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Analysis I 6. Übungsblatt Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig

Analysis I 6. Übungsblatt

Analysis I 6. Übungsblatt Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig WS
Analysis I 6. Übungsblatt Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig WS

Fachbereich Mathematik Prof. Dr. Steffen Roch Dr. Maksym Berezhnyi Walter Reußwig

WS 2012/2013

19.11-23.11.2012

Gruppenübung

Aufgabe G1 (Minitest) Welche der folgenden Aussagen sind korrekt? Sei (x n ) n eine Folge von reellen Zahlen.

(a)

Wenn (x n ) n beschränkt ist, ist (x n ) n konvergent.

(b)

Wenn (x n ) n monoton fallend und x n 0 ist, dann ist lim n x n = 0.

(c)

Wenn (x n ) n konvergiert und x n > 0 für alle n gilt, dann gilt lim n x n > 0.

(d)

Wenn (x n ) n konvergiert und x n > 0 für alle n gilt, dann gilt lim n x n 0.

Lösung:

(a)

(b)

(c)

(d)

Falsch. Gegenbeispiel x n = (1) n .

Falsch. Gegenbeispiel x n = 1, für alle n .

Falsch. Gegenbeispiel x n = 1 n .

Richtig. Folgt aus dem Satz 4.1 vom Skript.

Aufgabe G2 (Grenzwerte von Zahlenfolgen) Berechnen Sie jeweils den Grenzwert der Folge (a n ) n mit

(a)

(b)

(c)

(d)

a n = n 2 3n + (1) n

3n 2 7n + 5

,

a n = n( n + 1 n),

a n = 1 +

a n = r n mit konstantem r (0, 1).

3 5 · 1 + 1

1

n

n n ,

Lösung:

(a)

Erweitern wir mit 1 2 , so ergibt sich

n

n a n = lim

lim

n→∞

n 2 3n + (1) n

1

n

2

·

3n 2 7n + 5

1

n

2

(b)

wobei (1) n gegen Null konvergiert.

n

2

Hier wird mit n + 1 + n erweitert, dann folgt

= lim

n→∞

1 3 n + (1) n

n

2

1

37 +

=

5 3 ,

n

n

2

n n( n + 1 n) n + 1 + n = lim

( n + 1 − n ) n + 1 + n = lim n +

n + 1 + n

n ) n + 1 + n = lim n + 1 + n ( n

(n + 1n)

n a n = lim

lim

n→∞ n

1 − n ) n → ∞ a n = lim lim n →∞ n n

n + 1 + n

= lim

n→∞

1 1 1 = = 1 + 1 2 1 + 1 n + 1
1 1
1
=
=
1 + 1
2
1 + 1 n + 1

= lim

n→∞

1 n n · 1 n + 1 + n n
1
n
n
·
1
n + 1 + n
n

.

(c) (d) Es gilt n →∞ 1 + 1 lim n 3 5 · 1

(c)

(d)

Es gilt

n→∞ 1 + 1

lim

n

3 5 · 1 + 1

n n = n→∞ lim 1 + 1

n

3 5

n n · n→∞ lim 1 + 1

3 5 · = n→∞ lim 1 + 1

n

n→∞ 1 + 1

lim

n n 1

=

1· e 1 =

1

e .

Sei r (0, 1). Dann gibt es ein p (1, ) mit r = 1 p . Mit der Bernoulli-Ungleichung erhalten wir dann

a n = r n =

1

1

1

1

1

p n

= (1 + (p 1)) n

1 + n(p 1) p 1 · n .

Somit gilt

0

r n

1 1

p 1 ·

n für alle n .

Mit dem Einschließungskriterium erhalten wir daraus

0 lim

n→∞ a n

p 1 ·

1

n→∞ lim 1 n = 0.

Also konvergiert für r (0, 1) die Folge a n = r n gegen 0.

Aufgabe G3 (Konvergenz und Teilfolgen) Sei (x n ) n eine reelle Folge. Zeigen Sie, dass folgende Aussagen äquivalent sind:

(a)

Die Folge (x n ) n ist konvergent.

(b)

Die Folge (x n ) n ist beschränkt und besitzt genau einen Häufungspunkt.

Diskutieren Sie, ob eine Abschwächung von (b) zu

(c) Die Folge (x n ) n ist beschränkt und besitzt höchstens einen Häufungspunkt.

ebenfalls zu obigen Aussagen äquivalent ist.

Lösung: Ist die Folge konvergent, so gilt lim n x n = lim sup n x n = liminf n x n . Weil lim sup n x n der größte und liminf n x n der kleinste Häufungspunkt sind, kann es nur diesen einen Häufungspunkt geben. Gibt es umgekehrt nur einen Häufungspunkt, so gilt lim sup n x n = lim inf n x n und damit ist die Folge konvergent. Auch die dritte Bedingung ist äquivalent zu (a) und (b), weil jede beschränkte Folge in mindestens einen Häufungs- punkt hat (vgl. den Satz von Bolzano-Weierstraß).

Aufgabe G4 (Einschließungskriterium, Monotoniekriterium)

(a)

(b)

Zeigen Sie mit Hilfe des Einschließungskriteriums (Satz 4.2) die Konvergenz der Folge

a n = n + 3 n.

und ermitteln Sie ihren Grenzwert.

Verwenden Sie das Monotoniekriterium (Satz 4.6), um die Konvergenz der Folge

a 1 = 2,

a n+1 = a n +

2

3

2a n

für n \ {0}.

nachzuweisen, und bestimmen Sie den Grenzwert.

Hinweis:

i. Zeigen Sie durch vollständige Induktion 3 < a n < 3.

ii. Zeigen Sie, dass die Folge (a n ) monoton fallend ist.

Lösung:

(a) Die Wurzelfunktion ist streng monoton wachsend, damit gilt n + 3 > n .

(a)

Die Wurzelfunktion ist streng monoton wachsend, damit gilt n + 3 > n. Mit der binomischen Formel folgt

n + 3− n 3 0 ≤ a n = n + 3− n =
n + 3− n
3
0 ≤ a n = n + 3− n =
≤ 2 n → 0
n + 3 + n

(n → ∞).

Aus dem Einschließungskriterium folgt die Konvergenz der Folge gegen 0.

(b)

i. Nach Definition gilt die Behauptung für a 1 . Es gelte für ein n : 3 < a n < 3 (Induktionsannahme). Dann erhalten wir für a n+1 :

a n+1 = a n

 

3

3

3

3 + 3

2

+

2a n

<

2 +

2· 3

=

2

< 3

und

a n+1 3 = a n

2

+

2a n

3

=0

3 a n =

1

2a n a

2

n

2 3a n + 3 = 2a n a n 3 2 a n > 3

>

1

0.

ii. Daraus erhalten wir

2

n

a n+1 a n = a n

3 3a

a n =

3( 3) 2

2a n

2 + 2a n

2a n

= 0.

Insgesamt erhalten wir, dass (a n ) monoton fallend und beschränkt ist. Nach dem Monotoniekriterium ist (a n )

damit konvergent. Sei a der Grenzwert der Folge. Wegen a n > 3 ist a 3

= 0. Daher gilt

a =

n→∞ a n

2 +

n→∞ a n+1 = lim

lim

2a n = lim n→∞ a n

3

2

+

3

a

3

2 · lim n a n

=

2

+ 2a .

Die Gleichung

a =

a 3

2 + 2a

hat die Lösungen 3 und 3. Da die Folge immer positiv ist, erhalten wir als Grenzwert a = 3.

Aufgabe G5 (Grenzwerte von Zahlenfolgen– für dijenigen, die Lust haben) Sei x 1 gegeben. Zeigen Sie, dass

n→∞ 2

lim

x 1 n = x 2

n

gilt. Hinweis: Zeigen Sie mittels Bernoullischer Ungleichung, dass

x 2 2 x 1 n > x 2 1

n

x 2

n

n

gilt.

Lösung: Die Behauptung ist einfach im Fall x = 1. Also betrachten wir nur den Fall x > 1. Wir haben

0

< x 1 2 = x 2 2 x + 1.

n

n

n

Also

2 x 1 n < ( x 2 ) n = x 2 .

n

n

Andererseits

2 x 1 n = x 2

n

2

x 2 n = x 2 1 +

n

1

x

n

Nach Bernoullischer Ungleichung erhalten wir, dass

2

x 2 1 n .

n

1

x

n

2 x 1 n x 2 1 + n

n

2

x 2 1 = x 2 1n (

n

1

n

x 1) 2

n x 2

n x

(1)

(2)

gilt. Die Bernoullische Ungleichung liefert auch die Ungleichung Deswegen Nach (2) erhalten wir x =

gilt. Die Bernoullische Ungleichung liefert auch die Ungleichung

Deswegen

Nach (2) erhalten wir

x

= ( x 1 + 1) n 1 + n( x 1) > n( x 1).

n

n

n

x 1 2 <

n

x 2

n 2 .

x 2

2 x 1 n > x 2 1 x 2 .

n

n

n

Nach dem Einschliessungskriterium folgt es aus (1) und (3), dass

gilt.

n→∞ 2

lim

x 1 n = x 2

n

(3)

Hausübung

Aufgabe H1 (Grenzwerte von Zahlenfolgen, 4 Punkte) Bestimmen Sie den Grenzwert folgender Folgen.

(a)

(b)

(c)

(d)

n 4 +13n 2 1 (2n 2 +3) 2 42 ,

n

a n :=

b n :=

c n := 1 n ·

Untersuchen Sie die Folge d n = r n mit konstantem r (1, ) auf Konvergenz oder Divergenz. Bestimmen Sie im Falle der Konvergenz den Grenzwert. Begründen Sie Ihre Antwort! Ist diese Folge beschränkt?

k=0 q k für eine komplexe Zahl q mit |q| < 1,

n

k=1 i k .

Lösung:

(a)

Es gilt

 

4

13

1

 
 

n 4 + 13n 2 1

n

1

+

n

2

n

4

a n =

 

4n 4 + 12n 2 33 = n 4 ·

4

+

12

33

lim n 1 + lim n

13

n

2

n

2

n

4

+ 0 + 0

n

4

1

lim n

1

1

lim n 4 + lim n

12

n

2

+ 0 + 0 = 4 .

lim n

33

n

4

=

4

und mit den Grenzwertsätzen für Folgen erhalten wir

lim

n→∞ a n =

(b)

(c)

Wir nutzen die bekannte Formel für die endliche geometrische Summe, bilden den Grenzwert und erhalten mit den Grenzwertsätzen für Folgen

lim

n→∞

n

k=0

q k =

lim

n→∞

1q n+1 = 1 lim n q n+1

1q

1q

1

= 1q

Im letzten Schritt haben wir außerdem ausgenutzt, dass die Folge (q n ) n für

q < 1 eine Nullfolge bildet.

Wir schätzen den Betrag der Folge (c n ) n durch eine Nullfolge ab und zu zeigen, dass (c n ) n ebenfalls gegen 0

konvergiert. Dazu halten wir zunächst fest, dass

4j+4

k=4j+1

i k = 0 für alle j gilt. Wir erhalten somit die Abschätzung

für alle n . Da ( 4

n

c n =

n

1

n

k=1

i k 1 n

4

k=1

i k =

4

n .

) n eine Nullfolge ist, ist also auch (c n ) n eine Nullfolge.

(d) Mit der Bernoulli-Ungleichung folgt d n = r n = ( 1 + r

(d) Mit der Bernoulli-Ungleichung folgt

d n = r n = (1 + r 1) n 1 + n· (r 1).

Da (r 1) > 0 und die Folge (n) n bestimmt divergiert, divergiert bestimmt auch die Folge auf der rechten Seite.

Somit sind alle Folgenglieder größer als die Folgenglieder der bestimmt divergenten Folgen (r 1)n n . Also ist

d n bestimmt divergent. Analog erhält man auch, dass d n nicht beschränkt ist.

Aufgabe H2 (Grenzwerte von Folgen, 4 Punkte)

(a)

Die Folge (a k ) k sei durch die untenstehende Vorschrift definiert:

a k =

2k

1+3k

(1) k/2

falls k ungerade falls k gerade

.

(b)

Zeigen Sie, dass diese Folge mindestens drei konvergente Teilfolgen enthält und geben Sie die zugehörigen Grenz- werte an. Was läss t sich also für das Konvergenzverhalten der Folge (a k ) k selbst aussagen? Begründen Sie Ihre Antwort.

Die Folge (a k ) k sei durch die Vorschrift definiert:

(k!)

2

a k = (2k)!

für alle k .

Zeigen Sie mit Hilfe vollständiger Induktion:

1

0 a k ( 2 ) k

für alle k .

Bestimmen Sie nun den Grenzwert der Folge (a k ) k .

Lösung:

(a)

(b)

Die Folge {a k } k ist divergent, weil sie mindestens drei konvergente Teilfolgen a 2n+1 , a 2n (n gerade), a 2n (n

ungerade) enthält (Die Grenzwerte sind

3 2 , 1 und -1). Jede konvergente Folge hat nur einen Grenzwert.

Induktionsanfang: 0 a 0 =

Induktionsannahme: Es gelte für ein k 0 a k (

(0!)

2

(2·0)!

= 1 (

1

2 ) 0 = 1.

1 2 ) k .

Induktionsschritt: 0 a k+1 =

(k+1)! 2

2(k+1) ! =

(k+1) 2 ·(k!) 2

k+1

(k!) 2

(2k)!(2k+1)(2k+2) =

2(2k+1) (2k)! =

k+1

2(2k+1) a k

1

2 a k

IA

1

2 (

1

2 ) k = (

Da 0 a k (

2 1 ) k ist, folgt es nach dem Einschliessungskriterium, dass lim k a k = 0 sein muss.

1 ) k+1 .

2

Aufgabe H3 (Rekursive Folgen, 5 Punkte) Sei c > 0. Die Folge (a n ) nN sei rekursiv definiert durch

a 1 = c,

a n+1 = c + a n .

Weisen Sie nach, dass die Folge von oben durch c + 1 beschränkt ist, und zeigen Sie hiermit die Konvergenz der Folge. Berechnen Sie den Grenzwert.

Lösung:

(a) Wir beweisen, dass die Folge durch c + 1 beschränkt ist (Beweis durch vollständige Induktion).

Induktionsanfang: a 1 = c 1 + c.

Induktionsannahme: Sei a n 1 + c.

Induktionsschritt: Zu zeigen ist: a n+1 1 + c

bzw.

a n+1 (1 + c) 0.

a n+1 (1 + c) = c + a n (1 + c)

( 1 + c ) = c + a n − ( 1 + c )

c + 1 + c (1 + c)

− ( 1 + c ) ≤ c + 1 + c − ( 1 +
− ( 1 + c ) ≤ c + 1 + c − ( 1 +

c + 1 + 2 c (1 + c) = ( c + 1) 2 (1 + c) = 0 Die Folge (a n ) n ist also beschränkt.

Wir zeigen noch mittels vollständiger Induktion, dass ( a n ) n ∈ monoton wachsend

Wir zeigen noch mittels vollständiger Induktion, dass (a n ) n monoton wachsend ist.

Für n 2 sei A(n) die Aussage: a n1 a n 0.

A ( n ) die Aussage: a n − 1 − a n ≤ 0 .

Induktionsanfang: a 1 a 2 = c c + c c c = 0. Also ist A(2) wahr. Induktionsannahme: Sei Aussage A(n) wahr. Induktionsschritt: Zu zeigen ist die Aussage A(n + 1).

a n a n+1 = c + a n1 c + a n

=

Also konvergiert die Folge (a n ) n nach dem Satz 4.6 vom Skript.

= ( c+a n1 c+a n )( c+a n1 + c+a n )

c+a n1 + c+a n

a n1 a n

c+a

n1 + c+a n 0

(b) Berechnung des Grenzwertes:

a =

Demzufolge ist a = c + a, und somit ist a =

n a n = lim

lim

n→∞ a n+1 = lim

n c + a n = c + a

2 1 (1 + 1 + 4c), weil a > 0

ist.

Bemerkung. Der Trick aus dem zweiten Teil, der hilft den Grenzwert bei rekursiv definierten Folgen zu finden, weist nicht nach, dass die Folge konvergent ist. Z.B. ist die Folge a 1 = 1, a n+1 = 1a n divergent, aber a = 1 a ergibt a = 1

Aufgabe H4 (Wahr oder falsch, 3 Punkte) Beweisen Sie oder widerlegen Sie die folgenden Behauptungen für reelle Folgen:

2 .

(a)

(1,5 Punkte) Summe, Differenz und Produkt zweier divergenter Folgen ist ebenfalls divergent.

(b)

(0,5 Punkte) Die Folgen (a n ) n und (b n ) n konvergieren genau dann, wenn (a n + b n ) n und (a n b n ) n kon- vergieren.

(c)

(1 Punkt) Existiert zu jedem > 0 ein N , so dass für alle n > N gilt: |a n+1 a n | < , so ist (a n ) n eine Cauchy-Folge.

Lösung:

(a)

(1,5 Punkte) Aussage ist falsch. Gegenbeispiele:

• Summe: a n = n und b n = n für alle n .

• Differenz: a n = n und b n = n für alle n .

• Produkt: a n = (1) n und b n = (1) n für alle n .

(b)

(0,5 Punkte) Aussage ist wahr. Denn aus der Konvergenz der Folgen (a n ) n und (b n ) n folgt nach dem Grenz- wertsatz 4.4 vom Skript die Konvergenz der Folgen (a n + b n ) n und (a n b n ) n . Seien umgekehrt die Folgen a n + b n = c n und a n b n = d n konvergent. Dann ist nach dem Grenzwertsatz 4.4 vom

Skript a n = 1 2 (c n + d n ) und b n =

1 2 (c n d n ) konvergent.

(c)

(1 Punkt) Aussage ist falsch. Gegenbeispiel: a n = n. Offensichtlich divergiert die Folge, denn für jedes M > 0 ist a n > M für n > M 2 . Aber:

n |a n+1 a n |= lim

lim

n | n + 1 n| = lim

n→∞

= lim

n→∞

1

n+1+ n = 0

( n+1− n)( n+1+ n) n+1+ n
( n+1− n)( n+1+ n)
n+1+ n

.