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BFH v. 29.06.1993 - VI R 77/91 BStBl 1993 II S. 837

Aufwendungen für die Reinigung von typischer Berufskleidung in der


privaten Waschmaschine sind Werbungskosten

Leitsatz
1. Aufwendungen eines Polizeibeamten für die Reinigung seiner Diensthemden sind als Werbungskosten
abziehbar.
2. Zur Ermittlung der Werbungskosten bei Reinigung typischer Berufskleidung mit der privaten
Waschmaschine.

Gesetze: EStG § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6


Instanzenzug :
FG Köln

Tatbestand
I. Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) ist Polizeibeamter. Im Streitjahr machte er Aufwendungen für das
Reinigen seiner Diensthemden als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit
geltend. Er bezifferte die Kosten eines Waschmaschinenlaufs aufgrund einer Untersuchung der
Verbraucherzentrale und ging davon aus, daß für das Reinigen der Diensthemden eine bestimmte Anzahl
Läufe erforderlich waren.
Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt - FA -) versagte den begehrten Abzug.
Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Es führte aus, es sei nicht auszuschließen, daß in den vom Kläger
zur Reinigung seiner Diensthemden durchgeführten Waschmaschinenläufen auch außerberuflich genutzte
Wäsche mitgewaschen worden sei.
Mit ihrer Revision rügen die Kläger Verletzung materiellen Rechts.
Sie beantragen sinngemäß, die Vorentscheidung und die Einspruchsentscheidung des FA aufzuheben und
den Einkommensteuerbescheid für das Streitjahr insoweit zu ändern, als die geltend gemachten
Aufwendungen als Werbungskosten anerkannt werden.
Das FA beantragt, die Revision zurückzuweisen.

Gründe
II. Die Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Zurückverweisung der Sache
an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung ( § 126 Abs. 3 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung -
FGO -).
Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sind Werbungskosten Aufwendungen zur
Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen. Es sind Aufwendungen, die objektiv durch die
spezifischen beruflichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen veranlaßt sind und subjektiv zur Förderung seines
Berufs getätigt werden (Beschluß des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 27. November 1978 GrS 8/77, BFHE
126, 533, BStBl 1979 II S. 213; BFH-Urteil vom 23. März 1984 VI R 182/81, BFHE 141, 18, BStBl 1984 II S.
557).
Aufwendungen für die Anschaffung, Instandsetzung und Reinigung von Bekleidung sind grundsätzlich den nicht

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als Werbungskosten berücksichtigungsfähigen Kosten der allgemeinen Lebensführung zuzuordnen. Sie sind
nach § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG auch dann nicht abziehbar, wenn die Bekleidung nahezu ausschließlich während
der Berufsausübung getragen wird ( BFH-Urteil vom 20. November 1979 VI R 25/78, BFHE 129, 149, BStBl
1980 II S. 75). Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt aber nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG bei
Aufwendungen für typische Berufskleidung. Dies ist Kleidung, die als Arbeitsmittel ihrer Beschaffenheit nach
objektiv nahezu ausschließlich für die berufliche Verwendung bestimmt und wegen der Eigenart des Berufs
nötig ist ( BFH-Urteil vom 18. April 1991 IV R 13/90, BFHE 164, 419, BStBl 1991 II S. 751). Darunter fallen
auch die Diensthemden des Klägers als Bestandteil seiner Uniform ( BFH-Urteil vom 4. Februar 1972 VI R
256/68, BFHE 104, 445, BStBl 1972 II S. 379). Zwar dient auch typische Berufskleidung neben ihrer
besonderen beruflichen Zweckbestimmung regelmäßig dem Bedürfnis, bekleidet zu sein, und damit der
allgemeinen Lebensführung. Nach der ausdrücklichen Regelung des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG tritt jedoch
bei typischer Berufskleidung der berufliche Bezug derart in den Vordergrund, daß der Bezug zur allgemeinen
Lebensführung nach dem Willen des Gesetzgebers für die Einkommensbesteuerung vernachlässigt werden
kann.
Ist ein Kleidungsstück als typische Berufskleidung zu qualifizieren, sind nicht nur die Anschaffungskosten,
sondern auch sonstige Aufwendungen zu seiner Instandhaltung oder Reinigung Werbungskosten ( BFH-Urteile
vom 9. März 1979 VI R 171/77, BFHE 127, 522, BStBl 1979 II S. 519, und vom 23. Februar 1990 VI R
149/87, BFH/NV 1990, 765). Dabei kommt es nicht darauf an, daß Reinigungsaufwendungen in jedem Falle,
also auch beim Tragen bürgerlicher Kleidung, angefallen wären. Denn das Gesetz läßt den Abzug von Kosten
der Anschaffung typischer Berufskleidung zu, obwohl sie, wie z.B. eine Uniform, die Beschaffung der sonst
erforderlichen Kleidung entbehrlich machen kann. Auf das Entstehen von Mehraufwand kommt es nach dem
eindeutigen Wortlaut des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG weder bei der Anschaffung noch beim Instandhalten
oder Reinigen typischer Berufskleidung an.
Die Aufwendungen des Klägers für das Reinigen der Diensthemden sind auch dann beruflich veranlaßt, wenn
sie im eigenen Haushalt anfallen. Dies gilt für die unmittelbaren Kosten des Waschvorgangs (Wasser- und
Energiekosten, Wasch- und Spülmittel), aber auch für Aufwendungen in Form der Abnutzung der eingesetzten
Waschmaschine ( BFH-Urteile vom 13. März 1964 IV R 158/61 S , BFHE 79, 605, BStBl 1965 III S. 455, und
vom 25. Oktober 1985 III R 173/80, BFH/NV 1986, 281) und für deren Instandhaltung und Wartung. Beruflich
veranlaßt sind diese Aufwendungen auch, soweit sie durch den Betrieb einer Waschmaschine entstehen, die
auch zum Reinigen privater Wäsche genutzt wird. Dies gilt selbst dann, wenn typische Berufskleidung
zusammen mit privater Wäsche in einheitlichen Waschvorgängen gereinigt wird. Die durch das Waschen von
Diensthemden verursachten Aufwendungen können auf der Grundlage der Kosten des einzelnen
Waschmaschinenlaufs geschätzt werden, die z.B. anhand repräsentativer Daten von Verbraucherverbänden
oder Herstellern ermittelbar sind. Der Senat hält eine Schätzung auch in der Form für möglich, daß, ausgehend
von der jährlich anfallenden Menge der zu reinigenden typischen Berufskleidung, die dafür insgesamt
erforderliche Zahl zusätzlicher Waschmaschinenläufe bestimmt und mit den Kosten eines einzelnen
Waschmaschinenlaufs vervielfältigt wird (vgl. z.B. das Urteil des FG Berlin vom 22. Oktober 1991 I 220/80,
Entscheidungen der Finanzgerichte 1982, 463).
Da der Vorentscheidung eine abweichende rechtliche Beurteilung zugrunde liegt, war sie aufzuheben. Die
Sache ist nicht spruchreif, da das FG von seinem Rechtsstandpunkt folgerichtig keine Feststellungen zur Höhe
der Aufwendungen des Klägers getroffen hat. Es wird dies nachzuholen und die Einkommensteuer der Kläger
entsprechend neu festzusetzen haben.

Auf diese Entscheidung wird Bezug genommen in folgenden Verwaltungsanweisungen:


Thueringer_FinMin 25.04.1996 - S 2354 A (Reinigung von Berufskleidung in privater Waschmaschine)
Auf diese Entscheidung wird Bezug genommen in folgenden Gerichtsentscheidungen:
FG Niedersachsen 16.01.2003 - 10 K 82/99, EFG 2003 S. 601 (Steuerliche Behandlung beim Updating
noch...
FG Münster 16.08.2002 - 4 K 7997/99 E, EFG 2003 S. 767 (Werbungskosten:)
FG München 16.07.2002 - 6 K 90/01 (AfA für eine Waschmaschine als Werbungskosten)
FG Hamburg 02.08.2001 - II 123/00 (Wohnwagen als Wohnung im Sinne von § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG)
FG Brandenburg 07.02.2001 - 6 K 1771/00, EFG 2001 S. 812 (Mehraufwendungen wegen doppelter
Haushalts...
FG Baden-Württemberg 08.11.2000 - 12 K 47/99 (Beweislast der beruflichen Veranlassung gemischter
Auf...

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Fundstelle(n):
BStBl 1993 II Seite 837
NWB DokID: BAAAA-94669

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