Zuckersüsse Kunstwerke

Hausgemacht. In Wencke Schmids Backstube an der
Oetlingerstrasse entsteht barockes Zuckerwerk –
hand gefertigte Kuppeltorten, Petits Fours, Gold- und
Blumen kuchen in verführerischer Perfektion. Seite 31 | Freitag, 22. März 2013 | Seite 25

Kultur.
Beseelte Objekte
Ausgestellt. Das Museum der Kulturen präsentiert
in seiner Ausstellung Kult- und Alltags gegenstände aus
Amazonien und fragt nach der Beziehung zwischen
Sammlern und Gesammeltem. Seite 27
AnZeIGe
Brüssel wird zu Barosos Versailles
Der Versuch einer Teil-Enteignung auf Zypern wird als Dammbruch in die Finanzmarktgeschichte eingehen
Von Claude Cueni
Das Parlament in Zypern hat die von
der EU verlangte Teil-Enteignung von
Kontenbesitzern bei zypriotischen Ban-
ken abgelehnt. Aus Angst vor einer mas-
siven Kapitalflucht englischer und rus-
sischer Gelder. Die Sache ist noch nicht
ausgestanden, aber der Schaden bereits
enorm. Vor wenigen Tagen hiess es, die
staatliche Teil-Enteignung der zyprioti-
schen Bankkunden sei einmalig. Doch
wir wissen längst: Alles was in der Poli-
tik einmalig ist, wird früher oder später
zum Standard. Es wird Nachahmer
geben. Entscheidend war nie, ob Zy-
pern in letzter Sekunde die Kleinsparer
ausklammert oder wie hoch die endgül-
tige Enteignung sein wird, entschei-
dend war, dass willkürliche staatliche
Enteignungen über Nacht möglich und
rechtens sind, unabhängig davon, ob es
nun die Spargroschen von Rentnern
oder die Milliarden von Kapitalflücht-
lingen betrit, die in hoch verzinsten
Risiko anlagen investierten.
Die zunehmende Abschaung des
Bargeldes wird es in Zukunft den Regie-
rungen erleichtern, ihre Bürger über
Nacht zu enteignen. Denn wenn jeder
Bürger seine Barbestände nur noch
in digitaler Form auf einem Server hat,
genügt ein staatlicher Klick auf die
Maustaste, um dem Bürger einen Teil
seines Vermögens zu rauben. Ein Ban-
kenrun ist ausgeschlossen, denn früh-
morgens beim Kaee realisiert jeder,
dass es bereits passiert ist. Wer jetzt
glaubt, das sei in einem Rechtsstaat
nicht ohne Weiteres möglich und es gel-
te die staatliche Einlagegarantie, irrt.
Es gibt keine staatliche Garantie
Für die Begründung und juristische
Legitimation stehen Dutzende von
Juristen zur Verfügung. «Der grösste
Bankraub aller Zeiten» (Spiegel Online)
wird einfach als einmalige oder zwei-
malige Sondersteuer deklariert. Marke-
ting ist alles. Deshalb gaben bereits
deutsche und spanische Politiker zu
Protokoll, dass eine Teil-Enteignung
auch in ihren Ländern denkbar sei,
da es ja eine «Steuer» sei und keine
«Enteignung». Das lässt aufhorchen.
Durch die ständige Wiederholung,
dass es eine Einlagegarantie bis 100 000
Euro für Sparguthaben gibt, dämmert
mittlerweile jedem, dass es sie nicht
wirklich gibt. Wie soll übrigens eine
staatliche Garantie möglich sein, wenn
selbst der Garantiegeber bankrott geht?
Es ist nicht ganz frei von Ironie, dass
ausgerechnet jene Leute, die der Wähler
gewählt hat, damit diese seine Anliegen
vertreten, ihr Mandat dazu benutzen,
um die Wählerschaft auszurauben, um
nicht finanzierbare Dinge zu bezahlen,
die man leichtfertig versprochen hat,
um gewählt zu werden. Denn drei Vier-
tel der Politiker, so verschieden sie auch
sein mögen, haben stets ein identisches
Ziel: die persönliche Wiederwahl.
Wer Häuser und Land besitzt, wird
es schwer haben, sich dem staatlichen
Raubzug zu entziehen. Ein Haus lässt
sich nicht einfach eintüten. Die Schlau-
en, die gleich nach der Ankündigung
über ihren Online-Account das gesamte
Guthaben in Schweizer Bluechips um-
wandeln, weil Aktien und Edelmetalle
in der Hektik vergessen wurden, wer-
den sich wundern: Die Server der On-
line-Aktiendepots werden gleichzeitig
mit der Ankündigung stillgelegt.
In allen ähnlichen Finanz-, Wirt-
schafts- und Verschuldungskrisen flie-
hen die Menschen in die Ersatzwährung
Gold, die zwar keine Zinsen abwirft,
aber werthaltig bleibt. Im Gegensatz zu
Papiergeld kann der Wert nie auf null
sinken. Nun ist der Staat wieder am
Zug: Mit einer Sondersteuer auf den
Kauf und Verkauf von physischem Gold.
Dann folgt meistens das Verbot, Gold zu
besitzen, und die Pflicht, das Edelmetall
bei Regierungsstellen zu einem sehr
tiefen Kurs einzutauschen.
Gold schützt Eigentumsrechte
Die Liste all jener Länder und Regie-
rungen, die in den letzten 2000 Jahren
den Goldbesitz unter Strafe gestellt
haben, ist ellenlang. Während der Fran-
zösischen Revolution wurde der Gold-
besitz sogar mit der Guillotine bestraft.
Und bereits Julius Cäsar verbot vor-
übergehend den Goldbesitz. Denn es
ist gemäss Alan Greenspan «für die
Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates
notwendig, dass es für Vermögensbe-
sitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu
schützen, und Gold beschützt Eigen-
tumsrechte».
Diese Eskalationen gehen immer
Hand in Hand mit der Stigmatisierung
der Reichen zum nationalen Feindbild.
Es spielt dabei keine Rolle, wie das
Vermögen erwirtschaftet worden ist. Es
genügt, reich zu sein, um ein Feind des
Volkes zu werden (Sportler, Schauspie-
ler und Popstars sind interessanterwei-
se davon ausgenommen). Wer ein gros-
ses Vermögen hat, wird keine Mühe
haben, das Land zu verlassen. Die Scha-
denfreude der Einheimischen wird von
kurzer Dauer sein, denn der Steueraus-
fall wird kompensiert mit einer höheren
Belastung des Mittelstandes. Bis eines
Tages alle gleich wenig haben. Das führt
dann in der Regel zu sozialen Unruhen,
die in eine Revolution münden mit all
ihren Verirrungen.
Es war bisher undenkbar, dass
Kleinsparer plötzlich über Nacht teil-
weise enteignet werden, um Banken zu
retten. Ab jetzt ist alles denkbar. Auch
Kleinparer in Spanien, Italien, Portugal
fragen sich, ob sie eines Morgens
aufwachen und vielleicht 20 % weniger
auf ihrem Konto haben. Einige werden
das Geld zu Hause horten (wie die
Griechen), was die Einbruchswelle
erfahrungsgemäss verzehnfacht. Der
deutsche Wirtschaftsweise Peter Bo-
finger kommentiert vielsagend: «Euro-
pas Bürger müssen nun um ihr Geld
fürchten.»
Egal, wie die Zypernkrise weiter ver-
läuft: Der Damm ist gebrochen, es darf
nun überall auf der Welt über willkür-
liche staatliche Enteignungen diskutiert
werden, und es ist nicht ganz ausge-
schlossen, dass eines Tages ein Nicht-
EU-Land wie die Schweiz genötigt wird,
seine Bürger teilweise zu enteignen, um
seinen Beitrag an die «europäische
Idee» zu leisten, denn bekanntlich
knicken unsere Bundesräte bereits in
voraus eilendem Gehorsam ein, wenn
die EU laut über etwas nachdenkt.
Europäische Werte verpBichten
Schwerer wiegt aber der enorme
Vertrauensverlust, den die EU mit ihrem
Enteignungsversuch ausgelöst hat. Und
wer traut der EU heute noch die
Lösung der Krise zu, wo sie doch erneut
bewiesen hat, dass sie nicht in der Lage
ist, die Konsequenzen ihres Tuns richtig
abzuschätzen? Die EU hat den Boden
für neue zwischenstaatliche Konflikte
gelegt, weil sie im Grunde genommen
den dubiosen Finanzplatz Zypern
zerstören wollte. Konflikte entstehen
schneller als man denkt, und es wäre
kein abwegiger Verlauf, wenn ausge-
rechnet jene Romantiker, die eine EU
wollten, um nach dem zweiten Welt-
krieg den Frieden in Europa für immer
zu sichern, mit genau dieser EU einen
ernsthaften europäischen Konflikt ent-
fesselten.
Leider haben die Menschen kein
historisches Gedächtnis. Was sich im
Laufe ihres Lebens noch nie ereignet
hat, halten sie für unmöglich. Wir ver-
gessen dabei, dass es in der Geschichte
der Menschheit kaum eine Generation
gegeben hat, die nicht entweder von
Seuchen, Kriegen, Hungersnöten, Na-
turkatastrophen oder Finanz- und Wirt-
schaftskrisen heimgesucht worden ist.
Historiker werden eines Tages den
Versuch der willkürlichen staatlichen
Teil-Enteignung im Jahre 2013 als
Dammbruch in der europäischen Finanz-
marktgeschichte bezeichnen. Von da an
glaubte kein Europäer mehr an Rechts-
sicherheit, Staatsgarantien, sichere Ren-
ten und den Schutz des Privat eigentums.
Von da an war Europa eine Bananen-
union, und Staat und Finanzplatz hatten
jegliches Vertrauen verloren.
Ihre Exzellenz Baroso (ozielle An-
rede) wird in die Geschichte eingehen
als der Sonnenkönig von Brüssel, der
zusammen mit seinem Hofstaat (Kos-
ten: 1,2 Millionen Euro pro Person) die
Rückabwicklung der Errungenschaften
der Französischen Revolution mit dem
neuen Gesetz zur Erhaltung der «Quali-
tät der Berichterstattung» beendete.
Barosos Kommission plant eine gesetz-
liche Verpflichtung zur «Verbreitung
europäischer Werte». Missachtungen
sollen mit Geldbussen oder Lizenzent-
zug (!) bestraft werden. Von da an wäre
die Enteigung auf Zypern in den Medi-
en oziell keine Enteignung mehr und
Brüssel wäre Versailles.
Claude Cueni ist Schriftsteller und
Drehbuchautor. er schrieb u.a. historische
Romane über den Papiergelderfnder
John Law und den Henker von Paris zur Zeit
der Französischen Revolution.
Schlangestehen vor der Bank. Die Angst der Zyprioten spiegelt ein grundlegendes Misstrauen in die Absichten und das Krisenmanagement der eU wider. Foto Keystone
K a r t e n b e i a l l e n b e k a n n t e n V o r v e r k a u f s s t e l l e n !
12.05.2013
BASEL
ST. JAKOBSHALLE
Männer sind schuld, sagen die Frauen

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