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1.

Einleitung: Wahl des Themas

Die Wahl dieses Themas gründet auf meinem persönlichem Interesse an Politik und Geschichte.
Aber auch an meinem Interesse an China, da ich selbst halb chinesisch bin und besonders weil ich in
China lebe. Außerdem ist es in meinem Augen wichtig zu verstehen welche Ideolgie China für 50
Jahre lang so sehr beeinflusst hat.
Ich habe das Thema: Ein Vergleich: Maoismus, Leninismus, Marxismus, in drei Hauptteile geteilt.
Im ersten Teil erläutere ich kurz den theorethischen Hintergrund der drei Ideologien. Im zweiten
Hauptteil untersuche ich die Differenzierung vom Marxismus, der die Grundideolgie der beiden
anderen Ideolgien ist, und Drittens die Hauptunterschiede.
Da der Vergleich von Marxismus, Marxismus-Leninismus und Maoismus ein rießiges Thema ist und
auch viele Themenbereiche abdeckt, bitte ich zu entschuldigen dass diese Jahresarbeit auf manche
Themen der Ideologien nicht tiefer eingegangen ist. Auch möchte ich darauf hinweisen dass, die
ganze Thematik noch sehr oberflächlich bearbeitet wurde und an vielen Stellen weiter vertieft
werden könnte.

2. Kurze theorethische Einführung

In diesem Kapitel werden die drei Ideologien Marxismus, Leninismus und Maoismus erklärt.
Sowohl der Marxismus-Leninismus als auch der Maoismus gründen im Kern auf dem Marxismus.
Doch beide sind auch allein stehende Theorien. Hier werden also schon die Unterschiede der
Ideologien aufgezeigt. Dies wird später im Punkt 4. meiner Jahresarbeit wieder aufgegriffen und
weiter vertieft werden.

2.1. Marxismus

Marxismus ist die von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) entwickelte Lehre
vom wissenschaftlichen Sozialismus. Die Marxsche Theorie soll nach einer berühmten Formulierung
Lenins zufolge aus drei Quellen entstanden sein: der deutschen idealistischen Philosophie, der
englischen Nationalökonomie und dem französischen Sozialismus.1 Ökonomische Strukturen
1
Aus: Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001, S. 282
1
bestimmen nach ihnen das politische, geistige, kulturelle und auch das sonstige Leben in der
Gesellschaft. Marx sah seine Theorie als Wissenschaft und Handlungsanleitung an die, wenn man sie
befolgt zu einer klassenlosen Gesellschaft führt, die jedem eine freie Entwicklung gewehrt.2 Der
Marxismus glaubt, dass die Geschichte des Menschen die Geschichte von Klassenkämpfen ist. Von
jeher gab es Unterdrücker und Unterdrückte, Ausbeuter und Ausgebeutete. Dies wird im ersten
Kapitel des Kommunistischen Manifests über die Bourgeoisie und Proletarier so beschrieben: „Die
Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und
Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker
und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald
versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung
der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“3
Marx und Engels sahen die Geschichte der Menschheit als Gesetzmäßigkeit an, die ein Prozess aus
Entstehung, Entwicklung und Ablösung einer Gesellschaftsform durch eine höhere an.4 „Der
Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die
Wirklichkeit sich zu richten habe. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den
jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden
Voraussetzung.“5 Auch die kapitalistische Gesellschaft gehört zu diesem Prozess der
gesellschaftlichen Entwicklung. Marx sieht den Kapitalismus als letzte Form der eigenmenschlichen
Unterdrückung an. Es ist zum ersten Mal in der Geschichte ein Stadium erreicht, indem so viel
produziert wird, dass theoretisch alle Menschen frei leben könnten. Dies passiert jedoch nicht, da die
ausbeutende Klasse der bürgerlichen Kapitalisten im Besitz aller Produktionsmittel ist und die
ausgebeutete Klasse der Proletarier nur ihre bloße Arbeitskraft, hat die sie den Kapitalisten zur
Verfügung stellt.

Das Kapital der Kapitalisten entsteht, indem er den Wert der Arbeitskraft nicht ausreichend entlohnt.
Dadurch entsteht Profit, der dazu verwendet wird, neue Techniken wie z.B. Maschinen zu
entwickeln, welche einerseits den Profit steigern und andererseits die Arbeitskraft des Proletariats
überflüssig machen. So kommt es zu Lohndruck, Arbeitslosigkeit und schlussendlich zur
Verelendung des Proletariats.6 „Diese Unterdrückung ist keine individuelle, sondern eine
gesellschaftliche Unterdrückung.[...]Der Grad der Ausbeutung kann tendenziell nicht vermindert
2
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/401.htm# [Stand o.J.]
3
Karl Marx/Friedrich Engels – Werke: „Manifest der Kommunistischen Partei“. URL:
http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm [Stand: 08.03.1999]
4
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/401.htm# [Stand o.J.]
5
Landshut, S. (Hg.): Karl Marx, Die deutsche Ideologie, Die Frühschriften. Stuttgart,1971. S.362
6
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/401.htm# [Stand o.J.]
2
werden und das Proletariat ist innerhalb dieser Produktionsweise die unterdrückte Klasse. Da das
Proletariat aber selber keine andere soziale Schicht unterdrückt, wäre die Aufhebung des
Kapitalismus als Gesellschaftsformation ein Akt der Befreiung jeglicher Klassenunterdrückung. “7
Der Akt der Befreiung würde durch eine Revolution des Proletariats geschehen. Nachdem der
Bourgeoisie gewaltvoll die Produktionsmittel aus dem Besitz entrissen wurde, wird es eine Art
Übergangsperiode der Dikatatur des Proletariats geben. Diese soll dann nach einer Zeit, Marx und
Engels haben sich hier auf keine genaue Zeit festgelegt, verschwinden und geht dann in eine
kommunistische Gesellschaft über. Erst in einer klassenlosen Gesellschaft beginnt dem Marxismus
zufolge die eigentliche Geschichte. Denn die Zeit davor war nur die Geschichte der Klassenkämpfe
und fällt daher in den Bereich der Vorgeschichte.8 Nach und nach sollen nun alle Länder der Welt
folgen und es soll eine Weltrevolution geben, die die gesamte Erde von Unterdrückung befreien soll.
Um nicht utopisch zu wirken, haben es Marx und Engels vermieden, die künftige
Gesellschaftsordnung zu beschreiben.9

2.2 Leninismus

Leninismus, auch unter den Namen Marxismus-Leninismus, Bolschewismus oder Sowjetmarxismus


bekannt, ist der erste Versuch, die Theorien des Marxismus als Staats-und Gesellschaftsform
umzusetzen. Sie gründet auf Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), dessen späterer Name Lenin
wurde. Während die Marxisten in Europa größtenteils aus Intellektuellen bestanden die keine
politische Macht besaßen, wurde der Marxismus in Russland als erstes Land auch als praktische
Politik praktiziert.10 Nach Lenins Auffassung ist der Sozialismus nur eine kleine Unterstufe des
eigentlichen Kommunismus, der sich jedoch nur nach der vollständigen Entwicklung des
Sozialismus vollständig entfalten kann.11 Darum musste erst ein funktionsfähiges sozialistisches
System aufgebaut werden, damit dieses sich in die höchste der Gesellschaftsformen, den
Kommunismus, entwickeln kann.
Der Aufbau des Sozialismus erfolgt nach marxistisch-leninistischer Auffassung nach
allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten:

7
Heuer, A.: „Marxismus-Leninismus“. S.2ff
8
Aus: Heuer, A.: „Marxismus-Leninismus“
9
Aus: Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001.
10
Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001
11
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus-Leninismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/402.htm#
[Stand o.J.]
3
• Durchführung der proletarischen Revolution und Errichtung der Diktatur des Proletariats
• Führung der werktätigen Massen durch die Arbeiterklasse und ihre marxistisch-
leninistische Partei als Avantgarde
• Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft und den anderen werktätigen Schichten
(Bündnispolitik)
• Beseitigung des kapitalistischen Eigentums und Herstellung des gesellschaftlichen
Eigentums an den Produktionsmitteln
• planmäßige Entwicklung der Volkswirtschaft
• Revolution auf dem Gebiet der Ideologie und Kultur sowie Herausbildung einer
sozialistischen Intelligenz (sozialistische Kulturrevolution)
• Beseitigung nationaler Unterdrückung und Herstellung gleichberechtigter Beziehungen
zwischen den Völkern
• Zusammenschluss der sozialistischen Länder

• Verteidigung der Errungenschaften des Sozialismus gegen die Anschläge äußerer und
innerer Feinde. 12

Der Marxismus-Leninismus ist sehr von strikten organisatorischen und strukturellen Vorgaben
geprägt, welche aus der von Lenin betonten revolutionären Seite des Marxismus stammen. Vor allem
sticht beim Marxismus-Leninismus die Partei hervor. Sie soll ähnlich wie im „demokratischen
Zentralismus“ straff organisiert sein und die breite Masse der Bevölkerung führen. In der Partei soll
es nur einige wenige Berufsrevolutionäre geben. Lenin war der Ansicht, dass das Proletariat
eigenständig nur ein gewerkschaftliches Bewusstsein entwickeln kann und von sich aus nicht das
nötige politische Bewusstsein entwickeln könnte.13 Daher benötigt es einer revolutionären
Kaderpartei, welche das Proletariat zum Kommunismus hin leite.14 So wurde die Idee der Dikatatur
des Proletariats und die Kommunistische Partei erstmals in den Mittelpunkt gestellt. Dies hatte für
folgende sozialistische Revolutionen einen Vorbildcharakter.15 Ein weiterer Unterschied zum
Marxismus ist die Revolutionstheorie von Lenin. Während Marx und Engels der Meinung waren,
dass die Revolution zuerst in einem hoch industrialisierten westeuropäischen Land mit den richtigen
ökonomischen und sozialen Vorraussetzungen entstehen kann, hob Lenin die revolutionäre Situation
12
Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus-Leninismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/402.htm# [Stand
o.J.] S.1
13
Aus: Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001.
14
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus-Leninismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/402.htm#
[Stand o.J.]
15
Aus: Heuer, A.: „Marxismus-Leninismus“.
4
in der Gesellschaft hervor, die er als nötig sah, um die Revolution ins Rollen zu bringen.16 Auch
bemühte er sich, die sozialitische Revolution so schnell wie möglich anzutreiben, damit die
Weltrevolution, welche Marx und Engels geschildert haben, bald in der ganzen Welt ausbricht. Lenin
war sich sicher, dass nach der Revolution in Russland 1917 der Rest der Welt folgen würde. Dabei
sollten nicht nur Arbeiter und Revolutionäre beteiligt sein, sondernn eigentlich dem Marxismus ganz
widersprüchlich, auch die Bauern.

2.3 Maoismus

Mao Tse-Tung (1893-1976) begründet den Maoismus auf Grundlage der Schriften von Karl Marx
und Friedrich Engels, aber auch auf dem Marxismus-Leninismus, welcher auf Lenin gründet. Er ist
im Wesentlichen die Verbindung von Leninismus und Praxis der chinesischen Revolution.17 Der
Maoismus bildete sich nach dem kommunistischen Sieg 1949 als eine Theorie und Praxis heraus.
Wobei der Praxis viel mehr Gewicht beigewogen wurde. Sie versteht sich als eine historisch-
konkrete Anwendung sowie kritische Weiterentwicklung des Sowjetmarxismus, welche den
speziellen Bedingungen Chinas angepasst wurde.18
In den Vordergrund rückt hierbei vor allem der Fortschritt der Industrialisierung, welcher bei Marx
eine untergeordnete Rolle spielte. Paradoxerweise sollen sich beim Maoismus die Bedürfnisse der
Menschen dem Fortschritt unterordnen.19
Mao holte besonders die „Dritte Welt“ in den Blickpunkt des Kommunismus. Für ihn sollte von den
unterentwickelten Argraländern wie zum Beispiel Asien, Afrika und Lateinamerika die
Revolutionswelle ausgehen, welche später zur vorhergesagten Weltrevolution führen soll. Dabei
sollte, nicht wie bei Marx und auch Lenin, das städtische Proletariat Träger der Revolution sein,
sondern die arme und unterdrückte Landbevölkerung. Diese sollten erst am Land die Revolution ins
Rollen bringen und diese dann auf die Städte übertragen.20 Mao hat seinen Schwerpunkt auf die
chinesischen Bauern gesetzt, welche sich seiner Meinung nach durch ihren Mut und Einsatz in der
Revolution von Bauern aus anderen Ländern unterschieden. Die Hervorhebung der Bauern in der
21
Revolution steht im ideologischen Konflikt mit dem Marxismus. Auch tritt beim Maoismus die

16
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus-Leninismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/402.htm#
[Stand o.J.]
17
Aus: Grimm,T.: „ Mao-Tse-Tung” Reinbek bei Hamburg: Rowolth, 1968.
18
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Maoismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/405.htm [Stand o.J.]
19
Aus: Anarchopedia: „Maoismus”. URL: http://deu.anarchopedia.org/Maoismus [Stand: 12.7.2007]
20
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Maoismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/405.htm [Stand o.J.]
21
Aus: Harrison, J.P.: „The Communists and Chinese Peasant Rebellions. A study in the rewriting of chinese history.”
The Murray Printing Company. Massachusetts, Forge Village: Antheneum, 1971.
5
Lehre der „immerwährenden Widersprüche“ auf. Diese Denkweise kommt zweifellos aus dem alten
chinesischem Yin und Yang, welche als ewige unvereinbarbare Gegensätze sich gegenüber stehen. 22
Trotz einer deutigen Abneigung gegen den Vormachtanspruch der Sowjetunion teilt Mao die
Ansichten Lenins über die führende Rolle der kommunistischen Partei sowie der Diktatur des
Proletariats. Die Bauernmasse brauchte Disziplin und Ordnung, was auch der Idee Lenins entsprach.
Ein Merkmal des Maoismus ist die ständige Aufrechterhatung der „inneren“ Revolution, welche auf
Mao selbst zurückzuführen ist. Die letzte von diesen revolutionären Massenkampagnen ist die
1965/66 eingeleitete „Große Proletarische Kulturrevolution“. Die Kulturrevolution endet 1976,
welches zugleich das Ende der Ära Maos markiert.23

3. Gründe der Differenzierung von Marxismus zu Leninimus und Maoismus

In diesem Kapitel möchte ich auf die Gründe der Differenzierung des Marxismus-Leninismus und
Maoismus zum Marxismus hin näher eingehen. Dies wird Grundlage für das letzte Kapitel über die
Hauptunterschiede der drei Ideolgien sein. Dieser Abschnitt fließt also schon teils in die Analyse ein.
Ich beginne mit dem Leninismus und befasse mich dann mit dem Maoismus.

3.1 Leninismus

Lenin hat die Lehren von Marx aufgegriffen, interpretiert, weiterentwickelt und so zum Leninismus,
wie wir ihn heute kennen, verändert. Also waren die Marxschen Theorien für Lenin nur eine
Grundlage für seine eigene Theorie. Russland, welches in den Augen von Marx und Engels noch viel
zu unterentwickelt und nicht industrialisiert genug war um eine Revolution durchzuführen, führten
entgegen aller Erwartungen als erstes Land die Revolution durch und wurden sozialistisch. Dies
hatte niemand, besonders Marx nicht, kommen sehen. Besonders weil, diese Revolution
hauptsächlich von den Bauern aus dem Land durchgeführt worden war, widersprach sie dem
Marxismus. Man hatte erwartet, dass erst Deutschland oder England mit der Revolution beginnen
würde. Hier beginnt schon die Differenzierung zum Marxismus. Lenin musste also einen Weg
finden, Russlands Vorgehen auf marxistischer Weise zu erklären. Dies macht er in seiner
Imperialismustheorie deutlich. Diese besagt dass : „(...) der moderne Kapitalismus durch die
Entstehung von Monopolen, durch die in Politik und Wirtschaft führende Rolle von Großbanken

22
Aus: Grimm,T.: „ Mao-Tse-Tung” Reinbek bei Hamburg: Rowolth, 1968.
23
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Maoismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/405.htm [Stand o.J.]
6
sowie durch internat. Kartelle und koloniale Ausbeutung (Imperialismus) gekennzeichnet. Der
Kampf der Großmächt um Anlagemöglichkeiten für Kapital und um Rohstoffquellen führt zu einer
verschärften Konkurrenz und schließlich zu Kriegen; dies und die für den modernen Kapitalismus
typ. Ungleichmäßigkeit der weltwirtschaftl. Entwicklung ermöglicht es, dass auch in rückständigen
Ländern wie in Russland Revolutionen ausbrechen können.“24 Hinzu kommt, dass Lenin selbst nur
sehr wenig Zeit in Russland verbrachte und seine Theorien hauptsächlich im Ausland schrieb. So
war ihm die soziale und politische Lage Russlands nicht allzu vertraut. Trotzdem war der
Leninismus als solcher relativ an Russlands Verhältnisse angepasst. Ein weiteres Problem in Lenins
Theorie war, das die erwartete Weltrevolution nicht folgte. Man erwartete, dass nun allmählich die
anderen Länder Russlands Beispiel folgen würden. Doch dies geschah nicht. Man wartete vergeblich
auf die Weltrevolution, was widerum viele Fragen und Zweifel an den Lehren Marxs aufwarf.
Ein weiterer Unterschied der Ideologien ist die Parteitheorie Lenins. Wie oben schon gesagt war
Lenin der Ansicht dass die Arbeiterklasse nur ein „gewerkschaftliches Bewusstein“ entwickeln
könne und es die Aufgabe der Intellektuellen sei, das Klassenbewusstsein ins Proletariat
hineinzutragen. Die Partei sollte daher „eine von Berufsrevolutionären geführte straffe, z.T.
konspirativ arbeitende Organisation, eine revolutionäre „Avantgarde“ des Proletariats sein.“ 25 Diese
Berufsrevolutionäre sollten an der Zahl möglichst gering sein und möglichst breite
Bevölkerungsschichten kontrollieren.26 Zwar hatte Marx von einer Diktatur des Proletariats
gesprochen, jedoch hatte Lenin diesen Gedanken auf eine „kommunistische Partei“ ausgeweitet.
Diese „Phase“, betonte Lenin, sei sehr gewaltsam, doch wäre es unmöglich, sie zu umgehen. Er
schloss die Errichtung des Sozialismus mit einer parlamentarischen Methode vollkommen aus. Das
ist wohl eine der größten Unterschiede zwischen den beiden Ideologien. Marx ging immer davon
aus, dass das Proletariat sich selbst organisieren und den Kapitalismus von selbst überwinden wird.
Lenin unterscheidet hier. Er sagt, es gibt einen höheren und einen niederen Kommunismus. Und nur
im höheren sind alle Menschen in der Lage, selbständig die gesellschaftliche Produktion zu leiten
ohne staatliche Lenkung und Kontrolle. Da nach Lenins Meinung Russland noch nicht für den
höheren Kommunismus bereit war, sollten die Menschen so lange von der Partei gelenkt und geführt
werden. Hierbei muss man jedoch beachten, dass Russland in den Augen von Marx und Engels noch
lange nicht reif bzw. industriell entwickelt genug gewesen wäre um überhaupt eine Revolution
durchzuführen. Davon abgesehn war der Anteil der Proletarier im Land viel zu gering als dass man

24
Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001. S. 286
25
Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001 S. 286
26
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus-Leninismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/402.htm#
[Stand o.J.]
7
eine allein auf der Arbeiterklasse basierende Revolution hätte durchführen können. Daher war ein
großer Anteil der protestierenden Revolutionäre Bauern vom Land. Da dies Lenin sehr wohl bewusst
war, muss er zu dem Schluss gekommen sein, die Bauernbevölkerung zum Kommunismus hin
„trainieren“ zu müssen. 27

3.2. Maoismus

Mao Ze Dong entwickelte seine Theorie auf Grundlage des Marxismus-Leninismus kritisch weiter.
Zwar sind die Grundlagen des Maoismus auf den Leninismus zurückzuführen, jedoch entwickelte
Mao eine eigene Theorie über die Revolution und der Entfaltung einer sozialistischen Gesellschaft.
Das russisch-chinesische Verhältnis war während der gesamten sozialistischen Periode sehr schlecht,
was am Vormachtanspruch der Sowjetunion lag.
Der Maoismus stimmt sowohl mit dem Marxismus als auch mit dem Sowjetmarxismus über die
Errichtung einer Diktatur des Proletariats überein. Allerdings setzt er sich nach der Errichtung der
Dikatatur des Proletariats vehement dafür ein, dass nicht nur die Produktionsverhältnisse gleich sind,
sondern auch, dass sich auch das Bewusstsein der Bevölkerung zum Kommunismus hin verändert.
Dies führte er zum Teil grausam in Massenrevolutionen durch. Die berühmteste davon ist die „Große
Proletarische Kulturrevolution“. Immer wieder wurde die Gesellschaft von „Klassenfeinden
gesäubert“. Dabei durften unter keinen Umständen neue Klassen wie z.B. eine intellektuelle Klasse
neu auftreten.28 Mao Ze Dong war bedacht, die Bevölkerung immer „in Bewegung“ zu halten, also
eine art „innere“ Revolution aufrecht zu erhalten. Er war bekannt dafür, große Bevölkerungmassen
gut und schnell mobilisieren zu können. Die „Große Proletarische Revolution“ wurde auch
durchgeführt, um die Partei- und Staatsbürokratie zu richten, denn diese hatte sich allmählich schon
politisch als auch sozial verselbstständigt. 29
Der größte Unterschied zum Marxismus und Marxismus-Leninismus ist jedoch Maos Theorie der
Revolution. Mao war der Ansicht dass nicht nur das Proletariat der Träger der sozialistischen
Revolution sein kann, sondern auch die arme und unterdrückte Landbevölkerung. „ Unter Führung
der Kommunist.Partei (KP) bekämpft das ländl. Proletariat in langwierigen militär. und polit.
Auseinandersetzungen die herrschende Klasse. Im Zuge der Solidarisierung der Roten Armee mit
den Bauern weitet sich unter Anleitung der KP der Guerillakrieg zu einem „Volkskrieg“ aus, der

27
Siehe: Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001.
28
Aus: Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Maoismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/405.htm [Stand o.J.]
29
Siehe: Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001
8
letztlich den Sturz der herrschenden Klasse und die Errichtung der Diktatur des Proletariats
herbeiführt.“30

4. Hauptunterschiede der drei Ideologien

Dieses Kapitel ist mein Schlussteil und gleichzeitig eine Art Zusammenfassung von dem, was ich in
den Kapiteln davor herausgearbeitet habe. Hier befasse ich mich mit den Hauptunterschieden von
Marxismus, Marxismus-Leninismus und Maoismus.

Wie der Name schon verrät, ist der Marxismus-Leninismus eine sehr vom Marxismus geprägte
Ideologie. Lenin hat versucht, sich so genau wie möglich an Marx’ Lehren zu halten und zu
verwirklichen. Doch schon der erste grundlegende Unterschied zwischen dem Marxismus und dem
Marxismus-Leninismus ist, dass der Marxismus-Leninismus den Kommunismus sozusagen aus der
reinen Theorieebene herausbefördert hat, und ihn als eine anwendbare Staatsideolgie und Leitfaden
genommen hat. Dies macht einen fundamentalen Unterschied zwischen dem Marxismus und
Leninismus aus. Allein die Tatsache, dass der Marxismus eine an sich nicht ausgeführte Theorie war
und der Leninismus an einem Staat „ausprobiert“ worden war, erzeugt große Unterschiede. Denn
wie wir wissen, sehen Praxis und Theorie oft sehr unterschiedlich aus.
Ein weiteres Problem Lenins nach der Oktoberrevolution war, dass nach Marx’s Lehren Russland
diese Revolution hätte gar nicht ausführen sollen bzw. können. Industriell war man viel zu
unterentwickelt und es hatte sich noch keine richtige Arbeiterschaft gebildet. Trotzdem war es
sowohl Russland als auch später China gelungen, diese Revolution durchzuführen. Nun stand man
jedoch vor einem Problem. Man konnte nich,t wie Marx beschrieben hatte, handeln, da das Land
nicht denen von Marx erwarteten Entwicklungsstand hatte. Nicht nur, dass es keine Arbeiterschaft
gab, es gab auch fast nur Bauern. Und diese waren Marx’s Ansicht nach zutiefst konservativ und für
einen Revolution völlig ungeeignet. Daher waren die Berufsrevolutionäre für Lenin unverzichtbar.
Wie oben schon gesagt, war Lenin der Ansicht, dass die „Arbeiterschaft“ nicht das nötige politische
Bewusstsein entwickeln könne. Um der großen Zahl der Bauern, also marxistischen
Sozialismus ins Bewusstsein zu bringen, mussten die Berufsrevolutionäre die Bauern revolutionär
beeinflussen. Ausgehend von dieser Sichtweise ist es nicht verwunderlich, dass Lenin eine
Avantgardepartei die Diktatur des Proletariats führen ließ. Desweiteren war Lenin fest davon

30
Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001. S.187
9
überzeugt, dass nur eine Revolution zum Kommunismus führen könne. Marx nahm an, dass dies
auch evolutionär geschehen könne. 31

Mao Ze Dong war seit dem Beginn seiner politischen Karriere ein vom Herzen aus überzeugter
Marxist gewesen. Er war der Ansicht, dass nur der Kommunismus die richtige Lösung für China sei
und ist Zeit seines Lebens nicht davon abgewichen. Obwohl er ein so überzeugter Marxist war,
musste er einige theoretische Veränderungen an China vornehmen.32 Wie in Russland war China ein
extremst unterentwickeltes und von Bauern bevölkertes Land. Ausgehend von diesem Stand war es
praktisch unmöglich sich genau an Marx Gedanken zu halten und die Revolution in seinem
originalem Sinn durchzuführen.
Der Maoismus definiert sich vor allem durch die Lehren von Marx und Engels sowie Lenin und
erfuhr auch Einfluss von Stalin. Er versteht sich selbst als eine Weiterentwicklung und auf Chinas
Bedingungen angepasst. „ Und in der Tat, die Umstellung des Revolutionskonzepts von der Stadt auf
das Land, von der Arbeiterschaft zu den armen Bauern, vom regulären Aufstand in den Zentren des
Landes zum Partisanenkrieg in abgelegenen Gebieten geht über das hinaus, was Marx je hätte
denken können, und auch Lenin je gesagt hat.“33
Was besonders beim Maoismus hervorsticht, ist die Autorität und die Priorität im praktischen
Bereich. Diese ist z.T. auch beim Stalinismus wiederzuerkennen. Das Hervorheben von Mao Ze
Dong als den unantastbaren Führer der Nation für fast 3 Jahrzehnte zeigt dies sehr deutlich.
Beim Maoismus ist nicht mehr allzu viel vom ursprünglichem Gedanken des Marxismus übrig. Der
Kerngedanke Marx’s war es, durch die Sozialisierung und den Kommunismus das Lebensverhältnis
der Menschen zu verbessern. Beim Maoismus ist es eher umgekehrt. Der Sozialismus wird dazu
benutzt, die Industrialisierung voranzutreiben. Ein Widerspruch in sich eigentlich. Ein weiterer
Unterschied, indem sich auch Maoismus und der Marxismus-Leninismus nicht ganz einig sind, sind
die revolutionären Träger der Revolution. Während sich Mao fast vollkommen auf die Bauern stützt
und diese als die eigentlichen Träger der Revolution ansieht, widersprechen ihm die Führer der
UdSSR, was eine der Ursachen für das ständig gespante Verhältnissen zwischen ihnen war. Ein
weiterer Widerspruch in sich zwischen Mao und Marx ist, dass Mao Zeit seines Lebens eher ein
Soldat als ein Denker war und für ihn die Theorie immer hinter der Praxis stand. „Da Mao zu seinen
Lebzeiten mehr Soldat und Stratege, als Philosoph und Denker, war, war für ihn die Theorie immer

31
Aus: Schoolwork: „Unterschied Marxismus Leninismus und Stalinismus?”. URL:
http://www.schoolwork.de/forum/thema_2544.html [Stand: 22.11.2005]
32
Herr Andreas C.S. Heuer
33
Grimm,T.: „ Mao-Tse-Tung” Reinbek bei Hamburg: Rowolth, 1968, S.95.
10
hinter der Praxis angesiedelt.“34 Für ihn war Handeln stets an erster Stelle, was angesichts der Zeiten,
in denen er aufgewachsen ist, nicht unbedingt verwunderlich ist. Auch war Mao seinen Feinden
gegenüber sehr radikal und erbarmunslos. Wer sich als Klassenfeind herausstellte, wurde ohne
zögern vernichtet. Diese Praxis mit Problemen umzugehen kann auch bei Stalin gesehen werden.
Dies zeigt sich vor allem in der autoritären Diktaturherrschaft Maos zwischen 1949-1976. Hier
unterscheiden sich also der Sowjetmarxismus und der Maoismus kaum von einander, doch
widerspricht dieses Handeln dem originalem Grundgedanken Marxs.35

5. Literaturverzeichnis

[1] Anarchopedia: „Maoismus”. URL: http://deu.anarchopedia.org/Maoismus [Stand: 12.7.2007]

[2] Brockhaus.: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig: F.A. Brockhaus GmbH, 2001.

34
Aus: Anarchopedia: „Maoismus”. URL: http://deu.anarchopedia.org/Maoismus [Stand: 12.7.2007]
35
Siehe: Anarchopedia: „Maoismus”. URL: http://deu.anarchopedia.org/Maoismus [Stand: 12.7.2007]

11
[3] Grimm,T.: „ Mao-Tse-Tung” Reinbek bei Hamburg: Rowolth, 1968.

[4] Harrison, J.P.: „The Communists and Chinese Peasant Rebellions. A study in the rewriting of
chinese history.” The Murray Printing Company. Massachusetts, Forge Village: Antheneum,
1971.

[5] Heuer, A.: „Marxismus-Leninismus“.

[6] Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus“. URL:


http://www.im.nrw.de/sch/401.htm# [Stand o.J.]

[7] Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Maoismus“. URL: http://www.im.nrw.de/sch/405.htm


[Stand o.J.]

[8] Innenministerium Nordrhein-Westfalen: „Marxismus-Leninismus“. URL:


http://www.im.nrw.de/sch/402.htm# [Stand o.J.]

[9] Karl Marx/Friedrich Engels – Werke: „Manifest der Kommunistischen Partei“. URL:
http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm [Stand: 08.03.1999]

[10] Landshut, S. (Hg.): Karl Marx, Die deutsche Ideologie, Die Frühschriften. Stuttgart,1971.

[11] Schoolwork: „Unterschied Marxismus Leninismus und Stalinismus?”. URL:


http://www.schoolwork.de/forum/thema_2544.html [Stand: 22.11.2005]

6. Erklärung des Verfassers

Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst und nur die im Anhang
angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Zitate wurden als solche ausgewiesen.

12
Verwendete Informationen aus dem Internet sind dem(r) Lehrer/in vollständig im Ausdruck zur
Verfügung gestellt worden, einschließlich der genauen Angabe der Internetadresse.

Peking, 19.03.2008 Lotus Qi

13