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nzz 07.06.06 Nr.

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Ein Quartierfest für die ganze Stadt


Das fünfte Open Air auf der Stolzewiese in Oberstrass
Während grosse Open-Air-Festivals in kommen aus der näheren Umgebung, der Quar-
Zürich einen schweren Stand haben, tierverein übernimmt eine Defizitgarantie, und
behauptet sich eine Reihe von kleineren die Anwohner nehmen etwaige Lärmemissionen
von der Stolzewiese tolerant in Kauf. «Letztes
Anlässen erfolgreich. Dazu gehört auch Jahr ist ein Anwohner am Sonntagmorgen vor
das Open Air auf der Stolzewiese in uns allen auf die Wiese gekommen und hat sämt-
Oberstrass, das nächstes Wochenende lichen Abfall eingesammelt», erinnert sich Bar-
zum fünften Mal stattfindet. Die Gratis- chef Res Hefti, der sich in Winterthur zum Über-
veranstaltung existiert nur dank dem setzer ausbilden lässt. «Das ist das schönste Kom-
grossen Engagement von sechs Kollegen. pliment, das wir bekommen können.»
Endlich gutes Wetter
luc. Die Stolzewiese, die umrahmt von grossen Für die letzte Woche vor dem Open Air haben
Bäumen mitten in Oberstrass liegt, gibt ein ruhi- sich die Organisatoren Ferien von allen anderen
ges Bild ab. Eine junge Familie kickt einen Fuss- Tätigkeiten genommen, um sich ganz auf das Fes-
ball über das Gras. Am Rand der Wiese steht ein tival konzentrieren zu können. Er investiere
blau-weiss bemalter kleiner Bus; ihm entsteigen sicher 500 Arbeitsstunden pro Jahr in das Projekt,
die sechs jungen Organisatoren des Open Airs schätzt Schorno. Einen Teil davon verwenden die
auf der Stolzewiese in Oberstrass. Sie kommen Organisatoren für ausführliche Diskussionen, bei
gerade aus dem Muotatal, wo sie Energie für die denen es durchaus auch einmal laut werden kann.
kommenden, anstrengenden Tage getankt haben. «Weil wir alle gute Kollegen sind, liegt es auch
mal drin, dass es kracht», lacht Jan Kleiner, der
Das Open Air als Festhütte soeben sein Jus-Studium abgeschlossen hat und
Grosse Open Airs haben in Zürich einen schwe- sich um die Finanzen des Open Airs kümmert. Er
ren Stand. Dem Outside-Festival in Dielsdorf war habe enorm von seiner Mitarbeit am Projekt pro-
im Jahr 2004 wenig Erfolg beschieden. Pläne für fitiert, sagt Kleiner, indem er bei der Ausarbei-
eine grosse Veranstaltung auf dem Hönggerberg, tung von Verträgen das Wissen aus seinem Stu-
die vor einigen Monaten viel Staub aufwirbelten, dium praktisch habe anwenden können. Auch
sind vorerst auf Eis gelegt. Dagegen behauptet Fabienne Schellenberg, die gerade mit ihrem
sich das Stolze-Open-Air als kleine Gratisveran- Publizistik-Studium angefangen hat, empfindet
staltung nun bereits seit fünf Jahren. Entstanden die Pressearbeit, welche sie für das Open Air er-
sei die Idee am Geburtstagsfest eines Kollegen, ledigt, als gute Ergänzung ihrer Ausbildung. Und
erzählt OK-Präsident Louis Schorno, als man ein Samuel Müller, seit Jahren freischaffender Event-
bisschen getrunken und sich dann entschlossen techniker, geniesst es, sich auf der Stolzewiese
habe, während des jährlichen Quartierfests ein nicht nur um die Technik, sondern auch um alles
Angebot für ein jüngeres Publikum zu schaffen. andere kümmern zu können.
Dieser Gründungsmythos passt zum Open Air – Das fünfte Stolze-Open-Air, so sind alle sechs
die Organisatoren arbeiten alle ehrenamtlich, felsenfest überzeugt, wird das beste werden, das
und alle betonen, dass der Spass an der Sache die es je gegeben hat. Das liegt nicht nur daran, dass
treibende Kraft sei. die Wetterprognosen in diesem Jahr zum ersten
Dem ist wirklich so, wie schnell klar wird. Mal wirklich gut aussehen. Der Anlass habe sich
Während sich der Aschenbecher auf dem Tisch inzwischen gut etabliert, sagen die Organisatoren.
des Quartiercafés, wo das Gespräch stattfindet, Die Angst vor einer Konkurrenz auf dem Höng-
bedenklich schnell füllt, reden sich die Organisa- gerberg, sollte sie denn jemals kommen, ist des-
toren ins Feuer. «Eigentlich», sagt Benjamin halb gering. «Kleine Open Airs haben auf jeden
Weiss, der gerade acht Monate an einer Film- Fall mehr Zukunft», sagt Louis Schorno.
schule in Dänemark verbracht hat, «versuchen Stolze-Open-Air, Freitag, 9. Juni, und Samstag, 10. Juni. Infor-
wir, eine typisch schweizerische Institution wie- mationen zum Programm unter www.stolze-openair.ch.
deraufleben zu lassen: die Festhütte.» Sie wollten
einen Ort schaffen, wo man diejenigen Leute
treffe, die man sonst nicht sehe, einen Treffpunkt
für das Quartier, aber eben auch mehr, sagt
Weiss: «Das Open Air soll ein Quartierfest sein,
an dem die ganze Stadt willkommen ist.»
Anwohner, die selber aufräumen
Diese Grundhaltung soll sich auch im Musikpro-
gramm widerspiegeln. Die Organisatoren möch-
ten zwar auch bekannte Namen auftreten lassen,
aber «wir wollen, dass die Leute wegen des Fests
kommen und nicht wegen einzelner Bands», sagt
Benjamin Weiss. Immerhin spielt dieses Jahr
Radio 200 000, eine Zürcher Hip-Hop-Forma-
tion, die in letzter Zeit grosse Beachtung fand.
Daneben hat aber auch der Auftritt einer Tanz-
gruppe mit 12-Jährigen aus einem Quartierschul-
haus Platz. «Die bringen dann auch ihre Eltern
mit, und das ist die beste Öffentlichkeitsarbeit,
die wir bekommen können», grinst Louis Schor-
no. Denn die Verbundenheit mit dem Quartier ist
überlebenswichtig für das kleine Open Air: Die
meisten Sponsoren und Gönner des Festivals

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