Sie sind auf Seite 1von 1

nzz 12.05.05 Nr.

109 Seite53 zh Teil01

Stadtzürcher Volksabstimmung vom 5.Juni

Neue Rechtsform für die Asylorganisation


Öffentlichrechtliche Anstalt soll mehr Flexibilität bringen
Die Asylorganisation Zürich (AOZ), heute eine Verwaltungsabteilung der Stadt, arbei-
tet seit längerem auch im Auftrag von Kanton und anderen Gemeinden. Um diesem
Status als eigentliches Dienstleistungsunternehmen auf eine rechtlich sichere Basis zu
stellen, soll die AOZ in eine öffentlichrechtliche Anstalt übergeführt werden. Damit
soll sie flexibler werden und dennoch der politischen Kontrolle unterstehen.
luc. Bewirbt sich in der Schweiz eine Person
um Asyl, hat sie Anspruch auf eine gewisse Be-
treuung. Seit dem Jahr 1988 ist das Asylwesen
Sache des Bundes. Der Vollzug wurde vom Bund
damals allerdings umgehend an die Kantone
delegiert. Im Kanton Zürich kommt ein Zwei-
Phasen-Modell zur Anwendung: Für die erste
Phase, welche die Asylbewerber in einem Durch-
gangszentrum verbringen, ist der Kanton zustän-
dig. In einer zweiten Phase werden die Bewerber
auf die Gemeinden im Kanton aufgeteilt, welche
dann für die Betreuung zuständig sind. Weil die
Asylorganisation Zürich (AOZ) bereits über Er-
fahrungen in der Betreuung verfügte, übernahm
sie im Auftragsverhältnis auch Aufgaben für den
Kanton Zürich und für andere Gemeinden.
Heute hat die AOZ 300 Mitarbeiter und betreut
nicht nur die der Stadt zugewiesenen Asylbewer-
ber, sondern führt auch Durchgangszentren und
Bildungsangebote im Auftrag des Kantons. Auch
für 15 Gemeinden erbringt sie Dienstleistungen.
Der Umfang dieser Leistungen für Dritte bewegt
sich zwischen 60 und 85 Millionen Franken, wäh-
rend die Leistungen für die Stadt Zürich selber 5
bis 6 Millionen Franken ausmachen. Die meisten
Angebote der AOZ werden vom Bund durch fest-
gesetzte Pauschalen finanziert. Wegen Sparmass-
nahmen und Änderungen im System ist in den
letzten Jahren allerdings ein grösserer Teil der
Kosten auf die Gemeinden abgewälzt worden.
Die Stadt Zürich kann zudem eigene Projekte im
Asylbereich durchführen, zum Beispiel die Ge-
meinnützigen Einsatzplätze (GEP) für Asyl-
bewerber in der städtischen Verwaltung.
Die weitgespannte Tätigkeit bringt allerdings
auch Probleme mit sich: Durch die pauschale Ab-
geltung des Bundes trägt die AOZ ein unterneh-
merisches Risiko, zum Beispiel wenn Unterkünfte
nicht ausgelastet sind. Weil die Zahl der Asyl-
bewerber starken Schwankungen unterliegt, müs-
sen bei der AOZ Personal und Infrastruktur
schnell auf- und wieder abgebaut werden können.
Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, soll die
AOZ in eine öffentlichrechtliche Anstalt überführt
werden. Diese Möglichkeit besteht seit der Ge-
nehmigung eines entsprechendes Gesetzes durch
den Kanton Ende vergangenen Jahres. Weil die
Errichtung einer öffentlichrechtlichen Anstalt die
Änderung der Gemeindeordnung bedingt, muss
zwingend das Stimmvolk befragt werden. Mit
einer Annahme der Vorlage am 5.Juni soll die
AOZ unternehmerische Eigenverantwortung er-
halten. Der Stadtrat würde die Leistungsaufträge
erteilen und den Verwaltungsrat ernennen. Das
Globalbudget und der Rechenschaftsbericht
müssten vom Gemeinderat genehmigt werden,
genauso wie die Verwendung eines allfällig er-
wirtschafteten Gewinns. Stadt- und Gemeinderat
befürworten die Vorlage, genauso wie FDP, CVP,
SP und Grüne. Die Alternative Liste sowie die
SVP lehnen die Umwandlung ab.