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Luxemburger Wort

Samstag, den 19. April 2008 WIRTSCHAFT & FINANZEN 93


Serie Philanthropie: Interview mit Claude Gengler

„Wie Obelix mit dem Zaubertrank …“


Der Geschäftsführer der Stiftung Forum Europa wünscht sich mehr Kooperationsbereitschaft
VON CORDELIA CHATON im Sinne des „Public-private-part-
nership“-Prinzips (PPPP), konn-
Luxemburg hat einen gewissen ten auch schon mal öffentliche
Nachholbedarf im Stiftungswesen, Forschungsgelder verarbeitet
meint Claude Gengler. Es gebe werden. In der Regel tragen sich
zwar Stiftungen, ihre Arbeit werde unsere Kolloquien selbst, etwa
aber in der breiten Öffentlichkeit durch gezieltes Sponsoring und
nicht immer richtig wahrgenom- Teilnehmerbeiträge. Natürlich
men. Dem „Luxemburger Wort“ be- liegt das Geld nicht auf der Straße;
richtet er von seinen Erfahrungen. wenn die Projekte aber wirklich
gut sind, findet man in der Regel
■ Herr Gengler, was macht Ihre eine Finanzierungsmöglichkeit.
Stiftung, warum wurde sie ge-
schaffen und wer steht dahinter? ■ Wie sehen Sie die zukünftige
Entwicklung Ihrer Stiftungsarbeit?
Forum Europa ist eine private Stif-
tung luxemburgischen Rechts Auch eine Stiftung muss sich wei-
ohne Gewinnzweck, mit Sitz in terentwickeln. Nachdem wir jetzt
der Stadt Luxemburg. Sie wurde in der Großregion und darüber
2002 gegründet mit dem Ziel, die hinaus – wir haben bereits mit
Wissenschaft, die Bildung, die Partnern aus Polen, der Schweiz
Forschung, die Kultur sowie die und Portugal gearbeitet – Fuß ge-
wirtschaftliche und soziale Wei- fasst haben, geht es uns darum,
terentwicklung der Großregion neue zukunftsweisende Themen
SaarLorLux/Rheinland-Pfalz/ zu besetzen, beispielsweise Fra-
Wallonien fordernd und fördernd gen des gesellschaftlichen Zusam-
zu begleiten. Vorsitzender des menhalts und der Nachhaltigkeit.
Verwaltungsrates ist Arno Krause, Dann die Lehre und die For-
gleichzeitig Gründungsmitglied schung: Es ist für uns unbegreif-
und Vorsitzender des Gesellschaf- lich, warum keine unserer Univer-
terausschusses der Europäischen sitäten die Großregion systema-
Akademie Otzenhausen. Paul tisch erforscht und in ihre Lehr-
Meyers ist stellvertretender Vor- Claude Gengler, Geschäftsführer der Stiftung Forum Europa, meint: „Stiftungen aus dem sozialen und kulturellen Bereich pläne aufgenommen hat. Es gibt
sitzender. Seit Oktober 2004 be- haben es vielleicht einfacher, da sie sich über konkrete Aktionen und Veranstaltungen, etwa Benefizveranstaltungen also noch eine Menge zu tun ...
sitzt die Stiftung ein Kuratorium, oder Ausstellungen, einen Zugang zur Mitte der Gesellschaft verschaffen können.“ (FOTO/ BILD: STIFTUNG FORUM EUROPA)
unter dem Vorsitz von Jacques ■ Wie schätzen Sie die Zukunft des
Santer. dem haben wir den Eindruck, dass ben wir gute Projektpartner, etwa kammer –, fand das zweitägige Stiftungswesens in Luxemburg ein?
der große Qualitätssprung noch die Fondation Alphonse Weicker, Kolloquium „Grenzregionen: ein-
■ Die Großregion ist im Moment aussteht. Die Großregion muss der nationale Forschungsfonds, fache Schnittstellen oder avant- Ich wäre froh, wenn der eine oder
„in“. Zahlreiche Institutionen wie mehr sein als eine intellektuelle das Ceps-Institut, ja sogar mit der gardistische Integrationsräume?“ andere luxemburgische Akteur
Gipfel, Regionalkommission, Inter- Konstruktion von Regierenden, Uni Luxemburg haben wir schon statt. Vier europäische Grenzre- sich etwas offener, kooperativer
regionaler Parlamentarierrat, Wirt- Beamten und Studienbüros. Hier gearbeitet. Trotz unserer beschei- gionen trafen hier aufeinander, um und kreativer zeigen würde. Eini-
schafts- und Sozialauschuss, Haus möchten wir uns einbringen und denen Größe – das Gründungska- Informationen, Erfahrungen und ge haben immer noch nicht ver-
der Großregion oder Quattropole gemeinsam mit anderen, öffentli- pital der Stiftung beträgt „Best Practice“ auszutau- standen, dass die Zeit der Kathe-
kümmern sich darum. Warum chen und privaten Partnern die 500 000 Euro, ein Jahres- schen. Im Oktober dralenbauer vorbei ist. Jeder
braucht die Großregion eine Stif- großregionale und die europäi- haushalt etwa 300 000 2008 werden wir spricht von PPPP, aber wer tut es
tung? sche Idee weiterbringen. Euro, sämtliche Pro- mit unseren Part- wirklich? Ich bekomme oft Fragen
jekt- und Fördermit- nern das dritte gestellt wie „Was macht denn eine
Die von Ihnen genannten Akteure ■ Ihre Personaldecke ist sehr klein. tel inbegriffen – ist SaarLorLux-Fo- Stiftung?“, „Wer hat denn Geld für
gehören zur traditionellen Archi- Wie arbeiten Sie, wer hilft Ihnen es Forum Europa in rum der Groß- so etwas?“ oder „Glauben Sie
tektur der Großregion, sozusagen dabei? kurzer Zeit gelun- region in Otzen- wirklich an die Zukunft der Groß-
zum „Establishment“: Politik, Ver- gen, sich in der hausen organi- region?“. Wobei die Antwort auf
waltung, Parlamentsebene, Ar- Unsere Stiftung ist absolut unab- Großregion einen sieren; diesmal die letzte Frage sich ja erübrigt:
beitgeber- und Arbeitnehmerseite, hängig, gleichzeitig aber Teil eines guten Namen zu ma- zum Thema „Inte- Wenn nämlich die Großregion
Städte und Kommunen. Sie beste- Netzwerks mit dem Namen „Part- chen. gration“. Mit der keine Zukunft hat, hat Luxemburg
hen zum Teil schon lange. Gleich- ner für Europa“. Die zentrale Ein- Vereinigung Euregio auch keine, zumindest nicht auf
zeitig sind sie aber eingebunden in richtung dieser sich ganz der euro- ■ Welche Projekte wollen Sie mit SaarLorLux+ haben wir den Dauer. Diese Bemerkungen zeigen
feste Strukturen, die in den aller- päischen Idee verschriebenen Ihren Partnern durchführen? „Tag der Grenzgemeinden der
meisten Fällen nach streng natio- Plattform wird gebildet von der Großregion“ ins Leben gerufen.
nalen Denkschemen verfahren: Europäischen Akademie Otzen- Zum einen große, internationale Wir nehmen an großen For-
Zuerst kommen wir, dann die an- hausen, wo – vor mittlerweile fast Kolloquien. Im Oktober 2004 ha- schungsprojekten teil, geben eine
deren. Eine Stiftung, die von priva- 40 Jahren – der Begriff SaarLorLux ben wir in der Abtei Neumünster eigene Schriftenreihe mit den
ten Personen und Unternehmun- geprägt wurde. In Zusammenar- ein zweitägiges Kolloquium zum „éditions saint-paul“ heraus,
gen geschaffen wurde und unter- beit mit der saarländischen ASKO Thema „Der demografische Wan- schreiben für Printmedien und ha-
stützt wird, ist dagegen frei und Europa-Stiftung ist es uns gelun- del und seine Auswirkungen auf ben mit dem belgischen Karten-
ungebunden. Sie ist niemandem – gen, ein Repräsentationsbüro un- die einzelnen Teilgebiete der hersteller De Rouck die erste offi-
abgesehen vom Stifter – Rechen- serer Stiftung in Saarbrücken ein- Großregion“ organisiert. Im März zielle Straßenkarte der Großre-
schaft schuldig, muss nicht wie- zurichten. Auch in Luxemburg ha- 2006 – diesmal in der Handels- gion initiiert. Wir sind aber auch aber auch, dass es noch großen
dergewählt werden, kann also an Wirtschaftsthemen interes- Aufklärungsbedarf gibt, was die
auch Themen und Projekte anpa- siert: Als Gründungsmitglied des Entwicklung und die Ausrichtung
cken, mit denen sich die politisch- Arbeitskreises Wirtschaft Luxem- des Stiftungswesens angeht. Dabei
administrative Ebene in der Regel burg durfte ich 2003 im Auftrag werden Stiftungen dringend ge-
nicht beschäftigt. Wir sehen eine der Vereinsführung (Stiftungsfüh- braucht, auch solche mit Europa-
unserer wesentlichen Aufgaben rung?) eine Studie zum Thema bezug. Die Luxemburger und
darin, dazu beizutragen, dass die „Die Bedeutung der Großregion Europa, das ist wie Obelix mit
Grenzen in den Köpfen der Be- für mittelständige Unternehmen seinem Zaubertrank: Als Kind fällt
wohner der großregionalen Kern- aus Luxemburg“ durchführen und man hinein und hofft, dass die
zone abgetragen werden, mittels veröffentlichen. Wirkung möglichst lange anhält.
konkreter Projekte und Maßnah- Was aber tun bei einem Schwä-
men. Wie gesagt, es gab noch nie ■ Wie finanziert die Stiftung diese cheanfall? Wer hütet das Rezept
so viele Menschen, die sich mit Aufgaben? des Zaubertranks? Wahrlich eine
diesem Raum befasst haben; un- schöne Aufgabe für eine Stiftung...
zählige Arbeitsgruppen erstellen Das Geld stammt zum größten
■ www.forum-europa.lu
Inventare, tauschen Erfahrungen Teil aus der Privatwirtschaft und
aus, bereiten Plenarsitzungen von anderen, befreundeten Stif- Die Artikel der Serie finden
vor … seit Jahren. Natürlich wur- tungen. Wenn es sich um öffentli- sich unter www.wort.lu und
den Fortschritte erzielt. Trotz alle- che Forschungsarbeiten handelt, www.philanthropie.lu