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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie vom veganen Leben.

An weißer Milch klebt rotes Blut –

die Utopie vom veganen Leben

Ein Feature von Dörte Hansen

Atmo: Stimmen, Kameraleute, Fußgängerzone

Erzählerin Eine junge, hübsche Frau im Pelzmantel kauert in einem engen Drahtkäfig, mitten am Tag in der Hamburger Innenstadt. Ein Dutzend Pressefotografen, drei Kamerateams und vier Radioreporter drängen sich um Marta Jandová, die Frontfrau einer Band mit dem Namen „Die Happy.“ Neben dem Käfig steht – blond, zierlich und telegen geschminkt – die Moderatorin Nova Meierhenrich und hält ein rosafarbenes Herz in die Kameras: „Pelz out – Liebe in“ steht darauf. Es ist der Slogan der Tierrechtsorganisation Peta.

Atmo: Elektrische Knochensäge

O-Ton 1: Fleischermeister So, jetzt schneid ich die Karbonade vom Bauch ab, wo ich sie vorgesägt habe, kann ich da durchschneiden, zwischen Fleisch und Fett, schneid ich jetzt von dem Schweinebauch schneide ich die Wamme und die Quabbeln ab. Dass ich nen sauberen Schweinebauch zum Verkauf hab.

Atmo: Messer schärfen Musik: “Gump, Index”, Joseph Suchy

Zitat 1: Carl Anders Skriver Wenn auch meine Gedanken nach Meinung der meisten Menschen reiner Wahnsinn sind, so weiß ich mich doch in dieser Gesinnung einig mit Gott und den Besten des Menschengeschlechts.

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009 Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden

DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Atmo: Fußgängerzone

Erzählerin Die Hamburger Passanten nehmen wenig Notiz von dem Käfig auf dem Gänsemarkt. Geschäftsleute in dunklen Anzügen trinken im Vorübergehen Caffe Latte aus großen Pappbechern, bummelnde Freundinnen tragen ihre Einkaufstüten in großem Bogen vorbei an der Frau im Käfig, die kummervoll in die Kameras blickt und ihre Finger um die Gitterstäbe krallt. Was das für ein Pelz ist, den sie gerade trägt, weiß Marta Jandová leider nicht. Fuchs? Zobel? Egal, irgendein geschundenes Tier eben, und der Gedanke daran treibt ihr nach zehnminütigem Shooting große Tränen des Mitleids in die Augen.

O-Ton 5: Marta Jandová Ich bin echt traurig gerade. Ich bin heut ein bisschen sensibel. Ich weine normalerweise gar nicht, ich weiß nicht, was gerade passiert. Da ist dieser Fuchs, der komplett ohne Haut ist, das macht mich traurig.

O-Ton 2: Fleischermeister So, schneid ich die Schälrippe ab, da hab ich hier nen fertigen Schweinebauch mit Knochen. Die Knochen werden nachher ausgesägt mit nem

Spezialmesser. Die

Woche, die werden denn zum Wochenende gesalzen, und dadurch entsteht denn durchwachsener Speck.

Schweinebäuche, die wir jetzt nicht verkaufen die

Musik: “Gump, Index”, Joseph Suchy

Zitat 2: Carl Anders Skriver Die Kirche hat die Tiere vollkommen vergessen. Nein, schlimmer! Verraten und verkauft an die gottlosen Mächte dieser Welt. Sie hat ihnen den Erbanteil am Evangelium vorenthalten und die Schutzengelfunktion an den Tieren einfach unterlassen!

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Atmo: Fußgängerzone

Erzählerin Zwei Aktivisten von Peta schaffen es hin und wieder, einem vorbeieilenden Menschen einen „Pelz ist Mord“-Flyer in die Hand zu drücken, auf dem das schaurige Foto eines gehäuteten Fuchses zu sehen ist. Zu diskutieren gibt es wenig:

Pelztierfarmen sind schlimm und Nerzmäntel entbehrlich. Kaum jemand würde das bestreiten – schon gar nicht in der Öffentlichkeit.

Atmo: Messer schärfen

O-Ton 3: Fleischermeister So jetzt schneid ich von der Karbonade schneid ich das Schweinefilet ab, weil wir Karbonaden ohne Scheinefilet verkaufen, und denn schneid ich jetzt von

der Karbonade

verkaufen tut. Würde der Kunde ja nicht kaufen, weil dann würde er sagen:

viel zu fett.

das Fett ab, weil man Karbonade mit Speck nicht

Musik: “Gump, Index”, Joseph Suchy

Zitat 3: Carl Anders Skriver Das ist der große Verrat, die Preisgabe der Tierbrüder an die Hölle.

Ansage:

An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie vom veganen Leben. Ein Feature von Dörte Hansen. Atmo: Büro Peta

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(Telefonklingeln), „PETA Deutschland, Harald Ullmann, Edmund, guten Tag! Seid ihr

schon fertig? (

)

War alles gut? Hat alles gut geklappt? Ach schön, wunderbar!

Alles gut gelaufen? Ach, klasse, also Edmund, bis nachher. Tschüß.

Darüber: Erzählerin Im Industriegebiet von Stuttgart Gerlingen, in einem unscheinbaren Bürohaus, arbeitet „Peta“ mit vierzehn festen Mitarbeitern an der Entwicklung der vegetarischen Gesellschaft.

Atmo: Hund bellt

Erzählerin Harald Ullmann, der Vorsitzende von Peta Deutschland, teilt sich das Büro mit Gypsy und Hera, zwei temperamentvollen Promenadenmischungen, die natürlich vegetarisch ernährt werden.

O-Ton 6: Harald Ullmann Wir haben inzwischen etwa 25.000 Unterstützer hier in Deutschland, wir haben ein Jahresbudget von 1,4 Millionen Euro, und wenn man sich die Zahlen in den letzten Jahren anschaut haben wir eigentlich jedes Jahr einen zweistellige Zuwachs in den Mitgliederzahlen und im Spendenaufkommen.

Musik: “Nb2e_Vortex.Aiff”, Kim Kascone

Erzähler Das Kürzel „Peta“ steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“ – Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren. Die Organisation stammt aus den USA und hat ihre Wurzeln in den großen Befreiungsbewegungen der 60er und 70er Jahre: Ethnische Minderheiten, Frauen, homosexuelle und behinderte Menschen begannen für ihre Rechte zu kämpfen, und

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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im Klima von „Black Power“, „Womens Lib“ und „Gay Pride“ wuchs auch ein neues Bewusstsein für die Rechte von Tieren.

Atmo: Fußgängerzone

Erzähler 1975 veröffentlichte der australische Philosoph Peter Singer ein Buch mit dem Titel „Animal Liberation“, das bis heute als die „Bibel“ der Tierrechtsbewegung gilt. Singer kritisiert, dass Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit diskriminiert und ausgebeutet werden. Diesen „Speziezismus“ gelte es zu überwinden. In einer modernen Gesellschaft sei Vegetarismus die einzige moralisch vertretbare Lebensweise. Berüchtigt ist Peta für ihre drastischen, ekelerregenden Aktionen: In Rostock wälzten sich halbnackte, blutverschmierte Mitglieder in großen Schalen, die an Supermarktfleischverpackungen erinnern sollten.

Erzählerin Die „taz“ nannte Peta die „wahrscheinlich dümmste Organisation der Welt“, doch Harald Ullmann hat kein Problem damit, sich zu blamieren – so lange es der Sache dient.

O-Ton 7: Harald Ullmann Wir verkaufen auch ein Produkt. Wir verkaufen das Produkt Mitgefühl. Wir schauen uns bei den großen Firmen an oder wir schauen es denen ab, was die machen. Warum ist Benetton so erfolgreich? Warum ist McDonalds so erfolgreich? Die haben zum einen riesige Budgets zur Verfügung im dreistelligen Millionenbereich, die wir nicht haben. Deshalb müssen wir schauen: Wie können wir mit den begrenzten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, genauso erfolgreich sein, damit das Produkt Mitgefühl eben unter die Massen kommt. Wir machen nicht die Regeln, sondern wir benutzen sie. Wir schauen uns auch schamlos von den großen Firmen ab, wie die das machen,

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und versuchen dann eben auf diese Art und Weise, unser Produkt für tierfreundliche Lebensweise unterzubringen.

Musik: “Nb2e_Vortex.Aiff”, Kim Kascone

Erzähler:

Zur Firmenphilosophie passt gelegentlich auch ein bewusst provozierter Skandal mit juristischem Nachspiel. „Der Holocaust auf deinem Teller“ hieß eine Peta-Kampagne, die auf großen Plakaten Fotos aus Konzentrationslagern neben Bilder aus der Massentierhaltung montierte. Ausgemergelte Menschen neben geschundenen Kälbern, Berge menschlicher Leichen neben aufgetürmten Schweinekadavern, Kinder in KZ-Kleidung neben Ferkeln hinter Gittern. Grundlage der Kampagne war das berühmte Zitat des jüdischen Nobelpreisträgers Isaac B. Singer: „Für Tiere ist jeden Tag Treblinka.“ Peta löste mit dieser Kampagne eine Welle der Empörung aus, Harald Ullmann wurde wegen Volksverhetzung verklagt – Mission erfüllt.

O-Ton 8: Harald Ullmann Wir haben sehr viel Dresche bekommen, aber auch sehr viel Zuspruch bekommen, uns ist es wichtig, dass die Leute drüber reden. Gerade heute in der Medienvielfalt, die wir ja haben, ist es unheimlich wichtig, gehört zu werden. Sie finden heute kaum mehr Gehör, wenn Sie ein hervorragendes Papier haben auf A4 geschrieben, doppelseitig mit den besten Argumenten, die Sie je haben könnten – aber das interessiert die meisten leider nicht. Das ist das große Problem. Wir müssen versuchen, so kontrovers wie möglich zu sein, um überhaupt über diese Kontroverse die Leute auf einen bestimmten Missstand aufmerksam zu machen, damit sie sich dann weiter informieren. Immer wenn die Leute über die Holocaust-Geschichte geschrieben haben, haben sie auch darüber geschrieben, warum wir das machen. Und das ist sehr, sehr wichtig.

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Musik: “Nb2e_Vortex.Aiff”, Kim Kascone

Erzählerin Tiere haben Rechte und Anspruch auf Schutz – niemand würde das heute noch bestreiten. Aber wie diese Rechte aussehen, und wie weit der Schutz gehen soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Erzähler Der Deutsche Tierschutzbund, mit 800.000 Mitgliedern die größte Tierschutzorganisation Europas, kämpft etwa gegen Tierversuche und Massentierhaltung, gegen Walfang, Schächten und Robbenschlachten.

Erzählerin Tierschützer fordern größere Käfige und artgerechte Haltung. Tierrechtler verlangen, dass die Käfige und Ställe leer sind.

Atmo: Bauernhof, Kühe

Erzählerin Gut Wulfsdorf in Ahrensburg bei Hamburg ist ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Roter Backstein vor Wiesengrün, flatternde Wäsche an der Leine, und ein betagtes Pony, das gemächlich über den Hof trottet, als wollte es ein bisschen nach dem Rechten sehen. Für die Familien aus der Umgebung ist Gut Wulfsdorf ein beliebtes Ausflugsziel. Vorschulkinder in Gummistiefeln stehen im großen Rinderstall und lassen ihre Hände von den Kälbern beschnuppern. Dann stapfen sie weiter Richtung Schweinestall und versuchen - unermüdlich und vollkommen aussichtslos - mit Strohhalmen die Ferkel anzulocken, die mit wehenden Ohren und wippenden Schwänzen durch das Stroh wühlen. Die Eltern der Ferkelfreunde gehen im Hofladen einkaufen oder essen im Bauernhofcafé ein Stück vom hausgemachten Bio-Kuchen.

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Atmo: Bauernhof, Schweinestall

Erzähler Gut Wulfsdorf ist ein Demeter-Betrieb. 25 Menschen leben und arbeiten hier nach den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Das bedeutet: Es gibt einen geschlossenen Stoffkreislauf: Das Vieh darf nur mit hofeigenem Futter versorgt werden, die Felder müssen mit hofeigenem Mist oder Kompost gedüngt werden. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft ist für den Pächter Georg Lutz ohne Nutz- und Schlachttiere nicht denkbar.

O-Ton 9: Georg Lutz Ja, das geht so weit, dass wir auch meines Wissens der einzige Verband sind, der wirklich Viehhaltung auch vorschreibt, und letzten Endes dort innerhalb der Viehhaltung auch immer versucht wird, das Rind in den Vordergrund zu

stellen. Also das Zentrum oder auch das Herz eines bio-dynamischen landwirtschaftlichen Betriebes ist optimalerweise die Milchkuh, als perfekter Widerkäuer. Wenn man mit den Tieren umgeht, dann merkt man auch sehr

schnell –

irgendwelche Ochsen oder Mutterkühe oder

letzten Endes schon auch klar, dass das Rind dort diese Aufgabe hat, das kann man eigentlich auch ganz schnell nachdenken oder auch nachempfinden, dass das ein Unterschied ist, ob ich jetzt irgendwelche Stickstoffpflanzen, Lupinen z.B., dass das was ganz anderes ist als ein Kleegras, das von der Kuh verdaut wurde, was zusammen mit Stroh einen halben Rotteprozess, Richtung Kompost durchlaufen hat und wo die Tierseele mit dran gewirkt hat an diesem „beseelten Mist“, das klingt jetzt vielleicht bisschen übertrieben, aber damit geb ich dem Land ja einen ganz anderen Impuls, und ich denke, dass es auf solche Kräfte auch zukünftig immer mehr ankommen wird.

Kühe haben ja ne ganz andere Verdauungsleistung als

auch Bullen. Von daher ist das

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Atmo: Bauernhof

Erzähler Das Siegel Demeter steht für eine Landwirtschaft mit hohem ethischem Anspruch:

Artgerechte Tierhaltung, viel Platz und frische Luft für Kühe und Schweine, die darüber – vermutlich oder möglicherweise - glücklich sind. Frei sind sie nicht, und ein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben selbst die glücklichsten aller Nutztiere nicht. Der Sinn ihres Daseins ist ihr Nährwert. Am Ende sind sie alle Fleisch.

Atmo: Elektrische Knochensäge

O-Ton 10: Fleischermeister Also, jetzt zerleg ich eine Schulter, mache ich jetzt die Schwarte mit Fett ab, damit die Schulter blau wird. Blau heißt, dass ich schieres Fleisch hab, ohne Fett, die Farbe hier vom Fleisch ist leicht bläulich. Deswegen wird das blau genannt.

Atmo: Schweinestall Erzählerin In der Hofmetzgerei auf Gut Wulfsdorf werden pro Woche sechs Schweine und zwei Rinder zerlegt und verarbeitet. Als Schnitzel oder Bratwurst, Suppenfleisch oder Steak gehen sie dann über die Ladentheke. Ein Blick auf den Parkplatz, auf die Geländewagen und Familienkombis, zeigt, dass hier nicht nur die klassische Müsli- Klientel einkauft. In jedem Fall Menschen, die ihr Fleisch mit einem gutem Gewissen essen wollen.

Musik: “Track 4“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Autorin

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Haben wir das Recht zu töten, um zu essen? Und dürfen wir unsere Mitgeschöpfe züchten und in Ställen halten, sie melken, ihre Eier essen, uns mit ihrer Wolle kleiden? Was gibt uns das Recht? Oder wer?

O-Ton 11: Georg Lutz Ich kann mir die Erde nicht vorstellen als einen Organismus, der sich wirklich weiter entwickeln kann, wenn der Mensch nicht die Führungsrolle übernimmt und auch dazu steht.

O-Ton 12: Julia Gutjahr He, was du machst, ist falsch!

Erzählerin Julia Gutjahr ist Studentin, 25 Jahre alt, Veganerin und engagiert in der linken, jungen Tierrechtsbewegung. Für sie und ihre Mitstreiter sind die Nutzung und das Schlachten von Tieren symptomatisch für eine kranke, kapitalistische Gesellschaft und deren Unterdrückungsmechanismen. Einen Besuch auf einem Bauernhof tut sie sich lieber nicht an. Es würde sie seelisch sehr belasten, sagt Julia Gutjahr, aber sie wüsste schon, was sie einem Bio-Bauern wie Georg Lutz gern sagen würde:

O-Ton 13: Julia Gutjahr Du profitierst davon, dass du Tiere hältst, dass sie nur zu deinem Nutzen und zu dem Nutzen anderer da sind, dass sie nicht für sich selbst existieren, nicht frei existieren, nicht selbst bestimmt leben können, dass du sie einschränkst, dass du sie unter Zwang hältst, also ne Haltung schließt immer auch ne Art Zwang mit ein bei Tieren, du profitierst von ihrer Ausbeutung, und du bist letztendlich auch dafür verantwortlich, dass den Tieren Gewalt angetan wird. Und auch auf einem Demeterhof ist es so, dass Milchkühe, wenn sie nicht mehr profitabel Milch produzieren, dass sie dann auch umgebracht werden.

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Musik: “Cats and Dogs“, Gorilla Biscuits

O-Ton 14: André Krebber Tiere sind für mich keine Objekte, wenn sie für mich aber keine Objekte sind, dann kann ich sie auch nicht schlachten und mir einverleiben oder kann sie regelmäßig schwängern, damit sie Milch geben und solche Geschichten, und darum ist gerade dieser Veganismus ne sehr gegenwärtige Sache und keine Forderung der veganen Gesellschaft.

O-Ton 15: Christian Stöffel Ich hab ganz schön viel Kochen gelernt, das ist was, was man lernt, und man lernt auch zu schätzen, was man da auf dem Teller liegen hat, und mal ganz ehrlich, außer in der ersten Phase der Umstellung ist vegan leben halt kein großes Problem. Man weiß, was man nicht essen darf, man kennt die Produkte, und man kennt auch die Fremdwörter oder die Nahrungsmittelbezeichnungen, und man hat dann auch, wenn man in den Laden geht, so ne Art Scanner-Blick, und dann ist das auch kein Problem, und das Einkaufen dauert bei mir z.B. auch nicht länger als bei anderen Leuten.

Erzählerin André Krebber und Christian Stöffel sind, wie Julia Gutjahr, Mitglieder der veganen „Tierrechtsaktion Nord“ und Anhänger der Hardcore-Punk Bewegung „Straight Edge.“ Die Bewegung entstand Ende der achtziger Jahre in New York und kam in den 90er Jahren in Deutschland an.

Erzähler „Straight Edge“ war eine Antwort auf den exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum, der bis dahin ein fester Bestandteil der Punkszene war. Eine junge Generation von Punks wandte sich konsequent ab von diesem selbstzerstörerischen Lebensstil: Kein Alkohol, kein Tabak, keine Drogen, keine one-night-stands. Kein Fleisch, keine tierischen Produkte.

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Straight Edge Bands wie die Gorilla Biscuits klingen aggressiv und sehen martialisch aus, wie man es von hardcore punks erwarten darf. Ihre Mitglieder sind kahl rasiert und großflächig tätowiert und hechten bei ihren Konzerten ohne Rücksicht auf Verluste ins Publikum. Schafe im Wolfspelz, perfekt getarnte Weltverbesserer. In ihren Texten fordern sie Empfindsamkeit, Respekt und „earth liberation“ – das Ende der Ausbeutung und der Zerstörung der Umwelt.

O-Ton 16: André Krebber Der erste Impuls ist bestimmt so ein emphatisches Mitgefühl mit der gequälten Kreatur, dem man in der heutigen Gesellschaft nicht mehr allzu regelmäßig über den Weg läuft, also es wird z.B. nicht mehr zu Hause geschlachtet und solche Sachen, wo man wirklich direkt auch den Tötungsakt mitkriegt. Es gibt aber trotzdem genug Möglichkeiten, das mitzukriegen. Dann hab ich noch zusätzlich ne Sozialisation gehabt über ne gewisse Jugendkultur, wo das zu der Zeit, zumindest in der ich aktiv war, einen ziemlich großen Stellenwert eingenommen hat. Das hat dazugehört, wie die Musik, die man hört, und da kann ich auch so’n Punkt benennen, wo das dann mit dem Vegetarier losging, wo ich einfach über Texte von Bands beeinflusst wurde. Da sind dann ein paar andere Erlebnisse vorweggegangen wie ein Schlachthofbesuch und sowas, aber das war so der Punkt, wo ich gesagt hab:

Ja, eigentlich haben die Recht, worüber sie da singen, und ich mach das jetzt einfach.

O-Ton 16,2: Christian Stöffel Wenn wir von ner Utopie sprechen, bestimmen wir die eher dadurch, dass wir Kritik leisten an den bestehenden Verhältnissen, in denen wir leben. Also das ist kein Ausmalen von irgendeiner positiven Zukunfts-Gesellschaft, sondern das ist die konkrete Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, in der wir heute leben. In der halt Tiere zu Waren gemacht werden und in der Tiere tagtäglich aus Verwertbarkeitsgründen, dass wir die ablehnen. Also, mir geht’s um ne

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Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Realitäten und um eine praktische Anderung dieser Realitäten. Das ist das Ziel.

Erzählerin Christian Stöffel und André Krebber von der „Tierrechtsaktion Nord“ sind Teil der jungen veganen „community“, die sich politisch im antikapitalistischen, anarchistischen Spektrum bewegt. Anhänger dieser antispeziezistischen Bewegung feiern Solidaritätsparties für Tierbefreier, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Sie veranstalten Anti- Jagd-Camps, demonstrieren gegen Zirkusse, Zoos und Reiterhöfe und organisieren vegane „Volxküchen.“ Ihr veganes Utopia ist eine klassenlose Gesellschaft, in der keine Ausbeutungsverhältnisse existieren. Für die Antispeziezisten ist Peta ein rotes Tuch, eine pseudo-radikale Organisation, die mit ihrem Holocaust-Vergleich die Vernichtung der Juden zu einer Werbestrategie gemacht habe. Bei aller mächtigen Symbolik sei Peta ein aktiver Teil des kapitalistischen Systems. Für André Krebber und seine Mitstreiter ist die Befreiung der Tiere dagegen nicht möglich ohne die Befreiung des Menschen.

O-Ton 17: André Krebber Wir sagen halt, in einer kapitalistischen Gesellschaftsform geht es nicht. Auch innerhalb der menschlichen Spezies nicht. Es funktioniert einfach nicht. Der Kapitalismus baut auf anderen Mechanismen auf. Er kann sowas nicht zulassen.

Musik: “Track 4“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Autorin :

Haben wir das Recht zu töten, um zu essen? Wenn wir doch längst die Wahl haben und uns ohne gesundheitliche Nachteile fleischlos ernähren könnten?

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Erzählerin Die Vision von einer veganen Welt, in der das Mitgeschöpf Tier nicht länger ausgebeutet und getötet wird, ist viel älter als die modernen antispeziezistischen Ideen. Lange vor den Befreiungsbewegungen der sechziger und siebziger Jahre, Jahrzehnte vor der Gründung von Peta oder dem Beginn der Straight-Edge- Bewegung kämpfte ein evangelischer Pastor in einer nordfriesischen Landgemeinde für sein veganes Utopia - das er aber nicht in der „Überwindung des Kapitalismus“ zu finden glaubte, sondern in der gewissenhaften Auslegung der christlichen Botschaft.

Musik: “Die Stunde des Metronoms“, Henrik Albrecht

Zitat: Carl Anders Skriver Das Leben, auch das Essen, ist keine profane, gottlose Angelegenheit, wie die meisten Menschen immer noch meinen. Es sollte wohl eine heilige Handlung sein. Nachdenklichen und gewissenhaften Menschen bot sich schon immer die reine Pflanzenkost als eine ethisch viel schönere Ernährungsweise an als die übliche mit mehr oder weniger Fleisch, Blut und Alkohol.

Atmo: Küste, Wellen, Wind, Möwen

Erzähler Carl Anders Skriver, Theologe,Vegetarier und Pazifist, zog 1933 von Hamburg an die Küste von Nordfriesland und wurde Pastor in Ockholm, einem kleinen Dorf im harten Westwind, wo die Häuser auf hohen Warften stehen, damit sie bei Sturmflut nicht in die Nordsee gespült werden. Es war die Landflucht eines Mannes, der den Gleichschritt nicht beherrschte und dem Führer nicht folgen wollte. „Nichts vom Schwein- und kein Heil Hitler“- so lautete Skrivers Überzeugung. Nun hoffte er, einen toten Winkel gefunden zu haben, am äußersten, dünn besiedelten Rand eines Reiches, das gefährlich war für einen Mann wie ihn.

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Musik: “Die Stunde des Metronoms“, Henrik Albrecht

Zitat 4: Carl Anders Skriver Wenn auch meine Gedanken nach Meinung der meisten Menschen reiner Wahnsinn sind! Erzählerin Reiner Wahnsinn, allerdings. Die Gedanken des Carl Anders Skriver passten nicht in seine Zeit, und sie passten nicht nach Ockholm. Bauern, Fischer und Deicharbeiter haben sich den Luxus der Empfindsamkeit nur selten geleistet. Den Fisch nicht zu essen, das Vieh nicht zu schlachten – die nordfriesische Gemeinde muss sich leise gewundert haben über die Ideen ihres neuen Herrn Pastor. Laut gesagt hat sie es nie, sagt Skrivers Sohn Michael, der 1936 in Ockholm geboren wurde und heute in Südafrika lebt.

Atmo: Küste

O-Ton 4: Michael Skriver Jeder wusste, wie er lebte, und auch warum, und jeder hat das auch respektiert, es hat nie jemand im Dorf bei irgendwelchen Anlässen – Taufen, Hochzeiten, Konfirmationen oder irgend so etwas versucht, ihm etwas unterzujubeln, was er nicht essen wollte. Es wurde respektiert, und es war kein Gesprächsthema, und er hat es auch nicht zum Gesprächsthema gemacht, und so direkt und auch so scharf seine Feder war, hat er das nicht im persönlichen Umgang angewendet.

Atmo: Küste, später Möwen dazu

Erzähler 1920, im Alter von 17 Jahren, entschied der Schüler Carl Anders Skriver, dass er fortan nicht mehr von Fleisch und Blut leben wollte. Er blieb diesem Grundsatz sein Leben lang treu – als Student, als junger Ehemann und als Vater. In der

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Pastorenfamilie Skriver gab es keinen Sonntagsbraten, keine Weihnachtsgans, keinen Silvesterkarpfen, kein Osterlamm. Nichts vom toten Tier! Eier und Milchprodukte waren erlaubt - bis die Skrivers aus eigener Erfahrung lernten, dass ein untrennbarer Zusammenhang besteht zwischen dem Schlachthaus und der Butter, dem Blut und der Milch. Atmo: Küste

O-Ton 18: Michael Skriver Wir besaßen auf einmal eine Kuh, und wir erfreuten uns der Milch, die wir von

dieser Kuh hatten, und wir hatten ein sehr gutes Verhältnis, also es wurde ein Teil der Familie, und dann kamen die ersten Probleme auf, die damit verbunden sind, dass Kühe auch immer Kälber bekommen und bekommen müssen, damit es auch weitergeht mit der Milchwirtschaft und der

Milchproduktion, und Bullkälber

die anderen werden nach kurzer Zeit dann auch geschlachtet. Und so saßen wir jetzt schließlich mit einem Bullkalb da – und die einzige Lösung, die wir schließlich fanden, war ein Bauer auf der Hallig Gröde, wo mein Vater auch hin kam als Pastor. Und dieser Bauer übernahm dann also das Kalb, es wurde mit dem Postschiff nach Gröde verschifft. Aber da wurde uns klar, dass man nicht einfach nur Milch genießen kann und überhaupt kein Thema aufkommt, das mit dem Schlachthaus zu tun hat. Auch die Kuh selbst, am Ende eines langen Lebens in dem sie Milch gegeben hat, ist ihr Weg zur Hinrichtung ja auch bestimmt. Das alles wurde uns dann schlagartig klar, endlich! Und das brachte uns dann zu weiteren Konsequenzen.

werden in der Regel nur einige aufgezogen,

Musik: “Die Stunde des Metronoms“, Henrik Albrecht

Zitat: Carl Anders Skriver Die Gedankenlosigkeit der Christen, der Tierschützer und der Milchvegetarier und ihre ahnungslose Verstrickung in die Tierausbeutung ist für den Erwachenden

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009 Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden

DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie vom veganen Leben.

entsetzlich. Man schlemmt in Milch, Sahne, Butter, Käse, Quark und Milchschokolade, und weiß nicht, dass an der weißen Milch rotes Blut klebt.

Erzählerin Keine Konzessionen! Für den Theologen Carl Anders Skriver wurde der Veganismus zu einem Lebensthema. In Aufsätzen und Vorträgen versuchte er nachzuweisen, dass Jesus von Nazareth und seine Jünger Vegetarier gewesen seien. Dass das fünfte Gebot auch im Umgang mit dem Tier zu gelten habe, dass auch Tiere eine unsterbliche Seele hätten. Skriver ging hart mit seinen Glaubensbrüdern ins Gericht und schrieb ein Buch über den „Verrat der Kirche an den Tieren.“ Darin bezeichnet er die Menschen als die gefährlichsten Tiere der Welt, zu denen auch die „sogenannten Christen“ gehörten:

Musik: “Die Stunde des Metronoms“, Henrik Albrecht

Zitat: Carl Anders Skriver Sie schalten die riesengroße und entsetzliche Not der Tierwelt einfach aus ihrem Wohlstandsbewusstsein und ihrer Verantwortung vor Gott aus und passen sich den brutalen Ausbeutungsmethoden der gottlosen Menschheit in Politik und Wirtschaft

an, ohne versöhnend und heilend mit einer christlichen Botschaft in diese Bereiche einzugreifen. Das Verhältnis von Mensch und Tier ist dadurch hoffnungslos belastet, dass der heidnische Mensch dieser Welt das Tier als Nahrungsmittel gebraucht. Der Versuch, das Tier wirklich vor dem Menschen zu schützen und zu retten, führt zum Zusammenstoß mit allen Jägern, Fischern, Tierzüchtern, Schlachtern, Pelz- und Lederhändlern, Ärzten, Klein- und Großhändlern und den Milliarden süchtigen Fleischkonsumenten, so dass die Kirche von vornherein kapituliert vor der

Riesenmacht des Heidentums. Das ist ( Tierbrüder an die Hölle.

)

der große Verrat, die Preisgabe der

Musik: “Track 4“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Autorin Fressen und gefressen werden, das alte Gesetz der Nahrungskette – hat es für uns noch Gültigkeit ? Ist und bleibt der Mensch das Raubtier am Ende der Kette, selbst wenn er seine Beute längst kampflos und sauber portioniert aus der Kühltheke holt? Haben wir es noch, das alte Tötungsrecht aus der Natur?

O-Ton 21: Georg Lutz Ich denke, der Mensch hat nicht nur das Recht, er hat auch die Pflicht. Das wird ja auch so praktiziert. In dem Moment, wo Tiere leiden, sagt man dann irgendwann, jetzt ist es zuviel, und ich möchte dem Tier weiteres Leid ersparen. Und es ist in der Natur ja letzten Endes durch all die brutalen, gefräßigen Raubtiere so eingerichtet, dass es ein natürlicher Prozess ist. Ein altes Tier, das sich nicht mehr so schnell bewegen kann, wird natürlich viel schneller erlöst, in dem es gefressen wird, einem anderen Tier wieder zum Leben dient. Wenn das Raubtier geschickt ist, dann erwischt es auch mal ein junges. Und in einer günstigen Situation auch vielleicht mal ein Tier, was in vollster Kraft steht, wenn es überrascht wird. Das ist schon auch die Welt, in der wir leben. Die Frage ist natürlich, ob wir als Mensch dieses Raubtier sein wollen. Und das muss jeder auch denke ich mit sich ausmachen. Aber die Welt ist so. Die Welt funktioniert auch so.

Atmo: Schlachthof, schreiende Schweine Musik: “Vals para tres“, Juergen Schwenkglenks

Zitat Wilhelm Busch Das Messer blitzt, die Schweine schrei’n / man muss sie halt benutzen /denn jeder denkt, wozu das Schwein / wenn wir es nicht verputzen? / Und jeder schmunzelt, jeder jagt / nach Art der Kannibalen/ bis man dereinst „pfui Teufel“ sagt / zum Schinken aus Westfalen.

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Erzählerin Wilhelm Busch fand sie abscheulich, die „Metamorphose in Wurst“, doch zum Vegetarier hat ihn seine Abneigung gegen das Schlachten nicht gemacht. So lange die Verdrängung einigermaßen funktioniert, schmeckt auch der Schinken aus Westfalen.

Atmo: Elektrische Knochensäge

Erzählerin Der Schlachthof ist der Ort, wo die Verdrängung endet.

Atmo: Schlachthof

Erzählerin Die Fülscher Fleisch KG in Seestermühe bei Hamburg ist ein Familienbetrieb, der „Qualitäsfleisch mit Herkunftsgarantie“ verspricht. 900 Schweine und 100 Rinder werden hier wöchentlich geschlachtet. Auch die „glücklichen“ Tiere von Gut Wulfsdorf enden in der modernen Schlachtstraße der Fülscher Fleisch KG.

Erzählerin Die Schlachtstraße in der weißgekachelten Halle erinnert an das Montageband einer Automobilfabrik – doch hier werden keine Maschinen montiert, sondern Körper demontiert. Und die Männer am Band tragen keinen Blaumann, sondern weiße, blutbefleckte Gummischürzen, während sie mit zügigen, geübten Bewegungen die immer gleichen Handgriffe ausführen: Stechen, Entweiden, Sägen, Schneiden. Einige der Männer arbeiten hier seit Jahrzehnten. Altgeselle Helmut zum Beispiel, der seit 41 Jahren für die Firma Fülscher Schweine zerteilt – früher mit der Axt, heute mit der Kettensäge.

Autorin

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Der Geruch ist unbeschreiblich. Es stinkt nach gebrühtem Fleisch, versengter Haut, nach Blut und Därmen.

Erzählerin Am Anfang der Schlachtstraße werden die Schweine in Vierergruppen in eine Art Fahrstuhl geführt.

Autorin Sie schauen sich um, fast munter, wie Kinder auf einem Ausflug. Hellblaue Augen mit weißen Wimpern. Arglos. Ahnungslos. Ihre Haut unter den blonden Borsten rosig und hell. Wie unsere Haut. Neugierig schnüffelnd gehen sie in den Fahrstuhl.

Erzählerin Dann geht es abwärts, in eine Grube, die mit Kohlendioxid gefüllt ist. Nach etwa dreißig Sekunden verlieren die Tiere das Bewusstsein. Der Fahrstuhl kommt hoch, und die Schweine werden automatisch in eine große Metallwanne gekippt.

Autorin Reglos, die Augen geschlossen, liegen sie aufeinander, nebeneinander. Schlafende Tiere. Bis die Leiber in die riesige Stahlwanne gleiten. Ein verstörender Anblick. Es ist der Moment, in dem das Lebewesen zum Produkt wird.

Erzählerin Dann muss es schnell gehen. Bevor die Betäubung wieder nachlässt, werden die Tiere mit einer Kette am Fuß an ein Rohrband gehängt. Ihre Fahrt auf der Schlachtstraße beginnt.

Erzählerin Die betäubten Tiere werden „gestochen:“ Dabei öffnet der Schlachter mit dem Messer die großen Blutgefäße in der Nähe des Herzens. Das Blut entweicht in einem Schwall, als würde ein Eimer ausgekippt.

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Autorin Die weißen Gummistiefel in dem roten Blut, das ruhige Gesicht des Mannes, der Tag für Tag als „Stecher“ an diesem Platz steht, das Messer genau an die richtige Stelle setzt, konzentriert und zügig, als bediente er eine Maschine. Kein verrohtes, kein grobes Gesicht. Ein Mann, der seinen Job tut. Mehr nicht.

Erzählerin Durch den Blutentzug wird das Gehirn allmählich nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, so dass innerhalb von Minuten der Tod eintritt. „Schlachten ist Töten durch Blutentzug nach vorhergehender Betäubung“ – so steht es im deutschen Fleischhygienegesetz.

O-Ton 24: Anke Anderberg Also, ich assoziiere es nicht mit Hinrichtung. Denn Hinrichtung, das sind natürlich Menschen. Menschen töten Menschen.

Erzählerin Die Tierärztin Dr. Anke Anderberg ist im Schlachthof für die ständige Kontrolle der Hygiene und der Schlachtbedingungen zuständig.

O-Ton 25: Anke Anderberg Wir töten Tiere als Menschen in einem Schlachthof, aber ich persönlich sehe

immer

Menschen. Und der ist für mich auch wichtig. Ich kümmere mich gern um Tiere, aber ich weiß, dass ich mich primär um Tiere kümmer, deren Leben dazu bestimmt ist, gegessen zu werden. Und da komm ich auch mit mir sehr gut zurecht. Das stört mich nicht. In meiner Arbeit muss ich zusehen, dass sie gesund sind, dass es ihnen gut geht, und dass ihr Lebensziel dann ist, eines Tages als Bierschinken auf dem Tisch zu liegen, oder als Chicken Wing, das

noch einen Unterschied zwischen einem Tier und einem

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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ist für mich kein Problem. Und ich sehe eben immer noch den Unterschied zwischen Menschen und Tieren. Mitgeschöpfe ja, Mitmenschen nein.

Erzählerin Anke Anderberg hält die Übertragung unserer Gefühle und Befindlichkeiten auf ein Tier für eine unzulässige Vermenschlichung. Ein Schwein ist ein Schwein, sagt sie, und es erlebt seinen letzten Gang eben nicht wie ein Mensch, der zur Hinrichtung geführt wird.

O-Ton 26: Anke Anderberg Es hat die zweite LKW-Fahrt seines Lebens gerade hinter sich, wenn es hier

abgeladen wird, es ist in einer neuen Umgebung, wobei ich bei den Schweinen immer den Endruck habe, dass sie das total spannend finden, die beschnüffeln alles, die laufen überall entlang, das ist für die wirklich sehr interessant, in der ersten Zeit nach dem Abladen ist eben die Erkundung der Umgebung das Vorherrschende, da haben die keine Angst. Die sind

neugierig. Die wollen was erleben. In der zweiten Phase geht dann

Sozialverhalten schon wieder los: He, den kenn ich ja gar nicht. Und dann gehen die Beißereien los. Diese Ausruhzeiten können dann auch Stress

werden für die Tiere. Das ist aber ganz normales Sozialverhalten, das sie

auch die letzten 7 Monate ihres

Schweine hat sich aus meiner Sicht in dem Augenblick noch nichts geändert. Und dann werden sie wieder durch einen Gang gehütet. Wir wissen, es geht

ins Gas. Die Schweine wissen das nicht. Das ist ein Gang, die laufen hinter den anderen Schweinen her, das erste Schwein ist das mutigste Schwein, das sowieso immer das neugierigste ist, und alles, was dann kommt, ja, das ist als ob einer von uns in eine Gülle-Grube fällt. Man hört ganz selten ein Quiek, dass die überhaupt irgendwas registrieren, und die schlafen ein. Das, was ich

von einer

ganz selten, dass da mal überhaupt ein Geräusch zu hören ist, und Schweine quieken immer, wenn ihnen was nicht passt. Also ganz schnell und ganz

das

Lebens durchgelebt haben. Für die

Betäubung in dieser Form kenne, sieht so aus. Es ist wirklich

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leicht. Ich finde diese CO2-Betäubung im Vergleich zu dem, was früher war, wirklich sehr beruhigend. Für mich.

Atmo: Schlachthof

Erzählerin In der Schlachtstraße fahren die ausgebluteten Schweine jetzt zur Brüh- und Enthaarungsmaschine, wo die Borsten und die obere Hautschicht entfernt werden. Die Maschine sieht aus wie ein gigantischer Hähnchengrill. Die Schweine rotieren auf heißen Rollen, werden hin- und hergeworfen, von gelben Flammen umzüngelt.

Autorin Der unauslöschliche Anblick der großen Körper, die in den Flammen der Maschine auf- und abhüpfen. Ein makaberer Tanz der bleichen Schweineleiber. Sie sehen aus wie nackte, korpulente Menschen. Haben wir das Recht …?

Erzählerin Dann geht es weiter zum Entweiden. Mit einem langen Schnitt öffnet der Fleischer den Bauch des Schweines, dann zieht er die hervorquellenden Bauch- und Brustorgane heraus.

O-Ton 27: Jan Peter Fülscher Grundsätzlich find ich das gut, wenn sich Leute Gedanken darüber machen über diese Dinge.

Erzählerin Jan Peter Fülscher hat den Schlachtbetrieb von seinem Vater übernommen und immer wieder modernisiert. Er habe nichts zu verbergen, sagt Fülscher.

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Besuchergruppen, auch Privatpersonen, Kindergärten oder Schulklassen seien ihm in seiner Firma jederzeit willkommen.

O-Ton 28: Jan Peter Fülscher Es ist heutzutage so, dass die Leute weit weg von dem Ort sind, wo diese Lebensmittel hergestellt werden, wo Tiere geschlachtet werden. Und der Verbraucher hat ja die Macht, mit seinem Geld, mit seinem Einkaufsverhalten bestimmte Dinge auch zu steuern. Und genau wie vielleicht bei der Umweltbewegung oder bei anderen Dingen auch tut es uns eigentlich gut, wenn diese sogenannten Anwälte der Tiere auf Missstände auch hinweisen und uns auch immer wieder dazu bringen, erneut drüber nachzudenken, ob das, was wir tun, richtig ist, bzw. ob man die Art und Weise verbessern kann usw. Das immer wieder in Frage zu stellen. Das hält das Ganze ja auch lebendig und ist unheimlich wichtig. Und vielleicht kommen wir ja auch irgendwann dahin, dass wir das nicht mehr brauchen. Auch in der Nahrungskette nicht mehr brauchen. Dann ist es gut und richtig so gewesen. Im Moment seh ichs so, dass wir da nicht drumherum kommen, das so zu tun, und dann finde ich es wichtig, dass es in der Hand von Leuten liegt, die sich dieser Verantwortung durchaus bewusst sind. Und ich nehme das nicht persönlich, wenn jemand zu mir Henker oder Mörder sagen würde, weil ich es besser weiß. Ich weiß, was ich tue, ich weiß, welche Einstellung ich dazu habe, und es würde mich nicht berühren. Es würde mich vielleicht ein bisschen nachdenklich machen, aber es würde mich eigentlich nicht verletzen. Weil es nicht zutrifft.

Atmo: Vogel Gezwitscher Musik: “Track 5“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Zitat Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch gegeben alles samenbringende Kraut, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an welchem samenbringende

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Baumfrucht ist: es soll euch zur Speise sein; und allem Getier der Erde und allem Gevögel des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in welchem eine lebendige Seele ist, habe ich alles grüne Kraut zur Speise gegeben

Atmo: Küste, Möwen

Erzählerin Genesis 1, Vers 29-31 Carl Anders Skriver, der Vater der christlichen Veganer-Bewegung, war überzeugt, dass die Kirchenväter sich an Gottes Wort versündigt haben, als sie dem Menschen befahlen, sich die Erde untertan zu machen.

Musik: “Die Stunde des Metronoms“, Henrik Albrecht

Zitat: Carl Anders Skriver In principio schuf Gott eine vegetarische Weltordnung, und niemand, kein Jude und kein Christ, weiß es und sagt es weiter. Dieser Satz wurde von den Schriftgelehrten einfach übersehen und nicht als ein Urwille Gottes herausgehoben. Nicht der Kannibale oder Karnivore, sondern der Vegetarier ist der Archetyp des Menschen. Atmo: Küste, Möwen

Erzähler Skriver überlebte mit Glück – oder vielleicht mit Gottes Hilfe - den Zweiten Weltkrieg in der nordfriesischen Gemeinde Ockholm. Im Gasthof des Dorfes, direkt gegenüber der Kirche, saßen die parteitreuen Gegner des pazifistischen Pastors und redeten sich in Rage. Skriver war Mitglied der Bekennenden Kirche und wurde 1941 von der Gestapo verhaftet, weil er den Hitlergruß verweigert hatte. Nach einer Woche kam er überraschend wieder frei, wurde aber unter Dorfarrest gestellt. Nach Kriegsende setzte Carl Anders Skriver seinen veganen Kreuzzug fort, lud einmal im Jahr gleichgesinnte Christen aus ganz Deutschland in sein Pastorat an die Nordsee. Das abgelegene Ockholm wurde zu einem Zentrum der christlichen

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DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

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Vegetarierbewegung. 1952 gründete Skriver den Nazoräerorden, eine Gemeinschaft von Urchristen.

Atmo: Küste

O-Ton 31: Michael Skriver Eine lose, ganz wenig organisierte Gemeinschaft von Menschen, die Christen waren, und für die aber der Vegetarismus und Pazifismus, also Gewaltfreiheit im weiten Sinne, wichtig war, und die dann jedes Jahr zu den sogenannten Nazoräerkonventen kamen, die auch heute noch stattfinden.

Atmo: Lindenhof (Teller, Essensgong, Stühlerücken, Tischgespräche)

Erzählerin Mittagessen auf dem Lindenhof in Tuttlingen bei Stuttgart. Gemüseplatte mit Walnuss-Soße, Kartoffelbrei und Dinkelbratlinge. Ein Dutzend Frauen und ein Mann trudeln nach und nach aus ihren Zimmern ein - Teilnehmer des Seminars „Leben aus der Kraft der Quelle“, das der selbsternannte Weisheitslehrer Klaus Konstantin regelmäßig am Lindenhof anbietet. Der Weisheitslehrer trägt zum Vollbart einen grauen Zopf und hat sein Haargummiband farblich perfekt auf sein hellblaues Jeanshemd abgestimmt.

Atmo: Lindenhof („Guten Appetit allesamt“, Küsse, „Wünsche einen guten Appetit! Ebenso! Sehr gut!“)

Erzähler Der Lindenhof ist das, was man in Esoterik-Kreisen einen „Kraftort“ nennen würde:

Ein wuchtiger alter Bauernhof im Schwarzwald, umgeben von Obstwiesen und alten Bäumen, kilometerweit vom nächsten Haus entfernt. „Haus für Lebenserneuerung“ nannte Carl Anders Skriver den Lindenhof,

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als er ihn 1977 mit Freunden erwarb und zum Sitz der Gesellschaft für nazoräisches Urchristentum machte. Carl Anders Skriver starb 1983. Bis zu seinem Tod kämpfte er nicht nur für die Rechte der Tiere, er protestierte auch gegen Atomkraftwerke und Massenvernichtungswaffen, engagierte sich in der Friedensbewegung.

Erzählerin:

Der Nazoräerorden, der sich noch immer einmal im Jahr zu einem Konvent auf dem Lindenhof versammelt, stirbt allmählich aus. Nachwuchs gibt es kaum, berichtet Lindenhof-Geschäftsführer Wolfgang Papajewski. Nicht gestorben sei jedoch der Traum, die vegane Utopie.

O-Ton 35: Wolfgang Papajewski Sie sagen, es ist eine Utopie. Ich würd’s eher nennen: Das ist eine Zeitfrage. Viele Dinge im Leben geschehen in Kreisläufen. So eben auch die Bewusstseinsentwicklung der Menschen, und ich denke, dass am Ende, oder am Schnittpunkt, wo sich Anfang und Ende treffen, dass am Anfang eine

vegane

mir ist auch klar, dass sich das nicht erzwingen lässt, und dass das nicht eine Frage ist, die sich nur auf das Essen reduziert, sondern auch auf die spirituelle Entwicklung und das Bewusstsein des Einzelnen. Es hilft nichts, einen Willensakt zu vollbringen und zu sagen: Ich ernähre mich vegan, und Geist und Seele kommen da nicht hinterher. Es muss alles eine Einheit sein, dann hat es auch Bestand. Und ich sehe die Dinge auch so, dass alles gewissen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, und Zeiträume, die den Menschen zu Fleischessern gemacht haben, sehr lang sind, und dass die Abgewöhnung auch nicht von heute auf morgen geschehen kann, sondern dass das auch ein langer Prozess ist. Der über die vegetarische Ernährung zur veganen Ernährung sicherlich wieder zurückkehren wird.

Ernährung war, und am Ende auch wieder eine sein wird. Aber

Musik: “Track 2“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

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Erzählerin In der Peta-Zentrale in Stuttgart Gerlingen, nur eine halbe Stunde vom Lindenhof entfernt, hat man den Namen Carl Anders Skriver noch nie gehört. Und auch in der veganen „community“ liest niemand die Schriften des nordfriesischen Landpastors, der nach den Prinzipien der „Straight Edge“-Bewegung lebte, lange bevor sie erfunden wurde. Der die Ausbeutungsmethoden in Politik und Wirtschaft bereits anprangerte, als von Massentierhaltung und Globalisierung noch keine Rede war. So einig sie sich in ihrem Tierrechtsverständnis sind, die Christen, die Punkrockanarchisten und die Pragmatiker von Peta, jede Gruppe kocht ihr eigenes veganes Süppchen.

Atmo: Messer schärfen

O-Ton 37: Fleischermeister So, jetzt schneid ich die Karbonade vom Bauch ab, wo ich sie vorgesägt habe, kann ich da durchschneiden, zwischen Fleisch und Fett, schneid ich jetzt von dem Schweinebauch schneide ich die Wamme und die Quabbeln ab. Dass ich nen sauberen Schweinebauch zum Verkauf hab.

Atmo: Fußgängerzone Musik: “La Ville. Die Stadt“, Pierre Henry

Erzähler 59 kg Fleisch essen die Deutschen im Schnitt pro Jahr. Vor zwanzig Jahren waren es noch 70 kg. Der Fleischkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach vegetarischen Produkten – und dadurch auch das Angebot fleischloser Produkte im Einzelhandel und in der Gastronomie. Als erstes Land in der EU hat Deutschland im Januar 2002 den Schutz der Tiere im Grundgesetz verankert. Die Käfige für Hühner sind größer geworden, die

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Transportrichtlinien für Schlachtvieh wurden verschärft, die Ansprüche an eine artgerechte Haltung höher, aber das Recht, Tiere für einen „vernünftigen“ Zweck zu töten, bleibt bestehen. Ob es allerdings vernünftig ist, Tiere zu züchten und zu schlachten, um ihr Fleisch zu konsumieren, daran gibt es immer stärkere Zweifel. Die deutsche Landwirtschaft stößt fast ebensoviel CO2 aus wie der Straßenverkehr, und zwei Drittel dieser Emissionen gehen auf das Konto der Tierhaltung. Fleisch ist umweltschädlich – auch Biofleisch – das ergab eine Studie, die das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung im Auftrag der Verbraucherorganisation Food Watch erstellte. Und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ruft die Verbaucher neuerdings auf, weniger Fleisch zu essen. O-Ton 38: Harald Ullmann Wir sind sicherlich an der Speerspitze einer Bewegung, die mehr Empathie verbreiten will, die also sagt, dass wir über den Tellerrand hinausschauen müssen, dass es auf dieser Erde mehr Lebewesen gibt als nur wir Menschen. Und ich glaube, wir haben da schon sehr viel erreicht, und wir werden auch noch mehr erreichen in Zukunft. Es wird auch ganz unumgänglich sein, dass wir rein aus umwelttechnischen Gründen umdenken müssen. Wir können mit der Erde nicht mehr so umgehen wie wir in den letzten 50-100 Jahren umgegangen sind. Wir beuten sie rücksichtslos aus, das muss sich ändern, die Tierwirtschaft ist der größte Umweltverschmutzer und der größte Ausbeuter der Erde, und wir können nicht 8 oder 10 Milliarden Menschen auf der Erde ernähren, wenn wir die Erde weiterhin so ausbeuten.

Musik: “Track 2“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Erzählerin Speerspitze einer unaufhaltsamen Bewegung, wie Peta-Sprecher Harald Ullmann wähnt? Doch eher ein flüchtiges Zeitgeistphänomen? Oder immer wieder nur das einsame Anliegen besonders empfindsamer Naturen?

Musik: “Gump, Index”, Joseph Suchy

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Zitat: Carl Anders Skriver Der Versuch, das Tier wirklich vor dem Menschen zu schützen und zu retten, führt zum Zusammenstoß mit allen Jägern, Fischern, Tierzüchtern, Schlachtern, Pelz- und Lederhändlern, Ärzten, Klein- und Großhändlern und den Milliarden süchtigen Fleischkonsumenten.

Musik: “Track 4“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Autorin Haben wir das Recht. zu töten, um zu essen?

O-Ton 39: André Krebber Ich habe eine Vorstellung, wie ich mein Leben lebe, wie Tiere davon auch beeinflusst werden, und mir wird aber überall suggeriert, dass Tiere Objekte sind, Tiere sind lecker zu essen, Tiere sind zu schlachten, auf Tieren soll man reiten, plus dann, wenn ich irgendwohin gehe, natürlich wird dann neben mir die Salami-Pizza gegessen, wird das rohe Steak bestellt, was auch mit Genuss dann bestellt wird, und das ist auch nicht immer, dass das anonym passieren würde, das passiert auch in persönlichen Zusammenhängen, wo ich Freunde hab, die anders leben natürlich, die dann auch ganz unterschiedlich darauf Rücksicht nehmen, die das auch ganz unterschiedlich verstehen, die teilweise sagen, na klar versteh ich das, dass du damit nicht kannst, also lass ich das, ich esse dann kein Fleisch wenn du mitkommst. Es gibt aber auch Leute, die da keine Rücksicht drauf nehmen. Und mit diesen Widersprüchen, würd ich sagen, kann man mal besser, mal schlechter umgehen.

Musik: “Track 4“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Autorin

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dürfen wir unsere Mitgeschöpfe züchten und in Ställen halten, sie melken, ihre Eier

essen, uns mit ihrer Wolle kleiden?

Atmo: Küste

O-Ton 39,2: Michael Skriver

Ich war stark missionarisch, muss ich sagen, anders als mein Vater in der

Gemeinde. Da in der Schule hab ich probiert, ich hab diskutiert, ich hatte

einen Schulfreund, mit dem hab ich endlos diskutiert über diese Dinge, auch

über andere, und es war unmöglich durchzudringen und etwas zu erreichen.

Bis viel, viel später ich mit dieser Sache des Missionierens und Diskutierens

aufgehört hab, weil ich tatsächlich keinen einzigen Menschen auf diese Weise

zum Vegetarier machen konnte.

Ich konnte das aber nicht verstehen, weil ich mir sagte: Wenn für mich das so

einleuchtend ist, muss es doch eigentlich für jeden anderen auch einleuchtend

sein.

Autorin

Was gibt uns das Recht? Oder wer?

Musik: “Track 4“ (Dettinger Intershop), Olaf Dettinger

Musik: “Die Stunde des Metronoms“, Henrik Albrecht

Darüber: Absage

An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie vom veganen Leben. Ein Feature von Dörte Hansen.

Es sprachen:

Susanne Stangl Herbert Schäfer Johanna Gastdorf Hartmut Stanke und

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009 Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden

DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie

DOK 5 – Das Feature: 06./07.09.2009 An weißer Milch klebt rotes Blut - Die Utopie vom veganen Leben.

Reinhard Schulat

Technische Realisation:

Henning Schmitz

Regieassistenz:

Nike Zafiris Regie:

Susanne Krings

Redaktion:

Thomas Nachtigall

Produktion:

Westdeutscher Rundfunk 2009

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009 Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden