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2008 22:25 Uhr Seite 48

Impressum
Die NORDISCHE ZEITUNG ist
die Stimme des Artglaubens. Sie wird
von der Artgemeinschaft – Germani-
sche Glaubens-Gemeinschaft we-
sensgemäßer Lebensgestaltung e.V.,
Postfach 55709, 22567 Hamburg,
herausgegeben und verlegt und er-
scheint vierteljährlich.

Die Stimme des Artglaubens


Menschen unserer Art, die Beiträge
zur Entwicklung nordischer An-
schauungen auf religiösem, weltan-
schaulichem, kulturellem, erzieheri-
Im Einsatz für schem, gemeinschaftsbildendem,
künstlerischem und wissenschaftli-
 Lebensschutz, insbesondere Überleben unserer Art chem Gebiet geben wollen, steht sie
zur Verfügung.
 Erhaltung des nordischen Kulturerbes und Förderung einer wesens- Dabei müssen namentlich gekenn-
gemäßen Kultur zeichnete Beiträge nicht in jedem
Falle mit der Auffassung der Schrift-
 Verwirklichung einer sinnerfüllten Lebensgestaltung leitung oder der Leitung der Artge-
meinschaft übereinstimmen.
Schriftleiter und verantwortlich für
den Inhalt, soweit Beiträge nament-
lich nicht gekennzeichnet sind: Jür-
Inhaltsverzeichnis gen Rieger, Auguste-Baur-Str. 22,
22587 Hamburg. Namentlich ge-
kennzeichnete Artikel verantworten
Der „Maiskorb“ der Siebenbürger Sachsen die Verfasser.
Misch Orend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Zahlungen auf das Konto: Die Artge-
Warum religiöse Erneuerung? meinschaft, Postbankkonto 5 28 51-
Matthias Haidn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 104 Berlin (BLZ 100 100 10). Aus
dem postalischen Ausland: unter
Deutsche Bauerntrachten Angabe des €-Betrages mit Aus-
Dr. Ludwig Hartmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 landspostüberweisung DE59 1001
0010 0052 8511 04, BIC PBNKDEFF
Baum und Wald – die grünen Wurzeln unseres Volkes oder Scheck, spesenfrei für den Emp-
Werner Kellermann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 fänger.
Erde Die von der Artgemeinschaft – Ger-
Zoe Droysen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 manische Glaubensgemeinschaft we-
sensgemäßer Lebensgestaltung e.V.
Nur nicht alt werden! verwendete Form der Irminsul ist re-
Artur Brausewetter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 gisterrechtlich geschützt und darf nur
von Mitgliedern der Artgemein-
Unseren Kindern germanische Namen schaft verwendet werden.
Rolf L. Fahrenkrog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Wir setzen an den Beginn unserer
Jahreszählung nicht die Geburt eines
Filmbesprechung – Christus, von dem niemand weiß, ob
Das kalte Herz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 und ggf. wann er geboren wurde, son-
Unseren jungen Gefährten – dern die Hochblüte des Gestirnhei-
Aus Deutschlands Vor- und Frühzeit: Volk ohne Raum – Teil 4 . . . . 66 ligtums Stonehenge.
Bezugsgebühr 18,– € jährlich, für
Unseren jüngsten Gefährten – Mitglieder und Förderer im Jahres-
Rätsel – Hänsel und Gretel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 beitrag enthalten. Bestellungen für
nur ein Jahr gelten als automatisch
um ein weiteres Jahr verlängert,
Heidenspaß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 wenn nicht bis zum 31. 12. gekündigt
wird. Wenn innerhalb eines Jahres
bestellt wird, werden die bereits er-
Neues vom alten Feind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 schienenen Hefte nachgeliefert; die
Bestellungen gelten immer für ein
Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Kalenderjahr.

Beilagenhinweis: Einer Teilauflage liegen Mitteilungen der Leitung und die Einladung zum Gemeinschaftstag bei.
Umschlagbild: Wotan / Odin hinter dem Landesmuseum Hannover aus dem Jahr 1888 n. übl. Ztr. von Wilhelm Engelhard
(1813–1902 n. übl. Ztr.)
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ie Frucht verwahrten die Sieben-

D bürger Sachsen jahrhundertelang


in der Kirchenburg, sei es, daß in
Der „Mai+korb” der
Wehrhäusern für die einzelnen Höfe
besondere Kammern eingerichtet wa-
ren, wo Truhen und Getreidekästen
standen, oder es reihten sich innerhalb
Siebenbürger Sacsen
der Ringmauern Speicherhäuschen an
Speicherhäuschen. In vielen Dörfern geben, obwohl sie im Bau des Speichers
besteht diese Einrichtung heute noch. ihren sinnvollen Dienst bewahren. So
Die Truhen waren Stollentruhen mit ge- zeigen die Maiskörbe in Abb. 3 und 4 in
wölbtem oder geradem Deckel. Mei- der Mitte der Breitseite je ein Rad, die
stens sind sie durch Ritzung oder Bema- Körbe in Abb. 5 und 6 zwei Räder (an
lung verziert, nicht selten mit Sinnbil- beiden ist das untere Rad schadhaft),
dern oder Runen. so trägt auch die der Korb in Abb. 7 sogar vier Räder und
Fruchttruhe in Abb. 1 an der Vorder- zwei Rauten. Gerade dieser letzte Mais-
seite in drei Feldern die hochgestellte korb, der auf dem reichen Halmehof
Ing-Rune. steht und 1876 n. übl. Ztr. gebaut wurde,
zeigt eindeutig, daß der Zimmermann
bewußt aus den Eckbindungen Verzie-
rungen schaffen wollte; dasselbe kommt
Abb. 3: Maiskorb mit Sonnenrädern aber auch bei den Dachträgern zum
aus Stolzenburg.

die Konstruktion des


Maiskorbes zu einer
sehr eigenartigen Zier
ausgebaut. Vier Eck-
ständer und zwei, selten
vier, Mittelständer tra-
Abb. 1: Fruchttruhe aus Stolzenburg. gen das Dach, drei, sel-
ten vier, Querbalken
Für den Mais, der wohl seit dem 15. verbinden die Ständer.
Jahrhundert n. übl. Ztr. in Siebenbür- Da nun die Last ziem-
gen angebaut wird, war es nötig, beson- lich schwer ist, es han-
dere Speicherbauten zu errichten, da delt sich um zehn bis
die Kolben nach der Ernte noch wo- zwanzig Fuhren Mais-
chenlang nachreifen müssen. Hierfür kolben, müssen die
sind luftige Behälter nötig, schmal ge- Ständer mit den Quer-
baute, die eine zu dichte Häufung der balken gut verbunden
Kolben verhindern. Aus dieser Vorbe- sein, daher die vielen
dingung entstand der Maiskorb in der Abb. 4: Maiskorb mit Sonnenrädern aus Stolzenburg.
Eckbänder.
langgestreckten schmalen Form. Er ist
zum Teil auch bei den Rumänen und Bei einem reinen
Madjaren verbreitet und war wohl ur- Zweckbau würde man
sprünglich aus Ruten geflochten, daher lediglich auf die Festig-
der Name „Korb“. keit der Bindung achten
Eine eigenartige Ausgestaltung hat die- und nicht mehr Eckbän-
ser Maiskorb jedoch bei den Siebenbür- der anbringen, als unbe-
ger Sachsen erfahren, so in der Ge- dingt nötig sind.
meinde Stolzenburg bei Hermannstadt. Tatsächlich findet man
Wie sonst bestehen auch hier die neuerdings vielfach
Wände aus lose aneinandergereihten diese Bauweise der
Latten, die den Trocknungsvorgang er- Maiskörbe. Auch der
möglichen. Da sich seine großen Korb in Abb. 2 ist in ver-
Flächen zum Schmücken boten, wurde einfachter Form gebaut
worden, obwohl die
Mittelverbindung mehr
als zweckbestimmt ist.
Die übrigen Abbildun-
gen der Maiskörbe zei-
gen jedoch eine solche
Fülle von Bindungen,
daß hier deutlich über
das unbedingt Notwen-
dige und Zweckbe-
stimmte hinausgegan-
gen wurde. Sie wollen
Verzierung sein und
Abb. 2: „Maiskorb“ mit Malkreuz aus dem Maiskorb eine
Stolzenburg. stark ausgeprägte Form Abb. 5: Maiskorb aus Stolzenburg.

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Abb. 6: Maiskorb aus Stolzenburg. Abb. 7: Maiskorb vom Halmehof mit Sonnenrädern und Rauten.

Ausdruck, die in Form der Man-Rune stens steht er gegenüber dem Wohn- Und wie hier die Fügung der Bänder
zu Kapitellen ausgebaut wurden. haus, sein Platz ist jedoch im Hofraum und Streben Sinnbilder gestalten, so fin-
nicht festgelegt, wie der der andern det man auch dort nicht selten Fügun-
Das Rad in der Mitte des Korbes ist das
Bauten. Mit seinem kunstvollen Aus- gen der Streben, die über das baumäßig
Sonnenrad, das alte Sinnbild, das hier
bau ist er zur Hofzierde geworden, nun- Notwendige hinausgehen und Zierfor-
durch die Rundung der Eckbänder ge-
mehr der einzige Bau, außer dem Gas- men erwirken, die Sinnbilder und Ru-
bildet wurde, und das auch sonst in der
sentor, der als künstlerische Gestaltung nen darstellen.
Volkskunst der Siebenbürger Sachsen
wirken will. In den Maiskörben hat der dörfliche
so häufig auftritt. Es ist in dieser Art im
vollen Bewußtsein geschaffen worden Die Ähnlichkeit mit der siebenbürgi- Zimmermann der Siebenbürger Sach-
und zeigt, wie stark und lebendig die schen Stollentruhe, zumal mit dem ge- sen einen Teil der alten Holzbaukunst,
Überlieferung wirksam ist und wie das wölbten Deckel, ist bezeichnend. Ja die in früheren Jahrhunderten wohl viel
überkommene Formgut des Sinnbildes selbst die älteren Fruchtkästen haben ausgeprägter war, sich bewahrt und in
immer wieder durchbricht. dieselbe Bauweise, ein Ständerwerk, seiner einfachen und doch überaus sinn-
das in Fächer geteilt ist, bloß daß bei den vollen und ursprünglichen Art weiter-
Das Sonnenrad mit den Strahlenpfeilen gepflegt. Aber gerade die Sinnbildge-
kommt auch als Gemeindemarke und Truhen und Kästen die Fächer mit be-
hauenen Brettern ausgefüllt sind. Dies staltungen zeigen, daß er im Grunde sei-
Viehbrandzeichen in der näheren Um- nes Wesens der deutsch-germanischen
gebung Stolzenburgs, in Großau, vor bildet nun zugleich die Überleitung zu
den mittel- und ostdeutschen Fach- inneren Haltung verbunden blieb.
(Abb. 8). Aber auch das Malkreuz des
Korbes in Abb. 2 wiederholt sich als werkbauten. Misch Orend
Viehbrandzeichen in Hammersdorf
(Abb. 9), ebenfalls aus der näheren Um-
gebung Stolzenburgs (beide sind 1826 n. Der Leben+baum
übl. Ztr. aufgezeichnet). Sie sind somit Es wuchs ein Baum viel tausend Jahre. – Der Sterbensmann wies sein Gefolge an,
nicht zufällige Formen, sondern über- aus Stein und Stammestrümmern ein
Dort, wo der Erde tiefste Wasser in einem
liefertes Gut, das sich urkundlich in die- Riesenrund zusammenfließen, wo aller fensterloses Haus zu fertigen, in dem der
ser Form bis 1577 n. übl. Ztr. verfolgen Anfang Urgrund ist, dort sogen seine Geist des Todes wohnen sollte.
läßt. Wurzeln Kraft und gaben sie dem Stamm mit So wuchs das Haus.
seinen weitauswuchtenden Ästen weiter. Und bleiche Menschen gingen gesenkten
Groß wuchs der Baum. Der Krone Dach Hauptes in die dunkle Halle ein.
umspann den hohen Himmel, und weiße Und wieder zogen tausend Jahre in das
Wanderwolken wiegten seine Zweige. Land. Viel hunderttausend starben aus
Unter des Baumes Schatten wohnten die Sehnsucht nach dem Licht. Millionen
Menschen wohlgeborgen. Der Winde siechten in der Dunkelheit.
Rauschen und der weite Flug der Vögel Da brach die Erde unter des dumpfen
brachte die Kunde ihnen vom Wachsen und Hauses Schwelle auf, und Risse zogen bis
Wachen, vom Ragen und Reifen des Lebens, unters Dach. Das junge Licht des hohen
Abb. 8 u. 9: Viehbrandzeichen das ihrer aller Mutter war. So wurden sie
von 1826 n. übl. Ztr.
Himmels leuchtete hinein, und matte
wissend und durch Wissen stark. Sie blieben Menschen fanden neuen Mut und glaubten
so gläubig, weil sie sehend waren. an den Sinn der fern des Hauses Finsternis
Der besondere Speicherbau ist wesent- Zur Mitternacht fuhr einst die Axt, die ein leuchtenden Siegessonne.
lich eine ostgermanische Erscheinung, vom Sterbenskreuz Gezeichneter mit Aus alten Wurzeln sproßte neuer Stamm,
der oft eine besondere Ausprägung er- fieberheißen Händen führte, dem und Wachstum ließ die Starrheit weichen.
hielt, wie bei den Sudetendeutschen. lebensstarken Baume in das Mark des Die Mauern sanken: unter ihren Trümmern
Stamms. Ein banges Ächzen stieg vom sproß der Lebensbaum mit junger,
Auch in Siebenbürgen bildet er eine Himmel auf. Die Krone sank.
Sonderform unter den anderen Hofbau- ungestümer Kraft zum Himmel.
Und Menschen wurden heimatlos. Kurt Eggers
ten, Stall, Scheune und Schuppen. Mei-

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ir leben in Deutschland in einer

W Zeit, in der das bestehende


Herrschaftsverhältnis und das
Warum religiöse
überindividuelle geistige kulturelle Le-
ben weitgehend von den Ideologien des
Marxismus und Liberalismus geprägt
sind. Kennzeichnend für unsere Gegen-
Erneuerung?
wart ist aber nicht der Wohlstand, son-
dern der Kulturverfall, der insbeson- statt einer Verfassung bestimmten die Bezeichnung Vergangenheitsbewälti-
dere das ethische und moralische Ver- Siegermächte ein Grundgesetz. Die gung betrieben wird, und die Sprach-
halten betrifft, wie der Nobelpreisträger Versagung eines Friedensvertrages, was verfälschung durch sinnverändernden
Professor Konrad Lorenz festgestellt den Schwächeren völlig entrechtete und Gebrauch von Wörtern und durch irre-
hat, dessen wissenschaftliches Tätig- aller Menschenrechte beraubte, ermög- führende gegensätzliche Begriffsbil-
keitsgebiet das tierische und menschli- lichte die Fortsetzung des Krieges mit dungen – Sprachregelung genannt –
che Verhalten ist. Der Kultur- und Ge- anderen Mitteln und damit die Ent- betreffen zwei Lebens- und Kulturbe-
sittungsverfall äußert sich in einer Ent- wicklung der USA und der Sowjetunion reiche, ohne die eine Identitätsfindung
fremdung der Religion und in einem zu den beiden dominierenden Welt- des deutschen Volkes, das heißt das Be-
biologischen Niedergang durch Gebur- mächten, die glaubten, eine gemein- wußtwerden seiner inneren Einheit
tenschwund, der jeden Einsichtigen be- same Weltherrschaft errichten zu kön- nicht möglich ist. Ein weiteres Produkt
stürzen muß, das heißt den, der sich von nen, eine Illusion, der sich nur die poli- der Fortsetzung des Krieges mit ande-
den bewußt gelenkten Massenmedien tische Führung in Washington hingab, ren Mitteln ist die in Yalta im Februar
noch nicht hat geistig entmündigen las- nicht aber in Moskau. 1945 n. übl. Ztr. von Stalin, Roosevelt
sen. Die Verfremdung der Religion, das und Churchill beschlossene Teilung
Schwinden des moralischen und ethi- Das deutsche Volk wurde daran gehin- Deutschlands; Churchills mangelnde
schen Verhaltens und der biologische dert, sich eine rechtmäßige Verfassung Voraussicht ließ ihn zum Totengräber
Niedergang durch Geburtenschwund zu geben, denn dazu ist nur ein Volk in des englischen Imperiums werden.
hängen unlösbar miteinander zusam- der Lage, das frei ist. Das Grundgesetz
hat deshalb mehr den Charakter eines Die Umerziehung, deren Aufgabe es
men, weil sie auf geistig seelischen Vor- sein sollte, das geistige und sittliche
gängen beruhen. Der Wille zum Kinde Kolonialstatuts als den einer rechtmäßi-
gen Verfassung. Die Ämtereinweisung „Rahmengebäude eines ganzen Volkes
bedarf geistig sittlicher Antriebe, die zu zerstören und diesem einen neuen
weder der Marxismus noch der Libera- und die Etablierung der politischen Par-
teien erfolgten nicht nach dem Willen Geist aufzuprägen“ (Louis Nizer in:
lismus geben kann. Die Selbstbezogen- What to do with Germany) hat das kul-
heit des Denkens und der Lebensauf- des deutschen Volkes, sondern durch
die landnehmende Macht, repräsentiert turelle Leben schwer vergiftet. Die
fassung dieser Ideologien führen zu ei- Lüge ist dadurch zu einem fundamenta-
ner Ausmagerung dieser sittlichen An- durch die Siegermächte. Deshalb ist
auch heute noch die Feststellung eines len Prinzip unseres überindividuellen
stöße. geistigen und kulturellen Lebens ge-
Staatsrechtlers der Kieler Universität
Der Kultur- und Gesittungsverfall zutreffend: Wir haben keine unmittel- worden. Die Lüge ist nach dem „Wör-
macht eine religiöse Erneuerung nötig, bare Demokratie, sondern eine Reprä- terbuch philosophischer Begriffe“, die
die eine Besinnung auf das Bleibende sentanz der Macht. „bewußt unwahre, eine Täuschung be-
und Unveränderliche im Lebensgesche- absichtigende Aussage, die Verdrehung
hen sein muß und ein Suchen und Stre- Durch die Fortsetzung des Krieges mit der Tatsachen, die gewollte Zweideu-
ben nach dem Besseren zur Volkserhal- politischen Mitteln ist der herrschende tigkeit und Unbestimmtheit, die Ver-
tung ist. Die religiöse Erneuerung ist in Einfluß der marxistischen und liberali- stellung und Heuchelei“. Professor
der Ausnahmesituation, in die das deut- stischen Ideologen, die bei der Ämter- Steinbuch, Stuttgart, hat das treffend
sche Volk durch die bedingungslose mi- verteilung bevorzugt wurden, institutio- und kürzer ausgedrückt: Die Lüge
litärische Kapitulation geraten ist, un- nalisiert und auf Dauer angelegt wor- kommt nicht so sehr als Negation (Ver-
ausweichlich geworden. Angesichts der den. Marxistische und liberalistische neinung) der Wahrheit, sondern als
Zustände, die im geistig kulturellen Le- Ideologen stellen auch die Kernmann- falscher Gedanke und falsche Vorstel-
ben eingerissen sind, ist sie zu einer schaft der Umerzieher. Die Umerzie- lung.
grundlegenden Voraussetzung für die hung ist ein Produkt der Fortsetzung
des Krieges mit anderen Mitteln. Durch Die Vergiftung des überindividuellen
Zukunft des deutschen Volkes gewor- geistigen und kulturellen Lebens mußte
den. Denn die Hauptaufgabe der Reli- die Umerziehung sollte das deutsche
Volk nicht nur in seiner charakterli- nach dem Gesetz des Pendelausschlages
gion ist die Mobilisierung der geistigen eine Rückbesinnung auf die zentrale
und sittlichen Kräfte für eine neue le- chen, geistigen und seelischen Substanz
getroffen werden, sondern indirekt Aufgabe der Religion als Hüterin von
bensgerechte ethische Ordnung. Moral und Ethik auslösen.
auch in seiner biologischen. Seit der be-
Die bedingungslose militärische Kapi- dingungslosen militärischen Kapitula- Die Umerziehung war in Ost und West
tulation stellt etwas Neues im bewegten tion sind die Deutschen einer Dauerbe- von einer Zuteilung der Lebensmittel-
Zusammenleben der europäischen Völ- einflussung ausgesetzt gewesen, die rationen begleitet, die unterhalb des
ker dar. Sie ist nur als Auftakt zu einer praktisch einer Unterwerfung unter den physiologischen Existenzminimums la-
beispiellosen Gewaltherrschaft zu er- Siegerwillen gleichkommt, im Osten gen. General Eisenhower berichtete,
klären. Die Verhaftung der Reichsre- wie im Westen. Eine Umwertung aller daß in seinem Gebiet die „durchschnitt-
gierung, die Verweigerung eines Frie- Werte ist imgange. Dieses geistige Ver- liche Nahrungsmittelmenge für deut-
densvertrages mit einer Generalamne- wirrspiel dient der nationalen Selbstent- sche Zivilpersonen um ein Drittel unter
stie, die wesensmäßig zu einem Frie- fremdung und ist ein taktisches Mittel in dem Existenzminimum bliebe“. Damit
densvertrag gehört, haben Elemente der Strategie der Weltmächte. Die ge- sollte das deutsche Volk auch in seiner
des Völkerrechtssystems zerstört. Da- schichtlichen und kulturellen Zusam- biologischen Substanz direkt getroffen
bei ist auch das demokratische Grund- menhänge des deutschen Volkes sollen werden, ein Ziel, dem auch die Zer-
recht, das Selbstbestimmungsrecht der gestört und unterbrochen werden. Die störung von Arbeitsplätzen durch De-
Völker, auf der Strecke geblieben, und Geschichtsverfälschung, die unter der montage, der Abbruch von Fabriken

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und Industrieanlagen und das Verbot nicht ableiten. Das moralische und ethi- sprechen von Religion und alle meinen
von zukunftträchtigen Technologien sche Verhalten und die Religion haben damit etwas ganz anderes. Es ist deshalb
dienen sollten. mit der Entwicklung der dämonischen nicht verwunderlich, wenn sich gerade
Macht der neuzeitlichen Technologien solche Menschen, die den Dingen auf
Mit der bedingungslosen militärischen nicht Schritt halten können. Das neue den Grund zu gehen pflegen, sich fra-
Kapitulation, der völkerrechtswidrigen Welt- und Menschenbild erfordert aber gen: Religion, was ist das ?
Verhaftung der Reichsregierung und eine ihm adäquate, ihm angemessene
der Versagung eines Friedensvertrages Begrifffliche Klarheit zu schaffen ist
ethische Ordnung. Die Zeit für eine re-
mit Amnestieklausel wurden von den eine ursprüngliche Aufgabe jeder wis-
ligiöse Erneuerung ist reif. Die tiefe Er-
alliierten Siegermächten Maßnahmen senschaftlichen Arbeit. Das ist jeder-
schütterung durch den zweiten Welt-
eingeleitet, die eine Strategie bei der mann einleuchtend, weil die For-
krieg und insbesondere durch die Nach-
Fortsetzung des Krieges mit anderen schungsergebnisse in einer Sprache mit
kriegszeit, mit seiner Verfolgung von
Mitteln sichtbar und einen Totalitaris- eindeutigen Begriffen mitgeteilt wer-
Millionen Deutscher in der eigenen
mus erkennbar machten, deren Folgen den müssen, damit sie für die Wissen-
Heimat und der Vertreibung von Mil-
erst Jahrzehnte nach der Einstellung schaftler in aller Welt den gleichen irr-
lionen Deutscher aus ihrer angestamm-
der Kampfhandlungen einer wachsen- tumsfreien Aussagewert haben. Es hat
ten Heimat im Osten; durch die Mißach-
den Zahl von Menschen zum Bewußt- sich deshalb eine Wissenschafts-Spra-
tung des Völkerrechts und der Men-
sein kamen: Die Aufteilung des deut- che entwickelt.
schenrechte, durch die in Wirklichkeit
schen Reiches in mehrere Teile, die bei- kontroversen und gegeneinander ge- Der Nobelpreisträger Jacques Monod
spiellose Vergiftung des überindividu- richteten Mächte, die gesiegt haben, die hat in seinem Buch „Zufall und Not-
ellen geistigen und kulturellen Lebens keinen Frieden schufen, weil sie keinen wendigkeit“ die Objektivität als axio-
und einen dadurch ausgelösten Gesit- Frieden schaffen wollten; durch die matisches Prinzip jeder wissenschaftli-
tungsverfall, der das moralische und Chaotisierung des ethischen und mora- chen Tätigkeit bezeichnet. Ein Axiom
ethische Verhalten betrifft. Diese Ent- lischen Verhaltens, durch die Verabso- ist ein unbedingt gültiger Grundsatz,
wicklung bedarf einer sorgfältigen Un- lutierung der negativen individuellen der keines Beweises bedarf. Unter Ob-
tersuchung und Prüfung durch die Wis- Freiheit; das Wachhalten des Kollektiv- jektivität ist die strenge, wirklichkeits-
senschaft. schuld-Vorwurfes und die Verhinde- bezogene Darstellung eines Sachverhal-
Der Siegeszug der Wissenschaft hat das rung einer Amnestie durch die etablier- tes zu verstehen, wobei alles Subjektive
alte statische Weltbild aus den Angeln ten Parteien; dieses dauernde Verwirr- ausgeschaltet ist. Eine wissenschaftliche
gehoben. Es mußte im Zeitalter der spiel, verstärkt durch volksverhetzende Mitteilung muß frei sein von allen per-
Physik und der Biologie einem durch gegensätzliche politische Begriffsbil- sönlichen Neigungen, Voreingenom-
und durch dynamischen Weltbild wei- dungen, ist das überindividuell geistige menheiten und willkürlichen Geglaubt-
chen. Wie das Weltbild hat sich auch das und kulturelle Leben so vergiftet wor- heiten, ja, von persönlichen Wertungen.
Menschenbild, das Wissen über die Stel- den, daß die Sehnsucht nach inneren Auf diesen Prinzipien fußend hat die
lung des Menschen im Natur- und Le- Frieden und nach einer neuen ethi- Wissenschaft in den letzten zwei Jahr-
bensgeschehen von grundauf verändert. schen, naturgesetzlichen und sittenge- hunderten ihren Siegeszug antreten
Das neuzeitliche biologische Men- setzlichen Ordnung immer stärker ge- können. Sie hat unser Wissen über das
schenbild hat das spekulative Men- worden ist. Natur- und Lebensgeschehen staunens-
schenbild der Bibel, das unbiologische wert vertieft und erweitert.
Die Erneuerung des religiösen Lebens
Menschenbild des Marxismus und des unseres Volkes auf der Grundlage der Begriffliche Klarheit zu schaffen und
Liberalismus ad absurdum geführt, das neuzeitlichen Erkenntnisse der Wissen- strenge Objektivität müssen auch
heißt ihre Unhaltbarkeit bewiesen. Mit schaft, insbesondere der Biologie, ist grundlegende Faktoren der Religion
den bahnbrechenden wissenschaftli- deshalb eine Forderung unserer Zeit, sein. Sie sind der eherne Fels, auf dem
chen Erkenntnissen der Physik und der um dem Gesittungsverfall und der Zer- die Religion unserer Zeit ruhen muß.
Biologie, für die Kopernikus und Dar- setzung der moralischen Ordnungen Dadurch wird auch die Versöhnung
win Symbolfiguren sind, und mit der durch die hertschenden Ideologien Ein- zwischen Religion und Wissenschaft ge-
Philosophie von Kant, „dem größten halt zu gebieten. währleistet. Die Definition der Begriffe
deutschen Philosophen und neben Plato Glaube, Religion und Gott, die dem
dem größten Philosophen überhaupt, neuen dynamischen Weltbild gerecht
den die Geschichte kennt“, ist eine Zei- Religion – was ist das ? wird, ist von großer geistesgeschichtli-
tenwende eingeleitet worden. Die neue cher Bedeutung.
Das Fremdwort Religion wird in
Zeit ist gekennzeichnet durch die Wis-
Deutschland nachweislich erst seit 1517 Das Hauptwort Glaube ist von dem
senschaft und durch die unheimliche
n. übl. Ztr. neben den bisher üblichen Tätigkeitswort „glauben“ abgeleitet.
Macht der neuen Technologien, die
Bezeichnungen Glaube und Bekenntnis Darüber sagt der Duden, Herkunfts-
mehr und mehr als eine Gefahr für die
gebraucht (Sigrid Hunke). Mit der Ein- wörterbuch: „glauben“, althochdeutsch
menschliche Zukunft empfunden wer-
führung dieses Wortes ist eine sprachli- „gilouben“ gotisch „galaubjan“ gehen
den. Der Fortschrittsglaube, der Wahn
che Verwirrung ausgelöst worden, weil zurück auf germanisch „galaubjan“,
von einem unbegrenzten allgemeinen
Glaube und Religion zu identischen, das „für lieb halten“, „gutheißen“, das zu
Fortschritt hat nicht nur seinen Glanz
heißt, ein und dasselbe bedeutenden der weitverzweigten Wortgruppe „lieb“
und Heiligenschein verloren, sondern
Begriffen gemacht worden sind, was sie gehört. Schon bei den Germanen bezog
beginnt einer Zukunftsangst Platz zu
ihrer Herkunft und ihrem Begriffsinhalt sich „glauben“ auf das freundschaftli-
machen. In dieser Zeitenwende, in der
nach nicht sind. Glaube und Religion che Vertrauen eines Menschen zur
wir noch stehen, haben sich nicht nur
sind vielmehr zwei unterschiedliche Be- Gottheit. Nach der Christianisierung
das Weltbild und das Menschenbild ver-
griffe, die deshalb klargestellt werden drückte es dann das religiöse Verhalten
ändert, sondern ist auch das veraltete
müssen. zum Christengott aus.
Gottbild gestürzt. Aus dem spekulati-
ven Menschenbild der Bibel und aus Außer den in Europa herrschenden Das Wort Religion ist dem Lateinischen
dem vorbiologischen Menschenbild des christlichen Religionsorganisationen entlehnt. Seine Abstammung ist aber
Marxismus und Liberalismus läßt sich gibt es noch andere Großreligionen, von seit altersher umstritten. Die katholi-
eine lebensgerechte ethische Ordnung den vielen Sekten ganz abgesehen. Alle schen Kirchenväter Augustinus und

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Lactanzius leiten es von „religere“ ursprünglich sächlichen Geschlechts kein Wissen, keine Wahrheit und keine
gleich „wiedererlangen“ oder von „reli- war. Das weist darauf hin, daß „god“ ur- Wirklichkeit.
gare“, das heißt „zurückverbinden“ ab, sprünglich nicht jemand, sondern etwas Das falsche Welt- und Gottbild mußte
weil das zu den katholischen Vorstel- bezeichnet hat. Nach der gewaltsamen zwangsläufig ein falsches Menschenbild
lungen von der Erlösung besser paßt. Bekehrung zum Christentum, hat sich zurfolge haben, denn aus falschen
Die älteste Sprachquelle für das Wort im ganzen germanischen Sprachraum Denkansätzen und Vorstellungen kön-
Religion ist jedoch das Werk „De Na- dieses Wort zur Bezeichnung des Chri- nen nur irrige Schlußfolgerungen gezo-
tura Rerum“ von Cicero, in dem es von stengottes durchgesetzt. Mit unserem gen werden, wie aus der Bibel hervor-
„relegere“, das heißt „sorgfältig beach- heutigen Wissen über das Natur- und geht. Die Verfasser der Bibel, die
ten“ abgeleitet ist. Dort steht der Satz: Lebensgeschehen ist die bei uns über- Schriftgelehrten in einer Gesellschaft
„Diejenigen, die alle Dinge, die mit den wiegende jüdisch-christliche Gottvor- von Analphabeten, haben ein rein spe-
Göttern zu tun haben, sorgfältig beach- stellung von einem personal gedachten kulatives Menschenbild produziert, das
ten, werden religiös genannt.“ Zur Zeit Absoluten nicht mehr in Einklang zu sie in der Schöpfungsgeschichte so dar-
von Cicero waren die Götter noch Per- bringen. Absolut heißt losgelöst. Das stellten: „Und Gott sprach: Lasset uns
sonifizierungen von Naturkräften, die Absolute ist demnach etwas, das vom Menschen machen, ein Bild, das uns
auf das Leben des Menschen einen star- Sein und von der erfahrbaren Wirklich- gleich sei, die da herrschen über die
ken Einfluß hatten. Götter und Göttin- keit losgelöst ist. Es ist das Unbedingte, Fische im Meer und über die Vögel un-
nen dienten als Regulative für das das aus sich selbst Bestehende. Daß alle ter dem Himmel und über das Vieh und
menschliche Verhalten. Die Sprachge- unsere Erkenntnis mit der Erfahrung über alle Tiere des Feldes und über alles
schichte hat uns mit dem Tätigkeitswort anfängt, daran ist gar kein Zweifel, hat Gewürm, das auf Erden kriecht“. Sie
„sorgfältig beachten“ einen fruchtbaren schon Kant festgestellt. Was jenseits der räumten damit dem Menschen eine
Hinweis dafür gegeben, daß das Wort Grenzen möglicher Erfahrung liegt, ist Sonderstellung im Natur- und Lebens-
Religion ein menschliches Handeln und keine Erkenntnis und kein Wissen, son- geschehen ein, die er nach den wissen-
Verhalten bezeichnet, das in einem Zu- dern nur eine Annahme. Gott als das schaftlichen Erkenntnissen nicht hat.
sammenhang mit der Gottvorstellung personal gedachte Absolute ist deshalb Der Mensch steht nicht über der Natur,
steht. Gott ist demnach ein Bezugs- nur eine Annahme oder eine Geglaubt- sondern in einem unlösbaren Funk-
punkt und Orientierungspunkt für das heit. Die Widersprüche zwischen Vor- tionszusammenhang mit dem Natur-
menschliche Verhalten. Eine religiöse stellung und Wirklichkeit, zwischen und Lebensgeschehen und mit den übri-
Erneuerung steht deshalb vor der Auf- Wissen und Glauben (im Sinne von Für- gen Lebewesen, denen er seine Existenz
gabe, das Wort Gott nach objektiven, wahr-halten) sind unüberbrückbar. verdankt. Diese unlösbare Verbunden-
wissenschaftlichen Erkenntnissen abzu- „Nichts ist absolut“ (Kant) und „nichts heit und Bedingtheit und damit Abhän-
grenzen. Die Gottvorstellungen dürfen ist isoliert“ (Goethe). Alles steht mit al- gigkeit ist aus der Entwicklungsge-
nicht individuellen Gefühlen überlas- lem in einem Funktionszusammenhang, schichte des Lebendigen, insbesondere
sen bleiben, wenn von der Religion eine das Kleinste mit dem Größten, das der Lebewesen unwiderlegbar abzule-
ordnende Kraft für das Volks- und Ge- Nächste mit dern Entferntesten. Nur sen. Diese Funktionszusammenhänge
sellschaftsganze ausgehen soll. Wenn deshalb, weil alles in einem Funktions- zwischen den Lebewesen und ihr auf-
auch zugegeben werden muß, daß alle zusammenhang steht, ist es der Wissen- einander Angewiesen-sein ist ohne lan-
objektiven Erkenntnisse letztlich hypo- schaft möglich geworden, die Existenz ges Studium der Biologie aus der Erleb-
thetischen Charakter haben, so muß der entferntesten Sternensysteme, der nis- und Erfahrungswelt des Bauern,
ihnen doch zugute gehalten werden, Galaxien, die über 10 Milliarden Licht- wenn auch in groben Zügen, deutlich zu
daß „das wissenschaftliche Wissen das jahre weit weg sind, mit den Mitteln erkennen: Auf totem, sterilen und
beste Wissen ist, das wir haben“ (Karl der neuzeitlichen Technik festzustel- keimfreien Boden gedeiht kein Pflan-
Popper). len. Das ist eine Entfernung, die zenwachstum, aber auf fruchtbarem
das menschliche Vorstellungsvermögen Mutterboden. Es ist das immer-
Gott ist anders übersteigt. Das All mit seiner unermeß- währende Leben und Sterben der
lichen Fülle von Erscheinungen, Din- Kleinlebewesen, die den Boden frucht-
Gottvorstellungen sind bei allen Völ- gen, Funktionsweisen und von Syste- bar machen. Mehrere Millionen solcher
kern der Erde vorhanden, und Gottvor- men über Systemen stellt eine uner- Kleinlebewesen sind in einem Kubik-
stellungen wird es auch in Zukunft ge- meßliche Funktionseinheit dar, außer- zentimeter fruchtbarer Muttererde. Die
ben. Sie sind menschentypisch. Denn es halb der es nichts gibt. Das Absolute, von diesem reichen Bodenleben herbei-
ist ein elementares Gefühlserlebnis, das nur eine philosophische Annahme geführte Fruchtbarkeit ist die Voraus-
„daß der Kulturmensch sich in weltwei- ist, steht außerhalb der Grenzen mögli- setzung für das höhere Pflanzenwachs-
ten Zusammenhängen des Belebten cher Erfahrung, weshalb es auch kein tum, das wiederum die Ernährungs-
und Unbelebten eingesponnen weiß“ Wissen und keine Erkenntnisse darüber grundlage und die Voraussetzung für
(Kolbenheyer). Deshalb werden die geben kann. Alle Vorstellungen über die Entwicklung der tierischen Lebewe-
Menschen niemals aufhören, über Zu- das Absolute sind deshalb nur leere und sen ist. Ohne die tierische Welt gäbe es
sammenhänge nachzudenken, die über haltlose Spekulationen. Die menschli- keine Menschen. Denn der Mensch ist
das Ich hinausführen und sie werden che Phantasie ist nicht einmal in der das Ergebnis einer jahrmillionen langen
nicht ruhen, diese Zusammenhänge zu Lage, sich ein Lebewesen vorzustellen, Entwicklung aus vormenschlichen tieri-
ergründen und das überindividuelle Ge- das noch nicht entdeckt ist, sei es eine schen Lebensformen. Er ist das jüngste
schehen zu erforschen. Sie wollen wis- Pflanze oder ein Tier. Vorstellungen Glied in dieser langen Lebenskette. Als
sen, welche Bedeutung diese Zusam- über ein personal gedachtes Absolutes, solches ist er das komplizierteste und
menhänge und dieses überpersönliche das mit Eigenschaften ausgestattet sein das am höchsten entwickelte organische
Geschehen für das menschliche Ge- soll, die dem menschlichen organischen Funktionssystem – und, nicht ganz ohne
schehen haben. Das Wort Gott ist nur Funktionssystem eigen sind und von de- Ironie gesagt – das überflüssigste. Wenn
eine Bezeichnung, aber keine Er- nen sie sich nur dadurch unterscheiden, der Mensch morgen von der Erde ver-
klärung. Sicher ist nur, daß es ein ge- daß sie ins Grenzenlose übersteigert schwinden oder auf einen anderen Stern
meingermanisches Wort ist (althoch- sind, wie z.B. allwissend, allweise, all- umgesiedelt würde, das Lebensgesche-
deutsch „god“, gotisch „guth“, englisch gütig und allmächtig, sind Produkte hen ginge ungestört weiter. Wenn aber
„god“, schwedisch „gud“), und daß es einer ausschweifenden Phantasie, aber die Kleinlebewesen untergingen, wür-

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den sie alles höhere pflanzliche und das druck, die der katholische Theologe Natur- und Lebensgeschehens eine
tierische Leben mitsamt den Menschen Hans Küng, Professor an der Univer- Ordnung gewährleisten, die nicht nur
mit in den Untergang reißen. Diese sität Tübingen, bei einem Vortrag in vorübergehend, sondern auf Dauer an-
Funktionszusammenhänge zwischen Peking anläßlich eines Symposiums von gelegt ist und Ewigkeitscharakter hat;
den Lebewesen und ihre Abhängigkeit Gelehrten der chinesischen Akademie eine Ordnung, „die unser Gemüt mit
voneinander lassen die Stellung des für Sozialwissenschaften und Mitglie- immer neuer zunehmender Bewunde-
Menschen im Natur- und Lebensge- dern des Kennedy-Instituts für Ethik in rung und Ehrfurcht erfüllt, je öfter und
schehen in einem anderen Lichte er- Washington aufgestellt hat: „Überholt anhaltender sich das Nachdenken damit
scheinen als die Bibel. Der Mensch ist ist die Frage nach dem Gott des alten beschäftigt“. Das Wort Gott ist deshalb
weder ein Ebenbild Gottes, noch ist er Weltbildes, nicht überholt ist die nach auch das sprachliche Symbol für Denk-
der Mittelpunkt oder Bezugspunkt des dem Gott des neuen Weltbildes“. Auf vorgänge über etwas, das uns überge-
Lebensgeschehens. Er ist nur eine Art eine Objektivierung des Gottesbegrif- ordnet ist, dem wir uns einordnen und
unter zwei Millionen anderer Arten von fes hat schon Kant hingewiesen. In „Kri- unterordnen müssen, wenn wir ordent-
Lebewesen. Allerdings eine Art mit tik der Urteilskraft“ fordert er eine lich und lebensrichtig leben wollen. Da-
Fähigkeiten, die wie ein großes Wunder Theologie, „die den Begriff ,Gott‘ für durch ist Gott auch das Symbol für et-
erscheinen, die aber auch, wie das den höchsten Gebrauch der Vernunft was, das von Anbeginn wirksam ist und
Atomzeitalter befürchten läßt, eine Ge- zureichend bestimmt“. wirksam bleibt in alle Ewigkeit.
fahr für ihn selbst werden können.
Den Gottesbegriff und die Gottvorstel- 2. Gott ist demnach das Sinnbild des
Das Menschenbild der Bibel, des Mar- lungen neu zu definieren und abzugren- Ewigen, des Unwandelbaren im ewigen
xismus und Liberalismus ist ein großer zen, ist eine unumgängliche Vorausset- Wandel des Werdens und Vergehens.
Irrtum mit verhängnisvollen Folgen. zung einer religiösen Erneuerung. Im Naturgeschehen gibt es keine Mitte,
Denn dieser Irrtum ist nicht zuletzt die Denn Gott kann nicht im Widerspruch auf die sich alles beziehen könnte, gibt
Ursache „von den vielen Todsünden, zur Natur stehen. Das heißt: die neuen es kein oben oder unten, sondern alles
welche die zivilisierte Menschheit gegen naturgesetzlichen Autoritäten müssen ist in unablässiger Bewegung. Diese Er-
die Natur, auch gegen die Natur des Eingang finden in die reformierten kenntnis hat der große griechische Phi-
Menschen begeht“ (Konrad Lorenz). Gottvorstellungen, denn Gott ist an- losoph Heraklit schon vor 2500 Jahren
Im Lichte der wissenschaftlichen Er- ders. in die berühmten Worte gefaßt: panta
kenntnisse hat sich seit Kopernikus das rhei, alles fließt.
Weltbild und mit ihm das Menschenbild Über die Das Bleibende im dynamischen Natur-
von grundauf verändert. Unverändert und Lebensgeschehen sind die Funk-
wirksam, wie seit eh und je, sind die Na- Gottesvorstellungen tionsgesetze, die den Gang der Dinge
turgesetze, die das Natur- und Lebens- bestimmen. In der Umgangssprache
geschehen bedingen. Sie sind die alles Nach den wissenschaftlichen Erkennt-
werden sie Naturgesetze genannt. Die
bewegende und ordnende Kraft. Mit ih- nissen muß das Weltall als kosmisches
Wissenschaft definiert sie als „erfah-
rer Erforschung durch die Wissenschaft Funktionssystem, das zugleich auch
rungsmäßig gegeben und empirisch im-
sind neue Autoritäten entstanden, die Ordnungs- und Antriebssystem ist (A.
mer wieder bestätigte Regelmäßigkei-
die Menschen zu beachten haben. Ihre Portmann), gedeutet werden. Die bibli-
ten des Naturgeschehens“. Die Natur-
Mißachtung ist letztlich die Ursache der sche Annahme, daß ein Gott von außer-
gesetze sind das Ewige im Zeitlichen.
maßlosen Ich-Bezogenheit und der Na- halb das Natur- und Lebensgeschehen
Durch sie offenbart sich ein ewiger
turentfremdung unserer Zeit, die von steuert, ist widersinnig, weil dadurch
Wille im Sinne einer inneren Kraft der
der hochentwickelten und verbreiteten wieder neue Funktionszusammenhänge
Welt und aller ihrer Erscheinungen.
Technik begünstigt wird. Die moderne hergestellt werden müßten. Wenn wir
Über sie bekennt der Verhaltens-
Zivilisation ist nicht nur eine Gefahr für von der Vorstellung eines kosmischen
forscher Konrad Lorenz: „So glaube
unsere Umwelt, sondern bedroht die Funktionssystems ausgehen, dann ist
ich, daß das Universum von einem ein-
Grundlagen der menschlichen Existenz, die Frage nach der Urheberschaft des
zigen Satz von untereinander wider-
wenn das moralische Verhalten und die Weltalls für die Lebensführung und Le-
spruchsfreien Naturgesetzen regiert
Erschöpfung der Rohstoffvorräte die- bensgestaltung des Menschen unerheb-
wird.“ Und von dem großen Physiker
ser Entwicklung nicht rechtzeitig Gren- lich. Aber von entscheidender Bedeu-
Max Plank stammt der Ausspruch: „Die
zen setzen. tung für das menschliche Verhalten ist
Gottheit ist wesensgleich mit der natur-
die Kenntnis, wie dieses System funk-
Das neue biologische Menschenbild ist gesetzlichen Macht.“ Für Kant ist Gott
tioniert. Das Tun und Lassen des Men-
von den Natur- und Lebensgesetzen ge- „die alles durchwaltende Strebung“.
schen als dem höchstentwickelten orga-
prägt und bedingt. Sie sind es, denen der Die Weltanschauung des römischen
nischen Funktionssystem auf Erden
Mensch seine Entstehung verdankt. Kaisers Marc Aurel kennzeichnet sein
muß im Einklang mit den bestimmen-
Vor den neuen Autoritäten der Natur- Ausspruch: „In der Welt ist ein alles
den Funktionsweisen des alles übergrei-
gesetze kann weder das jüdisch-christli- durchdringender Gott“.
fenden kosmischen Systems stehen.
che Gottbild noch das davon abgeleitete Aus der Koordinierung oder Aufeinan- 3. Gott ist überall. Das Wort Gott ist
Menschenbild bestehen. Mit den geisti- der-Abstimmung der Funktionen leiten auch das Sinnbild des Allgegenwärtigen
gen Auseinandersetzungen, die durch sich Pflichten für den Menschen ab. und des allem Innewohnenden, der
die naturwissenschaftlichen Erkennt- Immanenz, denn die Naturgesetze sind
nisse ausgelöst wurden, hat ein Wandel 1. Im dynamischen Weltbild ist das in allem wirksam. Konrad Lorenz
des Gottbildes eingesetzt, der charakte- Wort Gott das sprachliche Symbol für spricht in „Die Rückseite des Spiegels“
ristisch für die Zeitwende ist, in der wir die Funktionsweisen, die „die Welt im von den „allgegenwärtigen Naturgeset-
leben. Für diesen Wandel ist schon die Innersten“ zusammenhalten und die be- zen“.
von Goethe gestellte Frage kennzeich- wirken, „daß alles sich zum Ganzen
nend: „Was wär ein Gott, der die Welt webt, eins im andern wirkt und lebt“, die 4. Gott ist auch das Symbol für die ewi-
von außen stieße, das All am Finger lau- alles Einzelne zu einem „Unabsehlich gen Wahrheiten; da nichts absolut oder
fen ließe? Ihm ziemts, die Welt im In- Großen mit Welten über Welten und isoliert ist und das Absolute nur eine
nersten zu bewegen“. Dieser Wandel Systemen über Systemen“ fügen und philosophische Annahme ist, kann es
kommt auch in den Thesen zum Aus- die im scheinbaren Durcheinander des auch keine absolute Wahrheit geben.

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Das Streben der Philosophen aller Zei- auch kraft Amt, Stellung und Tradition che Definition des Gottesbegriffes auf-
ten nach der ewigen Wahrheit führte ausgeübt wird“. In den Natur- und Le- grund des neuen Welt- und Men-
letztlich in eine Sackgasse. Es ist eine bensgesetzen offenbart sich ein ewiges schenbildes ist notwendig, weil Gott der
der großen Leistungen von Kant, daß er Funktions- und Ordnungsprinzip, durch Bezugspunkt des religiösen und sittli-
nicht der Frage nachging, was ist Wahr- das die Allmacht oder die Macht Gottes chen Lebens ist. Sie ist aber noch aus
heit, sondern wie ist Erkenntnis mög- einsichtig und anschaulich geworden ist, einem andren Umstand notwendig. Je
lich. Während die Philosophie bis heute und deshalb Autorität und Ehrfurcht klarer und vollständiger die Abgren-
keine absolute Wahrheit gefunden hat beanspruchen kann. zung des Gottesbegriffes ist, um so
und auch künftig keine finden wird, ha- geringer ist die Möglichkeit, mit dem
Eine Darstellung und Abgrenzung der
ben die Naturwissenschaften in den Namen Gott Mißbrauch zu treiben.
Gottesvorstellungen ist nur innerhalb
zeitlos gültigen Naturgesetzen ewige
der Grenzen objektiver Erkenntnisse
Wahrheiten entdeckt. Goethe nennt sie
erlaubt. Eine so umfassend wie mögli- Matthias Haidn
deshalb die „ewigen, ehernen, großen
Gesetze, nach denen wir alle unseren
Lebenskreis vollenden müssen“.
Die Kenntnis der Naturgesetze gehört
zu den elementanten Kulturgütern der
Menschheit, auch wenn sie im überindi-
viduellen geistigen Leben und im Be-
wußtsein der Menschen noch nicht den
Platz einnehmen, der ihnen gebührt.
5. In der Sprache der Völker hat Gott
Deutxe Bauerntracten
viele Namen, in denen sich ihre Gott-
vorstellungen widerspiegeln, wie z. B. Abbild deutschen Volkstums und deutschen Volksgesichts
das „Hohe“ oder das „Heilige“ und das
„Ewige“. Nach der dem dynamischen
ie bange Nacht ist herum. Die
Weltbild gemäßen Definition des Got-
tesbegriffes kommt in der Bezeichnung
„das Hohe“ der hohe Funktionsrang
zum Ausdruck, den die Naturgesetze
D Sterne verblassen. Der rollende
Donner der Eisenbahn verhallt in
der Ferne. Der Wanderer reckt die
bei der Lebensgestaltung haben. Das Glieder und eilt der finster drohenden
selbstbezogene Denken macht blind für Bergmauer entgegen, die sich gegen den
dieses überpersönliche Geschehen. Mit Morgenhimmel vor ihm auftürmt. Noch
der Bezeichnung „das Heilige“ soll auf harrt alle Kreatur dem kommenden
den hohen Funktionswert hingewiesen Tage entgegen. Nur hier und da ein
werden, den die Naturgesetze in der Le- schüchternes Vogelzirpen, als wolle der
bensführung jedes Einzelnen und bei kleine Musikant das Instrument für das
allen ordnungspolitischen Aufgaben nahe Konzert stimmen. Aber dann
für Familie und Volk haben. schießen die feurigen Pfeile am Firma-
ment empor. Siegreich steigt das allbe-
6. Dem Begriff Gott wesens- und be- lebende Gestirn über die breite Kuppe
deutungsgleich ist das Wort Allmacht, des Kniebis herauf. Und mit einem
wenn damit die Macht verstanden wird, Schlage setzt die tausendstimmige Sym-
die dem All innewohnt und in allem phonie der gefiederten Kapelle ein.
wirksam ist. In der christlichen Theolo- Lauter rauscht die wilde Rench durch
gie wird dagegen Allmacht als eine
Eigenschaft Gottes verstanden, wo-
durch ein neuer, rein spekulativer Be-
Braut aus Probsthagen in Lindhorster Tracht
griff entstanden ist, die Allmächtigkeit. (Schaumburg-Lippe). Acht „Tressen“
Die Wortbildungen „allmächtig“ und (Goldbänder) fallen vom Kranz bis zum
„Allmächtigkeit“ haben in der Wirk- Rocksaum herab, sechs nach hinten und zwei
lichkeit des Naturgeschehens keine nach vor, alle mit kleinen Spiegeln besetzt.
Entsprechung. Es gibt im ganzen Na-
tur- und Weltgeschehen keine Erschei- ihr enges Bett. Und nicht lange mehr
nung, zu der das schmückende Beiwort währt es – dann hallen Berg und Tal von
„allmächtig“ paßt. Dem Begriff „All- Böllerschüssen wider. Im Kirchlein am
mächtigkeit“ liegt keine Erfahrung und grünen Hang springen die Pforten auf,
keine objektive Erkenntnis zugrunde. und heraus strömt das Völklein der
Allmächtigkeit ist ein rein spekulativer, Schwarzwälder Bauern, die Männer in
leerer Begriff, denn „Begriffe“ ohne den dunklen langen Röcken, aus denen
Anschauung sind leer (Kant). das feuerrote Futter hervorleuchtet, die
7. Das Wort Gott ist letztlich auch das Frauen in den malerischen Gewändern,
sprachliche Symbol für die höchste die noch aus der Urväterzeit stammen.
Autorität. Autorität bedeutet nach dem Was rührte eindringlicher an das Herz
Duden ursprünglich „Urheberschaft“. des Gegenwartsmenschen als das ehr-
Im weitesten Sinne wird als Autorität würdige Brauchtum, das der Bauer treu
„der maßgebliche Einfluß auf Men- Schwarzwaldmädchen aus dem Gutachtal in bewahrte, als die schöne bunte Tracht,
schen bezeichnet, der kraft höherer Lei- schwarzer Schleierhaube. Der buntseidene die sich gegen alle – zum Teil recht frag-
stung, überlegener Einsicht und deshalb Halsgoller ist meist mit Handstickereien verziert. würdigen – Errungenschaften der Neu-

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Bückeburger Großbäuerin in sonntäglicher Ledige wendische Patin aus Schleife und Wendische Braut aus Schleife.
Kirchentracht. Über dem reichgestickten Kinder in Sonntagstracht. Die Mieder- Sie trägt unter dem Arm die „Regenrolle“.
Schultertuch liegt ein doppelter weißer verschnürung ist kornblumenblau, das Der Kopfputz ist aus vielen Bändern in
Spitzenkragen, der ebenfalls Gold- und Schultertuch in schwarzer Kreuzstichstickerei. mühevoller Arbeit mit Nadeln
Perlenstickerei aufweist. Die „Handschen“ Die Hauben der Kinder sind statt rot weiß, weil zusammengesteckt.
(fingerlose Handschuhe) sind Perlenstickerei. kürzlich im Dorf ein kleines Kind gestorben ist.

zeit bis ins letzte Jahrhundert behaup- trachten“ (Atlantis-Verlag) und „Bild- bäuerliche Volk selbst in seiner Heimat,
tete! Zwar war schon so manches verlo- nis eines deutschen Bauernvolkes“ bei seinem alltäglichen und bei seinem
ren gegangen von dem Erbe der Jahr- (Verlag Grenze und Ausland) begei- festlichen Tun und Treiben aufzusu-
hunderte. Es fehlte ihm die liebevolle sternde Kostproben von diesem un- chen. Eindringlicher und lebensvoller
Pflege, die hier doch so sehr vonnöten schätzbaren Gut liefert. Diese – nur wirkt die liebevolle Betrachtung solcher
ist. Ein unersetzlicher Schatz deutschen noch antiquarisch erhältlichen – Bücher Werke auf den Beschauer als die teils
Volkstums, ein unübersehbarer Reich- darf man ohne Übertreibung als die schauspielerische, teils maskeraden-
tum steckt in der bäuerlichen Kultur, in schönsten ihrer Art bezeichnen und sie hafte Vorführung von Trachtengrup-
den uns überkommenen Trachten, wie jedem auf das wärmste empfehlen. Bes- pen auf den Umzügen und Faschings-
sie uns sonderlich in den abgelegenen ser als jedes Wort vermögen die in die- bällen, wo dem altehrwürdigen Brauch-
Teilen unseres Vaterlandes entgegen- sem Aufsatz veröffentlichten Aufnah- tum eine Rolle zugewiesen wird, die der
treten. men zu beweisen, wie sehr Hans Retz- Wertschätzung solcher Kultur bisweilen
Da ist es vor allem Hans Retzlaff, Berlin, laff Könner und Künstler ist. eher zum Schaden als Vorteil gereicht.
der durch seine reich illustrierten vor- Denn nicht jedermann verfügt über die Eine Zurschaustellung, die lediglich
bildlichen Werke „Deutsche Bauern- Muße und den Beinschwung, um das dem Zeitvertreib dient, gerät gar zu

Der „Herr der Hann“ Mönchguter Fischer aus Alt-Reddewitz auf Bauernkind aus Riezlern im Kleinen Walsertal.
aus Klein-Scheuern Rügen. Gestreifte, vorwiegend rote Weste aus Auch die Kinder tragen nach Art der
(Siebenbürger Sachsen). selbstgewebtem Stoff, der Brustlatz mit Erwachsenen den bis unter die Arme
Perlenstickerei verziert. hochgezogenen Faltenrock.

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Schwälmer Konfirmand aus Holzburg. Hessische Bäuerinnen aus dem Hüttenberger Junge Bäuerinnen aus Lechnitz.
Zur Konfirmation zum erstenmal der Land in ihrer kleidsamen Arbeitstracht.
langschößige kragenlose Abendmahlsrock
mit Dreimaster.

leicht in Gefahr, zu einer bloßen Belu- schnellebigen Zeit leider bereits ge- die bunte Tracht anders als der Aus-
stigung zu werden und schließlich ins schieht. druck eines Selbstgefühls und eines
Lächerliche zu entgleiten. Es ist un- Denn es läßt sich nicht leugnen, daß alle kraftvollen Gemeinschaftsgeistes! Die
schwer einzusehen, daß eine derartige Kräfte eingesetzt werden müssen, soll Tracht dient ja nicht allein zum Schutze
Entwicklung nur dazu führen kann, ei- der Rest des bäuerlichen Brauchtums des Körpers. sie ist auch – wie Dr. Misch
nem ohnehin bedrohten Kulturgut noch der alten Tracht vor dem völligen Aus- Orend angesichts des Brauchtums der
mehr Abbruch zu tun, als dies in unserer sterben gerettet werden. Denn was ist Siebenbürger Sachsen sehr schön sagt –

Schwarzwälder Bauernmädchen aus dem Glottertal. Schwäbische Bauern aus Forheim im Ries auf Kirchwacht.
Zum einfarbigen blauen oder grünen Rock glitzernde Sie schreiten mit Hellebarden durchs Dorf, wenn am Sonntag die
Seidenschürzen. Gemeine in der Kirche ist.

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Ausdruck der seelischen Haltung. Der Und es läßt sich ferner nachweisen, daß Verehrung und Schutz genießen und
Geschmack des Volkes offenbart sich es auch in vergangener Zeit ein Auf bleiben haften in der Erinnerung; ganz
darin. Nicht der Einzelmensch entschei- und Ab in der Wertschätzung dieses ähnlich den hervorragenden Gestalten
det über das Werden der Tracht, über Brauchtums gegeben hat. So ist denn der Geschichte.
ihre Form und Farbe. Das ist vielmehr die Hoffnung berechtigt, daß die bäuer- Bäume und Wälder überdauern den
Sache der Gemeinschaft in ihrer man- liche Tracht des deutschen Volkes nicht Menschen, überleben Generationen.
nigfachen Gliederung. Sie bestimmt dem Untergange geweiht ist, daß sie Das macht sie zum Bild des Starken,
darüber, was für die verschiedenen Ge- vielmehr die Kraft besitzt, den alten Be- Bleibenden, der Zuverlässigkeit und
schlechter, Alstersstufen, für das Amt, sitzstand zu behaupten und das von den steter Hoffnung: zum Inbegriff der Hei-
für das Fest zu tragen billig und recht ist. Vätern Ererbte zu neuen Formen zu mat.
Anders als das Schulmädchen kleidet entwickeln. Wir brauchen sie nicht als
sich die Braut, die Ehefrau, die Ma- Auch ist der Baum eines der großen
Reste einer aussterbenden Kultur zu
trone. Manche Tracht ist darunter, die Sinnbilder des Lebens, das uns in My-
betrachten, und wir brauchen nicht then und Märchen begegnet, in denen
sich mit den heutigen Lebensgewohn- wehmütig zu seufzen, wenn wir uns an
heiten nicht mehr vereinbaren läßt. vom „Baum des Lebens“ gesprochen
all dem Ehrwürdigen und Lieblichen er- wird. Die altgermanische Edda erzählt
Aber wer sich in das Werden dieses quicken, was uns aus den Gewändern
Kulturgutes vertieft, stellt unschwer von der Weltesche Yggdrasil, einem
der Mönchguter Fischer und der Mark- mythischen Baume, der seine Wurzeln
fest, daß es auch auf diesem Gebiete ein gräfler Winzerinnen entgegenlacht.
stetes Fortentwickeln gibt. Denn die bei den Wassern des Lebens hat, dessen
Tracht ist nichts Ausgeklügeltes, son- Stamm hinaufreicht bis an den Himmel,
dern sie entstand in Anlehnung an die Dr. Ludwig Hartmann in dem die Götter wohnen – so als Wel-
praktischen Bedürfnisse des Volkes. mit Aufnahmen von Hans Retzlaff tenachse das Göttliche mit dem Irdi-
schen verbindet – und dessen Krone den
Himmel trägt.
Noch heute gibt es Sitten und Volks-
bräuche, in denen Bäume oder Zweige
eine Rolle spielen. Wir kennen die
Übertragung als Stammbaum der Ge-
schlechterfolge: das Herkommen aus
Wurzeln, das Ausbreiten in Stämme

Baum und Wald – und Zweige … Das alte Symbol, aus


dem viele Feierleuchter entwickelt wur-
den, ähnelte alten Darstellungen der
Weltesche.

die grünen Wurzeln Den herbstlichen Baum haben die


Dichter bevorzugt zum Gegenstand ge-
wählt, um ihre Empfindungen mit sei-
nem Bilde zum Ausdruck zu bringen:
unsere+ Volke+ Betroffensein und Erinnerung, Trauer
und Hoffnung.
Wenn die Blätter fallen und nach stür-
er Baum war im Kulturbereich un- nommen und müssen es ungeschmälert mischen Tagen die Bäume kahl ihre

D serer Vorfahren nicht nur Lebens-


symbol von vorrangiger Bedeu-
tung, heute ist er ein Symbol der Mah-
weitergeben.
Man muß sich vorstellen, daß es mit
Bäumen so ist wie mit alten Häusern,
Äste recken, dann sehen wir plötzlich
manchen Baum unserer vertrauten Um-
gebung ganz neu. Jetzt schlägt den blatt-
nung gegen die gedankenlose Vernich- Höfen und Burgen. Sie haben ihr eige- losen Bäumen gleichsam die Stunde der
tung unseres Landes, und die Zer- nes geheimes Leben, ein vom Schicksal Wahrheit. Schwarz zeichnet sich das
störung der Natur zeigt, wie falsch es ist, geprägtes Gesicht. Schweigende Zeu- Verborgene der Bäume gegen den
unsere Vorfahren aus der germanischen gen aus alter Zeit, stumme Wahrer ver- Himmel ab, und jeder Baum läßt seinen
Geschichte als Barbaren zu bezeichnen. gangener Generationen, die wir ehr- besonderen Charakter erkennen in
Der Baum mahnt uns nicht nur zur fürchtig betrachten und behandeln müs- Wuchs, Verzweigung und Bewegung.
Rückkehr zu einem bescheideneren sen. Nicht nur die stolzen Parkbäume Das Unterscheiden und Erkennen der
und gesünderen Leben. Er mahnt uns, der Schlösser, Herrensitze und Burgen, vielen Arten ist ein winterliches Spiel
eindringlich unsere Politiker aufzufor- mehr noch die Bäume an Bauernhöfen von großem Reiz!
dern, energisch und ohne Verzögerung und Bürgerhäusern, aus denen wir Aber ebenso, wie sich bei der Betrach-
gegen die Verbrecher an unserer Volks- selbst auch stammen. tung der Bäume Vergleiche aufdrängen
gesundheit vorzugehen. Was nützt uns mit dem Menschenleben, nähren sie in
die schönste Wohnhalle, das großartig- „Leben wie ein Baum einzeln und frei
und brüderlich wie ein Wald, rauher, winterlicher Umwelt die Zuver-
ste Auto, wenn der Mensch dem Siech- sicht, daß zur rechten Zeit das Leben
tum entgegen geht, in der Mißachtung das ist unsere Sehnsucht“
wieder erwacht und die Freuden des
eherner Naturgesetze. lautet der alte Spruch eines Weisen. In Sommers wiederkehren.
Wie viele ideelle Werte gehen uns ver- unserem Zeitalter der „Masse“ und der
„Massenreisen“ gewinnt dieser Spruch „Wer möchte leben ohne den Trost der
loren, wenn die Ehrfurcht vor der Na- Bäume?“
tur, vor Bäumen und Wäldern abhan- neue Wahrheit.
den kommt. Kulturdenkmälern wird oft Wälder prägen das Gesicht einer Land- So schreibt Gerda Holtzberg in der
größere Sorgfalt zugewandt als den Na- schaft wie ein Volk das Gesicht seines Zeitschrift „Stern unseres Lebens“.
turdenkmälern, die doch ebenso wichtig Landes prägt. Einzelne Bäume, heraus- Unter gleichem Titel, den Worten von
für Geist und Gemüt sind. Als Erbe, als ragend durch Wuchs und Alter oder Günter Eich, hat Karl-Heinz Raach ein
kostbares Gut haben wir beide über- durch bevorzugten Standort müssen Buch herausgegeben. Höchst bemer-

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kenswert sind die darin wiedergegebe- und für uns Nachfahren zu erhalten. Be- Händen zu empfinden, über auferlegte
nen Aussprüche von Naturvölkern, so zeichnend ist, daß Tacitus, obwohl be- Leiden nicht zu klagen, doch auch die
den Indianern, an denen bekanntlich sorgt um den Bestand von Roms Welt- Freuden nicht zu verachten. Denn Wo-
der Völkermord in grausamster Weise herrschaft, mit seinem Werk „Germa- tan und Donar verurteilten Feigheit und
mit Rassenhaß verübt wurde; aus hem- nia“ dennoch keine politische Tendenz- Müßiggang, die Wurzeln aller Düsternis
mungsloser Habgier, unter Wegnahme schrift verfaßte. Es ist die besondere Pa- und Freudlosigkeit, und nahmen in
völkischen Erbes, ihres unberührten radoxie der „Germania“ und ihr ge- Walhall nur die Tätigen und Tapferen
Landes mit unendlichen Wäldern und heimster Reiz, daß Tacitus, der in für auf. Jammerlappen, die ihre Tage nur
uralten, ehrfurchtgebietenden Bäumen, das römische Reich schicksalsschweren mit Beten und lebensverneinenden Be-
für die viele Jahrhunderte dem Zeiten von dem gefährlichsten Feind trachtungen ausfüllten, waren in Wal-
„Großen Geist“ gedankt wurde. reden will, dessen Vorzüge durch un- hall verhaßt, denn man sollte von kei-
„Gottes eigenes Land“ nannte man die- vergleichliche Einfühlung und durch nem Gott verlangen, was man selbst in
sen Kontinent später, wie genugsam be- alle Kraft seiner künstlerischen Sprache die Hand nehmen konnte.
kannt. Der neue Gott aber war nicht der adelt. Diese gesunde Lebensbejahung ist trotz
„Große Geist“ der Indianer sondern Lassen wir Tacitus selbst sprechen: so vieler gezielt-verderblicher Einflüsse
der „Mammon“! „Übrigens glauben die Germanen, daß heute noch ein hervorragender Charak-
Das Raffen des Geldes um jeden Preis, es mit der Hoheit der Himmlischen un- terzug der meisten Deutschen, worin
das auch heute noch die Welt be- vereinbar sei, Götter in Wände einzu- wohl auch eine Erklärung für deren be-
herrscht, und das als „american way of schließen und sie irgendwie menschli- sondere, altüberkommene Fähigkeit
life“ von unseren Politikern zum Vor- chem Gesichtsausdruck anzunähern; sie liegt, sich aus Niederlagen wieder auf-
bild für unsere Gesellschaft – von weihen Lichtungen und Haine und ge- zurichten. Draußen in Gottes Wäldern
„Volk“ wird mit Absicht schon nicht ben die Namen von Göttern jener welt- und Fluren, uneingeengt von Mauern,
mehr gesprochen – auserkoren wurde, entrückten Macht, die sie allein im in heiligen Hainen, an heiligen Quellen,
steht im tiefsten Gegensatz zum völki- frommen Erschauern erleben.“ Dazu im Duft von Blumen und Blättern, er-
schen Bewußtsein der ausgerotteten muß man wissen, daß die Haine nach stand ihnen der Allmächtige allsichtbar
Indianer: germanischer Auffassung aus fruchttra- und gegenwärtig.
„Als die Erde mit all ihren Lebewesen genden Bäumen, Buchen und Eichen Wie es spätere deutsche Dichter ausge-
erschaffen wurde, war nicht beabsich- bestehen. drückt haben, ob es Hutten, Herder
tigt, daß nur Menschen hier leben wür- Schon aus diesen wenigen Zeilen wird oder Goethe war: „Nie ist man Gott so
den. Es war nicht beabsichtigt, daß un- deutlich, was christliche Quellen stets zu nahe, wie in der Natur. Er wohnt nicht
sere Mutter, die Erde, nur für uns dasein negieren suchten, daß unsere Vorfah- in Tempeln, er wohnt im Leben! Das ist
sollte. Wir wurden mit unseren Brüdern ren ein unmittelbares Verhältnis zum der stärkste Ausdruck, in dem wir ihn
und Schwestern in diese Welt gesetzt, Überirdischen, einen Gottesbegriff von verehren können.“
mit denen, die vier Beine haben, mit de- einem allherrschenden göttlichen We-
nen, die fliegen, und mit denen, die Goethe sagte: „Siehst du Gott nicht?
sen besaßen, neben dem wohl noch an-
schwimmen. Alle diese Lebewesen, zu- An jeder stillen Quelle, unter jedem
dere Götter bestanden, der aber noch
sammen mit den winzigsten Gräsern blühenden Baum begegnet er mir in
nicht von einem blinden, anonymen
und den größten Bäumen, bilden mit der Wärme seiner Liebe.“ Ob wir dies
Schicksalsglauben zersetzt war. Wotan
uns eine große Familie.“ (Auszug aus unter einer Linde, dem honigduftenden,
galt als Sinnbild des Himmels mit seinen
einer Rede von Tekarontakeh, Mohawk- weitschattigen Baum, mit herzförmi-
Sternen, als allwaltendes unsichtbares
Indianer) gen Blättern und goldgelben Blüten,
Wesen von höchster Vollkommenheit,
dem Lieblingsbaum der germanischen
„Weißt du, daß Bäume reden? Ja, sie re- verehrt in stillen Wäldern, heiligen Hai-
Frauen, ihrer Göttin Frigga geweiht,
den. Sie sprechen miteinander, und sie nen und unter heiligen, geweihten Bäu-
einer alten Eiche, die trotzigen Kampf
sprechen zu dir, wenn du zuhörst. Aber men. Waldesstille und Einsamkeit stim-
verkörpert, deren Blätter das Wahrzei-
die weißen Menschen hören nicht zu. men die Seelen zu Gebet und Besin-
chen des Volkes in Wehr und Waffen
Sie haben es nie der Mühe wert gefun- nung ohne götzenhafte Abbilder. So
sind, oder unter Birken empfinden, die
den, uns Indianer anzuhören, und ich blieben die Deutschen lange Zeit ein ur-
immer jung, lebensfrisch und mädchen-
fürchte, sie werden auch auf die anderen altes Waldvolk, das den Wald von Her-
haft wirken, bleibt jedem einzelnen
Stimmen in der Natur nicht hören. Ich zen liebt und schützt, der in der Seele
überlassen.
selbst habe viel von den Bäumen erfah- unseres Volkes lebt und in deutschen
ren: manchmal etwas über das Wetter, Sagen und Liedern rauscht. Noch heute, So sehr unsere Vorfahren auch der Na-
manchmal über Tiere, manchmal über nach fast zweitausend Jahren ist dieser tur verbunden waren, stets waren sie be-
den Großen Geist.“ (Tatanga Mani) Kern lebendig. reit, für Wahrung ihrer Freiheit und
Leicht muß es unseren naturverbunde- Ideale zu kämpfen. Die vielfach ver-
Ähnlich wie die Indianer dachten auch
nen Ur-Vätern und -Müttern gewesen breitete Mär von den grausamen Barba-
unsere eigenen Ahnen. Bei der Be-
sein, sich mit Gott zu unterhalten, im ren aber ist eine der vielen Geschichts-
trachtung unserer Urväter, unseres na-
sanften Windbraus, in der raunenden lügen, mit denen unser Volk zerstört
turverbundenen und beseelten Volkes
Stille unter dem hohen Licht des Som- werden soll.
sind die Berichte eines römischen Hi-
storikers am bedeutungsvollsten, weil mers, im Gewittersturm, beim Rollen „Das alte Germanien“, ein Buch von W.
er der Wahrheit in großem Maße die der Donner, beim Pirschen im Wald, bei Capelle aus dem Jahre 1928 n. übl. Ztr.,
Ehre gab; sein Name: Publius Cornelios dem Blick von lichten Höhen auf die bietet dazu sehr aufschlußreiche Darle-
Tacitus (55-117 n. üb. Ztr.). Der Histo- wunderschöne Welt, in ehrfürchtigem gungen:
riker, Politiker, Inhaber hoher Staats- Schweigen vor der Pracht und Erhaben- „Sie – die Germanen – sind ein hervor-
ämter und Schriftsteller schrieb in sei- heit der unendlichen Schöpfung, in der ragendes Volk, das vorzieht, seine Be-
nem Werk „Germania“ in 27 Kapiteln sie ihres Gottes Wirken fühlten. deutung durch Gerechtigkeit zu be-
über die Germanen, ihre Sitten und Ge- Das lehrte sie, Gott zu ehren in jedem haupten. Ohne Habgier, ohne Willkür
bräuche. Tier, in jeder Blüte und Frucht, das leben sie in Frieden für sich, brechen
Ihm gelang es, den besonderen Charak- Korn als heilig und ehrwürdig zu be- keine Kriege vom Zaun und richten
ter unseres Volkes lebendig zu machen trachten, sich bescheiden in höchsten keine Verheerungen durch Plünderun-

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gen oder Raubzüge an. Das aber ist ein fachheit war wohl das Heilandslied aus So hat der menschen-, welt- und religi-
besonderer Beweis ihrer Tüchtigkeit dem 9. Jahrhundert ein wirksames Mit- onskundige Mönch, der Verfasser des
und Kraft, daß sie ihre Überlegenheit tel, um die Seelen unseres Volkes für „Heliand“, es auch vermieden, Judas zu
nicht auf dem Wege der Gewalt errin- das Christentum zu gewinnen. erwähnen, der um dreißig Silberlinge
gen. Trotzdem haben sie die Waffen zur Jesus, seinen Herrn, verriet, was noch
Klüglich vermied es der gelernte
Hand und das Heer, wenn die Not ruft, mehr Verachtung, ja Zorn bei seinem
Mönch, den ersten Teil der eigentlichen
in Bereitschaft; eine Fülle von Männern Volk erweckt hätte.
Bibel zu berühren. Unverständlich war
und Rossen; auch im Frieden bleibt ihr Viele zeitlose Worte finden sich in dem
ihnen, wie die Söhne Jakobs ihren eige-
Ruf derselbe.“ unvergänglichen Epos „Dreizehnlin-
nen Bruder verkauften, die Mordge-
Wer weiß heute noch etwas von der er- schichte von Kain und Abel und die Le- den“ von Friedrich Wilhelm Weber
sten Bibelübersetzung in die germani- bensweise eines Königs, der sich eine (1813-1894 n. übl. Ztr.), das zur Ehre
sche, gotische Sprache? Der erste Bi- Rotte von Kebsweibern hielt. Ihnen galt und zum Gedenken an den alten Glau-
schof der Westgoten, Wulfila (gest. 383 von jeher die Ehe als heilig, die Treue zu ben, an Wodan, Donar, Frigga, verfaßt
n. übl. Ztr.) schuf damit eines der älte- brechen, sei es Eltern und Verwandten wurde.
sten Sprachdenkmäler der Germanen. oder in Kriegszeiten dem von ihnen er-
Die Bibel „Wulfila“ wurde aus dem wählten Herzog gegenüber, war Wie es Mitte des vorletzten Jahrhun-
Kloster Werden a. d. Ruhr im 30jähri- schmählicher Verrat! derts noch üblich und möglich war, hat
gen Krieg von den Schweden geraubt der Dichter von „Dreizehnlinden“ und
und befindet sich heute in einem Mu- Wie hätten sie die vielen, überaus grau- anderen, auch weiteren religiösen Dich-
seum in Stockholm. Wer diese Quelle samen Kriege mit der Ausrottung tungen es nicht unterlassen, für seinen
aufmerksam studiert, wird erkennen, ganzer Völker begreifen können, die Stamm bezeichnende, wunderbare
daß unsere Vorfahren keineswegs die das Alte Testament belegt. Aus dem Worte zu veröffentlichen:
Barbaren waren, als die sie heute darge- Buch Josua z. B. (Kap. 11 V, 14) „Und
allen Raub dieser Städte teilten die Kin- Unentwegt auf freier Hufe,
stellt werden. grundentsprossen, grundverwachsen,
der Israel unter sich; aber alle Menschen
Auch die Inhalte der „Edda“, der zen- schlugen sie mit der Schärfe des Schwer- wurzelfest wie seine Eichen
tralen Sammlung altgermanischer Sinn- tes bis sie die vertilgten, und ließen saß der edle Stamm der Sachsen.
sprüche, die uns das Weltbild unserer nichts übrig bleiben, was Odem hatte.“
Ahnen vermittelt, entging nicht der Be- Stetig bauten sie die Scholle,
Welche Abgründe hätten sich aufgetan hüteten auf brauner Heide
kehrungswut von Rom und des für Rom bei so grundverschiedenen Menschen
handelnden Ludwigs des „Frommen“. sorgsam Bien’ und Schaf und zogen
und Welten. Rind und Roß auf Trift und Weide;
Doch weiter im Norden, wohin die
frommen Krallen Roms nicht reichten, Ebensowenig wird im „Heliand“ von
Übten, wie die Väter taten,
blieb die Edda erhalten. An die 800 dem zeitlosen Tanz um das Goldene
Sprung und Wurf und Lanzenbrechen
Jahre mußten vergehen, ehe ein Kalb berichtet, vom Turm zu Babel, der
oder griffen rasch zum Eisen,
Deutscher eine allgemeinverständliche auf den tönernen Füßen des Hochmuts
Freveltat und Schimpf zu rächen;
Überarbeitung vornahm und herausgab entstand. Denn die Nachdenklichen
(Karl Simrock, 1802-1876 n. übl. Ztr.). und Klugen unter ihnen hätten gerade Brauten Met und zechten tapfer,
Drei treffliche Spruchgedichte voll Le- das auf Kaiser Karl und Ludwig den trotzten auf der Jagd den Wettern,
bensweisheit und Symbolkraft blieben Frommen beziehen können, die sie unter heil’gen mächt’gen Bäumen
erhalten: Odins Runenlied, das Hava- doch nach ihrer viele Jahrhunderte dienten sie den alten Göttern.
mal und Loddfafnirslied (Simrock 41, übernommenen, einfachen, bäuerli-
57, 61). „Schwere See stärkt die Arme un- chen Art als Gewaltherrscher und Be- Eine Gemeinschaft der Freunde Fried-
serer Ruderer, und der Sturm bringt uns trüger ansehen müssen: rich Wilhelm Webers besteht sogar zu
schneller ans Ziel.“ Was ja heißen soll, seinem ehrenden Gedenken noch
daß schwere Zeiten und Stürme das Traum und Wahn heute. In dem Geburtshaus des Dich-
Volk stärken. Ferner „Von seinem ters, zu Alhausen bei Bad Driburg,
Die stille Stunde,
Schwert gehe der Mann auch auf dem wurde ein kleines Museum eingerichtet.
leise wandelnd, wandelt alles
Felde nicht weg, keinen Fußbreit“, also Nicht nur als Dichter und Schriftsteller
stärker als die Überstarken,
die Wehrkraft darf auch den friedlichen sprach Friedrich Wilhelm Weber aus
die da dröhnen lauten Schalles.
Ackerer nie verlassen. Bäume und Wäl- dem Herzen unseres Volkes, er erwarb
der waren unseren Vorfahren heilig, Hinkt es auch, es kommt das Recht; sich auch in seinem eigentlichen Beruf
fromm verehrte Bäume durften nicht schleicht sie auch, es naht die Sünde: als Arzt und Wohltäter in weiten ländli-
verletzt werden. Waldesstille und Ein- Menschentrotz, der Turm zu Babel, chen Kreisen unvergessene Achtung.
samkeit stimmen die Seele zu Gebet wird zur mahnenden Ruine. Auch im vorletzten Jahrhundert setzte
und Besinnung. So kann man ermessen, Gut hätten unsere Vorfahren es ver- manche Rückbesinnung auf die Vor-
wie unklug und überheblich die soge- standen, ganz ihrer Art gemäß, wenn ih- und Frühgeschichte unseres Volkes ein.
nannten Missionare handelten, wenn nen verkündet worden wäre, daß der Gustav Freytag (1816-1895 n. übl. Ztr.),
sie die Axt an altehrwürdige Bäume le- Heiland die Händler aus einem Tempel in Oberschlesien geboren, schrieb die
gen ließen. vertrieben und die Tische der Geld- Romanreihe „Die Ahnen“. Aus der
Es spricht für Charakter, Gemüt und die wechsler umgeworfen hatte, obwohl sie Zeit der Christianisierung unserer Vor-
Beseeltheit unserer Urväter, wenn es kaum wissen konnten, was ein Tempel fahren läßt der Verfasser einen Missio-
dann doch einer von ihnen wagte, eine war, in dessen zusammengemauerten nar als Bekehrer sprechen:
eigene „Bibel“ zu verfassen und zu ver- Wänden die Anbetung des Allmächti- „Durch viele Jahre habe ich erfahren,
breiten. Es war das ,,Heilandslied“, die gen allein zu erfolgen hatte. Unmöglich daß die heilige Lehre nicht plötzlich
Dichtung „Heliand“, die ein Mönch un- die Vorstellung, daß sich irgendwelche Sinn und Gedanken der Männer ver-
serer Stammheimat schrieb, um die Händler oder ähnliche Typen die An- wandelt, und manches Menschenalter
„Geschichte Christi“ in Stabreimen in wesenheit von Betern unter altheiligen, muß vergehen, bevor die Christen selbst
altsächsischer Sprache dem einfachen tausendjährigen Bäumen zunutze ge- die Worte der Liebe und des Erbarmens
Volk klar zu machen. In rührender Ein- macht hätten. begreifen.“

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Begriffen wurden sie schon, die Doch ohne Rücksicht auf die alt-
Worte, aber von den Mächten überlieferte Naturreligion unse-
der Gewalt und Habsucht nicht rer Vorfahren wurde die christli-
befolgt. che Bekehrung wenn nötig auch
Gustav Freytags Darlegungen gewaltsam durchgesetzt. Noch
zur deutschen Frühzeit sind be- fünfzig Jahre nach dem Tod von
zeichnend: „Deutlicher sprechen Kaiser Karl (814 n. übl. Ztr.) ließ
unsere Götter zu uns, von ihnen Karl der Kahle, der im Vertrag
berichtet das Lied des Sängers von Verdun 843 n. übl. Ztr. das
und der Spruch der Weisen, ihre Westfränkische Reich (Frank-
Stimme höre ich im rauschenden reich) erhielt, einen Befehl an die
Baum … Wer begehrt sich ein Dienstmannen in Altsachsen,
stärkeres Zeugnis als dieses, das seine Ministerialen, aus dem der
wir alle Tage ehrfürchtig hören überwiegende Uradel stammt,
und sehen.“ Und weiter: „…Viel- ergehen, heilige Haine und
leicht wirken die Taten und Lei- Bäume zu zerstören, damit sie
den der Vorfahren noch in ganz nicht mehr zu heidnischen
anderer Weise auf unsere Ge- Zwecken mißbraucht würden.
danken und Werke ein, als wir Im gleichen Sinn wurde im Jahre
Lebenden begreifen. Aber es ist 1270 n. übl. Ztr. nach einem Edikt
eine weise Fügung der Weltord- des Reichsverwesers und Erz-
nung, daß wir nicht wissen, wie bischofs von Köln, Engelbert,
weit wir selbst das Leben vergan- gehandelt. Doch über Jahrhun-
gener Menschen fortsetzen, und derte blieben Niedersachsen und
daß wir nur zuweilen erstaunt Westfalen den Gewohnheiten
merken, wie wir in unseren Kin- ihrer urfernen Vorfahren treu.
dern weiterleben … und keiner Die alten Bräuche wurden längst
sah wie wir von dieser Höhe nicht mehr als heidnisch empfun-
hinab in die Landschaft eines den, hatten auch kaum noch ei-
großen deutschen Volkes, wel- nen Aberglauben zum Inhalt,
ches über der Arbeit ist, das Haus … Jahrtausende alt sind solche Steine, doch eine Eiche ragt hervor, sondern waren schlicht und ein-
stolz über alle Kronen Reiche reckt ihre Krone sich empor …
seines Staates zu zimmern. Was fach heimattreu. Die Pferde-
wir uns selbst gewinnen an köpfe auf den Giebeln ihrer Höfe
Freude und Leid durch eigenes Wagen gemäß zu fügen und vor fremdem Trug gehörten dazu, wie teils auch noch das
und eigene Werke, das ist doch immer zu bewahren. Sinnbild des Weltenbaumes, die Irmin-
der beste Inhalt unseres Lebens, ihn In „Dreizehnlinden“ wurde dies über- sul. Was ist nun Aberglaube? Die alten
schafft sich jeder Lebende neu. aus treffend ausgedrückt: Bräuche voller Schönheit und Natur-
Und je länger das Leben einer Nation in empfinden, oder die zahllosen, wider-
Jahrhunderten läuft, um so geringer Und der Niemalsausgesprochne, spruchsvollen Legenden von Heiligen
wird die zwingende Macht, welche er, der Älteste der Alten, aller Art, wie sie in der christlichen
durch die Taten der Ahnen auf das wird für immer aller Dinge, Kirche zu finden sind?
Schicksal des Enkels ausgeübt wird, aller Menschen liebend walten.
Wirrköpfe, ja Narren hat es auf jeder
desto stärker aber die Einwirkung des Was wir sehn, ist Haß und Hader! Seite gegeben. Noch gegen Ende des
ganzen Volkes auf den einzelnen und Vor den Fremden, unsren Schergen, vorletzten Jahrhunderts sah sich der
größer die Freiheit, mit welcher der muß sich selbst Gebet und Opfer evangelische Pastor Spiritus im westfä-
Mann sich selbst Glück und Unglück zu scheu in tiefer Nacht verbergen. lisch-bergischen Remlingrade veran-
bereiten vermag. Dies ist aber das laßt, gegen den ,.Wodansglauben“ mit
Höchste und Hoffnungsreichste in dem Börries von Münchhausen sagte: „Ich
fühl’ die Wunde heut’ noch offen, und Pferdeköpfen u. a. zu predigen.
geheimnisvollen Wirken der Volks-
kraft.“ — — heut’ noch jammert mich das alte Leid.“ Uns Deutschen wird bis heute mit allen
Genau das ist es, was wir im Gedanken Mitteln glauben gemacht, eine Besin-
Muß es nicht unseren fernsten Vorfah- an die Vorfahren empfinden, keine Ver- nung auf Geschichte, Wesensart und
ren zur Ehre gereichen, daß sie nicht so- neinung echter Religiosität, aber Zwei- Tradition sei ein schmählicher Rückfall
fort das als Teufelswerk abschwörten, fel an der Christenheit, wozu wir Heuti- in Schattenseiten der deutschen Ver-
was zahllosen Geschlechterfolgen und gen ja alle Ursache haben! Denn sie hat gangenheit, obwohl solche Erinnerung
ihnen selbst gestern noch heilig gewesen sich mit den schlimmsten Feinden und und Pflege für jedes andere Volk eine
war? Gottesleugnern verbündet, und muß Selbstverständlichkeit bedeutet, von
Wie hätten sie verstehen können, daß einer Weltmacht gehorchen, welche deren nationalem Überschwang in allen
von nun ab der im Gold-Ornat star- Natur, Sitten und Volkstum zuschanden Jahrhunderten gar nicht zu sprechen.
rende Erzbischof inmitten der von machte. Im Jahre 1820 n. übl. Ztr. gab der Göt-
Weihrauchnebeln umdunsteten Menge Was hätten unsere Uraltvorderen ge- tinger Professor Jakob Grimm (1785-
seiner Kleriker der Nachfolger ihres dacht, wenn sie gewußt hätten, daß der 1863 n. übl. Ztr.) sein weltberühmtes
Herzogs werden sollte? Ihres Herzogs „Heilige Vater in Rom, Nachfolger dreibändiges Werk „Deutsche Mytho-
Widukind, der mit seinen getreuen Christi, Stellvertreter Gottes auf Er- logie“ heraus. Das Werk ist eine uner-
Bauern in Lederkoller und Sturmhaube den“, Papst Leo III., wegen furchtbar- schöpfliche Fundgrube für Altertums-
unter manch altehrwürdigem, heiligem ster sittlicher Verfehlungen davon ge- und Sprachkunde, Volksglauben, ger-
Baum gestanden hatte, um Allvater, jagt wurde und nach Aachen zu Karl manisch-deutsche Religions- und Kul-
die allwissende, allmächtige und all- dem Sachsenschlächter flüchtete, der turgeschichte. Damit ist Jakob Grimm
schaffende Kraft, zu bitten, die Ge- ihn in Ehren aufnahm, damit dieser Schöpfer der deutschen Sprach- und Al-
schicke ihres Volkes und Landes heils- „Nachfolger Christi“ ihm willfährig sei? tertumswissenschaft. Mit seinem Bru-

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der Prof. Wilhelm Grimm (1786-1859 n. Quellen pflogen unsere Voreltern bis in unter den Sternen war der Duft der
übl. Ztr.) gab er die bekannten „Deut- das Heidentum nach althergebrachten Erde wie eine Segnung ihm zugeströmt.
schen Sagen“ und „Kinder- und Haus- Rechten im freiem Bund kräftig blühen- Jetzt kam nun dieses Ende.
märchen“ heraus. ,,Grimms Märchen“ der Sitte; ihre Herzen waren des Glau- Immer von neuem warf der Wind Gar-
gehören bis heute zum kulturellen bens an Gott und vordem an Götter ben voll Licht über den Grabenden und
Schatz unseres Volkes. voll, mit freudigen, großartigen, wenn- den aufgewühlten Boden. Doch der
Zu weit würde es führen, die wichtigsten gleich noch unvollkommenen Vorstel- Mann achtete nicht darauf. Es war ihm,
Passagen aus Grimms „Deutsche My- lungen von höheren Wesen, beseeli- als grübe er mit jedem Spatenstich ein
thologie“ zu zitieren. Lediglich aus der gend und aufrichtend, ohne jedes Stück seines Lebens hervor. Längst
Vorrede von Jakob Grimm zu eben die- dumpfbrütende Niederfallen vor Göt- Vergessenes fiel ihm wieder ein, als
sem Werk sei ein Satz in Erinnerung zen.“ hätte es, treulich bewahrt, in der Erde
gerufen: „Nach alten und jüngeren Werner Kellermann geruht, um ihm nun diese harte Stunde
zu erleichtern. Das und das und jenes.
Auch das Kleinste wurde wichtig, trug
Lächeln und Beschwichtigung in seine
Besser arm als tot trüben und bitteren Gedanken, weitete
sich allmählich zu Sinn und Erkenntnis:
Zu leben ist besser, als im Grab zu liegen;
Viel Arbeit war gewesen, viel Sorge um
ein Toter bekommt keine Kuh. Halm und Ernte, manches Glück. Dazu
Ich sah den Feuerschein im Fenster eines Reichen, über allem das Wissen tiefsten Gebun-
denseins an diesen Erdenflecken, auf
doch selbst lag er tot vor der Tür. dem die Vorfahren seit Jahrhunderten
Havamal gesessen. So daß jedes Geschehen im-
mer wieder in dem einen mündete: Hei-
mat, wie alle Ströme endlich im Meer
zur Ruhe kommen. Vor der Fülle der
Gesichte vergaß der Mann die Men-
schen, die ihm voll Spott zusahen oder
ihn mit Fluch und Kolbenstoß zur Eile
trieben. Ja, selbst das Furchtbare, dem
ihn jeder Spatenstich unwiderruflich
Erde näher brachte, verlor den Schrecken. Er
lebte in diesen Minuten so glühend, so
völlig hingegeben an die Heimat, daß al-
Eine Geschichte aus vergangenen Tagen les andere davor verblaßte.
Die innere Schau führte ihn aus Man-
engend und mordend waren die ihn wieder und wieder beglückt eingeat-

S
nes- und Jugendtagen zurück bis zu dem
Rotgardisten von einem der met, wenn er über die Äcker ritt: Des ersten starken Erleben der Kindheit: Da
großen baltischen Herrensitze Morgens, noch ehe die Sonne aufging, hatte er mit dem Vater vor frischge-
zum anderen gezogen. Nun kamen sie wenn die Lerchen schon hoch in der pflügten Ackerbreiten gestanden. Es
auch dem dem Gut zwischen Birken- farblosen Klarheit des Himmels tirilier- sah aus, als ob weiter fort die Pflügen-
wäldern und Seen. Es beschwichtigte sie ten; des Mittags, wenn aus der Unend- den mit den Gespannen geradewegs in
nicht, daß jener, der hier lebte, keiner lichkeit der Wälder langsam das Däm- das Feuer der untergehenden Sonne
vom alten Adel war – daß er ein Herr, mern hervorkroch, und auch des Nachts hineingingen; das Kind meinte, gleich
ein Besitzender sei, genügte, um ihn ab-
zutun. Sie trieben ihn wie ein Stück Vieh
aus dem Hause, auf den Acker. Vor der
Parkmauer, über welche die Bäume sich
rauschend neigten, zwangen sie ihn, sein
eigenes Grab zu graben. – Er war noch
nicht alt und hätte wohl noch eine an-
sehnliche Reihe von Jahren vor sich ge-
habt, wenn er ins Ausland geflüchtet
wäre. Doch er hatte nur die Frau und
den jungen Sohn fortgeschickt, ihn
selbst hielt die Heimat fest. Nun mußte
er seine Treue mit dem Leben bezahlen.
Der Tag war voll Sonne und Wind.
Durch die Wipfel der Bäume flirrte das
Licht. Wenn der Wind die Äste bog und
das Laub durcheinander schüttelte, daß
es raschelte, malte es helle, hüpfende
Lichter auf den Boden. Das sah sehr
fröhlich aus.
Als der Mann den Spaten in die Erde
stieß und die erste Scholle aushob,
strömte ihm der Erdgeruch herbe und
fruchtbar zugleich entgegen. So hatte er Heimaterde. Radierung von A. Eckener.

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müsse die Glut flammend über ihnen Auf den Spaten gestützt, sah er sich um, den zunehmenden Jahren immer feiner,
zusammenschlagen. Bis sie sich fern an lächelnd fast und ein wenig nachdenk- durchgeistigter, klüger wird. Und es gibt
der Grenze des Ackers wandten und lich. Und wieder vergaß er die Men- Frauen, die in der Jugend durchaus
wieder zurückschritten, mit jedem schen, die gehässig bereit waren, ihn keine Schönheit waren, jetzt aber mit
Schritt größer und dunkler wurden. So ohne Recht und Gesetz zu töten. Denn den ergrauten Haaren, dem frischen,
ging das im gleichen Rhythmus Furche vor diese drängten sich für seinen nach von Runzeln kaum berührten Gesicht
auf, Furche ab. Flatternd und pickend innen gerichteten Blick jene, aus deren und dem milde geklärten Ausdruck auf
folgten die Vögel. Wesen und Sein er nach ewig gültigen ihm geradezu hübsch wirken. Und
Gesetzen geworden war. selbst wenn sie Runzeln und Falten ha-
Als die Sonne glühend unter den Hori- ben, so tun sie der Anmut ihres Wesens
zont sank, hatte der Vater sich zum Einen Herzschlag lang stand er Auge in
Auge mit ihnen. Dann verblaßte ihr und ihrer Erscheinung keinen Abbruch.
Acker niedergebeugt und einen Klum-
pen Erde aufgehoben. Seine Finger hat- Bild, als sänken sie zwischen die Schol- Niemand, und gäbe er sich noch so viel
ten sich fest um die braune Krume zu- len, denen sie einst gedient. Einen Herz- Mühe, kann gegen die Natur an. So-
sammengeschlossen, als hielten sie eine schlag lang wähnte der Mann, noch ei- lange man ihr freie Gestaltung läßt, ist
große Kostbarkeit. Er sagte nichts da- nen Jungen über das Feld in den hellen sie schön und anziehend. Will man ihr
bei, und das Kind fragte nicht, warum er Morgen hineinwandern zu sehen – war Gewalt antun, so wird sie widerspenstig
dies tue. Es sah ihm nur zu, wie er nun das nicht sein Sohn? Dann verschwand und aufsässig.
mit stillen Augen über das Land blickte. auch der im flimmernden Sonnen-
Der kleine Junge spürte ein erstes Ah- schein. Nichts mehr war als der weite, Deshalb heißt es: mit Bewußtsein und
nen von dem, was Heimat ist. — — fruchtbare Acker, dem des Mannes Le- Freude jung sein. Mit Würde und
bensarbeit gegolten hatte. Anmut alt werden.
Der Grabende vermeinte, noch einmal Da warf er den Spaten weit von sich. Er
mit dem Vater am Rande des Ackers zu Und schließlich besitzt jedes Alter, auch
hob einen Brocken der braunen Erde dafür hat die Natur in ihrer Weisheit
stehen. Doch neben ihnen waren nun aus der Grube, und seine Finger schlos-
noch andere: die Ahnen. Keiner fehlte, schon gesorgt, die ihm eigene Schöne.
sen sich darum zusammen, wie um eine
sie waren alle da bis hin zu dem, der sich große Kostbarkeit. Hochaufgerichtet Ein jugendlicher Kämpfer ist etwas
einstmals hier angesiedelt. Wie nun der und ohne Zagen stand er vor seinen Natürliches und deshalb Schönes, auch
Mann aus den Erinnerungen seines ei- Feinden. wenn er einmal uneins mit sich selber
genen Lebens fort sich in das Erinnern ist.
an die Vorfahren verlor, fand er sich, Krachend zerrissen einige scharfe
wunderbar deutlich, in ihnen allen wie- Schüsse den stillen Morgen. Und die Des Alters Schöne und sein Eigenes
der, in Blut und Fühlen, Denken und Erde nahm den Stürzenden auf wie eine aber ist die Ruhe und Geborgenheit, die
Handeln. Aus solcher Gemeinsamkeit gute Mutter. Abgeklärtheit und das Einssein mit sich
erwuchs ihm eine große Ruhe. Zoe Droysen selber. Die Tätigkeit des Alters ist das
Sammeln von Früchten und still inner-
liche Vorbereitung auf neue Saat und
neue Ernte. Dann ist man auch im Alter
jung.
Deshalb keine Furcht vor dem Alter
und dem Alterscheinen. Deshalb die
Nur nict alt werden! letzte der Lebensweisheiten gelernt und
vielleicht die größte: Mit Würde und mit
Anmut alt werden!

A lt werden möchten viele, alt sein


will keiner. Es gibt heute kaum
noch ein Altsein, zum mindesten
ist es unmodern geworden. In früheren
nicht, er posierte nicht in Jugendlich-
keit, trug seine Jahre nicht wie eine Last.
Trug sie mit freundlicher Würde. Ge-
rade dadurch wirkte er angenehm. Et-
Artur Brausewetter

Zeiten umspielte den Begriff des alten was Wohltuendes, Beruhigendes ging
Herrn oder der alten Dame etwas Woh- von ihm aus, teilte sich harmonisch mit.
liges, Behagliches, Würdiges. Heute
sucht jeder auf seine Weise das Alt-
Dann war es auf einer Gesellschaft.
Eine Dame mit wundervoll schwarz und
Stetigkeit,
erscheinen zu verhindern, nimmt sein
Tränklein dagegen wie der alternde
weiß gewelltem Haar und einem Ge-
sicht darunter, das ohne Puder und
fe# in der Treue,
Faust. Man turnt, schwimmt, reitet,
treibt allerlei Sport zu Wasser und zu
Farbe in weichrosigen Zügen leuchtete,
war meine Nachbarin. Man hatte mir er-
gleicwohl ohne Reue,
Lande, sich schlank zu erhalten. Denn
das ist die Hauptsache. Der Schlanke
zählt, daß sie vor einigen Tagen zum
dritten Male Großmutter geworden
gibt Sicerheit
hat vor dem Korpulenten einige Jahre
voraus.
war. Ich rührte nicht daran. Sie war es,
die mit Stolz und heller Freude von
und eine frohe Natur,
Aber schließlich hilft alles nicht. Einmal
muß man doch mit der Jugendlichkeit
ihren Enkeln erzählte. klar und pur,
Beide zeigten mir, daß die Kunst des Le-
aufhören und an sein Alter glauben. bens nicht darin bestehe, sein Alter auf läßt redlic #reben
Deshalb gibt es eine größere Kunst als jede erdenkliche Weise aufzuhalten, zu
die: sich und andere um jeden Preis über verleugnen, zu verstecken. Sondern in für neue+ Leben.
sein Alter hinwegtäuschen zu wollen. etwas anderem: mit Würde und mit An-
Irgendwo traf ich einen alten Herrn. Er mut alt zu werden.
Wilhelm van Zütphen
machte es nicht wie die anderen. Er ver- Es gibt Männer, die immer anziehender
leugnete und verheimlichte sein Alter werden, ja, deren Gesichtsausdruck mit

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genannten, durchweg mißverstandenen


Unseren Kindern Heiligennamen waren unter ihresglei-
chen noch verhältnismäßig schlichte.
1720 n. übl. Ztr. nannte ein Merseburger

germanixe Namen Geistlicher seinen Sohn Quod-deus-


vult – in Anlehnung an den 444 n. übl.
Ztr. verstorbenen Karthagischen Bi-
schof Quodvultdeus. Ferner gab es
Deogratias, Homobonus und Homodei,

J eder Name kann ein Bekenntnis


sein – der Familienname wie der
Vorname.
sten besten Namen gegeben werden,
sondern die Namen von heiligen Män-
nern, die durch Tugend hervorragten
und mit Zuversicht vor Gott auftreten
Prinzipius, Prozessus, Projektus, Qua-
dratus, Primitivus und Zotikus.
In manchen katholischen Gegenden ist
Wohl kein anderes Volk ist so reich an
konnten“. Im 13. Jahrhundert n. übl. es heute noch üblich, daß nicht die Kin-
schönen, ehrwürdigen, auch absonder-
Ztr. waren undeutsche Vornamen noch deseltern, sondern der Pfarrer den Na-
lichen Familiennamen wie das deutsche
ausgesuchte Seltenheiten. Einen der men bestimmt und dann einfach einen
Volk. Demgegenüber haben viele Ju-
beliebig zu vermehrenden Beweise x-beliebigen Heiligen aus dem Kalen-
den ihre eigenen Namen verändert, z.B.
hierfür bringt Prof. Brechenmacher in der aussucht. Dann läuft ein also Ge-
Chaim Bückeburg – Heinrich Heine,
„Deutsches Namenbuch“ (Stuttgart taufter zeitlebens herum als Cyriakus,
Löb Baruch – Ludwig Börne, Feist
1928): „Für die Stadt Rottweil, deren Corbinian, Remigius, Marzellus, Lau-
Wolfsohn-Lasal – Ferdinand Lassal,
Urkundenmaterial ich durchgearbeitet rentius, Januarius, Hieronymus, Am-
Isidor Witkowski – Maximilian Harden,
habe, liegt die Sache so, daß im ganzen brosius, Bartholomäus, Blasius oder
Salomon Kosmanowski – Kurt Eisner.
13. Jahrhundert nur 4 fremde Taufna- Balthasar (Bal schütze sein Leben!). Ob
Aber nicht nur sie haben veränderte
men vorkommen, nämlich um 1200 ein man nun Cyprian (d. h. in Cypern be-
Namengebung.
Nikolaus, 1278 ein Johann (Kleriker!), heimatet) oder Johannes (älteste he-
Drückt sich in einer Namenmode die 1297 eine Katharina, 1298 ein Jacob.“ bräische Form: Jehochanan = Jehova ist
Verehrung überragender Persönlich- Noch der berühmte bayrische Ge- gnädig) heißt: für einen deutschen Men-
keiten aus, die für Volk und Vaterland schichtsschreiber Thurmair (1477–1534 schen ist der eine Name so unsinnig wie
bleibende Werte geschaffen haben, so n. übl. Ztr.) schrieb: „Diese Namen Pe- der andere. Bedenkt man, daß an eini-
wird niemand etwas dagegen einzuwen- ter, Georg, Paul, Hans, Anna, Katha- gen Orten bis zu 80 v. H. aller männli-
den haben, falls es nicht dazu führt, daß rina, Margaretha, … seynd bey den chen Einwohner auf den Namen Johan-
ganze Generationen fast nur noch einen Teutschen neuwe; es haben sie unsere nes mit seinen vielen Abweichungen
solchen Namen bekommen, und wenn Vorfahren nicht gebraucht …“ Sie seien und Kürzungen (Hans, Jan usw.) ge-
nicht versucht wird, einen Sippennamen erst in Aufnahme gekommen „durch tauft wurden, anderenorts ebenso unbe-
unpassenderweise in einen Vornamen Anrichten der römischen Geistlichkeit, denklich der Name Joseph erteilt
umzubauen. „Hindenburgia“ ist eine durch welcher List die Christen noch wurde, dann ermißt man erst so recht,
solche Abirrung. Als ein begeisterter heutigentags uneins sind“. Wie wenig wie verarmend klerikaler Einfluß auf
Anhänger Bismarcks – wenn ich nicht Verständnis das Volk den neuen Na- die deutsche Namengebung gewirkt
irre, hieß er Labedank – den eisernen men entgegenbrachte, zeigen die merk- hat.
Kanzler um die Genehmigung bat, sei- würdigen, ja geradezu humoristischen Von tausenden deutscher oder über-
nen Sohn Bismarck nennen zu dürfen, Abwandlungen, die sie im Volksmund haupt germanischer Namen ist nur eine
antwortete ihm dieser, er fühle sich durchmachen mußten, wie viele heutige ganz geringe Zahl in Gebrauch behalten
durch den Antrag hochgeehrt, und (Familien-) Namen noch bezeugen. Aus worden – und vielfach nur deshalb, weil
wenn ihm gütiges Geschick in seinem Eustachius wurde Stachel, aus Christian Träger solcher Namen Kirchenheilige
hohen Alter noch einen Sohn bescheren Kirsten, ja Kirchstein; Pankratius oder weltliche Herrscher waren. Beson-
würde, so wolle er nicht verfehlen, ihm (Pankraz) wurde Baumgartz gerufen ders unter pietistischem (in England pu-
den Namen Labedank zu geben. Der und sogar zum „Bankrat“ ernannt. Am- ritanischem) Einfluß sind ungefähr alle
Spott war am Platze und um so mehr an- brosius nannte man Brosche, Cornelius alttestamentarischen Judennamen als
gebracht, als es tatsächlich eine kaum Nelke oder Kees. Aus Martinus machte „deutsche“ bzw. „englische“ Namen
auszuschöpfende Fülle guter deutscher man Martel, Mörtel oder sogar Mörder. „volkstümlich“ gemacht worden. Deut-
Namen gibt. Die Durchsicht eines ein- Heutige Nachkommen eines Hühner- sche Menschen nannten und nennen
schlägigen Namenbuches überzeugt un- martel heißen Hühnermörder. Die sich noch
bedingt. Trotzdem werden die meisten Namen wurden, weil das Volk ihnen
Abel – hebräisch: Hauch, Vergänglich-
stets nur eine recht geringe Zahl von völlig verständnislos gegenüberstand,
keit.
Vornamen im Gedächtnis haben. Das einfach „verquatscht“ oder lautnachah-
mend in einen landläufigen Sinn hinein- Adam – hebr.: Erdentsprossener,
liegt wesentlich daran, daß Jahrhun-
geschoben, der mit ihrer ursprünglichen Mensch. Assyrisch: Kl. Kind.
derte hindurch Männer der Kirche im
Mißverstehen ihrer eigentlichen Aufga- Bedeutung nicht das geringste gemein- Anna – hebr.: Gnade oder Gnädige.
ben ein Übermaß an Sorgfalt und Mühe sam hat. Dieses Schicksal erfuhren auch Wird meist hiervon abgeleitet, nicht
darauf verwendeten, alle Erinnerungen Namen, die man aus Vornehmheit und aber vom altdeutschen Anno (männl.).
an die „heidnische“ germanische Ver- Bildungsstolz meist sehr gewalttätig ins Daniel – hebr.: Mein Richter ist Gott.
gangenheit auszutilgen. Das läßt sich Lateinische übersetzte. Ein Herr Blei David – hebr.: Geliebter, Liebling.
noch durch genaue Belege erhärten. oder Bley (vielleicht so genannt nach Elisabeth – hebr.: Mein Gott war (bei
Der Reichtum an germanischen (deut- dem gleichnamigen Fisch) übersetzte der Geburt dieses Kindes) ein Un-
schen) Vornamen wurde allmählich er- sich in lat. Plumbum – das Blei. Seine glücksgott. – in der Bedeutung also
setzt durch eine bei weitem mindere weniger „gebildeten“ niederdeutschen ein sehr unschöner Name: Die Toch-
Zahl biblischer Namen oder solcher von Nachbarn aber machten daraus Plu- ter war nicht erwünscht. – Else und
Heiligen, unter denen nur eine recht menbom, und daraus ward Pflaumen- Ilse kommen als Kurzformen von E.
schwache Zahl deutscher Namensträger baum. So wandelte sich ein Süßwasser- vor, sind aber sonst deutsche Namen.
vertreten ist. Nach dem Hl. Chrysosto- fisch über ein Schwermetall zum Stein- Eva – hebr.: Die Lebenspendende.
mus „sollten den Kindern nicht die er- obst. Doch das nur nebenbei. Die eben Gabriel – hebr.: Mann Gottes.

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Hulda – hebr.: Chulda, Name einer alt- sollende Kennzeichnung. – Wer sich nischer Prägung mit der Bedeutung
test. Prophetin, 2. Kön. 22,14 = Wie- einen Einblick in den ungeheuren klein, gering. Diesen Namen erging es
sel. Aber auch Hulda – althoch- Reichtum an deutschen und germani- wie Johannes: sie wurden, wenn man so
deutsch: Holde. schen Vornamen verschafft hat, der will, „eingedeutscht“. Von Georg gibt
Jakob – hebr.: Hagab – er betrügt. weiß: Zu jedem Familiennamen findet es die geradezu urdeutsch anmutenden
Joachim – hebr.: Jehojakhin – von sich unbedingt ein sowohl im Sinne wie Formen Jörg, Jörn, Jürn, Jürgen. Das
Jahwe geschaffen. auch im Klang passender Vorname. Auf ändert aber nichts an der Tatsache, daß
Johannes, Johanna – hebr.: Jahwe alle fremden, undeutschen Namen kann seine Herkunft nichtdeutsch ist.
chanan – Jehova ist gnädig. ohne jede Schwierigkeit verzichtet wer- Auch diese Namen aus dem Griechi-
Joseph, Josephine – hebr.: er vermehre. den. schen, Lateinischen usw., wie sie zum
Judith – hebr.: Aus Jehuda. Vor der Namengebung ziehe man unbe- Teil schon oben unter den Heiligenna-
Kaspar – persisch: Schatzmeister. dingt Namenbücher zu Rate, in denen men aufgeführt wurden, werden mit der
Magdalena – hebr.: Aus Magdala. die Herkunft und Bedeutung von Vor- Zeit rein deutschen Namen weichen.
Maria, Mirjam – hebr.: Wird verschie- namen erläutert wird. (Unsere Gefähr- Wir jedenfalls wollen und sollen stets
den gedeutet: Die Trotzige, Wider- ten Jacques Vasseur und Birka Verbeke daran festhalten: Unsere Kinder, die
spenstige. Auch die Wohlbeleibte, haben solche herausgebracht.) Ein deutsch und nordisch geboren sind, sol-
Dicke. Letztere Deutung steht in Ein- Vater stimmte mir einmal zu, daß wir len auch einen Namen tragen, der der
klang mit dem orientalischen Schön- undeutsche Namen zu vermeiden hät- Würde ihres Blutes entspricht. – Es gibt
heitsideal der dicken Frau. Vor allem ten, und meinte mit Stolz: Seine Jungen keinen unserem Wesen gerecht wer-
bei den Ostjuden gilt die fette Jüdin hätten schöne deutsche Namen: Georg denden Grund, ihnen fremde Namen zu
als schön. und Paul. geben, wohl aber viele Gründe dagegen.
Martha – aram.: Herrin. Ich mußte ihn enttäuschen: Georg Alle Gründe sprechen für die Forde-
Matthias – aram.: Geschenk Gottes. kommt aus dem Griechischen und hat rung: unseren Kindern germanische Na-
Michael – hebr.: Wer ist gleich Gott? – die schöne und stolze Bedeutung Bauer. men!
Die Form „Michel“ ist geschickt an Paulus ist ein altchristlicher Name latei- Rolf L. Fahrenkrog
das altdeutsche michel = groß, stark
angelehnt.
Peter, Petrus – griechisch: Der Fels.
Übersetzung des hebr. Kephas.
Ruth – hebr.: Erquickung, Freund- Filmbesprecung
Buchbesprechungen
schaft.
Hier konnte nur eine ganz geringe Aus-
wahl der auch von Nichtjuden am häu- Das kalte Herz
figsten gebrauchten alttestamentari- Der arme Köhler Peter Munk will das
schen Namen wiedergegeben werden. Herz der Tanzbodenkönigin Lisbeth ge-
Namen schöneren Sinnes haben wir winnen. Das Glasmännlein erfüllt ihm
auch im Deutschen. Also: Warum wählt zwei Wünsche. Die Hochzeit wird vor-
man dann nicht den deutschen oder bereitet, plötzlich ist kein Geld mehr in
einen germanischen Namen? Unsere der Tasche. Peter wendet sich an den
Kinder haben ein natürliches Recht
Riesen Holländer-Michel, verpfändet
darauf, deutsch-germanische Namen zu
sein Herz, macht mit Holz gute Ge-
führen.
schäfte. Reich aber herzlos heiratet er
Nun sagen manche: Die Bedeutung, die Lisbeth, erschlägt sie im Streit, will sein
einem Namen ursprünglich zu eigen ist, Herz zurück, überlistet mit dem Glas-
passe später oft gar nicht mehr zum Trä- männlein den Holländer-Michel. Das
ger dieses Namens; damit werde aber Glasmännlein erfüllt den dritten
die Bedeutung an sich belanglos, und Wunsch: Alles ist ausgelöscht. Lisbeth
nur noch der Wohlklang sei entschei- verzeiht Peter.
dend, die Harmonie des Vornamens mit
dem Familiennamen. – Darauf ist zu er- VideoWoche:
widern: Selbst wenn der Sinn eines Na- Der erste Märchenfilm und der erste sene! Kein Wunder bei der hervorra-
mens an sich gleichgültig geworden Farbfilm der DEFA entstand 1950 n. genden Kameraführung vom Kolberg-
wäre, dann ist das noch lange kein trifti- übl. Ztr. nach dem Kunstmärchen von Kameramann Bruno Mondi. Neben
ger Grund, den guten deutschen Namen Wilhelm Hauff und thematisiert Liebe Rübezahl (ebenfalls eine frühe DEFA-
durch einen orientalischen Fremdling und Arbeit als Werte des Lebens. Der Produktion) gehört er zu den besten
zu verdrängen. Gewiß soll das Gefüge populäre Staatsschauspieler Erwin Ge- Defa-Märchen-Produktionen, die auch
von Vor- und Nachnamen wohlklin- schonnek als grausam-törichter Hollän- beide erzieherisch von hohem Wert
gend sein. Das kann aber für uns nur der-Michel und Paul Bildt als Glas- sind. Man merkt sofort, in welcher Zeit
heißen: Der deutsche Name soll echten männlein verkörpern das Düster-Be- die Produzenten dieser Filme ihr Hand-
deutschen Klang haben! Hinzu kommt, drohliche bzw. das moralische Gewis- werk gelernt haben.
daß der Vorname durchaus nicht immer sen der Märchenwelt, die optisch opu-
sagen will, daß z. B. Adelher oder Im Handel ist die DVD (Laufzeit: 101
lent aufbereitet ist. Die Kamera führte Min.) zusammen mit einem ebenfalls in
Adolar ein durch Adel hervorragender Bruno Mondi, der erste Erfahrungen
(edler) Krieger sei, sondern daß er ein der ehemaligen DDR 1985 n. übl. Ztr.
mit Farbe bei „Kolberg“ gemacht hatte. produzierten Hörspiel (mindestens
solcher sein möge. In der Erteilung eines
Namens liegt (oder soll liegen) vielmehr * ebenso spannend wie der Film) auf ei-
ein Wunsch oder Segen, der dem jungen Ein wirklich anspruchsvoller, spannen- ner CD (Laufzeit: 58 Min.) erhältlich.
Menschenkind mit auf den Weg gege- der und gruseliger Märchenfilm für Verlag: Icestorm Entertainment GmbH
ben wird, als eine unumstößlich gelten (nicht allzu kleine) Kinder und Erwach- www.icestorm.de J. M.

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keineswegs nur als Aufnehmende ge-


genüberstanden, sondern daß sie sie
Unseren jungen Gefährten sich tätig zu eigen machten und ihr eine
eigene Form verliehen. Das bezeugen
uns die Funde aus jener Zeit und aus je-
nen Gegenden immer wieder, ob es sich
nun um Bauwerke, um Bildwerke oder
um Gegenstände des täglichen Ge-
Au+ Deutxland+ brauchs handelt. Wo ursprünglich römi-
sche Formen übernommen wurden, er-
fahren sie eine bezeichnende Abwand-

Vor- und Frühzeit: lung, werden mit germanischem Geist


durchsetzt (siehe auch NZ 2/07, S. 43!).

Volk ohne Raum Die Völkerwanderung


Diese zwei Jahrhundert eines unge-
Teil 4 fähren Gleichgewichts zwischen Rö-
mern und Germanen bedeuten nun
Germanen und Römer wir nicht vergessen, daß Germanen im aber nicht, daß die beiden Völker, die
besetzten Gebiet der römischen Kultur sich hier gegenüberstanden, in einer
Wollen wir einen Überblick über die und Zivilisation keineswegs untätig, ähnlichen geschichtlichen Lage gewe-
Lage am Ende des Zeitraumes gewin-
nen, den wir hier dargestellt haben, so
können wir sagen, daß sich um diese
Zeit Römer und Germanen die Waage
hielten. Dieser Zustand währte knapp
zwei Jahrhunderte. Rhein und Donau
waren die natürlichen Grenzen. Der
einspringende Winkel zwischen den
beiden Strömen wurde durch den Limes
überbrückt, eine gewaltige künstliche
Grenze Roms gegen Germanien. Er
hatte den Zweck, das in Süddeutschland
noch besetzte Gebiet zu sichern
(Abb. 19).
Die Karte (Abb. 18) zeigt uns die dama-
lige Lage. Der dunkler gehaltene Teil ist
von den Römern besetzt. Die Linie von
Regina Castra (jetzt Regensburg) bis
Confluentes (jetzt Koblenz) deuten den
Verlauf des Limes an. Die Germanen
und Kelten links des Niederrheines,
südwestlich des Limes und südlich der
Donau lebten unter römischer Herr-
schaft. Im Gegensatz zu den Galliern,
den Ureinwohnern Frankreichs, die
völlig im Römertum aufgegangen wa-
ren, bewahrten die Germanen ihr eige-
nes Volkstum unversehrt auch über die
Jahre der römischen Besetzung hinaus.
Und nicht nur das! Gerade in dieser Zeit
begannen die Germanen das Römer-
reich friedlich zu durchdringen. Schon
Cäsar hatte germanische Stämme als
Hilfstruppen verwendet; seitdem hatte
man dieses Verfahren immer weiter
ausgebaut. Schließlich nahm man auch
freie Germanen unmittelbar als ein-
zelne in das Heer auf. Viele von ihnen
wurden Offiziere, manche erreichten
die höchsten Stellen. Selbst in der Ver-
waltung und sogar am kaiserlichen Hofe
sah man jetzt Germanen. Mehr und
mehr wurden sie nun auch als Ansiedler
in den Verband des römischen Reiches
aufgenommen, ganze Stämme erhielten
als „Verbündete“ Wohnsitze an den
Grenzen angewiesen. Endlich dürfen Abb. 18: Germanien zur Römerzeit.

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Franken, noch später und noch weiter


nördlich die Sachsen. Offenbar handelt
es sich hier um neu entstandene größere
Einheiten, also Zusammenschlüsse von
kleineren Stämmen. Wie diese Eini-
gung vor sich gegangen ist, wissen wir
nicht, aber an der Tatsache ist nicht zu
zweifeln.
Das ist also die Lage: Zerfall und Auflö-
sung in Rom, Zusammenschluß und Er-
starkung bei den Germanen. Der Tag
mußte kommen, an dem die Germanen
die Grenze überschritten und sich den
Abb. 19: Der obergermanische Grenzwall (Limes). Weg ins römische Reich bahnten. Wir
sprachen früher schon von der Landnot,
sen wären. Ganz im Gegenteil! Wenn 3. Jahrhundert n. übl. Ztr., tritt hier eine die – rund ein Jahrtausend vor dem
wir verstehen wollen, wie der Um- Änderung ein, wir hören auf einmal Na- Zeitpunkt, an dem wir jetzt halten –
schwung zustande kam, der dieses men, die uns bisher noch nicht begegnet einen Druck auf die Bevölkerung des
Gleichgewicht zerstörte und der den sind. So treten etwa zu Beginn des Jahr- Nord- und Ostraumes ausübte. Damals
Germanen die Oberhand gab, so müs- hunderts im Südwesten Germaniens die waren es die Kelten und die Illyrer ge-
sen wir uns klarmachen, wie es damals Alemannen auf, später im Norden die wesen, gegen die sich der Andrang der
in Rom und wie es in Germanien aus-
sah. Rom hatte seine weltgeschichtliche
Sendung erfüllt. Die große Zeit der
Ausbreitung des Reiches war vorüber,
überall war der Vormarsch der römi-
schen Heere zum Stillstand gekommen,
mehr und mehr begnügte man sich da-
mit, das Eroberte zu halten und zu ver-
teidigen. Die äußere Macht und Größe
des Reiches waren auf dem Gipfelpunkt
angelangt, im Innern aber wurde schon
der kommende Zusammenbruch er-
kennbar. Wir sind in der Zeit der Solda-
tenkaiser, in der die kaiserlichen Garde,
die Prätorianer, sich häufig das Recht
anmaßte, die Kaiser einzusetzen und
abzusetzen, was gewöhnlich mit ihrer
Ermordung gleichbedeutend war. Mit-
unter kam es auch vor, daß eine Legion
in irgendeiner Provinz einen Gegenkai-
ser ausrief. Schwere Bürgerkriege wa-
ren dann die Folge. Die Unzufrieden-
heit im Innern des Reiches nahm zu, an
Stelle einer gerechten Regierung war
die brutale Gewalt, die sinnlose Wilkür
eingetreten.*
Abb. 20: Beginn der Völkerwanderung.
Ganz anders in Germanien! Dort
herrschte die gerade entgegengesetzte
Strömung. Es ist eine auffallende Tatsa-
che, daß uns aus den vergangenen Jahr-
hunderten die Namen zahlreicher klei-
ner Stämme überliefert sind (so noch
von Cäsar), die den Raum des heutigen
Deutschlands bewohnten. Jetzt aber, im

* Die Zerrüttung des römischen Reiches begann im


3. Jahrhundert n. übl. Ztr. Unter Konstantin wurde das
Reich nochmals vereinigt, aber der Verfall war nicht
aufzuhalten. 395 n. übl. Ztr.) wurde das Reich unter
die beiden Söhne des Kaisers Theodosius geteilt.
Honorius erhielt Westrom mit Ravenna als Haupt-
stadt, Arkadius Ostrom mit Byzanz (Konstantinopel).
Der Schwerpunkt lag in Byzanz. In Westrom begann
nun die Reihe bedeutungsloser Kaiser, die meistens
von germanischen Heerführern ein- und abgesetzt
wurden. Zuletzt entthronte (476 n. übl. Ztr.) der ger-
manische Heerkönig Odowakar, der Nachkomme
eines Skytenfürsten, den letzten Kaiser Romulus
Augustulus. damit hatte das weströmische Reich sein
Ende erreicht. Das oströmische Reich (Byzanz) be-
stand bis 1453 n. übl. Ztr. Abb. 21: Goten am Schwarzen Meer.

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Ztr. hatten sie ihren ersten Wohnsitz


zwischen Oder und Weichsel verlassen
(Bild 22) und waren weiter landeinwärts
gezogen, in die Mark Brandenburg und
die Niederlausitz, wo sie einige Zeit
blieben. Ein Teil von ihnen zog dann
zum Schwarzen Meer, wo er im Kampf
mit den Ostgoten unterging. Der
größere Teil aber zog um 250 n. übl. Ztr.
nach Westen, kam nach Thüringen,
wurde von dort durch den Wandalenzug
vertrieben und gelangte um 413 n. übl.
Ztr. an den Mittelrhein. Diese mächtige
Verschiebung zweier großer Völker rief
eine allgemeine Unruhe hervor und
brachte auch andere Stämme in Bewe-
gung, und diese Bewegung richtete sich
nun auch gegen das römische Reich. 162
n. übl. Ztr. erschienen die Chatten in
Rätien (Schweiz), vier Jahre später die
Abb. 22: Burgunden an der Weichsel. Langobarden im oberen Pannonien

germanischen Stämme von Norden her


gerichtet hatte.
Unsere Karte (Abb. 20) zeigt die Lage
im 3 Jahrhundert n. übl. Ztr. Das Signal
zum Beginn der Völkerbewegung hat-
ten die Goten gegeben. Sie siedelten da-
mals an der unteren Weichsel. „Als die
Zahl des Volkes immer mehr anwuchs,
beschlossen die Goten, mit all ihren
Kriegern und ihren ganzen Familien
auszuwandern.“ So berichtet der goti-
sche Geschichtsschreiber Jordanes,
dem wir die wichtigsten und genauesten
Nachrichten über das Volk der Goten
verdanken. Der Aufbruch aus dem
Weichselgebiet erfolgte um die Mitte
des zweiten Jahrhunderts. Die Goten
wanderten nach Süden und gelangten
an den Unterlauf der Pruth und ans
Schwarze Meer. (Bild 21 zeigt den goti- Abb. 23: Bei den Markomannen.
schen Stützpunkt Olbia am Schwarzen
Meer.) Hier waren sie noch außerhalb Die Burgunden waren, wie wir uns aus (Ungarn); doch beide wurden abgewie-
der römischen Grenze. Gleichzeitig Früherem erinnern, von Norden ge- sen. Erfolgreicher waren die Marko-
aber setzten sich nun auch die Burgun- kommen. Die Insel Bornholm war der mannen und Quaden, die im selben Jahr
den in Bewegung, die zwischen der mitt- letzte Halt vor der deutschen Küste ge- angriffen und die bis in die Gegend
leren Oder und der Weichsel wohnten. wesen. Schon um das Jahr 150 n. übl. von Aquileia in der Nähe des heutigen
Triest vordrangen. Unser Bild (Abb.
23) zeigt Markomannen mit gefangenen
römischen Soldaten. Ihnen trat der Kai-
ser Marc Aurel entgegen. Aber erst
nach fünf Jahren gelang es ihm, wieder
über die Donau vorzurücken und die rö-
mische Herrschaft nochmals zu befesti-
gen. Dazu mußte er sich freilich der
Hilfe germanischer Stämme bedienen
und außerdem den Eindringlingen zum
Teil Land im Grenzgebiet anweisen.
Bereits sein Sohn und Nachfolger Com-
modus mußte den Germanen weitere
Landstrecken bewilligen; daüber hinaus
gab er die römischen Befestigungen in
diesen Gebieten auf und gestattete den
Germanen, die römischen Märkte zu
besuchen.
Der Vorstoß der Markomannen, auf die
wahrscheinlich der Stamm der Bayern
zurückgeht (= Bohovari, Bewohner von
Abb. 24: Sturm auf den Limes. Bojoheim, Böhmen), hatte zum ersten

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In welchem Märchen rief der Wolf:


„Was rumpelt und pumpelt
in meinem Bauch herum?
Ich meinte, es wären sechs Geißlein,
doch sind’s lauter Wackerstein.“
(Die sieben Geißlein)

In welchem Märchen sagen die


Tauben:
„Ruckediku, ruckediku, Blut ist im
Schuh. Der Schuh ist viel zu klein,
die rechte Braut ist noch daheim.“
(Aschenbrödel)

In welchem Märchen sagte der Mann:


„Manntje, Manntje, timpete,
Fischlein, Fischlein in der See,
meine Frau, die llsebill,
will nicht so, wie ich gern will.“
(Der Fischer und seine Frau)

Abb. 25: Die Völkerwanderung.

Male gezeigt, daß das römische Reich Zwickel zwischen Rhein und Donau,
dem Ansturm der germanischen Völker der bisher vom Limes abgeschlossen
nicht mehr unter allen Umständen ge- war, das sogenannte Dekumatenland,
wachsen war, und daß es bereits erheb- den Römern verlorenging. Aber auch
licher Anstrengungen bedurfte, um jetzt noch konnten die Römer Rhein
auch nur die Grenze zu bewahren. An- und Donau halten. Der Limes ist nun
dererseits darf man sich natürlich den die Grenze zwischen den Alemannen,
Zusammenbruch des römischen Rei- die südlich und westlich, und den Bur-
ches nicht als das Werk eines Augen- gunden, die östlich von ihm siedeln.
blicks vorstellen. Fast zwei Jahrhun- Eine Einzelheit aus dieser Zeit der
derte, wie angedeutet, dauerte es, bis Kämpfe, den Angriff auf ein römisches
die Römer die Rhein- und Donau- Grenzkastell am Limes, zeigt unser
grenze endgültig räumen mußten. Bild 24.
Der nächste entscheidende Einbruch Das alles sind die ersten Vorboten des
nach den Markomannenkriegen ge- Zeitabschnittes, der nun anhebt und
schah dann im Jahre 259 n. übl. Ztr. Da den man üblicherweise die Völkerwan-
durchbrachen die Alemannen den süd- derung nennt. Sie bringt das Ende des
lichen Teil des Limes, wodurch der Römerreiches, sie führt germanische
Stämme in die Länder des Mittelmee-
res, ohne daß sie freilich dort Reiche
von dauerndem Bestand gründen kön-
nen. Wohl aber wurde damals der
Grund gelegt zu dem, was wir seitdem
unter dem Namen Europa und der
abendländischen Kultur begreifen
(siehe Karte Abb. 25).
Abb. 26: Gotisches Diadem von Kertsch. (Fortsetzung im nächsten Heft)

Unseren jüngyen Gefährten

In welchem Märchen fragte ein In welchem Märchen rief ein


Schneiderssohn seine Ziege: kleines Tier:
„Ziege, bist du satt?“ „Ich bin so satt, „Königstochter, jüngste,
ich mag kein Blatt, meck, meh!“ mach’ mir auf!
Weißt du nicht, was gestern
(Tischlein, deck dich)

du zu mir gesagt
In welchem Märchen sagte die Königin: bei dem kühlen Brunnenwasser?
„Spieglein, Spieglein an der Wand, Königstochter, jüngste, Welche Märchengestalt ist in diesem
wer ist die schönste im ganzen Land?“ mach mir auf!“ Bilde verborgen?
(Schneewittchen) (Der Froschkönig) (Dornröschen)

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Heidenspaß

Rot, Blau und Grün sitzen beim Skat.


Blau: „Willst du endlich ehrlich spielen,
Grün, du Wechselfälscher, du Betrü-
ger!“
Grün: „Du wagst es, mich zu beleidigen,
du Lump. Wer hat im Vorjahr gesessen,
weil er hat zu hoch versichert sein Haus
und hat es in Brand gesteckt?“
Rot, begütigend: „Meine Herren, sind
wir hergekommen, um zu spielen oder
um alte Erinnerungen auszutauschen?“
*
Ein in die Jahre gekommener Ge-
schäftsmann, von seinem Arzt schon
aufgegeben, will in den Himmel. Sein
Problem ist nun aber, daß er durch Lug
und Trug so leider keinerlei Vorausset-
zung mitbringt, in selbigen zu kommen.
Also denkt er nach. Und da er schlau ist,
kommt ihm die rettende Idee! Seine
Tage auf Erden sind gezählt, also be-
trinkt er sich fortan jeden Tag maßlos.
Er ist also ständig wie von Sinnen.
Warum? Er hat die Bibel gelesen! Und
dort steht: „Selig sind die Armen im
Geiste, denn ihrer ist das Himmel-
reich.“

Sciqsal zählt
nict nac Jahren
Kurzfriyig denkenden Leuten
mag ‘Abendland’ etwa+ bedeuten.
Europäixer Völker Gexiq
reict sehr viel weiter zurüq.

Der Bliq auf fünftausend Jahre


erxließt sic ery weißem Haare.
Kulturgexictlic durcdact:
unsre Herkunft au+ Mi†ernact.

Die Heimat im hohen Norden


Spielanleitung: iy lange verge‚en worden.
Einige Kinder stellen das Hexenhaus dar, indem sie sich zu einem Kreise zu- Gexicte in einzelnen Zügen
sammenschließen und Tür und Fenster durch erhobene Hände andeuten. In der
Mitte des Kreises hält sich die Hexe versteckt.. Neben dem „Hexenhaus“ steht kann leict über Wirklickeit trügen.
der Backofen, der von 4 – 5 Kindern dargestellt wird, indem sie die Arme um
den Hals des Nachbars legen. Die anderen Kinder zerstreuen sich auf dem Ery die Summe ergibt, wa+ gilt:
Spielplatz und stellen die Bäume des Waldes dar.
ein runde+, gexlo‚ene+ Bild.
Hänsel und Gretel irren im Walde umher, bleiben vor dem Hexenhaus stehen
und folgen schließlich der Hexe ins Häuschen. Die Hexe humpelt dann zum Du muy ery selber erfahren.
Ofen und löst dort die Handfassung zweier Kinder. Hänsel und Gretel schlei- Sciqsal zählt nict nac Jahren.
chen ihr nach und schieben die alte Hexe in den Ofen. Die Kinder, die das
Hexenhaus und den Wald dargestellt haben, bilden einen großen Kreis und tan-
zen mit Hänsel und Gretel um den Backofen und Hexe herum. Dieter Vollmer

70 Nordische Zeitung 3, 76. Jg. / 3808 n. St.


umbruch_3_08 27.08.2008 22:26 Uhr Seite 71

Im Laufe des Prozesses wird dem Pfar-


rer ein Auftritt als Zeuge nicht erspart
bleiben: Der Angeklagte schweigt näm-
Neue+ vom alten Feind lich plötzlich, nachdem er zunächst ein
Geständnis bei der Polizei abgelegt
hatte. Laut Anklage hat er sich mit Vor-
liebe himmlische Orte ausgesucht, um
15 Frauen wegen Hexerei dern, die Pastor G. ihre Kinder anver- sich zu bereichern: Gleich viermal soll
traut hatten, sei es bei der Kommunion er in die benachbarte St. Bonifatins-Ge-
lebendig verbrannt oder diversen Zeltlagern. meinde eingebrochen sein, machte hier
In dem kenianischen Dorf Nyakeo kam „Der Pastor war in seiner Gemeinde auch nicht vor dem Opferstock Halt.
es zu diesem Lynchmord. Etwa hundert sehr beliebt“, erklärt Pfarrer Ludger Beute: 50 Euro. Den geklauten Flach-
Menschen gingen von Haus zu Haus Kleimann, zu dessen Pfarrei die Ge- bildschirm aus dem Gemeindehaus
und trieben 15 Frauen zusammen, die meinde St. Franziskus gehört. Pastor G. transportierte er laut Staatsanwalt-
dann lebendig verbrannt wurden. Aus- war nach seiner Ausbildung im Priester- schaft originellerweise im Auto des
löser für diese Tat wäre ein Exorzismus- seminar in Gemeinden in Bochum und Pfarrers zum Dortmunder Hauptbahn-
Buch gewesen, in dem die Namen dieser Mülheim tätig, übte teilweise auch die hof, um das gute Stück dort weiterzu-
Frauen standen, meldete die BBC. Der Funktion eines Stadtjugendseelsorgers verkaufen. Bei einer Verurteilung droht
Ortsvorsteher der betroffenen Gegend, in Gelsenkirchen aus. dem mutmaßlichen mehrfachen Wie-
Mwangi Ngunyi, will die Täter ausfindig derholungstäter die anschließende Si-
machen. „Nur weil sie jemanden ver- Vom Bistum Essen war der Pastor be- cherungsverwahrung.
dächtigen, dürfen die Menschen noch reits eine Woche vorher beurlaubt wor-
lange keine Selbstjustiz üben“, sagte den.
Ngunyi. Die Bewohner des Dorfes se-
Priester zerstückelt
hen das etwas anders. Sie sagen, da es Pfarrer mit Nacktfotos Geliebte
für Hexerei keine gesetzlichen Strafen erpreßt In der Ostermesse predigte er von
gäbe, müsse man auf die Lynchjustiz Liebe, Tod und Auferstehung. Dann
zurückgreifen. Schon in den 90er Jahren Halleluja – der Einbrecher staunte nicht beging er ein Verbrechen. Ein mexika-
wurden Menschen in Kenia wegen He- schlecht, als er im Oktober in das Pfarr- nischer Priester tötete seine schwangere
xerei verbrannt. haus der katholischen St.-Michaelis- Geliebte. Der Geistliche hat inzwischen
Gemeinde in Hamm einstieg: Im Nacht- ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Bei Ferien im Pfarrhaus tisch des Herrn Pfarrer entdeckte er Er gab zu, seine 20 Jahre jüngere Ge-
Aktfotos von Frauen und sehr jungen
sexuell mißbraucht Mädchen. Flugs entschloß sich der Ein-
liebte erwürgt zu haben, als sie ihm von
ihrer Schwangerschaft berichtet habe.
Sexuellen Mißbrauch in mindestens 15 brecher, mit den weltlichen Vorlieben Er zerstückelte die Leiche mit einem
Fällen wirft die Essener Staatsanwalt- des Geistlichen fette Beute-zu machen: Messer und packte sie in Plastiktüten.
schaft dem 66jährigen Bottroper Pastor Er hinterließ auf der Kellertreppe einen Diese warf er später in der Nähe eines
G. vor, gegen den sie im Juni 2008 An- Zettel mit dem Wortlaut: „2500 Euro, Friedhofs in Chimalhuacan weg.
klage erhoben hat. Der Geistliche soll oder ich schicke die Fotos an die
sich in den Jahren 1994 und 1995 an ei- Presse.“
nem zwölfjährigen Jungen vergangen Priester vergewaltigt
Die war dann reichlich vertreten, als der
haben, der in dieser Zeit mehrfach seine mehrfach vorbestrafte Einbrecher un-
Nonne
Schulferien in dem Bottoper Pfarrhaus ter anderem wegen versuchter Erpres- Die Polizei im südiatalienischen Kala-
verbrachte. Pastor G. soll zu der aus sung auf der Anklagebank des Dort- brien hat einen 69jährigen Franziska-
dem Bergischen Land stammenden Fa- munder Landgerichtes saß. Der Pfarrer nerpriester inhaftiert, weil er eine
milie des Opfers ab 1991 einen engeren (57) hatte sich nur zum Schein auf den Nonne in einem kirchlichen Heim
Kontakt gepflegt haben, soll mit ihr spä- kriminellen Deal eingelassen und statt- mehrfach vergewaltigt hatte. An den
ter befreundet gewesen sein. „Weil wir dessen die Polizei alarmiert: Am verein- sexuellen Mißhandlungen in der Stadt
bei der Hausdurchsuchung Videos und barten Übergabeort, einer Bushalte- Cosenza haben sich nach Angaben des
Dateien pornografischen Inhaltes in stelle, klickten dann die Handschellen. Opfers teilweise auch andere Männer
großem Umfang gefunden haben, müs- beteiligt. Sie sei dabei zudem von ihren
sen wir bei dem Pastor von einer Wie- Doch auch für Herrn Pfarrer hatte die
Tat reichlich unangenehme Folgen: Er Peinigern mit einer Videokamera ge-
derholungsgefahr, also auch von einer filmt worden. Auch drei weitere Frauen
aktuellen Gefahr ausgehen“, erklärte wurde nach einer Hausdurchsuchung
wegen Besitzes kinderpornografischer in dem Heim berichteten von sexuellen
Oberstaatsanwalt Willi Kassenböhmer. Übergriffen oder versuchtem Miß-
Bilder zu 3200 Euro Geldstrafe verur-
Pastor G., der die Vorwürfe bestreitet, teilt. Auf zwei Computern des Mannes brauch.
war im Juni festgenommen worden und wurden mehr als 100 gelöschte, aber re-
befindet sich seitdem in Untersuchungs-
haft. Angezeigt worden war der sexuelle
konstruierbare Bilddateien kinderpor- Ausnüchterungs- statt
nografischen Inhalts gefunden, teilte Klosterzelle
Mißbrauch im Oktober 2007 aus dem die Behörde mit. Der Priester war seit
Kreis der Familie des Opfers. 19 Jahren als Pfarrer in einer Hammer Für einen 50jährigen Mönch des Pau-
In der St. Franziskus-Gemeinde in Gemeinde tätig. Seit dem Vorfall wird linerklosters im polnischen Tschensto-
Bottrop, die Pastor G. seit 25 Jahren er nicht mehr als Gemeindepfarrer ein- chau endete eine Zechtour in der Aus-
seelsorgerisch betreute, herrscht immer gesetzt und soll inzwischen als Kran- nüchterungszelle der Polizei. Der Geist-
noch Entsetzen über die Vorwürfe ge- kenhausseelsorger im Dortmunder liche war mit knapp zwei Promille ge-
gen den Geistlichen. Dennoch mischen Raum tätig sein. Auch hat er die Ge- schnappt worden und zeigte keine
sich mittlerweile darunter auch be- meinde inzwischen verlassen und lebt Reue: Er drohte dem Polizisten, ihn und
sorgte Stimmen von Gemeindemitglie- im Kloster. seine Familie zu verfluchen.

Nordische Zeitung 3, 76. Jg. / 3808 n. St. 71


umbruch_3_08 27.08.2008 22:26 Uhr Seite 72

– Anzeige –
Rekord-Entschädigung Junger Amerikaner (Ende 20) sucht
Anmerkung der Redaktion:
Eine Diözese in Kalifornien muß einer Briefpartner/in(en) in Deutschland
Es ist den werten Lesern der Nordi- ausschließlich in deutscher Sprache
Frau, die vor 30 Jahren von einem Prie- schen Zeitung sicherlich schon auf- und ohne politischen Hintergrund. Er
ster mißbraucht worden war, 3,3 Millio- gefallen, daß in den letzten Aus- ist sehr an allem Deutschen interessiert
nen Dollar (2,5 Millionen Euro) Ent- und hat sich alles im Selbststudium bei-
gaben der NZ unter der Rubrik
schädigung zahlen. Nach Angaben der gebracht. Adresse:
„Neues vom alten Feind“ über-
„Los Angeles Times“ einigten sich das Anthony Franklin
jetzt 44 Jahre alte Opfer und die katho- durchschnittlich oft über Miß-
#125965 BVCC
lische Diözese von Santa Rosa auf diese brauchsfälle von Priestern an Ju- PO Box 2017
Summe. Die Frau hatte in ihrer Klage gendliche, Nonnen usw. berichtet Buena Vista, Co. 81211
geltend gemacht, daß die Kirche sie wird. USA
nicht vor den Machenschaften eines pä- Dies hat es leider schon immer
dophilen Priesters beschützt habe.

Spezialgebete
gegeben – nur erst in jüngster Zeit
haben viele Mißbrauchsopfer den
Mut besessen, dies zu Anzeige zu
H andle so, daß Du überzeugt
sein kanny, mit Deinem
Handeln auc Dein Beye+
bringen.
Im afrikanischen Malawi wurde ein und Äußerye+ dazu getan zu
Wir von der Redaktion der Nordi-
Pfarrer festgenommen, der seine Gläu-
schen Zeitung werden weiterhin
haben, die Menxenart, au+
bigen nackt beten ließ. Der Priester der Du hervorgegangen biy,
hatte 15 Frauen ein „Spezialgebet“ an- regelmäßig über alle uns bekannt-
geboten. Das Spezielle an dem Gebet werdenden Mißbrauchsfälle sei- beyand+- und entwiqlung+-
bestand vor allem darin, daß sich die tens kirchlicher „Würdenträger“ fähig zu halten.
Frauen auf Geheiß des Gottesmanns berichten.
Erwin Guido Kolbenhe¥er
ausziehen mußten.

Wieder hat Priester


Schüler mißbraucht
Ein Domkapitular der Erzdiözese Bam-
berg hat sich jahrelang einen Knaben ei- Nacricten
nes katholischen Internats sexuell ver-
gangen. Der Priester trat als Leiter der
Hauptabteilung Pastorales Personal in
der Erzdiözese zurück. Wie schwerwie- Deutsche Politiker drücken Brigitte Bardot wegen
gend die Vergehen des 63jährigen ge-
wesen sind, der zum engsten Führungs-
sich vor Schächtverbot Rassenhaß verurteilt
stab um Erzbischof Ludwig Schick Dem grausamen betäubungslosen
gehörte, ist derzeit noch unklar. Vize- Schlachten, nach § 4a Tierschutzgesetz
Bistumssprecher Michael Kleiner sagte in Deutschland verboten, fallen im
zu den Vorwürfen, es gehe von „in den Land ca. 500.000 Schafe jährlich zum
Arm nehmen bis hin zu körperlichem Opfer, mit steigender Tendenz.
Anfassen“. „Es gibt momentan keine
Hinweise auf extreme Sachen wie
Vergewaltigung“, erläuterte Kleiner.
Schick versprach rückhaltlos Aufklä-
rung.
Nach Bistumsangaben haben sich bis-
lang vier Mißbrauchsopfer gemeldet.
Ob es weitere gibt, ist noch unklar. Wegen Aufrufs zum Rassenhaß muß
Nicht alle Betroffenen hätten von sexu- das frühere Sexsymbol Brigitte Bardot
ellen Übergriffen berichtet, teilweise je- (73) 15 000 Euro Bußgeld zahlen. Das
doch von unsittlichen Berührungen im Strafgericht von Paris kreidete der
Intimbereich, sagte Bistumssprecherin Tierärzte fordern seit langem ein rigo- Schauspielerin ein Schreiben von 2006
Elke Pilkenroth. roses Verbot. Politiker aber verstecken an den damaligen Innenminister Nico-
Die Staatsanwaltschaft Bamberg nahm sich feige hinter der Religionsfreiheit, las Sarcozy an, in dem „BB“ sich über
Ermittlungen wegen des Verdachts des obwohl Muslime, wie zum Beispiel Dr. das Schächten unbetäubter Schafe zu
sexuellen Mißbrauchs von Schutzbefoh- Tamer Doturka in Istanbul, bestätigen, muslimischen Festtagen beschwert
lenen gegen den Mann auf, wie der Lei- daß Schächten im Islam nicht ausdrück- hatte. Zitat: „Ich bin es leid, von dieser
tende Oberstaatsanwalt Joseph Düsel lich geboten ist. In der Schweiz, Schwe- ganzen Bevölkerung an der Nase her-
sagte. Es werde auch geprüft, ob die den, Island und Liechtenstein ist umgeführt zu werden, die uns zerstört,
möglichen Taten nicht bereits verjährt Schächten verboten. unser Land zerstört, indem sie uns ihre
sind. Dies hänge unter anderem von der Taten (im Sinne von Gebräuchen) auf-
Schwere der Vergehen und vom Alter Die Sendung Report berichtete am zwingt.“ Bürgerrechtsgruppen hatten
der Opfer zur Tatzeit ab. 7.7.08 ausführlich über das qualvolle sie angezeigt.
Sterben geschächteter Tiere.
Vor acht Jahren war ein Pfarrer des Erz- Anm. d. Red.: Es spricht Bände, daß sich
bistums wegen sexuellen Mißbrauchs Und passend dazu nachfolgender Be- ausgerechnet der jetzige französische
von Kindern zu einer Bewährungsstrafe richt, der zeitgleich in den Zeitungen er- Präsident Sarcozy so für die Beibehal-
von zwei Jahren verurteilt worden. schien: tung des Schächtens einsetzt!

72 Nordische Zeitung 3, 76. Jg. / 3808 n. St.


umbruch_3_08 27.08.2008 22:26 Uhr Seite 73

Panne bei „Einigkeit und Recht und Freiheit“ be-


deutscher Nationalhymne ginnende dritte Strophe die National- Über die Geburt
hymne von Deutschland. (Dies ist selbst- unserer Tocter
im Schweizer Fernsehen verständlich nicht die Meinung der Re-
Der Schweizer Fernsehsender SRG hat
daktion der Nordischen Zeitung). Gertrud Sonnveig
vor dem EM-Spiel zwischen Deutsch- am 25. Oyermond 3808 n. St.
land und Österreich die erste Strophe
des Deutschlandliedes eingeblendet. freuen sic die yolzen Eltern
Während die Nationalhymne gespielt Dankwart & Bente
wurde, sahen die Zuschauer die Unter- mit Reinhard, Frowin, Sönke
titelzeilen „Deutschland, Deutschland und Wilhelmine
über alles …“ Für die Panne seien zwei
junge Redakteurinnen verantwortlich
gewesen, erklärte der für die Untertitel
verantwortliche Koordinator der SRG-
Tochter Swiss Text, Gion Linder, der Über da+ neue
Zeitung „Blick“. „Das war ein unent- Familienmitglied
schuldbarer Fehler“, sagte Linder.
Sprecher von SRG und Swiss Text woll-
ten sich auf Anfrage nicht zu der Panne
FriΩ
äußern. Å 20. Bracet 3808 n. St.
Das Deutschlandlied wurde in allen freuen sic Robert, Stephie,
Strophen 1922 zur Nationalhymne des
damaligen Deutschen Reichs bestimmt.
Erik und Ida Exenbac
Seit 1991 ist allein die mit dem Vers

Gemeingermanischer ergänzter Futhark:

ABCDEFGH I JKLMNOPQRSTUVWXYZ ÄÖÜ


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Ä Ö Ü

Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft we- FÖRDERER werden. Als Förderer bezahlen Sie einen Bei-
sensgemäßer Lebensgestaltung e.V. ist die größte heidnische Ge- trag nach Selbsteinschätzung, mindestens aber 55,– € im Jahr,
meinschaft Deutschlands (dazu noch Mitglieder in anderen ger- worin der kostenlose Bezug der Nordischen Zeitung, unseres
manischen Völkern) mit tiefreichenden Wurzeln. Sie wurde 1951 Gefährtschaftsbriefes und unserer Flugblätter, ferner der Neu-
gegründet und vereinigte sich 1965 mit der Nordischen Glaubens- erscheinungen der „Schriftenreihe der Artgemeinschaft“ ent-
gemeinschaft e.V., die 1928 gegründet worden war und sich 1954 halten ist.
in Nordisch-religiöse Gemeinschaft umbenannt hatte. Mit den be-
reits 1924 gegründeten Nordungen fand 1983 die Vereinigung  Wenn Sie keiner Bekenntnis- oder Religionsgemeinschaft an-
statt. In der Artgemeinschaft wird ferner das Gedankengut der gehören und sich neu binden wollen, das „Artbekenntnis“ und
1913 von Ludwig Fahrenkrog gegründeten Germanischen Glau- das „Sittengesetz unserer Art“ voll bejahen sowie überwiegend
bens-Gemeinschaft (GGG) fortgeführt und weiterentwickelt, nordisch-fälische Menschenart verkörpern, können Sie Antrag
nachdem diese 1957 ihre Tätigkeit eingestellt hatte, im Vereinsre- auf Aufnahme als MITGLIED in die Artgemeinschaft stellen.
gister gelöscht wurde, und die Reste ihrer aktiven Mitglieder zur Sie zahlen einen Monatsbeitrag (nach Selbsteinschätzung) in
Artgemeinschaft bzw. Nordisch-religiösen Gemeinschaft gekom- Höhe von mindestens 1 % des Nettoeinkommens. Mindestbei-
men waren. trag ist ein Betrag von 5,– € je Monat. Im Mitgliedsbeitrag ein-
geschlossen ist die kostenlose Lieferung der Nordischen Zei-
Wir können auf eine jahrzehntelange Erfahrung bei der Neuge- tung und des Gefährtschaftsbriefes, unserer Mitteilungen und
staltung eines uns gemäßen Glaubens verweisen, da wir die älteste Flugblätter, von Neuerscheinungen der „Schriftenreihe der
germanisch-heidnische Glaubensgemeinschaft mit durchgängigem Artgemeinschaft“ und der Reihe „Werden und Wesen der Art-
Wirken sind. Bei uns finden Sie nicht nur ein reges Gemeinschafts- religion“. Die Mitglieder der Artgemeinschaft sind gleichzeitig
leben auf den regelmäßig wiederkehrenden Gemeinschaftstagen, Mitglied im Familienwerk, das einen Familienlastenausgleich
sondern über die „Nordische Zeitung“, zwei Schriftenreihen, eine erstrebt, Beitrag: gestaffelt (von € 0,– bei drei Kindern bis
Buchreihe sowie Einzelschriften auch eine geistige Auseinander- € 95,– bei kinderlos jährlich, Ermäßigung möglich). Ferner ha-
setzung mit dem Christentum, Darstellung alter Bräuche und die ben Mitglieder einen Arbeitsdienst von 31/2 Tagen im Jahr in ei-
Durchformung eines arteigenen Glaubens. Wegen der großen nem unserer Gemeinschaftsheime zu leisten, bei Nichterfül-
Nachfrage sind von zahlreichen Veröffentlichungen, die wir her- lung für jeden nicht geleisteten Tag 50 € zu zahlen. Mit Eingang
ausgebracht haben, viele bereits vergriffen. Nur wenn Sie laufend Ihres Antrages auf Aufnahme werden Sie zunächst im Regel-
mit uns Verbindung pflegen, können Sie mithin sicher sein, auch fall ein Jahr als Anwärter bis zur endgültigen Entscheidung
alle neuen Veröffentlichungen von uns zu bekommen. über Ihre Mitgliedschaft geführt und haben in dieser Zeit be-
Sie haben neben Abrufen unserer Darstellung aus dem Internet reits die Beiträge zu zahlen, erhalten andererseits die für Mit-
(www.asatru.de) drei Möglichkeiten, mit uns in Verbindung zu glieder bestimmten Leistungen mit Ausnahme der Mitteilun-
bleiben, wozu Sie bitte einen Vordruck von unserer Heimatseite gen. Die Entscheidung über Ihre Aufnahme fällt im Regelfall
abrufen oder bei unserer Postfachanschrift anfordern. erst, nachdem Sie einen unserer Gemeinschaftstage besucht
 Die am wenigsten verpflichtende ist, daß Sie die NORDISCHE haben, und sowohl Sie als auch wir feststellen konnten, ob wir
ZEITUNG für 18,– € einschließlich Versand jährlich bestellen. zueinander gehören. Wenn Sie aufgenommen wurden, haben
 Wenn Sie auch zu Tagungen eingeladen und über die gemein- Sie eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 30,– € zu
schaftsinneren Angelegenheiten im Bild sein wollen, aber nicht zahlen, wofür Sie die Mitgliedsnadel, nach unserer Wahl einige
aus einer Bekenntnis- oder anderen Religionsgemeinschaft noch lieferbare Schriften aus unseren Schriftenreihen und ei-
austreten oder sich noch nicht neu binden möchten, können Sie nen früheren Jahrgang der Nordischen Zeitung erhalten.

Nordische Zeitung im Internet: www.nordzeit.de · www.asatru.de · www.artgemeinschaft.org · E-Post: technet@asatru.de