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Studienkolleg Deutsche Sprachprüfung: DSH/FP 30. Januar 2010 Leseverstehen / Wissenschaftssp rachliche Strukturen

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Lesetext Generation Praktikum

Assistent oder einfach Praktikant. Sie s ind jung und gut

ausgebildet, stets einsat zbereit und aus vielen Branchen sc hon nicht mehr

Abschluss ihrer

Ausbildung praktische Erfa hrungen sammeln wollen, aber keine fes te Stelle finden.

wegzudenken: Berufseins teigerinnen und -einsteiger, die nach

Man nennt sie Hospitant,

5 Bis vor einigen Jah ren hatten Akademiker überdurch schnittlich gute Arbeitsmarktchancen. Heut zutage werden Studien zufolge schätzun gsweise 70% der Hochschulabsolventen zun ächst als Praktikanten beschäftigt, oft in unbezahlten oder schlecht bezahlten befriste ten Verhältnissen und ohne die Aussic ht, entsprechende Stellen im regulären An gestelltenverhältnis zu bekommen. D er Anfang 2005

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geprägte Begriff „Genera tion Praktikum“ steht aber weniger

für die gesamte

Generation der Absolvent en, sondern für die in den siebziger J ahren geborenen Akademiker, unter ihne n vor allem viele Absolventen d er Sozial- und

Geisteswissenschaften. De nn gerade sie haben mit verminderten Arbeitsmarkt zu kämpfen.

Chancen auf dem

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Wissenschaftler sehen die

Ursachen für den vermehrten Einsatz

von Praktikanten

einerseits in der hohen Arb eitslosigkeit im Deutschland der 90er J ahre, andererseits

in der Sozialisation der jun gen Akademiker. Denn heutige Berufsein steiger haben die Ideale der Generation ihre r Eltern aus der Zeit des Wohlstands d er 70er und 80er Jahre vor Augen. Dazu g ehörte eine feste Anstellung und der B eruf als Teil der

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eigenen Identität. Doch du rch die verschärften Bedingungen auf

dem Arbeitsmarkt

bleibt für viele junge Akade miker oft der berufliche Erfolg aus. Dam it können sie den an sie herangetragenen E rwartungen ihrer vom Wohlstand geprä gten Eltern nicht entsprechen. Um nicht als Verlierer zu gelten und in der Hoffnung , sich so bald wie möglich aus der finanzielle n Abhängigkeit von den Eltern zu befre ien, flüchten sich

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viele von ihnen zunächst in ein Praktikum.

 

Eigentlich sollen Praktika helfen. Deshalb sind sie sogar unverzichtbar. Aber

bei der beruflichen Orientierung und we iteren Ausbildung während des Studiums und danach w ichtig, manchmal viele Unternehmen nutzen die schwie rige Lage junger

Berufseinsteiger aus und s tellen sie vermehrt als Praktikanten ein, weil sie nur einen

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kostengünstigen Ersatz fü r normale Arbeitnehmer brauchen. Dies

führt dazu, dass

der Praktikantenstatus imm er unklarer wird und seine eigentliche B edeutung verloren geht. Denn wenn ein Pr aktikant normale Arbeiten wie eine re guläre Fachkraft

erledigt, muss sich auch di e Bezahlung an den üblichen Gehältern

orientieren. Dies

ist nicht immer der Fall, w ie eine Studie des Ministeriums für Ar beit und Soziales

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zeigt. Der Untersuchung z ufolge waren von allen freiwilligen Erst- Praktika, die nach einem Hochschulabschlus s absolviert wurden, 51 Prozent unbe zahlt, 12 Prozent unangemessen und 3 Pr ozent angemessen bezahlt, obwohl d ie Mehrzahl der

Praktikanten als normale

Arbeitskräfte eingesetzt wurde. Demn ach war also die

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Hälfte der Befragten wäh rend des Praktikums auf die finanzie lle Unterstützung

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anderer Personen – meist

der Eltern - angewiesen.

Dies zeigt, dass Praktikant en von vielen Unternehmen vermehrt au s Kostengründen

eingesetzt werden. Außerd em rechtfertigen sie die Einstellung von

Praktikanten statt

fest Angestellter mit eine m ihrer Meinung nach unflexiblen Arbe itsmarkt, der sie

daran hindere, Arbeitskräft e bei Bedarf kurzfristig einzustellen und

nach einiger Zeit

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wieder entlassen zu k önnen. Bei Praktikanten sei das

jedoch möglich.

Wissenschaftliche Studien

belegen allerdings, dass sich Unterne hmen ins eigene

Fleisch schneiden, wen n sie langfristig Praktikanten einste llen. Indem die Unternehmen nämlich ü berwiegend Praktikanten zu schlech ten Konditionen

einstellen, stufen sie daue rhaft potenzielle Bewerber für die festen

Anstellungen zu

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Aushilfskräften herab. Auß erdem benötigen die Praktikanten Eina rbeitungsphasen, die vor allem die fest ang estellten Mitarbeiter belasten. Deren R essourcen stehen dann für andere Aufgaben nicht mehr zur Verfügung. Wenn also im mer wieder neue

Praktikanten eingearbeitet werden müssen, sinkt in einem Unterne hmen mit der Zeit die Effizienz der fest anges tellten Mitarbeiter.

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Um den Missbrauch

von Praktikantenstellen aufzuhalte n, strebt das

Bundesministerium für Ar beit und Soziales konkrete gesetzliche

Regelungen an.

Erstens soll verboten w erden, dass junge Menschen mit

abgeschlossenem

Hochschulstudium unbeza hlte Praktika absolvieren und dabei

überwiegend wie

normale Arbeitnehmer –

ohne Aussicht auf eine feste Anstellu ng – beschäftigt

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werden. Zweitens beabsi chtigt man klarer festzulegen, dass i m Zentrum eines Praktikums das Lernen u nd die Weiterqualifizierung und nicht d ie Tätigkeit eines

normalen Arbeitsnehmers

stehen. Diese Maßnahmen sollen al so nicht nur die

Unterschiede zwischen d en normalen Angestellten und Prak tikanten deutlich machen, sondern auch g ewährleisten, dass die Praktikanten s ich während des

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Praktikums fortbilden kön nen und nicht mehr als Billig-Arbeitne hmer ausgenutzt

werden.

Quelle: Sozialpolitische Inform ationen (SPI) – Ausgabe 02/2008; www.bm as.de; gekürzt und bearbeitet von K. Fazlić-Walte r; (652 Wörter; 4967 Zeichen mit Leerzeiche n)

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