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Computer und Waffen: Terroristen als Blogger
12. Mrz 17:49

Sie hinterlassen keine Spuren. Ihre Drohungen aber verbreiten sie weltweit im Netz. Islamisten nutzen virtuos die Strukturen der Bloggerszene.

Hetze aus dem Netz.
Foto: Screenshot/NZ

Maskierte Männer mit Kalaschnikows und Krummsäbeln in der Hand: So treten islamistische Terroristen gerne in ihren Videobotschaften auf. In der Vergangenheit spielten Terroristen die Bilder oftmals dem arabischen Fernseh-Sender Al Dschasira zu. Von dort gelangten sie dann ins Internet. Neuerdings gehen Terroristen gleich ins Netz. Islamisten nutzen virtuos nicht nur neueste Verschlüsselungstechnologien. Sie treten auch als Blogger auf. Das Video der «Stimme des Kalifats», in dem Anschläge in Deutschland und Österreich angedroht werden, wurde nicht nur von arabischen TV-Stationen gesendet, sondern erschien parallel dazu auf vielen Webseiten. Mit überall erhältlichen Verschlüsselungsprogrammen verhindern die Extremisten, dass sie beim Hochladen der Videos auswertbaren Spuren im Netz hinterlassen. Auch nutzen die Extremisten massiv Online-Werkzeuge, die ursprünglich für Bürgerjournalisten geschaffen wurden, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt. So meldete sich auf der Weblog-Plattform Wordpress.com eine «Globale Islamische Medien-Front» (GIMF) zu Wort - ein seit Jahren tätiger unbekannter Personenkreis, der islamistische Propaganda im Internet verbreitet. Terror aus dem Blog Wordpress ist ein einfach zu bedienendes, freies Content Management System, das vor allem Blogger für ihre Websites nutzen. Dort ist nun auch das Video zu sehen, indem die entführte Geisel Marianne K. und ihr Sohn zu sehen sind. Die 61-jährige fleht darin Bundeskanzlerin Angela Merkel unter Tränen an, den Forderungen der Entführer nachzugeben und deutsche Truppen aus dem Irak abzuziehen. Nach Ansicht von Experten werden Internet-Seiten und Blogs als Kommunikationsmedium für die Terroristen immer wichtiger. «Wir nehmen diese Gefahr durchaus ernst», sagte Verfassungschutzpräsident Heinz Fromm auf Netzeitung.de «Die möglichen Schäden wären immens.» Deutschlands oberster Geheimdienstkoordinator, Kanzleramtsminister Thomas de Maiziére, warnte, «die Sicherheitsbehörden haben alle Mühe, Schritt zu halten und in diese Chatrooms reinzukommen». Der Internet-Fernsehsender «Stimme des Kalifats» etwa ist schon seit Jahren bekannt. Männer in Masken Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Würtemberg kam bereits 2005 zu der Einschätzung, dass diese Online-Formate von Al Qaeda genutzt werden. Ein vermummter Sprecher trat damals bereits im Stile westlicher Nachrichtensendungen auf und drohte mit Terrorakten verschiedener Dschihad-Gruppen. «Stimme Gottes» hetzt gegen Homosexuelle Den Hurrikan Katrina interpretierte die «Stimme des Kalifen» damals als «Strafe Gottes» für die US-Regierung und die «homosexuelle Stadt New Orleans». Den Verfassungsschützern zufolge stand hinter dem Projekt die «Globale Islamische Medien-Front» (GIMF). Wordpress.com bietet das so genannte Hosting der Seiten an. Der Dienst wird von der kleinen kalifornischen Webfirma Automattic Inc. betrieben, die eng mit dem Wordpress-Projekt verbunden ist. Auf der bei Wordpress.com gespeicherten Seite

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15.03.2007 15:11 Uhr

NETZEITUNG DRUCKVERSION : Computer und Waffen: Terror...

http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=704&item=580570

präsentiert die bislang nicht in Erscheinung getretene Gruppe GIMF nicht nur das Video der «Stimme des Kalifats», sondern auch Drohungen einer Brigade «Pfeile der Rechtschaffenheit». (nz)

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