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Institutionell Ökonomik

Kerstin Jost, Armin Nisanyan, Patrick Rockenschaub

Institutionell Ökonomik Kerstin Jost, Armin Nisanyan, Patrick Rockenschaub

1. Gibt es bei Alchian und Desmetz eine Unterscheidung zwischen Märkten und Firmen? Welche Sichtweise von Verträgen haben sie in diesem Zusammenhang?

Alchian und Desmetz unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Arten von Märkten. Den herkömmlichen, in der Ökonomie gebräuchlichen Begriff verstehen sie als einen öffentlichen, freien Markt. Dem gegenüber definieren sie aber auch noch einen Markt im Privatbesitz, die Firma. Sie gehen davon aus, dass diese beiden Markttypen im Wettbewerb miteinander stehen. Auf öffentlichen Wettbewerbsmärkten besteht nun eine hohe Korrelation zwischen Produktivität und Gewinn. Erntet ein Bauer um 10 Prozent mehr und verkauft sie am Markt, so erhält er auch einen um 10 Prozent höheren Gewinn. In diesem Beispiel sticht sehr schön der kausale Zusammenhang zwischen eingesetztem Aufwand und dem dafür erhaltenen Lohn hervor. Wie in den nächsten Fragen erläutert wird, ist eine solche, eindeutige Aufteilung bei Teamarbeit jedoch nicht ohne erhöhte Kosten möglich.

Firmen entstehen nun deshalb, weil sie diese Aufgabe der Überwachung effektiver erledigen als der öffentliche Markt. Während ansonsten auch innerhalb eines privaten Marktes Wettbewerb herrscht, ist die Kausalität hingegen umgekehrt. Alchian und Demsetz gehen davon aus, dass in Firmen der Lohn stattdessen eine gewisse Produktivität stimuliert. Der Festlegung einer solchen Belohnung kommt daher eine essentielle Rolle zu. Sind Lohn und Produktivität nur lose verbunden, wird die Effizienz schwach ausfallen. Wird das Entgelt gut gewählt, führt das hingegen zu einer hohen Produktivität.

In ihrer letztendlichen Ausprägung stellen Firmen dann vertragliche Gebilde zwischen einer zentralen Partei und verschiedenen Inputfaktoren dar. Diese zentrale Position nimmt nach Alchian und Demsetz der Besitzer des Unternehmens ein. Anstatt von auf einem öffentlichen Markt üblichen multilateralen Verträgen unter den Inputs werden ausschließlich bilaterale Beziehungen zwischen jedem Input und dem Besitzer aufgebaut, welche auch als „quid pro quo“ Verträge bezeichnet werden. Alchian und Demsetz verstehen diese als Kaufverträge, wobei der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft gegen einen Lohn verkauft. Um der weitverbreiteten Ansicht von der Autoritätsmacht von Unternehmen entgegenzuwirken, heben sie hervor, dass diese Verträge unter gewissen rechtlichen Rahmenbedingungen von beiden Parteien widerrufen werden können. Des Weiteren spielt auch die Länge dieser Verträge keine Rolle für das grundsätzliche Konzept der Firma.

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2. Was ist gemäß Alchian und Demsetz das zentrale Charakteristikum der Firma und warum?

Die Theorie von Alchian und Demsetz baut auf zwei Grundvoraussetzungen auf. So muss es zu aller erst möglich sein, die Produktivität durch den Einsatz von Teamarbeit zu erhöhen. Teamarbeit wird dabei definiert als Produktion, die verschiedenen Personen gehörende Inputs nutzt und deren Ergebnis mehr als die Summe der Outputs dieser einzelnen Inputfaktoren ist. Zum Beispiel sind zwei Männer in der Lage, eine größere Anzahl von Frachten in einen Laster zu laden als es ein Einzelner vermag. Durch Spezialisierung und Kooperation wird also die Gesamtproduktion gesteigert und so auch die Wahrscheinlichkeit verbessert, dass Gewinne anfallen. Durch die Zusammenarbeit wird es aber auch teuer, den Anteil der einzelnen Ressourcen am Output zu messen. Dieser Nachteil erlaubt es den Inputs, Shirking zu betreiben.

Gäbe es das eben beschriebene zentrale Charakteristikum nicht, so wären alle weiteren Annahmen zur Theorie einer Firma nicht notwendig. Würde beispielsweise das Ergebnis ausschließlich aus der Summe der Einzelergebnisse bestehen, können diese effektiv über Markttransaktionen ausgetauscht werden. Eine Firma wäre in diesem Fall nicht notwendig. Auch alle weiteren Folgerungen von Alchian und Demsetz bauen daher auf Problematiken der Teamarbeit auf.

Alchian und Demsetz fordern weiter, dass es wirtschaftlich sinnvoll machbar sein muss, das Grenzprodukt der Inputs durch die Überwachung oder Spezifizierung des Inputverhaltens zu bestimmen. Ist auch dieser Punkt erfüllt, führen sie einen sogenannten Monitor ein, der erwähnte Drückebergerei innerhalb der Firma unterbindet. Er überwacht also das Inputverhalten und hat die Möglichkeit, einzelne Verträge anzupassen oder aufzulösen. Dazu muss er natürlich in der Lage sein, die geleistete Arbeit zu bewerten und Shirking zu erkennen. Hier gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Professionen. Während Dockarbeiter sehr einfach kontrolliert werden können, ist das bei intellektuellen Berufen nicht der Fall. Einen Anwalt beispielsweise beim Erstellen eines Falles zu überwachen, würde vom Monitor verlangen, einen Großteil der Arbeit selbst zu machen.

3. Welche Funktion hat der Unternehmer(„Monitor“)? Gehen Sie in diesem Zusammenhang auf das „Shirking“ ein!

Bei Arbeiten im Team entspricht die Produktion nicht nur der Summe der einzelnen Anteile,

sondern geht darüber hinaus. Teamarbeit wird daher immer dann angestrebt, wenn dieser

Überschuss die Kosten für die Organisation eines Teams übersteigt. Wird eine Aufgabe auf

diese Art und Weise verrichtet, ist es nicht mehr einfach möglich, nur durch Betrachtung des

Resultats den Anteil der einzelnen Teammitglieder am Ergebnis eindeutig zu bestimmen. Seite 2 von 10

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Dadurch ergibt sich ein zentrales Problem. Normalerweise dient der Lohn dazu, Anreize für mehr Produktivität zu schaffen. Wäre er zufällig, würde die Produktivität nicht davon profitieren oder, bei negativem Lohn, sogar darunter leiden. Um daher die Belohnung effektiv aufzuteilen, ist Information zur Partizipation der einzelnen Teammitglieder notwendig, damit eine positive Korrelation zwischen Produktivität und Belohnung erreicht werden kann. Stünde dieses Wissen kostenlos zur Verfügung, würden Faulheit und höheres Einkommen von jeder Person so optimiert, dass der Nutzen den tatsächlichen Kosten entspricht. Diese Information zu erlangen ist jedoch mit Aufwand verbunden und wird daher nur bis zu jenem Punkt akquiriert, an dem die Kosten für weitere Information deren Zusatznutzen übersteigen. Somit ist es für jedes Teammitglied möglich, einen Teil der Arbeit unauffällig auf seine Kollegen abzuwälzen und dadurch seine subjektiven Kosten zu senken. Die wahren Kosten werden hingegen vom gesamten Team getragen. Es wird mehr Faulheit „konsumiert“, als es unter vollständiger Information der Fall wäre – die Mitglieder haben Anreiz zum Shirking.

Eine Methode, dieses Verhalten zu unterdrücken, ist der Monitor. Er überwacht das Verhalten der Inputfaktoren und sanktioniert ungewünschtes Verhalten. Ihm kommt außerdem die zentrale Position in den vertraglichen Bestimmungen aller Inputs und somit die Macht zu, einzelne Verträge unabhängig vom gesamten Vertragswerk abzuändern oder aufzulösen. Auf diese Weise wird ein Anreiz für die restlichen Mitglieder geschaffen, Shirking zu vermeiden. Ferner hat der Monitor bzw. Unternehmer ein Anrecht auf die Überschüsse aus der Teamarbeit, damit der Monitor nicht selbst dem Shirking verfällt. Für Alchian und Demsetz beschreiben diese Eigenschaften den Besitzer eines Unternehmens. Dieser hat zusätzlich die Möglichkeit, sein Besitzrecht zu veräußern.

4. Gehen Sie abschließend nochmals auf die Charakteristika der Firma bei Alchian und Demsetz ein und beurteilen Sie sie!

Alchian und Demsetz charakterisieren eine Firma als vertragliches Gebilde mit mehreren Eigenschaften. Sie wiedersprechen jedoch dem weit verbreiteten Bild von Firmen als Zentren von Autorität, Befehlsgewalt und Disziplinierung. Ihrer Meinung nach unterscheidet sich die Beziehung von Arbeitgeber zu Arbeitnehmer kaum von der zwischen Händler und Kunden. Im Paper wird argumentiert, dass Firmen nicht alle Inputs, insbesondere die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter, nicht direkt besitzt. Es handelt sich vielmehr um einen Austausch von Arbeit gegen Entlohnung. Sie lassen damit jedoch Effekte, die durch ein Machtgefälle entstehen können, außer Acht. So stellt es aufgrund von Arbeitslosigkeit durchaus eine

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Gefahr für den Arbeitnehmer dar, entlassen zu werden und dessen freie Entscheidungsfähigkeit einschränkt.

Grundlage für eine solche Organisation ist nun die Möglichkeit und Notwendigkeit des Einsatzes von mehreren Inputfaktoren zur Produktionssteigerung. Eine solche Teamarbeit ist durch die Eigenschaft definiert, dass der Output die Summe der Einzelanteile übersteigt. Dadurch ist es nicht eindeutig möglich ist, den Gesamtoutput auf die kooperierenden Elemente aufzuspalten. Es ist daher nicht möglich, Teamarbeit einwandfrei und ohne Kosten in die Einzelanteile der Inputs aufzuteilen und es entsteht unvollständige Information. Es ist mit Kosten verbunden, herauszufinden, wer sich bis zu welchem Grad vor Arbeit drückt oder diese auf Teammitglieder abschiebt. Ein Umstand, welcher die Einführung eines Monitors zur Überwachung und Bewertung des Verhaltens der Teammitglieder verlangt. Dieser ist weiters die zentrale Partei aller Verträge mit den Inputs und hat auch die Macht, diese bei Bedarf aufzulösen.

Die Theorie von Alchian und Demsetz teilt damit also Mitglieder einer Firma in zwei Gruppen: die am Gewinn beteiligten Überwacher sowie die zu kontrollierenden Untergebenen. Eine solche Definition ist jedoch sehr eng gefasst und wird aktuellen Strömungen, wie einer immer stärker werdenden Kultur des Intrapreneurships, nicht unbedingt gerecht.

5. Wodurch ist bei Coase die Firma charakterisiert?

Die Firma ist bei Coase dadurch charakterisiert, dass sie den Preismechanismus, also die „unsichtbare Hand“ aussschaltet und durch Koordination durch einen Unternehmer oder Manager ersetzt. Im ersten Teil von „The Nature Of The Firm“ geht Coase auf die gängige Theorie der Ressourcenlenkung durch den Preismechanismus ein, bei der die Produktion alleine durch den Preis und die Funktionsweise von Angebot und Nachfrage gelenkt wird. In einer Firma jedoch gibt es auch andere Determinanten, die das Vorgehen des Unternehmens bestimmen. Der Entrepreneur tritt als koordinierendes Instrument der Allokation der Ressourcen auf und bestimmt die Produktion indem er Verträge abschließt und versucht die Kosten der Produktion zu reduzieren. Gleichzeitig gibt es Arbeitnehmer, die sich dem Unternehmer unterordnen und unter dessen Anleitung arbeiten wollen. Gemeinsam bilden sie eine Unternehmung die Teil eines ganzen Systems ist, und verschieden auf Veränderungen innerhalb des ökonomischen Systems reagiert (Und eben nicht nur nach dem Preismechanismus).

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Nachdem Coase die Theorie des Preismechanismus und die Tatsache, dass es koordinierende Unternehmer gibt vorgestellt hat, stellt er die Frage, wozu es jegliche Organisation gibt, wenn doch die Produktion vom Preis bestimmt wird.

Die Antwort darauf liefert Coase wie bereits im ersten Satz geschrieben damit, dass die Firma eine Organisation ist, die den Preismechanismus ausschaltet um Kosten zu sparen. Dies ist auch das wichtigste ökonomische Argument, warum überhaupt Firmen existieren.

6. Warum ist es ökonomische argumentierbar, dass Firmen existieren?

Das wichtigste Argument für die Existenz von Firmen habe ich bereits angesprochen, und zwar die Möglichkeit der Reduzierung von Kosten. Diese Kosten sind die sogenannten Transaktionskosten, die durch die „Benützung“ des Preismechanismus entstehen. Laut Coase sind die offensichtlichsten Kosten jene, welche durch das Finden der relevanten Preise entstehen. Allgemein gesprochen kann man sagen, dass jeder Kauf oder Verkauf von Waren oder Dienstleistungen nur durch einen Vertrag zustande kommt. Diese Verträge verursachen sowohl vor als auch nach Vertragsabschluss Transaktionskosten. Konkrete Ausformungen sind Anbahnungskosten, Kosten für die Suche nach einem Vertragspartner, Vereinbarungskosten, Kosten für das Schreiben des Vertrages, Kosten für die Kontrolle der Einhaltung des Vertrages, Kosten falls der Vertragspartner den Vertrag kündigt und ein neuer Vertragspartner gefunden werden muss, usw.

Eine Möglichkeit, diese Kosten zu reduzieren sieht Coase durch die Firma gegeben und zwar indem der Unternehmer die Verträge reduziert. Dies kann dadurch passieren, da ein Unternehmer die Möglichkeit hat Langzeitverträge abzuschließen. Auf einem Markt werden hauptsächlich Kurzzeitverträge abgeschlossen, die allerdings oft unbefriedigend sind. Wenn man sich diese Argumentation durch den Kopf gehen lässt, kommt man zu dem Schluss, dass sich Coase mit Make or Buy Entscheidungen auseinandersetzt. Zusammengefasst kann man sagen, dass eben die Organisation in der eigenen Firma (Make) Transaktionskosten spart, die man zahlen müsste sollte man die Leistungen vom Markt beziehen (Buy).

Ein weiteres gewichtiges Argument für das Bestehen von Firmen ist das klassisch hierarchische Ober und Untergeordneten System wie wir es aus Unternehmen kennen.

Die Grundvoraussetzung für eine Unternehmung ist es, dass es Menschen gibt die unter der Leitung anderer Arbeiten wollen (Untergeordnete). Diese Menschen wären sogar mit weniger zufrieden als ihnen zustehen würde, wenn sie unter Anleitung arbeiten können. Die zweite Sorte Mensch sind jene, welche die Führungsrolle im Unternehmen einnehmen

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wollen. Sie wären sogar bereit mehr zu zahlen als sie müssten um die Möglichkeit zu erlangen leiten zu dürfen. Der Unternehmer und der Angestellte schließen einen Vertrag, der gleichzeitig die Grenze der Macht darstellt mit der er dem Angestellten Anweisungen erteilen kann.

Das letzte Argument ist die Transaktionssteuer (Umsatzsteuer) die ein Unternehmer nicht zahlen muss sollte er selbst produzieren statt am Markt Verträge abzuschließen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass der Unternehmer in den ihm zugeteilten Machtgrenzen versucht die Kosten der Produktion niedriger zu halten als sie auf dem freien Markt entstehen würden. Der Ausweg zum offenen Markt zurückzukehren steht dem Unternehmer offen, sollte es notwendig sein.

7. Welche Verträge sind für die Firma maßgeblich?

Verträge aller Art sind wie wir bereits gehört haben der eigentliche Grund warum es über Firmen gibt. Ein Unternehmer strebt danach die große Anzahl an Verträgen die auf dem freien Markt entstehen würden (da dies hauptsächlich kurzfristige Verträge sind) durch langfristige Verträge zu substituieren. Im besten Fall kann der Unternehmer die Verträge auf einen einzigen Vertrag reduzieren.

Auf dem freien Markt bei dem jede Transaktion dem Preismechanismus ausgesetzt ist, ist es notwendig für jeden Tausch eines Gutes oder einer Dienstleistung einen eigenen Vertrag abzuschließen. Sollte man eine Arbeitskraft manchmal öfter, manchmal weniger oft, einmal mit viel und ein anderes Mal mit wenig Intensität in Anspruch nehmen , so müssten man jedes Mal einen neuen Vertrag ausverhandeln, da ja auch der Preis jedes Mal ein anderer wäre. Dies gilt natürlich auch für Produktionsfaktoren wie Kapital aber auch Güter die man zum Beispiel regelmäßig in Anspruch nehmen möchte.

Coase gibt eine Lösung und zwar langfristige Verträge (am besten nur einen). Am Beispiel des Arbeitnehmers könnte zum Beispiel ein Vertrag abgeschlossen werden der Rahmenbedingungen wie Lohn und Vorstellung des Arbeitnehmers über die Arbeit die er verrichten wird müssen vorgibt. Die konkrete Ausformung wird dann vom Unternehmer zu einem späterern Zeitpunkt festgelegt. Der Unternehmer hat sozusagen die Macht sich innerhalb des Handlungsspielraums für Lohn und Arbeit, die der Vertragspartner (Arbeitnehmer) vorgegeben hat, zu bewegen.

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Ob es nun von Vorteil ist eine Firma zu gründen, hängt vom Geschäftsfeld ab. In Branchen in denen längerfristige Verträge wünschenswert sind wird es von Vorteil sein eine Firma zu gründen. Das gleiche gilt für personalintensive Branchen. Bei Güterproduzierenden Bereichen ist dies möglicherweise nicht so wichtig, da Ressourcen und Rohstoffe mittel bis kurzfristig eingekauft werden und somit kurzfristige Verträge auf dem freien Markt zu bevorzugen wären.

8. Hat Coase auch eine Vorstellung von der Firmengröße?

Eine Firma ist um so größer, je mehr Transaktionen durch den Unternehmer in der Firma organisiert werden, und um so kleiner je mehr der Unternehmer die Organisation solcher Transaktionen aufgibt und die Transaktionen durch den Preismechanismus koordiniert werden. Maßnahmen wie Verkaufssteuern, Quoten und Preisregulierungen tendieren dazu Firmen größer zu machen als sie eigentlich wären, da diese Regelungen firmenintern natürlich nicht gelten.

Nun stellt sich die Frage wieso gibt es dann nicht nur eine einzige Firma die alles produziert wenn man dadurch theoretisch Transaktionskosten spart? Coase beantwortet diese Frage basierend auf drei grundlegenden Überlegungen:

Je größer die Firma, desto mehr sinken die Erträge des Unternehmers (sinkende Grezerlöse), die Kosten weiterer Transaktionen in der Firma steigen. Irgendwann ist dann ein Punkt erreicht wo die Kosten einer zusätzlichen Transaktion genau gleich hoch sind wie die Transaktion in einem offenen Markt oder wie die Kosten eines weiteren organisierenden Unternehmers.

Es kann sein, dass der Unternehmen die Ressourcen nicht bestmöglich einsetzt und die Transaktionen sinken. Hier ist irgendwann der Punkt erreicht, in welchem der Verlust durch die Verschwendung der Ressourcen genau so groß ist, wie die Handelskosten der Austauschtransaktionen im freien Markt, oder gleich hoch dem Verlust wie wenn die Transaktionen von einem anderen Unternehmer durchgeführt würden.

Der Preis einiger Produktionsfaktoren kann bei großen Firmen höher sein, als bei kleinen.

Der Punkt, in welchem die Firma aufhört sich auszudehnen ist also dann erreicht, wenn die Organisationskosten gleich hoch sind wie die Transaktionskosten im freien Markt oder gleich hoch wie die Kosten eine andere Firma zu organisieren. Ab diesem Punkt, sollten die Transaktionen vom Markt bezogen werden.

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Eine Firma wird außerdem je größer sein,

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desto niedriger die Organisationskosten sind und je weniger die Kosten bei einem Anstieg der Transaktionen zunehmen

desto weniger Fehler der Unternehmer macht und je kleiner der Anstieg der Fehlern, wenn die Transaktionen zunehmen

desto geringer der Anstieg im Angebotspreis von Produktionsfaktoren für größeren Firmen

Eine zunehmender Diversifizierung der Produktionsstätten, Ungleichheit der innerbetrieblichen Transaktionen und Wahrscheinlichkeit von externen Einflüssen steigern die Transaktionskosten. Moderne Erfindungen, die die räumliche Distanz überwinden, Kosten reduzieren und die Unternehmer unterstützen wie zB das Telefon, verursachen eine Vergrößerung der Firma.

9. Wie hängen bei Coase Unsicherheit und Firmenkontrolle zusammen („Cephalisation“)?

Coase diskutiert Unsicherheit im Hinblick auf die Existenz von Firmen. Für ihn ist es unwahrscheinlich, dass Firmen ohne Unsicherheit entstehen würden. Weiters stützt er sich bezüglich der Frage wieso seine Gründe für die Entstehung einer Firma in einer spezialisierten Wirtschaft gegenüber anderen Begründungen zu bevorzugen sind unter anderem auf Knights Werk (1933): „Risk, Uncertainty and Profit“ und zeigt bei diesem Schwächen auf.

Knight beginnt mit einem System, in dem Unsicherheit nicht existiert, und führt sie dann in dieses doch ein. In einem System mit Unsicherheit sei dann laut Knight die eigentliche Ausführung der Dinge nebensächlich, die eigentlichen Fragen betreffen dann nämlich die Entscheidungen was zu tun ist und wie es getan werden soll. Eine Firma produziert Güter für den Markt. Dies basiert auf den Vorhersagungen für die Entwicklung der Bedürfnisse. Der Produzent muss sich somit nicht nur mit der Prognose der Bedürfnisse beschäftigen, sondern auch mit der technischen Leitung und Überwachung der Produktion, somit entsteht ein neuer Berufsstand: Unternehmer. Die Zentralisation des Entscheidungs- und Kontrollprozesses ist daher praktisch zwingend. Diesen Vorgang nennt Coase „Cepahlisation“ (Verkopfung; eigentlich ein Ausdruck aus der Biologie).

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Laut Knight ist das Vorhandensein eines fixen Einkommens, das daraus resultiert, dass jemand einem anderen einen fixen Betrag im Austausch gegen seine Arbeit und den Anspruch auf die Leitung dieser verspricht, ein Beweis der Unsicherheit, denn niemand würde sich freiwillig einem anderen untersetzen, noch würde jemand einem anderen einen fixen Betrag anbieten.

Unsicherheit resultiert daraus, dass Menschen zukünftige Bedürfnisse voraussagen müssen.

Coase kritisiert unter anderem Knights Theorie darin, dass Knight in dem System ohne Unsicherheit meint, es gäbe zwar eine Koordinator, dieser führe jedoch nur Routinetätigkeiten aus und wäre ohne jegliche Verantwortung. Für Coase stellt sich dann die Frage „Von wem werden die Arbeiter bezahlt und wieso“? Knight gibt laut Coase keine Begründung wieso der Preismechanismus ersetzt werden sollte.

10.Vergleichen Sie Coase mit Alchian/Demsetz!

Sowohl Coase als auch Alchian/Demsetz beschäftigen sich mit der Institution Firma. Der grundlegende Unterschied ist jedoch, dass Coase darauf eingeht, wieso es überhaupt Firmen gibt, während sich Alchian und Demsetz sich zwar auch mit den Gründen der Existenz von Firmen auseinandersetzten, sich jedoch etwas mehr mit der Beziehung zwischen den Akteuren beschäftigen.

Coase nennt in seinem Werk Gründe wieso Firmen überhaupt existieren und Transaktionen nicht nur am freien Markt getätigt werden. Er bricht mit der Vorstellung, der Markt sei vom Preissystem koordiniert und verteile Ressourcen bestmöglich, denn dann dürfte es keine Firmen geben. Der Austausch von Dienstleistungen und Waren am freien Markt ist nicht kostenlos, es fallen Transaktionskosten an. Diese sind laut Coase der wesentlichste Grund, weshalb es überhaupt Firmen gibt. Transaktionskosten werden in einer Firma durch den Manager ersetzt, der all die Transaktionen innerhalb der Firma koordiniert und somit Geld spart. Durch diese Annahme leitet er auch ab, dass es so lange sinnvoll ist, eine Firma zu vergrößern, bis die Oranisationskosten gleich den Transaktionskosten am freien Markt sind.

Alchians und Demsetzs Analyse der Teamproduktion kann als eine Art Erweiterung und Präzisierung von Coases Werk gesehen werden. Laut ihnen wird durch Teamwork ein zusätzlicher Output erzielt. Der Erfolg hängt stark von der Koordination dieses Teams ab. Die Entlohnung sollte der Produktivität entsprechen, denn sonst besteht kein logischer Anreiz zur Arbeit. Messprobleme und Probleme der sinkenden Leistungserbringung aufgrund der asymetrischen Informationsverteilung können auftreten aber durch das Schätzen der Grenzproduktivität aufgrund von Beobachtungen des Inputverhaltens überwunden werden.

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Es wird also ein Überwacher benötigt. Dieser kann nur effektiv motiviert werden, wenn ihm der Gewinn der Firma zukommt, ansonsten müsste der Überwacher selbst überwacht werden. Alchians und Demsetzs beschreiben hier also eine Principal- Agent Theorie mit dem Ziel die asymetrische Informationen innerhalb der Firma zu überwinden.

Sie unterscheiden zwischen öffentlichen, freien Märkten und Firmen, die sie als im Privatbesitz befindlichen Markt sehen. „Private“ Märkte, also Firmen, stehen in Konkurrenz zu den Öffentlichen und haben diesen voraus, dass sie teilweise effizienter funktionieren.