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Eigene Muster

Eigene Muster sind Handlungsweisen, die wir lange geübt haben und in aller Regel unbewusst
ablaufen. Dort richten sie oft großen Schaden an, da sie sich unkontrolliert vermehren und
verstärken. Das ist die Tendenz jeder unbewussten geistigen Reaktion: Sich selbst am Leben zu
erhalten und sich zu entfalten. In aller Regel unterliegen die positiven Impulse den negativen, wenn
wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf diesen Prozess richten.

Ein Weg aus dem Schlamassel ist die Aufmerksamkeit auf diese unbewussten Prozesse. Sobald jene
ins Bewusstsein treten sind sie schon einem Veränderungsprozess zum Guten unterworfen, der uns
befreit von der Herrschaft unserer geistigen Verspannungen und Verknotungen.

Doch wie richten wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Muster ? Und wie lösen sich diese auf ?

Nun, diese Muster drücken sich direkt auf der körperlichen Ebene aus und sind unserem Geist direkt
als unmittelbare Erfahrung zugänglich. Jeder Konflikt, den wir in uns tragen, jedes Konzept, das wir
verfolgen, jeder Charakterzug, den wir unser eigen nennen, kann als Körperempfindung
wahrgenommen und gespürt werden. Jeder geistige Impuls geht einher mit einer körperlichen
Reaktion. Der Mensch hat die Fähigkeit diese Verbindung für seine Entwicklung zu nutzen.

Dazu bedarf es nur etwas Übung und den Schlüssel zur eigenen Empfindungswelt. Einmal
aufgeschlossen ist der Prozess kaum noch aufzuhalten. Aufgeschlossen wird die innere Welt nach oft
viel Vorarbeit und ganz natürlich, sobald die Zeit für jeden Einzelnen reif ist. Dann beginnt die Übung
und das Werkzeug der Aufmerksamkeitsfokussierung auf die innere Wirklichkeit, wie sie sich auf der
körperlichen Ebene ausdrückt, wird kontinuierlich geschärft. Hilfreich dafür ist Versenkung, Ruhe
und Stille. Oft kann diese Qualität auch in der Eile des Alltags gefunden werden, zwischen
Handlungen etwa, oder kann uns sogar in einer Geheimkammer in uns stetig begleiten.

Die Beobachtung des Atems ist eine leicht zugängliche Hilfe bei der Entdeckung des Geist-Materie-
Zusammenhanges. So geschärft öffnet sich dann allmählich der ganze Körper zur weiteren,
objektiven Beobachtung. Wie mit einer Lupe lernt der Geist sich über - und später auch durch- den
Körper zu bewegen und bisher verborgene Wahrheiten ans Licht zu bringen. Angenehme und
unangenehme Wahrheiten verstecken sich in jeder kleinsten Faser unseres Körpergebildes. Doch alle
Wahrheiten sind Bausteine zu einem geläuterten und befreiten Geist, der autonom sein Schicksal in
die Hand nimmt. Alte Muster gehören der Vergangenheit an, wenn sie so natürlich an die Oberfläche
steigen können, und in der inneren Auseinandersetzung ihre Kraft verlieren und sich schließlich ganz
verflüchtigen.

Drei Charakteristiken jedes dieser Muster, einer jeden Körperwahrnehmung werden uns in der
inneren Auseinandersetzung deutlich und deren Erkenntnis sind ursächlich für das Voranschreiten
auf dem Weg der Wahrheitsfindung.

A. Die stärkste Charakteristik, die wir erleben, und die die beiden anderen teilweise schon
beinhaltet, ist die Vergänglichkeit. Die Erkenntnis des ewigen und steten Wandels aller
Phänomene, aller Empfindungen, Wahrnehmungen und Gedanken, löst unsere Anhaftung
an unsere alten Muster, erlaubt uns loszulassen und Neues zu entdecken und zu erschaffen.
Jedem Wandlungsprozess geht die Einsicht in die gegeben Notwendigkeit der Wandlung
voraus. Wer einmal erlebt hat, wie flüchtig und substanzlos unser Geist ist, hat es leicht ihn
zu ändern. Wir begreifen, dass jedes Muster einen Beginn hat, eine Entwicklung erlebt und
ein sicheres Ende erfahren wird. Nichts ist für die Ewigkeit, auch nicht unsere dämlichste
Eigenschaft. Alles im Wandel, alles im Fluss. Alles hat seine Gründe und alles was einmal
zusammengesetzt wurde, muss auch wieder zerfallen. Diese Wahrheit lehrt uns die
aufmerksame, gleichmütige Beobachtung unserer körperlichen Wahrnehmungen und
unserer geistigen Funktionen.

B. Eine weitere Charakteristik ist die Selbstlosigkeit, die Abwesenheit eines festen Kerns in uns,
den wir „Ich“ nennen. Wenn alles nur noch im Wandel ist und eine Konstruktion ist, ist da
kein Platz mehr für eine feste Größe wie „Ich“ oder „mein“. Dies einmal erlebt in der inneren
Schau, fällt es leicht loszulassen von „meinen Problemen“, „meinen Überzeugungen“ und
„meinen Gewohnheiten“. Alles ist möglich und die Freiheit ist unsere Natur. Doch muss
diese Erkenntnis erarbeitet werden und wird stetig von gegensätzlichen Impulsen
angegriffen, die sich auf ein einfaches und bequemes Weltbild zurücklehnen wollen: So ist es,
so bleibt es und daran bin Ich schuld !

C. Als drittes Charakteristikum und als normalerweise am Schwersten zu verdauendes, gilt die
Leidhaftigkeit aller Lebensäußerungen, aller Erfahrungen und Empfindungen. Ob angenehm
oder unangenehm, letzten Endes trägt jede Manifestation zu unserem Elend bei. Die
Unangenehmen weil sie schwer zu ertragen sind, und die Angenehmen weil im Wissen um
deren Vergänglichkeit die Angst vor deren Ende, und dem darauffolgenden Erleben von
Unangenehmen liegen. Nun, wenn das mal nicht nach Nihilismus klingt !?. Falsch, denn nach
dem vollständigen Verstehen der Leidhaftigkeit unseres Daseins, vollzieht der Geist die
größte Wandlung die ihm möglich ist, und ihm widerfährt die vollständige Befreiung von
allem Leid: Ein Zustand jenseits aller Worte und jenseits von Körperempfindungen. Er
entdeckt eine Welt jenseits der Angewiesenheit auf Empfindungen und wird transzendent.
Ein hohes Ziel und ein weiter Weg, den alle spirituellen Wege der Menschen zu verfolgen
suchen.

Vielleicht tragen diese Zeilen ein wenig zur Entwicklung einer spirituellen und heilsamen Kultur der
Auseinandersetzung mit uns selbst und unserer Umwelt bei , und sind hoffentlich ein weiteres
kleines, brauchbares Puzzlestück für alle Wesen, die an diesem großen Puzzle der Wahrheit arbeiten.

Mögen alle Wesen glücklich sein !