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Mord an Apollo

„dada“ als antieuropäischer kultur-anachronismus von dr. e. l. zürich deutsche wochenzeitung vom ..

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Mord an apollo
„Dada“ als antieuropäischer Kultur-Anachronismus Dr. E. L. Zürich | DWZ 14.01.1966

„Je suis de race inférieure de toute éternité.“ „La race inférieure a tout couvert — le peuple, comme on dit, la raison, la nation et la science“ Arthur Rimbaud, 1854–1891 „Wir sind Rimbaudisten“, Dada-Begründer Hugo Ball.

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m jahre  begann die Umgestaltung der bisherigen europäischen Vorstellungsbilder. Nach 23 Jahren Vorbereitung trat das neue Vorstellungsbild mit folgender rimbaudistischer Proklamation vor die Öffentlichkeit: „Zerstörung, Unterdrückung der Geschichte, des dichterischen Schmerzes…, der Syntax…, der Punktuation…, der Zeiten, Personen, Verben…, der theatralischen Formen…, der künstlerischen Erhabenheit…, der Häuser…“ Scheiße (merde) den… Kritikern, Pädagogen, Professoren …, Historikern …, auf Venedig…, Toledo …, Benares…, Bayreuth…, Florenz…, Nürnberg…, München…, dem Dante…, Shakespeare…, Goethe…, Äschylos…, Wagner…, Beethoven…

Dieser die Zerstörung der ganzen europäischen Kultur ankündigende Aufruf wurde in Paris am 29. Juni 1913 zum ersten Male gedruckt. Sein Verfasser war der Rimbaudist Kostrowitski, der unter dem Namen Guillaume Apollinaire auftrat, Vater unbekannt, Mutter eine Litauerin. Im Jahre 1925 druckte Le Corbusier, Apollinaire einen Gott nennend, zum zweiten Male diesen mörderischen Aufruf in seiner Pariser dada-bolschewistischen Zeitschrift „L'Esprit Nouveau“ ab. Im Jahre 1958 wurde der gleiche
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mörderische Aufruf zum dritten Male mit einer Begleitmelodie vom Dada-Präsident Walter Mehring im Diogenes Verlag Zürich gedruckt. Die zentrale Bedeutung dieses Aufrufes mit seiner dreifachen Wiederholung erinnert an die üblichen dreifachen militärischen Befehle zur Übergabe an eine belagerte Festung kurz vor dem entscheidenden Sturmangriff. Die Ereignisse führten seit 1913 zur Bestätigung des zerstörerischen Befehls durch das 1918 in Zürich erlassene DadaManifest des Dada-Präsidenten Tristan Tzara, in dem u.a. Folgendes proklamiert wurde: „Wir zerreißen, wütender Wind, die Wäsche der Wolken und der Gebete und bereiten das große Schauspiel des Unterganges vor, den Brand, die Zersetzung…“ „Ich zerstöre die Gehirnschubkästen und die der sozialen Organisation, überall demoralisieren, die Hand vom Himmel in die Hölle werfen…“ — „Pisse an der Wärme eines Tieres mitwirkend, das niedrige Inst inkte ausbrütet... jegliche Filtration dieser Natur ist eingemachte Diarrhöe …“ — „Ursache der Versklavung, stinkende Ratten, von denen die Bäuche der Bürger voll sind, und… die Moralität ist eine Einimpfung von Schokolade in die Adern aller Menschen…“ — „Vernichtung des Gedächtnisses: Dada, Vernichtung der Archäologie: Dada, Vernichtung der Propheten: Dada, Vernichtung der Zukunft: Dada… Im Jahre 1957, kurz vor dem dritten Druck dieses Aufrufes, erschien im Arche-Verlag, Zürich, die Liste der Dada-Präsidenten, die zur Zeit,
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als 30.000 Deserteure in der Schweiz lebten, sich auszeichneten und das Klima für den bolschewistischen, in Moskau befohlenen Aufstand schufen. Dieser Schweizer blutige Aufstand wurde zwar durch den militärischen Befehl, ohne Warnung zu schießen, verhindert, aber der 1916 in Zürich durch Deserteure lancierte rimbaudistische Dadaismus wurde nicht ausgerottet, sondern sprang unter dem Deckmantel einer neuen Kunstrichtung über alle Grenzen und wucherte jahrelang, bis er schließlich alle Länder vergiftete. Heute herrscht der Dadaismus unter der Form einer Diktatur der Destrukteure und erzwingt mit Hilfe der Großpresse eine Umprägung des Bewußtseins der Völker, um sie zu Konsumenten von rentablen Bauindustrieprodukten herunterzuzüchten. Die heutige Situation wird durch den ausführlichen Artikel mit dem Titel „Dada lebt“ illustriert, in dem ein großes Bild des Dada-Begründers, Dada-Präsidenten und Dada-Psychiaters Richard Hülsenbeck mit einem weitschweifigen Interview erscheint. Dieser von Fritz Billeter unterschriebene Artikel wurde am 24. September 1965 (!) in der „Züricher Woche“ gedruckt. Auch in die bedeutendste Zeitung der Schweiz, die bürgerliche „Neue Zürcher Zeitung“ (N.Z.Z.), ein Handels- und Börsenblatt, ist der Dada-Anarchismus eingedrungen. Ihr Hauptmitarbeiter, der Schweizer Siegfried Giedion, rühmte sich unlängst öffentlich, ein Funktionär der blutigen bolschewistischen Münchner Räteregierung und Freund des roten „Generals“ Toller gewesen zu sein. Dieser Herr Giedion ist die rechte Hand von Le Corbusier gewesen, der wiederum der Jünger von Adolf Loos, des designierten Kunstdiktators der geplanten österreichischen Räteregierung war. Giedion, Mitgründer der kommunistischen Zelle von La-Sarraz, Schweiz, Hauptmitarbeiter an der bürgerlichen N.Z.Z., wurde Professor an der E.T.H., Zürich, und an der Havard-Universität in den USA. Es machte eine derart erfolgreiche Propaganda für seinen Freund, den Dada-Präsidenten Hans Arp, daß dieser Emigrant, der Beethoven und
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Mozart verabscheut, unlängst in Locarno zum Ehreneidgenossen unter dem Beifall der ganzen Schweizer Presse ernannt wurde und kürzlich den Goethepreis von 100.000 DM von der Stadt Hamburg erhielt. Also lebt nicht nur Dada, sondern Dada herrscht diktatorisch dank der gewaltigen Förderung und Propaganda der Weltpresse. So wagte es ein Redakteur der N.Z.Z., Dr. Christoffel, am 20. Januar 1930 die Kritik an Le Corbusier mit der Erklärung zu unterdrücken, es handele sich bei ihm um eine nackte Machtfrage.

„Deutscher Bolschewismus“

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er dada-begründer und Dada-Präsident Richard Hülsenbeck prägte folgende Definition für den Dadaismus: „Dadaismus ist deutscher Bolschewismus“. So stellt sich die Frage, wieso kommt die große bürgerliche Weltpresse dazu, sich seit Jahrzehnten für diesen „deutschen Bolschewismus“ nicht nur einzusetzen, sondern geradezu als dessen treueste Verbündete aufzutreten? Die Antwort wird aus folgenden Zitaten aus der dadabolschewistischen Zeitschrift von Le Corbusier gegeben, wo neben der Verherrlichung von bluttriefenden Henkern, wie Marat und Lenin, zu lesen ist: „Wir müssen uns daran gewöhnen (dem Radikalismus), diesem bescheidenen, materialistischen, atheistischen und käuflichen Gotte zu huldigen. Die anderen Völker, welche noch Spielbälle der alten Götter sind, beneiden uns um diesen Gott, weil sie ihn noch nicht besitzen.“ — „Man muß das Herz der Großstädte zerstören…, den Mittelpunkt, den muß man zerstören…“ — „Es handelt sich nicht um zugerichtete Formen, der Stile Ludwig XIV., des Barocks, der Gotik, des ganzen alten Haufens von Eingeweiden verfaulten, ehrwürdigen Aases…“ — „Es wäre ein Glück, wenn ein Teil dieses Riesenwerkes, welches das Zentrum von Paris vorstellt, den Fremden angehören würde. Wenn zahlreiche Milliarden in gigantischen gläsernen Türmen im Herzen von Paris investiert wären, und wenn ein großer Teil davon Amerikanern und Deutschen gehörte …“
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Das auf vorgeschichtlichen Kultstätten gebaute Herz von Paris mit seinen Kapellen, Kirchen und Patrizierhäusern ist für Dada, „ein ganzer alter Haufen von Eingeweiden verfaulten ehrwürdigen Aases“ , und sollte daher zerstört werden, um Milliardengewinne für die Bauindustriellen abzuwerfen. Aber gewaltige geistige Kräfte wie historische Pietät, vaterländischer Stolz und Liebe zur Kunst und Heimat verhindern diese Zerstörung und sind eine verhaßte Hemmung für das großartige Weltgeschäft. Darum weg damit, und darum muß die Bewußtseinsstruktur des autonomen Europäers gebrochen werden. Ein vaterlandsloser Mensch muß neu geschaffen „eine neue Art zu denken“ muß aufgezwungen werden, um Konsumenten der Bauindustrieprodukte zu erzeugen. Folgende Zitate beweisen es: „… Das Allerschwierigste wird darin bestehen, uns umzuprägen, neue Instinkte zu erfinden, man muß neue Menschen erschaffen.“ Und Dada-Professor Dr. Siegfried Giedion schreibt 1960 im RowohltVerlag, Hamburg: „Seit zwanzig Jahren … habe ich die Gewißheit, daß wir inmitten einer gewaltigen Neugestaltung, einer Reformation, stehen, bei der es darum geht, eine Neubildung des Bewußtseins eines jeden einzelnen zu erreichen…“

„Heimliches Grauen“

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utzendfach kann man in den Dada-Zeitschriften wie in der bürgerlichen Presse im Befehlston lesen, daß sie die Schaffung eines neuen Menschen und eines neuen Bewußtseins erzwingen wollen, So enthielt das jüngste Schreiben eines Architektur-Studenten, der an einer technischen Hochschule studiert, folgenden Satz, der hier wortgetreu wiedergegeben wird: „Ein heimliches Grauen steigt in mir auf, wenn der Professor an der technischen Hochschule in seiner Vorlesung verlangt: Das industrielle Bauen muß eine Umschichtung des Denkprozesses erzwingen, wenn es Erfolg haben soll.“ Die Umschichtung des Denkprozesses wird aber letzten Endes durch
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das internationale, besonders amerikanische Kapital erzwungen. Dieses dokumentiert das Buch „Bauhaus 1938“, New York, das die Namen von 25 Millionären als Schutzherren des Dada-Bauhauses Dessau veröffentlicht. Das Ziel des. „Bauhauses“ ist wie das von Le Corbusier die Industrialisierung des Bauens in der ganzen Welt. Der Dadaismus allein, für sich genommen, wäre schon längst durch ein homerisches Hohngelächter weggefegt worden. Aber seine Position wird unerschütterlich und unangreifbar, wenn er die gewaltigen nicht käuflichen Kräfte wie Nationalismus, Vaterlandsliebe, Tradition, Kunst usw. vernichtet. Ohne Dadaismus und seine Derivate, wie die seelenzermürbende, zweidimensionale abstrakte Kunst, wäre keine Diktatur des Internationalismus möglich. Mit diesen Ausführungen wurde eine Analyse des jüngst erschienenen Buches „Mord an Apollo“ von Alexander v. Senger, Thomas Verlag, Zürich, versucht. Die Besprechung des wichtigsten Kapitels „Die Kunst als hypnotische Waffe“ wurde weggelassen, weil, sie in diesem engen Rahmen zu Mißverständnissen hätte führen können» In diesem Kapitel wird der Nachweis erbracht, daß die chaotischen Zustände der Gegenwart nicht entwicklungsgeschichtlich, sondern anthropologisch als ein Konflikt zwischen verschiedenen Bewußtseinsstrukturen, zu erklären sind und daß der Verfasser von „Mord an Apollo“ bemüht ist, den Weg zu einer neuen Wertordnung zu zeigen.

Auf dem Weg zur Weltdiktatur

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s existiert ein kleines unscheinbares Buch „The Catoctin Conversation“ aus dem die verborgenen Endziele der Weltpolitik gegen Europa ans Tageslicht treten. Dieses Büchlein, längst /aus dem Buchhandel verschwunden, befindet sich in der Washingtoner Kongreßbibliothek unter der Nummer D 445 C 3. Der Inhalt schildert die Gespräche eines deutschen Emigranten Dr. F. S. Hanfstaengl, die er im Jahre 1942 mit Churchill, Baruch, Hopkins und dem Präsidenten der USA, Franklin D. Roosevelt, geführt hat. Der Text wurde von John
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Franklin Carter geschrieben und die Einleitung dazu vom langjährigen Unterstaatssekretär Summer Welles. Aus dem Inhalt geht u. a. hervor, daß Roosevelt die Bindung der Sowjetunion an eine gemeinsame Weltliga mit England und den USA für eine absolut erwünschte Notwendigkeit postulierte. Zum Schluß zieht Hopkins das Fazit dieser Unterhaltungen mit folgenden Antworten Roosevelts: „Okay, ich denke, ich habe die Hauptpunkte klar: erstens – Deutschland und Japan müssen entnationalisiert (denationalized) werden, als ein Anfang, die Welt zu entnationalisieren, zweitens – die großen Nationen werden ihren Einfluß dazu verwenden, die Souveränität der kleinen Nationen einzuschränken, drittens – England und Amerika werden ihre technische Macht dazu benutzen, die Souveränität der großen Nationen zu reduzieren — einschließlich ihrer selbst…” Der Autor kommentiert dieses Zitat mit den Worten: „Die Predigt des Selbstmords? Ist so viel Ahnungslosigkeit möglich?” Dieser Kommentar greift daneben: Weder waren Roosevelt noch sein Gehirntrust Ahnungslose, Kranke oder Irrsinnige, die die Welt und dann sich selbst zum Selbstmord treiben wollten. Im Gegenteil: Roosevelt und seine Leute waren hochintelligent, sie wußten ganz genau, was sie wollten, sie planten auf lange Sicht, wie die jüngste Vergangenheit und Gegenwart es beweisen. Der Autor urteilte falsch, weil er Mittel und Ziel verwechselte. Die Internationalisierung ist durchaus kein Endzweck, sondern ein Verfahren, das die Hindernisse wegräumen soll wie der Dadaismus. Die schon heute als UNO-Polizeitruppe funktionierende Weltpolizei wäre als wirkliche Weltmacht nur unter einer Voraussetzung denkbar: Sie müßte als einzige Truppe nuklear gerüstet und international organisiert, einer desorganisierten, haltlosen, ungegliederten Weltbevölkerung gegenüberstehen, die nicht nur militärisch, sondern auch geistig entwaffnet wäre. Eine derart amorphe Masse, in Wirtschaftsprovin8

zen eingeteilt, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, ohne Vaterland und ohne Gott würde zum wahren Nährboden für eine Weltdiktatur. Da aber dieser Weltzustand unnatürlich ist und der Sozialstruktur mindestens der Kulturvölker widerspricht, muß er durch das Mittel der seelischen Entnationalisierung und des Dadaismus (siehe in dem Buch „Mord an Apollo“) künstlich geschaffen werden. Welches Mittel ist das tauglichste zur Entnationalisierung der Völker, dieses Endzieles Roosevelts? Es heißt „Palimpsest“, was gleichbedeutend ist mit der Ausradierung des Geschichtsbewußtseins und einer Neuschreibung der Geschichte nach dem Rezept des Internationalismus. Diese Auslöschung droht nicht nur der politischen Geschichte, sondern auch der Literatur, der Musik und der Kunstgeschichte. Mit besonderer Wucht richtet sich dieser Ausradierungsprozeß gegen die Architektur. Er erklärt die kriegsbegründete Zerstörung der Architekturdenkmäler gemäß dem Rooseveltschen Entnationalisierungsprogramm. Die Architektur als steinernes Denkmal der Nationen und die Kunst als Kraftquelle der Tradition und der Vaterlandsliebe ist mitbetroffen. Welch gewaltige Kräfte schlummern in den Werken menschlichen Geistes! Solche gewaltigen irrational-explosiven Kräfte sind an der Börse weder zu kaufen noch zu verkaufen. Sie entziehen sich dem Zugriff der Weltmonopole, verhindern deren Diktatur und werden daher von ihnen nicht nur als Beschränkung ihres Machtbereiches, sondern als latente unberechenbare Gefahr empfunden. Kein Wunder, daß das internationale Kapital den Dada-Anarchismus finanziert, denn dieser räumt die Hemmungen fort gemäß des dreimal proklamierten, für den Europäer mörderischen Befehl: „Scheiße für Shakespeare…, Goethe…, Beethoven!“ Wie lange wird der Europäer noch zulassen, daß ein Dadaist — wie 1965 geschehen — den Goethe-Preis von 100.000 DM von der Stadt Hamburg erhält?
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