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BÜNDNIS DER BÜRGERINITIATIVEN

KEIN FLUGHAFENAUSBAU – FÜR EIN NACHTFLUGVERBOT
Ü b e r 80 I n i t i a t i v e n i m R h e i n – M a i n - G e b i e t

Bündnis der Bürgerinitiativen c/o Ingrid Kopp, Emil-Krag-Str. 4 a, 65205 Wiesbaden

Ministerpräsident des Landes Brandenburg Herrn Matthias Platzeck Heinrich-Mann-Allee 107 14473 Potsdam

Offener Brief

15. 2. 2013

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, bitte erlauben Sie uns einen solidarischen Zwischenruf in Ihre Richtung, wobei wir dabei auch Ihren Kollegen, Herrn Wowereit, mit einschließen möchten: Was Sie in den letzten zwei, drei Jahren in Berlin im Zusammenhang mit dem Ausbau bzw. Neubau des Willy-Brand-Flughafens erleben, ist uns in der Rhein-Main-Region nicht fremd – und, das unterscheidet uns, es ist uns auch nicht unlieb. Als Bündnis der Bürgerinitiativen, das sich gegen den maßlosen und folgenschweren Ausbau des Frankfurter Flughafens wehrt, haben wir natürlich nichts gegen die schleppende Fertigstellung von Flughäfen – ganz im Gegenteil. Nachdem Sie sich jetzt für den Berater Dr. Wilhelm Bender entschieden haben, können wir gar nicht anders, als unseren Partner aus der Fluglärmgegnerszene zu beglückwünschen. Warum? Das will ich Ihnen sagen: Herr Dr. Bender hat zwar das Staffelholz der Fehlplanung des Frankfurter Flughafens rechtzeitig vor der Inbetriebnahme der neu errichteten Landebahn Nordwest an seinen Nachfolger Herrn Dr. Schulte abgegeben, doch die Verantwortung dafür trägt er zweifellos. Der Ausdruck Fehlplanung für die Landebahn Nordwest ist übrigens keine billige Polemik von Wutbürgern, sondern ein statthaftes Attribut, dass hinter vorgehaltener Hand auch in Luftfahrtkreisen kursiert und offen in den Fakultäten der Raum- und Umweltplanung und auf Veranstaltungen der Regionalplaner verwendet wird. Ganz besonders irritierend ist, dass sogar Fluglotsen die Landebahn Nordwest einen Fehler nennen; die Bahn mache mehr Probleme als sie löse, so der Tenor (http://www.gdf.de/upload/pdf/Flugleiter/Flugleiter_04_2012.pdf).

Postanschrift: Ingrid Kopp, Emil-Krag-Str. 4 a, 65205 Wiesbaden, Tel.: (0611) 721600, e-mail: Ingridkopp@t-online.de Bankverbindung: Bündnis der Bürgerinitiativen VR-Bank Bad Orb-Gelnhausen Konto-Nr.: 6785298 (BLZ 507 900 00) www.flughafen-bi.de

Bündnis der Bürgerinitiativen – 15. 2. 13 - Seite 2 von 2

Laut Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt sind durch die hinzugebaute Landebahn gut 200.000 Bürgerinnen und Bürger von Fluglärm durch die Nordwestlandebahn neu betroffen. Das Ergebnis zeigt sich in wöchentlichen Demonstrationen im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Wenn Sie sich einen Eindruck von stattfindender Politikverdrossenheit verschaffen wollen, sind Sie herzlich eingeladen, an einer der wöchentlichen Demonstrationen teilzunehmen oder einige unserer Mitstreiter zu Hause zu besuchen. Die Fehlplanung dokumentiert sich in allerlei Aspekten: Der bei der Antragstellung zugrunde gelegte Bedarf stellt sich als falsch heraus. Die Flugbewegungszahlen sind unterhalb des Niveaus zu Zeiten der Antragstellung Die Planer hatten ein Chemiewerk übersehen und mussten nach jahrelanger Bockigkeit feststellen, dass sogar Einstimmigkeit keine Torheiten erlaubt – das Chemiewerk musste für 670 Millionen Euro „weggekauft“ werden Das Flughafensystem, d.h. das ineinander Spielen der zwei Start- und der zwei Landebahnen, birgt bei Westbetrieb ein „systemischen Risiko“, so ein kürzlich veröffentlichter Bericht der BFU (Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung) über eine kritische Situation am Frankfurter Flughafen Ende 2011. Trotz der neuen Landebahn schafft es die Fraport nicht, am Abend die Flugzeuge landen bzw. starten lassen, die bis 23.00 Uhr abgefertigt sein müssen – es gibt einen Warteschlangeneffekt, also einen Kapazitätsengpass und das bereits zu Zeiten, wo so wenige Maschinen in Frankfurt fliegen wie schon seit zehn Jahren nicht mehr.

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Sie haben Herrn Bender jetzt zu sich geholt. Wir können Ihnen nur raten, genau hinzuschauen, was Ihnen der Chef der Beratung empfehlen wird. Sie haben ja nichts davon, wenn der Flughafen irgendwann eröffnet wird und die Probleme dann erst wirklich offenbar werden, so wie hier in der Rhein-Main-Region. Wobei – das sollte man noch hinzufügen – hier sollte die neue Bahn bereits 2006 zur Fußballweltmeisterschaft in Betrieb gehen. Die erste Landung fand jedoch erst im Oktober 2011 statt. Sie müssen sich also nicht über die Maßen schämen für die Dinge, die bei Ihnen passiert sind. Die Karnevalszeit ist vorüber und wie Sie sicherlich auch gelesen haben werden, sind Wutbürger von Humor und Ironie befreit: Wir gratulieren Ihnen im Sinne unserer Kollegen in Teltow, Kleinmachnow oder Stahnsdorf – es gibt dort Hoffnung, dass es noch lange ruhig bleibt am Himmel über Berlin-Brandenburg. Mit freundlichen Grüßen

(Sprecherin des Bündnisses der Bürgerinitiativen)