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nzz 09.06.05 Nr.

132 Seite53 zh Teil01 für eine Änderung der Bau- und Zonenordnung
(BZO) in Zürich West. Zum Antrag des Stadtrates
Sitzung des Zürcher Gemeinderats gesellten sich zwei Kommissionsanträge, welche
beide in den betroffenen Gebieten den Wohn-
anteil erhöhen wollten. Zudem stand der Rat
Es darf gebaut werden unter Zeitdruck: Weil die geltenden Bestimmun-
gen für die betreffende Planungszone heute Don-
Eine Bahnbrücke und drei Fussballfelder nerstag ablaufen, wäre automatisch die alte BZO
luc. Der Zürcher Gemeinderat hat mit seinen wieder in Kraft getreten, wenn sich der Rat nicht
Entscheiden in der gestrigen Sitzung die Durch- hätte einigen können. Diese BZO aus dem Jahr
führung mehrerer Bauvorhaben ermöglicht. In 1985 wiederum sieht praktisch keinen Wohnanteil
Oerlikon soll die bestehende Bahnbrücke über die vor. Schliesslich setzte sich der Vorschlag von SP
Schaffhauserstrasse ersetzt werden. Diese an sich und Grünen durch, der einen Wohnanteil von 38
unspektakuläre Massnahme, die aus baulichen Prozent vorsieht, im Gegensatz zu den 30 Pro-
Gründen sowieso nötig geworden wäre, stellt den zent, welche der stadträtliche Vorschlag verlangte.
Startschuss für ein weitaus grösseres Vorhaben «Es reicht nicht, weil von der FDP wieder so viele
dar: für die Realisierung eines Umsteigezentrums, fehlen», stellte Stimmenzähler und SVP-Ratsmit-
das Oerlikon zur Drehscheibe des öffentlichen glied Mauro Tuena beim Auszählen frustriert fest.
Verkehrs für Zürich Nord und das ganze Glatttal «Die fehlen nicht, die sind so wenige», feixte
machen soll. Um für das Umsteigezentrum Platz seine Kollegin Min Li Marti von der SP.
zu schaffen, soll die neue Brücke mehr als dop-
pelt so lang werden als die bestehende. Die da-
durch entstehenden Mehrkosten von 5,3 Millio-
nen Franken übernimmt die Stadt im Sinne einer
Vorinvestition. Später sollen die Kosten unter den
Trägern des Projektes aufgeteilt werden. Zu die-
sem Thema überwies der Rat auch gleich ein Pos-
tulat der Spezialkommission Verkehr, das eine an-
gemessene Beteiligung des Kantons an den Inves-
titionen der Stadt in den öffentlichen Verkehr ver-
langt. Und schliesslich bekräftigte der Rat seine
Unterstützung für das Umsteigezentrum, indem
er ein weiteres Postulat überwies, das eine mög-
lichst rasche Projektierung des Bauvorhabens for-
dert. Die SVP fand mit ihrer Argumentation, die
Situation am Bahnhof Oerlikon sei schon über-
sichtlich genug, keinerlei Gehör.
Als zweites Bauvorhaben auf der Traktanden-
liste stand das Projekt für drei neue Fussball-
felder, die bei der Sportanlage Juchhof entstehen
sollen. Sie bilden den Ersatz für die Felder, die
durch den Neubau des Letzigrundstadions weg-
fallen. Die sportpolitische Euphorie des vergan-
genen Wochenendes, als das Zürcher Stimmvolk
dem Neubau des Stadions Letzigrund deutlich
zustimmte, hielt auch in der Ratssitzung noch an.
Von der SP bis zur FDP wurde die Vorlage als
Massnahme zur Linderung des akuten Fussball-
platz-Mangels und als vorteilhaft für die Jugend
und den Breitensport gepriesen. Der Rat stimmte
gleich zweimal über die Felder ab – zuerst hiess er
die notwendige Zonenänderung gut, dann sprach
er sich für einen Objektkredit von 10 Millionen
Franken für die Plätze aus. Nur über den Neubau
der Garderoben wird ein anderes Mal beraten.
Diese Aufteilung der Vorlage erfolge aus Effi-
zienzgründen, erklärte der Stadtrat. So könnten
nämlich die Plätze bereits im Frühjahr 2006 eröff-
net werden. Die SVP hatte allerdings einen ande-
ren Verdacht: Hätte man die beiden Vorlagen zu-
sammengelegt, wäre die 20-Millionen-Franken-
Grenze überschritten worden, und ein obligatori-
sches Referendum wäre nötig geworden. Gegen
diese «Salamitaktik», wie sie es nannte, wollte
sich die SVP wehren und lehnte die Vorlage des-
halb ab. Aus dem Projekt entstünden ausserdem
Folgekosten, weil wegen der Plätze die Milchwirt-
schaft des Gutsbetriebes Juchhof verlegt werden
müsse, was bedeutende Mehrkosten schaffe. Und
überhaupt, argumentierte die SVP, wäre es viel
günstiger gewesen, Kunstrasenplätze zu erstellen.
Aber auch bei dieser Vorlage war der SVP kein
Erfolg beschieden. Der Rat überwies sogar noch
ein Postulat, dass eine bessere Anbindung der
Sportanlage an den öffentlichen Verkehr fordert,
obwohl SVP und FDP klar zu machen versuch-
ten, dass Sportler viel lieber mit dem Auto anrei-
sen würden.
Einigermassen komplex war die Ausgangslage