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Schilddrüsenkarzinom

Der Schilddrüsenkrebs ist der häufigste endokrine Krebs. Er ist einer der wenigen Krebsarten, die in den letzen
Jahren an Häufigkeit zugenommen hat. Sie wird in den Vereinigten Staaten erwartet, dass 2007 11% mehr neue
Schilddrüsenkrebserkrankungen zu erwarten sind als 2006. Die amerikanische Krebsgesellschaft schätzt, dass
ungefähr 33.550 neue Fälle von Schilddrüsenkrebs im Jahr 2007 in den USA zu erwarten sind. Von diesen neuen
Fällen werden ungefähr 25.480 bei Frauen und ungefähr 8.070 bei Männern auftreten. Ungefähr 1.530 Patienten
(880 Frauen und 650 Männer) werden 2007 in den Vereinigten Staaten an Schilddrüsenkrebs sterben.

Symptome
Viele Patienten, besonders in den frühen Stadien des Schilddrüsenkrebses haben keine Beschwerden. Wenn sich
der Krebs jedoch weiter entwickelt, können folgende Symptome auftreten: eine Schwellung oder ein Knoten am
Hals, Heiserkeit oder Schwierigkeiten beim Sprechen, vergrößerte Lymphknoten, Schwierigkeiten beim
Schlucken oder Atmen, Schmerzen im Halsbereich.

Es gibt mehrere Schilddrüsenkrebsarten: papillär, follikulär, medullär, anaplastisch und seltene Varianten.

Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome werden als differenzierter Schilddrüsenkrebs bezeichnet und
sind für 80 bis 90% aller Schilddrüsenkrebserkrankungen verantwortlich. Frühzeitig genug entdeckt, können die
meisten papillären und follikularen Schilddrüsenkrebserkrankungen erfolgreich behandelt werden.

Medulläre Schilddrüsenkarzinome (MTC) sind für 5 – 10% aller Schilddrüsenkrebserkrankungen


verantwortlich. Wenn der medulläre Schilddrüsenkrebs entdeckt wird, bevor er sich auf andere Körperregionen
ausgebreitet hat, ist er leichter zu behandeln und zu kontrollieren. Es gibt zwei Arten des medullären
Schilddrüsenkrebses: der sporadische und familiäre. Die genetische Testung auf das sogenannte RET-
Protoonkogen sollte bei allen Angehörigen von Patienten mit MTC durchgeführt werden, um zu entscheiden, ob
genetische Veränderungen vorhanden sind, die die Entwicklung eines MTCs voraussagen. Bei Personen mit
diesen genetischen Veränderungen ist die Entfernung der Schilddrüse während der Kindheit mit einer hohen
Wahrscheinlichkeit der Heilung verbunden.

Der anaplastische Schilddrüsenkrebs ist der seltenste und ist für 1 – 2% aller Schilddrüsenkrebserkrankungen
verantwortlich. Diese Art des Krebses ist schwierig zu kontrollieren und zu behandeln, weil es sich im einen sehr
aggressiven Schilddrüsenkrebs handelt.

Die Behandlung des Schilddrüsenkrebses umfasst den chirurgischen Eingriff, Radiojodtherapie, externe
Strahlentherapie und Chemotherapie. In den meisten Fällen unterziehen sich die Patienten einem chirurgischen
Eingriff, um den Großteil der Schilddrüse zu entfernen. Bei Patienten mit papillärem und follikulärem
Schilddrüsenkrebs wird anschließend eine Schilddrüsenhormonersatztherapie gewählt, die gewöhnlich hoch
genug ist, um das Thyroidea-stimulierende Hormon (TSH) deutlich unter dem Normalbereich zu supprimieren.
Auf diese Weise wird das Wachstum von Tumorzellen verhindert, während zur gleichen Zeit die notwendigen
Schilddrüsenhormone dem Körper zur Verfügung gestellt werden.

Folgende Faktoren stehen mit einem Schilddrüsenkrebs in Verbindung: in der Familie ist bereits ein
Schilddrüsenkrebs aufgetreten, Geschlecht (bei Frauen tritt der Schilddrüsenkrebs häufiger auf), Alter (die
meisten Fälle treten bei Menschen über 40 Jahren auf, obgleich Schilddrüsenkrebserkrankungen alle
Altersgruppen von der Kindheit bis ins hohe Alter betrifft), eine frühe Bestrahlung der Schilddrüse.

Während die Aussichten für die meisten Schilddrüsenkrebspatienten sehr gut sind, kann in bis zu 30% der Fälle
der Schilddrüsenkrebs wieder auftreten (= Rezidiv). Die Rezidive können sogar Jahrzehnte nach der
Erstdiagnose auftreten. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass die Patienten eine regelmäßige Nachsorge
erfahren, um evtl. eine erneute Krebserkrankung zu entdecken. Diese Nachsorge sollte lebenslang erfolgen.

Die Nachsorge kann folgende Maßnahmen umfassen: Blutuntersuchung (TSH, Thyreoglobulin, CEA,
Calcitonin), körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren (Ultraschall, Ganzkörperszintigramm,
Röntgenuntersuchung der Lunge, CT, MRT, PET).
Beim Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) gibt es mehrere Varianten, die sich hinsichtlich Therapie
und Heilungschancen deutlich unterscheiden.

So gibt es das

• Papilläre Schilddrüsenkarzinom (81%)


• Follikuläre und Hürthl-Zell-Karzinom (14%)
• Medulläre Schilddrüsenkarzinom (3%)
• Anaplastische Schilddrüsenkarzinom (2%)

Wann sollte man an ein Schilddrüsenkarzinom denken?

Sehr hohe Verdachtsmomente sind

• In der Familie ist bereits ein medulläres Schilddrüsenkarzinom vorgekommen


• Schnelles Wachstum des Knotens, besonders unter Schilddrüsenhormoneinnahme
• Ein sehr harter, nicht verschieblicher Knoten
• Stimmbandlähmung (Heiserkeit)
• Vergrößerte Lymphknoten am Hals

Weitere Verdachtsmomente sind

• Alter >20<70
• Männliches Geschlecht
• Zurückliegende Kopf- und Halsbestrahlung
• Ein Knoten >4 cm oder teilweise zystisch
• Kompressionssymptome wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Luftnot, Husten

Der differenzierte Schilddrüsenkrebs – Welche Operation?

Für die meisten Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsenkrebs (papillär, follikulär) sollte eine fast
komplette (near total) oder komplette Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie) vorgenommen werden
(Tumorgröße >1-1.5 cm). Die Entfernung eines Schilddrüsenlappens alleine (Lobektomie,
Hemithyreoidektomie) kann für ein kleines papilläres Schilddrüsenkarzinom (-krebs) ausreichend sein – wenn es
in der Schilddrüse liegt (also nicht am Rand) und keine befallenen Halslymphknoten vorliegen.

Der differenzierte Schilddrüsenkrebs – Eine Frage der Lymphknoten

Regionale Lymphknotenmetastasen (also im Halsbereich) sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eines
Schilddrüsenkrebses in 20% - 90% aller Patienten mit papillärem Karzinom und zu einem geringeren Ausmaß
bei anderen Histologietypen (feingewebliche Untersuchung) vorhanden. In vielen Fällen sehen diese befallenen
Lymphknoten bei der Betrachtung mit bloßem Auge unauffällig aus.
Deswegen sollte die zentrale Lymphknotenausräumung (die Lymphknotenstation unmittelbar an die Schilddrüse
angrenzend) beim papillärem Schilddrüsenkarzinom und bei vermutetem Hürthl-Zell-Karzinom routinemäßig
durchgeführt werden.
Die laterale Lymphknotendissektion (-ausräumung des seitlichen Halsdreiecks, Kompartimente II-VI) sollte
dann vorgenommen werden, wenn bereits vor der Operation durch Ultraschall oder dann während der Operation
Lymphknotenmetastasen festgestellt werden.

Nach der Operation eines Schilddrüsenkrebses – Vorbereitung zur Radiojodtherapie

Für die Radiojodtherapie nach der Operation eines differenzierten Schilddrüsenkrebses (papillär, follikulär) ist es
wichtig, dass das zentrale Steuerhormon TSH deutlich erhöht ist. So sprechen Studien dafür, dass ein TSH-Wert
von mehr als 30 mU/L zu einer vermehrten Radiojodaufnahme in Tumore führt, in der Konsequenz also zu
radikalerer Zerstörung von Krebszellen. Meistens wird die Erhöhung des TSH auf folgenden einfachen Wegen
erreicht – L-Thyroxin (LT4) wird für mindestens drei Wochen nicht gegeben, danach sollte der THS-Wert über
30 mU/L liegen.
Ist nach der Operation eines Schilddrüsenkrebses eine Radiojodtherapie notwendig?

Nach der Operation eines differenzierten Schilddrüsenkrebses (papillär, follikulär) ist in der Regel eine
Radiojodtherapie notwendig, um eventuell noch vorhandenes Restschilddrüsengewebe zu zerstören.

Nach der Radiojodtherapie des Schilddrüsenkrebses – Was ist zu beachten?

Nach der Radiojodtherapie eines differenzierten Schilddrüsenkrebses wird typischerweise eine Woche später
eine Ganzkörperszintigraphie durchgeführt, um noch eventuell vorhandene Tochtergeschwülste (=Metastasen)
aufzuspüren. Eine externe Strahlentherapie wird bei Patienten in Betracht gezogen, die zum Zeitpunkt der
Operation einen großen, die Schilddrüse überschreitenden Tumor aufweisen, oder bei denen das Risiko eines
mikroskopisch kleinen Resttumors groß ist. Eine Chemotherapie spielt bei der Therapie des differenzierten
Schilddrüsenkrebses keine Rolle.

Schilddrüsenkrebs – Welche Rolle spielt die TSH-Suppressionstherapie?

Die Behandlung eines differenzierten Schilddrüsenkrebses (Operation, Radiojodtherapie) schließt auch die
nachfolgende TSH-Suppressionstherapie mit ein.
Was ist darunter zu verstehen?
Auf den Zellen des differenzierten Schilddrüsenkrebses befindet sich ein Rezeptor für TSH, das zentrale
Steuerhormon TSH kann also diese Zellen in ihrem Wachstum stimulieren. Dies kann man verhindern, indem
TSH unterdrückt (=supprimiert) wird.
Wie erreicht man das?
Ganz einfach, der Patient nimmt L-Thyroxin als Tabletten ein. Folgende Empfehlung gilt: TSH sollte bei high-
risk-Patienten unter 0.1 mU/ml, bei low-risk-Patienten im Bereich von 0.1-0.5 mU/L liegen.

Schilddrüsenkrebs – Tumornachsorge

Die akkurate Überwachung auf ein mögliches Wiederauftreten des differenzierten Schilddrüsenkrebses bei
Patienten, die durch Operation und Radiojodtherapie tumorfrei geworden sind, ist das oberste Ziel der
Nachsorge.

Dabei unterscheidet die Nachsorge unterschiedliche Risiken für das Persistieren oder Wiederauftreten (=Rezidiv)
des Schilddrüsenkrebses

Low-risk-Patienten

• Keine lokalen oder Fernmetastasen


• Der Tumor konnte operativ komplett entfernt werden (mit bloßem Auge = makroskopisch lässt sich
kein Tumorrest nachweisen)
• Es gibt keine Tumorinvasion von benachbartem Gewebe oder Strukturen
• Der Tumor zeigt keine aggressive Histologie (= feingewebliche Untersuchung) oder eine Invasion von
Gefäßen (=Blutadern)
• Bei einem Ganzkörperszinitgramm wird nach der ersten Behandlung außerhalb des Schilddrüsenbettes
keine Aktivität nachgewiesen

Intermediate-risk-Patienten

• Mikroskopische Tumorinvasion von Geweben, die an die Schilddrüse angrenzen


• Aggressive Histologie

High-risk-Patienten

• Der Tumor konnte nicht ganz entfernt werden


• Fernmetastasen
• Mit bloßem Auge kann eine Tumorinvasion benachbarter Gewebe erkannt werden
• Bei einem Ganzkörperszintigramm kann außerhalb des Schilddrüsenbettes Aktivität nachgewiesen
werden

Welche Rolle spielt die Bestimmung von Thyreoglobulin in der Nachsorge von Patienten mit
Schilddrüsenkrebs?

Serum-Thyreoglobulin ist ein wichtiger Laborwert, um Schilddrüsenkrebs zu entdecken, besonders nach


kompletter Entfernung der Schilddrüse und Radiojodtherapie. Nach Absetzen der Schilddrüsenhormontabletten
(TSH wird dadurch stimuliert) ist die Bestimmung von Thyreoglobulin besonders aussagekräftig, denn unter
einer TSH-Suppressionstherapie (= Schilddrüsenhormontabletten „unterdrücken“ das zentrale Steuerhormon
TSH) ist es möglich, dass bei kleinen Tumoren Thyreoglobulin nicht erhöht ist.

Umgekehrt kann es sogar unter TSH-Stimulationsbedingungen entweder durch Absetzen der


Schilddrüsenhormontabletten oder durch die Gabe von pharmazeutisch hergestelltem TSH (= rekombinantes
TSH) vorkommen, dass Thyreoglobulin normal ist, weil Antikörper gegen Thyreoglobulin vorliegen (kommt in
ca. 25% der Patienten mit Schilddrüsenkrebs vor; die Antikörper erniedrigen fälschlicherweise Thyreoglobulin),
oder weil die vorhandenen Tumorzellen Thyreoglobulin nicht produzieren können (eher selten).

Serum-Thyreoglobulin sollte alle 6 – 12 Monate bei Patienten in der Nachsorge eines Schilddrüsenkrebses
gemessen werden. Gleichzeitig sollten die Thyreoglobulin-Antikörper mit erfasst werden.

Thyreoglobulin-Werte (stimuliert, nicht-stimuliert) größer als 2 ng/ml, die mit der Zeit ansteigen, sind als
Zeichen zu interpretieren, dass die Erkrankung wieder aufgetreten ist (= Rezidiv).

Schilddrüsenkrebs – in der Tumornachsorge sind Tochtergeschwülste festgestellt worden …

Metastasen (= Tochtergeschwülste) des differenzierten Schilddrüsenkrebses, die in der Nachsorge entdeckt


werden, sind meistens aus Tumorzellen entstanden, die die initiale Therapie „überlebt“ haben.
Die nachfolgende hierarchische Reihenfolge listet die zu prüfenden Therapiemöglichkeiten auf

• Wenn möglich: chirurgische Entfernung des Tumors


• Radiojodtherapie
• Externe Strahlentherapie
• Sorgfältige weitere Beobachtung bei stabilen Patienten, die keine Beschwerden haben
• Chemotherapie

Wenige Patienten können von einer Radiofrequenz-Ablatio (-zerstörung), einer Alkohol-Ablation oder
Chemoembolisation des Tumors profitieren.

Wenn der Schilddrüsenkrebs wiederkommt …

Wenn der differenzierte Schilddrüsenkrebs lokal (= am Hals, also dort, wo er entstanden ist) wiederkommt (=
Rezidiv) und keine Fernmetastasen (= Tochtergeschwülste) vorliegen, dann steht die chirurgische Therapie an
erster Stelle.
Das bedeutet, dass die betroffenen Kompartimente (= genau definierte anatomische Regionen) am Hals unter
Erhaltung von Nerven, Gefäßen (= Adern) und Muskulatur ausgeräumt werden, da der Tumor meistens eine
größere Ausdehnung hat, als man vor der Operation durch Ultraschall oder Computertomographie feststellen
kann.
Greift der Tumor Speiseröhre und/oder Luftröhre an, ist die Resektion (= Entfernung) der tumortragenden Areale
anzustreben. Wenn eine Operation nicht angeraten erscheint, können Eingriffe, die die Lebensqualität verbessern
(=Palliation), zur Anwendung kommen. Dazu zählen Stents, die Verengungen in der Luftröhre oder Speiseröhre
überbrücken, aber auch die Lasertherapie. Unter Umständen ist auch ein Luftröhrenschnitt (= Tracheotomie)
erforderlich. Meistens wird eine Radiojodtherapie als zusätzliche (= adjuvante) Therapie (auch nach einer
Operation) eingesetzt.

Schilddrüsenkrebs – Wenn Lungenmetastasen nachgewiesen werden

Hat der differenzierte Schilddrüsenkrebs Tochtergeschwülste (= Metastasen) in die Lunge gesetzt, sind folgende
Kriterien bei der Wahl des therapeutischen Verfahrens von Bedeutung:
• Große der Metastasen – makro-nodulär (= groß-knotig), typischerweise bei einer Röntgenaufnahme der
Lunge entdeckt oder mikro-nodulär (= klein-Knotig), typischerweise bei einer Computertomographie
nachgewiesen
• Radiojodaufnahme der Metastasen vorhanden oder nicht? Haben die Metastasen bereits eine
Empfindlichkeit auf eine frühere Radiojodtherapie gezeigt?
• Wie ist das Wachstum der Metastasen (= die Stabilität)?

Mikrometastasen der Lunge sollten mit einer Radiojodtherapie behandelt werden, die alle 6-12 Monate
wiederholt wird, und zwar so lange, wie die Tochtergeschwülste darauf ansprechen.

Makro-noduläre Lungenmetastasen sollten mit Radiojod behandelt werden (unter der Voraussetzung, dass sie
Radiojod aufnehmen), wobei die Therapie wiederholt wird, wenn objektiv ein Nutzen nachweisbar ist
(Tumorgröße verringert sich, Thyreoglobulin-Wert sinkt) – insgesamt ist jedoch in dieser Gruppe das
Ansprechen der Metastasen und das Überleben der Patienten schlecht. Die routinemäßige Behandlung von nicht-
radiojodaufnehmenden Metastasen mit Radiojod kann nicht empfohlen werden.

Viele Patienten mit einem metastasierenden Schilddrüsenkrebs zeigen ein langsames Fortschreiten der
Erkrankung und wenig Symptome. Sie können deshalb oft konservativ mit einer TSH-suppresiven Therapie
behandelt werden.

Für einzelne Patienten müssen aber auch andere Therapien mit berücksichtigt werden – wie z. B. die
chirurgische Entfernung der Metastasen (= Metastasektomie), die endobronchiale (= im Inneren der Luftröhre)
Laser-Ablation (= Zerstörung) oder die externe Strahlentherapie.

Schilddrüsenkrebs – wenn der Knochen durch Metastasen befallen ist

Bei der Entscheidung, welche Therapie gewählt wird, wenn der Schilddrüsenkrebs Knochenmetastasen gesetzt
hat, sind folgende Befunde abzuwägen:

• Gibt es ein Risiko, dass die Metastase zu einem Knochenbruch führen kann (= pathologische Fraktur)?
• Risiko von Nervenschäden durch Wirbelkörperbefall?
• Schmerzen?
• Radiojodspeicherung vorhanden?
• Wird eventuell das Rückenmark durch radiojodspeichernde Metastasen geschädigt?

Als Empfehlung gilt, dass die komplette chirurgische Entfernung von isolierten symptomatischen (=
Beschwerden verursachende) Metastasen mit einem Überlebensvorteil des Patienten einhergeht.

Das gleiche gilt für die Radiojodtherapie von jodspeichernden Metastasen. Wenn Knochenmetastasen in
Regionen entstehen, wo eine akute Schwellung schwere Schmerzen, Knochenbrüche oder Nervenausfälle
verursachen kann, dann sollte eine externe Bestrahlung mit der gleichzeitigen Gabe von Cortison stark in
Betracht gezogen werden.

Für schmerzhafte Knochenmetastasen, die nicht chirurgisch entfernt werden können, stehen mehrere Verfahren,
entweder einzeln oder in Kombination zur Verfügung:

• Radiojodtherapie
• Externe Strahlentherapie
• Radiofrequenz-Ablation (= -zerstörung)
• Periodische Pamidronat- oder Zoledronat-Infusionen, dabei muss eine mögliche Knochen-Nekrose (-
Absterben) beachtet werden
• Radiomedikamente wie Strontiom-89, die bevorzugt sich im Knochen einlagern

Schilddrüsenkrebs – Therapiemöglichkeiten bei Gehirnmetastasen

Gehirnmetastasen eines differenzierten Schilddrüsenkrebses werden typischerweise bei älteren Patenten mit
einer meist fortgeschrittenen Erkrankung festgestellt und sind mit einer schlechten Prognose verbunden. Die
chirurgische Entfernung und die externe Strahlenbehandlung sind die Hauptpfeiler der Therapie. Diese
Empfehlung ist unabhängig davon, ob die Metastasen Radiojod speichern oder nicht.
Schilddrüsenkrebs – Nachsorge – Wenn Thyreoglobulin nachweisbar wird

In der Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkrebses spielt der Tumormarker Thyreoglobulin eine wichtige
Rolle. Wenn nicht-stimuliertes Thyreoglobulin nachweisbar wird, sollten Hals und Brustkorb auf das Vorliegen
einer erneuten Erkrankung durch den Schilddrüsenkrebs untersucht werden. Das wird typischerweise mit
Ultraschall und Computertomographie vorgenommen. Wenn es mit diesen Untersuchungsmethoden nicht
gelingt, einen potentiellen Tumorherd zu lokalisieren, kann bei Patienten mit erhöhtem Thyreoglobulin eine
empirische Radiojodtherapie angezeigt sein. Liegt eine chirurgisch nicht entfernbare Tumormasse vor, sollte die
Radiojodtherapie solange wiederholt werden, bis der Tumor nicht mehr nachweisbar ist oder nicht länger auf die
Therapie anspricht.

Staging Systeme für das papilläre Schilddrüsenkarzinom

In einer Übersichtsarbeit analysieren Brian Hung-Hin Lang und Coautoren 14 Staging Systeme für das papilläre
Schilddrüsenkarzinom.
Alle 14 Staging Systeme sagen das krebsspezifische Überleben signifikant korrekt voraus, das höchste Ranking
erhielten jedoch die drei folgenden Staging Systeme:

• Mayo Klinik (Metastasen, Alter, Komplette Resektion, Invasion, Größe oder MACIS)
• TNM (AJUCC/UICC 6th edition)
• European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC)

Schilddrüsenkarzinom – Die Rolle des PETs

Ein Patient stellt sich zur Nachsorge eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms in der Sprechstunde vor. Bei
erhöhtem Thyreoglobulin besteht der Verdacht auf ein Wiederauftreten der Erkrankung (= Rezidiv). Das
veranlasste Ganzkörperszintigramm mit Jod ergibt jedoch keinen Hinweis darauf. In dieser Situation kann die
Untersuchung mit einem 18-FDG-PET weiterführen (PET=Positronen-Emissions-Tomografie), besonders dann,
wenn nicht-stimulierte Thyreoglobulinspiegel von mehr als 10-20 ng/ml vorliegen. Die Stimulation mit TSH
(endogen durch Schilddrüsenhormon-Pause oder exogen durch rekombinantes TSH) kann dabei die Sensitivität
und Spezifität des FDG-PETs erhöhen.

Schilddrüsenkarzinom – Wenn das Rezidiv chirurgisch nicht entfernbar ist

Wenn in der Nachsorge eines differenzierten Schilddrüsenkrebses ein Wiederauftreten der Tumorerkrankung (=
Rezidiv) nachweisbar ist (mit einem FDG-PET), dann stehen folgende Therapieoptionen zur Verfügung

• Schilddrüsenhormon-Suppressionstherapie
• Externe Strahlentherapie
• Chemotherapie
• Radiofrequenztherapie
• Chemoembolisation
• Bei stabiler Erkrankung Beobachtung ohne weitere Therapie

Schilddrüsenkarzinom – die Rolle der externen Strahlentherapie

Die externe Strahlentherapie sollte beim differenzierten Schilddrüsenkrebs bei folgenden Befunden zum Einsatz
kommen

• Im Halsbereich liegen chirurgisch nicht entfernbare große Tumormassen vor


• Schmerzhafte Knochenmetastasen
• Metastasen an kritischen Lokalisationen, die evtl. zu Brüchen, neurologischen oder Kompressions-
Symptomen führen (Wirbelsäulen-, Gehirn-Metastasen)

Chemotherapie bei metastasierender Erkrankung?

Chemotherapie-Studien für das fortgeschrittene differenzierte Schilddrüsenkarzinom (-krebs), das nicht auf eine
Radiojodtherapie anspricht, sind selten. Eine Monotherapie mit Doxorubicin zeigt bei bis zu 40% der Patienten
ein Ansprechend entweder in Form eines teilweisen Rückganges oder einer nicht weiter fortschreitenden
Erkrankung. Eine dauerhafte Wirkung der Chemotherapie ist selten. In den meisten Fällen zeigen
Kombinationschemotherapie keine bessere Ansprechrate bei gleichzeitig erhöhter Nebenwirkungsrate. Eine
Studie überprüfte den Effekt einer Kombination von Carboplatin und Epirubicin unter TSH-Stimulation und
zeigt insgesamt eine teilweise und komplette Ansprechrate von 37%. Dieses Ergebnis muss aber durch andere
Studien noch bestätigt werden, bevor hierzu eine generelle Empfehlung abgegeben werden kann.

Die Prognose des Schilddrüsenkrebses

Im Allgemeinen ist die Prognose des Schilddrüsenkrebses als gut zu bezeichnen. Für das papilläre
Schilddrüsenkarzinom ist von einer 10-Jahres-Überlebensrate von 93%, für das follikuläre Karzinom von 85%
auszugehen (bei beiden Krebsarten spricht man von differenzierten Karzinomen). Das anaplastische Karzinom
hat eine deutlich schlechtere Prognose: Nur 14 % der Patienten überleben 10 Jahre.

Quellen:
Management guidelines for patients with thyroid nodules and differentiated thyroid cancer. The American
Thyroid Association Guidelines Taskforce.
Staging systems for papillary thyoid carcinoma. A review and comparision. Brian Hung-Hin Lang et al. Ann
Surg 2007

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Ernst Hanisch


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Asklepios Klinik Langen
Akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität

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