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EUROPÄISCHES UND ÖFFENTLICHES


WIRTSCHAFTSRECHT
Zusammenfassung der 4.Auflage
46 Seiten
© Frederik Spanel
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Inhaltsverzeichnis

LE1. GEWERBEORDNUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

LE2. BETRIEBSANLAGENRECHT UND BAURECHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

LE3. VERWALTUNGSVERFAHREN UND NATIONALER RECHTSSCHUTZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

LE4. INNERSTAATLICHES ORGANISATIONSRECHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

LE5. EUROPÄISCHER BINNENMARKT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

LE6. ORGANISATIONSRECHT DER EU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

LE7. GRUNDRECHTE DER WIRTSCHAFT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

LE8. EUROPÄISCHES WETTBEWERBSRECHT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

LE9. STAATLICHE WIRTSCHAFTSTÄTIGKEIT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

LE10. RECHT – WIRTSCHAFT – JURISTISCHE INTERPRETATION – NORMENLEHRE . . . . . . . . . . 45


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LE1. GEWERBEANTRITT

I. DIE GEWERBEORDNUNG

jeder Staatsbürger hat die Freiheit, jeden Erwerbszweig (selbst- und unselbstständig) auszuüben.
„unter den gesetzlichen Bedingungen“ (Art 6 Staatsgrundgesetz)

Erwerbsbetätigungen können reglementiert werden


GewO nimmt zentrale Stellung ein – lenkt erwerbswirtschaftliche Tätigkeiten (Antritt und
Ausübung) prüft Qualifikation von Gewerbebetreibenden und auch von Produkten und
Dienstleistungen Æ Sicherung des geordneten Wettbewerbs und Sicherung von potenziellen
Gefahren (für Gewerbebetreibende, Kunden, Nachbarn,…)
Î Ziele: Wettbewerb (Qualitätssicherung, Qualifikationsniveau), Konsumentenschutz,
Gefahrenabwehr

II. FÜR WELCHE TÄTIGKEITEN GILT DIE GEWO

GewO gilt für Erwerbstätigkeiten die:


gewerbsmäßig ausgeübt, nicht gesetzlich verboten und nicht von den §§2-4 ausgenommen sind;
alle 3 Bedingungen müssen erfüllt sein um der GewO zu unterliegen

A. gewerbsmäßig, darunter versteht man:


- selbstständig (auf eigene Rechnung und Gefahr, eigener Boss, bekommt Gewinn, muss aber
auch Verluste einstecken)
- regelmäßig (laufend vorgenommen, Wiederholungsabsicht, längere Zeit fordert)
- Ertragsabsicht (muss aber kein Gewinn sein, die Absicht genügt)

B. Tätigkeit muss erlaubt sein. darf gegen kein Gesetz verstoßen

C. wenn von §§2-4 ausgenommen: Sonderregelungen, Grund: allgemeine Regeln reichen oft nicht
aus (Banken, Versicherungen, Ärzte, Notare,…) wenn Regelung Ländern vorbehalten sind, auch
ausgenommen (Landwirtschaft, Bergführer, Kinos,…)

III. GEWERBEARTEN

A. reglementierte Gewerbe, Teilgewerbe, freie Gewerbe

Unterscheidungskriterium: Befähigungsnachweis

reglementierte Gewerbe: Liste (§94 GewO) Drogisten, Fotografen, Gastgewerbe, Kosmetik,


Reisebüros, etc. hierfür muss ein Befähigungsnachweis erbracht werden (§18 GewO) (zB
Abschlusszeugnis). Æ weiterer Unterschied: Handwerk (Meisterprüfung muss erbracht werden) und
verbundene Handwerke (Zusammenschluss einzelner Handwerke)

Teilgewerbe: Tätigkeiten eines reglementierten Gewerbes, Durchführung einer selbstständigen


Person mit vereinfachter Befähigung (zB Lehrabschluss) Teilgewerbe greifen aber auf die Liste §94
GewO zurück somit keine eigene Gewerbeart (Bundesminister bestimmt per VO)

freie Gewerbe: alle anderen (zB Handelsgewerbe, Werbeagenturen) kein Befähigungsnachweis


erforderlich, es gibt aber für einzelne freie Gewerbe Ausübungsvorschriften (zB Tankstelle)

B. Anmeldungspflichtige und sensible Gewerbe

Unterscheidungskriterium: Zuverlässigkeitsprüfung

Anmeldungsgewerbe: wenn Anmeldung bei Gewerbebehörde erfolgt ist und alle Vorraussetzungen
erfüllt sind Æ Beginn der Ausübung des Gewerbes
bei Anmeldung: genaue Bezeichnung des Gewerbes und Standort der Ausübung und Belege
(Staatsangehörigkeit, evtl. Befähigung) via Fax, e-Mail
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- Vorraussetzungen erfüllt Æ Eintrag ins Gewerberegister (Auszug informiert Anmelder)


- wenn nicht erfüllt Æ Ausübung wird untersagt
- keine Anmeldung = strafbar

Zuverlässigkeitsprüfung aus Gründen der öffentlichen Sicherheit, Schutz von Leben und
Gesundheit, Konsumentenschutz, etc. wird schon vor Gewerbeantritt überprüft.

sensible Gewerbe: sind in einer Liste (§95 GewO) aufgelistet (chemische Laboratorien,
Pyrotechnikerunternehmen, Gas- und Sanitärtechnik,…) wenn Vorraussetzungen erfüllt Æ Bescheid
Æ wenn rechtskräftig Æ Ausstellung des Bescheids und Eintrag in das Gewerberegister. erst dann
darf mit der Ausübung begonnen werden (strengere Regelung)

erste Instanz: Bezirksverwaltungsbehörde (BVB) also Bezirkshauptmann (BH)


in Städten mit eigenem Statut: BGM bzw. Magistrat
Berufungsinstanz in Gewerbesachen: Landeshauptmann (LH)

C. Gewerbebetrieb und Industriebetrieb

Unterscheidungskriterium: Betriebsbeschaffenheit

Industriebetrieb: hoher Kapital- und Maschineneinsatz, serienmäßige Produktion, größere Zahl an


ständig beschäftigten Arbeitnehmern, organisatorische Trennung von kaufmännischer und
technischer Führung (es kommt auf das Gesamtbild an) – kein Befähigungsnachweis außer es
kommt in §7 Abs5 GewO vor; einige Gewerbe können gar nicht Industriemäßig ausgeübt werden
(Handelsgew., Tourismusgew.,…)

IV. VORRAUSSETZUNGEN FÜR EIN GEWERBE

allgemeine und besondere Vorraussetzungen (freie Gewerbe im Normalfall ohne besondere


Vorraussetzungen)

A. allgemeine Vorraussetzungen

- gewerberechtliche Handlungsfähigkeit: eigenberechtigt (volljährig) und nicht unter


Sachwalterschaft; juristische Personen (GesmbH oder AG) müssen einen Geschäftsführer bestellen
um gewerberechtlich handlungsfähig zu sein
- Unbescholtenheit: Straftat begangen und über 3 Monaten Freiheitsstrafe; Gewerbeberechtigung
entzogen; Vermögen reicht nicht einmal mehr für Konkursverfahren aus
- Staatsbürgerschaft: Gewerbe dürfen von Österreichern aber auch von Ausländern (§14 GewO)
ausgeübt werden, wenn dies in Staatsverträgen festgelegt ist. EU, EWR und 3 der EFTA dürfen wie
Inländer Gewerbe ausüben (wegen sonstiger Schlechterstellung)
bei restlichen Ausländern: Wohnsitz in Ö und Aufenthaltszweck, der Erwerbstätigkeit zulässt
juristische Personen: Sitz im Inland
wenn Sitz in EWR-MS: bestellte gewerbliche Arbeiten dürfen unter gleichen Vorraussetzungen
ausgeübt werden wie für Inländer

B. besondere Vorraussetzungen

- Befähigungsnachweis: fachliche und kaufmännische Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen zur


selbstständigen Ausführung der betreffenden Tätigkeit
Nachweis soll hohen Leistungsstandard als auch Sicherheit für Konsumenten sicherstellen
bei juristischen Personen muss Geschäftsführer Nachweise erbringen

für einzelne reglementierte Gewerbe wird mittels VO festgelegt, wie Nachweis erbracht werden soll
- bei Nachweis der Qualifikation Æ als erbracht anzusehen (genereller BN) (zB Zeugnisse)
- wenn VO nicht erfüllt werden kann Æ Nachweis durch individuelle Belege (individueller BN)
- wenn auch nicht möglich Æ Beschränkung auf Teiltätigkeiten (kein Teilgewerbe!)

bei Ausländern wird Anerkennung diverser Diplome anhand von Richtlinien die Anerkennung
geregelt. Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit legt Dauer und Art der Tätigkeit fest
wenn keine RL vorhanden Æ BMfWA entscheidet anhand einer Äquivalenzprüfung
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- Zuverlässigkeit: Zuverlässigkeit nicht mehr gegeben, wenn Rechtsvorschriften betreffend


Schutzinteresse verletzt werden (auch Wahrung und Ansehen des Berufsstandes)

- weitere Bindungen: zusätzliche Vorraussetzungen zB Bedarfsprüfung (besteht Bedarf? zB


Rauchfangkehrer in bestimmter Gemeinde), Bedienung qualifizierter Fachkräfte (Augenoptiker),
Haftpflichtversicherung (Schleppliftunternhemer)

V. WOZU UND WEN ERMÄCHTIGEN GEWERBEBERECHTIGUNGEN

A. Umfang der Gewerbeberechtigung

Inhalt und Umfang ergeben sich aus dem Wortlaut der Anmeldung bzw. aus dem Bescheid
(= Feststellung, dass Vorraussetzungen erfüllt sind)
die Gewerbeberechtigung kann nicht übertragen werden

Ausübungen von Nebenrechten dürfen wirtschaftlichen Schwerpunkt sowie Eigenart des Betriebes
nicht verändern. Gewerbebetreibende dürfen einfache Tätigkeiten (kein BN erforderlich) ausüben.
keine einfachen Tätigkeiten sind sog. Kerntätigkeiten, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und
Erfahrungen voraussetzen

Tätigkeiten dürfen in eigenen Betrieb einbezogen werden – befähigter Arbeitnehmer (hat BN und
ist sozialversicherungspflichtig) muss beschäftigt werden (integrierter Betrieb)
nicht erlaubt bei sensiblen Gewerben (und Spediteurgewerbe)

Teilgewerbe dürfen ausgeübt werden, solange sie im fachlichem Zusammenhang mit


hauptberuflicher gewerblicher Tätigkeit vorhanden. auch hier ist ein Arbeitnehmer zu beschäftigen

BN für ein Gewerbe, welches Teil eines verbundenen Gewerbes ist, dürfen auch Leistungen der
anderen (mit verbundenen) Gewerbe erbracht werden

§§32-34 weitere Nebenrechte: Gewerbebetreibende dürfen: zB


- Arbeiten planen, die Absatzfähigkeit der Produkte verbessern
- Verpackungsmaterial herstellen und bedrucken
- unentgeltlich Getränke ausschenken
- Güter und Mitarbeiter transportieren
- Waren zurücknehmen, kaufen, verkaufen, vermieten, vermitteln
- Dienstleistungen auf dem Gebiet des Postwesens (außer Geld- und Zahlungsverkehr)

Gewerbeberechtigung gilt auch für weitere Betriebsstätten, muss nur angezeigt (gemeldet) werden
bei Gewerbe mit Bedarfsprüfung muss immer eine weitere BP durchgeführt werden
Anzeige nicht notwendig für Messen und Räumlichkeiten zur simplen Aufbewahrung von Waren
für eine weitere Betriebsstätte kann ein Filialleiter bestellt werden

B. Wen berechtigen Gewerbeberechtigungen

Gewerbeinhaber: jemand, der über eine Berechtigung verfügt


Gewerbebetreibender: ist jemand, der die Berechtigung tatsächlich ausübt (Inhaber oder
Fortbetriebsberechtigter) GB ist nicht übertragbar!
Fortbetriebsberechtigter: darf Gewerbebetrieb auf Grund der GB einer anderen Person fortführen
(bei Tod: Ehepartner, Kinder; bei Konkurs: Masseverwalter)

C. der gewerbeberechtigte Geschäftsführer

Inhaber müssen Geschäftsführer bestellen (bei Gesellschaften; wenn Antragsteller keinen BN


erbringen kann), dieser ist verantwortlich für einwandfreie und fachliche Ausübung sowie
gegenüber der Behörde für die gewerblichen Vorschriften, er ist haftbar bei Übertretung; muss
seiner Bestellung zum Geschäftsführer zustimmen
Geschäftsführer ist kein Gewerbebetreibender, bloßes Hilfsorgan, hat keine GB, ist Vertreter des GI
Æ GF muss persönliche Vorraussetzungen erfüllen (eigenberechtigt, BN,…)
- muss in der Lage sein, sich entsprechend zu betätigen
- ist befugt Miterbeitern Anordnungen zu geben
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- muss zumindest halbtägig tätig sein (nicht nur zum Schein bestehen)
- muss Wohnsitz im Inland haben (außer EWR Bürger mit Wohnsitz in einem EWR-MS
Strafbescheide an Betrieb im Inland)
- Ausscheiden des GF muss gemeldet werden (bei sensiblen Gewerben muss Bestellung behördlich
genehmigt werden)

VI. WANN ERLÖSCHEN GEWERBEBERECHTIGUNGEN?

bei natürlicher Person mit Tod (bei Fortbetireb mit Ende Fortbetriebsrecht)

bei Gesellschaft: Auflösung, aber auch durch Zurücklegung oder durch Entziehung durch die
Behörde (Gründe: Verurteilung mit Wiederholungsgefahr, Verstöße gegen Rechtsvorschriften
GewO, Nichteröffnung Konkurs, wenn Vermögen nicht ausreichend für Verfahren, bei Ausländern:
wenn nicht mehr legal im Land)
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LE2. BETRIEBSANLAGENRECHT UND BAURECHT

I. BETRIEBSANLAGENRECHT

A. Grundsätze

BAR (§§74, 333ff GewO) regelt Vorraussetzungen unter denen ein Unternehmer eine
Betriebsanlage errichten und betreiben darf
Nachbarn & Umwelt sind größten Hindernisse (Gefährdung) Æ Rahmenbedingungen
Interesse Unternehmer vs. Interesse Nachbarn, Umwelt Î Ziel: Interessenausgleich

B. gewerbliche Betriebsanlage

Betriebsanlage = örtlich gebundene Einrichtung, regelmäßige Tätigkeit


3 Voraussetzungen, damit von einer Betriebsanlage die Rede sein kann:
- Ortsgebundenheit (stabile Einrichtung, aber auch fahrbare Einrichtung, wenn länger an
verschiedene Standorten)
- Regelmäßigkeit (Tätigkeit muss regelmäßig ausgeübt werden)
- gewerbliche Tätigkeit

II. WANN IST EINE BETRIEBSANLAGE GENEHMIGUNGS PFLICHTIG?

A. ungefährliche Betriebsanlagen

wenn man von keiner Gefährdung für Nachbarn und Umwelt ausgehen kann (keine abstrakte
Gefährdung) Æ keine Genehmigungspflicht nach GewO (!! Bauordnung der Länder oft andere Ziele
als GewO)

B. Normalanlage

ist Betriebsanlage (abstrakt) geeignet Schutzinteressen zu gefährden Æ Genehmigung erforderlich

C. Bagatellanlagen

Gefährdung zwar gegeben, aber Praxis zeigt: kommt so gut wie nie vor Æ vereinfachtes Verfahren,
aber gleiche Bewilligungskriterien (Nachbarn haben hier keine Parteistellung) (BagatellanlagenVO)

D. IPPC und Seveso II

hohe Belastung und Gefährdung der Umwelt Æ erschwerte Genehmigungskriterien (um Unfälle zu
vermeiden)
Seveso II: Umsetzung der EG-RL zur Beherrschung von Gefahren bei Unfällen mit gefährlichen
Stoffen, Mengenschwellen (Chlor, Fluor, Benzine)

III. GENEHMIGUNGSVERFAHREN

A. Gefährdung von Leben Gesundheit und Eigentum

Gefährdung (Lärm, Geruch) Æ zu vermeiden


Eigentum schützen, bloße Wertminderung ist zu tolerieren, aber nicht Unbenutzbarkeit
Raumordnungs- und Planungsrecht der Länder (Widmung bestimmter Flächen)

B. Belästigung, Beeinträchtigung der Nachbarn

wenn zumutbares Maß nicht überschritten wird Æ muss man es hinnehmen


zumutbar? Æ Behörde entscheidet, Auflagen können zumutbares Maß herstellen
wenn unzumutbar und keine Auflagen möglich Æ keine Bewilligung
(Feststellung mit Hilfe von Sachverständigen)
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C. Beeinträchtigung öffentlicher Interessen

Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, Kirchen dürfen nicht beeinträchtigt werden

D. Nachteilige Auswirkung auf Gewässer

E. Luftschadstoffe

grundsätzlich dürfen Luftschadstoffe emittiert werden, jedoch muss dies mit der neuesten Technik
erfolgen (begrenzt/vermieden werden), Grenzwerte müssen beachtet werden, es existieren weitere
Sonderregelungen zur Abwehr von Luftschadstoffen

F. Abfall

möglichst vermeiden, verwerten oder ordnungsgemäß entsorgen

G. Nahversorgung

Sonderfall Einkaufszentrum: werden außerhalb eines Stadtkerns Einkaufszentren errichtet, dürfen


die Einkaufsstellen im Stadtkern nicht beeinträchtigt werden

H. besondere Kriterien bei IPPC-Anlagen und Pflichten bei Seveso II-Anlagen

spezielle Kriterien: effiziente Energieverwertung, Vorkehrungen zur Unfallvermeidung,


Sicherheitskonzept, Notfallpläne, Öffentlichkeit über potenzielle Gefahren informieren (auch über
Verhalten)
Nachbarn haben subjektives Recht (sind Parteien im Verfahren)
Privatinteressen = immisionsseitige Genehmigungskriterien
Umweltschutz = emmisionsseitige Genehmigungskriterien

IV. AUFLAGEN

werden Vorraussetzungen nicht gleich erfüllt Æ keine Abweisung, sondern Auflagen (erforderlicher
Anpassungsbedarf – keine unnötig belastenden Auflagen erteilen)

A. Auflagen dürfen Projekt in seinem Wesen nicht verändern

Auflagen müssen bestimmt, erforderlich geeignet und erzwingbar sein

B. Bestimmtheit

Auflagen müssen konkrete Ge- und Verbote sein (behördlich erzwingbar)

C. Geeignetheit

geeignet, um Ziel zu erreichen

D. Erforderlichkeit

besteht alternative dann Æ gelindestes zum Ziel führendes Mittel wählen

V. BETRIEB VOR RECHTSKRAFT DES BESCHEIDS

Projektwerber kann schon während des Verfahrens mit dem Bau bzw. mit dem Betrieb der Anlage
beginnen Î Risiko: geht Verfahren schlecht für den Betreiber aus Æ muss alles rückgängig machen
(Gebäude abreißen,…)
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VI. NACHTRÄGLICHE VERÄNDERUNGEN

A. Änderung durch Gewerbebetreibenden

wird zB eine Betriebsanlage auf den neuesten Stand gebracht und diese Veränderungen wirken sich
negativ aus, müssen auch diese Veränderungen genehmigt werden

B. Änderung aufgrund behördlicher Anordnung

nachträgliche Änderung sind notwendig wenn Sachverständigen Fehleinschätzung getroffen hat


oder vorhandene Auflagen unzureichend sind, neue Auflagen weiterhin nach dem
„Verhhältnismäßigkeitsgebot“ (Vertrauensschutz)
wenn keine Bedenken bestehen, kann eine Frist von 5 Jahren auferlegt werden (für Umsetzung)

C. Sanierungskonzept

kann hinreichender Schutz durch weitere Auflagen nicht gewährt werden, muss Sanierungskonzept
vom Inhaber erstellt werden (Verhältnismäßigkeit) Æ Anlage muss umgestaltet werden

VII. ÜBERWACHUNG VON BETRIEBSANLAGEN

A. durch Anlagebetreiber

in regelmäßigen Abständen selbst prüfen oder prüfen lassen und Ergebnis der Behörde melden

B. durch Behörde

Behörde bzw. Sachverständige sind berechtigt die Anlage jederzeit zu betreten, besichtigen,
kontrollieren, Proben zu entnehmen (Nachbarn haben dieses Recht nicht, können aber Verstöße
anzeigen), wenn Mängel vorkommen Æ Zwangs- und Sicherheitsmaßnahmen können verhängt
werden (zwangsweise Durchsetzung Auflagen, Stilllegung, Verwaltungsstrafe)

VIII. ZUSTÄNDIGKEIT

Genehmigung, Überwachung Æ BVB


(Antrag beim Bezirkshauptmann, in Städten meS beim Magistrat – BGM),
Berufung Æ UVS

IX. DAS BAURECHT

A. Regelungsgegenstand

regelt Errichtung von Neubauten, Umbauten und Zubauten, Sicherheit einwandfreier


Beschaffenheit technischer, sanitärer, hygienischer Hinsicht
Baurecht = Landessache Æ von Land zu Land unterschiedlich (9 verschiedene Bauordnungen)

B. Begriff „Bauwerk“

- für Errichtung bautechnische Kenntnisse erforderlich


- mit Boden in gewisser Verbindung
- wegen Beschaffenheit geeignet öffentliches Interesse zu berühren

bewilligungspflichtig: Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen oder Nachbarn belästigen
anzeigepflichtig: keine Änderung der statischen Verhältnisse, keine Änderung der äußeren Gestalt,
Umwidmung von Wohnungen in andere Räumlichkeiten (zB Büros)
freie Bauvorhaben: §62a listet auf, welche Vorhaben weder bewilligt noch angezeigt werden
müssen (Verkaufsstände, Telefonhütten,…)
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C. Verfahren, Zuständigkeit

das Verfahren entspricht jenem nach Betriebsanlagenrecht

erste Instanz: BGM der Gemeinde,


zweite Instanz: Gemeinderat

(Wien zB: erste Instanz Magistrat, zweite Instanz = Baubehörde)


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LE3. VERWALTUNGSVERFAHREN UND NATIONALER


RECHTSSCHUTZ

I. VERFAHRENSRECHT UND MATERIELLES RECHT

Verwaltungsverfahrensrecht regelt Vollziehung von Verwaltungsrecht, mit Sachregelung


(Materiengesetz) verbunden (zB GewO: enthält Regelungen über das „Wie eine BA zu führen ist“
aber auch über das „wie muss das Verfahren ablaufen“) gibt es solche Regelungen nicht, gilt das
AVG, für Erlassung von Strafbescheiden VStG, für zwangsweise Durchsetzung von Bescheiden
(Vollstreckung) VVG

II. DAS VERFAHREN ERSTER INSTANZ

A. Zuständigkeit

Behörde muss bevor sie etwas unternimmt sicherstellen, ob sie wirklich zuständig ist
Gesetzgeber ist verpflichtet die Zugehörigkeit eindeutig sicher zu stellen (ergibt sich aus
Materiengesetzen); Vollziehungskompetenzen – Bund, Land, Gemeinde
Kompetenzverteilung zwischen Bund & Land Art 10-15 B-VG verankert
ansonsten: Sonderkompetenzbestimmungen
Betriebsanlagenverfahren: erste Instanz: BVB (BH), Berufungsinstanz – UVS

B. Parteistellung

Unterscheidung: Beteiligte (nehmen Behörde nur in Anspruch, Tätigkeit bezieht sich auf
denjenigen zB Zeuge) und Parteien (darf am Verwaltungsverfahren teilnehmen, auch bei mündl.
Verfahren, außer vor UVS) Parteienöffentlichkeit, Rechtsanspruch & rechtliches Interesse (in
Materiengesetzen zu finden) – subjektive Rechte, werden sie berührt (durch Verfahren) Æ
Parteistellung Æ „genießt“ im Verfahren besondere Rechte

grundlegende Verfahrensrechte (Parteirechte): Recht auf Stellungnahme (Parteiengehör),


Akteneinsicht, Zustellung des Bescheids, Erhebung von Rechtsmitteln, nicht sachliche
Sachverständige und Dolmetscher ablehnen (wegen Befangenheit) – wird ein Recht verwehrt Æ
Verfahren ist rechtwidrig (Beteiligte haben diese Rechte nicht)

alle relevanten Tatsachen kennen Æ ermöglicht Partei sich zu äußern


Einsicht auf alle Akten allen Parteien gleich gewährt, außer Interesse von Dritten wird gefährdet

Unternehmer: Errichter und Betreiber Æ Partei, sein subjektives Recht: Erteilung der Bewilligung
Nachbar: durch Errichtung, Bestand, Betrieb einer Anlage gefährdet, belästigt oder Eigentum
gefährdet Æ Partei, können sich somit wehren – um Parteistellung zu wahren müssen
Einwendungen erhoben werden (relevant und rechtzeitig)
(bei ästhetischen Gründen oder Beeinträchtigung öffentliches Interesses Æ Behörde muss sich
selbst darum kümmern, von Amts wegen Æ Gemeinde ist dann nur Beteiligter)
Parteistellung verlieren wenn: mündliche Verhandlung stattgefunden hat und Nachbar war darüber
informiert, hat aber den Termin nicht wahrgenommen (Präklusion), Unternehmer präkludiert nie
aber Nachbar verliert somit bei Präklusion seine Rechte
Halter: Inhaber von Beherbergungsbetrieben (Krankenanstalten, Heime, Schulen) Æ Parteistellung

C. Ablauf des Verfahrens

Verfahren werden auf Antrag eingeleitet, bei öffentlichem Interesse von Amts wegen
(Betriebsanlagenbewilligungsverfahren – Betriebsbeschreibung, Pläne und Skizzen, erwartete
Abfälle und Vorkehrung zur Vermeidung, Verwertung, Entsorgung, erwartete Emissionen)

Kommunikation zw. Partei und Behörde via Brief, Fax, Mail, Telefon (sämtliche Kommunikationsm.)
bei Fehler im Antrag: Behörde muss auf Behebung hinwirken (mit Frist) Æ Verbesserungsauftrag

ist Partei nicht durch Rechtsanwalt vertreten Æ Manuduktionspflicht der Behörde (B muss „helfen“)
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bei der Ermittlung: Unparteilichkeit der Behörde, zuständiges Organ darf nicht befangen sein, muss
dies selbst wahrnehmen, Recht auf Ablehnung gibt es nicht, Amtshandlungen von befangenen
können bekämpft werden

Grundsätze des Ermittlungsverfahrens


- Offizialmaxime und Grundsatz der materiellen Wahrheit: alles unternehmen bis Behörde im
Klaren ist, muss wirklichen Sachverhalt feststellen; „Außerstreitsetllen“ nicht möglich
- Grundsatz der arbiträren Ordnung: Behörde darf entscheiden wie sie vorgeht („Herrin des
Verfahrens“) (Betriebsanlagenverfahren: Behörde prüft ob Vorraussetzungen erfüllt sind, stellt fest
ob Schutzinteressen berührt werden)
- Grundsatz der freien Beweiswürdigung: keine Beweisregeln, Behörde glaubt oder glaubt nicht,
muss aber Entscheidung begründen, alles kann ein Beweismittel sein (Urkunden, Zeugenaussagen)
- Recht auf Parteigehör: Partei darf alles vorbringen, was den Rechtsstandpunkt stützt, sie muss
sich mit allen Parteivorbringen auseinandersetzen (Rechte werden berücksichtigt!)
auch schriftlich, Behörde entscheidet ob mündliche Verhandlung notwendig
- Effizienzprinzip: möglichste Zweckmäßigkeit, Einfachheit, Raschheit, Kostenersparnis

bei mündl. Verhandlung Parteiöffentlichkeit beachten (alle Parteien Recht auf Teilnahme)
Augenscheinsverhandlung (vor Ort), Behördenvertreter, Antragsteller, Nachbarn

vereinfachtes Verfahren wenn abstrakte Gefährdung positiv, aber es erscheint sicher, dass
Gefährdung oder Belästigung nicht auftreten (Bagatellanlagen), Nachbarn haben keine
Parteistellung (Liste der Anlagen §359b Abs1 GewO) (Betriebsanlagen, Betriebsfläche < 800m²,
elektrische Anschlussleistung < 300kW) Bewilligungskriterien sind gleich

Bescheid: auf Grund eines Verfahrens erlassene, individuell konkrete Anordnung einer
Verwaltungsbehörde und sich an individuell bestimmbare Rechtsunterworfene Richten (Name)
Zentrales Element des österreichischen Verwaltungsrechts
keine Bescheide sind: VO einer Behörde (nicht individuell, bestimmt); Rechtsgeschäfte, Staat im
Rahmen Privatwirtschaftsverwaltung (normaler privatrechtlicher Vertrag);
AuvBZ – Akte unmittelbarer verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt;
bestimmte Inhalts- und Formerfordernisse: fehlt ein Mindesterfordernis Æ rechtswidrig
Fehlerkalkül der Rechtsordnung: Fehler werden nur aufgegriffen, wenn Partei Mittel ergreift oder
von Amts wegen eine Abänderung erfolgt
bloße Formvorschriften (Datum, Bezeichnung als Bescheid)
Mindesterfordernisse: Behördenqualität der Stelle, Bezeichnung der Stelle, Bezeichnung des
Adressaten, Spruch, Unterschrift
ein Bescheid entsteht, kann aber bekämpft werden wenn fehlt: Begründung,
Rechtsmittelbelehrung, Einhaltung der materiellen Verwaltungsvorschriften

Leistungsbescheide: schreiben Erfüllung bestimmter Leistung vor, wird Leistung nicht erbracht Æ
Behörde kann zwingen (Strafbescheid)
Rechtsgestaltungsbescheide: begründen, gestalten, heben Rechtsverhältnis auf (Baugenehmigung)
Feststellungsbescheide: stellen Bestehen/Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses mit rechtlicher
Verbindlichkeit fest (zB Bagatellanlage - JA, NEIN?)

Nebenbestimmungen: Auflagen, Bedingungen, Befristungen


Auflagen: Verpflichtungen (kann auf Vorschläge des Gewerbebetreibers und Nachbarn eingehen,
muss aber nicht) Behörde sucht besten Mittelweg
Bedingungen: abhängig von zukünftig eintretenden Ereignissen
Befristung: Eintritt od. Beendigung der Berechtigung/Verpflichtung

Bescheid = immer Ergebnis von Anwendung eines Gesetzes (Legalitätsprinzip!), Änderungen


müssen immer miteinbezogen werden, manchmal eigenes Ermessen (Entscheidungsspielraum)
Erlassen bei Zustellung (od. mündl. Verkündung) Æ Fristen beginnen

Rechtssicherheit vor Rechtsmäßigkeit


Rechtskraft = Unabänderlichkeit Æ Wert der Rechtssicherheit und des Rechtsfriedens gesichert

formell rechtskräftig: kann nicht mehr mit ordentlichen Rechtsmitteln bekämpft werden
(letztinstanzliche Berufungsentscheidung [LReg, BM, UVS], ungenütztem Verstreichen der
Rechtsmittelfrist, Rechtsmittelverzicht, Zurückziehung des Rechtsmittels)
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materiell rechtskräftig (Folge der formellen Rechtskraft): unwiderrufbar, unwiederholbar,


verbindlich Æ rechtswirksamer Bestandteil der Rechtsordnung;

Ausnahme: Rechtskraft = relativ Æ Durchbrechung der Rechtskraft (Wiederaufnahme,


Wiedereinsetzung, nachträgliche Auflagen, Beschwerde an VfGH, VwGH)

persönliche Wirkung Æ richten sich an individuell-konkreten Adressaten, gelten nur für ihn
anlagerechtlicher Bewilligungsbescheid – dingliche Wirkung (haften an der Betriebsanlage)

prinzipiell bedarf ein Eingriff einen Bescheid (somit ein Verfahren)


aber Æ verfahrensfreie Verwaltungsakte (Erteilung eines Befehls, Ausübung von Zwang)

Zustellung an alle beteiligten Parteien (durch Post, oder Organ)


Berufung binnen 2 Wochen

III. RECHTSSCHUTZ

A. Rechtsstaatprinzip und Rechtsschutz

Rechtsmittel: Partei kann Entscheidung einer Behörde auf Richtigkeit prüfen (Rechtsstaat)
da Fehler passieren können, muss Staat solche Mittel zur Verfügung stellen (Fehlerkalkül)
aber auch Interesse der Rechtssicherheit Æ kann nicht immer bekämpft werden, es gibt Fristen
(wenn ich Bescheid erhalte, möchte ich sicher sein, dass dieser auch in Zukunft gilt)

Legalitätsprinzip: staatliche Verwaltung wird nur auf Grund von Gesetzen ausgeübt
im Verwaltungsrecht – wichtigstes Rechtsmittel gegen Bescheid = Berufung (weiters:
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, Devolutionsantrag bei Säumnis der Behörde)

ordentliche Rechtsmittel (Berufung, Vorlageantrag) gegen einen Bescheid, devolutiv (aufsteigend)


Æ nächst höhere Behörde entscheidet
außerordentliche Rechtsmittel (Wiederaufnahme) auch gegen Bescheid, aber remonstrativ Æ
bescheiderlassende Behörde entscheidet

diese Rechtsbehelfe erfordern keinen Bescheid


Sinn und Zweck: Beseitigung rechtswidrigen Verhaltens, Wahrung der subjektiver Rechte
Überprüfung nur durch Verwaltungsbehörde reicht nicht aus Æ Kontrollmechanismen
(Übereinstimmung mit Verfassung – VfGH; mit G und VO - VwGH)

B. Der administrative Instanzenzug

Kompetenzverteilung des B-VG entscheidet Zuständigkeit, Reihenfolge (=Instanzenzug)


IZ in G festgelegt, wenn nicht: BVB bis zum obersten Vollzugsbereich (Bundes- und Landesverw.)

mittelbare Bundesverwaltung: durch Behörden der Länder vollzogen, grundsätzlich zweigliedrig


(also wenn BVB in 1. Instanz entscheidet Æ LH Berufungsbehörde)
viele Materiengesetze besagen: UVS = Berufungsbehörde (LH nur noch Weisungsrecht)
ist LH 1.I Æ Instanzenzug bis zum zuständigen BM
(Wien gesondert geregelt (Land, Bezirk, Gemeinde) – meist 1.I Magistrat, 2.I unterschiedlich, oft
Berufungssenat der Stadt Wien, sonst aus Rechtsmittelbelehrung des Bescheids erkennbar)

unmittelbare Bundesverwaltung: Bund wird organisatorisch durch eigene Behörden tätig (zB
Finanzverwaltung); keine Regelung über Instanzenzug, unmittelbar, wenn für Vollziehung in
Bundesverfassung vorgesehen und so vollzogen werden kann (Gesetzgeber überträgt Vollziehung)
Verwaltung bis zum obersten Organ (BM, BReg)

Landesverwaltung: wenn keine ausdrückliche Bundeskompetenz (Generalklausel)


Bundesgesetze werden auch von Ländern vollzogen, Bund kann in bestimmten Materien
Grundsatzgesetze erlassen (durch Landesgesetze ausgeschalten)
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Gemeindeverwaltung: eigener (im Interesse der Gemeinde, Instanzenzug in Gemeindeordnung


geregelt, normalerweise: Bgm, dann Gemeinderat) und übertragener Wirkungsbereich (Maßgabe
von Bundes und Landesgesetzen, Auftrag und Weisung von Bund und Ländern)

gesondert geregelte Instanzenzüge:


Umwelt – unabhängiger Umweltsenat (UUS)
Asylsachen – unabhängige Bundesasylsenat (UBAS)

C. Berufung

aufsteigendes Rechtsmittel Æ übergeordnete Behörde entscheidet (somit nur möglich wenn noch
ein Instanzenzug offen ist), berufen dürfen nur Parteien, Frist = 2 Wochen ab Zustellung
(Ausnahmen möglich), bei erster Instanz einzubringen

Berufung ist schriftlich einzubringen und benötigt gewissen Mindestinhalt


- Bezeichnung des Bescheides (wenn Spruch teilbar, kann auch nur ein Teil berufen werden)
- Berufungsantrag (deutlich machen, ob aufgehoben werden soll, oder was geändert werden soll)
- Begründung (erkennbar, worauf sich Partei stützt, ob das richtig ist = irrelevant für Berufung)
kein Neuerungsverbot Æ neue Tatsachen und Beweise, welche nicht im Verfahren behandelt
wurden (da sie noch nicht existierten) können vorgebracht werden, kein Verschlechterungsverbot
Behörde muss alle Parteien davon informieren; aufschiebende Wirkung Æ nicht rechtskräftig

zunächst erlassende Behörde zuständig, binnen 2 Monaten absprechen (aufheben, abändern,


unzulässig erklären) ihr eigenes Ermessen; Vorentscheidung muss nicht akzeptiert werden Æ
beantragen, dass Berufung der Berufungsbehörde vorgelegt wird (Vorlageantrag)

Berufungsbehörde: selbe umfassende Entscheidungsbefugnis (entscheidet in der Sache selbst, wie


Unterbehörde Æ nicht nur Kontrolle) – selben Regeln (Grundsätze) – kein Verschlechterungsverbot
neue Tatsachen und Beweise selber behandeln oder Unterbehörde beauftragen

Möglichkeiten der Entscheidung:


- Einstellung (Verfahren einstellen, wenn Berufung zurückgezogen, Werber verliert
Rechtspersönlichkeit) kein Bescheid, bloße Anordnung
- Zurückweisung (verspätet eingebracht, nicht von legitimierter Person eingebracht (keine Partei),
Berufung weißt Mängel auf (trotz Verbesserungsauftrages), es wurde schon rechtskräftig entsch.)
- Entscheidung in der Sache selbst (Sachentscheidung wird getroffen)

wenn unterinstanzliches Ermittlungsverfahren sehr mangelhaft Æ Durchführung, Wiederholung


mündl. Verhandlung unvermeidbar Æ angefochtener Bescheid kann zur Gänze aufgehoben werden
(neue Verhandlungen kann an Unterinstanz zurückverwiesen werden)

D. Wiedereinsetzung und Wiederaufnahme

Wiedereinsetzung: wenn man durch ein unvorhergesehenes/unabwendbares Ereignis verhindert


war, und Frist nicht einhalten konnte (und kein Verschulden (minderer Grad)), oder fehlende,
mangelhafte Rechtsmittelbelehrung
unabwendbar: vom Durchschnittsmenschen objektiv nicht verhindert werden kann
unvorhergesehen: Ereignis nicht mit einberechnet und nicht erwartet werden konnte

Antrag binnen 2 Wochen an Behörde, die das Verfahren durchführt, mit Wiedereinsetzungsgrund
(Bescheinigungsmittel zur Bestätigung, Glaubhaftmachung); keine aufschiebende Wirkung, jedoch
bei Interesse der Parteien möglich
wenn Antrag stattgegeben Æ Verfahren tritt in Lage vor Verhandlung zurück
gegen Abweisung/Zurückweisung des Antrags – Berufung bei übergeordneter Instanz
gegen Bewilligung des Antrags – keine Berufung

Wiederaufnahme: wenn Richtigkeit der Sachentscheidung fragwürdig


- Bescheid durch gerichtlich strafbar Handlung erwirkt worden
- Bescheid ist erschlichen worden
- Bescheid von Vorfrage abhängig, nachträglich wurde in wesentlichen Punkten anders entschieden
- nachträglich neue Tatsachen und Beweise Æ führen wohlmöglich zu anderem Ergebnis („nova
reperta“)
©2007 – Frederik Spanel 15 von 48

Wiederaufnahme von Amts wegen oder schriftlich, binnen 2 Wochen bei bescheiderlassender
Behörde (von Amtswegen innerhalb 3 Jahre, außer bei Grund 1 und 2)
Behörde kann Antrag stattgeben (geltend gemacht), zurückweisen (fehlende Vorraussetzungen,
Frist versäumt), abweisen (kein Grund zur Wiederaufnahme)
wenn stattgegeben Æ Bescheid tritt außer Kraft

E. Untätigkeit der Behörde

über Anträge muss binnen 6 Monaten entschieden werden (Ausnahmen“) – „ohne unnötigen
Aufschub“ Æ in kürzest möglicher Zeit, Erledigungsanspruch nur wenn Verschulden bei Behörde

keine Entscheidung innerhalb der Frist Æ Devolutionsantrag (schriftlich bei Oberbehörde


einzubringen) Æ Zuständigkeit wird auf Oberbehörde übertragen (trifft nun Entscheidung)

keine Oberbehörde mehr vorhanden (kein Dev. möglich) Æ Säumnisbeschwerde beim VwGH
(entscheidet immer bei Säumnisbeschw. Æ ausschließliche Zuständigkeit)
säumige Behörde bekommt 3 Monate Frist für Begründung der Säumnis bzw Vorlage des
ausständigen Bescheids Æ nach dieser Frist: Zuständigkeit beim VwGH
Ermittlungsverfahren selbst, durch Gericht oder Verwaltungsbehörde geschehen lassen

IV. DAS VERFAHREN VOR DEM UVS

A. Verfassungsrechtliche Vorgaben

UVS = gerichtsähnlich organisierte Verwaltungsbehörde


Art 6 EMRK: unabhängiges Tribunal soll entscheiden, Mindestrechte garantiert (in Ö: UVS)
UVS sind nicht wie BVBs an Weisungen gebunden, entscheidet durch Einzelmitglieder oder durch
Kammern (bestehend aus 3 MG)
organisatorisch als Landesbehörden, werden aber auch in Bundesverwaltung tätig

Zuständigkeit des UVS wenn


- im Verfahren wegen Verwaltungsübetretungen, im Bereich des Verwaltungsstrafrechts
- Beschwerden von Personen, die meinen, AuvBZ hat sie in Rechsachen verletzt (Maßnahmen-
Beschwerde) binnen 6 Wochen einzureichen
- durch Materiengesetze zugewiesen (verschiedene Angelegenheiten)
- Beschwerden wegen Verletzung der Entscheidungspflicht

Verfahrensvorschriften des AVG auch für UVS gültig – Sonderbestimmungen:


- Behörde, deren Bescheid bekämpft wird, ist ebenfalls Partei
- öffentliche mündliche Verhandlung (Ausnahmen)
- Grundsatz der Unmittelbarkeit – nur Organwalter die Ermittlungsverfahren durchgeführt haben,
dürfen Entscheidungen treffen (Ermittlungsverfahren: Referenten – Erlassung: Behördenleiter)
- Bescheid und Begründung sind auf Grund der Verhandlung zu erlassen & mündl. zu verkünden
- auch für UVS selben Regeln (kein Verschlechterungsverbot, kann in Sache selbst entscheiden,…)

widerspricht Entscheidung des UVS der Entscheidung der vorigen Instanz Æ Instanz kann dieser
meritorischen Entscheidung widersprechen Æ UVS führt nur noch Gesetzmäßigkeitskontrolle durch
darf bei Rechtswidrigkeit nur aufheben (Kassation)

V. DER VERWALTUNGSGERICHTSHOF

A. Grundlagen

VwGH ist Höchstgericht bei


- Rechtswidrigkeiten von Bescheiden (RW muss auf G oder VO gestützt werden)
- Verletzung der Entscheidungspflicht (von Behörden, UVS)
Vorraussetzung für Beschwerde = Erschöpfung des Instanzenzuges
Ablehnungsrecht, wenn nur eine geringe Geldstrafe verhängt wurde; wenn Entscheidung nicht von
Rechtsfrage abhängig (mit grundlegender Bedeutung)
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B. Organisation

Mitglieder: BReg – Vorschlag Æ BPräs ernennt; BReg ist an Dreiervorschläge der Vollversammlung
gebunden Æ Selbstergänzungsrecht; Unabsetzbarkeit, Unversetzbarkeit, Unabhängigkeit
Dienstverhältnis endet mit Ende 65.Lebensjahr; Mitgliedschaft in LReg, BReg und allg.
Vertretungskörpern (Nationalrat, Gemeinderat) = unvereinbar mit Richteramt

VwGH erkennt in Senaten (Verwaltungsstrafsachen: 3er Senate, ansonsten 5er Senate)


alle Mitglieder = Vollversammlung (Dienst- und Disziplinaraufsicht über Richter des VwGH)

C. Verfahren

Schriftsätze sind direkt beim VwGH einzubringen; Anwaltszwang bei Einleitung (muss
unterschreiben, Parteien können sich aber selbst vertreten)

jede Partei, die behauptet in ihren Rechten verletzt worden zu sein, darf Beschwerde einbringen
(binnen 6 Wochen), keine Aufschiebende Wirkung (Rechtskraft, obwohl noch geprüft wird)
es muss ein eindeutiges Beschwerdebegehren zum Ausdruck gebracht werden, Bescheide müssen
bezeichnet werden, Darstellung des bisherigen Verfahrens (wenn nicht alles vorhanden Æ
Mängelbehebungsauftrag – Mängel beseitigt Æ VwGH legt los)

bei Entscheidung an Sachverhalt und Beschwerdepunkte der Behörde gebunden, kein weiteres
Vorbringen (Neuerungsverbot), überprüft auf Schlüssigkeit und Übereinstimmung mit
Rechtsgrundlagen (Auf Kassation beschränkt – nur Aufhebung, keine meritorische Entscheidung)
bei Aufhebung Æ Lage vor Erlassung, neues Verfahren an Rechtsanschauung des VwGH gebunden

VI. DAS VERWALTUNGSSTRAFVERFAHREN

A. Verwaltungsstrafrecht

Gebote und Verbote an Rechtsunterworfene mit staatlichen Sanktionen verknüpft


Verfahrensregeln, nach dem Verwaltungsbehörden vorzugehen haben (VStG und AVS)
Vorraussetzung für Strafbarkeit = Verwaltungsübertretung (menschliches Verhalten,
Rechtswidrigkeit, Verschulden vorsätzlich, fahrlässig); Art der Strafe von Materienvorschriften
bestimmt, bei diesem Gebiet meist Geldstrafen (gemessen nach: Unrechtsgehalt der Tat, Grad des
Verschuldens, Vermögensverhältnis)

B Zuständigkeit und Ablauf

allgemeine Regelungen des AVG und EGVG gelten hier nicht Æ VStG gibt Informationen für
Zuständigkeit
sachliche Zuständigkeit: 1.Inst. = BVB (bei sachlicher und örtlicher Wirkungsbereich BPD)
örtliche Zuständigkeit: nach Sprengel, in dem Übertretung gesetzt wurde; wenn übergreifend Æ
Behörde die zuerst handelt
Berufungsbehörde in Strafsachen = immer UVS

Normalverfahren und abgekürztes Verfahren


Verwaltungsstrafverfahren entspricht Ermittlungsverfahren, aber mit besonderen Grundsätzen
- nur von Amts wegen (Verfolgungsverhandlung) eingeleitet, muss einleiten, wenn Verdacht
- Verfolgungsverjährung – nach Ablauf bestimmter Frist (idR 6 Monate) nach Übertretung (und es
wurde keine Verfolgungshandlung gesetzt) ist Verfolgung einer Person unzulässig
- Strafbarkeitsverjährung – Verjährungsfrist: 3 Jahre Æ in dieser Angelegenheit darf kein
Strafbescheid mehr ergehen (Verwaltungsstrafverfahren ist einzustellen)
- Funktionen des Anklägers und Richters Æ selbes Organ
- Beschuldigter = Zentrum des Verfahrens, sichere Parteistellung
- mündl. Verhandlung um Beschuldigten zu vernehmen (Vernehmung)
- Ende, wenn: Erlassung eines Strafbescheides; Einstellung des Verfahrens

Straferkenntnis braucht Bescheidanforderungen: Spruch – Angaben über: Tat und verletzte


Vorschrift, verhängte Strafe und angewendete Gesetzesbestimmungen
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Verfahren einstellen wenn: Tat kann nicht nachgewiesen werden; keine Verwaltungsübertretung;
Beschuldigter hat Übertretung nicht begangen; Strafbarkeit = nicht gegeben (zB Verjährung,
Rechtfertigungsgründe)

C. Rechtsschutz

Rechtsmittel gegen Straferkenntnisse = Berufung; Zuständigkeit UVS, binnen 2 Wochen


einreichen, Berufungswerber und Behörde haben auf jeden Fall Parteistellung

D. abgekürzte Verfahren

Erlassung von Strafverfügungen, Anonymverfügungen, Organstrafverfügungen


Unterschied: es wird kein Ermittlungsverfahren durchgeführt

Strafverfügung (erhält Behörde) wenn


- wenn strafbarer Sachverhalt selbst festgestellt
- es wurde ein Geständnis abgelegt
- aufgrund automatischer Überwachung (zB Radar)
Geldstrafe von 7-365€ (pro Delikt) (ob Behörde von Strafverfügung Gebrauch macht liegt im
eigenem Ermessen)
Strafverfügung = Bescheid; Rechtsmittel = Einspruch Æ bei Einspruch: Ermittlungsverfahren

Anonymverfügung: Wahrnehmung eines Organs öffentlicher Aufsicht oder durch automatische


Überwachung Æ in VO festgesetzte Geldstrafe bis 220€
Anonymverfügung = kein Bescheid, sondern Rechtsakt eigener Art (sui generis); kein Rechtsmittel
Verfügung wird erlassen ohne tatsächlichen Täter zu kennen (zB Radar)
wird Strafe binnen 4 Wochen bezahlt Æ keine Ausforschung des wahren Täters (sonst ordentliches
Verfahren

Organstrafverfügung: ermächtigtes, geschultes Organ öffentlicher Aufsicht - darf Strafe bis 36€
verhängen, bei Wahrnehmung einer Übertretung (zB Parksheriff, OSV meist in Verkehrsstrafrecht)
kein Bescheid, kein ordentliches Rechtsmittel Æ Verfügung ist gegenstandslos wenn nicht gleich
bezahlt, oder binnen 2 Wochen mittels Zahlschein bezahlt wird Æ Behörde leitet Verfahren ein
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LE4. INNERSTAATLICHES ORGANISATIONSRECHT

I. STAATSGEWALT

Einrichtungen, die dem Staat zur Erreichung seiner Aufgaben zur Verfügung stehen
Normen regeln (wer macht was, wer darf Normen erlassen,…)
Unterteilung: Gesetzgebung (Bund, Länder) – Vollziehung (B, L, Gemeinden) Æ aufgeteilt auf
Gebietskörperschaften; Gerichtsbarkeit ist Bundesorganen vorbehalten

II. DREI GEBIETSKÖRPERSCHAFTEN

juristische Person öffentlichen Rechts – erfasst alle Personen mit Beziehung zu bestimmten Gebiet
Körperschaften durch Verfassungsgesetze eingerichtet, haben hoheitliche Gewalt, Träger von
Rechten und Pflichten

A. Bund

größte Gebietskörperschaft, ganz Ö


Gesetzgebung: Nationalrat (NR) und Bundesrat (BR)
höchste Verwaltungsorgane: BReg, BMin, BPräs
Höchstgerichte (obersten Kontrollinstanzen): VfGH, VwGH, OGH

B. Länder

nach Kompetenzverteilung: Staatsgewalt zwischen Bund und Ländern verteilt


Gesetzgebung: Landtage (LT)
Verwaltungsorgane: Landesregierung (Landesräte Æ Landeshauptleute)

C. Gemeinden

nur ein Teil der Verwaltung (Teil der Vollziehung) Organe: BGM und Gemeinderat

III. GESETZGEBUNG

Vorgang: generell abstrakte Normen werden von Gesetzgebungsorganen geschaffen


Æ politische Zielsetzungen werden verwirklicht

A. die österreichische Bundesverfassung

Stammgesetz: B-VG (daneben: Saatsgrundgesetz StGG und Europäische MR Konvention EMRK)


Verfassung enthält Grundregeln (Spielregeln); Verfassungsbestimmungen in Rechtsordnung
besonderer Rang Æ um zu beschließen, andern, aufheben:
Präsenzquorum: 1/2 der Abgeordneten (NR, BR)
Konsenzquorum: 2/3 der Anwesenden müssen zustimmen

aus Verfassung ergeben sich Grundprinzipien (aus Gesamtzusammenhang); alle Normen müssen
ihnen entsprechen; für Änderungen ist eine zusätzliche Volksabstimmung notwendig

demokratisches Prinzip (Art1 B-VG): parlamentarische Demokratie (mittelbare D)


Volksbegehren, Volksabstimmung, Volksbefragung (direkt-demokratische Elemente = unmitt.)
demokratische Organisation bei Gesetzgebung und Vollziehung (Prinzip der Weisungsgebundenheit,
Verantwortung der obersten Verwaltungsorgane gegenüber dem Parlament)
Änderungen EU-Beitritt: sekundäres EG-Recht nicht unmittelbar vom Volk aus (EU-Organe)
Österreich im Rat der EU vertreten durch Fachminister; Teilorgane der EU Gesetzgebung: RL und
VO erlassen, die höheren Rang haben als österreichische Gesetze

republikanisches Prinzip: nicht-monarchisch Æ zeitlich begrenzte, politisch rechtlich


verantwortliche Position des Staatsoberhauptes (Bpräs), nicht durch EU-B verändert
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bundesstaatliches Prinzip: Staatsfunktionen auf Bund und Länder aufgeteilt; Rechtskreise (B, L)
gleichgeordnet, Akte der anderen aber berücksichtigen; Regelungsübergewicht zugunsten Bund,
Länder im Vollzug wichtige Rolle (Länderverwaltungsbehörden für Vollzug) Æ Vollzugsföderalismus
Länder wirken an Gesetzgebung des Bundes mit (Bundesrat), Einfluss gering (suspensives Veto)
Landesbehörden wirken auch an Vollziehung mit (mittelbare Bundesverwaltung)
EU-B: einige Landeskompetenzen wurden determiniert, Gewicht weiter vermindert (EU Recht
„bundesstaatsblind“) wenn Land säumig ist, EU-Recht einzuführen, Zuständigkeit auf Bund
(Devolution, nur wenn von Gericht festgestellt) wenn Land Verpflichtung nachkommt Æ wieder
zuständig; Bund verpflichtet, Länder und Gemeinden über Vorhaben der EU zu Informieren und
Stellungnahme entgegennehmen

Gewaltentrennung: staatliche Funktionen (Gesetzgebung, Rechtssprechung, Verwaltung) sind


getrennt Æ Macht begrenzter Æ ergibt sich aus:
- organisatorische Trennung von Gesetzgebung und Verwaltung
- Trennung von Verwaltung und Justiz
- Unvereinbarkeitsbestimmungen
- vorgegebenes Zusammenwirken der obersten Verfassungsorgane – einzelne haben begrenzte
Kompetenzen (checks and balances)
Funktionstrennung: Regierung Opposition; politisches Nebeneinander von Parteien
EU-B: europäische Kommission wirkt im Wettbewerbsrecht mit; Rechtszug: Kommission zum EuGH

rechtsstaatliches Prinzip: Rechtsstaat im formellen Sinn: Zusammenleben von Menschen durch


Rechtsnormen geregelt, Durchsetzung dem Staat vorbehalten;
im materiellen Sinn: Rechtsordnung mit verschiedenen inhaltlichen Wertvorstellungen
(Gerechtigkeit, Freiheit, Ordnung,…) Gegenteil = Polizeistaat;
Rechtsstaat = berechenbar (Gedanken der Rechtssicherheit) Æ Verfassungs- Gesetzes- und
Rechtsschutzstaat; Rechte und Pflichten festgelegt und durch Institutionen durchgesetzt

Legalitätsprinzip (Gesetzmäßigkeit der Verwaltung): staatliche Verwaltung darf nur auf Grund von
Gesetzen ausgeübt werden Æ Gesetzgeber muss Verhalten der Behörden determinieren.
Vollziehung – darf nur hoheitlich handeln, wenn gesetzliche Ermächtigung
Gesetzgebung – muss Vollzugshandeln determinieren
Æ Verwaltung wird demokratisch legitimiert
EU-B: staatliche Verwaltung darf auch auf Grund von EG-Recht erfolgen (nicht nur Gs)

Spielraum: Ermessen und Verwendung von unbestimmten Gesetzesbegriffen (Behörde muss


Begriff auslegen, Zusammenhang und an Zielsetzung des G orientieren)
Handlungsermessen (handeln, Ja-Nein?), Auswahlermessen (so, so oder so handeln?)
Ermessensüberschreitung (Spielraum übertreten) und Ermessensmissbrauch (handelt nicht im
Sinne des Gesetzes) Æ rechtswidrig, bekämpfbar

Verfahren beseitigen/korrigieren Fehler von Vollzugsakten (Fehlerkalkül) Æ Rechtsfrieden


Rechtsschutz: Beurteilung ob Rechtsakt mit Rechtsgrundlagen übereinstimmen
Einzelner muss Zugang zum Rechtsschutzsystem bekommen (um sich zu wehren)
Mindestmaß an Effizienz des Rechtschutzes gewährleistet

liberales Prinzip: dem Einzelnen wird ein Bereich gewährt in dem der Staat nicht, oder nur
geringfügig eingreifen darf (persönliche Freiheit, Meinungs- u. Pressefreiheit, Glauben, Eigentums-
u. Erwerbsfreiheit, Freiheit des Liegenschaftsverkehrs)

Staatszielbestimmungen (keine Grundprinzipien Æ keine Volksabst. bei Änderung)


- Gleichstellung: Männer – Frauen (Maßnahmen zur Förderung sind zulässig)
- Gleichstellung: Menschen mit Behinderung (in allen Bereichen des täglichen Lebens)
- Umfassender Umweltschutz (Bewahrung der Umwelt als, Lebensgrundlage des Menschen, vor
schädlichen Einwirkungen – Luft, Wasser, Boden, Vermeidung von Lärm)
- Unabhängigkeit des Rundfunks (öffentliche Aufgabe
- immerwährende Neutralität? (EU-B: keine Pflicht mehr neutral zu sein Æ Petersberg-Aufgaben:
Rettungseinsätze, friedenserhaltende Aufgaben, Kampfeinsätze bei Krisenbewältigung und
friedenschaffende Maßnahmen)
- gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht (B, L, G Æ gG bei Haushaltsführung)
- weitere Bestimmungen (Verbot nazistischer Tätigkeit, umfassende Landesverteidigung, Schutz
versch. Volksgruppen
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Österreich – soziale Marktwirtschaft (nicht ausdrücklich dafür entschieden, ergibt sich aus
Grundrechten und Grundfreiheiten) (Grundsatz einheitliches Marktgebiet – Binnenmarktprinzip)
Wirtschaftsgrundrechte Æ marktwirtschaftlich
einfachgesetzliche Regelungssysteme (Sozialvers., Pensionssystem,…) und System
Sozialpartnerschaft Æ soziale Marktwirtschaft (Interessen der unterschiedlichen Gruppen werden
wahrgenommen)
Länderverfassungen: Länder haben Recht sich selbst Verfassungen zu geben; dürfen nicht gegen
Bundesverfassung verstoßen

B. einfache Gesetze

Staat darf jeden Sachbereich regeln (unter den Grundprinzipien)


um solch ein Gesetz zu beschließen: Konsensquorum 1/2, Präsenzquorum 1/3

C. Stufenbau der Rechtsordnung

von der obersten abstrakten Norm zur untersten konkreten Norm


Rechtssetzende stets an übergeordnete Norm gebunden (heteronome Determinante)
rechtliche Gestaltungsfreiheit, im Rahmen (autonome Determinante)
Grundprinzipien Æ EGR Æ B-VG Æ Gesetze Æ Verordnungen Æ Urteil, Bescheid, AuBZ

D. Organe der Gesetzgebung

Bund: NR + BR üben Gesetzgebung aus; neues Gesetz (Initiative) Æ Regierungsvorlagen (von


Ministern gestaltet Æ NR, BR diskutieren Æ im Plenum abstimmen Æ wird für das neue G gestimmt
Æ BPräs beurkundet Æ Bundeskanzler zeichnet gegen Æ Verlautbarung im BGB (gilt nächsten Tag)

NR: 183 Abgeordnete, durch Volk (Wahlen) bestimmt


BR: stellt Länderkammern dar, von Ländern gewählt, bei Gesetzgebung nur „suspensives Veto“
(kann gegen Entscheidung sein, aber NR kann Beharrungsbeschluss fassen Æ gegen Willen von BR
durchsetzen), bei einigen Gebieten muss BR zustimmen, bei anderen Geb. hat er nicht einmal sV

Länder: Gesetzgebung durch Landtag, vom Landesvolk gewählt

IV. VOLLZIEHUNG

Akte zur Konkretisierung und Durchsetzung von Gesetzen


Gerichtsbarkeit und Verwaltung; auch hier: Legalitätsprinzip

A. Wer handelt wenn der Staat handelt?

natürliche Personen, die den Staat vertreten


Organe – Bündel von Zuständigkeiten; Organwalter – Menschen, die Organe besetzen
Organ im organisatorischen (zB Landesgesetzgeber zuständig Organisation zu regeln) und im
funktionellen (zB BVB wird im Rahmen der mittelbaren BV tätig) Sinn
Behörden: Organe mit „imperium“ (=Fähigkeit, verbindliche Rechtsakte zu setzen =Hoheitsgewalt)
Kollegialorgan und monokratisches Organ (Unterschied: Willensbildung durch Vorstand allein, oder
durch mehrere Personen)

B. Vollziehung - Gerichtsbarkeit und Verwaltung

Streitigkeiten zwischen Privaten: Gerichte; zwischen Privaten und Staat: Behörden


Gericht: Angelegenheiten des Zivil- und Strafrechts; Staatsfunktionen (Aufbau) S137
keine Unterordnung der Gerichtsbarkeit unter Verwaltung (gewaltentrennendes Prinzip)
ordentliche Gerichte: unabhängige, unabsetzbare, unversetzbare Richter (keine Weisung, nur auf
Grund von Gs handeln)

Hoheitsverwaltung: Staatsgewalt von weisungsgebundenen Verwaltungsbehörden vollzogen


Weisungsgebundenheit: Verwaltung hierarchisch organisiert, dem übergeordnetem
Weisungsgebunden, gesetzlich staatliche Verwaltung unter Leitung der obersten Organe
Legalitätsprinzip: nur auf Grund von Gesetzen entscheiden (verwalten)
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Behördentätigkeit ohne hoheitliche Akte Æ schlichte Hoheitsverwaltung (Vorbereitung von


Entscheidungen, Erstellung von Gesetzesentwürfen,…), meisten staatlichen Tätigkeiten
wenn Staat subjektives Recht berührt Æ Rechtsform mit Kontrollmöglichkeit (Bescheid, Urteil, VO)
Æ Gesetzmäßigkeit der Vollziehung wird gewährleistet (rechtsstaatliches Prinzip)

höchste Ebene der Bundesverwaltung: Bpräs, BR (BMin unter Vorsitz BKanz), BMinister
kein Weisungszusammenhang Æ gleich geordnet, voneinander abhängig
BMG ordnet Sachgebiete den Ministern zu

unmittelbare Bundesverwaltung: bundeseigene Behörden erledigen in Unterinstanzen die


Verwaltungsagenden (eher Ausnahme)
mittelbare BVerw.: Angelegenheiten des Bundes werden von Landesbehörden vollzogen (funktionell
für Bund tätig); Weisungszusammenhang existiert (keine doppelte Verwalt. Organisation, Länder
stärker an Staatsgewalt beteiligt); Landeshauptmann (LH) ist Träger der mittelb. BVerw., BVB der
Länder ihm unterstellt, Entscheidung 2ter Instanz: UVS

Landesverwaltung von Landesbehörden besorgt, Bundesländer in Bezirke gegliedert, BVB verwalten


diese, Spitze BVB: Bezirkshauptmann, 2te Instanz – LReg

Gemeinden: Wirkungsbereich im Interesse der Gemeinde (1ste Instanz - BM, 2te – Gemeinderat)
kein Weisungsrecht, aber unter staatlicher Aufsicht – nur Aufhebung von „Fehlern“ (nicht in der
Sache selbst entscheiden); eigener und übertragener Wirkungsbereich (funktionell für L/B tätig)

andere Selbstverwaltungskörper: Kammern, Sozialversicherungsträger, ÖH (es gilt Ähnliches wie


für Gemeinden)

Staat kann auch im Privatrecht handeln (zB Verträge abschließen) Æ wie Privatperson

Zuständigkeit Æ Ermächtigung zum Handeln, nur zuständiger darf handeln, sonst rechtswidrig

C. Akte der Vollziehung

Gerichtsbarkeit: Urteil, Beschluss


- individuell (bestimmte Person) konkreter (bestimmtes Tun/Unterlassen) Rechtsakt
- von Gerichten ausgesprochen

Verwaltung:
Bescheid – Entscheidung in konkreter Verwaltungssache, individuell konkreter Akt
Verordnung – generell abstrakte Norm, Konkretisierung von vorhandenen Bestimmungen
(materiell: VO=Gesetz, da generell abstrakt; formell: VO=Verwaltungsakt, da von Behörde)
AuBZ – Handlungen einer Behörde auf Grund eines Gesetzes, ohne Verfahren
Weisungen – Befehle eines übergeordneten Organs (auch innerhalb der Behörde); nur an staatliche
Organe, keine Privaten; generell-abstrakt und individuell-konkret möglich
einfaches Verwaltungshandeln – formloses Verwaltungshandeln (zB Auskunft)
privatwirtschaftliches Verwaltungshandeln – Verwaltung handelt rechtlich wie Privatperson
(Privatrecht) Æ handelt „privatwirtschaftlich“ oder „nicht hoheitlich“

D. Rechtsschutz bei der Vollziehung

fehlerhafte Entscheidungen müssen überprüfbar sein


bei gerichtlichen Entscheidungen: Berufung, Rekurs, Revision
höchste Instanz bei Zivilrechtsachen Æ OGH
in Verwaltungsangelegenheiten: Rechtsmittelbehörde übergeordnete Instanz
in Verwaltungsstrafangelegenheiten: UVS (gerichtsähnliche Verwaltungsbehörde, (Tribunal), mit
unabhängigen, unabsetzbaren, unversetzbaren Mitgliedern besetzt) jedes BL hat einen UVS

Staatsgewalt in Österreich S 147


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LE5. EUROPÄISCHER BINNENMARKT

I. DIE GRUNDFREIHEITEN

EU = Raum ohne Binnengrenzen Æ Freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen,


Niederlassung; Grundfreiheiten (Warenverkehrs-, Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit,
Arbeitnehmerfreizügigkeit, Kapital- und Warenverkehrsfreiheit) Æ Gewährleistung = Allokation von
wirtschaftlichen Ressourcen Æ subjektive Rechte des einzelnen, kann vor nationalen Behörden
durchsetzen, aber nur bei grenzüberschreitenden Fällen

II. WOVOR SCHÜTZEN DIE GRUNDFREIHEITEN?

A. Diskriminierungsverbot

GF begleiten Waren, Personen, DL bei Grenzübertritt Æ zB schützen vor Benachteiligung gegenüber


einem inländischen Produkt (Diskriminierungsverbot = Inländergleichbehandlungsgebot)
versteckte Diskriminierung ebenfalls verboten (Vorschrift unterscheidet nicht zwischen in- und
ausländisch, aber neutrales Kriterium benachteiligt dann nur ausländisches); Diskr. aufgrund
öffentlicher Ordnung, Sicherheit, Gesundheit ausnahmsweise erlaubt (zB Ausbreitung Viren)

B Beschränkungsverbot

nicht diskriminierende nationale Vorschriften Æ Vereinbarkeit mit Gemeinschaftsrecht rechtfertigen


zB zusätzliche Kosten, abschreckende Wirkung (zB Belgien: Margarine in Würfelform)
zwingendes Allgemeininteresse (Cassis-Schutzgüter) Æ Beschränkungen können erlaubt sein
folgende Vorraussetzungen dafür: (gerechtfertigt und verhältnismäßig)
- in nicht-diskriminierender Weise angewandt werden
- aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt
- geeignet, Verwirklichung des Ziels zu gewährleisten
- nicht über Zielerreichung hinausgehen

C. Rechtsangleichung (Harmonisierung)

aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigten Beschränkungen sind von MS zu


MS unterschiedlich; auch Berufungsausübungsvoraussetzungen differieren
solche Erlaubnisse können den freien Waren- und Personenverkehr beeinträchtigen

EG-Gesetzgeber können Rechtsangleichungsmaßnahmen erlassen Æ Rechtsvorschriften aneinander


angleichen (zwischen MS)ÆRechtslage somit im Wesentlichen gleich (Voll- und Teilharmonisierung)
Harmonisierungsvorschriften zur Rechtsangleichung zur Schaffung einheitlicher Standards
in ganz spezifischen Ausnahmefällen darf ein MS strengere Vorschriften haben

III. WARENVERKEHRSFREIHEIT

A. Schutzbereich

ungehinderter Verkehr von Waren innerhalb des Binnenmarktes (körperliche Gegenstände inkl.
Strom u. Datenträger) mit Geldwert (Waren aus MS oder aus NichtMS die in EU importiert werden)
freier Wettbewerb Güter der MS, nicht durch nationale Gesetze beeinträchtigt
EU = Zollunion, mengenmäßige Ein- Aus Durchfuhrbeschränkungen verboten
staatliche Handelsmonopole umformen (keine ausschließlichen Import- Exportrechte)
keine steuerliche Begünstigung inländischer Waren

B. Zollunion

MS nach außen ein gemeinsamer Zolltarif


innerhalb keine Zölle (auch keine zollähnlichen Abgaben)
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C. Beseitigung mengenmäßiger Beschränkungen und MglW zwischen MS

Kontingentierungen (mengenmäßige Ein- Ausfuhrbeschränkungen) sind verboten und auch


Maßnahmen gleicher Wirkung (Æ Dassonville-Formel: Maßnahme kontingentgleicher Wirkung ist
jede Handelsregelung, die geeignet ist, innergemeinschaftlichen Handel mittelbar oder unmittelbar,
tatsächlich oder potentiell zu behindern) Æ alle Regelungen die ausländ. Waren dirkr. Æ MglW
unterschiedslos anwendbare Regelungen Æ können MglW sein (Cassis de Dijon)
vertriebsbezogene Regelungen sind keine MglW, wenn sie weder rechtlich noch tatsächlich diskr.
(Keck-Formel), Regelung für alle Wirtschaftsteilnehmer gültig
vertriebsbezogene Reg. dann MglW wenn Zugang zum Markt behindern
(Warenverkehrsfreiheit=Marktzugangsrecht) (Fall Gourmet)

Ausnahmen gerechtfertigt nach Art30 EGV: öffentliche Sicherheit, Ordnung, Gesundheit u. Leben,
Schutz national Kulturgut und des gewerblichen und kommerziellen Eigentums
Maßnahme muss verhältnismäßig sein (für Zielerreichung geeignet)- Verhälnismäßigkeitsgrundsatz
keine MglW: bei zwingenden Erfordernissen (Schutz öffentlicher Gesundheit, Lauterkeit
Handelsverkehr, Verbraucherschutz – Cassis-Schutzgüter) Zweck im Allgemeininteresse
wenn betroffener Bereich schon durch VO oder RL harmonisiert ist, gilt Art30 EGV nicht

IV. ARBEITNEHMERFREIZÜGIGKEIT

A. Schutzbereich

Staatsangehörigen (EU-MS) Wahl des Arbeitsplatzes im gesamten EU Gebiet ermöglichen


Unionsbürger dürfen in einem anderen Land wirtschaftliche Tätigkeit aufnehmen und ausüben
Æ Wanderarbeitnehmer; auch Rechte, die mit Erwerbstätigung zusammenhängen:
- Einreise in einen anderen Mitgliedstaat
- dort eine Stelle suchen
- sich dort frei bewegen, Aufenthalt
- Wohnungssuche
- nach Beendigung des Geschäftsverhältnisses dort verbleiben
auf sie berufen können sich Unionsbürger, EWR-Bürger, Angehörige des Wanderarbeiters (auch
wenn sie keine EU/EWR Bürger sind) und Arbeitgeber

B. Ausnahmen

Beschäftigungen in der öffentlichen Verwaltung (Ausübungen mit hoheitlicher Befugnis – Polizei,


Armee, Justiz)

C. Diskriminierungs- und Beschränkungsverbot

darf weder ausdrücklich noch versteckt diskriminiert werden (Ausnahmen, siehe WarenVF)
richtet sich nicht nur an MS, sondern auch an private Personen
schützt, sofern nicht sachlich gerechtfertigt und verhältnismäßig im Allg. Int. gehandelt wird
EuGH Fälle: Angonese, Bosman

V. NIERDERLASSUNGSFREIHEIT

Selbstständige können innerhalb des gesamten Binnenmarktes erwerbstätig sein (außer öffentliche
Gewalt), Aufnahme u. Ausübung dauerhafter und selbstständigen wirtschaftl. Tätigkeit in MS mit
einer dortigen festen Einrichtung; grundsätzlich egal wo man ansässig ist, außer bei
Zweigniederlassungen und Agenturen (Sitz in einem MS und Gründung nach deren Vorschriften)
NLFreiheit gilt auch für Gesellschaften und juristische Personen (unter Vorschriften eines MS
gegründet & Hauptsitz in MS) – NLF schützt vor Diskr. und Beschr. der freien Standortwahl
Æ gleiche Bedingungen wie für Inländer – MS muss Rechtsfähigkeit anerkennen (besonders bei
Steuernsachen) RL für Sitzverlegung geplant (Fall: Überseering)
Europa-AG: Wirtschaftstätigkeit wird in mind. 2 MS ausgeübt (Societas Europea (SE) Æ
grenzüberschreitende Verschmelzung, Errichtung gemeinsamer Holdinggesellschaft, gemeinsame
Tochtergesellschaft, Umwandlung einer nat. AG) SE richten sich nach EU-VO, nationalen G und
Satzung SE Stammkapital 120 000,-, Sitz im MS mit Hauptverwaltung
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VI. DIENSTLEISTUNGSFREIHEIT

selbstständige, vorübergehende Tätigkeiten, gegen Entgelt erbracht, grenzüberschreitend


erst gültig, wenn nicht schon eine andere GF angewendet wurde (Æ Auffang-Grundfreiheit)
Dienstleistung in dem MS erbracht, in dem Dienstleistungsempfänger ansässig Æ DLF
wenn Leistungsempfänger sich in anderen MS begibt (passive DLF), wenn Empfänger und Erbringer
sich in 3tem Land treffen, wenn nur DL Grenze überschreitet (Bank, Versicherung)
DLF: immaterielle Produkte (nicht wie bei Warenverkehrsfreiheit)
DLF: vorübergehende Tätigkeit (Niederlassungsfreiheit – andauernde Tätigkeit)
DLF: Dienstleistender wird selbstständig tätig (Arbeitnehmerfreizügigkeit: unselbstständig)
Diskriminierungen und Beschränkungen grundsätzlich verboten (selbe Ausnahmen)

VII. KAPITAL- UND ZAHLUNGSVERKEHRSFREIHEIT

alle Beschränkungen des Kapital- und Zahlungsverkehrs verboten (zwischen MS - MS und MS –


Nicht MS)

Kapitalverkehr: grenzüberschreitende Übertragung von Geldkapital (Wertpapiere, Kredite,


Darlehen), Sachkapital (Immobilien, Unternehmensbeteiligungen) Æ Anlagezwecke
Zahlungsverkehr: Transfer von Geld (Bargeld Überweisungen, Scheck, Wechsel) Æ Gegenleistung
im Rahmen einer anderen GF (Æ Annexfreiheit)

Beschränkungen sind hier genauer: MS darf steuerrechtlich zw. Personen mit unterschiedlichem
Wohnort, Kapitalstandort unterscheiden, wenn keine Harmonisierung Æ Behinderung des Verkehrs
darf aufrechterhalten werden; MS darf unerlässliche Maßnahmen gegen finanzrechtliche Vergehen
ergreifen Æ Umgehung von Vorschriften soll vermieden werden
Æ darf keine Diskriminierung und keine verschleierte Beschränkung sein
Privatisierungsvorgänge Æ oft unter Schutz der Kapitalverkehrsfreiheit
Sondereinflussrechte des Staats (Sonderaktien Æ Golden Shares) Æ Beschränkung der KVF
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LE6. ORGANISATIONSRECHT DER EU

I. WAS IST DIE EU

A. Gründung der Europäischen Gemeinschaften

Gründung EU 1993 – heute viele staatliche Aufgaben Æ Einfluss auf nationale Rechte
1951-2002 EGKS (D,F,I,Benelux); 1957 EAG & EWG (Æumbenannt in EG) („Römische Verträge“)

B. Weiterentwicklung zur EU

EU durch Maastrichter Unionsvertrag geschaffen (12-MS)


Æ 3 Säulen: EGs – GASP – PJZS
Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
Vertrag von Amsterdam (1.5.1999): verstärkte Zusammenarbeit (flexible Integration)
Vertrag von Nizza (1.2.2003): Erweiterung mittel- u. osteuropäische Staaten
Juni 2003: Vertrag über eine Verfassung für Europa Æ mit Abänderungen Ende 2004 unterzeichnet
F, NL lehnten mit Volksabstimmung Vertrag ab Æ jemals in Kraft treten?

1973 – DÄN, GB, IRL; 1981 - GRI; 1986 – E, POR; 1995 – FIN, AUT, SWE
2002 – CZ, EST, ZYP, LETT, LIT, H, MALTA, POL, SLO, SK (16.4.2003 – Athen unterzeichnet)

II. WIE IST DIE EU AUFGEBAUT?

tagtägliche Entscheidungen, betreffen auch einzelne Bürger (ÆUnionsbürger)


EU noch nicht „fertig“; keine Organisation (zB wie UNO), kein Staat Æ „Mittelding“

A. 1.Säule – EG

Europäischen Gemeinschaften (EG, EAG) und WWU


EG – umfassendste und praktisch wichtigste Gemeinschaft
Mittelpunkt: Binnenmarkt + Grundfreiheiten, Wettbewerbsordnung, gemeinschaftlich
wahrzunehmende Politiken (WWU mit dem Euro, Handelsp., Agrarp., Verkehrsp., Steuerp.,…)

B. 2.Säule – GASP

Gemeinsame Außen und Sicherheitspolitik – zu Außenpolitische Angelegenheiten mit „einer


Stimme“ sprechen, hoher Vertreter – Mister GASP, vom Rat mit qual. Mehrheit ernannt
MS wollen in 2ter Säule Souveränität und Eigenständigkeit nicht aufgeben Æ Entscheidungen
werden intergouvernemental (zwischenstaatlich) getroffen
gemeinsam Vorschläge entwerfen, einstimmige Abstimmung für Durchsetzung

C. 3.Säule – PJZS

Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen – durch gemeinsames Vorgehen der MS


Æ Bekämpfung der Kriminalität Æ Bürgern einen Raum von Freiheit, Sicherheit, Recht garantieren
Polizei und Justiz der MS und Europol (europäisches Polizeiamt)
Zusammenarbeit in gleicher, zwischenstaatlicher Weise (Einstimmigkeitsprinzip, EuGH hat
Kontrollmöglichkeit)

III. DAS BESONDERE AN DER 1.SÄULE

Die europäischen Gemeinschaften sind supranational, das bedeutet:


- Adressat: MS und einzelner Bürger
- Mehrheitsbeschlüsse (Möglichkeit der Überstimmung von MS)
- Durchgriffswirkung des EG-Rechts (unmittelbare Geltung, Anwendung)
- EG-Recht hat Vorrang vor nationalem Recht
- unabhängige Organe (Organe unabhängig von MS)
- obligatorische (zwingende) Gerichtsbarkeit (EuGH)
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GASP und PJZS nur intergouvernmental


- alle MS müssen zustimmen
- Adressaten nur MS

IV. WELCHE INSTITUTIONEN GIBT ES IN DER EU?

EU hat ebenfalls Institutionen wie Staaten (Parlamente, Verwaltungsbehörden, Gerichte)


Unterschiede im Detail; EU kann verbindliches Recht erschaffen
5 Hauptorgane: Parlament, Rat, Kommission, Gerichtshof, Rechnungshof
daneben: Wirtschafts- und Sozialausschuss, Ausschuss der Regionen, europäische Zentralbank,
Investitionsbank, Europäischer Bürgerbeauftragter
einziges „eigenes“ Organ: Europäischer Rat = oberstes politisches Steuergremium

A. Der Europäische Rat

besteht aus Staats- und Regierungschefs der MS und der Präsident der Kommission
Unterstützung durch Außenminister und ein weiteres Kommissionsmitglied
Rat gibt Impulse für Entwicklung der EU, gibt Zielvorstellungen
tritt mind. 2mal im Jahr zusammen, Vorsitz: Staats- und Regierungschefs (meist in Brüssel)

B. Der Rat der Europäischen Union

auch Ministerrat od. Rat, zentrales Entscheidungs- und Gesetzgebungsorgan der EU


je nach Sachbereich wird alleine, oder zusammen mit Eur. Parlament entschlossen
Mitglieder sind Fachminister der MS (zB Finanzminister bei Finanzfragen, Landwirtschaftsminister)
Beschlussfassung: einstimmig oder mit Mehrheit, meist qual. Mehrheit – mindestens 232 von 331
Stimmen; Stimmen der MS werden gewogen; neu: fakultative Mehrheit – jeder MS darf
beantragen, dass überprüft wird ob Vertreter der MS mind. 62% der Gesamtbevölkerung der EU
repräsentieren

C. Die Europäische Kommission

unabhängig von MS, zum Wohl der Gemeinschaften, überwacht Einhaltung der Verträge in den MS
„Motor der Integration und Hüterin der Verträge“ handelt ausschl. im Interesse der Gemeinschaften
manchmal: Rat beauftragt Kommission mit Erlassung von Durchführungsvorschriften, bzw
Kommission ist zuständig für Durchführung (zB Wettbewerbsrecht)
Entscheidungen erfordern absolute Mehrheit
25 Mitglieder; Nizza - soll max. Grenze sein um Effizienz zu erhalten, Stärkung der Stellung des
Eur. Parlaments beim Ernennungsverfahren (von Zustimmungsvotum des Parlaments abhängig,
ehe Rat Kommission ernennen kann), Stärkung der Stellung des Kommissionspräsident

D. Das Europäische Parlament

Bürger wählen ihre Vertretung im EP (450 Unionsbürger)


Nizza: Anz. Abgeordnete auf 732 erhöht (Ö 18, D 99,POL 54)
Rechtssetzungsprozess: Parlament gibt (je nach Sachbereich) beratende Stellungnahme ab
(Anhörungsverfahren), arbeitet mit Rat zusammen, ist Rat mit gleicher Entscheidungsbefugnis zur
Seite gestellt (Mitentscheidungsverfahren „Kodezisionsverfahren“)
EP auch Kontrollorgan (bestätigt nämlich Kommission) (Budget, Mitwirkung Gesetzgebung)
kann durch Misstrauensvotum Kommission zum Rücktritt zwingen

E. Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften

Sitz in Luxemburg, Höchste rechtliche Instanz, 25 Richter, von Regierungen der MS alle 6 Jahre
ernannt; Wahrung des Rechts (Auslegung du Anwendung des Gemeinschaftsrecht)
entscheidet über Streitigkeiten (MS, Gemeinschaftsorgane, Unternehmen, Einzelpersonen
wenn nationales Gericht über genaue Auslegung des Gemeinschaftsrecht nicht bescheid weiß
Æ kann EuGH um Auslegung ersuchen (Vorabentscheidungsverfahren)
Nizza: Zuständigkeiten wurden erweitert (Wahrung des Rechts, Rechtssprechung in grundlegenden
Fragendes Gemeinschaftsrecht), Umstrukturierung der Zusammensetzung
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F. Der Europäische Rechnungshof

überprüft Recht- und Ordnungsmäßigkeit der Einnahmen und Ausgaben der EU


sorgt für effizientes Finanzmanagement

G. sonstige Organe

- EZB (legt europäische Geldpolitik fest, versucht Preisstabilität zu gewährleisten, an keinerlei


Weisung von außen gebunden)
- EIB (finanziert Investitionsvorhaben)
- Eur. Wirtschafts- und Sozialausschuss (vertritt gegenüber Kommission, Rat, Parlament die
Interessen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, muss zu Fragen der Wirtschafts- und
Sozialpolitik gehört werden)
- Ausschuss der Regionen (besteht aus Vertretern der regionalen und lokalen
Gebietskörperschaften (Gemeinde, Bezirk,…) sorgt für Identität, muss zu Fragen der
Regionalpolitik, Umweltschutz, Ausbildung gehört werden)
- Bürgerbeauftragter (befasst sich mit Unionsbürgern, die meinen, von Gemeinschaftsinstitutionen
nicht gerecht behandelt worden zu sein)

V. WANN DARF DIE EU TÄTIG WERDEN?

keine unbegrenzte Befugnis, Gemeinschaftsorgane dürfen nur das tun, was in den
Gründungsverträgen verankert ist (Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung) Æ kontrollierbar
Ausübung der Kompetenzen unter dem Subsidiaritätsprinzip Æ EG soll nur handeln, wenn Ziele
besser auf Gemeinschaftsebene erzielt werden können, als auf nationaler Ebene
Kommission muss dies vor Gesetzesbeschlüssen feststellen

VI. WELCHE EG-VORSCHRIFTEN GIBT ES UND WER VOLLZIEHT SIE?

A. Primäres Gemeinschaftsrecht

Verfassungsrecht der Gemeinschaft (EGV), 2 Gründungsverträge (EG, EAG, alle Änderungen und
Ergänzungen)
„ungeschriebenes Primärrecht“: allgemeine Rechtsgrundsätze (zB Verhältnismäßigkeit) und
Grundrechte (Gleichheitssatz, Berufsfreiheit,…)

B. Sekundäres Gemeinschaftsrecht

Es gibt Verordnungen, Richtlinien, Entscheidungen sowie (nicht verbindliche) Empfehlungen und


Stellungnahmen.

- VO: supranationaler Charakter – gilt unmittelbar in MS, unmittelbar anwendbar, gilt auch für
einzelnen Bürger Æ gilt wie nationales Gesetz
- RL: nicht an einzelnen Bürger, nur an MS, nicht unmittelbar anwendbar Æ muss erst in nationales
Gesetz umgewandelt werden (Form der Umsetzung den innerstaatlichen Stellen überlassen)
Frist für Umsetzung (in RL festgelegt), wenn MS säumig Æ einzelne kann sich unmittelbar auf RL
berufen (auch auf Schadensersatz klagen), nicht gegenüber anderer Privatperson möglich
- Entscheidung: bezieht sich nur auf Einzelfälle, verbindlich für Bezeichneten (MS od.
Unternehmen) Æ ähnlich dem Bescheid (wenn Bezug auf Unternehmen)
- Empfehlungen und Stellungnahmen: nicht verbindlich

VO und RL von Organen des Gemeinschaftsrechts (meist Rat und Parlament) geschaffen
drei Abschnitte: Initiative (Kommission) Æ Beratung (Parlament) Æ Beschlussfassung (Rat)
Æ heute verstärktes Mitentscheidungsrecht des Parlaments
Rechtsakt muss im ABI (Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften) kundgemacht werden
Reihen des ABI:
- Reihe L (legislation, Rechtsetzung) EG-Verordnungen, RL
- Reihe C (communications, Mitteilungen): unverbindliche Rechtsakte (Empfehlungen, Berichte,…)
VO und RL treten am 20. Tag nach Veröffentlichung in Kraft
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C. Die Vollziehung von Gemeinschaftsrecht

direkter Vollzug: durch EG-Organe selbst (zB Kommission verhängt Geldbuße wegen dem Verstoß
des Kartellverbots)
mitgliedstaatlicher Vollzug: durch Organe der MS

VII. WODURCH ZEICHNET SICH DAS GEMEINSCHAFTSRECHT AUS?

A. Gemeinschaftsrecht gilt autonom (eigenständig) und unmittelbar in den MS

MS haben ihre ausschließliche Kompetenz zur Gesetzgebung teilweise aufgegeben Æ MS haben


autonome Rechtsordnung geschaffen
Fall: Costa/ENEL (Stromerzeugungsgesellschaft)
Æ einheitliche Geltung in den MS
es gilt unmittelbar = muss nicht erst in nationales Recht umgewandelt werden

B. Gemeinschaftsrecht ist unmittelbar anwendbar

kann auch Bürgern in den MS unmittelbar Rechte verleihen (Durchgriffswirkung)


Fall: Van Gend & Loos (Niederländisches Transportunternehmen)
auch unmittelbar anwendbar: Grundfreiheiten, VO (nicht RL!)

C. Gemeinschaftsrecht hat Vorrang

Probleme wenn innerstaatliches (nationales) Recht sich mit Gemeinschaftsrecht überschneidet


Æ bei solch einer Kollision hat Gemeinschaftsrecht Vorrang (Costa/ENEL)
bei Missachtung Rechtsmittel möglich (Berufung 2. Instanz)
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LE7. GRUNDRECHTE DER WIRTSCHAFT

I. ALLGEMEINES

A. Was sind Grundrechte?

fundamentale Rechte, dem einzelnen vor der Rechtsordnung eingeräumt; in Verf. verankert Æ
verfassungsgesetzlich gewährleistete Rechte; Ziel: Freiheit gegenüber dem Staat („Abwehrrechte“)
wenn staatliche Regelung GR berühren Æ Staat muss sehr genau abwägen
Staat muss auch Ausübbarkeit der GR sichern; 3 Bezeichnungen von GR:
- liberale GR („Abwehrrechte“, zB Recht auf Achtung des Familienlebens, Datenschutz,…)
- politische GR (Wahlrecht, Verfahrensgrundrechte)
- soziale GR sieht Staat derzeit nicht vor (Recht auf Arbeit, Wohnung, Gesundheitsleistungen,…)
soziale GR sind aber auf internationaler Ebene geregelt (völkerrechtliche Verträge)
Österreich geht davon aus, das diese Rechte durch div. Sozialleistungen (Arbeitslosenvers.,
Arbeitnehmerschutzrecht,…) gedeckt sind

B. Wo sind die Grundrechte geregelt?

normalerweise integraler Bestandteil einer Verfassungsurkunde Æ Ö hat keinen einheitlichen und


abschließenden Grundrechtskatalog (wegen Zersplitterung der Verfassung in verschiedene VGs)
wichtigsten: Staats Grundgesetz (StGG) und EMRK, aber auch in B-VG

C. Welche Grundrechte gibt es?

- GR der Person (Recht auf Leben, Folterverbot, Verbot v. Zwangs- und Pflichtarbeit, persönliche
Freiheit, Hausrecht,…)
- GR des Gemeinschaftslebens (Kommunikationsfreiheit, Wissenschaftsfr., Versammlungsfr.,…)
- GR des Wirtschaftslebens (Erwerbsfreiheit, Eigentumsfreiheit, Liegenschaftsfr.,…)
- Verfahrensgrundrechte (Recht auf gesetzlichen Richter, faires Verfahren,…)
- Gleichheitsgrundrechte (Gleichheitsgrundsatz,…)

D. Wen verpflichten die Grundrechte?

GR an Staat adressiert – Bindung der Gesetzgebung und Vollziehung

die meisten GR stehen unter sog. Gesetzesvorbehalt = Ermächtigung für Gesetzgeber die GR näher
auszugestalten, aber auch zu beschränken (zB „jeder Staatsbürger darf unter gesetzlichen
Bedingungen jeden Erwerbszweig ausüben“); Gesetzesvorbehalte müssen im Interesse der
nationalen/öffentlichen Sicherheit, territorialen Unversehrtheit, Erhaltung der Ordnung usw. sein

an GR muss sich auch jede Verwaltungsbehörde und jedes Gericht halten


bei GR eingriffen bedarf es einer entsprechenden gesetzlichen Ermächtigung

Staat muss sich an GR halten wenn er hoheitlich tätig wird, aber auch wenn er als Privater agiert
Æ Fiskalgeltung der Grundrechte

GR wirken nur mittelbar zwischen Privatpersonen Æ Eine PP darf nicht auf Grund der Grundrechte
Ansprüche bei einer anderen PP einräumen, GR wirken aber auf die Gesetze, auf die sich beide
Parteien berufen können

E. Wen berechtigen die Grundrechte?

schützen natürliche (Menschen) und juristische (AG, GesmbH) Personen vor unverhältnismäßigen
Eingriffen durch den Staat; EMRK = Jedermannsrecht, StGG = Staatsbürgerrechte (nur Inländer,
wegen EU-Diskriminierungsverbots auch EU und EWR Bürger)

F. Wer überwacht die Einhaltung der Grundrechte?

vor allem der VfGH: bei ihm kann ein letztinstanzlicher Bescheid wegen Eingriff auf Grundrechte
bekämpft werden (nur wenn Berufung schon durchgeführt und abgelehnt)
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VfGH überwacht auch, dass Gesetze den GR entsprechen


Urteile von Zivil- und Strafgerichten können auch bekämpft werden (aber beim OGH)
verstößt Organ bei Ausübung gegen GR Æ Beschwerdemöglichkeit beim UVS
Menschenrechte: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)

II. DIE ERWERBSFREIHEIT

A. Wen und was schützt die Erwerbsfreiheit (Schutzbereich)?

„jeder Staatsbürger kann unter gesetzlichen Bedingungen jeden Erwerbszweig ausüben“


Æ jede (un)selbstständige Tätigkeit, auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet (Antritt und Ausübung)

B. Wer muss die Erwerbsfreiheit beachten (Bindungswirkung)?

Gesetzesvorbehalt Æ Erwerbsfreiheit nicht absolut garantiert Æ darf beschränken, muss aber


Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachten (Beschränkungen durch öffentl. Interesse geboten, zur
Zielerreichung geeignet, erforderlich, adequat)

Eingriffsintensität bestimmt Typ der Zugangsbeschränkung:


- objektive ZB (Schranken bereits für Zugang, kann nicht von Betroffenen aus eigener Kraft
überwunden werden)
- subjektive ZB (liegen in der Person des Betroffenen, können aus eigener Kraft überwunden
werden; Gesetzgeber hat hier größeren Gestaltungsspielraum)
- Erwerbsausübungsregelung (Regeln „nur“ die Ausübung, nicht den Zugang)
nach Typ der ZB bestimmt VfGH den Prüfungsmaßstab (immer Verhältnismäßigkeitsgrundsatz)

Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
- öffentliches Interesse (Umweltschutz, Konsumentenschutz, Ordnung,…); Vertretbarkeitskontrolle
(= VfGH prüft nicht sehr streng, respektiert Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers)
- Geeignetheit (Gesetz, das beschränkt, muss zur Erreichung des Ziels geeignet sein)
- Erforderlichkeit (gelindestes zZfM, GR so wenig wie möglich einschränken
- Adäquanz (Eingriffe müssen zwischen Schwere des Eingriffs und Gewicht der Gründe adäquat sein
Æ angemessene Relation zum „Opfer“)

Bescheide und Urteile verletzen Erwerbsfreiheit wenn sie ohne gesetzliche Grundlage
ausgesprochen/erlassen wurden, oder wenn Gesetz verfassungswidrig ausgelegt wird

III. EIGENTUMSFREIHEIT

A. Schutzbereich

„Eigentum ist unverletzlich“; auf EF kann sich jedermann berufen


schützt vermögenswerte Rechte, die auf eigener Leistung beruhen Æ
vermögenswerte Privatrechte (Eigentum an einer Sache, Mietrecht, Pachtrecht, Urheberrecht,
Privatautonomie) und öffentlich-rechtliche Ansprüche (zB Notstandsbeihilfe)

B. Bindung der Gesetzgebung

Beschränkungen möglich, aber verhältnismäßig (gilt für Enteignung und Beschränkung)


Enteignung: Sache oder Recht wird hoheitlich (Gesetz, Bescheid,…) entzogen und auf jemand
Anderen bzw den Staat übertragen Æ es muss unmöglich sein, den Bedarf anders als durch
Enteignung zu decken
Beschränkung: Ausübung des Eigentumsrechts ist eingeschränkt, kann aber so weit gehen, dass
schon von Enteignung die Rede sein könnte Æ materielle Enteignung

C. Bindung der Vollziehung

Vollzugsakte müssen auch das GR der EF beachten (verhältnismäßig, auf Gesetz begründet,…)
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D. Entschädigungspflicht und Pflicht zur Rückübereignung

bei Enteignungen muss angemessene Entschädigung geleistet werden (angemessene Entschäd.


meist in Enteignungsgesetzen aufgelistet), bei Einschränkung keine Entschädigung
Sonderopfertheorie: Enteignung – gleiche Vorteile für mehrere Personen, aber ungleiche Einbußen
wenn Sache nicht innerhalb der Frist zum Zweck geführt hat Æ Rückübereignung

IV. FREIHEIT DES LIEGENSCHAFTSVERKEHRS

inländische (und EU/EWR Bürger) Personen können Liegenschaften jeder Art erwerben und über
diese frei verfügen; GR damals entstanden, Erwerb von Liegenschaften war nur für ständisch oder
konfessionell abgegrenzte Bevölkerungsgruppen möglich, heute kaum noch von Bedeutung
wieder bei Beschränkungen: Verhältnismäßigkeit beachten, aber meist kommt Eigentumsfr. zuvor

V. DER GLEICHHEITSSATZ

A. Schutzbereich

„alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich“ (keine Vorrechte über Geburt, Geschlecht, Stand,
Klasse, Bekenntnis) - vom VfGH am häufigsten herangezogen, bei Rechtsakten über GR
schützt Inländer, aber auch Behandlung von Fremden untereinander

B. Bindung der Gesetzgebung

Verbot, Gleiches unsachlicher Weise ungleich zu behandeln (Gleichbehandlungsgebot)


Differenzierungen von zB Geschlecht oder Bekenntnis (unsachliche Kriterien) = unsachliche
Ungleichbehandlung von Gleichem; Gesetzgeber muss gleiche Sachverhalte rechtlich gleich regeln
positive Diskriminierung erlaubt (zB Quotenregelung: Frau und Mann mit gleicher Qualifikation Æ
Frau wird genommen um Gleichheitschancen zu gewährleisten)

Verbot, Ungleiches unsachlicher Weise gleich zu regeln (Gleichbehandlungsverbot)


Unterschiede im Tatsächlichen Æ entsprechend unterschiedliche Regelung

Sachlichkeitsgebot: jeder staatliche Rechtsakt muss sachlich gerechtfertigt sein (es geht also nicht
um vergleichbare Vorschriften, sondern um Vorschriften an sich)

Vertrauensschutz: Gesetzgeber darf nicht ohne sachliche Rechtfertigung Gesetzt rückwirkend in


Kraft setzen (Æ darf nicht in schutzwürdiges Vertrauen der Bürger in die Rechtslage überfallsartig,
rückwirkend eingreifen) (zB „Flüster-LKWs“)
Æ es kommt oft zu Übergangsbestimmungen Æ Bürger/Unternehmer kann sich einstellen

C. Bindung der Vollziehung

Behörden und Gerichte dürfen auch niemanden bevorzugen, dürfen auch nicht willkürlich vorgehen
(Parteiengehör ignorieren, etc.) Æ subjektive Willkür (absichtliches Zufügen von Unrecht) und
objektive Willkür (Verkennen der Rechtslage steht im Widerspruch mit Rechtsvorschriften)

VI. VERFAHRENSGRUNDRECHTE

A. Recht auf ein Verfahren vor dem gesetzlichen Richter

niemand darf seinem gesetzlichen Richter entzogen werden (Schutz gegen „Kabinettjustiz“)
gesetzl. Richter: jede staatliche Behörde (Gericht, Behörde) mit hoheitlichen Kompetenzen

Gesetzgebung: behördliche Zuständigkeit soll bereits im G ausrechend festgelegt sein


Vollziehung: Gerichte haben Zuständigkeitsregeln im Instanzenzug wahrzunehmen (Bescheid
verletzt Grundrecht wenn unzuständige Behörde ihn erlässt, GR wird auch verletzt wenn
Zuständigkeit abgelehnt wird)
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EuGH als gesetzlicher Richter: GR wird verletzt, wenn vorlagepflichtiges Gericht (innerstaatliches
Recht kann Entsch. des Gericht nicht mehr anfechten) gegen Vorlagepflicht verstößt

B. Recht auf ein faires Verfahren

Mindestgarantien: Unschuldsvermutung, Entscheidung durch unparteiisches unabhängiges Gericht,


öffentliche mündliche Verhandlung, rechtliches Gehör, angemessene Verfahrensdauer
nicht in allen Verfahren (nur dann, wenn zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen betroffen
sind, oder es geht um eine strafgerichtliche Anklage)
Bestimmung des Schutzbereiches: beide Begriffe (civil righs and obligation) als Begriffe eines
völkerrechtlichen Vertrages autonom, nicht im Sinne des B-VG Æ iSd Rechtssprechung des EGMR

zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen: Ansprüche unter Privaten und gegen Staat, wenn
innerstaatliche Rechtsgrundlage erwiesen und Streit ernsthafter Natur entspringen
alle Verfahren die: Erg. für zivilr. Ansprüche und Verpfl. entscheidend sind, in Erwerbstätigkeit
einer Person eingreifen, vermögenswerte Auswirkungen haben

strafrechtliche Anklagen: bestimmen sich nach Inhalt der Beschuldigung und vorgesehenen Strafen
Justizstrafrecht, Verwaltungsstrafrecht, Disziplinarstrafen (Freiheitsentzug, Berufsausübungsverb.)

C. weitere Verfahrensgrundrechte

keine Strafe ohne Gesetz („nulla poena sine lege“)


man muss sich nicht selbst bezichtigen
Recht auf wirksame Beschwerde
Verbot der Doppelbestrafung („ne bis in idem“)

VII. DER VFGH ALS HÜTER DER BUNDESVERFASSUNG

A. Einleitung

Kontrolle und Einhaltung der GR: in erster Linie VfGH („Grundrechtsgerichtshof“)


zieht oft in Prüfungsverfahren Grundrechte als Kontrollmaßstab heran
überprüft Tätigkeit der Gesetzgebung und Vollziehung (Gesetzes- und Bescheidprüfung)

B. rechtliche Grundlagen

in B-VG vorgesehenes Höchstgericht, Kompetenzen sind geregelt – erkennt über:


- Klagen wegen Geldleistungen gegen Bund, Länder, Bezirke, Gemeinden, wenn kein Gericht oder
keine Verwaltungsbehörde darüber entscheidet (Kausalgerichtsbarkeit)
- Kompetenzkonflikte zw. Gerichten und Verwaltungsbehörden bzw Ländern und Bund
- Klagen gegen obersten Bundes- und Landessorgane wegen Verantwortlichkeit
- Beschwerden gegen Bescheid wegen gewährleistetem Recht (GR) oder Anwendung einer
rechtswidrigen generellen Rechtsgrundlage
- Gesetzmäßigkeit von Verordnungen
- Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen
- Rechtsmäßigkeit von Staatsverträgen
- Rechtsmäßigkeit der Wahlen zu allg. Vertretungskörpern

C. Organisation

Präsident, Vizepräsident, 12 Mitglieder, 6 Ersatzmitglieder


Mitglieder von Bpräs ernannt, Vorschlagsrecht: Breg (Präs, Vizepräs, 6MG, 3 EMG), NR (3MG, 2
EMG) und BR (3 MG, 1 EMG); Amt endet 31.Dez des Jahres in dem man 70. LJ vollendet hat

VfGH entscheidet im Plenum (Präs, Vizepräs, 12 MG)


es müssen nicht immer alle MG anwesend sein (zB Vorsitz + 4MG „kleiner Senat“)
Plenum (auch kleiner Senat) tagen nicht permanent Æ viermal jährlich Sessionen
Entscheidungen mit Stimmmehrheit (bei Behandlung besonders wichtiger Aufgaben:
Zwischensessionen); Referenten (wählt VfGH alle 3 Jahre) zuständig für Erledigungen während der
Sessionen
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D. Beschwerden und allgemeine Verfahrensvoraussetzungen

Beschwerden sind schriftlich einzubringen - mit Bezeichnung und Verfassungsbestimmung,


Begehren und Darstellung des Sachverhaltes; wenn Antrag nicht von Gebietskörperschaft, dann
Unterschrift von Anwalt notwendig; Partei darf sich selbst vertreten; mündliche Verhandlung kein
Muss; wenn Antrag fehlerhaft Æ zur Verbesserung zurückschicken

E. Verfahrensarten

Kausalgerichtsbarkeit
VfGH erkennt über Klagen wegen vermögensrechtlicher Ansprüche gegen Bund, Land, Bezirk,
Gemeinde – wenn kein Gericht oder Verwaltungsbehörde entscheidet
Klage kann auf „Leistung“ oder nur auf „Feststellung“ lauten (Entscheidungsorgan: kl. Senat)

Kompetenzfeststellung
VfGH entscheidet über Konflikte zwischen:
- Gerichten und Verwaltungsbehörden
- zwischen VwGH und anderen Gerichten (auch VfGH selbst)
- zwischen Gerichten und anderen Gerichten
- zwischen Ländern untereinander
- zwischen Ländern und Bund
negativer Kompetenzkonflikt (zB 2 Behörden meinen die andere Behörde ist zuständig)
Æ antragsberechtigt: Parteien des Verfahrens; bei B-L oder L-L dann nur abgewiesene Partei
positiver Kompetenzkonflikt (zB 2 Behörden sind der Meinung sie haben die ausschließliche Zust.)
Æ Gericht gegen Behörde – oberste Verwaltungsbehörde antragsberechtigt (binnen 4 W an VfGH)
VfGH entscheidet ob Akt der Gesetzgebung/Vollziehung unter Zuständigkeit des Bundes oder eines
Landes fällt (Antrag muss von BReg oder LReg kommen)
Rechtssatz, mit dem Kompetenz festgestellt wird Æ bekommt Verfassungsrang Æ vom BKanz im
BGBI kundzumachen (Æ „authentische Interpretation“ der Kompetenzbest. des B-VG)
stellt auch Kompetenzen des Rechnungshofes und der Volksanwaltschaft fest (Antrag entweder von
Rechnungshof oder Volksanwaltschaft, aber auch BReg)

Verordnungs- und Gesetzesprüfung


VfGH prüft Rechtsvorschriften – Gegenstand der Prüfungen: VO und G
(Verordnungen anhand von Gesetzen, Gesetzen anhand der Verfassung)
werden auf Gesetzmäßigkeit geprüft, im Maßstab der übergeordneten Rechtsnorm
antragsberechtigt: Gerichte, UVS und UBAS – Antrag von Amts wegen, wenn betreffende VO
anzuwenden ist (konkrete Normenkontrolle); unabhängige Antragsberechtigung (abstrakte
Normenkontrolle Æ B – L VO; L B VO); jede Person, für die eine VO ohne ger./beh. Entscheidung
unmittelbar und aktuell wirksam geworden ist, kann Antrag stellen (Individualantrag)
VfGH kann solch eine Prüfung einleiten (von Amts wegen), wenn er G anwenden muss, gegen
welches er verfassungsrechtliche Bedenken hegt
OGH, zweitinstanzliche Gerichte, VwGH, UVS, UBAS antragsberechtigt bei bedenklichem G
BReg, Drittel LT, LReg, Drittel NR Æ können ohne jeden Anlass G anfechten (abstrakte Normenk.)

Verfahren und Entscheidung


bei öffentlich/mündlicher Verhandlung: Antragsteller, Behörde bzw beteiligte Regierung und
zuständige oberste B/L-Behörde zu laden (Antrag bei UVS – auch beteiligte Parteien zu laden)
VO oder G kann als gesetzes- bzw verfassungswidrig aufgehoben werden
Antrag kann aber auch abgewiesen werden (wenn nicht g/v-wiedrig)
Aufhebung tritt am Tag der Kundmachung (vom BKanz im BGBI/LGBI) in Kraft
Außerkrafttreten nach einer Frist ist auch möglich (höchstens 18 Monate)

Wahlprüfung
- Wahlen zu allg. Vertretungskörpern (NR, BR, GR)
- Wahlen zum europäischen Parlament
- Bundespräsidentenwahl
- Wahlen in die einzelnen Landesregierungen
- Wahlen zu den satzungsgebenden Organen der gesetzlich beruflichen Vertretung (zB AK)
- Wahlen in die mit der Vollziehung betraute Organe einer Gemeinde (zB Gemeindevorstand)
Wahlprüfungsverfahren kann nur auf Antrag eingeleitet werden (binnen 4 W nach Ende)
antragsberechtigt: Wahlwerber (passives Wahlrecht wurde aberkannt), Wählergruppen
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VfGH prüft Rechtswidrigkeit und ob Einfluss Wahlergebnis evtl ändern würde

Staatsgerichtsbarkeit
Klagen betreffend verfassungsmäßige Verantwortlichkeit der obersten B/L-Organe
Verfahren endet mit Freispruch oder Verurteilung

Sonderverwaltungsgerichtsbarkeit
häufigste wahrgenommene Kompetenz: Überprüfung von Bescheiden (nur möglich, wenn Rechte
des Beschwerdeführer durch Anwendung von rechtsw. G oder VO verletzt)
Bescheidbeschwerde beim VfGH nur nach Erschöpfung des administrativen Instanzenzuges
(innerhalb 6 Wochen); keine Aufschiebende Wirkung, kann aber zuerkennen, bei keinem
öffentlichem Interesse; Entscheidung lautet auf:
- Ablehnung durch Beschluss
- Zurückweisung oder Einstellung durch Beschluss
- Entscheidung in der Sache durch Erkenntnis
nach Aufhebung ist Behörde bei neuerlicher Erlassung eines Bescheides an Rechtsansicht des VfGH
gebunden; Beschwerdeführer kann binnen 2 Wochen auch Abtretungsantrag stellen (VfGH muss
aber Zuständigkeit aufweisen)

VIII. EUROPÄISCHER GRUNDRECHTSSCHUTZ

Grundrechte der EU und Rechte der EMRK von großer Bedeutung Æ Grundrechte sind allgemeine
Rechtsgrundsätze
EGMR: Anrufung nach Ausschöpfung aller innerstaatlichen Möglichkeiten bei Verletzung der EMRK
Æ keine Aufhebung, aber Entschädigung

EuGH
- Grundrechtsgericht
- Grundrechte Primärrecht der EG
- Grundrechtscharta noch nicht in Kraft
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LE8. EUROPÄISCHES WETTBEWERBSRECHT

I. WARUM GIBT ES ÜBERHAUPT WETTBEWERBSREGELN?

„Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb“


Æ zw. MS keine Zölle, Grundfreiheiten müssen verwirklicht werden, Wettbewerb muss ohne
Verzerrungen und Verfälschungen stattfinden können
Wettbewerbsbestimmungen richten sich an Staat und an die Unternehmen
„Wettbewerb soll als das grundlegende Ordnungsprinzip der Wirtschaft gegen Beschränkungen und
Verfälschungen geschützt werden!“
überwacht wird Einhaltung der Wettbewerbsregeln von: Europäischer Kommission und den
Wettbewerbsbehörden der MS; MS haben oft eigene Kartellregelung, widerspricht dieses aber der
europäischen, dann gilt wieder nur das europäische (gilt nicht bei marktbeherrschender Stellung)

II. DAS KARTELLVERBOT (Art 81 EGV)

A. Was ist ein Kartell und warum ist es verboten?

Kartelle Æ schalten Wettbewerb aus (oder minimieren) Æ eigener Ertrag wird gesteigert
- Vereinbarung, abgestimmte Verhaltensweise zw. Unternehmen od. Beschluss einer U-Vereinigung
- die geeignet ist, Handel zw. MS spürbar zu beeinträchtigen Æ Wettbewerbsbeschränkung
Kartelle beeinträchtigen Wettbewerb, schaden Konkurrenz, Konsumenten und sich selbst, wenn sie
aussteigen wollen

B. Kartellmerkmale

Kartellverbot für: Verträge zw. Unternehmen und abgestimmte Verhaltensweisen (zB Benzinpreise)
eigenständiges Parallelverhalten = erlaubt; „Nachziehen“ der Preise, ohne geheime Vereinbarung

- horizontale Vereinbarungen: Vereinbarungen zw. U. derselben Wirtschaftsstufe (=miteinander im


Wettbewerb stehend) Æ U eignen sich auf einheitlichen An- und Verkaufspreis (auch zB Gewährung
von Rabatten etc.); solche Vereinbarungen können auch Absatz und Beschaffung von Produkten
oder mengenbezogene Erzeugungsbeschränkungen (Quotenvereinbarungen) betreffen
- vertikale Vereinbarungen: zw. U. unterschiedlicher Wirtschaftsstufe (=stehen nicht im
Wettbewerb zueinander) Æ zB Preisbindungsvereinbarungen zwischen Produzent und Händler
(Produzent legt Preise fest)

wann spürbare Wettbewerbsbeschränkungen anzunehmen sind, hat Kommission in „Bagatell- bzw


De-Minimis-Bekanntmachung“ zu definieren Æ Beschränkung erst nach Erreichen eines gewissen
Marktanteils überprüft Æ nicht wettbewerbsbeschränkend: Unternehmen mit gemeinsamen
Marktanteil <10% (wenn U nicht im Wettbewerb untereinander, dann <15%)
Vereinbarungen, wenn in Gesamtwirkung Kartell sein könnten, nicht relevant wenn einzelner <5%
oder zusammen <30% des relevanten Marktes abgedeckt werden
gilt nicht für besonders verpönte Absprachen (Preisabsprachen, Produktions- Absatzbeschr.,
Aufteilung von Märkten, Kunden) Æ verfälschen Wettbewerb innerhalb EU sehr stark
Absprachen innerhalb eines Konzerns Æ ebenfalls kein Kartell Æ erlaubt

verbotene Kartellabsprachen müssen nicht erfüllt werden und können auch nicht eingeklagt werden

C. Ausnahmen vom Kartellverbot

Kartellabsprachen sind zulässig, wenn: (neben Gruppenfreistellungsverordnung GVO)


- Verbesserung der Warenerzeugung oder –verteilung oder auch Beitrag zum wirtschaftlichen od.
Technischen Fortschritt (zB U. forschen gemeinsam Æ nicht selbstständig außerhalb forschen)
- angemessene Beteiligung der Verbraucher an resultierenden Vorteilen
- Beschränkungen dürfen nicht darüber hinausgehen, was für den Zweck erforderlich ist
- funktionierender Wettbewerb auf dem von der Vereinbarung betroffenen Markt
seit VO 1/2003 (1.5.04 in Kraft) Ausnahmen von Kartellverbot neue Grundlage
Kartellabsprachen, die den Voraussetzungen erfüllen, nicht verboten, auch ohne vorheriger
Entscheidung Æ Ausnahme bedarf keinen Rechtsakt mehr Æ gleich auf Art 3 berufen (U. selbst
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beurteilen); Art 3 auch für nat. Gerichte und Wettbewerbsbehörden anwendbar Æ müssen prüfen
ob Vereinbarung unter Art 3 fällt (Æ kein Freistellungsmonopol der Kommission mehr, außer bei
öffentlichem Interesse) Æ unmittelbare Anwendbarkeit Æ GVO nur noch „feststellende Bedeutung“
- Forschungs- und Entwicklungsvereinbarungen
- Spezialisierungsvereinbarungen
- Technologietransfervereinbarungen
- Alleinvertriebsverträge
- Alleinbezugsvereinbarungen
- Franchise-Verträge
wenn Vereinbarung GVO entspricht Æ wird davon ausgegangen, dass Art 3 Voraussetzungen erfüllt

III. VERBOT DES MISSBRAUCHS EINER MARKTBEHERRSCHENDEN STELLUNG

A. Allgemeines

Art 82 EGV verbietet die missbräuchliche Ausnutzung einer solchen Stellung Æ beeinträchtigt
ebenfalls Wettbewerb zwischen den MS, Art 81 und 82 können auch kombiniert angewandt werden

B. Was ist der relevante Markt?

Abgrenzung des relevanten Marktes ist Voraussetzung für Anwendung Art 82, Kommission erläutert
sachlich und örtlich relevanten Markt

- sachlich relevanter Markt (=Produktmarkt): Substituierbarkeit des Produkts entscheidend (aus


Sicht der Marktgegenseite = Konsument); Indikatoren hierfür: Preislage, Qualität, technische
Merkmale, Kreuzpreiselastizität (wenn Verbraucher bei dauerhaften Preisanstieg auf anderes
Produkt umsteigt Æ dieses Produkt gehört zum sachlich relevanten Markt; wird nicht, oder langsam
auf Preisveränderung reagiert Æ nicht sachlich relevanter Markt)

- örtlich relevanter Markt: betrifft Unternehmen – haben Konsumenten andere Bezugsquellen bzw
Alternativen, bezüglich geographischer Lage? örtlicher Markt muss (um europarechtlich relevant zu
sein) gemeinsamen Markt, oder wesentlichen Teil davon umfassen (Staatsgebiet, oder Großteil)

C. Wann liegt eine marktbeherrschende Stellung vor?

dann, wenn U. in der Lage, Aufrechterhaltung eines Wettbewerbs zu verhindern, weil er sich
Mitbewerbern gegenüber unabhängig verhalten kann Æ Marktanteil = wichtiges Indiz
Marktanteil <30% Æ Nichtvorliegen einer mbS; MA >80% sicheres Vorliegen einer mbS
Monopol 100% Marktanteil; Oligopol: mbS ausgeübt von mehrerer Unternehmen zusammen

D. Wann liegt ein Missbrauch vor?

eigentlich wird nicht die mbS als solche verboten, sondern deren Missbrauch
- Behinderungsmissbrauch: mb Unternehmen richtet sich direkt gegen Mitbewerber, zB durch
Verweigerung von Lieferungen, Verkauf von Produkten zu Verlustpreisen um Konkurrenz zu
verdrängen
- Ausbeutungsmissbrauch: mb Unternehmen nutzt Abhängigkeit der Mitbewerber aus – zB
Verlangen unangemessener überhöhter Preise, Erzwingen unfairer Geschäftsbedingungen etc.
Æ damit solch ein Missbrauch verboten ist, muss er sich auf Gemeinsamen Markt auswirken!

IV. DAS VERFAHREN ZUR ABSTELLUNG VON KARTELLEN UND MISSBRAUCH

in erster Linie nationale Wettbewerbsbehörden zuständig, Einhaltung des Wettbewerbsrechts zu


kontrollieren (unter Aufsicht der eur. Kommission); Kommission kann aber auch selbst einleiten
bzw laufendes nationales Verfahren an sich ziehen
Verfahren kann auf Antrag eines Unternehmens, von Amts wegen oder auf Antrag eines MS oder
Kommission eingeleitet werden; nationale Behörden und Kommission können U verpflichten,
wettbewerbswidriges Verhalten einzustellen und/oder Sanktionen verhängen (Sanktionen in VO
1/2003 geregelt – ua Geldstrafen bis 10% Jahresumsatz!) VO regelt auch Ermittlungsbefungnisse
(Akteneinsicht, unangekündigte Überprüfungen, Hausdurchsuchungen von Inhabern)
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Kronzeugenregelung: Kartellmitglieder, die Insiderinformationen ausplaudern, können mit


Reduktion oder Erlass der Geldstrafe rechnen

V. FUSIONSKONTROLLE

A. Allgemeines

auch Unternehmenszusammenschlüsse können Wettbewerb beeinträchtigen


besonders wichtig für Zusammenschlüsse, die mb Stellung befürchten lassen
- Verschmelzung: B geht in A auf, oder A verschmilzt mit B zu neuer C
- Kontrollerwerb: A übernimmt durch Kauf von Anteilen (zB Aktien) Kontrolle über B Æ beide
bleiben erhalten
- Errichtung eines Gemeinschaftsunternehmens: C wird von A und B gegründet um in gewissen
Geschäftsbereichen zu kooperieren (A und B existieren weiterhin)

B. Gemeinschaftsweite Bedeutung

damit Zusammenschluss FKVO unterliegt Æ gewisse Größenordnung aufweisen - Umsätze


übersteigen Schwellenwerte, in VO festgelegt, sehr hoch festgelegt Æ Zusammenschlüsse
unterliegen meist nationaler Fusionskontrolle; auf Antrag darf Kommission Verfahren aber an sich
heran ziehen, Kommission darf aber auch Prüfung n eine nat. Behörde weiterleiten (delegieren)

C. Das Genehmigungsverfahren

Zusammenschlüsse müssen bei Kommission angemeldet werden Æ K muss entscheiden


Erlaubnis nur, wenn Wettbewerb nicht erheblich beeinflusst wird
Verpflichtungserklärung: Unternehmen verzichten verbindlich auf gewisse Rechte um Verdacht
einer marktbeherrschenden Stellung zu vermindern
gegen Entscheidung der Kommission Æ Klage beim europäischen Gericht erster Instanz

VI. ÖFFENTLICHE UNTERNEHMEN UND WETTBEWERBSRECHT (siehe LE9)

VII. VERBOT STAATLICHER BEIHILFEN

A. Das grundsätzliche Beihilfeverbot (Art 87 Abs 1 EGV)

staatliche Beihilfen, die Wettbewerb verfälschen, sind grundsätzlich verboten


Beihilfen sind Maßnahmen, die Belastung vermindern (zB Zuschüsse, günstige Kredite, staatliche
Beteiligungen an einem maroden Unternehmen) aber auch Erleichterung oder Befreiung von
staatlich auferlegten Leistungspflichten (zB begünstigte Steuersätze, Steuerbefreiung, keine
Kanalgebühr, etc) Æ begünstigte Wirkung bei Empfänger ohne entsprechender Gegenleistung
Quersubventionen von öffentlichen Unternehmen sind auch Beihilfen Æ verboten (zb: Staat ist
Monopolist bei Brief- und Packetzustellung, hat aber Konkurrenz bei Erbringung von
Telekommunikationsdiensten Æ Staat nimmt einnahmen von dem ersten um zweites zu
finanzieren); wenn Beihilfen generell an alle Wirtschaftstreibenden verteilt werden Æ erlaubt
(=allgemeine wirtschaftspolitische Maßnahme, keine „Beihilfe“)

B. Ausnahmen vom Beihilfeverbot (Abs 2 und 3)

soziale Beihilfen an einzelne Verbraucher, wenn nicht nach Herkunft der Waren Diskriminiert, oder
Beihilfen für Katastrophenfälle sind mit gemeinsamen Markt vereinbar – weitere Punkte:
- Förderung wirtschaftlich unterentwickelte Gebiete
- Behebung einer beträchtlichen Störung im Wirtschaftsleben eines MS
- Förderung der Entwicklung gewisser Wirtschaftszweige od. Wirtschaftsgebiete
- Förderung wichtiger Vorhaben von gemeinsamen eur. Interesse
- Förderung von Kultur und kulturellen Erbes
De-Minimis Beihilfen (bis 100.000 € für 3 Jahre) vom Beihilfeverbot ausgenommen (soll auf
150.000 geändert werden)
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C. Das Verfahren der Beihilfeaufsicht

Melde- und Genehmigungspflicht


jede Beihilfe vom MS der Kommission zu melden (=notifizieren) (ausgenommen: De-Minimis-
Beihilfen, bestimmte Beihilfen für kleinere und mittlere U sowie Ausbildungsbeihilfen)
Kommission Æ Vorprüfung (mir Markt vereinbar oder nicht), wenn vereinbar Æ MS wird
verständigt, wenn nicht Æ Hauptprüfungsverfahren Æ Genehmigung oder Verbot; wenn 2 Monate
keine Antwort der Kommission Æ stillschweigend genehmigt

Möglichkeit der Untersagung bestehender Beihilfen


anderes Kontrollsystem: oben genanntes System = Genehmigungssystem, hier ist aber Beihilfe
solange zulässig, bis Kommission diese untersagt (= Untersagungssystem)

Rechtsmittel gegen die Entscheidung der Kommission


Entscheidungen können nur von Unternehmen bekämpft werden, die am Hauptverfahren beteiligt
waren Æ eur. Gericht erster Instanz ist zuständig, wenn MS Beschwerde führt Æ EuGH
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LE9 STAATLICHE WIRTSCHAFTSTÄTIGKEIT

I. WARUM WIRD DER STAAT ÜBERHAUPT WIRTSCHAFTLICH TÄTIG?

A. Der Staat als Anbieter und Nachfrager am Markt

Staat wird privatwirtschaftlich tätig Æ keine Hoheitsakte im Spiel (Bescheide, Urteile)


Tätigkeit der Privatwirtschaftsverwaltung; Staat hat trotzdem besondere Unterschiede zu
„normalen“ Privaten, somit aber auch besondere Regelungen, verfassungsrechtlich unterliegt er
auch noch besonderen Bedingungen (zB Fiskalgeltung der Grundrechte)Æ Staat darf
privatwirtschaftlich nur sachlich handeln Î muss alle Marktteilnehmer gleich und fair behandeln

Motive: abhängig von, welche Aufgaben übernommen werden sollen Æ Kernbereiche heute:
Versorgungssicherung, Bedarfsdeckung, erwerbswirtschaftliche Tätigkeit (heute kaum noch von
Bedeutung); auch Bereich Versorgungssicherung unterliegt Wandel Æ Frage: mit welchen
rechtlichen Instrumenten soll Staat die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sichern?
früher war es klar, Dienste über öffentliche U anzubieten; heute oft privatisiert (EU-Entscheid.)
Grund für diese Entscheidung: innerstaatliche Ausschließlichkeitsrechte führten oft zur
„Monopolstellung“ öffentlicher U Æ Binnenmarkthemmisse
weiters: oft ist Zielsetzung durch Marktwettbewerb wahrscheinlicher; um nun Markt zu schaffen
braucht man Wettbewerbsregulierungen zw. Monopolist öffentl. U und neuen, alternativen
Anbietern Æ asymmetrische“ bzw sektorspezifische WR Æ Unterschied Wettbewerbsrecht:
Marktteilnehmer werden ex ante und unterschiedlich intensiv reguliert
ist Marktwettbewerb auch nicht in ganz der Lage, Ziel zu verfolgen, Staat beauftragt private U mit
Bereitstellung von Leistungen, um Grundversorgung sicherzustellen

Æ Übergang von der „Erfüllungsverantwortung“ (Staat erbringt Leistungen selbst) zur


„Gewährleistungsverantwortung“ (staatliche Regulierung gewährleistet, Leistungen werden von
Markt erbracht) Æ welchen Weg zur Erreichung der Ziele Æ zuständige Organe entscheiden

B. Die Motive staatlicher Wirtschaftstätigkeit im Einzelnen

Versorgungssicherung (Daseinsvorsorge)
zentrale Aufgabe des Staates (soz. Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Bildung, Kultur,…)
Unterscheidung: DL von allgemeinem Interesse und DL von allg. wirtschaftl. Int. (können „unter
Marktbedingungen“ sinnvoll betrieben werden); unterschieden wird, um von sonstigen Leistungen
abzugrenzen; viele Bereiche immer noch mit staatlichem Angebot (Kindergärten, Schulen, Unis)
oft existieren Privatanbieter, Bevölkerung nimmt aber oft öffentlichen Sektor wahr

Erwerbswirtschaft
Æ Ziel: Gewinn; heute kaum noch von Bedeutung Æ durch „Privatisierungswelle“ oft nur noch
durch private U angeboten; Verwaltung der restlichen Anteile des Bundes durch ÖIAG
(Österreichische Industrieholding AG) – Beteiligungsmanagement und Privatisierungsmanagement
Æ Veräußerung der Anteile der Republik an Unternehmen

Bedarfsdeckung
beschafft DL und Güter für öffentliche Aufgaben Æ Staat ist Nachfrager Æ schließt mit privaten
Unternehmen Verträge ab; Bedarfsdeckung aber zum Teil noch durch öffentliche U

II. DER STAAT ALS ANBIETER

A. Organisationsformen privatwirtschaftlicher „unternehmerischer“ Tätigkeit der Staates

Ausgliederung und Privatisierung


kann als Privatwirtschaftsverwaltung Waren und DL anbieten; häufiger aber: für einige Aufgaben
werden eigenständige Rechtsträger gegründet (juristische Personen des Privatrechts oder
öffentlichen Rechts); bei jur. Pers. des offentl. Rechts gibt es Abstufung Æ Einrichtungen mit
begrenzter Rechtsfähigkeit (Teilrechtsfähigkeit)
Übertragung auf Rechtsträger Æ Ausgliederung (Staat hat aber noch Kontrolle)
Organisationsprivatisierung: wenn auf jur. Person öffentl. Rechts übertragen wird
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Motive: Flexibilisierung der Organisationsabläufe und Entscheidungsprozesse, bessere Führung


derartiger Einrichtungen, Budgetentlastung, ein Stück weg von politischer Verwaltung der obersten
Verwaltungsorgane
wird auch öffentliches Eigentum übertragen Æ Vermögensprivatisierung (Staatseinnahmen zB
für Budgetdefizite); werden so viele Anteile veräußert, das Staat keinen beherrschenden Einfluss
mehr hat Æ Aufgabenprivatisierung
bis auf Kernaufgaben (Polizeigewalt, Gerichtsbarkeit, hoheitliche Verwaltungstätigkeit) darf
grundsätzlich alles privatisiert werden; was nun privatisiert wird obliegt einer Mehrheit in
gesellschafts- wirtschafts- und sozialpolitischen Entscheidungen
unternehmerische, privatwirtschaftliche Aufgaben können immer ausgegliedert werden, wenn dies
auf sachlichen Überlegungen beruht (sachlich gerechtfertigt) und das Effizienzgebot (Sparsamkeit,
Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit) berücksichtigt wird – VfGH: Vertretbarkeitskontrolle

Beleihung
Übertragungen von Befugnissen, Hoheitsakten auf nicht staatliche Rechtsträger (mit hoheitlichen
Aufgaben betraut machen); Formen und Umfang variieren – allgemein können nur einzelne,
konkrete hoheitliche Befugnisse übertragen werden; wichtige Bedeutung: Private, die mit
Sachverständigentätigkeit (KFZ-Werkstätten mit „Pickerl“ Überprüfung)
Motiv: effiziente Organisationsformen zu schaffen Æ Regulierungsbehörden (Marktregulierung in
liberalisierten Infrastrukturbereichen – Telekom, Energie) Î ausgegliederter Rechtsträger (GmbH
und 100% Bundesbesitz) und eigenständige unabhängige Verwaltungsbehörde des Bundes
(Kollegialbehörde mit rechtlichem Einschlag) werden „kombiniert“
Regulierungsentscheidungen: VBehörde (als staatliche Behörde), bürokratische Tätigkeit
(Marktbeobachtung, sachverständige Entscheidungsvorbereitung) Æ Regulierungs-GmbH

verfassungsrechtliche Vorgaben: Verfassung möchte demokratische Legitimation und Kontrolle des


Verwaltungshandelns sicherstellen – jedes Verwaltungshandeln kann einem oberstem Organ
(normal BM) zugerechnet werden; BM kann Verwaltungshandeln in seinem Zuständigkeitsbereich
leiten/steuern – ist dafür verantwortlich; BM hat Auskunftspflicht gegenüber NR
Æ persönliche demokratische Legitimation des BM, an parlamentarische Mehrheit gekoppelt
BReg mit BM brauchen parl. Mehrheit um sinnvoll arbeiten zu können, Ausnahmesituationen
erlauben aber auch eine Minderheitsregierung
demokratische Kontrolle der Verwaltungshandelns muss gegeben sein Æ Instrumente müssen auch
von Opposition (parlamentarische Minderheit) verwendet werden können Æ Opposition kann
Kontrolle nachkommen
wird nun ausgegliedert muss diese Kontrolle weiterhin sichergestellt sein
Beleihung ist an folgenden Kriterien zu messen (von VfGH beschlossen):
- allgemeinses Sachlichkeitsgebot und Effizienzprinzip
- Betrauung mit öffentlichen Aufgaben muss durch entsprechendes G erfolgen
- Aufgaben nur vereinzelt (keine ganzen Vollzugsbereiche, VfGH beurteilt) ausgliedern,
Kernbereiche dürfen nicht ausgegliedert werden
- Steuerungsmöglichkeit des BM muss weiterhin gegeben sein

B. öffentliche Unternehmen im Wettbewerb

wird Staat privatwirtschaftlich tätig Æ meist in Beziehung mit anderen Unternehmen


- nebeneinander bestehende Unternehmen (zB öffentliche, private Schulen)
- Aufgabenfelder, in denen gewisser Bestandschutz gewährt ist (priv., öff. Krankenanstalten)
- Kulturbereich: unterschiedliche „Marktsegmente“ (Staatsoper und private Theater), oder eher
Verteilungsentscheidung der Finanzmittel
- direkte Konkurrenzsituation Æ staatliche Wirtschaftstätigkeit hat eingeräumte Vorrechte,
Ausschließlichkeitsrechte, besondere Bedingungen (Post-, Stromsektor)
Î zwei Fragestellungen müssen beachtet werden:
- nutz Staat Sonderstellung aus?
- Staat muss Rechtsträger und die Nutzung der vom Staat übertragenen Rechte beurteilen

ausschließliche Rechte von privaten U können Binnenmarktschranken für andere U aus MS sein
einerseits sind sie aus dem Blickwinkel der Grundfreiheiten zu beurteilen, andererseits gibt es auf
EU-Ebene keine so große Unterscheidung zw. öffentl. und privaten Unternehmen
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Erscheinungsformen öffentlicher Unternehmen:


- Eigenunternhemen (=Regiebetrieb): von Gebietskörperschaften organisiert, als B/L/G-Betriebe
tätig (keine Rechtspersönlichkeit) Æ Teil der staatlichen Verwaltung
- juristische Personen des Privatrechts oder öffentlichen Rechts: stehen außerhalb der B/L/G-
Verwaltung (beruhen auf eigenen Rechtsträgern – GmbH, AG); außerhalb staatlicher Verwaltung –
juristische Personen öffentl. Rechts für staatliche Wirtschaftsbetätigung (Stiftungen, Fonds,…)
Staat kooperiert heute viel mehr mit privaten Unternehmen (zB große Infrastrukturvorhaben Æ PPP
„Public Private Partnership“)

Beteiligungsverhältnisse:
- Gesellschaft 100% Eigentum von Gebietskörperschaft Æ Eigengesellschaft
- Eigentümer sind mehrere Gebietskörperschaften, aber kein Privater Æ gemisch-öffentliches U
- Gebietskörperschaft und Private Æ gemischt-wirtschaftliches Unternehmen

Wettbewerbsrecht richtet sich hier nicht an die Rechtsform, sondern an den Begriff „Unternehmen“
EuGH: „Unternehmen sind wirtschaftliche Tätigkeiten ausübenden Einheiten“
Transparenzrichtlinie: „Unternehmen, deren Geschäftsführung der Staat steuern kann, sind
öffentliche Unternehmen“ Æ liegt vor wenn:
- Staat ist alleiniger Eigentümer oder Mehrheitseigentümer
- besitzt Mehrheit der Anteile Æ Stimmrecht
- Staat kann mehr als Hälfte der Mitglieder der Verwaltungs- Lietungs- Aufsichtsorgane bestellen

Versorgungs- Bedarfsdeckung: Staat behält sich meist 51% Æ beherrschender Einfluss


eur. Wettbewerbsrecht unabhängig von Eigentumsverhältnissen (staatlich, privat) Æ selbe
Spielregeln am Markt für den Staat, wegen öffentl. Interesse dennoch Sonderrechte/Regelungen
Æ gewisser Konflikt zw. Versorgungssicherung und eur. Wettbewerbsrecht Æ Spannungsverhältnis
Æ Ausgleichsmechanismus: MS dürfen nicht gegen Diskriminierungsverbot oder eur.
Wettbewerbsvorschriften verstoßen, nur um besondere Rechte zu gewähren

FAZIT: grundsätzlich unterliegen öffentl. U dem Wettbewerbsr., aber um Ziele des


Allgemeininteresses zu verfolgen, können besondere, ausschließliche Rechte verliehen werden

III. DER STAAT ALS NACHFRAGER

A. Was sind öffentliche Aufträge

auch der Staat benötigt Sachgüter und Dienstleistungen Æ schließt mit anbietenden Unternehmen
Verträge ab (jährliche Ausgaben Æ Österreich: 35 Mrd. – Europa: 1500 Mrd.)
Staat wird hier nicht hoheitlich tätig (kein Bescheid etc), er handelt privatwirtschaftlich
Vertrag Æ Angebotsstellung (Ausschreibung), Angebotslegung, Zuschlagserteilung (Annahme)
Auftraggeber: Gebietskörperschaften und andere Einrichtungen öffentlicher Hand

B. Warum bedarf die öffentliche Auftragsvergabe einer speziellen rechtlichen Regelung?

ausgleichende Regelung wegen Machtungleichgewicht zw. Auftraggeber und Auftragnehmer


bezahlt wird mit Steuergeldern; Staat hat keine Konkurrenz, somit muss anderweitig ein effizienter
Einsatz der Steuergelder gewährleistet werden Æ Wettbewerbsergebnis soll nach objektiven und
nachvollziehbaren Kriterien beurteilt werden
Auftragnehmer soll auch unfaire Entscheidungen vom Staat anklagen können
Æ Regelungen sollen nun gewährleisten, dass
- ein fairer Wettbewerb herrscht
- die Mittel effizient eingesetzt werden
- Aufträge nach sachbezogenen Kriterien vergeben werden

C. Das europäische Vergaberecht

es ist jede Art von Bevorzugung von inländischen Produkten oder Unternehmen verboten

Richtlinien über das Verfahren der Auftragsvergabe


- Koordinierung von Verfahren zur Vergabe öffentl. Bauaufträge, Lieferaufträge, DL Aufträge
Æ allgemeine Vergaberichtlinie
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- Koordinierung der Zuschlagserteilung im Bereich Wasser-, Energie-, und Verkehrsversorgung


sowie Postdienste Æ Sektorenrichtlinie
Î mehr Transparenz und Wettbewerb bei der Vergabe öffentlicher Aufträge

Rechtsmittelrichtlinien (für effektiven Rechtsschutz für in- und ausländische Bieter)


- für Bereiche der Liefer-, Bau- und DL Aufträge
- für den Sektorenbereich

Schwellenwerte: Vergaberichtlinien der EG gelten nur für Aufträge über bestimmter Werte (zB
Errichtung Bauwerk 5,278 Mio €, Liefer- und DL 211.000 €)

Da es sich um Richtlinien des Gemeinschaftsrechts handelt, müssen diese in den MS in nationales


Recht umgewandelt werden!

D. Das österreichische Vergaberecht

in Bundesverfassung geregelt – Vollziehung, je nach dem ob Auftrag von Bund, Land, Gemeinde,
zwischen Bund und Ländern geteilt
im Bundesbereich: Kontrolle im BVergG geregelt und von Bundesvergabeamt (BVA) besorgt
in Ländern, Gemeinden: landesgesetzliche Regelung, von Landesbehörden wahrgenommen (UVS,
eigene Landesvergabekontrollsenate)

Geltungsbereich
BvergG will Staat an VergabeRL binden; idR erledigt Bundesbeschaffungs GmbH (BBG)
Auftragsvergabe im Namen des Bunds; BvergG gilt für öffentliche Auftraggeber, wie
- Bund, Länder und Gemeinden
- von Gebietskörperschaften beherrschte Einrichtungen, mit Rechtssprechpersönlichkeit um
Aufgaben nicht gewerblicher Art im Allgemeininteresse zu besorgen (Einrichtung öffentl. Rechts)

Æ beherrschender Einfluss = Kontrolle über Finanzierung, Verwaltung, Leitung, Aufsicht (GKK,


Universitäten, ORF)
Æ nicht gewerblich = Staat hat Einfluss auf Unternehmensgebarung Æ kann Stellung am Markt
beeinflussen, unterstützen

Sektorenauftraggeber: Auftraggeber in den oben genannten Sektoren; von diesen


Sektorenvergabebestimmungen können auch private Unternehmen erfasst sein (wenn diese
keinem vollständigem Markt ausgesetzt sind)

sachlicher Geltungsbereicht
BvergG gilt für entgeltliche Lieferaufträge (Kaufverträge, Mietverträge, Pachtverträge,
Leasingverträge über Waren), Bauaufträge (Ausführung von Bauvorhaben durch U des
Baugewerbes) und Dienstleistungsaufträge (Instandhaltungs- Reparaturaufträge, Architektur,
Verkehrsbereich, Marktforschung, Werbung Æ prioritäre DL-Verträge)

BvergG gilt eingeschränkt bei Baukonzessionsvergaben, Vergaben durch Baukonzessionäre und


DLKonzVerg und für nicht prioritäre DL Aufträge
Æ Konzessionsverträge = statt, oder neben Entgelt für erbrachte Leistung darf Konzessionär
betreffende Leistung nutzen
Æ nicht prioritär = zB Rechtsberatungsdienst, DL in Bereichen Erholung, Kultur, Sport

unterhalb der Schwellenwerte gelten oft erleichterte Regelungen (va Wahl des Vergabeverfahrens)

Ausnahmen vom Anwendungsbereich


Bereich Landesverteidigung, Inhouse-Vergaben (Vergabe an ein 100%iges Tochterunternehmen),
Verträge über Erwerb von Grundstücken, FinanzDL im Zusammenhang mit Wertpapiergeschäften
od. Geldpolitik, Forschungsaufträge, Arbeitsverträge

Grundsätze des Vergabeverfahrens


Wettbewerbsprinzip, Gleichbehandlungsgebot, Vergabe nur an geeignete Unternehmer
Vorarbeiten können den Vergabewettbewerb verfälschen; es sollen keine wettbewerbsfremden
Ziele und Motive einfließen Æ technische und betriebswirtschaftliche Optimierung entscheidend
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- faire und gleiche Bedingungen für alle Bewerber und Bieter


- Vergabeverfahren muss sicherstellen, dass Auftraggeber optimale Leistung für günstigen Preis
bekommt

Ablauf des Vergabeverfahrens


Auftraggeber muss definieren, welche Leistung er haben möchte Æ muss genaue Anforderungen
stellen (auch in Hinblick auf der Erbringer der Leistung), Vergaberecht schränkt hier nur sehr
gering ein; es gelten gleiche Spielregeln für alle (Bewerber und Bieter) – Anforderungen müssen
transparent festgelegt werden
es gibt verschiedene Arten des Vergabeverfahrens, kommt auf Auftrag an

offenes Verfahren = Prototyp (für standardisierte Güterbeschaffungen/DL)


- Ausschreibung: Einladung des Auftraggebers zur Erstellung von Angeboten
- Angebotslegung: interessierte Unternehmen legen Angebote vor
- Angebotsprüfung: Auftraggeber nimmt diese entgegen und prüft sie
- Zuschlagsentscheidung: Auftraggeber trifft Entscheidung
- Zuschlagserteilung: schließt mit Bestbieter einen Vertrag ab
nach Entscheidung können andere Mitbieter die Entscheidung noch überprüfen lassen

Ausschreibung
alle potentiellen Bieter sollen davon erfahren Æ öffentliche Ausschreibung
auch an Eur. Kommission vermitteln Æ DB-System Æ alle U haben Zugriff (wer was wann wo)
Eur. AuschreibungsDB Æ TED (Tenders Electronic Daily) zusätzlich noch weitere elektronische
Ausschreibungen (zB Internet www.bbg.gv.at); viele kleine Unternehmen können sich nicht ganz
darum kümmern, solche Systeme immer aktuell zu halten Î zB WKÖ kümmert sich darum

Leistungsbeschreibung
Ausschreibungsunterlagen müssen bereitgestellt werden Æ Angebotsgestaltung Æ Informationen
für Bieter; Leistung muss eindeutig, vollständig und neutral beschrieben sein
so detailliert, dass man nachher Angebote nach bestimmten Kriterien vergleichen kann

Anforderungen an die Eignung der Unternehmer


Aufträge dürfen nur an befugte, zuverlässige, leitungsfähige Bietern vergeben werden
Î Eignungskriterien (kene Diskriminierungen erlaubt!)

Auswahl der Angebote


in der Ausschreibung muss auch festgelegt werden wie, und nach welchen Kriterien
Entscheidungen getroffen werden (Zuschlagskriterien) – Qualitätskriterien, wie wichtig ist der Preis
- technisch-wirtschaftlich günstiges Angebot Î Bestbieterprinzip
- Angebot mit niedrigstem Preis Î Billigstbieterprinzip (nur von BvergG zugelassen, wenn für
Qualitätswettbewerb kaum Platz Æ Preis allein ist entscheidend)

Angebots- und Zuschlagfrist


Ausschreibung gibt auch vor, bis wann Angebote eingehen können; Zuschlagsfrist: bis dahin hat
Auftragsgeber eine Entscheidung getroffen Æ Bieter sind in der Zeit an ihr Angebot gebunden

Angebotslegung
auf Grund der Ausschreibung können nun Interessenten ihre Angebote legen; müssen sich genau
an Festlegung der Unterlagen halten

Eignungs- und Angebotsprüfung


zweistufige Prüfung: Eignungskriterien werden geprüft, nicht geeignete werden ausgeschieden
Anhand der Zuschlagskriterien wird dann der Bestbieter ausgewählt

Zuschlagsentscheidung und Zuschlagserteilung


Entscheidung: Auftraggeber erklärt für wen entschieden werden soll, alle Mitbieter müssen von
dieser Entscheidung schriftlich informiert werden; 14-tägige Stillhaltefrist Æ danach tatsächlicher
Zuschlag (Vertrag) Æ andere Bieter haben Zeit wegen evtl. Ungerechtigkeiten zu klagen
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Widerruf
normalerweise endet Verfahren mit Zuschlagserteilung; wenn Auftraggeber nicht zuerteilen kann
oder will Æ Widerruf: zwingend (Bieter haben sich untereinander abgesprochen) oder fakultativ
(man ist von falschen sachlichen Voraussetzungen ausgegangen, neue Techniken Æ neue Wege)

„nicht offenes Verfahren“: es kann sinnvoller sein, zunächst nur einem ausgewähltem Kreis
geeigneter Unternehmer zu ermitteln (zB bei besonderer Sicherheit Æ Nationalbank, oder Angebote
sind sehr komplex und umfangreich)
zunächst durch öffentliche Bekanntmachung Æ Teilnahmeanträge abgeben Æ Eignungskriterien
werden geprüft Æ Auswahl wird getroffen (Anzahl vorher festgelegt), nur diese bekommen dann
die nötigen Ausschreibungsunterlagen

Verhandlungsverfahren: wenn Auftraggeber Leistung nicht ausreichend beschreiben kann


geeignete Bieter werden ermittelt, nicht vollständige Ausschreibungsunterlagen werden übermittelt
Æ erste Angebote werden gelegt Æ modifizierbar bis Auftraggeber entscheidet, dass nun
Endprodukt/Leistung fertig ist (somit kein Verhandlungsverbot, aber Diskriminierungsverbot)

für ganz besondere und spezifische Konstellationen gibt es noch weitere Vergabeverfahren (zB
besondere Dringlichkeit, sehr komplexe Infrastrukturaufträge)

E. Vergabekontrolle

Entscheidungen erfolgen im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung (keine hoheitlichen Entsch.)


will sich jemand gegen Entscheidung wehren Æ ordentliches Gericht zuständig
Î einerseits soll rasche Durchführung erfolgen (zB Autobahnsanierung) andererseits soll gewisser
Rechtsschutz gewährleistet sein
BvergG Rechtschutz gilt im Bundesbereich Æ BVA (bei L/G Æ landesgesetzlich geregelt Æ oft UVS)

Bundesvergabeamt: Mitglieder des BVA: unabhängig und weisungsfrei (Vorsitzender, Stellvertreter,


Senatsvorsitzende (16 Senate)) Î Entscheidung in 3er Senaten (Senatsvorsitzender + 2 Beisitzer
(Kreis Auftraggeber und Auftragnehmer) Æ Entscheidungen in Bescheidform und bekämpfbar bei
VfGH bzw VwGH

Nachprüfungsverfahren: Mitbieter können sich gegen Entscheidung des Auftraggebers zur Wehr
setzen Æ BVA kann Entscheidung aufheben Æ Auftraggeber muss korrigieren und Verfahren
fortsetzen; Verfahren muss nicht unbedingt gestoppt werden Æ Antrag auf einstweilige Verfügung:
Interesse an rascher Auftragserteilung ist gegen Interessen der Bieter, umfassenden Rechtschutz
zu erlangen, abzuwägen; überwiegt öffentlichen Interesse muss BVA Antrag auf einstweilige
Verfügung ablehnen
Parteien im Verfahren: Antragsteller und Auftraggeber, aber auch andere Bieter, wenn sie durch
das Verfahren rechtlich betroffen sind

Feststellungsverfahren: nach Vergabeverfahren Æ Feststellungsbescheid kann beantragt werden


Æ BVA kann Rechtswidrigkeit feststellen (Voraussetzung für Schadensersatzklage)
Verfahren nur zulässig, wenn nicht schon im Nachprüfungsverfahren Rechtswidrigkeit festgestellt
werden hätte können

Schadensersatzverfahren: übergangener Bieter (schuldhafte Verletzung des BvergG) hat Recht auf
Schadensersatz (zumindest Kosten der Angebotsstellung und Beteiligung am Vergabeverfahren Æ
Vertrauenskosten)
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LE10. RECHT – WIRTSCHAFT – JURISTISCHE INTERPRETATION


– SYSTEMBILDUNG

I. RECHT, RECHTSBEGRIFF, NORMENLEHRE

A. Recht als ein System von positiven Normen

Das positive Recht


Rechtsnormen unterscheiden sich von religiösen und moralischen Normen
- Recht ist von Menschen gesetzt – bei und (Demokratie) sind Organe die Rechtssetzer Æ sie
werden vom Volk legitimiert dies zu tun
- Recht ist für Menschen gesetzt und nur an diese adressierbar (zB Marktregulierung Æ es ist der
Marktteilnehmer (juristische, natürliche Person) gemeint)
- Recht wird gesetzt (positiviert) – nach bestimmten Erzeugungsregeln
- durch Staat sanktionsbewehrt - Staat stellt Organe, Instrumente, Verfahren für
Rechtsdurchsetzung zur Verfügung

Recht hat Orientierungsfunktion Æ schreibt erwartbares Verhalten vor (Verhalten kann daher
rechtmäßig oder unrechtmäßig sein) Æ geordnetes Zusammenleben erst möglich
Ordnungsfunktion: Interaktionen ermöglichen (zB Geldscheine und deren Wertzuschreibung)
Friedensfunktion: Möglichkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen
in vielen Fällen sichert Staat von sich aus Durchsetzung des Rechts um Ordnung zu gewährleisten

Rechtsbegriff: „Rechtspositivismus“ Æ nur positives Recht ist „Recht“


keine „inhaltliche“ Bewertung Æ zB „sinnvoll oder nicht“, hat nichts damit zu tun, ob es sich um
Recht handelt, es muss lediglich den entsprechenden Normenzeugungsregeln entsprechen
Recht ist aber nicht völlig wertfrei (zB Strafrecht: Leben und Eigentum)
auch Prinzipien (zB Vertragsrecht des ABGB Æ Prinzip der Privatautonomie) ergeben sich aus
einzelnen Regelungen (vgl Æ rechtsstaatliches Prinzip ergibt sich auch aus B-VG!)
Î Werte und Prinzipien sind im positiven Recht geregelt (nicht natürlicher/göttlicher Herkunft, etc)

B. Normenlehre

Rechtsnorm: zielt auf Steuerung menschlichen Verhaltens Æ Willensakt


Existenz durch Erlassung und Kundmachung, wann sie gelten Æ in Rechtsordnung selbst zu finden
Sollensanordnung: Bereich des Rechts und Bereich des Tatsächlichem (dem „Sein“)
Î Rechtsnorm gilt, Sachverhalt ist

Geltungsbereich: verschiedene Bereiche


- persönlicher GB bestimmt Personen, für die die Norm gilt
- sachlicher GB umschreibt reale Umstände, führen zur Anwendung einer Norm
- örtlicher GB sagt wo die Norm gilt
- zeitlicher GB regeln ab wann und wie lange eine Norm gilt (Mietvertrag)
Gesetze treten am nächsten Tag nach Kundmachung in Kraft
VO nach 20. Tag ihrer Kundmachung
Legisvakanz: Hinausschiebung der Geltendmachung

Anordnungen an Rechtsunterworfene: Gebote und Verbote Æ Erlaubnisse, Ermächtigungen


(= besondere Erlaubnisse) Î primäre Normen
sekundäre Normen: regeln, dass Gebote u Verbote eingehalten werden (auch durch Zwang!) und
Erlaubnisse respektiert werden Æ Exekutionsregeln und Sanktionsregeln (Zwangsnormen)

Verhaltensvorschrift besteht aus 2 Teilen: Tatbestand (Gegebenheit wird mit allgemein-abstrakter


Form erfasst Æ Sachverhalt) und Rechtsfolge (Pflichten und Rechte werden normiert)
wenn das eintrifft (Tatbestand), soll das geschehen (Rechtsfolge) Æ juristischer Syllogismus
Î keine Anordnung das Tatbestand erfolgen soll! Æ soll vermitteln, das Tatbestand unerwünscht,
verboten ist sonst Æ Sanktionen für unerwünschtes Verhalten
Rechtsnorm ≠ Rechtsvorschriften; bei Rechtsanwendung muss Sachverhalt mit einer Rechtsnorm
in Verbindung gebracht werden (Sachverhalt wird unter eine bestimmte Norm subsumiert)
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bei Falllösung wird untersucht, ob Sachverhalt einen Tatbestand verwirklicht, damit Rechtsfolge
eintreten kann, oft muss aber „interpretiert“ werden Æ Bedeutung der Rechtsvorschrift muss
ermittelt werden

Erzeugungsnormen: Recht regelt Erzeugung selbst Æ Rechtsordnung enthält Rechtsnormen, die die
Rechtserzeugung regeln Î Erzeugungsnormen bestimmen (determinieren) Form und Inhalt
erzeugter Normen; Rechtsnormen unterscheiden sich nach Art ihrer Setzung Æ gewisse
Rangordnung Î Stufenbau der Rechtsordnung (zB ergibt sich ob Regelung ein G oder eine VO ist)

Zwangsnormen: regeln in welchem Verfahren (von wem und wie) Verhaltensnormen durchgesetzt
werden, bis zur Verhängung von Sanktionen

C. Einteilungsmöglichkeiten des Rechts

formelles R: Vorschriften für Organisation bzw Verfahren der Rechtsanwendung


materielles R: regeln Verhalten der Rechtsunterworfenen

zwingendes R: kann nicht durch Abweichungen beteiligter Rechtssubjekte abgeändert werden (vor
allem im öffentlichen Recht, auch teilweise im Privatrecht)
nachgiebiges (disposives) R: tritt hinter solche Vereinbarungen zurück

staatlich gesetztes Recht: entweder durch staatliche Organe gesetzt, oder kommt privatautonom
durch Private zustande (zB Testamente, Kollektivverträge) aber auch privatautonom regelt Recht
Erzeugung selbst (zB ABGB regelt Vertragsabschlüsse)

Privatrecht: Rechte in Beziehung Einzelner untereinander und deren Interessen


öffentl. R: Ausgleich zw. öffentlichen und privaten Interessen, Regelung des Verhältnisses zwischen
Privaten und Staat

Justizrecht: Rechtsvorschriften, die von ordentlichen Gerichten vollzogen werden


Verwaltungsrecht: Rechtsvorschriften, die von Verwaltungsbehörden vollzogen werden

II. DIE AUSLEGUNG (INTERPRETATION) VON RECHTSVORSCHRIFTEN

zuerst denkbare Deutungsmöglichkeiten entwickeln (Normhypothesen) Æ mit


Auslegungsinstrumenten (Interpretationsmethoden) Sinn der Rechtsvorschriften ermitteln

- grammatikalische Interpretation: stellt auf Wortlaut des Normtextes ab, sucht nach Bedeutungen,
die sich daraus ableiten lassen (oft nur ein Satzzeichen anders und Aussage ist anders!)
- systematische I: untersucht Zusammenhang einzelner Sätze (zB „Hof“: bei Landwirtschaft Æ
Bauernhof, bei Schulwesen Æ Schulhof, Pausenhof)
- teleologische I: sucht Bedeutung in der Zielsetzung
Î diese Interpretationsmethoden können noch unterteilt werden in:
- historische I: Auslegungsmethoden aus der Zeit der Entstehung der Rechtsnorm
- subjektive I: wie sie der historische Normsetzer im Auge hatte
- objektive I: beiden vorigen nicht anwenden

verfassungskonforme I: Rechtsvorschrift muss so ausgelegt sein, das sie verfassungsrechtlichen


Vorgaben erfüllt sind
gemeinschaftskonforme I: innerstaatliche Rechtsvorschriften dürfen nicht Gemeinschaftsrecht
widersprechen bzw muss dem GR zur Durchsetzung geholfen werden

III. EUROPÄISCHES UND ÖFFENTLICHES WIRTSCHAFTSRECHT – ZUSAMMENSCHAU

A. Die vielfältigen Regelungen des Wirtschaftsrechts

innerstaatliches Recht, europäisches Gemeinschaftsrecht, können auch abhängig voneinander sein


ganz wichtig und zentral (aber nicht Gegenstand des öffentl. WR) = Wirtschaftsprivatrecht
(Handels- Wirtschafts- Gesellschaftsrecht, Völkerrecht - Wirtschaftsvölkerecht)
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verschiedene Regelungsbereiche oft gemeinsame, oft verschiedene Zielsetzungen, verfolgen Ziele


mit unterschiedlichen Mitteln

B. Ordnung und Überblick durch rechtswissenschaftliche Systembildung

niemand kann gesamtes Wirtschaftsrecht beherrschen, dennoch ist Gesamtüberblick notwendig;


Ordnungskriterien erleichtern dies Æ Systembildungen Æ Rechtsanwender kann Einzelregelungen
besser verstehen und bewältigen; Regelungen alleine kennen nützt nicht viel Æ man muss auch die
Wirkung verstehen
Ordnungskriterium: Stufenbau der Rechtsordnung Æ weiter: Verwaltungs- und Justizrecht Æ
öffentliches – privates Recht Æ auch Ordnungskriterium = Zielsetzung
Î rechtswissenschaftliche Systembildung Æ Wirtschaftsrecht (der Untersuchungsgegenstand) soll
nach zweckmäßigen Kriterien geordnet werden, passende Begriffe suchen
„Rechtswissenschaft ist systematisch oder sie ist nicht!“

IV. DIE KLASSISCHE SYSTEMBILDUNG IM WIRTSCHAFTSRECHT

A. Wirtschaftsverfassungsrecht und unterverfassungsgesetzliches Wirtschaftsrecht

Rechtsvorschriften unterliegen Erzeugungsbedingungen Æ auch von Rechtsvorschriften geregelt


Î gestuftes hirachisches System bedingter und bedingender Rechtsnormen
Recht entsteh im Rechtserzeugungsprozess Æ von obersten, abstrakten Normen zu konkreten
Rechtsnormen (höhere Stufe gibt Erzeugungsnormen vor)
Überprüfung von Rechtsmäßigkeit von Rechtsnormen: „Wurden die heteronomen Determinanten
eingehalten?“ Æ es gibt einen autonomen Gestaltungsspielraum

Adolf Julius Merkl, Hans Kelsen Æ reine Rechtslehre: Rechtsordnung ist eine von mehreren
gesellschaftlichen Teilsystemen ausschließlich von rechtswissenschaftlichen Methoden erklärte
Ordnung; Rechtsordnung = Sollensordnung; aus Systembildung Stufenbau der Rechtsordnung ist
nichts über Inhalte der Stufen herauszulesen
die reine Rechtslehre ist selbstverständlich nicht die einzige Theorie über dieses Gebiet!

Wirtschaftsverfassungsrecht: jene Normen (Verfassungsvorschriften), die für das wirtschaftliche


Leben von besonderer Bedeutung sind (besonders die Vorschriften der Kompetenzverteilung,
Wirtschaftsgrundrechte, Finanzverfassung)
Æ konstruiert eine „grundsätzlich marktwirtschaftliche Ordnung“

B. Wirtschaftsverwaltungsrecht und Wirtschaftsjustizrecht

verbliebenes „unterverfassungsgesetzliches Wirtschaftsrecht“ wird weiter unterteilt


Æ W-Verwaltungs + W-Justizrecht; Ordnungskriterium: Vollzugszuständigkeit
- W-Verwalungsr.: alle Regelungen mit großer Bedeutung für das Wirtschaftsleben, von
Verwaltungsbehörden angewandt und vollzogen (Vollzug durch Verwaltungsorgane)
- W-Justizr.: ordnet Wirtschaftsgeschehen, steuert Ablauf (Vollzug durch Gerichte)

Wirtschaftsstrafrecht kann Wirtschaftsjustizrecht zugeordnet werden (ugs. „öffentliches Recht“)


- W-Verwaltungsr. (zwingendes Recht, Durchsetzung des öffentl. Interesses)
- W-Privatr. (Grundsatz der „Privatautonomie“)

C. Wirtschaftsverwaltungsrecht: Ordnungs-, Lenkungs-, Aufsichtsrecht

Lenkung und Aufsicht: Ordnungskriterium – Intensität der staatlichen Einflussnahme; Zielsetzung


(gesetzliche Schranken setzen, unternehmerische Entscheidungen weitgehend zu bestimmen) Æ
unternehmerisches Handeln wird reguliert Æ Lenkung und Ordnung

Wirtschaftsordnungsrecht: Regelungen der Gefahrenabwehr Æ Schranken für wirtschaftl.


Tätigkeit Î Ordnungsrahmen für die Wirtschaft (Regelung der Wettbewerbsverhältnisse)
legt Qualitätsstandards fest (Zulassungsschranken)
behördliche Bewilligungen nur noch dort, wo wegen Sicherheit zwingend erforderlich (ansonsten
Anmeldesysteme, Selbsteinstufung); unterliegen Kontroll- und Sanktionssystem
Æ Eingriffe nur bei Verstößen (keine laufenden Kontrollen – Ausnahmen zB gefährl. Betriebsanl.)
©2007 – Frederik Spanel 48 von 48

eigenverantwortliche Selbstkontrolle unter nachprüfender Aufsicht der Behörden („regulierende


Selbstregulierung“)

Wirtschaftslenkungsrecht: beeinflussen unternehmerisches Handeln zur Erreichung wirtschafts-


politischer Zielsetzungen (zB intervenieren des Staates in Marktmechanismen)
- direktes Lenkungsrecht: arbeitet mit hoheitlichen Ge- und Verboten (besonders bei
Marktversagen Æ behördliche Bewirtschaftungsmaßnahmen)
- indirektes LR (viel häufiger): sollen positive Anreize für unternehmerisches Verhalten setzen (zB
Förderungen, steuerliche Bestimmungen)

Wirtschaftsaufsichtsrecht: Zielsetzung der Regelung Æ volkswirtschaftliche Schlüsselbranchen


(Banken, Versicherungen) werden einem besonders präventiven staatlichen Funktionsschutz
unterstellt Æ Branchen wichtig für gesamtwirtschaftliches „Funktionieren“
Î intensive laufende Überwachung der Unternehmen
Aufsichtsrecht enthält durchaus auch lenkungs- und ordnungsrechtliche Maßnahmen

V. DIE SYSTEMBILDUNG IM WIRTSCHAFTSRECHT IM LICHTE NEUER ENTWICKLUNGEN

Ordnungs- und Erkenntnisfunktion wird solange erfüllt, wenn Ordnungskriterien besser als alle
anderen in der Lage sind, die Masse des positiven Wirtschaftsrechts zu ordnen/erklären
Æ neue Rechtsentwicklungen stellen dies immer mehr in Frage Î Umbruchphase
(Ordnungskriterien werden fragwürdig, aber oft keine alternativen vorhanden)

A. als europäisches Wirtschaftsverfassungsrecht

EU = Wirtschaftsunion Î EUV enthält Wirtschaftsrecht


Stufenbau des Gemeinschaftsrechts: innerhalb des GR – höchste Stellung: primäres GR;
sekundäres GR (VO, RL, Entscheidungen) ist diesem untergeordnet (beruht auf primärem GR)
europäische Wirtschaftsverfassung: Entscheidung für Marktwirtschaft
Rechtsordnung in Ö umfasst eur. GR sowie innerstaatliches Recht Æ Zusammenwirken in einem
System von bedingenden und bedingten Rechtsnormen
Stufenbau im eur. GR klar (primär, sekundär) aber überträgt man dieses dann auf das
innerstaatliche Recht Æ sehr komplexe Anwendung, wegen „Vorrang des GRs“
Völkerrecht ist heute im österreichischen Stufenbau noch nicht berücksichtigt (gilt aber natürlich)
Î Gesamtbild wird oft sehr komplex und unscharf (Gesamtstufenbau – eur. und innerstaatliches)
würde man das gesamte primäre und sekundäre GR zum innerstaatlichen Recht zählen Æ
unterverfassungsgesetzliches Wirtschaftsrecht wird unnötig Æ sinnvolle Ordnungskriterien müssen
gefunden werden (Aufgabe der Rechtswissenschaft)

B. vom öffentlichen und privaten Wirtschaftsrecht zum „Marktrecht“

immer öfter werden zur Vollziehung im WR besondere Verwaltungsbehörden berufen (stehen


außerhalb des normalen Verwaltungsaufbaus – Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit Æ
gerichtsähnlich organisiert); inhaltlich arbeiten alle Rechtsbereiche mit ähnlichen Instrumente;
ein Wandel zum umfassenden Marktrecht geht voran
geht es um staatlichen Ordnungsrahmen und Intervention in bestimmte Märkte, haben sich immer
öfter „Querschnittsmaterien“ (zw. öffentl. und privatem Recht) entwickelt

C. Die Erosion der herkömmlichen Kategorien des Wirtschaftsverwaltungsrechts

der Vorsorgegedanke geht weit über traditionelle Gefahrenabwehr hinaus


auch im Zusammenhang mit Infrastrukturmärkten haben sich spezielle Marktrechte entwickelt (DL
die für unsere Gesellschaft von hoher Bedeutung)
es geht nicht nur um Sicherung des Wettbewerbsrechts, sondern auch um präventive
Herbeiführung

Î herkömmliche Ordnungskriterien des Wirtschaftsverwaltungsrechts verlieren immer mehr ihre


Abgrenzungsfunktion

„Zu neuen Ufern kann man nur von alten aufbrechen!“