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Pressemitteilung „Lungenkrebs“

18. März 2009


Jedes Jahr erkranken die Deutschland rund 33 000 Männer und 13 000 Frau an
Lungenkrebs. Er ist damit sowohl bei Männern als auch bei Frauen die dritthäufigste
Krebsart. Während bei Männern die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Jahren
konstant geblieben ist, steigt bei Frauen sowohl die Lungenkrebshäufigkeit als auch
die Sterblichkeit kontinuierlich an. Ein Grund für diesen besorgniserregenden Trend
ist in den veränderten Rauchgewohnheiten zu sehen.

Patientinnen und Patienten mit der Diagnose Krebs suchen Zentren, die über
umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen in der meist komplexen Behandlung einer
bösartigen Erkrankung verfügen. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) hat in
Zusammenarbeit mit den medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften vor
einigen Jahren begonnen, die Kriterien für Krebsbehandlungszentren zu definieren,
um betroffenen Patienten eine Orientierungshilfe zu bieten. Zwischenzeitlich sind
Behandlungszentren für Brust- , Prostata- und Darmkrebs in Deutschland fest
etabliert.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für
Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für
Thoraxchirurgie (DGT) unter Einbeziehung verschiedener Fachgesellschaften,
Arbeitsgemeinschaften und Interessenvertretungen die Kriterien für
Lungenkrebszentren festgelegt. Dieser konsentierte Erhebungsbogen für
Lungenkrebszentren trat am 9. Juli 2008 in Kraft. Zum Vorsitzenden der
Zertifizierungskommission für Lungenkrebszentren wurde Prof. Dr. Dieter Ukena,
Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin im Klinikum Bremen-Ost,
ernannt.

Die Behandlung innerhalb der Lungenkrebszentren erfolgt interdisziplinär unter


Einbeziehung von Lungenfachärzten, Thoraxchirurgen, Strahlentherapeuten,
Onkologen, Pathologen und Radiologen, welche als Hauptbehandlungspartner
bezeichnet werden. Die Leitung des Lungenkrebszentrums wird in der Regel von
den Disziplinen Pneumologie oder Thoraxchirurgie gestellt. Die Disziplinen
Pneumologie und Thoraxchirurgie müssen jeweils mindestens durch zwei in Vollzeit
tätigen Fachärzten vertreten sein.

Alle Hauptbehandlungspartner müssen regelmäßig an der mindestens einmal pro


Woche statt findenden Tumorkonferenz teilnehmen. In dieser Tumorkonferenz
müssen alle Patienten mit Lungenkrebs besprochen werden. Das Ergebnis der
Besprechung besteht u.a. aus einem schriftlichen, interdisziplinären
Behandlungsplan, welcher auf Wunsch auch dem Patienten zur Verfügung gestellt
wird.

Weitere wichtige Behandlungspartner in Lungenkrebszentren kommen aus den


Disziplinen Psycho-Onkologie, Nuklearmedizin, Raucherentwöhnung/
Tabakentwöhnung, Sozialdienst, Physiotherapie/Krankengymnastik, Hospiz und
Palliativmedizin. Auch mit diesen Behandlungspartnern sind schriftliche
Vereinbarungen bzgl. der Kooperation innerhalb eines Lungenkrebszentrums zu
treffen.
Auch mit Selbsthilfegruppen wird eine enge Kooperation angestrebt. Durch
schriftliche Vereinbarungen z.B. bzgl. des Zuganges von Selbsthilfegruppen in allen
Phasen der Therapie oder bzgl. Informationsveranstaltungen werden
Selbsthilfegruppen aktiv in Lungenkrebszentren eingebunden.

Zur Erreichung der bestmöglichen Behandlungsqualität müssen Behandlungspfade


für Patienten definiert werden, in denen sich die relevanten medizinische Leitlinien
und der medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisstand im Sinne einer Evidenz-
basierten Medizin abbilden. Die Patientenpfade berücksichtigen die
Interdisziplinarität des Zentrums und die Vernetzung mit den niedergelassenen
Ärzten. Es müssen Pfade für Diagnostik, Therapie und Nachsorge vorhanden sein.

Die Expertise von Lungenkrebszentren muß weiterhin durch das Erfüllen von
Mindestanforderungen an Zahl von thoraxchirurgischen Operationen,
Chemotherapien und Strahlentherapien nachgewiesen werden. Kooperationen
zwischen benachbarten Standorten bzw. Abteilungen sind prinzipiell erwünscht.

Durch die Teilnahme an klinischen Studien fließen neueste Erkenntnisse der


Forschung in die Therapie der betroffenen Patienten sein. Ein Patient soll somit die
Möglichkeit erhalten, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Pro Zentrum muß eine
Mindestanzahl an Patienten in klinischen Studien behandelt werden.

Nach einer erfolgreichen Begehung durch unabhängige Fachexperten erhalten


Lungenkrebszentren, die durch den interdisziplinären Zusammenschluß mehrerer
medizinischer Fachabteilungen gebildet werden, das Zertifikat für drei Jahre, um sich
dann erneut der Überprüfung der Zertifizierungskommission zu stellen. Im jährlichen
Abstand werden wichtige Kenndaten des Zentrums überprüft.

Mit der Einführung von Lungenkrebszentren wird es erstmals möglich sein,


Ergebnisse der Lungenkrebsbehandlung bundesweit durch eine strukturierte
Datenerfassung zu messen und national und international zu vergleichen. Dieser
Erkenntnisgewinn gilt als Grundlage für eine stetige Verbesserung der Therapie von
Lungenkrebs in Deutschland und sichert dem Patienten eine hohe
Behandlungsqualität.

Aktuell wird in einer Evaluationsphase die Praktikabilität und die Plausibilität der
konsentierten Anforderungen an ein Lungenkrebszentrum überprüft. Dafür wurden
diejenigen Kliniken berücksichtigt, welche an der Erarbeitung des
Erhebungsanbogens für Lungenkrebszentren beteiligt waren. Folgende Kliniken sind
beteiligt: Berlin-Lungenklinik Heckeshorn; Klinikum Bremen-Ost;
Ruhrlandklinik/Universitätsklinik Essen; Universitätsklinik Freiburg; Thoraxklinik
Heidelberg; Lungenklinik Hemer; Klinikum Nürnberg.

Es ist geplant, dass im Frühjahr 2009 die erste Gruppe von Lungenkrebszentren das
Zertifikat erhält.

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Dieter Ukena
Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Klinikum Bremen-Ost Züricher Str.
40, 28325 Bremen
Tel.: 0421-408-2800; FAX: -2801; Mail: dieter.ukena@klinikum-bremen-ost.de