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ZU GLEICH Zeitschrift der Artillerietruppe 2/2012
ZU GLEICH
Zeitschrift der Artillerietruppe 2/2012

USCENTCOM

TAMPA/FLORIDA

Die neue Struktur des Heeres Die Artillerie im HEER2011

Der Forward Air Controller Die Luft-/Boden-Seite des Joint Fire Support Teams

JOINT FIRES TRAINING LEARNING - THE RIGHT WAY With less access to live air assets

JOINT FIRES TRAINING LEARNING - THE RIGHT WAY

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• JTAC/FAC

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• Personnel in JFC and TOC

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Inhaltsverzeichnis

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Einleitung

Vorwort des Kommandeurs der Artillerieschule und Generals der Artillerietruppe

The Good, the Bad and the Ugly:

Vorbeugender Gesundheitsschutz in Außenposten der Bundeswehr in AFGHANISTAN

 

Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung

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„Von IDAR- OBERSTEIN bis TAMPA oder als Artillerist im Sunshine State“

Des TIGERs Zukunft

Mit einem Klick zum Erfolg – Einsatz von VBS2 in der Ausbildung von JFST im Offizierlehrgang 3

Der Forward Air Controller – die Luft/ Boden-Seite des Joint Fire Support Teams

Der Artilleristische Leitverband während der ILÜ 2012, Eindrücke eines Artillerieoffiziers

Die Ausbildung zum Joint Fires Observer in der US Army

SAAB – train where you fight

Joint Fire Task Force KUNDUZ – Feuerunterstützung aus einer Hand „ES KOMMT AUF JEDEN AN“

AFCEA – Mobile Computing und Cyber Defence – (k)ein Widerspruch

AFCEA – Diensteorientierung in der IT – Motor für flexible Anwendungen

 

Aus Mutterhaus und Truppe

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Die neue Struktur des Heeres – Die Artillerie im HEER2011

Von der Fläche zurück auf den Punkt

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Soldatenaustausch zwischen der 1st Battalion 151 FA MINNESOTA, USA und der 3./ PzArtLBtl 325, MUNSTER

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Konzeptionelle Überlegungen zum zukünftigen Einsatz von Artillerie in Stabilisierungsoperationen

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Überraschendes Wiedersehen im KOSOVO – 3./ ArtBtl 295 trifft eingesetzt als 3./ ORF I/ 2012 französische Paten- Escadron

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Das Beobachtungspanzerartilleriebataillon 131 – ein einzigartiger Verband auf dem Weg zur Wiedererlangung der Einsatzbereitschaft zwischen den Einsatzgestellungen 2011 und 2013

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75 Jahre Garnisonsstadt IDAR- OBERSTEIN, Teil 1 Die Wehrmacht

Allgemeine Berichte

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Der Captains Career Course an der U.S. Army Field Artillery School in Fort SILL, OKLAHOMA

Platz der Deutschen Artillerie – Zur Erinnerung

Information für alle regionalen Artillerievereinigungen

Anekdoten – Früher war Alles besser

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Interessengemeinschaft studierender Artilleristen der Helmut- Schmidt- Universität/ Universität der Bundeswehr HAMBURG: „Zelle Artillerie“ – Wir nehmen Fahrt auf!

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Verbindungen schaffen zwischen Einsatzrealität und ethischer Bildung zebis- Direktorin Dr. Veronika Bock im Interview

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Neue Kommandeure

Die Wiedererrichtung des Barbara- Denkmals in KOBLENZ

 
 

Aus der Redaktion

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In eigener Sache

Impressum

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Technologie im Einsatz für die Sicherheit Mit der Anwendung von Spitzentechnologien gehen wir an die

Technologie im Einsatz für die Sicherheit

Mit der Anwendung von Spitzentechnologien gehen wir an die Grenzen des Machbaren. Unsere Mission: Bereitstellung der notwendigen Ausrüstung zur richtigen Zeit, zu vereinbarten Kosten. Für den Erfolg im Einsatz und ein Leben in Sicherheit.

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Zeit, zu vereinbarten Kosten. Für den Erfolg im Einsatz und ein Leben in Sicherheit. ZU GLEICH

Vorwort des Kommandeurs der Artillerieschule und Generals der Artillerietruppe

der Artillerieschule und Generals der Artillerietruppe Seit Juli 2012 liegt nun auch das Bundeswehrreform-
der Artillerieschule und Generals der Artillerietruppe Seit Juli 2012 liegt nun auch das Bundeswehrreform-
der Artillerieschule und Generals der Artillerietruppe Seit Juli 2012 liegt nun auch das Bundeswehrreform-
der Artillerieschule und Generals der Artillerietruppe Seit Juli 2012 liegt nun auch das Bundeswehrreform-

Seit Juli 2012 liegt nun auch das Bundeswehrreform- Begleitgesetz mit allen Einzelheiten zur Durchführung vor. Alle Maßnahmen dienen der bedarfsorientierten Anpassung des Personalkörpers an die neue Struktur unserer Streitkräfte durch verschiedene, in Altersbändern gestaffelte, Möglichkeiten zur individuellen Reduzierung der Restdienstzeiten von Zeit- und Berufssoldaten.

Über die Neuregelung der Schullandschaft mit ihrenAuswirkungen auf dieArtillerieschule haben wir im letzten Heft informiert. In dieser Ausgabe werden die Artillerieverbände in der künftigen Struktur vorgestellt.

Mit Beginn des Jahres 2013 werden bereits erste Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur umgesetzt.

Unser Offizieranwärterbataillon beendete nach sechseinhalb erfolgreichen Jahren die Ausbildung des Führernachwuchses des Deutschen Heeres hier in IDAR-OBERSTEIN und wurde mit einem feierlichen Appell am 14. Dezember von seinem Ausbildungsauftrag entbunden und außer Dienst gestellt.

Während in KUSEL der Umzug des Artillerielehrregiments 345 (künftig Artillerielehrbataillon 345) nach IDAR-OBERSTEIN vorbereitet wird, bereitet sich die Artillerieschule Schritt für Schritt auf die Aufnahme vor. Bereits im Sommer wurde hierzu eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet, in der alle Erfordernisse abgestimmt werden. Dazu gehört auch die Aufnahme und Eingliederung einer Batterie des Raketenartilleriebataillons 132 aus SONDERSHAUSEN.

Die Übernahme der Mörserausbildung ist seit Monaten in vollem Gange. Nach derzeitiger Planung sollen ab Juli 2013 alle Lehrgänge an der Artillerieschule durchgeführt werden.

Beiträge der Heeresflieger und der Luftwaffe unterstreichen das wachsende Bewusstsein für die „Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung“ (STF) sowie deren Bedeutung für die Unterstützung der Operationsführung in unseren Streitkräften. Das Wort „Joint“ hat Zukunft, vor allem für unsere Truppengattung!

Der bevorstehende Abzug aus AFGHANISTAN und die Rückverlegung der ISAF- Truppen einschließlich Gerät werden nur im Zusammenwirken aller Kräfte erfolgreich möglich sein. Über die Einzelheiten einer Präsenz von internationalen Streitkräften nach 2014 können seriöse Aussagen derzeit noch nicht getroffen werden. Sicherlich wird aber eine deutliche Entlastung der Truppe eintreten.

Die Herren Kommandeure fordere ich schon jetzt auf, die gewonnene Zeit vor allem für eine intensive handwerkliche Ausbildung unserer Führer zu nutzen und die Fähigkeiten zur Mitwirkung und Zusammenarbeit im System Artillerie zu üben. Die Schule wird in bewährter Weise vor allem mit der „Zentralen Ausbildungseinrichtung der Artillerie“ (ZAA) unterstützen. Dort kommt es besonders darauf an, die Einsatzerfahrungen STF umzusetzen Der enge Schulterschluss zwischen Schule und Truppe muss mehr denn je unser aller Anliegen sein.

Der „Tag der offenen Tür“ hier an der Artillerieschule am 18./ 19. August war ein gelungenes Fest. Bei hochsommerlichen Temperaturen, es war das heißeste Wochenende des Jahres, nutzten tausende Angehörige, Ehemalige und Freunde unserer Truppengattung sowie die Bevölkerung aus IDAR-OBERSTEIN und der Region die Möglichkeit, sich zu informieren und alte Kontakte aufzufrischen.

Nicht zuletzt freue ich mich, nach meinem USA- Aufenthalt wieder an alter Wirkungsstätte zurück zu sein. Mit einem eigenen Beitrag berichte ich über diese Verwendung und meine persönlichen Eindrücke.

Ich wünsche allen Angehörigen der Artillerietruppe und ihren Familien, besonders aber den Kameradinnen und Kameraden im Einsatz, ein friedvolles Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes Jahr 2013.

Kameraden im Einsatz, ein friedvolles Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes Jahr 2013. ZU GLEICH 2
Kameraden im Einsatz, ein friedvolles Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes Jahr 2013. ZU GLEICH 2

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The Good, the Bad and the Ugly: Vorbeugender Gesundheitsschutz in Außenposten der Bundeswehr in AFGHANISTAN

The Good, the Bad and the Ugly:

Vorbeugender Gesundheitsschutz in Außenposten der Bundeswehr in AFGHANISTAN

Oberstabsveterinär Katja Riedel ist Dezernentin im Dezernat 5 Veterinärwesen des Sanitätskommando II, DIEZ, u. a. zuständig für die öffentlich- rechtliche Über- wachung der Lebensmittelhygiene in Verpflegungs- und Betreuungseinrichtungen der Bundeswehr im Wehrbereich II. Als Leitender Veterinär war sie in Aus- landseinsätzen in BOSNIEN-HERZEGOWINA, im KO- SOVO und in AFGHANISTAN, zuletzt im 26. Deutschen Einsatzkontingent ISAF 2011.

The Good …

Gute militärische Tradition ist, dass es in jeder größeren Ansammlung von Soldaten einen gibt, der bestimmt- so auch in den Außenposten der Bundeswehr in AFGHANI- STAN. Umso besser, wenn der Führer vor Ort sich um das kümmern kann, was er am besten beherrscht – Führen und seinen taktischen Auftrag erfüllen – und er für die Belange des vorbeugenden Gesundheitsschutzes seiner Soldaten Sachverständige heranziehen kann. Im Laufe eines Einsatzkontingents erhält grundsätzlich jeder Au- ßenposten der Bundeswehr Besuch vom Leitendem Vete-

Au- ßenposten der Bundeswehr Besuch vom Leitendem Vete- Fast wie daheim- Sanitärcontainer in CHAHAR DAREH ZU

Fast wie daheim- Sanitärcontainer in CHAHAR DAREH

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rinär, Leitenden Apotheker und Gesundheitsaufseher. Die Gesunderhaltung der Soldaten im Auslandseinsatz ist ihr taktischer Auftrag.

The Bad …

Wer hat nicht den schlimmen Satz im Ohr, dass in den militärischen Konflikten der Menschheit mehr Soldaten irgendwelchen Krankheiten und Seuchen zum Opfer ge- fallen sind, als den direkten kriegerischen Handlungen? Die Zeiten von Pocken und Pest sind lange vorbei. In DEUTSCHLAND haben wir uns daran gewöhnt, dass die Prävention übertragbarer Krankheiten in weiten Berei- chen anonym sichergestellt wird. Nur ab und an gewäh- ren Doku- Soaps dem interessierten Fernsehzuschauer Einblicke in die Arbeit von Hygienikern, Lebensmittelche- mikern und Veterinären hinter den Kulissen. Wir drehen bedenkenlos jeden Wasserhahn auf und verschwenden keinen Gedanken an Ruhr oder Cholera. Wir legen in Erwartung eines absolut gesunden und unbedenklichen Geschmackserlebnisses auf dem Weg zur Schießbahn ei- nen technischen Halt am McDrive ein, und die Müllabfuhr kommt sogar auf den Übungsplatz. Wir haben uns daran gewöhnt, Sicherheit und Gesundheitsschutz gedankenlos zu konsumieren.

Sogar in CHAHAR DAREH stehen Dusch- und Toiletten- container nach westlichem Standard.

Heere vergangener Zeiten, in denen waschfaule Solda- ten auf Feldzügen bei ungünstigen oder ungewohnten klimatischen Bedingungen zu Hunderten oder Tausenden auf engstem Raum zusammenlebten, Läuse, Flöhe und andere Haustiere teilten und dann auch noch ein Nach- schubproblem hinsichtlich sauberen Trinkwassers und gesunder Lebensmittel entwickelten, brauchten eigentlich keinen Feind mehr, sondern dezimierten sich höchst ef- fektiv selbst. Geschichte? Ja. Dummerweise aber immer noch hochaktuell. Infektionskrankheiten sind auch in mo- dernen militärischen Konflikten für mehr als zwei Drittel aller soldatischen Ausfälle verantwortlich. Den im Heimat- land erworbenen unerschütterlichen Glauben an selbst- verständliche Sicherheit und breitgefächerten Gesund- heitsschutz sollten wir uns im Auslandseinsatz im eigenen Interesse erst einmal abgewöhnen.

… and the Ugly

Die gedankenlose Nutzung von verschmutztem Wasser, der Genuss von falsch gelagertem Trink- wasser und ebensolchen Lebensmitteln sowie die nicht sorgfältige Zubereitung von Verpflegung führen schnell zu Gruppenerkrankungen im Sinne von z. B. Au- gen- und Hautentzündungen, Erbrechen, Durchfall, und anderen Infektionskrankheiten von mitunter schwerwie- gendem Verlauf. Sorgloser und ungeregelter Umgang mit Abfällen ist die Ursache für das Einwandern von

Lästlingen und krankheits- und parasitenübertragenden Schädlingen, also Insekten, Ratten, Katzen und Hunden, in die soldatischen Unterkünfte.

Streunende Hunde und Katzen bescheren dem einen oder anderen tierlieben Soldaten eine ganze Menge wohlwollender neuer Freunde und Untermieter- darunter Hautpilze, Räudemilben und gastrointestinale Parasiten. Wochen bis Jahre nach dem Auslandseinsatz kann die Übertragung von z. B. Fuchsbandwürmern oder Erregern von Leptospirose und Tollwut zu Erkrankungen führen, die unheilbare oder gar tödliche Spätfolgen verursachen. Ge- gen eine Vielzahl der von Tieren auf den Menschen über- tragbaren Erkrankungen gibt es keine medikamentellen prophylaktischen Maßnahmen oder Impfungen. Auch die Impfung z. B. gegen Tollwut bietet keinen vollständigen Schutz.

Gesunderhaltung betrifft zuallererst den einzelnen Sol- daten, von dem in hohem Maß Eigenverantwortung und Selbstdisziplin verlangt wird. Die strikte Einhaltung von Verhaltensregeln sollte aber sinnvollerweise eher auf- grund von Einsicht, denn aus militärischem Gehorsam erfolgen: Der militärische Führer steht hier in der Verant- wortung, die Sinnhaftigkeit von Befehlen und Vorschriften überzeugend zu kommunizieren.

2011 zog sich eine erhebliche Anzahl deutscher Soldaten in AFGHANISTAN durch den Genuss von Lebensmitteln unsicherer Herkunft oder nach falscher Lagerung und/ oder Zubereitung gastrointestinale bakterielle Infektionen zu und/ oder steckte sich mit verschiedenen Parasiten an, was zum Teil tagelange Totalausfälle zur Folge hatte. Ein US- Soldat starb an den Folgen einer Tollwuterkrankung, die er sich beim Kontakt mit einem streunenden Hund in AFGHANISTAN zugezogen hatte.

Jede Einsatzvorbereitung ist hinfällig und jeder Spezialist ist in einem Außenposten fehl am Platz, wenn er sich ganz banal in schnellem Wechsel entscheiden muss, welche Körperöffnung er zuerst über die –wenn vorhanden- Por- zellanschüssel halten soll. Als echter Kamerad teilt er sei- ne Erkrankung aufgrund des engen Zusammenlebens und

er sei - ne Erkrankung aufgrund des engen Zusammenlebens und Niedlich, aber gefährlich: nach Angaben der

Niedlich, aber gefährlich: nach Angaben der US-Armee hat jeder 14. Hund in AFGHANISTAN Tollwut. Wer sich ansteckt, wird daran sterben.

AFGHANISTAN Tollwut. Wer sich ansteckt, wird daran sterben. Trinkwasservorrat für 160 Mann eines Außenpostens der Bun-

Trinkwasservorrat für 160 Mann eines Außenpostens der Bun- deswehr in AFGHANISTAN- es kommt ja jede Woche pünktlich Nachschub?

des sowieso durch den Einsatz geschwächten Immunsy- stems sämtlicher Beteiligter mit allen seinen Freunden vor Ort- und schon ist eine ganze Einheit abseits jeglicher Feindeinwirkung aufgrund einer vermeidbaren Massener- krankung kampfunfähig.

Hygiene ist relativ? Gesunderhaltung und Einsatzfä- higkeit aus der Sicht unterschiedlicher Beobachter …

In sämtlichen Armeen der Welt werden Vorschriften zur Gesunderhaltung erlassen, da schon kleine Nachlässig- keiten in der geschlossenen soldatischen Gemeinschaft fatale Folgen haben können. Insbesondere die für die Verhältnisse im Einsatzland erlassenen Vorschriften zu Verpflegung, Trinkwasser und Abfallbeseitigung sind un- verzichtbare Instrumente der Führung, um in einem sehr fordernden Umfeld zumindest die vermeidbaren Härten und Gesundheitsgefahren auszuräumen.

Glücklicherweise muss sich ein Kompaniechef nicht höchst selbst in die liebevoll und detailliert ausformulier- ten militärischen Bauanleitungen für Küchen, Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung oder Fäkalien- und Abfallbeseiti- gung einlesen. Dafür gibt es den Vet, den Apo oder den Gesundi, die den Führer vor Ort sachverständig beraten und ihm unter Beachtung der taktischen Rahmenbedingungen erklären, welche Optimierungsmöglichkeiten es gibt, ggf. auch un- ter Hinzuziehung weiteren Materials oder Personals. Topf- gucker hat keiner gern, aber Führer vor Ort und die durch die Außenposten tingelnden Sachverständigen haben ganz klar ein gemeinsames Anliegen: Die dort kämpfen- den Männer und Frauen wieder gesund nach Hause zu bringen.

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Es erklärt sich von selbst, dass Sachverständige den Füh- rer vor Ort beraten- es ist allerdings nicht ihre Aufgabe, Prinzipien der Gesundheitsvorsorge selbst durchzusetzen oder gar womöglich widerspenstige Führer vor Ort zu ih- rem Glück zu zwingen. Es liegt einzig und allein in der Verantwortung des Truppenführers, die Disziplin in der Umsetzung von Befehlen und Vorschriften aufrechtzuer- halten, auch wenn seine Männer und Frauen auf diesbe- zügliche Ge- und Verbote gar keine Lust haben.

In unrühmlichen Einzelfällen mögen mangelndes Ver- ständnis für biologische Zusammenhänge und eine fehl- geleitete Affinität zu rustikalem Umfeld die Ursachen dafür sein, dass allgemeiner Hygiene und der Durchsetzung der anlassbezogen entstandenen Befehle zum Thema Lebensmittellagerung, Abfalllagerung und Umgang mit streunenden Tieren keine Bedeutung beigemessen wird. Es steht dem militärischen Führer vor Ort natürlich zu- nächst einmal frei, gemäß eigener sorgfältiger Lagebe- urteilung und Abwägung auch gegen die ausdrückliche Empfehlung von Sachverständigen zu entscheiden. Der erfahrene Kompaniechef verfügt allerdings für den Fall, dass im Nachgang hierzu ganz nach dem Prinzip von Charles Darwin die natürliche Selektion zuschlägt, über nachvollziehbare gewichtige Gründe und darüber hinaus über eine Diensthaftpflichtversicherung mit adäquater Deckungssumme.

Vorbeugender Gesundheitsschutz ist relativ einfach!

Arbeiten Sachverständige und Truppe motiviert Hand in Hand, entstehen mitunter prächtige Projekte wie die Ein- hausung der Feldküche in HASRAT E SULTAN, deren

die Ein- hausung der Feldküche in HASRAT E SULTAN, deren Nur die Fliesen fehlen noch: Feldküche

Nur die Fliesen fehlen noch: Feldküche in HASRAT E SULTAN

ZU GLEICH 2 / 2012

noch: Feldküche in HASRAT E SULTAN ZU GLEICH 2 / 2012 Inspektion der Feldküche im OP

Inspektion der Feldküche im OP NORTH

ZU GLEICH 2 / 2012 Inspektion der Feldküche im OP NORTH Vorsorgeuntersuchung mal anders: Veterinärmedizinisches

Vorsorgeuntersuchung mal anders: Veterinärmedizinisches Einsatzlabor, Leitender Veterinär, Lebensmittelchemisches Einsatzlabor und Gesundheitsaufseher im Einsatz

Lebensmittelchemisches Einsatzlabor und Gesundheitsaufseher im Einsatz Wasseraufbereitungsanlage in CHAHAR DAREH 8

Wasseraufbereitungsanlage in CHAHAR DAREH

kunstvolle und zugleich lebensmittelhygienisch ausgefeil- te Dachkonstruktion jeden Küchenmeister in DEUTSCH- LAND vor Neid erblassen lassen würde. Im OP NORTH zimmerten die Soldaten in Eigenleistung nach allen Re- geln der Kunst einen Feldküchenbau, der Arbeitsabläu- fe einer modernen deutschen Großküche ermöglicht. In CHAHAR DAREH wachsen von heute auf morgen funktio- nierende Wasseraufbereitungsanlagen aus dem Boden, wo vorher nur Brauchwasser fragwürdigster Qualität aus einem maroden Brunnen zur Verfügung stand.

Ein Sachverständigenbericht wirkt beschleunigend bei der Neubeschaffung von abgängigem Material, z. B. wenn sich ein verschlissener Tiefkühlcontainer in TALOQUAN nur noch mit der Brechstange öffnen und mit dem Vor- schlaghammer schließen lässt.

Werden sich Truppe und Sachverständige einig, entsteht aus einem Feuerlöschteich sogar ein offizieller KUNDUZ Beach.

Die Sachverständigen des vorbeugenden Gesundheits- schutzes bereisen grundsätzlich alle Orte, an denen deutsche Soldaten unter zum Teil härtesten Bedingun- gen ihren Dienst tun. Immer wieder erstaunt mich die Fähigkeit der Soldaten in AFGHANISTAN, bei allen ein- satzbedingten Entbehrungen und Härten mit den Ihnen zur Verfügung stehenden, sehr begrenzten Mitteln, und einer unglaublich hohen Motivation ungewöhnliche, aber absolut zielführende Goldrandlösungen für eine breite

absolut zielführende Goldrandlösungen für eine breite Mikrobiologische Hygienestatuskontrolle in TALOQAN Palette

Mikrobiologische Hygienestatuskontrolle in TALOQAN

Palette an Problemstellungen zu zaubern. Diese Männer und Frauen haben ein Recht darauf, dass sie sich ohne überflüssige Härten und Risiken auf ihren Auftrag kon- zentrieren können. Sie dürfen nicht aufgrund vermeidba- rer, aus Nachlässigkeit entstandenen Gesundheitsgefah- ren Schaden nehmen. Es ist die Pflicht der Führer vor Ort und der Sachverständigen, jeder auf seinem Fachgebiet, gemeinsam unter Nutzung aller verfügbaren Mittel genau dafür Sorge zu tragen.

aller verfügbaren Mittel genau dafür Sorge zu tragen. DEDICATED TO SOLUTIONS. JOINT FIRE SUPPORT Seit fast

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JOINT FIRE SUPPORT Seit fast fünf Jahrzehnten entwickelt, integriert und betreibt die ESG Elektronik- und
JOINT FIRE SUPPORT
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„Von IDAR- OBERSTEIN bis TAMPA oder als Artillerist i m S u n s h

„Von IDAR- OBERSTEIN bis TAMPA oder als Artillerist im Sunshine State

Brigadegeneral Diplom Betriebswirt Heribert Hupka, Kommandeur der Artillerieschule und General der Artillerietruppe

Von April bis Oktober 2012 war ich als Leiter des Deutschen Verbindungskommandos (LtrDtVerbKdo) beim Headquarter United States Central Command (HQ USCENTCOM) eingesetzt. Mit diesem Artikel will ich einen Eindruck von meinem Auftrag dort vermit- teln.

TAMPAbefindet sich an der Westküste von FLORIDAan der Tampa Bay und bildet zusammen mit den Städten SAINT PETERSBURG und CLEARWATER die Metropolregion Tampa Bay Area mit annähernd 2,7 Millionen Einwohnern. (FLORIDA ist bekannt als Sunshine State. Der Staat wur- de von den spanischen Entdeckern während der Osterzeit entdeckt; Ostern heißt auf Spanisch auch Psacua Florida. Das Wappentier Floridas ist der Florida Panther. Die Hauptstadt des Bundesstaates ist TALLAHASSEE).

USCENTCOM ist eines von sechs Regionalkommandos (Unified Combatant Commands) der US- Streitkräfte und wurde 1983 gegründet. Es unterliegt der operativen

Kontrolle des US- Verteidigungsministers und ist das zu- ständige Regionalkommando für den NAHEN OSTEN, OST- AFRIKA und ZENTRAL ASIEN. Auf der nachfolgen- den Übersicht sind die US Regionalkommandos und der Verantwortungsbereich (Area of Responsibility/ AOR) des USCENTCOM abgebildet.

USCENTCOM war das Kommando für den Einsatz und die Koordination des US- Militärs und US- geführter Koalitionstruppen während zahlreicher Operationen, ein- schließlich der Operationen „Desert Storm“, „Desert Shield“ und „Iraqui Freedom“. Die Truppen, die CENTCOM unter- stehen, sind derzeit primär im IRAK und in AFGHANISTAN eingesetzt und verfügen über Stützpunkte in KUWAIT, KATAR, den VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATEN, OMAN, PAKISTAN, DSCHIBUTI und mehreren Ländern in Zentralasien. Wie SOUTHCOM und AFRICOM hat CENTCOM als Regionalkommando sein Hauptquartier nicht in seinem Operationsbereich, sondern auf der MacDill Air Force Base in TAMPA. (McDill Airforce Base (AFB)

Air Force Base in TAMPA. ( McDill Airforce Base (AFB) Verantwortungsbereiche der Regionalkommandos ZU GLEICH 2

Verantwortungsbereiche der Regionalkommandos

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Verantwortungsbereich USCENTCOM ist die US- amerikanische Luftwaffenbasis in TAMPA und Hauptquartier der Unified
Verantwortungsbereich USCENTCOM ist die US- amerikanische Luftwaffenbasis in TAMPA und Hauptquartier der Unified

Verantwortungsbereich USCENTCOM

ist die US- amerikanische Luftwaffenbasis in TAMPA und Hauptquartier der Unified Combatant Commands US Central Command (USCENTCOM) und US Special Operations Command (USSOCOM). Aktive fliegerische Einheiten des Stützpunkts sind Teile des Air Mobility Command).

Die Command Group des HQ USCENTCOM besteht aus dem Kommandeur, General James N. Mattis, seinem Stellvertreter Viceadmiral Robert S. Harward und dem

Chef des Stabes, Major General Karl R. Horst sowie dem Command Sergeant Major Frank A. Grippe.

Im Folgenden einige Anmerkungen zur Einordnung des DtVerbkdo zum HQ USCENTCOM: Nach den Ereignissen des 11. September 2001 beschloss der deutsche Bundestag am 19. September 2001, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus den VEREINIGTEN STAATEN von AMERIKA militärischen Beistand zu leisten. Dazu ist DEUTSCHLAND seit dem 29.09.2001 auch mit einem

Beistand zu leisten. Dazu ist DEUTSCHLAND seit dem 29.09.2001 auch mit einem Command Group ZU GLEICH

Command Group

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Verbindungselement bei US CENTCOM vertreten, das nachfolgenden Auftrag hat: DtVerbKdo HQ USCENTCOM – ist

Verbindungselement bei US CENTCOM vertreten, das nachfolgenden Auftrag hat:

DtVerbKdo HQ USCENTCOM – ist auskunftsfähig über deutsches Engagement und Positionen innerhalb des CENTCOM AOR, vertritt deutsche Position gegenüber HQ USCENTCOM, – informiert Bundesministerium der Verteidigung, Abteilung Militär und Strategie, über Position und Absichten HQ USCENTCOM und gewinnt und übermittelt Informationen überAbsichten der bei HQ USCENTCOM vertretenen Nationen.

der bei HQ USCENTCOM vertretenen Nationen. – – Die Grundlage für das deutsche Verbin- dungselement bildet

Die Grundlage für das deutsche Verbin-

dungselement bildet eine bilaterale deutsch- amerikanische Vereinbarung über Verbindungspersonal. Das deutsche Verbindungselement ist Teil der „Coalition Forces“ bei US CENTCOM, die aktuell aus 56 Nationen

besteht.

Übersicht Unterstellung/ Zusammenarbeit

Planning Group“ (CPG) aus US Offizieren und Offizieren der Koalition eingerichtet, in der DEUTSCHLAND den Dienstposten „Deputy Director CPG and Branch Head Central Asia/ South Asia“ mit einem Oberst i. G. besetzt. Außerdem hat DEUTSCHLAND den Dienstposten „Section Head Arab Peninsula“ (Oberstlt i. G.). Beide Offiziere sind auf einem DPäK (DienstPostenähnliches Konstrukt) zum Bundeswehrkommando US/ CA mit Dienstort TAMPA für mindestens zwei Jahre versetzt. Am 01.03.2011 wurde zu- sätzlich ein Dienstposten bei US CENTCOM J4 für einen Stabsoffizier eingerichtet, der vor allem im Rahmen des „Redeployment“ hohe Bedeutung hat. Dieser Dienstposten ist im Stellenplan des Bundeswehrkommandos US/ CA als Deutsche Verbindungsorganisation (DtVbO) USCENTCOM ausgewiesen und wird i. d. R. für drei Jahre beschickt. Zusätzlich hat DEUTSCHLAND auf Basis eines bilateralen Abkommens mit den USA zwei Soldaten des Amtes für Militärkunde (1 Stabsoffizier; 1 Unteroffizier mit Portepee) in die Koalition eingebracht. Die nachfolgende Übersicht gibt einen Überblick in das Beziehungsgeflecht der deutschen Soldaten in TAMPA.

Die Stabsoffiziere des VerbKdo´s sind in den jeweiligen Working Groups der Koalition tätig, wobei sich die Arbeit an der Informationsbereitstellung und am Informationsbedarf des Bundesministeriums der Verteidigung und USCENTCOM ausrichtet. Die nach- folgende Übersicht stellt die zahlreichen Einbindungen und das „Arbeitsgeflecht“ des DtVerbKdo´s dar. Die „embedded“ Stabsoffiziere in der CPG arbeiten an US- seitig wichtigen Projekten mit und leisten damit einen substantiellen Beitrag zur Stabsarbeit von CENTCOM.

Der Leiter des Verbindungskommandos ist aufgrund seines Dienstgrades in den Kreis der multinationalen Generale bei CENTCOM eingebunden. In die- sem Kreis findet ein häufiger und reger Informationsaustausch innerhalb und au- ßerhalb des Dienstes statt. Ebenfalls hat der Leiter aufgrund seines Dienstgrades unmittelbaren Zugang zur Command Group USCENTCOM.

Nach Umgliederungen in 12/2002, 03/2004 und 11/2005 umfasst das DtVerbKdo derzeit folgende Dienstposten:

1 Brigadegeneral, 3 Stabsoffiziere (1x Heer/ Luftwaffe im Wechsel, 1x Marine, 1x Streitkräftebasis) sowie 2 Unteroffiziere mit Portepee. Das DtVerbKdo wird nicht in der Sollorganisation Bundeswehr geführt und ist so- mit keine Dienststelle sowie auch keine Außenstelle des Bundeswehrkommandos USA/ CANADA (US/ CA). Alle Soldaten werden in der Regel für vier bis sechs Monate, in Ausnahmefällen für ein bis zwei Jahre zum Bundeswehrkommando US/ CA mit Dienstort TAMPA kommandiert.

Daher ist der truppendienstliche Vorgesetzte al- ler deutschen Soldaten in TAMPA der Kommandeur Bundeswehrkommando US/ CA. Der Leiter DtVerbKdo ist Vorgesetzter nach § 3 Vorgesetztenverordnung und fachlicher Vorgesetzter der fünf Soldaten des DtVerbKdo. Im Rahmen der „Operation Enduring Freedom“ wurde Anfang 2003 im Stab US CENTCOM eine „Combined

Freedom“ wurde Anfang 2003 im Stab US CENTCOM eine „Combined Koalitionspartner in TAMPA ZU GLEICH 2

Koalitionspartner in TAMPA

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Arbeitsgeflecht des DtVerbKdo‘s Einen Termin bei COM/ DCOM/ CoS (Commander/ Deputy Commander/ Chief of Staff)
Arbeitsgeflecht des DtVerbKdo‘s Einen Termin bei COM/ DCOM/ CoS (Commander/ Deputy Commander/ Chief of Staff)

Arbeitsgeflecht des DtVerbKdo‘s

Einen Termin bei COM/ DCOM/ CoS (Commander/ Deputy Commander/ Chief of Staff) erhalten die Generale bei Bedarf spätestens innerhalb von 24 Stunden. Ich konnte das Vortragsrecht in der Command Group mehrfach nut- zen.

das Vortragsrecht in der Command Group mehrfach nut- zen. Brigadegeneral Heribert Hupka bei General James N.

Brigadegeneral Heribert Hupka bei General James N. Mattis

Im HQ USCENTCOM und in der amerikanischen Öffentlichkeit wird sehr wohl verfolgt und wahrgenom- men, welche Nationen solidarisch an der Seite der ei- genen US- Streitkräfte stehen. Die Beteiligung an der Koalition wird daher als entsprechender Gradmesser

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gesehen. Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit des Verbindungskommandos im Zuge der Feierlichkeiten zum 3. Oktober (ca. 250 Teilnehmer), Teilnahme und Organisation der International Night (ca. 2.000 Besucher), sowie durch das monatliche Engagement mit der Military Officers Association of America (MOAA) zu Gunsten schwerst verwundeter und traumatisierter Soldaten in einem Veteranenkrankenhaus in TAMPA und weiterer öffentlichkeitswirksamer Auftritte, werden die deutschen Soldaten in der Öffentlichkeit wahrgenommen und im Gegenzug zu Vorträgen, z. B. an der Universität TAMPA, der University of South FLORIDA oder zu Tagungen eingeladen. Dies wiederum ermöglicht das Darstellen und Erläutern deutscher Positionen. Anbei ei- nige Eindrücke zu den sozialen Aktivitäten:

Anbei ei - nige Eindrücke zu den sozialen Aktivitäten: Hilfe im Veteranenhospital anlässlich der Operation Helping

Hilfe im Veteranenhospital anlässlich der Operation Helping Hands

Zusammenfassend kann ich nach sechsmonatiger Leitung des DtVerbkdo HQ USCENTCOM berichten, dass ich in dieser

Zusammenfassend kann ich nach sechsmonatiger Leitung des DtVerbkdo HQ USCENTCOM berichten, dass ich in dieser Verwendung umfangreichen Einblick in die strategische Führung von Auslandseinsätzen er- halten habe, dass die Zusammenarbeit sowohl mit der Gastnation als auch den anderen Teilnehmern der Koalition sehr viele interessante Erlebnisse erbracht hat, dass Freundschaften im internationalen Bereich gewach- sen und die sechs Monate dadurch schnell vergangen sind. Interssant war auch die Zusammenarbeit mit meinen Kameraden des Heeres, der Marine, der Luftwaffe und der Streitkräftebasis im Verbindungskommando selbst, für deren Unterstützung, die gelebte Kameradschaft über Dienstgradebenen hinweg und das entgegengebrachte Vertrauen ich dankbar bin.

So freue ich mich einerseits über die Rückkehr nach IDAR- OBERSTEIN, blicke aber auch auf eine interes- sante Zeit in TAMPA zurück. Nach meiner Bewertung kön- nen zukünftige Herausforderungen nur gemeinsam mit unseren internationalen Partnern bewältigt werden. Dies setzt u. a. auch eine dauerhafte Präsenz von deutschen Soldaten bei HQ USCENTCOM voraus.

Präsenz von deutschen Soldaten bei HQ USCENTCOM voraus. Solidaritätsbekundungen Flag Waving ZU GLEICH 2 / 2012
Präsenz von deutschen Soldaten bei HQ USCENTCOM voraus. Solidaritätsbekundungen Flag Waving ZU GLEICH 2 / 2012

Solidaritätsbekundungen

Präsenz von deutschen Soldaten bei HQ USCENTCOM voraus. Solidaritätsbekundungen Flag Waving ZU GLEICH 2 / 2012

Flag Waving

Präsenz von deutschen Soldaten bei HQ USCENTCOM voraus. Solidaritätsbekundungen Flag Waving ZU GLEICH 2 / 2012

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Des TIGERs Zukunft Major i. G. Christian Schünke, Rüstungsstabsoffizier im Dezernat 3, Bereich Weiterentwicklung
Des TIGERs Zukunft Major i. G. Christian Schünke, Rüstungsstabsoffizier im Dezernat 3, Bereich Weiterentwicklung

Des TIGERs Zukunft

Major i. G. Christian Schünke, Rüstungsstabsoffizier im Dezernat 3, Bereich Weiterentwicklung Heeresfliegertruppe und bevollmächtigter Vertreter des Generals der Heeresfliegertruppe für den UH TIGER

Noch in diesem Jahr werden die ersten deutschen Kampfhubschrauber UH TIGER nach AFGHANISTAN verlegen. Während die französischen TIGER dort be- reits seit längerem im Einsatz sind, bereiten sich nun auch die spanischen Streitkräfte auf einen Einsatz mit TIGER in AFGHANISTAN vor. Somit werden im kom- menden Jahr drei der vier TIGER- Nationen Gelegen- heit haben, die Kampfkraft dieses Waffensystems im Einsatz zu beweisen.

Parallel dazu findet bereits die materielle Weiterentwick- lung des Waffensystems TIGER sowohl national als auch insbesondere multinational statt. Nach einem vorberei- tenden Workshop von Delegationen aus FRANKREICH, AUSTRALIEN und DEUTSCHLAND im Mai dieses Jah- res in MARIGNANE, FRANKREICH, findet im November die erste „TIGER Capability Assurance Working Group“ (TCWG) in BONN statt.

Dabei werden die drei Nationen darüber diskutieren, wie das Waffensystem TIGER gemeinsam für die Jahre 2020 und folgende in der Kampfkraft gesteigert, bzw. der fort- schreitenden Waffentechnik angepasst werden kann. Ziel des gemeinsamen Ansatzes ist auch, durch den flotten- übergreifenden Ansatz von drei, ggf. nach Aufnahme SPA- NIENs sogar vier Nationen Einsparungen von Haushalts- mitteln zu ermöglichen.

Im Folgenden soll nunmehr ein Abriss der (möglichen) Zukunft des deutschen UH TIGER aus Sicht der Heeres- fliegertruppe dargestellt werden, um ein schlaglichtartiges Bild aufzuzeigen, wie der zukünftige UH TIGER seinen Beitrag zur Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerun- terstützung leisten könnte. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass sich dieses Bild insbesondere zum jetzigen sehr frühen Zeitpunkt in einem stetigen Fluss der Verän- derung und Anpassung durch technische, politische und finanzielle Einflüsse befindet.

Führungsfähigkeit

Im Bereich der Führungsfähigkeit drehen sich die Überle- gungen der Heeresfliegertruppe unter anderem um die Be- griffe Interoperabilität Drehflügler und Führung über große Distanzen. Ziel ist die Verbesserung der Datenraten und der Übertragungssicherheit über große Distanzen um z. B. auch hochauflösende Bilder zwischen Luftfahrzeugen und über FüInfoSysH (Führungs- Informations- System Heer) mit anderen Verbänden austauschen zu können.

Aufklärung

Die Sensorik des UH TIGER ist – auch im internationa- len Vergleich – hervorragend. Trotz der für Drehflügler typischen Vibrationen liefern die Sensoren im Mastvisier durch entsprechende Dämpfungsmechanismen sehr gute

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Bilder im optischen und infraroten Spektrum. So ist eine Gefechtsaufklärung auf Distanzen von 8000 Meter und mehr möglich. Daher gehen die Ideen zur Weiterentwick- lung im Bereich Weiterentwicklung HFlgTr unter anderem in die Richtung Erweiterung der Sensorik, z. B., um eine farbauflösende Kamera und um zusätzliche Funktionen wie z. B. der Austausch von Sensordaten mit anderen Lfz (Luftfahrzeugen) und UAV (Unmanned Aerial Vehicle) in Echtzeit.

und UAV (Unmanned Aerial Vehicle) in Echtzeit. „UHT Cockpit“: im Helm integrierte moderne Sichtsysteme

„UHT Cockpit“: im Helm integrierte moderne Sichtsysteme in Kombination mit hervorragenden Sensoren liefern der Besat- zung sehr gute Bilder im optischen und infraroten Spektrum

Mobilität

Maßnahmen zur Erhöhung der Mobilität des Waffensy- stems TIGER werden derzeit sehr umfangreich diskutiert, sowohl national als auch international. Bereits im Endsta- dium der Entwicklung befindet sich eine leistungsgestei- gerte Variante des Triebwerks. Auf Kosten einer geringe- ren Reichweite (auf Grund erhöhten Treibstoffverbrauchs) kann damit die Leistung in größeren Höhen oder in heißen Temperaturbereichen gesteigert und damit z. B. die Trag- last an Waffen und Munition unter derartigen klimatischen Bedingungen erhöht werden.

Auch gibt es schon fortgeschrittene Ideen zur Implemen- tierung eines multispektralen FLIR (Forward Looking Inf- rared Radar). Auf dieses abgestützt könnte ein zukünftiger TIGER auch bei Sichtverhältnissen eingesetzt werden, die heute einen Einsatz nicht zulassen.

Ein weiterer Ansatz ist die Navalisierung, also die Anpas- sung an Einsätze von See aus. Dieser Aspekt umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher möglicher Maßnahmen von spezifischen Kommunikationsmitteln und Navigations- geräten über Überlebens- und Notwasserungsausrüstung

bis hin zu logistischen Überlegungen (Stichwort Salzwas- serkorrosion). Hier gilt es, aus einem umfangreichen Kata- log an Möglichkeiten die zweckmäßigen und notwendigen auszuwählen und finanzierbar umzusetzen.

und notwendigen auszuwählen und finanzierbar umzusetzen. „UHT Stendal“: Der UH TIGER vor dem Einsatz Wirksamkeit

„UHT Stendal“: Der UH TIGER vor dem Einsatz

Wirksamkeit im Einsatz

Bereits in der ZU GLEICH 1/2012 wurde über die Bewaff- nung des UH TIGER berichtet. Im bevorstehenden Ein- satz in AFGHANISTAN wird der UH TIGER ein schweres Maschinengewehr 12,7mm, ungelenkte Raketen 70mm und Lenkflugkörper HOT zum Einsatz bringen.

Ein zukünftiger TIGER soll nach Vorstellung des Bereichs Weiterentwicklung HFlgTr an Stelle des schweren Maschi- nengewehrs 12,7mm über eine Maschinenkanone 20mm (ggf. 30mm) ebenfalls in einem Pod an einer der inneren Waffenhalterungen verfügen und damit über eine deutlich verbesserte Wirkung im Ziel.

Die ungelenkten Raketen 70mm sollen weiter beibehal- ten werden, jedoch mit der zusätzlichen Möglichkeit, die- se über ein eigenes Zielbeleuchtungssystem und eine

die - se über ein eigenes Zielbeleuchtungssystem und eine „UHT Raketen“: ungelenkte (Übungs-) Raketen 70mm werden

„UHT Raketen“: ungelenkte (Übungs-) Raketen 70mm werden von Hand aufmunitioniert

(Übungs-) Raketen 70mm werden von Hand aufmunitioniert lenkbare Raketenvariante äußerst präzise zur Wirkung zu

lenkbare Raketenvariante äußerst präzise zur Wirkung zu bringen. Ein entsprechender erster Schritt, die Implemen- tierung der lenkbaren Raketen, ist bereits eingeleitet. Als zweiter Schritt wird dann zu einem späteren Zeitpunkt die Integration des Zielbeleuchtungssystems erfolgen.

Im Bereich der Lenkflugkörper wird wohl in absehbarer Zeit das System HOT durch PARS 3 LR (Panzer- Ab- wehr- Raketen- System, 3. Generation, lange Reichweite) ergänzt werden. Damit steht dann nicht nur ein bis zum letzten Moment lenkbares System, sondern auch ein so- genanntes „Fire and Forget“- System zur Verfügung.

Überlebensfähigkeit & Schutz

Höchste Priorität bei der Weiterentwicklung des Waffen- systems TIGER in der Kategorie Überlebensfähigkeit & Schutz hat die Verbesserung und Erweiterung des „Elec- tronic Warfare System“ (EWS). War man bei der Konzipie- rung des Systems von einem tieffliegenden Hubschrauber ausgegangen, so zeigt die Gegenwart, dass insbesondere in asymmetrischen Konflikten die Luftfahrzeuge in Höhen von 1500ft und darüber operieren. Da nunmehr jedoch im Gegensatz zu den ursprünglichen Annahmen ein Be- schuss von unten möglich und auch wahrscheinlich ist, wird ein zusätzlicher bodenseitiger Sensor für die EWS gefordert.

Voraussetzungen

Im Gegensatz zu den „alten“ Waffensystemen verfügt der UH TIGER über eine Vielzahl von elektronischen Syste- men. Je nach Variante sind in einem TIGER 17 Rechen- anlagen für unterschiedliche Systeme verbaut, die über drei BUS- Systeme miteinander kommunizieren. Zum Zeitpunkt der Entwicklung war dies Stand der Technik und eine moderne Herangehensweise.

Heute sind diese Rechenanlagen – wie sich jeder vorstel- len kann – überaus veraltet, teilweise deshalb sogar nicht mehr versorgbar. Daher ist eine Neustrukturierung der elektronischen Anlagen eine wesentliche – und bedauer- licherweise auch überaus teure – Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung aller Varianten des Waf- fensystems TIGER.

Im Bereich dieser für alle vier Nationen notwendigen Ar- beitsschritte gleichen Inhalts liegt nunmehr die Chance auf erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Weiterentwick- lung bzw. Sicherstellung der Einsatzbereitschaft des Waf- fensystems TIGER. Während in national geprägten Kate- gorien wie Wirksamkeit im Einsatz oder Führungsfähigkeit eine multinationale Zusammenarbeit vermutlich nur sehr schwer oder eingeschränkt möglich sein wird, haben ge- meinsame Komponenten des in allen Varianten gleichen Basishubschraubers wenige dahingehende Restriktionen, gleichzeitig aber ein erhebliches Potential für Einsparun- gen von Haushaltsmitteln. Vermutlich wird der finanziel- le Druck für sich genommen neben anderen Aspekten bereits ausreichen, um eine erfolgreiche multinationale Zusammenarbeit im Rahmen der „TIGER Capability As- surance Working Group“ sicherzustellen.

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Mit einem Klick zum Erfolg – Einsatz von VBS2 in der Ausbildung von JFST im
Mit einem Klick zum Erfolg – Einsatz von VBS2 in der Ausbildung von JFST im

Mit einem Klick zum Erfolg – Einsatz von VBS2 in der Ausbildung von JFST im Offizierlehrgang 3

Oberleutnant Michael Häußer, Lehrgangsteilnehmer im Offizierlehrgang 3, nach Lehrgangsende Beobachtungsoffizier 5./ Artillerielehrregiment 345, KUSEL

Bisher war es ein ruhiger Tag auf der B- Stelle des Joint Fire Support Teams (JFST) in der Nähe von IDAR- OBERSTEIN. Das Aufregendste war bis zur jetzigen Stunde ein Einschießen zum Ermitteln von Verbesserungswerten. Die Beobachter arbeiten abge- sessen im Ersatzbetrieb 2, weshalb das Einschießen nötig wurde. Es ist bereits Nachmittag, seit Stunden ist nichts vom Feind zu sehen, der entlang der Straße in ca. 1,5 Kilometern Entfernung vor der eigenen Stel- lung vorrücken sollte.

Plötzlich ein Funkspruch der Kampftruppe, weiter südlich vor eigener Stellung wurden vier Schützentrupps in Stel- lung aufgeklärt. Ein Stellungswechsel ist nötig, um Sicht- verbindung herstellen zu können. Hektisch zieht Oberleut- nant Schatzmeister Maus und Tastatur zu sich heran und steuert seinen Trupp in eine andere Stellung, in der er den Feind mit dem digitalen Doppelfernrohr aufklären und be- obachten kann. Per digitalen Kompass wird der Sehstrei- fen ermittelt und notiert. Nun nimmt er seine Lagekarte und ermittelt per Karten-/ Geländevergleich die Koordina- ten der aufgeklärten Schützentrupps. Mit Hilfe des KW– Bestecks (Karten Winkelmesser) greift er die Entfernung aus der Karte heraus und überprüft erneut den Sehstrei- fen. Schnell wird noch der Feuerbefehl auf dem Vordruck ausgefüllt, schon eröffnet der Beobachter per Tastendruck den Funkkreis zur Feuerleitstelle, gibt den Feuerbefehl durch und wenige Minuten später meldet dieser „feuerbe- reit!“.

Auch wenn das Ziel quasistationär ist, führt der Beobachter ein Einschießen gegen das Ziel durch. Der erste Schuss liegt außerhalb des Sehstreifens links weit. Anhand des digitalen Doppelfernrohres wird die Seitenablage in Strich gemessen und die Korrektur befohlen. Diesmal liegt der Schuss im Sehstreifen, jedoch immer noch weit. Schatz- meister beginnt mit dem „Eingabeln“ auf das Ziel. Nach- dem die 50- Meter- Gabel gebildet wurde, werden die feindlichen Schützentrupps mit vier Gruppen Sprengmuni- tion zerschlagen. Der Detonationsrauch wird vom Rauch der brennenden Begleitfahrzeuge abgelöst, der Beobach- ter beendet das Wirkungsschießen, nachdem er die For- derung seines Kampftruppenchefs erfüllt hat. Als letztes erfolgen die Schießbesprechung und die Auswertung des Schießens durch den Ausbilder.

Stopp! Digitaler Kompass, digitales Doppelfernrohr? Maus und Tastatur zum Bewegen des Trupps? Auswertung des Schießens durch den Ausbilder? Diese oder andere Fra- gen könnte sich jetzt der Leser dieses Artikels stellen. Dies sind nicht etwa neue Formen der modernen Gefechtsfüh- rung mit Kampfrobotern, welche von einem modernen Gefechtszentrum gesteuert werden. Nein, soweit ist die wehrtechnische Entwicklung noch nicht. Vielmehr wurde hier eine mögliche neue Form der Ausbildung von Schieß-

ZU GLEICH 2 / 2012

neue Form der Ausbildung von Schieß - ZU GLEICH 2 / 2012 Standortbestimmung Digitaler Kompass verfahren

Standortbestimmung

von Schieß - ZU GLEICH 2 / 2012 Standortbestimmung Digitaler Kompass verfahren für die JFST, hier

Digitaler Kompass

verfahren für die JFST, hier speziell der Boden- Boden- Anteile, beschrieben.

Derzeit üben die angehenden Beobachter noch im Schieß- simulator BT33 aus dem Jahr 1973. Bei der Artillerieschu- le sieht dieser wie folgt aus: Die Lehrgangsteilnehmer sitzen verteilt auf drei Reihen auf Holzbänken vor einer Leinwand. An dieser wird mit Hilfe eines Dias ein bestimm- ter Geländeausschnitt Deutschlands projiziert. Jedoch ist dieses Dia nicht fotorealistisch. Es ähnelt eher einer guten farbigen Zeichnung. Weiterhin ist es aufgrund des Alters teilweise bereits deutlich ausgegilbt. Manche Geländeab- schnitte der zwei vorhandenen Geländeausschnitte, die

restlichen können nicht mehr genutzt werden, sind kaum noch zu erkennen.

Die Lehrgangsteilnehmer bestimmen, falls er ihnen nicht vorgegeben wird, per Karte-/ Geländevergleich ihren ei- genen Standort. Für die Beobachtung stehen ihnen Dop- pelfernrohre zur Verfügung, welche entsprechend auf die unterschiedlichen Entfernungen eingerichtet sind. Für das Schießen werden weiße Zeichen auf das Gelände proji- ziert. Wird dieses Ziel durch den Bobachter bekämpft, symbolisieren weiße Symbole die Aufschläge. Ein Aus- bilder bedient all dies mit einem betagten Rechner. Trotz dieser archaisch anmutenden Beschreibung erfüllt der BT33 tapfer seinen Zweck und bereitet die Beobachter auf das Schießen mit scharfer Munition auf einem Trup- penübungsplatz vor.

Dennoch ist der BT33 mittlerweile über 40 Jahre alt. In der heutigen Zeit, mit ihren technischen Möglichkeiten, kann diese Ausbildung auch moderner stattfinden. Wie sie aussehen könnte, wurde zu Beginn des Artikels be- schrieben. Als Grundlage der Ausbildung diente die neue Anlage „VBS2– STF“, welche durch die Zentrale Ausbil- dungseinrichtung Artillerie, kurz ZAA, zur Verfügung ge- stellt wurde.

Doch was ist VBS2?

VBS2 steht für „Virtual Battle Space 2“, was man in Virtuel- les Gefechtsfeld übersetzen kann. VBS2 ist eine adaptierte Militärsimulation, welche zur Darstellung die Grafikengine des Computerspiels ARMA verwendet. Auch wenn ARMA den Anspruch erhebt, eine Militärsimulation zu sein, ist es dennoch nur ein Spiel. Im Schwerpunkt dient es zur Un- terhaltung des Spielers, militärische Verfahren spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Dagegen fällt VBS2 in die Kategorie des „Serious Ga- mings“. Mit ihm können verschiedene reale Gelände, Ge- fechtsfahrzeuge und Wirkungen verschiedenster Effekto- ren simuliert werden. Dagegen existieren im Gegensatz zum Spiel weder eine automatische Wiederbelebung noch Zielhilfen oder automatische Speicherungen. Innerhalb ei- nes Szenarios können Wetterbedingungen oder ähnliches schnell geändert werden, was wiederum Einfluss auf den Ausbildungsteilnehmer haben kann. Mit Hilfe der Simula- tion VBS2 können alle Verfahren für einen koordinierten Einsatz von Waffen des Heeres, der Luftwaffe und Marine geübt werden, weshalb die ZAA als Nukleus für die künfti- ge Zentrale Ausbildungseinrichtung Streitkräftegemeinsa- me Taktische Feuerunterstützung (ZA STF) die Simulation für ihre Ausbildung mitverwendet. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf der einsatzvorbereitenden Ausbildung für AF- GHANISTAN. Dazu ist VBS2 STF auf drei Räume verteilt, in denen die Auszubildenden, höhere Führungsebenen und die Leitung sitzen.

Neben der Auslandseinsatzvorbereitung wurden auch schon andere Szenarien und Ausbildungen durchgeführt. So wurde bereits eine Angriffsoperation oder das Schie- ßen im Sehstreifenverfahren für verschiedene Bedarfsträ- ger unter Nutzung von VBS2 durchgeführt.

Im Zeitraum vom 18.09. bis 20.09.2012 nutzte die I. Ins- pektion der Artillerieschule die VBS2 STF, um Schießver- fahren zu üben. Seit Ende Januar 2012 ist die I. Inspek- tion für die Ausbildung der Artillerieoffiziere sowie einige

für die Ausbildung der Artillerieoffiziere sowie einige Kameraden der Infanterie und der Heeresaufklärer, mit

Kameraden der Infanterie und der Heeresaufklärer, mit Masse des 76. Offizieranwärterjahrgangs, verantwortlich. Unter anderem ist auch ein STF- Anteil (Streitkräftege- meinsame Taktische Feuerunterstützung) dabei. Hier wer- den die Lehrgangsteilnehmer zu Führern der JFST ausge- bildet. Ihre artilleristische Tätigkeit entspricht dem bishe- rigen Artilleriebeobachter. Dementsprechend müssen sie die artilleristischen Schießverfahren lernen. Aufgrund der Lehrgangsstärke wurde dies sowohl im BT 33 als auch im Verfahrenstrainer VBS2 STF durchgeführt.

Im VBS2 STF sitzt jeder Lehrgangsteilnehmer vor ei- nem eigenen Bildschirm und kann mit Maus und Tastatur seinen digitalen Charakter, den Avatar, steuern. Für die Übung wurde digitales Gelände verwendet, welches dem um IDAR- OBERSTEIN entspricht. Dieses Modellgelände wurde eigens für Ausbildungen durch das für VBS2 ver- antwortliche Personal der ZAA entwickelt. Da im Vorder- grund nur die Schießverfahren standen, wurde auf takti- sches Vorgehen oder gedeckte B- Stellen verzichtet. So standen die Charaktere auf Wachtürmen, beobachteten das digitale Umfeld mit digitalen Ferngläsern und nutzten einen digitalen Kompass zur Ermittlung des Beobach- tungsrichtungswinkels. Dennoch verwendeten sie wie im BT33 eine Geländekarte aus Papier. Nur so war es ihnen möglich, einen Planzeiger ermitteln zu können. Ebenfalls konnte mit Hilfe des KW- Bestecks ein genauerer Beob- achtungsrichtungswinkel ermittelt werden als mit dem di- gitalen Kompass.

ermittelt werden als mit dem di- gitalen Kompass. Artilleristischer Vollkreis/ KW- Besteck Die Entfernung zum

Artilleristischer Vollkreis/ KW- Besteck

Die Entfernung zum Ziel konnte bei dieser Übung eben- falls nur aus der Papierkarte heraus entnommen werden. Als letztes wurde, falls nötig, anhand eines Karten-/ Ge- ländevergleichs, die Zielachse bestimmt. Hatte der Lehr- gangsteilnehmer alle Punkte des Schießbefehls ermittelt, funkte er diesen netzwerkgestützt über ein Headset an den Feuerleitfeldwebel der ZAA, welcher im Nebenraum saß und das Programm VBS2 Fires bediente.

VBS2 Fires ist eine Zusatzapplikation für VBS 2. Sie be- rechnet und stellt das Feuer der Rohr- und Raketenartil- lerie in VBS2 dar. Weiterhin kann der Feuerleitfeldwebel anhand einer Nutzeroberfläche unter anderem einstellen, welches Geschütz feuert, welche Munition verfeuert wird.

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42 Cent/Min. inkl. MwSt.) ZU GLEICH 2 / 2012 www.asmc.de 20 Alle Schießverfahren der Artillerie können

Alle Schießverfahren der Artillerie können einschließlich der Korrekturverfahren geübt werden.

einschließlich der Korrekturverfahren geübt werden. Feuerbefehl Entsprechend des Feuerbefehls des

Feuerbefehl

Entsprechend des Feuerbefehls des Lehrgangsteilneh- mers stellte der Feuerleitfeldwebel alles in VBS2 Fires ein und löste auf Befehl des Beobachters den Schuss aus. Über Funk meldete er den erwarteten Aufschlag, was der Beobachter bestätigte. Nachdem dieser den Aufschlag beobachtet hatte, maß er mit dem digitalen Fernglas die Ablage in Strich und rechnete sie in Me- ter um. Die Korrektur gab er an den Feuerleitfeldwebel weiter. Dieser pflegte die Korrektur bei VBS2 Fires ein und feuerte einen weiteren virtuellen Schuss. Mit Bilden der 100- ,Meter- Gabel war das Schießen beendet. Der Lehrgangsteilnehmer führte daraufhin eine Schießbe- sprechung durch.

Während des kompletten Schießens wurde der Lehr- gangsteilnehmer von einem Ausbildungsfeldwebel be- obachtet und nötigenfalls unterstützt. Zu Beginn des Schießens glich er die ermittelten Koordinaten des Zie- les mit denen ab, welche er von der Leitung erhalten hatte. Während des Schießens blickte er auf den Bild-

ab, welche er von der Leitung erhalten hatte. Während des Schießens blickte er auf den Bild

Der Ausbildungsfeldwebel

schirm des Schießenden und ließ sich die Entfernung zum Ziel und die Ablage des Schusses in Strich ange- ben.

So konnten die anderen Lehrgangsteilnehmer eigenstän- dig mitrechnen, welche Korrektur in Meter gegeben wer- den musste. Weiterhin konnte der Ausbildungsfeldwebel sich an einem anderen Bildschirm die reale Entfernung zwischen Auftreffpunkt und Ziel anzeigen lassen. Anhand dieser Information wusste er, ob die errechnete Ablage in Meter richtig ist oder ob sich der Lehrgangsteilnehmer verrechnet bzw. eine falsche Ablage gemessen hat. Beim sogenannten „Eingabeln“ auf das Ziel waren die Entfer- nungsangaben ebenfalls für den Ausbilder hilfreich, um das Schießen des Lehrgangsteilnehmers besser beurtei- len zu können.

Zu Beginn einer Ausbildung beobachteten alle Lehr- gangsteilnehmer das Schießen auf ihrem jeweiligen Bild- schirm. Vorher wurde die Kamerasicht auf den Charakter des jeweils Schießenden umgestellt. Die Lehrgangs- teilnehmer sahen daraufhin das, was der Schießende sah. Leider ist es bisher noch nicht möglich, dass das Strichbild des Fernrohres mit angezeigt wird. Entspre- chend musste die Ablage in Strich nach jedem Schuss laut geäußert werden, damit die nichtschießenden Lehr- gangsteilnehmer mitrechnen konnten. Im Laufe der Aus- bildungstage wurde diese Art der Ausbildung verändert. Nachdem die Lehrgangsteilnehmer zwei Schießen in der eben beschriebenen Art und Weise beobachtet haben, konnte ein Großteil der Lehrgangsteilnehmer an ihren Rechnern weitere Ziele suchen, auffassen und ein Wir- kungsschießen nach Einschießen vorbereiten. Entspre- chend konnte nach jeder Schießbesprechung ein weite- rer Lehrgangsteilnehmer direkt mit dem nächsten Feuer- befehl beginnen. So konnte die Ausbildungszeit effekti- ver genutzt werden. Schossen am ersten Ausbildungstag nur fünf von neun Lehrgangsteilnehmern, konnten am dritten Tag alle neun Lehrgangsteilnehmer zwei Schie- ßen durchführen. Von daher empfiehlt es sich, diese Art der Ausbildung bei einer weiteren Nutzung von VBS2 zu bevorzugen.

Wie war nun die Resonanz der Lehrgangsteilnehmer? Im Allgemeinen war bereits die Nutzung einer modernen, 3D-gestützten Simulation ein sehr positiver Aspekt. Die Handhabung von Maus und Tastatur war für die meis- ten Soldaten kein Problem. Falls jemand doch Bedie- nungsprobleme hatte, konnten diese jedoch nach kurzer

- nungsprobleme hatte, konnten diese jedoch nach kurzer Einweisungs- und Anwendungszeit behoben werden, was

Einweisungs- und Anwendungszeit behoben werden, was wiederum positiv aufgenommen und geäußert wurde. Als weiterer positiver Punkt wurde die teils sehr realistische Darstellung des Geländes, der Zielfahrzeuge und der Ar- tillerieeffekte geäußert. Für den Ausbilder war, wie schon beschrieben, das Messen der Ablagen zwischen Ziel und Aufschlagspunkt an einem weiteren Rechner von Vorteil. Ein wesentlicher Vorteil von VBS2 ist jedoch, dass jedes Gelände in fast beliebiger Ausdehnung erstellt und ge- nutzt werden kann. Eine Begrenzung wie beim BT33 auf zwei Dias entfällt.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Ausbildung muss mehr als bisher so organisiert werden, dass kei- ne Langeweile bei den Lehrgangteilnehmern aufkommt. Mögliche Lösungen wurden erwähnt. Sicherlich wird mit steigender Nutzung von VBS2 und wachsender Erfahrung der Ausbilder das Konzept verfeinert und den Möglichkei- ten angepasst.

Weiterhin arbeitet nicht jede Person gerne an einem Bild- schirm und nimmt lieber ein reales Fernrohr in die Hand als eine digitale Version. Anderen wiederum waren die Bildschirme zu klein und sie bevorzugen eine Variante ähnlich des BT33. So könnte das Bild künftig per Beamer an eine größere Wand geworfen werden.

Die Bedienung von VBS2 Fires erfordert eine Ausbildung vergleichbar einem Feuerleitfeldwebel, um die Software bedienen zu können. Neben einem Ausbilder für die Lehrgangsteilnehmer ist es weiterhin zweckmäßig, einen „VBS2- Experten“ für auftretende Systemprobleme oder für die Nutzung erweiterter Funktionen von VBS2 zur Ver- fügung zu haben. Somit benötigt man mindestens zwei Ausbilder für eine Ausbildung.

Trotz der wenigen genannten Kritikpunkte war die Aus- bildung ein voller Erfolg. Allein die Aussage der Lehr- gangsteilnehmer, dass man gerne häufiger VBS2 nut- zen möchte und dass man etwas gelernt hätte, kann als Erfolgsindikator gewertet werden. Weiterhin ist davon auszugehen, dass die I. Inspektion in Absprache mit ZAA, weitere VBS2-gestützte Ausbildungen durchfüh- ren wird.

Insgesamt zeigt dies, dass VBS2 sowohl von den Lehr- gangsteilnehmern als auch von den Ausbildern akzeptiert wird. Ein auf VBS2 basierender Simulator könnte somit eine moderne und zukunftsorientierte Alternative zum BT33 sein.

Simulator könnte somit eine moderne und zukunftsorientierte Alternative zum BT33 sein. ZU GLEICH 2 / 2012

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Der Forward Air Controller – die Luft/ Boden- Seite des Joint Fire Support Teams Oberstleutnant
Der Forward Air Controller – die Luft/ Boden- Seite des Joint Fire Support Teams Oberstleutnant

Der Forward Air Controller – die Luft/ Boden- Seite des Joint Fire Support Teams

Oberstleutnant Ingo Langhage, bis März 2012 Dezernent beim Luftwaffenführungskommando A5 III a, zuständig für die streitkräftegemeinsame Einsatzausbildung von Fliegerleitoffizieren. Major Frank Weise, Dezernent beim Luftwaffenführungskommando A 5 I, zuständig für die konzeptionelle Grund- satzarbeit im Bereich Streitkräftegemeinsamer Taktischer Feuerunterstützung (STF) und nimmt seit April 2012 den Aufgabenbereich Fliegerleitorganisation kommissarisch mit wahr. Mit freundlicher Zuarbeit durch den Dienstältesten Deutschen Offizier/ Deutscher Anteil am Centre de Formation a‘ L‘Appui Aerienne (DDO/ DtA CFAA).

Mit dem militärischen Einsatz von Luftfahrzeugen vor rund 100 Jahren, begann die Herausforderung das Bodengefecht effektiv und sicher aus der Luft zu un- terstützen. Schlüssel hierfür war und ist die Kommu- nikation zwischen den Truppen am Boden und den unterstützenden Luftfahrzeugen. Im Ersten Weltkrieg entwickelte Verfahren, die eigene Truppe durch Ein- satz von Signalmitteln wie Rauch oder Sichtzeichen zu markieren und den Piloten somit bei ihrem Angriff die Orientierung zu erleichtern, haben bis heute Gül- tigkeit. Mit Entwicklung der Funktechnik konnte der Einsatz von Luftstreitkräften gezielter mit Feuer und Bewegung der Truppe abgestimmt und koordiniert werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden Piloten der deutschen Luftwaffe als Stuka- und Fliegerleitoffizie- re, bei den Alliierten als Mobile Fighter Controller oder Forward Air Controller (FAC) eingesetzt. In dieser Rol- le befanden sich die Piloten entweder in vorgescho- bener Position bei der Kampftruppe oder in einem Be- obachtungsflugzeug über dem Gefechtsfeld. Sie for- derten Luftunterstützung an, unterstützten die anflie- genden Piloten bei der Zielauffassung und beurteilten die erzielte Wirkung. Der Einsatz des FAC sowohl am Boden als auch in der Luft als so genannter FAC- Air- borne (FAC(A)) hat sich über die Einsätze der ameri- kanischen Streitkräfte in KOREA und VIETNAM bis hin zum aktuellen Einsatz der internationalen Schutztrup- pe in AFGHANISTAN bewährt und weiterentwickelt.

Heutige und künftig wahrscheinliche Einsätze zeigen eine steigende Bedeutung eines synergetischen, engen und unmittelbaren Zusammenwirkens von Luft-, Land- und Seestreitkräften im Verbund mit verbündeten Streitkräften im gesamten Einsatzraum auf. Dies schließt aus Sicht der Luftwaffe auch den Weltraum und Anteile des Informati- onsraumes mit ein.

Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung (STF) stellt für die Luftwaffe den Schwerpunkt des Be- reiches Wirkung im Zukunftsfeld Air Surface Integration (ASI) dar. Unter ASI versteht die Luftwaffe ihren Beitrag zu einer notwendigen umfassenden, koordinierten und ver- zugslosen Synchronisation aller vorhandenen Kräfte auf taktischer Ebene in einem Einsatzraum. Ziel dabei ist eine optimierte Integration von Luftstreitkräften in die Gesamt- operationsführung. ASI ist für die Luftwaffe für eine noch stärker als bisher ausgeprägte streitkräftegemeinsame Ausrichtung richtungsweisend. Auf STF aufbauend wer- den dabei auch die Felder Aufklärung, Führung, Wirkung und Unterstützung (Verbund A-F-W-U) für eine bessere

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gegenseitige Integration auf taktischer Ebene erschlos- sen.

Die Luftwaffe trägt derzeit primär mit auf Kampfflugzeugen basierenden Effekten zur STF bei. In diesem Kontext ist sie sowohl für die Aus- und Fortbildung sowie Inübunghal- tung der Fliegerleitoffiziere (FlgLtOffz)/ Forward Air Con- troller/ FAC) und Fliegerleitunterstützungsfeldwebel (FlgL- tUStgFw) als auch für die Standardisierung und Weiter- entwicklung von Luftnahunterstützungsverfahren (Close Air Support/ CAS) verantwortlich.

Ausbildung

In der Bundeswehr trägt die Luftwaffe seit Anfang der 60er Jahre die Verantwortung für die Ausbildung von Flieger- leitpersonal. Diese Ausbildung wurde bis 1997 in der Lehr- abteilung Luftunterstützung in FÜRSTENFELDBRUCK durchgeführt. Seit 1997 wird die Ausbildung bi-national in Kooperation mit den französischen Streitkräften am Cen- tre de Formation a‘ L‘Appui Aerienne (CFAA) in NANCY- OCHEY sichergestellt.

L‘Appui Aerienne (CFAA) in NANCY- OCHEY sichergestellt. Schulwappen CFAA Maßgeblich für die Ausbildung sind die

Schulwappen CFAA

Maßgeblich für die Ausbildung sind die NATO- weit stand- ardisierten Dokumente ATP 3.3.2.1 (Allied Tactical Pub- lication - Tactics, Techniques and Procedures for Close Air Support and Air Interdiction) und die STANAG 3797 (Standardization Agreement - Minimum Qualifications for Forward Air Controllers & Laser Operators in support of Forward Air Controllers). Während die ATP 3.3.2.1 die re- levanten Verfahren zur Luftnahunterstützung festlegt, be- stimmt die STANAG 3797 Ausbildungsumfang und -tiefe und legt die Kriterien für die jährliche Qualifikation fest. Ähnlich wie Luftfahrzeugbesatzungen müssen die FAC eine Minimum- Anzahl an Anflugkontrollen, eine jährliche theoretische und eine praktische Überprüfung absolvie- ren. Zum Nachweis führt jeder FAC eine persönliche Akte, den sogenannten 6- Part FAC Folder. Die Einhaltung der Vorgaben gemäß STANAG und ATP wird durch das NATO

FAC Standardisierungsteam des Head Quarter (HQ) Air Command (AC) RAMSTEIN regelmäßig überprüft. Die CFAA schloss 2010 eine Standardisierungsüberprüfung durch HQ AC RAMSTEIN mit Erfolg ab.

Der deutsche Beitrag zur CFAA besteht aus fünf Solda- ten. Neben einem Luftwaffenstabsoffizier als Dienstälte- ster Deutscher Offizier (DDO) werden seit Januar 2011 zwei weitere Offiziere als FAC Lehrer (FAC- Instructor) eingesetzt. Der DDO stammt vornehmlich aus dem flie- gerischen Dienst und bringt fundiertes Fachwissen zur Luftnahunterstützung in die Ausbildung ein. Auf der fran- zösischen Seite werden die Ausbilder mit fliegerischem Hintergrund, aber auch aus verschiedensten Fachberei- chen des Heeres sowie aus Spezialeinheiten gestellt. Der deutsche Anteil der Dienststelle untersteht dem Luftwaf- fenausbildungskommando. Von dort erfolgt die Zuweisung von Lehrgangsplätzen in enger Abstimmung mit den Füh- rungskommandos der Teilstreitkräfte. Die derzeitige, in englischer Sprache, durchgeführte Ausbildung zum „Cer- tified/ Qualified“ FAC umfasst sechs Wochen. In diesem Zeitraum wird jeder Lehrgangsteilnehmer gemäß dem Syllabus der Schule nach den gültigen NATO- Vorgaben ausgebildet.

Die Ausbildung gliedert sich in zwei Wochen Theorie mit insgesamt 40 Unterrichtseinheiten zum Thema Luftnah- unterstützung, eine Woche Verfahrenstraining im Simula- tor mit je vier bis fünf Durchgängen, und daran anschlie- ßend insgesamt drei Wochen praktische Ausbildung auf einem Truppenübungsplatz. In der Grundlagenausbil- dung, im Basic Training Course, werden die im Simulator erlernten Verfahren das erste Mal gemeinsam mit Luft- fahrzeugen angewandt. Im Rahmen der Fortgeschritte- nenausbildung, des Advanced Training Course, müssen die Schüler ihr Können in zunehmend komplexeren La- gen unter Beweis stellen. In dieser sehr fordernden und anspruchsvollen Ausbildung muss jeder zukünftige FAC mehrere theoretische Prüfungen sowie ca. 20 Anflugkon- trollen mit unterschiedlichen Luftfahrzeugmustern, auch unter Einsatz von Gefechtsmunition, absolvieren. Weite- re Schwerpunkte stellen die Ausbildung am Laserzielbe- leuchter, Nachtausbildung, Full Motion Video-unterstützte Zielansprache und die Begleitung von Marschkolonnen (Convoy- Escort) dar.

Die Lehrgangsteilnehmer stammen aus allen Teilstreit- kräften. Aus diesem Grund verfügt ein Großteil der Lehr- gangsteilnehmer über kein fliegerisches Hintergrundwis- sen. Dementsprechend hat sich die Einführung einer ein- wöchigen Ausbildung mit einem FAC- Simulator zwischen der Theorie- und Praxisphase bewährt. Die Ablöserate während den Praxislehrgängen konnte durch diese Maß- nahme spürbar gesenkt werden.

An der CFAA können pro Jahr etwa 70 FAC- Anwärter die Ausbildung zum Fliegerleitoffizier durchlaufen. FRANK- REICH stellt ca. zwei Drittel der Lehrgangsteilnehmer, das restliche Drittel umfasst Personal aus DEUTSCHLAND. Im Schnitt schließen rund 80% der Teilnehmer die Ausbil- dung mit der Berechtigung „Certified and Qualified FAC“ erfolgreich ab. Die Zusammenarbeit zwischen dem deut- schen und dem französischen Lehrpersonal basiert auf ei- nem hohen Niveau an Vertrauen, Akzeptanz und profitiert vom gegenseitigen, internationalen Erfahrungsaustausch.

vom gegenseitigen, internationalen Erfahrungsaustausch. Dadurch ist gewährleistet, dass auch zukünftig die Quali-

Dadurch ist gewährleistet, dass auch zukünftig die Quali- tät der FAC- Ausbildung auf einem hohen Niveau gehalten werden kann. Eine Herausforderung für die Ausbildung stellt die international zunehmende Reduzierung von Flugzeugen und Flugstunden dar. Der Unterstützung der Ausbildung mit moderner Simulatortechnik wird zukünftig ein hoher Stellenwert eingeräumt werden müssen, um die hohe Qualität der Ausbildung aufrecht zu erhalten.

Ausrüstung

Für die Auftragsdurchführung, die Führung von Luftfahr- zeugen im Rahmen von CAS, benötigt der FAC spezielle Ausrüstung zur Zieldatenermittlung bei Tag und Nacht, zur Zielmarkierung/ -beleuchtung sowie zur sicheren Kommu- nikation mit übergeordneter Führung, Luftfahrzeugen und Kampftruppe. Bedingt durch die Einsatzverpflichtung ISAF sowie die rasante technische Weiterentwicklung wurde die verfügbare FAC- Ausstattung in den letzten Jahren über- wiegend als sogenannter Einsatzbedingter Sofortbedarf beschafft. Auf diese Weise konnten die FAC mit modern- sten Geräten ausgestattet werden, allerdings bisher nur in geringer Stückzahl. Konsequenterweise wurden die in DEUTSCHLAND verfügbaren Geräte zur Sicherstellung der Ausbildung bis auf weiteres „gepoolt“. Die FAC- spe- zifische Ausrüstung erfordert aufgrund ihrer Komplexität eine spezielle Ausbildung am Gerät. FAC und Unterstüt- zungspersonal nehmen dazu am Grundlehrgang bzw. an regelmäßigen Übungswochen teil. Bewusst wird für diese Ausbildungsabschnitte auf eine Einbindung von Luftfahr- zeugen verzichtet, damit sich das Personal vollständig auf den Umgang mit der Ausrüstung konzentrieren kann. Da auch mittelfristig eine Diskrepanz zwischen der Anzahl der Nutzer und der verfügbaren Ausrüstung bestehen wird, sind die Übungswochen fester Bestandteil der Jahres- planung. Zielsetzung ist für alle Bediener letztendlich das Erreichen der Befähigungsstufe „Beherrschen“. Aufgrund der derzeitigen materiellen Ausstattungslage kann diese Stufe allerdings regelmäßig erst im Einsatz erreicht wer- den.

Kommunikation

Zur Durchführung des FAC- spezifischen Sprechfunks ste- hen den FAC drei Funkgerätetypen zur Verfügung. Das Funkgerät PRC 117F der Fa. HARRIS ist ein Multiband- Funkgerät mit der Fähigkeit, kryptierten Funkverkehr in Sichtlinie zum Luftfahrzeug (Line of Sight) und über mi- litärische Satelliten durchzuführen. Gleichzeitig dient das Funkgerät zur Datenübermittlung im Rahmen von Digitally Aided CAS (DaCAS). Mit rund 10kg Gesamtgewicht wird das Funkgerät primär aus Fahrzeugen bzw. abgesetzt ein- gesetzt.

Für den abgesessenen Einsatz, zum Beispiel im Rahmen einer Patrouille, kann der FAC zusätzlich das wesentlich leichtere Funkgerät PRC- 148 MBITR (Multiband Inter/ In- tra Team Radio) der Fa. THALES benutzen. Dabei muss er allerdings eine reduzierte Sendeleistung in Kauf nehmen. Zur Durchführung von Sprechfunk im schnellen Frequenz- sprungverfahren sind die FAC mit tragbaren Flugfunkge- räten TRM 6021 (Tactical Radio Manpack ) ebenfalls von der Fa. THALES ausgerüstet. Im Einsatz soll das TRM 6021, mit einem externen Verschlüsselungsgerät gekop- pelt, ergänzend zum PRC 117F verwendet werden.

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Zieldatenermittlung Zur Ermittlung von Zieldaten und der Durchführung von DaCAS steht seit Mitte 2010 das

Zieldatenermittlung

Zur Ermittlung von Zieldaten und der Durchführung von DaCAS steht seit Mitte 2010 das System FIRE STORM/ ROSETTA JOINT FIRES der Fa. ROCKWELL COLLINS zur Verfügung. Das System besteht aus den Komponen- ten Laserentfernungsmesser (LRTV/ Laser Range Ther- mal Video ), GPS- Augmentation Unit und Tablet- PC. Zu- sätzlich wird mit dem System ein Empfänger für das Bild-/ Videosignal des Luftfahrzeugs (Video Downlink Receiver) ausgeliefert.

Full Motion Video (FMV)

Seit Anfang des letzten Jahrzehnts hat sich der Einsatz von Echtzeit Video- Daten (Full Motion Video) im Rahmen von CAS als Standard durchgesetzt. Zum Empfang ste- hen den FAC verschiedene Geräte der ROVER (Remotely Operated Video Enhanced Receiver ) Serie (III, IV, V) so- wie STRIKE HAWK zur Verfügung.

ROVER IV
ROVER IV

Während es sich bei den Typen ROVER III und IV um Systeme für den überwiegend stationären Einsatz handelt, wurden RO- VER V und STRIKE HAWK speziell für den abgesessenen Einsatz entwickelt.

Alle Geräte stellen dem FAC das Live Bild des Zielbeleuchtungsbehälters (Laser De- signator Pod/ LDP) des anfliegenden Luft- fahrzeuges zur Verfügung. Während ohne

Luft - fahrzeuges zur Verfügung. Während ohne Full Motion Video FMV der Pilot langwierig über Hilfsziele,

Full Motion Video

FMV der Pilot langwierig über Hilfsziele, von groß nach klein, auf das tatsächliche Ziel eingesprochen werden muss, wird jetzt nur noch das Fadenkreuz des LDP per „Sprachsteuerung“ auf das Ziel bewegt. Dazu weist der FAC den Piloten durch standardisierte Kommandos an, sein Fadenkreuz im Zielbeleuchter entsprechend neu zu positionieren, so dass dieses auf dem Ziel steht, wodurch es eindeutig durch den Piloten identifiziert werden kann. Die Zeit für eine Zielansprache kann auf diese Weise

kann. Die Zeit für eine Zielansprache kann auf diese Weise ROSETTA Joint Fires Mit Hilfe der

ROSETTA Joint Fires

Mit Hilfe der Augmentation Unit (AU) kann der eigene Standort präzise bestimmt werden. Die AU wird mit zwei GPS- Empfängern verbunden und errechnet aus den un- terschiedlichen Signalen eine präzise Position. Der im Stativ eingebaute elektronische Kompass (Goniometer) ermöglicht mit Hilfe des LRTV eine präzise Vermessung von Zieldaten.

Diese werden auf dem Tablet- PC als Koordinaten und als Lageinformation auf Luftbild oder Karte dargestellt. Im Rahmen von DaCAS werden mit Hilfe der Software RO- SETTA JOINT FIRES mit den Zieldaten automatisch der Air Support Request (ASR) bzw. das Close Air Support Briefing, der sogenannte 9- Liner, generiert. An Stelle von Sprechfunk können diese Daten in Verbindung mit dem PRC 117F in einem digitalen Format gesendet werden.

Es besteht nun die Möglichkeit, die Nachricht in einem Netzwerk (z. B. Link 16) zu verbreiten und anfliegenden Luftfahrzeugen relevante Missionsinformationen bereits vor der Kontaktaufnahme mit dem FAC zur Verfügung zu stellen. Nach einer ersten Funküberprüfung mit dem FAC kann dieser sein Briefing ebenfalls digital an das Luft- fahrzeug übertragen.

Bei optimaler Systemintegration können somit Übermitt- lungsfehler reduziert, sprachbedingte Missverständnisse ausgeschlossen und der Zeitbedarf bis zur Zielbekämp- fung reduziert werden.

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erheblich verkürzt werden. Im Verbund mit DaCAS kann der Kommunikationsaufwand insgesamt verkürzt und die Chance einer erfolgreichen Zielbekämpfung bereits beim ersten Anflug (First Run Attack) erhöht werden.

Zielmarkierung/ Zielbeleuchtung

Lasergesteuerte Munition kann mit Hilfe eines bodenge- bundenen Laserzielbeleuchters in ein Ziel gelenkt wer- den. Der Portable Laser Designator Rangefinder (PLDR) II bietet neben der Laserzielbeleuchtung die Möglichkeit, Zieldaten mit Hilfe eines eingebauten GPS zu ermitteln. Obwohl eine genaue Entfernungsmessung bis 10km mög- lich ist, können die Zieldaten aufgrund der Ungenauigkeit des elektronischen Kompasses lediglich der Orientierung dienen. Das System ist in Kombination mit dem Wärme- bildgerät CORAL nachtkampffähig.

mit dem Wärme - bildgerät CORAL nachtkampffähig. PLDR Einsatz IZLID Zur schnellen Einweisung des Piloten

PLDR

mit dem Wärme - bildgerät CORAL nachtkampffähig. PLDR Einsatz IZLID Zur schnellen Einweisung des Piloten unter

Einsatz IZLID

Zur schnellen Einweisung des Piloten unter Nachtsichtbe- dingungen können die eigene Position oder das Ziel mit Hilfe des handgehaltenen Laserzielmarkierers LTM IZLID 1000P (Laser Target Marker Infrared Zoom Laser Illumina- tor Designator) gekennzeichnet werden.

Einsatzvorbereitung

Zur Standardisierung der Ausbildung und zum Erreichen der Einsatzbereitschaftsstufe Combat Ready erfolgt vor dem Einsatz die Teilnahme an der nationalen FAC- Ein- satzbereitschaftsausbildung. Die Verantwortung innerhalb der Bundeswehr für die streitkräftegemeinsame FAC- Ausbildung liegt beim Luftwaffenführungskommando. Die personelle Gestellung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Heeresführungskommando. Die Einsatzvorbe-

mit dem Heeresführungskommando. Die Einsatzvorbe - reitung beinhaltet theoretische und praktische Anteile und

reitung beinhaltet theoretische und praktische Anteile und wird durch Fliegerleitoffiziere mit Überwachungs-/ Überprüfungsberechtigung Supervisory- FAC geleitet. Unter anderem wird auf einsatzspezifische Vorschriften, Einsatzregeln und Verfahren, Luftraumkoordinierungs- maßnahmen sowie Waffenwirkung eingegangen und es werden gegebenenfalls bestehende letzte Ausbildungs- mängel abgestellt. Im Rahmen der praktischen Anteile kommt die gesamte verfügbare Ausrüstung zum Einsatz. Die Einsatzbereitschaftsausbildung wird umfangreich flie- gerisch unterstützt. Deutsche und alliierte Luftstreitkräfte nutzen die Gelegenheit, den Waffeneinsatz unter Leitung eines FAC zu üben. Die FAC werden in einsatzbezogenen Lagen gefordert. Zur Unterstützung werden sowohl eine Feinddarstellung als auch zur direkten Unterstützung des Leitenden ein Führer der Kampftruppe eingesetzt. Auf die- se Weise soll für alle Beteiligten der Anteil Fliegerleitung vorschriftenkonform und einsatzbezogen in eine nachvoll- ziehbare Gefechtshandlung integriert werden. Befehls- ausgaben und Kommandos werden durch den Führer der Kampftruppe erteilt.

Dies ermöglicht auch den FAC der Luftwaffe, sich be- reits vor dem Einsatz an die teils „fremde“ Terminologie von Heereseinheiten zu gewöhnen. Ein entscheidendes Ziel der Einsatzbereitschaftsausbildung ist es, die FAC so auszubilden, dass sie Standardverfahren auch un- ter hoher Belastung und Bedrohungslage einhalten und anwenden können. Vor dem Hintergrund der Ergebnis- se verschiedener Untersuchungen von Zwischenfällen mit Eigenbeschuss, welche ergaben, dass unter hoher Stressbelastung von Standardverfahren zu Gunsten einer beschleunigten Zielansprache abgewichen wurde, ist dies von entscheidender Bedeutung.

Erfahrungen aus dem Einsatz

Während in BOSNIEN oder im KOSOVO pro deutsches Einsatzkontingent maximal zwei Fliegerleittrupps (Tacti- cal Air Control Party/ TACP), bestehend aus jeweils zwei FAC und entsprechendem Unterstützungspersonal zum Einsatz kamen, steigt die Anzahl der deutschen Flieger- leittrupps und Joint Fire Support Teams (JFST) in AF- GHANISTAN seit 2004 stetig an. Letztere sind teilstreit- kraftübergreifend neben der reinen Fliegerleitung auch zur Führung von Steilfeuer wie bspw. Artillerie, Mörsern und Schiffsgeschützen zur Landzielbekämpfung befähigt. Der- zeit befinden sich zwei Fliegerleittrupps und zwei JFST im Einsatz. JFST verfügen über speziell ausgestattete FEN- NEK, während TACP auf den geschützten Geländewagen WOLF SSA (Sonder- Schutz- Ausstattung ), Transportpan- zer FUCHS oder ENOK mit einem Rüstsatz zur Fliegerlei- tung angewiesen sind. Die Bekämpfung der von Taliban entführten Tanklastwagen im September 2009 rückte den Einsatz der deutschen FAC in AFGHANISTAN erstmals in das öffentliche Interesse. Während dieser Vorfall über Monate in der Presse diskutiert und in einem parlamen- tarischen Untersuchungsausschuss behandelt wurde, erfüllten die deutschen FAC ihre anspruchsvolle Aufgabe weiterhin erfolgreich und sicher. 2011 wurden wie in den Vorjahren umfangreiche CAS- Einsätze zur Unterstützung des deutschen Einsatzkontingents geflogen. Von diesen musste jedoch nur bei einer geringen Anzahl bis zum ziel- gerichteten scharfen Waffeneinsatz aus der Luft gegen feindliche aufständische Kräfte eskaliert werden.

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Bei den übrigen Einsätzen konnten allein durch die Prä- senz von Kampfflugzeugen regelmäßig so genannte

Bei den übrigen Einsätzen konnten allein durch die Prä- senz von Kampfflugzeugen regelmäßig so genannte Non- Kinectic- Effects erzielt werden. Das heißt, die hörbare Präsenz von Kampfflugzeugen veranlasst den Gegner, von seiner Absicht eines Angriffs abzusehen und sich zu- rückzuziehen. Als mögliche weitere Eskalation vor einem Waffeneinsatz dient der tiefe Überflug, die so genannte „Show of Force“ (Demonstration militärischer Stärke). Die- se soll den Gegner zum Ausweichen und zur Aufgabe des Feuerkampfes bewegen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen.

bewegen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. FAC im Einsatz Außerhalb der Reichweite der Panzerhaubitze

FAC im Einsatz

Außerhalb der Reichweite der Panzerhaubitze 2000 stellt der CAS- Einsatz oftmals die einzige Möglichkeit dar, den Gegner zu bekämpfen. Darüber hinaus tragen die Kampflugzeuge durch Einsatz von Full Motion Video zur Erstellung eines besseren Lagebildes bei. So werden Hin- terhalte, Absetzbewegungen oder Stellungswechsel des Gegners aufgeklärt und verfolgt und die Gefechtsführung kann entsprechend angepasst werden.

Die Ergebnisse der letzten Jahre belegen, dass deutsche FAC einen für den Einsatz erforderlichen hohen Ausbil-

dungsstand erreicht haben. Dennoch muss die Ausbildung ständig an die Einsatzerfordernisse angepasst werden. Besonders der regelmäßige Zulauf von technisch komple- xem Gerät und der weiterhin zunehmende Bedarf an FAC wird die Ausbildungslandschaft in DEUTSCHLAND vor weitere Herausforderungen stellen. Vor dem Hintergrund eines stark reduzierten Flugstundenprogramms für das Waffensystem TORNADO und des derzeit noch nicht in der Luft- Boden- Rolle einsetzbaren Waffensystems EU- ROFIGHTER wird nur der verstärkte Einsatz von Simula- tionssystemen und die Nutzung verbesserter Leistungen ziviler Anbieter Abhilfe schaffen. Entsprechende Forde- rungen wurden durch die Luftwaffe gestellt und befinden sich teilweise bereits in der Umsetzung. Auf diese Weise wird die Luftwaffe auch in der Zukunft ihrer Ausbildungs- verantwortung im Bereich der Fliegerleitung erfolgreich nachkommen.

Bereits seit mehreren Jahren unterstützt die Luftwaffe durch Abstellung von Fachpersonal und Expertise aus den Bereichen Fliegerleitorganisation, Luftraummanagement und Führung von Luftfahrzeugen die einsatzvorbereiten- de Ausbildung der JFST am Ausbildungszentrum Steil- feuer/ STF IDAR-OBERSTEIN. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen haben sowohl zu einem tieferen Verständnis operationeller Denkweise der jeweils anderen Teilstreit- kraft geführt, als auch die konstruktive Zusammenarbeit maßgeblich gefördert. Zukunftsweisende Projekte, wie beispielsweise bei der Einführung simulationsgestützter Ausbildungsmittel, werden gezielt Hand in Hand vorange- trieben.

Um der steigenden Notwendigkeit der engen Koordinati- on von Luft- und Landstreitkräften gerecht zu werden und eine Integration der Luftstreitkräfte in die Operationen von Landstreitkräften voranzutreiben, wird sich die Luftwaffe zukünftig noch stärker als heute personell und materiell in die Organisation der STF (STF- Org) des Heeres einbrin- gen. Auf den jeweiligen Einsatz ausgerichtet („tailored to the mission“) werden künftig an der zentralen Schnittstel- le zwischen Luft- und Landstreitkräften vielfältige Aufga- ben zur verzugsarmen Koordination und Synchronisation durch die Luftwaffe wahrgenommen werden.

ben zur verzugsarmen Koordination und Synchronisation durch die Luftwaffe wahrgenommen werden. ZU GLEICH 2 / 2012

ZU GLEICH 2 / 2012

Der Artilleristische Leitverband wäh- rend der ILÜ 2012, Eindrücke eines Artillerieoffiziers

rend der ILÜ 2012, Eindrücke eines Artillerieoffiziers Oberleutnant Radoslaw Mateja, Batterieeinsatzoffizier 4./
rend der ILÜ 2012, Eindrücke eines Artillerieoffiziers Oberleutnant Radoslaw Mateja, Batterieeinsatzoffizier 4./

Oberleutnant Radoslaw Mateja, Batterieeinsatzoffizier 4./ Panzerartillerielehrbataillon 325, MUNSTER

Die Informationslehrübung (ILÜ) 2012! Gleich tauchen bei mir die Bilder vergangener Informationslehrübungen vor dem geistigen Auge auf. Ein bis zwei Wochen üben, da- nach für mindestens eine Woche die scharfen Durchgänge für ein breites Spektrum an nationalen und internationalen Gästen, vom Obergefreiten (Offizieranwärter) bis hin zum General, durchführen. Bei der ILÜ 2010 war ich noch als Sicherheitsoffizier für den Artilleriezug der 4./ Panzerartille- rielehrbataillon 325 (PzArtLBtl 325) eingesetzt und somit für den sicherheitstechnischen Ablauf eines Geschützzuges Panzerhaubitze 2000 (PzH2000) vor der Schießbahn 1A, einer der größten Schießbahnen auf dem Truppenübungs- platz (TrÜbPl) BERGEN, verantwortlich. Dieses Jahr über- nahm ich in Abwesenheit des Batteriechefs seine Funktion.

Der Ablauf der ILÜ 2012

Bevor ich jedoch zum artilleristischen Schwerpunkt dieses Beitrages komme, werde ich zunächst die Stationen der diesjährigen ILÜ kurz skizzieren, um einen Gesamtüber- blick über die dieses Jahr gezeigten Bilder zu geben. Die Durchführung der ILÜ 2012 oblag dem Ausbildungszen- trum MUNSTER, das durch die 10. Panzerdivision, ins- besondere durch die Panzerbrigade 12 aus BAYERN, unterstützt werden sollte. Neben der Vorstellung der Ein- satzfahrzeuge der Bundeswehr im Ausbildungszentrum an der Station „Static Display“ und der Station „Logistik im Einsatz“, bildete die Station „Heer im Einsatz“ an der Tri- büne in MUNSTER Süd eine tragende Rolle bei der Prä- sentation der Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr. Hier- bei wurde das breit gefächerte Spektrum der Einsatzfahr- zeuge der Bundeswehr vorgestellt, das vom LEOPARD 2 A6 bis hin zum ABC- Spürtrupp auf einem Quad, alles zu bieten hatte, was im Deutschen Heer aufgeboten werden kann. Selbstverständlich wurde auch die PzH2000 vor- gestellt, die als einziges Waffensystem vor der Tribüne in MUNSTER Süd im scharfen Schuss eingesetzt wurde und von der Tribüne auf dem Übungsplatz MUNSTER Süd in den Norden des Truppenübungsplatzes BERGEN wirkte. Hier konnten die Kameraden aus dem PzArtBtl 215 aus AUGUSTDORF den Gästen die beeindruckende Schlag- kraft unseres Hauptwaffensystems näher bringen. Zusätz- lich wurde hier die Leistungsfähigkeit des Counter Battery Radar (COBRA) der 2./ Beobachtungspanzerartillerieba- taillon 131 aus MÜHLHAUSEN den Zuschauern präsen- tiert. Nach einer Mittagspause und der Verarbeitung der Eindrücke, durften sich die Gäste ein Bild von der Station „Operation Verbundener Kräfte“ machen, die vom Umfang sowie der Komplexität der Höhepunkt der Lehrübung war und die das Zusammenwirken der unterschiedlichen Fä- higkeiten des Heeres demonstrierte. Durchgeführt wurde dieses Großvorhaben auf dem Truppenübungsplatz BER- GEN auf der Schießbahn 1A. Nach einem Vorüben von eineinhalb Wochen begannen die „scharfen“ Durchgänge am 24. September und sollten bis einschließlich 2. Okto- ber mit einer Unterbrechung an dem dazwischenliegen-

den Wochenende stattfinden. Schwerpunkt der Station „Operation Verbundener Kräfte“ war es, das Zusammen- wirken nicht nur innerhalb des Deutschen Heeres darzu- stellen, sondern auch durch die Einbindung der Luftwaf- fe den „Joint“- Gedanken in die Vorführung einfließen zu lassen. Hierbei war das bestimmende Merkmal der Angriff des verstärkten Panzergrenadierbataillons 112 auf das Übungsdorf „Heidedorf“. Dabei wurde für die Zuschauer insbesondere das Zusammenwirken der unterschiedli- chen Truppengattungen veranschaulicht. Die Vorführung begann mit dem Vorgehen der Aufklärungskräfte sowie dem daraufhin folgenden Vorstoß der Fallschirmjäger- kompanie aus der „Saarlandbrigade“, die einen Brücken- kopf für das folgende Panzergrenadierbataillon bildeten. Nachdem die irregulären Kräfte aus dem Dorf „gedrückt“ wurden, begann der Kampf in die Tiefe, bei dem insbeson- dere die Feuerkraft des LEOPARD 2 A6 sowie des Schüt- zenpanzers MARDER zur Wirkung kamen.

2 A6 sowie des Schüt- zenpanzers MARDER zur Wirkung kamen. Panorama An zwei Durchführungstagen wurde extra

Panorama

An zwei Durchführungstagen wurde extra für die Füh- rungsakademie der Bundeswehr die Station Brigade- gefechtsstand dargestellt, bei der die Komplexität des Führungsprozesses im Rahmen einer Streitkräftegemein- samen Taktischen Feuerunterstützung (STF) im Fokus stand. Vertreter der Artillerieschule, der Verbindungsorga- nisation der Luftwaffe zum Heer sowie Heeresflieger bil- deten die Joint Fire Support Coordination Group (JFSCG) auf Brigadeebene und brachten hier ihre unterschiedli- chen Fähigkeiten wirkungsvoll zusammen.

BERGEN als Schauplatz artilleristischer Arbeit

Im Zeitraum des Vorübens kam es aus artilleristischer Sicht besonders darauf an, die Feueraufträge, welche vom Abrie- geln, Zerschlagen bis hin zum Blenden dargestellt wurden, räumlich und zeitlich präzise mit der Kampftruppe zu koor- dinieren, um dem Zuschauer ein optimales und realitätsna- hes Bild zu stellen. Der Feuerauftrag des Blendens stell- te witterungsabhängig eine Herausforderung dar, da der

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Der artilleristische Leitverband PzArtLBtl 325 verschossene Nebel sehr oft in Richtung der Gästetribüne zog und
Der artilleristische Leitverband PzArtLBtl 325 verschossene Nebel sehr oft in Richtung der Gästetribüne zog und

Der artilleristische Leitverband PzArtLBtl 325

verschossene Nebel sehr oft in Richtung der Gästetribüne zog und somit auch das davor liegende Dorf „einnebelte“, so dass den Gästen der Blick auf das dargestellte Szenario genommen wurde. Bei allen artilleristischen Aufträgen kam es insbesondere auf das schnelle und präzise Arbeiten der ganzen artilleristischen Organisation an, vom Geschützka- nonier bis hin zum Bataillonskommandeur als Leitenden.

Um dieses breite Spektrum unserer Truppengattung möglichst realitätsnah und vollständig darzustellen, wur- den fast alle Verbände der Bundeswehr, die die Artillerie noch aufbieten kann, an diesem Vorhaben beteiligt. Dem PzArtLBtl 325 wurde auf Grund der Nähe zum TrÜbPl BERGEN und zum Ausbildungszentrum MUNSTER der artilleristische Auftrag als Leitverband erteilt.

zum Ausbildungszentrum MUNSTER der artilleristische Auftrag als Leitverband erteilt. ZU GLEICH 2 / 2012 Gute Arbeit

ZU GLEICH 2 / 2012

zum Ausbildungszentrum MUNSTER der artilleristische Auftrag als Leitverband erteilt. ZU GLEICH 2 / 2012 Gute Arbeit
zum Ausbildungszentrum MUNSTER der artilleristische Auftrag als Leitverband erteilt. ZU GLEICH 2 / 2012 Gute Arbeit

Gute Arbeit

Im Vorfeld der ILÜ 2012 musste innerhalb kürzester Zeit ein hoher Koordinierungsaufwand bewältigt werden, der nicht nur die federführende Panzerbrigade 12 einschloss, sondern auch alle an der ILÜ beteiligten Artillerieverbän- de berücksichtigen musste.

Meine Batterie, die 4./ 325, sollte dieses Mal mit einem verstärkten Geschützzug von sechs Haubitzen im Nor- den des TrÜbPl BERGEN in der Feuerstellung 120A ein- gesetzt werden und von dort aus die Station „Operation Verbundener Kräfte“ auf der Schießbahn 1A mit artilleri- stischen Aufträgen unterstützen.

Die 3./ 325 hatte den Auftrag, das Hauptwaffensystem der Artillerie direkt vor den Gästen der ILÜ im scharfen Schuss zu demonstrieren und hatte somit auch den pre- stigeträchtigsten Auftrag aller artilleristischen Verbände.

Die Sicherheitsorganisation, die Operationszentrale so- wie zwei Joint Fire Support Teams wurden ebenfalls durch das PzArtLehrBtl 325 gestellt und sorgten mit ih- rer Arbeit als „Zwischenstelle“ von Kampftruppe und Ar- tillerie für einen erfolgreichen Ablauf. Neben Kräften des PzArtLehrBtl 325 wurden auch, wie bereits ausgeführt, standortfremde Verbände vor Ort eingebunden, wie das Artillerielehrregiment 345 aus KUSEL mit einem Artillerie- beobachtungsradar (ABRA), einer Wettergruppe und ei- ner schießenden Batterie, welche aus der Feuerstellung 170B im Süden des Übungsplatzes für die Feueraufträge verantwortlich war. Die Raketenbatterie, die unter ande- rem auch neben der 1A auf der Schießbahn 1C einge- setzt wurde, stellte die 2./ Raketenartilleriebataillon 132 aus SONDERSHAUSEN.

die 2./ Raketenartilleriebataillon 132 aus SONDERSHAUSEN. Zusammenfassung; Die ILÜ 2012 im Rückspiegel Insgesamt

Zusammenfassung; Die ILÜ 2012 im Rückspiegel

Insgesamt wurde bei der ILÜ ein Kontingent von 1306 Sprenggeschossen, 104 Nebelgeschossen sowie 344 Raketen 110mm verschossen. Der artilleristische Auftrag konnte, dank der engagierten Leistungen der rund 350 beteiligten Soldaten innerhalb der „Artillerie-Task Force“ im Verbund und durch die Unterstützung aller logisti- schen Kräfte hervorragend erfüllt werden.

Wie der Name „Informationslehrübung“ schon andeutet, spielt meiner Ansicht nach die Darstellung der verschiede- nen Wirkungs- und Handlungsmöglichkeiten für den jun- gen Führernachwuchs eine entscheidende Rolle, um je- nen zeitgerecht auf die zukünftigen Aufgaben vorzuberei- ten. Alle geladenen Gäste, ob zivil oder militärisch, hatten hier die Gelegenheit, Einblicke und Erfahrungen sammeln zu können, um sie später in verschiedene Bereiche wie Wirtschaft, Politik und Militär einfließen zu lassen. Gerade das positive Bild, welches alle Beteiligten bei den gela- denen Gästen und Zuschauern hinterlassen haben, trägt wieder einen weiteren Schritt dazu bei, Gesellschaft und Politik an die Streitkräfte anzunähern. Gerade hier spielt der zukünftige Führernachwuchs eine entscheidende Rolle. Die Sinnhaftigkeit einer solchen „Informationslehr- übung“ muss zwangsläufig auch für die kommenden Füh- rer der deutschen Streitkräfte von elementarer Bedeutung sein, da nur so ein wichtiger Teil der Integration der Bun- deswehr in die Gesellschaft gelingen kann. Ein abschlie- ßendes Fazit der ILÜ 2012 fällt mir somit folgerichtig leicht. Gemessen an den gestellten Aufträgen, den erbrachten Leistungen und den Reaktionen der Gäste, war die ILÜ 2012 ein Erfolg.

Aufträgen, den erbrachten Leistungen und den Reaktionen der Gäste, war die ILÜ 2012 ein Erfolg. ZU

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Die Ausbildung zum Joint Fires Observer in der US Army Oberstleutnant Dieter Vogt, Verbindungsoffizier,
Die Ausbildung zum Joint Fires Observer in der US Army Oberstleutnant Dieter Vogt, Verbindungsoffizier,

Die Ausbildung zum Joint Fires Observer in der US Army

Oberstleutnant Dieter Vogt, Verbindungsoffizier, Heeresverbindungsstab USA 2, U.S. Army Fires Center of Excellence, Joint & Combined Integration Directorate, FORT SILL, OKLAHOMA

Einleitung

Am Fires Center of Excellence in FORT SILL wird seit Herbst 2005 im Joint and Combined Integration Direc- torate (JACID) die Ausbildung zum Joint Fires Obser- ver (JFO) durchgeführt. Zwar sind die Forward Obser- ver (FO) der US Field Artillery die eigentliche Zielgrup- pe, aber es werden auch andere Angehörige der US Army und der US Airforce sowie Lehrgangsteilnehmer aus den Einheiten des US Army Special Operations Command ausgebildet.

Ziel des Lehrganges ist es, die Lehrgangsteilnehmer zu einem begrenzten Einsatz der US Airforce zu befä- higen, um so auch dann die Luftunterstützung sicher zu stellen, wenn nicht unmittelbar vor Ort auf einen Joint Terminal Attack Controller (JTAC) zurückgegrif- fen werden kann. Dazu soll der Lehrgangsteilnehmer besonders mit dem dazu notwendigen Wissen und dem praktischen Können im Bereich Close Air Sup- port (CAS) Type 2 und 3 versehen werden.

Close Air Sup- port (CAS) Type 2 und 3 versehen werden. Hörsaalausbildung (Type 2 control will

Hörsaalausbildung

(Type 2 control will be used when the JTAC desires control of individual attacks but assesses that either visual acquisition of the attacking aircraft or target at weapons release is not possible or when attacking aircraft are not in a position to ac- quire the mark/target prior to weapons release/launch.Type 3 control may be used when the tactical risk assessment indicates that CAS attack imposes low risk of fratricide.)

Der Joint Fires Observer Course

Aus den Erfahrungen der Einsätze im IRAK und in AF- GHANISTAN war ein erhöhter Bedarf an Luftunterstützung auf der taktischen Ebene in den aktuellen und zukünftigen Einsätzen für die US Army abzuleiten. Diese Luftunter- stützung wird grundsätzlich durch die JTAC der US Air- force sichergestellt. Da aber der Bedarf der US Army an

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JTAC der US Air- force sichergestellt. Da aber der Bedarf der US Army an ZU GLEICH
JTAC der US Air- force sichergestellt. Da aber der Bedarf der US Army an ZU GLEICH
JTAC der US Air- force sichergestellt. Da aber der Bedarf der US Army an ZU GLEICH

Ausbildung am Simulator

Luftunterstützung, besonders durch die Aufgliederung in Brigade Combat Teams (BCT) und die Erhöhung der Anzahl der Kampfeinheiten, in erheblichem Maße ange- wachsen war, erhöhte sich folgerichtig auch der Bedarf von Personal, das die Luftunterstützung auf unterster Ebe- ne (gemeint ist die Zugebene) sicherstellen kann. Dieser erhöhte Bedarf konnte und kann auch heute noch nicht durch die US Airforce gedeckt werden.

Die Forderung einer erhöhten Bereitstellung von Perso- nal, das zum Einsatz von CAS fähig ist, führte zur Ein- richtung des Joint Fires Observer Course (JFOC), der im September 2005 erstmalig als Pilotlehrgang durchgeführt wurde. Die Inhalte wurden in der ersten Hälfte des Jahres 2005 unter der Führung des JACI Directorates in enger Zusammenarbeit mit der Joint Air- Ground Operations Group (JAGOG), der zuständigen Ausbildungseinrichtung der US Airforce, entwickelt.

Das auszubildende Personal sollte über umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich Vorgeschobener Beobachter bzw. Artilleriebeobachter oder Fire Support verfügen.

Nach einer ersten intensiven Erprobung und der damit verbundenen Suche nach den für die Teilnehmer wichti- gen und notwendigen Inhalten, folgte vom 11. bis 21. Ok- tober 2005 ein zweiter Lehrgang, der den erforderlichen Änderungen Rechnung trug.

Der Lehrgang wird mittlerweile nicht nur hier in FORT SILL durchgeführt, sondern auch am Airforce Warrior Prepara- tion Center (WPC) in EINSIEDELERHOF bei KAISERS- LAUTERN und durch Mobile Training Teams auf Anfor- derung in der Truppe. Die Teilnehmerzahl pro Lehrgang ist auf maximal 28 Teilnehmer begrenzt. Er dauert zwei Wochen (10 Ausbildungstage), besteht zu 40% aus Un- terrichtsanteilen, 50% Ausbildung am Simulator und 10% (1 Ausbildungstag) Ausbildung im Gelände unter Einsatz von Luftfahrzeugen. Nach erfolgreicher Ausbildung (ca. 80% der Lehrgangsteilnehmer bestehen derzeit die Kur- se) erhält man ein Zertifikat, das dann 24 Monate gültig ist.

Nach der Zertifizierung müssen halbjährlich 15 festge- legte Bedingungen zur Erhaltung erfüllt sein, darunter 6x Anforderung Boden- Boden, 1x Anforderung AC130 „Gunship“, 2x Type 2 oder Type 3 Control Close Air Sup- port (C- CAS) und der Abbruch einer Anforderung.

Die Zertifizierung bleibt während eines Einsatzes gültig und muss nach diesem Rhythmus nicht erneuert werden.

Der theoretische Teil befasst sich mit der Integration und der Ausführung von Joint Fires und schließt neben der Anforderung von CAS bei Tag und Nacht sowie unter verschiedenen Wetter- und Sichtbedingungen, Feuer- unterstützung durch Artillerie und Mörser, sowie Naval Gunfire, den Einsatz von Kampfhubschraubern sowie der AC130 „Gunships“ mit ein. Darüber hinaus werden

den Einsatz von Kampfhubschraubern sowie der AC130 „Gunships“ mit ein. Darüber hinaus werden ZU GLEICH 2

ZU GLEICH 2 / 2012

Aufwuchs der Teilnehmerzahlen an den drei Ausbildungseinrichtungen die Lehrgangsteilnehmer auch in der Bedienung der
Aufwuchs der Teilnehmerzahlen an den drei Ausbildungseinrichtungen die Lehrgangsteilnehmer auch in der Bedienung der

Aufwuchs der Teilnehmerzahlen an den drei Ausbildungseinrichtungen

die Lehrgangsteilnehmer auch in der Bedienung der entsprechenden Funkgeräte und des Laser Designation Equipments ausgebildet. Hierbei bilden die Simulatoren das Herzstück der Ausbildung, die eine relativ preisgün- stige Durchführung mit den unterschiedlichen Szenarien ermöglichen. Die Ausbilder sind vorwiegend zivile „Con- tractors“, ehemalige JTACs, Airforce Piloten oder Artille- riebeobachter.

Im Haushaltsjahr 2012 werden durch JACI 12 Lehrgänge durchgeführt. Die Anzahl der Lehrgangsteilnehmer stieg in den vorangegangenen Jahren ständig an bis zu einem geplanten Output von insgesamt knapp 900 Lehrgangs-

teilnehmern im Jahr 2012. Seit Anfang des Jahres ist die Ausbildung zum JFO außerdem im Basic Officer Leader Course integriert, so dass alle zukünftigen Artillerieoffizie- re diese Befähigung erhalten.

Was ist ein JFO?

Der Schwerpunkt der Ausbildung für den JFO liegt in der Vermittlung von Fähigkeiten im Bereich „Air to Ground In- tegration“ auf der taktischen Ebene. Laut US-Definition ist der JFO:

“A trained service member who can:

request, adjust, and control surface- to- surface fires;

Confirmed Locations 20 Nov 2004 JTAC JTAC JFO Mosque Fighting Pos. Slaughter Houses Weapons Caches
Confirmed Locations
20 Nov 2004
JTAC
JTAC
JFO
Mosque Fighting Pos.
Slaughter Houses
Weapons Caches
JFO
JFO
Sniper Locations
IED Factories
JFO
JFO
JFO
JFO
JTAC
JFO
JTAC

Verdichtetes Netz aus JFOs und JTACs

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provide targeting information in support of Type 2 and 3 CAS terminal attack controls;

perform autonomous Terminal Guidance Operations (TGO).“

Der JFO ist folglich kein zertifizierter CAS- Controller und die JFO Ausbildung ist nicht gleichzusetzen mit der JTAC Ausbildung.

Seine Aufgabe ist es, mit seiner Einheit, seinem Zug, CAS zu koordinieren und die erforderlichen Daten für den JTAC zu liefern, der nicht vor Ort sein kann.

Folglich dient der JFO zur Verdichtung des vorhandenen Netzes der JTACs, wie in der obigen Abbildung gezeigt.

Erfahrungen aus dem Einsatz

Derzeit gibt es noch keine gesammelte und strukturierte „Lessons Learned Bibliothek“. Dies wird begründet mit den unterschiedlichen Gegebenheiten vor Ort in den Ein- sätzen und ist vor allem bedingt durch die Intensität der Gefechte.

Folgende Erkenntnisse lassen sich jedoch zusammenfas- sen:

Anfänglich war das mangelhafte Wissen der BCT- Commander über das Fähigkeitsprofil der JFOs ein Kritikpunkt. Ihnen war oft nicht klar, dass der JFO kei- ne CAS Type 1 – Control durchführen kann und darf. Auf der anderen Seite fehlte aber auch auf Seiten der Kampftruppenkommandeure oft das Vertrauen in die jungen JFOs und deren Fähigkeiten. Dieses hat sich geändert, das JFO- Programm ist mittlerweile eine Er- folgsgeschichte. Die ausgebildeten und zertifizierten JFOs verbessern den Zugriff der Kampftruppenkom- mandeure auf Joint Fires. Dies ist mittlerweile auch im Einsatz allseits anerkannt und geschätzt.

Als schwierig erweist sich das In- Übunghalten der JFO nach den Einsätzen. Oft werden sie artfremd eingesetzt und verlieren so ihre gültige Zertifizierung. Hier soll Abhilfe geschaffen werden durch das Einset- zen eines JFO- Trainer auf Ebene der BCTs, idealer- weise ist der Brigade Fire Support NCO verantwortlich für die Planung und Durchführung der Inübunghaltung sowie deren Dokumentation. Erfahrungen des US Heeres zeigen, dass nach 6 – 12 Monaten mit einer Wiederholungsausbildung in den Einheiten begonnen werden sollte, um den Einsatzstand zu halten und die Qualifizierung nicht zu verlieren. Das geplante Fires Supporter Design Update (Zusammenfassung der Fire

Fires Supporter Design Update (Zusammenfassung der Fire Supporters der BCTs in die Headquarters and Head -

Supporters der BCTs in die Headquarters and Head- quarters Battery in den Fires Battalion) soll das Pro- blem der Verantwortlichkeiten für Ausbildung, Zertifi- zierung und Inübunghaltung der BCT Fire Supporters lösen und in die Hände der BCT Fires Battalion Com- manders geben. Weiterhin werden Ausstattungsmängel benannt. Die Reichweite der vorhandenen Funkgeräte (Multiband Inter/ Intra Team Radio - MBITR Radio) ist oft nicht ausreichend. Auch sind die JFO derzeit nicht mit ei- nem Laserzieldesignator ausgestattet. Dies soll durch die Aufnahme des Bedarfs in den Modification Table of Organization and Equipment (MTOE – vergleichbar mit STAN- Ergänzung) geändert werden.

Blick in die Zukunft

Auf amerikanischer Seite wird die Anzahl der ausgebilde- ten JFO in den nächsten beiden Jahren mit einem Plus von ca. 4300 deutlich ansteigen. Man strebt darüber hin- aus die Beteiligung der Partnernationen an dieser Ausbil- dung sowie eine vergleichbare NATO- Zertifizierung an.

Das Memorandum of Agreement (MoA) zur Ausbildung der JFO wurde neben den verschiedenen amerikanischen Teilstreitkräften bisher von AUSTRALIEN, UNGARN, NEUSEELAND, SLOWENIEN sowie KANADA unterzeich- net. Die drei letztgenannten Staaten bilden bereits mit ei- genen Kräften aus, bzw. planen diese Ausbildung in Kürze zu beginnen.

Darüber hinaus sind folgende Nationen am JFO- Pro- gramm interessiert:

BRASILIEN, CHILE, DÄNEMARK, FRANKREICH, NIE- DERLANDE, PAKISTAN, POLEN, RUMÄNIEN, SÜDKO- REA, SPANIEN, SCHWEDEN sowie GROSSBRITANNI- EN.

Von deutscher Seite nahmen im Dezember letzten Jahres zwei Artillerieoffiziere im Beobachterstatus an einem JFO- Course teil. Der eindeutige Fähigkeitszuwachs bei den Joint Fire Support Teams durch diese Ausbildung wurde anerkannt und führte letztendlich dazu, dass DEUTSCH- LAND beabsichtigt, das MoA zu unterschreiben. Das Ver- fahren befindet sich derzeit im Mitzeichnungsgang, so dass hoffentlich in 2013 die ersten deutschen Lehrgangs- teilnehmer als Joint Fires Observers ausgebildet werden können. Langfristig sollte dies durch den Aufbau einer ver- gleichbaren Ausbildungseinrichtung auf nationaler Ebene erfolgen. Hier bietet sich die Ausbildungseinrichtung STF in IDAR-OBERSTEIN an.

nationaler Ebene erfolgen. Hier bietet sich die Ausbildungseinrichtung STF in IDAR-OBERSTEIN an. ZU GLEICH 2 /

ZU GLEICH 2 / 2012

Train where you fight Joint Fires Synthetic Trainer (JFIST®) von Saab – Virtuelles Training hautnah

Train where you fight

Joint Fires Synthetic Trainer (JFIST®) von Saab – Virtuelles Training hautnah an der Realität und auf dem Gefechtsfeld

Training hautnah an der Realität und auf dem Gefechtsfeld Blick aus der FAC / JFTS Trainingsposition.

Blick aus der FAC / JFTS Trainingsposition.

Für Streitkräfteim Einsatz, die zur Ausbildung einsatz- nahe Übungen durchführen wollen, sind kostengüns- tige und effektive Einsatztrainingssysteme, abgestützt auf eine flächendeckende und funkgestützte Kom- munikationsinfrastruktur von höchster Wichtigkeit. In Begegnung von zunehmenden asymmetrischen Bedrohungen können militärische Auseinanderset- zungen nicht mehr durch Truppen einer einzelnen Teilstreitkraft bekämpft werden, sondern müssen entsprechend der jeweiligen Fähigkeiten streitkräfte- gemeinsam bekämpft werden. Darüber hinaus haben Erfahrungen gezeigt, dass ein einsatzvorbereitendes Training basierend auf den im Einsatzgebiet vorhan- denen örtlichen Begebenheiten und Umweltbedingun- gen für die Kampffähigkeit der Truppe von entschei- dender Bedeutung ist.

JFIST ® in brief from an user perspective External systems
JFIST ® in brief from an user perspective
External
systems

Bausteine zum Aufbau eines virtuellen Szenarios

Der Rüstungskonzern Saab bietet für zahlreiche Arme- en weltweit Simulation für die Ausbildung an. Bereits seit Mitte 1980 unterstützt Saab auch mit Duellsimu- latoren für gepanzerte Fahrzeuge und Panzerabwehr- waffen aus dem „Ausbildungsgeräte Duellsimulator (AGDUS) die simulatorgestützte Gefechtsausbildung bei der Bundeswehr. Nun hat Saab mit dem Joint Fires Synthetic Trainer (JFIST®) eine Plattform geschaffen, mit der Einsatzszenarien virtuell hinsichtlich der Regi- on, des Gegners und für den streitkräftegemeinsamen Feuerkampf realitätsnah dargestellt werden können

und des Weiteren einen programmierbaren und bei Bedarf auch änderbaren Übungsverlauf ermöglichen.

und bei Bedarf auch änderbaren Übungsverlauf ermöglichen. Darstellung des Gefechtsfeldes mit beteiligten

Darstellung des Gefechtsfeldes mit beteiligten Trainingsstationen

Mit der geringer werdenden Möglichkeit der aktiven Luft- nahunterstützung durch Kampfflugzeuge bei Übungen steigt der Bedarf, ausgebildete Fliegerleitoffiziere/Forward Air Controller/ (FAC) in Zielansage und Koordination von eigenen Bodentruppen und Angriffen im Rahmen“ der Luftnahunterstützung durch simulationsgestützte Ausbil- dung einsatzbereit zu halten.

Joint Fires Synthetic Trainer (JFIST®)

Das Joint Fires Synthetic Trainer (JFIST®) von Saab ist in der Lage, genau diese Bedarfslücke zu schließen. JFIST® ist ein Simulationssystem, das die Ausbildung für den Ein- satz verbundener Waffen durch Bereitstellung von kom- plexen Einsatzszenarien unter Anwendung einer Vielfalt von Plattformen, Sensoren und Munitionsarten in speziel- len Geländeformen unterstützen kann.

JFIST® ist bereits bei Streitkräften im Einsatz und erfährt eine hohe Anerkennung und Zufriedenheit der Nutzer bei allen Phasen des Trainings von der Basisausbildung bis zur Abbildung von realitätsnahen Einsatzszenarien. Als Vorläufer wurde bereits in 2005 der Joint Fires Synthetic Trainer (JFIST®) auf Grundlage der US-Doktrin “Tactics, Techniques, Procedures (TTP) /Einsatzgrundsätze zur Taktik, Handhabung und Verfahren beim Zusammenwir- ken verbundener Kräfte” und nach Auswertung von aktu- ellen Operationen entwickelt. In enger Kooperation von Saab-Experten und Nutzern aus dem Bereich der Streit- kräfte wurde schließlich im Jahre 2009 das JFIST® erst- malig zur Anwendung gebracht. Von Anfang an wurde das System der fortschreitenden Entwicklung bei Simulations- systemen und Änderungen der Einsatzverfahren sowie der militärischen Ausrüstung zur Simulation/Simulated Mi- litary Equipment (SME) angepasst.

JFIST® unterstützt das gesamte Spektrum von Trainings- aufgaben im Rahmen der Einsatzgrundsätze zum Zusam- menwirken verbundener Kräfte und auf Grundlage der NATO-STANAG 3797 – JTAC MOA (Joint Terminal Attack Controller – Memorandum of Agreement) und wäre auch zur Ausbildung für das Konzept der Streitkräftegemeinsamen

Taktischen Feuerunterstützung/Joint Fires Support (STF) der Bundeswehr verwendbar. JFIST® ist ein auf Windows basierendes System und kann mit herkömmlichen Stan - dard-PCs sowie Laptops betrieben werden. Aufgrund der modularen Struktur von JFIST® ist eine risikoarme Integ - ration von spezieller Hardware und Software möglich. JFIST® ist mehr als nur ein System mit vorgegebenen Verfahrensabläufen, sondern ermöglicht die Simulation von Einsatzszenarien, die sehr eng an wirklichkeitsnahen Situationen auf dem Gefechtsfeld angelehnt sind. Das System kann zum so genannten „Single Role Training“ und zum „Collaborative Training“ genutzt werden und wird auch als tragbare mobile Lösung angeboten.

Im Single Role Training können unter anderen folgenden Positionen trainiert werden:

– Forward Air Controller,

– Joint Fires Observers oder Close Air Support Obser - vers,

– Laser Operators,

– Forward Observers,

– Fire Support Officers,

– On Scene Commander,

– Joint Fires Cell Personnel and

– Pilots.

Beim Collaborative Training können verschiedene Posi - tionen gemeinsam in das Trainingsprogramm eingefügt werden.

Train where you fight Die 3D-virtuellen Umgebungen werden mittels Standard Geo-Daten erstellt und ermöglichen somit eine sehr wirk - lichkeitsnahe Darstellung des Übungsgebietes. Als Grund - lagen dienen ein umfassender Simulierungskern, echte Geo-Referenzdaten (World Geodetic System - WGS84 als Basis für das von JFIST® genutzte Global Positioning System – GPS) sowie Generische Komponenten (GECO). Die 3D-virtuelle Umgebung wird ergänzt mit Daten aus einem digitalen topografischen Höhenmodell sowie mit Infrastrukturdaten zur Darstellung von urbaner Bebau - ung. Ergänzend sind des Weiteren Simulationen von Tag, Nacht, und Dämmerung sowie jeglicher Art des Wetterge - schehens möglich. Für die Einspielung von realistischen Übungsszenarien verfügt JFIST® über Daten von nahezu allen Waffensystemen wie:

– Kampfflugzeugen, Hubschraubern und UAS,

– Kampfpanzern, gepanzerten Fahrzeugen, Lastwagen, Personenkraftwagen, Artilleriegeschützen und Flugab - wehrsystemen,

– Soldaten, Kombatanten und Zivilisten.

Zur realitätsnahen Darstellung sind luftdynamische Sze - narien, Daten über Waffenwirkung, Schussbahnen von Artillerie und Luft/Boden-Waffensystemen, Schadenssi - mulation und Sensorwirkungen verfügbar und können si - tuationsabhängig eingespielt werden. Nach der Beendigung von Ausbildungsabschnitten kön - nen Übungsbesprechungen/After Action Reviews (AAR) anhand von Monitoraufzeichnungen sehr detailliert durch - geführt und Fehlentwicklungen bei der Ausbildung korri - giert werden. JFIST® von Saab ist zweifelsfrei ein innovatives Simula - tionssystem, das mögliche Einsatzszenarien realitätsnah darstellen und dabei durch einspielbare Bedrohungssitua - tionen das Zusammenwirken verbundener Kräfte im Rah - men der Ausbildung unterstützen kann.

Kräfte im Rah - men der Ausbildung unterstützen kann. Ausstattung eines Trainingsarbeitsplazes. Simulated Military

Ausstattung eines Trainingsarbeitsplazes.

Simulated Military Equipment (SME)

High fidelity in feel and functionTrainingsarbeitsplazes. Simulated Military Equipment (SME) Several SMEs can be connected to one position SME can easily

Several SMEs can be connected to one positionMilitary Equipment (SME) High fidelity in feel and function SME can easily be changed between exercises

SME can easily be changed between exercisesand function Several SMEs can be connected to one position All channels are synchronized All views

All channels are synchronizedto one position SME can easily be changed between exercises All views and settings can be

All views and settings can be recorded and viewed at the Instructors positionbe changed between exercises All channels are synchronized Commercial in confidence Angepasste militärische

can be recorded and viewed at the Instructors position Commercial in confidence Angepasste militärische

Commercial in confidence

Commercial in confidence

Angepasste militärische Ausrüstung

in confidence Angepasste militärische Ausrüstung Das virtuelle Simulationsbild gibt sehr authentisch das

Das virtuelle Simulationsbild gibt sehr authentisch das Gefechtsfeld wieder.

gibt sehr authentisch das Gefechtsfeld wieder. Autor: Stefan Dahlkild Informationen unter:

Autor: Stefan Dahlkild Informationen unter:

www.saabgroup.com/training-and-simulation/ Anfragen und Kontakt:

saab.deutschland@saabgroup.com oder +49 (0) 228 - 367560 Fotos und Grafik: Saab

Joint Fire Task Force KUNDUZ Feuerunterstützung aus einer Hand „ES KOMMT AUF JEDEN AN“ Hauptmann
Joint Fire Task Force KUNDUZ Feuerunterstützung aus einer Hand „ES KOMMT AUF JEDEN AN“ Hauptmann

Joint Fire Task Force KUNDUZ Feuerunterstützung aus einer Hand „ES KOMMT AUF JEDEN AN“

Hauptmann Dirk Stegner, Batteriechef 5./- Hauptmann Norman Prädel, Feuerunterstützungsoffizier 5./- Hauptfeldwebel Torsten Otremba, Zugführer PzH2000 5./- Oberfeldwebel Ivo Köhnke, Feuerleitfeldwebel 5./ Artillerielehrregiment 345, KUSEL

Vorbemerkung

Januar 2011: Die 5. Batterie des Artillerielehrregi- ments 345 bekam den Auftrag, die Elemente der Streit- kräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung“ (STF) des Ausbildungsschutzbataillons KUNDUZ für den Einsatzzeitraum Januar 2012 bis August 2012 zu stellen und auszubilden. Hierzu wurden zu Beginn ein Joint Fire Support Coordination Team (JFSCT), zwei Joint Fire Support Teams (JFST) sowie ein Artillerie- zug mit integrierter Wettergruppe gefordert. Um diese Komponenten in ihrer Ganzheit zu stellen, wurden zu- sätzliche Fähigkeiten und Personal aus anderen Bat- terien des Artillerielehrregiments 345 herangezogen. Hier sei nur exemplarisch die Wettergruppe genannt.

Die Einsatzvorbereitung begann bereits im Februar 2011 und wurde in der ersten Dezemberwoche 2011 abge- schlossen. Kurz vor Einsatzbeginn wurde der Artilleriezug in zwei verminderte Artilleriezüge aufgeteilt. Hintergrund für die Aufteilung war die Rückverlegung der Mörser- komponente des Ausbildungsschutzbataillons MAZAR- E-SHARIF (MES) und die damit verbundene organisato- rische Zuweisung eines eigenständigen verminderten Ar- tilleriezuges. Aufgrund ausreichender Ausbildung von Er- satzpersonal konnten diese beiden Züge ohne Probleme aufgestellt werden. Dieser Zug wurde über den gesamten Einsatzzeitraum am OP- NORTH eingesetzt.

über den gesamten Einsatzzeitraum am OP- NORTH eingesetzt. Gruppenfoto ZU GLEICH 2 / 2012 Im folgenden

Gruppenfoto

ZU GLEICH 2 / 2012

Im folgenden Artikel werden alle schwerpunktmäßig von der 5./ Artillerielehrregiment 345 gestellten, STF- Kompo- nenten des Ausbildungsschutzbatailllons KUNDUZ und des verminderten Artilleriezuges des Ausbildungsschutz- bataillons MES und deren persönliche Erfahrungen im Einsatzjahr 2012 (Januar bis August) näher dargestellt.

JFSCT Task Force KUNDUZ

Das JFSCT des Ausbildungsschutzbataillons KUNDUZ setzte sich zusammen aus dem Fire Support Officer (FSO), dem Air Liaison Officer (ALO) und Air Space Ma- nager (ASM) sowie einem Feuerunterstützungsfeldwebel, der zusätzlich über die Qualifikation eines Feuerleitfeld- webels verfügte. Die Möglichkeiten aus dem Feldlager KUNDUZ die Sicherstellung der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung (STF) zu gewährleisten war zu jedem Zeitpunkt während des Einsatzes ohne Ein- schränkungen gegeben. Hierfür war nicht zuletzt auch die gute Ausstattung an Fernmeldemitteln im Gefechtstand des Ausbildungsschutzbataillons verantwortlich. Auch im mobilen Einsatz des JFSCT standen ausreichend Anbin- dungen zur Verfügung, um den Auftrag zu erfüllen. Wäh- rend des beweglichen Einsatzes des JFSCT wurde sich auf den EAGLE IV abgestützt, welcher mit zusätzlichen Fernmeldemitteln ausgestattet war, um Verbindung so- wohl zu luftgebundenen aber auch den bodengebunde- nen Wirkmitteln zu halten. Hierbei erwies sich die vorhan- dene Expertise der Fliegerleitung im JFSCT als Zugewinn.

Als Anlaufpunkt für nationale und STF- Elemente der ver- bündeten Streitkräfte in KUNDUZ und als Koordinierungs- element ist die Einrichtung eines JFSCT in einem solchen Verband unersetzlich. Der Hauptauftrag, die Beratung des Kommandeurs Ausbildungsschutzbataillon KUNDUZ, war nicht nur auf Planung, Anforderung und Durchführung von STF beschränkt. ROE Trainings (Rules Of Engagement/ Einsatzregeln) und CIVCAS AVOIDANCE (Vermeidung ziviler Opfer) seinen hier nur als weitere Beispiele ange- fügt. Gerade im Bereich CIVCAS AVOIDANCE wurden im Teilbereich Einsatz PzH2000 Verfahren entwickelt, die bei Einsatz von nichtletaler Munition Gefährdungen für Zivili- sten und zivile Infrastruktur ausschlossen.

Das Hauptoperationsgebiet CHARA DARRAH und ALI- ABAD und die Unterstützung der dort eingesetzten deut- schen JFST, belgischen TACP (Tactical Control Party), nie- derländischen FST (Fire Support Teams) sowie amerika- nischen FO (Forward Observer) konnte mit Hilfe eines gut funktionierenden Netzwerkmanagements im PRT KUN- DUZ (Provincial Reconstruction Team) sichergestellt wer- den. Auch während Partner- Operationen mit ANA (Afghan National Army) und ANP (Afghan National Police) war eine

Koordination der afghanischen Mörser in Verbindung mit verbündeten STF- Elementen über OMLT- Kräfte (Opera- tional Mentoring and Liaison Teams) zu gewährleisten.

JFSTs Task Force KUNDUZ

“Pirates 1.1., 500 feet AGL, VIPER10 5.000 feet AMSL, airspace clear of UAS, how copy?” Nur ein Beispiel für die „Deconfliction“ zweier Wirkmittel während einer Operati- on einer der beiden Infanteriekompanien der Task Force KUNDUZ durch eines der JFST.

Das Ausbildungsschutzbataillon KUNDUZ war mit seinen beiden Infanteriekompanien im Schwerpunkt im nördli- chen CHAHAR DARRAH eingesetzt. Je eine Kompanie verfügte über ein JFST, das auf Zusammenarbeit ange- wiesen war. Ein bereits in der Vorausbildung getroffene feste Zuteilung der JFST zu den Infanteriekompanien bei Durchgängen in Schießübungszentren und im Gefechts- übungszentrum ALTMARK ermöglichte von Beginn des Einsatzes an eine sehr gute Integration der Artilleristen in die Kompanien des Panzergrenadierbataillons 411.

Zu Beginn des Einsatzes konnten sich die JFST erstmals beweisen, indem bei einem „Show of Force“ Schießen mit der PzH2000 in den Bereich „Danger Close“ (200m an eigene Stellung) herangeschossen wurde. Diese kontrol- lierte Demonstration der eigenen Fähigkeiten stärkte das Vertrauen der Infanteristen in das Leistungsvermögen un- serer Steilfeuerkomponente. Des Weiteren konnte durch ein parallel durchgeführtes „Show of Force“ Schießen mit APACHE AH-64 die STF auch in diesem Bereich ihre Fä- higkeiten deutlich herausstellen.

diesem Bereich ihre Fä- higkeiten deutlich herausstellen. Landschaft/ Gelände Während des Schwerpunktauftrages der

Landschaft/ Gelände

Während des Schwerpunktauftrages der Infanteriekompa- nien, der „gepartnerten“ Raumverantwortung mit ANA und ANP im Distrikt CHAHAR DARRA, wurde das Police Head Quarter (PHQ) mit allen Kampfunterstützern bezogen. Durch den vor Operationen dort stattfindenden Planungs- prozess und des schnellen Einbringens des JFST konn- ten die Anforderungszeiten für luftgebundene Wirkmittel immer gehalten werden. Somit war sichergestellt, dass zu jeder Zeit bei Operationen neben der PzH2000 immer mindestens ein luftgestütztes Wirkmittel zur Verfügung stand. Während Operationen außerhalb der Reichweite der PzH2000 waren zeitgleich meist zwei luftgestützte

der PzH2000 waren zeitgleich meist zwei luftgestützte Wirkmittel eingesetzt (in der Masse AH64 in Verbindung mit

Wirkmittel eingesetzt (in der Masse AH64 in Verbindung mit F16). Während die AH-64 mit dem Boden/ Boden An- teil des JFST den Nahbereich überwachten, führte der Fliegerleitoffizier des Luft/ Boden Anteils des JFST die beiden F16. Die abgestimmte „Deconfliction“ auch über den Gefechtstand des Ausbildungsschutzbataillons und des dort eingesetzten JFSCT leisteten über den gesamten Einsatzzeitraum einen Beitrag zum erfolgreichen Einsatz der Task Force.

einen Beitrag zum erfolgreichen Einsatz der Task Force. Impressionen In beiden JFST konnte auf einen großen
einen Beitrag zum erfolgreichen Einsatz der Task Force. Impressionen In beiden JFST konnte auf einen großen

Impressionen

In beiden JFST konnte auf einen großen Erfahrungs- schatz aus vergangenen Einsätzen bei QRF (Quick Reac- tion Force) ISAF (International Security Assistance Force), TACP ISAF und Schutzkompanie FEYZABAD zurückge- griffen werden, was sich im Rückblick als Gewinn heraus- gestellt hat.

Verminderter Artilleriezug Task Force KUNDUZ

16. Juni 2012, 0052 Uhr Ortszeit: „Bereitschaftsstufe III, Leucht bereitlegen“ so die Anweisung des Fire Direction Centers über Funk an die Feuerstellung. „ANP COP unter Beschuss, KZO und eigenes JFST im Bereich, in kürze Beleuchten für 5.“ Kurz vor Mitternacht wurde auf Befehl JFSCT dann für 5 Minuten beleuchtet.

ZU GLEICH 2 / 2012

Durch den Einsatz von nicht- letaler Munition konnten der Angriff auf diesen COP (Combat Outpost)

Durch den Einsatz von nicht- letaler Munition konnten der Angriff auf diesen COP (Combat Outpost) unterbrochen und Unterstützungskräfte nachgeführt werden.

und Unterstützungskräfte nachgeführt werden. Der verminderte Artilleriezug unterstand disziplinar der

Der verminderte Artilleriezug unterstand disziplinar der ersten Kompanie des Ausbildungsschutzbataillons KUN- DUZ und wurde durch das JFSCT KUNDUZ geführt. Er gliederte sich in einen Zugtrupp, zwei Geschützgruppen, einer Feuerleitgruppe und der auf Zusammenarbeit ange- wiesenen Wettergruppe. Stärke: 11 Soldaten plus 4 Wet- tersoldaten. Um auch bei Zusatz- und Sicherungsaufga- ben der Kompanie unterstützen zu können, wurden zwei Mannschaftssoldaten aus dem JFSCT im verminderten Artilleriezug eingesetzt.

Der Auftrag ist seit 2010 unverändert. 24/7 unmittelbare Feuerunterstützung für ISAF Kräfte im Wirkungsbereich PzH2000 aus der Hauptfeuerstellung oder auf Befehl JF- SCT aus der Wechselfeuerstellung im Bereich PRT KUN- DUZ. Alle PzH2000 im Bereich KUNDUZ verfügen seit Juli 2012 über die Modulare Multispektrale Tarnausstattung (MMT).

Insgesamt wurden bei zehn „Show of Force“ Schießen und im scharfen Einsatz ca. 400 Schuss Artilleriemunition eingesetzt. Gerade die „Show of Force“ Schießen hatten positive Auswirkungen im Informationsumfeld.

Ebenfalls in diesem Bereich ist es auch der Einsatzerfah- rung des Schlüsselpersonals geschuldet, dass der Auftrag jederzeit erfüllt werden konnte.

Verminderter Artilleriezug OP- NORTH

Am 20.01.2012 war es dann soweit, um acht Uhr morgens verließen wir unser Übergangszelt in MES und liefen zum Platz, an dem die Patrouille auffahren sollte. Dort angekom- men nahm unser Zugführer mit dem Patrouillenführer Kon- takt auf und besprach das weitere Vorgehen. Kurz drauf saßen wir auf ein „MunConPers“- Fahrzeug (geschützter

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Mannschafts- Transport- Container für bis zu 18 Soldaten) auf und marschierten mit der Patrouille in Richtung Landes- innere. Fünf Stunden später ging die Ausstiegsluke auf und wir befanden uns mitten auf dem OP- NORTH (Observation Point) in der Provinz BAGHLAN.

dem OP- NORTH (Observation Point) in der Provinz BAGHLAN. Die folgenden Tage waren geprägt vom Zurechtfinden

Die folgenden Tage waren geprägt vom Zurechtfinden auf dem OP sowie die Materialübernahme vom Vorgän- ger. Durch die räumliche Trennung, ein Geschütz war in einer Außenfeuerstellung auf dem COP UNICORN, wurde die Übernahme erschwert. Die erste Geschützbesatzung des neuen Kontingents verlegte bereits zwei Tage nach Ankunft auf dem OP auf den COP UNICORN, um dort die Besatzung des alten Kontingents abzulösen.

Da der Artilleriezug über kein geschütztes Fahrzeug ver- fügte, musste ständig bei den Kampfkompanien nach Transportkapazität angefragt werden, damit die Wech- selbesatzung die Geschützbesatzung auf dem COP UNI- CORN überhaupt ablösen konnte.

Um die Feuerunterstützung aus zwei Feuerstellungen ständig zu gewährleisten, stellte der Zugtrupp, bestehend aus dem Zugführer und dem Zugtruppsoldaten eine drit- te Geschützbesatzung, da sich eine Besatzung auf dem Marsch in die Außenfeuerstellung auf dem COP UNI- CORN befand.

Ab Mitte April begann der Rückbau des COP UNICORN sowie das Abziehen der Panzerhaubitze aus diesem COP. Im gleichen Zuge erkundete der Zugführer neue Außen- feuerstellungen, um den gesamten Verantwortungsbe- reich der Task Force MES weiterhin mit indirektem Feuer unterstützen zu können.

Es wurden insgesamt zwei Außenfeuerstellungen erkun- det. Diese waren angelehnt an afghanische Checkpoints/ Lager, die nur mit afghanischen Sicherheitskräften betrie- ben wurden. Insgesamt wurden die letzten beiden Außen- feuerstellungen dreimal für mindestens fünf Tage besetzt.

Im ersten Halbjahr 2012 bis zum 3. August wurden 42 Schuss Leucht durch die Panzerhaubitze verschossen. Das Trefferbild war durchweg positiv, unabhängig davon, mit welcher Ladung geschossen wurde.

Feuerunterstützung aus einer Hand und Konzentration auf den Hauptauftrag war auch aufgrund der ausgezeichne- ten Arbeit und Unterstützung der in DEUTSCHLAND zu- rückgebliebenen Kameraden möglich.

ZU GLEICH- „Es kommt auf jeden an.“

Mobile Computing und Cyber Defence – (k)ein Widerspruch Fachtagung Informationstechnik 2012 mit Zukunftsvisionen im

Mobile Computing und Cyber Defence – (k)ein Widerspruch

Fachtagung Informationstechnik 2012 mit Zukunftsvisionen im Realitätstest

2012 mit Zukunftsvisionen im Realitätstest Mit etwa 450 Gästen war die Fachtagung sehr gut besucht; in

Mit etwa 450 Gästen war die Fachtagung sehr gut besucht; in der ersten Reihe stehend Ehrengäste der Veranstaltung sowie Vorstand der AFCEA-Bonn und Leitung des IT-AmtBw

beim Eröffnungsvortrag von Dr. Dietmar Theis, IT-Direktor im Bundesministerium der Vertei- digung und IT-Sicherheitsbeauf- tragter der Bundeswehr, klar.

„Einerseits soll möglichst benut- zerfreundliche IT eingeführt wer- den, andererseits sind im staat- lichen Bereich viele nationale und internationale Vorschriften zu beachten. Diese halten - insbesondere im Bereich des Geheimschutzes - nicht immer mit den realen Einsatzerforder- nissen Schritt,“ so Dr. Theis. Er stellte fest, dass bei mobi- len Geräten noch nicht der Si- cherheitsstand herkömmlicher Rechner und Software erreicht sei. Auch spiele bei Nutzern und bei Herstellern von Mainstream- Produkten die IT-Sicherheit eine bisweilen untergeordnete Rolle.

IT-AmtBw und AFCEA Bonn e.V. haben am 30. August 2012 wieder gemeinsam die Koblenzer Fachtagung in Koblenz veranstaltet. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung unter dem Leitthema „Mobile Compu- ting und Cyber Defence – (k)ein Widerspruch“ hatte der Oberbürgermeister der IT-Stadt Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig übernommen.

Die achte dieser gemeinsamen Fachtagungen beschäf- tigte sich mit der Gratwanderung zwischen Sicherheit, Risikominimierung und Komfort für den IT-Nutzer. Ge- rade Streitkräfte haben besondere Schutzbedürfnisse. Kernfrage war: Wie erreiche ich größtmögliche Sicherheit oder muss ich in besonderen Lagen Risiken in Kauf neh- men? Generalleutnant Reinhard Kammerer, amtierender Befehlshaber des Heeresführungskommandos, gab in seinem Grußwort die Maxime aus: „Das Gesamtsystem muss für denjenigen arbeiten, der im Einsatz ganz vorne steht.“ Er könne sich ein System mit abgestufter Sicherheit gut vorstellen, so der General.

Spannungsfeld zwischen Mobilität und Sicherheit

Sämtliche Lösungen stehen dabei immer im Spannungs- feld zwischen Mobilität und Sicherheit. Dies wurde bereits

feld zwischen Mobilität und Sicherheit. Dies wurde bereits Ministerialdirigent Dr. Dietmar Theis, IT-Direktor der

Ministerialdirigent Dr. Dietmar Theis, IT-Direktor der Bundeswehr, bei seinem Vortrag

Dies könne sich jedoch ändern, wenn auch im Consumer- bereich immer mehr sicherheitskritische Anwendungen - z.B. im Zahlungsverkehr oder im Businesssektor - über mobile Endgeräte abgewickelt werden und deshalb der unmittelbar betroffene Anwender die Hersteller zur Nach- besserung treibe. Diese dann sichereren Geräte könnten nach moderaten Anpassungen auch für sicherheitskriti- sche Anwendungen im staatlichen Bereich genutzt wer- den. Dr. Theis sah allerdings in Deutschland vielverspre- chende Lösungsansätze und lobte ausdrücklich die Rolle des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstech- nik (BSI). Von dort wünschte er sich Unterstützung bei der Weiterentwicklung einer flexibleren Vorschriftenland- schaft, die der Dynamik bei den denkbaren Einsatzsze- narien besser gerecht werde. Für staatlich initiierte Spe- zialentwicklungen sah er auf dem Hochtechnologiesektor Mobile Computing jedoch keine Zukunftsperspektive.

Als technologische Voraussetzung für sicheres Mobile Computing im militärisch-taktischen Einsatz setzte Dr. Theis große Hoffnung auf die Einführung von SVFuA ab 2015, der Streitkräftegemeinsamen Verbundfähigen Funkgeräteausstattung (auch Software Defined Radio ge- nannt).

App-Store für die NATO

Interessante Ideen der neuen NATO Communications and Information Agency (NCI Agency) stellte Generalmanager Koen Gijsbers vor. Er könne sich vorstellen, dass seine Agentur künftig einen NATO App-Store anbietet, der mi- litärische Sicherheitsanforderungen bis zur Einstufung „NATO Restricted“ erfülle. Gijsbers sah weniger die Tech- nik selbst als vielmehr das Benutzerverhalten als Bedro- hung für die Sicherheit. Gerade jüngere Menschen seien es gewohnt, Informationen zu teilen - im Einsatz könne dies jedoch zu weit gehen. Darum müsse das Sicherheits- bewusstsein geschärft werden und Anwendungen sollten einfach und sicher zu bedienen sein -idealerweise durch jeden Laien.

und sicher zu bedienen sein -idealerweise durch jeden Laien. Der Generalmanager der neuen NATO Communications and

Der Generalmanager der neuen NATO Communications and Information Agency (NCI Agency), Generalmajor (ret.) Koen Gijsbers

Mobilität versus IT-Sicherheit?

Professor Dr. Peter Martini und Dr. Thorsten Aurisch vom Fraunhofer Institut für Kommunikation, Informationsver- arbeitung und Ergonomie legten anhand des Projektes „Querschnittlicher Anteil Kommunikationsserver der Bun-

deswehr“ (QUAKSBw) dar, wie Forschung sichere mobile Kommunikation in die Praxis bringt. QUAKSBw als Wei- terentwicklung des Kommunikationsservers stellt das Bin- deglied zwischen sprach- und datenbasierten Anwendun- gen sowie den vielfältigen Fernmeldemitteln dar. Auch hier wurde deutlich: Sicherheit darf nur minimale Einschrän- kungen für den Einsatzzweck des Netzes haben.

Die technischen Lösungen, die Adrian Clarke, European Director for Communication and Force Protection von ITT Exelis, aufzeigte, bewegen sich im selben Spannungsfeld:

Kampfeinsätze werden immer mobiler und komplexer, sie benötigen mehr ad-hoc-Netze. Gleichzeitig soll alles mit- einander sicher vernetzt und einfach zu bedienen sein. Seine Vorgabe an mobile Lösungen, gleich ob Satelli- tentelefon oder Digitalfunkgerät: Mehr als zehn Minuten Schulung darf es nicht benötigen!

IT-Ausstattungen für Einsätze

Im Rahmen einer Truppschau konnten die Besucher der Fachtagung in diesem Jahr modernste Informations- und Kommunikationssysteme der Bundeswehr selbst in Au- genschein nehmen. Das Heeresführungskommando stell- te Führungsmittel der Landstreitkräfte mit ausgewählten Fahrzeugen für Einsätze vor. Das Spektrum reichte vom computer-gefüllten Gefechtsstand-Container über High- tech Aufklärungsfahrzeuge bis zu gepanzerten Transport- fahrzeugen mit ihren leistungsfähigen IT-Ausstattungen.

fahrzeugen mit ihren leistungsfähigen IT-Ausstattungen. Reges Interesse fand die Präsentation moderner

Reges Interesse fand die Präsentation moderner Einsatzfahrzeuge des Heeres

Differenzierte Wahrnehmung von Sicherheit

Ansätze für sichere mobile Kommunikation präsentierte Ralf Dittmar, Leiter Entwicklung Kryptogeräte und Mitglied der Geschäftsleitung der Firma Rohde &Schwarz. Bei ver- schiedenen Möglichkeiten zur sicheren Anbindung mobiler Geräte wie Virtual Private Networks (VPN) und die Ende- zu-Ende-Sicherung von Applikationen gelte es, zwischen Kosten und Sicherheit abzuwägen. Das Bewusstsein für Sicherheit sei nicht immer vorhanden gewesen, sagte Hol- ger Arends, Technischer Leiter der Ammerlake Solutions. „Es hat 20 Jahre gedauert, bis Sicherheit ernst genommen wurde.“

Wie der Umgang mit dem Internet und der IT-Sicherheit eine Gesellschaft verändern können, zeigte Oberstleut- nat Martin Gürtler, Chief of Staff and Deputy Director des NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence, am Beispiel des Staates Estland, der sich im Laufe der letzten zwölf Jahre zur digitalen Gesellschaft entwicke- le. „e-Estonia“ ist heute eine der höchstentwickelten, di- gitalen Gesellschaften in der Welt: e-Kabinett, e-Polizei, e-Steuern, e-Rezepte, e-Wahlen und e-Schule sind nur

einige der Dienste, die mit Hilfe einer für alle estnischen Bürger verfügbaren elektronischen ID-Karte ermöglicht werden. Eine Variante davon kann inzwischen in die SIM- Karte eines Mobiltelefons implementiert werden und eli- miniert damit die Notwendigkeit eines Kartenlesers oder anderer Zusatzgeräte bei der Nutzung digitaler Dienste. Gürtler stellte aber auch fest, dass die estnische Gesell- schaft angreifbarer sei als eine, die sich stärker auf physi- sche Einrichtungen abstützt.

die sich stärker auf physi- sche Einrichtungen abstützt. Oberstleutnant Martin Gürtler präsentierte eine nach

Oberstleutnant Martin Gürtler präsentierte eine nach unseren Maßstäben völlig andere, offene IT-Welt im Staat Estland

Jörg Glittenberg, Leiter der Division Maritime Solutions bei CSC, bestätigte die Beobachtung, wie IT-Sicherheit eine Gesellschaft verändern könne. Da sich die internationa- le Bedrohungslage verändert habe, werden Gesellschaf- ten immer abhängiger von vernetzten Systemen. Der IT- Schutz sei oft unzureichend. Darum sei die Hauptaufgabe heute, das strategische und sichere „Management von offenen Gesellschaften“ sicherzustellen. Am Beispiel des HERKULES-Projekts der Bundeswehr zeigte Dr. Georg Wilmers, Geschäftsführer der BWI Informationstechnik GmbH, wo die Bundeswehr in überschaubarem Maße be- reits mobile Geräte einsetze und unter welchen Bedingun- gen weitere Lösungen bis hin zu Smartphones oder einem App-Store möglich seien. Auch hier wurde deutlich: Durch die derzeitigen Sicherheitsvorgaben sind für viele Lösun- gen enge Grenzen gesetzt.

15.000 Euro für herausragende Studienarbeiten

Erneut wurde im Rahmen der Koblenzer Fachtagung der AFCEA Bonn e.V. Studienpreis vergeben, der in seinem fünften Jahr mit 15.000 Euro ausgelobt wurde.

der in seinem fünften Jahr mit 15.000 Euro ausgelobt wurde. Die Preisträger des diesjährigen AFCEA-Studienpreises mit

Die Preisträger des diesjährigen AFCEA-Studienpreises mit dem Vorsitzenden der AFCEA-Bonn, Generalmajor Erich Staudacher

Die beiden ersten Preise gingen an Jan Christopher Le- wandowsky von der Universität der Bundeswehr in Mün- chen und Nikolai Wojke von der Universität Koblenz-Lan- dau. In einer Auswahl von 14 Arbeiten bekamen sie die höchste Bewertung und erhalten 6.000 bzw. 3.000 Euro. Bewertungskriterien waren praktische Relevanz der Arbei- ten, Neuigkeit und Erkenntnisgewinn sowie Präzision der Gedankenführung und Klarheit der Darstellung.

Jährlich werden herausragende Diplom- und Masterarbei- ten in angewandter Informatik, Nachrichten- oder Auto- matisierungstechnik ausgezeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Darüber hinaus soll ein Beitrag zum Wissen- stransfer von Universitäten und Fachhochschulen in den Wissenschaftsregionen Bonn und Koblenz in die Bereiche Technik, Wirtschaft und Gesellschaft geleistet werden. Da die AFCEA Bonn e.V. einen wesentlichen thematischen Fokus im Bereich der Verteidigung und Sicherheit hat, wurden in den Wettbewerb auch die beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München einbezogen.

Über IT-AmtBw und AFCEA

Für das IT-AmtBw war dies die letzte gemeinsame AF- CEA-Fachtagung, denn diese Dienststelle aus dem Rüs- tungsbereich der Bundeswehr ist gemeinsam mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) am 1. Oktober 2012 zum neuen Bundesamt für Ausrüs- tung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz verschmolzen worden.

AFCEA Bonn e.V. ist Model Chapter of the Year 2007- 2011. Der gemeinnützige Verein ist ein Anwenderforum für Fernmeldetechnik, Computer, Elektronik und Automatisie- rung. Der Verein ist eigenständiges Mitglied der interna- tionalen Vereinigung AFCEA International (Armed Forces Communications and Electronics Association) mit Sitz in Fairfax, Virginia, USA.

Nähere Informationen finden Sie unter www.afcea.de und www.IT-AmtBw.de

Alle Fotos durch Bundeswehr / IT-AmtBw

Kontakt für Journalisten: Jochen Reinhardt AFCEA Bonn e.V., Borsigallee 2 53125 Bonn Telefon: +49 228

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Jochen Reinhardt

AFCEA Bonn e.V., Borsigallee 2 53125 Bonn

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Diensteorientierung in der IT – Motor für flexible Anwendungen Das AFCEA Jahresthema steht ganz im

Diensteorientierung in der IT – Motor für flexible Anwendungen

Das AFCEA Jahresthema steht ganz im Zeichen schneller Veränderungen

Organisationen stehen immer mehr unter dem Zwang, sich äußeren Einflüssen und notwendigen Änderungen schnell anpassen zu müssen. Die Ge- schäftsprozesse, das heißt die nach Geschäftsregeln definierten Abläufe von Aktivitäten, sind dabei oft in der IT implementiert.

Hieraus ergibt sich jedoch, dass diese Organisatio- nen nur in dem Maße auf die notwendigen Änderun- gen reagieren können, wie die IT diesen Änderun- gen folgen kann. Die Flexibilität einer Organisation steht damit in direktem Zusammenhang zur Flexibi- lität ihrer IT, also zur Fähigkeit, die in der IT imple- mentierten Prozesse und Funktionalitäten ändern zu können. Die Diensteorientierung bietet hier quasi den Motor für die Flexibilisierung der Organisations- IT. Die zentrale Idee ist es, Geschäftsprozesse durch eine Abfolge geeigneter Dienste abzuwickeln. Dabei soll ein Dienst mit seiner Funktionalität einen einzel- nen Schritt oder einen kompletten Geschäftsprozess unterstützen.

Auf der methodischen Grundlage einer Dienste- oder Serviceorientierten Architektur (SOA) werden vor- handene IT-Komponenten (Infrastruktur und Soft- ware) so in Dienste aufgeteilt, dass im Falle einer notwendigen Änderung (eines Geschäftsprozesses) lediglich einzelne Glieder dieser Komponentenkette modifiziert oder ausgetauscht werden müssen und es damit nicht zu einer teils fehlerträchtigen und teuren Änderung eines gesamten IT-Systems oder einzelner Module kommt.

Auch im militärischen Bereich wird bei der Neu- und Weiterentwicklung von IT-Projekten auf die Diensteo- rientierung gesetzt. IT-Services sollen dabei je nach Einsatzanforderung so zusammengestellt werden können, dass der Informationsbedarf flexibel gedeckt werden kann. Die standardisierten Schnittstellen und Prozesse einer SOA machen Dienste interoperabel und führen zu dieser erhöhten Flexibilität.

Die Herausforderungen dieser methodischen Vor- gehensweise bestehen damit in der Zusammenstel-

lung (Orchestrierung) der einzelnen Dienste zur op- timalen Unterstützung der Geschäftsprozesse und in einer standardisierten Schnittstellendefinition. Hat sich erst einmal die diensteorientierte Architektur mit einer Menge von Diensten etabliert, so lassen sich komplexe Anwendungen relativ einfach durch Zu- sammenführen verschiedener Dienste realisieren. Dabei ist es eine unternehmerische Entscheidung, ob diese Dienste eigenentwickelt oder aber am Markt hinzugekauft (make or buy) und nach Bedarf (on de- mand) genutzt werden. Jede der genannten Optio- nen hat neben wirtschaftlichen Aspekten jedoch auch Sicherheitsaspekte, die bei dieser Entscheidung zu betrachten sein werden.

Mittlerweile gibt es am Markt eine Vielzahl von An- geboten, die die Nutzung von Diensten zur Unter- stützung von Geschäftsprozessen ermöglichen, bei- spielsweise Software as a Service (SaaS), Plattform as a Service (PaaS), Infrastructure as a Service (IaaS), Security as a Service oder Everything as a Service (XaaS). Gerade die zuletzt genannte Aus- prägung der Diensteorientierung ermöglicht es im Extremfall, lediglich mit einem vorhandenen Internet- zugang sämtliche Geschäftsprozesse einer Organi- sation ohne Vorhandensein eigener Anwendungen zu unterstützen.

Mit dem diesem Jahresthema wird AFCEA Bonn e.V. die unterschiedlichsten Facetten der Diensteorien- tierung in der IT als Motor für flexible Anwendungen betrachten. Das aktuelle Programm finden Sie unter http://www.afcea.de/termine_folgejahr

AFCEA Bonn e.V. Borsigallee 2 53125 Bonn

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Die neue Struktur des Heeres – Die Artillerie im HEER2011

Die neue Struktur des Heeres – Die Artillerie im HEER2011 Oberstleutnant Klaus Hiery, Bereich Weiterentwicklung, Leiter

Oberstleutnant Klaus Hiery, Bereich Weiterentwicklung, Leiter Dezernat 2

Vorbemerkung

Der vorliegende Artikel befasst sich mit der künftigen Struktur der Artillerietruppe im HEER2011. Er bildet somit die Fortsetzung des in der letzten Ausgabe der „Zu Gleich“ erschienenen Beitrages zum künftigen „Ausbildungsbereich Streitkräftegemeinsame Takti- sche Feuerunterstützung/ Indirektes Feuer (AusbBer STF/ IndirF)“ IDAR-OBERSTEIN. Die im Folgenden dargestellten Informationen beruhen ebenfalls auf der Grundsatzentscheidung des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, dem sogenann- ten Stationierungskonzept vom 26.10.2011. Einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zur Neuaus- richtung der Streitkräfte stellte die am 12. Juni 2012 veröffentlichte Realisierungsplanung dar.

Die Ausplanung der Artillerieverbände erfolgte anhand einheitlicher Kriterien, die querschnittlich im Rahmen der Strukturerarbeitung die Grundlage für das Heer als Ganzes bildeten. Demnach sollte ein breites Fähigkeits- spektrum mit Durchsetzungsfähigkeit im gesamten Aufga- ben- und Intensitätsspektrum und differenziertem Durch- haltevermögen erhalten bleiben. Es sollte aber auch eine Balance entstehen zwischen einerseits schneller Reak- tionsfähigkeit auf krisenhafte Entwicklungen im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, den Auslandsein-

sätzen und den sich damit wandelnden Einsatzerforder- nissen und andererseits der notwendigen Zeit zwischen den Auslandseinsätzen.

Bestimmungsfaktoren

Kernpunkt der Strukturüberlegungen war es, durchhaltefä- hige Kräfte für die in Zukunft wahrscheinlichsten Einsätze (Stabilisierungsoperationen) unter Berücksichtigung des gesamten Intensitätsspektrums bereitzustellen. Es sollte sich dabei um die Struktur bestimmende Planungsgröße handeln. Von entscheidender Bedeutung war hierbei der Beitrag des Heeres zum sogenannten Level of Ambition (LoA). Der LoA, in Verbindung mit dem Einsatzrhythmus (4 Monate Einsatz und 20 Monate Regeneration/ Dienst in der Truppe), ergab die Personalstärke der einzelnen Trup- pengattungen. Diesem Ansatz Rechnung tragend, folgte die Ausplanung von vier Bataillonen für die Artillerietruppe.

Verbände und Ausbildungseinrichtungen (AusbEinr) soll- ten so stationiert werden, dass aus militärisch/ funktio- nalen und betriebswirtschaftlichen Gründen regionale Ausbildungs- und Übungsverbünde zur Herstellung von Fähigkeiten/ Einsatzbereitschaft ermöglicht und gefördert werden. So werden die Artilleriebataillone alle im Bereich eines Truppenübungsplatzes disloziert. Der AusbBer STF/ IndirF wird bekanntermaßen zusammen mit dem Artillerie- lehrbataillon 345 in IDAR-OBERSTEIN stationiert sein.

Für das Heer im Einsatz kam es darauf an, die Pla- nungen für die Einnahme der neuen Struktur an der Einsatzrealität auszurich-

ten. So sollten organisa- torische Maßnahmen zur Umstrukturierung eines

Truppenteils innerhalb von

sechs Monaten vor, wäh-

rend oder drei Monaten

nach einem Einsatz unter-

bleiben, um Vorbereitung, Durchführung und Nachbe-

reitung laufender Einsätze nicht zu beeinträchtigen.

Die Realisierung der Struk-

tur erfolgt in einem Top-

Down-Ansatz, beginnend

im Bundesministerium der

Verteidigung. Für das Heer bedeutet das: Die Umstruk-

turierung begann 2012 beim Führungsstab des Heeres mit der Wandlung zum Stab Inspekteur Heer und setzt sich fort über die

XXXX

Kdo Heer XX Amt XX XX XX HEntwg XXX Div DtA 1. PzDiv 10. PzDiv
Kdo
Heer
XX
Amt
XX XX
XX
HEntwg
XXX
Div
DtA
1. PzDiv
10. PzDiv
Schnelle Kr
MN Korps
AusbKdo
II
II
II
II II
II
x
Art
UstgEins
sPi
Art
UstgEins
Art
L325
1
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L345
10
131
KSK
x
x
x
x
x x
x OSH
Pz
Pz
PzGren
GebJg
Pz
PzGren
DEU/FRA
x
L9
21
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23
12
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USH
LL
26
II
II
II
II
II
II
II
Jg
Jg
GebJg
PzGren
PzGren
91 Jg
1
413
231
122 391
291 Jg
IlI
AusbZ*
AusbZ z
FschJg
AusbZ z
AusbZ AusbZ z z
31
II
II II
II
II
II
II
PzGren
PzGren
PzGren
GebJg
PzGren
PzGren
Jg
212
411
232
112 371
292
lII L92
FschJg
263
II
II
II
II
II
II
II
33 PzGren
Pz
PzGren
GebJg
Pz
Pz
Art
203
401
233
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295
II
OA OA
IlI
II
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II II
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TIGER
Pz
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Aufkl
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L93
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II
II
II II
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NH 90
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PzPi
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1
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II
III
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II
II
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Vers
Vers
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131 Vers
NH 90
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II
II
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PzGren
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PzGren
141
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908
414
Neuaufstellung
Ausb/ÜbZ
GefSimZH
SpezlOp
II
Umwandlung
Pz
* Den AusbZ werden weitere AusbStPkt/ÜbZ zugeordnet
Umstationierung
414

Übersicht Grobstruktur des Heeres

ZU GLEICH 2 / 2012

AusbBer STF/IndirF Munster L345 Idar-Oberstein Weiden Stetten a.k.M 295
AusbBer
STF/IndirF
Munster
L345
Idar-Oberstein
Weiden
Stetten a.k.M
295
AusbBer STF/IndirF Munster L345 Idar-Oberstein Weiden Stetten a.k.M 295 L325 131

L325

AusbBer STF/IndirF Munster L345 Idar-Oberstein Weiden Stetten a.k.M 295 L325 131

131

Artilleriestandorte im HEER2011

Kommandobehörden bis hin zu den Truppenteilen, Ver- bänden und Einheiten. Die Masse des Heeres soll unter Berücksichtigung der laufenden Einsatzverpflichtungen in den Jahren 2014 und 2015 umgegliedert werden.

Um in der schwierigen Phase der Umgliederung die Aus- bildung des Heeres aufrecht zu erhalten, wird die Um- strukturierung der AusbEinr erst nach Einnahme der Trup- penstruktur (voraussichtlich 2015) so erfolgen, dass mit Abschluss dieser Phase die Strukturreform im Bereich des Heeres abgeschlossen sein wird.

Die Struktur der Artillerie

Die Einnahme der Zielstruktur bedeutet für die Artille- rie zunächst die Auflösung bzw. die Verlegung von Ver- bänden, verbunden mit der Aufgabe der Standorte IM- MENDINGEN, AUGUSTDORF, SONDERSHAUSEN, MÜHLHAUSEN und KUSEL. Die vier verbleibenden Artilleriebataillone werden umgegliedert.

Bild 3 fasst sämtliche Maßnahmen zu- sammen.

Durch die Auflösung des Artilleriere- giments 100 sowie des Raketenartil- leriebataillons 132 und des Panzer- artilleriebataillons 215, reduziert sich der Dienstpostenumfang der Artille- rietruppe von heute 4.090 auf 3.028, also um 1.062 Dienstposten. Von den vier verbleibenden Bataillonen wer- den drei verlegt. Verlassen muss das Artillerielehrregiment 345 den tradi- tionsreichen Windhof in KUSEL; es wird künftig als Artillerielehrbataillon 345 in IDAR-OBERSTEIN stationiert sein. Das Artilleriebataillon 295 wird von IMMENDINGEN nach STETTEN am Kalten Markt und das Beobach- tungspanzerartilleriebataillon 131 von MÜHLHAUSEN nach WEIDEN verle- gen.

Das in SONDERSHAUSEN neu aufzu- stellende Feldwebelanwärter-/ Unter- offizieranwärterbataillon 1 (FA/ UABtl) wird dem AusbBer STF/ IndirF unterstellt, im Folgenden jedoch nicht weiter betrachtet.

Durch die parallel einhergehenden Umstrukturierungs- maßnahmen der vorgesetzten Dienststellen werden im Übergang Unterstellungswechsel erforderlich. So erfolgt für das Artillerielehrregiment 345 mit Auflösung der Hee- restruppenbrigade zum 31.12.2013 der Unterstellungs- wechsel zur Division Süd, später 10.Panzerdivision, bei gleichzeitiger Umbenennung zum Artillerielehrbataillon 345. Gleiches gilt für das Beobachtungspanzerartillerie- bataillon 131 nach Auflösung des Artillerieregiments 100; auch dieser Verband wird zum selben Zeitpunkt in Artil- leriebataillon 131 umbenannt und ebenfalls der Division Süd unterstellt. Die zeitlichen Angaben beziehen sich auf die im Realisierungsplan veröffentlichten Eckpunkte. Infra- strukturelle Unwägbarkeiten können im Einzelfall zu Ab- weichungen führen.

IST
IST

Veränderung

SOLL
SOLL

Abschluss

100

AuflösungIST Veränderung SOLL Abschluss 100 131 132 215 295 L325 Verlegung nach WEIDEN, Umgliederung Verlegung 3./

IST Veränderung SOLL Abschluss 100 Auflösung 131 132 215 295 L325 Verlegung nach WEIDEN, Umgliederung Verlegung

131

132

215

295

L325

Verlegung nach WEIDEN, UmgliederungSOLL Abschluss 100 Auflösung 131 132 215 295 L325 Verlegung 3./ RakArtBttr, Rest: Auflösung Auflösung

Verlegung 3./ RakArtBttr, Rest: Auflösung131 132 215 295 L325 Verlegung nach WEIDEN, Umgliederung Auflösung Verlegung nach STETTEN a. k. M.,

AuflösungUmgliederung Verlegung 3./ RakArtBttr, Rest: Auflösung Verlegung nach STETTEN a. k. M., Umgliederung Umgliederung

Verlegung nach STETTEN a. k. M., UmgliederungVerlegung 3./ RakArtBttr, Rest: Auflösung Auflösung Umgliederung L345 Verlegung nach I-O, Umgliederung 131 295

UmgliederungAuflösung Verlegung nach STETTEN a. k. M., Umgliederung L345 Verlegung nach I-O, Umgliederung 131 295 L325

L345

Verlegung nach I-O, UmgliederungRakArtBttr, Rest: Auflösung Auflösung Verlegung nach STETTEN a. k. M., Umgliederung Umgliederung L345 131 295 L325

131

295

L325

L345

Gliederung der Artilleriebataillone

Die Gliederung der Bataillone er- folgt grundsätzlich nach einheitli- chem Muster. So sind sämtliche der Bataillone er- folgt grundsätzlich nach einheitli- Fähigkeiten, die in der Summe das System Artillerie bilden, Fähigkeiten, die in der Summe das System Artillerie bilden, in jedem Bataillon hinterlegt. Dies bedeutet, dass alle im Bereich der Artillerie- truppe verfügbaren Aufklärungs-, Wirk- und Führungsmittel innerhalb eines Verbandes abgebildet sind. Aufklärungs-, Wirk- und Führungsmittel innerhalb Lediglich die begrenzte Verfügbar- keit von Großgerät, Lediglich die begrenzte Verfügbar- keit von Großgerät, insbesondere bei den Aufklärungsmitteln, führte Aufklärungs-, Wirk- und Führungsmittel innerhalb eines Verbandes abgebildet sind. zu marginalen Unterschieden. zu marginalen Unterschieden.

Neben einer Versorgungs-/ Un- terstützungsbatterie verfügt jedes Bataillon über eine Artillerieaufklä- rungsbatterie. In dieser sind alle rungsbatterie. In dieser sind alle

ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
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ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
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ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur

ZU GLEICH 2 / 2012

ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur
ZU GLEICH 2 / 2012 Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur

Bild 3: Maßnahmen zur Einnahme der neuen Struktur

bodengebundenen und luftgestützten Aufklärungssysteme der Artillerietruppe abgebildet.

Durch Verteilung der Raketenartille- riebatterien aus dem aufzulösenden Raketenartilleriebataillon 132 verfügt zukünftig jedes Artilleriebataillon über Raketenwerfer MARS oder MARS II. Durch diese Maßnahme besitzt jedes Ar- tilleriebataillon mit seiner 3. Batterie die Fähigkeit, mit GMLRS (Guided Multip- le Launch Rocket System/ Lenkrakete) weitreichend und somit abstandsfähig zu wirken.

Die 4. und 5. Batterien der Artillerieba- taillone sind mit Panzerhaubitze 2000 ausgestattet. Nur das Artillerielehrbatail- lon 345 verfügt zusätzlich über eine 6., ebenfalls Geschützbatterie. Hier sollen, nach Einführung, vier Mörserkampfsy-

steme zusätzlich in einem Geschützzug abgebildet werden. Da diese Maßnahme personalneutral erfolgen soll, wird das Personal der 6. Bttr sowohl an der Panzerhaubitze 2000 als auch am Mörser- kampfsystem ausgebildet.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Ausplanung einer Re- krutenkompanie im Artilleriebataillon 295. Hier wird zu- künftig nach dem Regionalitätsprinzip für das Heer die Allgemeine Grundausbildung durchgeführt.

Alle Bataillone erfahren im Bereich der Führungselemente einen Aufwuchs. So ist in den Stäben neben der bekann- ten Artillerieeinsatzgruppe (ArtEinsGrp) die neue Teilein- heit Artillerieleitungsgruppe (ArtLtgGrp) ausgeplant, die im Bedarfsfall dem Leiter der Joint Fire Support Coordination Group (JFSCG) beim Brigadegefechtsstand beigestellt wird. Dort komplettiert sie mit ihrem Personal dann die Zelle Leitung/ Steuerung der JFSCG.

Dem LoA entsprechend, wurde auch auf Einheitsebene ein neues Führungselement geschaffen. Die neu eingerichte- te Teileinheit Artillerieführungstrupp (ArtFüTrp) hat die Auf- gabe, Artilleriekräfte über das FüWES ADLER (Führungs- Waffen- Einsatz- System Artillerie- Daten- Lage- Einsatz- Rechnerverbund) zu führen. Sie stellt somit die Operati- onszentrale (OpZ) von Einsatzkräften mit artilleristischem Auftrag im Rahmen von Stabilisierungsoperationen dar. Für die Batterieebene bedeutet dies eine neue, qualita- tiv sehr weitreichende Erweiterung von Zuständigkeit und Verantwortung. Daraus resultiert auch eine Herausforde- rung, die es im Rahmen der zukünftigen lehrgangsgebun- denen- und Truppenausbildung zu meistern gilt. Der Bat- teriechef verfügt nämlich zukünftig über Zuständigkeiten, die bisher auf der Bataillonsebene angesiedelt waren, und das dazu in einem deutlich komplexeren Umfeld. Die be- absichtigte, aber noch nicht entschiedene Höherdotierung der Einheitsführerdienstposten im Heer (Major) würde dem Rechnung tragen.

Die Batterie als Träger der Unterstützung in Stabilisie- rungsoperationen konnte in der Grundgliederung nicht einsatzorientiert als Systemverbund Artillerie aus den An- teilen Aufklärung – Führung – Wirkung ausgeplant wer- den. Hier muss im Rahmen der ständigen Ausbildung und

L325

L325
L325
L325
L325
L325
L325
L325

MUNSTER

L345

L345
L345
L345
L345
L345
L345
L345

IDAR-OBERSTEIN

131

131
131
131
131
131
131
131
131

WEIDEN

295

295
295
295 Rekr 6
295 Rekr 6
295 Rekr 6
295 Rekr 6
295 Rekr 6
Rekr 6
Rekr
6

STETTEN A. K. MARKT

Gesamtstärke: 226 / 975 / 1.827 // 3.028

Gliederung der Artillerie im HEER2011

insbesondere der einsatzvorbereitenden Ausbildung ab- lauforganisatorisch der Systemverbund auf Batterieebene zusammengestellt und ausgebildet werden.

Für Operationen in Größenordnungen oberhalb des struk- turbestimmenden LoA (z. B. Landes- und Bündnisverteidi- gung), wird diese Aufgabe auch weiterhin durch die OpZ des Artilleriebataillons wahrgenommen.

Die auf Einsätze ausgerichtete Struktur zeigt sich quer- schnittlich auch an der bei allen Verbänden des Heeres neu eingerichteten Teileinheit Einsatznachsorge. Sie stellt die konsequente Umsetzung der Fürsorgeverpflichtung des Dienstherrn gegenüber einsatzversehrten Soldaten dar. Hierbei werden zwei Ansätze verfolgt: Einerseits dient das Personal dieser Teileinheit als Ansprechpartner und steht einsatzversehrten Soldaten unterstützend zur Seite, andererseits können auf den hier geschaffenen Dienst- posten einsatzversehrte Soldaten entsprechend ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung weiter verwendet wer- den.

Die Organisation der STF- Organe

Bei der strukturellen Abbildung sämtlicher Koordinierungs- elemente der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuer- unterstützung (STF) und der Schnittstellentrupps (SStTrp) handelt es sich in der Summe um 11 Joint Fire Support Coordination Groups (JFSCG), 18 Joint Fire Support Coordination Teams (JFSCT) und 72 Joint Fire Support Teams (JFST) sowie 18 SStTrp. Damit sind alle Divisionen und Brigaden, wenn auch in ihrer Zusammensetzung und tatsächlichen personellen Hinterlegung unterschiedlich ausgebracht, mit Personal zur Führung und Aufgaben- wahrnehmung einer JFSCG ausgestattet. Einen wesent- lichen Beitrag hierzu leisten die ArtEinsGrp der Artillerie- bataillone. Das hier abgebildete Personal nimmt innerhalb der JFSCG die Aufgaben der Zelle Indirektes Feuer ablau- forganisatorisch wahr.

Durch diese Organisation der STF- Organe ist auch im Rah- men der Landes- und Bündnisverteidigung oder ähnlich per- sonalintensiver Operationen gewährleistet, dass STF- Ko- ordinierungselemente bis auf Verbands- und Einheitsebene auf Zusammenarbeit angewiesen werden können. Somit ist

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der Großteil der Verbände und Einheiten im Rahmen eben erwähnter Operationen in der Lage, die Möglichkeiten des Verbundes STF zu nutzen bzw. abzurufen.

Die zur Kommunikation und Führung m Rahmen von Ne- tOpFü (Vernetzte Operationsführung) innerhalb des Ver- bundes STF notwendigen SStTrp wurden aufgrund ihrer Ausstattung und des jeweiligen Aufgabenspektrums so- wohl den Brigaden als auch den Artilleriebataillonen zuge- ordnet. Ziel der Ausplanung war es, jedem Großverband (Brigade/ Division)) mindestens einen SStTrp zur Verfü- gung zu stellen. Aufgrund dieser Festlegung ergab sich der Umstand, dass beim Artilleriebataillon 131 auf die Abbildung eines SStTrp verzichtet werden konnte, da die Division Süd durch den SStTrp des Artillerielehrbataillons 345 bereits über die geforderte Fähigkeit verfügt.

Zusammenfassung

Die Reduzierung um knapp 1.100 DP kommt einer Ver- ringerung der Truppengattung um weitere 22 Prozent gleich. Die Forderungen aus dem strukturbestimmenden LoA für Stabilisierungsoperationen werden durch die Ar- tillerietruppe erfüllbar sein. Die gestiegenen Forderungen an die Batterieebene und die STF- Organisation gilt es durch geeignete Maßnahmen qualitativ sicherzustellen. In der neuen Struktur sind die Belange der Artillerietruppe angemessen berücksichtigt. Diese Bewertung ist jedoch ausschließlich vor dem Hintergrund finanzieller Vorgaben bzw. Rahmenbedingungen zu sehen.

Nun gilt es, den Übergang in die neue Struktur möglichst bruchfrei und ohne große Reibungsverluste zu gestalten. Eine der großen Herausforderungen wird anschließend sein, die entsprechenden Organisationsmaßnahmen so umzusetzen, dass weder die Ausbildung noch die Einsatz- verpflichtungen der Verbände und Einheiten dadurch be- einträchtigt werden.

Es ist auch weiterhin das Ziel der Truppengattung, das System Artillerie als wesentlichen Träger der STF zu im- plementieren und dieses im Rahmen von Einsätzen mit Wirk- und Aufklärungsmitteln zur Verfügung zu stellen. Die vorliegende Struktur lässt dieses ablauforganisato- risch zu.

Dabei wird es immer notwendig sein, die Erfahrungen aus den Einsätzen in Verbindung mit dem AusbBer STF/ IndirF so in die Ausbildung einfließen zu lassen, dass auf allen Ebenen jederzeit die Artillerie- und STF- spezifischen Fä- higkeiten auf einsatzrelevante Erfordernisse ausgerichtet bzw. angepasst werden können.

Aufgrund der derzeitigen Einsatzausrichtung gilt dies ins- besondere für die STF- Koordinierungselemente. Deren Einsatzerkenntnisse und –erfahrungen sind von besonde- rer Bedeutung zur Ausgestaltung einer effektiven, im Sy- stemverbund STF eingebetteten, Ausbildung. So wird der Grundstein gelegt für sämtliche absehbaren Herausforde- rungen, die uns Artilleristen in Zukunft erwarten.

1x

XXXX

XXXX

XXX

DtA MN Korps
DtA
MN Korps
II II FmBtl 610 FmBtl 610
II II
FmBtl 610
FmBtl 610

Kdo

Heer

1x

2x

8x

XX

II II ArtLBtl 325 ArtLBtl 325 1. PzDiv
II II
ArtLBtl 325
ArtLBtl 325
1. PzDiv

XX

II II 10. PzDiv ArtBtl 131 ArtBtl 131 2x JFSCT JFSCT JFSCG
II II
10. PzDiv
ArtBtl 131
ArtBtl 131
2x
JFSCT
JFSCT
JFSCG

8x

JFST JFST
JFST
JFST
II II ArtLBtl 345 ArtLBtl 345 ArtBtl 345
II II
ArtLBtl 345
ArtLBtl 345
ArtBtl 345
SStTrp
SStTrp
JFSCG
JFSCG

1x

SStTrp
SStTrp
JFSCT JFSCT
JFSCT
JFSCT

3x

JFSCT JFSCT
JFSCT
JFSCT
JFST JFST
JFST
JFST

12x

JFST JFST
JFST
JFST
x x x x GebJgBrig GebJgBrig PzBrig 12 PzBrig 12 23 23 JFSCG JFSCG 2x
x x
x x
GebJgBrig
GebJgBrig
PzBrig 12
PzBrig 12
23
23
JFSCG
JFSCG
2x
SStTrp
2x
SStTrp
II II
GebJgBtl
GebJgBtl
231 231
1x
1x
JFSCT
JFSCT
4x
4x
JFST
JFST
II II
GebJgBtl
GebJgBtl
232 232
1x
1x
JFSCT
JFSCT
4x
4x
JFST
JFST
II II
GebJgBtl
GebJgBtl
233 233
1x
1x
JFSCT
JFSCT
4x
4x
JFST
JFST

XX XX

Amt Amt HEntwg HEntwg
Amt
Amt
HEntwg
HEntwg

XX XX

AusbKdo AusbKdo
AusbKdo
AusbKdo
XX XX Div Div Schnelle Kr Schnelle Kr JFSCG SStTrp x x LLBrig 1 LLBrig
XX XX
Div Div
Schnelle Kr
Schnelle Kr
JFSCG
SStTrp
x x
LLBrig 1
LLBrig 1
x x x x x x PzGrenBrig PzGrenBrig PzLBrig 9 PzLBrig 9 PzBrig 21 PzBrig
x x
x x
x x
PzGrenBrig
PzGrenBrig
PzLBrig 9
PzLBrig 9
PzBrig 21
PzBrig 21
41
41
JFSCG
JFSCG
JFSCG
JFSCG
1x
SStTrp
2x
SStTrp
2x
SStTrp
2x
SStTrp
IlI
IlI
II II
II II
II II
FschJgRgt
FschJgRgt
JgBtl 91
JgBtl 91
JgBtl 1
JgBtl 1
JgBtl 413
JgBtl 413
31
31
1x
1x
JFSCT
JFSCT
1x
1x
JFSCT
JFSCT
1x
1x
JFSCT
JFSCT
1x
1x
JFSCT
JFSCT
4x
4x
JFST
JFST
4x
4x
JFST
JFST
4x
4x
JFST
JFST
4x
4x
JFST
JFST
lII
lII
FschJgRgt
FschJgRgt
26
26
1x
1x
JFSCT
JFSCT
4x
4x
JFST
JFST
Insgesamt:
JFSCG
x11
SStTrp
x18
JFST
x72
JFSCT
x18
x x x x JFST PzGrenBrig PzGrenBrig DEU/FRA DEU/FRA 37 37 JFSCG 2x 1x SStTrp
x x
x x
JFST
PzGrenBrig
PzGrenBrig
DEU/FRA
DEU/FRA
37
37
JFSCG
2x
1x
SStTrp
II II
JgBtl 292
JgBtl 292
1x
1x
JFSCT
JFSCT
4x
4x
JFST
JFST
AusbBer
STF/IndirF
II II
SStTrp *
ArtBtl 295
ArtBtl 295
JFSCT
JFSCT
1x
SStTrp
JFST
JFST
2x
JFSCT
JFSCT
8x
JFST
JFST

* Gestllg Mat durch Art

STF- Organisation auf einen Blick

ZU GLEICH 2 / 2012

Von der Fläche zurück auf den Punkt

Von der Fläche zurück auf den Punkt Hauptmann Christian Bär, Batteriechef 3./- Hauptmann Tobias Wetz, Batteriechef

Hauptmann Christian Bär, Batteriechef 3./- Hauptmann Tobias Wetz, Batteriechef 5./ Raketenartilleriebataillon 132, SONDERSHAUSEN Hauptmann d. R. Tim Kullmann, Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

„Achtung, Feuer“, brüllt der Werferführer in sein Funkgerät. Wenige Augenblicke später erschüttert oh- renbetäubender Krach die Raketenwerfer und Rauch zieht langsam durch die Feuerstellung. „Jetzt heißt es abwarten“, sagt er angespannt, während der Rauch sich langsam lichtet. Insgesamt 16 Raketenwerfer des Bataillons haben gleichzeitig geschossen. Das Zielge- biet liegt ca. 8000 Meter entfernt. Keine Minute später kommt die Trefferbestätigung: „Ziel bekämpft“, tönt es aus dem Funkgerät. Was sich etwas mechanisch anhört, bedeutet nicht viel weniger, als dass alle ab- gefeuerten Raketen ihr Ziel getroffen haben. Ende der Bekämpfung. Der Raketenwerfer war am ersten Ba- taillonsschießen des Raketenartilleriebataillons 132 in MUNSTER beteiligt, das nach der Einsatzverpflich- tung 2011 durchgeführt wurde.

Artilleristische Lagefeststellung nach der Einsatz- verpflichtung 2011 und Ausbildungssystematik

Nach insgesamt 14 fordernden Monaten der Einsatz- vorbereitung im Jahr 2011, -durchführung und -nachbe- reitung bis 2012 als ORF II/ 2011 (Operational Reserve Force) auf dem BALKAN oder Einzelabstellungen in AF- GHANISTAN, war die Wiedererlangung und Vertiefung der artilleristischen Kernbefähigung, das Zusammenspiel der Einheiten und Teileinheiten, Schwerpunkt der Ausbil- dung 2012.

Dazu wurde die Ausbildungssystematik von Beginn an auf drei Säulen gestellt (Darstellung Grafik):

Im ersten und zweiten Quartal dieses Jahres fand die er- ste artilleristische Ausbildung der Batterien statt, welche unter anderem im Rahmen von 36- Stunden- Übungen auch zur Feststellung des Leistungsstandes innerhalb des Bataillons genutzt wurden.

Im Juli wurde die Ausbildung auf Übungsplätzen in LÜNE- BURG und MUNSTER so vertieft, dass die Ausbildungs- höhe Batterie von zwei der vier schießenden Raketenar- tilleriebatterien erreicht werden konnte. Den Abschluss bildete der Truppenübungsplatzaufenthalt unter Leitung des Artillerieregiments 100 FREISTAAT THÜRINGEN im November auf dem Truppenübungsplatz BAUMHOLDER.

Den Schwerpunkt zur Wiedererlangung und Vertiefung der artilleristischen Kernbefähigung bildete der Truppen- übungsplatzaufenthalt des Bataillons im Juli 2012 in der LÜNEBURGER HEIDE. Eingebettet in eine Ausbildungs- reihe auf den Ebenen Batterie und Bataillon konnten die gesteckten Ziele erreicht werden.

Ausgangspunkt war eine Weiterbildung bereits eine Wo- che vor dem Aufenthalt mit allen Offizieren und Porte- péeunteroffizieren, in dem alle geplanten praktischen Aus- bildungsabschnitte detailliert zum Erreichen einheitlicher Abholpunkte ausgebildet wurden. Hierbei hatte sich die Ausbildungssystematik nach dem KoFTrA-Prinzip (Kom- binierte Führer- und Truppen Ausbildung) bewährt.

Absicht des Kommandeurs war es, mit zwei schießen- den Batterien, der Stabs- und Versorgungsbatterie sowie der Operationszentrale (OpZ) eine taktisch orientierte Erkun- dungsübung (abschnittsweise im freien Gelände) über drei Tage und daran anschließend zwei Tage ein Bataillonsschul- gefechtsschießen durchzu- führen.

Wesentliche Ausbildungs- inhalte waren: die Befehls- gebung, das Erkunden und Beziehen von Räumen, Allge- meine Aufgaben in Landope- rationen sowie die Führung und Durchführung des artille- ristischen Feuerkampfes.

Den Ausgangspunkt des Trup- penübungsplatzaufenthaltes stellte dabei die Verlegung

Den Ausgangspunkt des Trup- penübungsplatzaufenthaltes stellte dabei die Verlegung ZU GLEICH 2 / 2012 47 47

ZU GLEICH 2 / 2012

per Eisenbahntransport von SONDERSHAUSEN nach LÜNEBURG dar, wo die Hauptkräfte des Bataillons am 13.07.2012 ankamen. Vom Entladebahnhof der Theodor- Körner- Kaserne ging es zunächst im Rahmen einer Erkun- dungsübung in den Sammelraum WENDISCH EVERN, der bereits durch das große Vorkommando erkundet und vor- bereitet wurde. Während die Werferzüge in den allgemei- nen Aufgaben in Landoperationen übten, waren zunächst im Schwerpunkt die Erkundungskommandos gefordert, die vom Sammelraum aus den einsatznahen Verfügungsraum in MUNSTER- NORD erkundeten. Auf Befehl der OpZ er- folgte der zeitlich gestaffelte Stellungswechsel der beiden Einheiten in Form eines Marsches auf öffentlichen Straßen mit zahlreichen Engen und Ortschaften. Zeitgleich waren die Erkundungskommandos bereits dabei, die ersten Feu- erstellungsräume mit einem engen Zeitansatz so zu erkun- den, dass nach Beziehen der einsatznahen Verfügungsräu- me auch die Vorbereitung der ersten Feuerstellungsräume abgeschlossen war. Parallel zur Verlegung bereitete die Stabs- und Versorgungsbatterie des Bataillons bereits die feldmäßige Betankung („Tankstraße“) vor, damit die Einhei- ten ihre materielle Einsatzbereitschaft nach Beziehen der einsatznahen Verfügungsräume unverzüglich abschließen konnten.

Die dann folgenden zwei Tage lagen in der Verantwortung der Batteriechefs. Absicht war es, die Abläufe innerhalb der Batterien weiter zu vertiefen, ehe die Einheiten am zweiten Ausbildungstag das erste Raketenschießen seit über zwei Jahren durchführten. Die einmal erlernten Ab- läufe und Tätigkeiten waren schnell bei allen Soldaten des Bataillons präsent, so dass das erste Schießen ohne Probleme verlief. Aus insgesamt vier Feuerstellungsräu- men führten die beiden Raketenartilleriebatterien somit ihr Batterieschulschießen mit insgesamt 150 Raketen durch.

Nachdem die Batterien die Kombination von taktischem Verhalten und Verhalten bei Schießen unter Sicherheits- auflagen erfolgreich absolviert hatten, folgte in den letz- ten zwei Tagen des Truppenübungsplatzaufenthaltes noch der krönende Abschluss: Die Bataillonsübung mit Bataillonsschulgefechtsschießen. Im Vordergrund der Übung stand der taktische Ablauf innerhalb des Batail- lons mit ständigem Wechsel der Feuerstellungsräume und einem großen Anteil an Raketenschießen. Einge- bettet war die Bataillonsübung in den angenommenen Angriff der vorn eingesetzten Kräfte der Kampftruppen- brigaden der Division, die es mit artilleristischem Feuer zu unterstützen galt.

In den frühen Morgenstunden des Mittwoch bezogen beide Raketenartilleriebatterien ihre vorgesehenen Feuerstellungsräume und bereiteten sich mit ihren Zügen auf das bevorstehende erste Schießen vor, welches am Vormittag des 18.07. stattfinden sollte. Im Laufe des Vormittags folgte der Wechsel der Feuerstellungsräume für alle Einheiten und Teileinheiten des Bataillons, um auch am Nachmittag wiederum mit beiden Einhei- ten aus insgesamt vier Feuerstellungsräu- men zu schießen.

Den Höhepunkt der Bataillonsübung stellten das Nachtschießen, die Erkundung der Feu- erstellungsräume bei Nacht sowie der sich anschließende Stellungswechsel mit Bezie- hen des neuen Raumes bei Nacht dar.

mit Bezie- hen des neuen Raumes bei Nacht dar. Raketenwerfer an der Verladerampe So waren Straßenmarsch

Raketenwerfer an der Verladerampe

So waren Straßenmarsch und die durchge- führte Tankstraße eine Ausbildung, die den Horizont der meisten Teilnehmer deutlich erweiterte, da einige der vorrangig jungen Kameraden bislang weder einen Marsch im öffentlichen Straßenverkehr noch eine takti- sche Betankung im Feld durchgeführt hatten.

In der Folge kam es zu weiteren Erkun- dungen von Feuerstellungsräumen und der damit verbundenen Stellungswechsel, um den geplanten Angriff der vorn eingesetzten Kräfte gemäß der taktischen Lage vorzube- reiten.

Nach etwas mehr als zwei Tagen Erkun- dungsübung, mit wenig Schlaf für die Er- kundungskommandos, bezog die Einheit zunächst das Lager TRAUEN, um einen Tag mit Technischem Dienst zu verbringen und die Raketenwerfer auf die bevorstehenden Schießtage vorzubereiten.

auf die bevorstehenden Schießtage vorzubereiten. Raketenwerfer beim Stellungswechsel ZU GLEICH 2 / 2012 48

Raketenwerfer beim Stellungswechsel

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Den Abschluss der Bataillonsübung bildete eine Batail- lonsfeuerzusammenfassung mit allen beteiligten Rake- tenwerfern.

Vom hohen Ausbildungsstand konnten sich in der Phase der Bataillonsübung sowohl der neue Kommandeur der Divisionstruppen der 1. Panzerdivision wie auch der Re- gimentskommandeur Artillerieregiment 100 FREISTAAT THÜRINGEN überzeugen.

Das Raketenartilleriebataillon 132 hat mit diesem Übungs- platz bewiesen, dass das artilleristische Handwerk auch nach der langen Zeit der Einsatzvorbereitung, des Ein- satzes und der Einsatznachbereitung, immer noch be- herrscht wird. Das Bataillon ist damit gut gerüstet für die bevorstehenden Aufgaben.

20. Juli 2012 der erste „rote“ Truppenübungsplatzaufent- halt des Raketenartilleriebataillons mit einem Antreten in der Karl-Günther-Kaserne. Nach einer Woche intensiver Übungs- und Schießvorhaben bei annähernd dauerhaf- tem Regen in LÜNEBURG und MUNSTER attestierte der Kommandeur daraufhin dem Bataillon, dass es gut aufge- stellt sei und trotz teilweiser, fast dreijähriger „Abstinenz“ von der Raketenartillerie, dennoch innerhalb kürzester Zeit die Ausbildungshöhe „Einheit“ erreicht habe. „Wir haben verschiedene taktische Aufgaben gestellt, die gut gelöst wurden. Einige Abläufe müssen noch einmal ver- bessert werden, aber insgesamt ist das Ergebnis sehr zu- friedenstellend“ lautete das Resümee des Bataillonskom- mandeurs.

Die Re- Professionalisierung des Raketenartille- riebataillons von der Fläche der Einsatzgebiete im KOSOVO und in AFGHANISTAN zurück auf den Punkt der Raketenartillerie ist somit gelun- gen und das Bataillon hat seine Einsatzbereit- schaft im Bereich der artilleristischen Kernfähig- keit unter Beweis gestellt.

Ausblick

Das Raketenartilleriebataillon 132 wird im Rah- men der Neuausrichtung der Bundeswehr ab April 2013 aufgelöst. Drei der schießenden Ra