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Analysis I 5. Übungsblatt Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig

Analysis I 5. Übungsblatt

Analysis I 5. Übungsblatt Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig WS
Analysis I 5. Übungsblatt Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig WS

Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig

WS 2012/2013

12.11-16.11.2012

Gruppenübung

Aufgabe G1 (Beweis von Satz 3.14: Abschluss, Rand und Inneres) Es sei (X , d) ein metrischer Raum. Zeigen Sie, dass für jede Teilmenge A X gilt:

a) A = AA,

b) A o = A\ A,

Lösung: Nach Definition ist A o AA.

c) A o A = ,

d) A o A = A

(a)

Ist x Element von A aber nicht von A, dann liegt in jeder Umgebung von x ein Element von A ungleich x. Also ist

x

ein Häufungspunkt. Demnach ist A A = A ∪ { Häufungspunkte von A} =: A

(b)

Folgt direkt aus den Definitionen. Ist x A o , dann gibt es eine Umgebung um x die in A liegt, d.h. x A aber

/ ∂ A. Ist umgekehrt x A \ A, dann gibt es eine Umgebung um x, in der nur Punkte aus A liegen und welche somit in A liegt. Damit ist x ein innerer Punkt von A.

x

(c)

 

A o A (b)

= (A\ A) A =

(d)

A o A (b) = (A\ A) A = AA (a) A

=

Aufgabe G2 (Definition von Konvergenz) Zeigen Sie, dass die folgenden Folgen (a n ) n gegen 0 konvergieren. Geben Sie dazu zu einem vorgegeben > 0 ein N an, so dass |a n | < für n N gilt.

(a)

(b)

(c)

a n =

a n := a n :=

1

n+1

n3

3n 3 4n+5 ,

n

2 n .

Lösung: Sei > 0 vorgegeben.

(a) Für 1 ist die Behauptung immer erfüllt. Wir können uns also im Folgenden auf den Fall < 1 beschränken. Wir

wählen N ( ) als die kleinste natürliche Zahl mit 1

2 1 < N ( ). Dann gilt

für alle n N ( ).

1

1

1

N( ) + 1

1

2 1 + 1

n + 1

<

=

.

(b) (c) Ist n ≥ 4 , so gelten Für n ≥ 4 gilt also

(b)

(c)

Ist n 4, so gelten

Für n 4 gilt also

n 3 > 0,

n 3 > 4n

|a n |

=

<

und

3n 3 4n + 5 = 2n 3 + 5 + (n 3 4n) > 0.

>0

n3

3n 3 4n + 5

n

=

n3

3n 3 4n + 5

1

n

3n 3 n 3 + 5 2n 3 2n .

Falls n >

Wir beweisen erstmal, dass für n 4 schon 2 n n 2 gilt. Für n = 4 ist die Ungleichung erfüllt. Angenommen die

Aussage stimmt für ein n. Es gilt 2 n+1 = 2·2 n

n 2 + 2n + 1 = (n + 1) 2 . Es gibt ein N mit

2n 2 = n 2 + n 2

2

gilt |a n | < . Wir wählen also ein N > max{

2

1

1

,4}.

N

> max{4, 1 }. Für n N gilt

IA

n4

n

1

n 2 = n

n

|a n | = | 2 n | ≤

<

.

Aufgabe G3 (Grenzwerte von Zahlenfolgen) Zeigen Sie, dass

n max{a n , b n } = max{a, b}

lim

gilt, falls lim n a n = a und lim n b n = b sind.

Lösung: Es reicht nur den Fall a b zu betrachten. Sei a < b. Sei ε > 0 gegeben, so dass a +ε < b ε gilt. Dann nach der Definition des Grenzwerts der Zahlenfolge erhalten wir für alle hinreichend großen n:

Da max{a n , b n } = b n ist,

a n < a + ε < b ε <

b n .

n max{a n , b n } = lim

lim

n b n = b = max{a, b}

gilt. Sei a = b. Dann existiert für jedes ε > 0 ein n 0 , so dass für alle n > n 0 die Ungleichungen |a n a| < ε und |b n a| < ε gelten. Für diese n gilt

Dies beweist die Behauptung.

| max{a n , b n }− a| < ε.

Aufgabe G4 (Cauchy-Folge: Kontraktion) Sei (a n ) n eine Folge, so dass für ein α, 0 α < 1,

|a n+1 a n | ≤ α|a n a n1 |,

n 1,

gelte. Zeigen Sie, dass (a n ) n eine Cauchy-Folge ist.

Hinweis: |a m+n a m+n1 | ≤ α m1 |a n+1 a n | für n, m 1.

Lösung: Wir zeigen die Ungleichung aus dem Hinweis durch vollständige Induktion bzgl. m . Für

Lösung: Wir zeigen die Ungleichung aus dem Hinweis durch vollständige Induktion bzgl. m. Für m = 1 stimmt die

Aussage. Angenommen sie ist richtig für ein m. Für m+1 haben wir |a m+n+1 a m+n | ≤ α|a m+n a m+n1 |

Die Ungleichung ist bewiesen. Seien n, m mit n > m und m 2 gegeben. Es existiert ein k , so dass n = k + m. Bei der folgenden Abschätzung

α m |a n+1 a n |.

IA

werden wir

k1

j=0

α j = 1α

k

1α verwenden.

|a n a m | = |a m+k a m | ≤ |a m+k a m+k1 | + |a m+k1 a m+k2 | +

+

+ α m + α m1 )|a 2 a 1 | =

|a m+2 a m+1 | + |a m+1 a m | ≤ (α m+k2 + α m+k3 +

α m1 (1 + α + α 2 +

+

α k1 )|a 2 a 1 | = α m1 |a 2 a 1 |

k1

j=0

α j =

α m1 |a 2 a 1 | 1 α k 1α

α m1

1 α |a 2 a 1 |.

Wir wählen N ( ) als die kleinste natürliche Zahl mit log Damit ist (a n ) n eine Cauchy-Folge.

Aufgabe G5 (Grenzwerte von Folgen– für dijenigen, die Lust haben) Zeigen Sie, dass

(1α) |a 2 a 1 |

+ 1 < N ( ). Für m N ( ) gilt dann α m1 |a 2 a 1 | < .

1α

log α

n p q n 0

für jedes feste q mit |q| < 1 und jedes feste p . Hinweis. Setzen Sie |q| = 1/(1 + h) mit h > 0 und benutzen Sie den binomischen Satz.

Lösung: Für alle n p + 1 ist

|n p q n 0| = n p |q| n =

n

p

n

p

(1 + h) n = 1 + nh +

+

n

p+1 h p+1 +

+ n

n

h n

n p h p+1 =

n

p+1

(p + 1)!

nh p+1 1n p 1 p1

n

11 n 1

(p + 1)!

nh p+1 1

p+1 1

1

p+1

2

1

p+1 =

p

α

n ,

wobei

α :=

(p + 1)!

p+1 = (p

p

+ 1) p+1

h p+1 1

p+1 1

1

p+1

2

1

h p+1

von n unabhängig ist. Zu einem beliebig gewählten ε > 0 kann man nun ein n 0 p +1 so bestimmen (z.B. n 0 > (p+1) p+1 ),

dass für n > n 0 stets α/n < ε ist. Für diese n ist dann erst recht |n p q n 0| < ε.

h p+1

Hausübung

Aufgabe H1 (Beweis von Satz 3.15. Offene und abgeschlossene Mengen, 6 Punkte)

(a)

Beweisen Sie, dass die Vereinigung beliebig vieler offenen Mengen offen ist und der Durchschnitt endlich vieler offenen Mengen offen ist.

(b)

Beweisen Sie, dass die Vereinigung endlich vieler abgeschlossener Mengen abgeschlossen ist und der Durchschnitt beliebig vieler abgeschlossener Mengen abgeschlossen ist.

(c)

Zeigen Sie durch Angabe eines Beispieles, dass die Vereinigungen beliebig vieler abgeschlossener Mengen im All- gemeinen nicht abgeschlossen ist und der Durchschnitt beliebig vieler offene Mengen im Allgemeinen nicht offen ist.

Lösung:

(a) Seien O i , i I offene Mengen und x iI O i . Wir müssen zeigen, dass x ein innerer Punkt dieser Vereinigung ist. Wegen x iI O i gibt es ein i 0 I mit x O i 0 . Da O i 0 offen ist, gibt es ein > 0, so dass x B ε (x) O i . Also ist auch x B ε (x) O i iI O i .

, n ein ε i > 0 so dass B ε i (x) := {y

, n. Also ist x

Sei x n

i=1 O i . Da alle Mengen O i offen sind, gibt es zu jedem i = 1,

,n

O i .

M |d(x, y) < ε i } ⊂ O i . Mit ε min := min{ε 1 ,

innerer Punkt von i=1,

,ε n } gilt dann B ε min (x) B ε i (x) O i für alle i = 1,

(b) (c) Seien A i , i ∈ I abgeschlossenen Mengen. Dann sind die Mengen

(b)

(c)

Seien A i , i I abgeschlossenen Mengen. Dann sind die Mengen O i ;= M \ A i offen. Nach den de Morgenschen Regeln und Teilaufgabe a) folgt, dass jede endliche Vereinigung

i=1,

A i = M \ (M \A i )

,n

offen

abgeschlossen und auch jeder beliebige Durchschnitt

iI

A i = M \ (M \A i )

offen

abgeschlossen ist.

Wir betrachten in die Menge der abgeschlossenen Intervalle I n = [0, 1 1 n ] und die Menge der offenen Intervalle

I n = (1 n , 1 n ). Dann ist n( \{0}) I n = [0, 1) nicht abgeschlossen und n( \{0}) I n = {0} nicht offen.

˜

˜

Aufgabe H2 (Verschieben von Folgen, 3 Punkte) Sei (x n ) n eine konvergente reelle Folge. Wir definieren nun durch Verschieben eine neue Folge: Wir fixieren eine natürliche Zahl k und setzen für alle n

y n := x n+k .

Zeigen Sie, dass die Folge ( y n ) n für jede Wahl von k konvergiert und dass gilt:

n x n = lim

lim

n→∞ y n .

Lösung: Setzen wir zunächst x = lim n x n . Sei nun > 0. Wegen der Konvergenz von (x n ) n gegen x finden wir ein n 0 so dass für alle n n 0 der Betrag x n x < ist. Da ebenfalls

y n x = x n+k x

<

für alle n n 0 gilt (da n + k > n), konvergiert also auch ( y n ) n gegen x.

Aufgabe H3 (Definition von Konvergenz, 3 Punkte) Gegeben sei die reelle Folge (a n ) n mit

a n :=

1 + n 2

3n 2 + 15n .

Zeigen Sie, dass die Folge gegen 3 konvergiert, indem Sie exakt mit der Definition für konvergente Folgen arbeiten.

Lösung: Zu gegebenem > 0 suchen wir ein n 0 , so dass für alle n mit n n 0 gilt

1

a n

1

3

< .

Einen möglichen Weg zum Ziel liefert folgende Kette von Ungleichungen.

a n

1

3

=

3n 2 + 15n 3n 2 +

n 2 + 1

n 2 + 5n

15n

5n

5

5

3n 2 + 15n = 3n + 15 < n .

Sei dann also > 0. Da 5/ eine postive reelle Zahl ist, finden wir nach dem archimedischen Axiom ein n 0 welches

n 0 > 5

erfüllt. Für alle n n 0 folgt dann nach obiger Ungleichungskette |a n 1/3| < .

Somit ist lim n a n = 1/3 nachgewiesen.

Aufgabe H4 (Eine zweifelhafte Umformulierung des Konvergenzbegriffs, 7 Punkte) Angenommen, Sie hören beim leckeren Mittagessen in der Mensa zwei Stühle weiter folgenden Beitrag, mit welchem ein Studierender einem anderen Studierenden sein Verständnis von Konvergenz zusammenfasst:

„Wenn eine Folge einer Zahl in jedem Schritt näher kommt ohne diese Zahl jemals zu erreichen, so nennt man diese Zahl den Grenzwert einer Folge.“ Eine Folge reeller Zahlen (x n ) n mit dieser Eigenschaft nennen wir nun für diese Aufgabe mensakonvergent und wir schreiben MLim n x n = g, falls g eine oben beschriebene Zahl ist. Wir nennen für diese Aufgabe die Zahl g auch Mensagrenzwert.

(a) Formulieren Sie für Mensakonvergenz eine mathematische Definition, mit der Sie die weiteren Teilaufgaben bear-

(a)

Formulieren Sie für Mensakonvergenz eine mathematische Definition, mit der Sie die weiteren Teilaufgaben bear- beiten können.

(b)

Zeigen Sie oder widerlegen Sie: Jede mensakonvergente Folge ist konvergent.

(c)

Zeigen Sie oder widerlegen Sie: Jede mensakonvergente Folge ist monoton und beschränkt.

(d)

Zeigen Sie oder widerlegen Sie: Der Mensagrenzwert einer Folge ist eindeutig, sofern er existiert.

(e)

Zeigen Sie oder widerlegen Sie: Jede Folge ist mensakonvergent.

(f)

Zeigen Sie oder widerlegen Sie: Jede beschränkte Folge ist mensakonvergent.

(g)

Zeigen Sie oder widerlegen Sie: Jede konvergente Folge ist mensakonvergent.

Lösung:

(a)

Wir wählen die folgende Formalisierung. Eine Folge (a n ) n heißt mensakonvergent gegen g, falls g a n+1

g a n und g

= a n für alle n gilt. Wir schreiben in diesem Fall g = MLim n a n .

<

(b)

(c)

(d)

Diese Aussage ist falsch. Wir betrachten dafür die Folge

a n :=

1 + 1 11

n

n

für n gerade

für n ungerade

Dann gilt a n

= 1 + 1 n , also a n+1

<

a n

und a n = 0 für alle n . Es gilt also 0 = MLim n a n .

Natürlich ist (a n ) n nicht konvergent, da die Folge zwei verschiedene Häufungspunkte 1 und 1 besitzt und somit

nicht konvergent sein kann.

Diese Aussage ist falsch. Als Gegenbeispiel nehmen wir die Folge (a n ) n aus Teil (b). Dies war mensakonvergent gegen 0. Allerdings ist sie als alternierende Folge nicht monoton.

Diese Aussage ist falsch. Wir betrachten diesmal die Folge (a n ) n := (1 + 1 n ) n . Diese Folge hat Mensagrenzwert 1 denn es gilt

a n 1 =

1

n > n + 1 = a n+1 1

1

und a n = 1 für alle n .

Andererseits ist sie auch mensakonvergent gegen den Wert 0, denn es gilt ebenfalls

(e)

(f)

(g)

1

a n = 1 + n > 1 +

n + 1 = a n+1

1

und a n = 0 für alle n .

Somit ist der Mensagrenzwert einer mensakonvergenten Folge nicht eindeutig bestimmt.

Diese Aussage ist falsch. Ein Gegenbeispiel liefert die konstante Folge (a n ) n = 1.

Diese Aussage ist falsch, denn die eben genannte Folge ist beschränkt und nicht mensakonvergent.

Die Aussage ist falsch und wieder kann man die konstante Folge aus Teil (e) als Gegenbeispiel wählen.

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