schlechtes“ macht mir sich auf dem Kriegszug; alles, was sich rer mit, der ihnen angeblich den Weg in

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 17


ben nur zehn Mann übrig, die die trau-
rige Kunde heimbrachten.“
Wieder geschah etwas Unerklärliches:
Anstatt in Italien einzudringen, wand-
ten die Germanen sich nach Südwesten.
Sie trennten sich dabei abermals, weil
sie, vereint marschierend, nicht genug
Nahrung fanden. Die Kimbern zogen
nach Spanien und von dort an die galli-
sche Atlantikküste, die Teutonen und
Ambronen zogen, in Kleinkriege ver-
wickelt, direkt nach Norden. Am Un-
terlauf der Seine vereinigten sie sich
wieder mit den Kimbern und zogen
abermals nach Süden. Nun wollten sie
endlich Italien erobern, allerdings wie-
derum getrennt: Die Kimbern wollten
über die Ostalpen marschieren, die Teu-
tonen und die Ambronen über die
Westalpen.
Dazu war es nun jedoch zu spät. Die Rö-
mer hatten inzwischen gewaltige An-
ein geeignetes Gebiet zeigen sollte: In v.d.Ztr. eine Gruppe der vornehmsten strengungen gemacht, der germani-
Wirklichkeit stellte Carbo ihnen jedoch Germanen am Tiber ein. schen Bedrohung Herr zu werden. Der
eine Falle — er überfiel die Germanen Viel bestaunt und wegen ihrer plumpen neue Oberbefehlshaber Gaius Marius
aus dem Hinterhalt. 50 Jahre später be- Kleidung heimlich belacht, konnten sie hatte das Heer reorganisiert und ver-
schrieb der römische Historiker Appia- am Tiber nichts erreichen. Um sie aus größert. Er war mit seinen Legionen an
nus die Schlacht: „Carbo büßte seine dem Imperium herauszuhalten, riet die Rhône gezogen, um dort den An-
Hinterlist mit schweren Verlusten. Viel- man ihnen, sich nach Spanien zu wen- griff der Germanen zu erwarten. Und
leicht hätte er all seine Truppen verlo- den und dort zu siedeln. der Angriff kam: Im Jahr 103 v.d.Ztr.
ren, wenn nicht während der Schlacht eröffneten die Teutonen und Am-
Kaum waren die Abgesandten zu ihren bronen bei Aquae Sextiae (heute: Aix-
ein Unwetter mit Blitzen, Donnerschlä-
Stämmen zurückgekehrt, überfiel Sila- en-Provence) die Schlacht. Marius
gen und Finsternis hereingebrochen
nus die Germanen. Auch dieser Angriff führte eine Eliteeinheit von 3000 erfah-
wäre, so daß die Barbaren den Kampf
brachte den Römern eine verheerende renen Soldaten heimlich in den Rücken
wegen dieser Zeichen des Himmels ab-
Niederlage: Vier römische Legionen, des Feindes. Von zwei Seiten ange-
brachen. Die Römer flüchteten zer-
etwa 24 000 Mann, wurden aufgerieben. griffen, geriet die Schlachtordnung
sprengt in die Wälder und fanden sich
Wieder stand den Kimbern und Teuto- außer Kontrolle, beide Stämme wurden
erst am dritten Tag mit Müh’ und Not
nen das Tor nach Süden weit offen, und vernichtet. Plutarch beziffert die Zahl
wieder zusammen.“ Nun hätten die
wieder wandten sie sich ab. Vier weitere der Getöteten mit etwa 100000.
Germanen den Weg nach Süden fort-
Jahre zogen sie ziel- und planlos durch
setzen können — aber sie taten es nicht. In die Siegesfeiern der Legionäre
Gallien, dann entschlossen sie sich, ge-
Statt dessen zogen sie nach Nordwesten platzte die Nachricht, daß die Kimbern
waltsam in Italien einzudringen.
in das Gebiet der keltischen Helvetier, inzwischen über den Brenner gezogen
die damals gerade aus ihrer süddeut- Die Römer hatten sich in der Zwi-
und den römischen Konsul Catalus mit
schen Heimat in die Schweiz hinüber- schenzeit darauf vorbereitet: An der
seinen Truppen geschlagen hätten.
wechselten. Ein kleiner Teil der Kim- Rhône hatten sie drei starke Armeen
Wieder war Rom in höchster Gefahr. In
bern ließ sich an Neckar und Main nie- aufgebaut, um den Angriff der Barba-
Eilmärschen trieb Marius seine Legio-
der. Der größere Teil jedoch vereinigte ren abzuwehren.
nen in die Po-Ebene, wo die Kimbern
sich mit den Teutonen und Ambronen Als erstes stießen die Germanen nörd- sich inzwischen niedergelassen hatten.
und zog mit ihnen über den Rhein nach lich vom heutigen Marseille auf die Diese fruchtbare Landschaft, so glaub-
Gallien weiter: An der Spitze weissa- Truppen des Konsul Aurelius Scaurus. ten sie, sei das lange gesuchte Sied-
gende alte Frauen, auf den Ochsenkar- Innerhalb weniger Stunden waren die lungsland. Von der totalen Vernichtung
ren dahinter die Mütter mit ihren Kin- Römer vernichtend geschlagen, die Le- der Teutonen wußten sie nichts.
dern, die älteren Männer zu Fuß, links gionäre waren tot, gefangen oder ge-
und rechts Reiter, die das Vieh antrie- Durch Unterhändler ließen sie dem her-
flüchtet. Wenig später, am 6. Oktober
ben, die Krieger als Flankenschutz, die anrückenden Marius mitteilen, daß sie
105 v.d.Ztr., erlitten auch die Legionen
tapfersten und stärksten von ihnen als keinen Kampf wollten, wenn er ihnen
der beiden anderen Konsuln, Mallius
Vor- und Nachhut. das Land lasse, auf dem sie jetzt säßen.
Maximus und Servilius Caepio, bei
Marius indes forderte sie auf, das Ge-
An der Rhône trafen sie wiederum auf Arausio eine Niederlage. Der römische
biet sofort zu verlassen, andernfalls
die Römer, diesmal auf den Konsul Ju- Historiker Valerius Antias berichtet:
werde er sie genauso vernichten wie die
lius Silanus mit seinen Legionen. Auch „80 000 Römer und Bundesgenossen
Teutonen. Um seine Drohung zu unter-
ihm trugen sie vor, daß sie keinen Krieg, wurden getötet, 40000 Troßknechte
streichen, führte er den Unterhändlern
sondern nur Siedlungsland wollten und und Marketender dazu. Alle Beute
den gefangenen Teutonenkönig Teuto-
baten ihn um Hilfe. Als Gegenleistung wurde den Göttern geopfert. Die Ge-
bod vor.
boten sie ihm ihre Waffenhilfe an. wänder der Gefallenen und Gefange-
nen wurden zerrissen, Gold und Silber Nun glaubten die Kimbern, gab es nur
Das mochte Silanus nicht allein ent- in den Strom geworfen, die Pferde er- noch eins: den Kampf. Am folgenden
scheiden. Er verwies die Abgesandten tränkt, die Gefangenen an den Bäumen Tag ritt der Kimbernkönig Boiorix vor
an den Senat in Rom, und so traf 110 aufgehängt. Von dem ganzen Heer blie- das Lager der Römer und forderte sie

18 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


auf, Tag und Ort der Schlacht zu be- sche Frauen, nachdem sie sich in ihrer Obwohl Boris sich eigentlich nie viele
stimmen. Marius nutzte dieses zu faire Wagenburg bis zuletzt verzweifelt ge- Gedanken machte, fing er nun doch an
Angebot, indem er die Germanen in für wehrt hatten, um nicht als Beute ver- zu denken. Er sagte sich, daß sein Pro-
sie ungünstiges Gelände und gegen die sklavt zu werden. blem das Geld sei. Anscheinend seien
sie blendende Sonne aufstellen ließ. Als 28 Jahre später, im Jahr 73 v.d.Ztr., die ausländischen Frauen nur hinter sei-
Tag bestimmte er den 30. Juli 101, als brach ein Sklavenkrieg aus. In der nem Geld her. Weil er sich aber nun ein-
Ort Vercellae. Fechterschule von Capua überfielen mal an die ausländischen Frauen ge-
An diesem Tag und an diesem Ort voll- 200 Sklaven unter Führung des Thra- wöhnt hatte, kam er nicht auf die Idee,
endete sich das Schicksal der Kimbern. kers Spartacus die Rüstkammer und be- sich vielleicht eine ihm ähnliche einhei-
Viele germanische Krieger wurden gannen einen Aufstand. Andere entlau- mische Frau zu suchen, mit der das Zu-
durch die gefährlichste römische Fern- fene Sklaven schlossen sich ihnen an, sammenleben nicht so teuer sein würde.
waffe, den ganz aus Eisen bestehenden schließlich zogen 200 000 Männer sen- Er sagte sich nur: „Ich will alles auf eine
Wurfspieß, getötet, weil dieser die nur gend und plündernd durch Italien nach Karte setzen. Der nächsten fremden
zur Pfeilabwehr dienenden germani- Norden. Nach einigen Anfangserfolgen Frau verspreche ich mein ganzes Ver-
schen Schilde wie Papier durchfuhr. Als bei der Abwehr römischer Gegenan- mögen, wenn sie mich verläßt. Ich will
Marius sie mit seinen viel besser gepan- griffe wurden die Sklaven, unter ihnen doch mal sehen, ob sie mich wirklich
zerten und bewaffneten Einheiten um- viele kriegsgefangene Kimbern und liebt, oder ob sie nur mein Geld wollte“.
zingelte, brach bei den Germanen eine Teutonen, im Jahr 72 am Monte Gar- Und siehe da, 5 Minuten, nachdem er
Panik aus. 65 000 Kimbern wurden gano und 71 bei Paestum vernichtend sein Versprechen abgegeben hatte, war
getötet, 60 000 gefangen genommen. geschlagen. Dort starben die letzten sie mit seinem ganzen Vermögen auf
Fürsten, die überlebt hatten, stürzten Teilnehmer des großen Zuges. Nach und davon.
sich in ihre Schwerter, als letzte erhäng- diesen Schlachten hörten die Kimbern Weil Boris nun kein Geld mehr hatte,
ten sich und ihre Kinder 300 germani- und Teutonen auf zu existieren. fühlte er sich richtig glücklich. Endlich
war er die Sorge los, daß eine Frau ihn
nur deswegen haben wollte, weil sie sein
Geld haben wollte. Er fing eine Arbeit
in einer Fabrik an, wo er Kartons nach
Unseren jüngyen Gefährten ihrer Größe zu sortieren hatte. Diese
Arbeit überforderte ihn nicht, und sie
füllte ihn voll aus. Er verdiente damit
auch gerade nur so viel, daß er sich sein
Essen und eine 1-Zimmerwohnung

Da+ Märcen von Bori+ leisten konnte. Deswegen hatte er schon


gar keinen Platz, um mit einer Frau zu-
sammen zu leben. So hatte er nicht mehr
die Sorge, ob sich eine Frau nun für ihn
im Glüq oder sein Geld interessierte. Es interes-
sierte sich nämlich überhaupt keine
Frau mehr für ihn. Und so lebte er
s war einmal ein Junge, der hieß Bo- Weil er mehrere Jahre mit ihr zusam-

E ris. Er war nicht sehr klug; aber da


er einen frohen Sinn hatte, kam er
gut durch die Welt. Im Fernsehen
men war, hatte er gedacht, daß er viel-
leicht deshalb so viel zahlen müßte. Mit
der nächsten ausländischen Frau, mit
glücklich und zufrieden in den Tag
hinein, und sagte sich jeden Morgen:
„Was bin ich doch für ein Glückskind!“.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann
machte er sich dümmer, als er war, und der er zusammen war, war er deshalb lebt er auch heute noch glücklich und
weil die Leute so viel darüber lachen nur eine Nacht zusammen. Auch sie ver- zufrieden.
mußten, bekam er als Bezahlung furcht- klagte ihn, und er zahlte 10 Millionen
bar viel Geld, über 300 Millionen Taler. Taler. J.R.
Er wurde langsam erwachsen und be-
gann nun, sich nach einer Frau umzuse-
hen. Weil er schon einen nichtgermani-
schen Namen hatte, mußte es unbedingt
eine Frau sein, die auch fremd aussah.
Die fand er dann auch. Um herauszufin-
Neue+ vom alten Feind
den, ob sie ihn wirklich liebte, versprach
er ihr 5 Millionen Taler, wenn sie ihn
verlassen würde. Sie verließ ihn aber die
ersten Jahre nicht, und deshalb fühlte Britische „Sado-Nonne“ geht „Nazareth House“ von Schwester Al-
phonso geschlagen worden. Essen, das
sich Boris sehr glücklich, weil er sich straffrei aus sie nicht mochte, hatte ihr die Nonne in
sehr geliebt fühlte. Der eigentliche den Mund gepreßt. Der Richter begrün-
Grund dafür, daß die Frau ihn nicht ver- Eine katholische Nonne, die in Groß- dete das milde Urteil mit der schlechten
ließ, war aber, daß ihr 5 Millionen Taler britannien der grausemen Kindes- Gesundheit der 58jährigen.
zu wenig waren. Sie fand dann einen mißhandlung für schuldig gefunden
Anwalt, der ihr sagte, wenn du im Aus- worden ist, geht straffrei aus. Der Rich-
land gegen Boris vor Gericht ziehst, ter Collin Harris ließ sie in Aberdeen
werden dir die Ausländer recht geben, mit einer Ermahnung ziehen. Die ehe-
Heidenspaß
weil du so ausländisch aussiehst. Das tat maligen Opfer der als „Sado-Nonne“
sie dann auch, und weil Boris Angst vor bekannt gewordenen Angeklagten rea- „Das größte Problem der Kirche sind die
dem ausländischen Gericht hatte, gab er gierten schockiert. „Mich widert das Pfarrer“
ihr sechsmal so viel, als wie er eigentlich an“, sagte die 41 Jahre alte Jeanette Titel eines Berichtes in der Frankfurter Neuen
versprochen hatte. Adams. Sie war als Kind in dem Heim Presse zum Überangebot an Seelsorgern.

Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St. 19


– Anzeige –

Prof. Andreas Heusler: von den Germanen „freudig angenom- dem Zeitgeist gehen will, vertiefe sich
„Altgermanische Sittenlehre und men“ worden sei, eine reine Lüge ist. in die Lektüre dieser Schrift!
Lebensweisheit“ Wenn das Christentum nicht Krieg und
Heft 20 der Schriftenreihe der AG – Mord eingesetzt hätte, hätte es die ger- Karl Hein:
GGG, 2., mit Anmerkungen verse- manischen Stämme nie bekehrt. „3 mal M wie Märchen“
hene Auflage 3800 n. St., 68 S., Verlag Recht und Wahrheit, Hohen-
DM 8,– Prof. Gustav Neckel:
steinstraße 29, 38440 Wolfsburg,
„Germanisches Heldentum“
Als die erste Auflage der Schrift von 140 Seiten, kt. DM 12,–
Professor Heusler herauskam, fanden Heft 24 der Schriftenreihe der Art-
Verfasser, der als Ingenieur bahnbre-
einige Ausführungen von ihm erhebli- gemeinschaft – GGG, zweite Auf-
chendes geleistet hat, zeigt hier, daß er
chen Widerspruch innerhalb der Art- lage 3801 n.St., 64 Seiten, DM 8,–
einfühlsam und mit schöner Wortge-
gemeinschaft – GGG. Mit Rücksicht Hier wird ein anderes Bild des Mannes bung Märchen zu gestalten versteht.
darauf wurden von Jürgen Rieger im geschildert, als es den Feministinnen Wie dies auch bei den klassischen Mär-
Vorwort neun Seiten Anmerkungen vorschwebt. Die antiken Schriftsteller chen der Gebrüder Grimm der Fall ist,
gemacht, und zum Teil Professor haben zahlreiche Beispiele von Hel- wollen Märchen immer etwas aussa-
Heusler insoweit verteidigt, zum Teil dentum überliefert, ebenso wie die is- gen, enthalten also eine Botschaft. so
Ausführungen von ihm korrigiert. Er ländischen Sagas. Einige hiervon sind auch diese Märchen von Karl Hein.
hat sich als erster der Aufgabe unter- von Professor Neckel ausgesucht und Dieses Büchlein, was auch über unse-
zogen, die Unterschiede zwischen in diesem Band zusammengestellt wor- ren Buchdienst bezogen werden kann,
christlicher und germanischer Moral den, ebenso wie Edda – Strophen zum kann uneingeschränkt empfohlen wer-
herauszuarbeiten. Es war ganz unver- Kriegertum. Wer nicht unbedingt mit den! J.R.
meidlich, daß dabei auch Fehler unter-
laufen mußten. Diese sind nunmehr
ausgemerzt, so daß die Schrift uneinge-
schränkt empfohlen werden kann. ENDLICH IST SIE DA!
Die Antwort auf alle Fragen bezüglich der AG – GGG! Wer diese
Irmgard Michelsen: Schrift gelesen hat, braucht niemandem mehr eine Antwort schul-
„Tausend Jahre Seelenmord“ dig zu bleiben! Ein MUSS für jeden artgläubig Interessierten!
Heft 6 der Schriftenreihe der AG –
GGG, dritte Auflage, 3800 n.St.,
Jürgen Rieger:
42 S., DM 6,– „Weg und Ziel der Artgemeinschaft – GGG“
Diese bewährte Schrift wurde nicht Band 4 der Reihe: „Werden und Wesen der Artreligion“, 3800 n.St., 136 Seiten,
wesentlich verändert, sondern ledig- DM 14,80
lich durchgesehen, und einige Abände-
Die Artgemeinschaft – GGG wird
rungen mit Rücksicht auf die gegenü-
häufig in den Medien erwähnt, da
ber der Vorauflage nunmehr erfolgte
sie die größte heidnische Gemein-
Wiedervereinigung, die die Situation
schaft ist. Wir haben nichts zu ver-
für Heiden in unserem Lande besser
bergen. Hier wird Weg und Ziel un-
erscheinen läßt, vorgenommen. Was
serer Gemeinschaft dargelegt, un-
uns durch das Christentum in tausend
sere Auffassung von Religion und
Jahren an seelischer und körperlicher
die Aufgabe der Religionsgemein-
Gewalt angetan wurde, wird hier
schaft. Eine Reihe von Fragen wer-
kenntnisreich dargelegt.
den beantwortet: Warum müssen
wir eine neue Lebensordnung
„Die gewaltsame Christianisierung“ schaffen? Was ist wesentlich, was ist
unwesentlich? Organisation des
Heft 23 der Schriftenreihe der AG –
Glaubens? Wen wollen wir wer-
GGG, zweite erweiterte Auflage
ben? Wen nehmen wir auf? Wen
3800 n.St., 62 Seiten, DM 8,–
können wir ansprechen?
Die Erstauflage umfaßte die Aufsätze
Daneben findet sich, was wir in der
von Professor Neckel: „Die Bekehrung
Zukunft an weiteren Planungen ha-
der Germanen zum Christentum im
ben, unsere Aufgabe. Die einzelnen
Lichte der Quellen“, von Günther Saß:
Organe der Artgemeinschaft und
„Saga-Zeugnisse zur Gewalt-Missio-
ihre Aufgabenkreise werden be-
nierung des alten Nordens“, von Dr.
schrieben, ebenso die Geschichte
Herbert Lenz: „Wie die Deutschen
der Artgemeinschaft – GGG, und
Christen wurden“, und ist nunmehr um
unsere Auffassung zu Feiergestal-
einen weiteren Aufsatz von Jürgen
tung, Brauchtum, Ritus und Kult. Hier hat der jetzige Leiter der Artgemein-
Rieger „Wie anziehend war das Chri-
schaft – GGG, der seit zwanzig Jahren maßgeblich den Weg der Artgemein-
stentum für germanische Heiden?“ er-
schaft – GGG mitgestaltet hat, seine Überlegungen zur Zukunft dieser Glau-
weitert worden. Hier werden die un-
bensgemeinschaft dargelegt, so daß nicht nur für die Mitglieder, sondern für
umstößlichen Beweise gebracht, daß
jeden, der sich über die die Artreligion vertretende Gemeinschaft informieren
die Behauptungen der Missionare – bis
will, das Lesen dieser in vierjähriger Arbeit entstandenen Schrift unverzicht-
heute von den christlichen Kirchen
bar ist.
wiedergekaut –, daß das Christentum

Die Bücher können bestellt werden über Buchdienst AG-GGG Petra Müller, Postfach 1241, 75380 Althengstett.

20 Nordische Zeitung 1, 69. Jg. / 3801 n. St.


Willhem Petersen: „Der Nibelungen letzten Jahren die Behauptung aufge-
Bucbesprecungen
Buchbesprechungen Fahrt nach Isenstein“. stellt hat, die an den Externsteinen
Der Kalender „Kriegsmaler“ zeigt überlieferte Irminsul sei gar keine, ist es
berühmte und weniger berühmte Zeich- verdienstvoll, daß dieses seit vielen Jah-
nungen vom Deutsch-Französischem ren vergriffene Buch nunmehr in dritter
KALENDER:
Krieg bis zum Ende des 2. Weltkrieges, Auflage neu herausgekommen ist.
Deutscher Jahrweiser 2001, DM 22,– darunter auch einen von Wolfgang Will- Überzeugende Ausführungen werden
Anmut und Schönheit 2001, DM 22,– rich, den wir in einer früheren Nordi- durch eine Reihe von Bildern und Foto-
schen Zeitung vorgestellt haben, ge- grafien erläutert. Bedenken sind nur bei
Kriegsmaler 2001, DM 19,80
zeichneten Ritterkreuzträger. dem Kapitel, das sich mit „Irminsul und
Wer noch keinen für sich passenden Ka- Runen“ befaßt, anzumelden, da dort
„Anmut und Schönheit“ zeigt Menschen
lender gefunden haben sollte, kann auf nach dem Armanen-futhark Erläute-
unserer Art, teils bekleidet, teils unbe-
einen dieser jeweils mit 12 meist Farb- rungen gegeben werden, die so nicht
kleidet, in der Natur, mit vor 45 entstan-
bildern für die Monate gestalteten Ka- haltbar sind. Viele andere Beziehungen,
denen Fotografien.
lendern zurückgreifen, von denen „An- z.B. zur Lilie, Insignien hat der Verfas-
J.R.
mut und Schönheit“ im Orion-Heimrei- ser aber richtig gesehen. Soweit der
ter Verlag erschienen sind, die anderen Hans Wilhelm Hammerbacher: „Irmin- Verfasser auf die verschiedenen Thesen
beiden im Arndt Verlag. sul – Das germanische Lebensbaum- eingeht, wo die Irminsul gestanden
Der „Deutsche Jahrweiser“ hat Bilder, Symbol“, Orion-Heimreiter-Verlag, hätte, und die dafür oder dagegen spre-
die auf Brauchtum und Heimat bezogen Kiel 2000, 221 Seiten, Fotografien und chenden Argumente anführt, ist darauf
sind, als Motive Frau Holle, Mutter und Abbildungen geb., DM 39,80 zu verweisen, daß es im sächsischen
Kind, Bauern zeigen, ferner einen schö- Gerade deswegen, weil jemand, der sich Land sicherlich mehr als eine Irminsul
nen Farbabdruck des Gemäldes von selbst interessant machen will, in den gegeben hat. J.R.

Gemeingermanischer ergänzter Futhark:

Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft we- einen Beitrag nach Selbsteinschätzung, mindestens aber
sensgemäßer Lebensgestaltung e.V. ist die größte heidnische Ge- 100,– DM im Jahr, worin der kostenlose Bezug der Nordischen
meinschaft Deutschlands (dazu noch Mitglieder in anderen ger- Zeitung, unseres Gefährtschaftsbriefes und unserer Flugblät-
manischen Völkern) mit tiefreichenden Wurzeln. Sie wurde 1951 ter, ferner der Neuerscheinungen der „Schriftenreihe der Art-
gegründet und vereinigte sich 1965 mit der Nordischen Glaubens- gemeinschaft“ enthalten ist.
gemeinschaft e.V., die 1928 gegründet worden war und sich 1954
in Nordisch-religiöse Gemeinschaft umbenannt hatte. Mit den be-  Wenn Sie keiner Bekenntnis- oder Religionsgemeinschaft an-
reits 1924 gegründeten Nordungen fand 1983 die Vereinigung gehören und sich neu binden wollen, das „Artbekenntnis“ und
statt. In der Artgemeinschaft wird ferner das Gedankengut der das „Sittengesetz unserer Art“ voll bejahen sowie überwie-
1913 von Ludwig Fahrenkrog gegründeten Germanischen Glau- gend nordisch-fälische Menschenart verkörpern, können Sie
bens-Gemeinschaft (GGG) fortgeführt und weiterentwickelt, Antrag auf Aufnahme als MITGLIED in die Artgemeinschaft
nachdem diese 1957 ihre Tätigkeit eingestellt hatte, im Vereinsre- stellen. Sie zahlen einen Monatsbeitrag (nach Selbsteinschät-
gister gelöscht wurde, und die Reste ihrer aktiven Mitglieder zur zung) in Höhe von mindestens 1 % des Nettoeinkommens.
Artgemeinschaft bzw. Nordisch-religiösen Gemeinschaft gekom- Mindestbeitrag ist ein Betrag von 10,– DM je Monat. Im Mit-
men waren. gliedsbeitrag eingeschlossen ist die kostenlose Lieferung der
Nordischen Zeitung und des Gefährtschaftsbriefes, unserer
Wir können auf eine jahrzehntelange Erfahrung bei der Neuge- Mitteilungen und Flugblätter, von Neuerscheinungen der
staltung eines uns gemäßen Glaubens verweisen, da wir die älteste „Schriftenreihe der Artgemeinschaft“ und der Reihe „Wer-
germanisch-heidnische Glaubensgemeinschaft mit durchgängigem den und Wesen der Artreligion“. Die Mitglieder der Artge-
Wirken sind. Bei uns finden Sie nicht nur ein reges Gemeinschafts- meinschaft sind gleichzeitig Mitglied im Familienwerk, das
leben auf den regelmäßig wiederkehrenden Gemeinschaftstagen, einen Familienlastenausgleich erstrebt, Beitrag: gestaffelt
sondern über die „Nordische Zeitung“, zwei Schriftenreihen, eine (von DM 0,– bei drei Kindern bis DM 180,– bei kinderlos jähr-
Buchreihe sowie Einzelschriften auch eine geistige Auseinander- lich, Ermäßigung möglich), und haben einen 31/2tägigen Ar-
setzung mit dem Christentum, Darstellung alter Bräuche und die beitseinsatz in unserem Gemeinschaftshaus (oder stattdessen
Durchformung eines arteigenen Glaubens. Wegen der großen eine Ausgleichsabgabe von 350,– DM, Ermäßigung möglich)
Nachfrage sind von zahlreichen Veröffentlichungen, die wir her- zu leisten. Mit Eingang Ihres Antrages auf Aufnahme werden
ausgebracht haben, viele bereits vergriffen. Nur wenn Sie laufend Sie zunächst im Regelfall ein Jahr als Anwärter bis zur end-
mit uns Verbindung pflegen, können Sie mithin sicher sein, auch gültigen Entscheidung über Ihre Mitgliedschaft geführt und
alle neuen Veröffentlichungen von uns zu bekommen. haben in dieser Zeit bereits die Beiträge zu zahlen, erhalten
Sie haben drei Möglichkeiten, mit uns in Verbindung zu bleiben, andererseits die für Mitglieder bestimmten Leistungen mit
wozu Sie bitte einen Vordruck anfordern: Ausnahme der Mitteilungen. Die Entscheidung über Ihre
Aufnahme fällt im Regelfall erst, nachdem Sie einen unserer
 Die am wenigsten verpflichtende ist, daß Sie die Gemeinschaftstage besucht haben, und sowohl Sie als auch wir
NORDISCHE ZEITUNG für 32,– DM jährlich bestellen. feststellen konnten, ob wir zueinander gehören. Wenn Sie auf-
 Wenn Sie auch zu Tagungen eingeladen und über die gemein- genommen wurden, haben Sie eine einmalige Aufnahmege-
schaftsinneren Angelegenheiten im Bild sein wollen, aber bühr in Höhe von 60,– DM zu zahlen, wofür Sie die Mitglieds-
nicht aus einer Bekenntnis- oder anderen Religionsgemein- nadel, nach unserer Wahl einige noch lieferbare Schriften aus
schaft austreten oder sich noch nicht neu binden möchten, unseren Schriftenreihen und einen früheren Jahrgang der
können Sie FÖRDERER werden. Als Förderer bezahlen Sie Nordischen Zeitung erhalten.

Nordische Zeitung im Internet: http://www.NordZeit.de/ und http://www.Asatru.de/ – E-Mail: Asatru@GMX.net

Related Interests