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90 WIRTSCHAFT & FINANZEN

Luxemburger Wort Samstag, den 12. April 2008

La vie des sociétés

Nouvelles constitutions

Nei Kiischt s.à r.l. Sitz: 1, rue Sainte-Catherine, L-6717 Grevenmacher Kapital: 12 500 EUR (100 Anteile) Gesellschafterin: Marga Sertznig, Gastwirtin, wohnhaft in L-6743 Grevenmacher Zweck: der Betrieb eines Café- Restaurants mit Ausschank von Getränken und die Zubereitung von Speisen sowie alle Geschäfte und Tätigkeiten, die mit dem Ge- genstand der Gesellschaft zusam- menhängen Gründung: 04/12/2007

Bureau d'Assurances Schmitz & Lentz s.à r.l. Siège social: 13, A Millefeld, L-9776 Wilwerwiltz Capital social: 12.500 EUR (100 parts) Associés: 1) Jean-Marie Schmitz, employé privé, demeurant à L-9776 Wilwerwiltz, 50 parts, 2) Tessy Lentz, agent d'assu- rances, demeurant à L-9776 Wil- werwiltz, 50 parts Objet: la gestion, l'exploitation et la mise en valeur de portefeuilles d'assurances toutes branches, l'activité d'agents d'assurances et tous conseils en assurances et produits dérivés Date de constitution: 28/11/2007

HK Compounding GmbH Sitz: 6, rue du Palais, L-9265 Die- kirch Kapital: 12 500 EUR (100 Anteile) Gesellschafter: Dieter Hanke, Geschäftsführer, wohnhaft in D-53783 Eitorf Zweck: der Handel und die Pro- duktion von Farbund-Additiv- konzentraten sowie Compounds für die kunststoffverarbeitende Industrie, sowie der Import und Export von Waren und Dienstleistungen, insbesondere von Kunststoffen, dazugehörigen Additiven und Hilfsstoffen, Kunststoffhalbzeugen und -Ver- packungen, ferner die Erstellung von Marktstudien und Ökobilan- zen, die Projektentwicklung und Beratung für kunststoffverarbei- tende Unternehmen, Ver- packungshersteller, Groß- und Einzelhandel sowie staatliche Institutionen Gründung: 11/12/2007

Living Tomorrow s.à r.l. Siège social: 21, côte d'Eich, L-1450 Luxembourg Capital social: 12.500 EUR (100 parts) Associés: 1) Christian Merckx, em- ployé privé, demeurant à L-7525 Mersch, 70 parts, 2) Valérie Merckx, employée privée, demeu- rant à L-7525 Mersch, 30 parts Objet: l'achat, la vente, l'import- export de toutes marchandises; l'activité d'agent commercial, ainsi que la prestation de services ad- ministratifs Date de constitution: 13/12/2007

MIJIM s.à r.l. Siège social: Maison 4A, L-9153 Dirbach Capital social: 12.400 EUR (100 parts) Associé: Régis Hempel, adminis- trateur de société, demeurant à L-9153 Dirbach Objet: l'exploitation d'un café avec débit de boissons et petite restauration Date de constitution: 30/11/2007

Interview mit Jacques Santer

„Wir haben Nachholbedarf“

Philanthropie: Der Ehrenstaatsminister hält Gesetzesanpassung für notwendig

VON CORDELIA CHATON

Der ehemalige Premier-, Finanz-, Schatz- und Kulturminister kennt Luxemburg aus seinen Funktionen gut. International sammelte er Er- fahrung als ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission, Vi- zepräsident des Europäischen Par- laments, Mitglied des Gouverneurs- rats der Weltbank und Gouverneur des Internationalen Währungs- fonds. Hinter den Kulissen ist der Ehrenstaatsminister immer noch aktiv; unter anderem im Kulturbe- reich als Verwaltungsratspräsident des Mudam.

Herr Santer, Sie haben in Ihrer

Zeit als Finanzminister, Premier-

minister und Präsident der Euro- päischen Kommission die Geschi- cke des Finanzplatzes maßgeblich beeinflusst. Was halten Sie von Produkten rund um die Philan- thropie?

Nun, ich kann da auf meine Erfah- rung mit Fonds zurückblicken. Als ich Finanzminister war, wurde ja der Grundstein für die heutige Fondsindustrie gelegt. Damals wurde das Thema europaweit dis- kutiert. Wir haben gar nicht lang geredet, sondern die noch in der EU diskutierte Vorlage ganz schnell umgesetzt. Die EU hat erst deutlich später darüber entschie- den. Die Schnelligkeit der Ent- scheidung hat uns Vorteile ge- bracht. Beim Satellitengeschäft war es genau so. Bei der Philan- thropie sind wir etwas ins Hinter- treffen geraten.

Am 23. April findet ein großes

Kolloquium zum Thema statt, bei dem Sie die Abschlussrede halten werden. Wie kam es dazu?

Die Initiative ging von der „Banque de Luxembourg“ aus, die hatten schon einen Rat zum Thema und haben auch die Veran- staltung initiiert. Die Bank möch- te, dass Philanthropie zu einem nationalen Thema wird. Ich habe die Einladung angenommen in der Hoffnung, dass das Resultat der Veranstaltung Impulse für die breite Öffentlichkeit sind.

Kannten Sie das Thema Philan-

thropie vorher? Viele Zeitgenos- sen denken da eher an Philatelie – also Briefmarkenkunde – als an Menschenliebe und Stiftungs- recht

Mir ist das Thema durch meine Funktion als Verwaltungsratsprä- sident des Mudam, des „Musée d’art moderne“, bekannt. Dort sind wir auch auf Mäzene angewiesen. Aber auch aus anderen Funktio- nen ist mir Philanthropie ein Be- griff. So bin ich auch in anderen Stiftungen aktiv, unter anderem bei der neu gegründeten Schenge- ner Friedensstiftung von Hubert Rohde und Matt Lamb. Der ameri- kanische Maler Matt Lamb hat dem Museum seine gesamten Werke vermacht, dafür wird eine Stiftung gegründet. Sie sehen, dass das Thema in Luxemburg sehr aktuell ist.

Sie sehen, dass das Thema in Luxemburg sehr aktuell ist. Ehrenstaatsminister Jacques Santer ist der Meinung,

Ehrenstaatsminister Jacques Santer ist der Meinung, dass Luxemburg beim Thema Philanthropie ins Hintertreffen

geraten sei.

(FOTO: CHARLES CARATINI)

Was soll nach der großen Ver-

anstaltung in der Philharmonie

folgen?

gilt in gleichem Maße für Bürger und Unternehmen.

Große Unternehmen fühlen sich

aber häufig gar nicht mehr ver- pflichtet, sich zu engagieren; vor allem nicht, wenn Sie durch Zukauf nach Luxemburg kommen

Ich hoffe, dass es nicht dabei bleibt. Es sollte ein Follow-up ge- ben, ein regelrechtes Crescendo. Ich hatte schon Gespräche mit Regierungsmitgliedern und Pre- mierminister Juncker, die an dem

Thema interessiert sind. Ich würde gern Ergebnisse sehen. Und die kann es sehr schnell geben.

Deshalb ist deren Einbeziehung so wichtig! Es gibt mittlerweile sogar auf EU-Ebene Richtlinien zur „Corporate Social Responsibility“, also der sozialen Verantwortung

eines Unternehmens gegenüber seiner Umwelt. Unternehmen können und dürfen sich einer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen.

Was bringt Philanthropie den

Luxemburgern?

entziehen. ■ Was bringt Philanthropie den Luxemburgern? Man muss nur nach Deutschland schauen, wo in den

Man muss nur nach Deutschland schauen, wo in den vergangenen Jahren drei Mal das Gesetz geän- dert wurde. Letztlich geht es um eine weitere Stärkung des Bür-

Was hat der Staat von Philanthropie?

In der luxemburgi- schen Gesellschaft ist eine Aufbruchsstim- mung im kulturellen Be- reich spürbar. Doch mit all den neuen Einrichtungen – Philharmo- nie, Theater, Museen oder Festi- vals – wird auch ein Bedarf ge- schaffen, den der Staat auf Dauer nicht allein finanzieren kann. Da- her ist Philanthropie, daher ist Mä- zenatentum wichtig. Es gibt unter- schiedliche Philosophien dazu; in Skandinavien oder Irland ist Hilfe

zur Selbsthilfe stärker ausgeprägt als in zentralistisch geführten Staa- ten.

gerengagements. Das ist der Punkt. Man spürt in der Gesellschaft einen regelrech- ten Boom; immer mehr Menschen wollen sich uneigennützig für an- dere einsetzen. Diese Aufbruchs- stimmung spiegelt sich auch in Luxemburg in der steigenden Zahl der Nichtregierungsorganisatio- nen wider.

Worauf führen Sie das Gut-

mensch-Phänomen zurück?

Die Ursachen sind vielfältig. Der demografische Wandel, der auch dazu führt, dass es weniger Erben gibt, ist sicher ein Punkt. Jene, die schon viel haben, wollen sich nach einem erfüllten Leben oft gern für die anderen engagieren. Sehr wichtig ist dabei die Hilfe zur Selbsthilfe. Das kann auch bedeu- ten, Menschen zu helfen, über sich selbst hinaus zu wachsen. Und das

Das klingt ein bisschen nach

Dritter Welt

Es geht hier nicht um Entwick- lungshilfe – da sind wir im Hin- blick auf den Anteil der Ausgaben am Staatsbudget sicher Vorreiter in Europa – sondern um das Land. Bei Philanthropie kommt es auf das soziale und kulturelle Engage-

ment an; es ist mehr als nur Mäze- natentum. Um das zu fördern, braucht man einen Rahmen. Die-

ser Rahmen ist in verschiedenen Ländern in den vergangenen Jah- ren geschaffen oder aktualisiert worden. Da braucht man nur nach Großbritannien, Belgien, Spanien, Italien, Frankreich oder Deutsch- land zu schauen. Dort wurde das Stiftungsrecht aktualisiert.

Wie sieht es mit dem rechtlichen

Rahmen in Luxemburg aus?

Wir haben im Stiftungswesen Nachholbedarf. Das Gesetz stammt von 1928 und wurde 1994 adaptiert. Daneben wirken ver- schiedene Barrieren hemmend. Das reicht von der Genehmigung durch das Justizministerium für hohe Spenden bis hin zur steuerli- chen Absetzbarkeit. Die Regeln sind zu eng gefasst. Schwierig ist es auch bei grenzüberschreiten- den Spenden. Dabei könnten wir gerade hier Vorreiter sein. In der Großregion wohnen rund zehn Millionen Einwohner; viele Lu- xemburger leben außerhalb der Landesgrenzen. Da gibt es ein Po- tenzial, das nicht zum Tragen kommt. Wenn ein belgischer Bür- ger, der beispielsweise seine Anla- gen in Luxemburg hat, eine Schen- kung machen will, dann hat er derzeit ein weit größeres Angebot über die belgische Foundation Roi Baudoin als in Luxemburg. Neben den Gesetzen und den Fragen grenzüberschreitender Gaben ist

ein dritter Punkt die Struktur. Es wäre gut, auf eine Dachorganisa- tion zurückgreifen zu können, die unabhängig arbeitet. Die Fonda- tion Baudouin ist ein gutes Bei- spiel. Sie ist zwar nach dem König benannt, aber unabhängig – und sie genießt ein hohes Ansehen.

www.philanthropie.lu