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Das absolute Gehör: Ein Fluch oder Segen?

Ein kurzer Beitrag zur allgemeinen Diskussion von Kay Tokner - TEIL 1

1: Was ist das absolute Gehör?

Definition:
Als absolutes Gehör (engl.absolute pitch) oder Tonhöhengedächtnis bezeichnet man die meist
angeborene aber auch teilweise erlernbare Fähigkeit eines Menschen, die Höhe eines beliebigen
gehörten Ton zu bestimmen, d.h., ihn innerhalb eines Tonsystems exakt einzuordnen. (Die
Fähigkeit, Töne in ihrer tatsächlichen Lage ohne vorgegebenen Bezugston zu erkennen und zu
bestimmen.) Hierbei wird zwischen mehreren Möglichkeiten der Definition unterschieden.

Es wird unterschieden zwischen dem passiven (die Höhe gehörter Töne kann exakt angegeben
werden) und dem aktiven absoluten Gehör (gewünschte Töne können aus dem Stehgreif
angesungen werden), wobei das aktive absolute Gehör das Passive beinhaltet. Das aktive absolute
Gehör setzt zusätzlich eine ausgeprägte musikalische Vorstellungskraft voraus.

2: Das absolute Gehör während meiner Kindheit:

In meiner frühen Kindheit wurde bei mir das absolute Gehör „diagnostiziert.“ Von da an galt ich
vielerorts als „musikalisches Wunderkind“, was mir allerdings nicht wirklich gefiel. Es war mir
damals eher unangenehm mit dieser Fähigkeit ausgestattet zu sein und die unterschiedlichen,
kleinen Kunststücke vorzuführen, die ich als Junge im Alter von 3-8 Jahren beherrschte.

Wie so vieles im Leben, änderte sich dieser Umstand, als ich auf das Gymnasium wechselte und
etwas älter wurde. Ab dem Alter von etwa 12 Jahren empfand ich diese Gabe als ziemlich “cool“.
Auf musikalischer Seite wusste ich in der Schule immer alles besser als meine verzweifelten
Musiklehrer, von denen kein einziger diese Fähigkeit besaß und ich half im Verlauf meiner
musikalischen Ausbildungen meinen Kollegen und Mitschülern, mit den für sie viel zu
anstrengenden und schwierigen Gehörbildungsübungen (obwohl es bei den Übungen immer nur um
das relative Gehör ging:-). Es sollte nicht mein Schaden sein...

Im Alter von etwa 15 Jahren hatte ich ein sehr gut ausgeprägtes absolutes Gehör, wodurch ich in der
Lage war je nach Konstellation bis zu 11 Töne gleichzeitig auf dem Piano herauszuhören. Darauf
war ich zugegebenermaßen damals sehr stolz, denn niemand kann einen Absoluthörer, der auch nur
annähernd in der Lage war, so viele Töne gleichzeitig herauszuhören.

Diese hohe Anzahl an gleichzeitig zu benennenden Töne war allerdings definitiv reine Übungssache
und Instrumenten bezogen. Nach einigen Jahren ohne weitere Übung hörte ich nur noch, je nach Art
der Anschlag-Konstellation, zwischen 4-7 Tönen bei einmaligem, gleichzeitigem Anschlagen der
Klaviertasten. Mein Melodiegedächtnis war ebenfalls hervorragend ausgebildet. Ich konnte relativ
lange Passagen nach einmaligem Hören sofort mit dem richtigen Anfangston nachspielen, ebenso
Dreiklänge/ Fünfklänge etc. Diese Fähigkeit Melodien herauszuhören und nach zuspielen war
ebenfalls reine Übungssache.
Beim Absoluthören verhält es sich wie mit vielen anderen Dingen im Leben. Beschäftigt man sich
intensiv damit, so wird man in der Regel eindeutig leistungsfähiger, man wird besser. Genauso
verhält es sich aber auch umgekehrt. In den Jahren, in denen ich weniger Gehörübungen
durchgeführt habe wurde mein absolutes Gehör deutlich schlechter. Natürlich konnte ich noch
immer sofort ein C von einem D unterscheiden, dass werde ich, denke ich, niemals verlernen,
jedoch die Anzahl der gleichzeitig angeschlagener Töne und deren Benennung dauerte deutlich
länger. Die Mehrklänge, die Klangschwebungen waren einfach nicht mehr so präsent.

Ich machte Fehler auch bei normalerweise für mich einfachen Drei-und Vierklängen.
Nach einigen Jahren fing ich wieder an mein absolutes Gehör intensiver zu trainieren und es stellten
sich meine alten Gehörleistungen ein.

Richtig interessant und teilweise auch recht amüsant war und ist es, wenn ich Töne von
Gegenständen wie Gläser, Fensterscheiben oder Tischtennishölzern benenne und daraus bestimmte
Funktionen oder Eigenschaften ableite. In den folgenden Ausgaben werde ich von einigen
amüsanten Erlebnissen berichten.

Auf zwischenmenschlicher, sozialer Ebene ist auch die Sprachmelodie, und Sprachtonhöhe im
Verlauf eines Gespräches unter Gesprächspartnern von interessanter und manchmal sehr
aufschlussreicher Bedeutung. Da kann man in Verkaufsgesprächen und Seminaren, Konferenzen
durchaus sehr punkten. Der zweite Teil folgt in Kürze und beschäftigt sich mit Komposition in
Gedanken und Gehörtraining ohne Instrumente oder Gegenstände.

Herzlichst Ihr

Kay Tokner

http://www.kaytokner.com
http://www.exklusive-kompositionen.de

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