NOVEMBER 2007

REGION

KÖNIZER ZEITUNG DER SENSETALER

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Achtung, stachelige Nachtwanderer!
Für Igel beginnt eine gefährliche Jahreszeit
Alljährlich verlieren Tausende von Igeln auf den Strassen ihr Leben. Auch allzu fleissige Gärtner erschweren den stacheligen Tierchen das Leben.
Der Lebensraum unserer Wildtiere ist zerstückelt. Viele Strassen zerschneiden den Siedlungsraum von Füchsen, Rehen und anderen Wald- und Wiesenbewohnern. Auch der Igel orientieren. Bei schnell rollendem Verkehr endet diese kleine Orientierungspause oft tödlich. Einzig eine angepasste Geschwindigkeit der Autofahrer sowie etwas Rücksichtnahme erlauben den Igeln eine rechtzeitige Flucht. Igel haben keine bestimmten Wechsel. Sie sind während der ganzen Nacht aktiv. Im Siedlungsraum gen bereiten sich die letzten Igel auf ihren Winterschlaf vor. Dazu müssen sie sich einen Wintervorrat anfressen und einen geeigneten Unterschlupf und Nestmaterial suchen. Mit dem Verwelken der letzten leuchtenden Blumen beginnen die Gärtner jedoch vielerorts, ihre Gärten auf den Winter vorzubereiten. Dabei wird der Garten leer geräumt: Blätter werden abtransportiert, Astmaterial abgeführt oder angezündet, verwelkte Blütenstände abgeschnitten und der Garten wird mit Motorsensen gesäubert. Zurück bleibt ein kahler Garten, welcher weder Unterschlupf noch Nahrung bietet. ein Igel ungesehen unter den Haufen geschlüpft sein und Opfer der Flammen werden. Lassen sie die Asthaufen liegen, sie werden gerne von Igeln als Winterquartier genutzt. • Versichern Sie sich vor dem Mähen unübersichtlicher Stellen mit Motorsensen und Freischneidegeräten, dass sich dort kein Igel versteckt hat. Durch solche Geräte werden immer wieder Igel grausam verstümmelt oder tödlich verletzt. • Lassen Sie hohle Pflanzenstängel stehen; darin überwintern viele Insekten, die im nächsten Frühling für Igel eine wichtige Nahrungsquelle sind. Nur im Notfall füttern Gesunde Jungigel, die sich für den Winterschlaf noch nicht genügend Gewicht angefressen haben, sind oft im Spätherbst noch auf Nahrungssuche. Durch eine Zufütterung im Garten lässt sich in vielen Fällen vermeiden, dass der Igel in menschliche Obhut genommen werden muss. Damit wird den Tieren unnütiger Stress erspart. Wichtig: Igel können sich normalerweise selbst ernähren und sollten nur in Ausnahmefällen gefüttert werden. Barbara Imboden
INFOS | Verein Pro Igel: Tel 044 767 07 90 | info@pro-igel.ch | www.pro-igel.ch

muss immer wieder Strassen überqueren, um von seinem Schlafplatz zu seinen bevorzugten Nahrungsgebieten zu gelangen. Jedes Tier überquert pro Nacht auf der Suche nach Nahrung zwischen zwei und fünfzehn Strassen – jedes Mal lauert der Tod durch Autoräder. Tempo drosseln Entgegen alter Vorstellungen verweilen Igel nicht unnötig lange auf einer Strasse. Untersuchungen des Zoologen Fabio Bontadina haben ergeben, dass die Tiere die Fahrbahnen zügig und auf dem schnellsten Weg überwinden. Nähert sich ein Auto, versuchen die Stacheltiere, so rasch wie möglich die Gefahrenzone zu verlassen. Das sie sich auf der Strasse einrollen, ist ein Märchen. Jedoch verharren sie meist kurz in der Bewegung, um sich zu

und in der Nähe von Waldrändern und Hecken ist überall damit zu rechnen, dass sie eine Strasse überqueren. Deshalb sollten Autolenker/innen in diesen Gebieten das Tempo soweit drosseln, dass sie die kleinen Nachtwanderer erkennen und ihnen im Notfall ausweichen können. Leer geräumte Gärten Nicht nur auf den Strassen droht den Igeln Gefahr: In diesen Ta-

Dabei könnten igelgerechte Überwinterungsmöglichkeiten durchaus bewusst als Gestaltungselemente im Garten eingesetzt werden. Dazu einige Tipps: • Schichten Sie das Laub in ruhigen Winkeln zu Haufen auf und beschweren Sie diese mit Ästen. Igel benutzen das Laub zur Isolation ihrer Nester oder bauen ihr Nest darin. • Verbrennen Sie das abgeschnittene Astmaterial nicht, es könnte

Achte auf mich!

Herbstaktion in der Region Igel überqueren auf der Suche nach Nahrung mehrmals pro Nacht Strassen. Ihre einzige Überlebenschance sind Autofahrer, die in Siedlungen und Siedlungsnähe sowie in reich strukturierten Gebieten nicht zu schnell fahren, damit die Tiere rechtzeitig ausweichen können. Zur Sensibilisierung der Autofahrer hat der Verein Pro Igel erneut seine alljährlichen Plakataktion lanciert. Folgende Gemeinden aus dem Einzugsgebiet der Könizer Zeitung bzw. des Sensetalers beteiligen sich an der diesjährigen Herbstaktion: Bösingen, Kehrsatz, Köniz, Laupen und Riggisberg.

Pro Igel
Tel. 044 767 07 90, www.pro-igel.ch PC 80-68208-7

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